Freitag, 28. Oktober 2016

R.E.M. – Green




R.E.M. – Green


Besetzung:

Bill Berry – drums, percussion, backing vocals, bass guitar
Peter Buck – guitar, mandolin, drums
Mike Mills – bass guitar, keyboards, accordion, backing vocals
Michael Stipe – vocals


Gastmusiker:

Bucky Baxter – pedal steel guitar on “World Leader Pretend“
Keith LeBlanc – percussion on “Turn You Inside-Out“
Jane Scarpantoni – cello on “World Leader Pretend“


Label: Warner Brothers


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Alternative Rock, Pop


Trackliste:

1. Pop Song 89 (3:05)
2. Get Up (2:40)
3. You Are the Everything (3:46)
4. Stand (3:12)
5. World Leader Pretend (4:19)
6. The Wrong Child (3:36)
7. Orange Crush (3:51)
8. Turn You Inside-Out (4:17)
9. Hairshirt (3:55)
10. I Remember California (5:03)
11. Untitled (3:11)

Gesamtspieldauer: 41:01




„Green“ heißt das sechste Studioalbum der US-amerikanischen Alternative Rock Band R.E.M.. Veröffentlicht wurde die Scheibe im November 1988 auf dem Musiklabel von Warner Brothers und stellt gleichzeitig das erste Album von R.E.M. dar, welches auf einem der Major-Label veröffentlicht wurde. Und das hört man der Musik von R.E.M. auch ein klein wenig an. Die Lieder sind etwas glatt geschliffener, etwas massentauglicher produziert und komponiert geworden, als dies noch zuvor der Fall war.

Das wiederum hat nicht allzu viel zu bedeuten, zumindest nichts unbedingt Negatives, denn für Freunde von R.E.M. hat die Scheibe sehr viel zu bieten, die zu 100% nach genau eben dieser Band klingt. Da ist zum einen der unverwechselbare Gesang des Michael Stipe, man hört hier zum ersten Mal Peter Buck an der Mandoline und schließlich steht da über allem der Gesamtsound, dieses Zusammenspiel aus Gitarre und Keyboards und Gesang, welches den musikalischen Auftritt von R.E.M. so unverwechselbar werden lässt. Allerdings werden sich Freunde der Band der ersten Alben deutlich schwerer tun mit dieser Scheibe. Alles auf „Green“ ist auf Radiotauglichkeit getrimmt. Das meiste davon geht auch gut ins Ohr, einiges davon allerdings nicht allzu lange. Die Musik insgesamt ist eine Mischung aus Alternative Rock mit ganz klarem Pop-Einschlag. Radiotauglich eben.

Die erfolgreichen Single-Hits der Scheibe heißen „Stand“ und „Orange Crush“. Doch das sind wahrlich nicht die überzeugendsten Titel der Platte. Diese wiederum heißen „The Wrong Child“ und „I Remember California“. Während „The Wrong Child“ mit tollem mehrstimmigen Gesang glänzen kann und dabei immer wieder auch ein klein wenig schräg klingt, so ist es bei „I Remember California“ der rockige Charakter, der das Lied zu einem Höhepunkt werden lässt. Dazu gesellt sich eine Melodie, die hängenbleibt und fertig ist das Highlight der ganzen Scheibe.

Fazit: „Green“ war der bis dahin größte Erfolg von R.E.M. und gleichzeitig das Album, welches die Band auf einem der größeren Musiklabel einspielte. Das hört man an jeder Stelle der Platte, die auf Eingängigkeit und Radiotauglichkeit hin produziert wurde. Das klingt nicht immer spannend, jedoch immer melodiös. Manches an Atmosphäre geht bei solch etwas glatt geschliffenen Titeln jedoch verloren. Trotzdem, R.E.M. haben mit „Green“ endgültig ihren Sound gefunden, womit noch tolle Platten später ausgestattet werden sollten. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Wrong Child, I Remember California



Donnerstag, 27. Oktober 2016

Meat Loaf – Bat Out Of Hell




Meat Loaf – Bat Out Of Hell


Besetzung:

Meat Loaf – lead vocals, backing vocals, percussion


Gastmusiker:

Todd Rundgren – guitar, percussion, keyboards, backing vocals
Kasim Sulton – bass guitar, backing vocals
Roy Bittan – piano, keyboards
Steve Margoshes – piano
Cheryl Hardwick – piano
Jim Steinman – keyboards, percussion, lascivious effects, dialogue intro
Roger Powell – synthesizer
Edgar Winter – saxophone
Max Weinberg – drums
John "Willie" Wilcox – drums
Marcia McClain – dialogue intro
Phil "Scooter" Rizzuto – play-by-play
Ellen Foley – featured vocal, backing vocals
Rory Dodd – backing vocals
Gene Orloff – concert master
Members of New York Philharmonic and Philadelphia Orchestra – orchestra


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Mainstream Rock, Musical


Trackliste:

1. Bat Out Of Hell (9:48)
2. You Took The Words Right Out Of My Mouth (Hot Summer Night) (5:04)
3. Heaven Can Wait (4:38)
4. All Revved Up With No Place To Go (4:19)
5. Two Out Of Three Ain't Bad (5:23)
6. Paradise By The Dashboard Light (8:28)
I. Paradise
II. Let Me Sleep On It
III. Praying For The End Of Time
7. For Crying Out Loud (8:45)

Gesamtspieldauer: 46:33




„Bat Out Of Hell“ von Meat Loaf ist eines der erfolgreichsten Alben überhaupt und wurde weltweit bisher um die 43 Millionen Mal verkauft. 200.000 Stück kommen weiterhin jedes Jahr aufs Neue hinzu. Damit rangiert die Scheibe auf Platz 5 der meistverkauften Alben überhaupt. Das Rolling Stones Magazine führt die Platte, in seiner 2003 veröffentlichten Liste der besten Platten überhaupt, auf Platz 343. Und auch das Buch „1001 Albums You Must Hear Before You Die“ führt die Scheibe von Meat Loaf. Oder sollte man eher sagen: „Das Album von Jim Steinman“? Wäre wohl angebrachter, denn genau dieser US-amerikanische Musik-Produzent und Musical-Komponist schrieb die Musik und die Texte zu dem Album – und das hört man natürlich.

Das hört man sogar überaus gut heraus. Die Platte klingt wie ein Musical, welches mit etwas härterer Musik ein klein wenig aufgepeppt wurde. Auf „Bat Out Of Hell“ hört man Hard Rock im Musical-Gewand. Manches Mal wird auf den Rock auch mehr oder weniger verzichtet und die Lieder bewegen sich ganz auf dem Musical-Niveau. Dazu gesellt sich eine unfassbar große Ladung Bombast und fertig ist die massentaugliche Scheibe, die sich noch viel besser verkauft, als das legendäre geschnittene Brot. Jim Steinman fühlt sich nach eigener Aussage in seinem Wirken stark beeinflusst von Richard Wagner, nun damit wäre sein Hang zum „Bombast“ zumindest auch geklärt.

