Samstag, 10. Oktober 2015

Youssou N’Dour – The Guide (Wommat)




Youssou N’Dour – The Guide (Wommat)


Besetzung:

Youssou N’Dour – vocals


Gastmusiker:

Unfassbar viele, die alle sehr, sehr klein geschrieben sind.


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: African Pop


Trackliste:

1. Leaving (5:03)
2. Old Man (6:30)
3. Without A Smile (4:12)
4. Mame Bamba (4:58)
5. 7 Seconds (5:06)
6. How You Are (3:39)
7. Generations (5:46)
8. Tourista (4:36)
9. Undecided (5:25)
10. Love One Another (4:51)
11. Life (4:05)
12. My People (4:37)
13. Oh Boy (4:37)
14. Silence (4:38)
15. Chimes Of Freedom (4:52)
16. Undecided (Deep Radio Mix) (3:53)

Gesamtspieldauer: 1:16:55




„The Guide (Wommat)“ ist das siebte Album des Senegalesen Youssou N’Dour. Jener Youssou N’Dour, der wohl im Moment der bekannteste Musiker Afrikas ist und jener Youssou N’Dour, der seit April 2012 Tourismus- und Kulturminister des westafrikanischen Staates Senegal ist. 1994 wurde „The Guide (Wommat)“ veröffentlicht und brachte dem Sänger, den man vorher hauptsächlich durch seine Zusammenarbeit mit anderen Künstlern wie zum Beispiel Peter Gabriel kannte, weltweiten Ruhm ein.

Dieser Erfolg basiert vor allem auf dem hier enthaltenen Duett mit Neneh Cherry. „7 Seconds“ heißt die Nummer, die bereits auf dem 1990 erschienenen Album von Neneh Cherry mit dem Titel „Men“ enthalten ist. „7 Seconds“, ein Popsong mit allergrößtem Ohrwurmcharakter. Der Titel geht wirklich sofort ins Ohr, etwas getragen und dabei wundervoll melodiös. Ein wirklich schönes Lied und hier passt dieses Adjektiv „schön“ wahrlich. Gut, kommen wir zum, Rest auf „The Guide (Wommat)“. Beim „Rest“ der immerhin 15 weitere Stücke umfasst, handelt es sich um verpoppte afrikanische Musik. Alles sehr rhythmisch, die Melodie scheint dabei jedoch irgendwie keine großartige Rolle mehr zu spielen. Jedenfalls kann mein mitteleuropäisches Ohr diese kaum erkennen.

Ich kann dieser Musik mit Sicherheit nicht gerecht werden. Es ist absolut nicht mein Ding, stellt für mich Musik dar, um mich zu verabschieden und schnell zu gehen. Da gibt es einen Beat und die Lieder grooven auch, das war es jedoch leider. Klar wird hier afrikanische Atmosphäre transportiert und dies an Ort und Stelle und live zu genießen, macht sicherlich auch Eindruck. Aber hier, so als Retorte? Nun, in anderen Foren und in anderen Rezensionen wird diese Scheibe in den höchsten Tönen gelobt, es ist also mein ganz persönliches Schicksal, dass ich damit nicht zurechtkomme.

Fazit: Ich behaupte jetzt einfach mal, dass Menschen, die Rock Musik lieben, mit Youssou N’Dour und seinem Album „The Guide (Wommat)“ Schwierigkeiten bekommen beziehungsweise nichts damit anfangen können. So geht es mir auch. Wer allerdings mal eine Fusion traditioneller senegalesischer Musik mit der Pop Musik des Westens hören möchte, die oder der sollte sich diese Scheibe unbedingt geben. Und bevor ich jetzt wieder böse Mails bekomme: Ja, diese Rezensionen sind alle absolut subjektiv und ich bin auch kein Musikwissenschaftler. Vier Punkte.

Anspieltipps: 7 Seconds und als Kontrapunkt die restlichen 15 Nummern



Freitag, 9. Oktober 2015

Marla Glen – This Is Marla Glen




Marla Glen – This Is Marla Glen


Besetzung:

Marla Glen – vocals, harmonica


Gastmusiker:

Michel Crosio – piano, organ, keyboards
Michel Amsellem – piano
Slim Batteau – organ
Carolin Petit – keyboards, orchestral conduction
Slim Pezzin – guitars
Michel Ayme – guitar
Bernard Paganotti – bass
Thierry Fanfant – bass
Claude Salmierie – drums
Jean-Philippe Fanfant – drums
Jaco Largent – percussion
Richard Galliano – accordion, bandoneon
The Cherub’s Gospel Choir – gospels
Anne Calvert – backing vocals
Debbie Davis – backing vocals
Quatuor Aloysia – strings
Bruno Ribera – tenor saxophone
Alex Perdigon – trombone
Eric Giausserand – trumpet


Label: Disques Vogue


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Blues, Soul


Trackliste:

1. The Cost Of Freedom (3:49)
2. Believer (5:06)
3. Destiny (To Get Up Again) (4:29)
4. Enough (4:20)
5. Personal (4:39)
6. Control (3:58)
7. Travel (4:48)
8. Feet On The Ground (3:24)
9. You Hurt Me (3:42)

Gesamtspieldauer: 38:34




Marla Glen ist wahrlich eine außergewöhnliche Sängerin. Denn würde man es nicht wissen, dass sie eben eine Sängerin ist und nur die Musik hören, so könnte man ihren Gesang, aufgrund ihres tiefen Timbres, durchaus immer wieder mal mit dem eines Mannes verwechseln. Nicht an jeder Stelle ihres ersten, mit „This Is Marla Glen“ betitelten Albums aus dem Jahr 1993, jedoch an vielen. Und genau dieser Umstand macht die Platte durchaus zu etwas Besonderem.

Die Musik ist dabei wohl am besten mit soulig bis bluesig zu umschreiben, geht dabei auch sofort ins Ohr. In der Instrumentierung zeigt sich die US-Amerikanerin, die inzwischen allerdings in Deutschland lebt, auch sehr abwechslungsreich. Diese ist mal hauchzart gehalten oder gleich sehr orchestral aufbereitet. Mit beiden Begleitungen überzeugt Marla Glen, ihre tiefe Stimme steht zu jederzeit und bei jedem Titel im Zentrum der Musik. Dies ist so bei allen neun Titeln des Albums, welches keine Ausfälle aufweist.

