Montag, 20. April 2015

Jethro Tull – Rock Island




Jethro Tull – Rock Island


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, keyboards, synclavier, mandolin, acoustic guitar, drums
Martin Barre – guitars
David Pegg – bass guitar, acoustic bass, mandolin
Doane Perry – drums


Gastmusiker:

Martin Allcock – keyboards
Peter Vettese – additional keyboards


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Rock


Trackliste:

1. Kissing Willie (3:33)
2. The Rattlesnake Trail (4:01)
3. Ears Of Tin (4:55)
4. Undressed To Kill (5:23)
5. Rock Island (6:54)
6. Heavy Water (4:12)
7. Another Christmas Song (7:53)
8. The Whalers Due (7:53)
9. Big Riff And Mando (5:59)
10. Strange Avenues (4:13)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

11. Christmas Song (live ) (3:06)
12. Cheap Day Return / Mother Goose (live ) (3:09) 
13. Locomotive Breath (live ) (3:38)

Gesamtspieldauer: 57:02




Mit „Rock Island“ wurde das siebzehnte Studio-Album von Jethro Tull aus dem Jahr 1989 betitelt. Und „Nomen“ ist hier auch ganz klar „Omen“, denn auf „Rock Island“ gibt es Rock Musik zu hören. Das ist kein Progressive Rock mehr, einfach nur schlicht und ergreifend Rock-Musik. Klar erkennt man den typischen Sound von Jethro Tull heraus. Zum einen hört man hier, die wieder deutlich häufiger eingesetzte Querflöte und zum anderen natürlich auch den unverwechselbare Gesang des Ian Anderson. Wobei man bei den Liedern schon klar heraushört, dass seine Stimme im Laufe der Jahre schon sehr gelitten hat.

Mitunter kann man bei den einzelnen Titeln durchaus auch von Hard Rock sprechen, obwohl sich dieser Stil natürlich nicht über das ganze Album hindurchzieht. Schöne langsame Lieder relativieren diesen Eindruck immer wieder, sodass man auch nicht von einem Hard Rock Album sprechen kann, eher von einer Rock-Platte, die in diesem Genre sowohl die sanfteren, wie die härteren Töne bedient. Und wenn es dann mal ruhiger wird, dann klingt das zudem sehr nach Folk Rock. Eine musikalische Phase, in welcher die Band in genau diesem Genre zu Hause zu sein schien, gab es bereits zehn bis zwölf Jahre zuvor. Und auch jetzt, Ende der 80er Jahre, können entsprechende Titel durchaus wieder überzeugen. Des Weiteren wurde die einmal, mit dem letzten Album „Crest Of A Knave“ eingeleitete Entwicklung, dem Keyboard weniger Raum zu gestatten, auf „Rock Island“ konsequent fortgesetzt. Jetzt sind es die Gitarre und die Querflöte, die die instrumentale Ausprägung der Platte gestalten – das Keyboard hält sich meist nur im Hintergrund, um für etwas mehr Fülle zu sorgen.

Richtig aufregend ist „Rock Island“ nicht geworden. Eher ist es eine perfekt produzierte Scheibe, die grundsolide dem Rock frönt. Allzu viele Ecken und Kanten gibt es ebenfalls nicht zu hören, sodass nach dem ersten Durchlauf des Albums ein überraschtes „Oh, war’s das schon?“ durchaus eine nicht außergewöhnliche und nachvollziehbare Feststellung sein könnte. Aber wie so häufig, werden die einzelnen Nummern auch hier mit jedem Durchlauf vertrauter und verankern sich dann auch besser und dauerhafter. Schließlich wird man auch einige Melo0dien aus „Rock Island“ dauerhaft im Kopf haben.

Fazit: Sicherlich ist „Rock Island” nicht das beste Jethro Tull geworden, allerdings beileibe auch kein schlechtes. Die Musik ist eindeutig der Band Jethro Tull zuzuordnen, der Wiedererkennungseffekt bezüglich der Band ist also gegeben. Es werden keine (missglückten) Ausflüge in andere Musikgenres unternommen, dafür leidet ein wenig der Punkt des Besonderem, der durchaus auch immer wieder der Musik innewohnen kann. Rock-Freunde können hier ohne Zögern zugreifen, wenn sie auf gute und vor allen Dingen „handgemachte“ Rock Musik stehen. Jethro Tull Fans müsste dieses Album sowieso gefallen, auch wenn es wohl kaum deren Lieblingsplatte sein wird. Neun Punkte.

Anspieltipps: Rock Island, Big Riff And Mando, Strange Avenues



Sonntag, 19. April 2015

Steven Wilson – Insurgentes




Steven Wilson – Insurgentes



Besetzung:

Steven Wilson – vocals, acoustic & electric guitars, acoustic & electric pianos, keyboards, synthesizers, harmonium, mellotron, bass guitar, percussion, drum & keyboard programming, ambient noise, loops


Gastmusiker:

Gavin Harrison – drums, cymbals
Tony Levin – bass
Mike Outram – electric guitar
Dirk Serries – guitar drones
Jordan Rudess – piano
Clodagh Simonds – vocals
Sand Snowman – acoustic and processed acoustic guitars, recorders
Theo Travis – wah-flute, clarinet, saxophone
Michiyo Yagi – 17-string bass koto, 21-string koto


Label: kscope


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Independent, Alternative, Postrock, Prog


Trackliste:

1. Harmony Korine (5:07)
2. Abandoner (4:48)
3. Salvaging (8:17)
4. Veneno Para Las Hada (5:57)
5. No Twilight Within The Courts Of The Sun (8:37)
6. Significant Other (4:31)
7. Only Child (4:24)
8. Twilight Coda (3:24)
9. Get All You Deserve (6:17)
10. Insurgentes (3:55)


DVD:

Advanced Resolution 5.1 Of Insurgentes (24/48 resolution)

Gesamtspieldauer CD: 55:22 (DVD selbiges)




„Insurgentes” nannte Steven Wilson sein erstes Solo-Album, welches im Jahr 2008 veröffentlicht wurde. Seine Band Porcupine Tree sollte ein Jahr später noch mal ein Album veröffentlichen, dann war da jedoch erst mal Schluss – zumindest bis heute im Jahr 2015. „Insurgentes” ist spanisch und bedeutet so viel wie „Aufständischer“ oder „Aufrüher“. Also aufrührerisch klingt die Platte keinesfalls, allerdings klingt sie auch nicht einfach.

Nun, ich muss sogar zugeben, dass die Scheibe überaus kompliziert klingt. Gar nicht so eingängig beim ersten Hören, obwohl Steven Wilson seine Hörer auch auf „Insurgentes“ mit sanften Klängen zu verwöhnen versucht. Allerdings gibt es neben diesen ruhigen Klängen durchaus auch verstörende Abschnitte, die nicht mehr so ohne weiteres den Weg in das Klangzentrum des Gehirns finden wollen.

