Mittwoch, 11. August 2021

A-ha – Memorial Beach

 



A-ha – Memorial Beach


Besetzung:

Morten Harket – vocals
Magne Furuholmen – keyboards, backing vocals
Pål Waaktaar – guitars, drum programming, backing vocals


Gastmusiker:

Jørun B. Bøgeberg – bass guitar
Per Hillestad – drums
J.D. Steele – backing vocals on (2, 6)
Jevetta Steele – backing vocals (2, 6)
Kat Wilson– backing vocal (2, 6)




Erscheinungsjahr: 1993


Stil: Rock


Trackliste:

1. Dark Is The Night For All (3:45)
2. Move To Memphis (4:22)
3. Cold As Stone (8:19)
4. Angel In The Snow (4:13)
5. Locust (5:08)
6. Lie Down In Darkness (4:31)
7. How Sweet It Was (6:02)
8. Lamb To The Slaughter (4:20)
9. Between Your Mama And Yourself (4:15)
10. Memorial Beach (4:36)

Gesamtspieldauer: 49:35



„Memorial Beach“ heißt das fünfte Studioalbum der norwegischen Band A-ha. Es erschien am 14. Juni 1993 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Records. Das Album wurde hauptsächlich in Prince‘s Paisley-Park-Studios in den USA aufgenommen, war allerdings gleichzeitig das letzte Album von A-ha, was dort veröffentlicht wurde und konnte sich dort nicht einmal mehr in den U.S. Billboard 200 Charts platzieren. In England wie in Deutschland erreichte „Memorial Beach“ Platz 17 der Charts, in Norwegen selbstverständlich Platz 1.

Dabei klingt „Memorial Beach“ richtig gut, ist allerdings keine Mainstream-Pop-Musik mehr, wie noch das Debutalbum „Hunting High And Low“ acht Jahre zuvor. Auf „Memorial Beach“ hört man spannenden und auch eingängigen Rock, der erneut hauptsächlich von Pål Waaktaar geschrieben wurde. Lediglich „Lamb To The Slaughter“ stammt von Magne Furuholmen und das Lied „Move To Memphis“ ist eine Co-Produktion der beiden A-ha-Musiker. Das Album erklingt sehr abwechslungsreich mit rockigen und sanfteren Titeln, die niemals in die Belanglosigkeit abgleiten. Man hört keine Ausfälle auf „Memorial Beach“ und die Musik des Albums erinnert eher an U2 als an die Wurzeln von A-ha selbst.

Magne Furuholmen sieht das Eröffnungslied „Dark Is The Night For All“ als Höhepunkt des Albums an. Ein Lied, welches mich dann doch sehr an die Ursprünge der erinnert, was auf diesem Album jedoch eher die Ausnahme, denn die Regel darstellt. Mein klarer Favorit auf diesem Album ist das Lied „Cold As Stone“. In diesem achtminütigen Stück lassen A-ha die Musik, die Atmosphäre des Liedes wirken, sie geben dem Titel Zeit sich zu entwickeln. Der Höhepunkt des Albums und eines der besten Lieder von A-ha überhaupt. Und dazu gesellt sich der Umstand, dass auch die restlichen Lieder der Platte zu überzeugen wissen. Jede Nummer klingt und wirkt auf ihre Weise – rockig und spannend. Freilich hat diese Musik nichts mehr mit der zugegebenermaßen auch gelungenen Pop-Musik zu Beginn der Karriere der Band zu tun. Auf „Memorial Beach“ hört man, wie sich eine Band wirklich musikalisch anspruchsvoll entwickelt. Dass sich dies dann nicht mehr ganz so erfolgreich verkauft wie der Mainstream der Musik ist vielleicht bedauernswert, jedoch definitiv eine Tatsache.

Fazit: Nach diesem Album war erst mal Schluss mit A-ha. Obwohl nicht offiziell verkündet, gingen die Musiker anschließend Solo-Projekten nach. Das nächste Album sollte erst sieben Jahre später erscheinen. Schade, denn „Memorial Beach“ macht Spaß zu hören. Hier bekommt man fast keinen Pop mehr serviert, sondern spannenden und ebenfalls eingängigen Rock. Dieser variiert von sanft bis hin zum Mid-Tempo. Eine Hard Rock Band werden A-ha sicherlich nie, müssen sie auch nicht, denn auf „Memorial Beach“ haben sie ihren überzeugenden Stil gefunden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Cold As Stone



Montag, 9. August 2021

Cheap Trick – At Budokan

 



Cheap Trick – At Budokan


Besetzung:

Robin Zander – lead vocals, rhythm guitar
Rick Nielsen – lead guitar, backing vocals
Tom Petersson – bass, backing vocals
Bun E. Carlos – drums




Erscheinungsjahr: 1978


Stil: Rock, Hard Rock


Trackliste:

1. Hello There (2:26)
2. Come On, Come On (3:18)
3. Lookout (3:01)
4. Big Eyes (3:55)
5. Need Your Love (8:57)
6. Ain't That A Shame (5:17)
7. I Want You To Want Me (3:45)
8. Surrender (4:24)
9. Goodnight Now (3:11)
10. Clock Strikes Ten (4:03)

Gesamtspieldauer: 42:22



„At Budokan“ ist das erste Live-Album der US-amerikanischen Band Cheap Trick und wurde im Oktober 1978 in Japan und anschließend im Februar 1979 in den USA auf dem Plattenlabel Epic Records veröffentlicht. In der Liste der „500 Greatest Albums Of All Time“ des Rolling Stone Magazins steht es auf Platz 426. Aufgenommen wurde das Album am 28. und 30. April 1978 im Nippon Budokan in Tokio. Im Jahr 1994 erschien schließlich auch noch das Album „Budokan II“, welches sich aus noch nicht veröffentlichtem Material dieser Japan-Tour sowie zusätzlichen Liedern aus den Japan-Tourneen von 1979 und 1994 zusammensetzt. „At Budokan“ ist das Album von Cheap Trick, welches sich weltweit am besten verkaufte.

Mit den Liedern „Lookout“ und „Need Your Love“ enthält „At Budokan“ zwei bis dahin unveröffentlichte Tracks. Ursprünglich war eine Veröffentlichung außerhalb Japans gar nicht geplant, erst durch den großen Erfolg dort und zahlreiche Importe in die USA wurde es weltweit veröffentlicht. Auf „At Budokan“ hört man ziemlich geradlinigen Rock bis Hard Rock, der auch ganz viel seiner Energie aus dem mächtigen und ohrenbetörenden Geschrei der wohl meist weiblichen japanischen Fans schöpft, die zwischen – und manchmal auch während – der einzelnen Titel zu hören sind.

