Dienstag, 8. März 2016

Fields Of The Nephilim – The Nephilim




Fields Of The Nephilim – The Nephilim


Besetzung:

Carl McCoy – vocals
Peter Yates – guitar
Paul Wright – guitar
Tony Pettitt – bass
Alexander Wright – drums


Label: Beggars Banquet Records


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Gothic Rock


Trackliste:

1. Endemoniada (7:15)
2. The Watchman (5:31)
3. Phobia (3:37)
4. Moonchild (5:40)
5. Chord Of Souls (5:08)
6. Shiva (4:50)
7. Celebrate (6:25)
8. Love Under Will (7:31)
9. Last Exit For The Lost (9:47)


Bonus Track der remasterten Albumveröffentlichung:

10. Celebrate (Second Seal) (7:53)

Gesamtspieldauer: 1:03:41




„The Nephilim“ ist das zweite Studioalbum der englischen Gothic Rock Band Fields Of The Nephilim und erschien im September 1988 auf dem Label Beggars Banquet Records. Diese Scheibe wäre ein sehr gutes Beispiel dafür, möchte man jemanden von der Qualität und Klasse des Gothic Rocks überzeugen wollen. Denn „The Nephilim“ ist absolut gelungen und begeisternd. Die Atmosphäre, die hier vermittelt und transportiert wird, ist mächtig dunkel und schaurig. Das alles wird verpackt in deftigem, zum Teil auch hartem Rock, macht diese Scheibe so überaus hörenswert. Eher schaurig sind dagegen die Texte gehalten, in denen man schmalzige Liebesschwüre oder Anwandlungen von Liebeskummer selbstverständlich vergebens sucht. Sehr viel eher kann man hier kleinen Horrorgeschichten lauschen und sich ein wenig gruseln.

Dieser dichte Klang der Gitarren, dazu der gruselig schöne Gesang des Carl McCoy machen diese Platte zum einem Höhepunkt im Genre des Gothic Rock. Die einzelnen Stücke rocken dabei, gehen zudem auch ins Ohr oder versetzten einen durch Mantra-artige Redundanzen einzelner Akkorde oder Abschnitte in ein musikalisches Nirwana. Alles scheint in der Musik der Fields Of The Nephilim auf „The Nephilim“ in Bewegung zu sein, scheint zu vibrieren und zu pulsieren. Das klingt nicht selten mitreißend, mystisch und magisch, manches Mal auch durchaus etwas unheimlich.

Einzelne Lieder dabei hervorzuheben, fällt einem fast schwer, da die Stücke allesamt über eine hohe Qualität verfügen und im Grunde genommen kein Titel großartig gegenüber dem anderen qualitativ abfällt. Es werden also immer nur Nuancen sein, die einen eher dieses oder eher jenes Stück bevorzugen lassen. Mir persönlich haben es da die Nummern „The Watchman“, „Celebrate“ und „Love Under Will“ angetan. „The Watchman“ ging mir dabei sofort ins Ohr, wohingegen „Celebrate“ ein wenig aus der Reihe fällt, da es eines der eher raren ruhigen Lieder der Scheibe darstellt, sich jedoch ebenfalls schnell beim Hörer festzusetzen versteht. „Love Under Will“ überzeugt hingegen durch seine Abwechslung, da die Musiker hier mit verschiedenen Intensitäten innerhalb des Stückes spielen, was ebenfalls sehr überzeugend klingt.

Fazit: „The Nephilim“ von Fields Of The Nephilim ist eines der überzeugendsten Gothic Rock Platten überhaupt geworden. Mit jedem Mal des Hörens verstärkt sich dieser Eindruck noch. Sehr intensive und dunkle Musik gibt es hier zu hören, die rockt und ins Ohr geht. Ein dichter und voller Sound prägt zudem die Lieder der Scheibe, die durch den dominierenden Gitarreneinsatz zusätzlich etwas Besonderes in der Musik der 80er Jahre darstellt. So gibt es hier auch völlig andere Texte zu hören, die eben nicht von Liebe und Eifersucht handeln. Eine wirklich überzeugende Platte. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Watchman, Celebrate, Love Under Will



Montag, 7. März 2016

Survivor – Eye Of The Tiger




Survivor – Eye Of The Tiger


Besetzung:

Dave Bickler – lead vocals
Frankie Sullivan – lead, rhythm and acoustic 12-string guitar, backing vocals
Jim Peterik – electric guitars, acoustic 12-string guitars, grand piano, hHammond b-3 organ, backing vocals
Stephan Ellis – bass guitar
Marc Droubay – drums


Gastmusiker:

Fergie Frederiksen – backing vocals
Daryl Dragon – additional keyboards, emulator


Label: Scotti Bros.


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: AOR, Mainstream Rock


Trackliste:

1. Eye Of The Tiger (4:04)
2. Feels Like Love (4:08)
3. Hesitation Dance (3:52)
4. The One That Really Matters (3:32)
5. I'm Not That Man Anymore (4:49)
6. Children Of The Night (4:45)
7. Ever Since The World Began (3:48)
8. American Heartbeat (4:10)
9. Silver Girl (4:52)

Gesamtspieldauer: 37:54




Survivor feierten im Jahr 1982 mit dem Album „Eye Of The Tiger“ ihren Durchbruch. Das lag deutlich weniger an der Platte selbst, als an dem Titellied, welches gleichzeitig Titellied des Films Rocky III war. Sylvester Stallone hatte die Band gebeten, eine kraftvolle Nummer als Titellied für den Film zu schreiben, da ihm die Musik von Survivor schon vorher gut gefiel. Herausgekommen ist dieses Lied, welches wohl fast jede und jeder schon mal gehört hat. Eine rockige Nummer, die ins Ohr geht, richtig gut groovt und auch diesen Ohrwurmcharakter aufweist.

Der Rest der Scheibe ist AOR, Mainstream Rock, wonach damals vor allen Dingen junge Männer in den USA schmachteten. Eingängiger und meist melodischer, manchmal etwas härterer Rock, der allerdings nie allzu kompliziert angelegt ist. Dazu gesellen sich mit „I'm Not That Man Anymore“ und „Ever Since The World Began” zwei sogenannte Rock-Balladen, die natürlich wieder mal textlich nur so vor Schmalz triefen. Aber diese miserablen Texte gibt es auf der ganzen Platte verteilt, dem gesanglichen Inhalt wurde offensichtlich keine große Wichtigkeit eingeräumt. Liebeslieder sollten es eben hauptsächlich sein, da kann man dann doch nichts falsch machen… Grauenvoll.

So ein Zwitter zwischen Ballade und einer Art Hymne stellt „Silver Girl“ dar. Natürlich auch mit einem erschreckend schwachen Text versehen. Nun, da man sich allerdings gerade Anfang der 80er Jahre befand, musste natürlich auch etwas mit viel Synthesizer her. Den gibt es dann bei „American Heartbeat“ sehr exzessiv zu hören. Der Synthesizer-Sound klingt dabei sogar ein klein wenig nach Kim Wilde.