Höhepunkte der Scheibe sind „Believer“, das wohl bekannteste Lied der Marla Glen, welches auch schon in der Werbung zum Einsatz kam. Wahrlich gelungen ist auch, das zunächst vom Piano getragene „Enough“. Diese Nummer geht ebenfalls sofort ins Ohr, wird im weiteren Verlauf immer orchestraler, voller, heftiger und nistet sich im Ohr von Hörerin und Hörer ein und verlässt diese auch so schnell nicht mehr. Genau wie die letzte Nummer der Platte, „You Hurt Me“. Cello, Piano und Streicher sorgen für den melodiösen Einstieg in das Lied, in dem Marla Glen die ganze Bandbreite ihrer Stimme einbringt und ausspielt. Angefüllt mit Harmonien besitzt diese Nummer absoluten Ohrwurmcharakter. Allein hierfür lohnt sich die Platte.

Fazit: Klar ist das Soul und Blues. Sicherlich auch ein nicht geringer Anteil an Pop ist hier enthalten, aber sei’s drum. Soul? Blues? Und mir gefällt es. Da sage noch mal jemand, ich sei einseitig in meinem Musikgeschmack. Marla Glen überzeugt auf ihrer ersten Scheibe. Alles auf „This Is Marla Glen“ klingt überaus melodisch und harmonisch und geht schnell ins Ohr. Dazu gesellt sich eben noch diese außergewöhnliche Stimme der Sängerin und fertig ist das außergewöhnliche Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Believer, Enough, You Hurt Me



Donnerstag, 8. Oktober 2015

INXS – Shabooh Shoobah




INXS – Shabooh Shoobah


Besetzung:

Garry Gary Beers – bass guitar
Andrew Farriss – guitar, keyboards
Jon Farriss – percussion, drums
Tim Farriss – guitar
Michael Hutchence – vocals
Kirk Pengilly – guitar, saxophone, vocals


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Rock, New Wave


Trackliste:

1. The One Thing (3:26)
2. To Look At You (3:57)
3. Spy Of Love (3:50)
4. Soul Mistake (2:57)
5. Here Comes (3:04)
6. Black And White (3:40)
7. Golden Playpen (3:05)
8. Jan's Song (3:18)
9. Old World New World (3:39)
10. Don't Change (4:26)

Gesamtspieldauer: 35:26




„Shabooh Shoobah“ nannte die australische Rockband INXS ihr drittes Album, welches im Oktober des Jahres 1982 veröffentlicht wurde. Und einen kleinen Stilwechsel gab es dabei durchaus zu verzeichnen. War auf dem Vorgängeralbum „Underneath The Colours“ jede Menge New Wave zu hören, der es dabei kaum schaffte ins Ohr zu gehen, geschweige denn richtig zu überzeugen, so hört sich „Shabooh Shoobah“ nun deutlich rockiger an und auch die einzelnen Lieder schaffen es hier sehr viel besser, zumindest eine gewisse Zeit lang, nachzuwirken.

Eine Mischung aus Rock und New Wave ist also auf diesem Album zu hören, auf dem die Stimme des Michael Hutchence nun auch schon fast so klingt, wie man sie von späteren Veröffentlichungen der Band her kennt. Zudem, ganz wichtig, überzeugen auf „Shabooh Shoobah“ auch die Melodien sehr viel öfters. Allerdings darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die Musik auf diesem Album immer dann gut klingt, wenn INXS beginnen zu rocken. New Wave scheint irgendwie nicht so ganz das Metier der sechs Australier darzustellen, irgendwie scheint es nur eine Art „Ausprobieren“ gewesen zu sein, denn im Rock sind INXS sehr viel besser aufgehoben.

So ist „Shabooh Shoobah“ sicherlich kein Meilenstein in der Musikgeschichte und auch keines der essentiellen Alben von INXS, jedoch macht die Musik hier durchaus auch immer wieder Spaß. Das klingt alles fröhlich, leicht und ein wenig schwerelos. Alles zwar noch nicht so beeindruckend, wie es später in den 90ern mal klingen wird, doch zumindest ganz nett – und das ist in keinster Weise irgendwie böse gemeint.

Fazit: Die Platte „Shabooh Shoobah“ von INXS klingt durchaus nach den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. New Wave poppt immer wieder auf, wird hier allerdings oftmals sehr elegant mit rockigeren Tönen vermischt. Somit besitzt die dritte Scheibe von INXS ganz gewiss einen gewissen Unterhaltungswert, niemand muss beim Auflegen des Albums panisch den Raum verlassen. Richtig große Abdrücke hinterlässt die Scheibe jedoch auch nicht. Doch wer den Genres New Wave und Rock etwas abzugewinnen weiß und gerne mal hören möchte, wie eine entsprechende Fusion beider Musikrichtungen klingt, die oder der wird mit „Shabooh Shoobah“ sehr gut bedient. Acht Punkte.

Anspieltipps: Don’t Change



Mittwoch, 7. Oktober 2015

David Gilmour – About Face




David Gilmour – About Face


Besetzung:

David Gilmour – lead vocals, guitars, bass guitar


Gastmusiker:

Jeff Porcaro – drums, percussion
Pino Palladino – bass guitars
Ian Kewley – Hammond organ, piano
Steve Winwood – hammond organ on "Blue Light", piano on "Love On The Air"
Anne Dudley – synthesizers
Bob Ezrin – keyboards, orchestral arrangement
Luís Jardim – percussion
Ray Cooper – percussion
Jon Lord – synthesizer
The Kick Horns – brass
Vicki Brown – backing vocals
Sam Brown – backing vocals
Mickey Feat – backing vocals
Roy Harper – backing vocals
Steve Rance – fairlight cmi programming
Michael Kamen – orchestral arrangement
The National Philharmonic Orchestra


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Rock


Trackliste:

1. Until We Sleep (5:16)
2. Murder (4:59)
3. Love On The Air (4:19)
4. Blue Light (4:35)
5. Out Of The Blue (3:35)
6. All Lovers Are Deranged (3:14)
7. You Know I'm Right (5:06)
8. Cruise (4:40)
9. Let's Get Metaphysical (4:09)
10. Near The End (5:37)

Gesamtspieldauer: 45:34




„About Face“ heißt das zweite Solo-Album des Pink Floyd Gitarristen David Gilmour und es erschien eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung des letzten Pink Floyd Albums mit Roger Waters, „The Final Cut“. Zu einer Zeit also, als der Rechtsstreit mit eben jenem Roger Waters quasi zu explodieren schien und die Bandmitglieder nur noch über ihre Anwälte miteinander kommunizierten. Eindringliches Beispiel für dieses Eskalation ist auf „About Face“ die Nummer „You Know I’m Right“, die eine kleine Abrechnung, ach was, schon eine eindeutige Anklage auf das Gebaren des Roger Waters darstellt. Ob dieses Lied allerdings zum Streitschlichten taugte, das sei mal so dahingestellt.


