Donnerstag, 18. September 2014

John Waite – Ignition




John Waite – Ignition


Besetzung:

John Waite – vocals


Gastmusiker:

Ivan Kral – rhythm guitar, keyboards
Tim Pierce – lead guitar
Bruce Brody – keyboards, piano
Don “Donnie” Nossov – bass, backing vocals
Alan Childs – drums, percussion
Frankie La Rocka – drums, percussion
Crispin Cioe – horns
Arno Hecht – horns
“Hollywood Paul” Litteral – horns
Ilana Morrilo – backing vocals
Patty Smyth – backing vocals
Rahni Kugel – backing vocals
Brendan Bourke – handclaps, screams
John Elijah Wright – handclaps, screams
Dave Lang – handclaps, screams


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Mainstream Rock, AOR


Trackliste:

1. White Heat (3:22)
2. Change (3:15)
3. Mr. Wonderful (4:07)
4. Going to the Top (4:36)
5. Desperate Love (3:55)
6. Temptation (2:59)
7. Be My Baby Tonight (3:22)
8. Make It Happen (3:18)
9. Still in Love with You (3:42)
10 Wild Life (3:23)

Gesamtspieldauer: 36:22




„Ignition“ heißt das Debut-Album des Rock-Sängers John Waite, der zuvor Sänger bei der Band The Babys war. Veröffentlicht wurde die Scheibe im Juni des Jahres 1982 auf dem Label Chrysalis. Zu hören gibt es auf „Ignition“ Mainstream Rock bis hin zum Adult Oriented Rock (AOR), wie er in den 80er Jahren auch von Bands wie Journey, Boston oder Foreigner zelebriert wurde. Das geht natürlich gut ins Ohr, sehr schnell sogar, besitzt jedoch allzu häufig nicht die Tiefe, um dort auch länger zu verbleiben.

So ist es leider auch mit „Ignition“. Treibender Rhythmus und eine Melodie-Linie, einfach und eingängig. Der Fuß mit wippt und alles wirkt relativ unspektakulär. Doch leider geht die Musik genauso schnell wieder aus dem Ohr, wie sie auch darin hineingelangt ist. Ein großer Nachteil an der Geschichte ist zudem einmal mehr – wie praktisch immer bei dieser Art der Musik – dass kaum Wert auf die Texte gelegt wird. Diese handeln von Liebe und noch viel mehr von Schmalz, dass es einem die Röte in das Gesicht treibt. Es bleibt immer nur zu hoffen, dass Außenstehende gar nicht mitbekommen, was man sich hier für eine süßliche Mixtur gerade reinzieht. Denn sonst könnte es wahrlich peinlich werden.

Nun, „Ignition“ wäre nicht viel Aufhebens wert und ganz bestimmt keine Platte, die man länger in Erinnerung behält – auch wenn hier dieses „80er-Jahre-Rock-Gefühl“ perfekt wiedergegeben wird. Trotzdem bleibt die Scheibe hängen und das liegt an einem Lied: „Mr. Wonderful“. Dieses eine Lied, macht die Platte dann doch zu einer hörenswerten. Das Stück fängt mit einem groovigen Pianospiel an und entwickelt sich dann zu einem mitreißenden Rocker, der zwar immer noch im Mainstream angesiedelt ist, jedoch eben diese Melodie besitzt, die sich festsetzt und zum Ohrwurm wird. „Mr. Wonderful“ ist das Lied des John Waite, wenn auch sein bekanntestes Stück, „Missing You“, erst auf dem Album „No Brakes“ veröffentlicht werden sollte.

Fazit: Mainstream Rock bis AOR hört man größtenteils auf „Ignition“, dem Solo-Debut-Album des John Waite. Dazu gibt es ziemlich langweilige bis schleimige Liebestexte zu hören, die alles andere als überzeugen. Langweilig bis hierhin. Doch dann ist da eben noch die Nummer „Mr. Wonderful“, ein absoluter Ohrwurm und ein Lied, das auf jeden Fall hängenbleibt. Der Rest der Scheibe klingt manchmal ganz nett, langweilt aber größtenteils, doch mit „Mr. Wonderful“ brilliert John Waite. Acht Punkte.


Anspieltipps: Mr. Wonderful



Mittwoch, 17. September 2014

Billy Joel – Streetlife Serenade




Billy Joel – Streetlife Serenade


Besetzung:

Billy Joel – harmonica, keyboards, vocals, moog synthesizer


Gastmusiker:

Richard Bennett – guitar
Joe Clayton – conductor, conga
Gary Dalton – guitar
Mike Deasey – guitar
Don Evans – guitar
Wilton Felder – bass, keyboards
Emory Gordy, Jr. – bass
Al Hertzberg – guitar
Larry Knechtel – bass
Art Munson – guitar
Raj Rathor – guitar
William Smith – organ
Michael Stewart– guitar
Ron Tutt – drums
Tom Whitehorse – banjo, pedal steel


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Streetlife Serenade (5:17)
2. Los Angelenos (3:41)
3. The Great Suburban Showdown (3:44)
4. Root Beer Rag (2:59)
5. Roberta (4:32)
6. The Entertainer (3:48)
7. Last Of The Big Time Spenders (4:34)
8. Weekend Song (3:29)
9. Souvenir (2:00)
10. The Mexican Connection (3:37)

Gesamtspieldauer: 37:41




„Streetlife Serenade“ ist das dritte Album des Pianomans Billy Joel. 1974 erschienen, erreichte es nicht ganz die Umsatzzahlen der beiden vorherigen Alben. Ist auch nicht weiter verwunderlich, denn das Songmaterial ist nicht ganz so ausgereift, wie auf den Platten zuvor. Die einzelnen Titel klingen alle unglaublich amerikanisch, was auf den vorherigen Alben nicht so stark zum Ausdruck kam. Und es fehlt auch so ein Übertitel, der sonst sogar mehrfach enthalten war.

Obwohl, den gibt es auf „Streetlife Serenade“ doch auch. Und zwar in Form des Instrumentalstücks „Root Beer Rag“. Wenn man so gut Klavier spielen kann, dann hätte man mit Sicherheit auch Erfolg bei den Frauen, sagt ja schon ein etwas angegrauter Schlager. Nun, die Nummer ist so etwas von mitreißend komponiert und vorgetragen, da macht das Zuhören einfach ganz viel Spaß und Billy Joel hat auch Erfolg bei den Männern. „Los Angelinos“ ist ebenfalls noch sehr gelungen und zudem die zweite Instrumentalnummer des Albums, „The Mexican Connection“, ganz am Ende der Platte. Der Rest ist zwar nichts zum Weglaufen, läuft selbst allerdings irgendwie so durch. Nichts Packendes eben. Die Stimmung des Albums ist allgemein gedämpft und so kann es passieren, dass man bei Lied Nummer 4 den Kopf hebt und lauscht, um ihn anschließend wieder zu senken und sich anderweitig zu beschäftigen.

