Sonntag, 9. Dezember 2012

Styx – Crystal Ball




Styx – Crystal Ball


Besetzung:

Dennis DeYoung – keyboards, vocals & synthesizers
Chuck Panozzo – bass guitar & vocals
John Panozzo – drums, percussion & vocals
James Young – guitars & vocals
Tommy Shaw – acoustic and electric guitars & vocals


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Mainstream, Melodic Rock, AOR


Trackliste:

1. Put Me On (4:57)
2. Mademoiselle (4:05)
3. Jennifer (4:19)
4. Crystal Ball (4:38)
5. Shooz (4:50)
6. This Old Man (5:15)
7. Claire De Lune / Ballerina (7:11)

Gesamtspieldauer: 35:15




Nun, eigentlich hat sich auf dem sechsten Album der Band Styx gar nicht so viel verändert im Bezug zum Vorgänger. Dies vor dem Hintergrund, dass John Curulewski die Band verlassen hatte und Tommy Shaw als neuer Lead-Gitarrist engagiert worden war. Der Sound klingt ähnlich – genau wie die Musik.

So zumindest beginnt das Album „Crystal Ball“ aus dem Jahr 1976. „Put Me On“ rockt und hätte auch gut auf „Equinox“ gepasst. Doch bereits mit dem nächsten Titel „Mademoiselle“ ändert sich etwas. Und das nicht nur, da hier Tommy Shaw zum ersten Mal als Sänger zu hören ist. „Mademoiselle“ klingt bombastischer, ist deutlich aufwendiger arrangiert, mit vielen Gesangsstimmen versehen und rockt jetzt eben nicht nur einfach so durch.

„Jennifer“, der folgende Titel, geht anschließend schwer in die poppige Richtung, auch wenn sich darin ein richtig fetzendes Rock-Gitarren-Solo befindet. Und auch hier gibt es jetzt wiedererneut diese mehrstimmigen Gesangspassagen, die zu einem Markenzeichen der US-Amerikaner werden sollten. Es folgt der Titeltrack „Crystal Ball“, den Tommy Shaw alleine geschrieben hat. Das Stück geht etwas in die Richtung „Boat On The River“, was später ein großer Hit der Band werden sollte. Dann folgt mit „Shooz“ leider wieder ein Rocker und gleichzeitig auch das schlechteste Stück des Albums. Klingt ein wenig nach 08/15-Gestampfe.

Aber die absoluten Höhepunkte warten ja noch. „This Old Man“ und „Claire De Lune / Ballerina“ sind angeproggte Symphonic-Rock-Stücke. Sehr schöne Melodien gepaart mit Rhythmus-, Tempo- und Stimmungswechseln. Das macht richtig Spaß. Bei Claire De Lune handelt es sich übrigens um eine Adaption desselben Stückes aus der „Suite Bergamasque“ für Piano von Claude Debussy, welches dieser 1890 schrieb, aber erst 1905 veröffentlichte. Da hätten wir sie also wieder, die Verbindung Klassik und Rock, die immer wieder Einzug in das Werk Styx‘ hält.

Fazit: Mit „Crystal Ball“ beginnt die „bessere“, zumindest aber interessantere Phase im Schaffen von Styx. Hier kann man bereits heraushören, welche Richtung die Musik der Band einschlagen wird. Nämlich jene hin zum bombastischen Symphonic Rock. Neun Punkte.

Anspieltipps: Mademoiselle, Crystal Ball, This Old Man, Claire De Lune / Ballerina




Samstag, 8. Dezember 2012

Wishbone Ash – Argus




Wishbone Ash – Argus


Besetzung:

Andy Powell – guitar, vocals
Ted Turner – guitar, vocals
Martin Turner – bass guitar, vocals
Steve Upton – drums, percussion


Gastmusiker:

John Tout – organ (Throw Down The Sword)


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Time Was (9:42)
2. Sometime World (6:52)
3. Blowin' Free (5:19)
4. The King Will Come (7:05)
5. Leaf And Stream (4:06)
6. Warrior (5:52)
7. Throw Down The Sword (5:55)


Bonus Tracks:

8. Jail Bait (4:57)
9. The Pilgrim (10:10)
10. Phoenix (17:06)

Gesamtspieldauer: 1:17:06




Mit ihrem dritten, dem 1972 entstandenen Album „Argus“, hat sich die englische Formation Wishbone Ash noch mehr dem Stil angenähert, für den sie in den Folgejahren auch weiterhin stehen sollte: Gitarrenlastiger, bluesorientierter Rock. Progressiven Rock gibt es auf „Argus“ nicht mehr zu hören, alles wirkt ein wenig geradliniger, besitzt aber durchaus seinen Reiz, der nicht nur im Spiel der zwei Leadgitarren liegt.

Auf „Argus“ entwickeln Wishbone Ash in ihrer Musik wunderschöne Melodien, die mal etwas rockiger sind wie beim überaus eingängigen „Blowin‘ Free“ oder etwas sanfter, wie bei der wirklich beeindruckenden Ballade „Leaf And Stream“. Schöner und befreiter kann Gitarrenmusik kaum klingen. Wahrlich richtig klasse gemacht. Da klingt jeder Ton, jede Note ist perfekt gesetzt und es ist „Zeit zum Träumen“ angesagt.

Ähnlich melodiös beginnt auch der Opener „Time Was“, ein Stück, welches in seinem weiteren Verlauf allerdings an Fahrt aufnimmt und schließlich rockt. Dies sogar sehr abwechslungsreich. Sehr viel bluesiger startet „Sometime World“. Aber auch hier verändert sich der Stil, es wird erneut rockiger und schließlich mündet der Song in ein ellenlanges Gitarrensolo.

„The King Will Come“ groovt und rockt einfach klasse. Allein schon der Beginn des Liedes lässt das Herz des Rockfans höher schlagen. Wie treibend hier Schlagzeug, Bass und die Gitarren zusammenspielen, das ist wirklich beeindruckend. Im weiteren Verlauf kann die Nummer erneut auch durch ihre Abwechslung punkten. Da gibt es ebenfalls wieder richtig schöne Gitarrenparts zu hören.

