Sonntag, 19. Oktober 2014

R.E.M. – Collapse Into Now




R.E.M. – Collapse Into Now


Besetzung:

Peter Buck – guitar, bass guitar, mandolin
Mike Mills – bass guitar, guitar, backing vocals, keyboards
Michael Stipe – lead vocals


Gastmusiker:

Shamarr Allen – trumpet on „Discoverer", “It Happened Today" and “Oh My Heart"
Greg Hicks – trombone
Craig Klein – trombone
Mark Mullins – trombone and horn arrangements
Joel Gibb – vocals on „It Happened Today"
Lenny Kaye – guitar solo on „Alligator_Aviator_Autopilot_Antimatter", guitar solo on „Blue"
Jacknife Lee –keyboards, guitar
Leroy Jones – trumpet on „Discoverer", “It Happened Today" and „Oh My Heart"
Kirk M. Joseph, Sr. – sousaphone on „Discoverer", „It Happened Today" and „Oh My Heart"
Scott McCaughey – guitar, keyboards, backing vocals, accordion
Peaches – vocals on „Alligator_Aviator_Autopilot_Antimatter"
Bill Rieflin – drums, bouzouki, keyboards, guitar
Patti Smith – vocals on „Blue"
Eddie Vedder – vocals on „It Happened Today"


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Discoverer (3:31)
2. All The Best (2:48)
3. Überlin (4:15)
4. Oh My Heart (3:21)
5. It Happened Today (3:49)
6. Every Day Is Yours To Win (3:26)
7. Mine Smell Like Honey (3:13)
8. Walk It Back (3:24)
9. Alligator_Aviator_Autopilot_Antimatter (2:45)
10. That Someone Is You (1:44)
11. Me, Marlon Brando, Marlon Brando And I (3:03)
12. Blue (5:46)

Gesamtspieldauer: 41:05




Mit „Collapse Into Now”, ihrem 15. Studioalbum, haben sich R.E.M. von der Bühne der Musik verabschiedet – zumindest die Musiker in Form der Band R.E.M. Auf ihrer Homepage verkündeten die Amerikaner im September 2011, dass es das nun gewesen sei. Eine Auflösung ohne Streit.

Im März zuvor war noch „Collapse Into Now” erschienen. Ein sehr würdiger und auch sehr typischer Abschied, denn auf diesem 15. Album ist noch mal alles vertreten, was die Fans der Band so sehr an ihr schätzten: Sehr eingängiger Rock, mit einigen Pop-Anleihen. Musik, die schnell ins Ohr geht ohne dabei plump oder anbiedernd zu wirken. Alles ist melodiös gehalten, die Harmonie im Lied selbst steht immer im Mittelpunkt. Und so gibt es wieder jede Menge schöne Titel zu entdecken, die einen auch längerfristig begleiten können. Eingängige und auch sehr unaufgeregte Musik, die allerdings keinesfalls langweilig oder bieder wirkt.

Die Titel sind alle im langsameren, bis hin zum Mid-Tempo gehalten. Schnell und auch lauter wird es nur selten, womit vielleicht richtige Rocker ihre Schwierigkeiten haben könnten. Allerdings soll dies auch nicht bedeuten, dass hier irgendetwas weichgespült ist. R.E.M. muss einfach so klingen, das ist es was sie können und hier leider zum letzten Mal darbieten. Etwas flotter klingen jrdoch zumindest die Nummern „Mine Smell Like Honey“, „Alligator_Aviator_Autopilot_Antimatter” und das sehr kurze „That Someone Is You”, wobei man hier jetzt auch wirklich von Rock sprechen kann. Allerdings die Ausnahme auf dem Album.

Fazit: Ein schönes und ruhiges Album ist „Collapse Into Now” geworden. Ein Album, welches geradezu dazu einlädt, es sich auf dem Sofa bequem zu machen und Musik zu genießen. Man wird mit weichen Tönen berieselt und die Gedanken gehen auf Reisen. Muss irgendwie auch mal sein. Schade nur, dass es das nun von R.E.M. war. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Überlin, Every Day Is Yours To Win, Blue



Samstag, 18. Oktober 2014

Placebo – Without You I’m Nothing




Placebo – Without You I’m Nothing


Besetzung:

Brian Molko – vocals, guitar, bass (tracks 4 and 12)
Stefan Olsdal – bass, guitar, piano (tracks 7 and 9)
Steve Hewitt – drums, percussion


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Pure Morning (4:15)
2. Brick Shithouse (3:18)
3. You Don't Care About Us (3:58)
4. Ask For Answers (5:20)
5. Without You I'm Nothing (4:09)
6. Allergic (To Thoughts Of Mother Earth) (3:49)
7. The Crawl (2:59)
8. Every You Every Me (3:34)
9. My Sweet Prince (5:45)
10. Summer's Gone (3:06)
11. Scared Of Girls (3:01)
12. Burger Queen (6:26) [+ Hidden Track "Evil Dildo" (7:08)]

Gesamtspieldauer: 56:48




„Without You I’m Nothing” heißt das zweite Album der Alternative Rock Band Placebo aus London und es erschien im Oktober 1998. Zu hören gibt es darauf zumeist sehr kraftvollen Rock, der groovt und durchaus auch mitzureißen versteht. Eindeutig zuzuordnen sind die Titel natürlich immer Placebo, allein schon aufgrund der sehr markanten Stimme des Brian Molko. Diese wirkt manchmal gerade so, als würde er gleich fürchterlich zu weinen anfangen, was allerdings nichts über die Qualität des Gesangs aussagt. Ein Markenzeichen und dieser bestimmte Wiedererkennungswert sind hier auf jeden Fall gegeben.

Eines der bekanntesten Lieder von Placebo befindet sich ebenfalls auf dem Album: „Every You Every Me”. Rockig und mit diesem gewissen Ohrwurmcharakter ausgestattet, gehört die Nummer sicherlich zu den Höhepunkten von „Without You I’m Nothing”. Einmal gehört, nicht mehr vergessen. Ganz anders verhält es sich mit dem Titel direkt davor: „The Crawl”. Hier klingen Placebo verträumt und auch ein wenig verwunschen. Eine sehr dunkle Stimmung schwebt über dieser Nummer, wobei die Atmosphäre des Albums insgesamt sehr viel heller gestaltet ist. Ebenfalls sehr gelungen, aber nun auch wieder sehr viel rockiger, ist gleich der Opener „Pure Morning”, genau wie die zweite ruhige Nummer der Platte „My Sweet Prince”. Ansonsten gibt es noch jede Menge gut gemachter Alternative Rock Musik zu hören, die manchmal schneller ins Ohr geht, ein anderes Mal ein wenig mehr Zeit dafür benötigt.

