Sonntag, 24. März 2013

Archive – Controlling Crowds Part IV




Archive – Controlling Crowds Part IV


Besetzung:

Pollard Berrier – vocals, guitar, keyboards
Danny Griffiths – keyboards, sound effects
Darius Keeler – keyboards


Gastmusiker:

Smiley – drums
Maria Q – vocals
Dave Pen – vocals, guitar
Jonathan Noyce – bass
Steve Harris – guitar
Roscoe John – vocals
Steve “Keys” Watts – hammond organ, organ
Anita Hall – triangle
Lee Pomeroy – mellotron
Graham Preskett – piano


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop bis Progressive Rock


Trackliste:

1. Pills (4:13)
2. Lines (6:04)
3. The Empty Bottle (7:03)
4. Remove (4:06)
5. Come On Get High (4:41)
6. Thought Conditioning (3:39)
7. The Feeling Of Losing Everything (4:48)
8. Blood In Numbers (3:05)
9. To The End (3:55)
10. Pictures (3:55)
11. Lunar Bender (3:26)

Gesamtspieldauer: 48:55




Nur wenige Monate nach „Controlling Crowds Parts I-III“ veröffentlichte Archive „Controlling Crowds Part IV“ Zu schnell danach? Fast könnte man es meinen, wenn man die verschiedenen Ideen auf den beiden Veröffentlichungen miteinander vergleicht. Zwar gibt es auf „Controlling Crowds Part IV“ auch außergewöhnliche Momente, allerdings sind diese deutlich rarer gesät, als bei dem Vorgänger. Zu den herausragenden Stücken gehört sicherlich der Titel „The Empty Bottle“. Eine Nummer mit einer wunderschönen Melodie, die ebenfalls wieder, wie so häufig bei Archive, von seiner Steigerung lebt. Auch dieses Mal wurde diese Herangehensweise an ein Lied perfekt umgesetzt. Ebenfalls sehr gut gelungen ist noch „To The End“, ein sehr ruhiges und sentimentales Stück. Instrumentiert ist das Ganze durch einen wahrlich schönen Pianoteppich, in den sich die anderen Instrumente perfekt einfügen und anschließend ausbreiten können. Dieses Lied wird übrigens genau wie „The Empty Bottle“ von Dave Pen gesungen.

Das waren sie aber auch schon, die beiden absoluten Höhepunkte des Albums. Ebenfalls noch ein wenig hängenbleiben kann „The Feeling Of Losing Everything“. Auch bei diesem Track handelt es sich wieder um ein sehr ruhiges Stück, wobei überhaupt festzustellen ist, dass „Controlling Crowds Part IV“ mit deutlich leiseren Tönen aufwartet, als dies sein Vorgänger noch tat.

Es wird zwar insgesamt erneut sehr viel Wert auf die Atmosphäre gelegt bei den einzelnen Stücken auf „Controlling Crowds Part IV“, diese wird allerdings von der Band nicht in dem Maße erreicht, wie noch auf den ersten drei Teilen von „Controlling Crowds“, die alle auf einer einzigen CD erschienen. Die restlichen Lieder sind zugegebenermaßen durch die Bank nicht richtig schlecht, bleiben allerdings jedoch auch nicht hängen. Sie lassen das „Besondere“ vermissen, was einen sehr guten von einem normalen Track unterscheidet. Negativ fallen mir wieder „Lines“ und „Thought Conditioning“ auf, auf denen mittels Roscoe John wieder gerappt wird. Aber das ist wohl mein persönliches Problem.

Fazit: Vielleicht hätte es einer längeren Schaffenspause bedurft, um noch mehr als die zweieinhalb sehr guten Stücke auf die CD zu pressen. Das Album ist mit Sicherheit kein Ausfall, liegt aber trotzdem qualitativ meilenweit hinter den besten Alben, die Archive bisher veröffentlicht hat. Von mir gibt es dafür acht Punkte.

Anspieltipps: The Empty Bottle, The Feeling Of Losing Everything, To The End





Samstag, 23. März 2013

Men At Work – Down Under




Men At Work – Down Under


Besetzung:

Colin Hay – vocals, guitar
Ron Strykert – guitar, vocals
John Rees – bass
Jerry Speiser – drums
Greg Ham – saxophone, flute, keyboards


Label: Sony Music Entertainment


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Pop


Trackliste:

1. Down Under (3:43)
2. It’s A Mistake (4:32)
3. Overkill (3:44)
4. Blue For You (3:53)
5. Children On Parade (3:35)
6. Helpless Automation (3:21)
7. Everything I Need (3:35)
8. I Can See It In Your Eyes (3:28)
9. No Restrictions (4:28)
10. Settle Down My Boy (3:30)
11. Snakes And Ladders (3:17)
12. Still Life (3:49)
13. Who Can It Be Now? (3:24)

Gesamtspieldauer: 40:04




Nun, mit solch „Best Of … -Alben“ ist das immer so eine Sache. Ist dieses „Beste“, was es da zu hören gibt auch jenes „Beste“, was ich als selbiges empfinde? Um sich jedoch einen groben Überblick über das Werk einer Band zu verschaffen, kann dies auch manchmal sehr hilfreich sein. Zumal, wenn diese „Übersicht“ für kleines Geld zu erwerben ist. Und beides trifft auf dieses Album von „Men At Work“ zu, somit ist diese Kompilation aus dem Jahre 2001 doch eine sehr gute Investition gewesen. Die besten Lieder aus den drei Alben der Australier von Men At Work „Business As Usual“ (1981), „Cargo“ (1983) und „Two Hearts“ (1985) sollen angeblich auf dieser Scheibe enthalten sein. Warum sich allerdings nicht alle Singleveröffentlichungen mit auf der CD befinden („Dr. Heckyll and Mr. Jive“ fehlt), bleibt ein Rätsel. Da wäre man dann wieder bei dieser Frage, was „Best Of…“ eigentlich bedeutet. Egal.

