Freitag, 24. Oktober 2014

Procol Harum – A Salty Dog




Procol Harum – A Salty Dog


Besetzung:

Gary Brooker – vocals, piano, celeste, three stringed guitar, bells, harmonica, recorder, wood
Robin Trower – lead guitar, vocals (track 9), acoustic guitar, sleigh tambourine
Dave Knights – bass guitar
B.J. Wilson – drums, conga drums, tabla
Matthew Fisher – organ, vocals (tracks 5, 7, 10), marimba, acoustic guitar, piano, recorder, rhythm guitar
Kellogs – bosun's whistle, refreshments
Keith Reid – words
Orchestral arrangements – Gary Brooker (tracks 1, 8), Matthew Fisher (track 7)


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Art Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. A Salty Dog (4:41)
2. The Milk Of Human Kindness (3:47)
3. Too Much Between Us (3:45)
4. The Devil Came From Kansas (4:38)
5. Boredom (4:34)
6. Juicy John Pink (2:08)
7. Wreck Of The Hesperus (3:49)
8. All This And More (3:52)
9. Crucifiction Lane (5:03)
10. Pilgrim's Progress (4:32)

Gesamtspieldauer: 40:18




„A Salty Dog“ ist das dritte Album der britischen Band Procol Harum und erschien im Jahr 1969. Bei vielen Hörern gilt es als das beste Album der Band, was einigermaßen überrascht, wenn man auch die anderen Platten von Procol Harum kennt. Ganz klar, das Titelstück „A Salty Dog“ ist mit seiner irgendwie düster bis fast schon maroden Stimmung ein absolutes Meisterwerk. Eine der besten Nummer, die Gary Brooker jemals geschrieben hat. Sehr beeindruckend, perfekt arrangiert und so etwas von eingängig. Ganz klar der Höhepunkt der Platte.

„Too Much Between Us“ ist ebenfalls sehr gelungen. Sehr melodiös und harmonisch gehalten, geht diese Nummer allerdings fast schon in Richtung Folk Musik. Durchaus auch Spaß gewinnt man beim Hören von „Wreck Of The Hesperus“, was nicht zuletzt an diesem Pianolauf liegt, der sich das ganze Lied über hindurchzieht. Schließlich wird es auch wieder ein wenig orchestral und bei diesen Arrangements hatten Procol Harum schon immer ihre Stärken. Auch nicht unerwähnt möchte ich hier die Nummer „All This And More“ lassen. Ein richtig überzeugender Titel, der stilistisch irgendwo zwischen Rock und Pop angesiedelt ist und ziemlich schnell ins Ohr geht.

Nun gut, da bleiben allerdings noch sechs weitere Lieder übrig, die dann jedoch nicht mehr so einhundertprozentig überzeugen können. Zum Teil noch ganz okay, mitunter allerdings etwas sehr gewöhnungsbedürftig, wie „Juicy John Pink“, was einen langsamen Blues darstellt. So etwas Ähnliches gibt es zwar auch noch mal zum Abschluss des Albums, dort ist das dann auch gelungener, aber hier will es so gar nicht zum Rest der Platte passen. Ein richtiger Stilbruch aus Gesang, Gitarre, Gestampfe und Mundharmonika, der einen völlig aus den einmal eingeschlagenen Stimmungen reißt. Etwas sehr ähnliches passiert bei dem Titel davor, „Boredom”, der ein wenig nach Calypso klingt und das wohl auch soll. Schwierig bei diesem Stilmix, sich richtig auf das Album einlassen zu können.

Fazit: Man könnte nun natürlich sagen: „Wow, was für eine Abwechslung auf diesem Album“, aber nein, das stimmt nicht, denn diese Richtungswechsel zerstören die einmal aufgebaute Atmosphäre ziemlich radikal. Die tollen Songs gibt es natürlich auf der Platte, die selbstverständlich auch ihre starken Seiten besitzt – allerdings leider immer nur abschnittsweise. Etwas schade ist das schon. Neun Punkte.

Anspieltipps: A Salty Dog, Too Much Between Us, Wreck Of The Hesperus



Donnerstag, 23. Oktober 2014

Ayreon – Universal Migrator Part I & II




Ayreon – Universal Migrator Part I & II


Besetzung: (Universal Migrator I / The Dream Sequencer)

Arjen Lucassen – electric and acoustic guitars, bass guitar, analog synthesizers, mellotron, hammond, and additional keyboards, vocals track 8


Gastmusiker:

Lana Lane – backing vocals on tracks 4 and 5, vocals on tracks 1, 3 and 6
Johan Edlund – vocals track 2
Floor Jansen – vocals track 2
Edward Reekers – vocals track 4
Mouse – vocals track 5
Jacqueline Govaert – vocals track 7
Damian Wilson – vocals track 9
Neal Morse – vocals track 10
Mark McCrite – backing vocals on track 10
Rob Snijders – drums
Erik Norlander – analog synthesizers, piano, vocoder, hammond, and additional keyboards
Clive Nolan – synth solo on track 3
Peter Siedlach – strings


Besetzung: (Universal Migrator II / Flight Of The Migrator)

Arjen Lucassen – electric and acoustic guitars, bass guitar, analog synthesizers, mellotron, hammond, additional keyboards; guitar solos on tracks 1, 4, 5, 7, 8, 9


Gastmusiker:

Lana Lane – vocals voice on track 1; backing vocals on tracks 4, 5, 6, and 9
Russell Allen – vocals track 2
Damian Wilson – vocals backing vocals on track 2
Ralf Scheepers – vocals track 3
Andi Deris – vocals track 4
Bruce Dickinson – vocals track 5
Fabio Lione – vocals track 6
Timo Kotipelto– vocals track 7
Robert Soeterboek – vocals track 8
Ian Parry – vocals track 9
Ed Warby – drums
Erik Norlander – analog synthesizers, vocoder, Taurus pedal, hammond, additional keyboards; synth solos on tracks 1, 3 (hammond), 4, 5, 7
Michael Romeo – guitar solo on track 2
Oscar Holleman – second guitar solo on track 4
Gary Wehrkamp – guitar and synth solo on track 6
Rene Merkelbach – last synth solo on track 4
Clive Nolan – second synth solo on track 5
Keiko Kumagai – synth solo on track 9 (plus hammond)
Peter Siedlach – strings


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Progressive Rock, Progressive Metal


Trackliste:

CD1 (Universal Migrator I / The Dream Sequencer):

1. The Dream Sequencer (5:09)
2. My House On Mars (7:49)
3. 2084 (7:42)
4. One Small Step (8:46)
5. The Shooting Company Of Captain Frans B Cocq (7:58)
6. Dragon On The Sea (7:09)
7. Temple Of The Cat (4:11)
8. Carried By The Wind (3:59)
9. And The Druids Turned To Stone (6:36)
10. The First Man On Earth (7:20)
11. The Dream Sequencer Reprise (3:38)