Fazit: Interessant ist dieses zweite Album von Placebo auf jeden Fall. Vielleicht nicht ganz so überzeugend, wie noch spätere Veröffentlichungen, da die Höhepunkte dort noch häufiger anzutreffen sind. Songs, die textlich wie musikalisch das qualitative Spektrum der Platte nach unten hin durchstoßen, die gibt es auf „Without You I’m Nothing” nicht. Alles wirkt, macht Spaß beim Zuhören. Kein „Überalbum“ aber beileibe auch keine belanglose Scheibe. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Crawl, Every You Every Me



Freitag, 17. Oktober 2014

REO Speedwagon – Wheels Are Turnin’




REO Speedwagon – Wheels Are Turnin’


Besetzung:

Kevin Cronin – lead vocals, acoustic guitar, rhythm guitar, background vocals
Gary Richrath – lead guitar, electric guitar, wah-wah guitar
Neal Doughty – organ, synthesizer, piano
Alan Gratzer – drums
Bruce Hall – bass


Gastmusiker:

Steve Forman – percussion, conga, shaker
Bill Cuomo – orchestration
Richard Page – backing vocals
Tom Kelly – backing vocals
Tommy Funderburk – backing vocals


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Rock


Trackliste:

1. I Do' Wanna Know (4:12)
2. One Lonely Night (3:20)
3. Thru The Window (5:01)
4. Rock 'N Roll Star (3:40)
5. Live Every Moment (4:56)
6. Can't Fight This Feeling (4:54)
7. Gotta Feel More (4:26)
8. Break His Spell (2:57)
9. Wheels Are Turnin' (5:47)

Gesamtspieldauer: 39:31




Nun, Rock kann man das gar nicht so richtig nennen, was die Amerikaner von REO Speedwagon hier ihren Hörern darbieten. Das ist schon sehr viel eher Pop-Rock – und leider auch einer, von der eher seichten Sorte. Das elfte Album der Band stellt „Wheels Are Turnin’“ dar und auf diesem wird geschmachtet und geliebt und wieder weiter geschmachtet und noch ganz viel mehr geliebt. Bestes Beispiel hierfür die wohl die Ballade „Can’t Fight This Feeling“, welche drei Wochen hintereinander Platz 1 der US-amerikanischen Charts belegte. Unfassbar schmalzig das Ganze und das hat nichts damit zu tun, ob man jetzt eine romantische Ader hat oder eben nicht.

Der Rest der Scheibe ist nicht viel besser. Sicherlich keine Musik zum Davonlaufen, aber wenn man dann doch mal auf die Texte hören möchte, kann man manches Mal gar nicht glauben, was erwachsene Männer so alles singen und von sich geben möchten. Musikalisch gesehen ist „One Lonely Night“ sehr überzeugend und für mich der Ohrwurm der Platte. Einmal gehört, verlässt einen dieser Song nur noch schwer. Ebenfalls gelungen, da endlich mal ein wenig rockig, ist „Gotta Feel More“. Das war es allerdings auch schon. Der Rest ist Rock der sehr poppigen Sorte, der vielleicht noch nicht einmal nervt, aber zumindest stark langweilt.

Fazit: War da was? Nein, einfach ein belangloses Album, welches nur wegen „One Lonely Night“ in Erinnerung bleibt. Ansonsten absolut schwache Texte, poppige, unbedingt radiotaugliche und auch austauschbare Musik, die einfach so durchläuft, ohne aufzuregen oder irgendwelche Spuren zu hinterlassen – außer eben jenes eine Lied. Sechs Punkte.

Anspieltipps: One Lonely Night, Gotta Feel More



Donnerstag, 16. Oktober 2014

The Murder City Devils – In Name And Blood




The Murder City Devils – In Name And Blood


Besetzung:

Spencer Moody – vocals
Leslie Hardy – organ, keyboards
Dann Gallucci – guitars, vocals, mellotron
Derek Fudesco – bass, vocals
Nate Manny – guitars, vocals
Coady Willis – drums, vocals
Gabe – roadie


Gastmusiker:

Ron Heathman – lead guitar on “Lemuria Rising”
Kim Warnick – background on “I’ll Come Running”


Label: Sub Pop Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Rock


Trackliste:

1. Press Gang (3:51)
2. I Drink The Wine (3:14)
3. Bunkhouse (3:15)
4. Idle Hands (2:40)
5. Rum To Whiskey (3:09)
6. I'll Come Running (3:17)
7. Demon Brother (2:36)
8. Lemuria Rising (2:47)
9. Somebody Else's Baby (2:44)
10. In This Town (2:43)
11. No Grave But The Sea (2:32)
12. Fields Of Fire (4:22)

Gesamtspieldauer: 37:10




Oh, mal wieder so eine Platte, von der ich noch nicht einmal wusste, dass ich sie überhaupt besitze. The Murder City Devils mit „In Name And Blood“ aus dem Jahr 2000. Bekommen habe ich das Album meinen Aufzeichnungen nach zu Weihnachten 2000 – und da scheint es das Christkind echt gut mit mir gemeint zu haben…

The Murder City Devils sind eine Band aus Seattle im US-Bundesstaat Washington, die sich 1996 gründete und mit „In Name And Blood“ ihr drittes Album vorlegte. Der Stil der Band wird im Internet mit Garage Punk angegeben, einer Mischung aus Garage Rock und modernem Punk. Garage Punk zeichnet sich durch einen eher dreckigen, abgehackten Gitarrensound aus, kombiniert mit Texten, die sich mit schlechtem Geschmack und Rebellion auseinandersetzen. Gut, dafür extra ein eigenes Musikgenre zu kreieren muss nicht unbedingt sein, denn man hätte das auch deutlich einfacher umschreiben können: Die Musik von The Murder City Devils klingt nach Rock, mit ein paar Punk Einsprengseln.

Doch das ist es noch nicht ganz. Die Musik ist hart, kraftvoll und es wird gerockt. Nichts für empfindliche Seelen oder Leute, die eher auf die sanfte Muse stehen. Dazu gesellt sich jedoch etwas, was ich bisher so noch nicht in dieser Konsequenz gehört habe. Ein Keyboard, welches munter und laufend seine Soli über die Lieder hinweg spielt. Ein klein wenig erinnert das an „Light My Fire“ von den Doors, dieser Keyboard-Part des Ray Manzarek, der hier fast bei jedem Lied in verschiedenen Variationen dargeboten wird. Das klingt hier zwar völlig anders, erinnert aber ein wenig daran. Aber genau dieses Zusammenspiel von sehr hartem Rock mit einem einfach nicht still werden wollenden Keyboard, verleiht dieser Musik etwas durchaus Außergewöhnliches, so bisher noch nicht allzu oft Gehörtes. Einzige Ausnahme dabei ist der Titel „I'll Come Running”, der eher ein Rock-Pop-Stück darstellt und damit fast schon total aus der Reihe tanzt. Dafür dürfte allerdings genau jene Nummer den Freunden der Melodiösität wohl am ehesten zusagen.

