„Top Ten“ heißt das achte Studioalbum der Berliner Hip-Hop Formation Culcha Candela. Darauf befinden sich zehn schnell ins Ohr gehende Nummern, die irgendwo im Bereich zwischen Pop und Hip-Hop angesiedelt sind und auch mal Reggae-Anleihen aufgreifen. Unbeschwerte Gute-Laune-Musik, passend für den bevorstehenden Sommer, unkompliziert und häufig mit witzigen Texten versehen.
Wie bei vielen anderen Bands ebenso, so wurde auch die Veröffentlichung von „Top Ten“ auf dieses Jahr verschoben und war ursprünglich bereits für 2020 geplant – zusammen mit einer Tour. Alles leider aufgrund der Pandemie abgesagt. Nun, dafür bekommt man eben nun die Beats mit den eingängigen Melodien zu hören, perfekt für den hoffentlich dieses Jahr wieder stattfindenden Club-Sommer.
Musikalisch lohnt sich das super eingängige „Für Imma“, das trotz des nachdenklichem Textes zum Mitwippen animierende „Leb Jetzt“ und vor allen Dingen „Ratatang“. Für mich der Höhepunkt des Albums. Klasse lustiger Text, toller Groove und eingängige Melodie. Ein wenig zu anbiedernd „spaßig“ klingen Culcha Candela lediglich auf dem Titel „Hope“ – zum Mitgrölen auf der Tanzfläche jedoch auch bestens geeignet.
Fazit: Bei einem Culcha Candela Album weiß man, was einen erwartet. Und genau diese Musik bekommt man auch auf „Top Ten“ geboten. Gute-Laune-Lieder, zum Abtanzen und Mitgrooven. Schade allerdings, dass solch ein Album noch nicht einmal eine Laufzeit von einer halben Stunde aufweist. Ein bisschen mehr hätte es diesbezüglich durchaus sein dürfen. Ohne Bewertung.
1. Cold Grey Morning (from "Freaks Of Nature", 1995) (4:15)
2. Two Cents Worth (from "Masque", 1975) (4:28)
3. The Wall (from "Leftoverture", 1976) (6:04)
4. Song For America (from "Song For America", 1975) (10:32)
5. Summer (from "The Prelude Implicit", 2016) (3:59)
6. Musicatto (from "Power", 1986) (3:39)
7. Taking In The View (from "Power", 1986) (3:15)
8. Miracles Out Of Nowhere (from "Leftoverture", 1976) (7:25)
CD2:
1. Point Of Know Return (from Point Of Know Return, 1977) (3:40)
2. Paradox (from Point Of Know Return, 1977) (4:09)
3. The Spider (from Point Of Know Return, 1977) (2:08)
4. Portrait (He Knew) (from Point Of Know Return, 1977) (5:29)
5. Closet Chronicles (from Point Of Know Return, 1977) (6:40)
6. Lightning‘s Hand (from Point Of Know Return, 1977) (4:40)
7. Dust In The Wind (from Point Of Know Return, 1977) (4:08)
8. Sparks Of The Tempest (from Point Of Know Return, 1977) (4:29)
9. Nobody‘s Home (from Point Of Know Return, 1977) (4:54)
10. Hopelessly Human (from Point Of Know Return, 1977) (7:20)
11. Carry On Wayward Son (from "Leftoverture", 1976) (6:26)
12. People Of The South Wind (from "Monolith", 1979) (4:29)
13. Refugee (from "The Prelude Implicit", 2016) (4:29)
14. Lonely Wind (from "Kansas", 1974) (5:27)
Gesamtspieldauer CD1 (43:40) und CD2 (1:08:31): 1:52:11
Sechzehn Studioalben hat die US-amerikanische Rock Band Kansas bisher veröffentlicht. Und Auszüge aus neun dieser Alben bekommt man nun auf ihrem achten Live-Album „Point Of Know Return Live & Beyond“ zu hören – und dazu noch ihr komplettes fünftes und erfolgreichstes Studioalbum „Point Of Know Return“ aus dem Jahr 1977 in der originalen Reihenfolge der dort enthaltenen Lieder. Von der ursprünglichen Besetzung sind noch Schlagzeuger Phil Ehart und Gitarrist Richard Williams mit von der Partie.
„Point Of Know Return Live & Beyond“ ist ein musikalischer Feiertag für alle Kansas Fans. Zum einen bekommt man auf diesem Livemittschnitt einen sehr schönen Überblick über das Schaffen der US-Amerikaner und kann musikalisch in dem Album schwelgen, welches wohl für viele das bekannteste der Band sein dürfte. Die Lieder spielen alle nah am Original, die Unterschiede zu den Studioversionen sind nicht groß und so lässt sich mit etwas Live-Stimmung im Hintergrund bestens und mit lediglich leichten Variationen in die Musik von Kansas eintauchen.