Nun, auf „About Face“ ist Rock Musik zu hören. Kein Experimental Rock, kein Psychedelic Rock und auch kein Progressive Rock. Dabei überzeugen die zehn Lieder mal etwas mehr, mal etwas weniger – etwas Außergewöhnliches oder Besonderes stellen sie allerdings zu keiner Zeit dar. Gut gemachter Rock zwar, aber auch dies nicht in jedem Song. Solch eine Nummer wie „Blue Light“, hätte David Gilmour seinen Hörern auch ersparen können. Mit all diesen Bläsern passt so etwas auch eher zu Stevie Wonder, denn zum, zu dieser Zeit, Ex-Pink Floyd Gitarristen.

Apropos Pink Floyd. An diese Band erinnert auf „About Face“ der Gesang des David Gilmour sowie manch eines der Gitarrensoli, das war es dann allerdings schon. Doch lohnt sich auch dieser Rock hier. Überzeugende Beispiele auf der Scheibe ist die Nummer „Murder“, welche zart und sehr melodisch beginnt, dann in einen rockigeren Teil übergeht, um schließlich sehr kraftvoll auszuklingen. „Out Of The Blue“ weiß ebenfalls durch seine Melodiösität zu überzeugen, wohingegen das bereits erwähnte „You Know I’m Right“ nicht nur aufgrund seines Textes durchaus hörenswert ist. Die Akkordfolge zu Beginn brennt sich sofort in das Gehör ein und wenn da nicht dieser völlig missglückte Refrain wäre, wäre dieses Lied mit Abstand der Höhepunkt auf der Platte. Eie letzten beiden Titel lohnen ebenfalls gehört zu werden. Ist „Let's Get Metaphysical“ instrumental gehalten und klingt durch die Orchestrierung immer wieder so schön bombastisch, so ist das letzte Stück des Albums, „Near The End“, wieder eine kleine sanfte und melodiöse Nummer, die ebenfalls schnell ins Ohr geht.

Fazit: Zum Teil macht „About Face“ durchaus Spaß und klingt sehr überzeugend. Manche Titel sind allerdings auch ein klein wenig langweilig geraten und so richtig besonders ist im Grunde genommen nichts auf diesem zweiten Solo-Album des Davis Gilmour. Dafür gibt es allerdings auch, bis auf etwas zu viel Bläsereinsatz bei einer Nummer, keine Ausfälle auf der Scheibe zu beklagen. Wahrlich nicht schlecht also und „About Face“ wächst durchaus auch mit jedem Durchlauf. Einen Vergleich allerdings zu den richtig überzeugenden Pink Floyd Alben der 70er Jahre, hält „About Face“ keinesfalls stand. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Murder, Out Of The Blue, You Know I'm Right



Dienstag, 6. Oktober 2015

The Black Crowes – The Southern Harmony And Musical Companion




The Black Crowes – The Southern Harmony And Musical Companion


Besetzung:

Chris Robinson – vocals
Rich Robinson – guitar
Marc Ford – guitar
Johnny Colt – bass guitar
Steve Gorman – drums
Eddie Harsch – keyboards


Gastmusiker:

Barbara and Joy – choir


Label: Def American Recordings


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Blues Rock, Southern Rock, Hard Rock


Trackliste:

1. Sting Me (4:40)
2. Remedy (5:22)
3. Thorn In My Pride (6:03)
4. Bad Luck Blue Eyes Goodbye (6:28)
5. Sometimes Salvation (4:44)
6. Hotel Illness (3:59)
7. Black Moon Creeping (4:54)
8. No Speak No Slave (4:01)
9. My Morning Song (6:15)
10. Time Will Tell (4:06)

Gesamtspieldauer: 50:36




Einen absoluten Beißer stellt für mich das zweite Album der US-amerikanischen Blues Rocker The Black Crowes dar. „The Southern Harmony And Musical Companion“ heißt es und wurde im Mai 1992 auf dem Label Def American Recordings veröffentlicht. Bei vielen Fans der Band gilt genau diese Scheibe als die Beste, die die Musiker bisher veröffentlicht haben. Freilich klingt die Musik der US-Amerikaner immer wieder sehr überzeugend, aber dann gibt es auch wieder Blues- beziehungsweise Southern Rock zu hören, der mich zumindest gar nicht mehr so überzeugt und das liegt ganz bestimmt nicht nur daran, dass die letztgenannten musikalischen Genres nicht so ganz in mein „Beuteschema“ zu passen scheinen.

Ich höre die Nummer „Remedy“ und drehe fast durch vor Freude, über dieses absolut mitreißende Lied. Hier passt einfach alles, der Groove, die Melodie, die Instrumentierung, Gesang und Hintergrundgesang. Einfach ein begeisterndes Lied. Jedoch irgendwie mehr Rock als Blues. Das wiederrum ist bei den meisten anderen Stücken der Scheibe nicht so. Hier hört man schon deutlich mehr Blues, zwar in der etwas rockigeren Ausprägung, aber es bleibt eben Blues.

Und manchmal erinnert dieser Blues auch ein klein wenig an Led Zeppelin, schafft es jedoch nicht so zu packen, nicht so zu überzeugen, wie jener der Briten. Andererseits steigen bei mir unweigerlich auch Bilder der Rolling Stones im geistigen Gehör auf, wenn ich den Black Crowes hier auf „The Southern Harmony And Musical Companion“ lausche. In diese musikalische Richtung läuft es ebenfalls ein wenig. Die Musik klingt damit ein bisschen so, als sei sie bereits zwanzig Jahre älter, deutlich früher entstanden – was allerdings sicherlich nichts Schlechtes zu bedeuten hat. Jedoch trifft sie nicht immer ins Herz, was vielleicht ein absoluter Blues-Freund durchaus anders empfinden mag.