Die Musik auf „Bat Out Of Hell“ ist durchaus melodiös und harmonisch, allerdings absolut und bis ins letzte Detail hinein auf die schnelle Eingängigkeit getrimmt. Mitunter klingt das richtiggehend anbiedernd, wie bei allen anderen Musicals eben auch. Und jetzt kommen tatsächlich manche Menschen auf die Idee, dieses Werk in einem Atemzug mit dem musikalischen Genre des Progressive Rock zu nennen. Wahrscheinlich, weil hier auch mal ein paar andere Instrumente als Gitarre, Bass und Schlagzeug zu hören sind oder es Lieder von über fünfminütiger Laufzeit gibt. Nein, das ist garantiert kein Progressive Rock, den es hier zu hören gibt. Auf „Bat Out Of Hell“ bekommt man eine Mischung aus Mainstream Rock und Musical Musik serviert, die zwar eingängig klingt, aber nichts an Innovation oder Progression aufweist. Schließlich kommt noch hinzu, dass man sich an diesem bombastischen Allerlei allzu leicht überhören kann.

Fazit: Wem Musical gefallen, die oder der dürfte mit „Bat Out Of Hell“ von Meat Loaf beziehungsweise Jim Steinman sehr viel Spaß haben. Steht man auf eher handgemachten Rock, wird das schon deutlich schwieriger. Obwohl man hier auch diverse Gitarrensoli hört, so wirkt das Ganze doch immer ein wenig aufgesetzt, nicht überzeugend, einfach nicht nach Rock Musik. Ein Freund sagte mal zu mir, „Bat Out Of Hell“ würde für ihn wie die Oper des Rock klingen. Gut möglich, für mich klingt das alles aber eher nach Musical. Und Musicals... Sechs Punkte.

Anspieltipps: Bat Out Of Hell



Mittwoch, 26. Oktober 2016

Radar Bros. – Radar Bros.




Radar Bros. – Radar Bros.


Besetzung:

Steve Goodfriend – drums, percussion
Jim Putnam – vocals, guitar, keys
Senon Williams – bass, vocals


Gastmusiker:

Walt Sevareid – guitar (track 11)


Label: Restless Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Lose Your Face Again (4:23)
2. Capital Gain (4:55)
3. Wise Mistake Of You (4:16)
4. Stay (5:19)
5. Supermarket Pharmacy (5:04)
6. On The Floor (3:32)
7. We're Over Here (4:23)
8. Distant Mine (5:09)
9. Underwater Culprits (1:55)
10. This Drive (3:13)
11. Take Stuff (3:58)
12. Goddess (5:11)

Gesamtspieldauer: 51:23




Das selbstbetitelte Album „Radar Bros.“ ist das erste Studioalbum der Independent Rock Band Radar Bros. aus Los Angeles, Kalifornien. Im Jahr 1997 erschien die Scheibe auf dem Musiklabel Restless Records. Darauf zu hören gibt es überaus zerbrechlich wirkende Musik, deren Atmosphäre durch eine sehr zurückhaltende Instrumentierung, wie durch den, am besten mit „sanft und unsicher klingend“ zu umschreibenden Gesang des Jim Putnam transportiert wird.

Laut und hektisch wird es auf „Radar Bros.“ an keiner Stelle der Scheibe. Vielmehr hört man auf dem Album auch den ein oder anderen „schrägen“ Ton, der die Musik der Radar Brothers, wie sie auch genannt werden, noch ein wenig aufpeppt. Die einzelnen Stücke sind melodisch und gehen ins Ohr, ohne sich dabei gleich zu Ohrwürmern zu entwickeln. Auch scheint man sich diese Platte erst etwas erarbeiten zu müssen, die verschiedenen Titel wirken und klingen nach mehreren Durchläufen deutlich besser, als beim ersten Auflegen. Ein klein wenig klingt die Musik der „Radar Bros.“ dabei wie die von Pink Floyd zu Beginn derer Karriere. Hier sind allerdings nicht die experimentellen und psychedelischen Lieder der Engländer gemeint, sondern ihre, auf den ersten Platten auch enthaltenen ruhigen Pop-Songs, die mal von Syd Barrett, mal von David Gilmour und mal von Rick Wright eingesungen wurden. Lediglich zu diesen Liedern lassen sich hier kleinere Parallelen finden, ansonsten klingt die Musik der beiden Bands absolut unterschiedlich.

Einige Titel auf „Radar Bros.“ überzeugen deutlich mehr, als andere. Steht die Nummer „Wise Mistake Of You“ beispielhaft dafür, dass die Radar Bros. teilweise so wie die ganz frühen Pink Floyd klingen, so sind es vor allen Dingen die Nummern „Lose Your Face Again“, „Stay“, „This Drive“ und „Goddess“, die am meisten überzeugen können. Hier hört man nun tolle Lieder, die sanft das Ohr umspielen und dort durchaus etwas nachhallen. Da sich allerdings auch unter den restlichen Stücken keine Ausfälle befinden, kann man die Scheibe genießen, ohne irgendwann aus dieser melancholisch bis sentimentalen Stimmung herausgerissen zu werden, die dieses Album sehr stark ausstrahlt.

Fazit: Für Freunde der sanften Musik ist „Radar Bros.“ von „Radar Bros.“ definitiv gut geeignet. So manche oder mancher mag sich beim Hören an die frühen Pink Floyd erinnert fühlen, die zu Beginn ihrer Karriere in den ruhigeren Stücken vielleicht die Blaupausen für die Musik der Radar Bros. lieferten. Aufgeregt klingt die Musik der Kalifornier niemals, immer ruhig und sanft und zerbrechlich. Wieder mal was für die ruhigen Stunden des Tages. Neun Punkte.

Anspieltipps: Lose Your Face Again, Stay, This Drive, Goddess



Dienstag, 25. Oktober 2016

Pressurehed – Explaining The Unexpected




Pressurehed – Explaining The Unexpected


Besetzung:

Tommy Grenas – lead vocals, rhythm guitar, analog synths, cryptozoology
Len Del Rio – drums, keyboards, samples, loops, tronics, programming, ufology
Doaran Shelly – lead guitar, backing vocals, a.r.p. omni & lead vocal on “We Come In waves”, bass on “Berezovka”, telepathy
Paul Fox – bass guitar, synths, guitar, exorcism


Label: Brain Squid Music


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Electronica, Rock, Ambient, Techno


Trackliste:

1. Explaining The Unexplained (Intro) (3:36)
2. Altitude (4:36)
3. Bluff Creek, And Beyond (6:02)
4. Black Mantra (8:07)
5. One Who Has Seen (2:22)
6. Oxygen Mask (6:38)
7. The Long Count (4:48)
8. Time Stops Breathing (3:21)
9. Mokele-Mbembe (5:25)
10. Incubus (Part 1) (3:30)
11. Transgression (Part 2) (6:18)
12. Berezovka (4:37)
13. The Great Orm (3:06)
14. We Come In Waves (3:08)
15. Valiant Thor (3:54)
16. I Predict (7:02)

Gesamtspieldauer: 1:16:37




Pressurehed ist eine 1989 in Hollywood, Kalifornien gegründete Band, die für Musik steht, welche irgendwo zwischen Alternative Rock und elektronischer Musik angesiedelt ist. Die Scheibe „Explaining The Unexpected“ erschien im Jahr 1997 auf dem Label Brain Squid Music und ist dabei das dritte und bisher wohl auch letzte Album der Band, die es allerdings immer noch gibt.

