Freitag, 14. Oktober 2022

Red Hot Chili Peppers – Return Of The Dream Canteen

 



Red Hot Chili Peppers – Return Of The Dream Canteen


Besetzung:

Anthony Kiedis – lead vocals
Flea – bass
John Frusciante – guitar, backing vocals
Chad Smith – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. Tippa My Tongue (4:20)
2. Peace And Love (4:03)
3. Reach Out (4:11)
4. Eddie (5:41)
5. Fake As Fu@k (4:22)
6. Bella (4:51)
7. Roulette (4:57)
8. My Cigarette (4:24)
9. Afterlife (4:14)
10. Shoot Me A Smile (3:42)
11. Handful (4:00)
12. The Drummer (3:22)
13. Bag Of Grins (5:06)
14. La La La La La La La La (3:57)
15. Copperbelly (3:44)
16. Carry Me Home (4:13)
17. In The Snow (5:55)

Gesamtspieldauer: 1:15:10



„Return Of The Dream Canteen“ heißt das inzwischen bereits dreizehnte Studioalbum der Red Hot Chili Peppers. Das Album erschien am 14. Oktober 2022 auf dem Plattenlabel Warner Brothers. Das Album wurde schon während der Aufnahmen zum vorherigen Album „Unlimited Love“ eingespielt, welches bereits am 1. April dieses Jahres veröffentlicht worden war.

Über fünfzig Titel haben die Red Hot Chili Peppers nach eigener Aussage, nach der Rückkehr von John Frusciante zur Band, geschrieben. Alle wurden auch aufgenommen und dann beratschlagte man sich und entschied schließlich, welche Titel stilistisch eher zusammenpassen würden. Unter diesem Gesichtspunkt wurden dann die Lieder für „Unlimited Love“ oder eben „Return Of The Dream Canteen“ zusammengestellt und beide Alben unabhängig voneinander, mit zeitlicher Verzögerung, veröffentlicht.

Und stimmt das nun auch? Nun, „Unlimited Love“ hörte sich für mich rockig und funky an, Hip-Hop-Einlagen gab es ebenfalls. Rockig klingt „Return Of The Dream Canteen“ auch, funky auch immer wieder mal. Möchte man hier Hip Hop hören, muss man sich tatsächlich anstrengen. Doch das Besondere an „Return Of The Dream Canteen“ ist für mich, dass dieses Album auch gut als dritte Platte des Doppelalbums „Stadium Arcadium“ durchgehen würde. „Jupiter“ und „Mars“ waren damals die Untertitel der zwei Scheiben des Doppelalbums. Ist das jetzt „Mercure“, „Venus“ oder „Uranus“? Keine Ahnung, doch immer wieder werde ich beim Hören der Lieder genau an dieses „Stadium Arcadium“ aus dem Jahr 2006 erinnert. Es ist wie eine kleine Zeitreise, bei der man weiß, dass man sie antritt, doch man weiß nicht warum. Denn die Lieder klingen definitiv anders, als jene aus dem Jahr 2006. Allerdings lösen sie zum Teil eben jene Atmosphäre aus.

Die 17 Titel auf „Return Of The Dream Canteen“ klingen eingängig und melodiös. Sehr schnell, nach bereits wenigen Durchläufen, werden sie noch vertrauter und man glaubt diese bereits seit langer Zeit zu kennen wie gute Freunde. Dabei erkennt man die Red Hot Chili Peppers zu jeder Zeit, wenn man die Alben ab „Californication“ aus dem Jahr 1999 kennt.

Wobei wir bei der Beantwortung der Frage wären, ob die Red Hot Chili Peppers es geschafft haben, tatsächlich aus diesen fünfzig aufgenommenen Titeln zwei unterschiedliche Alben zusammenzustellen. Für mich definitiv. „Unlimited Love“ klang etwas losgelöster von der Vergangenheit, doch auf „Return Of The Dream Canteen“ kommt man nicht umhin die musikalische Vergangenheit der Red Hot Chili Peppers ab den 2000ndern zu hören und zu spüren.

Fazit: Wer die Red Hot Chili Peppers auch in der zweiten Phase ihrer Karriere mochte, die oder der wird auch „Return Of The Dream Canteen“ mögen. Vieles klingt auf dem Album atmosphärisch nach „Stadium Arcadium“. Die Musiker haben es geschafft in einem Jahr zwei Alben zu veröffentlichen, die tatsächlich stilistisch unterschiedlich klingen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Tippa My Tongue



Mittwoch, 12. Oktober 2022

Lacuna Coil – Comalies XX

 



Lacuna Coil – Comalies XX


Besetzung:

Andrea Ferro – vocals
Marco Coti Zelati – bass, keyboards
Cristina Scabbia – vocals
Diego "Didi" Cavalotti – guitars
Richard Meiz – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Metal


Trackliste:

1. Swamped (3:32)
2. Heaven’s A Lie (4:07)
3. Daylight Dancer (3:47)
4. Humane (3:41)
5. Self Deception (3:27)
6. Aeon (2:04)
7. Tight Rope (3:37)
8. The Ghost Woman And The Hunter (4:12)
9. Unspoken (3:39)
10. Entwined (3:52)
11. The Prophet Said (3:38)
12. Angel’s Punishment (3:24)
13. Comalies (4:31)

Gesamtspieldauer: 47:36



Lacuna Coil ist eine italienische Gothic-Metal-Band aus Mailand. Sie wurde im Jahr 1994 gegründet und hat seitdem neun Studioalben veröffentlicht. Ihre bisher bekannteste und erfolgreichste Platte heißt „Comalies“ und erschien im Jahr 2002. Nun, zwanzig Jahre später wurde dieses Album neu aufgelegt. Nein, das stimmt nicht ganz, es wurde nicht „neu aufgelegt“, es wurde neu eingespielt, die Musik in die heutige Zeit, also das Jahr 2022 übertragen.

Ein wenig skeptisch lässt mich solch ein Ansatz dieses „neue“ Album der Italiener auflegen. „Comalies“ ist eine klasse Scheibe. Gothic Rock mit ganz leicht poppigen Passagen, jedoch auch Ausflügen vom Alternative bis hin zum Metal, so könnte man die ursprüngliche Scheibe wohl am ehesten umschreiben. Und nun „Comalies XX“?