Fazit: Nun, man kann es auf einen kurzen Punkt bringen: Wem rockiger Blues gefällt, dem wird auch „The Southern Harmony And Musical Companion“ von den Black Crowes gefallen. Wem diese Art der Musik nicht so zusagt, die oder der wird Schwierigkeiten bekommen und nur sehr selten den Moment gekommen sehen, diese Scheibe aufzulegen. Das macht man für „Remedy“ gerne. Jedoch für den Rest? Ich weiß nicht, ich weiß einfach nicht. Acht Punkte.

Anspieltipps: Remedy



Montag, 5. Oktober 2015

Mazzy Star – So Tonight That I Might See




Mazzy Star – So Tonight That I Might See


Besetzung:

Hope Sandoval – vocals, harmonica, guitar
David Roback – guitar


Gastmusiker:

Jason Yates – bass guitar
Keith Mitchell – drums
William Cooper – strings


Label: Capitol Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Psychedelic Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. Fade Into You (4:55)
2. Bells Ring (4:32)
3. Mary Of Silence (6:02)
4. Five String Serenade (4:24)
5. Blue Light (5:10)
6. She's My Baby (4:25)
7. Unreflected (3:42)
8. Wasted (5:31)
9. Into Dust (5:36)
10. So Tonight That I Might See (7:19)

Gesamtspieldauer: 51:40




Mazzy Star, diese Band aus Santa Monica, Kalifornien, USA, läuft bei vielen Menschen unter dem Label Alternative Rock. Aber ist das wirklich noch Alternative Rock, den man hier zu hören bekommt? Im Falle ihres zweiten Albums mit dem Titel „So Tonight That I Might See“, würde ich das zu großen Teilen in Abrede stellen. Hier hört man sehr viel mehr Psychedelic Rock als Alternativ Rock.

Allerdings ist dieser Psychedelic Rock nicht irgendwie verschroben, besonders frickelig oder kompliziert und abgefahren. Das ist andere Musik als jene, die Ende der 60er bis Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts ihre Hochzeit hatte. Es ist die gesamte Stimmung, die Atmosphäre, die hier transportiert wird, die dieses Album zu etwas wirklich sehr Eindringlichen werden lässt. Die Lieder sind zumeist sehr ruhig gehalten, größtenteils sehr melodiös, allerdings hängt ihnen oftmals eine riesige Portion Traurigkeit mit an, die einen wahrlich ergreift. Das ist November-Musik, wenn es denn dieses musikalische Genre geben würde.

Die psychedelische Komponente kommt vor allem dadurch zum Tragen, dass viele der Titel Mantra-artig ein bestimmtes Thema wiederholen. Wenige Akkorde, die immer wieder gespielt werden, die irgendwann eine Art redundante Monotonie erzeugen, welche entsprechend laut gehört, die Wirkung von bewusstseinserweiternden Drogen zu übernehmen scheint. Dazu gesellt sich die sehr melancholische Stimme der Hope Sandoval und fertig ist der Cocktail, der einen ganz tief eintauchen lässt in all jene Stimmungen, die man gerade zulassen möchte. Dies werden jedoch wohl hauptsächlich süße Melancholie oder Sentimentalität sein, Party-Musik ist das sicherlich nicht, was Mazzy Star hier ihren Zuhörern kredenzen.

Fazit: Sehr eindringliche, ruhige, getragene und auch traurige Musik gibt es auf „So Tonight That I Might See“ zu hören. Sowohl Gesang, wie Instrumentierung werden auf der Platte überaus zurückhaltend eingesetzt, was diese etwas dunklere Stimmung natürlich noch ein wenig verstärkt. Für Menschen, die an Herbstdepressionen leiden, definitiv nicht geeignet, das könnte gefährlich werden. Allgemein allerdings sehr überzeugend und lohnenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Mary Of Silence, Five String Serenade, Into Dust, So Tonight That I Might See



Sonntag, 4. Oktober 2015

The Dandy Warhols – Thirteen Tales From Urban Bohemia




The Dandy Warhols – Thirteen Tales From Urban Bohemia


Besetzung:

Courtney Taylor-Taylor – vocals, guitar
Peter Holmström – guitar
Zia McCabe – keyboards
Brent DeBoer – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Phil Baker – double bass
Meg Bobbitt – additional vocals
Vince DiFiore – trumpet
Erik Gavriluk – organ
Joe Kaczmarek – organ
Eric Matthews – trumpet
Anton Newcombe – guitar
Troy Stewart – slide guitar
D.J. Swamp – scratching


Label: Capitol Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Godless (5:20)
2. Mohammed (5:20)
3. Nietzsche (5:40)
4. Country Leaver (3:22)
5. Solid (3:08)
6. Horse Pills (3:25)
7. Get Off (3:11)
8. Sleep (5:57)
9. Cool Scene (4:07)
10. Bohemian Like You (3:31)
11. Shakin' (3:55)
12. Big Indian (3:34)
13. The Gospel (5:36)

Gesamtspieldauer: 56:11




Musik kann so unfassbar mystisch sein. Irgendwie, wie alles auf der Welt, wenn man sich nur darauf einlassen kann. Da hat man ein Album schon sehr lange, bald eineinhalb Jahrzehnte. Dann fährt mit dem Auto, es regnet, die Blätter der Bäume beginnen sich zu verfärben, es wird langsam dunkel, im Player läuft gerade „Thirteen Tales From Urban Bohemia“ von den Dandy Warhols und plötzlich spielt diese Band „Sleep“. Dieser Titel befindet sich auf dem dritten Album der US-Amerikaner aus Portland, Oregon, welches im August 2000 veröffentlicht wurde.

Okay, dieses Lied, weswegen die Dandy Warhols auch diesen Status erreichten, dieses Lied aus der Werbung, das ist ganz nett. Jedoch wäre es niemals jenes, weswegen ich diese Platte kaufen würde, die ich auch mal wieder zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Es ist niemals dieses Lied, was diese Platte ausmacht, die so viel vielschichtiger ist. Die Dandy Warhols klingen am überzeugendsten, wenn sie sie ruhig, langsam und irgendwie bedacht klingen. Das ist dann wirklich sehr intensiv und eindringlich.

