Im Jahr 2016 erschien das vierte Studioalbum der norwegischen Band Airbag. „Disconnected“ heißt dieses und wurde einmal mehr für eine Airbag-Produktion auf dem norwegischen Plattenlabel Karisma Records veröffentlicht.
Auf „Disconnected“ hört man alle Zutaten, die ein Airbag-Album ausmachen. Die sechs Lieder wurden mit eingängigen Melodien ausgestattet und umschwärmen das Ohr der Hörerin und des Hörers zumeist eher sanft. Sehr viel auf „Disconnected“ erinnert dabei an die Musik von Pink Floyd der späteren Jahre, die hier einmal mehr Pate stand. Die Atmosphäre der einzelnen Stücke, die Wechsel zwischen den verschiedenen Abschnitten und sowohl der Keyboardsound wie auch die Gitarren-Soli lassen unweigerlich Assoziationen und Vergleiche in diese Richtung aufkommen. Wer also diese späteren Veröffentlichungen von Pink Floyd mag, kann sich hier seine Lieblingsmusik leicht modifiziert anhören.
Das Album wird noch interessanter, je länger es läuft. Die beiden Höhepunkte auf „Disconnected“ befinden sich dementsprechend auch in der zweiten Hälfte der Platte und heißen „Sleepwalker“ und „Disconnected“ selbst, das Titellied also. Hier geht die Musik jetzt noch ein wenig mehr ins Ohr und erinnert ehrlich gesagt auch noch ein bisschen mehr nach Pink Floyd – muss ja nichts Schlechtes bedeuten.
Fazit: Airbag Fans werden auch dieses Album lieben, denn man hört darauf die typische Musik der Norweger. Dass diese inspiriert wurde von den Kollegen von Pink Floyd spürt man immer wieder. Wer dies als reines „Abkupfern“ empfindet wird sicherlich keinen Spaß an diesem Album haben. Ist man allerdings offen für diese „Ausweitung“ der Musik, steht dem Hörgenuss nicht viel entgegen. Zehn Punkte.
„Cry“ heißt das zweite Studioalbum der US-amerikanischen Dream Pop Band Cigarettes After Sex. „Cry“ erschien am 25. Oktober 2019 auf dem Plattenlabel Partisan Records. Vorher war bereits die Single „Heavenly“ ausgekoppelt und veröffentlicht worden. In Deutschland erreichte das Album Platz 29 der Charts. In Großbritannien immerhin noch Platz 36 und im Heimatland der Musiker von Cry, in den USA, reichte es bis Platz 152 der US Billboard 200.
Auf „Cry“ hört man sanfte Musik. Sehr sanfte Musik. Zahlreiche Synthesizer-Teppiche legen sich über jeden Titel. Die Rhythmusfraktion aus Bass und Schlagzeug hält sich sehr zurück und auch die Gitarre klingt oftmals fast wie aus dem Hintergrund kommend. Zu all dem passt bestens der Gesang des Greg Gonzalez, der meistens gehaucht klingt, jedoch setzt er seine Stimme auch mal fast flüsternd ein. Das musikalische Genre Dream Pop umschreibt die Musik sehr gut, wobei die Lieder auch unter der Bezeichnung Ambient Pop durchaus zutreffend beschrieben sind.
Das klingt alles eingängig und melodiös, doch zu viel passiert nicht auf „Cry“. Und auch wenn man sanfte Melodien verfolgt, die Lieder stehen nicht im Verdacht einen Ohrwurm zu generieren. Zu sanft und fast schon entrückt klingt das alles. Und damit muss man sich beim Hören auch darauf einstellen, dass die vierzig Minuten Spieldauer des Albums allesamt recht ähnlich klingen. Jeder Titel ist im selben Tempo gehalten und noch schlimmer, da dann doch auch etwas langweilig, jedes Lied verbreitet die absolut gleiche Atmosphäre. Es entsteht an keiner Stelle Spannung oder Abwechslung, von Experimenten braucht man schon gar nicht zu sprechen.
Dementsprechend gestaltet es sich auch sehr schwierig einen Höhepunkt des Albums zu benennen. Alle Lieder klingen sehr ähnlich bis gleich und sind demnach allesamt als Anspieltipps und als Höhepunkt geeignet. Und wenn man diese Art der Musik nicht mag wird man auch kaum einen Titel finden, den man besser oder schlechter als die anderen findet. Die einzelnen Lieder sind wie ein langer Fluss, der sich dahinschlängelt und ergeben ein großes, einheitliches Ganzes. Zum Relaxen und Entspannen ist die Musik klasse. Doch habe ich immer nach dem Hören des Albums das Gefühl aufspringen zu müssen, um irgendetwas etwas zu erleben.
