Freitag, 2. Oktober 2015

Saga – Saga




Saga – Saga


Besetzung:

Michael Sadler – keyboards, vocals, moog, bass guitar
Ian Crichton – guitars
Peter Rochon – keyboards, vocals, moog synthesizer
Jim Crichton – bass guitar, synthesizer, moog synthesizer
Steve Negus – drums, percussion, moog synthesizer


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. How Long? (4:00)
2. Humble Stance (5:46)
3. Climbing The Ladder (4:43)
4. Will It Be You? (Chapter Four) (7:10)
5. The Perfectionist (5:44)
6. Give 'Em The Money (4:24)
7. Ice Nice (6:53)
8. Tired World (Chapter Six) (7:05)

Gesamtspieldauer: 45:48



Manchmal dauert es wirklich, bis sich einem eine bestimmte Musik „aufschließt“. So geschehen in meinem Fall mit dem ersten, selbstbetitelten Album von Saga aus dem Jahr 1978. Die Scheibe gilt bei vielen der Fans der Band als die beste, die die Kanadier, die heute immer noch aktiv sind, jemals veröffentlicht haben. Bei mir lag diese Platte jahrelang herum, nach dem ersten Antesten geriet sie irgendwie in Vergessenheit – leider muss ich heute hier anfügen.

Dass wir am Anfang nicht zusammenfanden mag vielleicht daran liegen, dass Saga unter dem Label „Progressive Rock“ gehandelt wird. Doch ist das echt Progressive Rock? Nach dem ersten Hören war das etwas enttäuschend, klang hier doch so Vieles nach Mainstream, AOR oder Sonstiges. Dann fängt man an, solch eine Seite zu füttern und hört seine ganzen Scheiben noch mal durch. Und plötzlich stellt man fest, dass diese Musik wahrlich überzeugend klingt und zum anderen durchaus auch progressive Ansätze enthält. Letzteres ist eigentlich vollkommen egal, denn es ist die Musik die überzeugt, nicht beim ersten, jedoch spätestens beim dritten Mal des Hörens.

Jetzt sind die Nummern der Kanadier plötzlich eingängig, harmonisch und überzeugend. „How Long?“ kennt man sowieso, das erste Stück auf dem ersten Album der Band dürfte auch gleich ihr bekanntestes Stück sein. Doch auch die weiteren Lieder lohnen sich. Dieses Zusammenspiel der Instrumente überzeugt. Synthesizer und Gitarre bildeten wohl nur selten eine perfektere Einheit als auf „Saga“. Die Musik ist keineswegs „hart“, jedoch mitreißend aufgrund ihres Abwechslungsreichtums und eben diesem wahrlich begeisternden Zusammenspiel der Instrumente.

Am Überzeugensten sind Anfang und Ende des Albums geraten. Hier klingen Saga mal bombastisch, mal zart. Hier wird gerockt und man hört nachdenklichere, ruhigere Töne. Hier gibt es auch die Melodien zu entdecken, die einen dazu bewegen Musik zu hören. Melodien, die bewirken, dass man Musik als Bereicherung des täglichen Lebens wahrnimmt und dankbar dafür ist.

Fazit: Das klingt schon sehr überzeugend, dieses Debut der kanadischen Rockband Saga. Auch wenn hier nicht alles gleich beim ersten Hören mitreißt, so reift die Musik doch im Ohr des Konsumenten und wächst dann deutlich. Die Melodien packen einen und es ist wahrlich keine 08/15-Musik mehr. Irgendwo angesiedelt zwischen Rock und Progressive Rock macht diese Scheibe viel Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: How Long?, Humble Stance, Ice Nice, Tired World (Chapter Six) 



Donnerstag, 1. Oktober 2015

Marilyn Manson – Antichrist Superstar




Marilyn Manson – Antichrist Superstar


Besetzung:

Marilyn Manson – vocals, guitar and pan flute
Daisy Berkowitz – lead and rhythm guitar
Twiggy Ramirez – lead and rhythm guitar, acoustic guitar, bass
Madonna Wayne Gacy – all keyboards, loops and other original pieces of 16-bit audio information
Ginger Fish – drums, programming


Gastmusiker:

Sean Beavan – guitar (2), guitar synthesizer
Trent Reznor – mellotron (6), guitar (7,9) rhodes piano (16)
Robin Finck – guitar
Danny Lohner – guitar (10,15)
Chris Vrenna – drums (11)


Label: Interscope


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Industrial Metal


Trackliste:

Cycle I: The Heirophant

1. Irresponsible Hate Anthem (4:17)
2. The Beautiful People (3:38)
3. Dried Up, Tied And Dead To The World (4:15)
4. Tourniquet (4:29)

Cycle II: Inauguration Of The Worm

5. Little Horn (2:43)
6. Cryptorchid (2:44)
7. Deformography (4:31)
8. Wormboy (3:56)
9. Mister Superstar (5:04)
10. Angel With The Scabbed Wings (3:52)
11. Kinderfeld (4:51)

Cycle III: Disintegrator Rising

12. Antichrist Superstar (5:14)
13. 1996 (4:01)
14. Minute Of Decay (4:44)
15. The Reflecting God (5:36)
16. Man That You Fear (6:10)
17. None-Musical Silence (0:04)
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97. None-Musical Silence (0:04)
98. None-Musical Silence (0:05)
99. Empty Sounds Of Hate (hidden track) (1:39)