Richtig wohltuend für heutige Ohren ist es da, dass mit dem Lied „Need Your Love“ auch eine Nummer enthalten ist, die nicht kurz und bündig ihre „Rock-Energie“ hinauskatapultiert, sondern sich entwickelt, eine lange Instrumentalpassage enthält und die Musik auch dort mit den Fans interagiert. Ansonsten klingt die Musik auf „At Budokan“ zwar kraftvoll, allerdings ist sie durchgängig – bis auf kurze Ausnahmen – immer im selben Stil gehalten. Das Album wurde zwar in Japan aufgenommen, klingt allerdings sehr viel eher nach AOR für männliche, amerikanische Jugendliche. Somit bleiben als Höhepunkte das bereits erwähnte „Need Your Love“ sowie der Smash-Hit von Cheap Trick schlechthin, das Lied „I Want You To Want Me“, welches in dieser Version sogar bis auf Platz 7 der Billboard Hot 100 Charts kletterte.

Fazit: Relativ geradlinigen Hard Rock bekommt man auf „At Budokan“ zu hören. Mag man es AOR oder Mainstream der 70er Jahre nennen, die Musik unterscheidet sich durch das Geschrei der japanischen Fans doch etwas von entsprechenden Studio-Aufnahmen. Die Lieder rocken und gehen ins Ohr. Lediglich die Abwechslung fehlt etwas – leider auch bei einer Spielzeit von lediglich knapp einer Dreiviertelstunde. Neun Punkte.

Anspieltipps: Need Your Love, I Want You To Want Me



Samstag, 7. August 2021

Bob Dylan – Shot Of Love

 



Bob Dylan – Shot Of Love


Besetzung:

Bob Dylan – guitar, harmonica, percussion, piano, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Carolyn Dennis – background vocals
Steve Douglas – saxophone
Tim Drummond – bass guitar
Donald Dunn – bass guitar
Jim Keltner – drums
Ringo Starr – drums on "Heart of Mine"
Clydie King – background vocals
Danny Kortchmar – electric guitar
Regina McCrory – background vocals
Carl Pickhardt – piano
Madelyn Quebec – background vocals
Steve Ripley – guitar
Fred Tackett – guitar
Ronnie Wood – guitar on "Heart Of Mine"
William "Smitty" Smith – Hammond organ
Benmont Tench – keyboards
Monalisa Young – background vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 1981


Stil: Pop, Rock, Gospel


Trackliste:

1. Shot Of Love (4:21)
2. Heart Of Mine (4:35)
3. Property Of Jesus (4:36)
4. Lenny Bruce (4:35)
5. Watered-Down Love (4:13)
6. The Groom's Still Waiting At The Altar (4:05)
7. Dead Man, Dead Man (4:03)
8. In The Summertime (3:36)
9. Trouble (4:37)
10. Every Grain Of Sand (6:11)

Gesamtspieldauer: 44.57



„Shot Of Love“ heißt das 21. Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Bob Dylan. Es wurde am 10. August 1981 ursprünglich auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht. Es ist die letzte Platte Bob Dylan einer Trilogie mit christlichen Alben. „Slow Train Coming“ aus dem Jahr 1979 sowie „Saved“ im Jahr 1980 waren die beiden anderen Alben mit christlichen Texten. Auf „Shot Of Love“ hört man eine Mischung aus Pop und Rock mit ein paar Gospel-Einsprengseln.

Nun, die Musik auf „Shot Of Love“ klingt durchaus eingängig, geht also ins Ohr. Seine christlichen Botschaften stoßen natürlich nicht überall auf Gegenliebe, doch Bob Dylan versucht mit seinen Texten keinesfalls zu missionieren. Es bewegt ihn eben, von daher alles gut. Doch auch wenn die Musik eingängig und melodiös ist und klingt, so richtig hängenbleiben mag sie nicht. Die absoluten Höhepunkte… falsch. Die Höhepunkte fehlen auf der Platte, die so in einem Rutsch durchläuft ohne zu viele Spuren zu hinterlassen. Mal etwas poppig, dann wieder rockiger, Folk und dann sogar mal ein Rock’n’Roll. Schließlich auch Gospelmusik, Blues oder soll es lieber ein Reggae sein? Nun, all das gibt es auf „Shot Of Love“ zu hören. Meist ganz nett, doch so richtig einfangen kann mich diese Musik nicht. Vielleicht liegt es auch daran, weil Bob Dylan hier eine umfangreiche Reise durch so viele musikalische Genres angetreten ist.

Trotzdem befinden sich auf dem Album einige Titel, die sich lohnen gehört zu werden. Besonders die letzte Nummer des Albums „Every Grain Of Sand“. Mit dieser kann man so wunderschön in die Musik des Bob Dylan eintauchen. Vielleicht, weil sie das längste Lied auf dem Album ist? Nun, nicht nur dies. „Every Grain Of Sand“ erklingt mit schöner Melodie, klingt insgesamt getragen und Bob Dylan an der Mundharmonika war schon immer etwas Besonderes.

Fazit: Absolut überzeugen kann „Shot Of Love“ nicht. Liest man im Internet gehen die Meinungen auseinander. Einige meinen, dass dieses Album unterbewertet wären. Das empfinde ich im Gesamtwerk des Bob Dylan nicht so. „Shot Of Love“ ist kein schlechtes Album. Jedoch ist es auch nicht der Höhepunkt im Schaffen des Bob Dylan. Mich persönlich stören auch die vielen verschiedenen Genres, die hier bedient werden. Trotzdem höre ich einige Lieder sehr gern. Musiker haben es nicht leicht, oder? Neun Punkte.