Fazit: Ein wirklich tolles Lied, zwei weitere, die überzeugen können und dann eben der Rest, der okay ist. Nun, das macht die Platte nicht zu einem schlechten Album, allerdings auch nicht zu einem Kracher. Ganz nett, aber eben nicht essentiell im Schaffen des Billy Joel. Bis auf „Root Beer Rag“, das lohnt sich. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Root Beer Rag



Dienstag, 16. September 2014

Various Artists – The All Time Greatest Movie Songs Volume 2




Various Artists – The All Time Greatest Movie Songs Volume 2


Besetzung:

Hunderte von Musikern, da ganze Orchester mit beteiligt sind.


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Querbeet von Pop über Rock bis Soul und Funk und Instrumentalmusik


Trackliste:

CD1:

1. Queen - Who Wants To Live Forever (Highlander)
2. Aerosmith - I Don't Want To Miss A Thing (Armageddon)
3. Len - Steel My Sunshine (Go)
4. Another Level - From The Heart (Notting Hill)
5. Jim Carrey - Cuban Pete (The Mask)
6. Fatboy Slim - Praise You (Cruel Intentions)
7. Bic Runga - Sway (American Pie)
8. Tina Turner - Golden Eye (James Bond Golden Eye)
9. Daryll Hall & John Oates - Maneater (Runaway Bride)
10. John Paul Young - Love Is In The Air (Strictly Ballroom)
11. Hot Chocolate - You Sexy Thing (The Full Monty)
12. Diana King - I Say A Little Prayer (My Best Friend's Wedding)
13. Sade - No Ordinary Love (Indecent Proposal)
14. Ben E King - Stand By Me (Stand By Me)
15. Mary Chapin Carpenter - Dead Man Walking (A dream like this) (Dead Man Walking)
16. Sixpence None The Richer - Kiss Me (She's All That)
17. Des'ree - I'm Kissing You (Romeo & Juliet)
18. John Williams - Star Wars - Star Wars Theme


CD2:

1. Boyzone - Picture Of You (Mr. Bean)
2. Savage Garden - The Animal Song (Other Sister)
3. Pixies - Where Is My Mind  (Fight Club)
4. Bryan Ferry - Slave To Love (9 1-2 Weeks)
5. Kenny Loggins - Footloose (Footloose)
6. Sophie B. Hawkins - As I Lay Me Down (Now & Then)
7. Oasis - Stay Young (The Faculty)
8. Kula Shaker - Hush (I Know What You Did Last Summer)
9. Chris Isaak - Wicked Game (Wild At Heart)
10. Lightning Seeds - Change (Clueless)
11. Faith Hill - This Kiss (Practical Magic)
12. Apollo Four Forty - Lost In Space (Lost In Space)
13. The Presidents Of The U.S.A. - Video Killed The Radio Star (The Wedding Singer)
14. The Foundations - Build Me Up Buttercup (There's Something About Mary)
15. Annie Lennox - Love Song For A Vampire (Bram Stoker's Dracula)
16. Bob Dylan - All Along The Watchtower (American Beauty)
17. Aretha Franklin - Think (Blues Brothers)
18. Stevie Ray Vaughan - Mary Had A Little Lamb (From Dusk Till Dawn)
19. Buena Vista Social Club - Candela (Buena Vista Social Club)

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 2:30:44




Wer kauft so etwas? Das soll nicht heißen, dass alle Titel, die sich auf „The All Time Greatest Movie Songs Volume 2“ befinden absoluter Mist wären. Trotzdem bleibt diese Frage im Raum stehen, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich jemand diese CD kauft und alles darauf mögen wird.

Unendlich viele verschiedene Musikgenres werden logischerweise auf dieser Doppel-CD bedient. Da gibt es über Folk und Pop, Rock und Soul, Funk, Instrumentalmusik so gut wie fast jede, derzeitig in der Unterhaltungsmusik vertretene Richtung. Wenn mir ein Film gefällt und die dazugehörige Musik ebenfalls, kann sich der Kauf eines Soundtracks durchaus lohnen. Gefällt mir nur ein bestimmter Titel des Films, so kann ich den, für weniger als einen Euro, mit Sicherheit legal aus dem Netz herunterladen. Aber eine ganze CD mit unterschiedlichen Filmen und Musikstilen?

Auch noch nicht so schlimm könnte man meinen, denn es handelt sich ja immerhin um „The All Time Greatest Movie Songs“, wenn auch nur Volume 2. Das ist aber mal eine Ansage: Das Beste aller Zeiten! Nun, durchaus nicht cineastisch ganz ungebildet, kenne ich nicht alle, der hier genannten Filme. Und noch schlimmer, knapp die Hälfte der Titel sind total nichtssagend und völlig unbekannt. Klassiker wie „Golden Eye“, „Who Wants To Live Forever“ das Thema aus „Star Wars“ oder aber Aretha Franklins „Think“ sind zwar auch enthalten, aber durchaus nicht die Regel. Manche Nummern sind relativ oder ganz unbekannt und zum Teil auch richtig schlecht. Was macht man da? Weiterskippen.

Fazit: Verständlich und vollständig kann so eine Zusammenstellung nie sein, da hier jeder ein paar Titel finden wird, die sie oder er mag und genauso Nummern entdeckt, bei deren Hören es Zeit wird Reißaus zu nehmen. Somit nicht Fisch und nicht Fleisch und irgendwie seltsam solch eine CD zu erwerben, da es wie bereits oben geschrieben, auch anders geht, wenn man irgendwas klasse findet. Warum ich diese CD dann besitze? Geschenkt. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Jeder was er mag, alles ist unterschiedlich.



Montag, 15. September 2014

Kansas – Leftoverture




Kansas – Leftoverture


Besetzung:

Steve Walsh – organ, piano, lead vocals (all tracks), additional synthesizers, vibraphon
Robby Steinhardt – violin, viola, backing vocals, lead vocals ("Miracles Out Of Nowhere" and "Cheyenne Anthem")
Kerry Livgren – electric guitar, clavinet, moog, oberheim synthesizer, arp synthesizers, piano
Phil Ehart – drums, percussion
Dave Hope – bass guitar
Rich Williams – electric and acoustic guitars


Gastmusiker:

Toye LaRocca – vocals
Cheryl Norman – vocals



Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock, Hard Rock


Trackliste:

1. Carry On Wayward Son (5:13)
2. The Wall (4:47)
3. What's On My Mind (4:27)
4. Miracles Out Of Nowhere (6:29)
5. Opus Insert (4:26)
6. Questions Of My Childhood (3:38)
7. Cheyenne Anthem (6:50)
8. Magnum Opus (8:27)

     A. Father Padilla Meets The Perfect Gnat
     B. Howling At The Moon
     C. Man Overboard
     D. Industry On Parade
     E. Release The Beavers
     F. Gnat Attack



Bonus Tracks:

9. Carry On Wayward Son (live) (4:53)
10. Cheyenne Anthem (live) (6:42)

Gesamtspieldauer: 45:52

„Leftoverture“ nannten die Musiker der amerikanischen Band Kansas ihr viertes Album, welches im Jahr 1976 erschien. Und diese Scheibe gilt unter Fans der Band als einer der Klassiker und eines der besten Alben von Kansas. Dies ausdrücklich zu Recht, denn „Leftoverture“ ist wahrlich eine beeindruckende Scheibe geworden.