Gesamtspieldauer: 1:21:42




„Antichrist Superstar“ heißt das zweite, offizielle Album der US-amerikanischen Rock Band Marylin Manson. Es erschien 1996 bei Interscope Records und wenn man ganz ehrlich ist, so wird man diese Musik wohl kaum mit dem Attribut „schön“ umschreiben können. Sehr viel Geschrei gibt es auf dieser Scheibe zu hören, die trotzdem in den amerikanischen Billboard Charts bis auf Platz 3 kletterte. Inzwischen wurden von dem Album weltweit über sieben Millionen Kopien abgesetzt und das Rolling Stone Magazin erklärte die Grunge Ära nach dem Erscheinen von „Antichrist Superstar“ für beendet. Ganz schön viel Aufmerksamkeit also für ein Album, angefüllt mit Industrial Metal Music, welches sogar Teil einer Trilogie darstellt. Obwohl zuerst veröffentlicht, bildet es angeblich den letzten Teil einer Trilogie mit den Alben „Mechanical Animals“ aus dem Jahr 1998 und „Holy Wood (In The Shadow Of The Valley Of Death)“ aus dem Jahr 2000. Eine in umgekehrter Reihenfolge veröffentlichte Trilogie? Na, wenn das mal nicht Satan seine Finger mit im Spiel hatte…

Die Musik auf „Antichrist Superstar“ ist natürlich pickelharter Industrial Metal, keineswegs was für Weicheier. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich anscheinend wohl auch etwas in diese Richtung bewege. Ich entdecke hier zwar auch die ein oder andere geniale Stelle, wo mich die Kraft dieser Musik durchaus packt und mitreißt, allerdings finden sich auch immer wieder sehr verstörende Titel auf der Scheibe. Dort kann ich dann zwar die Musik zumindest noch nachvollziehen, beim Gesang wird es allerdings wirklich deutlich schwieriger. Das grenzt dann schon mitunter sehr an Geschrei. Ach was, das ist dann Geschrei. Die Nummer „Little Horn“ wäre hierfür ein ganz nettes Beispiel.

Nun, jedoch gibt es auch einige wirklich sehr überzeugende Stellen auf dieser Scheibe, bei denen sich dann zu dem jetzt gelungenen Gesang, der Geschwindigkeit, der dieser Musik innewohnenden Kraft, auch noch eine wahrlich überzeugende Melodie gesellt. Das macht dann durchaus Laune. Oder so eine Nummer wie „Cryptorchid“, garantiert nicht zufälligerweise der nächste Titel nach „Little Horn“. Hier klingen Marilyn Manson nicht nur sehr ruhig, sondern auch wirklich witzig. Ein bisschen mehr solcher Abwechslung hätte der Scheibe garantiert nicht schlecht getan. 

Fazit: „Antichrist Superstar“ ist Industrial Metal. Ich glaube kaum, dass es viel „männlichere“ Musik auf dieser Welt gibt. Diese Art der Musik könnte das genaue Gegenstück zur Musik von zum Beispiel Enya sein, dazwischen liegen die restlichen Ausprägungen – geschlechtsspezifisch betrachtet – der musikalischen Genres Rock und Pop. Naja zumindest grob gesehen. Auf „Antichrist Superstar“ hört man also knallharten Rock, der gar nicht den Anspruch erhebt, schön zu klingen. Jedoch möchte diese Musik laut klingen und das macht sie auch. Und wenn man dann auch noch die ebenfalls harten und unverblümten Texte mag, dann steht dem Hörgenuss echt nichts mehr im Wege. Für die Harten, die mit dem Garten… Acht Punkte.

Anspieltipps: Cryptorchid, Mister Superstar



Mittwoch, 30. September 2015

Dream Theater – Images And Words




Dream Theater – Images And Words


Besetzung:

James LaBrie – lead vocals
John Petrucci – guitar, background vocals
Kevin Moore – keyboard
John Myung – bass
Mike Portnoy – drums, percussion, background vocals on "Pull Me Under"


Gastmusiker:

Jay Beckenstein – soprano saxophone on "Another Day"


Label: ATCO


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. Pull Me Under (8:14)
2. Another Day (4:23)
3. Take The Time (8:21)
4. Surrounded (5:30)
5. Metropolis – Part I: The Miracle And The Sleeper (9:32)
6. Under A Glass Moon (7:03)
7. Wait For Sleep (2:31)
8. Learning To Live (11:30)

Gesamtspieldauer: 57:06




„Images And Words” heißt das zweite Album der amerikanischen Progressive Metal Band Dream Theater, welches 1992 auf dem Label ATCO veröffentlicht wurde. Vieles war neu bei Dream Theater. Die Band hatte einen neuen Plattenvertrag unterschrieben und mit James LaBrie einen neuen Sänger an Board, der aus zahlreichen Kandidatenbewerbungen letztendlich den Zuschlag bekam und seither das stimmliche Aushängeschild von Dream Theater darstellt.

Nun, „Images And Words” ist ganz klar eines jener Alben, in die man sich erst einmal reinhören muss. Klingt die Musik zu Beginn immerhin interessant und spannend, so wächst sie mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe. Die Melodien werden immer vertrauter und wirken plötzlich deutlich harmonischer und melodiöser. Man hört hier zwar durchaus an manchen und gar nicht wenigen Stellen Metal, jedoch schafft es die Band diesen mit wunderschönen Harmonien zu versehen, sodass immer die Eingängigkeit der Musik von Dream Theater auf „Images And Words” im Vordergrund steht.

Dazu verstehen sich die Musiker bestens auf ihr Handwerk, jede Note, jeder Takt ist exakt auf den Punkt gespielt, die Gitarrensoli sind begeisternd und auch der progressive Anteil in der Musik der Band kommt nicht zu kurz. Zwar keineswegs bei jedem Titel, doch sehr oft gibt es sie, diese Rhythmus- und Tempowechsel, laute und leise Abschnitte, krumme Takte und mitunter auch scheinbar schiefe Töne. Das wirkt dann alles schon sehr überzeugend und auch spannend. Dazu klingt die Musik nicht selten bombastisch und kraftvoll, reißt einfach mit. Nicht ganz so überzeugend finde ich persönlich an manchen Stellen den Gesang des James LaBrie. Dieser klingt an den schnelleren und auch höheren Stellen durchaus überzeugend, in wenigen ruhigeren Abschnitten jedoch unbegreiflicherweise etwas seicht.