„Insurgentes“ ist eines jener Alben, welches der Hörerin oder dem Hörer ihre Schönheit erst nach vielen Durchgängen offenbart. Mit zwei oder drei Durchläufen ist es da definitiv nicht getan. Nimmt man sich jedoch die Zeit und räumt dieser Platte immer und immer wieder die Möglichkeit zum Reifen ein, wird man nach einer gewissen Zeit doch noch beschenkt werden. Trotzdem schien Steven Wilson der Weg, den er mit diesem Soloprojekt einzuschlagen gedachte, noch nicht ganz klar gewesen zu sein. Soll es eher in die experimentelle Richtung gehen oder sich doch lieber an den tollen, ruhigen Songs von Porcupine Tree orientieren? Die Antwort scheint Steven Wilson nicht leicht gefallen zu sein, beziehungsweise fand er überhaupt eine Antwort? Diese Frage kann wohl verneint werden, denn irgendwie befindet sich ein buntes Potpourri auf „Insurgentes“, die tolle, eingängige und melodiöse Melodie genau wie die sehr experimentelle Passage, die dann eher ein Klanggebilde darstellt, als ein „richtiges“ Lied. Jedoch hat das alles was, ist spannend und eindeutig progressiver Rock, der im neuen Jahrtausend spielt und auch genau dort hingehört. Das ist null Radiomusik, jedoch wer möchte so etwas schon von Steven Wilson hören?

Fazit: „Insurgentes“ ist keine einfache Scheibe geworden. Die folgenden Platten von Steven Wilson sind deutlich einfacher, „griffiger“ und auch melodiöser geraten. Selbiges gilt auch für die meisten Porcupine Tree Platten. Trotzdem ist „Insurgentes“ eine sehr interessantes Album geworden, dem man eben die Zeit zum Reifen einräumen sollte. Immer nur einfach, das ist doch auch langweilig. Elf Punkte.

Anspieltipps: Harmony Korine, Abandoner, Insurgentes



Samstag, 18. April 2015

Dire Straits – Making Movies




Dire Straits – Making Movies


Besetzung:

Mark Knopfler – vocals, guitar
John Illsley – bass, vocals
Pick Withers – drums, vocals


Gastmusiker:

Roy Bittan – keyboards
Sid McGinnis – guitar


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Rock


Trackliste:

1. Tunnel Of Love (Intro/The Carousel Waltz) (8:11)
2. Romeo And Juliet (6:01)
3. Skateaway (6:40)
4. Expresso Love (5:12)
5. Hand In Hand (4:48)
6. Solid Rock (3:27)
7. Les Boys (4:09)

Gesamtspieldauer: 38:31




Eine wahre Geschichte: Es trug sich zu in einem Plattengeschäft, etwa Mitte der 80er Jahre. Ich war gerade mal wieder dabei, mein Taschengeld in Musik zu investieren und blätterte durch die Platten, die in Kästen vor mir angeordnet waren. Irgendetwas unter dem Buchstaben „L“ oder „M“ schien ich gerade zu suchen, als rechts neben mir ein etwa fünf Jahre älterer Typ auftauchte und verzweifelt etwas unter dem Buchstaben „S“ suchte. Dann hob er den Kopf, schaute zu mir und meinte: „Kann es sein, dass die hier keinen Dire Straits haben?“ Ich sah ihn etwas verwundert an und meinte dann: „Da musst Du unter „D“ suchen.“ Er: „Echt? Was ist das denn für ein Laden, dass die die Musik unter den Vornamen einsortieren?“ Er ging zu „D“, schnappte sich „Making Movies“ von den Dire Straits und marschierte weiter zur Kasse. Ich stand währenddessen etwas sprachlos, aber wohl mit einem vor Verblüffung leicht geöffnetem Mund da und konnte gar nicht so recht glauben, was da eben genau so passiert war.

Es war diese Platte, die der Typ damals gekauft hat. Ich kannte die Scheibe zu der Zeit noch gar nicht. Aber jetzt ganz schnell zur Musik auf „Making Movies“. Nun, wenn es ein typisches Dire Straits Album gibt, dann kommt „Making Movies“ garantiert in die engere Wahl. Hierauf ist alles vertreten, was diese Band damals ausmachte. Jener, mit einem hohen Wiedererkennungswert ausgestattete, nuschelnde Gesang des Mark Knopfler und natürlich der einmalige Gitarrensound, den es so nur bei den Dire Straits beziehungsweise Mark Knopfler zu hören gibt. Dieser hatte sich vor dem Entstehen des Albums mit seinem Bruder David Knopfler überworfen, der daraufhin die Band verlassen hatte. Der Sound der Band hatte sich nun auch weiterentwickelt, ob das allerdings an der Demission des David Knopfler lag, das sei mal so dahingestellt.

Mit „Tunnel Of Love“ und „Romeo And Juliet“ sind auch zwei Klassiker im Bandkatalog der Dire Straits mit vertreten. Allerdings gibt es mit „Expresso Love” und „Solid Rock” weitere richtig gute Nummern, die einfach Spaß machen. Es ist dieses musikalische Gefühl der Lockerheit, was die Dire Straits immer wieder mit ihren Liedern erzeugen, welches die Band durchaus zu etwas Besonderem werden lässt – und genau dieses Gefühl entwickelt sich auch beim Hören dieser genannten Lieder.

Fazit: Die ganz großen „Knaller“ gibt es auf „Making Movies“ nicht, dafür jedoch einige sehr gelungene Nummern, die das ganze Album absolut hörenswert werden lassen. Es ist wirklich diese, durch die Musik transportierte Atmosphäre, welche die Dire Straits durchaus zu etwas Besonderen werden lässt. Nach dem Genuss einer solchen Platte fühlt man sich irgendwie fröhlicher, man ist vielleicht nicht gepackt und ergriffen, aber schon auf eine gewisse Art und Weise positiver gestimmt. Nochmal ein Grund mehr, viel mehr Musik zu hören. Neun Punkte.