Dabei ist das mit Kansas im Grunde genommen gar nicht so einfach. Klar kennt man „Dust In The Wind“ vom Nachfolgealbum „Point Of Know Return“. Und auch auf „Leftoverture“ gab es einen Hit, „Carry On Wayward Son” hieß dieser und wird den meisten Rockfans auch schon mal „über den Weg” gelaufen sein – auch wenn dieser Titel allgemein wohl nicht ganz so bekannt sein dürfte wie erstgenanntes Lied. Trotzdem, bekannte Lieder gibt es auch von Kansas, allerdings nicht unbedingt viele, da die Band einfach weniger im Radio gespielt wird und auch wurde. Dies mag an dem Umstand liegen, dass die Musik der Band allgemein ein wenig erarbeitet werden muss. Das findet man immer wieder mal bei einem Titel irgendeiner Band oder eines Künstlers, aber die ganze Musik einer ganzen Band? Es gibt jede Menge Stilrichtungen, die nicht dem eigenen Geschmack entsprechen und die man hunderte Male hören kann, wenn man das denn aushält, und die einen trotzdem nie begeistern werden.

Anders bei Kansas und auch bei diesem Album. Das muss man hören, mehrmals. Man muss sich reinhören und mit jedem weiteren Durchlauf wird die Musik darauf irgendwie besser, spannender und eingängiger. Kansas zelebrieren auf „Leftoverture“ die ganze Bandbreite des Progressive Rock. Mal härter mit E-Gitarren, mal weicher mit der Akustik-Gitarre. Manches Mal hat man das Gefühl, jedes der vielen Instrumente, die da gerade zu hören sind, wolle sich nun absolut in den Vordergrund spielen, denn jeder Musiker scheint in diesem Abschnitt alles aus seinem Instrument herauszuholen. Ein anderes Mal klingt es dann wieder lieblich, verspielt und sehr harmonisch, Musik zum Dahinschmelzen. Auch der Gesang ist überaus abwechslungsreich. Mal ist es Steve Walsh alleine, dann wiederum hört man ihn in einem perfekt arrangierten Chor. Auch Kinder sind zu hören und dann klingt es im Hintergrund wieder ganz sanft nach einer Opernarie. Langeweile kommt hier bestimmt nicht auf.

Fazit: Ein wirklich gutes Progressive Rock Album ist „Leftoverture” geworden. Eines, in das man sich allerdings hineinhören muss, erst dann fängt die Musik so richtig an zu wirken. Überaus abwechslungsreich wird hier gerockt und dann wieder in sanften Tönen geschwelgt, sodass man als Hörer eine kleine akustische Reise anzutreten scheint, die viel Spaß macht – vor allem laut gehört, am besten mit Kopfhörern, ganz bequem am Sofa. Eignet sich bestens für alle, die mehr als 08/15 von Musik erwarten. Spannend. Elf Punkte.

Anspieltipps: Magnum Opus



Sonntag, 14. September 2014

Johnny Warman – Walking Into Mirrors




Johnny Warman – Walking Into Mirrors


Besetzung:

Johnny Warman – vocals and guitar


Gastmusiker:

Jerry Marotta – drums
Dave Lawson – keyboard and sequencers
Larry Fast – synthesizer effects and keyboards
John Giblin – bass guitar
Tony Levin – chapman stick and fretless bass
Peter Gabriel – accompanying vocals, chants, screaming on “Screaming Jets”


Label: Angel Air


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Synthie Pop, Pop


Trackliste:

1. Walking Into Mirrors (3:39)
2. Radio Active (3:41)
3. Searchlights (2:58)
4. Martian Summer (4:46)
5. Screaming Jets (5:24)
6. Three Minutes (4:04)
7. Will You Dance With Me? (3:18)
8. (Sos) Sending Out Signals (3:21)
9. Dancing Dolls (3:49)
10. Fantasic Light (6:19)


Bonus Tracks: 

11. American Machines (3:28)
12. Automatic Kids (3:23)
13. King Robot (2:59)
14. Future Fun (Live) (2:29)
15. Here Come The Reds (2:35)
16. Golden Lions (4:05)

Gesamtspieldauer: 1:00:18




Wer mal typischen Synthie Pop der 80er Jahre hören möchte, der wird mit „Walking Into Mirrors“ von Johnny Warman sehr gut bedient. Das ist eindeutig Musik dieses Jahrzehnts und zwar der frühen 80er Jahre, zu einem Zeitpunkt, an dem man noch nicht wusste, wo die Reise genau hingehen wird. Progressive Rock war „out“, Punk war „in“. Nun und dann gab es jede Menge Bands, die meist mit einem kleinen Casio-Gerät plötzlich weltweit Aufmerksamkeit erregten. New Wave und auch die Neue Deutsche Welle waren geboren.

Johnny Warman hat nicht nur einen kleinen Synthesizer zum Umsetzen seiner Musik benutzt, sondern eine ganze Band. Trotzdem ist es Synthie-Pop in sehr ausgeprägter Form geworden, auch wenn Peter Gabriel hier auf einem Lied mitwirkt. Und da sind wir jetzt auch schon bei dem Höhepunkt der gesamten Platte, „Screaming Jets“. Diese Nummer ist eindeutig das Highlight auf „Walking Into Mirrors“. Natürlich für Peter Gabriel Fans sowieso, allerdings auch für diese Platte. Eingängig, auch rockig, dieses Mal nur in den Randbereichen Synthie Pop, ein wahrlich überzeugendes Lied. Den Song hatte Johnny Warman innerhalb von 25 Minuten geschrieben, nachdem er sich den Film „Apocalypse Now“ angesehen hatte. 250 britische Pfund zahlte Johnny Warman Peter Gabriel für seinen Gastauftritt, die besten 250 Pfund, die er jemals investiert hat, wie er später meinte.

Nun, dieser Titel ist sicherlich der Höhepunkt des Albums. Allzu viel mehr hörenswertes befindet sich leider allerdings nicht auf der Platte. Der ganze Rest klingt so etwas von künstlich, auch wenn es da mal so eingängige Titel wie „(Sos) Sending Out Signals“ oder, zumindest zum Teil, Reggae Nummern wie „Dancing Dolls“ gibt .Und noch einen Titel möchte ich ausnehmen, das ist das letzte Lied der Platte „Fantasic Light“. Das klingt trotz seiner Synthesizer-dominierten Art sehr eingängig und immer wieder hörbar. Das war es dann aber endgültig. Kommen wir zu den Zugaben. Die Nummern reihen sich sehr gut stilistisch in den Rest der Platte ein. Das war es dann aber auch schon. Sicherlich ganz nett, wenn man denn Johnny Warman Fan ist, wegen der Vollständigkeit. Aber wer ist schon Johnny Warman Fan?