Man erkennt die Lieder durchaus noch als jene, wie sie vor zwanzig Jahren zu hören waren. Die Längen der Stücke haben sich etwas verändert, manche Gesangsparts wurden vertauscht und – der „Gothic-Anteil“ in der Musik von Lacuna Coil wurde zurückgedrängt zu Gunsten einer deutlich rockigeren, in den Metal reichenden Ausrichtung. Und während Cristina Scabbia immer noch so überzeugend und mitreißend singt, wie auf dem dritten Album, so hat sich hingegen beim Gesang von Andrea Ferro einiges getan. Dieser growlt auf „Comalies XX“ oder schreit sich die Seele aus dem Leib. Nur noch. Es ist ja nicht so, dass zwanzig Jahre zuvor nicht auch die ein oder andere guttural klingende Zeile gesungen wurde, aber nicht mit dieser Konsequenz.

Das muss man natürlich mögen und wenn man das Album in dieser Version zum ersten Mal ganz unbedarft hört, dann hat das durchaus was. Kennt man die Lieder allerdings im Original, so ist dieser Gesang zumindest gewöhnungsbedürftig. Ansonsten klingt diese rockigere Aufmachung des Albums durchaus hörenswert und bereichert sogar viele der Lieder. Durch den härteren Ansatz klingen einige der Stücke sogar noch etwas mitreißender. Das hat sich gelohnt, das mit dem Gesang jedoch… Gut, ist einfach Geschmackssache.

Fazit: „Comalies XX“ klingt deutlich härter als das Originalalbum „Comalies“. An einigen Stellen sogar mitreißender als die ursprüngliche Version, wenn man nicht zu sehr in Nostalgie schwelgt und jede Veränderung verteufelt. Doch beim Gesang sind die Italiener für mich einen Schritt zu weit gegangen, da klingt das Original sehr viel eingängiger und diesbezüglich auch abwechslungsreicher. Insgesamt stellt „Comalies XX“ jedoch eine gelungene Neueinspielung dar. Irgendwie zwar doch nicht neu – aber eben anders. Neun Punkte.

Anspieltipps: Swamped, Comalies



Dienstag, 11. Oktober 2022

Lorna Shore – Pain Remains

 



Lorna Shore – Pain Remains


Besetzung:

Will Ramos – vocals
Adam De Micco – guitar
Andrew O’Connor – guitar
Austin Archey – drums
Michael Yager – bass




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Deathcore


Trackliste:

1. Welcome Back, O‘ Sleeping Dreamer (7:21)
2. Into The Earth (5:12)
3. Sun//Eater (6:10)
4. Cursed To Die (4:40)
5. Soulless Existence (7:12)
6. Apotheosis (4:54)
7. Wrath (4:57)
8. Pain Remains I: Dancing Like Flames (5:52)
9. Pain Remains II: After All I've Done, I'll Disappear (5:36)
10. Pain Remains III: In A Sea Of Fire (9:11)

Gesamtspieldauer: 1:01:09



Deathcore ist ein extremes Metal-Subgenre, das Death Metal mit Metalcore kombiniert. Metalcore wiederum ist eine Musikrichtung, die Elemente des extremen Metals und des Hardcore-Punk miteinander verbindet. Puh, klingt verrückt, ist verrückt und hört sich auch genau so verrückt an. „Pain Remains“ heißt das vierte offizielle Studioalbum der US-amerikanischen Band Lorna Shore aus New Jersey, welche mit diesem Album die Atmosphäre des Deathcore nochmals in neue, so bisher kaum gehörte Höhen hebt.

Das Außergewöhnliche an der Musik von Lorna Shore ist dabei auch, dass die Lieder nicht selten orchestral bis klassisch beginnen, um im weiteren Verlauf quasi zu explodieren. Der neue Sänger von Lorna Shore, Will Ramos, gibt dabei alles und schreit und growlt sich die Seele aus dem Leib. Zum Teil kann man kaum glauben, dass diese Töne tatsächlich menschlichen Ursprungs sind. Sind sie aber. Dazu hört man einmal stakkato-artige Riffs, die auf Hochgeschwindigkeit angelegt sind, dann wieder hämmernde Rhythmen, zu denen Will Ramos ebenso unerbittlich unverständliche Worte in die Welt setzt. Eines muss man der Band lassen, sie ist in ihrem Vorgehen absolut konsequent.

Es ist dieses Spiel aus sehr eingängigen Passagen in der Musik von Lorna Shore und diesen brutalen, unerbittlichen Abschnitten, der manch Hörerin oder Hörer wohl den Status der Musik absprechen würde. In sich ist das völlig konsequent und eben – absolut Geschmackssache. Denn auch wenn man zu Beginn, beim ersten Mal des Hörens glaubt, sich auf diese Musik kaum einstellen zu können, werden die Lieder mit jedem weiteren Durchlauf schlüssiger, verständlicher und schließlich sogar insgesamt eingängiger. Außergewöhnlich und besonders klingt das auf jeden Fall.

Fazit: Klar, man muss Deathcore mögen, um etwas mit dieser Musik anfangen zu können. Steht man diesem musikalischen Genre offen gegenüber, wird man „Pain Remains“ von Lorna Shore sicherlich feiern. Und was Will Ramos dabei von sich gibt, das ist sowieso nicht in Worte zu fassen. Zum Genießen, die Eltern erschrecken oder doch zum Weghören? Absolute Geschmackssache.

Anspieltipps: Welcome Back, O‘ Sleeping Dreamer, Pain Remains III: In A Sea Of Fire




Donnerstag, 6. Oktober 2022

The Incredible String Band – Wee Tam

 





Besetzung:

Robin Williamson – lead vocals, guitar, bass guitar, guimbri, percussion, sarangi, violin, harpsichord, piano, flute, kazoo, whistle, harmonica, backing vocals
Mike Heron – lead vocals, guitar, sitar, bass guitar, organ, harpsichord, washboard, percussion, harmonica, backing vocals


Gastmusiker:

Rose Simpson – violin, backing vocals
Licorice McKechnie – backing vocals


Label: Elektra


Erscheinungsjahr: 1968


Stil: Psychedelic Folk


Trackliste:

1. Job‘s Tears (6:49)
2. Puppies (5:25)
3. Beyond The See (2:21)
4. The Yellow Snake (2:09)
5. Log Cabin Home In The Sky (4:05)
6. You Get Brighter (5:50)
7. The Half-Remarkable Question (5:07)
8. Air (3:18)
9. Ducks On A Pond (9:10)

Gesamtspieldauer: 44:17



„Wee Tam“ heißt das vierte Studioalbum der schottischen Psychedelic-Folk-Gruppe The Incredible String Band. Es erschien in Europa im November 1968 auf dem Platternlabel Elektra Records. Das Album wurde als Einzel-LP oder in Verbindung mit dem Album „The Big Huge“ als Doppel-LP veröffentlicht. In den USA erschienen nur die Einzel-LPs.

