Mittwoch, 11. April 2018

The Verve – A Storm In Heaven




The Verve – A Storm In Heaven


Besetzung:

Richard Ashcroft – vocals, acoustic guitar on "See You In The Next One (Have A Good Time)", percussion on "Already There", "Beautiful Mind", "The Sun, The Sea", "Virtual World" und "Blue"
Nick McCabe – guitars, piano on "Beautiful Mind" and "See You In The Next One (Have A Good Time)", accordion on "See You In The Next One (Have A Good Time)", keyboard on "Make It 'Til Monday"
Peter Salisbury – drums, percussion on "Star Sail" and "Virtual World"
Simon Jones – bass, backing vocals on "Star Sail"


Gastmusiker:

Simon Clarke – solo flute on "Virtual World", horn arrangements
Kick Horns – trumpets, saxophones on "Already There", "The Sun, The Sea", und "Butterfly"
Yvette Lacey – chorus flute on "Virtual World"
Roddy Lorimer – horn arrangements


Label: Hut Recordings


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Psychedelic Rock, Shoegazing, Dream Pop


Trackliste:

1. Star Sail (3:59)
2. Slide Away (4:03)
3. Already There (5:38)
4. Beautiful Mind (5:27)
5. The Sun, The Sea (5:16)
6. Virtual World (6:20)
7. Make It 'Til Monday (3:05)
8. Blue (3:25)
9. Butterfly (6:39)
10. See You In The Next One (Have A Good Time) (3:07)

Gesamtspieldauer: 47:03




„A Storm In Heaven“ heißt das erste offizielle Studio-Album der britischen Band The Verve, die sich hier noch kurz mit „Verve“ betitelte, sich jedoch nach der Veröffentlichung aus Sorge vor einem Rechtsstreit mit dem Plattenlabel Verve Records in The Verve umbenannte. „A Storm In Heaven“ wurde am 21. Juni 1993 auf dem Plattenlabel Hut Recordings veröffentlicht und kletterte in den britischen Albumcharts bis auf Platz 27. Auf dem Album ist durchaus besondere Musik zu hören, denn die Musiker unternehmen hier den Versuch, Ambient-Klänge mit Rock zu kombinieren. Das Ergebnis ist ganz und gar nicht alltäglicher Rock.

Sowohl der Gesang wie auch die Gitarren-Spuren wurden mit sehr viel Echo und Hall versehen, was der Musik einen sehr psychedelischen Anstrich verleiht. Alles klingt ein wenig entrückt und wie in Watte getaucht, man hört die Musik durch eine Art Schleier, der aus vielen dichten musikalischen Lagen zu bestehen scheint. Diese etwas unwirkliche klingende und durchaus auch dunkel aus den Boxen quellende Atmosphäre schwebt über dem ganzen Album, was das Hörerlebnis sehr intensiv und auf eine bestimmte Art auch anders werden lässt.

Allerdings sehnt man sich beim Anhören von „A Storm In Heaven“ fast ein wenig nach den hellen und klaren Tönen, die hier allerdings nur wenig anzutreffen sind. Am ehesten vielleicht noch bei dem etwas rockigeren Stück „The Sun, The Sea“. Bei der Nummer „Butterfly“ wird die Musik dann noch ein wenig experimenteller und artet in ein kaum mehr strukturiertes Klanggebilde aus, was allerdings die Herzen gerade jener Hörerinnen und Hörer höherschlagen lassen dürfte, die solch experimentelle und außergewöhnliche Ansätze in der Musik zu schätzen wissen. Ganz klar heben sich The Verve hier vom Massenmarkt ab und radiotauglich ist diese Art der Musk auch keinesfalls. Die Lieder gehen nicht unbedingt ins Ohr, die Musik will durchaus erarbeitet werden und wirkt mit jedem weiteren Durchlauf intensiver.

Fazit: Ein sehr dunkles und atmosphärisch dichtes Album haben The Verve mit „A Storm In Heaven“ vorgelegt. Ein Debut-Album, dass nur wenig mit den später deutlich strukturierteren Alben der Band zu tun hat. Verve klingen hier wesentlich experimenteller und undurchdringlich. Die Lieder stellen eine Mischung aus musikalischen Ambient-Lagen, die auf Rock-Musik treffen dar. Vergleichbar ist das alles mit wenigem in der populären Musik. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Sun The Sea, Butterfly



Dienstag, 10. April 2018

Motorpsycho – Trust Us




Motorpsycho – Trust Us


Besetzung:

Bent Sæther – vocals, bass, guitars, piano, percussion, harmonium, marimba, vibraphone, trident, mellotron, sitar, taurus, drums
Hans Magnus Ryan – guitars, vocals, mandolin, harmonium, rhodes piano, taurus, mellotron, piano, bells
Håkon Gebhardt – drums, acoustic guitar, glockenspiel, mellotron, harmonium, percussion


Gastmusiker:

Helge Sten (Deathprod) – loops, theremin, echomachines
Ole Henrik Moe (Ohm) – saw, violin, glass
Trygve Seim – reindeer antler, flutes, saxophone, clarophone
Tone Reichelt – french horn on „Taifun“
Kai O. Andersen – upright bass on „Ozone“
Jarle Vespestad – beats on „Evernine“


Label: Stickman Records


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Rock, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Psychonaut (6:58)
2. Ozone (4:33)
3. The Ocean In Her Eye (9:15)
4. Vortex Surfer (8:59)
5. Syddhardtino (1:37)
6. 577 (7:48)

CD2:

1. Evernine (5:07)
2. Mantrick Muffin Stomp (3:50)
3, Radiance Frequency (10:21)
4. Taifun (7:09)
5. Superstooge (6:48)
6. Coventry Boy (2:32)
7. Hey, Jane (5:14)
8. Dolphin (1:25)

Gesamtspieldauer: CD1 (39:14) und CD2 (42:30): 1:21:44




Auch das siebte Studioalbum der norwegischen Rockband Motorpsycho setzt sich wieder aus zwei unmittelbar zuvor veröffentlichten EPs zusammen. Somit entspricht die erste CD des Albums der EP „Ozone“, die zweite der EP „Hey, Jane“. Das Album wurde in dieser Form schließlich am 4. März 1998 veröffentlicht, erneut auf dem Standard-Plattenlabel der Band, Stickman Records. Nur in ihrem Heimatland Norwegen erschien „Trust Us“ wieder bei Sony Music.

Das Album enthält die Nummer „Vortex Surfer“, das wohl bekannteste Lied von Motorpsycho. Dieses Stück wurde vom Radiosender NRK P3 zum „Lied des Millenniums“ gewählt und am 31. Dezember 1999 für 24 Stunden in der Dauerschleife gespielt. Wahrlich ein tolles Lied, welches mit einem Glockenspiel beginnt, ganz harmlos und sich im weiteren Verlauf immer weiter steigert, bis es schließlich gegen Ende, nach neun Minuten, zu einem mächtigen und kraftvollen Rock-Lied angewachsen ist. Und schließlich ist es nicht nur mehr die Musik selbst, sondern der Gesang gleich mit, der am Ende von „Vortex Surfer“ ebenfalls fast zu explodieren scheint.

