Sonntag, 5. Mai 2013

The Miserable Rich – Of Flight And Fury




The Miserable Rich – Of Flight And Fury


Besetzung:

Will Calderbank ohne Instrumentenangabe
James de Malplaquet ohne Instrumentenangabe
Mike Siddell ohne Instrumentenangabe
Ricky Pritchard ohne Instrumentenangabe
Rhys Lovell ohne Instrumentenangabe


Label: Hazelwood Vinyl Plastics


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Kammermusik Pop, ArtPop


Trackliste:

1. Pegasus (4:34)
2. Chestnut Sunday (4:19)
3. Flight 1 (0:35)
4. Somerhill (4:42)
5. The Mouth Of The Wolf (4:35)
6. Flight 2 (0:27)
7. Bye Bye Kitty (3:50)
8. For A Day (4:14)
9. Flight 4 (0:47)
10. Oliver (5:41)
11. Flight 3 (0:47)
12. Let Me Fade (4:38)
13. Hungover (2:22)
14. Hidden Track (3:41)

Gesamtspieldauer: 45:11




Eines kann man „The Miserable Rich”, der 2007 gegründeten Band aus Brighton in England, wahrlich nicht vorwerfen: Den Umstand wirklich beeindruckend zu sein. Egal, ob man die Musik der fünf Musiker mag oder nicht, Spuren hinterlässt sie allemal. Dass ein Album überwiegend akustisch eingespielt wird ist an sich ja nichts Besonderes mehr. Vor allem nicht in Zeiten, wo man mit Unplugged Versionen diverser Alben verschiedener Künstler überhäuft wird. Aber „The Miserable Rich“ legen da noch mal eine Schippe drauf. Beim Hören von „Of Flight And Fury“ wird man mit den Klängen von Violinen, Cellos und Violas überhäuft, gerade so, als ob man sich in einem Kammerkonzert befinden würde. Aber das ist keine Kammermusik, der man hier lauscht, das ist durchaus Pop-Musik, allerdings völlig anders instrumentiert. Es gibt jedoch auch Gitarren und Bass zu hören sowie eine sehr zurückhaltende Perkussionsfraktion. Und mit all diesen Zutaten wird ein wahrlich interessantes Klanggebilde erzeugt, welches so nicht alltäglich ist.

Die Musik selbst ist dabei überaus eingängig und melodiös. Sie schmeichelt dem Ohr des Hörers und setzt sich sofort im Musikzentrum des Gehirns fest. Weiche Musik präsentieren uns „The Miserable Rich“ hier - ganz weiche Musik. Alles wirkt sehr intensiv und klingt und summt und schwelgt und tönt. Wirklich überraschend. Und auch an die leicht weinerliche Stimme von Sänger Will Calderbank gewöhnt man sich mit der Zeit, sodass sie bereits nach wenigen Takten perfekt zur Musik passt.

Nun zu den Liedern. Da gibt es die vier „Flight-Stücke“. Das sind jeweils kurze Streicherarrangements von nicht einmal eine Minute Dauer, die manchmal durch Stimmengewirr, ein anders mal durch eine Art Metronom-Geräusch oder durch Glocken eingeläutet werden. Etwas experimentell das Ganze und als kleines Kuriosum sind sie auf der Platte in der Reihenfolge Flight 1 – Flight 2 – Flight 4 und schließlich Flight 3 angeordnet worden. Auch interessant das letzte Stück, welches gleich mal als „Hidden Track“ angekündigt wird, dieses allerdings nicht ist. Das Stück legt sofort los – ohne vorherige Stille – und ist eine Adaption des Stücks „Somerhill“. Ohne Gesang, nur mit Hintergrundgeräuschen versehen, wird dieses Lied nun als Komposition aus hauptsächlich Piano- und Violinen-Solo dargeboten.

Und da wären wir auch schon bei einem Höhepunkt der Platte. „Somerhill“, Lied Nummer vier des Albums, ist eine klasse Nummer. Wunderbar leicht und beschwingt, sehr melodiös und erneut überaus eindrucksvoll durch seine Instrumentierung. Auch „The Mouth Of The Wolf“ ist klasse gelungen. Hier kommt jetzt sogar mal eine E-Gitarre ganz zart mit zum Einsatz, sodass das Lied zu seinem Beginn wie ein ganz normales Pop-Lied klingt und erst im weiteren Verlauf, durch den Einsatz diverser Streicher, wieder mehr in die orchestrale Richtung abdriftet, ohne diese wirklich letztendlich zu erreichen.

Das Lied „Oliver“ entwickelt in seinem weiteren Verlauf immer wieder einen richtigen „Groove“, den man so bei den meisten anderen Stücken der Platte vergeblich sucht. Und jedes Stücke hat irgendetwas, was man bei den anderen wiederum weniger findet. Sei es der Einsatz eines bestimmten Instruments, der Perkussion oder der mehrstimmige Gesang. Alles ist da, nur eben nicht bei jedem Song. Für Abwechslung ist somit also gesorgt.