Hört man die Platte heute an, so lässt sie einen etwas fragend zurück. War das wirklich alles so gewollt? Psychedelic Folk, schon klar, aber ist das „psychedelic“, wenn man falsch singt? Und auch falsch oder unbeholfen spielt? Und überhaupt, war das Absicht? Nun, es hilft nichts, viele der Lieder klingen einfach schräg und seltsam. Gegen Ende des Albums verstärkt sich dieser Eindruck leider immer noch ein wenig mehr und es wird immer schwieriger hier zuzuhören.

Dabei klingen die Ansätze der Lieder – zumindest zu Beginn des Albums – durchaus manchmal noch ganz interessant. Die Sitar steht häufig im Mittelpunkt des Geschehens. Folk mit einem kleinen psychedelischen Akzent. Das hört sich in den ersten Takten zunächst noch spannend und an mancher Stelle gar melodiös an, wenn dann nur eben nicht diese falschen Töne zu hören wären. Dies gilt übrigens deutlich weniger für die beiden Damen, die ebenfalls singenderweise auf dem Album zu hören sind.

Fazit: Ein sehr seltsames Album hat die Incredible String Band mit „Wee Tam“ veröffentlicht. Wer mag so etwas heutzutage noch hören? Nostalgiker wohl am ehesten. Falsche Töne, ob gespielt oder gesungen, bleiben falsche Töne, fallen auf und können ein „Liederlebnis“ deutlich negativ beeinflussen. Genau das passiert hier. Schwere Kost, bei der man irgendwann einfach an den Punkt gelangt, „dringend mal was anderes auflegen zu müssen“. Vier Punkte.

Anspieltipps: Job‘s Tears



Mittwoch, 5. Oktober 2022

Queensrÿche – Digital Noise Alliance

 



Queensrÿche – Digital Noise Alliance


Besetzung:

Eddie Jackson – bass
Michael Wilton – guitar
Todd La Torre – vocals
Casey Grillo – drums
Mike Stone – guitar




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Metal


Trackliste:

1. In Extremis (4:41)
2. Chapters (3:43)
3. Lost In Sorrow (5:12)
4. Sicdeth (4:42)
5. Behind The Walls (6:14)
6. Nocturnal Light (5:44)
7. Out Of The Black (4:19)
8. Forest (4:46)
9. Realms (3:48)
10. Hold On (4:56)
11. Tormentum (7:29)

Bonus Track:

12. Rebel Yell (4:48)

Gesamtspieldauer: 1:00:28



„Digital Noise Alliance“ heißt das sechzehnte Album der US-amerikanischen Progressive-Metal-Band Queensrÿche. Und es ist gleichzeitig das vierte Album der Band mit dem „neuen“ Sänger Todd La Torre, der nach dem Rauswurf und den danach folgenden unschönen Prozessen mit Geoff Tate nun zur „Stimme“ von Queensrÿche wurde. Kaum zu glauben, dass dies bereits seit zehn Jahren der Fall ist. Von der ursprünglichen Besetzung der Band sind übrigens noch Michael Wilton an der Gitarre und Eddie Jackson am Bass mit von der Partie.

Und von der Musik her? Da liefern Queensrÿche ein gutes und überzeugendes Album ab, denn auf „Digital Noise Alliance“ hört man eindeutig Queensrÿche. Alle Zutaten, die ein gutes Album der Band ausmachen, sind auch hier vertreten. Eingängige Melodiebögen, sehr gute Texte und überraschende Wendungen in den Liedern selbst, die auch mit dazu beigetragen haben, dass sogar Leute, die auf Progressive Rock stehen, immer wieder gern ein Queensrÿche-Album auflegen. Keines der Lieder ist ein Ausfall, die Band besinnt sich auf ihre Stärken und das ist die Kombination von Metal mit der eingängigen Melodie, die bereits beim ersten Hören ins Ohr geht und der Abwechslung. Doch ganz eindeutig „wachsen“ die Lieder auf „Digital Noise Alliance“ sogar noch mit jedem weiteren Durchlauf, werden vertrauter, noch eingängiger.

Insgesamt lässt dieses sechzehnte Album von Queensrÿche auch irgendwie nostalgische Gefühle aufkommen. Ich finde Todd La Torre macht seine Sache sehr gut und die Musik erinnert mich an vielen Stellen an frühere Veröffentlichungen der 80er und 90er Jahre. Dabei kopieren sich Queensrÿche keineswegs selbst. Jedoch transportieren sie das Gefühl längst vergangener Jahrzehnte in das Jahr 2022 ohne dabei zu sehr retro zu klingen. Und natürlich ist dieses Album keine Kopie von „Operation Mindcrime“ und die Ballade des Albums, das Lied „Forest“, ist kein zweites „Silent Lucidity“, doch „Digital Noise Alliance“ klingt in seiner Gesamtheit einfach gut, wenn man Queensrÿche über die Jahrzehnte verfolgt hat und diesen eingängigen Metal mag. Es gibt Bands, die enttäuschen nach vielen Jahrzehnten ein ums andere Mal, das ist bei Queensrÿche und „Digital Noise Alliance“ definitiv nicht so.

Als Bonus-Track befindet sich mit „Rebel Yell“ noch ein Billy Idol Cover auf dem Album und beschließt dieses. Der Unterschied zum Original ist nicht sehr groß. Warum Queensrÿche es mit auf das Album pressten weiß ich nicht. Aber es klingt wie in der Originalversion gut. Als Anspieltipps empfehle ich jedoch „Nocturnal Light“ sowie „Tormentum“. Meine Lieblingsstücke des Albums. Geschmackssache natürlich, doch diese beiden Titel spiegeln sehr gut den immer noch vorhandenen Ideenreichtum und die Spielfreude der Band wider.