Fazit: Progressive Metal ist bestimmt nicht für jeden etwas. Und schon gar nicht für Menschen, die gleich beim ersten Hören von der Musik überzeugt werden wollen. In die Musik von Dream Theater muss man sich einhören und das ist nicht einfach mal so nebenbei passiert. Das bedarf einer gewissen Reifungsphase im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Nimmt man sich allerdings diese Zeit und ist dem Genre Metal auch nicht ganz abgeneigt, dann lohnt sich eine Griff zu „Images And Words” allemal. Auch bei vielen Fans von Dream Theater wird „Images And Words” als das beste Album gehandelt, welches die Band bisher veröffentlichte. Elf Punkte.

Anspieltipps: Pull Me Under, Metropolis – Part I: The Miracle And The Sleeper



Dienstag, 29. September 2015

Billy Idol – Rebel Yell




Billy Idol – Rebel Yell


Besetzung:

Billy Idol – vocals, guitar, arrangements


Gastmusiker:

Steve Stevens – synthesizer, guitar, bass guitar, keyboards
Sal Cuevas – bass guitar
Steve Webster – bass guitar
Judi Dozier – keyboards
Jack Waldman – keyboards
Thommy Price – drums
Gregg Gerson – drums
Mars Williams – saxophone
Perri Lister – vocals, background vocals


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Rock, New Wave


Trackliste:

1. Rebel Yell (4:45)
2. Daytime Drama (4:02)
3. Eyes Without A Face (4:58)
4. Blue Highway (5:05)
5. Flesh For Fantasy (4:37)
6. Catch My Fall (3:57)
7. Crank Call (3:56)
8. (Do Not) Stand In The Shadows (3:10)
9. The Dead Next Door (3:45)

Gesamtspieldauer: 38:10




Eine Ansammlung von Hits der 80er Jahre präsentiert Billy Idol hier seinen Fans mit dem 1983 erschienenen, seinem zweiten Album, „Rebel Yell“. Vier Singleauskopplungen gab es von dieser Scheibe und diese vier Singles, „Rebel Yell“, „Eyes Without A Face”, „Flesh For Fantasy” sowie „Catch My Fall“ verkauften sich in vielen westlich geprägten Ländern sehr gut – wie das Album selbst, welches in den dortigen Hitparaden fast überall einstellige Chartpositionen erklomm.

Geschrieben hat die Musik Billy Idol wieder in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen und Keyboarder Steve Stevens, der auch auf der Rückseite des Albums mit abgebildet wurde. Nun, wenn man mal in die Musik und den Klang der 80er, abseits vom zu synthetischen Sound – der vielen New Wave Bands der damaligen Zeit anhaftete – eintauchen möchte, dann bietet sich diese Scheibe wahrlich an. „Rebel Yell“ rockt, auch wenn hier natürlich ebenfalls durchaus sanftere Titel vertreten sind. Jedoch gibt es immer auch eine Gitarre zu hören und eben nicht nur einen Synthesizer.

Dabei gehen die Lieder schnell ins Ohr, egal ob dies nun die Single-Auskopplungen sind oder die eher unbekannteren Nummern des Albums. Den Höhepunkt stellt für mich allerdings ganz klar das Titellied „Rebel Yell“ dar. Wirklich eine überzeugende Rock-Nummer, die in den 80ern sogar in den Discos rauf- und runterlief, obwohl dort in so manchem Tempel eher eine andere Musik bevorzugt wurde. Allerdings, auch die anderen Titel besitzen die Eigenschaft, nicht nur beim ersten Hören zu überzeugen, sondern genauso sehr viel länger im Ohr zu verbleiben.

Fazit: Das ist schon sehr eingängige Musik, die Billy Idol hier auf diese Platte pressen ließ. Angesiedelt ist diese irgendwo im Zwischenbereich von Rock und New Wave. Die Gitarren spielen also durchaus eine gewichtige Rolle. Jede Menge sehr unterhaltende Lieder befinden sich auf der Scheibe. „Rebel Yell“ ist noch mal deutlich gelungener geworden, als das selbstbetitelte Debut „Billy Idol“. Dieses 80er Jahre Gefühl lebt auf, die Musik klingt, geht ins Ohr… Was mag mein eigentlich mehr? Gute Unterhaltung. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Rebel Yell



Montag, 28. September 2015

The Inchtabokatables – Too Loud




The Inchtabokatables – Too Loud


Besetzung:

Moeh – basses, piano, piano on “Wer?”
Deutung – violoncello
Herr Jeh – violin, programming
Dr. T.B. ex K.M.N. – drums, funny samples
BB – vocals, violin
Vadda – ears


Label: BMG


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Rock, Mittelalter Rock, Industrial Rock


Trackliste:

1. Red Skies (4:51)
2. Confined Love (4:00)
3. Selling Our Souls (3:28)
4. Destination (4:16)
5. Destination (Reprise) (2:18)
6. You Chained Me Up (4:30)
7. Too Loud (3:57)
8. Kiss Your Ear (Six) (4:29)
9. Watch Out (5:12)
10. Chachoo - Choocha (3:04)
11. My Eyes (3:33)
12. Wer? (3:40)
13. Sleep Well (5:49)

Gesamtspieldauer: 53:14




Ihr fünftes und bisher vorletztes Album nannten die fünf Berliner der Band The Inchtabokatables „Too Loud“. Veröffentlicht wurde die Scheibe 1998 und stellt schon einen großen Stilbruch im bisherigen musikalischen Oevre der Band dar. Folk ist out, dafür geht die Musik sehr viel eher in die Richtung Industrial Rock, wenn sich auch immer noch vereinzelte Mittelalter-Klänge in die einzelnen Lieder verirren.