Fazit: Was “The Miserable Rich” hier auf “Of Flight And Fury” präsentieren ist alles andere als alltäglich. Harmonische und melodiöse Pop-Musik bekommt man hier zu hören, die meist ganz anders instrumentiert ist, als man dies als „gängiger“ Populär-Musik-Konsument gewöhnt ist. Und diese andersartige Umsetzung der Musik ist den fünf Engländern richtig gut und spannend gelungen. Für Freunde der „ganz harten Töne“ vielleicht nur schwerlich zu verdauen – obwohl, einen Versuch wäre es wert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Somerhill, The Mouth Of The Wolf, Oliver





Samstag, 4. Mai 2013

Kate Bush – The Kick Inside




Kate Bush – The Kick Inside


Besetzung:

Kate Bush – vocals, background vocals, piano, keyboards


Gastmusiker:

Ian Bairnson – guitar, vocals, background vocals, bottle
Paul Keogh – guitar
Alan Parker – guitar
Paddy Bush – harmonica, mandolin, vocals
Duncan Mackay – organ, synthesizer, keyboards, electric piano, clavinet
Andrew Powell – synthesizer, keyboards, electric piano
Alan Skidmore – saxophone
David Paton – bass, background vocals
Bruce Lynch – bass
Barry DeSouza – drums
Stuart Elliott – drums
Morris Pert – percussion
David Katz – violin


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Art Pop


Trackliste:

1. Moving (3:02)
2. The Saxophone Song (3:53)
3. Strange Phenomena (2:59)
4. Kite (2:57)
5. The Man With The Child In His Eyes (2:41)
6. Wuthering Heights (4:29)
7. James And The Cold Gun (3:37)
8. Feel It (3:03)
9. Oh To Be In Love (3:18)
10. L'Amour Looks Something Like You (2:29)
11. Them Heavy People (3:05)
12. Room For The Life (4:06)
13. The Kick Inside (3:35)

Gesamtspieldauer: 43:12




Ich könnte mir vorstellen, dass viele Menschen relativ irritiert waren, als sie im Jahr 1978 zum ersten Mal die damals 19-jährige Kate Bush hörten. Solch einen hohen und ungewöhnlichen Gesang hatte es bis dorthin so noch nicht gegeben. Das war nun etwas ganz Neues und für die eine oder den anderen sicherlich auch gewöhnungsbedürftig. Was an diesem ersten Album Kate Bushs noch besonders erwähnenswert ist, ist die Tatsache, dass sie einige Lieder auf dem Album bereits mit dreizehn Jahren geschrieben hatte. Respekt, denn dafür klingt die Musik ganz schön ausgereift und „erwachsen“. David Gilmour von Pink Floyd, den mit Kate Bush eine Freundschaft verbindet, förderte und ermutigte Kate Bush bei der Umsetzung des Projekts und trat bei zweien der Songs als Produzent auf.

Nun, die Musik auf „The Kick Inside“ ist überaus melodisch und harmonisch. Sehr eingängige Musik startet da ihren Weg zum Ohr des Hörers. Was das Ganze so ungewöhnlich macht, das ist die bereits erwähnte Stimme der Kate Bush, die irgendwo zwischen Sopranistin, Elf und Fee anzuordnen ist. Sehr ungewöhnlich und nicht zuletzt auch daraus zieht das Album seine Spannung.

Die Musik selbst ist Pop-Musik, wie man sie Ende der 70er Jahre so nicht allzu oft hörte. Klasse arrangiert mit Orchester, Saxophon oder Mandoline werden hier ganz eigene Klangwelten aufgebaut, die einen durchaus einfangen können. „Wuthering Heights“ zum Beispiel, jenes Lied, welches nicht zuletzt auch für den Erfolg und den Durchbruch der Kate Bush verantwortlich war, ist eine tolle und stimmungsvolle Nummer, bei der die Stimme der Sängerin noch mal einen Tick höher zu erklingen scheint.

Ebenfalls sehr gelungen und ein wenig melancholisch klingt „The Man With The Child In His Eyes“. Das Orchester sorgt für die nötige Fülle und es entwickelt sich ein sehr ruhiger und nachdenklicher Song welcher wirkt. „Them Heavy People“ dagegen hört sich sehr viel fröhlicher und auch druckvoller an. Besonders gelungen ist bei diesem Lied der Refrain, in dem mehrere Gesangsspuren Kate Bushs zu hören sind. Sehr melodisch und eingängig.

Auch auf dem Rest der Platte befinden sich schöne Melodien, die mal etwas mehr, mal etwas weniger überzeugen können. Einen richtigen Ausfall gibt es auf „The Kick Inside“ jedoch nicht. Alles wirkt, nimmt höchstens mal ein mittleres Tempo auf und erzeugt meist eine sentimental und nachdenklich machende Stimmung. Mit jedem weiteren Hören werden einem die Songs vertrauter und man entdeckt immer wieder neue Seiten an der Musik, die allerdings auch nach dem hundertsten Mal des Hörens nicht langweilig wird.

Fazit: Es ist diese Kombination aus Melodiösität in Verbindung mit der Stimme Kate Bushs, welche die Musik der Sängerin zu etwas Besonderem werden lässt. Alles wirkt ein wenig verträumt und fast schon unwirklich, meist nachdenklich und immer weit entfernt vom Mainstream der Musik - auch bereits zur Zeit der Entstehung des Albums. Dazu gibt es einige Höhepunkte, die einen auch länger begleiten werden. Das Debut der jungen Engländerin ist wahrlich gelungen und macht Spaß. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Man With The Child In His Eyes, Wuthering Heights, Them Heavy People





Freitag, 3. Mai 2013

Everon – Fantasma




Everon – Fantasma


Besetzung:

Oliver Philipps – vocals, lead guitar, piano, keyboards
Christian ”Moschus” Moos – drums
Uli Hoever – guitars
Schymy – bass


Gastmusiker:

Raffael Sacher – cello on “The Real Escape”
Tom Löcher – classical guitar on “The Real Escape” & “May You…”
Axel Ruhland – violin on “Right Now Till The End Of Time”


Label: Mascot Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: ProgMetal, Melodic Rock


Trackliste:

1. Men Of Rust (6:24)
2. Perfect Remedy (5:23)
3. Fine With Me (3:37)
4. A Day By The Sea (5:51)
5. Fantasma (14:37)
    a. Right Now... (2:04)
    b. ...Til The End Of Time (5:16)
    c. Fantasma-Theme (0:37)
    d. The Real Escape (4:24)
    e. Whatever It Takes (2:15)
10. Battle Of Words (3:46)
11. May You (4:38)
12. Ghosts-Intro (1:51)
13. Ghosts (5:52)