Doch dieser Titel ist wahrlich nicht der einzige Höhepunkt auf diesem mitreißenden Album. Motorpsycho bieten ihren Hörerinnen und Hörern auf „Trust Us“ eine ganze Palette an tollen und überzeugenden Liedern. Mal sanft, mal hart und kompromisslos. Dann wieder verträumt und schließlich auch ein wenig schräg. Auf knapp eineinhalb Stunden wird es beim Zuhören nie langweilig und auch nach vielem Malen des Hörens, gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Man hört hier keinen rockigen Mainstream-Einheitsbrei, sondern spannende, sich immer wieder verändernde Musik, die unglaublich energiegeladen aus den Boxen strömt und den Raum erfüllt.

Neben dem bereits erwähnten „Vortex Surfer“ gibt es noch eine ganze Menge mehr sehr lohnenswerte Nummern wie „The Ocean In Her Eye“, „577“, „Evernine“, „Taifun“, „Coventry Boy“ und und und. Ich hätte an dieser Stelle sicherlich auch andere Lieder aufzählen können, kein Titel auf „Trust Us“ ist es nicht wert gehört zu werden. Da kann man den Album-Titel ruhig wörtlich nehmen, Motorpsycho vertrauen und das Album komplett auf sich einwirken lassen. Nicht immer klingt es dabei nur eingängig oder aber rockig und hart. Auch sehr exzentrische Phasen in der Musik von Motorpsycho gibt es hier zu erhören, die mit viel Instrumenteneinsatz in eine Art Urknall führen. Ganz nach der Devise: „Oh weh, was hörst Du denn da? Ist das noch Musik oder Lärm?“ Diesen ganz speziellen Moment, wenn sich musikalische Verwirrtheit in harmonisches Wohlgefallen auflöst, dieses Momentum der Musik, das muss man erfühlen können und bereit sein, es zu erleben.

Fazit: Es ist alles drauf auf diesem Album, was die Musik der norwegischen Band Motorpsycho so besonders macht. Kraftvoller Rock und musikalische Sanftheit, höchste Harmonie und Kakophonie. „Trust Us“, welches aus den EPs „Ozone“ und „Hey, Jane“ besteht, weiß zu überzeugen. Dieses Doppelalbum ist niemals langweilig oder belanglos. Sehr viel mehr gibt es hier fesselnde Musik zu hören, die sich auch lohnt gehört zu werden. Nur den Rock in all seinen Spielarten und Ausprägungen, den sollte man mögen, um das alles schätzen zu können. Elf Punkte.

Anspieltipps: Vortex Surfer, Taifun



Montag, 9. April 2018

Enrique Iglesias – Escape




Enrique Iglesias – Escape


Besetzung:

Enrique Iglesias – vocals, vocals (background)


Gastmusiker:

Rusty Anderson – guitar (acoustic), guitar (electric)
Paul Barry – bass, drums, guitar (acoustic), keyboards, percussion, vocals (background)
Andy Blackwood – vocals (background)
James Blackwood – vocals (background)
Kara DioGuardi – vocals (background)
Aaron Fishbein – guitar (acoustic), guitar (electric)
Siedah Garrett – vocals (background)
Niki Haris – vocals (background)
Dorian Holly – vocals (background)
Sylvia Mason James – vocals (background)
Lee Levin – drums
Sylvia Mason – vocals (background)
Lester Mendez – keyboards
Steve Morales – keyboards, programming, vocals (background)
Carlos Paucar – vocals
Barry Paul – bass, drums, guitar (acoustic), keyboards, percussion, vocals (background)
Adam Phillips – guitar (acoustic)
Jon Secada – vocals (background)
David Siegel – keyboards
Robin Smith – conductor, string arrangements
Mark Taylor – bass, drums, guitar (electric), keyboards, percussion, string arrangements


Label: Interscope Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Pop


Trackliste:

1. Escape (3:28)
2. Don‘t Turn Off The Lights (3:47)
3. Love To See You Cry (4:07)
4. Hero (4:24)
5. I Will Survive (3:43)
6. Love 4 Fun (3:15)
7. Maybe (3:14)
8. One Night Stand (4:11)
9. She Be The One (3:36)
10. If The World Crashes Down (4:45)

Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung von 2002:

11. Escapar (3:28)
12. No Apagues La Luz (3:48)
13. Héroe (4:16)
14. Hero (MetroMix) (4:16)

Gesamtspieldauer: 54:33



„Escape“ heißt das insgesamt fünfte und gleichzeitig zweite englischsprachige Studio-Album des spanischen Sängers Enrique Iglesias. Das Album erschien am 30. Oktober im Jahr 2001 auf dem Plattenlabel Interscope Records. Im Jahr 2002 gab es eine Wiederveröffentlichung der Scheibe, die nun vier Bonus-Tracks enthielt. Dabei handelt es sich um bereits auf dem Album enthaltene Titel. Drei Lieder davon wurden nun in spanischer Sprache eingesungen, das Lied „Hero“ gibt nun zusätzlich noch in einer alternativ abgemischten Mix-Version. Das Album verkaufte sich überaus erfolgreich und hat weltweit bereits die Zehn-Millionen-Marke an Verkäufen übertroffen.

Auf „Escape“ hört man Pop Musik, die nicht sehr anspruchsvoll ist, jedoch zum Teil sogar ganz gut ins Ohr gehrt. Zwar hallt dies dort nicht besonders nach, die Lieder selbst klingen allerdings selten so schleimig, wie man es von mancher Boy Group her kennt. Dies trifft allerdings nicht auf die Texte zu, die einfach gehalten sind und selbstverständlich von Liebeskummer, Liebesschmerz und oder auch erfüllter Liebe handeln.

Besser hört sich Enrique Iglesias immer dann an, wenn es etwas rockiger klingt. Wenn man ein echtes Schlagzeug hört und keinen Drum-Computer, Gitarren und keine Synthesizer. Diese Momente gibt es ebenfalls auf „Escape“, wenn auch nicht im Überfluss. Am eingängigsten klingen die Lieder „Don‘t Turn Off The Lights“ und „Hero“. Insgesamt istt das alles radiotauglicher, massenkompatibler und relativ kommerziell klingender Pop, der auch nebenbei gehört werden kann.

Fazit: Radio-Musik gibt es auf „Escape“ von Enrique Iglesias zu hören. Lieder, die für die Dauerrotation von etwa einem Monat gedacht sind und danach nie wieder gespielt werden, da sie dann irgendwann nerven und schließlich vergessen werden. Zugutehalten muss man dem Spanier, dass er am kompositorischen Prozess der einzelnen Stücke immer beteiligt war. Zudem ist das keine Musik zum Davonlaufen, nimmt man mal viele der Texte aus. Einige der Titel gehen ins Ohr, langweilig sind sie allerdings bereits nach der dritten Wiederholung. Vier Punkte.