Die ursprünglich letzten beiden Nummern des Albums „Warrior“ und „Throw Down The Sword“ weisen ebenfalls rockige und bluesige Abschnitte auf, wobei beide Stücke auch wieder sehr lange und richtig gut gemachte Gitarren-Soli aufweisen. Wer auf Gitarren-lastigen Blues-Rock steht, der wird hier wahrlich seine Freude haben.

Drei Live-Bonus-Tracks wurden mit auf die remasterte Fassung des Albums gepackt. „Jail Bait“ gab es in dieser Form auch schon als Zugabe auf „Pilgrimage“ zu hören. „The Pilgrim“ ist auch in der hier zu hörenden Version sehr hörenswert, wenn es auch nicht ganz über die Intensität des Originals auf dem Album zuvor verfügt. „Phoenix“ stammt ursprünglich von der Debut-Platte Wishbone Ashs und ist hier noch mal in einer erweiterten und verlängerten Version zu hören.

Fazit: „Argus“ ist ein richtig gutes Album. Und auch wenn man, wie in meinem Fall, mit Blues-Rock nicht immer etwas anfangen kann, so wird dieser hier auf „Argus“ jedoch in einer Art und Weise serviert, die mich durchaus begeistert. Schöne Melodien, treibende und packende Abschnitte, klasse Soli. Wie gesagt, ein richtig gutes Album. Unbedingt zwölf Punkte wert.

Anspieltipps: Time Was, Blowin‘ Free, The King Will Come, Leaf And Stream




Freitag, 7. Dezember 2012

Sigur Rós – Takk…




Sigur Rós – Takk…


Besetzung:

Jón Þór Birgisson – vocals, guitar
Kjartan Sveinsson – keyboards
Georg Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums


Gastmusiker:

Strings: Amiina

Hildur Ársælsdóttir
Edda Rún Ólafsdóttir
Maria Huld Markan Sigfúsdóttir
Sólrún Sumarliðadóttir


Additional strings recorded in Langholtskirkja, performed by:

Kristín Lárusdóttir – cello
Júlía Mogensen – cello
Stefanía Ólafsdóttir – viola
Eyjólfur Bjarni Alfreðsson – viola
Ingrid Karlsdóttir – violin
Gréta Salóme Stefánsdóttir – violin
Matthías Stefánsson – violin
Ólöf Júlía Kjartansdóttir – violin


Brass performed by:

Eiríkur Orri Ólafsson – trumpet
Snorri Sigurðarson – trumpet
Helgi Hrafn Jónsson – trombone
Samúel Jón Samúelsson – trombone
Össur Geirsson – tuba

Percussion/timpani on "Sé lest" performed by Frank Aarnink.
Choir on "Hoppípolla" performed by Álafosskórinn.


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Post-Rock, Art-Rock, Ambient


Trackliste:

1. Takk... (1:58)
2. Glósóli (6:16)
3. Hoppípolla (4:29)
4. Með Blóðnasir (2:17)
5. Sé Lest (8:41)
6. Sæglópur (7:39)
7. Mílanó (10:25)
8. Gong (5:34)
9. Andvari (6:40)
10. Svo Hljótt (7:24)
11. Heysátan (4:10)

Gesamtspieldauer: 1:05:33




Musik ist schon was Tolles. Da denkt man nichts Böses, kauft sich eine CD, da das Cover interessant aussieht, die Scheibe gerade im Angebot zu haben ist und man von isländischer Musik bisher nur etwas von Björk gehört hat. Kurz mal die erlaubten dreißig Sekunden im Internet reingehört – klingt irgendwie nach „Ambient“ – und was soll’s, den „Kaufen-Knopf“ gedrückt. Zwei Tage später legt man dann die CD in den CD-Spieler und man kann es fast nicht glauben, was man da zu hören bekommt. Musik ist was Tolles.

Da singt ein neunjähriger Junge. Nein, ein achtjähriges Mädchen. Aber in den Credits steht davon überhaupt nichts. Island ist das Land der Elfen, Zwerge und Trolle. Da wird eine Klavierlehrerin zu Rate gezogen, wenn Straßen gebaut werden, um nicht bei dem Bauvorhaben mit einem Elfen- oder Zwergen-Wohnort zu kollidieren. Das alles ist kein Witz und so kann es dann schon mal passieren, dass eine Straße verjüngt wird, damit ein „von Elfen bewohnter Felsen“ von der Baumaßnahme nicht betroffen wird. Warum soll denn dann da nicht auch ein Kind singen? Macht es aber nicht. Sänger Jón Þór Birgisson ist zum Zeitpunkt des Erscheinens der Platte bereits dreißig Jahre alt. Kaum zu glauben.

Und kaum zu glauben beziehungsweise schwer zu beschreiben ist auch die Musik, die man auf „Takk…“ geboten bekommt. Ist das sphärische Ambient Musik? Ist das mit wenigen isländischen Worten versehene Instrumentalmusik? Egal, wie man es nennt. Das, was man auf diesem vierten Album der Isländer hört, das klingt. Da werden Lagen von Streichern über Lagen von Streichern gelegt. Irgendwo klingelt immer eine Art Glöckchen, alles ist schön, lieb und nett. Die Elfen scheinen heute Hochzeit zu feiern und auch die Zwerge und Trolle sind eingeladen und wissen sich zu benehmen. Keiner mag hier diese schöne Stimmung zerstören.

Hektik gibt es auf „Takk…“ zu keiner Zeit. Und wenn mal zur Abwechslung die Brass-Sektion in die „Klanggebäudeerrichtung“ mit einsteigt, dann passt sich dieser Sound der schönen Umgebung an und verschmilzt angenehm mit ihr. Der Sound der Musik steht absolut im Vordergrund. Manchem mag dies zu langweilig sein, denn immer und immer wieder versinkt hier alles in allerschönster Schönheit. Ecken und Kanten gibt es da nicht, denn an denen könnte man sich ja stoßen. Nun aber genau das ist auch die Stärke dieses Albums. Diese Konsequenz, mit der man beim Einlegen der Scheibe auf eine Reise geschickt wird, die über 65 Minuten dauert, die nicht aufregend, aber sehr angenehm ist.

