Montag, 25. August 2014

The Frames DC – Fitzcarraldo




The Frames DC – Fitzcarraldo


Besetzung:

Glen Hansard – guitar, vocals
Paul Brennan – drums
Graham Downey – bass guitar, keyboards
Dave Odlum – guitars
Colm Mac Con Iomaire – violins


Gastmusiker:

Noreen O'Donnell – other voice
Kevin Murphy – cello
Pete Briquette – keyboards
Dee Armstrong – viola
Mike Higham – protools
Gary Hughes – keyboards


Label: ZTT Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Rock


Trackliste:

1. Revelate (3:46)
2. Angel At My Table (3:45)
3. Fitzcarraldo (6:08)
4. Evergreen (4:28)
5. In This Boat Together (5:18)
6. Say It To Me Now (5:33)
7. Monument (3:39)
8. Giving It All Away (4:18)
9. Red Chord (4:29)
10. Denounced (4:20)
11. Your Face (5:42)

Gesamtspieldauer: 51:30




The Frames sind eine irische Rock-Band aus Dublin. 1996 wurde ihr zweites Album veröffentlicht, allerdings unter der Überschrift „The Frames DC“, da die Band hier eine Verwechslung mit einer gleichnamigen US-amerikanischen Combo vermeiden wollte. Sänger, Songschreiber und Gitarrist Glen Hansard dürfte den meisten auch bekannt sein durch seiner Verkörperung des Outspan Foster, in dem Alan Parker Film „The Commitments“ aus dem Jahr 1991. Mit der Musik aus diesem Musikfilm, hat das Genre, welches die Frames bedienen, allerdings überhaupt nichts zu tun. The Frames DC zelebrieren auf „Fitzcarraldo” Rock-Musik, die meistens im Mid-Tempo angesiedelt ist und so einige Ohrwürmer für den Hörer bereithält.

Das beginnt gleich mit dem ersten Titel „Revelate”, der auch als Single aus dem Album ausgekoppelt wurde. Eine kraftvolle Nummer, sehr eingängig, bei der man automatisch ein wenig Mitwippen muss. Einmal gehört vergisst man dieses Lied auch nach Jahren nicht mehr – ein Song mit sehr viel Nachhall. Aber das war es noch nicht, es befinden sich noch weitere richtig gute Stücke auf der Scheibe. Im Grunde genommen ist alles sehr hörenswert. Manchmal wird es ein klein wenig rockiger, dann wieder ein bisschen verträumter und zurückhaltender. Allerdings gehen alle Titel relativ schnell ins Ohr. Als Beispiel sei hier noch der Titeltrack „Fitzcarraldo“ mit seiner unglaublich schönen Akustik-Gitarren-Spur sowie dem perfekten Zusammenspiel von Gitarre und Violine angeführt. Ein ruhiger Titel, der den Hörer einfach entspannen lässt. Deutlich rhythmischer und auch rockiger wird es bei „Giving It All Away”. Auch im schnelleren Tempo bewegen sich die Musiker richtig gut und hier erreicht die Musik der Frames DC zum Teil schon fast eine Hard Rock Ausrichtung. Allerdings lebt dieser Titel ganz klar von der Abwechslung zwischen den leiseren und treibenderen Parts. Hier wird nicht nur durchgerockt, hier wird deutlich differenziert.

Wahrlich viele gute und überzeugende Titel gibt es auf „Fitzcarraldo“ zu hören. Lediglich die letzte Nummer des Albums, „Your Face”, fällt da ein klein wenig ab. Ganz leise und ruhig gehalten, entwickelt sich hier ein Lied, welches sich sehr getragen anhört, dabei allerdings auch ein wenig uninspiriert klingt. Irgendwie schwer, nach all den anderen Titeln, zu diesem Titel als Abschluss noch Zugang zu finden.

Fazit: Eine schöne und sehr gelungene Platte legten The Frames DC hier im Jahr 1996 vor. Rock-Musik, hauptsächlich im Mid-Tempo gehalten, die gerade immer wegen ihrer Melodiösität zu überzeugen weiß. Viele schöne Einfälle kann man auf „Fitzcarraldo“ genießen, gepaart mit einer Eingängigkeit, die diese Platte keineswegs zu einer Eintagsfliege werden lässt. Auch noch nach vielen Jahren lohnt es sich, diese Scheibe wieder mal aufzulegen. Guter Rock! Zehn Punkte.

Anspieltipps: Revelate, Fitzcarraldo, Giving It All Away



Sonntag, 24. August 2014

David Bowie – Black Tie White Noise




David Bowie – Black Tie White Noise


Besetzung:

David Bowie – vocals, guitar, saxophone


Gastmusiker:

Nile Rodgers – guitar
Pugi Bell – drums
Sterling Campbell – drums
Barry Campbell – bass
John Regan – bass
Richard Hilton – keyboards
Dave Richards – keyboards
Philippe Saisse – keyboards
Richard Tee – keyboards
Michael Reisman – harp, tubular bells, string arrangement
Gerardo Velez – percussion
Fonzi Thornton – background vocals
Tawatha Agee – background vocals
Curtis King, Jr. – background vocals
Dennis Collins – background vocals
Brenda White-King – background vocals
Maryl Epps – background vocals
Al B. Sure! – vocal duet on "Black Tie White Noise"
Reeves Gabrels – lead guitar on "You've Been Around"
Mick Ronson – lead guitar on "I Feel Free"
Wild T. Springer – lead guitar on "I Know It's Gonna Happen Someday"
Mike Garson – piano on "Looking For Lester"
Lester Bowie – trumpet on "You've Been Around", "Jump They Say", "Pallas Athena", "Don't Let Me Down & Down", "Looking For Lester"
Fonzi Thornton, Tawatha Agee, Curtis King, Jr., Dennis Collins, Brenda White-King, Maryl Epps, Frank Simms, George Simms, David Spinner, Lamya Al-Mughiery, Connie Petruk, David Bowie, Nile Rodgers – choir on "I Know It's Gonna Happen Someday"


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Pop, Synthie Pop, Funk, Soul


Trackliste:

1. The Wedding (5:04)
2. You've Been Around (4:44)
3. I Feel Free (4:50)
4. Black Tie White Noise (4:54)
5. Jump They Say (4:23)
6. Nite Flights (4:37)
7. Pallas Athena (4:40)
8. Miracle Goodnight (4:13)
9. Don't Let Me Down And Down (4:55)
10. Looking For Lester (5:37)
11. I Know It's Gonna Happen Someday (4:05)
12. The Wedding Song (4:31)

Gesamtspieldauer: 56:33




Sechs Jahre waren seit dem letzten Solo-Album David Bowies vergangen. In dieser Zeit war er allerdings nicht untätig gewesen, sondern hatte mal das Banddasein ausprobiert und in der Formation Tin Machine für einiges Erstaunen gesorgt. Doch das ist eine andere Geschichte. Jetzt also das Solo-Comeback mit dem achtzehnten Studioalbum, welches nach den letzten beiden, wenig gelungenen Platten „Labyrinth“ und „Never Let Me Down“ mit sehr viel Spannung erwartet worden war. Hat der Künstler, der in seiner Karriere schon auf so viele Höhepunkte zurückblicken konnte, es endlich wieder geschafft, mit „Black Tie White Noise” ein überzeugendes Album vorzulegen? Nein, leider nicht!

