Mittwoch, 24. April 2019

Premiata Forneria Marconi – L’Isola Di Niente




Premiata Forneria Marconi – L’Isola Di Niente


Besetzung:

Franco Mussida – guitars, lead vocals
Flavio Premoli – keyboards, lead vocals
Mauro Pagani – violin, flute, vocals
Patrick Djivas – bass, vocals
Franz Di Cioccio – drums, percussion, vocals


Label: BMG (ursprünglich Numero Uno)


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. L‘Isola Di Niente (10:48)
2. Is My Face On Straight (6:41)
3. La Luna Nuova (6:27)
4. Dolcissima Maria (4:08)
5. Via Lumiére (7:25)

Gesamtspieldauer: 35:29



„L’Isola Di Niente“ heißt das dritte Studioalbum der italienischen Progressive Rock Band Premiata Forneria Marconi, wenn man „Photos Of Ghosts“ nicht mitrechnet, was lediglich die englische Version des zweiten Albums „Per Un Amico“ darstellt. „L’Isola Di Niente“ wurde ursprünglich auf dem Plattenlabel Numero Uno veröffentlicht und erschien schließlich erneut in Form einer Compact Disc auf dem Label BMG Records.

„L’Isola Di Niente“ stellt durchaus eine kleine Weiterentwicklung der Musik von Premiata Forneria Marconi dar. Zwar ist auf dem Album immer noch sehr melodischer Progressive Rock zu hören, doch gibt es bereits vermehrt Passagen, die nicht sofort ins Ohr gehen, etwas „schräger“ klingen und deutlich frickeliger arrangiert sind. Dies sorgt zweifelsohne für noch mehr Abwechslung in der Musik von Premiata Forneria Marconi. Wenn dann auch noch diese treibenden und weniger melodiösen Abschnitte letztendlich doch noch in reiner Harmonie aufgehen, dann geht das Herz des Prog-Fans auf.

Höhepunkt der Scheibe ist gleich das Eröffnungsstück und der Titeltrack des Albums. Das Lied „L’Isola Di Niente“ beginnt mit Chorgesängen, die mich ein klein wenig an Carl Orff erinnern. Die Überraschung zum Auftakt ist gelungen, doch anschließend geht das Lied in ein eingängiges Progressive Rock Stück über, welches alle Ingredienzien eines Klassikers dieses musikalischen Genres beinhaltet. Nach vorne preschende Passagen neben wunderschönen schwebenden Melodien. Fast schon sphärische Abschnitte und anschließend wiederum viele Takte angefüllt mit ausschweifender Rhythmik. Insgesamt ein Lied, welches vom ersten bis zum letzten Takt zu überzeugen weiß. Auch die restlichen Nummern auf „L’Isola Di Niente“ lohnen, sodass dem Hörerlebnis nichts im Wege steht – wenn man sich denn darauf einlassen kann, denn auf dem Album hört man sicherlich keine Musik, die zum „Nebenbei-Hören“ taugt. Man bekommt Harmonien bis hin zu jazzigen Ausbrüchen präsentiert und auch in dieser Breite kann die Musik überzeugen und fesseln.

Fazit: Auch mit ihrem dritten Album, welches den Titel „L’Isola Di Niente“ trägt, ist der italienischen Band Premiata Forneria Marconi ein Höhepunkt im Bereich des Progressive Rocks gelungen. Die ganze Abwechslung der vorwiegend melodisch ausgeprägten Variante dieses musikalischen Genres gibt es auf dem Album zu hören. Dieses Mal ist es jedoch nicht nur Melodiösität, die man auf diesem Album zu hören bekommt, sondern durchaus auch mal fordernde Klänge. Der Abwechslung tut dies gewiss gut. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: L’Isola Di Niente



Dienstag, 23. April 2019

Banco Del Mutuo Soccorso – Io Sono Nato Libero




Banco Del Mutuo Soccorso – Io Sono Nato Libero


Besetzung:

Francesco Di Giacomo – vocals
Vittorio Nocenzi – organ, synthesizer, spinet
Gianni Nocenzi – piano, electric piano
Marcello Todaro – electric guitar, acoustic guitar
Renato D'Angelo – bass, acoustic guitar
Pierluigi Calderoni – drums, percussion


Gastmusiker:

Rodolfo Maltese – acoustic and electric guitar
Silvana Aliotta – percussion
Bruno Perosa – percussion


Label: Sony BMG (ursprünglich Dischi Ricordi)


Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Canto Nomade Per Un Prigioniero Politico (15:46)
2. Non Mi Rompete (5:07)
3. La Città Sottile (7:13)
4. Dopo...Niente È Più Lo Stesso (9:54)
5. Traccia II (2:39)

Gesamtspieldauer: 



„Io Sono Nato Libero“, was auf Deutsch „Ich wurde frei geboren“ bedeutet, ist der Titel des dritten Studioalbums der italienischen Progressive Rock Band Banco Del Mutuo Soccorso. Das Album erschien im Jahr 1973 ursprünglich auf dem Plattenlabel Dischi Ricordi und wurde von BMG auf Compact Disc wiederveröffentlicht. Die beiden Lieder „Non Mi Rompete“ sowie „La Città Sottile" wurden zudem als Singles ausgekoppelt.

Die Musik von Banco Del Mutuo Soccorso auf „Io Sono Nato Libero“ ist keineswegs nur harmonisch und melodiös, wie auf vielen anderen Platten des italienischen Progressive Rocks der damaligen Zeit. Auf „Io Sono Nato Libero“ gibt es zwar auch jene Passagen zum Niederknien, die das Herz erweichen, jedoch auch Abschnitte, die eher erarbeitet werden wollen und von ihrer Machart deutlicher an Emerson, Lake and Palmer, denn an zum Beispiel Genesis und Yes erinnern. Doch auch dieser Vergleich hinkt einigermaßen, denn Banco Del Mutuo Soccorso stehen auch auf diesem Album eher für sich selbst. Mögen bestimmte Einflüsse in die Musik der Italiener einfließen, eigenständig bleibt diese allemal und durchgängig.

Ein Erlebnis ist dabei einmal mehr auch der Gesang des Francesco Di Giacomo. Flehend, flüsternd, anklagend, entschuldigend, theatralisch, fröhlich, traurig und nach noch viel mehr klingt seine Stimme. Auch wenn man nicht weiß oder versteht, was gerade im Text der Musik passiert, der Gesang des Francesco Di Giacomo scheint es durch den Klang seiner Stimme zu vermitteln. Das klingt lederzeit sehr beeindruckend und an keiner Stelle übertrieben. Die Lieder sind insgesamt alle sehr mehrschichtig aufgebaut, bestehen aus verschiedenen Passagen, welche ineinander überfließen. So finde ich noch nicht einmal ein Lied, welches den Höhepunkt der Scheibe darstellt. Vielmehr ist es so, dass in diesem Lied jener Abschnitt, in einem anderen Titel ein anderer Part besonders begeistert. Sehr abwechslungsreiche Musik. Um an dieser Stelle doch zwei Nummern zu erwähnen, seien hier der Opener, das Lied „Canto Nomade Per Un Prigioniero Politico“ sowie das letzte Stück des Albums, „Traccia II“, genannt. Erster Titel aufgrund seines Ideenreichtums und der Abwechslung, letzte Nummer aufgrund ihrer Melodiösität und fröhlichen Eingängigkeit.