Natürlich gibt es auch noch jede Menge Streicherpassagen auf der Scheibe, jedoch wurden diese oftmals sehr stark verfremdet. Somit erinnert nicht mehr allzu viel an die ersten drei eher folkigen Alben. Die Inchtabokatables klingen nun deutlich rockiger, verzerrter und lauter. Von daher passt der Albumtitel sogar sehr gut. Klar war den Musikern sicherlich auch, dass dies einigen Fans der ersten Stunde nicht mehr gefallen würde Auf den Konzerten der Band wurde nun allerdings noch ausgelassener mitgetanzt. Von daher: Wohl alles richtig gemacht.

Mich überzeugt das, was ich hier zu hören bekomme ebenfalls, denn dieser Klang, diese Arrangements, das hat schon was. Rock Musik mit vielen Streichern, ohne dabei auch nur den Hauch einer Klassikadaption zu versprühen, das gibt es nicht zu oft. Die Melodien gehen dabei ins Ohr, haben auch die Qualität, dort sehr viel länger zu verbleiben. Das macht durchaus Spaß. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist die etwas deutsche Aussprache so mancher Textzeile. Gerade auch bei dieser Art der Musik wären deutsche Texte, die es ja zum Teil auch auf „Too Loud“ gibt, vielleicht eine noch gelungenere Sache gewesen.

Fazit: „Too Loud” ist eine sehr überzeugende Scheibe geworden, die Spaß macht. Sehr viel Abwechslung gibt es darauf zu hören. Manch rockiger Abschnitt reiht sich an fast schon meditative Klangwiederholungen. Mal zart, mal hart und dabei immer ins Ohr gehend. Wer mal das etwas Außergewöhnliche in der Musik hören möchte, die oder der kann hier getrost zugreifen, denn das hier ist schon nicht mehr ganz so alltäglich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Red Skies, Too Loud, Watch Out



Sonntag, 27. September 2015

INXS – Underneath The Colours




INXS – Underneath The Colours


Besetzung:

Garry Gary Beers – bass guitar
Andrew Farriss – guitar, keyboards
Jon Farriss – percussion, drums
Tim Farriss – guitar
Michael Hutchence – vocals
Kirk Pengilly – guitar, saxophone, vocals


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: New Wave


Trackliste:

1. Stay Young (3:24)
2. Horizons (5:12)
3. Big Go Go (3:11)
4. Underneath The Colours (3:59)
5. Fair Weather Ahead (4:14)
6. Night Of Rebellion (3:44)
7. Follow (3:53)
8. Barbarian (2:59)
9. What Would You Do (3:08)
10. Just To Learn Again (4:46)

Gesamtspieldauer: 38:34




Wenn man INXS eher von den späteren Jahren her kennt – und damit sind jene gemeint, kurz vor dem Tod des Michael Hutchence – dann dürfte man beim erstmaligen Hören dieser Scheibe einigermaßen überrascht sein zu erfahren, dass dies ebenfalls INXS sind, die sich da gerade vor dem Ohr des Musikhörers präsentieren. „Underneath The Colours“ ist das zweite Studioalbum der Australier. Es erschien im Jahr 1981 und enthält New Wave Musik, von Rock, wie in den bereits erwähnten späteren Jahren, kann hier wirklich nur am Rande gesprochen werden.

Auf dem Cover sind stilisierte Menschen abgebildet und diese tanzen. Und genau ein solches Bild trifft auch den Inhalt dieses Albums, welches oftmals funkig klingt, ganz offenbar tanzbar sein möchte, dem der Geruch des Synthetischen anhaftet und leider dabei so überhaupt nicht überzeugen kann. In einem Interview sagte Gitarrist und Saxophonist Kirk Pengilly mal sinngemäß über diese Scheibe, dass sie damit etwas überfordert gewesen waren. Sie seien noch auf Tour mit ihrer ersten Platte gewesen und sollten gleich eine neue Scheibe nachliefern. Darauf waren sie nicht vorbereitet gewesen und dadurch hätte die Qualität auf „Underneath The Colours“ ein klein wenig gelitten. Das kann man eigentlich genau so stehenlassen.

Die Platte läuft im Grunde genommen einfach so durch. Da hat man als Hörerin oder Hörer nicht diesen magischen Moment, der einen aufhorchen lässt. Man entdeckt nicht die Melodie, die einen umgarnt, das Ohr umschmeichelt. Kurz gesagt, die Platte ist stinklangweilig. Zwar befindet sich darauf keine Musik, die einen Reißaus nehmen lässt, jedoch jede Menge Belanglosigkeiten. Überraschend ist dabei, wie aus dieser Band INXS jene Band INXS werden konnte, die solch Alben wie „Welcome To Wherever You Are“ schrieb. Und noch etwas wird sehr deutlich. Michael Hutchence muss unglaublich viel an seiner Stimme gearbeitet haben, denn hier klingt diese noch so gar nicht überzeugend, an manchen Stellen richtiggehend seicht.

Leider passt das Siegel der Belanglosigkeit zu praktisch jedem Titel auf „Underneath The Colours“. Einzige Ausnahme ist dabei die Nummer „Just To Learn Again“, gleichzeitig das letzte Lied des Albums. Hier klingen INXS, das Saxophon erzeugt hier Spannung und die Melodie schafft es sogar sich festzusetzen. Leider muss man allerdings bis ganz zum Schluss der Platte warten, um in diesen Genuss zu kommen.