Die großen Hits, die sich allesamt auf den ersten beiden Alben befanden: „Down Under“, It’s A Mistake“, „Overkill“ sowie „Who Can It Be Now?“ sind vertreten und können auch heute noch gefallen. Und damit wird auch gleich die Schwäche von „Men At Work“ augenscheinlich. Sie hatten diese vier tollen Singleauskopplungen, die restlichen Lieder sind jedoch meist leider alles seichte Popliedchen, die weder begeistern können noch irgendwie sonst hängenbleiben. Manche Lieder, wie „Settle Down My Boy“ können dabei sogar richtig nervig werden. Folgerichtig löste sich die Formation auch nach dem dritten Album, auf dem kein Single-Hit mehr enthalten war, wieder auf. Anscheinend waren den Australiern die Ideen ausgegangen.

Fazit: Die vier Hits von „Men At Work“ sind sicherlich Kult. Und dafür lohnt auch die Anschaffung der CD, denn diese ist überall günstig zu haben. Der Rest ist was für Leute, die wissen wollen, wie denn der „bessere Rest“ der anderen Songs von „Men At Work“ klingt. Wobei der „bessere Rest“ auch sehr unterschiedlich gesehen werden kann. Ich kenne zumindest die ersten beiden Platten der Band sehr gut und auf meiner Best-Of-Zusammenstellung würden auch andere Lieder zu finden sein. Wegen der vier Hits gebe ich allerdings doch zehn Punkte, die übrigen Songs sind allerdings nicht ganz so überzeugend. Einen Punkt ziehe ich aber wieder ab, da ich zumindest alle Singleauskopplungen auf so einer CD erwarten würde. (Update Oktober 2013) Und dann ist das doch nicht gerechtfertigt, denn die vier erwähnten Titel sind schon sehr cool und begleiten einen auch. Daher echt verdiente zehn Punkte.

Anspieltipps: Down Under, It’s A Mistake, Overkill, Who Can It Be Now?



Freitag, 22. März 2013

Oasis – (What’s The Story) Morning Glory?




Oasis – (What’s The Story) Morning Glory?


Besetzung:

Liam Gallagher – vocals
Noel Gallagher – lead guitar, vocals, mellotron, piano and e bow
Paul Arthurs – rhythm guitar, mellotron and piano
Paul McGuigan – the bass player
Alan White – drums and percussion


Gastmusiker:

Tony McCarroll – drums on „Some Might Say“
Paul Weller – lead guitar and backing vocals on “Champagne Supernova”


Label: Sony Music Entertainment


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Brit-Pop


Trackliste:

1. Hello (3:21)
2. Roll With It (3:59)
3. Wonderwall (4:18)
4. Don’t Look Back In Anger (4:48)
5. Hey Now! (5:41)
6. (The Swamp Song Version 1) (0:44)
7. Some Might Say (5:29)
8. Cast No Shadow (4:51)
9. She’s Electric (3:40)
10. Morning Glory (5:03)
11. (The Swamp Song Version 2) (0:39)
12. Champagne Supernova (7:27)

Gesamtspieldauer: 50:06




Für mich ist „(What’s The Story) Morning Glory?“ das Brit-Pop-Album schlechthin. Melodiöse und eingängige Titel, von denen praktisch jeder das Potential hätte, als Single veröffentlicht zu werden und in den Charts aufzutauchen. Klar klingen Oasis hier oftmals wie die Beatles, aber sie spielen keine Songs der Beatles, nur solche, die auch von den Fab Four hätten geschrieben werden können. Wurden sie aber nicht und deshalb können Oasis hier durchaus mit was Neuem aufwarten: Wunderschöne und melodiöse Pop- und Rocklieder, die beim Anhören für gute Laune sorgen.

Auf dem zweiten und erfolgreichsten Album der Band um die Brüder Liam und Noel Gallagher gibt es keinen einzigen Ausfall zu verzeichnen. Alle Songs sind hörenswert, selbst die beiden, auf der CD zunächst unbetitelten Nummern, die an Platz 6 und 11 des Albums zu finden sind und erst in späteren Veröffentlichungen in „The Swamp Song Version 1 und 2“ umbenannt wurden. Auf der ersten Version dieses Liedes hört man Oasis richtig rocken und auf der zweiten Ausführung dann die Musik neben Wassergeräuschen.

„Wonderwall“ und „Don’t Look Back In Anger“ waren große Hits des Albums und gehen sofort ins Ohr. Absolut radiotauglich, wobei das nicht abwertend gemeint ist, denn genau dafür wurden sie auch geschrieben – zur guten Unterhaltung des Zuhörers. Vor allem „Wonderwall“ hat eine klasse Melodie und einen wunderschönen Refrain und das Cello spielt hier herzerweichend.

Nun auch die anderen Stücke müssen sich nicht verstecken. Melodiösität steht an erster Stelle aller Lieder. Bei „Some Might Say“ wird es richtig rockig und damit auch noch mal zusätzlich abwechslungsreicher. Ebenfalls etwas härter ist der Titel „Morning Glory“ geraten, welcher mit Hubschraubergeräuschen eingeleitet wird und überdies so manchen „schrägeren Ton“ bereithält. „Cast Of Shadow“ erinnert dagegen ein wenig an „Wonderwall“, da es im selben Stil geschrieben und umgesetzt wurde. Und so könnte ich noch die restlichen Stücke der Platte durchgehen und die Aussage würde immer gleich lauten: Alles gute und melodiöse Brit-Pop-Lieder, von denen keines einen Ausfall darstellt. Alles sehr eingängig hörbar, Cabrio-Musik für den schönen Sommertag.