CD2 (Universal Migrator II / Flight Of The Migrator):

1. Chaos (5:11)
2. Dawn Of A Million Souls (7:45)
3. Journey On The Waves Of Time (5:48)
4. To The Quasar (8:43)
5. Into The Black Hole (10:25)
6. Through The Wormhole (6:05)
7. Out Of The White Hole (7:10)
8. To The Solar System (6:12)
9. The New Migrator (8:17)

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 2:15:52




Im Juni 2000 veröffentlichte Arjen Lucassen, alias Ayreon, zwei Alben unter den Titeln „Universal Migrator I und II, versehen mit den Untertiteln „The Dream Sequencer“ und „Flight Of The Migrator“. Im Jahr 2004 gab es dann beide Alben in Form einer Doppel-CD, da der Niederländer nun die Plattenfirma gewechselt hatte. Und so bekommt man nun über zweieinviertel Stunden Musik auf die Ohren, in der eine Fantasy Story erzählt wird. Der erste Teil, „The Dream Sequencer“, fußt inhaltlich auf dem ersten Ayreon-Album „The Final Experiment“ aus dem Jahr 1995. In der Geschichte schreiben wir nun das Jahr 2084. Der letzte große Weltkrieg hat letztendlich alles Leben auf der Erde zerstört, einige Menschen schafften es jedoch, sich auf den Mars zu retten. Dort ist es allerdings ebenfalls nicht ganz so einfach und die Leute sterben, sodass auf „The Dream Sequencer“ die Geschichte des letzten Menschen in der Marskolonie erzählt wird. Dieser hat nie auf der Erde gelebt, kann allerdings mit Hilfe einer Maschine, dem „Dream Sequencer“, in verschiedene frühere Leben reisen, die hier dann erzählt werden. Na, wenn das mal nicht echte „Fantasy“ ist.

Nun und in Teil 2 der Story wird es jetzt noch ein wenig abgefahrener, denn nun reist unser Protagonist mit seiner Maschine noch weiter zurück. Und zwar bis vor den Urknall, als lediglich Chaos in der Welt herrschte. Er beobachtet die Erschaffung der ersten „Seele“ mit dem Namen „Universal Migrator“. Reist mit diesem durch alle möglichen galaktischen Strukturen wie schwarze Löcher, Wurmlöcher, Supernovae, Quasare, Pulsare und noch vieles mehr, bis er schließlich unser Sonnensystem erreicht. Das ist jetzt leider zu viel für die Maschine, diese geht durch Überlastung kaputt, wobei auch unser Held, der letzte Mensch auf dem Mars, stirbt. Allerdings erhält er dabei vom Universal Migrator noch die Nachricht, dass er nun in die Ewigkeit eingeht und selbst zum neuen Universal Migrator wird. Also doch noch ein Happy End.

Genauso aufwendig wie die Story ist auch die Musik. So eine Mischung aus New Progressive Rock und Metal mit einem Schuss Space Rock. Und es ist unfassbar viel, was es da zu hören gibt. Dabei lässt sich die erste Platte sehr gut von der zweiten unterscheiden. Auf Album Nummer 1 ist alles viel eingängiger und melodiöser und vor allem auch softer gehalten. „Flight Of The Migrator“ ist dagegen sehr viel rockiger, hier wird vermehrt auch Metal eingesetzt. Was jedoch nicht unbedingt heißen soll, dass dies nicht auch eingängig wäre. Trotzdem sind Melodiösität und Harmonie deutlich mehr auf „The Dream Sequencer“ vertreten. Und hier hört man auch bestens heraus, dass Arjen Lucassen anscheinend ein ganz großer Pink Floyd Fan ist. Immer wieder gibt es einen Keyboardlauf, der an Rick Wright erinnert oder ein Gitarrensolo, welches so eindeutig auch von David Gilmour hätte stammen können. Auch manche Arrangements erinnern sehr stark an die Briten.

Fazit: „Universal Migrator I & II ist kein Album, bei welchem man sich immer wieder mal ein Lied anhört. Nein das sollte man schon in seiner Gesamtheit hören, zumindest Platte 1 oder eben Platte 2. Beides hintereinander ist wahrlich unglaublich viel. Und wenn man sich dann auch noch auf die Geschichte konzentrieren möchte, kann das durchaus anstrengend werden. Die Musik macht allerdings Spaß, wobei der erste Teil „The Dream Sequencer“ besser gelungen ist, als das ursprünglich zweite Album. Trotzdem, Arjen Lucassen mag es nicht einfach, er mag es lang, er mag Geschichten erzählen und das ist ihm hier alles auch wieder gelungen. Spaß macht das schon irgendwie. Zehn Punkte.

Anspieltipps: 2084, Temple Of The Cat



Mittwoch, 22. Oktober 2014

The Velvet Underground – VU




The Velvet Underground – VU


Besetzung:

John Cale – viola, bass guitar, celesta and backing vocals on "Stephanie Says" and "Temptation Inside Your Heart"
Sterling Morrison – guitar, backing vocals
Lou Reed – vocals, guitar
Maureen Tucker – percussion, lead vocals on "I'm Sticking with You"
Doug Yule – bass guitar, keyboards, lead guitar on "One of These Days", lead vocals on "She's My Best Friend", backing vocals on "I Can't Stand It", "She's My Best Friend", "Lisa Says", "Foggy Notion", "One Of These Days", "Andy's Chest", and "I'm Sticking With You"


Label: Polygram Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Art Rock, Experimental Rock


Trackliste:

1. I Can't Stand It (3:23)
2. Stephanie Says (2:51)
3. She's My Best Friend (2:49)
4. Lisa Says (2:55)
5. Ocean (5:12)
6. Foggy Notion (6:44)
7. Temptation Inside Your Heart (2:30)
8. One Of These Days (3:53)
9. Andy's Chest (2:52)
10. I'm Sticking With You (2:26)

Gesamtspieldauer: 35:35




„VU” ist eine „Outtake-Zusammenstellung“ von Liedern, die 1969 hauptsächlich von Lou Reed komponiert wurden. Zudem hört man zwei Lieder, die noch in der John Cale Ära der Band entstanden sind, allerdings ebenfalls aus der Feder Lou Reeds stammen. Letztere wären „Stephanie Says“ und „Temptation Inside Your Heart“.