Fazit: Jeder der auf Rock steht, der wird hier auch etwas für sich entdecken können. Die Lieder sind fast alle im selben Stil gehalten, was natürlich nur relativ wenig Abwechslung mit sich bringt. Andererseits könnte man hier, wenn man es denn gut meint, auch von Konsequenz sprechen. Etwas Negatives darf hier allerdings auch nicht unerwähnt bleiben. Im Booklet zur CD werden alle Musiker mehrfach als Mordopfer dargestellt. Viel Blut gibt es da zu sehen, zum Teil sind das schon grauenvolle Bilder. Über Geschmack lässt sich da sicherlich trefflich streiten. Egal, musikalisch gesehen ist „In Name And Blood“ ein Hard Rock Album mit Berührungspunkten zum Punk, welches durch den Einsatz des Keyboards etwas Besonderes in sich trägt. Spannend. Elf Punkte.

Anspieltipps: Press Gang, Bunkhouse



Mittwoch, 15. Oktober 2014

U2 – All That You Can’t Leave Behind




U2 – All That You Can’t Leave Behind


Besetzung:

Bono – vocals, guitar, synthesisers (“Stuck In A Moment You Can't Get Out Of”)
The Edge – guitar, piano, vocals, synthesizers (“Elevation”), strings (“Kite”)
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen, Jr. – drums, percussion


Gastmusiker:

Brian Eno – synthesisers, programming, backing vocals, string arrangement
Daniel Lanois – backing vocals, additional guitar
Paul Barrett – brass (“Stuck In A Moment You Can't Get Out Of”)


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Rock


Trackliste:

1. Beautiful Day (4:08)
2. Stuck In A Moment You Can't Get Out Of (4:32)
3. Elevation (3:48)
4. Walk On (4:56)
5. Kite (4:27)
6. In A Little While (3:39)
7. Wild Honey (3:47)
8. Peace On Earth (4:48)
9. When I Look At The World (4:18)
10. New York (5:30)
11. Grace (5:31)

Gesamtspieldauer: 49:24




„All That You Can’t Leave Behind“ heißt das zehnte Studio-Album von U2 und erschien im Jahr 2000 auf dem Universal Label. Im Grunde genommen könnte ich jetzt hier die kürzeste Rezension auf den Plattenbesprechungen schreiben, denn was man auf „All That You Can’t Leave Behind“ zu hören bekommt ist absolut typische U2-Musik. Gut gemachter Rock-Pop, der ziemlich schnell ins Ohr geht, ohne jedoch vielleicht die ganz großen Hits in sich zu tragen. Am ehesten in diese Richtung „Hit“ gehend und wohl auch das bekannteste Lied der Scheibe ist dabei „Beautiful Day“. Durchaus eine Nummer, die mit einem gewissen Ohrwurmcharakter ausgestattet wurde.

Nun und der Rest? Wenn man U2 von anderen Platten her kennt, dann stößt man auf Vertrautes. Eindeutig sind die Lieder den Iren zuzuordnen, was nicht nur an der unverwechselbaren Stimme Bonos liegt. Ausbrüche in irgendeine Richtung sind dabei auf jeden Fall nicht auszumachen. Alles hat seine Qualität, kein Lied fällt aus dem Rahmen und es wird sicherlich auch nur wenige U2-Fans geben, deren Lieblingslied ihrer Band aus dem Album „All That You Can’t Leave Behind“ stammt. Was bleibt ist eingängige Musik, die radiotauglich ist, ohne langweilig zu sein, der man perfekt beim Autofahren lauschen kann, genau wie beim Joggen oder aber gemütlich auf dem Sofa beim Entspannen. Musik eben, für sehr viele Situationen des Lebens. Alle Titel sind dabei in etwa im selben Tempo gehalten, welche sich im unteren Mittelfeld ansiedelt. Die Ausnahme wartet am Ende der Scheibe auf den Hörer, wenn es mit „Grace“ noch mal sehr verträumt wird.

Fazit: Ich hätte es wahrlich kürzer machen können. Typische U2-Musik, nicht zu rockig, nicht zu weich. Eingängig, melodiös, aber irgendwie auch ein wenig unaufgeregt. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu unaufgeregt. Trotzdem eine schöne Scheibe, die irgendwie zu allem passt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Beautiful Day, Kite



Dienstag, 14. Oktober 2014

David Bowie – Earthling




David Bowie – Earthling


Besetzung:

David Bowie – vocals, guitar, alto saxophone, samples, keyboards


Gastmusiker:

Reeves Gabrels – programming, synthesisers, real and sampled guitars, vocals
Mark Plati – programming, loops, samples, keyboards
Gail Ann Dorsey – bass, vocals
Zachary Alford – drum loops, acoustic drums, electronic percussion
Mike Garson – keyboards, piano


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Rock, Pop, Elektronische Musik


Trackliste:

1. Little Wonder (6:01)
2. Looking For Satellites (5:20)
3. Battle For Britain (The Letter) (4:48)
4. Seven Years In Tibet (6:21)
5. Dead Man Walking (6:50)
6. Telling Lies (4:50)
7. The Last Thing You Should Do (4:57)
8. I'm Afraid Of Americans (4:59)
9. Law (Earthlings On Fire) (4:48)

Gesamtspieldauer: 49:37




„Earthling” heißt das einundzwanzigste offizielle Studioalbum David Bowies und wurde 1997 veröffentlicht. Und erneut erfindet sich Bowie auf einer Platte neu. Die Musik, die auf „Outside” in Form von Experimenten und ein wenig Art Rock noch im Vordergrund stand, ist hier bereits wieder vergessen. Jetzt wird gerockt, gepoppt und vor allem elektronische Töne sind auf „Earthling” zu hören. Jedoch nicht der Art, wie zum Beispiel auf den Platten „Heroes“ oder „Low“, sondern in Form von Samples und Loops. Den Computern wurde hier so einiges abgerungen.

Dazu gesellt sich eine recht rockige Grundstimmung in den Liedern, die nur sehr selten auch mal durch ruhigere Töne abgelöst wird. Immer wieder wird auch das Gespür des David Bowie für die tolle Melodie, die eingängige Harmonie offenbar beziehungsweise gut erhörbar, jedoch beileibe nicht durchgängig. Es sind oftmals Abschnitte in den Liedern selbst, die den Hörer mit Melodiösität einzufangen versuchen, um dann wieder in einen völlig anderen Teil zu münden, der nun deutlich weniger eingängig ist.