Die Band klingt auch keineswegs amerikanisch, sondern irgendwie „very British“. Dabei ist die Musik sehr abwechslungsreich, überzeugt immer wieder. Alternative Rock und zugegebenermaßen auch manchmal Pop hört man auf „Thirteen Tales From Urban Bohemia“. Dies allerdings immer sehr überzeugend, in allen seinen Ausprägungen. Na und Psychedelic Rock ist das schon mal gar nicht, was man hier zu hören bekommt. So startete die Band zumindest.

Viele der Melodien der Dandy Warhols treffen, werden zu Freunden, zu Bekannten, die man immer wieder gerne aufsucht. Somit macht das Album durchaus immer Spaß, vor allen an den Stellen, an denen es nicht für eine Werbung geeignet war.

Fazit: Wirklich eingängigen und überzeugenden Alternative Rock bieten die Dandy Warhols ihren Zuhörern. Die Slide Guitar kommt bei manchem Lied hinzu. Macht nichts, die Band klingt sehr viel europäischer, als amerikanisch. Es gibt einiges auf „Thirteen Tales From Urban Bohemia“ zu entdecken. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Godless, Mohammed, Sleep



Samstag, 3. Oktober 2015

James Morrison – Undiscovered




James Morrison – Undiscovered


Besetzung:

James Morrison – vocals and acoustic guitar


Gastmusiker:

Martin Terefe – electric and acoustic guitar, bass, percussion, backing vocals, string arrangement
Steve Lindvall – bass
Martin “Blacknuss” Jonsson – drums
Glen Scott – keyboards and backing vocals
Nikolaj Torp – keyboards and melodica
David Davidson – string arrangements
Eg White – acoustic and electric guitars, keyboards
Love Sponge Strings – strings
Diane Charlemagne – backing vocals
Delroy Ivanhoe – backing vocals
Evelyn Roberts – backing vocals
Rosemary Bain – backing vocals
Anthony Lamarchina – cello
Andreas Olsson – beats and programming
Steve Robson – bass, keyboards
Ian Thomas – drums
Marcus Brown – keyboards
Tony McAnaney – guitars
Neil Taylor – guitars
Alan Simpson – guitars
Subrina Edwards – backing vocals
Joy Malcolm – backing vocals
Sharon White – backing vocals
Lorrain Smith – backing vocals
Philip Sheppard – string arrangement
Guy Barker – trumpet
Phil Todd – saxophone


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Pop, Soul


Trackliste:

1. Under The Influence (4:08)
2. You Give Me Something (3:33)
3. Wonderful World (3:30)
4. The Pieces Don't Fit Anymore (4:17)
5. One Last Chance (4:47)
6. Undiscovered (3:29)
7. The Letter (3:14)
8. Call the Police (3:46)
9. This Boy (3:54)
10. If The Rain Must Fall (4:05)
11. The Last Goodbye (5:14)

Gesamtspieldauer: 44:02




Es gibt Musik, mit der man einfach nicht warm wird. Keine Chance. Darüber dann was zu schreiben ist ziemlich schwierig. Ich habe jetzt schon mehrmals Aussagen gelesen wie: „Wenn ich ein Album bespreche, dann bin ich niemals subjektiv, immer objektiv!“ Die Glücklichen. Ich gebe es zu, ich kann es nicht, überhaupt nicht. Musik gefällt mir oder eben nicht. Ich bin auch kein Musik-, sondern Naturwissenschaftler. Vielleicht liegt das darin begründet.

Gut, jetzt also zum ersten Album des James Morrison, welches ziemlich in den Himmel gelobt wurde. Ich hätte mir solch eine Scheibe auch niemals gekauft, aber man hat ja einmal im Jahr Geburtstag, auch ich. Ich weiß nur leider nicht mehr, von wem ich James Morrison geschenkt bekommen habe. Wenn die oder der das hier lesen sollte: Sorry, ist nicht böse gemeint. Gefreut habe ich mich trotzdem, da ich mich über Musik immer freue. Und manchmal ist es eben eine Bestätigung, dass man mit mancher Musik wirklich nichts anzufangen weiß. Auch okay. Und es lohnt sich musikalisch immer, mal über den eigenen Tellerrand hinauszusehen.

So, jetzt aber wirklich zum Album. James Morrison präsentiert auf seinem Debut Album, mit dem Titel „Undiscovered“ aus dem Jahr 2006, einen Mix aus Pop und Soul Musik. Dabei legt sich der Brite mächtig ins Zeug, leidet oft, wie man seinem Gesang entnehmen kann. Er leidet oft, er leidet viel, er leidet stark. Das Ganze klingt dann irgendwann so etwas von selbstbemitleidend, dass man ihm einfach zurufen möchte: „Mensch Brust raus, stelle Dich doch nicht so an“. Das Ganze erinnert mich sehr an solch unfassbar grausame Musik wie die von Xavier Naidoo oder so etwas wie Söhne Mannheims. Horror für jeden, der Rock mag. Dieser geseierte Gesang von Männern, da braucht man echt starke Nerven. Dazu gesellt sich der Umstand, dass die Musik einfach nicht trifft. Die Melodien zünden nicht, ein Lied hört sich wie das andere an. Da ist nichts Aufregendes oder Spannendes dabei. Ja, ich höre ja schon auf.

Fazit: „Undiscovered“ von James Morrison ist eine Platte, angefüllt mit Pop und Soul Musik. Die Stimmung auf dem Album ist eher leidend, manchmal klingt es auch nach Big Band, immer jedoch nach Tragik. Das ist alles radiotaugliche Musik, keineswegs kompliziert, die Musik soll schnell gefallen. Macht sie jedoch nicht, da die Lieder einen einfach nicht packen – nun zumindest mich nicht. „Undiscovered“ von James Morrison ist in meinem Fall Zeitverschwendung und ich hätte mir gewünscht, dass diese Musik auch „undiscovered“ geblieben wäre. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Was ihr wollt



Freitag, 2. Oktober 2015

Saga – Saga




Saga – Saga


Besetzung:

Michael Sadler – keyboards, vocals, moog, bass guitar
Ian Crichton – guitars
Peter Rochon – keyboards, vocals, moog synthesizer
Jim Crichton – bass guitar, synthesizer, moog synthesizer
Steve Negus – drums, percussion, moog synthesizer


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. How Long? (4:00)
2. Humble Stance (5:46)
3. Climbing The Ladder (4:43)
4. Will It Be You? (Chapter Four) (7:10)
5. The Perfectionist (5:44)
6. Give 'Em The Money (4:24)
7. Ice Nice (6:53)
8. Tired World (Chapter Six) (7:05)

Gesamtspieldauer: 45:48



Manchmal dauert es wirklich, bis sich einem eine bestimmte Musik „aufschließt“. So geschehen in meinem Fall mit dem ersten, selbstbetitelten Album von Saga aus dem Jahr 1978. Die Scheibe gilt bei vielen der Fans der Band als die beste, die die Kanadier, die heute immer noch aktiv sind, jemals veröffentlicht haben. Bei mir lag diese Platte jahrelang herum, nach dem ersten Antesten geriet sie irgendwie in Vergessenheit – leider muss ich heute hier anfügen.