Fazit: Queensrÿche klingen auf „Digital Noise Alliance“ wie Queensrÿche aus vergangenen Tagen – ohne sich dabei selbst zu kopieren. Eingängiger und abwechslungsreicher Metal, der mit jedem weiteren Durchlauf noch mehr überzeugt. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Nocturnal Light, Tormentum



Dienstag, 4. Oktober 2022

T. Rex – Electric Warrior

 



T. Rex – Electric Warrior


Besetzung:

Marc Bolan – vocals, guitar
Mickey Finn – congas, bongos, vocals
Steve Currie – bass
Bill Legend – drums, tambourine


Gastmusiker:

Howard Kaylan – backing vocals
Mark Volman – backing vocals
Rick Wakeman – keyboards on "Get It On"
Ian McDonald – saxophone
Burt Collins – flugelhorn




Erscheinungsjahr: 1971


Stil: Rock


Trackliste:

1. Mambo Sun (3:39)
2. Cosmic Dancer (4:28)
3. Jeepster (4:10)
4. Monolith (3:47)
5. Lean Woman Blues (3:00)
6. Get It On (4:25)
7. Planet Queen (3:11)
8. Girl (2:31)
9. The Motivator (3:58)
10. Life‘s A Gas (2:23)
11. Rip Off (3:45)

Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung:

12. Raw Ramp (Single B-Side) (5:16)
13. Hot Love (Single A-Side) (4:57)
14. Woodland Rock (Single B-Side) (2:28)
15. King Of The Mountain Cometh (Single B-Side) (3:53)

Gesamtspieldauer: 55:59



„Electric Warrior“ heißt das zweite Studioalbum der englischen Rockband T. Rex. Falls man allerdings die Platten von Tyrannosaurus Rex mitzählt, wie sich die Band auf den ersten vier Alben nannte, ist es das sechste Album. Der einmal eingeschlagene Weg, der mit dem vorherigen Album eingeschlagen worden war, wurde auf „Electric Warrior“ fortgesetzt. Die Band um Marc Bolan spielte nun keinen Folk-orientierten Sound mehr, die Musik driftete deutlich mehr in Richtung des Pops in Verbindung zum Rock und begründete mit das Genre Glam-Rock.

Das Album erreichte Platz 1 der britischen Charts und wurde dort auch das meistverkaufte Album des Jahres 1971. Besonders die Singleauskopplung „Get It On“ trug zum Erfolg des Albums bei und erreichte sogar die Top Ten der US Billboard Hot 100 Singles Charts. In den USA war das Lied von der US-Plattenfirma allerdings in „Bang A Gong (Get It On)“ umbenannt worden und wurde dort zum einzigen nordamerikanischen Hit der Band. Auf irgendwelchen Retro-Radio-Stationen läuft „Get It On“ heute natürlich auch noch in Deutschland.

Und wie wirkt das heute? Durchaus noch eingängig und melodiös. Selbstverständlich aber nicht mehr so „besonders“, wie es damals zum Zeitpunkt der Veröffentlichung klang. Man hört auf „Electric Warrior“ einen poppig-rockigen Mix, der mit jedem Akkord ins Ohr geht. Zu behaupten, dass man sich hier mehr Experimente oder Außergewöhnliches gewünscht hätte wäre natürlich völlig unangebracht. Zur Zeit der Veröffentlichung klang diese Musik nämlich noch experimentell und außergewöhnlich.

Trotzdem bleibt festzustellen, dass viele Bands der damaligen Zeit deutlich mehr Spuren bis in die heutige Zeit hinterlassen haben – auch wenn T. Rex zahlreiche andere Musiker inspirierte. Was also beim Hören von „Electric Warrior“ erlebt werden kann ist ein eingängiger Mix aus Pop und Rock, der ab und an versucht dramatisch zu klingen. Das ist ganz sicher keine schlechte Musik, doch man muss wohl in der damaligen Zeit gelebt und aktiv Musik konsumiert haben, um sich von dieser Musik, dem Sound und dem Spirit begeistern lassen zu können.

Fazit: „Electric Warrior“ ist das zweite Album, welches Marc Bolan unter der „Überschrift“ T. Rex veröffentlichte. Darauf enthalten ist eine Mischung aus Pop und Rock, die jederzeit eingängig klingt und auch oft zum Mitwippen animiert. Nach „Glam“ klingt das für heutige Ohren zwar nicht mehr, doch wegweisend war die Band. Und dann ist da natürlich noch das Lied „Get It On“, welches auf keiner 70er-Revival Party fehlen darf. Neun Punkte.

Anspieltipps: Get It On, Hot Love



Montag, 3. Oktober 2022

Terry Reid – River

 



Terry Reid – River


Besetzung:

Terry Reid – vocals, guitar


Gastmusiker:

David Lindley – electric guitar, steel guitar, slide guitar, violin
Lee Miles – bass guitar
Conrad Isidore – drums
Willie Bobo – percussion parts on "River"




Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Blues


Trackliste:

1. Dean (4:45)
2. Avenue (5:08)
3. Things To Try (4:25)
4. Live Life (5:11)
5. River (5:45)
6. Dream (5:20)
7. Milestones (5:52)

Gesamtspieldauer: 36:29



„River“ heißt das dritte Studioalbum des englischen Sängers und Gitarristen Terry Reid. Es wurde im Jahr 1973 ursprünglich auf dem Plattenlabel Atlantic Records veröffentlicht – ganze vier Jahre nach dem zweiten Album des Briten.

Wer auf Blues steht, die oder der hört mit „River“ von Terry Reid zumindest ein Album, welches das Lieblingsmusikgenre bedient. Blues hört man nämlich eine ganze Menge auf dieser Scheibe. Im Grunde genommen sogar vom ersten bis zum letzten Takt. Die ersten vier Lieder sind dabei mit der Band eingespielt und beinhalten einen sehr relaxten, dabei leider auch sehr wenig abwechslungsreichen Blues. Beim Titellied wurden dann noch lateinamerikanische Töne mit untergemischt und die Perkussion wird von Willie Bobo übernommen. Die letzten beiden Stücke „Dream“ und „Milestones“ zeichnen sich schließlich dadurch aus, dass man bei diesen Terry Reid am Gesang und mit einer akustischen Gitarre hört – beim letzten Lied hört man ihn sogar zu Beginn pfeifenderweise. Selbstverständlich handelt es sich bei diesen beiden Titeln auch wieder um Bluesstücke.