Trotzdem hat das alles noch etwas Interessantes und Spannendes. Dies geht jedoch bei solch, fast schon mit Techno oder Dance zu umschreibenden Stücken wie zum Beispiel „Dead Man Walking“ etwas verloren. Ab hier, ab etwa der Mitte des Albums, überzieht Bowie ein wenig mit seinen synthetischen Beats und Klängen. Dies mag zu Zeiten der Love Parade, bei solch einem Ereignis, durchaus seine Freunde gefunden haben, ist im Rahmen eines David Bowie Albums jedoch äußerst gewöhnungsbedürftig und irgendwie dann auch auch nicht mehr restlos überzeugend.

Fazit: Klar, David Bowie probiert immer wieder neue Dinge aus. Vieles davon klappt auch, „Earthling“ allerdings nur bedingt. Hier klingt Bowie ganz klar am bestzen, wenn er denn auch wie David Bowie klingt und nicht wie ein Raver klingen will. Interessant ist das dann aber doch, wenn auch nicht bis in den letzten Winkel überzeugend. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Seven Years In Tibet, Telling Lies



Montag, 13. Oktober 2014

Eminem – The Eminem Show




Eminem – The Eminem Show


Besetzung:

Eminem – vocals


Gastmusiker:

Jeff Bass – bass, guitar, keyboards
DJ Head – drum programming
Mike Elizondo – bass, guitar, keyboards
Ron Feemster – keyboards
Shy Felder – vocals (background)
Marti Frederiksen – guitar
Steve King – guitar, keyboards, voiceover
Traci Nelson – vocals (background)
Conesha Owens – vocals (background)
Joe Perry – guitar
Denaun Porter – drum programming
Dina Rae – vocals (background)
Luis Resto – keyboards
Barbara Wilson – vocals (background)
Obie Trice – vocals (background)
D12 – vocals (background)
Dr. Dre – vocals (background)
Nate Dogg – vocals (background)
Hailie Jade – vocals (background)


Label: Aftermath Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Hip Hop


Trackliste:

1. Curtains Up (Skit) (0:30)
2. White America (5:24)
3. Business (4:11)
4. Cleanin' Out My Closet (4:56)
5. Square Dance (5:24)
6. The Kiss (Skit) (1:15)
7. Soldier (3:45)
8. Say Goodbye Hollywood (4:32)
9. Drips (4:44)
10. Without Me (4:49)
11. Paul Rosenberg (Skit) (0:22)
12. Sing For The Moment (5:39)
13. Superman (5:49)
14. Hailie's Song (5:20)
15. Steve Berman (Skit) (0:33)
16. When The Music Stops (4:28)
17. Say What You Say (5:04)
18. 'Till I Collapse (4:57)
19. My Dad's Gone Crazy (4:26)
20. Curtains Close (Skit) (1:00)

Gesamtspieldauer: 1:17:31




Alles bin ich, nur mit Bestimmtheit kein Hip Hopper. Trotzdem, an Marshall Bruce Mathers III, alias Eminem, kommt man als Musikkonsument natürlich nicht ganz vorbei. Und „The Eminem Show“, das vierte Album des Amerikaners, habe ich mir sogar selbst zugelegt, gekauft und nicht geschenkt bekommen. Das lag an dem Stück „Cleanin' Out My Closet”, eine Nummer, die unglaublich schnell ins Ohr geht. Nun, wenn Hip Hop denn dann auch so klingen kann, dann könnte man da ja mal ein Ohr riskieren. Vielleicht gibt es da noch mehr?

Und das ist auch genau der Punkt, den man Eminem nicht absprechen kann, sein Gefühl für die eingängige Melodie, für jene Tonfolge, die sich in das Gehirn einbrennt und dieses auch so schnell nicht mehr verlässt. Und solche Melodien hört man natürlich, wie so häufig beim Hip Hop, hauptsächlich im Refrain. So verhält sich das auch hier, bei „The Eminem Show“. Beispielhaft dafür stehen das bereits erwähnte „Cleanin' Out My Closet”, aber auch „White America“, „Business” oder auch „Say Goodbye Hollywood” und „'Till I Collapse“ können dahingehend punkten. Dazu gesellen sich noch gesampelte Titel anderer Künstler, wie unter anderem zum Beispiel „Dream On“ von Aerosmith bei „Sing For The Moment“. Nicht weiter überraschend also auch, dass man sogar Déjà Vu Erlebnisse auf dem Album zu haben scheint.

Was allerdings unfassbar nervt, bei diesem Album und bei Eminem ganz allgemein, das ist die hier benutzte Sprache, die unaufhörlich so was von angefüllt ist mit Fäkalausdrücken, dass man sich wundert, wie viele Kraftausdrücke überhaupt in solch einem Lied Platz haben. Okay, Eminem rechnet auf dieser Platte mit seiner Mutter ab, mit seinen Kritikern geht er hart in Gericht, die Frauen bekommen ebenfalls ihr Fett weg, Politiker sowieso und und und. Da muss man doch einfach schimpfen und beleidigen. Das klingt manchmal ein wenig nach „bockigem“ Teenager, allerdings war Eminem bei der Fertigstellung der Platte bereits knapp 30 Jahre alt. Nun, aber wahrscheinlich hat diese Sprache auch mit zum Erfolg der Scheibe beigetragen.

Fazit: Rappen kann Eminem, das ist klar. Oftmals verbindet er auf „The Eminem Show“ diesen Sprechgesang auch mit tollen Melodien, die das Lied dann auch für Leute hörenswert werden lassen, die sonst nichts mit diesem Musikgenre zu tun haben beziehungsweise anfangen können. Auf Platz 317 rangiert die Platte beim Rolling Stone Magazin in der Liste der 500 besten Alben aller Zeiten. Na, wenn das mal nicht überschätzt ist. Acht Punkte.

Anspieltipps: Cleanin' Out My Closet, Say Goodbye Hollywood



Sonntag, 12. Oktober 2014

Falco – The Final Curtain




Falco – The Final Curtain


Besetzung:

Falco – Gesang


Gastmusiker:

Zahlreiche, nicht einzeln aufgeführte Musiker


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Pop


Trackliste:

1. Push! Push! (3:46)
2. Rock Me Amadeus (3:22)
3. Egoist (Remix) (3:40)
4. Kommissar 2000 (3:48)
5. Helden von heute (4:07)
6. No Time For Revolution (3:52)
7. Out Of The Dark (3:36)
8. Jeanny (5:55)
9. Comin' Home (Jeanny Part 2) (5:15)
10. Naked (3:49)
11. Vienna Calling (4:09)
12. Mutter, der Mann mit dem Koks ist da (3:39)
13. Ganz Wien (5:08)
14. Junge Römer (4:31)
15. Geld (3:47)
16. The Sound Of Musik (4:12)
17. Emotional (4:51)