Ansonsten gibt es noch einige Stadionrock-Stücke auf „Eye Of The Tiger“ zu „bewundern“, denen man einen gewissen Unterhaltungswert, wenn sie im Hintergrund laufen, gar nicht absprechen möchte. Allerdings verfügen diese Lieder allesamt über einen Tiefgang, der einem Plastikentchen in der Badewanne gleichkommt. Dazu noch diese Texte, ach das hatten wir ja bereits…

Fazit: Eingängig ist das Album „Eye Of The Tiger“. Rockig ist es auch. Dazu gibt es noch zwei Balladen und einen Ohrwurm frei Haus mitgeliefert. Die Texte sind unfassbar primitiv gehalten und die Musik ist auf die schnelle Eingängigkeit hin komponiert und produziert worden. Das kann man alles anhören, hängen bleibt allerdings lediglich dieser eine Titel, das Lied der Platte „Eye Of The Tiger“. Doch der hängt einem irgendwann auch zum Hals raus. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Eye Of The Tiger



Sonntag, 6. März 2016

Steve Hackett – Highly Strung




Steve Hackett – Highly Strung


Besetzung:

Steve Hackett – guitar, vocals, harmonica


Gastmusiker:

Nick Magnus – keyboards
John Acock – synthesizers
Chris Lawrence – contrabass
Ian Mosley – drums
Nigel Warren-Green – cello


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Camino Royale (5:28)
2. Cell 151 (3:30)
3. Always Somewhere Else (4:02)
4. Walking Through Walls (3:48)
5. Give It Away (4:08)
6. Weightless (3:31)
7. Group Therapy (5:47)
8. India Rubber Man (2:31)
9. Hackett To Pieces (2:40)

Gesamtspieldauer: 37:01




Die sechste Solo-Platte, die Steve Hackett im Jahr 1983 unter dem Titel „Highly Strung“ veröffentlichte, war praktisch genauso enttäuschend, wie das zwei Jahre zuvor entstandene Album „Cured“. Die 80er Jahre hatten definitiv – zwar nicht nur bei Steve Hackett, doch hier auch sehr ausgeprägt – für den kompositorischen Untergang von so manchem Musiker der Progressive Rock Ära der 70er Jahre gesorgt.

Und so gibt es auf „Highly Strung“ eine krude geratene Mischung aus Pop-Rock Titeln, häufig in die Mainstream-Schiene abdriftend, die allerdings dann noch ein ganz klein wenig nach Progressive Rock klingen, wenn es sich um Instrumentaltitel wie „Always Somewhere Else“ oder „Hackett To Pieces“ handelt. Jedoch muss nicht alles, was die Überschrift Progressive Rock zumindest noch halbwegs trägt, auch gut beziehungsweise gelungen sein. Im Falle der zwei genannten Titel klingt das alles ein wenig uninspiriert und geradezu so, als wolle Steve Hackett solche Musik einfach nicht mehr machen und diese hier sei lediglich noch ein Zugeständnis an seine früheren Fans.

Der Rest der Platte ist größtenteils unfassbar stumpfsinniger Pop-Rock. „Schönes“ Beispiel ist die Nummer „Walking Through Walls“, bei dem einen fast die Worte fehlen, um auszudrücken, wie schlecht dieses Lied wirklich ist. Eine Art Pop, der weder eingängig, interessant oder sonst was ist. Das ist dann wirklich schlechte Musik. Leider ist dies allerdings nicht der einzige „Ausrutscher“ nach unten auf „Highly Strung“. Positiv herausstellen kann man vielleicht noch das Lied „Cell 151“. Durch den Einsatz des Cellos wird die Nummer interessant, ist sogar auch beim Gesangsteil melodisch und weiß auch bei den langen Instrumentalpassagen zu überzeugen. Der Höhepunkt der Platte, auf einem ansonsten fast Höhepunkt-freien Album.

Positiv kann man an dieser Stelle auch noch anführen, dass es hier nun wieder ein echtes Schlagzeug zu hören gibt, dieser unsägliche Computer-Beat hier nicht mehr die ganze Scheibe dominiert. Steve Hackett ist ein toller Gitarrist, das hört man auf „Highly Strung“ an der einen oder anderen Stelle, jedoch leider viel zu wenig und selten. Keyboards und Synthesizer stehen dominant im Vordergrund – aber wie sollte das auch anders sein, bei einem Album aus den frühen 80er Jahren.

Fazit: Einen Tick besser als „Cured” ist „Highly Strung“ geworden – allerdings nur einen Tick. Das liegt zum einen an der Instrumentierung und an manchem Lied, welches dann doch ein klein wenig spannender klingt. Oftmals hört man auf „Highly Strung“ jedoch Mainstream Pop-Rock-Lieder, die vom ersten bis zum letzten Takt nerven. Sicherlich kein Höhepunkt in der Diskographie des Steve Hackett, eher etwas belang- und witzlos. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Cell 151



Samstag, 5. März 2016

The Pretenders – Get Close




The Pretenders – Get Close


Besetzung:

Chrissie Hynde – vocals, rhythm guitar
Robbie McIntosh – guitars
T. M. Stevens – bass guitar
Blair Cunningham – drums, percussion


Gastmusiker

Bernie Worrell – organ, synthesizer
Martin Chambers – drums
Rupert Black – keyboards
Carlos Alomar – synthesizer, percussion
Bruce Brody – organ
Mel Gaynor – drums
Steve Jordan – drums, percussion
Tommy Mandel – synthesizer
John McKenzie – bass guitar
Chucho Merchan – bass guitar
Simon Phillips – drums
Patrick Seymour – synthesizer
Lakshminarayana Shankar – violin
Bruce Thomas – bass guitar
Paul "Wix" Wickens – synthesizer, piano


Label: Sire


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Pop Rock, Soft Rock


Trackliste:

1. My Baby (4:07)
2. When I Change My Life (3:38)
3. Light Of The Moon (3:57)
4. Dance! (6:46)
5. Tradition Of Love (5:27)
6. Don't Get Me Wrong (3:46)
7. I Remember You (2:38)
8. How Much Did You Get For Your Soul? (3:48)
9. Chill Factor (3:27)
10. Hymn To Her (4:58)
11. Room Full Of Mirrors (4:44)

Gesamtspieldauer: 47:01




„Get Close“ heißt das vierte Album der englisch-amerikanischen Band The Pretenders, deren Sängerin, Gitarristin und auch Songschreiberin Chrissie Hynde ist. Veröffentlicht wurde die Scheibe im Oktober 1986 auf dem Label Sire und sie enthält mit den Titeln „My Baby“ und „Don't Get Me Wrong“ die beiden erfolgreichsten Mainstream Rock Hits der Band, die beide Platz Nummer 1 der britischen Charts eroberten.