Fazit: Das Lied mit Peter Gabriel ist überzeugend. Sehr sogar. Der Rest deutlich weniger und entspricht zum Teil sogar sehr oberflächlicher Musik der 80er Jahre. Johnny Warman konnte allerdings wirklich gute Musik machen, zumindest hat er das mit dem nächsten Album gezeigt – jedoch nicht mit diesem. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Screaming Jets, Fantastic Light



Samstag, 13. September 2014

Spider Murphy Gang – Dolce Vita




Spider Murphy Gang – Dolce Vita


Besetzung:

Barny Murphy – Gitarre
Michael Busse – Piano, Orgel
Günther Sigl – Gesang, Bass
Franz Trojan – Schlagzeug


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Rock’n‘Roll


Trackliste:

1. Schickeria (3:41)
2. Wer wird denn woana (3:40)
3. Zwoa Zigarettn (2:38)
4. Vis-A-Vis (3:07)
5. Skandal im Sperrbezirk (3:40)
6. Schuitog (Schooldays) (3:07)
7. Mit 'n Frosch im Hois und Schwammerl in de Knia (3:44)
8. Dolce Vita Rita (3:48)
9. Da moi oans (2:33)
10. Herzklopfen (5:15)

Gesamtspieldauer: 35:12




Wenn man an die Spider Murphy Gang denkt, dann fallen einem ganz spontan solche Titel wie „Schickeria“, „Skandal im Sperrbezirk“ und vielleicht auch noch „Dolce Vita Rita“ und „Herzklopfen“ ein. Alle diese Lieder sind auf dem zweiten offiziellen Album der Spider Murphy Gang mit dem Titel „Dolce Vita“ vertreten. Veröffentlicht wurde die Scheibe 1981 und stellte den Durchbruch für die Münchner Band dar. Da zeitgleich auch der Hype um die Neue Deutsche Welle am Durchstarten war, wurde die Spider Murphy Gang ganz spontan mit in diesen Topf geworfen. Mit Neuer Deutscher Welle hat die Musik auf „Dolce Vita“ jedoch reichlich wenig zu tun. Die Münchner machen Rock’n’Roll und setzen zugegebenermaßen auch mal einen Synthesizer ein, aber genau letzteres ist auch der einzige Überschneidungspunkt.

Rock’n’Roll also mit Deutschen, nein Bayrischen Texten. Das gab es so noch nicht allzu oft. Die Zeiten eines Peter Krauss waren zu diesem Zeitpunkt auch schon lange vorbei und waren eben auch nicht „boarisch“ gewesen. Dazu gesellen sich nun noch ganz witzige Texte, die sich eben nicht nur um die Liebe drehen. Dies soll allerdings auch zu Auseinandersetzungen zwischen Eltern und deren Nachwuchs geführt haben. „Und draußen vor der großen Stadt steh’n die Nutten sich die Füße platt“ war damals noch ein Satz, vor dem die Kinder durch ihre Eltern geschützt werden mussten.

Die gespielten Rock’n’Rolls gehen alle durch die Bank weg schnell ins Ohr. Einen solchen wie „Schickeria“ kann man bereits nach dem ersten Hören mitpfeifen und wenn es dann doch eher mal in die Pop-Richtung geht, wie beim größten Hit der Band „Skandal im Sperrbezirk“, dann gibt es auch hier sehr eingängige Melodiebögen zu hören, die auch längerfristig hängenbleiben. Allzu oft kann man sich das allerdings nicht reinziehen, dann erreichen die Titel sehr schnell die Nerv-Grenze. Ausnahme vielleicht – und auch die beste Nummer der Spider Murphy Gang überhaupt – „Dolce Vita Rita“. Toller Aufbau, dominierendes Klavier und ein wahrlich genialer und witziger Text. Die Nummer lohnt sich auf jeden Fall.

Fazit: An der Spider Murphy Gang kam in den 80ern keiner vorbei. Das kannte jeder und man wurde damit auch durchgehend aus dem Radio bedudelt. Das konnte mitunter sehr nerven. Dann ebbte das Ganze wieder ab und hört man diese Musik jetzt, denkt man bei entsprechendem Alter an die Jugend zurück. Manche mehr, ich weniger, war eben niemals ganz so meins. Aber „Dolce Vita Rita“ liebe auch ich. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Dolce Vita Rita



Freitag, 12. September 2014

Family - The Best Of Family




Family – The Best Of Family


Besetzung:

Roger Chapman – vocals, harmonica, tenor saxophone, percussion
John "Charlie" Whitney – guitars, sitar, keyboards
Jim King – saxophones, harmonica, tin whistle, piano, vocals
Ric Grech – bass, violin, cello, vocals
Harry Ovenall – drums, percussion
Rob Townsend – drums, percussion
John Weider – bass, guitar, violin
John "Poli" Palmer – keyboards, flute, vibraphone, synthesisers
John Wetton – bass, guitar, vocals
Jim Cregan – bass, guitars
Tony Ashton – keyboards, accordion, mellotron, vocals

Sowie weitere Studiomusiker


Label: Line Music


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. No Mule's Fool (3:20)
2. The Weaver's Answer (5:00)
3. Burning Bridges (4:44)
4. Love Is A Sleeper (4:01)
5. Drowned In Wine (4:11)
6. In My Own Time (3:33)
7. Good Friend Of Mine (3:33)
8. My Friend The Sun (4:21)
9. Wheels (4:42)
10. Between Blue And Me (5:05)
11. Blind (4:07)
12. Strange Band (3:15)
13. Some Poor Soul (2:45)
14. Burlesque (4:05)
15. Top Of The Hill (5:40)
16. Boom Bang (3:04)
17. Hometown (3:10)
18. Sweet Desire (3:39)


Gesamtspieldauer: 1:12:13




Sieben Alben veröffentlichten die Briten von Family in den sechs Jahren von 1968 bis 1973. Und diese achtzehn, auf das „The Best Of Family“-Album gepressten Titel, sollen nun also die Crème de la Crème daraus darstellen. Nun, das wird jeder wohl ein wenig anders sehen, was denn nun letztendlich die besten Lieder von Family gewesen sind. Eindeutig Geschmackssache.