Anspieltipps: Don‘t Turn Off The Lights, Hero, I Will Survive



Sonntag, 8. April 2018

Rob Thomas – ...Something To Be




Rob Thomas – ...Something To Be


Besetzung:

Rob Thomas – piano, lead vocals


Gastmusiker:


Harley Allen – background vocals
Matt Beck – background vocals
Mike Campbell – guitar, soloist
Cassidy – background vocals
Kyle Cook – guitar
Jill Dell'Abate – horn contractor
Mike Elizondo – bass guitar
Anika Ellis – background vocals
Pat Enright – background vocals
Brandon Fields – saxophone
Gordon Gottlieb – bells, marimba
Gary Grant – trumpet
Greater Anointing – background vocals
Jonathon Haas – bells, marimba
Benjamin Herman – bells, marimba
Jerry Hey – trumpet, horn arrangements
Gerald Hayward – drums
Hasan Isakkut – kanun
Kevin Kadish – guitar
Frank London – shofar
John Mayer – guitar and background vocals on "Steetcorner Symphony"
Wendy Melvoin – guitar
John O'Brien – programming
Joe Passaro – bells, marimba
Heitor Teixeira Pereora – guitar
Eric Poland – bells, marimba
Robert Randolph – lap steel guitar
Matt Serletic – keyboards, background vocals
Shari Sutcliffe – horn contractor
Rob Thomas – piano, lead vocals
Jeff Trott – guitar
Dan Tyminski – background vocals
Dan Willis – dudok
Reginald Young – trombone


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. This Is How A Heart Breaks (3:50)
2. Lonely No More (3:47)
3. Ever The Same (4:16)
4. I Am An Illusion (4:53)
5. When The Heartache Ends (2:51)
6. ...Something To Be (4:31)
7. All That I Am (4:28)
8. Problem Girl (3:55)
9. Fallin’ To Pieces (4:11)
10. My, My, My (4:18)
11. Streetcorner Symphony (4:09)
12. Now Comes The Night (4:55)

Gesamtspieldauer: 50:11




Robert Kelly „Rob“ Thomas ist der US-amerikanische Lead-Sänger der Rockband Matchbox Twenty. Neben seinem Engagement in seiner Band veröffentlichte er bisher drei Solo-Alben. Die erste dieser Platten erschien am 5. April des Jahres 2005 auf dem Label Atlantic Records und trägt den Titel „...Something To Be“. Rob Thomas wandelt auf dieser Scheibe auf einem sehr schmalen Grat. Texte, die sich hauptsächlich um das Thema „Liebe“ drehen und Musik, die mal mehr im Pop, mal mehr im Rock angesiedelt ist.

Matchbox Twenty ist eine Alternative Rockband und dies hört man auf seinem ersten Solo-Album glücklicherweise auch häufig heraus. Leider jedoch nicht immer. Solch Nummern wie zum Beispiel „Lonely No More“, die sogar die erfolgreichste Single-Auskopplung des Albums darstellt und sich in den Top Ten der US Billboard Charts platzieren konnte, klingt schon sehr verdächtig nach anbiederndem und poppigem Boy-Group-Gesäusel. Etwas rockiger und sehr viel gelungener klingt da schon der Titeltrack „...Something To Be“. Schade ist dabei wieder einmal, dass die Musiker so wenig Wert auf gute Lyrics zu legen scheinen – oder sie können es wirklich nicht besser. Immer nur Texte über Herzensleid und Eifersucht und ewige Liebe gehen einem irgendwann gehörig auf den Zeiger, vor allen Dingen, wenn sie immer und immer wieder bei jedem Lied präsent sind.

Leider ist dies auch beim besten Titel der Platte der Fall. Hier reißt es jedoch die Musik heraus und der Text ist zumindest nicht ganz stumpfsinnig. „All That I Am“ ist eine tolle Nummer, absolut eingängig und melodiös. Das Lied bleibt hängen, bereits beim ersten Mal des Hörens. Die Instrumentierung mit einem Xylophon ist dabei wunderschön gelungen. Fragt sich nur, ob es wirklich ein Xylophon ist, denn in den Titel- und Musikerangaben ist keines vermerkt. Nun, wenn dem nicht so ist, so ist es wenigstens klasse programmiert. In dem Lied gibt es dazu immer leichte fernöstliche Anklänge und die Nummer geht ins Ohr und verbleibt dort auch. Der Rest des Albums funktioniert mal mehr, mal weniger gut, bis es schließlich mit dem letzten Lied, „Now Comes The Night“, ganz sanft ausklingt.

Fazit: „...Something To Be“, das erste Solo-Album des Rob Thomas, hat durchaus seine Höhepunkte. Diese liegen irgendwo in den Schnittstellen zwischen Pop und Rock. Manche Titel rauschen nur so vorbei, belanglos und langweilig, einige wenige können da schon sehr viel besser punkten. Schade ist es immer um die Texte, denen häufig viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Trotzdem unterhält „...Something To Be“ gut, ist an keiner Stelle peinlich und hat mit „All That I Am“ einen schönen Höhepunkt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: ...Something To Be, All That I Am



Samstag, 7. April 2018

Westlife – Coast To Coast




Westlife – Coast To Coast


Besetzung:

Nicky Byrne – vocals
Kian Egan – vocals
Mark Feehily – vocals
Shane Filan – vocals
Brian McFadden – vocals


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Pop


Trackliste:

1. My Love (3:53)
2. What Makes A Man (3:51)
3. I Lay My Love On You (3:30)
4. I Have A Dream (4:16)
5. Against All Odds (3:22)
6. When You're Looking Like That (3:53)
7. Close (4:04)
8. Somebody Needs You (3:09)
9. Angel's Wings (4:05)
10. Soledad (3:58)
11. Puzzle Of My Heart (3:40)
12. Dreams Come True (3:08)
13. No Place That Far (3:14)
14. Close Your Eyes (4:34)
15. You Make Me Feel (3:38)
16. Loneliness Knows Me By Name (3:03)
17. Fragile Heart (3:01)
18. Every Little Thing You Do (4:12)
19. Don't Get Me Wrong (Hidden Track) (3:43)

Gesamtspieldauer: 1:10:21




Da es beim ersten Mal so gut funktioniert hatte, wurde ein Jahr später, am 6. November 2000, gleich das zweite Studio-Album der irischen Boy-Group Westlife veröffentlicht. Dieses heißt „Coast To Coast“ und erschein, wie schon das selbstbetitelte Debut-Album, auf den Plattenlabels RCA Records und BMG. Auch sonst hatte sich nichts geändert. Westlife stehen für Schmuse-Pop, der schnellen Erfolg bringen soll. Insgesamt fünf Singles wurden mit den Titeln „Against All Odds“, „My Love“, „What Makes A Man“, „I Lay My Love On You“ und „When You're Looking Like That“ aus „Coast To Coast“ ausgekoppelt, die alle erfolgreich waren. Auch das Album selbst war ein kommerzieller Erfolg und verkaufte sich alleine in Großbritannien über 1,8 Millionen Mal. „Coast To Coast“ erzielte im Jahr 2000 sogar die drittbesten Verkaufszahlen in Großbritannien überhaupt.

Auch für „Coast To Coast“ waren einige Songschreiber aktiv, zudem wurden auch bekannte Hits interpretiert, wie „I Have A Dream“ von Abba und „Against All Odds“ von Phil Collins, welches zusammen mit Mariah Carey eingesungen wurde. Mit dem Lied „Fragile Heart“ gibt es sogar einen Titel, der von den Bandmitgliedern Brian McFadden, Kian Egan und Shane Filan selbst komponiert wurde. Jedoch alles auf „Coast To Coast“, egal ob neu geschrieben oder bereits vorhanden und interpretiert, klingt anbiedernd. Die Texte behandeln einmal mehr das Thema der „Liebe“ und sind an Primitivität kaum zu überbieten, da alle hier getroffenen Aussagen bereits zig-tausendfach getroffen wurden und auch damals schon nicht besser klangen.

Das Problem an den Liedern auf „Coast To Coast“ ist, dass sie allesamt schleimig und anbiedernd klingen. Das langweilt alles sehr, ist einfach nur auf den schnellen Kommerz abgestimmt und getrimmt, dadurch wohl auch die seichten aber eingängigen Melodiebögen. Trotzdem, das Album war sehr erfolgreich. Es gibt viele Menschen denen genau das an der Musik gefällt. Unkompliziert, einfach und von netten Jungs gesungen. Alles gut also.