Der Aufnahmeprozess des Albums gestaltete sich dabei reichlich schwierig, da die Lieder fast allesamt mit unterschiedlichen Musikern eingespielt wurden. So feuerte Chrissie Hynde während der Aufnahmen den Schlagzeuger Martin Chambers, der hier allerdings noch beim Jimi Hendrix Cover „Room Full Of Mirrors“ zu hören ist. Damit war Chrissie Hynde das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Band. Da dann allerdings auch noch Bassist Malcolm Foster die Brocken hinwarf, stand die Band plötzlich ohne jegliche Rhythmus-Fraktion dar. Somit wurde das Album mit sehr vielen verschiedenen Musikern eingespielt. Die Single-Auskopplungen waren – wie bereits erwähnt – sehr erfolgreich, die Platte selbst wurde zwar nicht zur erfolgreichsten der Pretenders, konnte sich allerdings auch in allen Hitparaden der größeren Länder platzieren.

Nun, auf „Get Close“ gibt es so eine Mischung aus zum Teil Soft Rock, dann wieder Pop Rock und ab und an mal auch geradlinigeren Rock zu hören. Zudem befindet sich auf der Scheibe auch das ein oder andere funkigere Stück, womit also eine doch breite musikalische Genre-Vielfalt abgedeckt wird. Das Ganze klingt auch größtenteils durchaus eingängig, geht zwar ins Ohr, allzu lange schaffen es die Lieder dann jedoch trotzdem nicht, sich dort zu halten. Das wiederum liegt daran, dass die Platte einfach langweilig ist. Alles auf „Get Close“ scheint auf den schnellen Erfolg in den USA und England hin produziert worden zu sein. Dabei wirken die einzelnen Lieder zumeist alle so oberflächlich und oftmals auch belanglos – langweilig eben. Man kann sich alles gut anhören und Mainstream-Fans werden diese Platte auch mögen, wer allerdings das Besondere in der Musik sucht, jenes Lied, welches Ecken und Kanten hat und gerade dadurch überzeugt, die oder der wird von „Get Close“ enttäuscht werden.

Höhepunkte auf der Scheibe sind für mich das fröhliche und groovende „Don't Get Me Wrong“, sowie das sanfte „Hymn To Her“, das Loblied der Chrissie Hynde auf die Weiblichkeit, welches man auch als Mann toll finden kann. Der Rest der Platte läuft so mit, ist im Grunde genommen nicht mehr groß der Rede wert.

Fazit: Solch Mainstream-Soße ist immer ein wenig langweilig, außer sie verfügt über sehr großen Ohrwurmcharakter, sodass einem die Musik, einmal gehört, nicht mehr aus dem Kopf gehen will und dann lange nachhallt. Ansonsten wird man solchen Platten sehr schnell überdrüssig. Ein weiteres Phänomen dieser Scheiben ist, dass sie eben nicht zeitlos sind. Sie haben ihre Zeit, werden da gehört, gehen dann aber irgendwann wieder unter und verschwinden in der Versenkung. Ein wenig ist es so mit „Get Close“ von den Pretenders. Man kann sicherlich nicht direkt sagen, dass das schlechte Musik wäre, in meinen Ohren ist es allerdings ziemlich langweilige. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Don't Get Me Wrong, Hymn To Her



Freitag, 4. März 2016

Philip Glass – Glassworks




Philip Glass – Glassworks


Besetzung:

Philip Glass – electric organ


Gastmusiker:

Michael Riesman – piano, electric organ, bass, synthesizer
Jack Kripl – piccolo, soprano saxophone, bass clarinet
Jon Gibson – soprano saxophone
Richard Peck – tenor saxophone
Sharon Moe – french horn
Larry Wechsler – french horn
Linda Moss – viola
Lois Martin – viola
Julian Barber – viola
Al Brown – viola
Maureen Gallagher – viola
Seymour Barab – cello
John Abramowitz – cello
Fred Zlotkin – cello


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Postmoderne Kammermusik


Trackliste:

1. Opening (6:24)
2. Floe (5:59)
3. Islands (7:40)
4. Rubric (6:04)
5. Facades (7:21)
6. Closing (5:57)

Gesamtspieldauer: 39:28




„Glassworks“ von Philip Glass ist ein Stück moderner Kammermusik in sechs Sätzen, welches 1982 entstand und auf Sony Musik veröffentlicht wurde. Diese Veröffentlichung fand ein Jahr vor dem Erscheinen des Soundtracks zum Film „Koyaanisqatsi“ statt, den ebenfalls Philip Glass komponiert hatte. Und man kommt gar nicht umhin, hier Parallelen in der Musik beider Tonträger zur hören, jenem Kammerstück „Glassworks“ und eben diesem Soundtrack zum Film „Koyaanisqatsi“.

Das Eröffnungsstück „Opening“ ist eine wunderschöne und sanfte Piano-Nummer. Verträumt und verzaubernd umschwirren Hörerin und Hörer hier Töne und Akkorde, vor dem geistigen Auge entstehen plötzlich Bilder, die alle sanft an einem vorbeiziehen, das Kopfkino wird definitiv angeschmissen. „Opening“ ist ein Quell der Ruhe und der Entspannung, völlig unaufgeregt und einfach wunderschön. Solch ein Stück findet man auch nicht auf dem bereits angesprochenen Soundtrack. Erst wenige Sekunden vor Ende des Stücks erklingt schließlich ein Horn, welches nun sanft in den nächsten Titel, „Floe“, überleitet. Dieser wiederum mündet nach wenigen Augenblicken in einen fast schon mit „hektisch“ zu umschreibenden Part. Alles vibriert hier und jetzt, die Musik scheint fast zu zucken, sich aufzubauen, sich aufzubäumen und sich zu entfalten. Und bei jedem, die oder der den Film „Koyaanisqatsi“ gesehen hat, werden nun ganz andere Bilder als die, der Ruhe entstehen. Denn dieses musikalische Motiv gibt es so auch in dem besagten Film, zwar nicht 1:1 umgesetzt, doch sehr nahe daran.

Nun, auch die folgenden Nummern erinnern sehr an diesen Soundtrack, wobei man aufgrund der zeitlichen Abfolge wohl besser sagen sollte, der Soundtrack des Films „Koyaanisqatsi“ erinnert an das Album „Glassworks“. Nie ist es allerdings so, dass ein Titel identisch ist, es sind alles Variationen, die es auf den unterschiedlichen Ausgaben dieser Musik zu hören gibt. Und nun kommt noch ein großer und gewichtiger Unterschied zwischen beiden Werken hinzu. Die Musik auf „Glassworks“ ist noch ein wenig differenzierter, hier gibt es noch die eine oder andere Stimmung mehr zu erkosten, hier wird auch dem ruhigen Moment ein größerer Spielraum eingeräumt. Die Musik des Philip Glass ist dabei auf „Glassworks“ immer sehr melodiös – egal, welches Tempo das einzelne Lied gerade vorgibt. Und diese Musik ist auch durchaus mit minimalistisch zu umschreiben. Viel passiert hier nie, doch das, was man zu hören bekommt, dass setzt sich sofort fest, ist eingängig und bleibt einem lange noch erhalten.