Insgesamt klingen die sieben Lieder allerdings leider, wie lediglich gejammte, auf jeden Fall jedoch unfertige Stücke. Manchmal erscheint es fast so, als ob Terry Reid beim Spielen noch auf der Suche nach der Melodie und des Ablaufs ist. Das hört sich überwiegend überraschend unausgegoren und manchmal auch sehr langweilig an. Hier packt einen Weniges und das Album scheint auf seine Art einfach so dahinzuplätschern – ohne einen zu packen.

Fazit: „River“ von Terry Reid ist ein Bluesalbum geworden. Leider jedoch ist diese Platte eine recht langweilige Scheibe, die Lieder erklingen weder ausgereift, noch irgendwie packend. Mitunter klingt das nach ersten Liedideen, die noch ausgearbeitet werden sollten, dann aber vergessen wurden. Schade. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Milestones



Mittwoch, 28. September 2022

Steve Hackett – Genesis Revisited Live Seconds Out & More

 



Steve Hackett – Genesis Revisited Live Seconds Out & More


Besetzung:

Steve Hackett – guitar, vocals


Gastmusiker:

Roger King – keyboards
Rob Townsend – saxophone, woodwind, percussion, vocals, keyboards, bass
Nad Sylvan – vocals, tambourine
Jonas Reingold – bass, bass pedals, vocals
Craig Blundell – drums, percussion, vocals
Amanda Lehmann – vocals, guitar




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Apollo (1:09)
2. Clocks – The Angel Of Mons (4:36)
3. Held In The Shadows (7:20)
4. Every Day (6:43)
5. The Devil‘s Cathedral (6:19)
6. Shadow Of The Hierophant (11:01)
7. Squonk (6:39)
8. The Carpet Crawlers (6:03)
9. Robbery Assault And Battery (6:10)
10. Afterglow (4:01)
11. Firth Of Fifth (10:21)

CD2:

1. I Know What I Like (8:37)
2. The Lamb Lies Down On Broadway (5:20)
3. The Musical Box (3:07)
4. Supper‘s Ready (25:05)
5. The Cinema Show (11:11)
6. Aisle Of Plenty (1:31)
7. Dance On A Volcano (6:09)
8. Los Endos (7:04)

Gesamtspieldauer CD1 (1:10:27) und CD2 (1:08:07): 2:18:34



Steve Hackett ist derjenige Genesis-Musiker, der sich auch immer wieder an die früheren Stücke der Band heranwagt und diese live zum Besten gibt. Das tröstet ein wenig darüber hinweg, dass man die fünf Musiker Peter Gabriel, Tony Banks, Mike Rutherford, Phil Collins und eben jenen Steve Hackett wohl nicht mehr zusammen auf einer Bühne sehen wird. Und nun interpretiert er mit „Seconds Out“ sogar ein Live-Album seiner früheren Band Genesis, welches größtenteils im Jahr 1977 entstand, um das Album „Wind & Wuthering“ zu unterstützen. Lediglich „The Cinema Show“ war damals ebenfalls darauf vertreten, obwohl es während der „A Trick Of The Tail“-Tour im Jahr 1976 aufgenommen worden war – ganz frisch nach Peter Gabriels Ausstieg.

Nun, der Beginn des Albums besteht zunächst einmal aus Steve Hackett-Solo-Werken. Kurz eine Auflistung der Lieder und deren Herkunft. Das Eingangslied „Apollo“, das Intro des Albums, wurde wohl auch direkt dafür geschrieben. Es findet sich meines Erachtens nach auf keinem anderen Steve Hackett Album. „Clocks – The Angel Of Mons“ stammt wie „Every Day“ vom 1979er Album „Spectral Mornings“. Das sich anschließende „Held In The Shadows“ ist wie das Lied „The Devil‘s Cathedral“ seinem letzten Soloalbum „Surrender Of Silence“ aus dem Jahr 2021 entnommen. Und „Shadow Of The Hierophant“ schließlich ist einer der Klassiker seines ersten Soloalbums „Voyage Of The Acolyte“ aus dem Jahr 1975.

Ab der siebten Nummer „Squonk“ folgt nun die Neueinspielung des Live-Albums „Seconds Out“ in genau derselben Reihenfolge der Lieder wie beim Original. Lediglich das kurze „Aisle Of Plenty“, welches beim Studioalbum „Selling England By The Pound“ nach dem Lied „The Cinema Show“ folgt, beim Original-Live-Album „Seconds Out“ aber wohl weggelassen wurde, ist auf diesem Steve Hackett-Konzert hinzugefügt worden. Sehr löblich, denn irgendwie gehören die beiden Stücke auch zusammen.

Nun, die Musik überzeugt absolut. Die Neueinspielung des damaligen Konzertes klingt sehr gelungen. Wer Genesis in den frühen 70er Jahren mochte, der wird mit diesem Album definitiv auf ihre oder seine Kosten kommen. Nad Sylvan macht beim Gesang seine Sache sehr gut. Und viele, die Phil Collins bei den alten Genesis-Liedern nicht als „Ersatz“ für Peter Gabriel hören wollten, können hier nun einer sehr überzeugenden Alternative lauschen. In Verbindung mit den Solo-Stücken des Steve Hackett klingt das gesamte Album sehr gelungen. Noch mitreißender ist es sicherlich, sich das Ganze wirklich live anzusehen.

Fazit: Steve Hackett präsentiert einmal mehr die Genesis-Musik der frühen 70er Jahre sehr überzeugend. Auch in Verbindung zu seinen persönlichen Stücken aus seiner Solo-Karriere wirkt dieses Album. Für alle, die gerne in Erinnerungen schwelgen ist es eine lohnende Anschaffung. Noch besser kann da nur noch der Besuch eines Steve Hackett Konzertes sein. Elf Punkte.

