Samstag, 10. Dezember 2011

Steve Hackett – Voyage of the Acolyte




Steve Hackett – Voyage of the Acolyte


Besetzung:

Steve Hackett – guitars, mellotron, harmonium, bells, autoharp, vocals, effects


Gastmusiker:

John Hackett – flute, synthesizer, bells
Mike Rutherford – bass guitar, bass pedals, fuzz 12 string
Phil Collins – drums, vibes, percussion, vocals
John Acock – elka rhapsody, mellotron, harmonium, piano
Sally Oldfield – vocals
Robin Miller – oboe, cor anglais
Nigel Warren-Green – cello


Label: Virgin


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Ace Of Wands (5:23)
2. Hands Of The Priestess [Part 1] (3:28)
3. A Tower Struck Down (4:50)
4. Hands Of The Priestess [Part 2] (1:34)
5. The Hermit (4:54)
6. Star Of Sirius (7:08)
7. The Lovers (1:50)
8. Shadow Of The Hierophant (11:44)
9. Ace Of Wands (Live at The Theatre Royal, Drury Lane) (6:32)
10. Shadow Of The Hierophant (Extended Playout Version) (17:01)

Gesamtspieldauer: 1:04:23




Mit „Voyage Of The Acolyte“ hat Steve Hackett als erstes Genesis-Mitglied ein Soloalbum veröffentlicht. Dies geschah im Jahr 1975, nur wenige Monate, nachdem Peter Gabriel seinen Austritt bei Genesis verkündet hatte. Ein Umstand, der zur Entstehung dieser Platte beitrug war wohl die Tatsache, dass Steve Hackett sich in dem letzten Genesis-Album mit Peter Gabriel, „The Lamb Lies Down On Broadway“, nur in sehr geringen Maße musikalisch einbringen konnte. Und so entstand unter Mithilfe seiner beiden Genesis-Weggefährten Collins und Rutherford dieses Album, welches noch durch und durch nach Genesis Mitte der 70er Jahre klingt.

Das Album beginnt mit „Ace Of Wands“, einem Stück, welches sofort loskracht und in den ersten Takten stark an einen Song à la King Crimson erinnert. Die Stimmung wechselt allerdings ziemlich schnell in einen sehr melodiösen Teil. Und so lebt das Stück im weiteren Verlauf vom Gegenspiel herrlich sphärischer Momente, rockigerer Abschnitte und ziemlich schräger Einspielungen.

Es folgt mit „Hands Of The Priestess [Part 1]” ein sehr melodiöses und herrlich schwebendes Instrumentalstück, welches laufend zwischen einem Part, dominiert durch ein wunderschönes Querflötensolo und einem zweiten, gitarrenlastigen Teil, hin- und herwechselt. Anschließend folgt mit „A Tower Struck Down” ein Titel, auf dem Steve Hackett seine Beteiligung an „The Lamb Lies Down On Broadway“ doch nicht ganz verbergen kann. Das klingt schon sehr nach „Here Comes The Supernatural Anaesthetist“. An diese Nummer schließt sich das kurze „Hands Of The Priestess [Part 2]“ an, was sehr, sehr süßlich aus den Boxen fließt.

Der nächste Titel heißt „The Hermit“. Wieder ein ruhigeres Stück und eines der Höhepunkte auf dem Album. Auch in diesem Lied wird John Hacketts Querflöte wieder ordentlich Platz eingeräumt, genau wie Nigel Warren-Green am Cello. Und so ergibt sich eine ganz ruhig fließende Nummer, die manchem vielleicht sogar zu getragen erscheinen mag, andere Hörer jedoch in liebliche Melancholie versinken lässt.

Ähnlich melodiös und schwebend aufgebaut ist zunächst auch „Star Of Sirius“, bei dem Phil Collins die Vocals übernimmt. Das Stück nimmt dann allerdings im Mittelteil etwas Fahrt auf und klingt nun noch sehr viel mehr nach Genesis, kann die Klasse eines Genesis-Stückes allerdings nicht ganz erreichen. Hier fehlt das „Melodiegefühl“ eines Tony Banks.

„The Lovers“ ist ein kurzer, knapp zweiminütiger Song, der hauchzart und zerbrechlich wirkt. Dies wird durch eine sehr zurückhaltende Instrumentierung von Gitarre und Keyboard erreicht. Irgendwie scheint das Lied auch nur der Auftakt für das anschließende Stück, „Shadow Of The Hierophant“ zu sein. Letzteres ist mit knapp zwölf Minuten auch der längste Track auf dem Album. Wenn der Gesang durch Sally Oldfield nicht wäre, die das zugegebenermaßen sehr gut macht, würde ich vermuten, dass dieses Stück ein Titel wäre, der für „Selling England By The Pound“ vorgesehen war, dann aber aus irgendwelchen Gründen vergessen worden ist. Hier klingt Steve Hackett am stärksten nach Genesis. Dies ist eines der besten Genesis-Lieder, die nicht von Genesis in der Besetzung Gabriel, Banks, Collins, Rutherford und eben Hackett geschrieben wurden. Und auch wenn der „Abspann“ des Liedes sehr lang ist, so passt er doch in seiner Gesamtheit perfekt zum Rest der Nummer.

Auf der remasterten Version des Albums, aus dem Jahr 2005, sind noch die Stücke „Ace Of Wands (Live at The Theatre Royal, Drury Lane)“ und „Shadow Of The Hierophant (Extended Playout Version)“ erhalten. Ersteres Stück bietet dabei eine ganz nette Alternative zum Original. Bei der zweiten Version von „Shadow Of The Hierophant“, die mit siebzehn Minuten noch mal deutlich länger ist, als die ursprüngliche Nummer, beginnt der Abspann des Stücks etwa bei Minute sechs. Dann folgt über elf Minuten eine Steigerung des Themas, bis das Stück dann sehr bombastisch ausklingt. Elf Minuten lang dasselbe Thema – das mag sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen, ist in seiner durchgehaltenen Konsequenz allerdings ein Zuhören wert.

Fazit: Das erste Solowerk des Genesis-Gitarristen Steve Hackett ist wahrlich kein schlechtes Album. Alles erinnert auf „Voyage of the Acolyte” an Genesis der frühen Siebziger. Ganz erreicht das Album die Qualität der entsprechenden Genesis-Platten allerdings nicht. Dazu fehlen einfach die Überraschungen in den Stücken – genau wie die Melodien zum Niederknien. Nein, schlecht ist das Album wirklich nicht, aber man vergleicht es zwangsläufig mit Genesis-Alben, die zur damaligen Zeit mindestens eine Klasse besser waren. Von daher gibt es für „Voyage of the Acolyte” neun Punkte.