Fazit: Banco Del Mutuo Soccorso zelebrieren auf ihrem dritten Album mit dem Titel „Io Sono Nato Libero” nicht die uneingeschränkte symphonische Harmonie, liefern diese allerdings phasenweise mit. Genau das macht diese Platte auch aus, diese breite Abwechslung, die es auf dem Album zu hören gibt: Italienischen Progressive Rock der 70er Jahre, unabhängig und eigenständig. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Canto Nomade Per Un Prigioniero Politico, Traccia II



Montag, 22. April 2019

Locanda Delle Fate – Forse Le Lucciole Non Si Amano Più




Locanda Delle Fate – Forse Le Lucciole Non Si Amano Più


Besetzung:

Giorgio Gardino – Schlagzeug, Vibraphon
Luciano Boero – Bass, Hammond Orgel
Ezio Vevey – Elektrische Gitarre, Akustische Gitarre, 12-String-Gitarre, Gesang, Flöte
Alberto Gaviglio – Elektrische Gitarre, Akustische Gitarre, 12-String-Gitarre, Gesang
Michele Conta – Piano Forte, Elektrisches Piano, Polymoog, Clavicembalo, Clavinet, Synthesizer
Oscar Mazzoglio – Hammond Orgel, Piano Fender, Moog, Polymoog, Synthesizer
Leonardo Sasso – Gesang


Label: Polydor


Erscheinungsjahr: 1977


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. A Volte Un Istante Di Quiete (6:32)
2. Forse Le Lucciole Non Si Amano Più (9:49)
3. Profumo Di Colta Bianca (8:26)
4. Cercando Un Nuovo Confine (6:42)
5. Sogno Di Estunno (4:42)
6. Non Chiudere A Chiave Le Stelle (3:35)
7. Vendesi Saggezza (9:38)

Bonus-Titel der CD-Ausgabe: 

8. New York (Bonustitel von 1978) (4:35)

Gesamtspieldauer: 54:02




Es gibt so Musik, die hört man zum ersten Mal und es beamt einem beim Lauschen sofort in andere Sphären. Bei noch aktiven Bands ging mir das so mit mancher Scheibe von Gazpacho und Motorpsycho. Beides norwegische Bands. Zur Zeit höre ich jede Menge italienischen Progressive Rock der eher frühen 70er Jahre. Grandios zum Teil. Doch gibt es auch Musik dieses Genres, die zu einer Zeit entstand, als die englischen Kollegen bereits im Pop versanken. Musik, die zur damaligen Zeit und auch heute immer noch absolut begeistert. Lieder einer weitestgehend unbekannten Band, in die man bereits beim ersten Kontakt perfekt eintauchen kann. Solche Musik findet sich auf dem Album „Forse Le Lucciole Non Si Amano Più“ der relativ kurzlebigen Formation Locanda Delle Fate. Dieses im Jahr 1977 veröffentlichte Album ist angefüllt mit symphonischen und melodischen Progressive Rock, der den Vergleich mit den englischen Kollegen in der ersten Hälfte der 70er Jahre nicht scheuen muss. Überhaupt stellt „Forse Le Lucciole Non Si Amano Più“ eine relativ späte Progressive Rock Veröffentlichung nicht für die italienische Musik dieses Genres dar.

„Forse Le Lucciole Non Si Amano Più“, das steht für melodischen Progressive Rock, der das Label „Rock“ durchaus zurecht trägt. Diese von den sieben Musikern zelebrierte Musik geht bereits beim ersten Mal des Hörens ins Ohr und gefällt auch nach sehr vielen Durchläufen immer noch. Ganz im Gegenteil sogar, die Lieder wachsen noch mit jedem weiteren Anhören und scheinen das Ohr immer intensiver zu umspielen und sich in diesem festzusetzen. Nichts ist dabei jedoch weichgespült, doch der Schwerpunkt der elegischen Keyboard- und Gitarren-Teppiche liegt ganz klar auf der Eingängigkeit. Die Musik ist angefüllt mit Harmonien, dabei sehr abwechslungsreich gehalten und schlägt immer wieder neue und überraschende Wege ein. Langweile kommt da beim Hören ganz bestimmt nicht auf.

Alles klingt und wirkt auf diesem Album von Locanda Delle Fate, was übersetzt wohl so viel wie „Gasthaus der Feen“ heißt. Und ganz schlecht ist dieser Name auch nicht gewählt, wenn man mit Feen „das Schöne“ in Verbindung bringt. Die Musik auf „Forse Le Lucciole Non Si Amano Più“ kann man durchaus mit dem Adjektiv „schön“ umschreiben. Dabei lässt die Übersetzung des Album-Titels „Vielleicht lieben sich Glühwürmchen nicht mehr gegenseitig“, etwas anderes vermuten. Irgendwie scheinen die Glühwürmchen dann doch zueinander zu finden und alles löst sich in ein schwärmerisches Hochgefühl auf. Alle Nummern auf diesem Album wirken und klingen überzeugend. Die Instrumente sind doppelt besetzt, die Lieder klingen voll und einnehmend. Die Höhepunkte stellen somit auch alle Lieder dieser Patte dar, die wunderbar aufeinander abgestimmt nur darauf warten gehört zu werden.

Fazit: Wer auf Harmonien und schwelgerische Melodien steht, die oder der wird mit „Forse Le Lucciole Non Si Amano Più“ von Locanda Delle Fate allerbestens bedient werden. Das Album klingt wie die melodiösen Passagen der frühen Genesis-Scheiben, allerdings mit italienischer Sprache versehen. 22 Jahre später sollte die Band noch ein eher poppiges Album veröffentlichen. Nochmals dreizehn Jahre später eine Scheibe mit Material, welches zur Zeit von „Forse Le Lucciole Non Si Amano Più“ entstand und damals nicht veröffentlicht wurde. Schade, dass diese Band nicht in den 70er Jahren weitergemacht hat, aber der Zeitgeist für den Progressive Rock war wohl verflogen – offensichtlich oder auch gut hörbar leider auch in Italien. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Forse Le Lucciole Non Si Amano Più, Vendesi Saggezza



Sonntag, 21. April 2019

Museo Rosenbach – Zarathustra




Museo Rosenbach – Zarathustra


Besetzung:

Giancarlo Golzi – drums, percussion, vocals
Alberto Moreno – bass and piano
Enzo Merogno – guitar, vocals
Pit Corradi – mellotron, hammond organ, vibraphone, farfisa electric piano
Stefano Galifi – vocals


Label: Sony Music (ursprünglich: Dischi Ricordi)


Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Zarathustra (20:32)
I. L‘Ultimo Uomo (3:57)
II. Il Re Di Ieri (4:39)
III. Al Di Là Del Bene E Del Male (2:41)
IV. Superuomo (6:30)
V. Il Tempio Delle Clessidre (2:45)
2. Degli Uomini (3:58)
3. Della Natura (8:23)
4. Dell‘Eterno Ritorno (6:18)

Gesamtspieldauer: 39:15



„Zarathustra“ heißt das Debut und für mehrere Jahrzehnte auch einzige Album der italienischen Progressive Rock Band Museo Rosenbach. Es wurde im Jahr 1973 ursprünglich auf dem Plattenlabel Dischi Ricordi veröffentlicht und erschien viele Jahre später in Form der Compact Disc auf den Labeln BMG und Sony Music. Das Album verkaufte sich mit Erscheinen nur sehr schleppend, was wohl am Boykott des italienischen Senders RAI lag, der die Band wohl zu Unrecht in der faschistischen Ecke vermutete. Grund hierfür ist die Bezugnahme auf Nitzsches „Also sprach Zarathustra“ und darin enthaltener Zitate sowie das Abbild einer Büste von Benito Mussolini auf dem Cover.

Auf der ursprünglichen LP war die erste Seite mit dem Titeltrack „Zarathustra“ ausgefüllt, die drei auf der zweiten LP-Seite vorhandenen Stücke nahmen inhaltlich Bezug auf das Titellied. Die Musik von Museo Rosenbach ist sehr Keyboard-lastig und deutlich rockiger als jene der italienischen Kollegen anderer Progressive Rock Bands der damaligen Zeit. Ist das Titellied, welches für die CD-Version des Albums in fünf Teile aufgegliedert wurde, noch sehr abwechslungsreich und verfügt über sanfte und melodische Passagen neben rockig treibenden Abschnitten, so steht bei den Liedern der ehemaligen zweiten Seite doch sehr viel mehr der Rock im Vordergrund. Dabei handelt es sich jedoch noch keineswegs um Hard Rock, allerdings um die sehr rockig ausgeprägte Variante des Genres Progressive Rock.

Das Lied „Zarathustra“ klingt dann doch sehr viel abwechslungsreicher als die ehemalige zweite Seite der LP. Dieses Lied ist mit seinen fünf Untertitel eine sehr unterhaltsame Reise durch die musikalischen Gefilde des italienischen Progressive Rocks. Treibende Passagen neben sehr sanften Abschnitten. Wunderschöne Melodien neben rhythmusorientierten, rockigen Bereichen dieses über zwanzigminütigen Stückes, lassen es auch zu einem Höhepunkt des italienischen Progs überhaupt werden. Dieses Lied alleine bewirkt schon, dass Museo Rosenbach zu einem lohnenden Hörerlebnis wird.

Fazit: Nach dem Debut „Zarathustra“ lösten sich Museo Rosenbach gleich wieder auf. Erfolglosigkeit war dabei wohl der Hauptantrieb. Schade ist dies allemal, denn bereits mit dem Titelstück ihres Albums „Zarathustra“ bewies die Band aus San Remo, dass sie den Progressive Rock durchaus zu bereichern vermochte. Das Album ist zwar nicht durchgängig auf höchstem Niveau gelungen, dennoch insgesamt – auch oder gerade wegen dem Titeltrack – sehr lohnenswert und stellt eine weitere Variante des italienischen Progressive Rocks der 70er Jahre dar. Elf Punkte.

Anspieltipps: Zarathustra



Samstag, 20. April 2019

Neu! – Neu!




Neu! – Neu!


Besetzung:

Michael Rother – guitar, bass guitar
Klaus Dinger – drums, guitar, bulbul tarang


Label: Grönland Records (ursprünglich: Brain Records)


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Krautrock


Trackliste: 

1. Hallogallo (10:07)
2. Sonderangebot (4:51)
3. Weissensee (6:46)
4. Jahresübersicht - Im Glück (6:53)
5. Jahresübersicht - Negativland (9:47)
6. Jahresübersicht - Lieber Honig (7:18)

Gesamtspieldauer: 45:44



„Neu!“ heißt das selbstbetitelte Debütalbum der deutschen Krautrock-Band Neu!, welches ursprünglich im Jahr 1972 auf dem Plattenlabel Brain Records veröffentlicht wurde. Eine Wiederveröffentlichung auf Compact Disc gab es am 29. Mai 2001 auf dem Label von Herbert Grönemeyer, Grönland Records. Neu!, das sind die beiden Musiker Michael Rother und Klaus Dinger, die 1971 Kraftwerk verlassen hatten und ihr neues Werk, wie die vorherigen Kraftwerk Platten, von Conny Plank produzieren ließen.

Die Musik auf „Neu!“ kann man ohne Weiteres mit dem Adjektiv „experimentell“ umschreiben. Drei Liedern des Albums fehlt es völlig an Melodie oder Rhythmus und sie stellen eher Klangkollagen oder Soundgebilde, denn Lieder im herkömmlichen Sinne dar. Dies sind die Nummern „Sonderangebot“ sowie die beiden „Jahresübersicht“-Stücke „Im Glück“ und „Lieber Honig“. „Hallogallo“ und „Weissensee“ besitzen dagegen durchaus eine Melodie sowie Rhythmus, der im ersten Fall etwas schneller, im zweiten Lied etwas langsamer vorangetrieben wird. Der dritte „Jahresübersicht“-Titel „Negativland“ ist dagegen sogar ein wenig rockig geraten.

Es ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach auch die Höhepunkte von Neu! auf „Neu!“ zu benennen. Es sind jedoch dann doch eher die Nummern mit Melodie und Takt, die zu überzeugen wissen. Gerade „Hallogallo“ bleibt sogar ein wenig hängen. Andererseits stellt solch eine Nummer wie „Jahresübersicht - Lieber Honig“, welches mit unfassbar schrägem Gesang und minimalistischen Gitarrenspiel ausgestattet wurde, der letztendlich in ein allgemeines Blubbern übergeht, durchaus ein Lied dar, welches man ebenfalls so schnell nicht mehr vergisst.

Fazit: Irgendwie abgefahren und sehr außergewöhnlich klingt die Musik von Neu! auf „Neu!“. Alleine schon bei jedem Titel von Musik zu sprechen ist gewagt. Musikalische Experimente werden auf dem Album in akustische Szenen gesetzt und können weniger begeistern, jedoch auf ihre spezielle Art faszinieren. „Neu!“ wird sicherlich nicht zum Lieblingsalbum taugen, aber neu ist der Weg ganz bestimmt, der hier beschritten wurde. Acht Punkte.