Auch wenn das Album bei Fans ziemlich hoch im Kurs steht, hört man der Platte an, dass es sich hierbei um „Ausschussware“ handelt. Lediglich zwei Titel können überzeugen und das wären das bereits erwähnte „Stephanie Says“ sowie „Ocean“. Beides Nummern mit eingängiger Melodie und dem so typischen Velvet Underground Sound. Ansonsten benötigt man wohl eine schon sehr rosa gefärbte Brille, um diese Platte zu den Höhepunkten des musikalischen Schaffens zählen zu können.

Der Rest klingt nämlich ein wenig unausgegoren und zum Teil auch noch unfertig. Hier wurden Lieder komponiert, ausprobiert und dann für nicht gut genug empfunden, um auf Platte veröffentlicht zu werden. Und genau so klingen diese Stücke dann auch, die erst viele Jahre nach der Entstehung im Jahr 1985 veröffentlicht wurden. Insgesamt 19 unveröffentlichte Nummern wurden übrigens im Velvet Underground Fundus gefunden. Jene, die es dann auch nicht auf „VU“ schafften, wurden schließlich ein Jahr später auf der Platte „Another View“ veröffentlicht. Manchmal scheinen die Lieder hier auch einfach nicht über den ersten Ansatz herausgekommen zu sein. Man hat sie mal gespielt, dann aber wieder verworfen. Zudem hört man einigen Titeln an, dass sie bald schon 50 Jahre alt werden. Auch nicht unbedingt ein Kompliment. 

Fazit: Allerdings ist diese Platte natürlich ein Muss für alle Velvet Underground Fans und auch alle Lou Reed Anhänger. Richtig experimentiert wird auf dem Album nicht mehr, alles klingt ein klein wenig nach 60ies Pop, aber eben dem, der noch nicht ganz zu Ende gedacht wurde. Trotzdem gibt es auch hier zumindest zwei schöne Stücke zu entdecken. Von daher, sechs Punkte.

Anspieltipps: Stephanie Says, Ocean



Dienstag, 21. Oktober 2014

The Cars – Door To Door




The Cars – Door To Door


Besetzung:

Ric Ocasek – rhythm guitar, lead vocals on tracks 1, 2, 4, 6, 7, 9, 11
Elliot Easton – electric guitar, vocals
Greg Hawkes – keyboards, vocals
Benjamin Orr – bass, lead vocals on tracks 2, 3, 5, 8, 10
David Robinson – drums


Label: Elektra


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Leave Or Stay (2:55)
2. You Are The Girl (3:52)
3. Double Trouble (4:14)
4. Fine Line (5:22)
5. Everything You Say (4:52)
6. Ta Ta Wayo Wayo (2:52)
7. Strap Me In (4:22)
8. Coming Up You (4:18)
9. Wound Up On You (5:02)
10. Go Away (4:38)
11. Door To Door (3:17)

Gesamtspieldauer: 46:43




„Door To Door” nannten The Cars ihr sechstes und vorerst letztes Studioalbum. Nach Auflösung der Band wurde erst wieder 2011 ein neues Album unter dem Titel „Move Like This“ eingespielt und veröffentlicht – das ist jedoch eine andere Geschichte. Mit sehr viel Spannung war „Door To Door“ nach dem wirklich überaus gelungenen Vorgängeralbum „Heartbeat City“ erwartet worden. Drei ganze Jahre mussten die Fans sich gedulden, da Easton, Orr und Ocazek erst mal auf Solopfaden wandelten.

„Door To Door“ konnte dann jedoch bei weitem nicht mehr an den Erfolg des Vorgängeralbums anschließen, sodass die Band bereits im Februar des darauffolgenden Jahres überraschend ihre Auflösung kommunizierte. Das wiederum war schon einigermaßen überraschend, denn Gold-Status erreichte die Scheibe in den USA immerhin doch noch. Was jedoch durchaus festzustellen ist, die Qualität der einzelnen Titel reicht wahrlich nicht mehr an jene von „Heartbeat City“ heran. Man hört auf dem Album zwar noch gut gemachten Pop und auch New Wave, jedoch will dieser längst nicht mehr so überzeugend klingen, längst nicht mehr so nachhallen, wie das noch drei Jahre zuvor der Fall war.

Auf dem sechsten Album der Cars klingt alles solide, ganz nett gemacht und irgendwie auch wohl überlegt. Deutlich weniger Leidenschaft ist hier auszumachen, sodass die Platte auf eine gewisse Art so mit durchläuft, ohne großartige Spuren zu hinterlassen. Zum Teil auch ganz nett als Hintergrundmusik, das sollte jedoch nicht der Anspruch für solch ein Album sein und war es mit Sicherheit auch nicht. Trotzdem ist die Platte nicht schlecht und hat mit dem Opener „Leave Or Stay“ gleich einen Höhepunkt zu Beginn. Weiter noch herauszuheben ist das flotte „Everything You Say”, welches so, genau wie „Go Away“, auch gut auf „Heartbeat City” Platz gefunden hätte. Und eine Überraschung haben die fünf Musiker für ihre Hörer auch noch parat. Das letzte Stück des Albums und gleichzeitig das Titellied „Door To Door“, ist fast schon eine Hard Rock Nummer geworden. Das können andere Bands allerdings etwas besser.

Fazit: Sicherlich kein ganz schlechter Abschluss für diese in den 80ern so erfolgreiche Band. Leider allerdings auch nichts Besonderes mehr. Ein paar Höhepunkte bekommt man durchaus zu erhören, jedoch auch eine ganze Menge Mittelmaß, welcher in das eine Ohr eindringt, um nach nur ganz kurzer Zeit wieder aus dem anderen Ohr zu verschwinden. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Leave Or Stay, Everything You Say, Go Away



Montag, 20. Oktober 2014

David Bowie – Heathen




David Bowie – Heathen


Besetzung:

David Bowie – vocals, keyboards, guitars, saxophone, stylophone, backing vocals, drums


Gastmusiker:

Tony Visconti – bass guitar, guitars, recorders, string arrangements, backing vocals
Matt Chamberlain – drums, drum loop programming, percussion
David Torn – guitars, guitar loops, omnichord
The Scorchio Quartet:
     Greg Kitzis – 1st violin
     Meg Okura – 2nd violin
     Martha Mooke – viola
     Mary Wooten – cello
Carlos Alomar – guitar
Sterling Campbell – drums, percussion
Lisa Germano – violin
Gerry Leonard – guitar
Tony Levin – bass guitar
Mark Plati – guitar, bass guitar
Jordan Rudess – keyboards
The Borneo Horns:
     Lenny Pickett
     Stan Harrison
     Steve Elson
Kristeen Young – vocals, piano
Pete Townshend – guitar on "Slow Burn"
Dave Grohl – guitar on "I've Been Waiting for You"