Anspieltipps: Tunnel Of Love, Romeo And Juliet



Freitag, 17. April 2015

Stan Ridgway – The Big Heat




Stan Ridgway – The Big Heat


Besetzung:

Stan Ridgway – banjo, guitar, harmonica, keyboards, vocals


Gastmusiker:

K. K. Barrett – drums
Chris Becerra – drums
Joe Berardi – drums
Hugo Burnham – percussion
Louis Cabasa – bass guitar
Mark Cohen – banjo, mandolin
John Dentino – keyboards
Bruce Fowler – trombone
Mitchell Froom – keyboards
Richard Gibbs – synthesizer, Emulator
Richard Greene – violin
Bernard Hall – keyboards
Roger Kleier – guitar
Cliff Martinez – bass
Mr. Christopher – violin, cello
Bill Noland – piano, keyboards,
Joe Ramirez – guitar, programming, vocals, drum programming
Tom Recchion – percussion
Steve Reid – percussion
David Sutton – bass
Mark Terlizzi – bass
Louis VandenBerg – keyboards
Mike Watt – bass
Pietra Wexstun – vocals
Eric Williams – guitar
Bruce Zelesnik – drums


Label: I.R.S. Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Rock, New Wave


Trackliste:

1. The Big Heat (4:34)
2. Pick It Up (And Put It In Your Pocket) (4:33)
3. Can't Stop The Show (3:46)
4. Pile Driver (4:47)
5. Walkin' Home Alone (4:31)
6. Drive, She Said (4:18)
7. Salesman (5:29)
8. Twisted (3:38)
9. Camouflage (7:17)
10. Rio Greyhound (Instrumental) (3:13)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

11. Stormy Side Of Town (5:02)
12. Foggy River (4:32)
13. End Of The Line (5:51)
14. Nadine (3:26)
15. Can't Stop The Show (Live) (3:53)
16. Drive, She Said (Live) (4:39)

Gesamtspieldauer: 1:13:36




So ein Mix aus Rock und New Wave kann mitunter ganz interessant sein. Zumindest ist er das im Falle des ersten Solo-Albums von Stan Ridgway aus dem Jahr 1986. „The Big Heat“ heißt dieses und erschien drei Jahre nachdem Stan Ridgway die Band Wall Of Voodoo verlassen hatte. Und klar, die Musik auf „The Big Heat“ ist nicht nur Rock oder New Wave, da ist auch eine ganze Menge Synthie-Pop mit dazugemischt worden. Das wiederum bedeutet automatisch, dass Freunde der rein „handgemachten“ Musik automatisch ein Problem mit dem Album haben dürften.

Ich bin ganz sicher auch kein Freund des Synthie-Pop, was man Stan Ridgway jedoch einfach nicht absprechen kann, das ist sein Gefühl, sein Gespür für die tolle und eingängige Melodie – auch wenn er diese ab und an in eine etwas gewöhnungsbedürftigere Instrumentierung packt. Gelungen sind auf „The Big Heat“ eine ganze Reihe von Songs. Die da wären: „The Big Heat”, „Can't Stop The Show”, „Walkin' Home Alone”, „Salesman“, „Camouflage” sowie „Rio Greyhound”. Eine ganze Menge also und wenn man dann bedenkt, dass sich unter den restlichen Titeln auch noch durchaus hörenswerte Musik befindet, ist diese Ausbeute gar nicht mal schlecht.

Die bekannteste Nummer auf „The Big Heat“ – und wohl auch von Stan Ridgway überhaupt – ist dabei selbstverständlich „Camouflage“. Dies wiederum ist ein Lied, welches in den 80ern zwischen manchen Menschen hitzige Diskussionen entzündete. Erzählt wird hier aus der Ich-Perspektive die Geschichte eines Soldaten im Vietnam-Krieg, der auf wundersame Weise durch einen Marine mit Namen „Camouflage“ vor feindlichen Geschossen gerettet wird. Als er danach wieder in sein Camp zurückkehrt und gerettet ist, erfährt er, dass „Camouflage“ letzte Nacht bereits verstorben war, er also von dessen „Geist“ gerettet worden war, dessen größter Wunsch auf dem Sterbebett war, einem jungen Marine das Leben zu retten. Klar, ganz schön pathetisch aufgezogen von Stan Ridgway, jedoch wollten einige Menschen damals in dem Text kriegsverherrlichende Tendenzen feststellen beziehungsweise heraushören und so wurde die Nummer mancherorts schlicht boykottiert. Ich höre da lediglich eine etwas übertrieben pathetische Geschichte und glaube des Englischen ganz gut mächtig zu sein. Naja, auch hier ist das wohl eine Art von Geschmackssache, genau wie bei der Musik selbst.

Fazit: Unabhängig vom „Streitpunkt“ „Camouflage“ ist „The Big Hesat“ ein sehr schönes Beispiel dafür, wie Musik aus den 80ern auch klingen konnte. Natürlich hört sich das synthetisch an, jedoch eben versehen mit sehr schönen Harmonien und Melodien. Noch etwas ist auffällig an dieser Platte, nämlich der breite amerikanische Gesang des Stan Ridgway, der so auch nicht allzu oft zu hören ist und somit einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt. Obwohl ich hier wenige akustische Instrumente höre, finde ich trotzdem immer wieder Gründe, diese Platte aufzulegen. Verwirrend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Walkin' Home Alone, Salesman, Camouflage


(Wieder mal unterbindet die GEMA das Abspielen diverser Titel von Stan Ridgway, sodass hier das Video von "Camouflage" leider nicht gezeigt werden kann)



Donnerstag, 16. April 2015

King Crimson – Thrak




King Crimson – Thrak


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron, soundscapes
Adrian Belew – guitar, lead vocals
Tony Levin – bass guitar, chapman Stick, electric upright bass, backing vocals
Trey Gunn – chapman Stick, backing vocals
Bill Bruford – drums, percussion
Pat Mastelotto – drums, percussion


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Vrooom (4:38)
2. Coda: Marine 475 (2:41)
3. Dinosaur (6:37)
4. Walking On Air (4:38)
5. B'Boom (4:11)
6. Thrak (3:59)
7. Inner Garden I (1:47)
8. People (5:53)
9. Radio I (0:43)
10. One Time (5:22)
11. Radio II (1:03)
12. Inner Garden II (1:15)
13. Sex Sleep Eat Drink Dream (4:50)
14. Vrooom Vrooom (5:50)
15. Vrooom Vrooom: Coda (3:03)

Gesamtspieldauer: 56:37




1994 befand Robert Fripp, dass es mal wieder Zeit für eine neue King Crimson Formation war, die zunächst nur einige Konzerte gab und schließlich im Jahr 1995 das elfte Studio-Album der Band unter dem Titel „Thrak“ veröffentlichte. Das letzte Album war 1984 als „Three Of A Perfect Pair“ veröffentlicht worden. Jene vier Musiker, Robert Fripp, Adrian Belew, Tony Levin und Bill Bruford, die genau diese Platte in den 80ern einspielten, waren nun auch auf „Thrak“ mit von der Partie. Doch Robert Fripp wäre nicht Robert Fripp, wenn er nicht auch hier etwas Neues ausprobiert hätte. Zu diesen vier Musikern gesellten sich nun nämlich mit Pat Mastelotto am Schlagzeug und Trey Gunn am Bass zwei weitere Musiker, sodass jedes Instrument jetzt doppelt besetzt war: Fripp und Belew an den Gitarren, Levin und Gunn an den Bässen sowie Bruford und Mastelotto an den Drums. Ziel war es, mittels dieser doppelten Besetzung zusätzliche Spannung in die Musik einzubauen und dafür zu sorgen, dass sich die Instrumentalisten die musikalischen Bälle gegenseitig zuwerfen konnten.