Fazit: Sanften, sehr sanften Dream Pop gibt es auf „Cry“ von Cigarettes After Sex zu hören. Musik zum Entspannen. Aufregend klingt da nichts, melodisch alles. Die Atmosphäre des Albums ist durchwegs getragen und zum Teil deshalb auch langweilig. Irgendwie fehlt die Abwechslung. Sieben Punkte.
„Origins“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Pop-Rock-Band Imagine Dragons. „Origins“ wurde am 9. November 2018 auf dem Platenlabel Kidinakorner veröffentlicht. Mit den Liedern „Natural“, „Zero“, „Machine“, „Bad Liar“ und schließlich im Jahr 2019 auch noch „Birds“ wurden insgesamt fünf Lieder des Albums als Singles ausgekoppelt.
Sänger, Keyboarder und Gitarrist Dan Reynolds bezeichnete „Origins“ in einem Interview als Schwesteralbum zum ein Jahr zuvor veröffentlichten Album „Evolve“. Nicht weiter verwunderlich dementsprechend, dass man auch auf der vierten Platte von Imagine Dragons eine eingängige Mischung aus Pop und Rock hört. Die Lieder gehen praktisch durchgängig ins Ohr – ohne dabei jedoch zu viele Spuren zu hinterlassen. Auf „Origins“ hört man massen- und radiokompatible Musik, die sich absolut im Mainstream bewegt und dabei weder Ecken noch Kanten aufweist.
Trotzdem wirken diese Nummern und unterhalten auch, wenn man denn nicht zu hohe Ansprüche an Musik legt. Hören kann man das gut und man kommt fast schon ins Grübeln, welches Lied denn nun die eingängigste Nummer ist oder welches der Stücke das eigene Lieblingslied auf „Origins“ darstellt. Alles klingt zwar irgendwie melodisch eingängig, dabei eben aber leider auch ähnlich – zu ähnlich. Nun, ich möchte an dieser Stelle dann aber doch die beiden Lieder „Bad Liar“ sowie „West Coast“ anführen. Für mich eben jene zwei Titel, die den höchsten Wiedererkennungswert besitzen.
Fazit: Mainstream Pop und Mainstream Rock bekommt man hauptsächlich von Imagine Dragons geboten. So verhält es sich auch mit ihrem vierten Album „Origins“. Spektakulär oder gar außergewöhnlich klingen die Lieder des Albums nicht. Doch sie sind eingängig und gehen ins Ohr. Nichtsdestotrotz hört sich die Musik von Imagine Dragons auch auf diesem Album leider austauschbar und ersetzlich an. Acht Punkte.
Am 14. Januar 2022 erscheint das neue, das inzwischen bereits achte Studioalbum der spanischen Band Toundra auf dem Plattenlabel InsideOut Music. Und auch wenn das Cover von „Hex“ sowie die Umstände des Entstehens in Zeiten von Corona auf etwas anderes hindeuten könnten, zu dunkel klingt das neue Album des spanischen Quartetts nicht. Bei der Plattenausgabe von „Hex“ besteht die erste Seite aus dem Titel „El Odio“, zu Deutsch „der Hass“, auf der zweiten Seite befinden sich dann vier Titel mit Laufzeiten von knapp fünf bis knapp acht Minuten.
Ganz egal ob kürzeres Stück oder längere Nummer, eines ist allen Titel auf „Hex“ gemein: Sie klingen eingängig. Dabei variieren die Spanier sehr gut das Tempo, den Rhythmus und die Stimmungen. Die Musik wandelt sich von sanft und akustisch bis sphärisch über groovende Abschnitte bis hin zu harten, kompromisslosen Riffs. Manch ein Thema wird dabei sogar fast schon Mantra-artig wiederholt und entwickelt auf diese Weise fast schon eine Art hypnotisierende Wirkung. Die Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten innerhalb der Lieder, wie auch zwischen den einzelnen Stücken selbst, klingen dabei immer gelungen und gewachsen, nie abrupt oder gar konstruiert.