Fazit: Dies ist sicherlich kein Album mit Musik, in die man sich erst reinhören muss. Die Melodien gehen sofort ins Ohr. Und das bedeutet nichts anders, als dass dieses Album Spaß macht. Hier findet sich nichts Hochkompliziertes, Frickeliges oder ein Lied, welches man sich erst „erarbeiten“ muss – alles ist bereits beim ersten Hören überaus eingängig. Auf „(What’s The Story) Morning Glory?“ wird dem Hörer Musik geboten, die gut zu unterhalten weiß. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Von mir gibt es dafür zehn Punkte.

Anspieltipps: Hello, Wonderwall, Don’t Look Back In Anger, Champagne Supernova





Donnerstag, 21. März 2013

Aereogramme – My Heart Has A Wish That You Would Not Go




Aereogramme – My Heart Has A Wish That You Would Not Go


Besetzung:

Craig B – vocals, guitar
Ian Cook – guitar, programming
Campbell McNeil – bass
Martin Scott – drums


Gastmusiker:

Martin Doherty – additional piano, keyboards and vocals
Graham McGeoch – violin solo, track 2


Label: Chemikal Underground Records


Erscheinungsdatum: 2007


Trackliste:

1. Conscious Life For Coma Boy (4:30)
2. Barriers (4:55)
3. Exits (4:16)
4. A Life Worth Living (5:58)
5. Finding A Light (3:46)
6. Living Backwards (6:54)
7. Trenches (4:08)
8. Nightmares (4:05)
9. The Running Man (3:33)
10. You’re Always Welcome (5:08)

Gesamtspieldauer: 47:13




Die dritte und letzte Veröffentlichung von Aereogramme aus dem Jahr 2007 unterscheidet sich sehr von seinen beiden Vorgängern. „Schreiparts“ wie auf „A Story In White“ findet man hier vergebens. Und auch die etwas mehr experimentellen Ansätze; wie SICH auf „Sleep And Release“ vermehrt zu finden waren, lassen sich hier nicht ausmachen beziehungsweise hören. Beim Album „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ wurde sehr viel Wert auf Stimmung gelegt. Stimmung zum Träumen und zum Relaxen. Und diese Atmosphäre wird konsequent die ganze Platte über durchgezogen.

Das erste Stück, „Conscious Life For Coma Boy”, beginnt dabei fast schon schmalzig. Das Ganze wird allerdings im Verlauf des Songs durch die Instrumentierung aufgefangen. Track Nummer 2, „Barriers“, stellt dann schon einen Höhepunkt des Albums dar und ist wohl das bekannteste Lied von Aereogramme. Diese Nummer wurde auch als Single ausgekoppelt und brachte den vier Musikern zumindest ein wenig Renomée ein. Das zugehörige Video transportiert dabei die Stimmung des Liedes sehr gut.

Die Stücke des Albums fließen. Sie fließen ineinander. Die Musik ist nicht aufregend, sie ist „nur“ schön. Das ist Musik, die man hören sollte, wenn es draußen eiskalt ist und man es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht hat, eine heiße Tasse Kaffee, Tee oder Glühwein in den Händen haltend. Es fällt auch schwer weitere Lieder herauszuheben. Am einfachsten geht das vielleicht noch bei Song Nummer 8, „Nightmares“, welcher schwer an Muse erinnert - ohne diese Band zu kopieren. Ähnlichkeiten sind jedoch vorhanden.

Fazit: Alle Lieder auf „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ sind hörenswert, es gibt auf dem Album keinen einzigen Ausfall. Wer gerne auch mal ruhigere und schwebende, durch den Gesang des Craig B fast schon zerbrechlich klingende Musik hört, kann mit „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ nichts falsch machen. Mag sein, dass es dem einen oder anderen vielleicht zu weichgespült daherkommt, aber für die romantischen und sehnsüchtigen Momente gibt es kaum eine bessere Untermalung. Waren auf dem Vorgängeralbum „Sleep And Release“ noch Progansätze zu vernehmen, so fehlen diese hier völlig. Trotz oder aufgrund (?) dieses erneuten Stilwechsels und des kleinen Erfolgs mit „Barriers“, ging es für die vier Schotten nicht mehr weiter und sie lösten sich im Anschluss an die Veröffentlichung der Platte auf. Graig B und Iain Cook brachten inzwischen übrigens eine neue Platte unter dem Titel „The Unwinding Hours“ heraus. Sicher ist die Musik auf „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ nichts Neues und alles schon mal dagewesen, aber die Stimmung macht’s einfach aus, die ist überaus gelungen. Zehn Punkte.

Anspieltipps Barriers, Nightmares





Mittwoch, 20. März 2013

The Psychedelic Furs – Mirrors Moves




The Psychedelic Furs – Mirrors Moves


Besetzung:

Richard Butler – vocals
John Ashton – guitars
Tim Butler – bass guitar
Keith Forsey – drum machine, drums, percussion


Gastmusiker:

Tommy Price – drums on 2 3
Mars Williams – saxophone


Label: Columbia / Sony BMG


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: New Wave


Trackliste:

1. The Ghost In You (4:17)
2. Here Come Cowboys (3:58)
3. Heaven (3:27)
4. Heartbeat (5:21)
5. My Time (4:26)
6. Like A Stranger (4:01)
7. Alice's House (3:55)
8. Only A Game (4:12)
9. Highwire Days (4:03)

Gesamtspieldauer: 37:39




Der mit dem dritten Album eingeleitete Schritt hin zum eingängigen New Wave Pop wurde mit dem vierten Studioalbum der Psychedelic Furs, welches 1984 erschien, konsequent fortgesetzt. Auf „Mirror Moves“ hört man überaus eingängige Pop-Musik, neun völlig unaufgeregte Lieder, die allesamt sofort ins Ohr gehen.