Fazit: New Wave gibt es auf „Underneath The Colours“ zu hören. Leider ist das hier allerdings New Wave der eher langweiligen Sorte. Keine Melodien, die einen packen, kein Titel, der einen einwickelt. Alles wirkt ein wenig belanglos, austauschbar und überflüssig. Es gibt definitiv jede Menge andere Platten, die einem das Leben sehr viel mehr versüßen – auch von INXS. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Just To Learn Again



Samstag, 26. September 2015

Iron Maiden – The Number Of The Beast




Iron Maiden – The Number Of The Beast


Besetzung:

Bruce Dickinson – lead vocals
Dave Murray – guitar
Adrian Smith – guitar
Steve Harris – bass guitar
Clive Burr – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Heavy Metal


Trackliste:

1. Invaders (3:24)
2. Children Of The Damned (4:35)
3. The Prisoner (6:03)
4. 22 Acacia Avenue (6:37)
5. The Number Of The Beast (4:51)
6. Run To The Hills (3:54)
7. Gangland (3:49)
8. Total Eclipse (4:25)
9. Hallowed Be Thy Name (7:12)

Gesamtspieldauer: 44:53




„The Number Of The Beast“ nannte die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden ihr drittes Studioalbum, welches im März 1982 veröffentlicht wurde. Der neue Sänger hieß nun Bruce Dickinson und die Scheibe wurde im Laufe der Jahre zu einem Klassiker und gilt bei vielen Fans der Band als die beste, die Iron Maiden jemals veröffentlicht hat.

Nun und das, was die beiden Gitarristen Dave Murray und Adrian Smith hier zusammen mit ihren Bandkollegen auf Platte pressten, das ist es wahrlich wert gehört zu werden – wenn man denn auch mal auf die etwas härteren Töne in der Musik steht. Ein phantastisches Gitarren-Solo reiht sich hier an das nächste, „The Number Of The Beast“ ist eine Vollgasveranstaltung, bei der auch Bassist Steve Harris sowie Drummer Clive Burr alles perfekt auf den Punkt bringen. Ergänzt wird das Ganze durch die überzeugende Rock-Stimme des Bruce Dickinson und fertig ist das begeisternde Heavy Metal Album.

„Begeisternd auch deswegen, da die Musik hier einfach klingt“ – mitunter muss solch eine Phrase einfach mal herhalten, um zu sagen, dass alles passt. Die Musik auf der Scheibe ist kein stumpfes „Geschrammel“, nur um schnell und laut zu wirken oder sich so anzuhören. Nein, die einzelnen Titel wurden durchaus mit wunderschönen Melodien von den Musikern ausgestattet, wodurch diese noch begeisternder klingen. Viele der Lieder auf „The Number Of The Beast“ entwickeln sich im Laufe der Zeit zu wahren Ohrwürmern, die nachhallen und dem Innern einfach nicht mehr verloren gehen. Die Platte steckt voller Dynamik, wirkt durchdacht und trotzdem keineswegs in Richtung Stadion-Rock abdriftend. Klar wollten die Musiker mit der Scheibe Erfolg haben, wer will das nicht? Aber die Musik von Iron Maiden klingt hier an keiner Stelle anbiedernd – und das ist gut so.

Fazit: Ein sicherlich wegweisendes Album ist Iron Maiden mit „The Number Of The Beast“ gelungen. Wegweisend für das Genre des Heavy Metal. Die Musik ist mitreißend und überzeugt immer wieder. Inhaltlich geht es jetzt mal mehr um den Teufel, als um die Liebe. Auch irgendwie eine Wohltat, allein schon wegen der Abwechslung und man hört kein „Oh, I love you and I hope you love me too“.Nun, „The Number Of The Beast“ ist ein Heavy Metal Album, man hört härteren Rock, ausgestattet mit einnehmenden Melodien. Das lohnt sich sehr, wenn man ein Ohr dafür hat. Elf Punkte.

Anspieltipps: 22 Acacia Avenue, Hallowed Be Thy Name



Freitag, 25. September 2015

Intersphere – Interspheres >< Atmospheres




The Intersphere – Interspheres >< Atmospheres


Besetzung:

Christoph Hessler – vocals
Thomas Zipner – guitars
Sebastian Wagner – bass
Moritz Müller – drums


Label: Initiative Musik


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Right Through Me (2:47)
2. Prodigy Composers (4:05)
3. Ghostwriter (4:04)
4. Snapshot (4:19)
5. Early Bird (3:28)
6. In Satellites (2:36)
7. I Have A Place For You On Google Earth (7:41)
8. Interspheres >< Atmospheres (4:36)
9. State Of The Divine (3:24)
10. Soapbubbles In The Rain (4:38)
11. The Far Out Astronaut (3:50)
12. Tear Down The Walls (5:43)

Gesamtspieldauer: 51:16




„Interspheres >< Atmospheres“ heißt das zweite Album der Mannheimer Independent Band The Intersphere. Im Jahr 2010 wurde es veröffentlicht und wer käme beim Hören schon auf die Idee. Dass es sich bei The Intersphere um eine deutsche Band handeln könnte? Wohl kaum jemand. Ganz in der Tradition überzeugender englischsprachiger Kollegen, haben die vier Musiker mit dieser Scheibe eine sehr überzeugende vorgelegt.

Die Platte läuft in einem Guss durch, macht einfach Spaß. Die Jungs können rocken, lassen jedoch auch mal die nachdenklicheren Momente zu. Dabei überzeugt jeder Titel, man kann die Fernbedienung seines Players also getrost außer Reichweite liegen lassen, denn zum Überspringen gibt es da wahrlich nichts. Die Lieder zünden bereits beim ersten Hören und noch besser, sie verbleiben auch im Ohr. Die Melodien packen einen also, es klingt immer harmonisch, egal wie sehr da gerockt wird.

Einen richtigen Höhepunkt herauszupicken fällt schwer, da die Musik durchaus breit gefächert ist und man somit der ganzen Bandbreite dieser Scheibe nicht völlig gerecht werden würde. Am ehesten erwähnen möchte ich hier dann aber doch „I Have A Place For You On Google Earth“, da die Nummer in sich mehrere Teile und Abschnitte aufweist, die mal verspielt, mal rockig und dann sogar auch ein wenig experimentell daherkommen. Das wirkt wiederum sehr spannend und gut durchdacht. Ins Ohr geht das Ganze dann auch noch, was will man also mehr? Nun und dann soll hier auch noch „Prodigy Composers“ Erwähnung finden. Eine mitreißende Nummer, Independent Rock at it's best.