Fazit: Boy Group Pop der Extraklasse gibt es auf „Coast To Coast“ von Westlife zu hören. Sehr anbiedernde Pop Musik, die allerdings eingängig klingt. Die Texte sind mal wieder schlimm, aber das spielt jetzt auch schon fast keine Rolle mehr. Für Menschen, die ansonsten allerdings Rock Musik mögen absolut ungeeignet. Null Punkte.

Anspieltipps: Keine



Freitag, 6. April 2018

City – City




City – City


Besetzung:

Georgi Gogow – bass, violin
Toni Krahl – vocals, 12-string guitar
Klaus Selmke – drums
Fritz Puppel – guitar


Label: BMG Ariola (ursprünglich Deutsche Schallplatten GmbH, Amiga)


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Pop, Rock, Rock’n’Roll, Blues


Trackliste:

1. Es ist unheimlich heiß (4:31)
2. Der King vom Prenzlauer Berg (4:55)
3. Nachts um halb eins (3:54)
4. Traudl (3:16)
5. Meister aller Klassen (5:34)
6. Am Fenster (17:24)
I. Traum
II. Tagtraum
III. Am Fenster

Gesamtspieldauer: 39:36




City ist eine ostdeutsche Band, die im Jahr 1972 in Ost-Berlin gegründet wurde und bis heute aktiv ist. 1977 wurde das erste Album der Band veröffentlicht und trug den Namen „Am Fenster“. In West-Deutschland erschien das erste Album unter dem eigenen Namen, kurz „City“. Auf der Platte befindet sich das Lied „Am Fenster“, ein Titel, welcher bis heute weltweit gut zehn Millionen Mal verkauft wurde. Die Debut-Platte selbst, die die siebzehnminütige Version des Liedes enthält, bringt es immerhin bereits eine halbe Millionen Kopien. Das Lied „Am Fenster“ ist der größte Erfolg, den ein DDR-Lied in West-Deutschland erreichte.

Nun, „City“ von City lohnt auch allein wegen dieser Nummer, die restlichen fünf Stücke sind eher biederer Rock beziehungsweise Blues. Lieder, die auch textlich gesehen heute eher unfreiwillig komisch wirken. Die Nummern gehen auch nicht ins Ohr, klingen so mit und verhallen schließlich schnell wieder. Während am Fenster eher im Progressive Rock beheimatet ist, bewegen sich die restlichen Stücke im Bereich des Rock’n’Rolls, Blues‘ und Pops. Keine grauenvolle Musik, bestimmt nicht, jedoch leider schon etwas belanglos und überwiegend langweilig.

Ganz anders dann „Am Fenster“, was wohl eher durch Zufall aufgenommen wurde, da gerade noch Studiozeit zur Verfügung stand. Das Lied ist auf der deutschen Album-Version dreigeteilt. Der Abschnitt „Traum“ besteht aus wunderschönen und sanften Klängen der akustischen Gitarre, zu denen sich dann das Violinen-Spiel des Georgi Gogow gesellt. Irgendwie warme Musik, sehr harmonisch und eingängig gehalten. Bis hierher ist das Lied ein reines Instrumentalstück. Der zweite Teil, „Tagtraum“, folgt dann sehr abrupt ab Minute 4:40 und ist zunächst eine Art Klangkollage mit Wecker-Ticken, Glockenläuten und Geschepper, in das dann das Gezupfe einer Gitarre integriert wird. Dies klingt nach Stimmen des Instruments, zu dem auch gesummt und etwas schräg gepfiffen wird. Um 6:33 startet schließlich der dritte Teil des Stücks, das eigentliche und ursprüngliche Lied, welches natürlich ebenfalls „Am Fenster“ heißt.

Die Violine setzt wieder ein, das Schlagzeug ebenfalls und es entwickelt sich ein sehr melodiöser Titel, der sofort ins Ohr geht und dabei sehr melancholisch bis sentimental klingt. Dieser Teil ist auch mit Gesang versehen und man hört das gesungene Gedicht der Hildegard Maria Rauchfuß, bei der die zweite Strophe zweimal gesungen wird, da Sänger Toni Krahl bei der Aufnahme die dritte Strophe vergessen hatte. Macht nichts, die Nummer wirkt auch so. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, diesen Text noch häufiger zu wiederholen, denn das ab und an gesungene „Na, Na, Na, Na“ nervt mit der Zeit. Aber das ist selbstverständlich Geschmackssache. Das Lied ist wahrlich gelungen, geht ins Ohr und klingt einfach wunderschön.

Fazit: „Am Fenster“ ist das erfolgreichste ostdeutsche Lied in der BRD. Und genau das nicht ohne Grund, die Nummer klingt warm, sehnsüchtig, eingängig und ist sehr abwechslungsreich. Gerade die Kombination von akustischer Gitarre und Violine erzeugt hier eine wunderbare Atmosphäre, in die einzutauchen lohnt. Die restlichen Stücke reichen bei Weitem nicht mehr an die Qualität von „Am Fenster“ heran. Aber nicht weiter schlimm, allein wegen diesem Titel lohnt sich der Kauf. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Am Fenster



Donnerstag, 5. April 2018

Eels – The Deconstruction




Eels – The Deconstruction


Besetzung:

E (Marc Oliver Everett) – guitar, vocals
Kool G Murder – bass guitar
P-Boo – guitar, bass guitar, keyboards, drums
The Deconstruction Orchestra & Choir


Label: E Works Records


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. The Deconstruction (4:10)
2. Bone Dry (3:42)
3. The Quandary (0:54)
4. Premonition (3:12)
5. Rusty Pipes (4:04)
6. The Epiphany (2:18)
7. Today Is The Day (3:03)
8. Sweet Scorched Earth (3:02)
9. Coming Back (0:58)
10. Be Hurt (3:59)
11. You Are The Shining Light (3:39)
12. There I Said It (2:50)
13. Archie Goodnight (0:48)
14. The Unanswerable (2:08)
15. In Our Cathedral (3:19)

Gesamtspieldauer: 42:12




„The Deconstruction“ heißt das inzwischen bereits zwölfte Studio-Album der Eels, alias E oder Marc Oliver Everett. Ganze vier Jahre mussten die Fans auf dieses neue Album warten, doch das Warten hat sich definitiv gelohnt. Es dauert nur ganz wenige Akkorde und man hat die Band sofort erkannt – ohne das Album jemals zuvor gehört zu haben. Dieser so typische Sound der Musik gepaart mit der Stimme des Marc Oliver Everett – unverwechselbar. Alle Titel auf „The Deconstruction“ wurden einmal mehr von Marc Oliver Everett geschrieben, beim Einspielen standen ihm erneut, die bereits auf dem Vorgänger-Album beteiligten Musiker Kool G Murder sowie P-Boo zur Seite. Die restliche Instrumentierung übernimmt das Deconstruction Orchestra samt Chor, welche im beiliegenden Booklet nicht genauer aufgeschlüsselt werden.