Gesamtspieldauer: 51:57




Eingängiger ProgMetal ist es, welchen die vier Musiker von Everon hier auf „Fantasma“, dem bereits vierten Studio-Album der Krefelder abliefern. Melodischer ProgMetal, der auch beim ersten Hören sehr schnell ins Ohr geht. Die Musik benötigt keine Anlaufzeit, alles klingt sofort und weiß auch durchgängig zu gefallen, wenn man mit einer Mischung aus sanfteren und etwas „härteren“ Tönen etwas anzufangen weiß – was einem ProgMetal-Freund allerdings keine Schwierigkeiten bereiten dürfte. Insgesamt überwiegen auf „Fantasma“ die harmonischen Töne. Der Großteil der Musik ist ruhig und sanft gehalten und umspielt das Ohr eher, als dass sie dort explodieren würde.

Oftmals klingt das Ganze sogar richtiggehend symphonisch, dichte Keyboardteppiche sorgen für die nötige Fülle. Schönen Pianoabschnitten gilt es auf „Fantasma“ zu lauschen, genauso wie Liedern, die durch den Einsatz von Cello oder Violine zusätzlich mit einem weichen Anstrich überzogen werden, sodass dem Hörgenuss eigentlich nichts im Wege steht, wenn man auch die Melodiösität und viel harmonische Klänge in der Musik sucht. Somit benötigt das Album zudem keine Eingewöhnungszeit, alles klingt und wirkt bereits beim ersten Mal des Hörens.

Besonders gelungen ist Everon auf „Fantasma“ das letzte Lied „Ghosts“. Die Musik geht auch dieses Mal unverzüglich ins Ohr und der Text trägt ebenfalls dazu bei, dieses Lied zu einem guten Titel werden zu lassen. Keine Liebesbeschwörungen aus denen der Schmalz trieft und auch keine Fantasy-Szenarien. Dieses Mal gibt es eine Mischung aus Selbstreflexion und Sozialkritik zu hören – allein diese Abwechslung ist schon mal eine Erwähnung wert. Dazu die Musik, die das gesungene Wort passend unterstreicht und fertig ist der Höhepunkt des Albums, auf den man bis ganz zum Schluss des Albums warten muss.

Fazit: Eingängiger ProgMetal in seiner harmonisch-symphonischen Form wird einem auf „Fantasma“ von Everon geboten. Dabei wird weder die Musik noch das entsprechende musikalische Genre mit neuen Ideen bereichert. Muss dieses Album allerdings auch nicht, denn es unterhält, was sicherlich auch der Ansatz war. Ziel erfüllt bleibt da nur noch festzustellen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Perfect Remedy, The Real Escape, Battle Of Words, Ghosts



Donnerstag, 2. Mai 2013

Genesis – Nursery Cryme




Genesis – Nursery Cryme


Besetzung:

Tony Banks – organ, mellotron, piano, electric piano, 12-string guitar, voices
Michael Rutherford – bass, bass pedals, 12-string guitar, voices
Peter Gabriel – lead voice, flute, bass drum, tambourine
Steve Hackett – electric guitar, 12-string guitar
Phil Collins – drums, voices, percussion


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Musical Box (10:32)
2. For Absent Friends (1:48)
3. The Return Of The Giant Hogweed (8:12)
4. Seven Stones (5:11)
5. Harold The Barrel (3:01)
6. Harlequin (2:57)
7. The Fountain Of Salmacis (7:55)

Gesamtspieldauer: 39:35




Auf dem dritten Genesis Studio-Album „Nursery Cryme“ hatte es bezüglich der Musiker zwei Umbesetzungen gegeben. Steve Hackett war nun an der Gitarre zu hören und ersetzte damit Anthony Phillips, Phil Collins übernahm anstelle von John Mayhew das Trommeln. Die Ausrichtung der Musik, die auf dem Vorgänger-Album „Trespass“ eingeleitet worden war, wurde jedoch nicht mehr geändert, sondern beibehalten und vertieft. Auch auf „Nursery Cryme“, welches ein Jahr nach „Trespass“ erschien, gibt es klassischen progressiven Rock in Reinkultur zu hören.

„Nursery Cryme“ ist ein Meisterwerk geworden. Unglaublich schöne Melodien werden hier entwickelt, die Musik sprüht gerade so vor Abwechslung und Ideenreichtum. Dazu gesellen sich Texte, die es so wohl bis dahin auch noch nicht zu hören gab. Ein Blick dorthin beziehungsweise ein Ohr darauf lohnt ebenso wie dem Lauschen dieser Musik. Die Platte beginnt mit dem längsten Stück des Albums „The Musical Box“. Das ist allerdings kein Lied mehr im herkömmlichen Sinne, das ist eine musikalische Geschichte, die mal ganz sanft, dann wieder fordernd erzählt wird. Abwechslungsreichtum pur. Den Inhalt dieser „Geschichte“ kann man auch vorne auf dem Platten-Cover sehen.

Nun, es folgt Höhepunkt auf Höhepunkt. Mal wird die „normale“ Songstruktur mit Strophe – Refrain – Strophe – Refrain etc. in etwa eingehalten, meistens werden herkömmliche Songstrukturen allerdings völlig über Bord geworfen. Es gibt ausgedehnte wunderschöne Instrumentalpassagen und unglaublich harmonische Gesangsparts, in denen Peter Gabriel mal flüstert, mal fleht, mal singt, mal schreit und das immer der Dramaturgie der jeweiligen, gerade erzählten Geschichte angepasst. Und über allem schwebt die Melodie, die Musik, die einen packt und einfach nicht mehr loslässt. Grandios. Die beiden Stücke, die nicht genial sondern nur sehr gut sind, sind gleichzeitig die beiden kürzesten auf dieser Platte: „For Absent Friends“ und „Harlequin“ - und das war jetzt Jammern auf allerallerhöchstem Niveau.