Anspieltipps: Hallogallo



Freitag, 19. April 2019

The Family Crest – The War Act I




The Family Crest – The War Act I


Besetzung:

Liam McCormick – lead vocals, guitar
John Seeterlin – bass
Anthony Franceschi – drums
Laura Bergmann – flute, percussion, vocals
George Mousa Samaan – trombone
Owen Sutter – violin, percussion
Charly Akert – cello, percusssion


Gastmusiker:

Etwa 200 weitere Musikerinnen und Musiker


Label: The Family Crest


Erscheinungsjahr: 2018


Stil: Independent Rock


Trackliste: 

1. To Love You (4:28)
2. It Keeps Us Dancing (5:59)
3. Take Tonight (2:54)
4. Rest (3:41)
5. Never Gonna Stop (4:02)
6. Daggers (4:10)
7. Waiting Still (5:21)
8. I Was Born (2:55)
9. Like A Light (3:52)
10. The Years (5:09)
11. The Mighty Echo (5:10)
12. The Rock’s Resting On Your Back (4:17)

Gesamtspieldauer: 52:04



The Family Crest ist eine US-amerikanische Independent Rock Band, die aus San Francisco, Kalifornien stammt. The Family Crest besteht aus sieben festen Mitgliedern zu denen sich je nach Anlass mehrere hundert weitere Musiker gesellen, die die orchestrale Untermalung der Lieder bewirken oder in Form von Chormitgliedern dem Sound der Band weitere Fülle verleihen. Bisher veröffentlichte die Band vier EPs, eine Kompilation und mit „The War Act I“ ihr drittes vollständiges Studioalbum, welches am 6. April 2018 veröffentlicht wurde.

Die Musik von The Family Crest klingt sehr melodiös, bombastisch, voll und dicht. Zu keiner Zeit und bei keinem Lied klingt diese aurale Fülle jedoch wie unangebrachter Überfluss, überkandidelt oder überladen. Die orchestrale Instrumentierung und der Einsatz von Chören wird bei The Family Crest keineswegs übertrieben, sondern passt perfekt zu dieser Musik, die schwelgerisch und mitunter hymnisch aus den Boxen strömt. Es ist wahrlich eine besondere und sogar außergewöhnliche Art der Pop-Musik, die man auf „The War Act I“ von The Family Crest zu hören bekommt. Denn glücklicherweise schaffen es die Lieder der Kalifornier trotz dieser klanglichen Fülle keineswegs nach Musical oder adaptierter Klassik zu klingen. Die einzelnen Stücke stehen für sich und verlassen das Genre Pop keineswegs. Es gibt dementsprechend selbstverständlich auch die zurückhaltenden Momente. Man hört sanften Gesang und eine akustische Gitarre und langsam schwillt das Lied an, bereichert nicht nur vom Anziehen des Tempos, des Rhythmus‘ und der Intensität in Form der Lautstärke, sondern eben auch von vielen verschiedenen Instrumenten und verschiedenen Chören.

Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle auch die Stimme des Liam McCormick bleiben. Diese erinnert in den hohen Passagen ein klein wenig an jene von Matt Bellamy von Muse und besitzt ebenfalls eine sehr große musikalische Breite. Liam McCormick hat darüber hinaus alle Lieder des Albums geschrieben und auch arrangiert. Die Musik auf „The War Act I“ tritt als Einheit auf und wirkt in sich geschlossen. Es gibt keine außergewöhnlichen Ausschläge nach oben, ebenso wenig wie solche nach unten. Alles wirkt und klingt und nimmt einen in seiner prallen Fülle mit. Die Lieder sind allesamt melodiös und gehen sehr gut ins Ohr. Jede und jeder mag da für sich ihre und seine eigenen Favoriten finden. In meinem Fall sind es die Lieder „It Keeps Us Dancing“, „Rest“ und „Daggers“. Der Ehrlichkeit halber hätte ich an dieser Stelle wohl auch jeden anderen Titel nennen können. Eingängig klingen sie alle.

Fazit: „The War Act I“ der US-amerkanischen Band The Family Crest ist eine durchaus außergewöhnliche Scheibe geworden. Pop-Musik in Verbindung mit orchestraler Instrumentierung und verschiedenen Chören. Kraftvoll und voll klingt diese Musik, die für sich selbst steht und so gar nichts mit zum Beispiel einem Musical gemein hat. „The War Act I“ klingt melodiös und eingängig. Da trifft es sich gut, dass sich die Band gerade auf einer ausgedehnten Deutschland-Tour befindet. Da lohnt sich der Besuch eines Konzertes. Zehn Punkte.

Anspieltipps: It Keeps Us Dancing, Rest, Daggers, Waiting Still



20/04/2019 – The Family Crest – Großkarlsbach – Frank’s Bodega
21/04/2019 – The Family Crest – Crailsheim – Jugendzentrum
22/04/2019 – The Family Crest – Wetzlar – Kulturzentrum Franzis
23/04/2019 – The Family Crest – Hannover – Cafe Glocksee
24/04/2019 – The Family Crest – Halle / Saale – Objekt 5 / Restaurant Ruine
25/04/2019 – The Family Crest – Holle – Das Glashaus
26/04/2019 – The Family Crest – Dresden – Dreikönigskirche
27/04/2019 – The Family Crest – Plauen – Malzhaus
28/04/2019 – The Family Crest – Berlin – Badehaus
30/04/2019 – The Family Crest – Viechtach – Altes Spital
01/05/2019 – The Family Crest – Coburg – Sonderbar
02/05/2019 – The Family Crest – Regensburg – W1
03/05/2019 – The Family Crest – Isny – Eberz Musikbar
04/05/2019 – The Family Crest – Bayreuth – Schokofabrik



Donnerstag, 18. April 2019

Banco Del Mutuo Soccorso – Banco Del Mutuo Soccorso




Banco Del Mutuo Soccorso – Banco Del Mutuo Soccorso


Besetzung:

Vittorio Nocenzi – organ, harpsichord, clarino, vocals
Gianni Nocenzi – piano, e-flat clarinet, vocals
Marcello Todaro – electric guitar, acoustic guitar, vocals
Renato D’Angelo – bass
Pier Luigi Calderoni – drums
Francesco Di Giacomo – lead vocals


Label: Sony BMG (ursprünglich Dischi Ricordi)


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. In Volo (2:13)
2. R.I.P. (Requiescant In Pace) (6:40)
3. Passagio (1:19)
4. Metamorfosi (10:52)
5. Il Giardino Del Mago (18:26)
     ...passo dopo passo...
     ...chi ride e chi geme...
     ...coi capelli sciolti al vento...
     Compenetrazione
6. Traccia (2:10)

Gesamtspieldauer: 41:43




Das selbstbetitelte Debut, der im Jahr 1969 gegründeten italienischen Progressive Rock Band Banco Del Mutuo Soccorso zeigt bereits an, wohin die musikalische Reise der Musiker auch mit den nächsten Alben gehen wird. Die ersten drei Alben veröffentlichten die Italiener in dem zeitlich engen Abstand von lediglich eindreiviertel Jahren. Der musikalische Stil der Band war dabei sehr schnell gefunden und wurde im Folgenden zunächst nur leicht variiert. Das Album „Banco Del Mutuo Soccorso“ erschien zum ersten Mal im März des Jahres 1972 auf dem Plattenlabel Dischi Ricordi und wurde später von Sony BMG wiederveröffentlicht.

