Freitag, 13. März 2020

Tim Freitag – Monsters Forever




Tim Freitag – Monsters Forever


Besetzung:

Lorenzo Demenga – drums
Severin Graf – bass
Nicolas Rüttimann – guitars
Daniel Gisler – keyboards
Janick Pfenninger – vocals


Label: Noodle Soup Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Pop


Trackliste:

1. By Your Side (3:37)
2. Hold On (3:34)
3. Call Me (3:29)
4. A Kiss, A Bang & It‘s Over (3:57)
5. Dress Rehearsal (0:27)
6. Hot, Cold, With & Without You (3:10)
7. Tip Toe (3:34)
8. Monsters Forever (4:02)
9. Bruises (3:28)
10. Get Your Shit Together (0:35)
11. Another Heart Has Lost Its Place (3:53)

Gesamtspieldauer: 33:51



Mit den Liedern „Bruises“ (Oktober 2017), „Hold On“ (März 2018), „The Wave“ (Juni 2018), „By Your Side“ (September 2018) und „Tip Toe“ (April 2019) hat die Züricher Band Tim Freitag in der jetzigen Formation als Quintett bisher fünf Singles veröffentlicht. Vier dieser Lieder befinden sich nun auch auf dem Debut-Album der Band, welches am 13. März 2020 auf dem Plattenlabel Noodle Soup Records erscheint und den Namen „Monsters Forever“ trägt.

Tim Freitag, das steht für eine überaus gelungene Mischung aus Pop mit leichten Rockeinschlägen. Musik, die sehr schnell ins Ohr geht und dabei auch länger dort zu verbleiben versteht. „Monsters Forever“ macht einfach Spaß, Musik die gute Laune verbreitet. Alles auf dem Album wirkt so voller Leichtigkeit und man glaubt zu spüren, welchen Spaß die Schweizer selbst an ihrer Musik haben. Da passt so viel, greift ineinander. Groovende Rhythmen, sehr viele sehr eingängige Melodien und sogar Texte, die ebenfalls hörenswert sind – nicht unbedingt selbstverständlich. Die Musik ist zudem perfekt arrangiert und der Gesang des Janick Pfenninger hat nochmals ein Extrasternchen verdient. Sehr variantenreich klingt dieser, auch an den hohen Stellen überzeugend und erinnert mich an der einen oder anderen Stelle sogar an den von Prince.

„Monsters Forever“ lässt sich wunderschön in einem Zug durchhören. Die Fernbedienung kann man dabei getrost außer Reichweite liegenlassen. Und jede Zuhörerin und jeder Zuhörer wird auf dem Album seine ganz eigenen Favoriten für sich entdecken können. In meinem Fall wären das die Lieder „Hold On“, „Monsters Forever“ und „Another Heart Has Lost Its Place“. „Hold On“ ist ein klasse Pop-Lied, bei dem man nicht umhin kommt mit zu wippen. Das Titellied „Monsters Forever“ ist mein Lieblingslied der Platte. Janick Pfenninger geht in seinem Gesang auf, man leidet mit ihm. Und dies alles verpackt in einer wunderschönen Melodie, die Ohrwurmcharakter besitzt. Das letzte Lied des Albums, „Another Heart Has Lost Its Place“, ist nicht weniger eingängig, klingt so schön sehnsüchtig und ist der Titel, der gleich beim ersten Hören den größten Eindruck hinterlässt, da er auch stilistisch ruhiger angelegt ist und sich alleine dadurch vom Rest der Platte ein wenig abhebt.

Fazit: Ein wahrlich gelungenes Debut legen Tim Freitag mit „Monsters Forever“ ihren Hörerinnen und Hörern vor. Musik die wirkt, Musik die groovt und dabei mit wunderschönen Melodien aufzuwarten weiß. Mit jedem Durchlauf überzeugen die Schweizer mehr, bis man noch dieses, dann doch auch noch jenes Lied zu seinen Lieblingsliedern zählt. Die Musik wird durch dieses Album bereichert. Schön. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hold On, Monsters Forever, Another Heart Has Lost Its Place



Mittwoch, 11. März 2020

Unheilig – Grosse Freiheit




Unheilig – Grosse Freiheit


Besetzung:

„Der Graf“ – alles


Gastmusiker:

Christoph Termühlen – Gitarre
Henning Verlage – Programming


Label: Universal Music


Erscheinungsjahr: 2010


Stil: Deutsch Rock, Gothic Rock


Trackliste:

1. Das Meer (3:39)
2. Seenot (4:23)
3. Für Immer (3:22)
4. Geboren um zu leben (3:50)
5. Abwärts (3:30)
6. Halt mich (3:48)
7. Unter Feuer (5:05)
8. Große Freiheit (3:49)
9. Ich gehöre mir (3:36)
10. Heimatstern (4:12)
11. Sternbild (4:30)
12. Unter Deiner Flagge (4:11)
13. Fernweh (4:51)
14. Neuland (4:31)

Gesamtspieldauer: 57:23




Heute vor zehn Jahren, also am 19. Februar 2010, erschien eines der erfolgreichsten Alben in Deutschland, welches mit deutscher Sprache eingesungen wurde. Es ist das Album „Grosse Freiheit“ von Unheilig, welches auf dem Plattenlabel Universal Music veröffentlicht wurde. In Deutschland belegte „Grosse Freiheit“ dreiundzwanzig nicht aufeinanderfolgende Wochen den ersten Platz der Charts, Dies stellt gleichzeitig den bisher längsten Aufenthalt eines Albums im 21. Jahrhundert auf dieser Spitzenposition dar und ist zudem das erste Album eines deutschen Künstlers, dem dies gelang.

Das wohl bekannteste Lied von Unheilig, die Nummer „Geboren um zu leben“, ist keineswegs typisch für die Platte. Dieses Lied, ein absoluter Ohrwurm, klingt deutlich sanfter als vieles andere auf dieser Scheibe. Beim Hören von „Grosse Freiheit“ fühlt man sich das eine ums andere Mal an Rammstein und deren Interpretation der Neuen Deutschen Härte erinnert. Hier wie da wird heftig gerockt und ein sehr harter Gitarrensound knallt aus den Boxen. Es ist wahrlich überraschend, wie nah Unheilig dabei manchmal dem Sound von Rammstein kommen. Melodiös klingen die Lieder auf „Grosse Freiheit“ dabei durchgängig, auch wenn ein zweites „Geboren um zu leben“ nicht auf der Platte zu finden ist.

Selbstverständlich ist die Nummer „Geboren um zu leben“ auch der Höhepunkt auf „Grosse Freiheit“. Schon für dieses Lied lohnt sich die Platte anzuhören. Der Rest des Albums ist zudem ebenfalls hörenswert, wenn er auch nicht mehr den Eindruck hinterlässt, der sehr lange nachhallt. Besonders herausheben kann man an dieser Stelle noch die letzte Nummer der Platte, das Lied „Neuland“. Dies aufgrund der Tatsache, da sie gar nicht typisch ist für „Grosse Freiheit“, denn es ist eine Instrumentalnummer. Diese geht ebenfalls gut ins Ohr und stellt einen schönen und würdigen Abschluss des Albums dar.

Fazit: „Grosse Freiheit“ lebt von dem Lied „Geboren um zu leben“. Das ist der Höhepunkt des Albums, davon lebt die Platte. Der Rest der Scheibe, häufig in die Richtung Neue Deutsche Härte driftend, erinnert manchmal fatal an Rammstein. Gut anhören kann man das jedoch, wirklich besonders ist es allerdings nicht. Trotzdem macht „Grosse Freiheit“ Spaß. Neun Punkte.

Anspieltipps: Geboren um zu Leben, Neuland



Montag, 9. März 2020

Nick Cave And The Bad Seeds – Push The Sky Away




Nick Cave And The Bad Seeds – Push The Sky Away


Besetzung:

Nick Cave – vocals, piano, electric piano
Warren Ellis – violin, viola, tenor guitar, flute, synthesizer, electric piano, loops, backing vocals
Martyn P. Casey – bass (1–6, 8), backing vocals
Barry Adamson – bass (7, 9), backing vocals
Conway Savage – vocals, backing vocals
Thomas Wydler – drums, backing vocals
Jim Sclavunos – percussion, backing vocals


Gastmusiker:

George Vjestica – twelve-string guitar (4, 5), backing vocals (5, 8)
Chris Dauray – saxophone (8)
Jessica Neilson – bass clarinet (8)
Ryan Porter – trombone (8)
Antonio Beliveau – backing vocals (1, 3, 7, 9)
Aya Peard – backing vocals (1, 3, 7, 9)
Jason Evigan – backing vocals (1, 3, 7, 9)
Natalie Wilde – backing vocals (1, 3, 7, 9)
Martha Skye Murphy – backing vocals (1, 3, 7)
Children Of Ecole Saint Martin – backing vocals (4, 8, 9)