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Sunday (4:46)
2. Cactus (2:55)
3. Slip Away (6:05)
4. Slow Burn (4:41)
5. Afraid (3:28)
6. I've Been Waiting For You (3:00)
7. I Would Be Your Slave (5:14)
8. I Took A Trip On A Gemini Spaceship (4:07)
9. 5:15 The Angels Have Gone (5:02)
10. Everyone Says “Hi” (3:58)
11. A Better Future (4:11)
12. Heathen (The Rays) (4:19)

Gesamtspieldauer: 51:44




„Heathen” heißt das dreiundzwanzigste Studio-Album des David Bowie, welches im Juni des Jahres 2002 veröffentlicht wurde. Und keine Frage, diese Platte gehört mit zu den Höhepunkten im Schaffen des David Bowie. Sehr viel besser als fast alles, was dieser Musiker, der sich immer wieder selbst erfindet, zumindest in den letzten über zwanzig Jahren veröffentlichte. Nur Anfang bis Mitte der 70er Jahre war David Bowie vielleicht noch ein wenig innovativer, was den Stellenwert dieser Scheibe hier allerdings in keinster Weise schmälern soll.

„Heathen“ ist nämlich ebenfalls innovativ, hier wird mit Stilen gespielt und jongliert, obwohl die rockige Grundstimmung immer beibehalten wird. Dazu gesellen sich jetzt Melodien, die praktisch durchgängig immer sofort ins Ohr gehen und sich dort glücklicherweise auch längerfristig festzusetzen verstehen. Die Titel grooven, sind angefüllt mit Harmonien und weisen auch immer wieder sehr geistreiche und überdenkenswerte Texte auf.

Tony Visconti war zurückgekehrt, jener Produzent, mit dem Bowie einige sehr erfolgreiche Alben in den 70ern aufnahm. Zuletzt war dieser bei „Scary Monsters“ mit an Bord. Die erneute Zusammenarbeit scheint sich hier voll auszuzahlen. Und auch jene mit Pete Townshend, der auf „Heathen“ bei der Nummer „Slow Burn“ an der Gitarre zu hören ist. Das letzte Mal, dass er mit David Bowie zusammengearbeitet hat war übrigens ebenfalls auf „Scary Monsters“. Und auch sonst gibt es einige bekannte Musiker zu hören. Tony Levin von King Crimson, der auch zur Band Peter Gabriels gehört, ist hier vertreten. Genau wie David Grohl von den Foo Fighters und vormals Nirvana oder Jordan Rudess, der Keyboarder von Dream Theater.

Keine Ahnung, was hier genau den Ausschlag gegeben hat. Ob es die wieder entfesselte Kreativität des David Bowie war, die erneute Zusammenarbeit mit Tony Visconti oder all jenen ebenfalls sehr erfolgreichen Musikern? Vielleicht auch, dass diese Platte während und nach den Geschehnissen von 9/11 entstand. Ganz egal, das Ergebnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Das ist Rock- und Pop-Musik, wie sie klingen soll: spannend, unterhaltend, eingängig, innovativ und auch neue Wege beschreitend, die irgendwie oftmals auch auf älteren aufzubauen scheinen.

Fazit: Ein unverwechselbares David Bowie Album. Wenn man sich dann überlegt, was dieser Musiker noch in den 80ern und 90ern veröffentlichte, dann kommt einem diese Scheibe wie eine Offenbarung vor. Offensichtlich scheint es wirklich noch Musiker zu geben, die nach so vielen Jahren des Veröffentlichens, noch Höhepunkte kreieren können. Das ist aber sehr selten. David Bowie bewies mit seinem Album „Heathen“ im Jahr 2002 allerdings, dass das durchaus möglich ist. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Sunday, Cactus, Afraid



Sonntag, 19. Oktober 2014

R.E.M. – Collapse Into Now




R.E.M. – Collapse Into Now


Besetzung:

Peter Buck – guitar, bass guitar, mandolin
Mike Mills – bass guitar, guitar, backing vocals, keyboards
Michael Stipe – lead vocals


Gastmusiker:

Shamarr Allen – trumpet on „Discoverer", “It Happened Today" and “Oh My Heart"
Greg Hicks – trombone
Craig Klein – trombone
Mark Mullins – trombone and horn arrangements
Joel Gibb – vocals on „It Happened Today"
Lenny Kaye – guitar solo on „Alligator_Aviator_Autopilot_Antimatter", guitar solo on „Blue"
Jacknife Lee –keyboards, guitar
Leroy Jones – trumpet on „Discoverer", “It Happened Today" and „Oh My Heart"
Kirk M. Joseph, Sr. – sousaphone on „Discoverer", „It Happened Today" and „Oh My Heart"
Scott McCaughey – guitar, keyboards, backing vocals, accordion
Peaches – vocals on „Alligator_Aviator_Autopilot_Antimatter"
Bill Rieflin – drums, bouzouki, keyboards, guitar
Patti Smith – vocals on „Blue"
Eddie Vedder – vocals on „It Happened Today"


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Discoverer (3:31)
2. All The Best (2:48)
3. Überlin (4:15)
4. Oh My Heart (3:21)
5. It Happened Today (3:49)
6. Every Day Is Yours To Win (3:26)
7. Mine Smell Like Honey (3:13)
8. Walk It Back (3:24)
9. Alligator_Aviator_Autopilot_Antimatter (2:45)
10. That Someone Is You (1:44)
11. Me, Marlon Brando, Marlon Brando And I (3:03)
12. Blue (5:46)

Gesamtspieldauer: 41:05




Mit „Collapse Into Now”, ihrem 15. Studioalbum, haben sich R.E.M. von der Bühne der Musik verabschiedet – zumindest die Musiker in Form der Band R.E.M. Auf ihrer Homepage verkündeten die Amerikaner im September 2011, dass es das nun gewesen sei. Eine Auflösung ohne Streit.

Im März zuvor war noch „Collapse Into Now” erschienen. Ein sehr würdiger und auch sehr typischer Abschied, denn auf diesem 15. Album ist noch mal alles vertreten, was die Fans der Band so sehr an ihr schätzten: Sehr eingängiger Rock, mit einigen Pop-Anleihen. Musik, die schnell ins Ohr geht ohne dabei plump oder anbiedernd zu wirken. Alles ist melodiös gehalten, die Harmonie im Lied selbst steht immer im Mittelpunkt. Und so gibt es wieder jede Menge schöne Titel zu entdecken, die einen auch längerfristig begleiten können. Eingängige und auch sehr unaufgeregte Musik, die allerdings keinesfalls langweilig oder bieder wirkt.