David Bowie hatte inzwischen das Model Iman Abdulmajid geheiratet. Deshalb auch die „Umrandung“ der Titel mit „The Wedding“ und „The Wedding Song“. Musikalisch gibt es auf „Black Tie White Noise” eine krude Mischung aus belanglosen Pop-Liedchen, funkige und soulige Anleihen und sehr viel elektronische Beats zu hören. Das mag für Club-Besucher noch ganz nett sein, für zu Hause, ist diese Scheibe allerdings sehr gewöhnungsbedürftig. Keine Melodie will ins Ohr gehen, nichts verströmt auch nur die geringste Nachhaltigkeit, oftmals ist man geradezu erleichtert, wenn ein Titel endlich langsam ausgeblendet wird. Allerdings ist dies dann sogar doch noch ein klein wenig gelungener, als auf den beiden Vorgängeralben. Jedoch nur ein klein wenig. „Pallas Athena” stellt so eine Ausnahme dar, bei der man dann doch mal genauer hinhört. Die Nummer klingt zwar so gar nicht nach David Bowie und driftet fast schon ein klein wenig in die Richtung Techno. Mit einem kraftvollen und eindringlichen Cello startet der Titel, um dem Hörer dann elektronische Beats um die Ohren zu hauen. Rhythmisch toll gemacht und auch Bowies Saxophon-Spiel hat hier, integriert in diese Klänge, durchaus seinen Reiz. Selbiges gilt für die Trompeten-Einlage des Lester Bowie. Dass dies allerdings David Bowie Musik sein soll, erkennt man an keiner Stelle des Liedes.

Nun der Rest, ich habe es bereits erwähnt, alles sehr gewöhnungsbedürftig. Klar Lester Bowie hat immer wieder seinen Auftritt mit der Trompete, aber das ist trotzdem nicht das, was man erwartet, wenn man sich eine Platte von David Bowie zulegt. Easy Listening und schließlich wieder Abschnitte, in denen Bowie flehentlich singt und auf irgendetwas zu hoffen scheint. Was das allerdings ist, bleibt wohl für immer sein Geheimnis. Erwähnenswert vielleicht auch noch der Auftritt des Mick Ronson beim Titel „I Feel Free“. Jener Mick Ronson, der einer der „Spiders „From Mars“ war und viele der Platten der frühen 70er Jahre entscheidend an der Gitarre mitgeprägt hatte. Hier hat er bei diesem Titel noch mal einen Auftritt, einen letzten, denn leider verstarb er kurze Zeit später an Krebs. Die Beteiligung Mick Ronsons ist dabei allerdings das einzig erwähnenswerte an der Nummer, die sich ansonsten nahtlos in die anderen Belanglosigkeiten mit einreiht.

Fazit: Nein, das war immer noch nicht der David Bowie, der früher so innovativ war und für Melodien und Kompositionen zum Steinerweichen stand. Das klingt alles, mit nur ganz wenig Ausnahmen, sehr langweilig, will nicht ins Ohr gehen und ist zum Teil sogar richtiggehend nervig. Für Komplettisten und absolute Bowie-Jünger mag sich diese Platte lohnen, für fast alle anderen Hörer jedoch kaum. Schade – aber es sollte ja noch aufwärts gehen – bald. Vier Punkte.

Anspieltipps: Pallas Athena, I Know It's Gonna Happen Someday



Samstag, 23. August 2014

Manfred Mann’s Earth Band – Solar Fire



Die 1000ste Besprechung!


Manfred Mann’s Earth Band – Solar Fire


Besetzung:

Manfred Mann – organ, mellotron, synthesizer, vocals
Mick Rogers – guitar, lead vocals
Chris Slade – drums
Colin Pattenden – bass guitar


Gastmusiker:

Irene Chanter – backing vocals
Doreen Chanter – backing vocals
Grove Singers – backing vocals


Label: Bronze Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock, Rock


Trackliste:

1. Father Of Day, Father Of Night (9:55)
2. In The Beginning, Darkness (5:21)
3. Pluto The Dog (2:47)
4. Solar Fire (5:15)
5. Saturn, Lord Of The Ring, Mercury The Winged Messenger (6:31)
6. Earth, The Circle Part 2 (3:22)
7. Earth, The Circle Part 1 (3:56)

Gesamtspieldauer: 43:39




Es war gerade mal wieder Frühling in Deutschland. Ich kam nach der Schule nach Hause und meine Mutter hatte wie immer das Mittagessen vorbereitet. Und so saß ich da in der Küche, aß meine Kartoffeln, das Gemüse und die Frikadelle. Meine Mutter hatte das Radio angestellt und ich schaufelte das warme Essen in mich hinein. Und dann passierte es, plötzlich lief im Radio ein Titel, der mich sofort packte: „Father Of Day, Father Of Night” wurde da immer wieder gesungen. Diese Nummer war so etwas von intensiv und ich war sofort absolut begeistert. Ich hatte keinerlei Ahnung, von wem dieser Titel stammte, aber das war ja herauszukriegen. Komisch, damals wurde so etwas noch im Radio gespielt, obwohl das Lied doch schon mehrere Jahre auf dem Buckel hatte und knapp zehn Minuten lang war. Am Nachmittag war auf jeden Fall eine kurze Reise in die Stadt angesagt – zu den gängigen Plattengeschäften.

Was ich da gehört hatte, war wirklich unter dem Namen von „Father Of Day, Father Of Night” bekannt und stammte von Manfred Mann’s Earth Band. Obwohl, das stimmt nicht so ganz. Ursprünglich stammt dieses Lied von Bob Dylan. Auf seiner 1970 veröffentlichten LP „New Morning” gibt es dazu die eine Minute und siebenundzwanzig Sekunden lange Vorlage unter dem Titel „Father Of Night”. Was die Manfred Mann’s Earth Band daraus allerdings entwickelte, ist so was von unfassbar beeindruckend und hat mit dem ursprünglichen Lied nur noch relativ wenig zu tun. Okay, Text und die zugrunde liegende Melodie blieben erhalten, wurden jedoch von Manfred Mann’s Earth Band in Bezug auf die Musik so etwas von erweitert und ausgebaut, dass schließlich ein neues Lied entstand. Und dieses hat es wahrlich ins sich. Am Anfang scheinen da irgendwelche Engel zu singen, glockenklar und himmlisch und dann bricht das Gewitter los. Es gibt wohl kaum einen besseren Keyboardspieler als Manfred Mann, der es hier schafft eine unglaublich intensive Stimmung zu erzeugen. Dazu der tolle und irgendwie leidende Gesang des Mick Rogers sowie seine Gitarrensoli – einfach perfekt. Das Lied wirkt durchdringend und ergreifend und ist für die Ewigkeit im Rock-Olymp gedacht. Grandios!