Großartig anspruchsvoll ist diese Musik natürlich nicht, das will sie aber wohl auch gar nicht sein. Hier geht es jetzt einzig und allein um das Unterhalten des Hörers. Radiokompatibel musste es sein, eingängig und unkompliziert. Genau das ist den vier Musikern auch gelungen – trotzdem blieb den Engländern der große Erfolg, der wirkliche Durchbruch versagt.

Die Lieder klingen alle und haben auch einen gewissen Wiedererkennungswert. Einmal gehört ist es zwar nicht unbedingt so, dass die Stücke einen ohrwurmmäßig verfolgen, können den Psychedelic Furs allerdings auch noch nach Zeiten des jahrelangen „Nichthörens“ eindeutig noch zugeordnet werden.

Die Musik auf „Mirror Moves“ ist irgendwie nichts Besonderes und trotzdem hat sie etwas. Beim Einlegen der Scheibe kann es im Grunde genommen keine schlechte Stimmung geben. Die Lieder wirken in der Art einer Gute-Laune-Musik, die an schöne Sommertage erinnert, an stress- und sorgenfreie Zeiten. Dies alles ohne in irgendeiner Art und Weise den Hörer auch nur im Geringsten zu belasten. „Aus den Ohren, aus dem Sinn“ könnte man hier fast meinen – und das trifft es eigentlich ganz gut.

Fazit: Musik muss nicht immer tiefgründig sein. „Mirror Moves“ von den Psychedelic Furs ist das auch nicht. „Mirror Moves“ möchte den Hörer unterhalten, nicht mehr und nicht weniger und das schafft die Platte auch ganz gut – zumindest dann, wenn man etwas mit dem New Wave Sound der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts anfangen kann. Wenn dem so ist, dann kann man sich diese Platte getrost reinziehen. Wer allerdings auf gitarrenorientierten Rock steht, der sollte die Finger davon lassen, denn bei den Psychedelic Furs dreht sich nicht nur auf dieser Platte alles hauptsächlich um das Keyboard – aber das ist für das Genre New Wave wahrlich keine überraschende Erkenntnis. Mit „Mirror Moves“ ist den Psychedelic Furs eine leichte und eingängige Platte geglückt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Heaven, My Time, Like A Stranger, Alice's House, Only A Game




Dienstag, 19. März 2013

Leonard Cohen – I’m Your Man




Leonard Cohen – I’m Your Man


Besetzung:

Leonard Cohen – vocals, keyboards


Gastmusiker:

Jude Johnson – vocals
Anjani Thomas – vocals
Jennifer Warnes – vocals
Mayel Assouly – backing vocals
Evelyine Hebey – backing vocals
Elisabeth Valletti – backing vocals
Jeff Fisher – keyboards
Bob Stanley – guitar
Sneaky Pete Kleinow – pedal steel guitar
Peter Kisilenko – bass
Tom Brechtlein – drums
Vinnie Colaiuta – drums
Lenny Castro – percussion
Michel Robidoux – drums, keyboards
John Bilezikjian – oud
Richard Beaudet – saxophone
Raffi Hakopian – violin


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Pop


Trackliste:

1. First We Take Manhattan (6:02)
2. Ain't No Cure For Love (4:51)
3. Everybody Knows (5:37)
4. I'm Your Man (4:26)
5. Take This Waltz (6:00)
6. Jazz Police (3:54)
7. I Can't Forget (4:32)
8. Tower Of Song (5:39)

Gesamtspieldauer: 41:00




1988 erschien das achte Album Leonard Cohens, welches mit dem Titel “I’m Your Man” versehen wurde. Dieses Album ist nun noch mal ein wenig poppiger geworden als der Vorgänger. Folk Musik ist das nun eigentlich nicht mehr, der Synthie-Pop-Hintergrund ist allgegenwärtig. Dabei klingt die Stimme Leonard Cohens hier auf diesem Album sogar noch ein wenig sonor und tiefer und eindringlicher. Das funktioniert gut, was jedoch deutlich weniger passt, zumindest am Beginn des Albums, das ist der Hintergrundgesang, dieses soulige Geschleime mit “Baby”- oder “Oh Baby”-, „Aaaahs“- und „Oooohs“-Ausrufen nervt bereits beim ersten Hören und wird mir den weiteren Durchgängen leider auch nicht besser.

Die einzelnen Stücke haben allerdings was. Sie gehen sehr schnell ins Ohr und besitzen auch durchaus die Qualität dort länger zu verweilen. Eingängig und melodiös ist die gesamte Platte geworden, Ausnahme ist da vielleicht das ein wenig schräge und irgendwie experimentelle „Jazz Police“, mit dem wohl eine ganze Menge Hörer des früheren Leonard Cohens weniger anfangen können werden. Alle anderen Stücke wirken, mal mehr, mal weniger.

Fazit: Wenn jemand keine Probleme mit gelegentlichem Synthie-Sound hat, an tollen Texten interessiert ist, eine sehr tiefe Stimme zu schätzen weiß und melodiöse Musik mag, dann wird sie oder er mit „I’m Your Man“ bestens bedient. Klar, das ist hier nicht mehr der Leonard Cohen der 60er Jahre. Aber irgendwie ist er es doch noch. Der Sound ist ein völlig anderer geworden, die Botschaften sind jedoch dieselben geblieben und die eingängigen Melodien auch. Das Album hat was, da kann man ruhig mal ein Ohr riskieren. Neun Punkte.