Klar, an einem Titel wird man nicht vorbeikommen, „The Weaver's Answer“ ist sicherlich die bekannteste Nummer der Band und einer jener Titel, der sich sofort, beim ersten Hören, im Ohr des Musikhörer festsetzt. Stimmungsmäßig und stilistisch passt sich der Titel an die restlichen siebzehn hier enthaltenen Nummern dadurch an, dass man diese überhaupt nicht vergleichen kann. Beim Musikstil habe ich für die Scheibe Rock, Psychedelic Rock und Progressive Rock angegeben. Das stimmt allerdings nur zum Teil, im Grunde genommen müsste da zusätzlich noch Folk, Pop und auch Jazz – zumindest in Anleihen – stehen. Absolut breit gefächert sind die Musikgenres, die hier auf dieser CD zusammentreffen. Das darf einen auch nicht weiter verwundern, denn schon die Fans damals wurden immer wieder in Erstaunen versetzt, wenn sie die neue Family-Platte auflegten. War das noch die Band vom Jahr zuvor? Oftmals haben die Musiker hier nämlich sehr drastische Stilwechsel vollzogen, sodass wahrlich kein Album dem anderen gleicht.

Besonders herauszuheben an der Musik von Family ist dabei sicherlich die Stimme Roger Chapmans, die sogar Mike Oldfield für sich und seine Kompositionen entdeckte, denn wer kennt nicht „Shadow On The Wall“? Das ist es jedoch nicht alleinig, was die Musik auf dieser Kompilation ausmacht. Es ist auch der Einsatz diverser Instrumente, die eben nicht so häufig in der Rock-Musik zu hören sind und dabei die einzelnen Lieder noch ein wenig an Spannung gewinnen lassen. Und schließlich gibt es da noch die Mannigfaltigkeit in der Musik selbst, die diese Zusammenstellung zu einem nie langweilig werdenden Kleinod werden lässt. Dabei kommen all jene Hörer auf ihre Kosten, die eingängige Melodien und Harmonien jeglicher Art zu schätzen wissen.

Fazit: Ob das jetzt tatsächlich die besten achtzehn Lieder von Family sind, das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Festzuhalten bleibt jedoch, dass alle Titel auf der Platte einen gewissen Reiz versprühen, der die Scheibe such heute noch sehr lohnenswert werden lässt. Wer auf nicht immer ganz unkomplizierte Musik steht, die dabei trotzdem nie den Pfad der Melodiösität verliert, der sollte hier unbedingt mal reinhören. Elf Punkte

Anspieltipps: No Mule's Fool, The Weaver's Answer, Burning Bridges



Donnerstag, 11. September 2014

Nirvana – Nevermind




Nirvana – Nevermind


Besetzung:

Kurt Cobain – vocals, guitar
Dave Grohl – drums, vocals
Krist Novoselic – bass, vocals


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Grunge, Alternative Rock


Trackliste:

1. Smells Like Teen Spirit (5:01)
2. In Bloom (4:15)
3. Come As You Are (3:39)
4. Breed (3:04)
5. Lithium (4:17)
6. Polly (2:57)
7. Territorial Pissings (2:23)
8. Drain You (3:44)
9. Lounge Act (2:37)
10. Stay Away (3:33)
11. On A Plain (3:16)
12. Something In The Way (+ Hidden Track: Endless, Nameless) (3:51) + (7:24)

Gesamtspieldauer: 49:01




Ganz schöne Sprünge hier. Gestern Stefanie Hertel aus dem Jahr 1991, heute Nirvana – ebenfalls von 1991, mit einem der wohl bekanntesten Alben überhaupt. „Nevermind“ wurde mit Preisen überschüttet, verkaufte sich zig-millionenfach, ebnete dem Grunge den Weg und bewirkte den Aufstieg des Kurt Cobain in den Rock-Olymp.

Und all dies völlig zu Recht. „Nevermind“ ist ein Album voller unglaublich kraftvoller Musik, die einfach mitreißt und zu einem langfristigen Begleiter wird. Dabei sind es nicht nur die „Hits“ der Platte wie „Smells Like Teen Spirit“, „Come As You Are“ oder „Lithium“, die hier überzeugen können, es ist die Gesamtheit der Songs, die diese Ausstrahlung besitzt. Alles wirkt und klingt. Wenn Kurt Cobain schreit, dann hört sich dies nach Verzweiflung an, die ergreift. Wenn er „normal“ singt, wirkt das intensiv und packend. Die Melodien gehen ins Ohr, egal wie hart da gerade gespielt wird. Und wenn man, wie ich 1993, das Glück hatte, diese Band noch live zu erleben, dann weiß man, dass hier Musik gemacht wurde, die ohne jeglichen Schnickschnack, fast schon statisch eingespielt, die Zuhörer zum kollektiven Ausrasten zu bewegen im Stande ist. Wahrlich beeindruckend.

Es gibt keine Ausfälle auf „Nevermind“. Und selbst so einem „Hidden Track“ wie „Endless, Nameless“ wohnt irgendwas Faszinierendes inne. Hidden Tracks waren mit Aufkommen der CD richtig „in“ und eigentlich eine Unart, da sich zumindest mir der Sinn nie richtig erschloss. Hier kann man es allerdings ein wenig nachvollziehen, da es sich in diesem Fall um eine Art Improvisation handelt, die nicht ganz zum Rest der Platte passt.

Fazit: Klasse und packende Musik, für Rock-Fans wahrlich ein Nirwana. Ganz klar, diese Scheibe ist ein Meilenstein der Rock-Musik, den man kennen sollte. Die Texte sollte man sich dabei auch mal zu Gemüte führen, um in die Welt des Kurt Cobain noch weiter einsteigen zu können. Wer Rock mag, die oder der wird dieses Album lieben. Ganz sicher. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Lithium



Mittwoch, 10. September 2014

Stefanie Hertel – So a Stückerl heile Welt




Stefanie Hertel – So a Stückerl heile Welt


Besetzung:

Keine Nennung


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. So a Stückerl heile Welt (3:01)
2. In seiner Hütte ist er König (3:11)
3. Jeder braucht sein Kuscheltier (3:09)
4. Die liebe Familie (2:25)
5. Kinder brauchen gar nicht viel (3:28)
6. Hab mich lieb (3:52)
7. Papa, die Oma hat erzählt (3:17)
8. Und ewig singen die Wälder (3:08)
9. Ein Zuhause gesucht (3:28)
10. Ferien auf dem Bauernhof (3:02)
11. Was macht der Elefant in unserem Gartenhaus? (2:52)
12. Mehr Zeit für uns beide (2:51)

Gesamtspieldauer: 37:44




Okay, da muss ich jetzt durch. Auch Alben von Stefanie Hertel besitze ich. Was man da nicht so alles bekommt, im Laufe einer Musikhörer-Karriere... Da ich hier allerdings auch alles besprechen möchte, was sich so bei mir angesammelt hat, wird auch die gute Stefanie hier erwähnt. Richtig und fair beurteilen kann ich das aber wohl nicht.