Anspieltipps: Hands Of The Priestess Part 1 und 2, The Hermit, Shadow Of The Hierophant




Sonntag, 4. Dezember 2011

The Flower Kings – Retropolis





The Flower Kings – Retropolis


Besetzung:

Roine Stolt – guitars, lead vocals, keyboards
Tomas Bodin – hammond c3 organ, piano, mellotron, synthsizers & fx
Hasse Bruniusson – percussion (drumkit 10)
Jaime Salazar – drumkit, percussion
Michael Stolt – bass
Hans Fröberg – voice (4,7)
Ulf Wallander – soprano saxophone (6,11)


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: RetroProg


Trackliste:

1. Rhythm Of Life (0:28)
2. Retropolis (11:08)
3. Rhythm Of The Sea (6:13)
4. There Is More To This World (10:07)
5. Romancing The City (0:54)
6. The Melting Pot (5:49)
7. Silent Sorrow (7:38)
8. The Judas Kiss (7:39)
9. Retropolis By Night (3:06)
10. Flora Majora (6:49)
11. The Road Back Home (8:57)




Wie ein Kleinod wirkt diese CD von den „Flower Kings“, von der schwedischen Band mit dem komischen Namen. Warum wie ein Kleinod? Weil die Flower Kings es 1996 in einer Techno und HipHop verseuchten Welt schafften, ein Album zu veröffentlichen, welches nicht nur vom Namen her „retro“ war, sondern sich auch noch so anhört wie die perfekte Melange aus den frühen Yes und vor allem King Crimson, etwa Mitte der 70er Jahre. Und dies, ohne dabei wie eine Kopie dieser Bands zu klingen.

Der Sound ist dicht, manchmal schwebend und zum Teil richtig schön bombastisch. Der erste Track, „Rhythm Of Life“ dauert nicht mal eine halbe Minute und enthält nichts anderes als einen Tischtennissound, mit dem man sehr schön seine Stereoanlage auf deren Stereoeigenschaften überprüfen kann. Dann folgt bereits mit „Retropolis“ der Titelsong des Albums, der auch gleichzeitig das längste Stück der CD darstellt. „Retropolis“ ist ein Instrumentalstück, welches die ganze Bandbreite einer Nummer mit progressiver Rockmusik darbietet. Ruhige und treibende Parts, immer wieder Stimmungswechsel, Hintergrundgeräusche, Verschachtelungen, Mellotron geschwängerte Abschnitte und ganz viel Abwechslung. Und dabei wird jedem Instrument ein gleichberechtigter Part eingeräumt.

Weiter geht es mit „Rhythm Of The Sea“. Das Lied ist nun sehr viel melodiöser als sein Vorgänger - und der Gesang klingt wie der John Wettons, auf der King Crimson Scheibe „Starless And Bible Black“. Klasse bei diesem Stück auch die Steigerung innerhalb des Liedes. Sicherlich ein Highlight der ganzen CD.

„There Is More To This World” stellt dann, wieder unterstützt durch den “John-Wetton-Gedächtisgesang“, ein Stück dar, dass so, auf der oben erwähnten King Crimson Platte, ohne groß aufzufallen, seinen Platz gefunden hätte. Zumindest im ersten Teil. Im zweiten Teil, der auch ziemlich in der Mitte des Stücks beginnt, fühlt man sich dann doch mehr auf ein Yes-Album zurückversetzt, welches in der ersten Hälfte der 70er Jahre veröffentlicht wurde. Mehrstimmiger und sehr melodiöser Gesang findet hier seinen Weg zum Ohr des Zuhörers.

Es folgt mit „Romancing The City” ein kurzes Pianosolo-Stück, das fließend in „The Melting Pot” übergeht. Zu Beginn ist dieses Stück sehr melodiös, wird in seinem Verlauf allerdings immer „schräger“, bis es wieder von der Pianospur eingefangen wird.

Bei „Silent Sorrow” fühle ich mich genauso auf dem Retro-Trip, wie bei dem nächsten Stück „The Judas Kiss“. Klar, das ist nichts Neues, so etwas haben King Crimson schon in den 70ern auf Platte gebracht, aber die Stücke sind klasse durchkomponiert und ergänzen irgendwie das schon Bekannte.

Etwas seltsam erscheint in diesem Zusammenhang dann das Stück „Retropolis By Night”. Denn das klingt viel eher nach Tangerine Dream oder Klaus Schulze, als nach King Crimson. Fast schon ein Stilbruch, wenn man diese Nummer mit den anderen vergleicht. Deutlich eigenständiger klingt es dann bei „Flora Majora”, einem Lied im klassischen ProgRock-Gewand. Und häufig kann man in Rezensionen nachlesen, dass die Flower Kings sich zu sehr an Genesis anlehnen. Das kann ich auf dieser Platte überhaupt nicht bestätigen – bis auf die letzte Nummer „The Road Back Home“, hier sind die Blumenkönige wirklich näher an Genesis, als an jeder anderen Band.

Fazit: Nach Genesis klingt „Retropolis“ für mich nur im letzten Stück. Dazu ist die Musik sonst zu frickelig und bei Weitem nicht melodiös genug, wie es etwa „Foxtrot“ oder „Selling England By The Pound“ sind. Die Platte heißt allerdings „Retropolis“ und „retro“ ist hier wirklich vieles. „Retro“ hauptsächlich in Reminiszenz an King Crimson. Und genau das macht auch den Charme dieses Albums aus. Denn es ist nie langweilig, vielmehr stellen die Stücke Lieder dar, die ein Robert Fripp mit King Crimson Anfang der 70er Jahre einfach vergessen hatte zu schreiben. Mir gefällt das, was ich hier zu hören bekomme und deshalb erhält „Retropolis“ von mir zehn Punkte.

Anspieltipps: Rhythm Of The Sea, There Is More To This World, The Melting Pot, The Judas Kiss



Freitag, 2. Dezember 2011

Accept – Blood Of The Nations





Accept – Blood Of The Nations


Besetzung:

Wolf Hoffmann – guitar
Mark Tornillo – vocals
Stefan Schwarzmann – drums
Herman Frank – guitar
Peter Baltes bass


Label: Nuclear Blast


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Heavy Metal


Trackliste:

1. Beat The Bastards (5:25)
2. Teutonic Terror (5:14)
3. The Abyss (6:54)
4. Blood Of The Nations (5:38)
5. Shades Of Death (7:33)
6. Locked And Loaded (4:29)
7. Time Machine (Bonus track) (5:25)
8. Kill The Pain (5:47)
9. Rollin' Thunder (4:54)
10. Pandemic (5:36)
11. New World Comin' (4:51)
12. No Shelter (6:04)
13. Bucketful Of Hate (5:10)




Nun, wenn „Accept“ drauf steht, dann ist auch Heavy Metal drin. Daran hat auch die Neuformation 2009 nichts geändert, die bisher in der im August 2010 erschienenen Platte „Blood Of The Nations“, dem zwölften Studioalbum der Band, gipfelte. Und Accept wartet hier mit einem neuen Sänger auf, Mark Tornillo heißt dieser und er macht seine Sache sehr gut. Ich finde er passt perfekt zur Musik Accepts. An manchen Stellen erinnert mich Mark Tornillo sogar fatal an Brian Johnson. Zumindest in den lauteren Abschnitten…

Und was ist zu den Songs zu sagen? Die kommen durch die Bank weg (okay, eine Ausnahme gibt es) pickelhart aus den Boxen und lassen die Wände wackeln. Klasse Head-Banging-Vorlagen inklusive. Und was natürlich auch nicht fehlen darf – und das ist die Ausnahme – ist die obligatorische Ballade eines Heavy Metal Albums, die sich hier im achten Titel wiederfindet, „Kill The Pain“. Der Bonus Track, „Time Machine“ kommt direkt davor, an Platz 7, also genau in der Mitte des Albums. Habe ich an dieser Stelle so auch noch nicht gesehen. Das Lied selbst ist eine klasse Nummer, die langsam anfängt und sich dann steigert. Gut gemacht, denn es geht schnell ins Ohr.