Es gibt noch sechs weitere Titel auf „Solar Fire“. Alle befassen sich inhaltlich mit unserem Sonnensystem. Dass diese nicht mehr ganz die Qualität des Openers erreichen, ist nicht weiter verwunderlich, trotzdem wird hier weiter progressiver Rock auf sehr hohem Niveau geboten. Vor allem sehr hörenswert sind die etwas witzige Instrumentalnummer „Pluto The Dog”, bei der auch mal gebellt wird. Klingt alles so herrlich entspannt. Auch der Titeltrack mit seinem schweren Orgelsound hat es durchaus in sich. Erneut wird hier eine sehr dichte Stimmung aufgebaut und dabei wirkt die Musik trotzdem so schwerelos. Der Hintergrundgesang erscheint hier mitunter zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, stellt sich allerdings bereits nach dem zweiten Hören als durchaus passend heraus. Auch die restlichen Titel haben jeder für sich ihren Reiz, wenn man denn auf sehr melodiösen progressive Rock steht. Das Zusammenspiel von Keyboard und Gitarre ist dabei jederzeit gelungen und auch das Schlagzeug des Chris Slade sorgt für eine ganze Menge Abwechslung. Immer auf den Punkt gehen hier marschähnliche in noch treibendere Abschnitte über, um dann nur noch ganz zart einen Rhythmus anzudeuten. Bestes Beispiel hierfür ist die zweite Nummer „In The Beginning, Darkness”. Man könnte ins Schwärmen geraten...

Fazit: Wahrlich ein großes Album ist Manfred Mann’s Earth Band da mit ihrer vierten Platte gelungen, welches übrigens lediglich fünf Monate nach der Nummer 3 veröffentlicht wurde. „Father Of Day, Father Of Night” überstrahlt dabei natürlich alles. Doch auch der Rest ist durchaus hörenswert, wenn auch die beiden letzten Titel ein ganz klein wenig gegenüber dem Rest abfallen. Aber was soll’s, das ist wahrlich Jammern auf sehr hohem Niveau. Progressiver und packender klang Manfred Mann’s Earth Band nie mehr und auch vorher nicht. Wer die Scheibe nicht kennt, hat was verpasst. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Father Of Day, Father Of Night



Freitag, 22. August 2014

R.E.M. – Around The Sun




R.E.M. – Around The Sun


Besetzung:

Peter Buck – guitar
Mike Mills – keyboards, bass guitar
Michael Stipe – vocals


Gastmusiker:

Jamie Candiloro
Scott McCaughey
Q-Tip
Bill Rieflin
Hahn Rowe
Ken Stringfellow


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Leaving New York (4:49)
2. Electron Blue (4:12)
3. The Outsiders (4:14)
4. Make It All Okay (3:44)
5. Final Straw (4:07)
6. I Wanted To Be Wrong (4:35)
7. Wanderlust (3:03)
8. Boy In The Well (5:22)
9. Aftermath (3:53)
10. High Speed Train (5:03)
11. The Worst Joke Ever (3:38)
12. The Ascent Of Man (4:07)
13. Around The Sun (4:28)

Gesamtspieldauer: 55:21




„Around The Sun“ heißt das dreizehnte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband R.E.M. 2004 erschien dieses, drei Jahre nach dem Vorgänger „Reveal“ und hört sich dabei wie eine Fortsetzung der letzten Platte an. Alles ist gleich geblieben, die Musik und die dadurch transportierte Stimmung. Sanft, weich und warm klingt das alles. Im Zentrum steht natürlich wieder die eindringliche Stimme des Michael Stipe, eingebettet erneut in leise und sehr melodiöse Harmonien, all jene Zutaten also, für die Fans R.E.M. so sehr lieben.

Andererseits allerdings auch nichts Neues mehr. Waren die früheren Alben der Band oftmals eine Art Wunderkiste, bei der man bis zum ersten Hören nie wirklich sicher war, was einen erwarten würde, so ist das dieses Mal anders. Alles das, was auf „Reveal“ bereits funktioniert hat, wurde auch auf „Around The Sun“ mit eingebracht und umgesetzt. Entstanden ist ein sehr gefühlvolles Album, welches einem die entspannten Phasen im Leben zu verschönern weiß. Einzige Ausnahme stellt dabei „The Outsiders“ dar, ein Titel bei dem Rapper Q-Tip seinen Auftritt bekommt. Muss man allerdings nicht unbedingt haben, wenn man R.E.M.-Musik hören will. Experimente sind immer toll, aber nicht alles was geht, sollte dann auch in die Tat umgesetzt werden. So wirkt gerade dieser Titel wie ein kleiner Fremdkörper auf dem Album, zumindest in seinem zweiten Teil, in dem HipHopper Q-Tip dann seinen Einsatz erhält.

Bei aller Eingängigkeit muss man sich dieses Album allerdings trotzdem erarbeiten. Soll heißen, viele der Melodiebögen und Harmonien zünden erst beim wiederholten Hören der Scheibe. Gerade so, als ob erst Verknüpfungen im Gehirn des Hörers gesetzt werden müssten, eröffnet sich so manche Idee und Schönheit eines Titels erst beim erneuten Genuss. Mit jedem weiteren Durchlauf werden die einzelnen Titel dann jedoch zu guten Freunden, die einen auch längerfristig zu begleiten verstehen.

Fazit: Nichts Neues also von R.E.M.. Muss allerdings auch gar nicht sein, denn wenn das bereits vorhandene Fundament in der Musik noch ein wenig verbreitert und ausgearbeitet wird, auch ohne dabei viele neue Testballons zu starten, kann das durchaus wertvoll sein. „Around The Sun“ ist ein musikalisches Kleinod geworden, angefüllt mit typischen R.E.M.-Klängen: verträumte, melancholische und melodiöse Musik. Nichts Aufregendes – und das ist gut so. Zehn Punkte.