Das Zusammenspiel von sehr sanften und nachdenklichen Liedern mit anderen, deutlich rockigeren Stücken, dies sind auch auf „The Deconstruction“ die Zutaten, die ein Eels-Album immer zu etwas Besonderem werden lassen und jede Menge Abwechslung bieten. Eine packende Intensität der Musik, gerade in den hauchzart instrumentierten Stücken, gepaart mit der leicht rauchigen Stimme des Marc Oliver Everett, das hat was, das klingt ergreifend und oftmals einfach nur schön. In diesen Stücken lebt E die ganze Melancholie aus, welche seit seinem ersten Eels-Album „Beautiful Freak“ seiner Musik innewohnt. Ganz anders klingen dagegen die etwas rockigeren Lieder. Die Bremse wird gelöst und gleichzeitig scheint das Wetter schöner zu werden. Jetzt wallen die Akkorde deutlich heller und optimistischer auf.

Und schließlich gibt da noch die irgendwie „speziellen“ Titel, die man ebenfalls häufig auf einer Eels-Platte findet. Diese sind meist anders instrumentiert und verströmen eine ganz eigene Atmosphäre. Auf „The Deconstruction“ heißt dieses Lied „Rusty Pipes“ und ist eine der Nummern des Albums, welche gleich mit dem ersten Mal des Hörens ins Ohr geht. Ein wiederkehrendes und leicht variiertes Motiv, bestehend aus sanften Querflötenklängen sowie sehr zurückhaltendem, etwas verfremdeten Chor-Gesang, der nur ein zartes „Oh“ wiedergibt, sorgen hier für die ganz spezielle Stimmung des Titels. Musik die wirkt und nachhallt.

Fazit: Auf dem zwölften Album der Eels mit dem Titel „The Deconstruction“ gibt es einmal mehr diesen typischen Eels Sound zu hören, der alle Fans der Band für das vierjährige Warten belohnen wird. Sanfte, in sich gekehrte, fast zerbrechlich anmutende und melancholische Lieder sowie fröhlichere und rockigere Stücke. Dazu immer eine besondere musikalische Atmosphäre, welche die Eels deutlich von anderen Bands unterschiedet. Sehr viel Melodiösität in knapp einer dreiviertel Stunde Musik gibt es auf „The Deconstruction“ zu hören, wobei die besonders schönen Momente die ruhigeren sind. Mitte bis Ende Juni stellen die Eels ihr Album auch in fünf Konzerten in Deutschland vor. Auch ein Eels-Konzert ist ein Erlebnis. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Deconstruction, Premonition, Rusty Pipes



Mittwoch, 4. April 2018

Gazpacho – Bravo




Gazpacho – Bravo


Besetzung:

Jan H. Ohme – vocals & backing vocals
Thomas Andersen – keyboards & programming
Jon-Arne Vilbo – guitars & programming
Roy Funner – bass


Gastmusiker:

Mikael Krømer – violins ("Bravo", "The Secret")
Peter Kearns – strings ("Novgorod"), additional vocals ("Bravo")
Kristian Skedsmo – flute ("Bravo")
Geir Digernes – drums
Esther Valentine – additional vocals ("Novgorod")
Line Bækkelund – additional vocals ("Ease Your Mind")
Siv Klynderud – additional vocals ("Sea Of Tranquility", "The Secret")
Sverre Andersen – additional vocals ("The Secret")
Anita Mathiasen – additional vocals ("The Secret")
Yvonne B. Denneche – additional vocals ("The Secret")
Siv Andersen – additional vocals ("The Secret")


Label: KScope


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Art Rock, Art Pop


Trackliste:

1. Desert (5:30)
2. Sea Of Tranquility (5:02)
3. Nemo (3:55)
4. Ghost (5:26)
5. California (3:48)
6. The Secret (5:42)
7. Sun God (4:26)
8. Mesmer (5:43)
9. Novgorod (5:04)
10. Ease Your Mind (5:59)
11. Bravo (6:37)

Gesamtspieldauer: 57:18



Gazpacho sind eine Art-Rock-Band aus Oslo, Norwegen. Die Musiker fanden sich zum Teil bereits im Jahr 1996 zusammen, waren Marillion-Fans und im internationalen Marillion-Fan-Club „The Web“ aktiv. Schließlich begannen die Musiker und Fans selbst Lieder zu schreiben und diese gewannen auch einige Wettbewerbe in Norwegen. Im Jahr 2002 wurde über die Plattform MP3.com schließlich ein Album mit sechs Liedern veröffentlicht. Fünf davon flossen auch in das erste offizielle Studio-Album der Norweger ein. Dieses heißt „Bravo“ und wurde im Jahr 2003 ursprünglich in Eigenproduktion veröffentlicht. Später erschien das Album dann auch auf dem Plattenlabel KScope.

Die Musik von Gazpacho wird häufig mit der von A-ha, Radiohead, Marillion oder Porcupine Tree verglichen. Die Musiker selbst nennen Marillion, Porcupine Tree, Jeff Buckley, Kate Bush, Muse, Pink Floyd, Radiohead, Sigur Rós, Mew, Kraftwerk, Tori Amos, Mr. Bungle, Faith No More, Talk Talk, A-ha und Roger Waters als Inspirationsquellen. Eine ganz schöne Menge an Inspirationen, von denen auf ihrem ersten Album „Bravo“ nur wenige zu vernehmen sind. Am ehesten ist es noch der Gesang von Jan H. Ohme, der zum Teil tatsächlich an den von Morten Harket von A-ha erinnert. Ansonsten hört man auf „Bravo“ sehr eingängigen und melodiösen Art Pop bis Art Rock, der eher melancholisch denn heiter erklingt. Die einzelnen Lieder überzeugen bereits beim ersten Mal des Hörens, die Musik geht sehr gut ins Ohr und verbleibt dort auch.

Gerade zu Beginn findet man einige tolle und überzeugende Lieder auf „Bravo“. „Sea Of Tranquility“ und „Nemo“ sind Stücke, die gleich Spaß machen, ohne dabei irgendwie plump oder platt zu klingen. Trotzdem ist die Musik von Gazpacho hier durchaus massentauglich, obwohl die Massen diese Musik nie zu Gehör bekommen werden. „California“ verfügt über einen Keyboard-Lauf, der so eingängig ist, dass er dazu beitragen würde, dieses Lied in fast jeden westlichen Charts zu platzieren. Bloß kennt die Band eben kaum jemand. „The Secret“ zeigt schließlich sogar Züge des Progressive Rock, um die Spannbreite der Musik von Gazpacho auf ihrem Debut-Album nochmals zu erweitern. Und mit dem Titel „Mesmer“ dringen dann tatsächlich auch mal etwas rockigere und fordernde Töne an das Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Natürlich reißen einen nicht alle der elf Titel absolut mit, doch sie wirken ohne Ausnahme. Diese Mischung aus Rock und Pop klingt einfach beeindruckend leicht und stimmig.