Label: Bad Seed Limited


Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. We No Who U R (4:05)
2. Wide Lovely Eyes (3:40)
3. Water’s Edge (3:49)
4. Jubilee Street (6:36)
5. Mermaids (3:49)
6. We Real Cool (4:18)
7. Finishing Jubilee Street (4:28)
8. Higgs Boson Blues (7:50)
9. Push the Sky Away (4:09)

Gesamtspieldauer: 42:47




„Push The Sky Away” nannte der australische Musiker Nick Cave das fünfzehnte Studioalbum, welches er zusammen mit seiner Band The Bad Seeds veröffentlichte. „Push The Sky Away” erschien am 18. Februar 2013 auf dem bandeigenen Plattenlabel Bad Seed Limited. Es ist das erste Album der Band, auf dem Gründungsmitglied Mick Harvey nicht mehr zu hören ist, er verließ die Band im Januar 2009. Dafür kehrte Bassist und ebenfalls Gründungsmitglied Barry Adamson zu den Bad Seeds zurück, der das letzte Mal auf dem 1986er Album „Your Funeral... My Trial“ beteiligt war. Schließlich ist „Push The Sky Away” auch das letzte Album, auf dem Conway Savage zu hören ist, der an einem Hirntumor erkrankte und schließlich 58-jährig am 2. September 2018 daran verstarb.

„Push The Sky Away” ist kein leichtes, gleichsam ein etwas entrücktes Album geworden. Die Stimmung auf der Platte ist dunkel und düster, bisweilen sogar traurig, als ob Nick Cave und Warren Ellis, die erneut die Lieder des Albums schrieben, bereits von bevorstehenden Schicksalsschlägen wussten, die sich spätestens bei der nächsten Platte bereits zum Teil vollzogen hatten. Dabei klingt dieses fünfzehnte Studioalbum der Australier sehr eingängig und stellt eines jener Alben dar, die erst mit dem zweiten, dritten, vierten oder fünften Durchlauf ihre ganze Besonderheit, Schönheit und Melodiösität der Hörerin und dem Hörer freigeben. Definitiv muss man „Push The Sky Away” wirken und einwirken lassen, dann wächst diese Scheibe. In ihrer Verbindung aus in Moll getauchten Akkorden und sehr viel Harmonie gehört diese Platte mit zu den Höhepunkten im Schaffen von Nick Cave & The Bad Seeds.

Ich höre auf „Push The Sky Away” viele wahrlich gelungene Lieder und besondere Momente. Besonders in der ersten Hälfte des Albums sind diese reichlich vorhanden. Stücke wie „We No Who U R“, „Jubilee Street“ oder „Mermaids“ schaffen es, Hörerin und Hörer völlig in den Bann zu ziehen. Diese süße Melancholie bis Sentimentalität, die mit diesen Titeln vermittelt wird, wirkt und wirkt auch länger nach. Dazu erklingen in diesen Stücken wunderschöne mehrstimmige Gesänge in Kombination zu eingängigen, sanften Melodien und fertig sind sie, die Highlights auf „Push The Sky Away”.

Fazit: „Push The Sky Away”, das fünfzehnte Studioalbum von Nick Cave & The Bad Seeds ist ein dunkles, eher trauriges Album geworden, angefüllt mit Musik, die wirkt. In die Lieder der Australier lässt sich bestens eintauchen, auch wenn man ihnen etwas Zeit zum Reifen geben sollte. Schöne, intensive und melodiöse Lieder, die sich zu hören lohnt, nicht nur in der dunklen Jahreszeit. Elf Punkte.

Anspieltipps: We No Who U R, Jubilee Street, Mermaids



Samstag, 7. März 2020

Mila Mar – Harar




Mila Mar – Harar


Harar ist eine Stadt im Osten von Äthiopien, kurz vor der Grenze zu Somaliland. Sie ist im Ogaden zu finden, einem seit langem umkämpften Gebiet. Doch auch einer Region, die voller Geschichte und Geschichten ist. „Harar“ heißt auch die neue Platte von Mila Mar, einer Band, die nur sehr schwer zu fassen ist und die mit ihrer Musik genau in diese mystische Welt im Osten Afrikas eintaucht.