Der Stil der Lieder wird vom ersten bis zum letzten Akkord eingehalten. Dies bezieht sich auf die eben genannten Zutaten wie eingängige Melodie, Rhythmus, Tempo und die unterschiedlichen, oftmals wechselnden Atmosphären und Stimmungen. Das wiederum gestaltet die Unterscheidung der einzelnen Lieder allgemein bei Instrumentalalben mitunter etwas schwierig. Am textlichen Inhalt kann man sich nicht orientieren, da nicht vorhanden. Somit sind es genau jene gerade genannten Zutaten, die Lieder auf Instrumentalalben dann doch unterscheidbar werden lassen. Aber genau dies passiert auf „Hex“ für mich nicht, die Lieder des Albums spielen alle in derselben Liga. Sie ergänzen nicht das musikalische Spektrum, sie erweitern einen eingeschlagenen Weg in der Breite.
Das wiederum kann man negativ beurteilen und langweilig finden – oder man taucht für eine Dreiviertelstunde in Musik ein, die für sich durchaus geschlossen, folgerichtig und immer wieder überraschende Entwicklungen aufweist, die allerdings regelmäßig auftreten. Legt man „Hex“ auf, weiß man sofort, was einen erwartet. Eingängige Instrumentalmusik, rockig, atmosphärisch und durchaus spannend. Dieser Ansatz wird vom ersten bis zum letzten Lied konsequent verfolgt.
Fazit: Auf „Hex“ klingen Toundra einmal mehr überzeugend. Instrumentaler Rock, der sehr mit den Stimmungen spielt und sanfte wie harte, sphärische wie auf den Punkt kommende Abschnitte aufweist. Für mich ist das so ein Album, welches ich mir gerne abends, nach der Arbeit mit Kopfhörern auf dem Sofa anhöre. Absolut entspannend und doch irgendwie auch spannend. Zehn Punkte.
Musa Dagh ist nicht nur ein 1355 m hoher Berg der im Nurgebirge im Süden der Türkei liegt. Nach diesem benannte sich auch die deutsche Band um Aydo Abay, Thomas Götz und Aren Emirze. Am 26. November 2021 erschien ihr Debutalbum auf dem Plattenlabel Cargo Records.
Den Gesang von Aydo Abay hatte ich bereits auf der Veröffentlichung „Love And Distortion“ kennen und schätzen gelernt. Musa Dagh stehen für Independent Rock mit progressiven Einschüben, für Heavy Rock, der nicht nur auf Härte setzt, sondern trotzdem auch mit wunderschönen Melodien aufwartet. Vieles dieser Eingängigkeit bewirkt jener Aydo Abay, der mit seiner Stimme so unfassbar gut ins Ohr geht und den Liedern das gewisse Etwas, das Besondere verleiht. Thomas Götz und Aren Emirze treiben die Lieder voran, rhythmisch perfekt abgestimmt und mit einem Groove versehen, der die Füße ganz automatisch zum Mitwippen bewegt. Coole Musik, die hoffentlich viele Hörerinnen und Hörer findet.
Dabei wirkt die Musik vom ersten bis zum letzten Akkord. Ausfälle hört man auf dem selbstbetitelten Album keine und es endet ganz untypisch mit dem Titellied „Musa Dagh“. Die einzige Instrumentalnummer des Albums, die brachial beginnt und schließlich sanft mit Streichern endet. Und davor gibt es jede Menge weitere Höhepunkte, oftmals hart und düster, doch trotzdem immer eingängig. Die Höhepunkte mögen Freundinnen und Freunde des Rocks dabei genug für sich finden. Meiner heißt neben dem Titellied das kurze „Like / Love“. Apropos „kurz“. Das ist das einzige Manko, was man der band etwas ankreiden könnte. Mit 33 Minuten ist die Laufzeit nicht gerade üppig ausgefallen. Doch diese 33 Minuten haben es in sich. Lohnt sich.
Fazit: Spannenden und abwechslungsreichen Rock bekommt man auf dem selbstbetitelten Debut von Musa Dagh zu hören. Die Lieder rocken, knallen zum Teil richtiggehend aus den Boxen und gehen dabei doch auch immer ins Ohr. Man kann nur hoffen, dass dieses Album von vielen gehört wird. Verdient hätte es die Band allemal. Elf Punkte.
Das dritte Album des Montréaler Saxophonisten und elektroakustischen Komponisten Jason Sharp heißt „The Turning Centre Of A Still World“. Das Album erschien am 27. August 2021 auf dem Plattenlabel Constellation. Zum ersten Mal hat Jason Sharp eine Platte völlig allein eingespielt und auf Gastmusiker verzichtet. So kann man auf dem Album nachlesen, dass dieses „composed, arranged and performed by Jason Sharp“ ist.