Drei Dinge stehen bei der Musik von Banco Del Mutuo Soccorso im Vordergrund. Da ist zum einen die Tastenlastigkeit der Instrumente. Piano und Keyboard nehmen einen großen Anteil in der Kreation der Lieder ein. Das bedeutet wiederum nicht, dass es auf „Banco Del Mutuo Soccorso“ nicht auch mal ein Gitarren-Solo zu hören geben würde, doch der Schwerpunkt liegt sehr eindeutig auf eben jenen Tasteninstrumenten. Ein Vergleich zu den ersten Genesis-Alben ist von daher naheliegend und bietet sich an, doch steht die Musik von Banco Del Mutuo Soccorso für sich selbst und ist kein Abbild oder gar eine Kopie der englischen Kollegen.

Das liegt zum einen am zweiten Punkt, der die Musik der Italiener beherrscht. Dies ist der Gesang des Francesco Di Giacomo, der im Februar 2014 leider verstarb. Francesco Di Giacomo singt seine Texte mit solcher Leidenschaft und Inbrunst, die kaum einen Vergleich zu anderen Sängern zulassen. Seine Stimme geht in die Worte und die Musik ein und darin auf. Das klingt wahrlich beeindruckend, an manchen Stellen fast schon opernhaft. Ein besonderes, nicht alltägliches Erlebnis ist dies allemal. Drittens schließlich steht die Musik von Banco Del Mutuo Soccorso auf ihrem Debut-Album für sehr viel Melodiösität und ausladender Eingängigkeit, die sie auch in den treibenden und frickeligen Passagen nicht verliert. Über allem stehen diese Harmonien, die ins Ohr gehen. Dabei ist die Musik keineswegs „nur“ sanft und ruhig gehalten. Diese musikalischen Passagen gibt es selbstverständlich, wechseln sich jedoch mit rockigeren und ganz leicht experimentelleren Abschnitten ab, sodass auf dem Album jede Menge Abwechslung zu hören ist. Progressive Rock, der nach den 70er Jahren klingt, eigenständig für sich steht und ins Ohr geht.

Höhepunkte gibt es insgesamt sechs an der Zahl auf „Banco Del Mutuo Soccorso“, wobei die drei längeren Stücke der Platte noch mal ein wenig herausragen. In diesen hört man leidenschaftlichen, melodiösen und abwechslungsreichen Progressive Rock, der keinen Abklatsch des englischsprachigen Progressive Rocks darstellt, sondern für sich steht. Den Gesang versteht man dabei zwar nicht, wenn man des Italienischen nicht mächtig ist, doch die Art des Gesangs hilft einem dabei, vollständig in diese Musik eintauchen zu können. Sehr einnehmend.

Fazit: Mit ihrem Debut legen die italienischen Prog Rocker von Banco Del Mutuo Soccorso die Latte gleich sehr hoch. Durchaus anspruchsvoller, abwechslungsreicher und eigenständiger Progressive Rock ist auf dem ersten Album der Italiener zu hören. Mit den kurz darauf folgenden Scheiben werden Banco Del Mutuo Soccorso diesen ersten Eindruck ihrer Musik bestätigen. Wer auf die eher melodiöse Variante des Progressive Rocks steht, die oder der sollte hier mal ein Ohr riskieren, denn die Lieder auf dem Album wirken auch nach fast 50 Jahren seit ihrer Entstehung noch. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Metamorfosi



Mittwoch, 17. April 2019

Premiata Forneria Marconi – Per Un Amico




Premiata Forneria Marconi – Per Un Amico


Besetzung:

Flavio Premoli – piano, clavicembalo, hammond organ, mellotron, moog, lead locals
Fraco Mussida – acoustic & electric guitars, mandolin, lead vocals
Franz Di Cioccio – drums & percussion, vocals
Giorgio Piazza – bass, vocals
Mauro Pagani – flutes, violin, vocals


Label: BMG Records


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Appena Un Po‘ (7:43)
2. Generale! (4:18)
3. Per Un Amico (5:23)
4. Il Banchetto (8:39)
5. Geranio (8:04)

Gesamtspieldauer: 34:09



„Per Un Amico“ heißt das zweite Studioalbum der italienischen Progressive Rock Band Premiata Forneria Marconi. Das Album wurde im November 1972 ursprünglich auf dem Plattenlabel Numero Uno veröffentlicht. Die Wiederveröffentlichung auf Compact Disc erschien bei BMG Records. „Per Un Amico“ wurde demnach noch im selben Jahr veröffentlicht, wie das ebenfalls sehr gelungene Debüt der Italiener mit dem Titel „Storia Di Un Minuto“.

Damit nehme ich es bereits vorweg. Auch „Per Un Amico“ ist eine sehr gelungene Scheibe geworden. Wer auf die melodische Ausprägung des Progressive Rocks steht, wird von dieser Musik vollends eingefangen werden. Alles auf diesem Album klingt melodisch und eingängig und umgarnt das Ohr. Trotz dieser zahlreichen Harmonien in der Musik von Premiata Forneria Marconi auf „Per Un Amico“ besitzt die Platte durchaus auch Passagen, die etwas mehr Zeit beanspruchen, um vollends „erobert“ zu werden. Allzu frickelig oder experimentell wird die Musik der Band zwar nie, doch gibt es hier durchaus die berühmten Ecken und Kanten zu hören, die manche Musik deutlich spannender und abwechslungsreicher werden lassen.

Die Höhepunkte des Albums sind nur schwer oder gar nicht zu benennen. Es sind nur fünf Lieder vorhanden, die allesamt wirken und klingen. Es gibt weder einen Ausfall noch ein deutlich schwächeres Lied. Alles auf „Per Un Amico“ besitzt Qualität und weiß zu begeistern, wenn man sich auf diese Art der Musik denn einlassen kann. Klassische Themen wurden in den Liedern mit verarbeitet und es sind auch die für die Rockmusik eher unüblichen Instrumente, die das Gesamterlebnis „Per Un Amico“ nochmals deutlich aufwerten. Flöte, Cembalo, Violine und Mellotron im Zusammenspiel bewirken eine ganz eigene Atmosphäre. Und trotz dieser immer wieder eingesetzten Musik-Instrumente bleibt das Gehörte Rock Musik – bereichert durch eine besondere Instrumentierung.

Das Album wurde ein Jahr später übrigens auch noch in einer englischsprachigen Version unter dem Titel „Photos Of Ghosts“ veröffentlicht. Diesem war trotz seiner englischsprachigen Fassung weniger Erfolg beschieden als dem Original und das Album wurde und wird mit der ursprünglich italienischen Sprache auch weitaus besser bewertet. Selbst wenn man die Worte auf „Per Un Amico“ nicht versteht, so klingt diese Mischung aus gesungenem Text und der Musik absolut überzeugend und bereitet beim Hören jede Menge Spaß.