Fazit: Ich finde in meinem Musikuniversum keinen Vergleich zu diesem Album. So etwas hatte ich bisher noch nicht gehört und genau das macht die Platte für mich auch so spannend. Ich höre hier etwas ganz anderes als das Alltägliche. Und ich gebe es zu, ich würde auch gerne zu dieser Elfen-Hochzeit eingeladen werden. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Hoppípolla, Með Blóðnasir, Sé Lest, Mílanó






Donnerstag, 6. Dezember 2012

Queen – Queen II




Queen – Queen II


Besetzung:

Freddie Mercury – vocals, piano / harpsichord
Brian May – guitars, piano, vocals, bells
John Deacon – bass guitar, acoustic guitar
Roger Meddows-Taylor – percussion, vocals


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Procession (1:13)
2. Father To Son (6:14)
3. White Queen (As It Began) (4:36)
4. Some Day One Day (4:22)
5. The Loser In The End (4:06)
6. Ogre Battle (4:09)
7. The Fairy Feller's Master-Stroke (2:41)
8. Nevermore (1:19)
9. The March Of The Black Queen (6:33)
10. Funny How Love Is (2:51)
11. Seven Seas Of Rhye (2:49)

Gesamtspieldauer: 40:52




„Queen II“ taufte die englische Band Queen sinnigerweise ihr zweites Album, welches acht Monate nach ihrem Debutalbum im März 1974 veröffentlicht wurde. Und mit „Queen II“ steigerten sich die vier Briten sogar noch im Hinblick auf ihre erste Platte. Dieser so typische Queen-Stil, der vom außergewöhnlichen Gitarrensound des Brian May gekennzeichnet ist, der mit wunderschönen komplexen und harmonischen Hintergrundgesängen ausgestattet und von immer wieder neuen Ideen und Einfällen geprägt ist, diesen Stil gibt es auf „Queen II“ in Perfektion zu hören.

„Queen II“ verkaufte sich bereits deutlich besser als „Queen“ ein Jahr zuvor und enthält mit „Seven Seas Of Rhye“ sogar den ersten kleinen Hit der Band. Das Stück gab es bereits in einer kurzen Instrumentalversion auf dem Debut-Album zu hören und erreichte in der gesungenen Fassung auf „Queen II“ immerhin Platz zehn der englischen Charts. Vom Aufbau her ist das Album derart gestaltet, dass die ehemalige zweite Seite der Platte komplett aus der Feder Freddie Mercurys stammt. Die ersten vier Stücke der früheren ersten Plattenseite schrieb Brian May und den Abschluss, Lied Nummer 5, „The Loser In The End“, steuerte Roger Taylor hinzu.

Auf „Queen II“ wird auch noch gerockt. Deutlich mehr als auf späteren Alben der Band. Allerdings auch schon weniger als auf der ersten Platte. „Father To Son“, „The Loser In The End“, „Ogre Battle“ und auch noch „Seven Seas Of Rhye“ rocken überwiegend. Dabei entfalten diese Stücke jedoch auch eine Melodiösität, die eigentlich nicht so ohne Weiteres mit Hard-Rock in Verbindung gebracht werden kann. Queen schafft das jedoch hier in einer wirklich beeindruckenden Weise.

Die andere, die sanftere Seite, zeigen die vier Musiker mit den wunderschönen Balladen „White Queen (As It Began)“ und „Nevermore“. Dann gibt es da auch noch die progressiven Ansätze in der Musik von Queen, die im Stück „The March Of The Black Queen“ ausgelebt werden. Häufige Rhythmus- und Tempowechsel, genau wie das Vorhandensein gerader und ungerader Takte zeichnen dieses Lied aus. Und dieser Titel beinhaltet auch diesen für Queen so typischen mehrstimmigen Gesang und ist damit bereits ein Vorgeschmack darauf, was die Band diesbezüglich auf „A Night At The Opera“ noch vervollkommnen wird.

Schließlich gibt es auf „Queen II“ noch Songs, die einzig und allein von Queen stammen können. Ein Alleinstellungsmerkmal, Musik, welche in dieser Art und Weise von keiner anderen Band so bisher produziert wurde. Musik mit Wiedererkennungswert. Als Beispiel seien hier „The Fairy Feller's Master-Stroke“ und „Funny How Love Is“ genannt. Da wird es wie im ersteren Fall mal hektisch, mal ruhiger, mal treibender und über allem steht dieser mehrstimmige Gesang, der mitunter Höhen erreicht, welche man sich einem Mann nur schwerlich zuzuschreiben wagt.

Fazit: Es ist die Einmaligkeit, die die Musik von Queen in den 70er des letzten Jahrhunderts so besonders macht. Keine andere Band hat diesen Sound. Keine andere Band singt so überzeugend. Dieses Zusammenspiel von Freddie Mercury, Brian May und Roger Taylor, alle drei wahre Vokalakrobaten, ist einfach beeindruckend. Dazu gesellen sich noch klasse Melodien, schöne Harmonien und immer wieder überraschende Rhythmus- und Tempowechsel. Spannende Musik. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Father To Son, White Queen (As It Began), The Loser In The End, The Fairy Feller's Master-Stroke, The March Of The Black Queen




Mittwoch, 5. Dezember 2012

AC/DC – Dirty Deeds Done Dirt Cheap




AC/DC – Dirty Deeds Done Dirt Cheap


Besetzung:

Angus Young – guitar
Malcolm Young – guitar
Bon Scott – vocals
Phil Rudd – drums
Mark Evans – bass


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Hard-Rock, Blues-Rock


Trackliste:

1. Dirty Deeds Done Dirt Cheap (4:12)
2. Love At First Feel (3:11)
3. Big Balls (2:38)
4. Rocker (2:50)
5. Problem Child (5:45)
6. There's Gonna Be Some Rockin' (3:17)
7. Ain't No Fun (Waiting Round To Be A Millionaire) (7:29)
8. Ride On (5:49)
9. Squealer (5:14)

Gesamtspieldauer: 40:26




„Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ tauften die australischen Hard-Rocker ihr zweites Werk im Jahr 1976. Und diese zweite Veröffentlichung AC/DC’s unterscheidet sich deutlich von den anderen vier Veröffentlichungen der Band, die noch in Zusammenarbeit mit dem ersten Sänger Bon Scott entstanden. Auf „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ ist nicht so durchgängig und konsequent dieser kompromisslose Hard-Rock zu hören, der auf den anderen Alben vorherrscht und dort sogar im Zentrum des Schaffens steht. „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ ist deutlich blueslastiger als alle anderen Platten AC/DC’s – egal ob mit Bon Scott oder Brian Johnson am Gesang.