Anspieltipps: First We Take Manhattan, Everybody Knows, I'm Your Man, Take This Waltz





Montag, 18. März 2013

Curved Air – Midnight Wire




Curved Air – Midnight Wire


Besetzung:

Sonja Kristina – vocals
Darryl Way – violin
Mick Jacques – guitars
Stewart Copeland – drums, percussion


Gastmusiker:

John Perry – bass
Peter Wood – keyboards
Derek Damain – backing vocals on “The Fool”


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Woman On A One Night Stand (4:56)
2. Day Breaks My Heart (4:36)
3. The Fool (4:24)
4. Pipe Of Dreams (3:38)
5. Orange Street Blues (4:55)
6. Dance Of Love (4:32)
7. Midnight Wire (7:17)

Gesamtspieldauer: 34:37




„Midnight Wire“ aus dem Jahr 1975 ist bereits das fünfte Studioalbum der britischen Band „Curved Air“. Violinist Darryl Way, der bereits auf den ersten Platten der Band zu hören war, war nach der Pause auf dem letzten Album wieder zurückgekehrt, zudem hatte Stewart Copeland, der nur wenig später mit Police Erfolge feiern sollte, ein kurzes Gastspiel an den Drums.

Der Musik von Curved Air taten diese ständigen Umbesetzungen allerdings keinen Gefallen. „Midnight Wire“ ist eine Ansammlung von Belanglosigkeiten geworden mit Liedern, die zumindest eines kaum vermögen: Den Hörer zu treffen, zu packen, ihn zu interessieren. Die Songs bewegen sich irgendwo im Raum zwischen Pop, Blues und Rock, dieses Mal allerdings mit sehr viel mehr Ausschlag in Richtung zur einfachen Pop-Musik.

Die Violine Darryl Ways ist auf „Midnight Wire“ eher zum schmückenden Beiwerk verkommen, als zu einem tragenden Instrument in der Musik der Band. Die Lieder plätschern fast durch die Bank weg so vor sich hin, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Oder noch schlimmer, wie beim Stück „Day Breaks My Heart“, währenddessen Gefühle der Dankbarkeit entstehen, wenn Sonja Kristina endlich zum letzten Mal „Day breaks my heart, takes you away“ gesungen hat und das Lied endlich ausgeblendet wird.

Hörenswert ist die Instrumentalnummer „Pipe Of Dreams“. Ein sehr verträumtes Stück, welches es zumindest schafft etwas Atmosphäre zu erzeugen. Das wiederum liegt nicht zuletzt auch am, dieses Mal dominanteren, Einbinden der Violine des Darryl Way. Ebenfalls noch mit Einschränkung zum Riskieren eines Ohres zu empfehlen ist der Titelsong am Ende des Albums. Das Lied „Midnight Wire“ ist ein Blues-Rock-Stück, auf dem Sonja Kristina schmachtet und die Gitarre ein langes und bluesiges Solo präsentiert. Immerhin klingt das Ganze hier sehr abwechslungsreich und besitzt auch eine eingängige Melodieführung. Aber progressiver Rock ist auch dieses Stück hier nicht mehr so wirklich.

Fazit: „Midnight Wire“ ist einfach langweilig geworden. Langweiliger Blues, langweiliger Pop, langweiliger Rock. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich sagen: „So, jetzt lege ich mal „Midnight Wire“ von Curved Air ein. Genau auf diese Scheibe habe ich jetzt so richtig Lust!“ Irgendwie unvorstellbar bei all dieser Belanglosigkeit. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Pipe Of Dreams, Midnight Wire





Sonntag, 17. März 2013

Quicksilver Messenger Service – Happy Trails




Quicksilver Messenger Service – Happy Trails


Besetzung:

John Cipollina – guitar and vocals
Greg Elmore – drums, percussion and vocals
Gary Duncan – guitar and vocals
David Freiberg – bass, piano and vocals


Label: Repertoire Records (ursprünglich Capitol Records)


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Blues Rock, Psychedelic Rock, Jam Rock


Trackliste:

1. Who Do You Love - Part I (3:33)
2. When Do You Love (5:15)
3. Where Do You Love (6:07)
4. How Do You Love (2:46)
5. Which Do You Love (4:39)
6. Who Do You Love - Part II (3:01)
7. Mona (7:02)
8. Maiden Of The Cancer Moon (3:01)
9. Calvary (13:21)
10. Happy Trails (1:29)

Gesamtspieldauer: 50:13




Dieses Album der amerikanischen Band aus San Francisco, Quicksilver Messenger Service, ist schon etwas Besonderes. In der Liste des „Rolling Stones Magazines“ der 500 besten Alben aller Zeiten erscheint es auf Platz 189. Der Titel „Mona“ rangiert in der Liste der besten Gitarren-Songs aller Zeiten desselben Magazins auf Platz 88. Und schließlich taucht in einer weiteren Liste John Cipollina als die Nummer 32 der besten Gitarristen aller Zeiten auf. Nun, mit solchen Listen ist das natürlich immer so eine Sache. Stimmen die, oder stimmt das nicht, was dort wie angeordnet wurde. Letztendlich bleibt es dann doch häufig eine Geschmackssache. Was ist das denn nun für eine Musik, die die Band mit dem eigentümlichen Namen Quicksilver Messenger Service auf „Happy Trails“ dem Hörer da präsentiert?