Fazit: Wer auf die melodische Variante des Progressive Rocks steht, die oder der wird mit „Per Un Amico“ von Premiata Forneria Marconi sehr viele schöne Minuten verleben – zumindest wenn sie oder er die Scheibe immer wieder auflegt. Mit einer Laufzeit von etwas über einer halben Stunde ist das Album nämlich keineswegs zu lang geraten – wahrscheinlich der einzige Nachteil der Scheibe. Eingängigen Progressive Rock gibt es auf dem Album zu hören, der sehr abwechslungsreich mit den Atmosphären spielt. Sehr gelungen. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Per Un Amico



Dienstag, 16. April 2019

Emma Bunton – My Happy Place




Emma Bunton – My Happy Place


Besetzung:

Emma Bunton – vocals


Gastmusiker:

Will Young – vocals on track 4
Jade Jones – vocals on track 6, backing vocals on track 9
Josh Kumra – vocals on track 7
Robbie Williams – vocals on track 9
Paul Meehan – keyboards
Hayley Sanderson – backing vocals on tracks 1, 3, 5, 6, 8 & 10
Adam Phillips – guitar on all tracks
Paul Barry – guitar on track 1 and 3
Patrick Mascall – guitar on track 3
Nick Squires – cello on tracks 7, 8 & 10


Label: BMG Rights Management


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Pop


Trackliste:

1. Baby Please Don‘t Stop (3:00)
2. I Wish I Could Have Loved You More (3:22)
3. Too Many Teardrops (3:00)
4. I Only Want To Be with You (3:57)
5. Don‘t Call Me Baby (4:05)
6. You‘re All I Need To Get By (2:48)
7. Come Away With Me (2:48)
8. Emotion (3:38)
9. 2 Become 1 (3:41)
10. Here Comes The Sun (3:08)

Gesamtspieldauer: 33:32



Mehr als zwölf Jahre nach ihrer letzten Solo-Platte veröffentlichte die englische Musikerin Emma Bunton mit dem Album „My Happy Place“ ihr viertes Studioalbum. „My Happy Place“ erschien am 12. April 2019 auf dem Plattenlabel BMG und beinhaltet insgesamt zehn Titel. Acht dieser Lieder sind Cover-Versionen ihrer Lieblingslieder, zwei Nummern des Albums hat sie neu in Zusammenarbeit mit Patrick Mascall und Paul Barry geschrieben und eingespielt.

Das ehemalige Spice Girl „Baby Spice“ hat sich viel Zeit gelassen mit ihrer neuen Veröffentlichung. In den zwölf Jahren zwischen dem dritten und vierten Album war sie eher im Radio als Moderatorin oder im Fernsehen und Filmen als Schauspielerin zu sehen. Das nun vorliegende Album „My Happy Place“ ist eine zu 100% radiotaugliche Platte geworden, welche eher unkomplizierte aber eingängige Pop Musik im Mainstream Sound beinhaltet. Will Young, Josh Kumra, Jade Jones sowie Robbie Williams begleiten die englische Sängerin bei vier Titeln und zweimal sind wohl auch in kurzen Einblendungen die Kinder der Emma Burton zu hören. Im Falle der Einleitung zum Beatles Cover „Here Comes The Sun“ klingt dies allerdings allzu rührselig. Essentiell ist die Musik auf „My Happy Place“ nicht, der Mehrwert der Interpretationen wird einem beim Hören der acht Cover-Titel oftmals nicht ganz bewusst.

Die Höhepunkte des Albums sind ganz klar die beiden neuen Nummern. „Baby Please Don‘t Stop“ und „Too Many Teardrops“ sind eingängige kleine Ohrwürmer, von denen man sich mehr auf „My Happy Place“ gewünscht hätte. Tolle kurze Songs, die gespielt und gehört Freunde bereiten und den Tag verschönern. Bei diesen beiden Titeln klingt die Musik der Emma Bunton spannend und die Stimme des ehemaligen Spice Girls weiß hier ebenfalls zu überzeugen. Die Cover-Version des Candie Payne Liedes „I Wish I Could Have Loved You More“ wird von den beiden neuen Nummern eingebettet und kann von den Interpretationen am meisten überzeugen. Dadurch wird gerade der Beginn des Albums zu einem sehr hörenswerten Erlebnis.

Fazit: Mit etwas über einer halben Stunde Laufzeit ist „My Happy Place“, das vierte Solo-Album der Emma Bunton, ein wenig kurz geraten. Darauf zu hören gibt es radiotauglichen Pop, der immer dann sehr überzeugend und gut klingt, wenn es sich um neue Lieder handelt. Die Interpretationen bereits älterer Titel können da deutlich weniger überzeugen – Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Die ersten drei Lieder auf „My Happy Place“ sind die Höhepunkte der Scheibe und sehr hörenswert. Davon hätte man sich mehr gewünscht. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Baby Please Don‘t Stop, Too Many Teardrops, I Wish I Could Have Loved You More



Montag, 15. April 2019

Le Orme – Uomo Di Pezza




Le Orme – Uomo Di Pezza


Besetzung:

Michi Dei Rossi – drums, percussion, tubular bells
Toni Paglicua – celeste, electronics, keyboards, mellotron, organ, piano, synthesizer
Antonio Pagliuca – keyboards
Aldo Tagliapietra – bass, chitarrone, guitar, guitar, 12 string acoustic guitar, vocals


Gastmusiker:

Gian Piero Reverberi – piano on track 1


Label: Philips Records


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Una Dolcezza Nuova (5:31)
2. Gioco Di Bimba (2:56)
3. La Porta Chiusa (7:32)
4. Breve Immagine (2:45)
5. Figure Di Cartone (3:51)
6. Aspettando L’Alba (4:45)
7. Alienazione (4:44)

Gesamtspieldauer: 32:04



Le Orme wurde im Jahr 1966 gegründet und entwickelte sich schnell zu einer Band, die mit stilbildend war für italienische Ausprägung des Progressive Rocks. Die Band ist bist heute aktiv, einzig verbleibendes Mitglied von damals ist allerdings lediglich noch der Schlagzeuger Michi Dei Rossi. „Uomo Di Pezza“ ist das bereits vierte Studioalbum von Le Orme und erschien im Jahr 1972 auf dem Plattenlabel Philips Records.

Le Orme stehen für die melodische Ausprägung des Progressive Rocks. Dies belegt auch das Album „Uomo Di Pezza“. Selten einmal wird es darauf frickeliger oder klingt gar umständlich. Zumeist durchfließen sanfte Melodiebögen den Raum, die sich weich und angenehm im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers verfangen. Harmonien gibt es auf diesem Album zu hören und damit wird an keiner Stelle gespart. Viele nur sanft instrumentierte Passagen werden wunderschön durch ebenfalls sanften Gesang ergänzt. Es entsteht ein Gesamtgebilde aus Melodiösität, welches eingängiger kaum sein könnte. Dazu benötigt man noch nicht einmal viele Durchläufe der Scheibe und schon hat man diese Melodien im Ohr.