Fazit: „Nursery Cryme“ quillt über vor tollen Einfällen und Ideen, Harmonien und Melodiösität, Wechseln in Rhythmus und Tempo, Geschichten zum Gruseln und Erzählungen zum Schmunzeln. Wer mal etwas hören möchte, was eingängig ist, trotzdem, schon aufgrund der Länge vieler Stücke, nicht im Radio zu hören ist, dem sei diese Platte wärmstens ans Herz gelegt. Das ist allerdings keine Musik zum „Nebenbeihören“, auf „Nursery Cryme“ gibt es nur Musik zu erhören, die die volle Aufmerksamkeit des Hörers verdient. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: The Musical Box und der Rest.





Mittwoch, 1. Mai 2013

Kasabian – West Ryder Pauper Lunatic Asylum




Kasabian – West Ryder Pauper Lunatic Asylum


Besetzung:

Tom Meighan – vocals
Sergio Pizzorno – guitar, vocals
Chris Edwards – bass
Ian Matthews – drums


Gastmusiker:

Tim Carter – guitar, keyboard, percussion
Wired Strings – strings
Jason Mehler – guitar
Dan Ralph Martin – guitar
Rosario Dawson – vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Underdog (4:37)
2. Where Did All The Love Go (4:17)
3. Swarfiga (2:18)
4. Fast Fuse (4:10)
5. Take Aim (5:23)
6. Thick As Thieves (3:06)
7. West Ryder Silver Bullet (5:15)
8. Vlad The Impaler (4:44)
9. Ladies And Gentlemen, Roll The Dice (3:33)
10. Secret Alphabets (5:07)
11. Fire (4:13)
12. Happiness (5:16)

Gesamtspieldauer: 52:06




“Abwechslung” oder “Variety” wäre auch ein guter Titel für das dritte Album der englischen Band Kasabian aus Leicester gewesen. Denn abwechslungsreich sind die Lieder auf „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ wahrlich, für deren Entstehung sich hauptsächlich Gitarrist Sergio Pizzorno auszeichnet. Hier gibt es Pop und Rock zu hören, New Wave Klänge, Punk und HipHop. Hier bekommt man auch „Western“- wie „Eastern“-Musik kredenzt. Und dabei lässt sich trefflich darüber streiten, welches dieser Genres die Band am besten bedient, denn irgendwie schafft es Kasabian sich in allen diesen Stilen sicher zu bewegen.

Allerdings ist diese Platte ein Paradebeispiel für ein Album, welches mit der Zeit wächst. Beim ersten Hören ist da noch gar nichts eingängig, vielleicht höchstens mal „ganz nett“ oder „interessant“. Doch mit jeder wiederholten Umdrehung der Scheibe im CD-Spieler wird „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ noch interessanter, noch spannender und gebiert sich plötzlich überaus eingängig. Und dann ist da eben auch noch diese Abwechslung, die einen auch beim zehnten Mal Hören immer wieder positiv überrascht. Scheint man das eine Mal die Doors (Thick As Thieves) herauszuhören, so ist es ein anderes Mal Kula Shaker (West Ryder Silver Bullet). Und wenn HipHop immer so klingen würde wie auf „Vlad The Impaler“, dann könnte ich mich sogar damit anfreunden.

Gegen Ende des Albums lässt die Qualität der Lieder leider ein wenig nach. Zwar immer noch „nicht schlecht“, aber eben nicht mehr ganz so mitreißend wie zu Beginn der Platte. Aber zumindest wird hier der Stilmix noch weiter ausgebaut. Wenn es allerdings etwas allgemein zu bemängeln gibt auf „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“, dann ist es immer wieder die mitunter etwas gewöhnungsbedürftige Rhythmusgenerierung. Auf das manchmal vorhandene Geklatsche oder auf eine überaus nach Plastik klingende Drum-Maschine muss man sich erst mal geistig einstellen und es akzeptieren. Ein Umstand, mit dem sich sicherlich nicht jeder Freund der Rock-Musik so schnell anfreunden kann.

Fazit: „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ von Kasabian ist ein Stilmix. Ein richtig gutes gemachtes Potpourri verschiedener Musikstile, die unter der ganz groben Überschrift „Von Pop bis Rock über…“ vereint werden können. Das Album macht Spaß, ist nie langweilig und es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken beziehungsweise zu erhören. Die Platte wächst mit dem wiederholten Hören, sodass man ihm durchaus mehrere Chancen einräumen kann. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Where Did All The Love Go, Fast Fuse, Thick As Thieves, West Ryder Silver Bullet, Vlad The Impaler





Dienstag, 30. April 2013

16 Horsepower – Sackcloth ’n’ Ashes




16 Horsepower – Sackcloth ’n’ Ashes


Besetzung:

David Eugene Edwards – vocals, guitar, banjo, bandoneon, lap steel
Jean-Yves Tola – drums, backup vocals
Keven Soll – stand up bass, flat top acoustic bass, cello, backup vocals


Gastmusiker:

Gordon Gano – fiddle


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Alternative Country


Trackliste:

1. I Seen What I Saw (3:26)
2. Black Soul Choir (3:52)
3. Scrawled In Sap (2:48)
4. Horse Head (3:03)
5. Ruthie Lingle (2:46)
6. Harm's Way (3:23)
7. Black Bush (3:17)
8. Heel On The Shovel (3:13)
9. American Wheeze (3:34)
10. Red Neck Reel (2:44)
11. Prison Shoe Romp (3:13)
12. Neck On The New Blade (3:17)
13. Strong Man (4:21)

Gesamtspieldauer: 42:56




Eines gleich vorweg, ich kann mit Country-Music nichts anfangen. So ziemlich gar nichts. 16 Horsepower produzierten in der Zeit ihres Bestehens von 1992 bis 2005 zwar Alternative Country – das ist jedoch eine ganz andere Baustelle. Klar gibt es hier auch ein Banjo, die „Fiddle“ oder auch mal eine Lap Steel Gitarre zu hören, doch diese Musik ist so ganz anders, als man sich Country vorstellt beziehungsweise sich Country anhört. Das, was 16 Horsepower auf ihrem ersten offiziellen Studio-Album "Sackcloth ’n’ Ashes" aus dem Jahr 1995 da heraushauen klingt nach mitreißendem Rock, der zusätzlich, auf in der Country-Music eingesetzte Instrumente zurückgreift.