Anspieltipps: Every Grain Of Sand



Donnerstag, 5. August 2021

Imagine Dragons – Evolve

 



Imagine Dragons – Evolve


Besetzung:

Dan Reynolds – lead vocals, keyboards, backing vocals, acoustic guitar
Wayne Sermon – electric guitar, backing vocals, acoustic guitar
Ben McKee – bass guitar, keyboards, backing vocals
Daniel Platzman – drums, percussion, backing vocals




Erscheinungsjahr: 2017


Stil: Pop


Trackliste:

1. I Don‘t Know Why (3:10)
2. Whatever It Takes (3:21)
3. Believer (3:24)
4. Walking The Wire (3:52)
5. Rise Up (3:51)
6. I‘ll Make It Up To You (4:22)
7. Yesterday (3:25)
8. Mouth Of The River (3:41)
9. Thunder (3:07)
10. Start Over (3:06)
11. Dancing In The Dark (3:53)

Gesamtspieldauer: 39:17



„Evolve“ nannte die US-amerikanische Band Imagine Dragons ihr drittes Studioalbum, welches am 23. Juni 2017 auf dem Plattenlabel Interscope Records veröffentlicht wurde. „Evolve“ erreichte Platz 2 der US Billboard 200 und auch in Deutschland kletterte das Album bis auf Platz 3 der Charts. Die Lieder „Believer“, „Thunder“, „Whatever It Takes“ und „Next To Me“ wurden zur Unterstützung des Albums als Singles ausgekoppelt.

Dass sich „Evolve“ erfolgreich verkaufte muss nicht weiter überraschen, denn die allermeisten Lieder des Albums sind sehr eingängig. Man benötigt zudem nicht zu viele Durchläufe der Musik, dass sie sich im Ohr festsetzt. Allerdings handelt es sich bei diesen „Ohrwürmern“ zumeist um Stücke, die bereits nach wenigen weiteren Durchläufen schon wieder nerven. Denn eines ist klar zu hören, alle Titel sind auf Massenkompatibilität getrimmt, so etwas nennt man dann wohl ein überaus erfolgreiches, kommerzielles Album. Die Band hat für ihren Erfolg also alles richtig gemacht, auch wenn kaum etwas anspruchsvoll auf dieser Platte klingt. Mitunter glaubt man sogar eine Boygroup herauszuhören. Ganz schlimm zum Beispiel beim Stück „Start Over“.

Nein, so richtig und endgültig kann mich bei diesem Pop-Album nichts überzeugen. Natürlich gibt es auch ein paar Nummern, die lassen sich noch hören. Wenn ich denn wirklich einen Höhepunkt benennen müsste, dann wäre dies das Lied „Believer“, leichte Rap-Ansätze und ein Refrain, der dann doch mal etwas länger hängenbleibt. Und der ganze Rest? Der bewegt sich irgendwo zwischen „Noch ganz okay“ und „Nein, brauche ich nicht“. Wo jemand welchen Titel dabei ansiedelt bleibt sicherlich Geschmackssache. Der kommerzielle Ansatz schwebt dabei allerdings immer über allem.

Fazit: Ein kommerzielles und erfolgreiches Pop-Album haben Imagine Dragons mit „Evolve“ veröffentlicht. Das tut natürlich keinem weh, doch die Scheibe ist halt leider überaus langweilig, getrimmt auf den schnellen Erfolg. Alles richtig gemacht Imagine Dragons, Geld sollt ihr ja auch mit Eurer Musik verdienen. Ich steige bei solchen Ansätzen aber leider aus, ist mir zu langweilig und geht auch anders. Sorry. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Believer, Walking The Wire



Dienstag, 3. August 2021

Alice Cooper – Killer

 



Alice Cooper – Killer


Besetzung:

Alice Cooper – vocals, harmonica
Glen Buxton – lead guitar
Michael Bruce – rhythm guitar, keyboards, backing vocals
Dennis Dunaway – bass guitar, backing vocals
Neal Smith – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Bob Ezrin – keyboards
Rick Derringer – additional guitar "Under My Wheels" and "Yeah, Yeah, Yeah"




Erscheinungsjahr: 1971


Stil: Rock


Trackliste:

1. Under My Wheels (2:51)
2. Be My Lover (3:21)
3. Halo Of Flies (8:22)
4. Desperado (3:30)
5. You Drive Me Nervous (2:28)
6. Yeah, Yeah, Yeah (3:39)
7. Dead Babies (5:45)
8. Killer (6:58)

Gesamtspieldauer: 36:56



„Killer“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Band Alice Cooper und wurde am 27. November 1971 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Records veröffentlicht. Das Album erreichte Platz 21 der US-Billboard 200 Albumcharts und die beiden ausgekoppelten Singles „Be My Lover“ und „Under My Wheels“ platzierten sich in den Billboard Hot 100 Charts auf Platz 49 beziehungsweise 59.

„Killer“ ist ein klasse Album geworden, welches rockt und dabei auch die Grenzgebiete des Rocks ausleuchtet. Zunächst möchte man das gar nicht vermuten, denn mit „Under My Wheels“ beginnt das Album mit einem fast schon alltäglichen Rock’n’Roll, der dafür natürlich massentauglich ist, wie die Platzierung in den Charts beweist. Sehr viel spannender klingen Alice Cooper allerdings zum Beispiel beim Titel „Halo Of Flies“. Angeblich der Versuch der Band auch progressiven Rock wie King Crimson zu spielen und dies auch zu können. Nun, das Lied klingt nicht nach King Crimson, ist allerdings sehr abwechslungsreich und durchaus auch dem Genre Progressive Rock zuzuordnen. Gewiss ein Höhepunkt auf Killer.

Auch die beiden Lieder „Dead Babies“ und das Titellied „Killer“ weisen schon durch ihre etwas längere Laufzeit darauf hin, dass sich in diesen Liedern einiges entwickeln könnte. Und das macht es auch. Das Lied „Dead Babies“ hatte nach der Albumveröffentlichung einige Diskussionen zur Folge, obwohl es sich inhaltlich um ein „Anti-Kindermissbrauch“-Lied handelt. Musikalisch entwickeln sich beide Stücke und spielen mit verschiedenen Atmosphären, was die Musik nochmals spannender werden lässt. Dass „Killer“ in kurzem „Lärm“ ausklingt, ist dabei zu verkraften.

Ansonsten sind auch die restlichen Lieder auf „Killer“ gut hörbar und wirken nicht so, als ob sie jetzt bereits ein halbes Jahrhundert alt seien. Jederzeit lässt sich „Killer“ gut hören und hält mit dem etwas langweilig ausgefallen Eröffnungslied lediglich einen Schwachpunkt für die Hörerin beziehungsweise den Hörer parat.