Nun, „Thrak“ ist Progressive Rock, der oftmals brachial und krachend aus den Lautsprechern bricht. Dann kann die Platte jedoch auch wieder unglaublich sanft, harmonisch und melodiös klingen. Und schließlich finden sich sogar relativ poppige Abschnitte auf der Scheibe, die durchaus – zumindest fast – das Zeug gehabt hätten, im Radio gespielt worden zu sein. Wurden sie aber natürlich nicht, außer vielleicht in irgendwelchen Spartensendern oder mal um drei Uhr nachts. Auf „Thrak“ gibt es polyrhythmische Instrumentalpassagen, die knochentrocken und sehr hart mit jenen konkurrieren, die sanft und leicht durch den Raum schweben und das Ohr zu umschmeicheln versuchen. Das wiederum bedeutet selbstverständlich, dass man sich bei „Thrak“ auf absolut gar nichts einstellen kann. Die Musik läuft nicht einfach so durch, sie reißt mal mit, verstört an anderer Stelle und fängt den Hörer im nächsten Moment wieder sanft auf. Äußerst spannend das Ganze und ganz bestimmt keine Musik, die man so einfach nebenbei hören kann.

Fazit: Für die 90er Jahre ist solch eine Platte wahrlich einmalig, viel mehr in dem Stil gibt es aus diesem Jahrzehnt nicht. „Thrak“ ist übrigens auch die einzige Platte, die King Crimson in dieser Dekadet veröffentlichten. Der Nachfolger erschien erst im Jahr 2000. Nun, wie soll hier ein Fazit ausfallen? Im Grunde genommen muss man anmerken, dass die Scheibe für solche Musikhörer interessant ist, die zum einen mit der Musik von King Crimson überhaupt etwas anfangen können, den progressiven Rock lieben und gerne mal hören würden, wie eine Symbiose der Band aus den 70ern gepaart mit jener Band aus den 80ern musikalisch klingen würde. Denn genau das ist „Thrak“, nämlich ein Zusammenschluss zweier Jahrzehnte der Bandgeschichte. 70 + 80 ergibt bei King Crimson eben 90. Coole Scheibe. Elf Punkte.


Anspieltipps: Dinosaur, Thrak, Sex Sleep Eat Drink Dream



Mittwoch, 15. April 2015

Heather Nova – Redbird




Heather Nova – Redbird


Besetzung:

Heather Nova – vocals, acoustic guitar, tremolo guitar


Gastmusiker:

Laurie Jenkins – drums
Corky James – guitars
The Matrix & Liz Hooper – additional vocals
David Ayers – electric guitars, lap steel, additional guitars, e-bow guitar, harmonic guitar
Sophie Solomon – violin
Bastian Juel – bass
Luke Bullen – drums
Kenny Dickenson – piano, wurlitzer, hammond, strings
Matt Round – bass, double bass
Berit Fridahl – electric guitars
Nickolay Juel – electric guitars
London Community Gospel Choir – backing vocals
Vienna Symphonic Orchestra – strings
Felix Tod – additional synthesizer


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Pop, Folk Pop


Trackliste:

1. Welcome (4:18)
2. I Miss My Sky (5:05)
3. Motherland (4:25)
4. Redbird (4:16)
5. Done Drifting (4:10)
6. Overturned (3:26)
7. Mesmerised (4:14)
8. Singing You Through (4:11)
9. A Way To Live (3:51)
10. Wicked Game (4:51)
11. This Body (3:47)
12. The Sun Will Always Rise (4:43)

Gesamtspieldauer: 51:23




Heather Nova war gerade stolze Mama eines Jungen geworden, da veröffentlichte sie ihr sechstes Studio-Album mit dem Titel „Red Bird“ im Jahr 2005. Dass dieses Ereignis ein Einschnitt in ihrem Leben war, das hört man deutlich auf diesem Album, denn viele der Texte drehen sich inhaltlich um genau dieses Thema.

Die Musik selbst ist natürlich wieder ungemein sanft und zerbrechlich gehalten und geraten. Letzteres liegt mit Sicherheit auch an der Art und Weise, wie die auf den Bermudas geborene Engländerin ihre Texte ins Mikro haucht. Dazu gesellen sich lediglich ganz zart instrumentierte Melodiebögen, die durchaus mit melodisch und harmonisch gut zu umschreiben sind. Auch gehen diese Nummern ins Ohr, wenn auch nicht mit der Intensität, wie das beim folgenden Album „The Jasmin Flower“ der Fall sein sollte. Dieser Umstand, der gleichbleibenden und sanften Melodiösität, birgt allerdings auch die Gefahr in sich, dass die Platte im Verlaufe ihres Abspielens durchaus Längen aufweisen kann. Sind die ersten Titel noch etwas mehr gelungen und spannender, so relativiert sich das mit dem Durchlauf der Scheibe, da die folgenden Ideen auch schon am Anfang vorhanden zu sein schienen, die Platte in sich selbst recycelt zu sein scheint. Da hilft es dann auch nichts, dass Heather Nova mit „Wicked Game“ ein Chris Isaak Stück covert, welches sich dann zwar doch noch mal vom Rest der Platte abhebt, jedoch ebenfalls nur dann überzeugen kann, wenn man eben auf solch wirklich unglaublich weiche Musik steht und einem diese Mucke nicht doch irgendwie peinlich ist.

Fazit: Ganz eindeutig, es gibt bessere Heather Nova Alben, wenn sich auf „Red Bird“ auch keine schlechte Musik befindet. Jedoch läuft diese Scheibe immer wieder Gefahr, irgendwie zu langweilen, da sich die Titel schon sehr ähneln und dazu noch einen sehr süßlichen Geschmack – sicherlich auch verursacht durch die Texte – hinterlassen. „Red Bird“ kann man gut hören, etwas Besonderes ist es jedoch nicht. Für Freunde der wirklich weichen und zarten Muse mag die Scheibe allerdings durchaus einen Höhepunkt darstellen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Welcome, I Miss My Sky



Dienstag, 14. April 2015

Elbow – The Take Off And Landing Of Everything




Elbow – The Take Off And Landing Of Everything


Besetzung:

Guy Garvey – vocals, strings and horns arrangements
Richard Jupp – drums
Craig Potter – keyboards
Mark Potter – guitar
Pete Turner – bass


Gastmusiker:

Tim Barber – trumpet on "New York Morning" and "My Sad Captains"
Katharine Curlett – trumpet on "New York Morning" and "My Sad Captains"
Jimi Goodwin – backing vocals on "New York Morning"
Peter McPhail – baritone saxophone, clarinet and sopranino saxophone on "Fly Boy Blue/Lunette", alto saxophone and baritone saxophone on "New York Morning"
Bob Marsh – trumpet on "My Sad Captains"
The Hallé Orchestra – strings on "Charge", "Real Life (Angel)" and "Honey Sun"
Chris Worsley – score on "Charge" and "Real Life (Angel)"


Label: Fiction Records


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. This Blue World (7:13)
2. Charge (5:17)
3. Fly Boy Blue / Lunette (6:23)
4. New York Morning (5:19)
5. Real Life (Angel) (6:47)
6. Honey Sun (4:56)
7. My Sad Captains (6:00)
8. Colour Fields (3:42)
9. The Take Off And Landing Of Everything (7:11)
10. The Blanket Of Night (4:24)

Gesamtspieldauer: 57:17




Im Jahr 2014 erschien es, das sechste Studioalbum von Elbow. Der einmal mit dem Vorgängeralbum „Build A Rocket Boys!“ eingeschlagene Weg, wurde noch weiter vertieft und von der Band verinnerlicht: Ruhige und sehr gefühlvolle Musik soll dem Hörer geboten werden. Lieder, die aus den zehn Nummern besonders herausragen, die gibt es auf „The Take Off And Landing Of Everything“ nicht. Die Musik ist ziemlich einheitlich gehalten und eben ruhig, sehr ruhig, stimmungsvoll und atmosphärisch.