Anspieltipps: High Speed Train, Final Straw, Leaving New York



Donnerstag, 21. August 2014

ZZ Top – Afterburner




ZZ Top – Afterburner


Besetzung:

Billy Gibbons – guitar, vocals
Dusty Hill – bass guitar, keyboards, vocals
Frank Beard – drums


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Sleeping Bag (4:06)
2. Stages (3:35)
3. Woke Up With Wood (3:49)
4. Rough Boy (4:52)
5. Can't Stop Rockin' (3:04)
6. Planet Of Women (4:06)
7. I Got The Message (3:30)
8. Velcro Fly (3:32)
9. Dipping Low [In The Lap Of Luxury] (3:15)
10. Delirious (3:41)

Gesamtspieldauer: 37:34




„Eliminator“, das Vorgängeralbum, war überaus erfolgreich gewesen. Nun, da musste das weitere Vorgehen von ZZ Top natürlich genauestens überdacht werden. Einiges an diesem Erfolg schrieben die drei Musiker auch dem Einsatz des Synthesizers zu, der ihre Musik noch eingängiger werden ließ. Zwar wollten die drei Texaner ihre Fans aus den Anfangszeiten nicht vor den Kopf stoßen, doch der Erfolg tat natürlich auch sehr gut. So entschloss man sich auf „Afterburner“ dem Synthesizer einen noch größeren Raum einzuräumen, das Wort „Synthesizer“ wurde jedoch in den Credits nicht erwähnt, damit sich die Hörer erst selbst ein Bild machen konnten und nicht gleich abgeschreckt die Platte wieder ins Fach zurückstellen würden. Auf die Idee, dass sich so etwas sowieso herumspricht, kamen die Texaner damals anscheinend nicht.

Um es vorweg zu nehmen, dieser Weg hat sich für ZZ Top trotzdem gelohnt, zumindest finanztechnisch, denn „Afterburner“ verkaufte sich ebenfalls sehr gut. Dass man damit als Konsument auch solch Titel wie „I Got The Message” zu hören bekam, diese Kröte musste man vor allem als Fan der ersten Stunde eben schlucken. So krass wie hier ist es allerdings nur selten bei ZZ Top: „Obersynthieplastik”-Synthesizer trifft auf E-Gitarre. Grauenvoll. Die einzelnen Titel gehen ansonsten durchaus in die Richtung wie jene auf „Eliminator”. Mitunter hat man allerdings ein wenig den Verdacht, dass die besseren Lieder auf dem Vorgänger-Album Verwendung fanden und den Musikern bei „Afterburner“ nicht wirklich etwas Neues eingefallen ist, beziehungsweise die Ideen nicht ganz so breit gefächert waren. Beispiel hierfür ist „Dipping Low [In The Lap Of Luxury]”, welches unweigerlich an „Gimme All Your Lovin'” auf „Eliminator” erinnert. Die Parallelen sind nicht zu überhören.

Aber es gab auch Neues zu entdecken. Eine Ballade hatte es tatsächlich auf eine Scheibe von ZZ Top geschafft: „Rough Boy”. Und dies war wirklich etwas Ungewöhnliches für ZZ Top. Angeblich wurde hier ein etwas härterer Text gewählt, damit das Lied nicht ganz so verweichlicht klingen würde und nach der Synthesizer-Geschichte nochmals die Fans vergraulen könnte. Machte es allerdings nicht, die Nummer wurde neben „Sleeping Bag” der Hit des Albums.

Fazit: Eingängig ist sie geworden, die Musik von ZZ Top. Hard Rock ist das durchaus auch in den meisten Fällen – jetzt eben mal unterlegt mit einem Synthesizer. Blues gibt es erneut so gut wie gar nicht mehr zu hören. „Afterburner“ beinhaltet durchaus ein paar richtig gute Lieder, die auch ein wenig länger nachhallen. Manches ist wiederum etwas gewöhnungsbedürftig – oder man kann sich nie daran gewöhnen. Trotzdem ein Album in der Tradition von „Eliminator“, nur mit den etwas schlechteren Songs über die Gesamtheit gesehen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sleeping Bag, Rough Boy, Delirious



Mittwoch, 20. August 2014

Fish – Vigil In A Wilderness Of Mirrors




Fish – Vigil In A Wilderness Of Mirrors


Besetzung:

Fish (Derek W. Dick) – vocals


Gastmusiker:

Frank Usher – guitars (tracks 1, 2, 3, 4, 6, 7, 9)
Hal Lindes – guitars (1, 2, 3, 4, 5, 7)
Janick Gers – guitars (8)
John Giblin – bass guitars (1, 2, 3, 4, 6, 7, 8, 9)
Mickey Simmonds – keyboards (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9)
Davy Spillane – pipes (1), whistles (1)
Phil Cunningham – whistles (1, 4), accordion (4), bodhrán (4)
Aly Bain – violin (4)
Gavyn Wright – violin (4)
Mark Brzezicki – drums (1, 2, 4, 6, 7, 8, 9)
John Keeble – drums (3)
Luís Jardim – percussion (2, 3, 4, 9)
Carol Kenyon – backing vocals (2, 3, 7, 9)
Tessa Niles – backing vocals (2, 7, 9)


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: NeoProg


Trackliste:

1. Vigil (8:43)
2. Big Wedge (5:19)
3. State Of Mind (4:42)
4. The Company (4:04)
5. A Gentleman's Excuse Me (4:15)
6. The Voyeur (I Like To Watch) (nicht auf der LP enthalten) (4:42)
7. Family Business (5:14)
8. View From A Hill (6:38)
9. Cliché (7:01)

Gesamtspieldauer: 50:38




Fish hatte Marillion verlassen und seine ehemalige Band legte vor, indem sie ein Jahr zuvor das wirklich gute Album „Seasons End“ mit dem neuen Sänger Steve Hogarth einspielte und veröffentlichte. Nun, da wollte sich Derek Dick alias Fish natürlich nicht lumpen lassen und brachte 1990 sein erstes Solo-Album unter dem Titel „Vigil In A Wilderness Of Mirrors” auf den Markt.

Als Marillion-Liebhaber müsste man im Grunde genommen dankbar über diese Trennung sein, denn nicht nur „Seasons End” war gelungen, das ist auch „Vigil In A Wilderness Of Mirrors”. Der Fan bekam nun also den doppelten Output ihrer beziehungsweise seiner Lieblingsmusik. An vielen Stellen klingt Fish auf „Vigil In A Wilderness Of Mirrors” so, wie auf den ersten Marillion-Platten. Bestes Beispiel ist gleich das erste Lied und der Titelsong „Vigil”. NeoProg vom Feinsten bekommt der Hörer hier zu hören. Schöne Melodien, verschiedene Parts, spannender Aufbau und immer wieder wechselnde Rhythmen. Sehr gelungen. Auch bei den Titeln „Family Business”, „Cliché” und „View From A Hill” hört man die Ursprünge von Marillion deutlich heraus. Von daher schein „Vigil In A Wilderness Of Mirrors” irgendwie eine kleine Zeitreise zu sein.