So wirkt „Glassworls“ auch ein wenig meditativ, wenn ein kurzes Thema immer und immer wieder wiederholt wird, um dabei nur ein ganz klein wenig variiert zu werden. Die passiert mal lauter und fordernder, dann wieder sanft und hintergründig. Zurück bleibt allerdings immer das Gefühl, gerade ganz viel „erlebt“ zu haben. Aber hat man dies in diesem Moment wirklich? War es nicht nur eine monotone Aneinanderreihung der immer wieder gleichen Töne oder Tonabfolgen? Das alles kann einzig und allein von den Hörern entschieden werden, die sicherlich zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen werden.

Fazit: Musik kann mystisch sein, wenn man sich denn auf diese einlassen kann. Was passiert hier auf diesem Philip Glass Album eigentlich? Im Grunde nicht allzu viel. Einige Themen, mal langsamere, mal schnellere, werden immer und immer wieder wiederholt. Fast schon meditativ ist das Ganze zu nennen und auch irgendwie mit dem ganzen Körper zu erspüren. Es ist auf ihre Art eine entrückte Musik, die Philip Glass hier seinen Hörerinnen und Hörern präsentiert. Und es ist Musik, die einen voll trifft, zu der man einfach eine Meinung haben muss, eine begeisterte oder eine ablehnende… Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Alles



Donnerstag, 3. März 2016

Klaus Schulze – Dig It




Klaus Schulze – Dig It


Besetzung:

Klaus Schulze – g.d.s. computer


Gastmusiker:

Fred Severloh – percussion


Label: Brain


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Death Of An Analogue (12:20)
2. Weird Caravan (5:20)
3. The Looper Isn't A Hooker (8:20)
4. Synthasy (23:10)

Gesamtspieldauer: 46:10




„Dig It“ erschien im Jahr 1980 auf dem Label Brain und stellt nicht nur das zwölfte Studio-Album des Klaus Schulze dar, sondern zugleich auch das erste, welches ausschließlich digital eingespielt wurde. Jegliche Musik auf der Scheibe entstammt also der Festplatte dieses G.D.S. Computers. Und natürlich wirkt diese Musik künstlich, aber das haben bereits die analogen Stücke der 70er Jahre des Klaus Schulze getan. Wer andererseits allerdings denkt, die Musik auf „Dig It“ würde auch kalt klingen, der sieht sich getäuscht und kommt beim Hören zu einem ganz anderen Ergebnis.

Dunkel und düster klingt sie, die Musik des Klaus Schulze auf „Dig It“, jedoch nicht kalt. Das beginnt gleich mit dem Eröffnungstitel „Death Of An Analogue“, mit dem wohl laut Titel die analoge Technik zu Grabe getragen werden soll. Man hört das ganze Lied über eine sehr metallisch klingende Computerstimme, die anscheinend diesen Abgesang besingt beziehungsweise bespricht. Die Worte sind dabei allerdings nicht zu verstehen. Das gibt der Nummer zwar einerseits einen etwas geheimnisvollen Anstrich, richtiggehend überzeugen kann das Lied dabei allerdings nicht, da es sehr monoton ist und sich dieser Roboter-Sprechgesang mit der Zeit einfach ein wenig nervig anhört.

Auch „Weird Caravan“ haut einen nicht restlos vom Hocker. Hier klingt die Musik des Klaus Schulze jetzt fast schon funkig, was an dem im Computer erzeugten Basslauf liegt, der dem Stück seinen Rhythmus verleiht. Es folgt mit „The Looper Isn't A Hooker“ eine deutliche Steigerung. Zunächst ist das Lied eine sehr sphärische Angelegenheit, entwickelt sich dann allerdings zu einer fast schon groovenden Nummer, die dabei noch rhythmisch sowie eingängig ist. Sehr gelungen.

Bliebe schließlich noch das letzte und längste Stück auf „Dig It“, „Synthasy“. Hier klingt Klaus Schulze ganz eindeutig wieder so wie früher. Das Stück wird mit einem dunklen und irgendwie entrückt klingenden Part eingeleitet, dröhnende und tiefe Trommelwirbel gibt es dabei zu hören, bis das Stück etwa ab Minute 6 in einen deutlich flotteren, zunächst noch etwas atonalen, dann jedoch sehr melodischen weiteren Teil übergeht. Wahrlich faszinierend, wie hier Mantra-artig Redundanzen wiederholt werden. Es gesellt sich eine Art Orgelsound hinzu und später auch noch ein zischender und erneut unverständlicher Gesang. Fertig ist das volle, zutiefst meditative und dabei doch nicht leise Stück. Absolut begeisternd, wenn man auf solche Klangwelten steht.

Fazit: Das erste rein digitale Album des Klaus Schulze klingt nicht kalt. Es ist ein wenig düster geraten, was den Gesamteindruck der Platte allerdings in keinster Weise schmälert. Der Sound des Klaus Schulze wird variabler, plötzlich hört man da auch etwas funkigere Töne, ob man das dann auch mag, ist natürlich reine Geschmackssache. Höhepunkt der Scheibe ist auf jeden Fall der letzte und längste Titel „Synthasy“, der an die früheren Werke des Klaus Schulze erinnert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Synthasy



(Erneut ist es die GEMA, die ein Abspielen der Titel auf YouTube verhindert. Dies gilt allerdings  nur für Deutschland.)

Mittwoch, 2. März 2016

Wall Of Voodoo – Call Of The West




Wall Of Voodoo – Call Of The West


Besetzung:

Stan Ridgway – lead vocals, harmonica, keyboards
Marc Moreland – 6- and 12-string guitars
Joe Nanini – drums, percussion, spoken word
Chas T. Gray – synthesizer, bass guitar, melodica, backing vocals


Gastmusiker:

Richard Mazda – bass guitar
Louis Rivera – percussion


Label: I.R.S. Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: New Wave, Dark Wave


Trackliste:

1. Tomorrow (3:03)
2. Lost Weekend (4:59)
3. Factory (5:33)
4. Look At Their Way (3:18)
5. Hands Of Love (3:54)
6. Mexican Radio (4:11)
7. Spy World (2:41)
8. They Don't Want Me (4:31)
9. On Interstate 15 (2:44)
10. Call Of The West (5:59)

Gesamtspieldauer: 40:48




Wall Of Voodoo veröffentlichten im Jahr 1982 ihre dritte Studio-Platte unter dem Titel „Call Of The West”. Das Album erschein bei I.R.S. Records (International Record Syndicate) und enthält mit „Mexican Radio” wohl eines der bekanntesten Stücke der Band. Zu hören gibt es darauf New Wave bis Dark Wave, nicht immer ganz eingängig, oftmals auch etwas schräg klingend und immer auch dominiert durch den, mit einer sehr amerikanischen Aussprache versehenen Gesang des Stan Ridgway.