Die Musik groovt, ist nie zu hart, ist meistens vom Mid-Tempo beseelt und wirkt irgendwie melancholisch fröhlich. Die Texte haben zumeist einen christlichen Hintergrund, wollen den Hörer jedoch nicht zum christlichen Glauben missionieren, jedenfalls kann ich das den Texten nicht entnehmen. Alles an der Musik von 16 Horsepower ist melodisch und harmonisch. Die Melodien treffen den Hörer und dazu gesellt sich die Stimme David Eugene Edwards, die immer wieder auch mal ein wenig überschlägt oder aber zusätzlich leicht elektronisch verfremdet aus den Boxen kommt ohne, dass sich dies in irgendeiner Weise negativ anhören würde.

Und so ein mitreißendes Lied wie „American Wheeze“, welches mit dem Akkordeon sowie der Geige ziemlich eintönig eingeleitet wird und dann immer voller und voller wird, ist einfach ein Erlebnis. Hier wird im weiteren Verlauf richtig gerockt, aber so melodisch, dass man dies kaum in Verbindung bringen kann. Hier groovt und wippt alles, einfach genial gelöst, aufeinander abgestimmt und zusammengesetzt. Oder dann gibt es auch mal schrägere Töne wie bei dem Titel „Prison Shoe Romp“ zu hören, die allerdings ebenfalls wieder rocken. Trotzdem auf eine ganz andere Art und Weise, als die vorherigen Stücke. Abwechslung pur.

Fazit: Wer offen ist für einmal etwas völlig anderes, das sich zwar immer noch Rock nennt, jedoch Rock einer ganz speziellen Sorte darstellt, der sollte sich mal an 16 Horsepower versuchen. Man benötigt noch nicht einmal viele Durchgänge der Scheibe, damit einen die Musik trifft und nicht mehr loslässt. Dies geschieht bei den meisten Hörern bereits beim ersten Mal. Ungewöhnlich anders und dadurch so speziell und interessant. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Black Soul Choir, Harm's Way, American Wheeze, Prison Shoe Romp





Montag, 29. April 2013

Tori Amos – Abnormally Attracted To Sin




Tori Amos – Abnormally Attracted To Sin


Besetzung:

Tori Amos – vocals, bösendorfer piano, synthesizer, rhodes


Gastmusiker:

Matt Chamberlain – loops, drums, percussion
Jon Evans – bass
Mac Aladdin – acoustic and electric guitars, 12 string and mandolin
John Phillip Shenale – string arrangement, string conduction, b3 organ, synthesizer
Ed Bale – violin
Matthew Elston – violin
Fiona McNaught – violin
Kate Robinson – violin
Holly Butler – viola
James Hogg – viola
Rosemary Banks – cello
Caroline Dale – cello


Label: Universal Republic Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop


Trackliste:

1. Give (4:13)
2. Welcome To England (4:06)
3. Strong Black Vine (3:27)
4. Flavor (4:05)
5. Not Dying Today (4:02)
6. Maybe California (4:24)
7. Curtain Call (4:52)
8. Fire To Your Plain (3:01)
9. Police Me (3:55)
10. That Guy (4:04)
11. Abnormally Attracted To Sin (5:33)
12. 500 Miles (4:06)
13. Mary Jane (2:42)
14. Starling (4:02)
15. Fast Horse (3:52)
16. Ophelia (4:42)
17. Lady In Blue (7:12)

Gesamtspieldauer: 1:12:19




Tori Amos packt ihre Tonträger gerne voll. Meist sogar sehr voll, was an sich gesehen schon mal eine schöne Sache ist, denn man erhält mit einer CD Tori Amos‘ meist eine gute und auch lange Unterhaltung. Und so ist es auch auf „Abnormally Attracted To Sin“ aus dem Jahr 2009, dem zehnten Studioalbum der Amerikanerin. Hier bekommt man auf über 72 Minuten siebzehn Lieder zu hören, die zwar alle eher ruhig gehalten sind, dafür jedoch vom Stil her - von etwas experimentelleren Stücken bis hin zu eingängigen Popsongs - eine gewisse Spannbreite bereithalten.

Dies ist einerseits ein angenehmer Umstand, denn für Abwechslung ist gesorgt. Andererseits unterbricht es aber auch immer wieder den „Hörfluss“. Da ist zum Beispiel dieses wunderschöne, melancholische und tieftraurige „Curtain Call“, ein vom Bösendorfer Piano und der Stimme Tori Amos‘ dominiertes Lied, welches all jenes widerspiegelt, was viele Stücke der Amerikanerin auszeichnet: Wunderschöne, sanfte Melodie, verträumt und eingängig und dies alles mit sehr viel Tiefgang. Und dann folgt mit „Fire To Your Plain“ ein einfacherer Pop-Song, der einem irgendwie die aufgebaute Stimmung wieder raubt. Und das bedeutet noch nicht einmal, dass dieses zweitgenannte Stück schlecht ist. Der „rote Faden“ fehlt hier ein wenig auf diesem Album.