Natürlich gibt es auch hier diesen überaus kraftvollen Rock zu hören, allerdings nur immer wieder und nicht durchgängig. Beispiele für erstere Anmerkung wären der Opener und Titeltrack des Albums „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“, sowie der letzte Song „Squealer“ – da rockt es richtig. Vieles ist auf dieser Platte jedoch nicht gerade AC/DC-typisch. Und auch wenn solch ein Lied wie „Big Balls“ witzig ist und durchaus seinen Reiz hat und zusätzlich noch eine weitere Seite der Band zeigt, so ist die Nummer jedoch auch ein Beispiel dafür, dass viele Lieder der Platte nicht schlecht, allerdings längst auch nicht mitreißend sind. Die Fülle der richtig guten Titel, wie sie zum Beispiel auf „Let There Be Rock“ oder „Powerage“ zu hören sind, die fehlt hier.

Solch ein Stück wie „Rocker“ langweilt da sogar ein wenig in seiner Schlichtheit, auch wenn der Titel seinem Namen absolut alle Ehre macht. Und auch der Blues, den die Australier hier in verschiedenen Variationen darbieten, ist sicherlich nicht der Schlechteste – ich erwarte allerdings etwas anderes, wenn ich AC/DC auf den Plattenteller lege oder in den CD-Spieler schiebe.

Dazu kommt noch, dass es diese „Übersongs“ auf „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ einfach nicht gibt. Alles ist hier nicht schlecht und die Platte ist mit Sicherheit auch die abwechslungsreichste Veröffentlichung der Band in der Bon Scott Ära, aber das Besondere, jenes wirklich Packende in der Musik, das fehlt hier irgendwie.

Fazit: „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ ist ein überaus solides Album geworden. Leider nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die einzelnen Stücke können zumindest mich deutlich weniger packen als jene, die da auf den folgenden Platten noch kommen sollten. Dabei handelt es sich bei „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ natürlich nicht um ein schlechtes Album. Allerdings jedoch auch nicht mehr um eine richtig gute Platte. „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ ist Durchschnitt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Dirty Deeds Done Dirt Cheap, Problem Child, Ain't No Fun (Waiting Round To Be A Millionaire), Squealer





Dienstag, 4. Dezember 2012

Styx – Equinox




Styx – Equinox


Besetzung:

John Curulewski – guitars, vocals & synthesizers
Dennis DeYoung – keyboards, vocals & synthesizers
Chuck Panozzo – bass guitar & vocals
John Panozzo – drums, percussion & vocals
James Young – guitars & vocals


Label A&M Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Mainstream, Melodic Rock, AOR


Trackliste:

1. Light Up (4:23)
2. Lorelei (3:25)
3. Mother Dear (5:30)
4. Lonely Child (3:53)
5. Midnight Ride (4:23)
6. Born For Adventure (5:17)
7. Prelude 12 (1:21)
8. Suite Madame Blue (6:36)

Gesamtspieldauer: 34:47




„Equinox“ ist das fünfte und auch letzte Album von Styx, welches sie in der ursprünglichen Besetzung eingespielt haben. Nach den Aufnahmen zu dieser 1975 erschienenen Platte verließ John Curulewski die Band noch vor der geplanten Tournee, um wieder mehr Zeit für seine Familie zu haben und mehr kreative Kontrolle über seine zukünftigen Arbeiten zu erlangen.

Nun, musikalisch hat sich auf „Equinox“ nicht viel im Vergleich zum Vorgänger-Album geändert. Immer noch steht geradliniger Rock auf dem Programm. Bezeichnend dafür steht der Song „Lorelei“, der bis zum heutigen Tag einen festen Platz im Songrepertoire der Band bei Live-Auftritten besitzt.

Etwas interessanter, da deutlich abwechslungsreicher, ist das Stück „Mother Dear“. Hier wird zwar auch gerockt, aber es gibt auch immer wieder interessante Einschübe, die das Tempo des Stücks angenehm verschleppen. Auch der mehrstimmige Gesang der Bandmitglieder funktioniert hier und wirkt durchdacht und gut arrangiert.

Erwähnenswert noch, da so völlig anders, das kurze „Prelude 12“, nur mit der Akustik-Gitarre von John Curulewski instrumentiert. Und schließlich, last but not least, die längste Nummer des Albums: „Suite Madame Blue“. Hier setzt Dennis DeYoung zwar wieder ein wenig zu häufig sein Tremolo in der Stimme ein, das macht das Lied aber auch nicht wirklich schlechter. Zunächst ein ruhiger Titel, der dann im weiteren Verlauf Fahrt aufnimmt und immer melodiös klingt. Der Höhepunkt des Albums.