Das Komponisten-Duo Jean Frankfurter und Irma Holder hat hier zugeschlagen. Und zwar gleich zwölf Mal. Alle Titel stammen von diesem Komponisten und dieser Texterin, die beide Stefanie Hertel noch lange begleiten sollten. Wenn man sich die CD so anhört, habe ich sogar mehrmals gemacht, dann wirkt das mitunter ein wenig unfreiwillig komisch, da das Küken aus der DDR hier im Dirndl natürlich auch ein wenig Bayrisch klingen und singen soll. Kann sie aber nicht so richtig. Inhaltlich wirkt alles ein wenig wie Heintje der 90er Jahre, die Omas dieser Welt sollten dieses Mal ihr süßes Enkelkind bekommen.

Stefanie Hertel machte dann beim Grand Prix der Volksmusik mit und sollte diesen auch ein Jahr später mit „Über jedes Bacherl geht a Brückerl“ gewinnen. Alleine diesen Titel hinzuschreiben, ruft fassungsloses Kopfschütteln hervor. Genauso wie bei „So a Stückerl heile Welt“, dem hier enthaltenen Grand Prix der Volksmusik-Beitrag. Und so klingt es auch irgendwie. Titel wie „Was macht der Elefant in unserem Gartenhaus?“ weisen ebenfalls in eine kaum vorstellbare Richtung. Da wird gereimt auf Teufel komm raus.

Fazit: Unfassbare Texte, Musik aus der Retorte. Der Synthesizer lässt grüßen. Vom Schlagzeug bis zur Violine. Klar kann ich das nicht fair beurteilen. „In“ scheint diese Musik inzwischen auch nicht mehr zu sein, denn man bekommt die CD kaum noch und wenn, dann nur zu horrenden Preisen. Wenn hier Nachfrage wäre, sähe das sicher besser aus. Ein Album für Schlagerfreunde, die sich immer so ein süßes Enkelkindchen gewünscht haben. Null Punkte möchte ich dafür aber trotzdem nicht vergeben, allerdings ist das Ganze mit einem Punkt bestens bedient.

Anspieltipps: Alles



Dienstag, 9. September 2014

Bachman-Turner Overdrive – Not Fragile




Bachman-Turner Overdrive – Not Fragile


Besetzung:

C.F. Turner – bass guitar, vocals
Randy Bachman – lead guitar, vocals
Blair Thornton – second lead guitar, background vocals
Bob Bachman – drums, percussion


Gastmusiker:

Frank Trowbridge – slide guitar (on "Blue Moanin'")


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Not Fragile (4:08)
2. Rock Is My Life, And This Is My Song (5:06)
3. Roll On Down The Highway (4:00)
4. You Ain't Seen Nothing Yet (3:58)
5. Free Wheelin (3:48)
6. Sledgehammer (4:36)
7. Blue Moanin' (3:46)
8. Second Hand (3:24)
9. Givin' It All Away (3:49)

Gesamtspieldauer: 36:32




Doch „Ja“, ein bisschen Patina versprüht dieses Album von Bachman-Turner Overdrive aus dem Jahr 1974 schon – oder „Nein“, das stimmt nicht? „Not Fragile“ ist auf jeden Fall die dritte Platte der Kanadier aus Winnipeg und wurde vor allem durch den Titel „You Ain't Seen Nothing Yet“ ein Erfolg. Sicherlich ein Lied, was man auch heute noch ab und an im Radio zu hören bekommt.

Erstmals hat hier Blair Thornton seinen Auftritt als Gitarrist bei der Band, er hatte nun Tim Bachman ersetzt. Und sein Zusammenspiel mit Randy Bachman hat durchaus etwas Besonderes. Beide Gitarren ergänzen sich perfekt und die Musik klingt voll und perfekt abgestimmt. Musikalisch kann zwar nicht alles restlos überzeugen auf „Not Fragile“, allerdings befinden sich auf dem Album durchaus sehr hörenswerte Stücke. Da ist zum Beispiel der Opener und gleichzeitig das Titellied „Not Fragile“. Sehr kraftvoll und rockig klingen Bachman-Turner Overdrive hier. Wie übrigens überhaupt an all jenen Stellen, an denen ordentlich gerockt wird und die Band so richtig Spaß an dem hat, was sie da gerade produziert – so hört sich das dann zumindest an. Klar auch „You Ain't Seen Nothing Yet” sollte man als Rock-Freund mal gehört haben und hat man sicherlich auch. Eines jener Lieder, die sofort ins Ohr gehen und dort auch längerfristig hängenbleiben.

Auch die Instrumentalnummer „Free Wheelin“ lohnt das Anhören, da sie manches Mal sogar in etwas experimentelle Bereiche abdriftet, was die Musik nur noch spannender werden lässt. Auch die restlichen Titel haben zumeist etwas, was durchaus hörenswert ist. Vielleicht mit Ausnahme des letzten Liedes „Givin‘ It All Away“. Hier wird zwar auch gerockt, aber der Gesang klingt dann schon sehr nach den Les Humphries Singers. Muss man heutzutage nicht mehr unbedingt haben. Aber auch so etwas findet garantiert seine Freunde.

Fazit: Es ist der Rock der härteren Sorte, der dieses Album hörenswert werden lässt und für die damalige Zeit gar nicht so selbstverständlich war. „You Ain't Seen Nothing Yet” fällt dabei sogar aus dem Rahmen, denn erstens ist das eher Pop als Rock und zweitens ist die Nummer sogar ziemlich untypisch für die Platte. Und „Nein“, an Patina erinnert hier auf „Not Fragile“ im Grunde genommen nur wenig bis gar nichts. Hört man diese Scheibe zum ersten Mal, kommt man kaum auf ein Alter von nun bereits 40 Jahren. Nicht alles ist darauf zwar restlos überzeugend, aber doch sehr viel. Lohnt sich also auch heute noch, hier mal reinzuhören. Neun Punkte. 