Aber für Fans der amerikanischen Sängerin wird natürlich reichlich geboten. Freunde der „melancholischen“ Tori Amos, die in Harmonien schwelgt, kommen auf „Abnormally Attracted To Sin“ bei dem schon erwähnten „Curtain Call“ auf ihre Kosten. Aber auch „Maybe California“ geht genau in diese Richtung. In der Melodieführung mit reichlich Streichern versehen, wird es hier sehr verträumt und wenn es wirklich „weibliche Musik“ gibt, dann verkörpert es wohl dieses Lied. Allerdings kann Tori Amos auf diesem Album auch mit deutlich poppigeren Titeln wie „Welcome To England“ punkten. Eine schöne Melodie und ein unaufgeregter Rhythmus lassen auch dieses Stück zu einem Höhepunkt der Platte werden.

Und wer es ein wenig schräger mag, der wird ebenfalls auf dieser Scheibe fündig werden. Da gibt es zum Beispiel solche Titel wie „Police Me“ oder aber das letzte Stück des Albums „Lady In Blue“, die sich beide als deutlich schwerer zugänglich erweisen. Manchmal etwas sphärischer und weniger eingängig, setzen diese Stücke Gegenpunkte zu den Harmonien anderer Lieder. Und schließlich hört man auf „Abnormally Attracted To Sin“ auch so ein Stück wie „That Guy“, in dessen Verlauf sich Tori Amos in Kate Bush verwandelt – zumindest vom Gesang her. Hier ist Tori Amos‘ Nähe zu ihrer britischen Kollegin unüberhörbar. Allerdings „laufen“ die zuletzt genannten Titel so mit. Soll heißen, sie sind genau wie der Rest des Albums wahrlich keine schlechten Lieder, allerdings eben auch nur Durchschnitt. Titel, die nicht den großen Eindruck hinterlassen, da ihnen das Besondere fehlt.

Fazit: Das Album „Abnormally Attracted To Sin“ ist ein Muss, wenn man die Musik der Tori Amos mag. Und diese Musik hat immer dann ihre starken Momente, wenn sie eine Komposition, eine Einheit, ihrer Stimme in Verbindung mit dem Piano darstellt. Und diese Momente gibt es auf dem Album, wenn auch nicht im Überfluss. Allerdings enthält die Platte auch eine ganze Menge Durchschnitt in Form von Liedern, die nicht länger beziehungsweise nachhaltiger hängenbleiben – und diese Stücke sind in der Überzahl. Was somit bleibt, ist ein durchschnittliches Album in der Diskographie der Amerikanerin, für das es acht Punkte gibt.

Anspieltipps: Welcome To England, Flavor, Maybe California, Curtain Call, Starling, Ophelia





Sonntag, 28. April 2013

Golden Earring – Golden Earring




Golden Earring – Golden Earring


Besetzung:

George Kooymans – guitar, vocals
Rinus Gerritsen – bass, keyboards
Barry Hay – flute, vocals, saxophone
Cesar Zuiderwijk – drums


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Rock, Progressive Rock, Blues


Trackliste:

1. Yellow And Blue (3:52)
2. The Loner (3:33)
3. This Is The Time Of The Year (3:39)
4. As Long As The Wind Blows (5:24)
5. The Wall Of Dolls (3:37)
6. Back Home (3:54)
7. See See (3:15)
8. I'm Going To Send My Pigeons To The Sky (6:01)
9. Big Tree Blue Sea (6:10)

Gesamtspieldauer: 39:24




Schlicht mit dem Bandnamen betitelte die niederländische Golden Earring ihr sechstes Album. Eine Neuerung hatte sich dabei im Line-Up der Band ergeben. Cesar Zuiderwijk saß nun an den Drums und diese Konstellation mit genau diesen vier Musikern sollte sich zukünftig nun auch nicht mehr ändern.

Nun, die Musik auf „Golden Earring“ ist rockig und manchmal durchaus auch progressiv zu nennen. Aber nicht nur, denn mit „The Loner“ und „As Long As The Wind Blows“ haben sich auch zwei Blues-Stücke auf das Album verirrt, die dort gar nicht so gut aufgehoben sind. Die Musik ist allgemein sehr abwechslungsreich, denn nicht nur Rock der etwas „härteren“ Sorte gibt es auf der Scheibe zu hören (Hard Rock ist das allerdings noch nicht), mitunter geht es auch sehr viel gemäßigter zu, je nachdem ob eben die akustische oder die elektrische Gitarre die Hauptbegleitung übernehmen.

Die Höhepunkte des Albums befinden sich am Anfang und vor allem am Ende der Platte. Klasse gelungen und als rockiger Song zu bezeichnen ist gleich der Opener. Hier spielt auch Barry Hays Querflöte wieder eine schöne Rolle. „See See“ ist eine wunderschöne Ballade, bevor es danach, bei den letzten beiden Titeln des Albums, wieder ordentlich und sehr überzeugend rockt. Allerdings gehen diese beiden Nummern dabei schon in die Richtung des progressiven Rocks Anfang der 70er Jahre – allerdings in der etwas „härteren“ Version.