Kritiker werden sagen, dass ein wenig mehr Ecken und Kanten dem Ganzen gut getan hätten, denn diese gibt es wahrlich nicht oft auf dieser Scheibe zu hören. Einzig das Lied „La Porta Chiusa“ prescht zumindest phasenweise ein wenig fordernder nach vorne, klingt insgesamt ein klein wenig rockiger, nicht ganz so eingängig und benötigt etwas mehr Zeit, bis es sich ebenso vollends erschließt, wie die restlichen Nummern der Platte. Doch dieses Lied ist die Ausnahme auf „Uomo Di Pezza“ und keineswegs der Maßstab. Der Rest des Albums klingt sanft und melodiös. Höhepunkte gibt es viele unter den sieben Titeln. Besser sollte man allerdings an dieser Stelle erwähnen, dass es keine Ausfälle gibt und „Uomo Di Pezza“ vom ersten bis zum letzten Akkord überzeugt. Sieben Höhepunkte auf 32 Minuten verteilt. Ein recht kurzes Vergnügen das Ganze, doch das scheint bei den italienischen Progressive Rockern der frühen 70er Jahre leider Standard gewesen zu sein. Darin unterschiedet sich „Uomo Di Pezza“ von Le Orme nicht von anderen Veröffentlichungen dieses musikalischen Genres aus Italien der damaligen Zeit.

Fazit: Eingängigen und melodiösen Progressive Rock aus Italien gibt es auf „Uomo Di Pezza“ von Le Orme zu hören. Wer die sanften und melodiösen Stellen in der Musik von Genesis, Yes und Kollegen zu Beginn der 70er Jahre mag, die oder der wird ebenfalls in die Lieder von Le Orme bestens eintauchen können. Den Text versteht man zwar nicht, ist man des Italienischen nicht mächtig, doch die Gesangsstimme des Aldo Tagliapietra ergänzt diese Musik nahezu perfekt. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Gioco Di Bimba, Breve Immagine, Aspettando L’Alba



Sonntag, 14. April 2019

Prag – Premiere




Prag – Premiere


Besetzung:

Eric Lautenschläger
Nora Tschirner
Tom Krimi


Gastmusiker:

Achim Färber
Ingo Günther
Paul Keeves
Stephan Kunz
Marco Paschke
Steffen Zimmer
Rahel Rilling
Kim Roloff
Eva Höge
Dávid Adorján
Valentin Priebus


Label: Tynska Records


Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Pop


Trackliste:

1. Leisestreichler (3:00)
2. Sophie Marceau (3:26)
3. Zeit (4:07)
4. Zweiter (2:40)
5. Drehbuch (4:00)
6. Vögel (3:28)
7. Einfach (3:21)
8. Und jeder hält die Luft an (3:31)
9. Bis einer geht (2:55)
10. Einkauf (3:06)
11. Argumente tausendfach (3:22)
12. Warten (2:25)
13. Einfach (3:22)
14. Ende (6:36)

Gesamtspieldauer: 49:24



Prag ist eine deutsche Band, die im Jahr 2012 von Erik Lautenschläger und Tom Krimi gegründet wurde. Ergänzt wurde die Besetzung durch Nora Tschirner, die Erik Lautenschläger bereits aus der Schule kannte. Das Debütalbum „Premiere“ erschien am 25. Januar 2013 auf dem Plattenlabel Týnská Records.

Auf „Premiere“ hört man sehr sanfte, mitunter fast schon zerbrechlich klingende Musik, die zumeist sehr leise instrumentiert wird und dabei auch sehr weich – hauptsächlich von Erik Lautenschläger – eingesungen wurde. Gerade die Instrumentierung vervollständigt diesen sanften Gesamteindruck der Musik von Prag, die zum Teil vom Prager Filmorchester beigesteuert wurde. Akustische Gitarren und Streicher stehen neben dem Gesang durchgängig im Mittelpunkt der Musik. Nora Tschirner begleitet an der einen oder anderen Stelle Erik Lautenschläger gesanglich oder ist an der Gitarre zu hören.

Sehr melodiös und eingängig klingt die Musik von Prag. Mitunter vielleicht sogar zu weich, da Erik Lautenschläger diese Grundstimmung mit seiner Stimme an der einen oder anderen Stelle fast schon zu überzeichnen scheint. Trotzdem klingt das schön, melodiös und eingängig, was Prag hier zu Gehör bringen. Die Höhepunkte des Albums sind das Lied „Zweiter“, dazu die Singleauskopplung und das wohl bekannteste Lied von Prag, die Nummer „Bis einer geht“ sowie das letzte Stück des Albums „Ende“. Alle drei Stücke beeindrucken durch Melodiösität und Harmonien im Überfluss. Die ersten beiden Lieder zeichnen sich auch durch einen schönen Duett-Gesang aus, wohingegen das Lied „Ende“ im Bereich des Chamber Pops angesiedelt ist. Viele Orchester-Instrumente sind dort zu hören und eine Erik Lautenschläger der beweist, dass er auch sehr hoch singen kann.

Fazit: Für alle, die auf sehr sanfte Musik stehen, ist das erste Album „Premiere“ der Band Prag bestens geeignet. Für die eine oder den anderen mag das fast schon etwas übertrieben weich klingen, ins Ohr geht diese Musik trotzdem. Die vierzehn Lieder unterhalten zudem allesamt, was „Premiere“ letztendlich dann doch zu einer hörenswerten Scheibe werden lässt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Zweiter, Bis einer geht, Ende



Samstag, 13. April 2019

Premiata Forneria Marconi – Storia Di Un Minuto




Premiata Forneria Marconi – Storia Di Un Minuto


Besetzung:

Franco Mussida – electric & acoustic guitar, 12 string guitar, mandocello, lead vocals (tracks 2,4 and 6), backing vocals
Flavio Premoli – organ, piano, mellotron, harpsichord, minimoog, lead vocals (tracks 3 and 7), backing vocals
Mauro Pagani – flute, piccolo, violin, backing vocals
Giorgio Piazza – bass, backing vocals
Franz Di Cioccio – drums, moog synthesizer, gadgets, backing vocals


Label: Sony BMG (Ursprünglich: Numero Uno)


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste: 

1. Introduzione (1:10)
2. Impressioni Di Settembre (5:43)
3. È Festa (4:51)
4. Dove... Quando... (Parte 1) (4:06)
5. Dove... Quando... (Parte 2) (6:00)
6. La Carrozza Di Hans (6:45)
7. Grazie Davvero (5:51)

Gesamtspieldauer: 34:29



Premiata Forneria Marconi ist eine italienische Progressive Rock Band, die sich im Jahr 1970 endgültig zusammenfand und bis heute noch aktiv ist. Premiata Forneria Marconi ist dabei eine der wenigen Bands des italienischen Progressive Rocks, die auch außerhalb ihres Heimatlandes erfolgreich war. Bis zum heutigen Tag hat die Band siebzehn Studioalben veröffentlich, das bisher letzte Album erschien im Jahr 2017. „Storia Di Un Minuto“ heißt das Debut von Premiata Forneria Marconi und wurde im Jahr 1972 ursprünglich auf dem italienischen Plattenlabel Numero Uno veröffentlicht.