Nach einigen Durchläufen der Platte wird diese schließlich auch interessanter, die einzelnen Titel eröffnen sich einem mehr und mehr. Was allerdings immer ein sehr großes Manko der Musik von Wall Of Voodoo auf „Call Of The West“ ist und auch immer bleiben wird, das ist die Rhythmus-Fraktion. Zur Generierung des Rhythmus‘ wurde allzu oft ein Drum-Computer eingesetzt. Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts mag das vielleicht noch ganz hip geklungen haben, in der heutigen Zeit klingt es nur noch allzu künstlich und in meinen Ohren definitiv richtiggehend nervig.

Höhepunkte des Albums sind, trotz des miserablen Anfangs mit wieder einem Drum-Computer, das Stück „Lost Weekend“. Hier klingt die Band so ein klein wenig mystisch. Das Lied ist ein ruhiges, geht gut ins Ohr und wie würde es erst klingen, wenn sie hier ein echtes Schlagzeug verwendet hätten? Noch viel besser auf jeden Fall. Auch gelungen ist ebenfalls das bereits erwähnte Lied „Mexican Radio“. Dieses Stück ist eine sehr viel flottere Nummer mit einer gehörigen Portion Ohrwurmcharakter, die auch auf 80er-Revivalparties immer wieder zum Einsatz kommt. Und ganz zum Schluss finden sich auch noch zwei Perlen. „On Interstate 15“ ist eine Instrumentalnummer, ebenfalls mit einem durchaus nach vorne gewandten Rhythmus ausgestattet, die ein klein wenig nach Country klingt und immer dann besonders hörenswert ist, wenn das Piano im Vordergrund steht. Bliebe noch das letzte und gleichzeitige Titelstück, „Call Of The West“. Nachteil auch hier wieder der Rhythmus beziehungsweise die Art und Weise dessen Erzeugung. Trotzdem geht auch das Lied ins Ohr, ist hörenswert.

Fazit: Die Instrumentierung auf „Call Of The West“ von Wall Of Voodoo ist typisch für jene musikalische Zeit Anfang der 80er Jahre. Viel Synthesizer-Klänge gibt es da zu hören, oftmals sollte es wohl ganz bewusst so künstlich klingen. Die Musik von Wall Of Voodoo ist auf dieser Platte wahrlich nicht alltäglich, klingt manchmal etwas verschroben bis schräg, dann wieder sehr eingängig und melodiös. Spannend ist das allemal, da eben anders. Acht Punkte.

Anspieltipps: Lost Weekend, Mexican Radio, On Interstate 15



Dienstag, 1. März 2016

The Boomtown Rats – The Fine Art Of Surfacing




The Boomtown Rats – The Fine Art Of Surfacing


Besetzung:

Bob Geldof – vocals, saxophone
Pete Briquette – bass, vocals
Gerry Cott – guitar
Johnnie Fingers – keyboards, vocals
Simon Crowe – drums, vocals
Garry Roberts – guitar, vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Someone’s Looking At You (4:22)
2. Diamond Smiles (3:49)
3. Wind Chill Factor (Minus Zero) (4:35)
4. Having My Picture Taken (3:18)
5. Sleep (Fingers’ Lullaby) (5:30)
6. I Don’t Like Mondays (4:16)
7. Nothing Happened Today (3:18)
8. Keep It Up (3:39)
9. Nice ‘N’ Neat (2:50)
10. When The Night Comes (5:00)

Gesamtspieldauer: 40:13




Die Boomtown Rats, jene Band, durch die Bob Geldorf bekannt wurde, bevor er sich mit den Live Aid Konzerten einen ganz andere Namen machte, veröffentlicht Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre insgesamt sechs Studioalben. „The Fine Art Of Surfacing“ ist die dritte Platte der Band, erschien im Oktober 1979 auf Columbia Records und bedeutete den endgültigen und internationalen Durchbruch für die Iren.

Dies liegt zu einem nicht unerheblichen Teil an dem Stück „I Don’t Like Mondays“, welches in den britischen Chartds bis auf Platz 1 kletterte. Erzählt wird darin die wahre Geschichte der damals sechzehnjährigen Brenda Ann Spencer, die am 29. Januar 1979, einem Montag, aus dem Fenster ihres Elternhauses auf das gegenüberliegende Schulgelände schoss und den Schulleiter sowie den Hausmeister erschoss, zudem noch einen Polizisten und acht Schüler verletzte. Noch während der Tat wurde sie von einem Journalisten telefonisch kontaktiert, dem sie auf die Frage, warum sie dies gerade tue antwortete: „Ich mag keine Montage“.

„I Don’t Like Mondays“ ist eine tolle Nummer, die wirkt und klingt und auch mit großem Abstand das beste Lied der Platte. Die anderen neun Lieder können da bei weitem nicht mithalten, sind zum Teil ganz nette Pop bis New Wave Stücke, die auch immer wieder mit rockigeren Abschnitten ausgestattet wurden. All diesen Titeln ist allerdings gemein, dass sie eben nicht ganz so dominant hängenbleiben und laufen auf der Scheibe eher so ein klein wenig mit. Insgesamt hinterlassen die einzelnen Lieder zumeist einen sehr fröhlichen Eindruck und erzeugen gute Laune, das einzige wirklich etwas nachdenklichere Stück ist das bereits erwähnte „I Don’t Like Mondays“. Auch befindet sich auf der Scheibe kein wirklicher Ausfall, man muss den Plattenarm nicht weiterheben beziehungsweise kann auf die Fernbedienung des CD-Players gut verzichten. 

Fazit: Eine fröhliche, manches Mal sogar rockige Pop und New Wave Scheibe ist „The Fine Art Of Surfacing“ von den Boomtown Rats geworden. Höhepunkt der Platte ist gleichzeitig das bekannteste Lied der Band „I Don’t Like Mondays“. Auch die restlichen Stücke auf der Scheibe sind gut hörbar, wenn man auf eine gesunde Mischung von Pop und New Wave steht. Lohnt sich schon. Neun Punkte.