Fazit: Diese selbstbetitelte Platte ist für mich nicht ganz so gelungen wie der Vorgänger „Eight Miles High“, trotzdem hält die Scheibe viel Hörenswertes parat. Dazu ist die Musik sehr abwechslungsreich, nicht nur in ihren Stilen, sondern auch bezüglich der Songs, die mal schwelgerischer und melodiöser gestaltet sind, ein anders Mal richtig gut losrocken. Ein gutes Album für alle diejenigen, die den Rock Anfang der 70er zu schätzen wissen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Yellow And Blue, See See, I'm Going To Send My Pigeons To The Sky, Big Tree Blue See





Samstag, 27. April 2013

Jon Anderson – Olias Of Sunhillow




Jon Anderson – Olias Of Sunhillow


Besetzung:

Jon Anderson – vocals, all instruments


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Ocean Song (3:05)
2. Meeting (Garden Of Geda) / Sound Out The Galleon (3:34)
3. Dance Of Ranyart / Olias (To Build The Moorglade) (4:19)
4. Qoquaq Ën Transic / Naon / Transic Tö (7:09)
5. Flight Of The Moorglade (3:24)
6. Solid Space (5:21)
7. Moon Ra /Chords / Song Of Search (12:49)
8. To The Runner (4:30)

Gesamtlaufzeit: 44:12




Mal hymnisch, mal episch, mal symphonisch, mal progressiv und immer harmonisch, ausgestattet mit wunderschönen Melodien – so klingt Jon Andersons erstes Solo-Projekt, welches 1976 veröffentlicht wurde. Warme Synthesizer-Teppiche breiten sich vor dem Hörer genauso aus, wie rhythmische Abschnitte, die mal mehr, mal weniger treibend ausgestattet wurden.

Lagen über Lagen wurden von Jon Anderson auf „Olias Of Sunhillow“ platziert. Lagen über Lagen an Instrumenten und seiner eindringlichen sowie unverwechselbaren Stimme. Alles klingt voll und dicht, mitunter sogar etwas pathetisch, jedoch nie kitschig. Das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente wie auch das Arrangement der verschiedenen Gesangsstimmen lassen dabei das Herz des progressiven Musikfreundes höherschlagen. Interessant zudem, dass Jon Anderson angeblich kein Instrument richtig spielen kann, auf dem Album jedoch alle eingesetzten Musikinstrumente selbst eingespielt hat. Wie das wohl funktioniert hat? Das Ergebnis ist allerdings mehr als überzeugend.

„Olias Of Sunhillow“ ist eine musikalische und sehr melodische Reise, die allein schon durch den Gesang des Jon Anderson an Yes erinnert. Progressiv ist das natürlich auch, jedoch unterscheidet sich die Musik durchaus von der Musik, die Yes zu dieser Zeit, davor und danach veröffentlichte. Es wird weniger experimentiert, da gibt es zwar die Wechsel in Tempo, Rhythmus, Takt und Stimmung, alles jedoch immer vor dem Hintergrund der absoluten Melodiösität, die an keine Stelle des Albums zu kurz kommt.

Fazit: Melodischen und progressiven Rock bekommt man auf „Olias Of Sunhillow“ zu hören. Das Album klingt von der ersten bis zur letzten Minute und eröffnet dem Hörer mit jedem weiteren Durchgang neue, bisher noch überhörte, noch nicht entdeckte Feinheiten und Harmonien. Dieser Umstand macht die Platte schon nach wenigen Durchläufen zu etwas sehr Vertrautem, lässt das Album zu einem Rückzugsgebiet werden, welches sich am besten ganz entspannt auf dem Sofa genießen lässt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Einzelne Lieder herauszupicken ist hier sehr schwierig, da das Album irgendwie ein großes Ganzes darstellt. Muss man durchhören.





Freitag, 26. April 2013

Ben Howard – Every Kingdom




Ben Howard – Every Kingdom


Besetzung:

Ben Howard – vocals, guitar, additional guitar, melodica and percusssion


Gastmusiker.

Chris Bond – vocals, guitars, bass, double bass, drum kit, percussion, keyboards and accordion
India Burne – vocals, cello, keyboards, ukulele and bass


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Old Pine (5:29)
2. Diamonds (4:07)
3. The Wolves (5:09)
4. Everything (4:46)
5. Only Love (4:09)
6. The Fear (4:20)
7. Keep Your Head Up (4:25)
8. Black Flies (6:22)
9. Gracious (4:57)
10. Promise (6:26)

Gesamtspieldauer: 50:09




Wer mal die Sehnsucht verspürt, ganz ruhige, melancholische, meist sanfte und überaus sentimentale Musik zu hören, die hauptsächlich von der akustischen Gitarre dominiert wird, dem sei dieses zweite Album des Engländers Ben Howard wärmstens ans Herz gelegt. Denn hier gibt es sie im Überfluss zu hören, diese nachdenklichen Klänge, die mich irgendwie an eine männliche Heather Nova erinnern.

Alle Titel der Platte sind überaus eingängig, Musik für die ruhigen, für die ganz ruhigen Stunden des Tages. Die Gitarre und die Stimme Ben Howards stehen bei jedem der zehn Stücke im Vordergrund, die alle irgendwie zum Träumen und zum Hinübergleiten in eine ganz sanfte und von jeglichem Stress befreite Welt einladen. Traumwandlerisch wird man anschließend durch ganz entspannte Situationen und Eindrücke geleitet, die vor allem eines bewirken: Abstand von den Aufregungen des Tages zu gewinnen.

Fazit: Für manche Hörer vielleicht ein wenig zu weich gespült, aber manches Mal ist es genau diese sanfte Musik, die man benötigt, um wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren, abzuschalten und die berühmten Fünfe einmal gerade sein lassen zu können. Sicherlich kein „Über-Album“, aber eine wirklich sehr schöne Platte, die einen einzunehmen versucht, wenn man sich auf melodiöse und unkomplizierte Musik einlassen kann. Genau das trifft es: Schöne Musik, zumindest für die Träumer unter den Hörern. Neun Punkte.