Wer die melodische Ausrichtung des Progressive Rocks mag, die oder der wird auch ganz bestimmt „seine“ Musik auf „Storia Di Un Minuto“ finden. Abwechslungsreiche Melodien, Rhythmen und Stimmungen umschwirren das Ohr beim Hören, zumeist wissen die Lieder sich dabei auch festzusetzen. Die Italiener verstehen das Spiel mit den Atmosphären und ganz egal, ob die Musik etwas rockiger, frickeliger oder auch melodisch harmonisch klingt, die einzelnen Titel wissen zu überzeugen. Schnell hat man sich in die Musik eingehört und kann in die Welt von Premiata Forneria Marconi eintauchen – wenn man auch vom Inhalt der Lieder nichts versteht. Der italienische Progressive Rock steht durchaus für sich selbst, doch diese Art, welche von Premiata Forneria Marconi zu Beginn ihrer langen Karriere zelebriert wird, erinnert sehr viel eher an die frühen Genesis, denn an zum Beispiel Emerson, Lake & Palmer. Die Eingängigkeit steht immer im Vordergrund, weniger der experimentelle Ansatz.

Das bedeutet freilich nicht, dass die einzelnen Stücke einfach aufgebaut wären. Die sieben Stücke sind mehr oder weniger komplexe Lieder, die äußerst abwechslungsreich gehalten sind, sich entwickeln und verändern und dabei jederzeit Spaß machen, falls man dem Progressive Rock wohlgesonnen ist. Das klingt mal sanft, zart und zerbrechlich, ein anderes Mal voll und orchestral. Einen Höhepunkt der Scheibe zu benennen ist da fast schon unmöglich, da alles auf „Storia Di Un Minuto“ klingt und wirkt. Das Album kann in einem, ohne jeglichen Qualitätsverlust durchgehört werden und unterhält durchgängig. Allzu lange hält der Spaß dafür allerdings leider nicht an, denn nach etwas über einer halben Stunde Spielzeit ist schließlich bereits Schluss. Ein Nachteil einer ansonsten sehr guten Scheibe.

Fazit: Auf „Storia Di Un Minuto“ von Premiata Forneria Marconi hört man die eingängige Variante des Progressive Rocks der 70er Jahre. Die Platte ist mit einer Laufzeit von etwas über einer halben Stunde zwar sehr kurz geraten doch das, was man hört, überzeugt auf diesem Album. Progressive Rock, der auch nach so vielen Jahren noch spannend und unterhaltend und oft auch mitreißend klingt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: La Carrozza Di Hans



Freitag, 12. April 2019

Peter Murphy – Cascade




Peter Murphy – Cascade


Besetzung:

Peter Murphy – vocals


Gastmusiker:

Anna Ross – backing vocals
Gary Twigg – bass
Geoff Dugmore – drums
Kevin Armstrong – guitar
Michael Brook – infinite guitar
Paul Statham – guitar, keyboards, programming


Label: Beggars Banquet Records


Erscheinungsjahr: 1995


Stil: Alternative Rock


Trackliste: 

1. Mirror To My Woman’s Mind (5:34)
2. Subway (4:35)
3. Gliding Like A Whale (4:23)
4. Disappearing (4:55)
5. Mercy Rain (3:43)
6. I’ll Fall With Your Knife (4:30)
7. The Scarlet Thing In You (4:22)
8. Sails Wave Goodbye (4:44)
9. Wild Birds Flock To Me (3:47)
10. Huuvola (5:53)
11. Cascade (6:10)

Bonus Tracks der remasterten Album-Wiederveröffentlichung:

12. Wild Birds Flock To Me (5:05)
13. Groovy Place (Demo) (4:16)
14. Wish (Production Rough Mix) (4:11)
15. Sail On White (Production Rough Mix) (5:21)
16. Satin Nights (Cascade) (Production Rough Mix) (7:14)

Gesamtspieldauer: 1:18:50




„Cascade“ heißt das fünfte Solo-Studioalbum des englischen Musikers Peter Murphy. Es wurde am 11. April 1995 auf dem Plattenlabel Beggars Banquet Records veröffentlicht. Es ist Peter Murphys letztes Album auf diesem Label und gleichzeitig das erste Album ohne seine Band The Hundred Men, die sich nach der Tour zum letzten Album „Holy Smoke“ aufgelöst hat. Den Titel „Disappearing“ schrieb Peter Murphy alleine, die anderen Lieder des Albums entstanden in Zusammenarbeit von ihm und Paul Statham, der auf „Cascade“ an der Gitarre und den Keyboards zu hören ist.

Das Album ist eine sehr eingängige Platte geworden. Nur sehr wenig darauf klingt schräg oder gar experimentell. Alternative Rock, der jedoch eindeutig dem Musiker Petzer Murphy zuzuordnen ist. Etwas dunkel vielleicht, zumeist im Mid-Tempo angesiedelt, doch bestimmt nicht allzu außergewöhnlich oder besonders. Peter Murphy besinnt sich auf seine Stärken, sein ausdrucksstarker Gesang steht durchgängig im Mittelpunkt der Lieder, die allesamt zügig ins Ohr gehen. Die Qualität der Titel lässt im Laufe des Albums ein klein wenig nach, jedoch nicht viel. Genauso wie es keine Ausfälle gibt, so sind allerdings auch die Höhepunkte eher rar gesät. „Cascade“ bewegt sich häufig im musikalischen Mittelfeld.

Am Überzeugendsten klingt für mich der Titel „I’ll Fall With Your Knife“, welcher eine Melodie aufweist, die auch noch ein wenig länger nachhallt, diesen gewissen Groove aufweist, der in die Beine geht und diese zum Mitwippen anregt. Überdies ist es ein Lied, welches bereits beim ersten Mal des Hörens überzeugt. Schließlich sollte an dieser Stelle auch noch das Titellied „Cascade“ Erwähnung finden, denn dieses stellt eine kleine Ausnahme auf dem Album dar. Das Lied verfügt über eine sehr elektronische Instrumentierung und auch bezüglich der Melodie und des Aufbaus ist es am ehesten noch in die Richtung „kleines Experiment“ tendierend. Mit Sicherheit dann doch etwas Besonderes auf dieser Platte. Dies gilt im Übrigen auch für die noch längere Version des Liedes, die in den Bonus-Tracks enthalten ist.

Fazit: „Cascade“ ist insgesamt sicherlich nicht der ganz große Wurf des Peter Murphy geworden. Allerdings ist es eine Scheibe, die keine Ausfälle, dafür jedoch ein paar sehr hörenswerte Glanzlichter enthält. Dazu gesellt sich der unverwechselbare Gesang des Peter Murphy und fertig ist das insgesamt doch gut unterhaltende Album. Alternative Rock im eher dunklen Stil. Neun Punkte.

Anspieltipps: I’ll Fall With Your Knife, Cascade