Liest man weiter den Begleittext zur Veröffentlichung so „erforscht Jason Sharp mit diesem Album klanglich die Mensch-Maschine-Kalibrierung, deren Interaktion, Ausdruck und Biofeedback“. Sein Atem fließt in die Musik mit ein genau wie sein Puls, der über einen Herzmonitor in den Liedern umgesetzt wird. Dazu gesellt sich sein manchmal digital bearbeitetes, manches Mal akustisch zu hörendes Saxophon-Spiel und ergibt eine klangliche Melange aus akustischen und digitalen Sounds, die insgesamt – außer beim Intro und Outro – immer sehr elektronisch gehalten sind.
Das alles klingt durchaus interessant, mündet manchmal allerdings auch in eher unspektakulären Ambient-Sounds. Selbstverständlich darf man hier keine eingängigen Melodien erwarten, es ist eine Atmosphäre, die hier transportiert wird. Diese ist zumeist sehnsüchtig, frei, auch unspektakulär. Trotzdem wirkt diese Musik, wenn man solch elektronische Sounds mag. Ich höre hier am Rande ein paar Parallelen zu Klaus Schulze und Tangerine Dream.
Am Überzeugendsten klingt die Musik des Jason Sharp immer dann, wenn er es schafft diese in einem Lied zu steigern. Von daher ist es nur zu verständlich, dass „Velocity Of Being“ den Höhepunkt auf „The Turning Centre Of A Still World“ darstellt. Ein auch wieder sehnsüchtig beginnendes Lied, welches sich dann immer weiter steigert und dadurch seinen Reiz gewinnt. Doch diese Nummer ist eine Ausnahme auf dem Album, genau wie die akustisch gehaltenen Ein- und Ausstiege.
Fazit: Ambient, Avantgarde, elektronische Musik, und Saxophon? Wer auf diese Verschmelzung gespannt ist und vor allen Dingen der elektronischen Musik offen gegenübersteht, die oder der wird an diesem Album Gefallen finden. Man hört hier wenig „Atem“ und „Puls“. Etwas mehr Saxophon, jedoch auch zumeist verfremdet. Ambient-Fans werden es lieben. Neun Punkte.
Adele Adkins – lead vocals, guitar (on "Daydreamer", "Crazy for You", and "My Same"), bass guitar (on "Best for Last" and "Make You Feel My Love"), celesta (on "First Love"), cowbell (on "Right as Rain")
Gastmusiker:
Jim Abbiss – glockenspiel
Matt Allchin – guitar
Pete Biggins – drums, percussion (on "Cold Shoulder")
Neil Cowley – piano, Hammond organ, Wurlitzer
Rosie Danvers – string arrangements
Tom Driessler – bass, bass guitar, tambourine
Chris Elliott – string arrangements, string conductor
Schlicht „19“ heißt das Debütalbum der englischen Sängerin Adele, welches am 28. Januar 2008 auf dem Plattenlabel XL Recordings veröffentlicht worden ist. Benannt ist das Album nach dem Alter der Sängerin während der Produktion und Veröffentlichung. Die Kritiken zu „19“ fielen überwiegend positiv aus, die Stimme der jungen Britin wurde immer wieder gelobt. Die Lieder „Hometown Glory“, „Chasing Pavements“, „Cold Shoulder“ sowie „Make You Feel My Love“ wurden als Singles ausgekoppelt. Bis jetzt hat sich „19“ knappe sieben Millionen Mal verkauft.
Auf „19“ hört man eine Mischung aus Blues und Soul mit einigen poppigen Einsprengseln. Und solch eine Nummer wie „Chasing Pavements“ könnte auch gut Teil eines Musicals sein. Diese zumeist poppigen Ohrwürmer, die Adele auf späteren Alben veröffentlichen sollte, fehlen hier noch. Im Zentrum steht der Gesang der Adele, der für eine 19-jährige Sängerin wahrlich überraschend ausgereift klingt. Die Musik selbst packt einen da deutlich weniger, wenn man auf eingängige Melodien steht. Blues- und Soul-Fans dürften mit „19“ allerdings durchaus ihren Spaß haben.