Wunderschön auch das etwas folkige „The Company“. Ein Lied, welches über eine Melodie verfügt, die sich sofort und unauslöschlich im Musikzentrum des Hörers festsetzt. Eines der besten Lieder von Fish, zweifelsohne. Ein wenig seltsam klingt dagegen „Big Wedge”. Diese Bläsereinlagen, die ein wenig einen Big Band Sound kreieren, passen nicht so ganz zur Musik des Derek Dick und irgendwie auch nicht so ganz auf diese Platte. Wesentlich besser gelungen ist da schon die sehr ruhige Ballade „A Gentleman's Excuse Me”, wenn auch die Streicher den Titel ganz nah am Schmalz entlanggleiten lassen – aber zum Glück wird dieser Zustand nicht vollkommen erreicht. Auch sonst gibt es nichts zu meckern, die Titel haben alle etwas, was es lohnt, gehört zu werden und einen richtigen Ausfall sucht man auf diesem ersten Solo-Werk von Fish vergebens.

Fazit: „Vigil In A Wilderness Of Mirrors” ist zwar keines der ersten beiden Marillion Alben „Script For A Jerster’s Tear“ oder „Fugazi“, kommt diesen allerdings näher, als so manche Marillion-Veröffentlichung, die nach diesen beiden Platten entstand. Von daher lohnt sich dieses erste Solo-Album von Fish natürlich für alle diejenigen, die Marillion gerade am Anfang ihrer Karriere auch auf deren Höhepunkt sahen und hörten. „Vigil In A Wilderness Of Mirrors” macht Spaß und verliert auch im Laufe vieler Jahre nichts von seinem Reiz. Ein schönes Album angefüllt mit NeoProg. Elf Punkte.

Anspieltipps: Vigil, Family Business, The Company



Dienstag, 19. August 2014

Various Artists – Pulp Fiction (Soundtrack)




Various Artists – Pulp Fiction (Soundtrack)


Besetzung:

Zahlreiche, nicht einzeln aufgeführte Musiker


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Surf Rock, Pop, Soul (Soundtrack)


Trackliste:

1. Tim Roth & Amanda Plummer – Pumpkin & Honey Bunny (Dialog) / Dick Dale & His Del-Tones – „Misirlou“ (1961)
2. Samuel L. Jackson & John Travolta – „Royale With Cheese” (Dialog)
3. Kool & The Gang – „Jungle Boogie“ (1974)
4. Al Green – „Let’s Stay Together“ (1972)
5. The Tornadoes – „Bustin’ Surfboards“ (1962)
6. Ricky Nelson – „Lonesome Town“ (1958)
7. Dusty Springfield – „Son Of A Preacher Man“ (1968)
8. Maria de Medeiros & Bruce Willis – Zed’s Dead Baby (Dialog) / The Centurians – „Bullwinkle Part II“ (1964)
9. Jerome Patrick Hoban & Uma Thurman – Jack Rabbit Slim’s Contest (Dialog) / Chuck Berry – „You Never Can Tell“ (1964)
10. Urge Overkill – „Girl, You’ll Be A Woman Soon“ (1994)
11. Maria McKee – „If Love Is A Red Dress (Hang Me in Rags)“ (1993)
12. The Revels – „Comanche“ (1964)
13. The Statler Brothers – „Flowers On The Wall“ (1966)
14. Samuel L. Jackson & John Travolta – Personality Goes A Long Way (Dialog)
15. The Lively Ones – „Surf Rider“ (1963)
16. Samuel L. Jackson – Ezekiel 25, 17 (Dialog)

Gesamtspieldauer: 41:37




„Pulp Fiction“ ist wahrlich ein ungewöhnlicher Film, der die einen fasziniert, andere wiederum abstößt. Aber das ist bekanntlich nichts Neues bei einem Quentin Tarantino-Werk. Hier soll aber nun der Soundtrack zum Film kurz vorgestellt werden. Die allermeisten, der hier enthaltenden Titel, stammen aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Dazu gibt es einen Ricky Nelson Song aus den Fünfzigern und noch einige wenige Titel aus den 70ern. „Girl, You’ll Be A Woman Soon“, der „Hit” des Albums, stammt ursprünglich von Neil Young aus dem Jahr 1969 und wurde von Urge Overkill neu für diesen Film eingespielt. Und diese Nummer stellt ganz sicher auch den Höhepunkt der Scheibe dar.

Ansonsten hört man Country, ein wenig 60er Pop gemischt mit Soul und einige wirklich gelungene Instrumentalnummern aus längst vergangenen Zeiten. Dabei obliegt es natürlich dem Geschmack des Einzelnen, welcher Titel dem eigenen Gusto mehr zusagt. Aufgelockert wird das Ganze durch Konversationseinspielungen, die Teile des Films wiedergeben. Das lohnt sich ebenfalls durchaus, denn zum Beispiel die Unterhaltung zwischen Samuel L. Jackson und John Travolta zum Thema Burger und Pommes hat einfach was.

Fazit: Viel mehr gibt es hier wahrlich nicht zu sagen. Dieser Soundtrack ist keine Platte zum Durchhören, da der Musikfluss auch immer wieder durch Gesprächseinlagen unterbrochen wird. Wenn man allerdings einmal wieder in die Welt von Pulp Fiction eintauchen möchte, dann kann man dies, auch ohne den Film, mit diesem Album bestens bewerkstelligen. Beim Hören der Musik tauchen viele der Filmszenen sofort vor dem geistigen Auge auf. Für Pulp Fiction Fans von daher sehr zu empfehlen. Alle anderen werden wohl nur bedingt etwas mit dieser Scheibe anzufangen wissen. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Girl, You’ll Be A Woman Soon



Montag, 18. August 2014

Genesis – Genesis




Genesis – Genesis


Besetzung:

Tony Banks – keyboards, backing vocals
Phil Collins – lead & backing vocals, drums, percussion, trumpet on "Illegal Alien", drum machines
Mike Rutherford – guitars, bass guitar, backing vocals, drum machine on "Mama"


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop


Trackliste:

1. Mama (6:46)
2. That's All (4:22)
3. Home By The Sea (4:46)
4. Second Home By The Sea (6:22)
5. Illegal Alien (5:12)
6. Taking It All Too Hard (3:54)
7. Just A Job To Do (4:44)
8. Silver Rainbow (4:27)
9. It's Gonna Get Better (5:00)

Gesamtspieldauer: 45:59




Zwei Jahre nach „Abacab“ erschien das selbstbetitelte zwölfte Album „Genesis“ im Jahr 1983. Jetzt hatten es die drei Musiker endgültig vollbracht, auf „Genesis“ war nun nicht mal mehr ein Hauch von Progressive Rock zu vernehmen, die Platte war eine reine Pop-Scheibe geworden, die mit dem ersten Titel „Mama“ auch einen weltweiten Hit beinhaltete – und das war nicht der einzige, wenn auch der größte Charterfolg.