Fazit: „Killer“ von Alice Cooper ist ein kurzweiliges und spannendes Album geworden, welches auch heute noch nicht nach einem halben Jahrhundert Vergangenheit klingt. Gerade die längeren Stücke überzeugen sehr und weisen Merkmale des Progressive Rocks auf. Johnny Rotten von den Sex Pistols bezeichnete „Killer“ übrigens als das beste Rockalbum aller Zeiten. Und der muss es doch wissen, oder? Elf Punkte.

Anspieltipps: Halo Of Flies, Dead Babies, Killer



Sonntag, 1. August 2021

Roy Harper – Return Of The Sophisticated Beggar

 



Roy Harper – Return Of The Sophisticated Beggar


Besetzung:

Roy Harper – guitar, vocals


Gastmusiker:

Bert Jansch – additional guitar
John Renbourn – guitar
Paul Brett – guitar
Lon Goddard – second guitar on "Goldfish" and "October 12th."




Erscheinungsjahr: 1966


Stil: Folk


Trackliste:

1. China Girl (3:39)
2. Goldfish (2:52)
3. Sophisticated Beggar (5:11)
4. My Friend (4:12)
5. Big Fat Silver Aeroplane (3:44)
6. Blackpool (5:15)
7. Legend (3:51)
8. Girlie (3:06)
9. October The Twelfth (5:56)
10. Black Clouds (4:37)
11. Mr. Station Master (3:08)
12. Forever (3:34)
13. Committed (3:27)
14. Hup Hup Spiral (0:40)

Gesamtspieldauer: 53:17



„Sophisticated Beggar“ oder bei späteren Veröffentlichungen „The Return Of The Sophisticated Beggar“ heißt das erste Album des englischen Folk Sängers Roy Harper, der auch Einfluss auf die progressive Rockszene hatte. Mir war Roy Harper ursprünglich nur bekannt als Sänger des Liedes „Have A Cigar“ von Pink Floyd auf deren Album „Wish You Were Here“. 22 Alben veröffentlichte der Musiker von 1966 bis zum Jahr 2013. Seitdem ist kein neues Album des Engländers mehr erschienen, jedoch gab der heute 80-jährige Musiker bis zur Corona-Pandemie immer noch Konzerte.

„The Return Of The Sophisticated Beggar“ beinhaltet hauptsächlich Folk Musik, wie sie typisch für die Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts war. Dazu gesellt sich mitunter ein orientalisch angehauchter Gesang, der ansonsten auch mal etwas schräger klingen kann. Kleinere musikalische Experimente inklusive, die heute nicht mehr großartig auffallen würden, damals jedoch bereits in die progressive Richtung wiesen, da die Musik eben nicht mehr nur melodisch klingt, sondern auch mal unharmonisch. Ursprünglich hatte das Album lediglich dreizehn Titel, bei späteren Veröffentlichungen wurde dann der Sprechgesang „Hup Hup Hup Hup…“ in Form eines vierzigminütigen Stücks vom Lied „Commited“ abgetrennt, zu dem er ursprünglich als Ausklang gehörte.

Nun, Folk von Bob Dylan oder Joan Baez klingt definitiv eingängiger als jener von Roy Harper auf „The Return Of The Sophisticated Beggar“. Dafür sind auf diesem Album experimentellere Momente enthalten. Da wird auch mal gelacht oder etwas falsch gesungen, eine Spinne auf einem Mikro erwähnt und dem Orient gefrönt. Abwechslung durchaus, neue Wege auch und von daher musikhistorisch ganz bestimmt interessant. Musikalisch überzeugend ist das Ganze heute allerdings nicht mehr.

Fazit: Das erste Album des Roy Harper „The Return Of The Sophisticated Beggar“ weist sehr viel Abwechslung in Form bis zu diesem Zeitpunkt ungehörter Töne und Stilmittel auf. Besonders eingängig finde ich das Ganze allerdings nicht, trotzdem hört man, welch toller Musiker Roy Harper ist und ein Wegbeschreiter eines Weges, der erst noch erschaffen werden musste. Von daher durchaus spannend. Neun Punkte.

Anspieltipps: My Friend



Samstag, 31. Juli 2021

Big Big Train – Common Ground

 



Big Big Train – Common Ground


Besetzung:

Nick D’Virgilio – drums, percussion, vocals, mellotron, ebow guitar, synthesizer, cp70, fender rhodes electric piano. Arpeggiator, soundscapes
David Longdon – lead and backing vocals, acoustic guitar, mellotron, synthesizer, electric 6 and electric 12-sting guitars, vibraphone, tambourine, flute
Rikard Sjöblom – piano, hammond organ, farfisa organ, fender rhodes piano, church organ, mellotron, vocals, electric 6 and electric 12-sting guitars, fender rhodes and wurlitzer electric piano, clavinet
Gregory Spawton – bass, bass pedals, acoustic guitar, 12-sting acoustic guitar, mellotron, vocals


Gastmusiker:

Carly Bryant – vocals
Dave Foster – guitars
Aiden O’Rourke – violin and soundscapes
Dave Desmond – trombone
Stuart Roberts – trumpet
Nick Stones – french horn
John Storey – euphonium
John Truscott – tuba




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. The Strangest Times (5:07)
2. All The Love That We Can Give (8:05)
3. Black With Ink (7:23)
4. Dandelion Clock (4:14)
5. Headwaters (2:26)
6. Apollo (7:50)
7. Common Ground (4:53)
8. Atlantic Cable (15:06)
9. Endnotes (6:58)

Gesamtspieldauer: 1:02:06



Big Big Train waren mit ihrer Musik schon immer Grenzgänger zwischen Pop, Rock und Progressive Rock. Und gerade dieser progressive Ansatz im Stile der englischen Bands in den frühen 70er Jahren machte für mich auch den Reiz der Musik von Big Big Train aus. Mit ihren letzten Alben „Folklore“ (2016), „Grimspound“ (2017), „The Second Brightest Star“ (2017) sowie „Grand Tour“ (2019) konnten sie dieses musikalische Genre neben dem 2009er Album „The Underfall Yard“ gut abbilden. Wenn ich nur an „Roman Stone“ vom Album „Grand Tour“ denke… großes Kino für mich.

Doch was hört man nun auf ihrem dreizehnten Studioalbum mit dem Titel „Common Ground“?