Anspieltipps: Old Pine, Diamonds, Keep Your Head Up, Promise





Donnerstag, 25. April 2013

Dredg – Catch Without Arms




Dredg – Catch Without Arms


Besetzung:

Gavin Hayes – vocals, guitar
Mark Engles – lead guitar
Dino Campanella – drums, piano
Drew Roulette – bass


Label: Interscope Records


Datum: 2005


Trackliste:

1. Ode To The Sun (4:12)
2. Bug Eyes (4:14)
3. Catch Without Arms (4:12)
4. Not That Simple (4:56)
5. Zebraskin (3:27)
6. The Tanbark Is Hot Lava (3:46)
7. Sang Real (4:29)
8. Planting Seeds (4:13)
9. Spitshine (3:34)
10. Jamais Vu (4:56)
11. Hungover On A Tuesday (4:06)
12. Matroshka (The Ornament) (5:49)
13. Uplifting News (3:22)

Gesamtspieldauer: 55:16




„Catch Without Arms“ nannte die US-amerikanische Band aus der San Francisco Bay Area ihr drittes Album, welches 2005 veröffentlicht wurde. Und auf diesem Album hört man gut gemachten Rock, mitunter auch Pop, der allerdings relativ arm an Höhepunkten ist. Das klingt alles nicht schlecht, was die vier Musiker da auf die CD gepresst haben, aber so richtig einfangen kann einen die Musik auch nicht. Sie läuft irgendwie so mit.

Mit progressivem Rock, für den Dredg mitunter ja auch steht, hat das Ganze auch relativ wenig bis gar nichts zu tun. So legt man die CD in den Spieler, macht irgendetwas und die Musik dudelt so mit. Es gibt keinen großartigen Grund, um mal aufzuhorchen. Nun, ganz stimmt das auch nicht. „The Tanbark Is Hot Lava“ überzeugt durch seine kraftvolle Dynamik und das im Anschluss daran folgende „Sang Real“ hat eine tolle Melodie und ist einer dieser Songs, die dann doch relativ schnell ins Ohr gehen, auch wenn das Ende des Stücks mit Gelächter und schließlich verzerrtem Gelächter einigermaßen gewöhnungsbedürftig ist.

Fazit: Was bleibt ist eine ganz nette Pop- und Rockscheibe, die einige schöne Stellen aufweist, manchmal allerdings auch Längen. Ganz sicher keine schlechte Musik, aber Dredg hat auch schon interessantere Platten herausgebracht. Somit stellt „Catch Without Arms“ ein eher durchschnittliches Album dar, nichts Essentielles oder Weltbewegendes (kann das Musik überhaupt?), aber auch nichts Schlechtes. Sieben Punkte.

Anspieltipps: The Tanbark Is Hot Lava, Sang Real





Mittwoch, 24. April 2013

Guns N’ Roses – Appetite For Destruction




Guns N’ Roses – Appetite For Destruction


Besetzung:

W. Axl Rose – all lead vocals, backing vocals, synthesizer and percussion
Slash – lead, rhythm and acoustic guitars
Izzy Stradlin‘ – rhythm, lead guitars, backing vocals and percussion
Duff „Rose“ McKagan – bass guitar and backing vocals
Steven Adler – drums


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Welcome To The Jungle (4:34)
2. It's So Easy (3:23)
3. Nightrain (4:29)
4. Out Ta Get Me (4:24)
5. Mr. Brownstone (3:49)
6. Paradise City (6:46)
7. My Michelle (3:40)
8. Think About You (3:52)
9. Sweet Child O' Mine (5:56)
10. You're Crazy (3:17)
11. Anything Goes (3:26)
12. Rocket Queen (6:13)

Gesamtspieldauer: 53:49




„Appetite For Destruction“ ist das erfolgreichste Debut-Album einer Band oder einer Solo-Künstlerin beziehungsweise eines Solo-Künstlers mit bisher über 28 Millionen Verkäufen. Und dabei hatte es dieses Album zu Beginn gar nicht mal so einfach. Erst ein Jahr nach Erscheinungstermin erreichte es die Nummer 1 der amerikanischen Billboard Charts, da es inzwischen in der Heavy Rotation des Musiksenders MTV gelandet war.

Nun, wer auf Hard’n’Heavy steht, der macht mit „Appetite For Destruction“ natürlich einen guten Griff. Hier wird nicht rumgeeiert, hier wird knallhart darauf losgerockt. Hier knallt es fast ohne Unterbrechung, nur ab und an verirrt sich mal eine langsamere Einleitung oder ein kurzer, etwas zurückhaltender Zwischenteil auf eines der Lieder. Eine Ausnahme bildet da schon das überaus bekannte „Sweet Child O' Mine“, was zwar auch kein „ruhiges“ Lied ist, die hört man bei Leonard Cohen, sondern sich im Mid-Tempo bewegtt. Ansonsten wird gerockt - ohne jegliche Kompromisse. Die Texte handeln von „Sex and Drugs and Rock’n’Roll“. Von was auch sonst müsste man eigentlich fragen. Und das was man da hört ist wahrlich oft mitreißend. Eindrucksvoll natürlich das Gitarren-Spiel und dieser doch irgendwie seltsame Gesang des Axl Rose. Absoluter Wiedererkennungswert garantiert.

Dazu gesellen sich auch immer wieder klasse Melodien (trotz all der Härte), tolle Soli, super getimte Breaks und eine wachrüttelnde Stimmung. Axl Rose brüllt seine Botschaften raus und wenn man als Musikhörer eine Ader für diese Art der Musik hat, kann man bei den Rhythmen und Tempi kaum die Füße still halten. Head-Banging nicht ausgeschlossen.

Fazit: „Appetite For Destruction“ ist das bisher erfolgreichste Debut-Album. Ob es auch die beste Debut-Platte ist liegt natürlich ganz im und am Ohr des Hörers. Mir gefällt das, was ich da zu hören bekomme auch, wenn ich für mich noch bessere Musik kenne, die dann doch ein wenig abwechslungsreicher ist. Die Zeit muss schon reif sein für „Appetite For Destruction“, denn entspannen kann zumindest ich dabei nicht. Viel zu aufregend die Musik. Aber die Platte ist gut, klasse gemachter Hard Rock. Nicht das beste Debut, allerdings das erfolgreichste. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Welcome To The Jungle, Paradise City, Think About You, Sweet Child O' Mine