Nun, würde man jetzt eine Rezension aus Sicht eines Fans progressiver Rockmusik, für die Genesis wenige Jahre zuvor standen, schreiben, so müsste man das Album zerreißen. Allerdings von der Pop-Seite her betrachtet ist die Platte durchaus gelungen. Jede Menge Titel sind darauf vereinigt, die ziemlich schnell ins Ohr gehen und dort auch längerfristig zu verbleiben verstehen. Das beginnt mit dem bereits erwähnten „Mama“, einer kraftvollen und etwas verwunschen klingenden Nummer. Es folgt „That’s All“. Sehr viel einfacher gestrickt, allerdings ebenfalls sehr eingängig und durchaus hörenswert. Etwas rockiger wird es dann bei „Home By The Sea“. Auch hier ist es die Melodie, die zu überzeugen weiß und stilistisch zwischen Rock und Pop angesiedelt ist. Die Nummer geht fließend in „Second Home By The Sea” über. Jetzt hört man zunächst einen instrumentalen Synthie-Pop-Titel, der gegen Ende wieder in „Home By The Sea“ übergeht.

„Illegal Alien“ ist ein kleines Pop-Liedchen, welches nun nicht mehr besonders hervorsticht. „Taking It All Too Hard” dann ein Schmachtfetzen à la Phil Collins, allerdings mit einer durchaus schönen Melodie ausgestattet. „Just A Job To Do” stellt schließlich einen etwas schneller gespielten Funk dar und mit „Silver Rainbow“ folgt noch mal ein nettes Liebeslied. Pop pur mit lieblichem Text, trotzdem durchaus gelungen. Geschlossen wird die Platte mit „It's Gonna Get Better”, einer typischen Phil Collins Nummer, möglichst einfach gehalten, um wirklich jeden Hörer ansprechen zu können. 

Fazit: Als Pop-Album ist „Genesis“ durchaus gelungen. Einige wahrlich nette Melodien und Ideen befinden sich darauf. Für höhere Ansprüche genügen die Lieder zwar nicht mehr, trotzdem ist die Scheibe eingängig und hörbar. Die Titel klingen alle nach Pop, aber eben nicht alle nach Phil-Collins-Pop, was das Ganze wieder interessant werden lässt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Mama, Silver Rainbow



Sonntag, 17. August 2014

Marius Müller-Westernhagen – Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz




Marius Müller-Westernhagen – Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz


Besetzung:

Marius Müller-Westernhagen – Gesang, Mundharmonika, Perkussion, Chor


Gastmusiker:

Karl Allaut – Gitarre
Nick Woodland – Gitarre, Perkussion, Chor
Jean Jaques Kravetz – Keyboards
Lothar Meid – Bass
Jean Paul Zimbris – Schlagzeug, Perkussion, Chor
Olaf Kübler – Saxophon


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: DeutschRock


Trackliste:

1. Mit 18 (5:10)
2. Zieh' Dir Bloss Die Schuhe Aus (3:01)
3. Willi Wucher (4:08)
4. Oh, Margarethe (2:59)
5. Alles In Den Wind (3:41)
6. Mit Pfefferminz Bin Ich Dein Prinz (2:47)
7. Dicke (4:05)
8. Giselher (5:34)
9. Grüss Mir Die Genossen (3:46)
10. Johnny Walker (3:27)

Gesamtspieldauer: 38:27




Im Jahr 1978 erschien das vierte Album des Marius Müller-Westernhagen unter dem etwas seltsamen Titel „Mit Pfefferminz Bin Ich Dein Prinz“. Von dieser Platte kann man zweifelsohne behaupten, dass sie eine der bekanntesten und erfolgreichsten des DeutschRock darstellt – und gleichzeitig war sie auch der endgültige Durchbruch des Düsseldorfers. Rein und unverfälscht klingt die Musik, die Marius Müller-Westernhagen hier seinen Hörern präsentiert.

Gleich mehrere Klassiker im Songkatalog des Musikers und Schauspielers befinden sich auf dieser Scheibe. Das fängt gleich mit dem ersten Titel „Mit 18“ an. Eine rockige Nummer, die sofort in die Beine geht und zum Mitwippen oder Mittanzen animiert. Wunderbar einfach und gleichzeitig genial wurde dieses Lied zu einer Art Hymne auf die Jugend und die Sorglosigkeit. Geradezu lustig geht es mit „Zieh' Dir Bloss Die Schuhe Aus“ weiter. Im Grunde genommen ebenfalls ein Lied über die Jugend und wie sich eben manchmal alles weiter- oder auch anders entwickelt. Witzige Musik, genauso geglückter Text. Schließlich wird es mit „Willi Wucher“ sogar funkig. Die mag manchem gefallen, trotzdem irgendwie gewöhnungsbedürftig. Was jedoch nicht für den Text gilt, der zaubert einem ein Lächeln auf die Lippen.

Ebenso jener von „Oh, Margarethe“. Hier liegt der Musik nun ein Rock’n’Roll zu Grunde, der sehr gelungen ist. Mit „Alles In Den Wind“ folgt dann Lied Nummer 1 in Bezug auf die Auseinandersetzung des Marius Müller-Westernhagen mit dem Thema Alkohol. Der zweite Beitrag mit diesem Bezug ist die letzte Nummer des Albums „Johnny Walker“. Beides ruhige und sehr melodiöse Lieder, wobei vor allem „Johnny Walker“ früher an vielen Lagerfeuern von „dem Jungen mit der Klampfe“ zum Besten gegeben wurde. Bei „Mit Pfefferminz Bin Ich Dein Prinz“, dem Titellied, wird erneut dem Rock’n’Roll gefrönt. Der Text ist dabei absolut sinnfrei, obwohl die Zeile „Pipi ist kein Name und auch kein Getränk und mancher muss schon rennen, wenn er nur an Pipi denkt“ in vielen Kreisen fast schon Kultstatus erreichte. Es folgt das wohl politisch unkorrekteste deutsche Lied der 70er Jahre: „Dicke“. Als etwas fülligere Person benötigt man bei dieser Nummer auf jeden Fall eine gehörige Portion Humor. Ansonsten ein absolut toller Song.