Um es gleich vorweg zu nehmen, viele der Zutaten, die die Musik von Big Big Train auch vorher bereits ausmachten, sind auch auf „Common Ground“ enthalten. Das gibt es diesen mehrstimmigen Gesang, der immer wieder überzeugt und irgendwie besonders klingt. Es gibt in den Liedern Tempo- und Rhythmuswechsel und vor allen Dingen das Spiel mit den musikalischen Atmosphären haben die Musiker nicht verlernt. Da wird man in sanfte Melodien eingehüllt, dann prescht die Musik wieder zielstrebig nach vorne. Das ist zu hören in den Liedern mit Gesang, aber auch in den zwei Instrumentalstücken „Headwaters“ und „Apollo“. Ganz besonders gelungen empfinde ich auch immer wieder den Bläsereinsatz in den Liedern von Big Big Train, der gerade auf diesem Album den letzten Titel „Endnotes“ zu einem wahrlich hymnischen und feierlichen Abschluss des Albums werden lässt.

Und natürlich entwickeln sich die Lieder mit jedem weiteren Durchlauf weiter, wie dies häufig bei progressiver Musik der Fall ist. Oftmals muss man sich diese Musik erst mal genauer erschließen, bis man sie richtig genießen kann. Genauso ist es mit den Titeln auf „Common Ground“, die mir mit jedem weiteren Mal des Hörens besser gefallen. Alles gut also? Nicht ganz, denn die oben bereits erwähnte Mischung aus Pop, Rock und progressiven Tönen schwenkt für meinen Geschmack manchmal doch ein wenig zu sehr in Richtung des Pops. Gleich beim Eröffnungsstück „The Strangest Times“ musste ich beim ersten Anhören erst mal schlucken. Das klingt schon sehr nach groovendem Pop, den ich von Big Big Train so nicht erwarte und auch von dieser Band gar nicht so hören möchte. Auch das Titellied, eine Mischung aus Folk und Pop und Rock kann mich da nicht so restlos überzeugen und klingt für mich etwas zu alltäglich.

Doch genug kritisiert, Musik ist und bleibt immer auch Geschmackssache. Und da packen mich am ehesten solch Lieder wie „Dandelion Clock“. Nicht nur, dass David Longdon hier ganz ähnlich wie Peter Gabriel singt, auch ansonsten klingt die Nummer wie eine kleine Reminiszenz an Genesis in den 70er Jahren. Die beiden bereits erwähnten Instrumentalnummern gehen auch gut und abwechslungsreich ins Ohr und das gilt ebenso für „Atlantic Cable“, dem längsten Lied auf „Common Ground“. Viele Wendungen, sowohl vom Tempo, wie vom Rhythmus und auch von den Melodien lassen diesen Titel zu einer kleinen musikalischen Reise werden, die Spaß macht angetreten zu werden. Und der bereits erwähnte wunderschöne Abschluss mit dem Lied „Endnotes“ steht stellvertretend für das Besondere in der Musik von Big Big Train.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich an dieser Stelle auch die schöne Aufmachung der CD in Form eines kleinen Büchleins. Da hat sich jemand richtig Mühe gegeben und dies wertet die CD nochmals auf.

Fazit: Auch wenn „Common Ground“ mich nicht ganz so überzeugt wie manches Vorgängeralbum von Big Big Train, so ist es doch ein hörenswertes Album geworden. Wer Big Big Train mag, wird darauf sicherlich etwas für sich entdecken. Die paar poppigen Stellen zu viel werden durch klasse, deutlich progressivere Abschnitte aufgewogen. Für mich ein lohnenswertes Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Dandelion Clock, Endnotes



Donnerstag, 29. Juli 2021

Amon Düül II – Tanz der Lemminge

 



Amon Düül II – Tanz der Lemminge


Besetzung:

Chris Karrer – guitars, violin, vocals
John Weinzierl – guitars, piano, vocals
Lothar Meid – bass, double bass, vocals
Peter Leopold – drums, percussion
Karl-Heinz Hausmann – electronics
Falk Rogner – organ, electronics


Gastmusiker:

Jim Jackson – organ, choir-organ, piano
Alois Gromer – sitar
Renate Knaup-Kroetenschwanz – vocals
Rolf Zacher – vocals




Erscheinungsjahr: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Syntelman‘s March Of The Roaring Seventies (15:51)

a) In The Glass Garden (1:39)
b) Pull Down Your Mask (4:39)
c) Prayer To The Silence (1:04)
d) Telephonecomplex (8:26)

2. Restless Skylight-Transistor-Child (19:33)

a) Landing In A Ditch (1:12)
b) Dehypnotized Toothpaste (0:52)
c) A Short Stop At The Transylvanian Brain-Surgery (5:00)
d) Race From Here To Your Ears (5:30)
- Little Tornadoes (2:08)
- Overheated Tiara (1:46)
- The Flyweighted Five (1:26)
e) Riding On A Cloud (2:33)
f) Paralyzed Paradise (3:07)
g) H.G. Wells‘ Take Off (1:26)

Chamsin Soundtrack:

3. The Marilyn Monroe Memorial Church (18:05)
4. Chewinggum Telegram (2:41)
5. Stumbling Over Melted Moonlight (4:33)
6. Toxicological Whispering (7:45)

Gesamtspieldauer: 1:08:47



Das dritte Album der deutschen Krautrockband Amon Düül II mit dem Titel „Tanz der Lemminge“ war ursprünglich, wie schon die Vorgängerscheibe „Yeti“, als Doppelalbum erschienen. Allerdings handelt es sich in diesem Fall im Grunde genommen um zwei Platten. Ursprünglich stellte die erste LP das eigentliche Album dar, auf der zweiten Scheibe hört man dagegen die Filmmusik zum Film „Chamsin“, also den entsprechenden Soundtrack. Veröffentlicht wurde „Tanz der Lemminge“ im März 1971 auf dem Plattenlabel United Artists Records.