Dass wir am Anfang nicht zusammenfanden mag vielleicht daran liegen, dass Saga unter dem Label „Progressive Rock“ gehandelt wird. Doch ist das echt Progressive Rock? Nach dem ersten Hören war das etwas enttäuschend, klang hier doch so Vieles nach Mainstream, AOR oder Sonstiges. Dann fängt man an, solch eine Seite zu füttern und hört seine ganzen Scheiben noch mal durch. Und plötzlich stellt man fest, dass diese Musik wahrlich überzeugend klingt und zum anderen durchaus auch progressive Ansätze enthält. Letzteres ist eigentlich vollkommen egal, denn es ist die Musik die überzeugt, nicht beim ersten, jedoch spätestens beim dritten Mal des Hörens.

Jetzt sind die Nummern der Kanadier plötzlich eingängig, harmonisch und überzeugend. „How Long?“ kennt man sowieso, das erste Stück auf dem ersten Album der Band dürfte auch gleich ihr bekanntestes Stück sein. Doch auch die weiteren Lieder lohnen sich. Dieses Zusammenspiel der Instrumente überzeugt. Synthesizer und Gitarre bildeten wohl nur selten eine perfektere Einheit als auf „Saga“. Die Musik ist keineswegs „hart“, jedoch mitreißend aufgrund ihres Abwechslungsreichtums und eben diesem wahrlich begeisternden Zusammenspiel der Instrumente.

Am Überzeugensten sind Anfang und Ende des Albums geraten. Hier klingen Saga mal bombastisch, mal zart. Hier wird gerockt und man hört nachdenklichere, ruhigere Töne. Hier gibt es auch die Melodien zu entdecken, die einen dazu bewegen Musik zu hören. Melodien, die bewirken, dass man Musik als Bereicherung des täglichen Lebens wahrnimmt und dankbar dafür ist.

Fazit: Das klingt schon sehr überzeugend, dieses Debut der kanadischen Rockband Saga. Auch wenn hier nicht alles gleich beim ersten Hören mitreißt, so reift die Musik doch im Ohr des Konsumenten und wächst dann deutlich. Die Melodien packen einen und es ist wahrlich keine 08/15-Musik mehr. Irgendwo angesiedelt zwischen Rock und Progressive Rock macht diese Scheibe viel Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: How Long?, Humble Stance, Ice Nice, Tired World (Chapter Six) 



Donnerstag, 1. Oktober 2015

Marilyn Manson – Antichrist Superstar




Marilyn Manson – Antichrist Superstar


Besetzung:

Marilyn Manson – vocals, guitar and pan flute
Daisy Berkowitz – lead and rhythm guitar
Twiggy Ramirez – lead and rhythm guitar, acoustic guitar, bass
Madonna Wayne Gacy – all keyboards, loops and other original pieces of 16-bit audio information
Ginger Fish – drums, programming


Gastmusiker:

Sean Beavan – guitar (2), guitar synthesizer
Trent Reznor – mellotron (6), guitar (7,9) rhodes piano (16)
Robin Finck – guitar
Danny Lohner – guitar (10,15)
Chris Vrenna – drums (11)


Label: Interscope


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Industrial Metal


Trackliste:

Cycle I: The Heirophant

1. Irresponsible Hate Anthem (4:17)
2. The Beautiful People (3:38)
3. Dried Up, Tied And Dead To The World (4:15)
4. Tourniquet (4:29)

Cycle II: Inauguration Of The Worm

5. Little Horn (2:43)
6. Cryptorchid (2:44)
7. Deformography (4:31)
8. Wormboy (3:56)
9. Mister Superstar (5:04)
10. Angel With The Scabbed Wings (3:52)
11. Kinderfeld (4:51)

Cycle III: Disintegrator Rising

12. Antichrist Superstar (5:14)
13. 1996 (4:01)
14. Minute Of Decay (4:44)
15. The Reflecting God (5:36)
16. Man That You Fear (6:10)
17. None-Musical Silence (0:04)
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97. None-Musical Silence (0:04)
98. None-Musical Silence (0:05)
99. Empty Sounds Of Hate (hidden track) (1:39)

Gesamtspieldauer: 1:21:42




„Antichrist Superstar“ heißt das zweite, offizielle Album der US-amerikanischen Rock Band Marylin Manson. Es erschien 1996 bei Interscope Records und wenn man ganz ehrlich ist, so wird man diese Musik wohl kaum mit dem Attribut „schön“ umschreiben können. Sehr viel Geschrei gibt es auf dieser Scheibe zu hören, die trotzdem in den amerikanischen Billboard Charts bis auf Platz 3 kletterte. Inzwischen wurden von dem Album weltweit über sieben Millionen Kopien abgesetzt und das Rolling Stone Magazin erklärte die Grunge Ära nach dem Erscheinen von „Antichrist Superstar“ für beendet. Ganz schön viel Aufmerksamkeit also für ein Album, angefüllt mit Industrial Metal Music, welches sogar Teil einer Trilogie darstellt. Obwohl zuerst veröffentlicht, bildet es angeblich den letzten Teil einer Trilogie mit den Alben „Mechanical Animals“ aus dem Jahr 1998 und „Holy Wood (In The Shadow Of The Valley Of Death)“ aus dem Jahr 2000. Eine in umgekehrter Reihenfolge veröffentlichte Trilogie? Na, wenn das mal nicht Satan seine Finger mit im Spiel hatte…

Die Musik auf „Antichrist Superstar“ ist natürlich pickelharter Industrial Metal, keineswegs was für Weicheier. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich anscheinend wohl auch etwas in diese Richtung bewege. Ich entdecke hier zwar auch die ein oder andere geniale Stelle, wo mich die Kraft dieser Musik durchaus packt und mitreißt, allerdings finden sich auch immer wieder sehr verstörende Titel auf der Scheibe. Dort kann ich dann zwar die Musik zumindest noch nachvollziehen, beim Gesang wird es allerdings wirklich deutlich schwieriger. Das grenzt dann schon mitunter sehr an Geschrei. Ach was, das ist dann Geschrei. Die Nummer „Little Horn“ wäre hierfür ein ganz nettes Beispiel.