Mila Mar haben nun mit „Harar“ ihr sechstes Album in 25 Jahren Bandgeschichte vorgelegt. Vor etlichen Jahren beschrieb ich ihre Musik mal als Soundtrack eines geheimnisvollen Märchens. Daran hat sich auch auf diesem neuen Werk nichts geändert. Es ist so eine Mischung aus klagevollen Liedern voller Schwere, anzuordnen irgendwo zwischen Gothic, Ambient, Mittelalterklängen und Weltmusik. All das zeigt die Breite von Mila Mar auf und beschreibt diese märchenhafte Musik auch wieder nicht. Die dominanten Trommeln, neben Cello und Dulcimer, dazu die unglaubliche Ausdruckskraft von Sängerin Anke Hachfeld. Sie singt in einer Fantasiesprache, deren Worte man nicht verstehen muss, um die Bedeutung für sich zu erahnen. Vieles ist einem selber überlassen, das Trio Mila Mar zeigt nur den Weg auf, die Bilder dazu muss sich der Hörer selbst ausdenken.

„Harar“ ist erneut ein Album, das einen zum Mitreisen einlädt. Ich kenne die Gegend an der Grenze von Somaliland zu Äthiopien, eine dürre Wüstenregion voller Schönheit und Faszination. Doch auch eine geplagte Gegend, die Kriege, Hunger, Elend und Krisen über Jahrhunderte hinweg erlebt hat. Und all das wird ebenfalls auf dieser Platte klanglich umgesetzt, zumindest erscheint es so. Für mich laufen diese Bilder vor dem inneren Auge ab. Hier die mystische Stätte, Weltkulturerbe Harar, da die heiße und teils unfruchtbare Wüstenlandschaft. Eine Region zwischen den religiösen und kulturellen Einflüssen. All das geht in „Harar“ von Mila Mar auf. Es ist eine ungewöhnliche und bewegende Ortsbeschreibung, die neugierig macht. Neugierig darauf, offen für fremde Kulturen zu sein.

Wenn ich hier in Oakland sitze, all die Fotos meiner Reisen vorbeiziehen lasse, dann haben mir Mila Mar nun einen Soundtrack geliefert, der die bedrückenden Gefühle in vielen Situationen, die atemstockenden Bilder des Erlebten, aber auch die vielen wunderschönen Augenblicke und die Erfahrungen mit Menschen vor Ort ausdrückt. Ja, „Harar“ ist ein Wechselbad der Gefühle, wenn man sich denn darauf einlassen will. Eine wundersame Entdeckungsreise in die weite Welt der Mythen und Märchen und Kulturen.



Freitag, 6. März 2020

Anna Depenbusch – Echtzeit




Anna Depenbusch – Echtzeit


Besetzung:

Anna Depenbusch – Klavier und Gesang


Label: Liedland


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Pop, Liedermacher


Trackliste:

CD1:

1. Echtzeit (3:03)
2. Eisvogelfrau (für Emmy) (3:14)
3. Nimm mich zurück (3:47)
4. Tim 2.0 (4:19)
5. Bin dabei (3:01)
6. Alte Schule (3:07)
7. 5 Meter (3:37)
8. Gegen die Schwerkraft (3:55)
9. Hilbert (Piano) (1:48)
10. Beste Lüge (3:06)
11. Schlaflied für Pauli (Piano) (1:27)

CD2:

1. Alte Schule (3:45)
2. Tim 2.0 (4:08)
3. Eisvogelfrau (für Emmy) (3:23)
4. 5 Meter (3:54)
5. Echtzeit (3:17)
6. Bin dabei (2:59)
7. Nimm mich zurück (3:57)
8. Gegen die Schwerkraft (4:01)
9. Beste Lüge (3:32)

Gesamtspieldauer: CD1 (34:24) und CD2 (32:58): 1:07:23



„Echtzeit“ heißt das fünfte Studioalbum der in Hamburg geborenen Musikerin Anna Depenbusch. Ein Album, auf dem man Anna Depenbusch am Klavier hört – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wie man auf der Rückseite des beiliegenden Booklets nachlesen kann, wurden alle Lieder am 20. Januar 2020 als analoger Vinyl-Direktmitschnitt live und in „Echtzeit“ in den Emil Berliner Studios in Berlin aufgenommen.

Sehr intensiv klingt sie, die Musik der Hamburgerin. Gerade durch diese sehr zurückhaltende Instrumentierung wirken die elf Lieder auf „Echtzeit“ noch ein wenig packender. Weniger ist hier eindeutig mehr. Die nachdenklich machenden, ein anderes Mal ein Lächeln auf die Lippen zaubernden Texte von Anna Depenbusch treffen einen auf diese Weise noch direkter. Sie unterhalten und laden ganz unaufdringlich zum genauen Zuhören ein. Die Lieder „Hilbert“ und „Schlaflied für Pauli“ sind dagegen zwei, fast schon viel zu kurze, wunderschöne Instrumentalnummern.