Mit „Giselher“ gibt es schließlich sogar noch ein trauriges, sehr melodiöses und sentimentales Liebeslied. Und dann ist da noch „Grüss Mir Die Genossen“. Ein Titel, ganz in der Zeit Ende der 70er Jahre verwurzelt, versehen mit einem erneut witzigen und doch nachdenklichen Text. Tolle Nummer mit eingängiger Melodie.

Fazit: Mit diesem Album hat Marius Müller-Westernhagen völlig zu Recht seinen musikalischen Durchbruch geschafft. Die Platte ist vollgepackt mit Ideen, mit Wortwitz und mitreißenden sowie wunderschönen Melodien. Sehr viel Abwechslung bekommt man als Hörer hier auf die Ohren. Auf „Mit Pfefferminz Bin Ich Dein Prinz“ passt wirklich fast alles. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Mit 18, Dicke, Johnny Walker



Samstag, 16. August 2014

Various Artists – Rock Christmas Volume 10




Various Artists – Rock Christmas Volume 10


Besetzung:

Viele verschiedene Künstler unterschiedlicher Bands


Label: Universal Music Group


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Pop, Soul


Trackliste:

1. Cyndi Lauper - December Child (3:10)
2. No Angels - Stay (4:11)
3. Barry White, Choir Love Unlimited - It Maybe Winter Outside (But In My Heart) (2:54)
4. Robbie Williams - Angels (4:25)
5. Bro'Sis - The Gift (4:08)
6. Brian McNight feat. Boyz II Men - Let It Snow (4:03)
7. Loona - Colors (4:16)
8. Audrey Hannah - It's December (And I'll Be Missing You) (3:44)
9. Hermes House Band - Ding Ding Ding (2:55)
10. Zucchero - White Christmas (3:34)
11. Modern Talking - It's Christmas (3:52)
12. Laurent Daniels - Christmas Time (4:09)
13. Kate And Bob - Last Christmas (3:55)
14. Peter Grimberg - Jingle Bell Rock (2:42)
15. Bravo All Stars - Let The Music Heal Your Soul (3:59)
16. Cashmere - Merry Christmas Darling (3:03)
17. Jane Comerford - White White Christmas (3:32)
18. Eden - In Your Eyes (X-Mas Version) (3:26)
19. Jan Wayne- Christmas Time (4:02)
20. Run DMC - Christmas In Hollis (3:00)

Gesamtspieldauer: 1:12:59




Hätte jemals jemand meiner Bekannten und Freunde behauptet, ich hätte etwas von Modern Talking, ich hätte sie oder ihn verlacht und mich gefragt, warum diese Person unsere Freundschaft so auf die Probe stellt. Ich muss alles zurücknehmen, ich habe was von Modern Talking – und von den No Angels und auch Bro’Sis sind vertreten und was weiß ich nicht noch für „komische Dinge“. Unglaublich, habe überhaupt nicht gewusst, dass ich diese CD besitze, die eigentlich nur ein Geschenk sein kann, doch wer tat mir das an?

Okay, ich kann es sehr kurz machen. Bei dem Titel „Rocking Christmas Volume 10“ kann man sich schon vorstellen, wie da irgendwelche Marketingstrategen, nach neun vorherigen Veröffentlichungen, händeringend nach weiteren Liedern gesucht haben, in denen das Wort „Christmas“ auftaucht, um auch noch eine zehnte Ausgabe zu realisieren. Diese CD ist eine Ansammlung von Grausamkeiten, die kein Mensch braucht. Einige wenige schöne Titel sind zwar auch vertreten, aber neben solch einer Menge an süßlichem Schrott, der einen nur erschauern lässt. Wer will sich so ein Gesülze an Heilig Abend auflegen, bei dem vielleicht mal ein Glöckchen an Weihnachten erinnert – oder eben das Wort „Christmas“? Jede oder jeder, der an einzelnen Titeln dieser Zusammenstellung Spaß hat, sollte von daher lieber in den Song als MP3 investieren oder das Original-Album des einzelnen Künstlers erwerben.

Fazit: Nein, viel lieber deutsche Weihnachtslieder, gesungen von Chören, von mir aus auch von Maria und Margot Hellwig oder Stefanie Hertel, jedoch nicht das hier. „Rock Christmas Volume 10” ist die Höchststrafe, da es eine Ansammlung von billig produzierten Kitsch-Songs darstellt, neben einigen wenigen ganz netten Stücken. In einem durchhörbar ist diese Zusammenstellung jedoch nicht. Solche Kompilationen braucht kein Mensch. Ein Punkt.

Anspieltipps: Da mag ich echt nichts empfehlen…


(Der Titel, den ich hier verlinkt habe, ist so unfassbar schlecht, dass mir die Worte fehlen - aber er hat bald vier Millionen Klicks. Ich glaube nicht, dass die alle mal was ganz Mieses hören wollten. Von daher: Viel Spaß!)

Freitag, 15. August 2014

Jethro Tull – Stand Up




Jethro Tull – Stand Up


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, acoustic guitar, hammond organ, piano, mandolin, balalaika, mouth organ
Martin Lancelot Barre – electric guitar, flute
Glenn Cornick – bass guitar
Clive Bunker – drums, percussion


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Folk Rock; Progressive Rock


Trackliste:

1. A New Day Yesterday (4:12)
2. Jeffrey Goes To Leicester Square (2:12)
3. Bourée (3:47)
4. Back To The Family (3:53)
5. Look Into The Sun (4:23)
6. Nothing Is Easy (4:27)
7. Fat Man (2:52)
8. We Used To Know (4:03)
9. Reason For Waiting (4:07)
10. For A Thousand Mothers (4:22)


Bonustracks:

11. Living In The Past (3:24)
12. Driving Song (2:45)
13. Sweet Dream (4:05)
14. 17 (3:07)

Gesamtspieldauer: 51:40




„Stand Up” heißt das zweite Studioalbum von Jethro Tull und es erschien im Jahr 1969. Nachdem die erste Platte noch sehr Blues-lastig ausgefallen war, schienen Jethro Tull nun ihren Stil gefunden zu haben. Möglich wurde dies wohl durch einen Wechsel im Line-Up der Band. Die beiden Songschreiber der ersten Platte, Ian Anderson und Mick Abrahams konnten sich nicht mehr auf einen gemeinsamen musikalischen Weg einigen und somit verließ Abrahams die Band. Damit verschwand auch das Genre „Blues“ fast vollständig als musikalische Ressource von Jethro Tull. Folk Rock und Progressive Rock standen ab jetzt auf der Agenda.