Adele singt toll, ihre Stimme ist klasse. Musikalisch erreicht mich das Ganze allerdings nicht. Die Lieder scheinen so an einem vorbei zu ziehen, ohne Spuren zu hinterlassen. Dies gilt mit einer Ausnahme. Das letzte Lied des Albums, „Hometown Glory“, klingt wunderschön und ist auch der Höhepunkt auf diesem Debutalbum. Selbstverständlich steht auch hier der Gesang im Vordergrund, dazu gibt eine es wunderschöne Klavierlinie zu hören und unterstrichen wird dies durch sanfte Streicher. Wahrlich schön. Mit deutlich mehr Abstrichen sind auch noch die drei Titel „Daydreamer“, „First Love“ und „Make You Feel My Love“ hörenswert. Der ganze Rest weiß leider so gar nicht mehr zu überzeugen.
Fazit: Auf dem Album „19“ wurde die Stimme der Adele entdeckt. Die Musik selbst, zwischen Blues und Soul angesiedelt, weiß dagegen nicht allzu sehr zu überzeugen. Freundinnen und Freunde dieser musikalischen Genres werden das freilich anders sehen. Nähert man sich diesem Album allerdings von der eher rockigen oder poppigen Seite bekommt man nur wenige Höhepunkte geboten. Einer ist allerdings ganz gewiss das Lied „Hometown Glory“. Doch das genügt nicht, um ein gutes Album zu hören. Sechs Punkte.
„Dig, Lazarus, Dig!!!“ heißt das vierzehnte Studioalbum des australischen Musikers Nick Cave mit seiner Band The Bad Seeds. Das Album wurde am 3. März 2008 auf dem Plattenlabel Mute Records veröffentlicht. Die Lieder „Dig, Lazarus, Dig!!!“, „Accidents Will Happen“ sowie „More News From Nowhere“ wurden daraus als Singles veröffentlicht. In Australien kletterte das Album bis auf Platz 2, in Großbritannien bis auf Platz vier und in Deutschland bis auf Platz 6 der Charts. „Dig, Lazarus, Dig!!!“ ist das letzte Album mit Gründungsmitglied Mick Harvey, der die Bad Seeds 2009 verließ, und dem Organisten James Johnston, der die Band vor der Support-Tour verließ. Und gleichzeitig ist es die zweite Platte ohne das Gründungsmitglied Blixa Bargeld.
Auf „Dig, Lazarus, Dig!!!“ hört man Alternative Rock, der eher dunkel bis düster daherkommt. Zu viel „Frohsinn“ verbreitet das Album musikalisch gesehen definitiv nicht – auch nicht inhaltlich. Dabei klingen die Lieder zumeist – jedoch nicht durchweg – eingängig. Umso intensiver selbstverständlich, je mehr Zeit man der Platte gibt im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers zu reifen. Doch es ist auch diese dunkle Stimmung, die das Album verbreitet, welche einen sehr schnell packt – dies nun bereits beim ersten Mal des Hörens. Mitunter ist diese Atmosphäre fast schon hypnotisierend, wie beim experimentell monotonen „Night Of The Lotus Eaters“. Dann klingt alles wieder deutlich rockiger und man muss fast mit dem Fuß mitwippen. Als Beispiel steht hier das sich anschließende „Albert Goes West“.
Die Höhepunkte des Albums heißen „Hold On To Yourself“, „Jesus Of The Moon“ und „Midnight Man“. Tolle, eingängige Melodien, spannender Aufbau und ebenso gelungene Texte. Doch auch bei diesen Titeln überwiegt die Melancholie, die manchmal fast an Trauer erinnert. Aber genau das macht dieses Album auch so intensiv.
Nick Cave schrieb auf der Homepage seiner Band über das Album: „Seit ich mich erinnern kann, als Kind in der Kirche die Lazarus-Geschichte gehört zu haben, hat sie mich beunruhigt und beunruhigt. Ich war sogar traumatisiert. Natürlich haben wir alle Ehrfurcht vor dem größten Wunder Christi - der Auferweckung eines Mannes von den Toten - aber ich konnte nicht anders, als mich zu fragen, wie Lazarus sich dabei fühlte. Als Kind war mir das unheimlich, um ehrlich zu sein. Ich habe Lazarus in New York City angesiedelt, um dem Lied einen hippen, modernen Touch zu geben. Ich habe auch an Harry Houdini gedacht, der einen Großteil seines Lebens damit verbracht hat, die Spiritisten zu entlarven, die mit den Hinterbliebenen Geld machen wollten. Er glaubte daran, dass nach dem Tod nichts weitergeht. Er war der zweitgrößte Entfesselungskünstler, Harry war es, Lazarus war natürlich der größte. Ich wollte eine Art Vehikel, ein Medium, für Houdini schaffen, damit er zu uns sprechen kann, wenn er es wünscht, Sie wissen schon, aus dem Jenseits.“
Fazit: Intensiv klingt das vierzehnte Studioalbum von Nick Cave and The Bad Seeds mit dem Titel „Dig, Lazarus, Dig!!!“. Nick Cave verarbeitet hier ein religiöses Thema und transportiert es in die Jetzt-Zeit. Dunkel klingt dieses Album und dabei auch spannend und packend. Wer auf eher „düstere“ Sounds steht, wird hier nichts falsch machen können. Elf Punkte.