Man hört den sieben Musikern richtig an, dass sie Spaß an der Sache haben und ihre Musk für das Publikum zelebrieren. Vor dem Lied „Dust In The Wind“ dankt Sänger Ronnie Platt dem ehemaligen Mitglied Kerry Livgren für das Komponieren dieses Songs und hebt nochmals die Bedeutung dieses Liedes für die Karriere von Kansas hervor. Dieses Lied war sicherlich für viele jenes, so auch für mich, über welches sie Kansas kennenlernten.
Der Sound auf „Point Of Know Return Live & Beyond“ klingt kraft- und druckvoll und klar, alles ist sehr gut abgemischt, jedes Instrument ist gut vom anderen abgegrenzt, der Gesang präsent und gut zu verstehen. Nichts verschwimmt, von daher alles gut gemacht Kansas. Die letzten drei Nummern des Albums gibt es schließlich in akustischen Versionen zu hören. Auch damit können Kansas überzeugen.
Fazit: Auf „Point Of Know Return Live & Beyond“ kann man in der Musik von schwelgen – und dies über vier Jahrzehnte hinweg. Dazu gibt es noch das komplett live eingespielte „Point Of Know Return“ zu hören. Alle Lieder halten sich relativ nahe an den Originalen. Kleine Variationen sind vorhanden, die machen das Ganze hier nur noch spannender. Wer tatsächlich noch nichts von Kansas kennen sollte bekommt hier einen schönen Überblick über die ersten vierzig Jahre des musikalischen Schaffens der Band und ihr berühmtestes Album in seiner Gesamtheit. Elf Punkte.
„Little Feat“ heißt das erste Studioalbum der gleichnamigen US-Rockband Little Feat. Es wurde 1971 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Records veröffentlicht. Das Cover zeigt das Wandgemälde, „Venice In The Snow“, gemalt von der L. A. Fine Arts Squad im Jahr 1970 in Venice, Los Angeles.
Mit 33:28 ist „Little Feat“ sehr kurz ausgefallen und man sollte definitiv Southern Rock mit Blues- und Boogie-Anleihen mögen, um mit dieser Scheibe warm werden zu können. Leider fehlen auf diesem ersten Album von Little Feat völlig die eingängigen Melodien oder auch jene groovenden Abschnitte, die einem Rock-Fan auch das Herz erwärmen könnten. Da klingen Lynyrd Skynyrd schon deutlich überzeugender, kreativer und eingängiger.
Dazu gesellt sich der Umstand, dass sowohl Lowell George wie auch Bill Payne keineswegs überzeugend sangen. Richtig gelungen klingt das selten, oftmals sogar ein wenig schräg – leider wohl unbeabsichtigt. Und schließlich ärgert noch etwas an diesem Album. Es ist die Aufnahmequalität, die keineswegs mehr heutigen Standards genügt. Die Lieder klingen vom Sound her sehr dünn und dumpf. Dreht man den Lautstärkeregler weiter auf, hört sich das Ganze noch schlimmer und frustrierender an. Leiser abgespielt hört man hingegen sehr undifferenziert klingende Lieder, die einfach so an einem vorbeiziehen, ohne dabei irgendwelche Spuren zu hinterlassen.
Fazit: Es gibt Musik und Aufnahmen, die sind heute nur noch mit viel Nostalgiegefühl im Bauch gut zu hören. Jedes, Jahre zuvor entstandenes Beatles-Album klingt da soundtechnisch deutlich besser, als dieses erste Little Feat Album. Von der Musik ganz zu schweigen. Southern Rock Fans dürften aber trotzdem etwas für sich auf diesem Debut finden. Hört man diese Musik aus neutraler Sicht, wird es ungleich schwieriger. Fünf Punkte.
„Restless And Wild“ heißt das vierte Studioalbum der deutschen Heavy-Metal-Band Accept. Es wurde am 2. Oktober 1982 in Kontinentaleuropa und im darauffolgenden Jahr in den USA und Großbritannien veröffentlicht. „Restless And Wild“ erschien auf dem Plattenlabel Brain und war das erste Accept-Album, das nicht im Delta-Studio aufgenommen wurde, da die Band in Dieter Dierks' Studio in Stommeln umgezogen war. Es ist auch das erste Accept-Album, bei dem Udo Dirkschneider alle Titel singt.