Gesamtspieldauer: 1:11:34




„The Final Curtain“ von Falco erschien 1999, ein Jahr nach dem Tod des Sängers und trägt als weitere Überschrift „The Ultimate Best Of Falco“. Demnach handelt es sich also um eine Kompilation der „besten“ Lieder des Österreichers. Genauer erklärt wird die Zusammenstellung jedoch im Booklet der CD, denn dort steht: „Dieses Album enthält nicht nur alle Hit-Singles von Falco, sondern auch Songs, die zum Zeitpunkt seines viel zu frühen Todes sein Lebensgefühl am besten widerspiegeln. Es erhebt nicht den Anspruch, Falcos sehr komplexes musikalisches Gesamtwerk darzustellen, kann jedoch hoffentlich sein kreatives Schaffen auch einer neuen Generation näherbringen.“

Sie sind alle vertreten, die Chartplatzierungen des Johann Hölzel alias Falco. Mal in Deutsch gesungen, mal in Englisch und gar nicht selten hört man sogar beide Sprachen in einem Song. Es gibt so einige Titel von Falco, die wahrlich mitreißend sind, die auch heute noch begeistern können. Ohrwürmer hat er einige eingesungen, wenn auch nicht selbst geschrieben. Macht jedoch nichts, denn diese Titel werden erst durch seine Stimme das, was sie sind, nämlich zeitlose Songs, die auch heute noch Menschen begeistern, die damals, während der Entstehung der Titel, noch gar nicht geboren waren oder sich zumindest noch nicht für Musik interessierten.

Und dann darf hier auch eine kleine Anmerkung über die Nummer „Out Of The Dark“ nicht fehlen. Viel wurde über dieses Lied bereits geschrieben und ich kann mich dem auch nicht ganz entziehen. Erst drei Wochen nach seinem Tod veröffentlicht, kenne ich keine Nummer, in dem ein Musiker so dermaßen offensichtlich seinen Tod ankündigt, wie es Falco hier vormacht. Jeder Satz wirkt zumindest so, als ob hier jemand nach Erlösung sucht von dieser Welt. Dazu diese mitreißende und kraftvolle Musik. Irgendwie muss er doch etwas geahnt oder geplant haben. Oder ist das doch alles nur Zufall?

Fazit: Perfekter, deutscher Pop. Tolle Melodien, meist witzige Texte, manchmal auch nachdenklich machende. Das klingt zum großen Teil sehr überzeugend und auch bereichernd. Dazwischen natürlich auch immer wieder Titel, die den eigenen Geschmack vielleicht nicht ganz so treffen, was an der musikalischen Breite liegt, die Falco seinen Hörern schon immer kredenzte. Nicht alles ist Pop, auch Techno, HipHop und in Anleihen auch Rock gibt es zu hören. So ist zumindest für jeden etwas dabei. Alles in allem sehr überzeugend und auch ein Stück Geschichte deutscher Musik. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Rock Me Amadeus, Kommissar, Out Of The Dark, Jeanny



Samstag, 11. Oktober 2014

Grace Jones – Slave To The Rhythm




Grace Jones – Slave To The Rhythm


Besetzung:

Grace Jones – lead vocals


Gastmusiker:

Ambrosian Singers – background vocals, choir, chorus
Guy Barker – trumpet
Pete Beachill – trombone, trumpet
J.J. Belle – guitar, percussion, bass, vocals, hi hat
Dave Bishop – tenor saxophone
Stuart Brook – trumpet
David Gilmour – guitar samples
Glenn Gregory – background vocals
Luis Jardim – percussion, bass
Stephen Lipson – guitar, bass, keyboards, synclavier, assisting production
Andy Macintosh – tenor saxophone
Gary Maughan – keyboards
John McCarthy – conductor, choir, chorus
Ian McShane – voice-overs
Andra Faye McIntosh – baritone saxophone
Paul Morley – interview
Paul Cooke – jovial Interview
Richard Niles – arrangements
Tessa Niles – harp, background vocals
Geoff Perkins – trombone
John Pignegny – french horn
Andrew Richards – guitar, keyboards, background vocals
Andy Richards – drums, keyboards
Frank Ricotti – percussion, arrangements
Jon Sinclair – keyboards
David Snell – harp, french horn
Stan Sulzmann – alto and tenor saxophone
James Talbert – alto saxophone
John Thirkell – percussion, trumpet
Shorty Tim – percussion
Philip Todd – alto saxophone
Wallmen – keyboards
Bruce Woolley – guitar, bass, keyboards, background vocals


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: R’n’B, Pop


Trackliste:

1. Jones The Rhythm (5:23)
2. The Fashion Show (4:05)
3. Operattack (2:17)
4. Slave To The Rhythm (6:12)
5. The Frog & The Princess (7:34)
6. The Crossing (Ooh The Action) (4:52)
7. Don't Cry - It's Only The Rhythm (2:48)
8. Ladies And Gentleman: Miss Grace Jones (4:28)

Gesamtspieldauer: 37:41




„Slave To The Rhythm“ ist das siebte Album der Jamaikanerin Grace Jones, die auch durch ihre Tätigkeit als Schauspielerin größere Bekanntheit erlangte. Die Platte ist ein Konzeptalbum, bei dem ein einziges Lied in acht verschiedenen Interpretationen dargeboten wird. Damit jedoch keine Langeweile aufkommt, unterscheiden sich die einzelnen Nummern fast schon radikal voneinander, sodass man manchmal nur schwerlich auf die Idee kommt, dass dies nun eine weitere Abwandlung von „Slave To The Rhythm“ darstellt. Die bekannteste Interpretation dieses Titels versteckt sich hinter der letzten Nummer „Ladies And Gentleman: Miss Grace Jones“, welche in den 80ern häufig im Radio zu hören war und auch den regelmäßigen Einsatz in den Diskos dieser Welt fand.

Wenn jemand jedoch mit dieser Platte in seiner Jugend oder den 80ern zu schwelgen gedenkt, so eignet sich die Scheibe nur bedingt, denn hauptsächlich bekannt davon ist eben lediglich dieser letzte Titel – der dann allerdings auch in den vorherigen sieben Nummern immer wieder auftaucht beziehungsweise angedeutet und interpretiert wird. Man hört auf dem Album zumeist sehr rhythmisch orientierte Musik, die größtenteils auch zum Tanz animieren möchte. In den einzelnen Nummern wird das Grundthema mal mehr orchestral, ein anderes Mal sehr viel sphärischer interpretiert. Das wirkt alles durchaus sehr spannend und auch gelungen und kann sogar Hörer einfangen, die mit R’n’B Musik nicht ganz so viele Berührungspunkte haben.