Und genau das hört man bereits auf diesem zweiten Album. Mick Abrahams war durch Martin Lancelot Barre ersetzt worden, der von nun an neben Ian Anderson der einzige und dauerhafte Fixpunkt der Band sein sollte. Das Songwriting hatte nun Ian Anderson vollständig übernommen und genau in diese beiden Musikstile investierte er sein Songwriting. Und so hört man auf „Stand Up“ schon einiges von dem, was auf Platten wie „A Passion Play“ oder „Thick As A Brick“ bis ins letzte Detail ausgearbeitet sein sollte. Tolle und interessante Arrangements, eingängige Melodien und überraschende Ideen. Dabei wechselt die Musik zwischen den bereits erwähnten Genres Folk und Progressive Rock hin und her, was die Scheibe sehr spannend werden lässt. Der große Unterschied liegt allerdings noch in den Liederlängen. Wurden spätere Platten mit zwei Liedern bestückt, die die beiden Seiten der Schallplatte vollständig einnahmen, so gibt es hier auf jeder Seite fünf Nummern, die sich noch deutlich voneinander unterscheiden und eben nicht ineinander überfließen.

Bekanntestes Stück des Albums ist wohl „Bourée“, bei der Ian Anderson die Bourrée in E-Moll von Johann Sebastian Bach adaptiert. Sehr beeindruckend klingt dies mit seinen progressiven Zügen und war auch häufig Bestandteil vieler Jethro Tull Konzerte. Durch den erstmalig sehr häufigen Einsatz der Querflöte in der Musik, war diese Platte schon etwas Besonderes und Außergewöhnliches für die Musikkonsumenten der damaligen Zeit. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass „Stand Up“ das einzige Album in der Bandgeschichte ist, was es jemals schaffte Platz 1 der britischen Charts zu belegen – neben der wahrlich gelungenen Musik.

Fazit: Eine sehr gelungene Mischung aus Folk und Progressive Rock stellt „Stand Up“ dar. Dabei handelt es sich bei dem „progressiv“ nicht um „abgefahrene“ Strukturen oder Rhythmen, alles bleibt sehr eingängig und melodiös. Es sind die Einfälle und die Umsetzung der Ideen, die hauptsächlich in Verbindung mit dem Einsatz der Querflöte stehen, die dieses Album auch „progressiv“ werden lassen. Zwar stehen die ruhigeren Töne im Vordergrund, gerockt wird jedoch auch, was zusätzlich zur Abwechslung beiträgt. Ein schönes Album, welches man als Jethro Tull Fan auf jeden Fall kennen sollte. Lohnt sich aber auch für andere… Zehn Punkte.

Anspieltipps: Bourée, Fat Man, We Used To Know, Reason For Waiting



Donnerstag, 14. August 2014

Depeche Mode – Black Celebration




Depeche Mode – Black Celebration


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Alan Wilder
Andrew Fletcher
David Gahan
Martin Gore


Label: Mute Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Dark Wave, New Wave, Synthie Pop


Trackliste:

1. Black Celebration (4:55)
2. Fly On The Windscreen – Final (5:18)
3. A Question Of Lust (4:20)
4. Sometimes (1:53)
5. It Doesn't Matter Two (2:50)
6. A Question Of Time (4:10)
7. Stripped (4:16)
8. Here Is The House (4:15)
9. World Full Of Nothing (2:50)
10. Dressed In Black (2:32)
11. New Dress (3:42)

Gesamtspieldauer: 41:01



„Black Celebration“ heißt das vierte Studioalbum der englischen New Wave und Synthie Pop Band Depeche Mode. Veröffentlicht wurde das Album am 17. März 1986 auf dem Label Mute Records. „Black Celebration“ unterstreicht dabei nicht nur vom Titel des Albums her, dass der Sound von Depeche Mode sehr viel dunkler und düsterer geworden war. Die Lieder wurden alle von Martin Gore geschrieben. Nur bei den später erschienen remasterten Versionen des Albums wurden als Zusatzmaterial Titel angehängt, die dieser mit den Bandkollegen geschrieben hatte.

Die Platte erreichte in Deutschland Platz 2, in Großbritannien Platz 4 der Charts und wurde drei Jahre nach dem Erscheinen vom Magazin „Spin“ auf Platz 15 der 25 besten Alben aller Zeiten gesetzt. Die Musik auf „Black Celebration“ weiß durchaus zu überzeugen, aber Platz 15 der besten Alben überhaupt? Nun, dies scheint von einem absoluten Fan dort eingeordnet worden zu sein. Beeindruckend ist diese dunkle Atmosphäre, die dem Album innewohnt. Eine irgendwie mystisch angehauchte Stimmung liegt über der Platte und verbreitet sich sofort im Raum, wenn man die Scheibe auflegt. Die einzelnen Titel gehen dabei durchaus ins Ohr, wenn auch nicht alle Nummern eine gleich hohe Qualität besitzen. Bestes Beispiel hierfür ist das letzte Lied des Albums, „New Dress“. Hier klingen, durch die wirklich sehr synthetischen Perkussionsklänge, Depeche Mode ein klein wenig zu sehr nach etwas einfachem Synthie-Pop – da helfen dann die auch, die hier erneut vorhandenen mystischen Hintergrund-Chöre nichts mehr.

Dass es auch viel besser geht, beweisen Depeche Mode vor allen Dingen mit zwei Liedern, die mit zum Besten gehören, was die Band jemals veröffentlichte. Da ist zum einen die wirklich seltsam klingende Nummer „It Doesn't Matter Two“, mit seiner eingängigen Melodie und einer Instrumentierung, die nach Xylophon und menschlichen Stimmen klingt, aber wohl ebenfalls dem Synthesizer entsprang. Genial umgesetzt und ein Lied, welches man so schnell nicht mehr vergisst. Eine Nummer, welche sich festzusetzen versteht. Und schließlich ist da auch noch der Hit des Albums, „Stripped“. Ebenfalls ein Lied mit Ohrwurmcharakter und ein Beispiel dafür, welches Gefühl Martin Gore für die eingängige Melodie besitzt. Auch dieses Lied verfügt über einen leicht düsteren Unterton und stellt nicht umsonst die erfolgreichste Single-Auskopplung auf „Black Celebration“ dar.

Fazit: Ein dunkles Album ist „Black Celebration“ von Depeche Mode geworden. Dass dieses Ergebnis auch entstehen kann, wenn eine Band im Synthie Pop beheimatet ist, beweist diese Scheibe. Nicht alle, jedoch viele der Nummern auf „Black Celebration“ gehen ins Ohr. Mit den Liedern „It Doesn't Matter Two“ und „Stripped“ sind zudem zwei Titel enthalten, für die sich alleine schon der Erwerb des Albums lohnt. Wenn man beim Hören einer Drum Machine und diverser Synthesizer nicht völlig verschreckt wird, dann kann „Black Celebration“ durchaus Spaß machen. Neun Punkte.

Anspieltipps: It Doesn't Matter Two, Stripped