Zu hören gibt es auf „Restless And Wild“ relativ kompromisslosen und konsequenten Heavy Metal. Dieser hämmert relativ unbeirrt durch das Album, besitzt durchaus Qualität, ohne großartige Ausschläge nach unten. Heute klingt das – bei aller Würdigung des Alters – einigermaßen bieder, trotzdem wahrlich nicht schlecht. Heavy Metal Fans werden auch heute noch Spaß an der Scheibe finden.
Zwei Höhepunkte gibt es auf „Restless And Wild“ und das sind die beiden längsten Stücke der Platte „Neon Nights“ sowie „Princess Of The Dawn“. Diese beiden Lieder verfügen über eine eingängige Melodie, changieren die Stimmungen, wandeln sich und gehen eben noch besser ins Ohr, als die restlichen Stücke des Albums. Höhepunkt auf „Restless And Wild“ ist dabei sicherlich der letzte Titel „Princess Of The Dawn“ der zeigt, welches Potential in der Band steckte.
Fazit: Deutscher Heavy Metal aus den 80ern. Ziemlich konsequent, kompromisslos und mit zwei Höhepunkten und keinen Ausfällen. Den Hevy Metal Fans dürfte das auch heute noch gefallen. Acht Punkte.
Erscheinungsjahr: 1973 (Wiederveröffentlichung mit Bonus Tracks 2013)
Stil: Blues Rock
Trackliste:
CD1:
1. One Of These Days (6:27) (Frankfurt)
2. You Give Me Loving (6:02) (Frankfurt)
3. Good Morning Little Schoolgirl (7:26) (Frankfurt)
4. Hobbit (8:36) (Frankfurt)
5. Help Me (11:03) (Amsterdam)
6. Time Is Flying (Bonus Track) (5:36) (Frankfurt)
7. Standing At The Station (Bonus Track) (11:50) (Frankfurt)
8. Jam (Bonus Track) (18:09) (Amsterdam)
CD2:
1. Help Me (Bonus Track) (12:05) (Paris)
2. I Woke Up This Morning (Bonus Track) (4:26) (Rotterdam)
3. Sweet Little Sixteen (Bonus Track) (4:24) (Frankfurt)
4. Jam (Bonus Track) (16:32) (Frankfurt)
5. Classical Thing (0:52) (Paris)
6. Scat Thing (0:57) (Paris)
7. I Can‘t Keep From Cryin‘ Sometimes (Part 1) (1:57) (Paris)
8. Extension On One Chord (10:45) (Paris)
9. I Can‘t Keep From Cryin‘ Sometimes (Part 2) (3:12) (Paris)
10. Silly Thing (1:08) (Frankfurt)
11. Slow Blues In 'C' (8:14) (Frankfurt)
12. I‘m Going Home (10:54) (Frankfurt)
13. Choo Choo Mama (3:21) (Frankfurt)
Gesamtspieldauer CD1 (1:15:11) und CD2 (1:18:53): 2:34:04
Am 6. März 2013 ist Alvin Lee verstorben und im Juni desselben Jahres wurde das zweite und erfolgreichste Live-Album von Ten Years After „Recorded Live“ neu aufgelegt und in Form einer Doppel-CD mit jeder Menge Bonus-Material wiederveröffentlicht. Die sieben Bonus-Titel befinden sich am Ende von CD1 und überraschenderweise zu Beginn von CD2. Aufgenommen wurden die Lieder während der Konzerte am 26. bis 29. Januar 1973 in Frankfurt, Rotterdam, Amsterdam und Paris.
Wer Blues Rock mag kommt an Ten Years After einfach nicht vorbei. Denn genau das zelebrieren Alvin Lee, Leo Lyons, Chick Churchill und Ric Lee auf „Recorded Live“. Tief kann man mit diesem Album in diese Musik eintauchen und sich während zweier exzessiver Jams, die nun in Form von Bonus-Tracks auch auf dieser Veröffentlichung enthalten sind, ihr ganz hingeben. Nun bin ich wahrlich kein Blues-Rocker, doch gerade diesen losgelösten Stücken wohnt etwas Besonderes inne.
Umso unverständlicher, warum auf der ursprünglichen Ausgabe des Albums das Lied „Standing At The Station“ nicht enthalten war. In diesem Lied feiern Ten Years After den Blues Rock mit der Akzentuierung auf dem Wort „Rock“. Alles fließt, alles vibriert, alles groovt. Rock at it’s best. Man kann den vier Musikern die Spielfreude noch heute anhören. Perfektes Spiel zwischen Orgel und Gitarre, einfach mitreißend. Allein wegen dieses Stücks lohnt sich der Erwerb von „Recorded Live“ bereits.