Die Titel sind alle im langsameren, bis hin zum Mid-Tempo gehalten. Schnell und auch lauter wird es nur selten, womit vielleicht richtige Rocker ihre Schwierigkeiten haben könnten. Allerdings soll dies auch nicht bedeuten, dass hier irgendetwas weichgespült ist. R.E.M. muss einfach so klingen, das ist es was sie können und hier leider zum letzten Mal darbieten. Etwas flotter klingen jrdoch zumindest die Nummern „Mine Smell Like Honey“, „Alligator_Aviator_Autopilot_Antimatter” und das sehr kurze „That Someone Is You”, wobei man hier jetzt auch wirklich von Rock sprechen kann. Allerdings die Ausnahme auf dem Album.

Fazit: Ein schönes und ruhiges Album ist „Collapse Into Now” geworden. Ein Album, welches geradezu dazu einlädt, es sich auf dem Sofa bequem zu machen und Musik zu genießen. Man wird mit weichen Tönen berieselt und die Gedanken gehen auf Reisen. Muss irgendwie auch mal sein. Schade nur, dass es das nun von R.E.M. war. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Überlin, Every Day Is Yours To Win, Blue



Samstag, 18. Oktober 2014

Placebo – Without You I’m Nothing




Placebo – Without You I’m Nothing


Besetzung:

Brian Molko – vocals, guitar, bass (tracks 4 and 12)
Stefan Olsdal – bass, guitar, piano (tracks 7 and 9)
Steve Hewitt – drums, percussion


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Pure Morning (4:15)
2. Brick Shithouse (3:18)
3. You Don't Care About Us (3:58)
4. Ask For Answers (5:20)
5. Without You I'm Nothing (4:09)
6. Allergic (To Thoughts Of Mother Earth) (3:49)
7. The Crawl (2:59)
8. Every You Every Me (3:34)
9. My Sweet Prince (5:45)
10. Summer's Gone (3:06)
11. Scared Of Girls (3:01)
12. Burger Queen (6:26) [+ Hidden Track "Evil Dildo" (7:08)]

Gesamtspieldauer: 56:48




„Without You I’m Nothing” heißt das zweite Album der Alternative Rock Band Placebo aus London und es erschien im Oktober 1998. Zu hören gibt es darauf zumeist sehr kraftvollen Rock, der groovt und durchaus auch mitzureißen versteht. Eindeutig zuzuordnen sind die Titel natürlich immer Placebo, allein schon aufgrund der sehr markanten Stimme des Brian Molko. Diese wirkt manchmal gerade so, als würde er gleich fürchterlich zu weinen anfangen, was allerdings nichts über die Qualität des Gesangs aussagt. Ein Markenzeichen und dieser bestimmte Wiedererkennungswert sind hier auf jeden Fall gegeben.

Eines der bekanntesten Lieder von Placebo befindet sich ebenfalls auf dem Album: „Every You Every Me”. Rockig und mit diesem gewissen Ohrwurmcharakter ausgestattet, gehört die Nummer sicherlich zu den Höhepunkten von „Without You I’m Nothing”. Einmal gehört, nicht mehr vergessen. Ganz anders verhält es sich mit dem Titel direkt davor: „The Crawl”. Hier klingen Placebo verträumt und auch ein wenig verwunschen. Eine sehr dunkle Stimmung schwebt über dieser Nummer, wobei die Atmosphäre des Albums insgesamt sehr viel heller gestaltet ist. Ebenfalls sehr gelungen, aber nun auch wieder sehr viel rockiger, ist gleich der Opener „Pure Morning”, genau wie die zweite ruhige Nummer der Platte „My Sweet Prince”. Ansonsten gibt es noch jede Menge gut gemachter Alternative Rock Musik zu hören, die manchmal schneller ins Ohr geht, ein anderes Mal ein wenig mehr Zeit dafür benötigt.

Fazit: Interessant ist dieses zweite Album von Placebo auf jeden Fall. Vielleicht nicht ganz so überzeugend, wie noch spätere Veröffentlichungen, da die Höhepunkte dort noch häufiger anzutreffen sind. Songs, die textlich wie musikalisch das qualitative Spektrum der Platte nach unten hin durchstoßen, die gibt es auf „Without You I’m Nothing” nicht. Alles wirkt, macht Spaß beim Zuhören. Kein „Überalbum“ aber beileibe auch keine belanglose Scheibe. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Crawl, Every You Every Me



Freitag, 17. Oktober 2014

REO Speedwagon – Wheels Are Turnin’




REO Speedwagon – Wheels Are Turnin’


Besetzung:

Kevin Cronin – lead vocals, acoustic guitar, rhythm guitar, background vocals
Gary Richrath – lead guitar, electric guitar, wah-wah guitar
Neal Doughty – organ, synthesizer, piano
Alan Gratzer – drums
Bruce Hall – bass


Gastmusiker:

Steve Forman – percussion, conga, shaker
Bill Cuomo – orchestration
Richard Page – backing vocals
Tom Kelly – backing vocals
Tommy Funderburk – backing vocals


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Rock


Trackliste:

1. I Do' Wanna Know (4:12)
2. One Lonely Night (3:20)
3. Thru The Window (5:01)
4. Rock 'N Roll Star (3:40)
5. Live Every Moment (4:56)
6. Can't Fight This Feeling (4:54)
7. Gotta Feel More (4:26)
8. Break His Spell (2:57)
9. Wheels Are Turnin' (5:47)

Gesamtspieldauer: 39:31




Nun, Rock kann man das gar nicht so richtig nennen, was die Amerikaner von REO Speedwagon hier ihren Hörern darbieten. Das ist schon sehr viel eher Pop-Rock – und leider auch einer, von der eher seichten Sorte. Das elfte Album der Band stellt „Wheels Are Turnin’“ dar und auf diesem wird geschmachtet und geliebt und wieder weiter geschmachtet und noch ganz viel mehr geliebt. Bestes Beispiel hierfür die wohl die Ballade „Can’t Fight This Feeling“, welche drei Wochen hintereinander Platz 1 der US-amerikanischen Charts belegte. Unfassbar schmalzig das Ganze und das hat nichts damit zu tun, ob man jetzt eine romantische Ader hat oder eben nicht.

Der Rest der Scheibe ist nicht viel besser. Sicherlich keine Musik zum Davonlaufen, aber wenn man dann doch mal auf die Texte hören möchte, kann man manches Mal gar nicht glauben, was erwachsene Männer so alles singen und von sich geben möchten. Musikalisch gesehen ist „One Lonely Night“ sehr überzeugend und für mich der Ohrwurm der Platte. Einmal gehört, verlässt einen dieser Song nur noch schwer. Ebenfalls gelungen, da endlich mal ein wenig rockig, ist „Gotta Feel More“. Das war es allerdings auch schon. Der Rest ist Rock der sehr poppigen Sorte, der vielleicht noch nicht einmal nervt, aber zumindest stark langweilt.