Fazit: Wie immer auf den bisherigen Alben von Styx, so gibt es auch auf „Equinox“ etwas zu entdecken, was sich lohnt, was wirklich hörenswert ist. Allerdings befindet sich auf dieser Platte auch einiges an Füllmaterial in Form von Liedern, die einfach irgendwie belanglos klingen. Und diese sind auf dieser Platte leider in der Überzahl. Für Styx-Fans sicherlich ein Muss - für alle anderen ist der Einstieg in die Styx-Welt mit den Alben Ende der 70er sinnvoller. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Mother Dear, Born For Adventure, Prelude 12, Suite Madame Blue




Montag, 3. Dezember 2012

Mike Oldfield – Heaven’s Open




Mike Oldfield – Heaven’s Open


Besetzung:

Mike Oldfield – guitar, vocals, keyboards


Gastmusiker:

Simon Phillips – drums
Dave Levy – bass
Mickey Simmonds – piano & hammond
Andy Longhurst – additional keyboards
Courtney Pine – saxophones, bass clarinette
Vicky St. James, Sylvia Manson-James, Dolly James, Debi Doss, Shirlie Roden, Valerie Etienne – The “Sassy Choir”
Anita Hegerland, Nikki ‘B’ Bentley, Thom Newman – additional vocal harmonies


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Pop, Instrumental-Musik


Trackliste:

1. Make Make (4:19)
2. No Dream (6:03)
3. Mr. Shame (4:23)
4. Gimme Back (4:13)
5. Heaven's Open (4:32)
6. Music From The Balcony (19:45)

Gesamtspieldauer: 43:14




Zwei Jahre vor „Heaven’s Open“ wurde „Earth Moving“ veröffentlicht. Ein Jahr vorher „Amarok“. Nun, wer dachte, dass „Heaven’s Open“ nun sicherlich im Sound näher an „Amarok“ liegen würde, eine Entwicklung, die jetzt nicht so überraschend gewesen wäre, der wird beim Hören von „Heaven’s Open“ bitterlich enttäuscht sein. Denn dieses 1991 entstandene Album lehnt sich deutlich mehr an seinen Vor-Vorgänger, als an den direkten Vorgänger an.

Die Platte besteht aus insgesamt sechs Titeln, wobei die fünf ersten allesamt kürzere Pop-Nummern darstellen. Und diese fünf Lieder sind vielleicht minimal besser als jene Songs, die auf „Earth Moving“ zu hören sind. Aber nicht viel mehr. Das ist immer noch sehr unambitionierter Pop. Langweilig, ohne eingängige Melodie oder sonstige, positive Überraschung. Mike Oldfield singt alle Stücke selbst ein – das macht er nicht schlecht, begeistern kann er damit allerdings auch nicht. Und wenn ich Reggae hören will, dann komme ich nicht auf die Idee mir Mike Oldfield reinzupfeifen, sondern lege da lieber die Originale ein. Solch Lieder wie „Gimme Back“ passen einfach nicht und man fragt sich, warum das jetzt auch noch sein musste.

Nun und wie sieht es mit dem Longtrack „Music From The Balcony“ aus? Klar, das ist der beste, der abwechslungsreichste und auch interessanteste Titel dieses Albums. Allerdings reicht er bei weitem nicht an jene Stücke heran, die in etwa derselben Länge auf Mike Oldfields Alben der 70er Jahre ihren Platz in der Musikgeschichte fanden. „Music From The Jungle“ wäre auch ein passender Titel für dieses Stück geworden, denn laufend kreischt, knarzt und fiept es, so als ob man sich direkt im Urwald befinden würde. Mal wird es eingängiger, dann wieder ein wenig unübersichtlicher und experimenteller. Mal ist die Stimmung ruhig, dann prescht der Rhythmus los, plötzlich taucht sogar ein Saxophon auf und immer wieder spielt sich diese unverwechselbare Solo-Gitarre Mike Oldfields in den Vordergrund. Leider wirkt das in seiner Gesamtheit allerdings ein wenig zusammengestückelt und ziellos und lässt den Hörer ein bisschen verwirrt zurück. Aber immerhin, das ist jetzt zumindest mal wieder Musik in Richtung „Progressive Rock“.

Fazit: Durch das letzte Stück wird „Heaven’s Open“ deutlich besser als „Earth Moving“. Schade jedoch, dass dieser Vergleich überhaupt kommen muss. Aber die ersten fünf Titel auf „Heaven’s Open“ sind jenen auf „Earth Moving“ einfach in ihrer Machart zu ähnlich. Und “Music From The Balcony“ macht diese Platte nicht mehr zu einem guten Album. Noch nicht mal mehr zu einem richtig durchschnittlichen. Dazu begeistert auch dieses Lied deutlich zu wenig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: No Dream, Music From The Balcony




Sonntag, 2. Dezember 2012

Wishbone Ash – Pilgrimage




Wishbone Ash – Pilgrimage


Besetzung:

Andy Powell – guitar, vocals
Ted Turner – guitar, vocals
Martin Turner – bass, vocals
Steve Upton – drums


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Rock, Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Vas Dis (4:46)
2. The Pilgrim (8:34)
3. Jail Bait (4:46)
4. Alone (2:24)
5. Lullaby (3:04)
6. Valediction (6:21)
7. Where Were You Tomorrow (Live) (10:26)


Bonus Track:

8. Jail Bait (Live) (4:55)

Gesamtspieldauer: 45:14




Einen wahren Stilmix präsentieren Wishbone Ash auf ihrem zweiten Album aus dem Jahr 1971. Folk Rock, Hard Rock, Jazz Rock, Boogie-Woogie-Anleihen und auch Progressive Rock gibt es auf der Platte „Pilgrimage“ zu hören. Jazzig beginnt die Scheibe mit „Vas Dis“, einer Adaption eines Stücks des Jazz-Organisten Jack McDuff. Etwas ungewöhnlich dabei ist wohl der Gesang, der aus jeder Menge „BabaDab’s“ besteht. Ansonsten ist das eine richtig klasse treibende Nummer, bei der sich Martin Turner am Bass die Finger blutig zu zupfen scheint.