Die vier Musiker überzeugen auch an ihren Instrumenten. Alles wird exakt auf den Punkt gespielt, wirkt reif. Die Stimme des Christoph Hessler überzeugt in den leisen wie rockigeren Abschnitten. Auch die Instrumentalisten können auf der Gitarre, am Bass und am Schlagzeug zeigen, dass sie da allerhand drauf haben. Es passt einfach.

Fazit: „Interspheres >< Atmospheres“ ist eine sehr gelungene Scheibe geworden. Die Musik überzeugt und geht ins Ohr. Natürlich wird jeder hier auch seine Höhepunkte finden, Lieder, die einem noch etwas mehr zusagen, als andere. Geschmackssache eben. Auf jeden Fall gibt es hier gut gemachten Rock zu hören, der durchaus immer wieder mitreißend ist und den englischen Kollegen in nichts nachsteht. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Prodigy Composers, I Have A Place For You On Google Earth



Donnerstag, 24. September 2015

Edgar Broughton Band – In Side Out




Edgar Broughton Band – In Side Out



Besetzung:

Edgar Broughton – vocals, guitar
Arthur Grant – bass guitar, vocals
Steve Broughton – drums, vocals
Victor Unitt – guitars, vocals



Label: EMI



Erscheinungsdatum: 1972



Stil: Psychedelic Rock



Trackliste:

1. Get Out of Bed / There's Nobody There / Side by Side (3:41)
2. Sister Angela (0:43)
3. I Got Mad (3:35)
4. They Took It Away (2:27)
5. Homes Fit For Heroes (4:19)
6. Gone Blue (3:10)
7. Chilly Morning Mama (4:36)
8. The Rake (2:42)
9. Totin' This Guitar (1:41)
10. Double Agent (2:56)
11. It's Not You (6:14)
12. Rock 'n' Roll (2:57)

Gesamtspieldauer: 39:06



Nun, sonderlich erfolgreich wurde sie nie, die Edgar Broughton Band. Jene Band, die es selbst heute noch zu geben scheint, die allerdings 1981 ihr letztes Album veröffentlichte. Nun, ein wenig Aufmerksamkeit haben die Musiker mit diesem vierten Album ihrer Bandgeschichte jedoch schon erhalten – und das durchaus gerechtfertigt.

Auf „In Side Out“ hört man guten gemachten Rock, der wieder mal nur sehr selten Psychedelic Rock ist, unter welchem Genre die Band auch heute noch immer gehandelt wird. Diese Rock Musik ist sehr eingängig und am stärksten „psychedelisch“ klingt da noch der Gesang des Edgar Broughton selbst, der seine Stimme immer wieder variiert und oftmals auch den zu singenden Textzeilen anpasst.

Sehr gelungen sind mal wieder die etwas ruhigeren Passagen in der Musik der Edgar Broughton Band. Da wäre zunächst der aus drei Liedern bestehende Opener „Get Out Of Bed / There's Nobody There / Side By Side“. In dieser Nummer wird zwar auch das Tempo in etwa der Mitte deutlich angezogen und das Stück rockt, eingängig bleibt sie jedoch auch hier. Das kurze „Sister Angela“ ist ein sehr verspielter Titel, wieder sehr harmonisch und wohl nicht ganz ernst zu nehmen. Ebenfalls nicht allzu lange läuft „Totin' This Guitar“. Geht ins Ohr und klingt überaus witzig.

Nun und der Rest ist gut gemachte Rock Musik, der man allerdings das Alter durchaus anhört. Mal sind die Titel sanfter, dann wieder deutlich rockiger, wie das ebenfalls gelungene „It's Not You“, welches in seinem weiteren Verlauf dann wirklich noch psychedelische Züge aufweist.

Fazit: Wahrlich kein „Überalbum” ist diese vierte Scheibe der Edgar Broughton Band geworden – allerdings mit Sicherheit auch keine schlechte Platte. Guter Durchschnitt eben, mit dem die Hörerin beziehungsweise der Hörer gut bedient wird, die oder der auf einen leicht Patina angesetzten Sound steht, welcher mit gut gemachtem Rock transportiert wird. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sister Angela, Totin' This Guitar, It's Not You



Mittwoch, 23. September 2015

Emerson, Lake and Palmer – Brain Salad Surgery




Emerson, Lake and Palmer – Brain Salad Surgery


Besetzung:

Keith Emerson – hammond organs, piano, harpsichord, accordion, moog modular IIIc synthesizer, moog minimoog synthesizer, moog constellation polyphonic ensemble, ring-modulated "computer" voice on "Karn Evil 9: 3rd Impression"
Greg Lake – vocals, acoustic, electric, and twelve-string guitars, bass guitar, production
Carl Palmer – drums, percussion, gongs, timpani, tubular bells, percussion synthesizers


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Jerusalem (2:45)
2. Toccata (7:22)
3. Still... You Turn Me On (2:53)
4. Benny The Bouncer (2:21)
5. Karn Evil 9: 1st Impression, Pt. 1 (8:37)
6. Karn Evil 9: 1st Impression, Pt. 2 (4:45)
7. Karn Evil 9: 2nd Impression (7:07)
8. Karn Evil 9: 3rd Impression (9:07)


Bonus Tracks der remasterten Albumveröffentlichung:

9. Brain Salad Surgery (3:08)
10. When The Apple Blossoms Bloom In The Windmills Of Your Mind I'll Be Your Valentine (3:57)
11. Excerpts From Brain Salad Surgery (2:51)

Gesamtspieldauer: 54:57




„Brain Salad Surgery“ heißt das fünfte Album von Emerson, Lake and Palmer, rechnet man „Pictures At An Exhibition“ jetzt mal mit ein. Im Jahre 1973 wurde die Platte veröffentlicht und gilt bei vielen Fans als die Beste, welche Emerson, Lake & Palmer jemals veröffentlicht haben. Ob das so ist, mag jeder für sich selbst entscheiden, auf jeden Fall ist die Platte eine der sperrigsten und zumindest beim ersten Hören auch unzugänglichsten von Emerson, Lake & Palmer.