Fazit: War da was? Nein, einfach ein belangloses Album, welches nur wegen „One Lonely Night“ in Erinnerung bleibt. Ansonsten absolut schwache Texte, poppige, unbedingt radiotaugliche und auch austauschbare Musik, die einfach so durchläuft, ohne aufzuregen oder irgendwelche Spuren zu hinterlassen – außer eben jenes eine Lied. Sechs Punkte.

Anspieltipps: One Lonely Night, Gotta Feel More



Donnerstag, 16. Oktober 2014

The Murder City Devils – In Name And Blood




The Murder City Devils – In Name And Blood


Besetzung:

Spencer Moody – vocals
Leslie Hardy – organ, keyboards
Dann Gallucci – guitars, vocals, mellotron
Derek Fudesco – bass, vocals
Nate Manny – guitars, vocals
Coady Willis – drums, vocals
Gabe – roadie


Gastmusiker:

Ron Heathman – lead guitar on “Lemuria Rising”
Kim Warnick – background on “I’ll Come Running”


Label: Sub Pop Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Rock


Trackliste:

1. Press Gang (3:51)
2. I Drink The Wine (3:14)
3. Bunkhouse (3:15)
4. Idle Hands (2:40)
5. Rum To Whiskey (3:09)
6. I'll Come Running (3:17)
7. Demon Brother (2:36)
8. Lemuria Rising (2:47)
9. Somebody Else's Baby (2:44)
10. In This Town (2:43)
11. No Grave But The Sea (2:32)
12. Fields Of Fire (4:22)

Gesamtspieldauer: 37:10




Oh, mal wieder so eine Platte, von der ich noch nicht einmal wusste, dass ich sie überhaupt besitze. The Murder City Devils mit „In Name And Blood“ aus dem Jahr 2000. Bekommen habe ich das Album meinen Aufzeichnungen nach zu Weihnachten 2000 – und da scheint es das Christkind echt gut mit mir gemeint zu haben…

The Murder City Devils sind eine Band aus Seattle im US-Bundesstaat Washington, die sich 1996 gründete und mit „In Name And Blood“ ihr drittes Album vorlegte. Der Stil der Band wird im Internet mit Garage Punk angegeben, einer Mischung aus Garage Rock und modernem Punk. Garage Punk zeichnet sich durch einen eher dreckigen, abgehackten Gitarrensound aus, kombiniert mit Texten, die sich mit schlechtem Geschmack und Rebellion auseinandersetzen. Gut, dafür extra ein eigenes Musikgenre zu kreieren muss nicht unbedingt sein, denn man hätte das auch deutlich einfacher umschreiben können: Die Musik von The Murder City Devils klingt nach Rock, mit ein paar Punk Einsprengseln.

Doch das ist es noch nicht ganz. Die Musik ist hart, kraftvoll und es wird gerockt. Nichts für empfindliche Seelen oder Leute, die eher auf die sanfte Muse stehen. Dazu gesellt sich jedoch etwas, was ich bisher so noch nicht in dieser Konsequenz gehört habe. Ein Keyboard, welches munter und laufend seine Soli über die Lieder hinweg spielt. Ein klein wenig erinnert das an „Light My Fire“ von den Doors, dieser Keyboard-Part des Ray Manzarek, der hier fast bei jedem Lied in verschiedenen Variationen dargeboten wird. Das klingt hier zwar völlig anders, erinnert aber ein wenig daran. Aber genau dieses Zusammenspiel von sehr hartem Rock mit einem einfach nicht still werden wollenden Keyboard, verleiht dieser Musik etwas durchaus Außergewöhnliches, so bisher noch nicht allzu oft Gehörtes. Einzige Ausnahme dabei ist der Titel „I'll Come Running”, der eher ein Rock-Pop-Stück darstellt und damit fast schon total aus der Reihe tanzt. Dafür dürfte allerdings genau jene Nummer den Freunden der Melodiösität wohl am ehesten zusagen.

Fazit: Jeder der auf Rock steht, der wird hier auch etwas für sich entdecken können. Die Lieder sind fast alle im selben Stil gehalten, was natürlich nur relativ wenig Abwechslung mit sich bringt. Andererseits könnte man hier, wenn man es denn gut meint, auch von Konsequenz sprechen. Etwas Negatives darf hier allerdings auch nicht unerwähnt bleiben. Im Booklet zur CD werden alle Musiker mehrfach als Mordopfer dargestellt. Viel Blut gibt es da zu sehen, zum Teil sind das schon grauenvolle Bilder. Über Geschmack lässt sich da sicherlich trefflich streiten. Egal, musikalisch gesehen ist „In Name And Blood“ ein Hard Rock Album mit Berührungspunkten zum Punk, welches durch den Einsatz des Keyboards etwas Besonderes in sich trägt. Spannend. Elf Punkte.

Anspieltipps: Press Gang, Bunkhouse



Mittwoch, 15. Oktober 2014

U2 – All That You Can’t Leave Behind




U2 – All That You Can’t Leave Behind


Besetzung:

Bono – vocals, guitar, synthesisers (“Stuck In A Moment You Can't Get Out Of”)
The Edge – guitar, piano, vocals, synthesizers (“Elevation”), strings (“Kite”)
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen, Jr. – drums, percussion


Gastmusiker:

Brian Eno – synthesisers, programming, backing vocals, string arrangement
Daniel Lanois – backing vocals, additional guitar
Paul Barrett – brass (“Stuck In A Moment You Can't Get Out Of”)


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Rock


Trackliste:

1. Beautiful Day (4:08)
2. Stuck In A Moment You Can't Get Out Of (4:32)
3. Elevation (3:48)
4. Walk On (4:56)
5. Kite (4:27)
6. In A Little While (3:39)
7. Wild Honey (3:47)
8. Peace On Earth (4:48)
9. When I Look At The World (4:18)
10. New York (5:30)
11. Grace (5:31)

Gesamtspieldauer: 49:24




„All That You Can’t Leave Behind“ heißt das zehnte Studio-Album von U2 und erschien im Jahr 2000 auf dem Universal Label. Im Grunde genommen könnte ich jetzt hier die kürzeste Rezension auf den Plattenbesprechungen schreiben, denn was man auf „All That You Can’t Leave Behind“ zu hören bekommt ist absolut typische U2-Musik. Gut gemachter Rock-Pop, der ziemlich schnell ins Ohr geht, ohne jedoch vielleicht die ganz großen Hits in sich zu tragen. Am ehesten in diese Richtung „Hit“ gehend und wohl auch das bekannteste Lied der Scheibe ist dabei „Beautiful Day“. Durchaus eine Nummer, die mit einem gewissen Ohrwurmcharakter ausgestattet wurde.