Legt man die Scheibe zum ersten Mal ein und kümmert sich nicht großartig weiter darum, beschäftigt sich mit irgendetwas anderem, so wird man vielleicht erst nach zwei Stunden bemerken, dass plötzlich keine Musik mehr zu hören ist. Nein, aufdringlich sind die zehn Stücke auf „The Take Off And Landing Of Everything“ wahrlich nicht. Vielleicht ist der eine oder andere nach dem ersten Hören der Scheibe auch etwas enttäuscht, denn auch besonders eingängig ist diese Scheibe nicht geworden – zumindest nicht nach dem ersten Hören. Die Lieder sind durchaus melodiös, es gibt jede Menge wunderschöner Harmonien zu erhören, trotzdem setzen sich die Nummern nicht sofort im Ohr des Hörers fest.

Jeder Titel wirkt so sehr zart und zerbrechlich und die Titel ähneln sich auch durchaus beim ersten Hören. Doch dann passiert es irgendwann, nicht beim ersten und auch nicht beim zweiten Einlegen der Scheibe. Es scheint geradezu so zu sein, als ob die Melodien und Harmonien sich erst den Weg zum Ohr des Hörers bahnen müssen, immer und immer wieder, bis sie dort auch ankommen. Dann, erst nach einigen Durchläufen jedoch, öffnen sich plötzlich Türen, alles wirkt differenzierter und auch spannender. Dann erst fängt die Scheibe plötzlich an Spaß zu machen, die unverwechselbar nur so von Elbow stammen kann – und damit ziele ich jetzt nicht nur auf den Gesang des Guy Garvey ab. Gefühlvolle Melodien mit ebensolchen Texten, die Guy Garvey zum Teil bei Spaziergängen durch New York City in den Sinn kamen, erobern schließlich doch noch das musikalische Lustzentrum des Hörers.

Fazit: Wenn jemand behaupten würde, „The Take Off And Landing Of Everything“ von Elbow sei ein sehr langweiliges Album geworden, dann kann man das durchaus nachvollziehen, da sich die Titel alle etwas ähneln und durch diese Ruhe nicht unbedingt gleich beim ersten Hören für Abwechslung sorgen. Da liegt jedoch auch gleich der „springende“ Punkt: „beim ersten Hören“. Das sechste Album von Elbow ist eines, welches erarbeitet werden möchte, was immer und immer wieder gehört werden will, um seine sanfte Schönheit vollständig entfalten zu können. Trotzdem wird das niemals Musik für die Massen werden, was auch nicht unbedingt schlecht sein muss. Für mich sicherlich nicht das beste Elbow-Album, jedoch auch keine verschenkte Scheibe. Neun Punkte.

Anspieltipps: Charge, My Sad Captains



Montag, 13. April 2015

The Who – Quadrophenia




The Who – Quadrophenia


Besetzung:

John Entwistle – bass, horns, vocals
Roger Daltrey – lead vocals
Keith Moon – percussion, vocals
Pete Townshend – guitars, keyboards, banjo, cello, vocals, sound effects


Gastmusiker:

Jon Curle – newsreader voice
Chris Stainton – piano on "The Dirty Jobs", "5:15", and "Drowned"


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Rock


Trackliste:

CD1:

1. I Am The Sea (2:08)
2. The Real Me (3:20)
3. Quadrophenia (6:13)
4. Cut My Hair (3:44)
5. The Punk And The Godfather (5:10)
6. I'm One (2:37)
7. The Dirty Jobs (4:29)
8. Helpless Dancer (2:33)
9. Is It In My Head? (3:43)
10. I've Had Enough (6:14)


CD2:

1. 5:15 (4:59)
2. Sea And Sand (5:01)
3. Drowned (5:27)
4. Bell Boy (4:54)
5. Doctor Jimmy (8:36)
6. The Rock (6:37)
7. Love Reign O'er Me (5:48)

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 1:21:41




Es gibt einfach so ein paar Alben, die begleiten einen das ganze Leben lang. Eine solche Scheibe ist „Quadrophenia“ von The Who – zumindest in meinem Fall... Bei „Quadrophenia“ handelt es sich um das sechste Studio-Album der Band, das zweite vollständige Konzeptalbum, nach dem vier Jahre zuvor entstandenen „Tommy“. Und auch die Geschichte „Quadrophenia“ wurde verfilmt, ebenso wie jene von „Tommy“. Sechs Jahre nach der Platte erschien der gleichnamige Film. Im Film hört man allerdings nicht nur die Musik von The Who, sondern auch die anderer Bands. Sting spielt eine der Hauptrollen, seine erste und wer mal die Chance hat sich diesen Streifen anzusehen, die oder der sollte die Chance nutzen. In dem Film wird die Geschichte des Jungen Jimmy und dessen Zerrissenheit im Schatten von Mods und Rockern sehr packend erzählt. Der Inhalt des Albums wurde von Regisseur Frank Roddam bestens umgesetzt.

Doch zurück zum eigentlichen Thema, der Musik auf „Quadrophenia“. An dieser Stelle muss ich sogleich feststellen, dass ich mir sicher bin: Wer abwechslungsreiche Rockmusik liebt, die oder der wird auch „Quadrophenia“ lieben. Die Platte, früher eine Doppel-LP, jetzt eine Doppel-CD, ist absolut begeisternd. Pete Townshend kann Lieder schreiben, die hängenbleiben, auf „Quadrophenia“ macht er dies am laufenden Band. Stücke wie „I'm One“, „The Dirty Jobs“ oder „Helpless Dancer“ sind einfach zum Niederknien schön. Drei Nummern, die auf der ersten Scheibe des Albums hintereinander durchstarten. Größtenteils sind diese eher ruhig gehalten und wurden mit Melodien ausgestattet, die sich festsetzen. Egal, ob da jetzt Roger Daltrey oder Pete Townshend singt, ob die Nummer eher gitarren-, violinen- oder pianolastig ist, die Musik wird einmal gehört und bleibt dem Konsumenten, sofort beim ersten Hören, unwiderruflich im Ohr.