Diese Spannung wird zudem durch solch einen Titel wie „Operattack“ hervorgerufen, welcher im Grunde genommen eine sprachliche Soundkollage darstellt und am ehesten wohl mit den Worten „Experimentelle Musik“ zu umschreiben ist. Ganz anders hört sich das bei „The Crossing (Ooh The Action)“ an. Hier ist die Musik jetzt sehr sphärisch und schwebend und auf die Perkussion wird ausnahmsweise fast vollständig verzichtet. Man hört Vogelgezwitscher, schwebende, fast schon esoterische Klänge und plötzlich findet man sich dann doch ebenfalls in einem Experiment wieder.

Fazit: Wahrlich kein 08/15-Album. Wer hier ununterbrochen Musik à la „Slave To The Rhythm“ erwartet, wird vielleicht enttäuscht, zumindest jedoch überrascht werden. Diese Scheibe ist sehr viel vielschichtiger und auch wenn auf dieser Scheibe lediglich ein Titel acht Mal interpretiert wird, so befinden sich auf dem Album doch acht ganz verschiedene Nummern. Acht Punkte.

Anspieltipps: Operattack, Ladies And Gentleman: Miss Grace Jones



Freitag, 10. Oktober 2014

Herbert Grönemeyer – Bleibt Alles Anders




Herbert Grönemeyer – Bleibt Alles Anders


Besetzung:

Herbert Grönemeyer – Gesang, Klavier, Keyboards


Gastmusiker:

Armin Rühl – Schlagzeug, Perkussion
Aölfred Kritzer – Keyboard, Orgel
Norbert Hamm – Bass
Jakob Hansonis – Gitarre
Stephan Zobeley – Gitarre
Markus Dravs – Effekte bei „Energie“ und „Reines Herz“
Mike Rowe – Wurlitzer
Christian Neander – Gitarre bei „Fanatisch“


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Deutsch Rock


Trackliste:

1. Nach Mir (4:00)
2. Bleibt Alles Anders (4:43)
3. Fanatisch (4:07)
4. Letzte Version (4:55)
5. Ich Dreh Mich Um Dich (4:42)
6. Energie (4:01)
7. Neue Welt (5:18)
8. Selbstmitleid (2:43)
9. Stand Der Dinge (4:25)
10. Reines Herz (4:40)
11. Schmetterlinge Im Eis (6:33)

Gesamtspieldauer: 50:11





„Bleibt Alles Anders“ heißt das zehnte Album Herbert Grönemeyers und wurde 1998 veröffentlicht. Die Veröffentlichung der Platte fiel in eine Zeit, in der Herbert Grönemeyer einige private Katastrophen zu verkraften hatte. So verstarb seine Frau Anna während der anschließenden Tournee, nachdem sie bereits während der Fertigstellung des Albums ernsthaft erkrankt war. Und auch sein Bruder Wilhelm verstarb im selben Monat. Wohl auch mit ein Grund dafür, warum Herbert Grönemeyer bei „Wir Alles Anders“ von seinem „traurigsten“ Album spricht. Jedoch musikalisch und stimmungsmäßig ist die Scheibe keineswegs sehr traurig geraten.

Sehr überzeugend sind wieder mal die Texte Herbert Grönemeyers. Äußerst eindringlich klingt das immer und auch, wenn man zugegebenermaßen nicht durchgängig sofort den Sinn dahinter entdeckt, so wird dieser schließlich doch irgendwann offenbar – und ich bin mir noch nicht mal sicher, ob dies dann auch der Sinn des Herbert Grönemeyers ist. Macht jedoch gar nichts. Kunst soll bewegen und jeder sieht darin seine eigene Welt. Musikalisch geht der Bochumer hier ein wenig andere Wege, als noch auf den anderen, vorherigen Alben. Richtig eingängig ist hier nur wenig beim ersten Hören, manches muss erst im Ohr des Hörers reifen. Aber nicht jeder Titel erreicht diesen Zustand überhaupt, ist letztendlich aber trotzdem interessant, da in seiner Verbindung von etwas sphärischer Musik und einem gelungenen Text durchaus Spannung entstehen kann. Man muss nicht unbedingt jedes Lied mitsummen können, manchmal genügt einfach das Hören.

Aber diese melodiösen und eingängigen Titel gibt es natürlich auch auf „Bleibt Alles Anders“ Da ist zum Breispiel das sehr intensive „Schmetterlinge Im Eis“, ein wahrhaft würdiger Abschluss der Platte. Nun, auf keinen Fall darf hier natürlich auch der Titeltrack unerwähnt bleiben. Eines der besten Nummern, wenn nicht sogar das beste Lied, welches Herbert Grönemeyer je geschrieben hat. Der Text ist wahre Lyrik, die Musik geht ins Ohr und man kann sich an ihr einfach nicht überhören. Auch nicht nach dem hundertsten Durchlauf. Dazu ein spannender Aufbau und ein Rhythmus, der von einer gewissen Härte herrührt – und fertig ist der Höhepunkt schlechthin.

Fazit: Auch wenn man mit der Musik des Herbert Grönemeyer nicht durchgängig etwas anzufangen weiß, weil einen zum Teil der Gesang nervt oder sonst etwas nicht passt: Diese Scheibe ist ein wenig anders als die restlichen Grönemeyer-Platten. Vor allem zu Beginn und gegen Ende des Album. Hier geht der Musiker durchaus andere, ungewohnte Wege und klingt zum Teil härter oder einfach anders. Hier dürfte jeder etwas für sich finden können, der dem Genre Deutsch Rock einigermaßen offen gegenübersteht. Für Grönemeyer Fans natürlich sowieso ein Pflichtbesitz. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Nach Mir, Bleibt Alles Anders, Fanatisch, Schmetterlinge Im Eis



Donnerstag, 9. Oktober 2014

Faust – IV




Faust – IV


Besetzung:

Werner "Zappi" Diermaier – drums
Hans Joachim Irmler – organ
Jean-Hervé Péron – bass
Rudolf Sosna – guitar, keyboards
Gunter Wüsthoff – synthesizer, sax


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Krautrock (11:47)
2. The Sad Skinhead (2:43)
3. Jennifer (7:11)
4. Just A Second (Starts Like That!) (3:35)
5. Picnic On A Frozen River, Deuxieme Tableux (7:45)
6. Läuft..Heisst Das Es Läuft Oder Es Kommt Bald..Läuft (4:27)
7. Giggy Smile (3:40)
8. It's A Bit Of A Pain (3:08)

Gesamtspieldauer: 44:19



Wahrlich gelungen, dieses vierte Album der Hamburger Band Faust, welches 1973 zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Hörer, die auf progressiven Rock stehen und auch dem Genre Krautrock gegenüber nicht ganz abgeneigt sind, kommen hier voll auf ihre Kosten und werden eine Menge Spaß mit dieser Platte haben.