Anspieltipps: Na was wohl? Supper’s Ready? Stimmt.



Dienstag, 27. September 2022

Lonely Robot – A Model Life

 



Lonely Robot – A Model Life


Besetzung:

John Mitchell – vocals, guitar, bass, keyboards


Gastmusiker:

Craig Blundell – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock, Pop, ArtRock


Trackliste:

1. Recalibrating (5:00)
2. Digital God Machine (6:04)
3. Species In Transition (6:15)
4. Starlit Stardust (5:48)
5. The Island Of Misfit Toys (4:14)
6. A Model Life (5:23)
7. Mandalay (1:50)
8. Rain Kings (6:33)
9. Duty Of Care (6:22)
10. In Memoriam (5:51)

Gesamtspieldauer: 53:24



„A Model Life“ ist bereits das fünfte Album welches John Mitchell unter der „Überschrift“ Lonely Robot veröffentlicht. „A Model Life“ erschien am 26. August 2022 auf dem Plattenlabel InsideOut Music und ist eines der zahlreichen Projekte des Iren. Weitere Bands an denen er beteiligt ist sind It Bites, Arena, Frost*, Kino und The Urbane.

Nach eigener Aussage wollte John Mitchell lediglich drei Alben mit Lonely Robot veröffentlichen: „Die Wahrheit ist, dass ich immer nur vorhatte drei Alben zu machen und dann aufzuhören. Dann waren wir am Ende der drei Alben angelangt und ich hatte eine Diskussion mit dem Label darüber, das nächste vielleicht nicht unter dem Namen Lonely Robot zu veröffentlichen, aber mit echtem deutschem Geschäftssinn sagten sie: 'Wir haben die Marke jetzt etabliert!' Und dann fragen sich alle, wo der Typ im Raumanzug geblieben ist! Aber es ist mir eigentlich egal, wie es heißt, solange ich weiter Musik machen kann. Was ich an Lonely Robot am meisten befreiend finde ist, dass ich einfach dasitzen und in meinem eigenen Tempo weitermachen kann und nicht auf andere Leute warten muss!

Inhaltlich handelt das Album von den Fantasien der Menschen, wie sie ihr Leben gerne hätten, und nicht um das, was sie tatsächlich sind. „Endlose positive Bestätigung in den sozialen Medien und alles sieht rein und weiß und wie ein Enya-Video aus. In jedem Song geht es darum, dass man sich über irgendjemanden aufregt.

Nun und musikalisch? Da fährt man bei einem Album von John Mitchell immer gut, wenn man es sehr eingängig und melodiös mag. Denn genau so klingt „A Model Life“. Sehr viel Wohlklang, keine Experimente oder gar schräge Passagen. Alles geht schnell ins Ohr, manches leider auch schnell wieder daraus hinaus. Ist das Pop oder Rock oder hat die Musik doch noch progressive Ansätze? Letzteres kaum, nur mit ganz viel Wohlwollen und einem ganz weit gefassten Begriff des Progressiven. Nein, man hört auf „A Model Life“ eine eingängige Mischung aus Pop und Rock welche Leuten, die auf genau diese Eingängigkeit stehen auch sehr gefallen wird.

Und ich selbst finde auch schöne Stellen auf dieser Platte, die stimmungsmäßig konsequent einen einmal eingeschlagenen Weg durchzieht. Sanft mit einem Hauch Melancholie versehen scheinen die einzelnen Titel aus den Boxen zu schweben. Die Höhepunkte heißen für mich „Species In Transition“, „Duty Of Care“ sowie „In Memoriam“. Bei diesen drei Liedern kommt das Gespür des John Mitchell für die eingängige Melodie, die sich verfängt, noch mal besonders gut zum Vorschein. Schöne Lieder, die man auch in mehreren Jahren noch gerne hört.

Fazit: Ins Ohr geht die Musik immer, die John Mitchell schreibt – ganz gleich bei welcher Band er gerade aktiv ist. Und nicht anders ist es auch bei Lonely Robot und dessen fünftem Album „A Model Life“. Wer also auf Wohlklang und eine schöne Melodie steht, die oder der kann hier bedenkenlos zugreifen. Für alle anderen, die auch die Ecken und Kanten in der Musik zu schätzen wissen könnte dieses Album allerdings auch langweilig klingen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Species In Transition, Duty Of Care, In Memoriam



Montag, 26. September 2022

Spirit Adrift – 20 Centuries Gone

 



Spirit Adrift – 20 Centuries Gone


Besetzung:

Nate Garrett – vocals, guitar, bass, drums, piano, synthesizer


Gastmusiker:

Tom Draper – guitar
Sonny DeCarlo – bass
Michael Arellano – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Hard Rock, Metal


Trackliste:

1. Sorcerer‘s Fate (5:33)
2. Mass Formation Psychosis (6:23)
3. Everything Dies (5:16)
4. Hollow (5:55)
5. Escape (4:28)
6. Waiting For Aan Alibi (3:30)
7. Nasty Dogs And Funky Kings (2:51)
8. Poison Whiskey (3:09)

Gesamtspieldauer: 37:09



Die US-amerikanische Metal-Band Spirit Adrift hat am 29. August dieses Jahres ein neues Album herausgebracht. „20 Centuries Gone“ heißt es und ist leider nicht das fünfte Studioalbum der Band. Insgesamt acht Titel befinden sich zwar auf dem Album, von denen allerdings lediglich die ersten beiden von Spirit Adrift selbnst stammen. Die restlichen sechs Lieder sind Coverversionen von Stücken („Everything Dies“ (Type O Negative), „Hollow“ (Pantera), „Escape“ (Metallica), „Waiting For An Alibi“ (Thin Lizzy), „Nasty Dogs And Funky Kings“ (ZZ Top), „Poison Whiskey“ (Lynyrd Skynyrd)), die laut Aussage der Band zur „eigenen DNS gehören“.