Mit Space Rock, für den Pressurehed wohl am Anfang ihrer Karriere standen, hat die Musik auf „Explaining The Unexpected“ allerdings nur noch am Rande zu tun. Elektronische Klänge stehen nun im Vordergrund, die mitunter auch sehr hart eingespielt worden sein können. „Berezovka“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie knallhart und rockig Pressurehed auch klingen können. „Incubus“ hört sich dagegen absolut experimentell an. Ein Beat, der mit jeder Menge hypnotisch klingenden Sound sowie Sprachfetzen unterlegt wurde. Mit „Oxygen Mask“ bewegt sich die Band bereits im Genre des Techno, wohingegen Lieder wie „Time Stops Breathing“ und „The Great Orm“ eher dem Ambient zugerechnet werden können.

Eine ganz schön krude Mischung bekommt man hier also zu hören, die dabei oftmals leider auch nicht richtig überzeugen kann. Aber abwechslungsreich ist sie zumindest, diese Scheibe. Spannend und dabei wahrlich gelungen klingt allerdings lediglich „Bluff Creek, And Beyond“. Eine Nummer, die es sogar schafft ein klein wenig ins Ohr zu gehen. Das Lied startet sanft, klingt sphärisch, man hört eine tiefe Männerstimme und dann steigert sich der Titel in Bezug auf Rhythmik und Lautstärke enorm. Mantra-artig wird hier ein Gitarrenriff wiederholt, die Beats treiben und alles wird immer wieder von kleinen, durchaus gelungenen Auflockerungen unterbrochen. Diese Nummer lohnt sich. Mit dem ganzen Rest ist das schon deutlich schwieriger, obwohl sich unter den insgesamt sechzehn Titeln kein absoluter Ausfall befindet. Freude an elektronischen Klängen sollte man beim Hören des Albums allerdings definitiv mitbringen.

Fazit: Ziemlich schwierig, diese Scheibe musikalisch einzuordnen, da sich auf ihr sehr viele musikalische Genres vereinigt haben. Vom Hard Rock über Trance zu Techno, zurück zur elektronischen Musik bis hin zum Ambient und Pop ist auf „Explaining The Unexpected“ alles vertreten. Richtig einstellen kann man sich auf dieses Album kaum, was eher wie eine gewagte und aufregende musikalische Reise wirkt. Doch trotz aller Vielfalt, richtig mitreißen, das schaffen Pressurehed auf „Explaining The Unexpected“ leider nur an wenigen Stellen. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Bluff Creek, And Beyond



(Leider kein Video verfügbar)



Montag, 24. Oktober 2016

Geist – Für alle Zeit




Geist – Für alle Zeit


Besetzung:

Tim Born – Gitarre
Lars Dittrich – Schlagzeug
Fares Rahmun – Gesang & Worte
Oliver Ratty – Bass


Label: Danse Macabre Records


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Wer Wenn Nicht Ich (4:40)
2. Wahnsinn (5:37)
3. Wertvoll (3:47)
4. So Viele Wie Du (6:42)
5. Leider (6:30)
6. Rhino (4:02)
7. Für alle Zeit (8:03)
8. Achtung (4:38)
9. Zauber (1:44)
10. Einssein (19:09)

Geamtspieldauer: 1:04:57




„Für alle Zeit“ heißt das zweite vollständige Studio-Album der Kölner Band Geist. Im Jahr 2007 wurde es bei Danse Macabre Records veröffentlicht. Liest man im Netz über diese Band nach, so wird dort immer von Progressive Rock gesprochen, welchen diese Band angeblich spielt. Hört man „Für alle Zeit“ fragt man sich, wo, an welcher Stelle man auf diesem Album von Progressive Rock sprechen könnte. Klar, hier und da mal ein etwas krummer Takt, aber das war es auch schon, was diesem musikalischen Genre entsprechen würde. Progressive Rock ist das noch nicht. Geist machen auf „Für alle Zeit“ guten Alternative Rock, der bis in den Hard Rock hineinreicht. Aber dazu später mehr. Kommen wir zunächst zu einem weiteren Punkt, der von dieser Band behauptet wird, wenn man Kommentare oder Rezensionen im Netz liest: „Geist klingen wie Tool!“ Definitiv nicht! Dies muss auch nichts Schlechtes bedeuten, es ist oftmals nämlich gar nicht so überzeugend, wie jemand anderes zu klingen. Keiner mag ein „Me Too“ sein. In meinen Ohren klingen Tool und Geist definitiv unterschiedlich und ich würde niemals auf die Idee zu kommen, diese beiden Bands auch nur ansatzweise zu vergleichen beziehungsweise als „ähnlich“ einzustufen. Aber ich bin auch nur ein Musikliebhaber, der viel hört. Kein Musikwissenschaftler oder Profi-Rezensent.

Doch kommen wir nun zur Musik von Geist auf „Für alle Zeit“, die sich absolut hören lassen kann, auch wenn sie nicht wie Tool klingt. Auf der Scheibe gibt es wahrlich guten Alternative bis Hard Rock zu hören, der ins Ohr und in die Beine geht. Vielleicht sogar auch in den Kopf, denn die Head-Banging-Passagen sind ebenfalls vorhanden. Also Freunde, lasst das Haupthaar fliegen. Die Musik ist definitiv keine 08/15-Musik, abwechslungsreich, vielleicht kommen dadurch auch die Assoziationen zum Progressive Rock auf, die ich hier trotzdem nicht erkennen und heraushören kann. Kein Lied ist hier stumpf nach der Devise Strophe – Refrain – Strophe – Refrain aufgebaut. Da sind die vier Musiker schon deutlich kreativer.

Ebenfalls positiv – sehr positiv sogar – zu bewerten ist der Umstand, dass Geist Deutsch singen. Dies gibt es in dem musikalischen Genre, in dem die Musiker Zuhause sind, so nicht allzu oft zu hören. Auch das hebt die ganze Band ein klein wenig höher und diesbezüglich klingen Geist überzeugend und interessanter. Nun, vielleicht haben Geist in ihren Texten ein bisschen zu viel das Thema „Liebe“ auf dem Radar. Das mag allerdings subjektiv von mir so wahrgenommen werden, platt klingen die Texte von Geist auch bei diesem Thema nämlich nicht. Positiv dabei zu erwähnen ist auch der Gesang des Fares Rahmun, dessen Stimme wahrlich zu überzeugen weiß. Nun, die anderen Musiker klingen auf „Für alle Zeit“ ebenfalls richtig gut, was für eine Band, die dies nicht hauptberuflich betreibt, zusätzlich nicht selbstverständlich ist. Allerdings, dass es auf der Platte noch einen Hidden Track gibt, eine Dekade nach der Hochzeit dieser Unsitte, das nervt etwas. Ach was, das sei den vier Musikern von Geist verziehen.