Fazit: Wer auf Blues Rock steht oder Ten Years After beziehungsweise Alvin Lee Fan ist, wird jede Menge Spaß mit diesem Album haben. Exzessiver Blues Rock, in keiner Weise begrenzt oder reglementiert. Und auf alle Freundinnen und Freunde des Rocks wartet dann noch der zwölfminütige Bonus Track „Standing At The Station“. Unfassbar gut. Acht Punkte.
Gesamtspieldauer CD1 (1:13:15) und CD2 (1:11:55): 2:25:10
Knapp zweieinhalb Stunden Musik präsentieren uns Mono Inc. auf ihrem dritten Kompilationsalbum. Über alle Alben hinweg – elf sind es bisher – wurden gerade die Lieder herausgesucht, welche dunkler, trauriger, melancholischer oder sentimentaler klingen, als die restlichen Stücke der Band um Martin Engler. Der Titel dieses Doppelalbums spiegelt dies bereits sehr gut wider: „Melodies In Black“.
Diese etwas düstere Stimmung verströmt jedes der 34 Lieder auf „Melodies In Black“. Mono Inc. schaffen es sowieso immer wunderschöne Melodien zu kreieren, auf dieser Zusammenstellung kann man sogar noch tiefer in Melodiösität und schönen Harmonien eintauchen. Das klingt und geht ins Ohr. Wie schreibt Martin Engler im Begleittext: „Manche Menschen schreiben Tagebücher, andere pflegen Fotoalben oder sammeln Erinnerungsstücke in Schatzkisten. Ich tue all das nicht. Ich schreibe Songs.“ Lieder, die nahe gehen und bestimmte Ereignisse seines Lebens nochmals aufgreifen.
Könnte alles so schön sein. Klingt es auch. Doch diese Atmosphäre über zweieinhalb Stunden gehört ruft spätestens nach einer Stunde nach Abwechslung. Die auf „Melodies In Black“ allerdings nicht zu hören ist. Das soll nicht bedeuten, dass Mono Inc. das Album hätten kürzer halten sollen – man kann ja später weiterhören und hat so wahrlich viel Musik für sich.
Dass sich mit „Scared“ allerdings ein bisher noch unveröffentlichtes Lied mit auf das Album geschlichen hat, hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack. Klar sind die Lieder neu arrangiert und eingespielt worden, jedoch bekannt. Diesen zusätzlichen „Kaufanreiz“ für die Fans, die alles von ihrer Band „besitzen“ möchten, finde ich manchmal nicht ganz fair. Aber klar, freies Land, freie Entscheidung und so weiter.
Fazit: Stimmungsvolle und intensive Musik gibt es auf „Melodies In Black“ zu hören. Die Lieder wurden neu arrangiert und eingespielt, unterscheiden sich etwas von den Originalen. Dazu befindet sich noch ein neuer Titel mit auf dem Doppelalbum. Für Leute, die Mono Inc. noch nie gehört haben sicher eine lohnende Anschaffung. Für die Fans, die eh schon alles besitzen? Ich weiß nicht… Zehn Punkte.
Anspieltipps: Life Hates You, In The End, In My Darkest Hours, When All My Cards Are Played, The Best Of You
„Anthem Of The Peaceful Army“ nannte die US-amerikanische Band Grets Van Fleet ihr erstes Studioalbum, welches am 19. Oktober 2018 auf dem Plattenlabel Republic Records veröffentlicht wurde. Die Lieder „When The Curtain Falls“, „You‘re The One“ sowie „Lover, Leaver“ wurden zusätzlich als Singles ausgekoppelt und veröffentlicht.
Die Musik, die auf „Anthem Of The Peaceful Army“ zu hören ist scheint irgendwie nicht aus dieser Zeit zu stammen und erinnert sehr viel eher an den oftmals bluesorientierten Rock der 70er Jahre. Klares Vorbild scheint für Greta Van Fleet dabei Led Zeppelin zu sein. Und dies nicht nur aufgrund der Tatsache, dass sich Joshua Kiszkas Gesang an vielen Stellen schon sehr dem des Robert Plant annähert. Insgesamt ist es der Klang der Musik von Greta Van Fleet, der diesen Vergleich aufkommen lässt.
Nun, ein Led Zeppelin-Klon ist die Band damit allerdings keineswegs. Greta Van Fleet klingen noch ein wenig massentauglicher und bezüglich des Rockes etwas angepasster, als die britischen Vorgänger und Vorbilder. Trotzdem hat die Musik was, es macht Spaß zuzuhören. Die Musik von damals scheint hier noch etwas erweitert zu werden, ohne einfach nur eine Kopie zu sein. Besonders gelungen sind dabei die Lieder „Age Of Man“ sowie „Brave New World“. Tolle Rock-Titel, die schnell ins Ohr gehen und spannend aufgebaut sind. Viele Bands, die solche Musik noch zelebrieren gibt es zur Zeit nicht mehr.