Nun, jedoch gibt es auch einige wirklich sehr überzeugende Stellen auf dieser Scheibe, bei denen sich dann zu dem jetzt gelungenen Gesang, der Geschwindigkeit, der dieser Musik innewohnenden Kraft, auch noch eine wahrlich überzeugende Melodie gesellt. Das macht dann durchaus Laune. Oder so eine Nummer wie „Cryptorchid“, garantiert nicht zufälligerweise der nächste Titel nach „Little Horn“. Hier klingen Marilyn Manson nicht nur sehr ruhig, sondern auch wirklich witzig. Ein bisschen mehr solcher Abwechslung hätte der Scheibe garantiert nicht schlecht getan. 

Fazit: „Antichrist Superstar“ ist Industrial Metal. Ich glaube kaum, dass es viel „männlichere“ Musik auf dieser Welt gibt. Diese Art der Musik könnte das genaue Gegenstück zur Musik von zum Beispiel Enya sein, dazwischen liegen die restlichen Ausprägungen – geschlechtsspezifisch betrachtet – der musikalischen Genres Rock und Pop. Naja zumindest grob gesehen. Auf „Antichrist Superstar“ hört man also knallharten Rock, der gar nicht den Anspruch erhebt, schön zu klingen. Jedoch möchte diese Musik laut klingen und das macht sie auch. Und wenn man dann auch noch die ebenfalls harten und unverblümten Texte mag, dann steht dem Hörgenuss echt nichts mehr im Wege. Für die Harten, die mit dem Garten… Acht Punkte.

Anspieltipps: Cryptorchid, Mister Superstar



Mittwoch, 30. September 2015

Dream Theater – Images And Words




Dream Theater – Images And Words


Besetzung:

James LaBrie – lead vocals
John Petrucci – guitar, background vocals
Kevin Moore – keyboard
John Myung – bass
Mike Portnoy – drums, percussion, background vocals on "Pull Me Under"


Gastmusiker:

Jay Beckenstein – soprano saxophone on "Another Day"


Label: ATCO


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. Pull Me Under (8:14)
2. Another Day (4:23)
3. Take The Time (8:21)
4. Surrounded (5:30)
5. Metropolis – Part I: The Miracle And The Sleeper (9:32)
6. Under A Glass Moon (7:03)
7. Wait For Sleep (2:31)
8. Learning To Live (11:30)

Gesamtspieldauer: 57:06




„Images And Words” heißt das zweite Album der amerikanischen Progressive Metal Band Dream Theater, welches 1992 auf dem Label ATCO veröffentlicht wurde. Vieles war neu bei Dream Theater. Die Band hatte einen neuen Plattenvertrag unterschrieben und mit James LaBrie einen neuen Sänger an Board, der aus zahlreichen Kandidatenbewerbungen letztendlich den Zuschlag bekam und seither das stimmliche Aushängeschild von Dream Theater darstellt.

Nun, „Images And Words” ist ganz klar eines jener Alben, in die man sich erst einmal reinhören muss. Klingt die Musik zu Beginn immerhin interessant und spannend, so wächst sie mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe. Die Melodien werden immer vertrauter und wirken plötzlich deutlich harmonischer und melodiöser. Man hört hier zwar durchaus an manchen und gar nicht wenigen Stellen Metal, jedoch schafft es die Band diesen mit wunderschönen Harmonien zu versehen, sodass immer die Eingängigkeit der Musik von Dream Theater auf „Images And Words” im Vordergrund steht.

Dazu verstehen sich die Musiker bestens auf ihr Handwerk, jede Note, jeder Takt ist exakt auf den Punkt gespielt, die Gitarrensoli sind begeisternd und auch der progressive Anteil in der Musik der Band kommt nicht zu kurz. Zwar keineswegs bei jedem Titel, doch sehr oft gibt es sie, diese Rhythmus- und Tempowechsel, laute und leise Abschnitte, krumme Takte und mitunter auch scheinbar schiefe Töne. Das wirkt dann alles schon sehr überzeugend und auch spannend. Dazu klingt die Musik nicht selten bombastisch und kraftvoll, reißt einfach mit. Nicht ganz so überzeugend finde ich persönlich an manchen Stellen den Gesang des James LaBrie. Dieser klingt an den schnelleren und auch höheren Stellen durchaus überzeugend, in wenigen ruhigeren Abschnitten jedoch unbegreiflicherweise etwas seicht.

Fazit: Progressive Metal ist bestimmt nicht für jeden etwas. Und schon gar nicht für Menschen, die gleich beim ersten Hören von der Musik überzeugt werden wollen. In die Musik von Dream Theater muss man sich einhören und das ist nicht einfach mal so nebenbei passiert. Das bedarf einer gewissen Reifungsphase im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Nimmt man sich allerdings diese Zeit und ist dem Genre Metal auch nicht ganz abgeneigt, dann lohnt sich eine Griff zu „Images And Words” allemal. Auch bei vielen Fans von Dream Theater wird „Images And Words” als das beste Album gehandelt, welches die Band bisher veröffentlichte. Elf Punkte.