Anspieltipps: Hold On To Yourself, Jesus Of The Moon, Midnight Man
Nine Inch Nails das ist Trent Reznor, der sein „Projekt“, seine Band immer wieder um Gastmusiker erweitert und somit jede Menge Einflüsse in ein neues Album einfließen lässt. „The Downward Spiral“ ist das zweite vollständige Album der Nine Inch Nails und erschien am 8. März 1994 auf dem Plattenlabel Interscope Records. Ich habe mich diesem Album genähert, da ich unbedingt die Originalversion des Liedes „Hurt“ kennenlernen wollte, welches von Johnny Cash so unfassbar intensiv gecovert wurde.
Nun, die Nine Inch Nails stehen für Industrial Rock. Und was da nicht alles mit einfließt. Techno und Dance, elektronische Musik sowie Rock, bis hin zum Metal. Viele verschiedene musikalische Genres werden hier „verarbeitet“ beziehungsweise werden sie mit umgesetzt. Dabei klingen die Lieder auf „The Downward Spiral“ häufig sperrig bis dissonant. Gut, bis sehr dissonant. Das gilt für die Musik, wie für den Gesang. Oftmals steigert Trent Raznor diesen Gesang sehr langsam. Zunächst beginnt er fast schon flüsternd, schwillt an, bis alles in einem riesigen Geschrei mündet. Die Musik verhält sich dabei entsprechend. Nein, die Lieder auf „The Downward Spiral“ gehen nicht ins Ohr, sie sind eindeutig für den Moment des Hörens gemacht und nur für diesen und nicht für die Zeit danach. Im Grunde genommen gar kein schlechter Ansatz.
Dazu hält das Album immer wieder Überraschungen parat, nach dem Ablauf Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Solo-Refrain funktioniert die Musik der Nine Inch Nails auf „The Downward Spiral“ sowieso nicht. Das ist auch bei anderen Bands so, die dann oftmals sehr spannend klingen. Doch genau das fehlt diesem Album. „The Downward Spiral“ packt nicht. „The Downward Spiral“ ist lediglich „Arbeit“, ein Album, welches man sich immer wieder erarbeiten muss. Doch auch nach dem zigsten Mal des Hörens fühlt man sich in dieser „Abwärtsspirale“ gefangen, diese Scheibe immer wieder neu erarbeiten zu müssen. Und irgendwann legt man sie dann nicht mehr auf.
Doch die Texte lohnen gehört beziehungsweise mitgelesen zu werden. Diesbezüglich klingen die Lieder durchaus intensiv. Die Musik schafft es jedoch aufgrund der vorherrschenden sperrigen Attitude dagegen nur phasenweise zu überzeugen. Und das Lied „Hurt“? Das klingt in der Cover-Version wesentlich besser als im Original. Sowas kommt selten vor und sagt einiges über dieses Album aus – oder über Johnny Cash.
Fazit: Industrial Rock ist anstrengend. Und genau den bekommt man auf „The Downward Spiral“ geboten. Meistens ist das Gehörte sehr sperrig und es wird eindeutig zu viel geschrien. Letzteres mag als Stilmittel mal ganz interessant sein, aber dauernd eingesetzt? Ins Ohr geht auch sonst kaum etwas, spannend klingt es nur teilweise, nimmt man die Texte aus, sodass diese Scheibe eher enttäuscht, denn begeistert. Sechs Punkte.
„Maidan“ nannte die dänische Band Boundaries ihr erstes Studioalbum, welches am 16. April 2021 im Eigenverlag erschien. Darauf zu hören ist tiefdunkler Post Rock bis Alternative Rock, der intensiv und zumeist düster aus den Boxen strömt.