Fazit: Ein sehr gelungenes Album ist die Debut-Platte der norwegische Band Gazpacho geworden. Art Pop bis Art Rock auf hohem Niveau ist auf „Bravo“ zu hören, mit einer gehörigen Portion Abwechslung in und zwischen den einzelnen Liedern. Diese gehen dazu auch noch sehr gut ins Ohr, sind melodisch und hallen nach. Gerade diese Melodiösität steht im Zentrum auf der Platte. Harmonien erklingen praktisch von ersten bis zum letzten Akkord und werden nur durch sehr kurze Augenblicke unterbrochen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Sea Of Tranquility, Nemo, The Secret



Dienstag, 3. April 2018

Dennis – Hyperthalamus




Dennis – Hyperthalamus


Besetzung:

Thomas Kretschmer – guitar
Klaus Briest – bass
Jim Wiley – bass
Manne Rörup – keyboards
Michael Kobs – keyboards
Willi Pape – sax, clarinet & flute
Olaf Cassalich – percussion
Carsten Bohn – drums & percussion


Label: Nova Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Instrumental, Jazz Rock


Trackliste:

1. Do Your Own Thing (7:18)
2. Others Do (5:43)
3. Already (4:57)
4. Grey Present Tense (19:07)

Gesamtspieldauer: 37:07




„Hyperthalamus“ von Dennis ist schon ein sehr eigenartiges Album geworden. Zum einen stammt es aus einer Zeit, da es die Band Hyperthalamus schon gar nicht mehr gab, denn diese war 1973 und 1974 aktiv. Hyperthalamus erschien allerdings erst im Jahr 1975 auf dem Plattenlabel Nova Records und wurde auch erst im Jahr 2016 auf Sony Music wiederveröffentlicht. Über die Aufnahmen oder den Aufnahmeort lässt sich auf dem Cover nichts entdecken, doch scheint es sich dabei um Mittschnitte bestimmter Jam-Sessions und Konzerte zu handeln. Zumindest beim Stück „Already“ glaubt man menschliche Stimmen aus dem Zuschauerraum im Hintergrund zu hören, die ganz offensichtlich so nicht von Anfang an eingeplant waren. Auch ist die Aufnahmequalität gut, jedoch nicht über das gesamte Album gleichmäßig geartet. „Hyperthalamus“ ist die erste und gleichzeitig einzige Veröffentlichung von Dennis.

Man hört auf „Hyperthalamus“ durchaus seltsame Einsprengsel wie eine lange Ansage am Hamburger Hauptbahnhof oder den Sound eines dahinfliegenden Flugzeuges. Ansonsten ist die Platte ein reines Instrumentalalbum, angefüllt mit Jazz Rock. Auch wirkt das Ganze mitunter sehr improvisiert. Die Musiker beginnen ein Lied und es scheint fast so, als ob sich genau dann erst eines zum anderen entwickelt. Hier wird eine Idee geboren und die Kollegen steigen darauf ein. Dort entwickelt sich ganz beiläufig ein Thema, wird aufgegriffen und ausgearbeitet. Sicherlich ist dem nicht so, doch die Musik auf „Hyperthalamus“ klingt das ein oder andere Mal doch ziemlich improvisiert und irgendwie noch nicht ganz ausgespielt.

Selbstverständlich geht es hier nicht um Melodien, diese Musik ist nicht dazu geschaffen, um hängenzubleiben oder gar Ohrwürmer zu generieren. Es ist Musik für den Moment. Musik die zum Teil groovt, Musik die immer intensiv klingt, Musik die fließt. Vor allen Dingen beim letzten Titel, „Grey Present Tense“, der die ehemalige zweite Schallplattenseite vollständig ausfüllte, ist dies so wahrzunehmen. Spannend hier auch die Sounds, wenn Flöte und Saxophon sich in den Vordergrund spielen, die restlichen Instrumente sich kurz zurücknehmen und eine Art musikalischer Fluss entsteht, der immer weiter anschwillt, um dann plötzlich eine ganz andere Wendung zu nehmen.

Fazit: Ganz bestimmt ist diese Musik keine, für Freundinnen und Freunde der symphonisch-harmonischen Klänge. Die Band Dennis, die übrigens nach dem Sohn von Schlagzeuger, Filmmusikkomponist und Frumpy-Mitglied Carsten Bohn benannt ist, möchte Neues ausprobieren, experimentieren und andere Wege gehen. Diese führen in Richtung zum Jazz. Kompromisslos und speziell, aber durchaus spannend und mal eine neue Erfahrung. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Grey Present Tense



Montag, 2. April 2018

Riverside – Second Life Syndrome




Riverside – Second Life Syndrome


Besetzung:

Mariusz Duda – vocals, bass
Piotr Grudziński – guitar
Michał Łapaj – keyboards
Piotr Kozieradzki – drums


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: ArtRock, RetroProg, Progressive Metal


Trackliste:

1. After (3:31)
2. Volte-Face (8:40)
3. Conceiving You (3:40)
4. Second Life Syndrome (15:40)
5. Artificial Smile (5:27)
6. I Turned You Down (4:34)
7. Reality Dream III (5:01)
8. Dance With The Shadow (11:38)
9. Before (5:23)

Gesamtspieldauer: 1:03:40




„Second Life Syndrome“ heißt das zweite Studio-Album der polnischen Progressive Rock Band Riverside. Es wurde am 8. November im Jahr 2005 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht und war das erste Album der Band, welches sich zumindest in Polen in den Charts platzieren konnte. Riverside spielen auf „Second Life Syndrome“ einen Progressive Rock, der durchaus auch mal in härteren Gefilden fischt, um dann wieder sehr sanft und symphonisch zu klingen.

Somit wären auch die beiden Außenbezirke von „Second Life Syndrome“ definiert. Prog Metal und der symphonische Progressive Rock. Dieses Spiel zwischen diesen zwar ähnlichen, jedoch auch deutlich voneinander unterscheidbaren musikalischen Genres gelingt den Polen sehr gut. Die Musik ist abwechslungsreich, klingt überaus melodiös und geht ins Ohr. Zudem enthält „Second Life Syndrome“ durchaus auch Titel, die bereits beim ersten Mal des Hörens einen gewissen Wiedererkennungswert vermitteln und mit jedem weiteren Durchlauf intensiver klingen. Das Spiel mit unterschiedlichen Atmosphären gelingt den vier Musikern dabei wahrlich und man kann sich von Stimmungen anstecken lassen, in diese ohne Weiteres eintauchen.

Deutlich weniger gelungen klingen die vier Polen, wenn sie versuchen es nur noch Krachen zu lassen, wie beim Stampfer „Artificial Smile“. Hier wird dann lediglich relativ dumpf und stumpf gerockt und nicht mehr gesungen, sondern geschrieen. Das mag man als Auflockerung durchgehen lassen, ist im Gesamtkontext des Albums allerdings doch eher störend. Sehr viel gelungener klingen da die Nummern „After“, „Conceiving You“ oder das letzte Stück des Albums, „Before“. Alles drei Lieder, die eher im sanfteren Bereich angesiedelt sind – auch wenn sich letztgenanntes Lied durchaus steigert. Oder aber das sich ebenfalls steigernde und insgesamt durchaus „harte“ Instrumentalstück „Reality Dream III“. Hier wird allerdings nicht nur wild drauf losgedroschen, sondern fein nuanciert.

Höhepunkt der Platte ist allerdings der Titeltrack „Second Life Syndrome“, der alles enthält, was den Progressive Rock zu einer ganz besonderen Musikrichtung werden lässt. Es ist die Abwechslung, die hier aus jedem Takt, aus jedem Akkord quillt. Sanfte Passagen konkurrieren mit treibenderen Abschnitten. Melodiösität trifft auf harten Rock und passt bestens zusammen, ergänzt sich. Das funktioniert alles perfekt zusammen und weiß zu begeistern. Mit Abstrichen gilt dies auch noch für den zweiten Longtrack der Platte, „Dance With The Shadow“. Hier steht allerdings wieder sehr viel mehr der Metal im Vordergrund, wenn es auch diverse Auflockerungen zu hören gibt.

Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches Album ist „Second Life Syndrome“ der polnischen Band Riverside geworden. Die Platte rockt, weiß allerdings durchaus mit den Atmosphären zu spielen. Somit ergibt sich eine Scheibe, angefüllt mit symphonischem Progressive Rock und Prog Metal, die immer wieder mitreißt und beeindruckt. Langweile kommt beim Hören definitiv nie auf. Elf Punkte.