Fazit: Klar erinnert das erste Album von Greta Van Fleet etwas an Led Zeppelin. Und das hat mehrere Gründe, diese Stimme, der Klang der Lieder, die Melodien. Doch die Musik unterhält, ohne dabei zur reinen Kopie zu verkommen. Das Album enthält einige Höhepunkte und keine Ausfälle. Für alle Freundinnen und Freunde des Rocks sicherlich geeignet. Macht Spaß. Neun Punkte.
MajorVoice, das ist Ronald Zeidler, ein Sänger mit einer eindringlichen Bass-Stimme. „Morgenrot“ heißt die vierte Veröffentlichung, ist gleichzeitig das dritte Studioalbum von MajorVoice und wurde am 22. Januar 2021 auf Nocut Entertainment (SPV) veröffentlicht.
Auf „Morgenrot“ hört man überaus eingängige Musik, Pop-Musik mit ganz starker Musical-Einfärbung. Melodiös klingt das jederzeit, geht immer ins Ohr und Ronald Zeidler ist ein klasse Sänger, das erfühlt und hört man gleich beim ersten Durchlauf des Albums. Mal ertönt die Musik von MajorVoice orchestral, wobei es sich dabei wohl um Synthesizer-Sounds handelt, mal wird ein Lied zurückhaltender instrumentiert, doch das ist eher die Ausnahme, denn die Regel. Ronald Zeidler wechselt zwischen deutscher und englischer Sprache, was das Album nochmals etwas auflockert.
Störend klingt dieses sture und monotone Bum – Tsching – Bum – Tsching – Bum – Tsching des Schlagzeugs, welches sich durch das Album zieht. Man muss definitiv Musical Fan sein, um mit diesem Sound und dieser Musik „warm“ zu werden. Denn auch wenn alles melodiös klingt, so hört es sich doch leider sehr austauschbar an und hinterlässt kaum Spuren. Die Lieder gehen ins Ohr – und verlieren sich dann.
Fazit: „Morgenrot“ ist ein Pop-Album für Musical-Fans. Nein, „Morgenrot“ ist ein Musical-Album für Pop-Fans. Egal, wie man es wendet oder dreht, Musical-Musik schwingt immer mit. Die Lieder klingen eingängig, hinterlassen jedoch kaum Spuren, dafür singt Ronald Zeidler wahrlich gut. Sechs Punkte.
Nachdem im letzten Jahr die EP „Others“ veröffentlicht worden war, erscheint nun das vierte komplette Studioalbum von Frost mit dem Titel „Day And Age“. Schlagzeuger Craig Blundell hatte die Band im Jahr 2019 verlassen und so engagierten Frost mit Kaz Rodriguez (Chaka Khan, Josh Groban), Darby Todd (The Darkness, Martin Barre) und Pat Mastelotto (Mister Mister, King Crimson) gleich drei unterschiedliche Drummer, die beim Einspielen der Titel halfen.
Zu Beginn wird man von einer freundlichen Kinderstimme begrüßt und schließlich mit den gar nicht mehr so freundlichen Worten „Du Abschaum“ in das Album entlassen. Abschaum oder nicht, man sollte sich darauf einlassen, denn auf „Day And Age“ bekommt man rockigere Töne zu hören, als noch auf den Vorgängeralben. Der Pop ist gegenüber dem Rock stark ins Hintertreffen geraten, was der Musik von Frost durchaus guttut.
Das Album startet sofort mit der längsten Nummer und gleichzeitig dem Titellied. „Day And Age“ besteht aus mehreren Teilen, die überzeugend miteinander verbunden sind ohne, dass es konstruiert wirken würde. Das Lied steigert sich bezüglich des Tempos und groovt dabei richtig gut. Der Mix aus Instrumentalabschnitten sowie gesungenen Passagen lässt nie Langweile aufkommen und macht die knapp zwölf Minuten zu einer kurzweiligen musikalischen Reise. Schöner Einstieg.
Das folgende und rockige „Terrestrial“ lebt von seinem Rhythmus, wohingegen „Waiting For The Lie“ im Anschluss daran balladesk klingt und vom Piano dominiert wird. Natürlich gehen die Nummern allesamt ins Ohr. Nichts anderes ist zu erwarten, wenn John Mitchell mit von der Partie ist, der auch den Sound von Kino, It Bites oder Lonely Planet prägt. Doch, dass Frost auch anders können, beweisen sie gleich mit dem folgenden Titel „The Boy Who Stood Still“. Mal eine rhythmisch pulsierende Nummer mit Sprechgesang, dann fast hymnisch klingend, sich sphärisch weiterentwickelnd und schließlich in einen Drumpart mündend, der von allerlei unterschiedlichen Geräuschen und Stimmen begleitet wird.