Die erste Seite der Platte wurde live im Fillmore, einem Konzertsaal in San Francisco aufgenommen. Diese Live-Atmosphäre ist am deutlichsten im Part „Where Do You Love“ zu vernehmen, bei dem das Publikum mit eingebunden wurde. Ansonsten hört man nur sehr wenig von dieser Live-Situation. Lediglich am Ende des zweiten „Where Do You Love“-Parts ist das Publikum mit ausgiebigem Applaus zu vernehmen. Alle Teile des Albums gehen ineinander über, nur der kurze Titeltrack „Happy Trails“, am Ende der Platte, eine unsägliche Country-Nummer, ist durch Stille von den anderen Songs abgesetzt.

Beim ersten und letzten Teil der ganzen „Do You Love“-Parts handelt es sich um eine Adaption eines Bo Diddley Rock’n’Rolls, der hier in den Blues überführt wurde. In den einzelnen folgenden Abschnitten erhält dann jeder der vier Musiker seinen eigenen größeren Auftritt in Form eines ausgiebigen Solos. Das wirkt mitunter improvisiert, dabei aber durchgehend spannend. „Spannend“ ist allerdings auch das richtige Stichwort für das Zusammenspiel der zwei Gitarristen John Cipollina und Gary Duncan, die sich gegenseitig richtiggehend zur Höchstform anstacheln und steigern. Überhaupt hört man an jeder Stelle des Albums vier Vollblutmusiker, die ihr Handwerk bestens verstehen. So ist die ehemalige erste Plattenseite zu einem langen Blues-Rock-Song geworden, meist instrumental gehalten, der jede Menge Groove entwickelt und selbst den nicht so bluesbegeisterten Musikhörer mitreißen kann.

Die zweite Seite der ehemaligen LP enthielt angeblich ebenfalls live eingespielte Titel, die allerdings anscheinend nachträglich durch Studioversionen ersetzt wurden. An der Art der Musik hat sich dabei jedoch nichts geändert. Lange Soli, mitunter improvisiert wie auf einer Jam-Session klingend, mal mehr treibend, mal etwas sphärischer und immer spannend anzuhören. Der Titel „Mona“ ist dabei übrigens wieder eine überarbeitete Bo Diddley-Nummer und der Titeltrack eine Adaption der Titelmelodie der Roy Rogers-Show und ganz untypisch, wie oben bereits erwähnt, ein Country-Lied. Die beiden restlichen Stücke „Maiden Of The Cancer Moon“ und das richtiggehend mitreißende „Calvary“ entstammen aus der Feder Gary Duncans.

Fazit: Im Grunde genommen kann ich mit Blues leider häufig nicht allzu viel anfangen. Diese etwas rockigere und fast schon improvisierte Version dieser Stilrichtung auf „Happy Trails“ gefällt allerdings sogar mir. Natürlich ist hier keine Musik zu hören, die man neben einem Gespräch mitlaufen lassen kann. Nein für „Happy Trails“ von Quicksilver Messenger Service muss man sich Zeit nehmen, man muss sich auf diese Musik voll und ganz einlassen können, damit sie ihren Zauber auch entfalten kann. Für Freunde des Blues auf jeden Fall geeignet. Liebhaber gitarrenlastiger Musik kommen hier auch bestens auf ihre Kosten. Für Menschen mit einem Hang zur progressiven Musik allerdings ebenfalls zu empfehlen, denn ein wenig geht die Scheibe auch in diese Richtung. Hier lohnt es sich wahrlich mal ein Ohr zu riskieren. Ob die Platte allerdings zu Recht den Platz 189 der besten Alben aller Zeit einnimmt und der Titel „Mona“ der 88 beste Gitarren-Song ist, das wage ich zu bezweifeln. Aber Geschmackssache eben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Die “Do You Love”-Teile genau wie “Mona” und vor allem “Calvary”





Samstag, 16. März 2013

Amy Mcdonald – A Curious Thing




Amy Mcdonald – A Curious Thing


Besetzung:

Amy Macdonald – vocals, acoustic guitar, backing vocals


Gastmusiker:


Seton Daunt – electric guitar
Susan Dench – viola
Peter Lale – viola
Jonathan Hill – violin
Laura Melhuish – violin
Leo Payne – violin
Chris Tumbling – violin
Ann Lines – cello
Jolyon Dixon – acoustic & electric guitar
Sarah Erasmus – backing vocals
Joe Fields – backing vocals
Adam Falkner – drums
Stuart Marchant bass, drums, high string guitar, percussion, backing vocals
Eileen Mueller – shaker
Charles Rees – percussion, backing vocals
Audrey Riley – cello, string arrangements, string conduction
Jamie Sefton – bass
Jimmy Sims – bass, hammond organ
Paul Weller – bass, electric guitar, piano
Pete Wilkinson – acoustic guitar, keyboards, percussion, piano, string arrangements, backing vocals


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Folk-Pop


Trackliste:

1. Don't Tell Me That It's Over (3:16)
2. Spark (3:07)
3. No Roots (4:30)
4. Love Love (3:17)
5. An Ordinary Life (3:36)
6. Give It All Up (2:56)
7. My Only One (3:32)
8. This Pretty Face (3:57)
9. Troubled Soul (4:47)
10. Next Big Thing (3:31)
11. Your Time Will Come (4:32)
12. What Happiness Means To Me (9:23)

Gesamtspieldauer: 50:24




„A Curious Thing“ ist die zweite Platte der Schottin Amy Mcdonald und erschien im Jahr 2010. Folk Rock gibt es auch hier wieder zu hören, der dem der ersten Platte auch sehr nahe kommt. Nichts Neues also könnte man sagen. Allerdings wenn das „Alte“ schon gepasst hat, warum sollte dann alles immer wieder neu erfunden werden? Somit befindet sich auch auf diesem neuen Album wieder jede Menge eingängige Musik, die man immer wieder gerne hört. So ganz nebenbei, beim Autofahren oder aber auch ganz entspannt auf dem Sofa.