Anspieltipps: I Don’t Like Mondays, When The Night Comes



Montag, 29. Februar 2016

Genesis – Genesis Live




Genesis – Genesis Live


Besetzung:

Tony Banks – hammond organ, mellotron, hohner pianet, 12-string guitar, backing vocals
Phil Collins – drums, percussion, backing vocals
Peter Gabriel – lead vocals, flute, tambourine
Steve Hackett – lead guitar
Mike Rutherford – bass guitar, bass pedals, 12-string guitar, backing vocals


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock, Live


Trackliste:

1. Watcher Of The Skies (8:34)
2. Get 'Em Out By Friday (9:14)
3. The Return Of The Giant Hogweed (8:14)
4. The Musical Box (10:56)
5. The Knife (9:47)

Gesamtspieldauer: 46:44




Im August des Jahres 1973 veröffentlichten Genesis ihr erstes Live-Album unter dem Titel „Genesis Live“. Wie auch die Platten zuvor, so wurde auch diese Scheibe auf dem Charisma Label veröffentlicht und kletterte immerhin bis auf Platz 9 der britischen LP-Charts. Zu hören gibt es darauf fünf Lieder, die den Alben zwei bis vier entnommen wurden. „The Knife“ stammt von der zweiten Platte „Trespass“, die noch ohne Phil Collins eingespielt wurde. „Nursery Cryme“ ist mit „The Return Of The Giant Hogweed“ und „ The Musical Box” vertreten. Vom vierten Album „Foxtrot” stammen schließlich die beiden Titel „Watcher Of The Skies“ sowie „Get 'Em Out By Friday“.

Nun, das Wichtige zu diesem Album ist sehr schnell gesagt. Die Musik darauf ist absolut beeindruckend und einfach genial, wenn man denn auf Progressive Rock steht, der melodisch ist und ins Ohr geht. Die entsprechenden Platten wurden hier auf diesen Seiten auch mit fünfzehn, vierzehn und dreizehn Punkten bewertet. Mehr geht also kaum. Die Musik überzeugt, der Klang ist dabei selbstverständlich jedoch nicht ganz so perfekt, wie er auf den Studio-Alben klingt, trotzdem noch gut. Aber das nimmt man bei einem mitreißenden Live-Album natürlich auch gerne mit in Kauf. Hier zählt zwar auch der Sound, jedoch zusätzlich die Atmosphäre, die von einem Live-Erlebnis mittransportiert wird.

Genau dort liegt allerdings auch die kleine Einschränkung dieses Albums. Stimmung wird hier nämlich nicht großartig in das Wohnzimmer übermittelt. Zwar gibt es frenetischen Applaus und Jubel nach jedem Lied zu hören und Peter Gabriel macht zwei kleine Scherze, die kurze Lacher nach sich ziehen, ansonsten werden hier von ihm jedoch nur ganz knapp die Titel angesagt. Soviel also zur „Live-Atmosphäre“ der Scheibe. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass die fünf Lieder praktisch eins zu eins von den jeweiligen Alben übernommen wurden. Hier gibt es kaum Variationen zu den Originalen. Am ehesten sind diese noch beim ältesten Stück „The Knife“ zu hören, welches auf „Genesis Live“ noch etwas rockiger klingt als im Original und auch in dieser Version wahrlich mitreißend ist. Die Lieder sind genial, das steht außer Frage. Die praktisch identische Umsetzung dieser Titel auf der Bühne zeigt dabei nur, welch tolle Musiker die fünf Briten sind. Nur die Umsetzung des Ganzen als Live-Album hätte es da nicht unbedingt gebraucht.

Fazit: Mitreißenden Progressive Rock gibt es auf „Genesis Live“ zu hören. Musik, die es nur zur damaligen Zeit gab, danach in dieser Ausprägung nie wieder. Von daher muss ein solches Konzert ein sehr beeindruckendes Erlebnis gewesen sein, welchem ich persönlich aus Altersgründen leider nie beiwohnen durfte. Nun, die Musik unterscheidet sich nur marginal von den Originalen auf den Studio-Alben, die Klangqualität ist logischerweise ein klein wenig schlechter als bei den Studioaufnahmen und außer Jubel und Applaus gibt es auch nicht allzu viel „Live“-Sound zu hören. Trotzdem bleibt das natürlich immer noch geniale Musik, die sich zu hören einfach lohnt. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: The Knife



Sonntag, 28. Februar 2016

The Nits – Henk




The Nits – Henk


Besetzung:

Robert Jan Stips – keyboards
Rob Kloet – drums
Henk Hofstede – vocals, banjo


Gastmusiker:

Petra Lugtenburg – background vocals
Joke Geraets – background vocals


Label: CBS


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Pop, Avantgarde


Trackliste:

1. Bike In Head (3:34)
2. Port Of Amsterdam (3:36)
3. Typist Of Candy (3:34)
4. Home Before Dark (3:03)
5. The Singing Telegram (2:02)
6. Erom On (3:28)
7. Sleep (What Happens To Your Eyes) (4:33)
8. Pillow Talk (3:45)
9. Cabins (2:51)
10. Under A Canoe (3:41)
11. Crane-Driver (4:08)
12. 5 Hammering Men (2:16)

Gesamtspieldauer: 40:31




Im Jahr 1986 wurde das sechste Album der niederländischen Band The Nits veröffentlicht. „Henk“ heißt dieses und erschien erneut auf dem Label CBS Records. „Henk“ ist dabei noch ein wenig experimenteller, noch avantgardistischer geworden, als so manch anderes Album der hier noch drei Musiker. Wieder werden auch Stimmen als Musikinstrumente verwendet, die vorher leicht elektronisch verändert wurden. Die Musiker experimentieren hier mit Sounds, Rhythmen und Stimmungen.

„Henk“ ist nicht ganz so leicht zugänglich, da die einzelnen Titel auch keineswegs ganz so eingängig und melodiös klingen. Hier benötigt man definitiv Zeit und viele Durchläufe der Scheibe, bis sich einem diese Musik restlos erschließt – wenn man das denn schafft. Das gilt zwar keineswegs für jedes der 12 enthaltenen Lieder, jedoch solch eine Nummer wie zum Beispiel „Port Of Amsterdam“ ist alles andere als kommerziell. Das bedeutet, auf „Henk“ befindet sich wahrlich außergewöhnliche, vielleicht sogar manches Mal „seltsame“ Musik, die allerdings trotzdem beeindruckt, weil sie eben so anders ist. In eine ähnliche Richtung wie das gerade erwähnte „Port Of Amsterdam“ gehen auch die Nummern „Under A Canoe“, „Crane-Driver“ und auch „5 Hammering Men“, also die gesamten letzten drei Lieder auf „Henk“, mit denen die Hörerin und der Hörer schließlich aus dem Album entlassen werden. Melodiös ist dies hier zum Schluss dann alles nicht mehr sonderlich, allerdings sicherlich auch nicht besonders atonal – anders eben, etwas konstruiert, mitunter an Soundkollagen erinnernd.

Jedoch gibt es auf „Henk“ auch die sehr melodiösen Momente. Lieder die eingängig klingen, wenn man in diesen Fällen allerdings vielleicht auch wieder einige Durchläufe benötigt, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Beispiele hierfür wären das Eröffnungslied „Bike In Head“, „Home Before Dark“, „Pillow Talk“ und das wie eine Synthie-Pop-Nummer beginnende „Cabins“, welches auch im weiteren Verlauf meist diesem musikalischen Genre zugeordnet werden kann, dabei jedoch nichts an seiner Melodiösität einbüßt.