Anspieltipps: Not Fragile, You Ain't Seen Nothing Yet, Free Wheelin



Montag, 8. September 2014

The Who – The Who By Numbers




The Who – The Who By Numbers


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals, percussion
Pete Townshend – guitars, keyboards, ukulele, accordion, banjo, percussion, backing vocals, lead vocals on "However Much I Booze" and "Blue, Red And Grey"
John Entwistle – bass guitar (four and eight-string), brass, backing vocals, joint lead vocal on "Success Story", album cover art
Keith Moon – drums, percussion


Gastmusiker:

Nicky Hopkins – piano on "Slip Kid", "Imagine A Man", "Success Story", "They Are All In Love", "How Many Friends", and "In A Hand Or A Face"


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Slip Kid (4:30)
2. How Much I Booze (5:03)
3. Squeeze Box (2:41)
4. Dreaming From The Waist (4:09)
5. Imagine A Man (4:01)
6. Success Story (3:21)
7. They Are All In Love (3:00)
8. Blue, Red And Grey (2:48)
9. How Many Friends (4:06)
10. In A Hand Or A Face (3:25)


Bonus Tracks:

11. Squeeze Box (live) (4:14)
12. Behind Blue Eyes (live) (3:42)
13. Dreaming From The Waist (live) (4:52)

Gesamtspieldauer: 49:52




Zehn feine Nummern haben die Who im Jahr 1975 im Rahmen ihres siebten Studioalbums „The Who By Numbers“ auf Platte gepresst. Dabei fällt gleich das Cover auf, welches passend zum Namen gestaltet ist und von John Entwistle entworfen und gezeichnet wurde. Dieses Album von The Who mit „Rock“ zu umschreiben, fällt dabei ein wenig schwer. Sicherlich, die rockigen Abschnitte gibt es auch auf „The Who By Numbers“, trotzdem driftet dieses Album schon immer wieder schwer in die Gefilde des Pop ab. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob der Titel nun aus der Feder des John Entwistle („Success Story“) stammt oder – wie in allen anderen Fällen – von Pete Townshend geschrieben wurde. Rhythmus und Melodieführung sind meistens sehr viel mehr im Pop beheimatet, als im Rock.

Macht allerdings überhaupt nichts, wenn denn Pop-Rock immer so klingen würde. Das klingt alles sehr überzeugend und geht schnell ins Ohr. Vom Aufbau her weisen die meisten Titel langsamere und schnellere Abschnitte auf, sodass die Umsetzung von Rock und Pop bereits in den Liedern selbst gegeben ist. Zudem sind einige der schönsten ruhigen Titel der Band auf dem Album enthalten wie „Imagine A Man”, „They Are All In Love” oder das absolute überragende „Blue, Red And Grey”. Vor allen Dingen letztgenannter Titel ist einer jener Nummern, die einen das ganze Leben begleiten können, ohne auch nur irgendetwas von ihrem Reiz zu verlieren – selbst nach dem zweihundertsten Mal des Hörens. Dazu bekommt man als Bonus Tracks der remasterten Fassung noch drei nette Live-Versionen geboten, die auch ein wenig von der Show widerspiegeln, die The Who damals, in den 70er Jahren, vor Publikum abzogen - und das bei durchaus vorhandener Qualität der Live-Aufnahme.

Fazit: Klar, „The Who By Numbers“ ist kein zweites „Tommy“, ebenso wenig wie ein zweites „Quadrophenia“ oder ein neuerliches „Who’s Next“, trotzdem ist die Platte ein sehr hörenswertes Album geworden, welches durch die die drei „berühmten“ Vorgänger ein wenig hinten runterfällt. Allerdings lohnt sich diese Platte sehr, die neben den eher ruhigen Balladen und viel Eingängigem auch Treibendes zu bieten hat. „The Who By Numbers“ sollte man kennen, wenn man sich ein Bild über The Who machen möchte. Elf Punkte. 

Anspieltipps: Imagine A Man, Blue, Red And Grey



Sonntag, 7. September 2014

Wovenhand – Mosaic




Wovenhand – Mosaic


Besetzung:

David Eugene Edwards – vocals, guitar, bass
Daniel McMahon – piano
Ordy Garrison – drums
Elin Palmer – strings


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: ArtPop, Post Rock, Alternative Country, NeoFolk


Trackliste:

1. Breathing Bull (1:30)
2. Winter Shaker (3:44)
3. British Purse (3:31)
4. Twig (2:12)
5. Whistling Girl (4:40)
6. Elktooth (3:18)
7. Bible And Bird (2:21)
8. Dirty Blue (4:43)
9. Slota Prow – Full Armour (5:54)
10. Truly Golden (3:34)
11. Deerskin Doll (5:34)
12. Little Raven (4:13)

Gesamtspieldauer: 45:13




Düster klingt es, das vierte Album von Wovenhand, alias David Eugene Edwards, welches im Jahr 2006 veröffentlicht wurde. Nun, etwas marode klangen bisher alle Veröffentlichungen des David Eugene Edwards und da spielte es keinerlei Rolle, ob es sich dabei um eine Platte von 16 Horsepower oder eben um Wovenhand handelte. Dieses Mal scheint Edwards allerdings noch etwas mehr Verzweiflung in die Musik gelegt zu haben – jedoch nicht nur in die Musik. Dass die Texte von Wovenhand immer einen christlichen Hintergrund haben, ist nichts Neues und Besonders mehr. Doch scheint der US-Amerikaner, der offensichtlich durchaus mit seiner Musik zu missionieren versucht, dieses Mal in seine Botschaften noch ein wenig mehr Verdammnis, Fegefeuer und Hölle gelegt zu haben. Mitunter richtig flehentlich, ein anderes Mal überaus verzweifelt, singt Edwards seine Glaubenssätze auf diesem Album in die Welt hinaus.

Legt man also „Mosaic“ in den CD-Player ein, dann begibt man sich als Hörer auf eine Reise, die in tiefe Abgründe führt. Alles klingt sehr ruhig und unaufgeregt. Kein lauter oder schräger Ton stört diesen sehr zurückhaltenden Eindruck. Dabei wirkt die Musik traurig, melancholisch, sentimental und auch immer wieder verzweifelt. Irgendwie scheint kein Sonnenstrahl diese Finsternis von Woven Hand durchdringen zu können, alles wirkt aussichtslos und verloren. Nun, auch solch eine bedrohliche und zudem zerrissene Atmosphäre hat in der Musik natürlich seine Daseinsberechtigung. David Eugene Edwards zelebriert auf „Mosaic“ genau diese Musik in Perfektion. Und wenn man sich bereits in dieser Stimmung befindet, dann kann man sich in seinen Gefühlen wahrlich perfekt suhlen, in seine Tristesse eintauchen und den schweren Gedanken tiefgründig nachhängen. Dabei ist weiter festzuhalten, dass bei aller Traurigkeit die Melodiösität der Lieder durchaus im Vordergrund steht. Und auch wenn sich die einzelnen Titel nicht sofort und unmittelbar im Ohr des Hörers verankern, so bedarf es doch nur weniger Durchgänge und die Lieder sind Vertraute und gute Bekannte geworden.

Fazit: Unabhängig davon, ob man alle Glaubenssätze des David Eugene Edwards genau so für sich übernehmen kann, so muss man auf jeden Fall doch konstatieren, dass „Mosaic“ ein sehr intensives Album geworden ist. Wenn es Musik schafft, Emotionen hervorzurufen, dann hat sie ihren Sinn erfüllt. Musik, die nicht bewegt ist für die Tonne. Bewegende Musik gibt es allerdings auf „Mosaic“ im Überfluss, wenn man denn diese düstere und tief religiöse Atmosphäre aushalten kann. Elf Punkte.