Viele Künstlerinnen und Künstler sowie Bands unternehmen solche „Ausflüge“, doch meist klingt das weder gelungen noch sonst irgendwie spannend, da man die Lieder sehr viel lieber im Original hört – Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Nicht weiter verwunderlich also, dass sich „20 Centuries Gone“ hauptsächlich wegen der ersten beiden Nummern lohnt. Cooler, kraftvoller Metal, der dazu auch noch ins Ohr geht. Man kommt gar nicht umhin hier mitzuwippen und mit jedem weiteren Durchlauf verstärkt sich dies noch. Spirit Adrift klingen hier so wunderbar kraftvoll und mitreißend. Es wäre so schön gewesen mehr davon hören zu dürfen – auch auf diesem Album.

Und die Cover-Versionen? Spirit Adrift spielen diese gut und routiniert. Die Lieder werden leicht interpretiert, sind allerdings immer als Cover-Versionen der Originale zu erkennen. Am Gelungensten klingt für mich hier „Everything Dies“. Cooles Lied, welches im Original noch ein wenig „dreckiger“ und ergreifender klingt, doch auch in dieser Version sehr überzeugend wirkt. Bei den anderen Liedern mag das – wie auch schon bei „Everything Dies“ – immer auch Geschmackssache sein.

Fazit: Die Band Spirit Adrift lernt man auf „20 Centuries Gone“ leider nur ansatzweise kennen. Die ersten beiden Stücke lohnen zwar, aber der Rest des Albus besteht halt leider aus Coverversionen, auch wenn diese gut umgesetzt wurden. Doch man hätte sich mehr Originale von Spirit Adrift gewünscht und die anderen Lieder eben auch lieber im Original. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sorcerer‘s Fate, Everything Dies



Freitag, 23. September 2022

Banco Del Mutuo Soccorso – Orlando: Le Forme Dell‘Amore

 



Banco Del Mutuo Soccorso – Orlando: Le Forme Dell‘Amore


Besetzung:

Vittorio Nocenzi – piano, keyboards, vocals
Filippo Marcheggiani – guitar, vocals
Nicola Di Già – guitar
Marco Capozi – bass
Fabio Moresco – drums
Tony D’Alessio – vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Proemio (2:10)
2. La Pianura Rossa (6:39)
3. Serve Orlando Adesso (4:11)
4. Non Mi Spaventa Più L‘Amore (4:11)
5. Non Serve Tremare (4:06)
6. Le Anime Deserte Del Mondo (4:43)
7. L‘Isola Felice (4:00)
8. La Maldicenza (6:06)
9. Cadere O Volare (5:05)
10. Il Paladino (2:51)
11. L‘Amore Accade (3:41)
12. Non Credere Alla Luna (6:55)
13. Moon Suite (11:04)
14. Come È Successo Che Sei Qui (3:29)
15. Cosa Vuol Dire Per Sempre (6:45)

Gesamtspieldauer: 1:16:03



Ganze 50 Jahre ist es jetzt her, dass die italienische Progressive Rock Band Banco Del Mutuo Soccorso ihr erstes, selbstbetiteltes Album veröffentlicht hat. Und pünktlich zu diesem goldenen Jubiläum bringt die Band um Vittorio Nocenzi, letztes verbliebenes Gründungsmitglied von Banco Del Mutuo Soccorso, ihr vierzehntes Studioalbum mit dem Titel „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ heraus. Am 23. September erscheint das Album auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Legt man das Album auf wird schnell klar, wo „Banco Del Mutuo Soccorso“ draufsteht ist auch „Banco Del Mutuo Soccorso“ drin beziehungsweise zu hören. Eindeutig hört man hier italienischen Prog dieser Band. Die Lieder sind alle in italienischer Sprache eingesungen, wie schon beim Vorgänger „Transiberiana“, doch das war nicht immer so. Und der Nachfolger des 2014 verstorbenen, unverwechselbaren Francesco Di Giacomo, Tony D’Alessio, macht seine Sache sehr gut, auch wenn er dieses besondere Gefühl im Ausdruck des ursprünglichen Sängers nicht ganz erreicht. Trotzdem gefällt das, was man hier zu hören bekommt.

Von der Musik her hört man auf „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ eine Mischung aus Progressive Rock und Art Rock bis Rock und Pop. Zu vertrackt oder gar frickelig wird es an keiner Stelle des Albums. Jedes der insgesamt fünfzehn Lieder der Platte klingt eingängig und melodiös. Progressivere und musikalisch auch anspruchsvollere Passagen wechseln sich mit einfacher aufgebauten Abschnitten ab und ergeben insgesamt ein durchaus abwechslungsreiches Album. Wer also Gefallen am italienischen Progressive Rock hat, dem dürfte auch dieses neue Werk von Banco Del Mutuo Soccorso gefallen. Vielleicht erreicht es nicht ganz die Klasse des Vorgängers, aber das mag auch reine Geschmackssache sein. Eine Live-Tournee mit Konzerten in Europa und in der ganzen Welt soll im Jahr 2023 folgen. Na dann, nichts wie hin.

Fazit: Banco Del Mutuo Soccorso machen seit fünfzig Jahren Musik, welche man auch schnell erkennt, falls man der Band ab und an gelauscht hat. Ihren Stil haben die Musiker auch auf „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ beibehalten. Eingängigen und melodischen Progressive Rock gibt es hier zu hören, der an die Ursprünge dieses Genres in den 70er Jahren angelehnt ist. Keine Weiterentwicklung also? Nun, nicht viel zumindest, aber in diesem Fall kann man das auch begrüßen. Banco Del Mutuo Soccorso erweitern mit „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ ihr Repertoire und ihre Fans werden es dankbar hören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Serve Orlando Adesso, Non Serve Tremare, La Maldicenza



Donnerstag, 22. September 2022

Virgil & Steve Howe – Lunar Mist

 



Virgil & Steve Howe – Lunar Mist


Besetzung:

Virgil Howe – piano, synthesizer, bass, drums
Steve Howe – acoustic and electric guitars




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Lunar Mist (3:50)
2. More Than You Know (3:05)
3. Plexus (4:09)
4. Mariah’s Theme (3:16)
5. A Month In The Sun (4:39)
6. As If Between (2:43)
7. Never Less (2:55)
8. Lothian’s Way (3:06)
9. Free Spirit (2:45)
10. Eternal (3:09)
11. Dirama (2:38)
12. Pinnacle (2:02)
13. Pagoda (2:19)
14. Martian Mood (3:59)

Gesamtspieldauer: 44:43



Nachdem im Jahr 2017 die erste „Gemeinschaftsarbeit“ von Vater und Sohn unter dem Titel „Nexus“ veröffentlicht worden war und Virgil Howe im September desselben Jahres im Alter von lediglich 41 Jahren tragischerweise wohl an einem Herzinfarkt verstorben war, folgt nun am 23. September das zweite Album dieser Zusammenarbeit unter dem Titel „Lunar Mist“.