Anspieltipps: Pull Me Under, Metropolis – Part I: The Miracle And The Sleeper



Dienstag, 29. September 2015

Billy Idol – Rebel Yell




Billy Idol – Rebel Yell


Besetzung:

Billy Idol – vocals, guitar, arrangements


Gastmusiker:

Steve Stevens – synthesizer, guitar, bass guitar, keyboards
Sal Cuevas – bass guitar
Steve Webster – bass guitar
Judi Dozier – keyboards
Jack Waldman – keyboards
Thommy Price – drums
Gregg Gerson – drums
Mars Williams – saxophone
Perri Lister – vocals, background vocals


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Rock, New Wave


Trackliste:

1. Rebel Yell (4:45)
2. Daytime Drama (4:02)
3. Eyes Without A Face (4:58)
4. Blue Highway (5:05)
5. Flesh For Fantasy (4:37)
6. Catch My Fall (3:57)
7. Crank Call (3:56)
8. (Do Not) Stand In The Shadows (3:10)
9. The Dead Next Door (3:45)

Gesamtspieldauer: 38:10




Eine Ansammlung von Hits der 80er Jahre präsentiert Billy Idol hier seinen Fans mit dem 1983 erschienenen, seinem zweiten Album, „Rebel Yell“. Vier Singleauskopplungen gab es von dieser Scheibe und diese vier Singles, „Rebel Yell“, „Eyes Without A Face”, „Flesh For Fantasy” sowie „Catch My Fall“ verkauften sich in vielen westlich geprägten Ländern sehr gut – wie das Album selbst, welches in den dortigen Hitparaden fast überall einstellige Chartpositionen erklomm.

Geschrieben hat die Musik Billy Idol wieder in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen und Keyboarder Steve Stevens, der auch auf der Rückseite des Albums mit abgebildet wurde. Nun, wenn man mal in die Musik und den Klang der 80er, abseits vom zu synthetischen Sound – der vielen New Wave Bands der damaligen Zeit anhaftete – eintauchen möchte, dann bietet sich diese Scheibe wahrlich an. „Rebel Yell“ rockt, auch wenn hier natürlich ebenfalls durchaus sanftere Titel vertreten sind. Jedoch gibt es immer auch eine Gitarre zu hören und eben nicht nur einen Synthesizer.

Dabei gehen die Lieder schnell ins Ohr, egal ob dies nun die Single-Auskopplungen sind oder die eher unbekannteren Nummern des Albums. Den Höhepunkt stellt für mich allerdings ganz klar das Titellied „Rebel Yell“ dar. Wirklich eine überzeugende Rock-Nummer, die in den 80ern sogar in den Discos rauf- und runterlief, obwohl dort in so manchem Tempel eher eine andere Musik bevorzugt wurde. Allerdings, auch die anderen Titel besitzen die Eigenschaft, nicht nur beim ersten Hören zu überzeugen, sondern genauso sehr viel länger im Ohr zu verbleiben.

Fazit: Das ist schon sehr eingängige Musik, die Billy Idol hier auf diese Platte pressen ließ. Angesiedelt ist diese irgendwo im Zwischenbereich von Rock und New Wave. Die Gitarren spielen also durchaus eine gewichtige Rolle. Jede Menge sehr unterhaltende Lieder befinden sich auf der Scheibe. „Rebel Yell“ ist noch mal deutlich gelungener geworden, als das selbstbetitelte Debut „Billy Idol“. Dieses 80er Jahre Gefühl lebt auf, die Musik klingt, geht ins Ohr… Was mag mein eigentlich mehr? Gute Unterhaltung. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Rebel Yell



Montag, 28. September 2015

The Inchtabokatables – Too Loud




The Inchtabokatables – Too Loud


Besetzung:

Moeh – basses, piano, piano on “Wer?”
Deutung – violoncello
Herr Jeh – violin, programming
Dr. T.B. ex K.M.N. – drums, funny samples
BB – vocals, violin
Vadda – ears


Label: BMG


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Rock, Mittelalter Rock, Industrial Rock


Trackliste:

1. Red Skies (4:51)
2. Confined Love (4:00)
3. Selling Our Souls (3:28)
4. Destination (4:16)
5. Destination (Reprise) (2:18)
6. You Chained Me Up (4:30)
7. Too Loud (3:57)
8. Kiss Your Ear (Six) (4:29)
9. Watch Out (5:12)
10. Chachoo - Choocha (3:04)
11. My Eyes (3:33)
12. Wer? (3:40)
13. Sleep Well (5:49)

Gesamtspieldauer: 53:14




Ihr fünftes und bisher vorletztes Album nannten die fünf Berliner der Band The Inchtabokatables „Too Loud“. Veröffentlicht wurde die Scheibe 1998 und stellt schon einen großen Stilbruch im bisherigen musikalischen Oevre der Band dar. Folk ist out, dafür geht die Musik sehr viel eher in die Richtung Industrial Rock, wenn sich auch immer noch vereinzelte Mittelalter-Klänge in die einzelnen Lieder verirren.

Natürlich gibt es auch noch jede Menge Streicherpassagen auf der Scheibe, jedoch wurden diese oftmals sehr stark verfremdet. Somit erinnert nicht mehr allzu viel an die ersten drei eher folkigen Alben. Die Inchtabokatables klingen nun deutlich rockiger, verzerrter und lauter. Von daher passt der Albumtitel sogar sehr gut. Klar war den Musikern sicherlich auch, dass dies einigen Fans der ersten Stunde nicht mehr gefallen würde Auf den Konzerten der Band wurde nun allerdings noch ausgelassener mitgetanzt. Von daher: Wohl alles richtig gemacht.

Mich überzeugt das, was ich hier zu hören bekomme ebenfalls, denn dieser Klang, diese Arrangements, das hat schon was. Rock Musik mit vielen Streichern, ohne dabei auch nur den Hauch einer Klassikadaption zu versprühen, das gibt es nicht zu oft. Die Melodien gehen dabei ins Ohr, haben auch die Qualität, dort sehr viel länger zu verbleiben. Das macht durchaus Spaß. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist die etwas deutsche Aussprache so mancher Textzeile. Gerade auch bei dieser Art der Musik wären deutsche Texte, die es ja zum Teil auch auf „Too Loud“ gibt, vielleicht eine noch gelungenere Sache gewesen.

Fazit: „Too Loud” ist eine sehr überzeugende Scheibe geworden, die Spaß macht. Sehr viel Abwechslung gibt es darauf zu hören. Manch rockiger Abschnitt reiht sich an fast schon meditative Klangwiederholungen. Mal zart, mal hart und dabei immer ins Ohr gehend. Wer mal das etwas Außergewöhnliche in der Musik hören möchte, die oder der kann hier getrost zugreifen, denn das hier ist schon nicht mehr ganz so alltäglich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Red Skies, Too Loud, Watch Out