Neben den hörenswerten Texten vernachlässigt Anna Depenbusch keinesfalls die Musik selbst. Sanfte Pianoklänge dringen ans Ohr, angefüllt mit eingängigen Harmonien. Auf „Echtzeit“ gibt es viele schöne Melodien zu entdecken, die bereits beim ersten Mal des Hörens gefallen und überzeugen können. Zumeist klingt das sanft, manchmal verträumt, an anderer Stelle swingt die Musik der Anna Depenbusch allerdings sogar ein wenig. Somit gelingt es der Musikerin – trotz dieser nur sehr zurückhaltenden Instrumentierung – ihren Hörerinnen und Hörern auch eine gewisse musikalische Abwechslung auf „Echtzeit“ zu präsentieren.

Der „Bonus Edition“ des Albums liegt eine zweite CD bei, überschrieben mit „Wo die Geschichten herkommen – Echtzeit-Demos“. Hier hört man jene neun Lieder des Albums in leicht variierten Versionen, auf denen Anna Depenbusch mit Gesang zu hören ist. Aufgenommen wurden diese Demos in ihrem Musikzimmer auf einem Salonflügel, dem die Musikerin den Namen „Frau Rachals“ gegeben hat. Eine schöne, jedoch keine essentielle Ergänzung zum eigentlichen Album.

Fazit: Ein eingängiges und melodiöses Album ist die fünfte Studio-Veröffentlichung „Echtzeit“ der Anna Depenbusch geworden. Dieses enthält gelungene Texte, die mal zum Nachdenken, mal zum Lächeln animieren. Manche Alben schaffen es, eine irgendwie geartete, schwer zu erklärende und schöne Atmosphäre zu verbreiten. „Echtzeit“ von Anna Depenbusch gehört zu diesen Alben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Eisvogelfrau (für Emmy), 5 Meter, Hilbert (Piano), Schlaflied für Pauli (Piano)



Donnerstag, 5. März 2020

Placebo – Sleeping With Ghosts




Placebo – Sleeping With Ghosts


Besetzung:

Brian Molko – vocals, guitar, keyboard, saxophone on "Something Rotten", drums on "English Summer Rain"
Steve Hewitt – drums, percussion
Stefan Olsdal – bass guitar, guitar, keyboards, piano, backing vocals


Gastmusiker:

Simon Breed – harmonica on "Protect Me From What I Want"


Label: Hut Records


Erscheinungsjahr: 2003


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Bulletproof Cupid (2:22)
2. English Summer Rain (4:01)
3. This Picture (3:34)
4. Sleeping With Ghosts (4:38)
5. The Bitter End (3:10)
6. Something Rotten (5:28)
7. Plasticine (3:26)
8. Special Needs (5:16)
9. I‘ll Be Yours (3:32)
10. Second Sight (2:49)
11. Protect Me From What I Want (3:15)
12. Centrefolds (5:00)

Gesamtspieldauer: 46:38




„Sleeping With Ghosts“ betitelte die englische Alternative Rock Band Placebo ihr viertes Studioalbum. „Sleeping With Ghosts“ wurde am 1. April 2003 auf dem Plattenlabel Hut Records veröffentlicht. Das Album erreichte Platz 11 der britischen Album-Charts und kletterte in Deutschland sogar bis auf den zweiten Rang. Im Zeitraum von März 2003 bis zum Februar 2004 wurden die Lieder „The Bitter End“, „This Picture“, „Special Needs“ und „English Summer Rain“ als Singles ausgekoppelt.

„Sleeping With Ghosts“ ist ein sehr typisches Placebo Album geworden und sofort als dieses erkenn- beziehungsweise erhörbar. Und das liegt nicht nur am eindringlichen Gesang des Brian Molko. Es ist der Sound der Band sowie die hier transportierte Stimmung, die die Platte zu einem eindeutigen Placebo Werk werden lassen. Dieser Rock verbunden mit fast schon verzweifelt klingenden Passagen zeigt den Ursprung der Lieder ganz klar auf. Viele der Lieder handeln inhaltlich vom Thema „Beziehung“, die manchmal lange halten und innig sein können, andererseits auch traurig enden können. Eben „Himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt“, was die Musik sehr schön widerspiegelt.