„Faust IV“ bietet alles, was dem Musikfreund der damaligen Zeit das Herz höher schlagen lässt. Hier gibt es langanhaltende Instrumentalpassagen, wunderschöne und eingängige Melodien, experimentelle Abschnitte, rockige, undurchdringbare und auch sehr sanfte Töne. Alles ist im Fluss, geht ineinander über, wechselt sich ab, ist immer ganz anders und passt trotzdem perfekt zusammen. Das bedeutet, dieses Album ist so wunderschön abwechslungsreich, dass es sich einfach lohnt, sich etwas Zeit hierfür zu nehmen, um wirklich jeden Ton auch genießen zu können. Aufmerksamkeit benötigt diese Scheibe auf jeden Fall, denn so einfach nebenbeigehört, kann sich nicht das Besondere entfalten, welches dieser Musik innewohnt.

Damit ist auch wiederum klar, dass dies keine Musik ist, die man im Radio zu hören bekommt. Meist sind die Titel ein wenig zu vertrackt und solch einen genialen Titel wie „Läuft..Heisst Das Es Läuft Oder Es Kommt Bald..Läuft“ könnte man sich sehr schön als Abspann eines packenden Films vorstellen, in dem zum Schluss alle Rätsel gelöst wurden – jedoch ist das wahrlich nichts, was es jemals in die „Heavy Rotation“ irgendeines Musiksenders geschafft hätte oder jemals schaffen wird.

Es ist dieses Spiel mit den treibenden und den sehr ruhigen und besonnenen Parts, die dieses Album ausmachen. Dabei ist alles in sehr viel Melodiösität und Harmonie gepackt. Wenn einen dann mal der Rhythmus um die Ohren pfeift, wird man schon bald wieder von sehr sphärischen und leichten Klängen aufgefangen, die fast ohne Rhythmusfraktion auskommen. Sehr spannend – und da ist es dann auch nicht mehr sehr überraschend, dass man zwischendurch sogar mal Reggae-Klänge zu hören bekommt.

Fazit: Es ist die Mischung, die diese Platte zu dem werden lässt was sie ist: Eine sehr überzeugende Krautrock-Platte mit vielen progressiven Ansätzen. Immer wieder schön dabei zu hören, welch tolle Musik auch hier in Deutschland das Licht der Welt erblickte. Nun, Hörer die Grobschnitt oder Jane mögen, werden diesem Album mit Sicherheit auch nicht abgeneigt gegenüberstehen. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Krautrock, Just A Second (Starts Like That!), Läuft..Heisst Das Es Läuft Oder Es Kommt Bald..Läuft



Mittwoch, 8. Oktober 2014

The Dave Brubeck Quartet – The Last Set At Newport




The Dave Brubeck Quartet – The Last Set At Newport


Besetzung:

Dave Brubeck – piano
Gery Mulligan – baritone sax
Alan Dawson – drums
Jack Six – bass


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Jazz, Live-Album


Trackliste:

1. Introduction By Father Norman O'Connor (0:39)
2. Blues For Newport The Dave Brubeck Quartet (16:22)
3. Take Five (9:49)
4. Open The Gates (Out Of The Way Of The People) (8:12)

Gesamtspieldauer: 35:02





Bei dieser Aufnahme handelt es sich nicht mehr um das originale Dave Brubeck Quartet, bei dem Paul Desmond am Saxophon zu hören war. Dieses wurde 1967 aufgelöst. 1968 gründete Dave Brubeck diese Formation jedoch erneut, dieses Mal mit Gerry Mulligan am Saxophon, Jack Six am Bass und Alan Dawson am Schlagzeug.


Während Titel Nummer 1 lediglich eine vierzig Sekunden lange Ankündigung des Konzertes beinhaltet, wird während der restlichen drei Titel Jazz „zelebriert“. Jazz ist wahrlich kein Musikgenre, dem ich sehr viel abzugewinnen weiß, da mir hier einfach zu häufig die Melodie und auch gewisse Strukturen fehlen. Zugegebenermaßen ist das oftmals auch hier, bei „The Last Set At Newport“ so. Trotzdem begeistert mich diese Scheibe. Natürlich liegt das vor allem an dem Klassiker „Take Five“. Denn wie die vier Musiker hier, bei diesem Lied, immer wieder vom Chaos in die Eingängigkeit zurückkehren, wirkt während des Hörens wie ein wilder Trip mit anschließender Erlösung. Jedem der vier Musiker wird ein Raum eingeräumt, den sie auch zu füllen wissen. Hier wirken Drum-Solo, Bassläufe, Saxophon-Soli und das Piano in seiner Gesamtheit, gleichberechtigt nebeneinandergestellt. Dabei ergänzen sich diese Instrumente auch in einer Art und Weise, die den Hörer einfach nur begeistert zuhören lässt. Das liegt an dem eingängigen Grundthema, welches durch das Piano wiedergegeben wird und diesem grandiosen Saxophon-Lauf, der sich bereits beim ersten Hören fest einbrennt.

Natürlich, „Take Five“ ist eingängig und hat diesen Ohrwurmcharakter. Der fehlt bei den anderen beiden Stücken total – zumindest für meine Ohren. Hier kann man dann eher die Musiker und ihre Beherrschung ihrer Instrumente bewundern. Alles wirkt dabei jederzeit perfekt aufeinander abgestimmt und immer wieder ist man überrascht, wie schnell die Töne dem jeweiligen Instrument doch entlockt werden können.

Fazit: Irgendwie klingt „Take Five“ nicht so richtig nach Jazz, zumindest nicht nach der Art Jazz, die man sonst immer mit diesem Genre in Verbindung bringt. Trotzdem ist dieser Titel natürlich Jazz und stellt eine Art Verbindung zu anderen Musikstilen dar. Eine absolut gelungene Nummer, die in dieser Version hier auch Freunden des Progressive Rock Freudentränen in die Augen treibt. Der Rest der Platte ist viel freier gehalten, ganz klar noch jazziger, ohne großartige Strukturen. Kann ich zumindest nicht immer hören, aber manchmal steht sogar mir ein wenig der Sinn danach, auch oder gerade weil ich weiß, dass „Take Five“ dann auch gleich „kommt“. Interessante Scheibe, die immer mit bedacht aufgelegt werden will. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Take Five



Dienstag, 7. Oktober 2014

King Crimson – Larks’ Tongues In Aspic




King Crimson – Larks’ Tongues In Aspic


Besetzung:

Robert Fripp – guitars, mellotron, electric piano, devices
John Wetton – bass, vocals, piano on "Exiles"
Bill Bruford – drums
David Cross – violin, viola, mellotron, electric piano, flute on "Exiles"
Jamie Muir – percussion, allsorts


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Larks' Tongues In Aspic, Part One (13:36)
2. Book Of Saturday (2:53)
3. Exiles (7:40)
4. Easy Money (7:54)
5. The Talking Drum (7:26)
6. Larks' Tongues In Aspic, Part Two (7:07)

Gesamtspieldauer: 46:36




„Was hörst Du denn da?“
„Larks‘ Tongues In Aspic!“
„Von wem ist das denn?“
„King Crimson“
„Oh mein Gott, wie kann man nur sowas anhören? Ist bei Dir alles klar?“

So etwas kann man durchaus erleben, wenn man es mal wagt „Larks‘ Tongues In Aspic“ von King Crimson etwas lauter und eben nicht nur im stillen Kämmerlein zu hören. Zugegebenermaßen ist dieses fünfte Studioalbum der Band auch nicht gerade eine einfache Kost. Das liegt an dem durchaus experimentellen Ansatz, den Robert Fripp hier verfolgt. Dieser musste King Crimson vor dem Album völlig neu aufstellen, da die vorherigen Bandmitglieder die Formation nach der letzten Platte und anschließender Tournee alle verlassen hatten.