Dann wird es mit „The Pilgrim“ schon sehr progressiv. Die Nummer beginnt äußerst sphärisch, eine weit entfernte Gitarre sorgt für „Sehnsucht“, alles wird nur leicht angedeutet, allerdings Mantra artig wiederholt. Richtig schöne Musik zum Träumen. Doch das bleibt nicht so. Ab etwa 2:40 mischen sich ganz neue Töne unter diese so entspannte Stimmung. Und was jetzt kommt erinnert mitunter so stark an „Discipline“ von King Crimson, dass man glaubt ein Déjà Vu zu hören. Ich kannte zuerst die Platte von King Crimson, aber „Pilgrimage“ ist zehn Jahre zuvor entstanden. Ein wahrlich überzeugender Titel, vor allen Dingen für Prog-Fans – auch wenn hier ebenfalls dieser sinnfreie, aber lautmalerische Gesang mit zu hören ist.

„Jail Bait“ ist im Anschluss daran wieder ein Lied, für welches Wishbone Ash eher steht: Geradliniger, angebluester Rock. Deutlich interessanter werden da schon wieder die folgenden Titel. „Alone“ ist eine schöne und schwerelose Gitarreninstrumentalnummer, bei der der doppelte Lead-Gitarren-Einsatz wunderbar zur Geltung kommt. Bei „Lullaby“ werden die zwei Gitarren dann miteinander verwoben, gehen ineinander über und trennen sich wieder. Wunderschön atmosphärisch wurde der Titel des Liedes richtig gewählt.

„Valediction“ schließlich bewegt sich dann auf den Spuren Crosby, Stills und Nashs. Harmonischer mehrstimmiger Gesang, eine schöne Melodie und fertig ist sie, die sehr getragene Ballade, die eingängig und folkig klingt. Fast schon ein wenig zu süß. Das ursprünglich letzte Lied des Albums ist überraschenderweise ein Live-Titel. Das Publikum jubelt und in Boogie-Woogie-Manier wird hier gegroovt. Zehneinhalb Minuten dauert das Stück und ist wieder eine ganz andere, eine weitere Facette auf „Pilgrimage“. Eine, auf die ich zugegebenermaßen am leichtesten hätte verzichten können. Klar, da rockt es und da groovt es, aber so richtig packen kann mich das Ganze einfach nicht.

Ein Bonus-Track wurde der remasterten Fassung des Albums hinzugefügt. Dabei handelt es sich um eine Live-Version des anderen „Rockers“ der Platte „Jail Bait“. Und diese Version klingt fast noch dynamischer als die Studioveröffentlichung.

Fazit: „Pilgrimage“ ist ein gutes Album geworden. Sicherlich kann nicht jeder etwas mit diesem Stilmix anfangen. Aber alleine der Titel „The Pilgrim“ lohnt den Kauf des Albums, zumindest wenn man auch die Musik King Crimsons mag. Zusätzlich gibt es weitere interessante Lieder auf der Platte zu entdecken. Wirklich gut gemachte Musik, da spielt das Ende der Platte dann gar nicht mehr die große Rolle. Elf Punkte.

Anspieltipps: Vas Dis, The Pilgrim, Alone, Lullaby, Valediction




Samstag, 1. Dezember 2012

Bright Eyes – Lifted or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground




Bright Eyes – Lifted or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground


Besetzung:

Conor Oberst – guitar, piano, rhodes, organ, voice (I-XIII)
Todd Baechle – voice (XI)
Clark Baechle – clarinet (III, VI, VIII)
Chris Brooks – piano (XI)
Gretta Cohn – cello (III, V, VII, XII)
Sean Cole – harmonica (IX, VIII)
Julee Dunekacke – french horn (III)
Margaret Fish – lassoon (III, VIII)
Orenda Fink – trumpet, voice (II, III, VII, XI, XIII)
Jason Flatowicz – trombone (III, XIII)
Tiffany Kowalski – violin (III, V, VII, XII)
Jiha Lee – flute, voice (III, VI, VIII, IX)
Andy LeMaster – electric guitar, keyboards, voice (II–IV, VI–VIII, XI)
Clay Leverett – voice (IX)
Jenny Lewis – voice (I)
Matt Maginn – bass (II, IV-VII, IX)
Mike Mogis – banjo, bells, hammer dulcimer, vibraphone, glockenspiel, mandolin, electric guitar, dobro, pedal steel (II-IX, XI-XIII)
Katie Muth – oboe (III, VI, VIII, XII
Casey Scott – bass (III, VIII, IX, XII, XIII)
Blake Sennett – voice (I)
Ted Stevens – electric guitar (IX)
Maria Taylor – piano, organ, voice (II, III, IV, VIII, XII, XIII)
Clark Baechle, Matt Focht, Clay Leverett, Clint Schnase, Mike Sweeney – drum corps (II-IX, XI-XIII)
Clark Baechle, Todd Baechle, Orenda Fink, Jiha Lee, Andy LeMaster, A.J. Mogis, Maria Taylor – choir (III)
Rob Bass, Andy LeMaster, Mike Mogis, Jeff Tafolla – country choir (IX)
Everyone that was drinking at Duffy’s and O’Rourke’s that night – drunk choir (XII)
Andy LeMaster, Mike Mogis, Conor Oberst and the players – horn and string arrangements


Label: Saddle Creek


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Pop, Folk


Trackliste:

1. The Big Picture (8:43)
2. Method Acting (3:42)
3. False Advertising (5:52)
4. You Will. You? Will. You? Will. You? Will. (3:25)
5. Lover I Don't Have To Love (4:00)
6. Bowl Of Oranges (4:49)
7. Don't Know When But A Day Is Gonna Come (6:32)
8. Nothing Gets Crossed Out (4:35)
9. Make War (6:17)
10. Waste Of Paint (6:30)
11. From A Balance Beam (3:40)
12. Laura Laurent (4:57)
13. Let's Not Shit Ourselves (To Love And To Be Loved) (10:07)

Gesamtspieldauer: 1:13:08




Zwei Dinge sind es, die einen dazu bewegen könnten, Bright Eyes, das Band-Projekt des Conor Oberst aus Omaha, Nebraska, nicht zu mögen. Der eine wäre, man würde nur auf sehr rockige Musik stehen, denn die Musik von Bright Eyes ist meist sehr ruhig - jedoch keinesfalls weniger intensiv. Der zweite Punkt könnte die Gesangsstimme Conor Obersts sein, die immer wieder mal zittert, oftmals nicht fest sondern eher überaus zerbrechlich wirkt, allerdings perfekt zu dieser sehr, oftmals mit „zart“ zu umschreibenden Musik passt.