Anspieltipps: Swedish Purse, Whistling Girl, Dirty Blue, Deerskin Doll



Samstag, 6. September 2014

Kraftwerk – Electric Café




Kraftwerk – Electric Café


Besetzung:

Ralf Hütter – voice, vocoder, keyboards, electronics, mix
Florian Schneider – vocoder, speech synthesis
Karl Bartos – electronic drums, electronic percussion, voice


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Elektronische Musik, SynthiePop


Trackliste:

1. Boing Boom Tschak (2:57)
2. Techno Pop (7:42)
3. Musique Non Stop (5:45)
4. The Telephone Call (8:03)
5. Sex Object (6:51)
6. Electric Café (4:20)

Gesamtspieldauer: 35:38




Mehrere Jahre haben Kraftwerk an diesem Album gearbeitet. Schließlich wurde diese neunte Platte der Band im Jahr 1986 unter dem Namen „Electric Café“ veröffentlicht. Inzwischen haben Kraftwerk die Scheibe unter dem Titel „Techno Pop“ erneut auf den Markt geworfen und durch einen Titel erweitert. Das Album erschien 1986 in drei verschiedenen Ausführungen bezüglich der Sprache. So gab es eine englische, eine deutsche und eine limitierte spanische Version zu erwerben.

Natürlich hört man auch auf „Electric Café“ elektronische Musik in Reinkultur. Dabei hat sich allerdings der Schwerpunkt ein wenig verschoben. Der Fokus der Band liegt sehr viel mehr auf dem Rhythmus, deutlich weniger auf der Melodie – nimmt man vielleicht den Titel „Sex Object“ einmal aus, da dieser zwar ebenfalls sehr rhythmisch gestaltet ist, jedoch durch die Synthesizer-Interpretation von Streichern auch überaus melodiös und eingängig wirkt. Ansonsten steht vor allen Dingen der zugrunde liegende Takt bei den Titeln deutlich im Vordergrund. Mitunter scheint es fast so, als ob die Lieder hauptsächlich für die Club-Szene geschrieben wurden – obwohl so richtig darauf tanzen lässt sich bei den meisten Nummern auch nicht durchgängig, eher abschnittsweise.

Cool ist so eine Lied wie „Boing Boom Tschak“ natürlich schon. So etwas gibt es sonst nirgendwo zu hören. Weder musikalisch noch textlich. Das ist schon auf seine Weise beeindruckend, da eben so anders. Allerdings mangelt es der Musik meistens an der Fähigkeit, den Hörer längerfristig in den Bann zu ziehen. Eine Gänsehaut beim Hören eines Titels auf „Electric Café“ bekommt man höchstens, wenn man sich das Ganze im Januar, nackig im Wald reinzieht.

Fazit: Synthetische Musik kann wahrlich begeistern – dazu muss allerdings auch eine irgendwie eingängige Melodie vorhanden sein. Das ist auf dem Album „Electric Café“ von Kraftwerk leider jedoch nicht der Fall. Die Lieder wirken zwar interessant und sind mitunter auch als durchaus experimentell zu umschreiben, allerdings zu häufig hören will man das Ganze dann auch nicht – eher ab und an. Was bleibt ist also ein interessantes, da so anderes Album, welches nach einer gewissen Zeit der Abstinenz wieder ganz interessant klingt. Immerhin. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Boing Boom Tschak, Sex Object



Freitag, 5. September 2014

Genesis – Invisible Touch




Genesis – Invisible Touch


Besetzung:

Tony Banks – keyboards, synth bass
Phil Collins – drums, percussion, vocals, drum machines
Mike Rutherford – guitars, bass guitar


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Pop


Trackliste:

1. Invisible Touch (3:29)
2. Tonight, Tonight, Tonight (8:53)
3. Land Of Confusion (4:45)
4. In Too Deep (5:02)
5. Anything She Does (4:09)
6. Domino (10:44)
    Part One: In The Glow Of The Night (4:27)
    Part Two: The Last Domino (6:17)
7. Throwing It All Away (3:51)
8. The Brazilian (4:50)

Gesamtspieldauer: 45:42




Nach dem Erfolg von „Genesis“, dem zwölften Studio-Album, lag natürlich kein Grund vor, bei der dreizehnten Platte andere Wege zu gehen. Somit wurde auch „Invisible Touch” ein Pop-Album durch und durch. Doch trotz des großen Erfolgs der Scheibe, enthält diese nicht mehr so viele hörenswerte Pop-Titel. Nun, die Musik von Genesis war nun zwar absolut massenkompatibel, damit allerdings auch überaus langweilig und belanglos geworden.

Fünf der acht auf „Invisible Touch” enthaltenen Lieder („Invisible Touch”, „In Too Deep”, „Land Of Confusion”, „Tonight, Tonight, Tonight” und „Throwing It All Away”) wurden als Single ausgekoppelt und waren dabei mehr oder weniger alle erfolgreiche Hits. Vor allen in den USA belegten diese fünf Lieder alle die Plätze eins bis vier der Billboard Charts. Die Band Genesis war auf dem Zenit ihres Erfolgs angekommen. Nicht weiter verwunderlich, denn dieser Phil Collins Sound war zu dieser Zeit mächtig angesagt und so ein Lied wie „In Too Deep” hätte jeder Zeit auch auf einem der Solo-Alben des Genesis-Drummers Platz gefunden. Schleimiges Gesoße war damals einfach angesagt.

Die radiotauglichen Lieder sind allesamt ziemlich oberflächlich gehalten. Man darf sich bei solcher Musik auch nicht wundern, dass Deutscher Schlager hier in unseren Landen ebenfalls sehr erfolgreich ist, denn um nichts anderes handelt es sich bei dieser Musik – nur eben auf Englisch. Will man denn noch etwas Positives finden, dann landet kann zwangsläufig beim Titel „Tonight, Tonight, Tonight”, der zumindest noch eine gewisse Abwechslung und auch Eingängigkeit aufweist, die dieses Mal nicht nur oberflächlich zu sein scheint. Allerdings ist das nun schon ein Loben auf einem Niveau, welches wahrlich nicht mehr allzu hoch angesiedelt ist.

Fazit: Wer auf eingängigen Radio-Pop steht, der oder dem gefällt sicherlich auch „Invisible Touch”. Das Album ist auch für Freunde des deutschen Schlagers bestens geeignet, da dieser viele Anleihen dieser Platte aufweist. Phil Collins Freunde kommen hier sowieso auf ihre Kosten, der Mann hatte Genesis jetzt genau da, wo er die Band schon immer sah. Aber halt, wenn man sich die Veröffentlichungen von Tony Banks und Michael Rutherford aus dieser Zeit anhört, dann ist das schon ganz eindeutig eine Gemeinschaftsproduktion. Nun, für mich überaus belanglose und langweilige Musik. Bis auf „Tonight, Tonight, Tonight” – aber ein Lied macht noch kein gutes Album. Vier Punkte.

Anspieltipps: Tonight, Tonight, Tonight