„Quadrophenia“ ist unglaublich abwechslungsreich. Es gibt etwas härtere Abschnitte – ohne hier von Hard Rock sprechen zu können – und gefühlvollere Passagen und Lieder. Die Stimmungen wechseln immer wieder von fröhlich bis melancholisch traurig. Das geschieht dabei so spielerisch, dass man sich in jeder Sekunde, während jedes Taktes der Musik sehr gut aufgehoben fühlt und jeden atmosphärischen Wechsel ohne Anpassungsschwierigkeiten mitzugehen imstande ist. Musik kann wahrlich begeisternd sein. Nun und dann gibt es da ja noch dieses eine Lied, welches auf „Quadrophenia“ immer mal wieder auftaucht, jedoch erst ganz zum Schluss seinen richtigen und großen Auftritt erhält: „Love Reign O'er Me“. „Love Reign O'er Me“, das Lied welches einen irgendwie wie ein goldener Faden durch die ganze Scheibe begleitet. Am Ende der Platte wird die Nummer nun endlich vollständig ausgespielt, nicht mehr nur angedeutet. Hier ist jetzt die sich entladende Spannung im Lied selbst zu spüren. Regen ist zunächst zu hören, ein sehr traurig und verzweifelt klingendes Piano, Donner in Form der Pauken, Regen in Form einzelner Pianoklänge und dann, dann startet die Nummer unglaublich melodiös. Roger Daltrey singt sein „Love Reign O'er Me“ so verzweifelt, dass man ihm am liebsten alle Liebe dieser Welt durch die Boxen schicken möchte, damit es diesem Menschen auch wieder ein wenig besser geht. Unglaublich schön und berührend. Auch dafür sind wir geboren, solche Musik hören zu dürfen.

Fazit: „Quadrophenia“ ist wahrlich ein überzeugendes Album geworden. Zusammen mit dem Vorgänger „Who’s Next“ das Beste, was The Who überhaupt veröffentlicht haben. Dieses Mal hatte Pete Townshend die Musik im Alleingang geschrieben, was der Qualität der Platte selbstverständlich nicht schadet. Es gibt viel zu entdecken auf „Quadrophenia“. Hier gibt es die ruhigen Momente genau wie die treibenderen Parts. Immer jedoch steht die Eingängigkeit an erster Stelle und diese wirkt absolut niemals platt. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die die Rock Musik lieben und mit dieser Platte nichts anfangen können. Ein großes Album. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Love Reign O'er Me



Sonntag, 12. April 2015

The Moody Blues – A Question Of Balance




The Moody Blues – A Question Of Balance


Besetzung:

Justin Hayward – vocals, guitar, mandolin
John Lodge – vocals, bass
Ray Thomas – vocals, flute, tambourine
Graeme Edge – drums, percussion, whispered vocal on "Don't You Feel Small"
Mike Pinder – vocals, mellotron, moog synthesizer


Label: Threshold Records (Universal Music Group)


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: ArtRock / Pop


Trackliste:

1. Question (5:44)
2. How Is It (We Are Here) (2:45)
3. And The Tide Rushes In (2:56)
4. Don't You Feel Small (2:38)
5. Tortoise And The Hare (3:19)
6. It's Up To You (3:11)
7. Minstrel's Song (4:27)
8. Dawning Is The Day (4:21)
9. Melancholy Man (5:45)
10. The Balance (3:33)


Bonus-Tracks der remasterten Albumfassung:

11. Mike's Number One (3:36)
12. Question (Alternate Version) (6:08)
13. Minstrel's Song (Original Mix) (4:37)
14. It's Up To You (Original Mix) (3:22)
15. Don't You Feel Small (Original Mix) (3:03)
16. Dawning Is The Day (Full Original Mix) (4:38)

Gesamtspieldauer: 1:04:12




„A Question Of Balance“ heißt das sechste Studioalbum der englischen Soft Rocker von den Moody Blues, welches im Jahr 1970 veröffentlicht wurde. Nun, war die Band mit ihren ersten Alben sicherlich noch ganz innovativ, zum Teil sogar progressiv, so scheint dieser Eindruck mit dem Jahrzehntwechsel deutlich zu verschwinden. Zwar schaffen es die Moody Blues auch noch auf „A Question Of Balance“ schöne Melodien zu kreieren und diese auch umzusetzen, jedoch schon längst nicht mehr in dem Maße, wie noch auf den Alben zuvor.

Dazu gesellt sich auch noch der Umstand, dass die Musik der Band inzwischen immer weichgespülter klingt. Okay, reine Hard Rock Band waren The Moody Blues garantiert noch nie, doch inzwischen klingt das alles noch ein wenig süßlicher und schmachtender. Solche Musik kann mitunter auch durchaus mal ganz nett sein und darf sich auch genau so anhören, hier, auf dieser sechsten Scheibe der Moody Blues, ist diese „liebliche“ Atmosphäre allerdings schon ganz gewaltig und sehr massiv vertreten. Diese allgegenwärtige Weichheit der Musik zieht sich über die gesamte Laufzeit des Albums hinweg, sodass man sich schließlich beim Hören irgendwann geradezu richtig nach einem schrägen Ton sehnt.

Diesen Eindruck unterstützt auch die Feststellung, dass die Perlen der Scheibe eher am Anfang liegen. Zum Schluss wird es fast noch schlimmer. „Question“ und „How Is It (We Are Here)“ sind durchaus noch gelungene Nummern, die sogar Abwechslung in sich selbst tragen. Jedoch bereits mit „And The Tide Rushes In“, also dem dritten Titel, wird es irgendwie nochmal ein wenig süßlicher, noch mal schmachtender. Ich gehe dabei jede Wette ein, kein 16 bis 20 Jähriger würde heutzutage seine neue Flamme mit dem Auto abholen und dann „A Question Of Balance“ in den CD- oder MP3-Player des Autos einlegen. Der will nämlich „cool“ sein und ist sich sicher, dass diese Musik nicht „cool“ und schon gar nicht männlich ist. Später, also in etwas höherem Alter, mag das jedoch vielleicht durchaus vorkommen, denn das Alter macht ja bekanntlich weise und mit dieser sanften Musik, lässt sich die Auserwählte vielleicht für irgendwelche andere Dinge „offen“ stimmen. Auch Männer können raffiniert sein.