Das funktioniert gut, aber leider weiß man nicht genau wie lange. Ein großes Manko dieser Platte ist nämlich die Abmischung. Es scheint so, ob über allem ein Rasenmäher hinweggefahren wäre, der den einzelnen Instrumenten eine exakt gleichlaute Lautstärke verordnet hätte. Das wiederum hat zu Folge, dass es dem Album oftmals sehr an Dynamik fehlt, welche das Spiel mit den Intensitäten der unterschiedlichen Instrumente, durchaus auch hervorrufen kann.

Wie bereits erwähnt ist aber auch dieses Mal wieder alles sehr eingängig an der Musik von Amy Mcdonald. Harmonie steht also ganz oben als Überschrift über dieser Platte. Das bedeutet auch, dass sich wirklich kein schlechtes Lied auf das Album verirrt hat. Alles klingt auf seine Art. Aber leider fehlen hier die Ecken und Kanten, die Musik und einzelne Lieder auch immer wieder mal besonders interessant werden lassen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass diese Scheibe bei mehrmaligem Hören sehr schnell Gefahr läuft, langweilig zu werden und vielleicht noch schlimmer, anfängt zu nerven.

Fazit: Wohldosiert eingesetzt macht die Musik auf „A Curious Thing“ viel Spaß. Diese „Übersongs“, diese absoluten Ohrwürmer, wie es sie noch auf dem Debut „This Is The Life“ zu hören gab, die fehlen hier allerdings weitestgehend. Somit bleibt hier für mich wahrlich keine schlechte Musik, allerdings auch keine, die ich mit auf diese berühmte einsame Insel nehmen würde. Dazu ist es dann doch ein wenig zu belanglos. Acht Punkte.

Anspieltipps: Don't Tell Me That It's Over, No Roots, An Ordinary Life, My Only One, Troubled Soul, Your Time Will Come, What Happiness Means To Me






Freitag, 15. März 2013

Sølyst – Lead




Sølyst – Lead


Besetzung:

Thomas Klein – alle Instrumente


Label: Bureau B


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Electronische Musik


Trackliste:

1. Pierbourg (7:16)
2. Glass Danger (5:10)
3. Polar (4:53)
4. Lead (2:15)
5. Magellan (5:00)
6. Melancholia (5:20)
7. Spiegel (4:28)
8. Kristall (2:16)
10. Schnee (5:43)

Gesamtspieldauer: 42:21




Sølyst nennt sich das Soloprojekt von Thomas Klein. Er ist Schlagzeuger von Kreidler, und eigentlich machen Schlagzeuger ihr Ding und gut ist. Aber bei Thomas Klein ist das anders. Er zeigt gerade mit Sølyst, was ein Drummer alles machen kann. Sein erstes Album war bereits ein schwer beeindruckendes Werk. Nun legt er mit “Lead” die zweite Platte nach. Und hier geht er einen Schritt weiter. Dieses Album ist noch tiefer, dunkler, komplexer, hypnothischer.

In Kalifornien ist es Nacht, zwei Glas Wein, dazu dieser Sound, eine wilde, stürmische Klangreise beginnt. Man folgt diesem Sound, lässt sich darauf ein. Links ein Lautsprecher, rechts ein Lautsprecher direkt neben dem Schreibtisch, man wird ergriffen von der Musik. Trommeln, undefinierbare Sounds. Kurz vorher habe ich noch über den Ost-Kongo gelesen, wo ich vor ein paar Wochen war. Thomas Klein fängt diese Stimmung, die ich dort erlebt habe, in seiner Musik ganz unbewusst ein. Ich könnte hier und jetzt die Augen schließen, in Gedanken durch Goma laufen, die Flüchtlingslager am Rande der Stadt besuchen, mit den Moped-Taxis über die Lavasteinpisten hoppeln oder von dieser Millionenstadt Richtung Osten an die ugandische Grenze fahren, vorbei an schwerbewaffneten Milizen, an spielenden Kindern, an Menschen, die auf Feldern arbeiten….

„Lead” wäre für mich der perfekte Soundtrack dieser einzigartigen Landschaft, dieser tiefen und bewegenden Eindrücke, dieses unbeschreiblichen Elends.

Fazit: “Lead” von Sølyst, ein einzigartiges und höchst empfehlenswertes Album.




Donnerstag, 14. März 2013

The Doors – Strange Days




The Doors – Strange Days


Besetzung:

Jim Morrison – lead vocals, percussion, moog synthesizer (track 1)
Ray Manzarek – vox continental organ, fender rhodes piano bass (tracks 4, 10), harpsichord (track 3), backwards piano (track 4), marimba (track 9), backing vocals
Robby Krieger – guitar, backing vocals
John Densmore – drums


Gastmusiker:

Douglas Lubahn – bass guitar (tracks 1, 2, 3, 6, 7, 8, 9)


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1967


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Strange Days (3:09)
2. You're Lost Little Girl (3:03)
3. Love Me Two Times (3:17)
4. Unhappy Girl (2:00)
5. Horse Latitudes (1:35)
6. Moonlight Drive (3:04)
7. People Are Strange (2:12)
8. My Eyes Have Seen You (2:30)
9. I Can't See Your Face In My Mind (3:27)
10. When The Music's Over (10:59)

Gesamtspieldauer: 35:17




Lediglich acht Monate nach dem Debut wurde bereits im September 1967 das zweite Album der Doors unter dem Titel „Strange Days“ veröffentlicht. Die ganze Platte ist angeblich angefüllt mit Song-Material, welches fast alles bereits beim Debut zur Verfügung stand, dort jedoch nicht zum Einsatz kam. Auch gibt es bezüglich „Strange Days“ jene etwas verwunderliche Situation, dass aus dem Umfeld der Band immer wieder verlautete, dass es sich mit „Strange Days“ um das beste Album der Band handelt. Verkaufstechnisch ist es allerdings das schwächste der sechs Alben, welche die Doors zu Lebzeiten Jim Morrisons aufnahmen. Das heißt jetzt allerdings auch nicht so viel, denn erfolgreich war auch dieses zweite Album der Band.