Die Höhepunkte auf „Sleeping With Ghosts“ sind der Titeltrack „Sleeping With Ghosts“, das etwas getragene und intensive „I‘ll Be Yours“, das rockigere „Protect Me From What I Want“ sowie das letzte Lied der Platte, „Centrefolds“, welches atmosphärisch dicht, melancholisch und sentimental aus den Boxen strömt. Allen diesen Liedern ist besonders gemein, dass sie über wunderschöne Melodien verfügen, die ins Ohr gehen und dort auch verbleiben. Für mich sehr überraschend ist dabei, dass keines dieser hier von mir genannten Lieder eine Singleauskopplung darstellt. Dazu wurden von der Band und deren Management andere Lieder ausgewählt. Geschmackssache eben.

Fazit: „Sleeping With Ghosts“ ist zum einen ein sehr typisches Placebo Album geworden, zum anderen eine Platte, die mit sehr schönen Ideen und eingängigen Melodien aufwartet. Der Rock tritt im Vergleich zum Vorgängeralbum „Black Market Music“ ein wenig in den Hintergrund, doch „Sleeping With Ghosts“ ist deswegen keineswegs weichgespült. Eher noch abwechslungsreicher. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Sleeping With Ghosts, I‘ll Be Yours, Protect Me From What I Want, Centrefolds



Dienstag, 3. März 2020

Leprous – The Congregation




Leprous – The Congregation


Besetzung:

Einar Solberg – lead vocals, keyboards
Tor Oddmund Suhrke – guitar
Øystein Landsverk – guitar
Baard Kolstad – drums


Gastmusiker:

Simen Børven – bass guitar


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2015


Stil: Progressive Rock, Progressive Metal


Trackliste:

1. The Price (5:14)
2. Third Law (6:18)
3. Rewind (7:07)
4. The Flood (7:51)
5. Triumphant (4:25)
6. Within My Fence (3:16)
7. Red (6:35)
8. Slave (6:37)
9. Moon (7:13)
10. Down (6:26)
11. Lower (4:39)

Gesamtspieldauer: 1:05:46




„The Congregation“ nannte die norwegische Band Leprous ihr viertes Studioalbum. „The Congregation“ wurde am 25. Mai 2015 in Europa und am 2. Juni 2015 in Nordamerika auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht. Vor und nach der Veröffentlichung gab es einige Umbesetzungen in der Band. So ist „The Congregation“ das letzte Album mit dem langjährigen Gitarristen Øystein Landsverk. Gleichzeitig sind auf der Platte zum ersten Mal Schlagzeuger Baard Kolstad und Bassist Simen Børven zu hören.

Auch auf „The Congregation“ hört man die für die Norweger so typischen Ingredienzien in der Musik. Die da wären sehr atmosphärische laute wie ruhige Abschnitte, tolle Melodien, krachende Passagen mit einem Schlagzeug, welches stakkatohaft den Rhythmus vorgibt und sehr variantenreiche Gesänge, für die sich Einar Solberg verantwortlich zeigt. Diese werden bestimmt durch seine sehr große stimmliche Bandbreite, wie auch durch sehr gelungene mehrstimmige Passagen.

Die Melodien zünden auf „The Congregation“ allerdings ein wenig weniger oder schlechter, ganz wie man das sehen beziehungsweise hören möchte. Doch diese melodiösen Momente sind immer noch da, allerdings eben nicht mehr im selben Ausmaß, wie noch auf den Vorgängeralben. Höhepunkte der Platte sind die beiden Lieder „The Price“ und „Red“, in denen die fünf Norweger alles aus ihren Instrumenten und Stimmen herausholen, was musikalisch in ihnen zu stecken scheint. Dazu verfügen beide Nummern über einen sehr spannenden Aufbau und Verlauf und gehen zudem gut ins Ohr.

Fazit: Auch auf „The Congregation“ hört man Musik, die so nur von Leprous stammen kann. Harter Rock, der dieses Mal sogar wieder ein wenig mehr in die Richtung des Progressive Metal verweist. Abwechslungsreich klingt das Ganze zu jeder Zeit und man kann bestens in diese Musik eintauchen, wenn man die Härte in den Liedern zu schätzen versteht. Zwar gibt es nicht mehr diese Anzahl an Melodien und Harmonien, die man auf den vorherigen Alben erhören konnte, Spaß macht „The Congregation“ jedoch trotzdem. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Price, Red



Sonntag, 1. März 2020

Big Big Train – English Electric Part One




Big Big Train – English Electric Part One


Besetzung:

Nick D'Virgilio – drums, backing vocals
Dave Gregory – electric guitar, voice of the court usher, banjo, mellotron
David Longdon – lead vocals, flute, vibes, tambourine, banjo, accordion, melodica, keyboards, acoustic guitar, mandolin, birds and bees
Andy Poole – keyboards, acoustic guitar, mandolin, backing vocals, baritone bee
Gregory Spawton – bass guitar, electric guitar, slow moog, backing vocals, mandolin, acoustic guitar, keyboards
Danny Manners – keyboards, piano, double bass


Gastmusiker:

Abigail Trundle – cello
Andy Tillison – organ, Moog, keyboards
Ben Godfrey – cornet, trumpet, piccolo trumpet
Daniel Steinhardt – electric guitar
Dave Desmond – trombone
Eleanor Gilchrist – violin
Geraldine Berreen – violin
Jan Jaap Langereis – recorders
Jon Truscott – tuba
John Storey – euphonium, trombone
Lily Adams – backing vocals
Martin Orford – backing vocals
Rachel Hall – violin
Sue Bowran – violin
Teresa Whipple – viola
Verity Joy – backing vocals
Violet Adams – backing vocals


Label: English Electric Recordings


Erscheinungsjahr: 2012


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Make Some Noise (4:22)
2. The First Rebreather (8:31)
3. Uncle Jack (3:49)
4. Swan Hunter (6:21)
5. Seen Better Days (7:36)
6. Edgelands (1:26)
7. Summoned By Bells (9:17)
8. Upton Heath (5:39)
9. A Boy In Darkness (8:03)
10. Hedgerow (8:52)

Gesamtspieldauer: 1:03:55




„English Electric Part One” heißt das siebte Studioalbum der englischen Progressive Rock Band Big Big Train. Es wurde am 3. September 2012 auf dem Plattenlabel English Electric Recordings veröffentlicht. Im Jahr 2016 gab es eine Wiederveröffentlichung der Scheibe, dabei wurde der Titel „Swan Hunter“, der ursprünglich auf dem Nachfolgealbum „English Electric Part Two” zu finden war, dieser Scheibe beigemischt. Die Titel „Make Some Noise“, „Seen Better Days“ sowie „Edgelands” waren auf dem ursprünglichen Album überhaupt nicht vorhanden. Dafür fehlen nun auf diesem Album die ursprünglich vorhandenen Titel „Winchester From St Giles‘ Hill“ sowie „Judas Unrepentant“, die sich nun auf der Neuauflage von „English Electric Part Two” befinden. Da blicke noch einer durch.

Von der Musik her ist „English Electric Part One” ein absolut typisches Big Big Train Album geworden. Man hört zumeist sanften, immer jedoch sehr melodischen Progressive Rock, der mitunter ganz stark das Genre des Melodic Rock streift. Es sind allerdings diese stimmungsvollen und atmosphärischen Wechsel, die die Musik von Big Big Train auf diesem Album dann doch zu etwas Besonderem und Hörenswertem machen. Dazu die wahrlich abwechslungsreiche Instrumentierung inklusive von Bläsern und Streichern und fertig ist die rockige Reise durch die Harmonievielfalt der englischen Musiker von Big Big Train.

Am Überzeugendsten klingen für mich die Lieder „Swan Hunter“, „Edgelands”, „A Boy In Darkness” und die letzte Nummer der Platte „Hedgerow“. Alles Stücke, ausgestattet mit wunderschönen Melodien in die sich einzutauchen wahrlich lohnt. Dies gilt im Übrigen auch für fünf der sechs nun nicht namentlich aufgeführten Lieder, die allesamt ebenfalls sehr überzeugend klingen. Einzige Ausnahme stellt der Opener „Make Some Noise“ dar. Diese Nummer ist eine Mischung aus AOR und Mainstream und wäre deutlich besser bei einer Band wie Journey oder Boston aufgehoben. Warum Big Big Train dieses Lied mit auf die Neuauflage des Albums presste, ein Lied, welches stilistisch so gar nicht zum Rest passt, das wird wohl ewig das Geheimnis der Musiker bleiben.