Mein Favorit auf dem Album ist „The Abyss“. Hier haben die fünf Musiker meiner Meinung nach die perfekte Symbiose aus Härte und klasse Melodie gefunden. Was mich bei einigen Songs ein wenig nervt ist dieser „Chor-Refrain-Singsang“. Bei „The Abyss“ nur in Ansätzen zu hören, beim nächsten Lied, dem Titeltrack, „Blood Of The Nations“, allerdings schon deutlich ausgiebiger. Dieser Chor, der hier „For the blood of the nations“ intoniert, macht den ganzen Track irgendwie kitschig.

Und dann folgt mit „Shades Of The Death“ gleich wieder ein Highlight des Albums. Starker Anfang, der klasse weitergeführt wird. Super Melodie. Besonders herauszuheben sind hier auch die Drums, die die Stimmung des Liedes perfekt untermalen. Auch hier gibt es zwar wieder so einen komischen Chor, aber er fällt bei diesem Lied deutlich weniger ins Gewicht.

Und, dass sie auch ultraschnell spielen können, das beweisen Accept im nächsten Song, „Locked And Loaded“. Zu schnell für’s Head-Banging…. Auch hier gibt es wieder diesen Chor, ein Stilmittel, dessen sich die fünf Deutschen eindeutig zu oft auf diesem Album bedienen.

Fazit: Wer auf Heavy Metal steht, der kann hier nichts falsch machen. Das Album beinhaltet alles, was einem Heavy Metal Fan Spaß macht. Ich kann hier auch tolle Lieder entdecken, es gibt allerdings auch einige Tracks, die bei mir einfach nicht zünden wollen. Wenn Heavy Metal meine Musikrichtung wäre, dann würde ich dem Album wohl zwölf Punkte geben. Ist es aber nicht und der absolute Übersong oder die absoluten Übersongs fehlen mir. Deshalb gibt es von mir für „Blood Of The Nations“ wahrlich verdiente acht Punkte.

Anspieltipps: The Abyss, Shades Of Death, Pandemic



Dienstag, 29. November 2011

The Sensational Alex Harvey Band – Rock Drill

 


The Sensational Alex Harvey Band – Rock Drill


Besetzung:


Alex Harvey – vocals, guitar, trumpet
Zal Cleminson – guitars, vocals
Tommy Eyre – keyboards, vocals
Chris Glen – bass, vocals
Ted McKenna − percussion, vocals


Label: Phonogram


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Rock


Trackliste:

1. Rock Drill (6:26)
2. The Dolphins (6:15)
3. Rock 'N' Roll (3:45)
4. King Kong (3:20)
5. Booids (1:39)
6. Who Murdered Sex? (5:22)
7. Nightmare City (3:53)
8. Water Beastie (4:52)
9. Mrs. Blackhouse (3:35)

Gesamtspieldauer: 39:07




Das achte Studioalbum der Sensational Alex Harvey Band, Rock Drill, sollte 1978 auch gleichzeitig ihr letztes Werk werden. Anfang 1977 war die siebte Platte der Band unter dem Namen SAHB (without Alex) eingespielt und veröffentlicht worden. Diese trug den Titel „Fourplay“. Das Manko an diesem Album war allerdings, dass Alex Harvey selbst auf dieser Veröffentlichung fehlte und auch sonst nichts dazu beigetragen hatte. Die vier übrigen Musiker hatten ohne ihn eine Platte einspielt.

Zugrunde lag diesem Umstand, dass Alex Harvey zu dieser Zeit bereits schwer alkoholkrank war und auf der Tour nach dem Stories-Album nicht selten apathisch auf der Bühne herumstand oder aber den Text der einzelnen Stücke vergaß. Allerdings schien er sich nach einer kurzen Auszeit wieder etwas gefangen zu haben, sodass die Band 1977 wieder zusammenkam, um eben jenes Album „Rock Drill“ einzuspielen. Es fehlte jedoch von der ursprünglichen Besetzung Hugh McKenna, der die Band, entnervt durch Alex Harveys Eskapaden, verlassen hatte. Tommy Eyre ersetzte ihn am Keyboard.

So viel zum Hintergrund zur Entstehung von „Rock Drill“. Was ist aber mit der Musik auf dem Album? Die wirkt ganz anders, als die damalige Situation vielleicht vermuten lassen würde, denn sie ist frisch und steckt voller Ideen. Das Album beginnt mit dem Titelsong, Rock Drill, einer klasse Rocknummer, die Harvey zusammen mit Eyre schrieb. Das Stück besitzt einen sehr treibenden Rhythmus und ist eines der härtesten Stücke der Sensational Alex Harvey Band. Ab 4:30 klingt das Stück dann sehr sphärisch aus.

„The Dolphins“ ist anschließend einer der Höhepunkte auf der Platte. Am Songwriting des Stücks war noch Hugh McKenna beteiligt und die Nummer zaubert eine absolut tolle Atmosphäre in jeden Raum. Irgendwie „sehnsüchtig“ kommen bei diesem Stück die Noten aus den Boxen. Vielleicht liegt das auch daran, dass mitunter fast schon dissonante Töne zu hören sind, die das ganze Lied so überaus spannend gestalten. Sicherlich ein Highlight im Schaffen der Sensational Alex Harvey Band überhaupt.

„Rock’n’Roll“ ist dann genau das, was der Titel bereits verspricht, nämlich Rock’n’Roll und zwar der härteren Art. Klasse dabei auch der sehr melodische Einschub in der Mitte des Liedes, bei dem das Keyboard wie ein Spinett klingt. Dann kommt eine Coverversion: „King Kong“. Und auch dieses Instrumentalstück weist wieder einen treibenden Rhythmus und schwerere Gitarren auf, auch wenn diese mit einem Violinensound noch versüßt werden. Leise und sphärisch klingt das Lied dann aus.

„Booids“ ist eine kurze Nummer, etwas experimentell, auf der man eine Art Dudelsacksound, unterlegt mit rhythmischem Trommeln, hört. Es folgt „Who Murdered Sex?“ Wieder eine Rocknummer, in der es fast so scheint, als ob die Band seichte Liebeslieder aufs Korn nehmen wollte. Das zumindest lässt sich aus dem Mittelteil schließen, bei dem man einfach grinsen muss, wenn man den Gesang und den Text hört.