Fazit: Sehr weiche Musik beinhaltet „A Question Of Balance“. Rocker werden ganz schnell Reißaus nehmen, bei diesen Klängen. Allerdings beinhaltet auch diese Scheine noch ein paar schöne Titel und Stellen, die zwar wirklich sehr sanft und allerliebst klingen, jedoch auch die Melancholiker ansprechen dürften. Sicherlich keine Musik für jeden Tag und jede Situation, aber zum Träumen oder Ausspannen durchaus geeignet. Auch wenn festzuhalten bleibt, dass die ersten Platten der Moody Blues besser waren, so hat auch diese Scheibe noch ihre Höhepunkte. Ganz gewiss gibt es schlechtere Musik, als diesen sanften 60ies Pop. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Question, How Is It (We Are Here)



Samstag, 11. April 2015

Eloy – The Tides Return Forever




Eloy – The Tides Return Forever


Besetzung:

Frank Bornemann – vocals, guitar
Michael Gerlach – keyboards, backing vocals
Klaus-Peter Matziol – bass


Gastmusiker:

Nico Baretta – drums
Jocelyn B. Smith – vocals on "The Tides Return Forever"
Miriam Stockley – vocals on "Company Of Angels"
Peter Beckett – vocals on "Company Of Angels", "Last In Line" and "The Tides Return Forever"
Tom Jackson – vocals on "Company Of Angels", "Last In Line" and "The Tides Return Forever"
Susanne Schätlze – backing vocals on "Last In Line"
Bettina Lux – backing vocals on "Last In Line"
Steve Mann – acoustic guitar solo on "The Tides Return Forever"
Ralf Vornberger – acoustic guitar on "The Tides Return Forever"
Dirk Michaelis – acoustic guitar on "Childhood Memories"


Label: ACI


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: RetroProg


Trackliste:

1. The Day Of Crimson Skies (5:02)
2. Fatal Illusions (9:21)
3. Childhood Memories (6:21)
4. Generation Of Innocence (6:10)
5. The Tides Return Forever (6:39)
6. The Last In Line (4:01)
7. Company Of Angels (9:44)

Gesamtspieldauer: 47:22




Das fünfzehnte Eloy-Studioalbum wurde im Jahr 1994 unter dem Namen „The Tides Return Forever“ veröffentlicht. Nachdem der Vorgänger „Destination“ – mit nur wenigen Ausnahmen – gar nicht mehr so recht überzeugen konnte und wollte, weiß „The Tides Return Forever“ durchaus wieder an der einen oder anderen Stelle mehr zu gefallen. Vielleicht liegt es auch daran, dass Eloy nun nicht mehr nur noch ein Zweimannprojekt waren, sondern Frank Bornemann sich anschickte, wieder eine richtige Band um sich zu scharen. Nun, der Anfang wurde mit Klaus-Peter Matziol am Bass gemacht, der schon 1976 bis 1984 Teil der Besetzung von Eloy war und bereits auf „Destination“ wieder als Gastmusiker seinen erneuten Einstand feierte.

Natürlich spielen Eloy in den 90er Jahren nicht mehr dieselbe Musik, wie noch in den 70ern. Die einzelnen Titel sind vielleicht auch nicht mehr ganz so komplex, auf jeden Fall kompakter. Progressive Rock ist das allerdings immer noch, zumindest an manchen Stellen und jene Art des Progressive Rock, die in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts noch überlebt hatte. Sehr abwechslungsreich gestalten sich immer noch viele Titel von Eloy, vor allen Dingen herauszuheben sind dabei für mich die Nummern „The Day Of Crimson Skies“, der Titeltrack „The Tides Return Forever“ und vor allen Dingen „Company Of Angels“. Schön zu hören, dass die Band es immer noch nicht verlernt hat, tolle Melodien und Harmonien zu kreieren. Macht einfach Laune und wenn man dann dem Gesang des Frank Bornemanns lauscht, so muss man konstatieren, dass dieser eindeutig besser geworden ist in Bezug auf seine englische Aussprache. Trotzdem klingt er diesbezüglich aber noch nicht perfekt genug, um nicht dieses Nostalgie-Lächeln auflegen zu können.

Fazit: Nein, „The Tides Return Forever“ ist natürlich nicht das beste Eloy-Album geworden. Aber es ist eines, was sich gut anhören lässt und wenn man es vergleicht mit jenen, die chronologisch gesehen davor entstanden sind, so muss man Frank Bornemann sogar Respekt zollen. Das war eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung. Auf „The Tides Return Forever“ hört man Eloy wieder ab und an so, wie man sie zu schätzen gelernt hat. Nicht mehr in der Ausprägung wie 15 bis 20 Jahre zuvor, jedoch noch immer vorhanden, lebendig und zugegen. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Day Of Crimson Skies, Company Of Angels



Freitag, 10. April 2015

Jethro Tull – Crest Of A Knave




Jethro Tull – Crest Of A Knave


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, acoustic and electric guitars, percussion, keyboards, synclavier, drum programming
Martin Barre – electric and acoustic guitars
Dave Pegg – bass guitar, acoustic bass


Gastmusiker:

Doane Perry – drums
Gerry Conway – drums
Ric Sanders – violin


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Rock


Trackliste:

1. Steel Monkey (3:40)
2. Farm On The Freeway (6:31)
3. Jump Start (4:55)
4. She Said She Was A Dancer (3:43)
5. Dogs In The Midwinter (4:37)
6. Budapest (10:05)
7. Mountain Men (6:20)
8. The Waking Edge (4:49)
9. Raising Steam (4:06)

Gesamtspieldauer: 48:50




„Crest Of A Knave“ heißt das sechzehnte Studio-Album von Jethro Tull und stammt aus dem Jahr 1987. Wieder mal gab es einen Wandel in der Musik von Jethro Tull. Dieses Mal war es erneut ein Schritt zurück, nachdem das vorherige Album „Under Wraps“ so gar nicht bei den Fans Anklang gefunden hatte. Ian Anderson wollte wieder etwas zurückrudern in seinem Sound und dem der Band, der doch zu synthetisch geworden war. Aber noch etwas war in den letzten drei Jahren passiert. Ian Anderson hatte schon auf „Under Wraps“ Probleme mit der Stimme gehabt, eine hartnäckige Stimmbandentzündung schränkte ihn schließlich so sehr ein, dass gar nicht mal klar war, ob es überhaupt mit Jethro Tull weitergehen würde. Genau dies ist auch der Grund, warum es dieses Mal so lange wie noch nie gedauert hatte, bis ein neues Album veröffentlicht wurde und warum sich der Gesang des Ian Anderson ab jetzt doch ein wenig anders, nicht mehr so kraftvoll anhörte.

Musikalisch gesehen sind die Lieder auf „Crest Of A Knave“ eine Mischung aus Hard Rock, Jethro Tull früherer Tage und Dire Straits Musik. Als ich den Titel „She Said She Was A Dancer” war ich mir sicher, dass ich hier die Dire Straits hören würde, so sehr klingen Jethro Tull hier von den Instrumenten her nach den Kollegen. Ja selbst Ian Anderson scheint hier den Gesang des Mark Knopfler imitieren zu wollen. Auch die Nummer „The Walking Edge“ erinnert mich sehr stark an die Dire Straits.