Fazit: Ein durchaus anspruchsvolles Album ist „Henk“ von The Nits geworden. Kein Allerwelts-Pop, sondern vielmehr ein sehr vielschichtiges Album, welches mal eingängig, dann aber auch wieder sehr experimentell klingt. Spaß macht die Platte dabei durchaus, vielleicht allerdings nicht gleich beim ersten Hören. Manche Alben muss man sich eben erarbeiten. „Henk“ von den Nits gehört definitiv zu diesen Scheiben. Neun Punkte.

Anspieltipps: Pillow Talk, Cabins



Samstag, 27. Februar 2016

Walk On Fire – Blind Faith




Walk On Fire – Blind Faith


Besetzung:

Alan King – vocals
Mike Casswell – acoustic & electric guitars
Dave Cairns – keyboards, additional acoustic guitars
Phil Williams – bass, backing vocals
John Henderson – drums


Gastmusiker:

Keith Airey – guitars
Richard Cottle – keyboards
Tim Moore – keyboards
Peter Vitesse – keyboards
Graham Edwards – bass
Steve Ferrone – drums, percussion
Andy Caine – backing vocals
Gary Dyson – backing vocals
Scott Gilman – backing vocals


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Mainstream, AOR, Pop-Rock


Trackliste:

1. Blind Faith (4:44)
2. Wastelands (4:40)
3. Crime Of Loving You (4:13)
4. Tell It Like It Is (4:14)
5. Caledonia (4:36)
6. Hearts Of Gold (5:03)
7. Hands Of Time (4:52)
8. Hungry For Heaven (4:01)
9. Miracle Of Life (4:45)
10. Close My Eyes (4:55)

Gesamtspieldauer: 46:03




Walk On Fire war eine britische Rock-Formation, die in den Jahren 1988 bis 1991 aktiv war und in dieser Zeit genau ein Album veröffentlichte, nämlich „Blind Faith“ im Jahr 1989. Wenn man es nicht besser wüsste, so würde man ganz sicher darauf tippen, dass die Band aus den USA stammen würden. Denn genau so klingen sie, wie eine dieser US-amerikanischen Mainstream bis AOR Bands à la Foreigner, Journey, etc. Nicht weiter verwunderlich daher, dass sie nach der Album-Veröffentlichung auch zusammen mit Foreigner tourten.

Auf „Blind Faith“ hört man diesen absolut belanglosen, langweiligen und nichtssagenden Mainstream Rock, der jedoch im Gegensatz zu den amerikanischen Vertretern dieses Genres, wie zum Beispiel Foreigner, noch nicht einmal über irgendwelche Ohrwürmer verfügt. Alles klingt bei Walk On Fire ziemlich gleich, glatt und anbiedernd eingängig. Selbstverständlich handeln die Texte wieder von Liebe und Schmalz und Seelenschmerz und enttäuschter Liebe und so weiter und so fort. Kleines Beispiel gefällig? Titel Nummer 3 beginnt mit den Worten: „Don’t break my heart, for the crime of loving you“. Nun, da fehlen einem einfach die Worte und man bleibt als Hörerin oder Hörer sprachlos zurück, wenn man denn überhaupt noch hinhört.

Die einzelnen Titel regen noch nicht mal auf, sie „säuseln“ sich so über die Platte hinweg, ohne dabei auch nur die geringste Spur zu hinterlassen. Keinerlei Wiedererkennungswert ist dabei auszumachen, sehr große Langeweile macht sich auf „Blind Faith“ breit. Man kann dabei noch nicht mal behaupten, dass die einzelnen Nummern nicht eingängig wären. Das sind sie zweifelsohne. Jedoch sind diese so etwas von glattgebügelt und auf Eingängigkeit getrimmt, dass man das gar nicht mehr hören mag. Als Hintergrundmusik, die nicht weiter stören soll beim Unterhalten, in der entsprechenden leisen Lautstärke bestens geeignet. Aber auch wirklich nur so zu verwenden, wenn man denn unbedingt will.

Fazit: Diese supereingängigen Rock-Scheiben langweilen einfach. Ohne Ecken und Kanten wird hier alles auf die schnelle und unkomplizierte Konsumierung durch die Hörer hin produziert. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass die Texte allesamt nichtssagend sein müssen, denn sonst müssten die Musikhörer ja sogar noch nachdenken. Das will hier bestimmt niemand. Überraschenderweise, trotz der nicht wegzudiskutierenden Eingängigkeit, blieben die Jungs von Walk On Fire überaus erfolglos. Sie scheinen ein miserables Management gehabt zu haben, denn normalerweise kommt so etwas im Radio nämlich durchaus an, läuft dort häufig rauf und runter und wird dann auch gekauft. Nicht so jedoch Walk On Fire. Vier Punkte.

Anspieltipps: Blind Faith, Wastelands



Freitag, 26. Februar 2016

Tangerine Dream – Underwater Sunlight




Tangerine Dream – Underwater Sunlight


Besetzung:

Edgar Froese – synthesizer, guitar
Christopher Franke – synthesizer, electronic percussion
Paul Haslinger – synthesizer, grand piano, guitar


Label: Jive Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Song Of The Whale, Part One: From Dawn... (8:25)
2. Song Of The Whale, Part Two: ...To Dusk (10:53)
3. Dolphin Dance (5:05)
4. Ride On The Ray (5:30)
5. Scuba Scuba (4:30)
6. Underwater Twilight (5:50)

Gesamtspieldauer: 40:13




In etwa das zwanzigste Sudio-Album ist „Underwater Sunlight“ von Tangerine Dream. So ganz genau lässt sich das irgendwie nicht nachvollziehen, da die Musiker, um den im Januar 2015 verstorbenen Edgar Froese, einen unfassbaren Ausstoß an Platten vorzuweisen haben. Zählt man alle Live-Alben und Kompilationen mit, so dürften Tangerine Dream inzwischen wohl an die 120 Platten veröffentlicht haben. Unfassbar.

„Underwater Sunlight“ ist die erste Platte, auf der der Österreicher Paul Haslinger zu hören ist und gleichzeitig auch eine der wenigen Scheiben der Elektronikkünstler, die in den 80er Jahren noch gelungen und hörbar waren. Der Pop hatte sehr starken Einzug gefunden in die Musik von Tangerine Dream. Lange und epische Soundkollagen waren zu der Zeit nicht mehr so gefragt. Poppig und unterhaltend sollte es hautsächlich klingen. Macht es auch, nur leider wirkt das Ganze zum Teil ein wenig zu aufgesetzt, wie eine nette Begleitmusik. Keine Musik also mehr, in die man eintauchen, sich darin vertiefen möchte.