Fazit: Man hört hier zwar weder Tool noch Progressive Rock auf „Für alle Zeit“ von Geist, trotzdem macht die Musik Spaß. Guten und eingängigen und mitunter auch mitreißenden Alternative Rock gibt es auf der Scheibe zu hören. Lieder, die auch mit jedem weiteren Durchgang wachsen, was in meinem musikalischen Weltbild auch ein Qualitätsmerkmal darstellt. Macht Spaß. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Für alle Zeit



Sonntag, 23. Oktober 2016

Mike Oldfield – Man On The Rocks




Mike Oldfield – Man On The Rocks


Besetzung:

Mike Oldfield – electric & acoustic guitars, bass guitar, backing vocals, keyboards


Gastmusiker:

Luke Spiller – lead vocals
John Robinson – drums
Leland Sklar – bass guitar
Matt Rollings – piano, hammond b-3
Michael Thompson – electric & acoustic guitars
Stephen Lipson – electric & acoustic guitars
Davy Spillane – whistles on "Moonshine"
Paul Dooley – violin on "Moonshine"
Bill Champlin – backing vocalist
Alfie Silas Durio – backing vocalist
Carmel Echols – backing vocalist
Rochelle Gilliard – backing vocalist
Judith Hill – backing vocalist
Kirsten Joy – backing vocalist
Jason Morales – backing vocalist
Louis Price – backing vocalist
Tiffany Smith – backing vocalist


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

CD1: 

1. Sailing (4:46)
2. Moonshine (5:49)
3. Man On The Rocks (6:10)
4. Castaway (6:34)
5. Minutes (4:51)
6. Dreaming In The Wind (5:28)
7. Nuclear (5:04)
8. Chariots (4:38)
9. Following The Angels (7:04)
10. Irene (3:59)
11. I Give Myself Away (5:10)


CD2 (Deluxe Edition):

1.Sailing (Instrumental) (4:47)
2. Moonshine (Instrumental) (5:49)
3. Man On The Rocks (Instrumental) (6:11)
4. Castaway (Instrumental) (6:38)
5. Minutes (Instrumental) (4:52)
6. Dreaming In The Wind (Instrumental) (5:33)
7. Nuclear (Instrumental) (5:04)
8. Chariots (Instrumental) (4:26)
9. Following The Angels (Instrumental) (7:06)
10. Irene (Instrumental) (3:59)
11. I Give Myself Away (Instrumental) (5:08)


Gesamtspieldauer CD1 (59:39) und CD2 (59:37): 1:59:16




„Man On The Rocks“ heißt das inzwischen bereits 25. Studioalbum des britischen Musikers Mike Oldfield. Am 3. März 2014 wurde die Scheibe auf dem Musiklabel Virgin EMI veröffentlicht, welche inzwischen einer Tochter der Universal Musik Group ist. Auf dieser Platte hört man Mike Oldfield, wie er irgendwie einen Bogen zurück in die 80er Jahre zu schlagen versucht, als er die Pop-Musik für sich entdeckte und mit jeder neuen Platte gleichzeitig auch eine Hitsingle à la „Five Miles Out“ oder „Shadow On Te Wall“ veröffentlichte.

Soweit, so gut. Nur, dass es dieses Mal mit „Man On The Rocks“ einfach nicht funktioniert. Auf diesem Album hört man Pop- bis Rock-Musik, die absolut radiotauglich ist und dabei im Mainstream der Bedeutungslosigkeit versinkt. Und das bedeutet noch nicht einmal, dass die hierauf enthaltenen Lieder schlecht sind. Sind sie nicht, aber sie sind langweilig, einfach belanglos. Großartig hängenzubleiben, das schafft keiner der Titel. Alles ist im Fluss, dieser ist jedoch begradigt und fließt in einem Betonbett. Kurz ist eine bestimmte Stelle da und dann auch schon wieder weg, einfach vergessen.

Mitunter wird das Ganze sogar richtiggehend unangenehm. Man hört das erste Stück „Sailing“ und fühlt sich an den deutschen Schlager erinnert. Im weiteren Verlauf der Nummer hört man schließlich auch die so typisch klingende Gitarre des Mike Oldfield, jedoch retten kann dies das Lied auch nicht mehr, wenn hier gleichzeitig weiter fröhlich ein fröhliches „Sähähäling, au, au, Sähähäling“ angestimmt wird. Schlimm. Richtig Überzeugendes kann ich auf „Man On The Rocks“ leider nicht ausmachen. Am besten klingt in meinen Ohren noch „Nuclear“. Ein Lied, welches wenigstens noch beim Hören selbst aufhorchen lässt. Der ganze Rest ist nicht immer katastrophal, allerdings immer sehr anbiedernd, dem Mainstream entsprechend, irgendwo im Niemandsland zwischen Pop und Rock angesiedelt. Mit dem Erwerb der Deluxe-Version des Albums bekommt man noch eine zweite CD mitgeliefert, auf der alle Titel nochmals instrumental nachzuhören sind. Ein klein wenig fragt man sich hier schon nach dem „Warum“. Oder versteht man die ganze Patte völlig falsch und diese ist für den Einsatz in einer Karaoke-Bar gedacht?

Fazit: „Man On The Rocks“, das fünfundzwanzigste Studio-Album des Mike Oldfield, ist alles andere als ein überzeugendes Album geworden. Darauf zu hören gibt es Allerwelts-Pop und -Rock. Langweilig zumeist, nichts enthaltend, was länger hängenbleibt. Klar, es gibt sehr viel schlechteren Pop, doch ein wenig traurig stimmt einen diese Platte dann schon. Nichtn weil sie so melancholisch oder sentimental wäre, sondern weil man weiß, was dieser Mike Oldfield schon für geniale Alben veröffentlichte. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Man On The Rocks, Castaway, Nuclear



Samstag, 22. Oktober 2016

Neil Young – Neil Young




Neil Young – Neil Young


Besetzung:

Neil Young – vocals, guitars, piano, synthesizer, harpsichord, pipe organ


Gastmusiker:

Ry Cooder – guitar
Jack Nitzsche – electric piano
Jim Messina, Carol Kaye – bass
George Grantham – drums
Earl Palmer – drums
Merry Clayton – backing vocals
Brenda Holloway – backing vocals
Patrice Holloway – backing vocals
Gloria Richetta Jones – backing vocals
Sherlie Matthews – backing vocals
Gracia Nitzsche – backing vocals


Label: Reprise Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. The Emperor Of Wyoming (2:19)
2. The Loner (3:55)
3. If I Could Have Her Tonight (2:21)
4. I've Been Waiting For You (2:34)
5. The Old Laughing Lady (6:05)
6. String Quartet From Whiskey Boot Hill (1:05)
7. Here We Are In The Years (3:19)
8. What Did You Do To My Life? (2:29)
9. I've Loved Her So Long (2:47)
10. The Last Trip To Tulsa (9:27)

Gesamtspieldauer: 36:26




Nachdem Neil Young im Jahr 1968 bei Buffalo Springfield ausgestiegen war, machte er sich sofort an die Arbeit, ein eigenes Album zu veröffentlichen. Nun eben als Solo-Künstler. Noch im selben Jahr wurde dieses aufgenommen und schließlich am 22. Januar 1969 veröffentlicht. Wie bei vielen Musikern und Bands wurde diese erste Scheibe nach dem hier zu hörenden Künstler benannt, kurz „Neil Young“ eben.