Es ist eine ganz besondere Atmosphäre, die Boundaries mit ihrem Erstlingswerk verströmt. Diese transportierte, dunkle Stimmung wird durch zahlreiche, im Rock weniger beheimatete Instrumente noch vertieft. Mandoline, Cello und das chinesische Instrument Guzheng machen diese Musik noch spannender. Fröhlich klingt es an keiner Stelle auf „Maidan“. Rockig manchmal, psychedelisch immer wieder und eben traurig, dunkel und auf eine bestimmte Weise neblig grau.
Und dann bedienen sich die vier Musiker zusätzlich noch des Stilmittels der Redundanz. Parts werden Mantra-ähnlich wiederholt und entwickeln dabei eine fast schon hypnotisierende Wirkung. Sehr cool.
Über die Dauer des Albums von etwas über vierzig Minuten kann man wunderbar in diese Musik einsteigen und sich fallen lassen. Alle Lieder erklingen mit derselben Attitude und nichts rettet einen vor diesem dunklen Eindruck, den die Platte intensiv verströmt und schließlich auch hinterlässt. Von daher gibt es keine Ausfälle auf „Maidan“. Die Höhepunkte wird jede und jeder dagegen für sich selbst finden. In meinem Fall sind es die beiden Titel „Separation Song“ und „Witness“. Ich hätte an dieser Stelle allerdings auch jedes andere Lied des Albums anführen können.
Fazit: Post und Alternative Rock gibt es auf „Maidan“ von der dänischen Band Boundaries zu hören. Jederzeit klingt die Musik der vier Musiker intensiv und packend – und eben auch düster bis dunkel. Irgendwie hört sich das alles sehr besonders an, fällt aus dem Rahmen, ist weit davon entfernt Mainstream zu sein. Wer also „besondere“ Musik mag, die oder der wird hier fündig. Zehn Punkte.
„Offline“ heißt das fünfte und bisher letzte Studioalbum der deutschen Rockband Guano Apes. Es wurde am 30. Mai 2014 auf dem Plattenlabel Sony Music veröffentlicht. Als Single war das Lied „Close To The Sun“ bereits im Februar ausgekoppelt und veröffentlicht worden. „Offline“ erreichte Platz 8 der Charts in Deutschland, in Österreich und der Schweiz kletterte das Album immerhin bis auf Platz 26 beziehungsweise 31.
Auf „Offline“ hört man eingängigen Alternative Rock, vom Funk Metal der ersten Veröffentlichungen der Guano Apes ist auf dem Album nichts mehr zu hören. Das mag man mögen oder bedauern, Spaß macht „Offline“ jedoch trotzdem. Man muss sich diese Scheibe nicht großartig erarbeiten, die Musik „zündet“ ganz schnell – und dies obwohl hier kein Lied anbiedernd oder direkt auf einen Massenmarkt hin produziert klingt. Die Mischung zwischen härteren Nummern und sanfteren Stücken stimmt. Und alles geht dabei gut ins Ohr, ohne sich langweilig anzuhören.
Es gibt keine Ausfälle auf „Offline“. Alles klingt und wirkt, wenn man denn auf Alternative Rock steht. Ein absolutes „Überlied“ befindet sich allerdings auch nicht auf der Scheibe. Die Qualität der Titel ist gleichmäßig gut und gelungen ohne, dass die Band dabei einen absoluten Ohrwurm produziert hätte. Höhepunkt für mich ist das Lied „Numen“. Das ist abwechslungsreicher und eingängiger Alternative Rock, der einfach Spaß macht gehört zu werden. Ebenfalls noch sehr gelungen ist der Opener des Albums, das Stück „Like Somebody“. Doch da auch die restlichen Lieder zu überzeugen wissen, macht das Durchhören des Albums einfach Spaß.
Fazit: Die Guano Apes waren mit „Offline“ vollkommen im Alternative Rock angekommen, doch das „Ergebnis“ klingt durchaus gelungen und hörenswert. Zehn Lieder befinden sich auf dem Album, die durchgängig Spaß machen und ins Ohr gehen. Wer hier wo ihre oder seine Höhepunkte sieht beziehungsweise hört wird sicherlich Geschmackssache bleiben. Leute, die auf Alternative Rock stehen, dürften mit „Offline“ sicherlich ein lohnendes Album hören. Neun Punkte.