Gelungen ist auf „Underwater Sunlight“ auf jeden Fall der Auftakt. „Song Of The Whale, Part One: From Dawn...“ ist eine schöne, ins Ohr gehende Nummer. Das Lied klingt ein wenig mystisch und ist zudem mit einem schönen Gitarrensolo des Edgar Froese ausgestattet worden. Teil 2 des „Song Of The Whale“ kann da schon deutlich weniger überzeugen. Zwar beginnt das Stück mit einer sehr schönen und sanften Piano-Einleitung, entwickelt sich dann allerdings im weiteren Verlauf zu einer etwas sphärischen New Age Nummer, die perfekt zu einer Entspannungsmassage passen würde.

Die vier Stücke der zweiten Plattenseite sind ganz unterschiedlicher Art. „Dolphin Dance“ ist eine etwas fröhliche, jedoch leider auch nichtssagende Pop-Nummer, die von einem Synthesizer-Lauf getragen wird. „Ride On The Ray“ klingt da schon deutlich besser. Nicht ganz so poppig, wieder ein wenig sphärischer hört sich diese Nummer sehr schwebend an und geht auch ins Ohr. Auch hier bekommt man wieder ein interessantes Gitarren-Solo mitgeliefert. Etwas störend ist bei diesem Lied allerdings der Drum-Computer, der zwar nur im Hintergrund zu hören ist, mit seinem künstlichen Sound trotzdem störend wirkt. Nichtsdestotrotz klingt das Lied überzeugend. Mit „Scuba Scuba“ wird es dann nicht fröhlich, wie der Name vielleicht vermuten lassen könnte, sondern wieder deutlich entrückter. Hier bewegen sich Tangerine Dream nun wieder mehr im Bereich der Soundkollage, denn so eine richtige Melodie gibt es bei „Scuba Scuba“ nicht zu hören. Bleibt schließlich noch das letzte Stück, „Underwater Twilight“. Diese Nummer wirkt zu Beginn wie gehaucht, alles scheint zu schweben, ist nur ganz sanft angerissen. Dann schließlich setzt der Rhythmus ein und es entwickelt sich ein flottes Lied, welches durchaus auch in die Ohren geht. Vor allen Dingen das Ende des Stücks ist dabei sehr gelungen, wenn auf dem Keyboard ein schöner Lauf wiedergegeben wird.

Fazit: So ein Mittelding zwischen sphärischer Synthesizer-Musik und poppigen Keyboard-Klängen stellt „Underwater Sunlight“ von Tangerine Dream dar. Diese Musik wird für stark ausgeprägte Rockfreunde immer ein Gräuel sein. Zum Entspannen sind die eher sphärischen Stücke auf der Scheibe allerdings sehr gut geeignet. Zudem gibt es hier auch einige Melodien, die durchaus ins Ohr gehen. Für Freunde elektronischer Musik sicherlich eine Empfehlung wert. Acht Punkte.

Anspieltipps: Song Of The Whale Part One: From Dawn..., Ride On The Ray



Donnerstag, 25. Februar 2016

Steve Jones – Fire And Gasoline




Steve Jones – Fire And Gasoline


Besetzung:

Steve Jones – vocals, guitar, background vocals


Gastmusiker:

Billy Duffy – guitar solo on "Get Ready"
Terry Nails – bass, vocals
Ian Astbury – vocals, tambourine
Mickey Curry – drums
Axl Rose – vocals on "I Did U No Wrong"


Label: MCA Records


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Freedom Fighter (5:05)
2. We're Not Saints (4:06)
3. God In Louisiana (4:46)
4. Fire And Gasoline (4:26)
5. Trouble Maker (3:02)
6. I Did U No Wrong (3:16)
7. Get Ready (4:19)
8. Gimme Love (4:16)
9. Wild Wheels (4:07)
10. Hold On (4:00)
11. Leave Your Shoes On (4:12)

Gesamtspieldauer: 45:35




Zwei Solo-Studio-Alben hat der Ex-Sex Pistols Gitarrist Steve Jones bisher in seiner Karriere veröffentlicht. 1987 „Mercy“ und zwei Jahre später „Fire And Gasoline“. Knallharten Hard Rock gibt es darauf zu hören, der kompromisslos vom ersten bis zum letzten Takt durchgezogen wird. Unterstützung bekam Steve Jones auf „Fire And Gasoline“ durch Axl Rose von Guns N' Roses, der bei dem Titel „I Did U No Wrong“ im Hintergrund mitsingt. Dann ist die Band „The Cult“ noch einigermaßen an „Fire And Gasoline“ beteiligt. Ian Astbury, Sänger bei The Cult, hört man ebenfalls im Hintergrund mitsingen und er produzierte die Scheibe auch mit. Cult-Gitarrist Billy Duffy hört man an der Gitarre bei „Get Ready” und Mickey Curry war zu der Zeit gerade Drummer bei The Cult und ist auf „Fire And Gasoline“ ebenfalls am Schlagzeug zu hören.

Auf der Platte gibt es also Hard Rock zu hören, der ohne jegliche Kompromisse durchgezogen wird. Das macht zwar durchaus Spaß und hört sich auch ganz gut an, wird nur im Laufe der dreiviertel Stunde Spieldauer etwas langweilig. Bum – Tsching – Bum – Tsching – Bum – Tsching – Bum – Tsching – Bum – Tsching – und so weiter und so fort. Jedes Lied in genau demselben Takt, alle Lieder sehr, sehr ähnlich gehalten. Die Titel sollten wohl ordentlich krachen, das machen sie auch – ein wenig mehr Variation hätte der Scheibe allerdings durchaus gut getan.

Sollte ich hier einzelne Titel herausheben müssen, so würde mir da gleich „Hold On“ einfallen, da diese Nummer auch etwas mehr ins Ohr geht und länger hängenbleibt. Dann noch vielleicht „Leave Your Shoes On“, weil es eben nicht nur diesen einseitigen Rhythmus aufweist, sondern mit Stimmungen spielt, aus unterschiedlichen Teilen aufgebaut ist und ebenfalls ins Ohr geht. Die restlichen neun Lieder der Scheibe sind wahrlich nicht schlecht, allerdings eben sehr einseitig gehalten. Rau klingt der Hard Rock des Steve Jones hier, ungehobelt und ungeschliffen. Freunde komplizierterer Musik dürften hier definitiv Probleme bekommen, zum Abrocken allerdings bestens geeignet.

Fazit: Im Jahr 2005 wurde „Fire And Gasoline“ in einer Veröffentlichung des „Rock Hard Magazins“ auf Platz 460 der 500 größten Rock & Metal Alben gewählt. Wie immer bei solchen Kategorisierungen kann man da aber natürlich auch ganz anderer Meinung sein. „Fire And Gasoline“ ist eine Platte, die Fans der härteren Musik gefallen wird. Hier wird nicht rumgezickt, hier wird gerockt – und sonst gar nichts. Von daher durchaus in Ordnung, was Besonderes stellt diese Scheibe allerdings nicht dar. Sieben Punkte.

Anspieltipps: I Did U No Wrong, Hold On, Leave Your Shoes On