Etwas unschuldig klingt Neil Young hier schon noch. Zu allermeist ist es Folk Rock, den man hier zu hören bekommt. Immer wieder gibt es auch kleine, glücklicherweise sehr kurze Ausflüge in das Genre der Country Music. Zudem hört man auf „Neil Young“ manchmal auch äußerst unaufgeregten Pop, der absolut typisch für die damalige Zeit klingt. Die Stimme des Neil Young – später absolut unverwechselbar – klingt hier noch gar nicht einheitlich. Fast scheint es so, dass Neil Young auf seinem ersten Album noch auf der Suche ist, nach dem typischen und später so unverwechselbaren Klang seiner Stimme.

Das Album war zur Zeit seiner Veröffentlichung nicht gerade ein Verkaufserfolg. Verwundern muss das nicht weiter, denn die Scheibe ist eine eher langweilige geworden. Dabei ist die darauf zu hörende Musik ganz bestimmt keine schlechte, allerdings erzeugen die zu hörenden Stücke auch keinerlei Aufregung oder Verzücken. Alles läuft so ein wenig durch und natürlich ist es ganz interessant, wie der Kanadier Neil Young zu Beginn seiner Karriere klang. Und genau das, aber auch nur das, macht diese Platte zu einer, die man mal gehört haben sollte. Obwohl? Nicht ganz! „The Old Laughing Lady“ ist definitiv ein Lied, welches sich lohnt gehört zu werden und der Höhepunkt der ganzen Scheibe.

Fazit: Das Debut-Album des Neil Young ist eine sehr unaufgeregte Platte geworden. Langsam und bedächtig fließt die Musik darauf dahin. Mal ist es mehr Folk, dann ein wenig Country und auch 60ies-Pop-Klänge kann man auf „Neil Young“ vernehmen. Schlecht ist das freilich alles nicht, nur eben auch nichts Besonderes – wenn es denn nicht die erste Platte des Neil Young wäre. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Loner, I've Been Waiting For You, The Old Laughing Lady



Freitag, 21. Oktober 2016

Van Der Graaf Generator – Do Not Disturb




Van Der Graaf Generator – Do Not Disturb


Besetzung:

Hugh Banton – organs, keyboards, bass, accordion & glockenspiel
Guy Evans – drums & percussion
Peter Hammill – vocals, pianos & guitars


Label: Esoteric Recordings


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Aloft (7:19)
2. Alfa Berlina (6:39)
3. Room 1210 (6:47)
4. Forever Falling (5:39)
5. Shigata Ga Nai (2:29)
6. (Oh No, I Must Have Said) Yes (7:44)
7. Brought To Book (7:57)
8. Almost The Words (7:54)
9. Go (4:35)

Gesamtspieldauer: 57:07




„Do Not Disturb“ heißt das inzwischen bereits dreizehnte Studioalbum der englischen Progressive Rock Band Van Der Graaf Generator. Veröffentlicht wurde die Platte am 30. September 2016 auf dem Musiklabel Esoteric Records. Es ist dabei wahrlich sehr überraschend, wie eine Band, die im Jahr 1969 ihr erstes Album veröffentlichte, im Jahr 2016 die dreizehnte Platte nachschieben kann. Das im Gedenk all dieser Pausen, die Van Der Graaf Generator seit der Gründung einlegte. Es ist schon sehr beeindruckend, dass drei der langjährigen Mitglieder hier immer noch zusammen veröffentlichen und dabei überzeugende Alben vorlegen.

Nun, was soll man dazu sagen? Auf „Do Not Disturb“ klingen Van Der Graaf Generator genauso, wie sie seit bald 50 Jahren klingen. Das ist Progressive Rock, der absolut typisch nach eben diesem Van der Graff Generator klingt. Nicht immer eingängig, manches Mal sogar etwas verschroben, doch dann wieder das Ohr perfekt umschmeichelnd. Und über allem steht die Stimme des Peter Hammill, die nichts an ihrer Faszination verloren hat. Er singt, er klagt, er verzweifelt, er ist glücklich. Alles manchmal auch in einem zusammengefasst. Mag sein – und das ist sogar sicher – dass auch die Stimme des Peter Hammill so viel älter wurde, aber an ihrer Faszination hat sie nichts verloren.

Ein Lied hier besonders herauszuheben, würde dem Ganzen nicht mehr gerecht werden. Wie so oft ist es die Gesamtheit, die bei Van Der Graaf Generator wirkt. Bei „Do Not Disturb“ gilt dies irgendwie noch ein wenig mehr. Fast scheint es ja so, als ob diese Platte eine Abschiedsplatte wäre. Alles wirkt ein wenig düster, traurig und melancholisch. Und dann kommt da zum Schluss noch dieser Titel mit dem Namen „Go“, in dem Peter Hammill singt: „Time to leave, close the door.“ Tottraurig klingt dieses Lied und endet mit den Worten: "It's time to let go" und man hofft, dass dies eben nur ein Lied ist, nicht gleich ein Zeichen…

Fazit: „Do Not Disturb“ ist ein absolut typisches Van Der Graaf Generator Album geworden. Alles was man an dieser Band liebt – falls man diese Band liebt – befindet sich auf diesem dreizehnten Studioalbum. Leider, leider klingt hier so viel nach Abschied. Nach Abschied von einer großen Progressive Rock Band. Diese Platte hat keine Höhepunkte, auch keine Schwächen. Sie wirkt einfach. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Almost The Words, Go



Donnerstag, 20. Oktober 2016

Half Moon Run – Sun Leads Me On




Half Moon Run – Sun Leads Me On 


Besetzung (Ohne Instrumentenangabe):

Devon Portielje
Dylan Phillips
Conner Molander
Isaac Symonds


Gastmusiker:

Quatnor Quantres Ailes – strings
Tazmyn Eddy – trumpet, flugelhorn
Alex Héon-Goulet – flute


Label: Glassnote Records


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Folk Rock, Independent Rock


Trackliste:

1. Warmest Regards (3:14)
2. I Can’t Figure Out What’s Going On (3:15)
3. Consider Yourself (3:53)
4. Hands In the Garden (3:52)
5. Turn Your Love (4:01)
6. Narrow Margins (4:10)
7. Sun Leads Me On (4:05)
8. It Works Itself Out (4:07)
9. Everybody Wants (5:01)
10. Throes (0:54)
11. Devil May Care (2:22)
12. The Debt (4:00)
13. Trust (4:50)

Gesamtspieldauer: 47:50




„Sun Leads Me On“ heißt die zweite Studio-Veröffentlichung der kanadischen Indie- und Folk Rock Band Half Moon Run. Veröffentlicht wurde das Album im Oktober 2015 beim Musiklabel Glassnote Records. Zu hören gibt es auf „Sun Leads Me On“ warmen und weichen Folk Rock, der ab und an mal Fahrt aufnimmt, dann allerdings immer noch in der sentimentalen bis melancholischen Ecke angesiedelt ist.