Anspieltipps: Conceiving You, Second Life Syndrome, Before



Sonntag, 1. April 2018

Wet Wet Wet – End Of Part One: Their Greatest Hits




Wet Wet Wet – End Of Part One: Their Greatest Hits


Besetzung:

Graeme Clark – bass, vocals
Tommy Cunningham – drums, vocals
Neil Mitchell – keyboards, vocals
Marti Pellow – vocals
Graeme Duffin – lead guitar, vocals


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Polygram


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Adult Contemporary, Pop


Trackliste:

1. Wishing I Was Lucky (3:52)
2. Sweet Little Mystery (3:42)
3. Angel Eyes (4:30)
4. Temptation (3:58)
5. With A Little Help From My Friends (2:37)
6. Sweet Surrender (4:22)
7. Broke Away (3:59)
8. Hold Back The River (4:43)
9. Stay With Me Heartache (Can't Stand The Night) (4:08)
10. This Time (4:14)
11. Make It Tonight (4:04)
12. Put The Light On (3:56)
13. Goodnight Girl (3:38)
14. More Than Love (4:20)
15. Lip Service (4:27)
16. Blue For You (5:15)
17. Shed A Tear (4:38)
18. Cold Cold Heart (4:12)
19. Love Is All Around (3:57)

Gesamtspieldauer: 1:18:40




Wet Wet Wet ist eine ehemalige Schülerband aus Schottland, die sich im Jahr 1982 gründete und mit einer Unterbrechung von 1997-2004 bis heute existiert. Acht Studio-Alben hat die Band bisher veröffentlicht, das letzte erschien allerdings bereits im Jahr 2007. „End Of Part One: Their Greatest Hits“ ist das erste Kompilationsalbum von Wet Wet Wet und erschien am 8. November 1993 auf dem Plattenlabel Polygram.

„End Of Part One: Their Greatest Hits“ umfasst die ersten vier Studioalben „Popped In Souled Out“ (1987), „The Memphis Sessions“ (1988), „Holding Back The River“ (1989), „High On The Happy Side“ (1992) und die meisten bis zu dieser Zeit veröffentlichten Singles. „Blue For You“ stammt dagegen vom Live-Album „Live At The Royal Albert Hall (1993). Dazu gibt es mit den beiden Titeln „Shed A Tear“ und „Cold Cold Heart“ noch zwei neue Nummern auf diesem „Best Of…“-Album, die nun ihrerseits daraus als Singles veröffentlicht wurden. Diese Masche, wegen zwei neuen Liedern den Fans nochmals Geld aus der Tasche zu ziehen, obwohl diese die restlichen Lieder bereits besitzen, war auch nicht an Wet Wet Wet vorübergegangen.

Wet Wet Wet sind keine gecastete Boy-Group, klingen allerdings genauso und hatten als Zielhörerschaft selbige Fangemeinde, wie die vielen andern britischen Boy-Groups. Man hört auf diesem Kompilationsalbum Pop mit einer Prise R&B und Funk sowie Soul. Die Lieder wurden alle von den Bandmitgliedern geschrieben und auch eingespielt, trotzdem macht es diese Platte nicht besser, die allerhöchstens belanglos nebenher läuft und schließlich ausklingt. Die Texte sind sehr schlecht, die Musik ist es ebenfalls und klingt nur an ganz wenigen Stellen erträglich.

Fazit: Sehr sanften und süßlichen Pop hört man auf diesem „Best Of…“-Album der schottischen Band Wet Wet Wet. Die Texte handeln von der Liebe, die Melodien zünden nicht, gehen nicht ins Ohr, sind nicht interessant. Schließlich werden auch noch bisher unveröffentlichte Titel auf dieses Kompilationsalbum hinzu gemischt, um den Fan nochmals zur Kasse zu bitten. Schwierig. Hörbar ist im Grunde genommen lediglich das Beatles-Cover „With A Little Help From My Friends“ sowie das Reg Presley-Cover „Love Is All Around“. Deutlich zu wenig. Null Punkte.

Anspieltipps: Angel Eyes



Samstag, 31. März 2018

Motorpsycho – Angels And Daemons At Play




Motorpsycho – Angels And Daemons At Play


Besetzung:

Bent Sæther – vocals, bass, electric & acoustic guitars, piano, mellotron, rhodes, moog taurus, percussion, drum solo on "Sideway Spiral I"
Hans Magnus Ryan – vocals, electric & acoustic guitars, bass, double bass, piano, organ, vibraphone, moog taurus, percussion, drums on "Atlantic Swing"
Håkon Gebhardt – drums, percussion, banjo, piano, vocals


Gastmusiker:

Ole Henrik Moe – alto + soprano saw, piano, violin
Deathprod (Helge Sten) – oscillators, echoplex, reverators, ring modulators
Morten Fagervik – guitar on „Atlantis Swing“
Knut Ålefjær – thundersheets
Marius Søbye – thundersheets
Winnifred Ryan – vocals


Label: Stickman Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Rock, Progressive Rock


Trackliste:

CD1 (Angels And Daemons At Play Vol. 1 The Original Album - Baby Scooter): 

1. Sideway Spiral I (2:33)
2. Walking On The Water (4:19)
3. Heartattack Mac (7:41)
4. Pills, Powders And Passion Plays (Miss Mitchell In The Ladies Room) (3:24)
5. In The Family (4:51)

CD2 (Angels And Daemons At Play Vol. 2 The Original Album - Have Spacesuit, Will Travel):

1. Have Spacesuit, Will Travel (29:58)

Un Chien Despace
Have Spacesuit, Will Travel
Ohms Concerto For Alto And Soprano Saw

CD3 (Angels And Daemons At Play Vol. 3 The Original Album - Lovelight):

1. Sideway Spiral II (3:22)
2. Like Always (3:39)
3. Stalemate (4:55)
4. Starmelt / Lovelight (3:30)
5. Timothy's Monster (4:14)
6. Untitled (1:35)

CD4 (Angels And Daemons At Play Vol. 4 The Ones That Got Away: B-Sides, Rarities & Live Recordings):

1. Starmelt / Lovelight (3:52)
2. Up Our Sleeves (3:36
3. Wishing Well (5:06)
4. Flick Of The Wrist (8:51)
5. Instamatic (3:06)
6. Back To Source (6:37)
7. Caterpillar (4:50)
8. King Bong Hop (2:48)
9. Star Dancer Vs Car Cancer (3:07)
10. La'Moen Rag (2:01)
11. Baby Jesus II (2:07)
12. Mad Sun (3:02)
13. Nature's Way (2:18)
14. Syk (2:18)
15. Un Chien D'Espace (17:17)
16.Timothy In The Magic City (3:44)

CD5 (Angels And Daemons At Play Vol. 5 Rockefeller, March 14, 1997 Part 1):

1. Komet (26:48)
2. S. T. G. (11:40)
3. Kill Some Day (5:52)
4. Like Always (3:46)
5. Heartattack Mac (9:38)
6. Pills, Powders And Passion Plays (4:23)
7. The Nerve Tattoo (4:59)
8. Young Man Blues (5:42)
9. Starmelt / Lovelight (3:35)

CD6 (Angels And Daemons At Play Vol. 6 Rockefeller, March 14, 1997 Part 2):