Die beiden folgenden Lieder sind solide Rockstücke, wohingegen „Kill The Orchestra“ sich größtenteils im Mid-Tempo abspielt. Mit „Repeat To Fade“ kommen dann nochmals all diejenigen auf ihre Kosten, die melodischen Rock mögen. Eine Sopransängerin begleitet das Stück im Hintergrund, wieder sind Stimmen von weit her zu hören, die mich manchmal an „The Wall“ von Pink Floyd erinnern. Das Lied fährt Tempo und Rhythmus zurück und schließlich mündet alles in einem fast schon bombastischen Ausklang des Albums, der mit dem weißen Rauschen eines Fernsehers endet.
Fazit: „Day And Age“ kling rockiger, als die Vorgängeralben von Frost. Eingängig bleibt die Musik der Band dabei natürlich trotzdem. Die Lieder entwickeln sich, changieren die Stimmungen und das Album unterhält, wird in seinem Verlauf niemals langweilig. Elf Punkte.
„Working On A Dream“ heißt das sechzehnte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Bruce Springsteen. Es erschien weltweit am 27. Januar 2009 auf dem Plattenlabel Columbia Records. Lediglich in Deutschland und Irland war das Album bereits am 23. Januar veröffentlicht worden. Bei der Einspielung unterstützte ihn einmal mehr seine langjährige Begleitband, die E-Street Band. „Working On A Dream“ verkaufte sich weltweit mehr als 3 Millionen Mal. Das Titellied „Working On A Dream“ sowie die Lieder „My Lucky Day“, „The Wrestler“ und „What Love Can Do“ waren zusätzlich als Singles veröffentlicht worden.
Auf „Working On A Dream“ hört man eine poppig-rockige Mischung, die jederzeit gut ins Ohr geht. Der Groove zieht sich durch das gesamte Album, sodass man laufend den „Zwang“ verspürt beim Zuhören mit dem Fuß mitwippen zu wollen. Gut gemachter und melodiös klingender Mainstream Rock, der jederzeit eine gewisse Qualität besitzt und Fans von Bruce Springsteen kaum enttäuschen dürfte. „Working On A Dream“ ist solides Bruce Springsteen Album geworden, ohne große Ausfälle.
Dafür befinden sich auf der Platte allerdings zwei sehr hörenswerte Höhepunkte im Schaffen des Musikers. Zum einen ist da das etwas getragen und melancholisch klingende und trotzdem mit ordentlich Rhythmus und Tempo versehene „Life Itself“. Schöne Nummer, eingängig und länger nachhallend. Der Höhepunkt des Albums ist allerdings der wunderschöne Opener, das achtminütige „Outlaw Pete“. Hier paart Bruce Springsteen eine spannende, wenn auch traurige Geschichte mit sehr eindringlicher Musik, die sich auch durch die Instrumentierung von den anderen Stücken abgrenzt. Viele Streicher und ein wunderschön nach den 70ern klingender Hammond Orgel Sound unterstreichen die Sonderstellung dieses Stücks auf „Working On A Dream“. Ein Lied mit Ohrwurmcharakter – auch über die gesamte Laufzeit von acht Minuten hinweg.
Fazit: Ein grundsolides Album ist die sechzehnte Studioveröffentlichung des Bruce Springsteen geworden. Alle Freundinnen und Freunde seiner Musik dürften viel auf „Working On A Dream“ für sich entdecken. Und dann gibt es da noch das Lied „Outlaw Pete“, welches auch „neutralere“ Fans einzufangen versteht. Alleine wegen dieses Liedes lohnt sich bereits der Kauf des Albums. Neun Punkte.
Bonustracks der remasterten Wiederveröffentlichung:
12. Lighthouse (3:27)
13. Come On (5:10)
Gesamtspieldauer: 1:01:18
„Map Of The Past“ heißt das fünfte und bisher letzte (Stand Mai 2021) Studioalbum der englischen Rock Band It Bites. Es wurde ursprünglich am 26. März 2012 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht und erscheint nun im Jahr 2021 in einer remasterten Version inklusive zweier Bonus-Titel. „Map Of The Past“ ist das erste Konzeptalbum der Band. Mittels alter Photographien wird eine emotionale Reise in die Vergangenheit angetreten. Gitarrist und Sänger John Mitchell schrieb das Album zusammen mit Keyboarder John Beck. Zur Band gehörte nun auch Bassist Lee Pomeroy, nachdem sich auf dem letzten Album noch John Mitchell und John Beck die Bassparts geteilt hatten.