„Nightmare City“ ist anschließend wieder eine Rocksong, nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes. Das folgt aber im Anschluss: „Water Beastie“! Das Stück beginnt a capella mit Solo- und Chorgesang, lebt dann vom Klavier, welches einen tollen Groove zaubert und wird schließlich wieder rockiger, um dann erneut in den Klavierteil überzugehen. Ein klasse Stück Musik, wie es so wohl nur Alex Harvey schreiben konnte, denn der ist auch alleiniger Komponist des Stückes. Genau wie auch bei der nächsten Nummer, „Mrs. Blackhouse“. Und wieder mal ist es eine Spielerei Harveys, denn das Lied geht in die Richtung Folk und Country und passt so gar nicht zum restlichen Liederkatalog der Band.

Fazit: „Rock Drill“ unterscheidet sich insofern von den anderen Veröffentlichungen der Sensational Alex Harvey Band, da es mit Sicherheit die härteste Platte in der Bandgeschichte ist. Und auf ihr sind auch wieder tolle Songs vorhanden. Wer Rock mag und auch was mit manchmal etwas schrägeren Tönen anfangen kann, dem sei diese CD wärmstens empfohlen. Von mir gibt es dafür neun Punkte.

Anspieltipps: Rock Drill, The Dolphins, Water Beastie



Montag, 28. November 2011

Fall Out Boy – From Under The Cork Tree





Fall Out Boy – From Under The Cork Tree


Besetzung:

Patrick Stump − vocals, rhythm guitar
Pete Wentz - bass, baking vocals
Joe Trohman – lead guitar, baking vocals
Andy Hurley - drums, percussion


Label: Island


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Rock


Trackliste:

1. Our Lawyer Made Us Change The Name Of This Song So We Wouldn't Get Sued (3:08)
2. Of All The Gin Joints In All The World (3:11)
3. Dance, Dance (3:00)
4. Sugar, We're Goin' Down (3:49)
5. Nobody Puts Baby In The Corner (3:20)
6. I've Got A Dark Alley And A Bad Idea That Says You Should Shut Your Mouth (Summer Song) (3:10)
7. 7 Minutes In Heaven (Atavan Halen) (3:02)
8. Sophmore Slump Or Comeback Of The Year (3:23)
9. Champagne For My Real Friends, Real Pain For My Sham Friends (3:23)
10. I Slept With Someone In Fall Out Boy And All I Got Was This Stupid Song Written About Me (3:31)
11. A Little Less Sixteen Candles, A Little More "Touch Me" (2:48)
12. Get Busy Living Or Get Busy Dying (Do Your Part To Save The Scene And Stop Going To Shows) (3:27)
13. XO (3:40)




Mit ihrer dritten Veröffentlichung „From Under The Cork Tree“ hatte die Band „Fall Out Boy“ 2005 ihren kommerziellen Durchbruch. Die Platte erreichte in den USA zweifachen Platinstatus, im Vereinigten Königreich reichte es immerhin zur einfachen Platinauszeichnung.

Und was fällt an dieser CD auf, außer vielleicht, dass sich die vier US-Amerikaner nicht auf eingängige und somit kürzere Songtitel einigen konnten? Nun, kurz sind die dreizehn auf dem Album enthaltenen Lieder - der längste Track ist gerade mal 3:49 lang. Und eingängig sind diese dreizehn Titel auch. Und noch was bleibt festzuhalten: Alle dreizehn Nummern rocken. Da schrammt mitunter die Stimmung ganz knapp am Hard Rock vorbei. Aber Hard Rock ist es nicht wirklich, was die vier Musiker aus Illinois hier produzieren. Es ist sehr viel eher Mainstream Rock, sehr gut gemachter Mainstream Rock allerdings. Manche Zeitgenossen mögen das auch Pop-Punk nennen, für mich klingt es nach Mainstream.

Die Lieder zünden fast durch die Bank weg. Man kann gar nicht anders, bei dieser Musik muss man einfach mitwippen. Man wippt und wippt, das eine Lied geht zu Ende, das andere beginnt und man wippt weiter, so als ob nichts gewesen wäre. Und da wären wir auch gleich beim großen Manko dieser Platte. Wie gesagt, die Nummern klingen alle nicht schlecht, aber sie klingen leider auch alle sehr ähnlich. Und so kommt es, wie es kommen musste, es macht sich Langeweile breit.

Fazit: Wenn man auf gut gemachten Rock steht, dann wird einem diese Platte auch gefallen, denn es findet sich kein Ausreißer nach unten auf dieser Scheibe. Ich zweifle allerdings, ob sich jemand finden wird, der behauptet: „From Under The Cork Tree ist das beste Album, was ich jemals gehört habe.“ Dazu packt die Musik zu wenig, dazu ist sie dann doch ein bisschen zu belanglos, dazu ähneln sich die dreizehn Stücke der Silberscheibe eben dann doch zu sehr. Keine schlechte Musik, jedoch auch nichts Besonderes. Durchschnitt eben, genau wie es sieben Punkte aussagen.

Anspieltipps: Die beiden ersten Singleauskopplungen „Sugar, We're Goin' Down“ und „Dance, Dance“ oder ne, irgendwie alle dreizehn Titel.



Sonntag, 27. November 2011

Anthony Phillips – 1984





Anthony Phillips – 1984


Besetzung:

Anthony Phillips – keyboards, drumbox, guitar, basic percussion, polymoog, arp 2600, mellotron, bass, piano


Gastmusiker:

Richard Scott – percussion, effects, vocal ideas
Morris Pert – percussion (timps, tambourine, gong, congas, bell-tree, vibra-slap, marimbas, vibes, etc.)


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Instrumental


Trackliste:

1. Prelude '84 (4:23)
2. 1984 Part One (19:02)
3. 1984 Part Two (15:26)
4. Anthem 1984 (2:27)


Bonus CD:

1. Prelude '84 (early stage mix) (4:28)
2. Ascension (5:18)
3. 1984 Part One (early stage mix) (12:51)

Rule Britannia Suite:
4. Sally Theme (1:15)
5. Science & Technology (1:19)
6. Respect (0:59)
7. Church (0:51)
8. Military (1:39)
9. Power in the Land (1:45)

10. 1984 Part Two (early stage Mix) (4:26)
11. Anthem 1984 (early stage mix) (2:12)
12. Poly Piece (demo) (16:39)




Es ist schwer zu glauben, wenn man diese CD einlegt, dass dieser Sound Anfang der achtziger Jahre vielleicht mal interessant oder toll geklungen haben soll. Heute, 2011, klingt das einfach nur ganz, ganz billig. Und das liegt an der Rhythmusfraktion, die einem Synthesizer entspringen und so was von künstlich klingen, wie ich es bisher noch nicht gehört habe.