1. Un Chien D'Espace (17:44)
2. Sideway Spiral II (3:30)
3. You Lied (4:35)
4. Hogwash (11:06)
5. The One That Went Away (3:18)
6. Nothing To Say (11:57)
7. Into The Sun (7:11)
8. The Golden Core (15:21)

Gesamtspieldauer: CD1 (22:50) und CD2 (29:58) und CD3 (21:18) und CD4 (1:14:48) und CD5 (1:16:27) und CD6 (1:14:45): 5:00:06




Bei den Plattenveröffentlichungen der norwegischen Band Motorpsycho durchzusteigen ist nicht ganz so einfach. Neben einer ganzen Menge an Nebenprojekten wurden bis zum Jahr 2002 auch insgesamt fünfzehn EPs veröffentlicht, die zum Teil auch wieder in reguläre Alben mit einflossen. Das Album „Angels And Daemons At Play“ ist solch eine Platte, denn die Scheibe ist nicht nur das sechste vollständige Studioalbum von Motorpsycho, sondern setzt sich aus drei EPs zusammen. „Angels And Daemons At Play“ erschien im Jahr 1997 auf dem Plattenlabel Stickman Records, die drei zugrundeliegenden Scheiben „Babyscooter“ (veröffentlicht am 27. Januar 1997, „Have Spacesuit Will Travel“ (3. Februar) und „Lovelight“ (10. February) ebenfalls. Von diesen EPs wurden nur je 500 Kopien gedruckt und sind bei Fans begehrte Sammlerobjekte. Alle drei zusammen ergeben das Album „Angels And Daemons At Play“.

Die Wiederveröffentlichung der Scheibe wartet mit jeder Menge zusätzlichem Material auf. Ursprünglich wurde das Album in drei verschiedenen Ausgaben veröffentlicht, was auch den Plattenfirmen Sony und Stickman Records Schweißperlen auf die Stirn trieb. Eine Doppel-LP-Ausgabe für die Vinyl-Fans, eine gekürzte Single-CD-Version sowie eine dreifach CD-Box, die nun auch auf der Wiederveröffentlichung vorhanden ist. Diese CD-Box entspricht den ersten drei CDs der CD-Box aus dem Jahr 2016. Dazu kommt eine vierte CD. Diese beinhaltet Lieder der EP „Starmelt“ (Titel 1-5), ebenfalls ursprünglich veröffentlicht im Jahr 1997. Die Titel 5-8 sind Outtakes aus den Sessions zu „Angels And Daemons At Play“ beziehungsweise deren entsprechenden EPs. Die Titel 9-11 waren Teil einer Benefiz-Platte mit dem Namen „Mot Riving“. Die Lieder 12-16 vervollständigen und ergänzen diese CD unter anderem mit Späßen („Syk“), Improvisationen („Timothy In The Magic City“), Live-Einspielungen („Mad Sun“) bis allerersten Aufnahmen („Un Chien d’Espace“) von Stücken. Damit ergibt sich ein breites, jedoch nicht zusammengestückeltes Sammelsurium verschiedenster Lieder. Die CDs 6 und 7 beinhalten schließlich den Live-Mitschnitt eines Konzertes am 14. März 1997. Die Aufnahmequalität ist dabei nicht die beste und bewegt sich eher auf mittlerem Bootleg-Niveau. „Deathprod“ alias Helge Sten ist hier zu Beginn mit dem Titel „Komet“ zu hören, bevor Motorpsycho übernimmt. Im beiliegenden Booklet wird auch auf die zum Teil weniger gute Qualität der Aufnahmen hingewiesen, mit dem Vermerk, dass man sich aus „historischen“ Gründen entschloss, der Nachwelt und der Fangemeinde das Erlebnis dieses Konzertes zu erhalten.

Musikalisch gesehen hinterlässt „Angels And Daemons At Play“ einen etwas durchwachsenen Eindruck. Die Musik bewegt sich auf der Scheibe irgendwo zwischen relativ „normaler“ Rock Musik, bis hin zu durchaus progressiven Ansätzen. Dabei steht auf diesen verschiedenen CDs die „singende Säge“ stark im Fokus, die immer wieder ihre Auftritte erhält. Dies hält auch die Musik auf „Angels And Daemons At Play“ stilistisch etwas zusammen. Ins Ohr gehen nicht unbedingt alle Titel – auch nicht nach mehreren Durchläufen. Einiges auf dem Album klingt austauschbar, wenn es sich dabei auch durchaus um gut gemachten Rock handelt. Von den Alben der späteren Jahre sind die Norweger hier allerdings musikalisch gesehen noch sehr weit entfernt.

Von den drei auf „Angels And Daemons At Play“ enthaltenen EPs kann am ehesten „Have Spacesuit, Will Travel“ mit seinen drei Abschnitten „Un Chien Despace“, „Have Spacesuit, Will Travel“ sowie „Ohms Concerto For Alto And Soprano Saw“ überzeugen. Während die ersten beiden Teile über dreizehn Minuten lang erklingen, so dauert das „Sägen-Lied“ keine zwei Minuten an. In diesen ersten beiden Abschnitten klingen Motorpsycho dabei nicht nur mitreißend und abwechslungsreich, sondern auch progressiv – und sie sind es auch. Die singende Säge ist hier ebenfalls präsent und begleitet sehr abwechslungsreiche und mitreißende Stücke, die nach wenigen Malen des Hörens sogar sehr gut ins Ohr gehen. Gerockt wird hier, schräg und doch wieder direkt und solch eine lange „Wah Wah“-Passage wie auf dem eigentlichen „Have Spacesuit, Will Travel“ bekommt man sonst auch nicht alle Tage zu hören.

Auf CD3, der EP „Lovelight“, überzeugt am meisten das eher sanfte und ein wenig nach den 60ern klingende „Stalemate“. Auf der vierten CD sind es die Nummern „Wishing Well“ und „Back To Source“. „Wishing Well“ klingt so wunderschön entspannt und bei „Back To Source“ wechseln sich die rockigen und sanfteren Parts auf perfekte Art und Weise ab. Dieser letzte Titel war sogar auf der Vinyl-Ausgabe des Albums enthalten, auf der digitalen Ausgabe der Platte dann nicht mehr. Schwer zu verstehen, denn das Lied ist ein Höhepunkt des Albums, während dem die ganze Welt zu explodieren scheint. Bleiben schließlich noch die beiden Live-CDs. Auch wenn der Klang hier sicherlich nicht der beste ist, das Publikum-Gebrabbel stört doch manchmal sehr, so geben diese beiden CDs doch sehr schön die Live-Atmosphäre eines Motorpsycho-Albums wieder. Eine schöne Zugabe.

Fazit: Es gibt so viel zu hören, auf einem neu aufgelegten Motorpsycho Album. Im Falle des sechsten Albums der Band, „Angels And Daemons At Play“, sind das gleich insgesamt über fünf Stunden Musik. Drei EPs gibt es hier zu hören, auf der vierten CD noch eine vierte EP dazu und jede Menge weiteres Bonusmaterial. Hinzu kommt noch ein vollständiger Konzertmitschnitt auf den CDs 5 und 6. Die Musik von Motorpsycho ist dabei noch nicht immer ganz so innovativ, wie auf den Veröffentlichungen im 21. Jahrhundert, der Weg der Band kristallisierte sich allerdings bereits deutlich heraus. „Angels And Daemons At Play“ ist alles andere als Massenware, Rock und Progressive Rock, der überzeugt – in beiden Fällen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Have Spacesuit Will Travel, Stalemate, Wishing Well, Back To Source