Dabei fängt die Scheibe noch recht unspektakulär und irgendwie typisch Emerson, Lake & Palmer an. Der Titel „Jerusalem“, ursprünglich von William Blake und Hubert Parry geschrieben und von den drei Musikern der Band adaptiert, beinhaltet diesen typischen Fanfaren-Sound des Keith Emerson, zu dem Greg Lake fast schon ein wenig pathetisch singt. Durchaus überzeugend umgesetzt, wobei der Titel selbst nicht so ganz überzeugen kann. Es folgt mal wieder eine Klassikadaption. „Toccata“ von Alberto Ginastera wurde von Keith Emerson überarbeitet und weist lediglich noch in den Grundzügen Ähnlichkeit zum Original auf. Ein praktisch völlig neues Lied ist entstanden, aggressiv und fordernd, wie so oft im progressiven Rock der Band. Das klingt auch alles sehr überzeugend, einschließlich des Schlagzeug Abschnitts des Carl Palmers in der Mitte des Stücks. Bis, ja bis irgendwelches „Computergebimmel“ startet und man glaubt in eine Spielhölle versetzt worden zu sein, in der gerade alle Spielautomaten dabei sind völlig auszuticken.

Was nun folgt, ist Harmonie pur. „Still... You Turn Me On“. In der Tradition eines Titels wie „Lucky Man“ vom Debut-Album, breiten sich nun wieder wunderschöne Melodien vor dem Ohr der Hörerin, des Hörers aus. Ein Lied, welches sofort ins Ohr geht. Leider wird die Tradition, bestimmte Liedarten auf einer Platte unterzubringen auch mit dem obligatorischen Music-Hall-Titel fortgeführt. „Benny The Bouncer“ ist so etwas von unfassbar schlecht und hat nun so gar nichts mit dem Rest dieser Platte zu tun, dass man sich fragt, ob diese Nummer wirklich von dieser Band stammt. Und wenn man sich dessen sicher wurde fragt man sich: „Hm, ist das jetzt das schlechteste Lied von Emerson, Lake & Palmer oder doch eher… Der Gesang, die Musik, alles grauenvoll!

Es folgt das fast dreißigminütige, in vier Abschnitte unterteilte Hauptstück des Albums: „Karn Evil 9“. Diese Nummer ist eine Achterbahnfahrt durch die Genres Progressive Rock und zum Teil auch Jazz. Überaus abwechslungsreich, zumeist aggressiv und auch nach vorne preschend. Manchmal allerdings auch, jedoch nur selten wirklich melodisch. Hierfür muss man sich auf jeden Fall die nötige Zeit nehmen, „Karn Evil 9“ darf und kann man überhaupt nicht nebenbei hören. Die Nummer ist wahrlich spannend und aufregend und wohl überhaupt nur Freunde des Progressive Rock, wie die des Jazz werden damit etwas anzufangen wissen. Eine der überzeugendsten Lieder von Emerson, Lake & Palmer.

Als Bonus der remasterten Ausgabe des Albums gibt es noch drei Zugaben. Muss man eigentlich nicht groß darüber schreiben. Diese drei kurzen Titel lohnen sich wohl noch nicht mal für Fans, außer man will wirklich alles seiner Band besitzen. Zugabe Nummer 3 ist dabei sowieso ein „Anspielen“ der Titel des Albums – in ungeordneter Reihenfolge und echt verzichtbar.

Fazit: Es ist wahrlich keine einfache Kost, die Emerson, Lake & Palmer hier der Musikwelt präsentieren. Sperriger, nicht unbedingt schnell – wenn überhaupt – ins Ohr gehender Progressive Rock. Anders sieht das schon bei Fans der Band aus, die dieses Album mit zum Besten zählen, was die Band jemals veröffentlichte. Nun es gibt darauf echt einen Titel, der fast nicht auszuhalten ist. „Benny The Bouncer“ ist ein abgrundtief schlechtes Lied. Aber es gibt auch sehr schöne und sehr spannende Momente auf dieser Scheibe. Das ist kein Prog von Genesis oder Yes aus derselben Zeit. Das ist Progressive Rock von Emerson, Lake & Palmer. Den liebt man oder den mag man nicht so. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Still... You Turn Me On, Karn Evil 9



Dienstag, 22. September 2015

Enya – A Day Without Rain




Enya – A Day Without Rain


Besetzung:

Enya – instruments and vocals


Label: WEA Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: New Age


Trackliste:

1. A Day Without Rain (2:38)
2. Wild Child (3:47)
3. Only Time (3:38)
4. Tempus Vernum (2:24)
5. Deora Ar Mo Chroí (2:48)
6. Flora's Secret (4:07)
7. Fallen Embers (2:31)
8. Silver Inches (1:37)
9. Pilgrim (3:12)
10. One by One (3:54)
11. The First Of Autumn (3:10)
12. Lazy Days (3:42)

Gesamtspieldauer: 37:34





„A Day Without Rain“ ist das sechste Album der Irin Enya, die im richtigen Leben eigentlich Eithne Patricia Ní Bhraonáin heißt. Im Jahr 2000 erschien diese Scheibe und verkaufe sich gar nicht mal so gut. Erst als ein Fernsehsender am 11. September 2001 unter die schrecklichen Bilder aus New York und Washington zur Untermalung die Nummer „Only Time“ legte, da starteten sowohl das Album sowie die Single durch.