Nun, bei „Prelude '84“ kommt sogar noch etwas Weiteres hinzu, denn hier klingt auch das Keyboard absolut grausam – und billig. Da fällt mir irgendwie kein besseres Wort zu ein. Durch diese Instrumentierung ist das Lied grottenschlecht, da kann auch die eingängige Melodie nicht mehr helfen, die mir allerdings irgendwie bekannt vorkommt…

Es folgt „1984 Part One“. Was für den kurzen Opener galt, gilt für die nächsten neunzehn Minuten ebenso: Alles wirkt so unglaublich künstlich durch diese vermaledeite Instrumentierung. Und noch etwas fällt auf: Das Lied hat überhaupt keinen Bezug zum eigentlichen Thema, nämlich George Orwells Roman „1984“. Klasse kann man eine Geschichte zum Beispiel bei Alan Parsons „Fall Of The House Of Usher“ oder bei Camels „Snow Goose“ nachempfinden, beziehungsweise nachhören. Hier gelingt das überhaupt nicht. Kein noch so kurzer Abschnitt des Stücks weist auf den Roman hin. Aber vielleicht bin ich da auch einfach zu phantasielos. Musikalisch gesehen wird „1984 Part One“ allerdings im zweiten Teil deutlich besser als zu Beginn. Die Rhythmuslaute werden zwischenzeitlich leiser und hintergründiger, die Melodie wird schöner und das Lied gewinnt an Klasse. Gegen Ende des Stücks gestaltet sich die Instrumentierung allerdings leider wieder wie am Anfang. Ganz am Ende klingt die Nummer dann sphärisch aus.

Bei „1984 Part Two“ gestaltet es sich ähnlich. Zunächst wieder dieser billige Plastiksound, der dann in der Mitte des Stücks besser, ein bisschen schwebender wird, um den Hörer dann allerdings leider wieder mit den inzwischen bekannten Zutaten zu nerven. Kurz wird es dann noch mal ein wenig bombastisch, dann klingt der zweite Teil des Stückes „1984“ langsam aus. Und an dieser Stelle erkennt man dann auch das Werk, auf welchem die Musik fußt. „1984“ wird mehrmals im Hintergrund von einer elektronisch verfremdeten Stimme wiedergegeben.

Das letzte reguläre Stück der CD heißt „Anthem 1984“. Diese kurze Keyboardnummer wird durch einen breiten Keyboardsound geprägt, der das Stück „hymnenartig“ erklingen lässt. Nicht zu erwähnen brauche ich glaube ich, dass die Rhythmusfraktion auch hier wieder unter aller Kanone ist. Uuups, da habe ich es doch getan…

Aber nun zum Bonusmaterial. „Prelude '84 (early stage mix)“ klingt nicht viel anders als die Version auf der ersten CD. „Ascension“ ist anschließend ein Stück, das mit sehr breitem Keyboardteppich aufwartet und auch so sehr getragen wirkt. Die Rhythmuseinlagen fehlen, sodass das Stück immerhin Atmosphäre aufbauen kann. „1984 Part One (early stage mix)” klingt dann wieder sehr synthetisch, eine Verbesserung zum Stück auf CD1 kann ich dabei nicht raushören.

Es folgt die „Rule Britannia Suite“, aufgeteilt in sechs Stücke. Wie schon gehabt, der Sound klingt sehr künstlich, aber die Rhythmusmaschine fehlt zum größten Teil. „1984 Part Two (early stage Mix)“ wird dann richtig fies, denn in diesem Stück ist auch noch Tempo, sodass das „Klack-Klack“ “Tock-Tock“ doppelt so häufig seinen Weg zum Hörer findet. Und schließlich wäre da dann noch das getragene „Anthem 1984 (early stage mix)“ in einer etwas kürzeren Version.

Nun und dann kommt es, der eigentliche Höhepunkt des ganzen Albums, der allerdings nur die letzte Zugabe der CD darstellt. „Poly Piece (demo)“ ist eine richtig gute und verträumte Piano Nummer, die in ihren knapp siebzehn Minuten Dauer richtig viel Abwechslung für den Hörer bereithält. Mal wirkt dieser Track galoppierend, mal süßlich schwebend. Das Stück ist melodiös und spannend und für mich das absolute Highlight der CD, auch wenn es nur ein Bonustrack ist.

Fazit: Der Höhepunkt der CD versteckt sich im letzten Bonustitel. So etwas kannte ich bisher noch von keinem Album. Diesem Stück würde ich zehn Punkte geben, dem Rest nicht mehr als drei, da diese Rhythmusgeschichte einfach zu nervig ist. Zusammengenommen gibt es dann fünf Punkte.

Anspieltipps: Poly Piece (Da das Stück hier völlig aus der Reihe fällt.)






Freitag, 11. November 2011

Camel - Music Inspired By The Snow Goose




Camel – Music Inspired By The Snow Goose


Besetzung:

Andy Latimer – electric, acoustic and slide guitar, flute, vocals
Peter Bardens – organ, electric piano, piano, mini moog, pipe organ, acusticpiano, arp odyssey, vocals
Doug Ferguson – bass, duffle coat
Andy Ward – drums, vibes, vari-speed percussion


Label: Decca


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Great Marsh (2:04)
2. Rhayader (3:02)
3. Rhayader Goes To Town (5:20)
4. Sanctuary (1:06)
5. Fritha (1:19)
6. The Snow Goose (3:12)
7. Friendship ( 1:44)
8. Migration (2:02)
9. Rhayader Alone (1:50)
10. Flight Of The Snow Goose (2:41)
11. Preparation (3:54)
12. Dunkirk (5:25)
13. Epitaph (2:08)
14. Fritha Alnoe (1:31)
15. La Princesse Perdue (4:57)
16. The Great Marsh (1:18)


Bonus-Tracks:

17. Flight Of The Snow Goose (Single Edit) (2:07)
18. Rhayader (Single Edit) (3:14)
19. Flight Of The Snow Goose (Alternative Single Edit) (2:50)
20. Rhayader Goes To Town (Live At Marquee Club, London, 30.10.1974) (5:07)
21. a. The Snow Goose, b. Freefall (Live At Marquee Club, London, 30.10.1974) (11:02)




“The Snow Goose” war im Jahre 1975 die dritte Veröffentlichung der britischen Band Camel. Und eindeutig ist die Musik dieser Formation, zumindest auf dieser CD, dem Stil „Progressive Rock“ zuzuschreiben. Ein Unterschied zu vergleichbaren Bands in dieser Zeit, wie zum Beispiel Yes oder Genesis, wird beim Studium der Trackliste sofort deutlich. An der Stelle, an der andere Bands auf den ehemaligen LP-Seiten einen einzigen Longtrack mit verschiedenen Teilen präsentieren, da lassen sich die Mannen von Camel acht oder neun Einzeltitel einfallen und präsentieren dann eine LP mit 16 Nummern, von denen einige gerade mal etwas über eine Minute lang laufen. Das wiederum sagt allerdings natürlich überhaupt nichts über die Qualität der Musik aus, denn die kann sich bei Camel auf diesem Album auch sehen, beziehungsweise doch besser hören lassen.