Nun, wer damit keine Probleme hat, der dürfte mit dem vierten Album von Bright Eyes aus dem Jahr 2002 jede Menge Spaß bekommen. Denn hier ist sie, die eindringliche Musik mit den wohlüberlegten Texten, bei der sich die gespielte Musik auch schon mal nach dem Text richtet und nicht umgekehrt, wie das häufig der Fall ist. Dazu ist das Album, instrumental betrachtet, auch etwas fülliger geworden als die Vorgängerplatten, die noch ein wenig Akustik-Gitarren-lastiger waren.

Das merkt man allerdings noch nicht beim ersten Stück „The Big Picture“. Das wirkt eher wie ein kleines Hörspiel, man hört immer wieder Hintergrundgeräusche, wobei die Nummer ansonsten nur ganz spartanisch mit der Akustik-Gitarre instrumentiert wurde. Ansonsten erlauscht man viel Autoverkehr und die seltsam abgemischte, wie aus dem „Off“ kommende Stimme Conor Oberts. Ein etwas sperriger Einstieg in dieses Album, welcher durchaus auch gewagt ist.

Aber so bleibt es nicht. „Method Acting“ im Anschluss ist ein viel flotteres, in Richtung Folk Rock gehendes Stück, welches wiederum von „False Advertising“ gefolgt wird, dem ersten großen Höhepunkt auf „Bright Eyes – Lifted or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground“. Hier haben nun zum ersten Mal die Streicher ihren Einsatz. Alles wirkt ein wenig getragen, was durch einen traurigen Hintergrundchor und die immer wieder vibrierende Stimme Conor Obersts noch untermalt wird. Toll hierbei auch der Break etwa in der Mitte des Stücks.

Mit den Titeln fünf, sechs und sieben, „Lover I Don't Have To Love”, „Bowl Of Oranges” und „Don't Know When But A Day Is Gonna Come” warten dann die absoluten Highlights der Platte auf den Hörer. Die ersten beiden Nummern haben dabei sehr eingängige Melodien, mal etwas melancholischer wie im ersten Fall, mal etwas befreiter und optimistischer wirkend, wie bei „Bowl Of Oranges“ – zumindest größtenteils. „Don't Know When But A Day Is Gonna Come” ist dann so etwas von intensiv, dass man dieses Lied einfach erlebt haben muss. Fast schon monoton in Melodieführung und Instrumentierung wird hier so viel Stimmung und Atmosphäre erzeugt, wie es selten in der Musik zu hören ist.

Nicht unerwähnt bleiben sollen hier allerdings auch die beiden “Tiefpunkte” der Platte, die sich in Form zweier Country-Songs auf das Album geschlichen haben: „Make War” und “Laura Laurent“ heißen diese. Genau dafür wurde auch die Fernbedienung erfunden, dass man hier wirklich sehr schnell die „Weiter-Taste“ betätigen kann.

Allerdings endet die CD wieder mit einem Höhepunkt: „Let's Not Shit Ourselves (To Love And To Be Loved)”. Ein Mid-Tempo-Lied, völlig untypisch für diese Platte, aber mitreißend. Ein klasse Abschluss für ein schönes Album.

Fazit: Es ist beeindruckend, was sich auf dieser Platte, mit dem allzu sperrigen Namen „Lifted or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground“ befindet. Gerade in der Mitte des Albums gibt es da einige Lieder, die ich nicht missen möchte. Sehr eindringlich das Ganze. Und wie schon erwähnt, wenn man gerne auch mal ruhigere Musik hört und sich mit der manches Mal weinerlichen Stimme des Conor Obersts arrangieren kann, dann gibt es hier auf diesem Album jede Menge zu entdecken. Eine Platte, welche mit dem häufigeren Hören auch noch wächst. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Method Acting, False Advertising, Bowl Of Oranges, Don't Know When But A Day Is Gonna Come, Let's Not Shit Ourselves (To Love And To Be Loved)




Freitag, 30. November 2012

Spock’s Beard – V




Spock’s Beard – V


Besetzung:

Neal Morse – vocals, piano, synthesizer, acoustic guitar
Dave Meros – bass, stand-up bass, vocals, french horn
Ryo Okumoto – hammond organ, mellotron
Alan Morse – electric guitar, vocals, cello, sampler
Nick D’ Virgilio – drums, percussion, vocals


Gastmusiker:

Katie Hagen – french horn
Chris Carmichael – violin, viola, cello
Kathy Ann Lord – english horn
Joey Pippin – trumpet


Label: Inside Out Music


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: RetroProg


Trackliste:

1. At The End Of The Day (16:28)
2. Revelation (6:05)
3. Thoughts (Part II) (4:39)
4. All On A Sunday (4:04)
5. Goodbye To Yesterday (4:40)
6. The Great Nothing (27:02)
   
     I. From Nowhere
     II. One Note
     III. Come Up Breathing
     IV. Submerged
     V. Missed Your Calling
     VI. The Great Nothing




Progressive Rockmusik? War da nicht mal was in den 70ern? Gibt es denn heutzutage noch Bands, die sich dieser Stilrichtung verschrieben haben? Dreimal ein klares „Ja“. Spock’s Beard, eine Band um den Kopf Neal Morse, hält das Banner „Progressive Rockmusik“ auch zu Beginn dieses Jahrtausends noch hoch. Und mit „V“, irgendwie logischerweise dem fünften Output der amerikanischen Formation, haben sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein richtig gutes Album vorgelegt.

„At The End Of The Day“ beginnt mit dem Sound von Hörnern, wie ein Stück klassische Musik. Und es ist nicht nur wegen seiner Länge von knapp sechzehneinhalb Minuten ein tolles Lied, welches das Herz des Progfans höherschlagen lässt. Rhythmuswechsel, schöne Melodien, schräge Töne, laute und ruhigere Passagen, der Einsatz diverser Instrumente – all diese Stilmittel finden sich auf „At The End Of The Day“. Ein langes Stück Musik, welches nie langweilig wird und immer wieder mit überraschenden Wechseln aufwartet.