Gesamtspieldauer CD1 (46:34) und CD2 (50:49): 1:37:23
Sigrid und Marina klingen immer dann in Ordnung, wenn sie sich an traditionelle Stücke heranwagen. Volkstümlicher Schlager mit Schlagzeug-Computer klingt dagegen auch bei den beiden Schwestern deutlich weniger erträglich – außer man befindet sich vielleicht auf einer Kirchweih im Bierzelt.
Nun und entsprechend klingen auch die Lieder auf diesem Weihnachtsalbum. Sind es traditionelle Lieder so vermitteln diese durchaus ein entsprechendes Weihnachtsgefühl. Verstecken sich in den Liedern allerdings volkstümliche Schlagerweisen, die auf Weihnacht hingetrimmt wurden, ist es entsprechend schwer dem Ganzen zu lauschen.
Somit hinterlässt „A Weihnacht wie‘s früher war“ einen durchwachsenen Eindruck, zumal viele der Lieder bereits auf früheren Weihnachtsalben der beiden Schwestern zu hören waren. Und ein paar Veränderungen an den Arrangements machen die Titel da auch nicht zu neu eingespielten Stücken.
Fazit: Wenn es traditionell klingt, dann ist „A Weihnacht wie‘s früher war“ ein schönes Weihnachtsalbum geworden. Wenn es nach volkstümlichem Schlager klingt, deutlich weniger. Schade auch, dass viele Lieder bereits veröffentlicht wurden. Sechs Punkte.
Anspieltipps: Traditionelles Weihnachtsliedermedley, Aber heidschi bumbeidschi
„The Dreaming“ heißt das vierte Studioalbum der englischen Sängerin Kate Bush. Es wurde am 13. September 1982 auf dem Plattenlabel EMI veröffentlicht. Kate Bush hat das Album selbst produziert und von Juni 1981 bis November 1982 wurden daraus die Lieder „Sat In Your Lap“, „The Dreaming“, „There Goes A Tenner“, „Suspended In Gaffa“ sowie „Night Of The Swallow“ als Singles veröffentlicht. „The Dreaming“ kletterte zwar bis auf Platz 3 der britischen Charts, verkaufte sich allerdings schlechter, als noch die drei Vorgängeralben. Inzwischen taucht die Platte jedoch in zahlreichen Besten- und Lieblingslisten auf.
Durchgängig eingängig ist „The Dreaming“ auch nicht. Kommerziell klingt das keineswegs, der Art Pop Aspekt wird auf dem Album groß geschrieben, welches man sich durchaus erst erarbeiten muss. Doch es klingt eindeutig nach Kate Bush und dies ist nicht nur dem außergewöhnlichen Gesang der Engländerin zu verdanken. Es sind auch die Arrangements der Lieder und deren Wendungen, die „The Dreaming“ zu einem Kate Bush Album werden lassen. Klasse dabei einmal mehr der vielschichtige Hintergrundgesang, den es sonst so, in dieser Art, nirgendwo anders zu hören gibt. Und einige schrägere Töne haben sich auch mit eingefunden. All diese Zutaten zusammen hört man bestens auf dem Lied „Pull Out The Pin“.
Mag man es dagegen lieber sehr eingängig, dann sollte man sich die beiden Lieder „There Goes A Tenner“ und vor allen Dingen „Suspended In Gaffa“ genauer anhören. Gerade letztgenanntes Lied ist für mich der Höhepunkt auf „The Dreaming“ und auch ein Höhepunkt im Schaffen der Kate Bush überhaupt. Außergewöhnliche und beeindruckende Vokalarrangements und eine wunderschöne Melodie machen dieses Lied zu etwas ganz Besonderem. Begeisternd. Ansonsten ist „The Dreaming“ ein Album, welches sich lohnt öfters gehört zu werden, da es umso besser zu werden scheint, je vertrauter man mit ihm wird.
Fazit: Mit Sicherheit ist „The Dreaming“ nicht das kommerziellste Album der Kate Bush. Einiges darauf muss man sich dieses Mal „erarbeiten“. Es ist allerdings eine Platte, die einwandfrei und unverwechselbar nach Kate Bush klingt und mit „Suspended In Gaffa“ einen sehr schönen Höhepunkt aufweist. Kate Bush Fans werden es sicherlich mögen. Für Menschen, die ihre erste Begegnung mit Kate Bush unternehmen möchten, wäre dafür jedoch wohl das Nachfolgealbum „Hounds Of Love“ besser geeignet. Neun Punkte.
Anspieltipps: There Goes A Tenner, Suspended In Gaffa