Allerdings ging das Entstehen des Albums nicht ganz reibungslos vonstatten. Klar war, dass Camel als drittes Album ein Konzeptalbum veröffentlichen wollte. Und so sollte für das dritte Album jedes Mitglied der Band einen Buchvorschlag machen, auf dessen Inhalt sich das neue Album beziehen sollte. Der erste Vorschlag lautete „Siddartha“ von Hermann Hesse. Andrew Latimer hatte auch gleich ein Lied parat, aber das passte wohl nicht so ganz, sodass der Vorschlag „Siddartha“ wieder fallengelassen wurde. Der nächste Vorschlag fundierte ebenfalls auf einem Werk Hermann Hesses. Dieses Mal war es „Der Steppenwolf“. Allerdings erwies sich auch dessen Umsetzung als nicht praktikabel. Und so hatte Bassist Doug Ferguson die Ehre, die Kurzgeschichte „The Snow Goose“ von Paul Gallico vorzuschlagen, die auch den endgültigen Zuschlag erhielt.

Das Album war von Anfang an als Instrumentalplatte geplant, also ohne Gesang. Allerdings sollten die einzelnen Stücke des Werks durch vorgetragene Auszüge aus der Geschichte „The Snow Goose“ miteinander verbunden werden. Das jedoch untersagten die Herausgeber Gallicos der Band. Zusätzlich nahm der Autor, selbst ein überzeugter Nichtraucher, Anstoß daran, dass der Titel seines Werkes in Verbindung mit einer Band genannt wurde, die ganz offensichtlich Verbindungen zur gleichnamigen Zigarettenmarke hatte. Trotz aller Aufklärungsversuche der Band, drohte Gallico weiter rechtliche Schritte gegen die Verwendung seines Titels an, bis die Band das Album in „Music Inspired By The Snow Goose“ umbenannte.

Nun jedoch zur Musik, bei der es sich eindeutig um progressive Musik handelt – auch wenn die einzelnen Titel zum Teil so dermaßen kurz sind. Das Album fängt ganz langsam und vor allem leise an – mit Gänsegeschnatter. Dann setzen Keyboard und Gitarre ein und im Hintergrund hört man sehr hoch gehauchte „Aaahs“ eines Chores. Alles ist sehr melodisch. Dann schließt sich bereits das zweite Stück „Rhayader“ an. Ein wunderbar melodiöses Querflötenspiel hat in diesem Stück zunächst die Hauptrolle inne, bis sie kurz mal durch das Keyboard abgelöst wird.

Kraftvoll mit treibenden Keyboardklängen geht es mit „Rhayader Goes To Town“ weiter. Das Stück enthält auch ein sehr schönes Gitarrensolo. Im Übrigen handelt es sich bei diesem Track um ein ganz typisches Stück progressiver Rockmusik. Stimmungswechsel finden sich hier genauso wie Tempo- und Rhythmuswechsel. Das Gitarrensolo im zweiten Teil des Liedes erinnert fatal an David Gilmour, so, als ob er hier, als Gastmusiker engagiert worden wäre.

Nun, es ist müßig alle Titel der Platte einzeln durchzugehen, da sie alle irgendwie Teil eines einzigen Liedes sind. Meist sind die einzelnen „Abschnitte“ sehr melodiös. Das kann sehr interessant sein, wie bei „Fritha“ und „Friendship“ oder „Preparation“ und „Epitaph“, aber auch etwas langweilig wie bei „Santuary“ oder „The Great Marsh“. Das kann so richtig schön progressiv klingen wie bei „“Dunkirk“, „La Princess Perdue“ oder dem bereits erwähnten „Rhayader Goes To Town“. Oder es kann sich auch mal fast schon nervig anhören, wie bei dem „Ricky-King-Gedächtnisstück „The Snow Goose“. Oder aber auch unfreiwillig komisch, wie auf „Migration“, was mich unglaublich an die Musik der italienischen Comic-Serie „Herr Rossi sucht das Glück“ aus den 70ern erinnert. Man höre nur den Chor…

Die Zugaben, soweit es nicht die Live-Versionen sind, sind eine nette Dreingabe. Die beiden Live-Versionen hören sich leider allzu blechern an und vermiesen einem das Hörerlebnis ein wenig.

Fazit: „Music Inspired By The Snow Goose” von Camel ist ein sehr abwechslungsreiches Album, welches perfekt in die Zeit Mitte der Siebziger passt. Was allerdings nicht bedeuten soll, dass es sich heute nicht mehr lohnt, hinzuhören. Ganz im Gegenteil, auf dem Album finden sich klasse Nummern, die einfach Spaß machen. Die Musik erreicht zwar nicht die Komplexität und Kreativität vergleichbarer Bands wie Yes oder Genesis zur selben Zeit, geht bei mir allerdings trotzdem als gute Platte durch, gerade wegen der vielen schönen Parts. Zehn Punkte gibt es dafür.

Anspieltipps: „Rhayader Goes To Town“, „Fritha“, „Friendship”, “Preparation” “Dunkirk”



Donnerstag, 27. Oktober 2011

King Crimson – In The Court Of The Crimson King





King Crimson – In The Court Of The Crimson King


Besetzung:


Robert Fripp – guitar
Ian MacDonald – reeds, woodwind, vibes
Greg Lake – bass guitar, lead vocals
Michael Giles – drums, percussion, vocals
Peter Sinfield – words and illumination


Label: EG Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. 21st Century Schizoid Man including Mirrors (7:21)
2. I Talk To The Wind (6:06)
3. Epitaph including March For No Reason and Tomorrow And Tomorrow (8:47)
4. Moonchild including The Dream and The Illusion (12:13)
5. The Court Of The Crimson King including The Return Of The Fire Witch and The Dance Of The Puppets (9:28)




Nun, was soll man zu diesem Werk schreiben. „In The Court Of The Cromson King“ ist das erste Album des Progressive Rock. Ein Album, ohne welches Bands wie Yes oder Genesis mit Sicherheit anders geklungen hätten, ein Album, welches so viele Musiker beeinflusste. Ein Album, welches auch heute noch, nach über 42 Jahren, kraftvoll und modern klingt und in den Jahren auch nichts von seiner Faszination verloren hat.

Und das beginnt schon mit der Covergestaltung, für die sich Barry Godber verantwortlich zeigte, ein Freund Peter Sinfields. Auf dem Außencover ist eine schreiende Fratze zu sehen, die auf dem Innencover zu einem freundlich einladenden Gesicht wird, welches allerdings beim Lächeln seine Vampirzähne nicht verbergen kann. Tragisch dabei, dass der Künstler, Barry Godber, bereits ein Jahr später, im Alter von 24 Jahren, an einem Herzinfarkt verstarb.

Nun zur Platte, die mit dem Stück „21st Century Schizoid Man“ beginnt. Dieser erste Track ist eine absolut verstörende Nummer, die schrill und kreischend aus den Boxen schießt. Deren Mittelteil fast wie Free Jazz klingt, den ich überhaupt nicht mag, mich in diesem Fall aber staunend, mit offenem Mund und begeistert zurücklässt. Ein Stück, welches wie kaum ein anderes, sich seinen Weg brachial in den Gehörgang ebnet und trotzdem auf seine ganz eigene Art und Weise melodiös ist. Ein Stück, welches bis dato, auch nicht in Ansätzen, von irgendeiner Band so gespielt wurde beziehungsweise hätte gespielt werden können.