Musikalisch gesehen sind die Titel auf „Crest Of A Knave“ durchaus hörenswert. Melodiös und harmonisch vorgetragen beweist Ian Anderson einmal mehr, dass er über dieses „Gen“ verfügen muss, welches es ihm ermöglicht eingängige Nummern zu schreiben, die dann auch längerfristig hängenbleiben. Auch gibt es auf „Crest Of A Knave“ wieder ein richtiges Schlagzeug und keine Drum-Machine mehr zu hören – zwar noch nicht durchgängig, jedoch war auch hier erneut ein Schritt in die richtige Richtung vollzogen worden. „Handgemachte“ Musik klingt bei solch einer Band wie Jethro Tull einfach besser, als programmierte Takte.

Fazit: „Crest Of A Knave“ ist ein durchaus hörenswertes Album von Jethro Tull geworden. Sicherlich keine essentielle Scheibe, um die Musik dieser Band verstehen zu können oder als exemplarisch für alle Werke von Jethro Tull zu stehen. Trotzdem macht die Scheibe Spaß. Eindeutig ist die Musik hier wieder – zumindest in den allermeisten Titeln – wieder als Jethro Tull Musik zu erkennen. Die einzelnen Nummern wirken wieder „handgemacht“ und nicht nur noch programmiert. Übrigens erhielten Jethro Tull für „Crest Of A Knave“ sogar eine Grammy-Auszeichnung in der Kategorie „Best Hard Rock/Metal-Performance“. Aber keine Sorge an all die Freunde der etwas leiseren Töne, „Hard Rock“ ist „Crest Of A Knave“ wahrlich nur zeitweise. Neun Punkte.

Anspieltipps: Farm On The Freeway, Budapest



Donnerstag, 9. April 2015

Peter Gabriel – Passion




Peter Gabriel – Passion


Besetzung:

Peter Gabriel – synthesizers, shakers, skins, surdo, flute samples, flute, voices, bass, percussion, flute whistle, prophet 5, piano, akai S900, audioframe, fairlight samples, vocals, emulator, doholla, roland D-50, contrabass


Gastmusiker:

Manny Elias – octabans, surdo, skins
Hossam Ramzy – finger cymbals, tabla, dufs, tambourines, triangle, mazhar, surdo
David Bottrill – drone mix, lead tambourine, tambourine 2, distorted slide
David Rhodes – guitar, ebow guitar, steinberger guitar
L. Shankar – double violin, vocals
Vatche Housepian – Armenian doudouk
Antranik Askarian – Armenian doudouk
Massamba Diop – talking drum
Mustafa Abdel Aziz – arghul drone, percussion loop
Baaba Maal – vocals
Fatala – additional percussion, percussion loop, african percussion
Mahmoud Tabrizi Zadeh – kementché
Doudou N'Diaye Rose – percussion loop
Youssou N'Dour – voice
David Sancious – backing vocals, hammond organ, backing vocals, akai S900, synthesizer arrangement
Nathan East – bass
Bill Cobham – drums, percussion
Kudsi Erguner – ney flute
Robin Canter – oboe, cor anglais
Location Recording – moroccan percussion & vocals
Manu Katché – additional percussion
Djalma Correa – brazilian percussion
Jon Hassell – trumpet
Nusrat Fateh Ali Khan – qawwali voice
Julian Wilkins – choirboy
Richard Evans – choir recording, tin whistle
Musicians Du Nil – arghul
Bill Cobham – drum kit, drums, tambourine
Said Mohammad Aly – percussion loop
Nathan East – bass


Label: Real World Records


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Soundtrack, New Age Music, World Music, Instrumentalmusik


Trackliste:

1. The Feeling Begins (4:00)
2. Gethsemane (1:24)
3. Of These, Hope (3:56)
4. Lazarus Raised (1:25)
5. Of These, Hope - Reprise (2:44)
6. In Doubt (1:32)
7. A Different Drum (4:40)
8. Zaar (4:52)
9. Troubled (2:54)
10. Open (3:29)
11. Before Night Falls (2:20)
12. With This Love (3:38)
13. Sandstorm (3:02)
14. Stigmata (2:28)
15. Passion (7:38)
16. With This Love - Choir (3:21)
17. Wall Of Breath (2:28)
18. The Promise Of Shadows (2:11)
19. Disturbed (3:37)
20. It Is Accomplished (2:55)
21. Bread And Wine (2:21)

Gesamtspieldauer: 1:07:05




Der Film „Die letzte Versuchung Christi” von Martin Scorsese sorgte damals, im Jahr 1988, weltweit für Aufregung, da einige Christen diesen Streifen als große Provokation ansahen. Ein Jahr später erschien dann der Soundtrack zum Film, den Peter Gabriel komponiert hatte. Im Grunde genommen handelt es sich allerdings bei dem Album „Passion“ um eine „überarbeitete“ Version der Filmmusik, denn den ursprünglichen Soundtrack überarbeitete Peter Gabriel nochmals und veröffentlichte schließlich dieses Album in Form einer Doppel-LP, welches im Jahr 1990 sogar einen Grammy als bestes New-Age-Album gewann.

„Passion“ ist ein Album voller World-Music, welches nichts mit den Alben zu tun hat, die Peter Gabriel sonst als Studio-Alben veröffentlichte. Nimmt man nur die beteiligten Musiker und deren Herkunftsländer, so lässt sich daraus eine imposante Weltkarte erstellen, die so gut wie jeden Flecken unserer Erde abdeckt. Genau so muss man diese Scheibe auch sehen, als musikalische Reise um die Erde, während der ziemlich viele musikalische Richtungen, die nichts beziehungsweise kaum etwas mit gängigen Rock- oder Pop-Anleihen zu tun haben, abgebildet werden. Der zweite Charakter, der diesem Album innewohnt ist jener, wofür die Scheibe auch ausgezeichnet wurde: New Age Music. So ist diese Platte eine gute, wenn man mal Abschalten möchte. Schnappt Euch die Kopfhörer, macht es Euch auf dem Sofa bequem und taucht ein in die Melodien und Rhythmen anderer Kulturen.

Fazit: Was mich persönlich bei diesem Album wahrlich überrascht, dass ist nicht die Musik, sondern einige Kritiken dazu, die ich im Internet lesen konnte. Da wird echt behauptet – sehr eindringlich und auch sehr häufig – dass dies die beste Peter Gabriel Scheibe überhaupt wäre. So etwas lässt mich schon etwas sprachlos zurück, da ich hier ja auch sehr subjektiv meine Meinung wiedergebe, es mich trotzdem überrascht, solch Meinungen so geballt zu hören. „Passion“ ist kein typisches Peter Gabriel Album. Es ist ein Album voller Welt Musik mit New Age-Anleihen. Das Ganze hört sich nicht schlecht an, ist jedoch mit Sicherheit nicht die beste Peter Gabriel Platte. Klingt auf Kopfhörern sehr interessant und auch eindringlich, nicht mehr und auch nicht weniger. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Feeling Begins, A Different Drum, It Is Accomplished