Die ganze Rhythmusfraktion knallt einen auf „Larks‘ Tongues In Aspic“ immer wieder weg. Es gibt hier diese treibenden Parts, die so unglaublich dynamisch aus den Boxen explodieren. Dazu dann allerdings auch immer wieder diese wunderschönen melancholischen und melodiösen Abschnitte, welche zunächst gar nicht zum Rest der Platte passen wollen, aber diese perfekt ergänzen und vervollständigen. Oftmals werden diese letztgenannten, weichen und ruhigen Stimmungen durch die Violine des David Cross erzeugt.

Bei den Stücken 1, 5 und 6 handelt es sich um Instrumentalnummern, wohingegen die mittleren Titel 2, 3 und 4 jeweils auch mit Gesang ausgestattet wurden. Unabhängig davon ist jedoch der progressive Ansatz, der allen Liedern innewohnt und der auch in der besonderen Perkussion zum Ausdruck kommt. Hier versucht Jamie Muir auch mal ganz neue, bisher so noch sehr ungewohnte Wege zu gehen. Die letzten beiden Titel nähern sich bereits ein wenig dem Genre „Fusion Jazz“ an. Obwohl ich damit nur sehr wenig anzufangen weiß, überzeugt selbst dieser Ausflug von King Crimson hier. Jedoch muss man sich dann auch bewusst sein, dass obiges Gespräch beim Hören durchaus genau so ablaufen kann.

Fazit: Absolute Spannung ist bei diesem Album gegeben, bei dem man als Hörer hoch gehoben und dann wieder fallengelassen wird, um jedoch sehr sanft zu landen. Erneut wird man durchgeschüttelt, kann das alles gar nicht mehr so richtig verstehen und einordnen, um erneut weich umarmt zu werden. Musik kann wahrlich aufregend sein. Natürlich ist das keine 08/15-Mucke und für das Radio absolut ungeeignet. Wer jedoch auf Progressive Rock steht und auch der härteren und auch abgefahreneren Variante dieses Genres etwas abzugewinnen weiß, der sollte unbedingt mal in „Larks‘ Tongues In Aspic“ von King Crimson reinhören – egal was die anderen sagen. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Larks' Tongues In Aspic, Part One und auch der ganze Rest



Montag, 6. Oktober 2014

U2 – The Joshua Tree




U2 – The Joshua Tree


Besetzung:

Bono – lead vocals, harmonica, guitar
The Edge – guitars, backing vocals, piano
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen, Jr. – drums


Gastmusiker:

Brian Eno – keyboards, dx7 programming, backing vocals
Daniel Lanois – tambourine, omnichord, additional guitar, backing vocals
The Armin Family – strings on “One Tree Hill
The Arklow Silver Band – brass on “Red Hill Mining Town”


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Rock


Trackliste:

1. Where The Streets Have No Name (5:38)
2. I Still Haven't Found What I'm Looking For (4:38)
3. With Or Without You (4:56)
4. Bullet The Blue Sky (4:32)
5. Running To Stand Still (4:18)
6. Red Hill Mining Town (4:54)
7. In God's Country (2:57)
8. Trip Through Your Wires (3:33)
9. One Tree Hill (5:23)
10. Exit (4:13)
11. Mothers Of The Disappeared (5:12)

Gesamtspieldauer: 50:11




„The Joshua Tree“ ist das fünfte Studio-Album von U2 und gleichzeitig ihr erfolgreichstes. Weltweit wurde es bereits mehr als 25 Millionen Mal verkauft. Hiermit zementierten die Iren endgültig ihren Status als „Superstars“. Legt man die Platte auf, beziehungsweise die CD ein, so ertönen zu Beginn gleich drei Nummern, die wohl jeder Musikfreund kennt, auch wenn er kein Fan von U2 sein sollte. Schöne und eingängige Rockmusik, die hier auch einen leichten Einschlag hin zum Pop aufweist. Vor allem „With Or Without You“ ist dabei ein Lied, welches den meisten Menschen einfällt, wenn sie nach einem Titel von U2 gefragt werden. Zu recht, denn wahrlich beeindruckend. Melodiös und harmonisch bis in den letzten Takt und dazu der Gesang Bonos, der hier zeigen kann, welche weite Bandbreite er zu bedienen in der Lage ist.

Aber U2 kann auch anders, wie gleich der folgende Titel beweist. „Bullet The Blue Sky“ ist deutlich härter, gar nicht mehr so eingängig und fast schon ein wenig experimentell geraten, was die Platte allgemein sogar noch ein wenig spannender werden lässt. Mit „Running To Stand Still“ wird es im Anschluss daran jedoch auch sofort wieder sehr viel eingängiger und auch gemäßigter. Es reiht sich Titel an Titel, die alle auf ihre Art zu überzeugen wissen. Einen Ausfall gibt es dabei nicht zu beklagen. Manchmal ist die Musik etwas härter, dann wird es wieder deutlich ruhiger und auch verträumter. Ein schöner Mix, der eine ganze Menge für den Musikkonsumenten bereithält. San erster Stelle steht dabei immer die Eingängigkeit und auch dieser gewisse Wiedererkennungswert.

Fazit: Nicht nur die ersten drei Lieder machen dieses Album aus, auch wenn das sicherlich die bekanntesten der Scheibe sind. Wer den Rest jedoch nicht kennt, der hat wahrlich etwas versäumt. Dieses unverwechselbare Gitarrenspiel des „The Edge“, gibt es hier in jedem Song eindringlich zu hören, genau wie den markanten Gesang Bonos. Alles integriert in sehr eingängige Melodien, sodass „The Joshua Tree“ wahrlich eines der besten Alben der 80er Jahre darstellt und auch im Katalog von U2 sehr weit vorne vertreten ist. Elf Punkte.

Anspieltipps: With Or Without You, Red Hill Mining Town, Exit