Aber auch in ihren kürzeren Titeln geizen die „Bärte“ nicht mit Abwechslung. „Revelation” besteht aus zwei Teilen, einem ruhigen, sphärischen sowie einem fast schon Hardrock-mäßigen und deutlich schnelleren Part. „Thought’s (Part II)“ beginnt anschließend herrlich schwebend mit Gesang und Akustik-Gitarre, bevor es ebenfalls an Fahrt aufnimmt. Und dann kommt er, ein Gesangsteil, der so sehr an beste Gentle Giant Zeiten erinnert. Es folgen noch Streicher und – und – und. In diesem viereinhalbminütigen Stück steckt so viel Abwechslung, wie es einem Musikhörer in der heutigen Zeit nur noch ganz selten geboten wird.

„All On A Sunday“, die nächste Nummer auf dem Album, nähert sich anschließend fast schon der Musikrichtung „Pop“ und erinnert schwer an die Beatles. Wohingegen „Goodbye To Yesterday“ zunächst sehr getragen daherkommt, dann zwar auch an Tempo gewinnt, allerdings nicht wirklich ein „lauteres“ Lied wird. Für mich ist der Song fast schon an der Grenze zum „Schmalzigen“ und auch das schlechteste Lied auf der CD.

Aber dann kommt er noch, der Höhepunkt oder das Werk, des gesamten Albums: „The Great Nothing“. Abwechslungsreicher kann man Musik nicht darbieten. Hier hauen die fünf Amerikaner alles raus, was es „rauszuhauen“ gibt an Melodien, Rhythmen, Instrumentierung, und Atmosphäre. Ein genialer Song, den man nicht mit „kurz mal reinhören“ begreifen kann, dazu ist die Stelle, die man gerade erwischt hat mit Sicherheit zu unterschiedlich zu der Stelle zwei Minuten davor oder danach.

Fazit: Wer die „alten“ Yes mag, gemixt mit etwas „alten“ Genesis und einem Hauch Gentle Giant, den wird das Album begeistern. Und nochmal, dieses Stück Musik entstand nicht in den 70ern, sondern zur Jahrtausendwende. Und von mir gibt es dafür 11 Punkte.

Anspieltipps: Alle Stücke, wobei man sich mit dem “Anspielen” nicht wirklich einen Gefallen erweist, dazu ist die Musik einfach zu abwechslungsreich und selbst in einem Lied zu unterschiedlich.



Donnerstag, 29. November 2012

Styx – Man Of Miracles




Styx – Man Of Miracles


Besetzung:

John Curulewski – guitar, arp, vocals
Dennis DeYoung – keyboards, arp, vocals
Chuck Panozzo – bass
John Panozzo – percussion, drums, vocals
James Young – guitar, vocals


Label: Wooden Nickel


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Mainstream, Pop, Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Rock & Roll Feeling (3:04)
2. Havin' A Ball (3:59)
3. Golden Lark (3:37)
4. A Song For Suzanne (5:04)
5. A Man Like Me (3:00)
6. Lies (2:49)
7. Evil Eyes (4:10)
8. Southern Woman (3:12)
9. Christopher, Mr. Christopher (4:02)
10. Man Of Miracles (4:56)

Gesamtspieldauer: 37:52




Mit „Man Of Miracles“, dem vierten Album der aus Chicago stammenden Rock-Band Styx, hatten sich die US-Amerikaner noch ein wenig mehr dem mainstreammäßigen Rock angenähert, denn geradlinigen, eingängigen Rock hört man hauptsächlich auf dieser Platte. Das Gefühl des Dennis De Young für schöne und packende Melodien blitzt hier allerdings zum ersten Mal so richtig auf. Beispielhaft stehen dafür die Titel „A Song For Suzanne“ und „Christopher, Mr. Christopher“. Auch wenn an diesen Titeln bereits erkennbar wird, dass die Stimme des Dennis De Young mitunter sehr gewöhnungsbedürftig ist, da sie allzu gekünstelt wirkt. Nun und der Titelsong, „Man Of Miracles“, an dem neben Dennis De Young auch James Young beteiligt war, öffnet zumindest ein klein wenig den Vorhang des progressive Rock, allerdings des rockigen progessiven Rocks.

Dann gibt es da noch das Lied „Golden Lark“. Mit Piano und Streichern instrumentiert ist dies ein sehr ruhiger und melodiöser Titel geworden und stellt auf seine Weise irgendwie die Einleitung zu oben bereits erwähntem Titel „A Song For Suzanne“ dar.

Der Rest der Platte ist wie bereits beschrieben meist irgendwie geradliniger Rock, der wohl bei Rock-Fans Gefallen finden wird, ohne jedoch, dass diese davon zu sehr zu gefesselt werden dürften. Dazu ist alles ein wenig zu vorhersehbar, zu „normal“ und zu mainstreammäßig. Die einzelnen Titel hinterlassen einfach keine Spuren. Eben noch gehört und dann ganz schnell wieder vergessen. Zudem gibt es auch noch die Nummer „Evil Eyes“, bei der der allzu schmachtende Gesang des Dennis De Young sehr unangenehm auffällt. Wenn dieses Tremolo in der Stimme bei quasi jedem längeren Ton seinen Einsatz findet, dann wirkt das einfach nicht mehr. Nein es wirkt dann sogar überzogen und auf seine Art billig.

Fazit: Ein paar kleine Highlights gibt es auf „Man Of Miracles“ zu hören. Der Rest ist äußerst vorhersehbarer Rock, der einen nicht wirklich packen kann. Die Band Styx sollte erst etwas später zur großen Form auflaufen. Schlecht ist das, was Styx hier darbieten aber auch nicht. Gut allerdings ebenfalls nicht. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Golden Lark, A Song For Suzanne, Christopher Mr. Christopher, Man Of Miracles