Und so eindringlich der erste Track war, umso überraschender geht es im zweiten weiter. Mit dem nächsten Stück eröffnen sich dem Hörer nun nämlich ganz andere Töne. Einen völlig überraschenden Stilbruch gibt es hier zu hören, denn fast schon lieblich bahnt sich jetzt die Musik ihren Weg zum Hörer. Mellotrongeschwängert und schwebend, leicht und melodiös ist das Stück „I Talk To The Wind”. Unterstrichen wird diese Stimmung noch durch das wunderschöne Querflötenspiel Ian McDonalds.

Und melodiös geht es mit „Epitaph“ weiter, welches fast schon bombastisch eingeleitet wird. Wieder eine sehr schöne und ruhige Nummer, die eine der besten Gesangsleistungen Greg Lakes beinhaltet. Auf knapp neun Minuten gibt es in dem Stück lautere und leisere Passagen die, perfekt aufeinander abgestimmt, ineinander übergehen und sich schließlich wieder zu einem bombastischen Finale bündeln.

Es folgt „Moonchild“ inklusive „The Dream And The Illusion“. Dieses über zwölfminütige Stück muss man zweigeteilt betrachten. Da wäre zum einen der erste Teil, „Moonchild“. Auch hier gibt es wieder eine wunderschöne und melodiöse Gesangslinie. Das Ganze wird sehr leise und zurückhaltend instrumentiert, sodass Greg Lakes Gesang hier fast schon zerbrechlich wirkt, denn dieser passt sich, der durch die Instrumente versprühten Atmosphäre, an. Bis hierher, bis 2:20, ist das erneut ein ganz tolles Lied. Was nun allerdings folgt und zehn Minuten andauert, ist dann nur noch Sphäre. Es ist eine spontane Improvisation, die da auf Platte gepresst wurde, meist frei schwebend, an einigen Stellen auch abgefahren und dissonant klingend. Wenn dieses Album eine Schwäche hat, dann ist es genau dieser Part, denn der ist eindeutig zu langweilig und langwierig geraten.

Aber ein Highlight wartet noch mit dem letzten Stück auf den Hörer. „The Court Of The Crimson King“ ist wieder eine wundervolle und melodiöse Nummer, die uns am „Gerichtshof des Beelzebub“ einführt, denn nichts anderes bedeutet der Tracktitel übersetzt. Und das Stück klingt wie eine Hymne, was alleine schon durch den Chor im Refrain ausgelöst wird. An diesem Stück ist wiederum alles perfekt: Klasse Mellotronsound, wunderschöne Querflötenklänge, perfekt gespielte und aufeinander abgestimmte Instrumente, toller Gesang und ein wunderbar gesetztes Ende.

Fazit: Dieses Album ist ein Meisterwerk, da es einem ganz neuen musikalischen Genre die Tür öffnete: Dem Progressive Rock. Tolle Lieder und Sounds, die bis dahin so noch nie gehört wurden. Nur die zehn Minuten „The Dream And The Illusion“ sind irgendwie verschenkt. 14 Punkte.

Anspieltipps: Alle Stücke sind wärmstens zu empfehlen…




Mittwoch, 26. Oktober 2011

The Sensational Alex Harvey Band – Stories





The Sensational Alex Harvey Band – Stories


Besetzung:

Alex Harvey – lead vocals, harmonica, guitar
Zal Cleminson – guitars, backing vocals
Hugh McKenna – electric piano, organ, grand piano, backing vocals
Chris Glen – bass guitar, backing vocals
Ted McKenna − percussion, backing vocals


Label: Phonogram


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Rock


Trackliste:

1. Dance To Your Daddy (5:44)
2. Amos Moses (5:23)
3. Jungle Rub Out (4:30)
4. Sirocco (6:56)
5. Boston Tea Party (4:37)
6. Sultan's Choice (4:09)
7. $ 25 For A Massage (3:19)
8. Dogs Of War (6:12)

Gesamtspieldauer: 40:50



Nachdem das fünfte Studioalbum, „The Penthouse Tapes“, hauptsächlich aus Coverversionen bestand und weit davon entfernt war, in irgendeiner Art und Weise zu überzeugen, so hat sich die Sensational Alex Harvey Band auf ihrer sechsten Veröffentlichung, „Stories“, glücklicherweise wieder ihrer Stärken bedient und damit noch im selben Jahr ein deutlich besseres Album veröffentlicht.

Und auf dem Album finden sich wahrlich einige Perlen. Da ist zum Beispiel das Stück „Sirocco“ aus der Feder Hugh McKennas. Knappe sieben Minuten ist diese Nummer lang und man spürt beim Hören richtiggehend den warmen Wüstenwind auf der Haut. Das Lied ist sehr ruhig, fast schon getragen, erzeugt aber wunderbar genau die Atmosphäre, die der Titel allein schon durch seinen Namen vermitteln möchte.

Dann ist da das Stück „Boston Tea Party“, bei dem dieses Mal das Piano im Zentrum der Instrumentierung steht. Ein klasse Song mit tollem Rhythmus und ebenso guter Melodieführung. Wunderbar hier auch, wie von Strophe zu Strophe das Grundthema immer weiter gesteigert wird. Ein wahres Highlight im Schaffen der Sensational Alex Harvey Band.

„Dogs Of War“ sehe ich als Nummer, die stellvertretend für viele andere Lieder der Sensational Alex Harvey Band stehen kann. Das Stück beinhaltet viele Tempo- Rhythmus- und auch Melodiewechsel und weist trotzdem meist einen treibenden Sound auf. Ein richtig guter Rock-Song.

Und was ist mit den restlichen fünf Liedern? „Dance To You Daddy“ ist eine Rocknummer, die sich schon dadurch von vergleichbaren Stücken der Band unterscheidet, dass beim Refrain ein Chor im Falsettgesang „She wanna dance“ intoniert. Das Stück beinhaltet eine treibende Rhythmusfraktion und klingt im letzten Viertel sphärisch und melodiös aus.

„Amos Moses“ ist ebenfalls eine nach vorn gerichtete Rocknummer, die sich über die gesamte Laufzeit hinweg langsam weiter steigert. Klasse hier das Zusammenspiel des Keyboards Hugh McKennas mit der Gitarre Zal Cleminsons. „Jungle Rub Out“ ist, für Alex Harvey Verhältnisse, ungewöhnlich funkig, und weiß durchaus zu gefallen. „Sultan’s Choice“ wiederum ist ein Stück, welches zu Beginn schwer nach Hardrock klingt, sich im weiteren Verlauf allerdings zu einer ganz normalen Rocknummer wandelt, die noch am ehesten durch ihren, wiederum sehr hoch gesungenen, Chorrefrain in Erinnerung bleibt.

Bliebe noch „$ 25 For A Massage“, welches mit einem stampfenden Rhythmus eingeleitet wird und dann hautsächlich von der Gitarrenmelodie lebt. Sicherlich kein Highlight im Songmaterial der Sensational Alex Harvey Band.