Eingängig klingt das zu allermeist und durchaus auch melodiös. Besonders gut hört sich die Musik von Half Moon Run immer dann an, wenn sie diese, mit den mehr im Rock beheimateten Musikinstrumenten einspielt und auf zu viel Technik, in Form von elektronischen Beats und Sounds verzichtet. Umso trauriger ist es da fast schon, dass die erste Single-Auskopplung aus „Sun Leads Me On“ „Trust“ hieß, das letzte Lied auf der Platte. Denn gerade diese Nummer ist angefüllt mit elektronischem und etwas nervendem Schickschnack. Hiermit erwartete der entsprechende Musikmanager anscheinend den größten Erfolg. Manchmal wundert man sich schon, denn diese Nummer steht gewiss nicht stellvertretend für die Musik von Half Moon Run auf „Sun Leads Me On“.

Ansonsten gibt es zwei Kategorien von Liedern auf dem Album. Zum einen sind das die langsamen, melancholischen Stücke, zum anderen jene, die deutlich mehr in das Rockgenre hineinreichen. Es lohnt sich dabei öfters hinzuhören, denn die Nummern wachsen durchaus mit den Durchläufen. Besonders gelungen für meine Ohren sind das Titelstück, „Sun Leads Me On“. Eine eher ruhige Nummer. Sehr viel abwechslungsreicher ist dann das darauffolgende Lied „It Works Itself Out“. Hier gibt es die getragenen Abschnitte, wie die deutlich rockigeren Passagen in einem Lied vereint. Die Nummer geht dabei auch gut ins Ohr, für mich ganz klar der Höhepunkt des ganzen Albums. Und dass die Jungs von Half Moon Run außergewöhnlich hoch singen können, das beweisen sie in diesem Titel auch. Ebenfalls sehr gelungen ist die kurze Nummer „Throes“. Ein kleines sentimentales Piano-Stück, rein instrumental, welches wirklich etwas länger hätte sein dürfen. Negativ anzumerken ist vielleicht noch der Umstand, dass die vier Kanadier an manchen Stellen der Platte ein klein wenig zu zuckersüß klingen, aber auch das ist, wie immer – reine Geschmackssache.

Fazit: Eine gelungene Mischung aus Folk Rock und Independent Rock haben die vier Kanadier von Half Moon Run auf „Sun Leads Me On“, ihrem zweiten Studio-Album, für ihre Hörerinnen und Hörer zusammengestellt. Abwechslungsreich ist die Scheibe, versehen mit Titeln, die zumeist gut ins Ohr gehen. An manchen Stellen wurde vielleicht mit etwas zu viel Süße gewürzt, an anderen dagegen die perfekte Mischung getroffen. Für die ein oder andere Nummer benötigt man vielleicht auch ein paar Anläufe mehr, aber dann funktioniert es eben nach dem zweiten oder dritten Durchlauf. Neun Punkte.

Anspieltipps: I Can’t Figure Out What’s Going On, It Works Itself Out, Throes



Mittwoch, 19. Oktober 2016

The Pineapple Thief – Your Wilderness




The Pineapple Thief – Your Wilderness


Besetzung:

Bruce Soord – vocals, electric guitars, baritone acoustic guitar, acoustic guitar, synthesizer
Jon Sykes – bass guitar
Steve Kitch – piano, rhodes, mellotron, synths, electronic drums, percussion, hammond, strings


Gastmusiker:

Darran Charles – electric guitars
Gavin Harrison – drums, acoustic and electronic percussion
John Helliwell – clarinet
Geoffrey Richardson – violin, viola, cello
Sarah Best – backing vocals
Kate Chapman – backing vocals
Ian Ring – backing vocals
Gareth Jones – backing vocals


Label: Kscope


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Progressive Rock, New Artrock


Trackliste:

1. In Exile (5:10)
2. No Man's Land (4:17)
3. Tear You Up (4:51)
4. That Shore (4:52)
5. Take Your Shot (4:33)
6. Fend for Yourself (3:43)
7. The Final Thing On My Mind (9:53)
8. Where We Stood (3:45)

Gesamtspieldauer: 41:07




„Your Wilderness“ ist das bereits elfte Studio-Album der britischen Alternative und Progressive Rock Band The Pineapple Thief. Veröffentlicht wurde die Scheibe am 12. August 2016 auf dem Label Kscope. Einige bekannte Gastmusiker tragen zum Gelingen des Albums bei, so ist zum Beispiel Gavin Harrison (Porcupine Tree, King Crimson) am Schlagzeug zu hören, genau wie John Helliwell (Supertramp) an der Klarinette und Geoffrey Richardson (Caravan) spielt Violine, Viola und Cello.

Auf „Your Wilderness“ gibt es zumeist sehr melancholische Musik zu hören, die am ehesten noch in dem Genre des New Artrock beheimatet ist. Ins Ohr geht das alles ziemlich schnell und ohne große Umwege. Man kommt dabei gar nicht umhin, Parallelen zu Procupine Tree beziehungsweise Steven Wilsons Solowerken zu ziehen. Und hier speziell zu den etwas sanfteren Titeln, die im Falle von „Your Wilderness“ auch von eben diesem Steven Wilson stammen könnten. Stammen sie aber nicht. Bruce Soord ist bei The Pineapple Thief für das Komponieren und Texten zuständig und hat nach einem eher poppigen Ausflug mit dem Album zuvor, wieder die Gefilde des Rocks erreicht. Jene allerdings, die sanft und zart klingen, die sich irgendwie zerbrechlich anhören.

Passend zu der im Herbst dunkler werdenden Welt, hört man auf „Your Wilderness“ intensive und warme Musik, die die innere Temperatur wieder ansteigen lässt und ein wohliges Gefühl vermittelt. Komplex oder frickelig klingt nichts in der Musik von The Pineapple Thief auf „Your Wilderness“. Einige der Lieder starten ruhig, nehmen dann Fahrt auf, rocken, um schließlich wieder sanft auszuklingen. Ausprobieren muss man diese Musik auch nicht, da sie bereits beim ersten Male des Hörens ins Ohr geht. Hier benötigt man nicht mehrere Durchläufe, um sich diese Musik zu „erarbeiten“. Das funktioniert im Falle von „Your Wilderness“ ganz automatisch und zwar in dem Moment von, in dem man diese Lieder zum ersten Mal hören darf. Sehr eindrucksvoll wird dies vom einzigen Longtrack des Albums belegt. „The Final Thing On My Mind“ wirkt von der ersten bis zur letzten Sekunde seiner Spieldauer. Ruhig und getragen beginnt die Nummer, nimmt dann kurzzeitig Fahrt auf, um schließlich wieder in reiner Melancholie zu versinken. Aber dieses Lied ist nicht das einzige Stück, welches „Your Wilderness“ zu einem gelungenen Erlebnis werden lässt. Es befindet sich überhaupt keine Nummer auf der Platte, die es nicht wert wäre, gehört zu werden. Da ist Bruce Soord durchaus etwas Besonderes gelungen.