Die ehemalige erste Seite des Albums, also das Lied „Syntelman‘s March Of The Roaring Seventies“, wurde hauptsächlich von Chris Karrer geschrieben und wird größtenteils von der akustischen Gitarre beherrscht. Viele Ideen wurden hier zusammengetragen, meist sehr melodiös klingend, die dann durchaus stimmig miteinander verwoben wurden. „Restless Skylight-Transistor-Child“, die ehemalige zweite Seite des Doppelalbums, entspringt mehr den Ideen des anderen Gitarristen der Band, John Weinzierl. Jetzt klingen Amon Düül II um einiges härter als noch mit dem vorherigen Lied. Jetzt wird durchaus auch mal sehr heftig gerockt und nicht immer müssen die Melodien ein Wohlgefühl auslösen, denn das Gehörte klingt nun auch mal schräg und verschroben. Aber auch sphärische Passagen weist das Stück auf, ebenfalls gelungen mit den rockigeren Abschnitten verbunden.

Damit wären wir bereits beim ersten und einzigen Stück auf der ehemaligen dritten Schallplattenseite, das erste Lied des Soundtracks „The Marilyn Monroe Memorial Church“. Diese Nummer klingt von sphärisch bis experimentell, weist nicht immer eine Melodie auf, sondern spielt konsequent mit den Atmosphären. Das wird mal brachial, mal sehr spacig umgesetzt. Die restlichen drei Stücke beinhalten dann schließlich wieder etwas mehr „Struktur“, wobei „Toxicological Whispering“ sogar richtig cool groovt.

Fazit: Insgesamt stellt „Tanz der Lemminge“ eine sehr experimentelle Scheibe dar, die der Band auch sehr viel Ansehen im Ausland einbrachte. Möchte man mal progressive Rockmusik „Made in Germany“ hören, wie sie sich Anfang der 70er Jahre präsentierte, so wird man mit diesem Album bestens bedient. Klar, auf die Musik sollte man sich konzentrierten, das ist nichts, was man einfach so nebenbei hören könnte. Konzentration lohnt hier definitiv. Und „Tanz der Lemminge“ macht mit jedem weiteren Hören irgendwie noch mal mehr Laune. Garantiert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Syntelman‘s March Of The Roaring Seventies



Dienstag, 27. Juli 2021

A.R. & Machines – Transformation (Remixe 96)

 



A.R. & Machines – Transformation (Remixe 96)


Besetzung:

Achim Reichel – echo guitar (aufgenommen zwischen 1970 und 1974)


Gastmusiker:

Michael Wehr – keyboard and rhythm programming
Jochen Petersen – soprano saxophone and flute
Olaf Casalich – percussion
Edgar Froese – keyboards




Erscheinungsjahr: 1996


Stil: Psychedelic Rock, Pop


Trackliste:

1. Chasing Rainbows / Das Träumen Hinterher (4:23)
2. Esoteric Eric (5:48)
3. Gone With The Wind / Hinfort Mit Dem Wind (5:49)
4. Jay Guru Dev (5:09)
5. In The Inn Of Sixth Sense/ In der Herberge Zum Sechsten Sinn (5:25)
6. Prickel Pit (6:50)
7. In The Labyrinth Of The Mind / Im Irrgarten Des Geistes (4:48)
8. Saxoflow (5:42)

Gesamtspieldauer: 43:57



Achim Reichel war den neuen technischen Möglichkeiten in der Musik schon immer sehr zugetan. Sonst hätte er wohl auch nie A.R. & Machines gegründet. Im Jahr 1995 machte er dann Bekanntschaft mit einem computergestützten Hard Disc Recording System. Zusammen mit Michael Wehr, der sich die Vertriebsrechte für einen solchen Rechner namens „Audioframe“ gesichert hatte, bereitete Achim Reichel einige seiner Lieder im Jahr 1996 neu auf – unter Zuhilfenahme eben jener neuen technischen Möglichkeiten.

Das Ergebnis, welches man auf „Transformation (Remixe 96)“ zu hören bekommt, bewegt sich in einem Bereich, der mit Psychedelic Rock nur noch sehr wenig zu tun hat. Man hört auf dieser Scheibe Synthesizer-Musik, die oftmals poppig klingt und an manchen Stellen sogar tanzbar ist. Muss man mögen oder eben nicht. An manchen Stellen klingt das ganz interessant, „Esoteric Eric“ und „In The Inn Of Sixth Sense/ In der Herberge Zum Sechsten Sinn“ seien an dieser Stelle genannt. Wenn ein Lied wie „In The Labyrinth Of The Mind / Im Irrgarten Des Geistes“ allerdings mit künstlichen Streichern überfrachtet wird, finde zumindest ich da deutlich schlechter einen Zugang zu. Und solch poppige Nummern wie „Prickel Pit“ mögen für die Disco oder den Club sicherlich geeignet sein, Begeisterungsstürme werden damit allerdings nicht mehr erzeugt.

Fazit: Lieder mit den neuen technischen Möglichkeiten zu bearbeiten gerade, wenn es sich um Instrumentalmusik handelt, ist definitiv eine interessante Angelegenheit, zumal dadurch fast ganz neue Lieder zu entstehen scheinen. Nicht immer klingt das allerdings restlos überzeugend. Und genau das ist auch mit den überarbeiteten Stücken von Achim Reichel passiert. Klingt mal interessant, mal irgendwie seltsam. Sehr viel Geschmackssache. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Esoteric Eric, In The Inn Of Sixth Sense



Sonntag, 25. Juli 2021

Coldplay – Everyday Life

 



Coldplay – Everyday Life


Besetzung:

Guy Berryman – bass guitar, percussion
Will Champion – drums and percussion, keyboards, backing vocals, guitar
Jonny Buckland – guitars, keyboards
Chris Martin – lead vocals, guitars, piano, keyboards


Gastmusiker:


Aluna – choir vocal
Garine Antreassian – choir vocal
Jocelyn 'Jozzy' Donald – choir vocal
Nadeen Fanous – choir vocal
Marwa Kreitem – choir vocal
Apple Martin – choir vocal
Moses Martin – choir vocal
Bashar Murad – choir vocal
Ben Oerlemans – choir vocal
Bill Rahko – choir vocal
Norah Shaqur – choir vocal
Stromae – vocals
Omorinmade Anikulapo-Kuti – alto saxophone (track 7)
Babatunde Ankra – trombone (track 7)
Drew Goddard – guitar
Daniel Green – keyboards
Samir Joubran – oud
Wissam Joubran – oud
Adnan Joubran – oud
Femi Kuti – horn
Made Kuti – orchestrionics
Ayoola Magbagbeola – tenor saxophone
Max Martin – keyboards
Gbenga Ogundeji – trumpet
Bill Rahko – keyboards
Davide Rossi – strings
Rik Simpson – keyboards