Fazit: Nach dem schlechten „The Penthouse Tapes“ Album, fokussiert sich die Band um Alex Harvey wieder auf das, was sie kann: Eigene, gute Lieder schreiben und performen. Und es gibt einige gute Songs auf „Stories“. Zwar nicht mehr in der Fülle wie auf den ersten Platten der Band, aber immerhin sind sie noch da. Von mir gibt es dafür acht Punkte.

Anspieltipps: Sirocco, Boston Tea Party, Dogs Of War



Dienstag, 25. Oktober 2011

Laurie Anderson – Big Science





Laurie Anderson – Big Science


Besetzung:

Laurie Anderson – vocals, vocoder, farfisa, percussion, electronics, keyboards, sticks, violin, claps, ungar whistling, marimba, OBXa, wood blocks


Gastmusiker:

Roma Baran – farfisa bass, glass harmonica, sticks, claps, casio, accordion, ungar whistling, vocoder, tenor whistle
Bill Obrecht – alto sax
Peter Gordon – clarinet, tenor sax
David Van Tieghem – drums, roto toms, timpani, marimba, percussion
Perry Hoberman – bottles, sticks, claps, flute, sax, piccolo, backup vocals, walkie talkie, soprano whistle
Rufus Harley – bagpipes
Chuck Fisher – alto sax, tenor sax
Richard Cohenv – clarinets, bassoon, bari sax
George Lewis – trombones
D. Sharpe – drums
Brady – dogs


Label: Nonesuch Records Inc.


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. From The Air (4:29)
2. Big Science (6:14)
3. Sweaters (2:18)
4. Walking & Falling (2:10)
5. Born, Never Asked (4:56)
6. O Superman (8:21)
7. Example #22 (2:59)
8. Let X = X (3:51)
9. It Tango (3:01)


Bonustracks:

Walk The Dog (5:51)
O Superman (Video)

Gesamtspieldauer: 44:10




1982 veröffentlichte die New Yorker Performancekünstlerin Laurie Anderson ihr erstes Album, „Big Science“. Und einfach ist diese Musik wahrlich nicht zu beschreiben. Und ich würde da sogar noch einen Schritt weitergehen, denn einfach ist diese Musik auch nicht anzuhören. Auf ganz andere Töne muss man sich beim Durchhören dieses Albums einstellen. Andere Sounds, die man woanders so wohl noch nicht gehört hat.

Es beginnt mit „From The Air”, ein Lied, was vom Zusammenspiel verschiedener Saxophone, einer Klarinette und einem schwebenden Keyboardsound lebt. Die Krönung wird dem Ganzen noch durch Laurie Andersons Sprechgesang aufgesetzt. Obwohl hier immer wieder schräge Töne an das Ohr herangeführt werden, so ist das ganze Stück an sich betrachtet doch irgendwie eingängig und melodiös. „Big Science“ beginnt mit Wolfsgeheul und Laurie Andersons hoher Stimme, die so etwas wie „Uhukuuku“ singt. Dann setzt wieder ein Sprechgesang ein, dieses Mal spärlich instrumentiert durch einen Keyboardklangteppich. Im Refrain singt Laurie Anderson schließlich wieder sehr melodiös und fast schon zerbrechlich wirkend.

Weiter geht es mit „Sweaters“ einem völlig abgefahrenen Stück. Am Anfang klingt es so in etwa wie Kindergequengel und dieses Geräusch wird dann weiterhin von der Stimme Laurie Andersons imitiert, genau wie von den Backpipes Rufus Harleys. Passt alles sehr gut zur zentralen Aussage des Stücks: „I no longer love…“ Wirklich kein einfaches Stück Musik – und absolut unmelodiös. „Walking And Falling“, im Anschluss daran, ist eine sehr minimalistische Nummer. Sprechgesang und ganz dezente Hintergrundinstrumentierung ergeben einen Song, in dem uns Laurie Anderson erklärt, wie man gleichzeitig gehen und fallen kann. „Born, Never Asked“ wird wieder durch einen Sprechteil eingeleitet und entwickelt sich anschließend zu einer tollen und harmonischen Nummer, die von der Violine dominiert wird. Klasse hier auch der Marimba-Einsatz und das Hintergrundgeklatsche. Ein Höhepunkt des Albums.

Und dann kommt es, das Stück, durch welches Musikfreunde noch am ehesten mit dem Namen Laurie Anderson in Berührung gekommen sind: „O Superman“. Auf über acht Minuten Länge hört man hier dieses „Ha-ha-ha-ha-ha…“, nur ganz leicht elektronisch verzerrt. Dazu die vocodergefilterte Stimme Laurie Andersons und nur ab und zu Abwechslung in Form von Keyboard, Flöte oder Saxophon. Absolut genial das Stück in seinem Minimalismus. Aber ich bin mir bewusst, dass mit dieser Nummer nicht jeder etwas anfangen können wird.

Es folgt erneut ein sehr ungewöhnlicher Titel, „Example #22“. Auf Deutsch wird zuerst von einer Frau, dann von einem Mann, über „paranormale Tonbandstimmen“ referiert. Fast weinerlich wirkt in diesem Song die Stimme Laurie Andersons, bis sie am Ende der Nummer eine Art Refrain des Liedes, gepresst in Form eines „Nananana“, herausstößt. Richtig schön melodisch wird es anschließend wieder auf „Let X=X“. Auch dieses Mal spielt Laurie Anderson wieder mit ihrer Stimme, spricht den Text zum Teil, um dann wieder zum Singen überzugehen. Den Übergang zum letzten regulären Track bekommt man gar nicht richtig mit, denn der ist fließend. Außerdem klingt „It Tango“ ähnlich wie sein Vorgänger. Allerdings ist hier die Stimme Laurie Andersons nicht ganz so elektronisch verzerrt.

Bliebe noch das Bonusmaterial. Dieses muss man übrigens im Dateiverzeichnis der CD direkt im Computer aufrufen, es erscheint also nicht auf der Playliste im CD-Player. So minimalistisch wie das Lied „O Superman“ gehalten ist, so minimalistisch geht es auch in dem dazugehörigen Video zu. Hektik kommt da auf jeden Fall nicht auf. Und der Bonustrack „Walk The Dog“? Okay, da kommt man automatisch an seine Grenzen. Verzerrtes Hundegebell und Stimmen wie bei Mickey Mouse. Das ist nicht mehr die Avantgarde, das ist nur noch ein Klanggebilde, welches, na sagen wir mal „sehr gewöhnungsbedürftig“ ist. Es fällt schwer dieses Stück anzuhören ohne in Versuchung zu geraten, der Nummer mittels des „Aus-Knopfes“ der Anlage den Saft abzudrehen.

Fazit: Wer einmal Lust auf was ganz anderes hat, das nicht immer melodiös, dafür umso mehr spannend ist, was auch mal ungemein schräg klingen kann, anschließend aber wieder mit süßen Melodien verwöhnt, der sollte sich mal „Big Science“ von Laurie Anderson reinziehen. Wegen seiner Andersartigkeit und weil sich auch tolle Songs auf dieser CD befinden, gebe ich dem Werk zehn Punkte.

Anspieltipps: Big Science, Born Never Asked, O Superman, Let X=X, It Tango