Fazit: Kurz gesagt, ein „schönes“ Album ist „Your Wilderness“ von The Pineapple Thief geworden. Angefüllt ist dieses mit Musik, die ins Ohr geht und zum Träumen einlädt. Irgendetwas Negatives lässt sich da kaum finden. Vielleicht die kurze Laufzeit von unter vierzig Minuten, die in der heutigen Zeit eher selten geworden ist. Aber ansonsten? Melancholische und warme Lieder gibt es auf dem Album zu hören. New Artrock, der hier seine Wurzeln im Progressive Rock hat. Das klingt einfach überzeugend. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Final Thing On My Mind



Dienstag, 18. Oktober 2016

Archive – The False Foundation




Archive – The False Foundation


Besetzung:

Darius Keeler – keyboards, piano, sound effects
Danny Griffiths – sound effects, keyboards
G. Jukes – vocals
Dave Pen – vocals, guitar
Pollard Berrier – vocals, guitar
J.F. Dijoud – guitar
Mickey Hurcombe – guitar
Steve Barnard – drums
Jon Noyce – bass
G. Preskett – piano


Label: Dangervisit



Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Independent Rock, Elektronische Musik, Synthie Pop, New Artrock


Trackliste:

1. Blue Faces (7:42)
2. Driving In Nails (6:47)
3. The Pull Out (5:28)
4. The False Foundation (4:27)
5. Bright Lights (3:39)
6. A Thousand Thoughts (5:30)
7. Splinters (5:02)
8. Sell Out (5:37)
9. Stay Tribal (2:11)
10. The Weight Of The World (7:24)

Gesamtspieldauer: 53:53




Das ist schon so eine Sache mit der musikalischen Weiterentwicklung einer Band. Macht sie dies nicht, so gilt sie irgendwann als langweilig, schwimmt nur noch im eigenen Saft. Macht sie doch eine gewisse Entwicklung durch, sind wieder andere Fans, meist die der „ersten Stunde“, enttäuscht und verärgert, weil die Musik nun eben nicht mehr so klingt, wie damals, zu Beginn der musikalischen Karriere. Recht machen kann man es keinem und so würde es sicherlich nicht weiter verwundern, wenn das zwölfte Studio-Album der Klangkünstler von Archive mit dem Titel „The False Foundation“, ein durchaus geteiltes Echo hinterlassen würde. Die Scheibe wurde am 7. Oktober 2016 auf dem bandeigenen Label Dangervisit veröffentlicht und hat nicht mehr ganz so viel mit den Alben zu tun, mit denen der Band Anfang der 2000er Jahre der Durchbruch gelang.

Die Grundatmosphäre auf „The False Foundation“ ist eine eher ruhige. Mit langsamen und sehr getragenen Pianoklängen wird man durch „Blue Faces“ in die Scheibe eingeführt. Der dazugehörende Gesang klingt dabei ebenso zerbrechlich, wie die zarten instrumentalen Klänge. Das hört sich durchaus sehr intensiv an und erst gegen Ende der Nummer entstehen wieder die für Archive so typischen, schwebenden, elektronischen Sounds, die nun auch mal etwas verschroben klingen können. „Driving In Nails“ im Anschluss daran, ist jetzt eher eine pulsierende Klangkollage, denn ein Lied im herkömmlichen Sinn. Schließlich trägt Pollard Berrier die einzige Textzeile des Liedes, die gleichzeitig auch dessen Titel ist, mit solch einer penetranten Monotonie vor, die zum einen fast hypnotisch wirkt, zum anderen dieses Stück kurzzeitig sogar etwas eingängig werden lässt, um dann wieder in schwebende Sphären abzudriften.

Bis hierher klingt das alles durchaus noch gut und spannend. Und auch im weiteren Verlauf des Albums folgen Lieder mit groovenden Rhythmen, genau wie sehr sanfte Passagen, in denen auf die Rhythmusfraktion völlig verzichtet wird. Mitunter gibt es diese Abschnitte, sich abwechselnd, auch in einem Lied hintereinander platziert. Sich also auf eine bestimmte Stimmung mit „The False Foundation“ einzustellen, erscheint von daher einigermaßen schwierig. Andererseits weist die Scheibe dadurch natürlich jede Menge Abwechslung auf, langweilig wird es also nie.

Trotzdem ist das Ganze manchmal etwas schwierig geraten. Und zwar immer dann, wenn Archive fast schon in den Synthie-Pop abzudriften scheinen. Dann klingen die Briten nicht mehr gut, sondern allerhöchstens noch gewagt, zum Teil allerdings auch billig. Richtiggehend fies wird dies schließlich im letzten Titel „The Weight Of The World“ ausgelebt. Ein synthetischer Sound wird von einem irgendwie hymnisch gearteten Gesang begleitet, die die Musik von Archive fast auf eine Stufe mit der eines DJ Bobo stellt. Unfassbar grauenvoll. In dieser Ausprägung allerdings dann glücklicherweise die Ausnahme auf dem Album. Dieses hat seine Stärken in den eher ruhigen Abschnitten und die etwas flotteren und gleichzeitig gelungenen Stücke wie „Splinters“, bilden da eher die Ausnahme. Allerdings, absolute Höhepunkte, wirklich herausragende Stücke, die findet man auf „The False Foundation“ leider nicht.

Fazit: Nein, die Musik von Archive ist nicht mehr mit jener zu vergleichen, für die die Band zehn bis fünfzehn Jahre zuvor stand. Wie sollte das auch möglich sein? Alles ist im Fluss, vor allem die Musik. Konnten Archive mit „Axiom“ noch beeindrucken, so ist „The False Foundation“ eine eher durchschnittliche Platte geworden. Arm an Höhepunkten, mit einem Ende, welches einen etwas kopfschüttelnd zurücklässt. Schlecht ist das trotzdem insgesamt nicht. Acht Punkte.