Label: Parlophone


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Pop


Trackliste:

1. Sunrise (2:31)
2. Church (3:50)
3. Trouble In Town (4:38)
4. Broken (2:30)
5. Daddy (4:58)
6. WOTW / POTP (1:16)
7. Arabesque (5:40)
8. When I Need A Friend (2:35)
9. Guns (1:55)
10. Orphans (3:17)
11. Èkó (2:37)
12. Cry Cry Cry (2:47)
13. Old Friends (2:26)
14. Bani Adam (3:14)
15. Champion Of The World (4:17)
16. Everyday Life (4:18)

Gesamtspieldauer: 53:36



„Everyday Life“ heißt das achte Studioalbum der britischen Band Coldplay. Es wurde am 22. November 2019 auf dem Plattenlabel Parlophone in Europa und auf Atlantic Records in den USA veröffentlicht. Das Album ist in zwei Hälften unterteilt, wobei die erste Hälfte mit „Sunrise“ und die zweite Hälfte mit „Sunset“ betitelt ist. Zwischen beiden Hälften finden sich acht „Lieder“, die lediglich das Läuten von Big Ben wiedergeben, nicht in den Credits des Albums zu finden sind und auf dem Computer als „G“, „O“, „D“, „=“, „L“, „O“, „V“, „E“ erscheinen. Insgesamt dauert dieser Einschub ganze 39 Sekunden. Mit den Liedern „Orphans“, „Arabesque“, „Everyday Life“ und „Champion Of The World“ wurden insgesamt vier Singles zur Unterstützung des Albums ausgekoppelt.

Die musikalischen Stile auf „Everyday Life“ reichen von Pop über Rock zu Soul, Folk, Gospel und sogar klassischen Adaptionen, wie man mit dem Eröffnungslied „Sunrise“ sogleich hören kann. Durch diesen Stilmix kommt man unweigerlich in die Situation, nicht alles auf dieser Platte gut zu finden, soweit man sich nicht in allen genannten Genres zu Hause fühlt. Auf solch Titel wie „Broken“ oder „Cry Cry Cry“ hätte zumindest ich gut verzichten können. Viele der weiteren Stücke klingen ganz nett, ohne dabei jedoch das Potential zu besitzen längerfristig hängenzubleiben. Angenehm zum Anhören, aber das war es dann auch schon.

Ganz anders sieht das beim Lied „Trouble In Town“ aus. Tolle poppig-rockige Nummer mit einer überwiegend sehr düsteren, getragenen Stimmung, die zwischendrin auch mal eskaliert. Davon hätte ich gern mehr auf diesem Album gehört. Ebenfalls noch sehr überzeugend klingen Coldplay beim letzten Stück und gleichzeitig dem Titellied „Everyday Life“. Diese Nummer hätte so auch auf einem der ersten Coldplay Alben enthalten sein können. Schöne, eingängige Melodie dazu der sehnsüchtig klingende Gesang des Chris Martin. Das passt perfekt.

Kommerziell erfolgreich war „Everyday Life“ auf jeden Fall. In Deutschland kletterte das Album zwar „Lediglich“ bis auf Platz 4 der Charts, dafür erreichte es jedoch im Vereinigten Königreich und den USA sogar die Spitze der entsprechenden Album-Hitparaden. In Großbritannien übrigens zum achten Mal, beim achten Album.

Fazit: Nicht alles überzeugt auf „Everyday Life“, dem achten Studioalbum von Coldplay. Doch die Platte besitzt durchaus auch ihre Höhepunkte. Leider hat die Band ihren Stilmix hier ein klein wenig übertrieben, sodass man sich schwer auf die Musik einstellen kann. Ein einmal betretender Pfad wird dabei sofort wieder verlassen. Gewiss, das sorgt für Abwechslung – allerdings auch für etwas Seufzen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Trouble In Town, Everyday Life



Freitag, 23. Juli 2021

Little Feat – Feats Don‘t Fail Me Now

 



Little Feat – Feats Don‘t Fail Me Now


Besetzung:

Paul Barrère – guitar, vocals
Sam Clayton – percussion, vocals
Lowell George – vocals, guitar
Kenny Gradney – bass
Richie Hayward – drums, vocals
Bill Payne – keyboards, vocals


Gastmusiker:

Gordon DeWitty – clavinet ("Spanish Moon")
Fred White – drums ("Spanish Moon")
Emmylou Harris – backing vocals
Bonnie Raitt – backing vocals
Fran Tate – backing vocals
Tower of Power – horns




Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Blues, Funk


Trackliste:

1. Rock & Roll Doctor (2:58)
2. Oh Atlanta (3:29)
3. Skin It Back (4:12)
4. Down The Road (3:46)
5. Spanish Moon (3:06)
6. Feats Don‘t Fail Me Now (2:27)
7. The Fan (4:29)
8. Medley: Cold Cold Cold / Tripe Face Boogie (9:59)

Gesamtspieldauer: 34:29



„Feats Don‘t Fail Me Now“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Little Feat. Es erschien am 9. August 1974 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Music. Das Album-Cover wurde erneut von Neon Park gestaltet.

Auch auf dieser Platte hört man ein Little Feat Album mit viel Blues Musik und zusätzlich einigen funkigen Ausflügen. Das klingt inzwischen leider überholt und überaus langweilig. „Feats Don‘t Fail Me Now“ ist mit noch nicht einmal 35 Minuten Spieldauer sowieso sehr kurz ausgefallen. Doch auf dem Album befindet sich mit dem Titel „Medley: Cold Cold Cold / Tripe Face Boogie“ ein zehnminütiges Stück, was bereits auf dem zweiten Album „Sailin‘ Shoes“ in Form der zwei Lieder enthalten ist. Zwar werden beide Nummern hier etwas variiert, doch ein Album mit einer Interpretation von sich selbst zu veröffentlichen weist auf ganz viel Einfallslosigkeit hin.

Dies zumal, weil die Lieder auf „Feats Don‘t Fail Me Now“ inzwischen absolut langweilig und belanglos klingen. Nichts davon bleibt hängen, nichts davon möchte man öfters hören. Klar experimentieren die Musiker hier bei den Titeln. „The Fan“ und auch das bereits erwähnte Medley „Cold Cold Cold / Tripe Face Boogie“ fischen sogar etwas in dem damals gerade aktuellen Progressive Rock, indem sie an der einen oder anderen Stelle experimenteller klingen, doch das lässt „Feats Don‘t Fail Me Now“ noch lange nicht zu einem interessanten, geschweige denn guten Album werden.