Nun und der Rest? Wenn man U2 von anderen Platten her kennt, dann stößt man auf Vertrautes. Eindeutig sind die Lieder den Iren zuzuordnen, was nicht nur an der unverwechselbaren Stimme Bonos liegt. Ausbrüche in irgendeine Richtung sind dabei auf jeden Fall nicht auszumachen. Alles hat seine Qualität, kein Lied fällt aus dem Rahmen und es wird sicherlich auch nur wenige U2-Fans geben, deren Lieblingslied ihrer Band aus dem Album „All That You Can’t Leave Behind“ stammt. Was bleibt ist eingängige Musik, die radiotauglich ist, ohne langweilig zu sein, der man perfekt beim Autofahren lauschen kann, genau wie beim Joggen oder aber gemütlich auf dem Sofa beim Entspannen. Musik eben, für sehr viele Situationen des Lebens. Alle Titel sind dabei in etwa im selben Tempo gehalten, welche sich im unteren Mittelfeld ansiedelt. Die Ausnahme wartet am Ende der Scheibe auf den Hörer, wenn es mit „Grace“ noch mal sehr verträumt wird.

Fazit: Ich hätte es wahrlich kürzer machen können. Typische U2-Musik, nicht zu rockig, nicht zu weich. Eingängig, melodiös, aber irgendwie auch ein wenig unaufgeregt. Manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu unaufgeregt. Trotzdem eine schöne Scheibe, die irgendwie zu allem passt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Beautiful Day, Kite



Dienstag, 14. Oktober 2014

David Bowie – Earthling




David Bowie – Earthling


Besetzung:

David Bowie – vocals, guitar, alto saxophone, samples, keyboards


Gastmusiker:

Reeves Gabrels – programming, synthesisers, real and sampled guitars, vocals
Mark Plati – programming, loops, samples, keyboards
Gail Ann Dorsey – bass, vocals
Zachary Alford – drum loops, acoustic drums, electronic percussion
Mike Garson – keyboards, piano


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Rock, Pop, Elektronische Musik


Trackliste:

1. Little Wonder (6:01)
2. Looking For Satellites (5:20)
3. Battle For Britain (The Letter) (4:48)
4. Seven Years In Tibet (6:21)
5. Dead Man Walking (6:50)
6. Telling Lies (4:50)
7. The Last Thing You Should Do (4:57)
8. I'm Afraid Of Americans (4:59)
9. Law (Earthlings On Fire) (4:48)

Gesamtspieldauer: 49:37




„Earthling” heißt das einundzwanzigste offizielle Studioalbum David Bowies und wurde 1997 veröffentlicht. Und erneut erfindet sich Bowie auf einer Platte neu. Die Musik, die auf „Outside” in Form von Experimenten und ein wenig Art Rock noch im Vordergrund stand, ist hier bereits wieder vergessen. Jetzt wird gerockt, gepoppt und vor allem elektronische Töne sind auf „Earthling” zu hören. Jedoch nicht der Art, wie zum Beispiel auf den Platten „Heroes“ oder „Low“, sondern in Form von Samples und Loops. Den Computern wurde hier so einiges abgerungen.

Dazu gesellt sich eine recht rockige Grundstimmung in den Liedern, die nur sehr selten auch mal durch ruhigere Töne abgelöst wird. Immer wieder wird auch das Gespür des David Bowie für die tolle Melodie, die eingängige Harmonie offenbar beziehungsweise gut erhörbar, jedoch beileibe nicht durchgängig. Es sind oftmals Abschnitte in den Liedern selbst, die den Hörer mit Melodiösität einzufangen versuchen, um dann wieder in einen völlig anderen Teil zu münden, der nun deutlich weniger eingängig ist.

Trotzdem hat das alles noch etwas Interessantes und Spannendes. Dies geht jedoch bei solch, fast schon mit Techno oder Dance zu umschreibenden Stücken wie zum Beispiel „Dead Man Walking“ etwas verloren. Ab hier, ab etwa der Mitte des Albums, überzieht Bowie ein wenig mit seinen synthetischen Beats und Klängen. Dies mag zu Zeiten der Love Parade, bei solch einem Ereignis, durchaus seine Freunde gefunden haben, ist im Rahmen eines David Bowie Albums jedoch äußerst gewöhnungsbedürftig und irgendwie dann auch auch nicht mehr restlos überzeugend.

Fazit: Klar, David Bowie probiert immer wieder neue Dinge aus. Vieles davon klappt auch, „Earthling“ allerdings nur bedingt. Hier klingt Bowie ganz klar am bestzen, wenn er denn auch wie David Bowie klingt und nicht wie ein Raver klingen will. Interessant ist das dann aber doch, wenn auch nicht bis in den letzten Winkel überzeugend. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Seven Years In Tibet, Telling Lies



Montag, 13. Oktober 2014

Eminem – The Eminem Show




Eminem – The Eminem Show


Besetzung:

Eminem – vocals


Gastmusiker:

Jeff Bass – bass, guitar, keyboards
DJ Head – drum programming
Mike Elizondo – bass, guitar, keyboards
Ron Feemster – keyboards
Shy Felder – vocals (background)
Marti Frederiksen – guitar
Steve King – guitar, keyboards, voiceover
Traci Nelson – vocals (background)
Conesha Owens – vocals (background)
Joe Perry – guitar
Denaun Porter – drum programming
Dina Rae – vocals (background)
Luis Resto – keyboards
Barbara Wilson – vocals (background)
Obie Trice – vocals (background)
D12 – vocals (background)
Dr. Dre – vocals (background)
Nate Dogg – vocals (background)
Hailie Jade – vocals (background)


Label: Aftermath Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Hip Hop


Trackliste:

1. Curtains Up (Skit) (0:30)
2. White America (5:24)
3. Business (4:11)
4. Cleanin' Out My Closet (4:56)
5. Square Dance (5:24)
6. The Kiss (Skit) (1:15)
7. Soldier (3:45)
8. Say Goodbye Hollywood (4:32)
9. Drips (4:44)
10. Without Me (4:49)
11. Paul Rosenberg (Skit) (0:22)
12. Sing For The Moment (5:39)
13. Superman (5:49)
14. Hailie's Song (5:20)
15. Steve Berman (Skit) (0:33)
16. When The Music Stops (4:28)
17. Say What You Say (5:04)
18. 'Till I Collapse (4:57)
19. My Dad's Gone Crazy (4:26)
20. Curtains Close (Skit) (1:00)

Gesamtspieldauer: 1:17:31




Alles bin ich, nur mit Bestimmtheit kein Hip Hopper. Trotzdem, an Marshall Bruce Mathers III, alias Eminem, kommt man als Musikkonsument natürlich nicht ganz vorbei. Und „The Eminem Show“, das vierte Album des Amerikaners, habe ich mir sogar selbst zugelegt, gekauft und nicht geschenkt bekommen. Das lag an dem Stück „Cleanin' Out My Closet”, eine Nummer, die unglaublich schnell ins Ohr geht. Nun, wenn Hip Hop denn dann auch so klingen kann, dann könnte man da ja mal ein Ohr riskieren. Vielleicht gibt es da noch mehr?