Nun, was stimmt jetzt aber? Das beste Album oder doch eher die schwächste Platte? Wie so oft natürlich Geschmackssache. Festzuhalten ist, dass sich auf dem Album kein Single-Hit befindet, der wurde einfach nicht ausgekoppelt. Das, was hier aber zu hören ist, ist erneut sehr bewegend und intensiv. Die Texte des Jimmy Morrison sind wieder sehr eindringlich und behandeln jede Menge menschliche Gefühle und Situationen wie zum Beispiel Liebe, Tod, Trauer und Verlustängste.

Es wird mehr experimentiert auf „Strange Days“. Der Song „Horse Latitude“ hätte zum Beispiel auf den Opener überhaupt nicht gepasst. Dieses, fast schon eine Soundkollage zu nennende Stück, wirkt hier jedoch auf der zweiten Platte. Ebenfalls das anschließende „Moonlight Drive“ ist sehr viel schräger, als jene Titel, die auf „The Doors“ zu finden sind. Insgesamt ist die Musik auf „Strange Days“ deutlich weniger eingängig, als noch auf dem Debut Album. Die Stimmung, die Atmosphäre ist davon nicht betroffen. Auch „Strange Days“ klingt traurig, melancholisch, manchmal auch verzweifelt. Allerdings ohne diese Übersongs, die diesen absoluten Wiedererkennungswert vereinnahmen. Am ehesten schafft dies noch das letzte Stück, der Longtrack und irgendwie auch das eindrucksvollste Lied der Platte: „When The Music's Over“. Dieses Lied wirkt noch ein wenig mehr und setzt sich durchaus im Musikzentrum des Gehirns fest. Besonders gelungen an diesem Song ist die Abwechslung, diese fordernde wie zurückhaltende Stimmung der Nummer, im Verlauf derer Jim Morrison mitunter alles herausbrüllt, ein anders Mal seine Worte ganz sanft akzentuiert. Wahrlich sehr gelungen.

Fazit: Was für das erste Album der Doors galt, das gilt auch für die zweite Platte der Band: Diese Musik ist auch heute noch zeitgemäß. „Strange Days“ ist nicht so eingängig wie „The Doors“, zudem sind auf der Platte diese „Übersongs“ rarer gesät. Mir geht es in der Musik immer um das Besondere und auch das musikalisch Eingängige ist bei mir sehr willkommen. Das gibt es hier jetzt auf „Strange Days“ allerdings deutlich weniger. Trotzdem ist die Platte gut und lohnenswert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Strange Days, You're Lost Little Girl, People Are Strange, I Can't See Your Face In My Mind, When The Music's Over





Mittwoch, 13. März 2013

Me And My Drummer – The Hawk, The Beak, The Prey




Me And My Drummer – The Hawk The Beak The Prey


Besetzung:

Charlotte Brandi – Gesang, Keyboard, Piano
Matze Pröllochs – Schlagzeug


Label: Sinnbus


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Dream Pop


Trackliste:

1. Phobia (3:57)
2. Rain Kids (3:48)
3. You're a Runner (3:24)
4. Mother Shell (5:35)
5. Don't Be So Hot (3:06)
6. The Wings (4:06)
7. Down My Couch (2:34)
8. Heavy Weight (4:36)
9. So Foreign (5:43)
10. Runner (Reprise) (3:28)

Gesamtspieldauer: 40:17




“Die Musik lässt sich den Genres Indie, Dream Pop und Pop zuordnen”, heißt es auf Wikipedia… Dream Pop? Noch nie von gehört. Pop? Na ja…. und Indie, also, was ist Independent? Die drei Begriffe beschreiben ME AND MY DRUMMER eigentlich gar nicht. Sowieso nerven solche Genreeinordnungen nur. Nun habe ich endlich “The Hawk, The Beak, The Prey” vorliegen, ein beeindruckendes Album. Ganz klar, ganz einfach, ganz minimalistisch. Und doch voller Tiefe, Emotionalität, Komplexität. Es ist schlichtweg wunderschöne Musik, die das Duo, wohnhaft in Berlin, da mit geradlinigen Zügen entstehen lässt. Immer ein bisschen melancholisch, verträumt, nachdenklich.

ME AND MY DRUMMER sind für mich die Neuentdeckung dieser Tage, ihre Platte läuft rauf und runter, ich greife immer wieder darauf zurück. Die beiden kennen sich wohl schon länger, haben sich am Landestheater Tübingen kennengelernt. Und diese Verbundenheit spürt man richtig in ihrer Musik. Da sind die Songs nicht einfach geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht. Das ist vielmehr ein Ausbruch von dem, was man lange mit sich herumgetragen hat. Eine wunderbare Ergänzung zweier junger Musiker, die sich gefunden haben.

Fazit: Höchst empfehlenswert, 13 Punkte.