Die einzige Nummer, die sich etwas lohnt auf „Feats Don‘t Fail Me Now“ gehört zu werden ist das eben erwähnte „The Fan“. Etwas experimenteller, etwas aufwendiger, etwas besser. Der ganze Rest des Albums ist längst überholt. Und sich selbst zu interpretieren, dazu gehört bei solch kurzer Laufzeit jede Menge Abgezocktheit.

Fazit: Langweilige Musik, irgendwo zwischen Blues und Funk angesiedelt. Der Blues überwiegt allerdings. Inzwischen wirkt und klingt das alles langweilig und leider absolut belanglos. Und sich selbst in Form eines Medleys auf einem Album zu interpretieren zeugt von ganz wenig Kreativität. Drei Punkte.

Anspieltipps: The Fan



Mittwoch, 21. Juli 2021

AnnenMayKantereit – Alles Nix Konkretes

 



AnnenMayKantereit – Alles Nix Konkretes


Besetzung:

Christopher Annen – Gitarre
Henning May – Gesang, Klavier, Gitarre
Severin Kantereit – Schlagzeug
Malte Huck – Bass


Gastmusiker:

Ferdinand Schwarz – Trompete („Bitte bleib”)
Julia Gruber – Posaune („Bitte bleib”)


Label: Vertigo


Erscheinungsjahr: 2016


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Oft gefragt (3:13)
2. Pocahontas (3:04)
3. Es geht mir gut (2:40)
4. 3. Stock – 4:12)
5. Wohin du gehst (2:59)
6. Mir wär‘ lieber, du weinst (3:17)
7. Bitte bleib (4:41)
8. Neues Zimmer (2:57)
9. Barfuß am Klavier (3:15)
10. 21, 22, 23 (2:48)
11. Länger bleiben (4:36)
12. Das Krokodil (2:42)

Gesamtspieldauer: 40:29



„Alles Nix Konkretes“ heißt das erste offizielle Studioalbum der Kölner Band AnnenMayKantereit. Es wurde am 18. März 2016 auf dem Plattenlabel Vertigo beziehungsweise Universal Music veröffentlicht und kletterte bereits in der Woche des Erscheinens auf Platz 1 in die deutschen und österreichischen Albumcharts.

Die zwölf Lieder auf „Alles Nix Konkretes“ gehen alle schnell ins Ohr, sind dabei häufig eher ruhig und sanft gehalten. Doch ab und an ziehen die vier Musiker auch mal das Tempo an und dann wird sogar deutlich und innig gerockt und gegroovt. Markenzeichen der Musik von AnnenMayKantereit ist sicherlich die raue Stimme des Henning May, die unabhängig von der Stimmung des jeweiligen Liedes immer perfekt zu passen scheint.

In diesem Mix aus getragenen Tönen und rockigeren Ansätzen überzeugen mich gerade die eher ruhigeren Stellen auf „Alles Nix Konkretes“. Die Lieder „Oft gefragt“, „Neues Zimmer“ und „Barfuß am Klavier“ bilden dabei die melodiösen Höhepunkte des Albums. Lieder zum Träumen und im Falle von „Oft gefragt“ auch mit einem Text ausgestattet, der rührt. Da sich jedoch auch die anderen Lieder durchaus lohnen gehört zu werden, ist „Alles Nix Konkretes“ eine gute Scheibe geworden, die Spaß macht und es sogar schafft die Gefühle von Hörerinnen und Hörern anzuregen.

Fazit: Das Debut von AnnenMayKantereit überzeugt mit schönen und eingängigen Melodien. In die Musik kann man tief eintauchen und darin träumen. Richtige Ausfälle finden sich auf der Scheibe nicht und mit der Nummer „Oft gefragt“ sogar ein Höhepunkt ganz besonderer Art. Macht Laune. Neun Punkte.

Anspieltipps: Oft gefragt, Neues Zimmer, Barfuß am Klavier



Montag, 19. Juli 2021

Various Artists – Movements




Various Artists – Movements


Diese Jahresenden sind schon seltsam. Man friert oft, man mummelt sich ein, genießt die wenigen Sonnenstrahlen, die es gibt, beginnt über das nachzudenken, was im vergangenen Jahr war, passiert ist. Ein Gefühlsgemenge zwischen „high and low“. Manche freuen sich auf die kommenden Feiertage, für andere ist die stille Zeit nur ein Graus.

Und dann liegt da dieses Klangbuch vor mir. Touch Records, ein experimentelles Label mit Sitz in England und den USA, legt nun zum Jahresende „Touch Movements“ vor, ein Bilderbuch mit Soundtrack. Das klingt zu einfach. Es ist vielmehr ein audio-visuelles Erlebnis, das man in aller Ruhe und mit viel Zeit genießen sollte. Ein Eintauchen in Fotos, die ihre eigenen Geschichten erzählen und dazu einladen, weitergesponnen zu werden. Augenblicke, die das Leben um uns herum liefert. Blicke, die der Betrachter selbst kennt. Erinnerungen, die in einem wach werden.

Dazu „Musik“, die ganz anders ist. Die immer wieder die Frage aufwirft, was Musik eigentlich ist, sein kann, sein sollte. Ein Soundtrack des Alltags. Mal „Field Recordings“, mal Drone Music, mal Orgelmusik, mal Klanglandschaften, mal verspielte Sequencerfolgen. Mal direkt, mal ganz sanft, mal monumental, mal leicht vorbei gestrichen. Touch ist kein Label für die Popkultur. Das wird auf „Movements“ ganz deutlich. Es ist vielmehr ein Klangspiegel der Gesellschaft. Hier hört man hin, was man zu hören glaubt und daraus entsteht Musik. Der Alltag als Orchester, bearbeitet von Soundtüftlern, die hier künstlerisch vorgehen, dort unverfälscht die Welt erklingen lassen. Entstanden ist ein Soundtrack für dieses Fotobuch und viel mehr. Es ist nicht die „Music for the Masses“. Es ist vielmehr diese ganze persönliche Musikerfahrung. Voller Herausforderungen, voller Erinnerungen, voller Gedankengänge. Ein tief bewegendes Klangbild zwischen den Jahren.