New Age ist das Genre, was die Irin hier perfekt beherrscht. Unter ihre sanfte, sehnsüchtige und manches Mal auch irgendwie leidend klingende Stimme, mixt sie Lage über Lage von Synthesizer-Teppichen, die diese Musik zum Teil noch dramatischer, zum Teil noch trauriger klingen lässt. Entstanden ist das Ganze wie gesagt deutlich vor dem 11. September und ein Redakteur hat da sicher ein gutes Händchen gehabt, diese Musik zur Vertonung jener Bilder zu verwenden. Enya spendete übrigens die Erlöse aus dem Singleverkauf den Hinterbliebenen der Anschlagsopfer und den Feuerwehrleuten.

Hört man diese Platte heute, läuft es einem irgendwie manchmal kalt den Rücken hinunter. Jedoch nicht, wegen den Erinnerungen an diesen einen Tag. Klar klingt das alles sehr melodisch und harmonisch und die Nummern gehen auch ins Ohr. Jedoch ist die Musik so etwas von weich und süßlich, dass sie an manchen Stellen wie der Elbengesang aus dem nicht existierenden vierten Teil der Herr der Ringe Trilogie klingt. Für einen „normal“ interessierten Musikhörer mitunter echt harter Stoff, der zumindest auf Dauer manchmal schwer zu verdauen ist. Irgendwann während der knapp vierzig Minuten des Albums, fängt man ganz automatisch an, sich nach einer Gitarre, einem Schlagzeug oder irgendeinem Schrei zu sehnen. Jedoch kommt da einfach nichts, alles bleibt lieblich, sanft, weich, zärtlich, sentimental, melancholisch, traurig und eben auch süßlich – und zwar für immer!

Fazit: „A Day Without Rain“ ist ganz sicher tolle Musik, um irgendwelche Bilder zu untermalen und diese damit zu verstärken. So einfach zum Auflegen und anhören, taugt die Scheine nur bedingt. Da muss man schon eine große Sehnsucht nach einer Depression besitzen oder eben den Tag sehr melancholisch ausklingen lassen wollen, um hier tätig zu werden. Sie macht das gut, diese Enya, doch auf Dauer eben etwas zu einseitig bezogen auf die Stimmung. Acht Punkte.

Anspieltipps: Only Time



Montag, 21. September 2015

Klaus Schulze – 2001




Klaus Schulze – 2001


Besetzung:

Klaus Schulze – synthesizers


Label: Brain


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Gewitter (5:29)
2. Voices Of Syn (4:43)
3. Totem (4:25)
4. Mindphaser (4:52)
5. Blanche (5:23)
6. Crystal Lake (7:18)
7. Ludwig II. von Bayern (5:12)
8. Weird Caravan (4:59)
9. Amourage (5:09)
10. Silent Running (5:35)
11. Pain (4:28)
12. En=Trance (4:16)
13. The Beat Planante (4:37)
14. Miditerranean Pads (5:08)
15. Percussion Planante (5:49)

Gesamtspieldauer: 1:17:30




Wie heißt es so schön in dem beiliegenden Booklet zu „2001“, dem 1991 erschienenen Kompilationsalbum des Klaus Schulze: „Diese CD ist in doppelter Hinsicht eine Premiere: für Klaus Schulze, der, exklusiv für Sie, seine persönlichen Highlights aus seinem umfangreichen Oevre ausgewählt und nicht zu einer gewöhnlichen Best-Of-Kollektion aneinandergereiht, sondern aus ihnen neue 78-minütige „Picture Music“ (Albumtitel von 1975) komponiert hat; und für Sie, die Sie erstmals Gelegenheit haben, eine ebenso aufregende wie entspannende Zeitreise durch zwei Jahrzehnte im Schaffen dieses innovativen Tonbastlers zu unternehmen.

Da fragt man sich zunächst doch, ob so etwas überhaupt funktionieren kann. Eine Best-Of-Platte vom Klaus Schulze? Okay, ist ja keine Best-Of-Platte wie im Beiheft steht. Jedoch eine Auswahl von 15 Klaus Schulze Titeln müsste eigentlich eine Laufzeit von bald siebeneinhalb Stunden aufweisen, denn die Titel weisen häufig, sehr häufig Überlange auf. Nun, das wiederum bedeutet, man musste die einzelnen Nummern kürzen und das wurde auch gemacht. Aber darf man das? Geht damit nicht die Essenz eines Klaus Schulze Stücks verloren?

Man darf, denn „2001“ klingt fast wie ein eigenes Studioalbum. Herr Schulze hat sich beim Kürzen viel Mühe gegeben, sodass hier alles gewachsen zu sein scheint. Die einzelnen Nummern wurden passend zueinander arrangiert und scheinen fast ineinander überzugehen, obwohl dies gar nicht der Fall ist. So begibt man sich mit „2001“ auf eine musikalische Reise durch den Klang-Kosmos des Klaus Schulze. Schön ist dabei zu hören, wie die einzelnen Stücke des Berliners sich im Laufe der Jahre weiterentwickelten. Sind die Nummern, die hier auch chronologisch angeordnet sind, zu Beginn der Karriere des Klaus Schulze noch sehr sphärisch, so werden sie im weiteren Verlauf sehr viel rhythmischer und auch abwechslungsreicher. Dies soll jedoch keine Wertung darstellen, denn ihren Reiz besitzen alle künstlerischen Phasen des Klaus Schulze.

Fazit: Obwohl es Kompilations-Album ist, was es im Falle von Klaus Schulze bei dessen Liedlängen ja kaum geben kann und somit auf Kürzungen zurückgegriffen werden musste, trotz dieses Umstands lohnt sich die Scheibe. Es ist eine musikalische Reise durch das Schaffen des Klaus Schulze. Entspannende Musik, die wirkt, wenn man denn nicht immer Gitarren hören muss. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ludwig II. von Bayern, Amourage