Und das ist auch genau der Punkt, den man Eminem nicht absprechen kann, sein Gefühl für die eingängige Melodie, für jene Tonfolge, die sich in das Gehirn einbrennt und dieses auch so schnell nicht mehr verlässt. Und solche Melodien hört man natürlich, wie so häufig beim Hip Hop, hauptsächlich im Refrain. So verhält sich das auch hier, bei „The Eminem Show“. Beispielhaft dafür stehen das bereits erwähnte „Cleanin' Out My Closet”, aber auch „White America“, „Business” oder auch „Say Goodbye Hollywood” und „'Till I Collapse“ können dahingehend punkten. Dazu gesellen sich noch gesampelte Titel anderer Künstler, wie unter anderem zum Beispiel „Dream On“ von Aerosmith bei „Sing For The Moment“. Nicht weiter überraschend also auch, dass man sogar Déjà Vu Erlebnisse auf dem Album zu haben scheint.

Was allerdings unfassbar nervt, bei diesem Album und bei Eminem ganz allgemein, das ist die hier benutzte Sprache, die unaufhörlich so was von angefüllt ist mit Fäkalausdrücken, dass man sich wundert, wie viele Kraftausdrücke überhaupt in solch einem Lied Platz haben. Okay, Eminem rechnet auf dieser Platte mit seiner Mutter ab, mit seinen Kritikern geht er hart in Gericht, die Frauen bekommen ebenfalls ihr Fett weg, Politiker sowieso und und und. Da muss man doch einfach schimpfen und beleidigen. Das klingt manchmal ein wenig nach „bockigem“ Teenager, allerdings war Eminem bei der Fertigstellung der Platte bereits knapp 30 Jahre alt. Nun, aber wahrscheinlich hat diese Sprache auch mit zum Erfolg der Scheibe beigetragen.

Fazit: Rappen kann Eminem, das ist klar. Oftmals verbindet er auf „The Eminem Show“ diesen Sprechgesang auch mit tollen Melodien, die das Lied dann auch für Leute hörenswert werden lassen, die sonst nichts mit diesem Musikgenre zu tun haben beziehungsweise anfangen können. Auf Platz 317 rangiert die Platte beim Rolling Stone Magazin in der Liste der 500 besten Alben aller Zeiten. Na, wenn das mal nicht überschätzt ist. Acht Punkte.

Anspieltipps: Cleanin' Out My Closet, Say Goodbye Hollywood



Sonntag, 12. Oktober 2014

Falco – The Final Curtain




Falco – The Final Curtain


Besetzung:

Falco – Gesang


Gastmusiker:

Zahlreiche, nicht einzeln aufgeführte Musiker


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Pop


Trackliste:

1. Push! Push! (3:46)
2. Rock Me Amadeus (3:22)
3. Egoist (Remix) (3:40)
4. Kommissar 2000 (3:48)
5. Helden von heute (4:07)
6. No Time For Revolution (3:52)
7. Out Of The Dark (3:36)
8. Jeanny (5:55)
9. Comin' Home (Jeanny Part 2) (5:15)
10. Naked (3:49)
11. Vienna Calling (4:09)
12. Mutter, der Mann mit dem Koks ist da (3:39)
13. Ganz Wien (5:08)
14. Junge Römer (4:31)
15. Geld (3:47)
16. The Sound Of Musik (4:12)
17. Emotional (4:51)

Gesamtspieldauer: 1:11:34




„The Final Curtain“ von Falco erschien 1999, ein Jahr nach dem Tod des Sängers und trägt als weitere Überschrift „The Ultimate Best Of Falco“. Demnach handelt es sich also um eine Kompilation der „besten“ Lieder des Österreichers. Genauer erklärt wird die Zusammenstellung jedoch im Booklet der CD, denn dort steht: „Dieses Album enthält nicht nur alle Hit-Singles von Falco, sondern auch Songs, die zum Zeitpunkt seines viel zu frühen Todes sein Lebensgefühl am besten widerspiegeln. Es erhebt nicht den Anspruch, Falcos sehr komplexes musikalisches Gesamtwerk darzustellen, kann jedoch hoffentlich sein kreatives Schaffen auch einer neuen Generation näherbringen.“

Sie sind alle vertreten, die Chartplatzierungen des Johann Hölzel alias Falco. Mal in Deutsch gesungen, mal in Englisch und gar nicht selten hört man sogar beide Sprachen in einem Song. Es gibt so einige Titel von Falco, die wahrlich mitreißend sind, die auch heute noch begeistern können. Ohrwürmer hat er einige eingesungen, wenn auch nicht selbst geschrieben. Macht jedoch nichts, denn diese Titel werden erst durch seine Stimme das, was sie sind, nämlich zeitlose Songs, die auch heute noch Menschen begeistern, die damals, während der Entstehung der Titel, noch gar nicht geboren waren oder sich zumindest noch nicht für Musik interessierten.

Und dann darf hier auch eine kleine Anmerkung über die Nummer „Out Of The Dark“ nicht fehlen. Viel wurde über dieses Lied bereits geschrieben und ich kann mich dem auch nicht ganz entziehen. Erst drei Wochen nach seinem Tod veröffentlicht, kenne ich keine Nummer, in dem ein Musiker so dermaßen offensichtlich seinen Tod ankündigt, wie es Falco hier vormacht. Jeder Satz wirkt zumindest so, als ob hier jemand nach Erlösung sucht von dieser Welt. Dazu diese mitreißende und kraftvolle Musik. Irgendwie muss er doch etwas geahnt oder geplant haben. Oder ist das doch alles nur Zufall?

Fazit: Perfekter, deutscher Pop. Tolle Melodien, meist witzige Texte, manchmal auch nachdenklich machende. Das klingt zum großen Teil sehr überzeugend und auch bereichernd. Dazwischen natürlich auch immer wieder Titel, die den eigenen Geschmack vielleicht nicht ganz so treffen, was an der musikalischen Breite liegt, die Falco seinen Hörern schon immer kredenzte. Nicht alles ist Pop, auch Techno, HipHop und in Anleihen auch Rock gibt es zu hören. So ist zumindest für jeden etwas dabei. Alles in allem sehr überzeugend und auch ein Stück Geschichte deutscher Musik. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Rock Me Amadeus, Kommissar, Out Of The Dark, Jeanny