Mit „Yes-Musik“ hat auch dieses zweite Album von Virgil und Steve Howe nichts gemein, vielmehr hört man auf „Lunar Mist“ zwar zum Teil atmosphärische, leider jedoch allzu oft auch seichte Musik. Für den Hintergrund ist das perfekt, zum Untermalen eines gemütlichen Abends, an dem man mit Sicherheit nicht auf die Musik achtet. Doch nichts lässt einen hier aufhorchen oder weckt ansonsten das Interesse. Ein wenig changieren die einzelnen Titel zwischen leichter, sphärischer Berieselung und leichter, etwas rockigerer Berieselung. An manchen Stellen kommen sogar Erinnerungen an Kitaros „Silk Road“ auf, wie zum Beispiel beim zweiten Titel „More Than You Know“.

Nun, „Lunar Mist“ klingt jederzeit eingängig und die einzelnen Lieder erklingen alle „ganz nett“, das kann man bei diesem Album auf jeden Fall als positiven Punkt vermerken, wenn das der eigene Anspruch an Musik sein sollte. Wer absolut unspektakuläre Musik mag, wird hier sicherlich fündig. Doch wer das Besondere in der Musik sucht und schätzt, wird von „Lunar Mist“ leider enttäuscht werden. Bei dieser Scheibe könnte einem sofort der Gedanke nach einem Soundtrack kommen, denn Filmmusik zur Untermalung bestimmter Szenen hätte zweifellos der Ansatz dieser Scheibe sein können. Allerdings nur in einem sehr unaufgeregten Film, in dem alles ganz „easy“ ist und läuft. Dazu passt „Easy Listening“ halt perfekt.

Eine Ausnahme gibt es dann allerdings doch. Ganz zum Schluss folgt mit „Martian Mood“ noch ein Lied, welches zumindest etwas schräg klingt und sich damit zumindest ein wenig vom Rest der Platte absetzt. Auch dieser Titel löst zwar keine Begeisterungsstürme aus, doch er sorgt für zumindest etwas Abwechslung auf „Lunar Mist“.

Fazit: Wer alles von den Yes-Musikern besitzen möchte, wer vor allen Dingen alles von Steve Howe besitzen möchte, für die oder den ist dieses Album sicherlich interessant. Denn genau das hört man hier: Musik, an der Steve Howe beteiligt ist. Ansonsten ist dieses Album musikalisch jedoch eher weniger interessant. Sanfte Instrumentalmusik zum Beruhigen und Runterkommen, das passt natürlich auch. Sechs Punkte.

Anspieltipps: More Than You Know, Pinnacle, Martian Mood



Mittwoch, 17. August 2022

Six By Six – Six By Six

 



Six By Six – Six By Six


Besetzung:

Robert Berry – vocals, bass, keyboards
Ian Crichton – guitar
Nigel Glockler – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock, Rock


Trackliste:

1. Yearning To Fly (4:44)
2. China (3:16)
3. Reason To Feel Calm Again (8:05)
4. The Upside Of Down (4:45)
5. Casino (4:20)
6. Live Forever (1:44)
7. The Last Words On Earth (4:37)
8. Skyfall (4:16)
9. Battle Of A Lifetime (5:21)
10. Save The Night (6:17)

Gesamtspieldauer: 47:30



Six By Six ist der Name einer neu gegründeten Band, deren Mitglieder allerdings gerade Freundinnen und Freunden des Progressive Rocks schon sehr viel länger bekannt sein dürften. Six By Six setzt sich zusammen aus dem Gitarristen Ian Crichton, bekannt als ebensolcher Gitarrist bei der kanadischen Band Saga, dem Schlagzeuger Nigel Glockler, der bei der englischen Heavy Metal Band Saxon ebenfalls an den Drums sitzt und aus dem US-amerikanischen Sänger, Bassisten und Keyboarder Robert Berry, der vielleicht am besten durch seine Zusammenarbeit mit Keith Emerson und Carl Palmer in deren Gruppe "3" bekannt wurde. „Six By Six“ heißt auch das Debutalbum des Trios und erscheint am 19. August 2022 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Auf „Six By Six“ von Six By Six hört man eine Mischung aus Progressive und Mainstream Rock, die gerade durch diese Verbindung den Mainstream an mancher Stelle noch auf ein höheres Level hebt, weg von: „Alles schon mal gehört“. Vieles auf diesem Album erklingt überraschend und lässt die Musik dadurch nochmal ein wenig spannender wirken. Und selbstverständlich ist es auch in diesem Fall so, dass die Musik mit jedem weiteren Durchlauf noch vertrauter und auch eingängiger klingt.

Ich höre auf dem Album keinen „Durchhänger“, sodass „Six By Six“ von Anfang bis Ende gut unterhält. „Höhepunkte“ sind damit automatisch noch mehr Geschmackssache, da die einzelnen Lieder alle zünden. Besonders empfehlenswert für mich wären da trotzdem das mitreißende „China“, was für mich auch gut zu einer Band wie GTR gepasst hätte, in der Berry und Glockler bereits in den 80er Jahren zusammen spielten. Und dann wäre an dieser Stelle noch das ebenso mitreißende, jedoch deutlich progressivere “Casino” zu nennen. Coole atmosphärische Wechsel während der lediglich vierminütigen Laufzeit machen dieses Lied zu einer klasse Nummer ohne dabei auch nur ansatzweise zu vertrackt zu klingen.

Fazit: Drei Musiker, die sich gefunden haben, zum Teil wiedergefunden haben, das sind Six By Six. Auf ihrem selbstbetitelten Debüt hört man spannenden Rock, irgendwo zwischen den Genres Progressive Rock und Mainstream angesiedelt und diese zum Teil dann auch vollständig ausfüllend. Das Zuhören lohnt hier definitiv für Rockfans. Zehn Punkte.

Anspieltipps: China, Casino