Die Musik auf „Map Of The Past“ klingt manchmal leicht verwunschen, verträumt bis melancholisch, dem textlichen Inhalt durchaus angepasst. Sehr viel sanfte Töne gibt es auf dem Album zu hören, maximal werden Rhythmus und Geschwindigkeit bis zum Mid-Tempo gesteigert. Die einzelnen Lieder gehen ineinander über, was den Eindruck eines Konzeptalbums nochmals verstärkt. Dazu hört man auf „Map Of The Past“ noch eingängigere Melodien, als auf dem Vorgänger „The Tall Ships“. Mit Progressive Rock kann man dabei allerdings auch dieses Album kaum umschreiben. Zwar sind die Lieder etwas komplexer arrangiert und zum Teil auch mittels des London Symphony Orchestras aufwendiger instrumentiert, doch man hört trotzdem immer noch eine poppig-rockige Mischung, jederzeit fähig gut ins Ohr zu gehen.
Das ist das Merkmal der Musik auf „Map Of The Past“, da kommt man einfach nicht drum herum. Die Lieder hören sich dabei mal überzeugender, mal weniger überzeugend an, je nachdem wir sehr sie in den Pop abdriften. Ein Beispiel hierfür ist der Titel „Clocks“. Klingt nicht nur sehr poppig, sondern dazu auch noch süßlich. Muss man nicht haben. Bei anderen Liedern wurde das besser und spannender gelöst, am Gelungensten beim Titel „Meadow And The Stream“. Abwechslungsreich mit einigen Stimmungswechseln versehen und natürlich auch wieder eingängig und melodiös.
Die beiden nun auf dem Album enthaltenen Bonus Titel „Lighthouse“ und „Come On“ stehen den übrigen Liedern in nichts nach und verlängern dadurch das Hörerlebnis. Die Abschmischung klingt zudem klasse. Ich habe keinen Vergleich zur ursprünglichen Version des Albums, doch alle Instrumente sowie der Gesang klingen klar und gut aufeinander abgestimmt.
Fazit: „Map Of The Past“ klingt für mich noch etwas besser als der Vorgänger „The Tall Ships“. Das liegt durchaus an der Eingängigkeit, aber auch am Aufbau und den Arrangements der Lieder. Und auch hier gilt, wie für alle It Bites Scheiben: Wer auf die eingängige Variante, den melodischen Pop-Prog steht, die oder der wird hier fündig. Neun Punkte.
Das bereits achtzehnte Studioalbum der niederländischen Band Kayak stellt „Out Of This World“ dar. Nachdem Bandleader und letztes verbliebenes Gründungsmitglied Ton Scherpenzeel Ende 2019 einen Herzinfarkt erlitten hatte und die beginnende Pandemie sowieso keine Touren mehr erlaubte, konzentrierte sich die Band darauf neues Material einzuspielen. Fünfzehn neue Titel gibt es auf „Out Of This World“ zu hören, die allesamt Ton Scherpenzeel komponierte. Lediglich bei der Nummer „Traitor’s Gate“ bekam er Unterstützung durch Schlagzeuger Hans Eijkenaar.
„Out Of This World“ klingt sehr abwechslungsreich, was nicht nur an der Musik selbst liegt. Lead-Sänger Bart Schwertmann ließ bei insgesamt fünf Titeln die Kollegen ans Mikrophon. Drei davon wurden durch Marcel Singor eingesungen. Doch auch Kristoffer Gildenlöw durfte mal ran und bei „Ship Of Theseus“ hört man Ton Scherpenzeel sogar höchstpersönlich. Sicherlich ein zusätzliches Stilmittel, um die Vielfältigkeit eines Albums zu unterstreichen, Bart Schwertmanns Gesang klingt dabei allerdings doch am Überzeugendsten.
Die Musik von Kayak deckt auf „Out Of This World“ mit den musikalischen Genres von Pop über Rock und Mainstream, bis hin zu Art Rock mit progressiven Ausflügen eine sehr große Bandbreite ab. Solch Pop-Liedchen wie „Cary“ sind dabei glücklicherweise die Ausnahme und dauern in diesem Fall auch lediglich weniger als drei Minuten. Eingängig klingt die Musik von Kayak auf „Out Of This World“ immer und solch eine Rock-Nummer wie „Waiting“ entwickelt sich bereits beim ersten Mal des Hörens zum Ohrwurm, dessen „Oh-Oh-Oh“ alle Fans auf den hoffentlich bald folgenden Konzerten mitgrölen werden.