Anspieltipps: Blue Faces, A Thousand Thoughts, Splinters



Montag, 17. Oktober 2016

Hamilton Leithauser + Rostam – I Had A Dream That You Were Mine




Hamilton Leithauser + Rostam – I Had A Dream That You Were Mine


Besetzung:

Rostam Batmanglij – backwards vocals, banjo, bass (electric), bass programming, celeste, drum programming, drums, guitar (acoustic), guitar (electric), harpsichord, horn, organ, organ (hammond), piano, programming, sampling, slide guitar, string arrangements, synthesizer, synthesizer strings, toms, vocals, vocals (background)
Hamilton Leithauser – bass (electric), guitar (acoustic), guitar (electric), guitar (nylon string), guitar (steel), horn arrangements, slide guitar, toms, vocals, vocals (background)


Gastmusiker:

Hamilton Berry – cello
Jonathan Chu – violin
Angel Deradoorian – vocals
Kevin Farzad – drums
Greg Leisz – pedal steel
Joe Santa Maria – saxophone
Wes Miles – vocals (background)
Steve Patterson – drums


Label: Glassnote Records


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. A 1000 Times (4:08)
2. Sick As A Dog (4:33)
3. Rough Going (I Don't Let Up) (4:15)
4. In A Black Out (3:16)
5. Peaceful Morning (4:04)
6. When The Truth Is... (4:16)
7. You Ain't That Young Kid (5:04)
8. The Bride's Dad (2:23)
9. The Morning Stars (3:44)
10. 1959 (4:52)

Gesamtspieldauer: 40:39




„I Had A Dream That You Were Mine“ ist eine Platte, die aus der Zusammenarbeit von Hamilton Leithauser, früherer Frontman der Band „Walkmen“ und dem ehemaligen Vampire Weekend Multi-Instrumentalisten und Produzenten Rostam Batmanglij entstand. Veröffentlicht wurde das Album am 23. September 2016 auf dem Musiklabel Glassnote Records. Viele verschiedene musikalische Stile haben die beiden Musiker dabei auf dieser Scheibe vereinigt.

Zu hören gibt es auf „I Had A Dream That You Were Mine“ sanften Independent Rock, der nicht selten in das musikalische Genre des Folk hineinreicht. Und es klingt nostalgisch nach längst vergangenen Jahrzehnten und an der ein oder anderen Stelle durchaus auch mal ein klein wenig experimentell, sodass man eine Überschrift über dieses Album, welche das musikalische Genre wiedergeben würde, nur schwer definieren kann. Die vorherrschende Atmosphäre auf „I Had A Dream That You Were Mine“ ist eine eher düstere bis dunkle. Allzu oft klingen die Lieder der Scheibe traurig bis melancholisch – irgendwie perfekt für das jetzt einsetzende Herbstwetter, mit jeder Menge Dunkelheit, die den Tag zu einem dämmrigen Tag werden lässt. Viele der Lieder gehen dabei schnell ins Ohr und klingen länger nach, da sie melodiös und eingängig sind.

Die herausragende Nummer der Platte heißt „In A Black Out“, ein wunderschön melancholisches und herzergreifendes Lied. Ein Stück, welches absolut und ganz schnell überzeugt. Ebenfalls noch sehr gelungen ist die deutlich flottere Nummer „The Morning Stars“, sowie das wieder sehr getragene „1959“, bei dem Hamilton Leithauser gesangliche Unterstützung durch Angel Deradoorian erhält, die auch schon mit Rostam Batmanglij bei Vampire Weekend zusammenarbeitete.

Fazit: Ein schönes und sanftes Album ist „I Had A Dream That You Were Mine“ von Hamilton Leithauser und Rostam Batmanglij geworden. Die Stimmung darauf ist eine eher ruhige, nachdenkliche bis traurige. Einige der Titel lohnen sich wahrlich gehört zu werden, wenn man denn auf die sanfteren Töne in der Musik steht. Nicht alles auf der Scheibe überzeugt restlos, manches allerdings schon. Neun Punkte.

Anspieltipps: In A Black Out, The Morning Stars, 1959



Sonntag, 16. Oktober 2016

Sunrise Avenue – Popgasm




Sunrise Avenue – Popgasm


Besetzung:

Samu Haber – vocals, guitar
Raul Ruutu – bass 
Sami Osala – drums, percussion
Riku Rajamaa – lead guitar


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Dream Like A Child (4:21)
2. The Whole Story (3:33)
3. Rising Sun (3:54)
4. Welcome To My Life (3:29)
5. Not Again (3:52)
6. Bad (3:28)
7. Monk Bay (3:49)
8. Bye Bye (One Night Kind) (3:19)
9- Kiss And Run (3:14)
10. 6-0 (3:15)
11. Birds And Bees (3:07)
12. Sail Away With Me (4:07)
13. My Girl Is Mine (3:15)
14 Something Sweet (6:42)

Gesamtspieldauer: 53:30




„Popgasm“ heißt das zweite Studio-Album der finnischen Rock Band Sunrise Avenue. Es erschien im Mai des Jahres 2009 auf dem Label Universal Music. Der Name des Albums trifft dabei nicht ganz den Inhalt. Zwar hört man auf „Popgasm“ auch Pop, doch die Rock-Elemente der Scheibe sind keinesfalls zu überhören. Allerdings, genau so reißerisch, wie der Titel des Albums wirkt, so anbiedernd ist auch die Musik auf „Popgasm“. Pop-Rock eben, der gar nicht erst versucht nachhaltig zu sein, sondern dazu da ist, gleich beim ersten Male des Hörens ins Ohr zu gehen.

Was dann insgesamt herauskommt, ist ein durchaus melodiöses Album, welches man wunderschön nebenbei hören kann, welches einen allerdings keineswegs vom Hocker reißt. Mainstream Pop-Rock klingt da aus den Boxen, ideal für die Endlosschleife so manches Radiosender. Es ist noch nicht einmal so, dass sich auf „Popgasm“ schlechte Lieder befinden würden oder aber Titel, die man absolut nicht hören kann. Nein, das würde einen völlig falschen Eindruck von dieser Platte vermitteln. Auf „Popgasm“ befinden sich allerdings jede Menge Stücke, die absolut belanglos sind.

Dies wiederum bedeutet, dass sich auf dem Album weder irgendwelche Höhepunkte, noch irgendwelche Lieder befinden, für die man dringend eine Fernbedienung benötigen würde, um sie zu überspringen. Alles klingt ein wenig gleich, ist eben für die schnelle Eingängigkeit konzipiert. Fast Food für das Ohr eben, welcher durchaus unterhält, das möchte ich dieser Musik gar nicht absprechen. Wenn man allerdings nur ein klein wenig auf Anspruch oder das Besondere in der Musik steht, dann kann man beim Hören von „Popgasm“ nur enttäuscht werden.

Fazit: Ein Mainstream Pop-Rock-Album ist die zweite Platte der Finnen von Sunrise Avenue mit dem Titel „Popgasm“ geworden. Hier nur ganz wenige Punkte in der Bewertung zu geben, würde dem Album nicht gerecht werden. Trotzdem ist die Scheibe ziemlich langweilig, da absolut vorhersehbar. Jegliches Überraschungsmoment fehlt. Doch die Nummern sind eingängig, gehen durchaus ins Ohr. Ist doch auch was. Und ganz ehrlich, das Album scheint für ein viel, viel jüngeres Klientel gemacht worden zu sein. Ich werde alt, Mist! Sechs Punkte.

Anspieltipps: The Whole Story, Sail Away With Me, Something Sweet