Doch noch interessanter klingt da schon der vielschichtige Opener und gleichzeitig das Titellied „Out Of This World“. Spannender Aufbau und diverse Wendungen, gelungene Breaks und toll arrangierter mehrstimmiger Gesang prägen dieses Lied. Hier sind Kayak ihren progressiven Wurzeln noch mal ganz nah. Ebenfalls sehr lohnenswert lässt sich dem deutlich ruhigeren, atmosphärisch dichten und zunächst fast getragen klingenden „Under A Scar“ lauschen. Allerdings entwickelt sich auch dieses Lied in rockigere Gefilde, lebt von der Abwechslung und weist gegen Ende sogar leichte Musical-Anleihen auf – ohne, dass ich die Skip-Taste drücken müsste.
Wunderschöne Keyboardläufe bekommt man mit „Critical Mass“ serviert. Gegen Ende schmettert Bart Schwertmann seine Botschaft irgendwo zwischen Pathos und Verzweiflung in das Mikrophon. Schließlich soll an dieser Stelle auch noch das längste Stück des Albums Erwähnung finden. „A Writer’s Tale“ besteht ebenfalls aus geschickt miteinander verwobenen Abschnitten, die die Spannung hochhalten, da immer wieder neue Wege eingeschlagen werden. Auch hier ist die Nähe zum Musical gegeben, doch den letzten Schritt in diese Richtung vermeiden die Holländer dann glücklicherweise doch noch.
Fazit: Kayak unterhält auf „Out Of This World“. Das Album gehört zu den guten Scheiben der Holländer. Die Musik klingt abwechslungsreich und jederzeit melodiös und eingängig. Wer auf die melodiöse Ausrichtung des Art Rock bis Neo Prog steht, gewürzt mit etwas Pop und Rock, wird mit der Scheibe sicherlich Spaß haben. Zehn Punkte.
Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung:
12. These Words(5:42)
13. When I Fall (4:38)
Gesamtspieldauer: 1:19:59
It Bites ist eine englische Rockband, die 1982 in Egremont, Cumbria, England, gegründet wurde. Von 1986 bis 1989 veröffentlichten It Bites insgesamt drei Studioalben. Im Jahr 1990 löste sich die Band auf. Schließlich kam es 2003 zu einer Reunion mit verändertem Line-Up. Dieses wechselte in den folgenden Jahren nochmals, bis schließlich im Oktober 2008 mit neuem Sänger und Gitarristen John Mitchell das vierte Album von It Bites mit dem Namen „The Tall Ships“ erschien. „The Tall Ships“ wird nun am 7. Mai auf dem Plattenlabel InsideOut Music neu veröffentlicht und enthält beide Bonus-Tracks, die sonst nur einzeln auf der europäischen und der japanischen Ausgabe des Albums zu finden waren.
Auf „The Tall Ships“ hört man eine rockige-poppige Mischung, die jederzeit gut ins Ohr geht. Die Band weiß wie man Melodien entwickelt, die sich sehr schnell festsetzen. Mit Progressive Rock, einem Genre, welches It Bites auch immer wieder gern zugeschrieben wird, hat das allerdings nur am Rande etwas zu tun. It Bites bewegen sich mit ihrer Musik schon deutlich mehr im Bereich des Mainstream Rocks. Eingängig klingt das jedoch wie bereits erwähnt immer und die Musik unterhält auch durchaus. Die Neuauflage des Albums klingt zudem bezüglich des Remasters überzeugend. Alle Instrumente und der Gesang erklingen klar und gut aufeinander abgestimmt. Das hat sich gelohnt.
Wer also auf locker klingenden und eingängigen Rock steht, die oder der dürfte hier sehr viel für sich finden. Die beiden Bonus-Titel reihen sich da qualitativ sehr schön in die Reihe der elf „offiziellen“ Titel ein. Bei solch allzu poppigen Stücken wie „Great Disasters“ oder „Fahrenheit“ fühlt man sich zwar als Freund rockiger Klänge eher nicht so wohl, „Playground“ und das exzessive „This Is England“ entschädigen jedoch dafür wieder. Gerade letztgenannter Titel folgt nicht dem Schema „Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Solo-Strophe-Refrain“ und hält einige Wendungen parat. Nicht nur bezüglich der Länge fühlt und hört man hier ein Lied, welches dann doch noch ganz zart die melodische Ausprägung des Progs streift. Mit viel Abwechslung und Eingängigkeit gepaart mit einer kleinen Prise Pathos stellt es für mich den Höhepunkt auf „The Tall Ships“ dar.
Fazit: Wer auf eingängigen Rock steht, der auch manchmal etwas poppiger klingt, kann mit „The Tall Ships“ von It Bites nichts falsch machen. Zumindest klitzekleine progressive Ansätze sind auch enthalten. Gute Laune Musik, die schnell ins Ohr geht, dabei weder vertrackt, noch zu kompliziert klingt. Acht Punkte.