Fazit: „English Electric Part One” ist eine typische Platte von Big Big Train geworden. Sehr melodische Musik, die in einem Lied bereits sehr viele Wendungen unternimmt. Die Lieder auf „English Electric Part One” sind aufwendig arrangiert und durch den Einsatz vieler unterschiedlicher Instrumente klingt die Musik von Big Big Train nicht nur interessanter, sondern nochmals ein wenig harmonischer. Wer die eingängige Variante des Progressive Rocks mag, die oder der wird auf diesem Album fündig. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Swan Hunter, Edgelands, A Boy In Darkness, Hedgerow



Samstag, 29. Februar 2020

Infamis – Heimat Und Verwesung





Infamis – Heimat Und Verwesung



Es gibt sie, diese deutschen Bands, die es schaffen, dieses Gefühl der Weite Amerikas in Songs zu packen. Ich kenne dieses Land, bin oft genug von Westen nach Osten und zurück gefahren, durch die Wüste Nevadas, über die Rocky Mountains, vorbei an den endlosen Feldern im „Heartland“ Amerikas. Ich habe Ortschaften gesehen, die an eine Folge aus der „Twilight Zone“ Serie erinnern, eine Straße führt rein und man hofft, dass auf der anderen Seite wieder eine Straße hinaus führt.

Irgendwo in der Mitte von Nirgendwo steht ein Diner an einem schnurgeraden, langen, leeren Highway. Der Wind weht den Staub auf, eine paar Steppenläufer rollen über den Asphalt, ein rostiger, schiefer Stacheldrahtzaun beschränkt das offene Land, das sich bis zum Horizont zieht. Die Tür des Diners quietscht, ein paar Typen sitzen an der Bar, schauen kurz auf den Neuen, der da eintritt, nicken, wenden sich wieder ihrem Bier zu. Aus der Jukebox dringt „Dann sind wir Helden, für einen Tag“. Infamis aus Berlin spielen, singen auf Deutsch. Und es passt.

An solch einem Ort sollte man eigentlich die neue Platte von Infamis hören, die „Heimat und Verwesung“ heißt. Auch dieser Titel beschreibt dieses Bild, was ich im Kopf habe. Das Vertraute und das Vergängliche. Ich mag diese Band aus Berlin sehr und das schon seit über 20 Jahren. Sie kümmern sich nicht um Hits und Charts und Verkaufszahlen, sie verfolgen einfach ihren Weg, machen da weiter, wo sie mit „Im Westen der Himmel“ vor sieben Jahren aufgehört haben. Sie bleiben ehrlich und auch bescheiden. Diese Platte beschreibt die Mitglieder der Band, wie ich sie über die Jahre kennengelernt habe. Dieses neue Album ist eine Fortsetzung ihres faszinierenden Soundtracks eines Films, den man selbst erdenken kann, wie ich das mit diesem Diner im Nirgendwo gemacht habe.

Infamis lassen Bilder entstehen, die mal tief traurig, hoffnunglos, bedrückend sind, um dann voller Nähe und Zärtlichkeit zu sein, ja, sogar Lebensfreude ausstrahlen. Es ist ein Wechselbad der Gefühle, keine Platte zum Nebenbei hören. Es ist ein Album zum Hinhören, zum Verweilen, zum in die Tiefe gehen. Sich darauf einlassen, ist wohl eine Umschreibung, die es am besten erfasst. Und immer wieder bin ich davon fasziniert, wie sie es schaffen, diesen Sound, nein, diese Bilder der Weite Amerikas einzufangen. Sie kommen eben nicht aus Idaho, Montana oder Wyoming, Infamis sind mitten aus Berlin. Großstadtcowboys mit Weitblick auf ihre ganz besondere Art und Weise. „Heimat und Verwesung“ ist ein Album, das für mich, da bin ich schon jetzt ganz sicher, auch am Ende des Jahres zu den besten Veröffentlichungen von 2020 gehören wird.

Donnerstag, 27. Februar 2020

Lana Del Rey – Honeymoon




Lana Del Rey – Honeymoon


Besetzung:

Lana Del Rey – vocals, mellotron


Gastmusiker:

Rick Nowels – acoustic guitar, electric guitar, bass, synthesizers, mellotron, piano, organ, chamberlin, electric piano, keyboards, percussion, celesta
Kieron Menzies – synthesizers, drum programming, synth bass, percussion, sampler, effects, loops
Patrick Warren – strings, winds, keyboards, programming
Curt Bisquera – live drums
Brian Griffin – drums
Leon Michels – winds, keyboards, saxophone
Derek "DJA" Allen – percussion
Rusty Anderson – electric guitar, guitar effects
David Levita – strings
Ron "Blondie Boy" Thaler – additional drums
Roger Joseph Manning Jr. – bass, omnichord
Trevor Yasuda – additional programming


Label: Polydor


Erscheinungsjahr: 2015


Stil: Pop


Trackliste:

1. Honeymoon (5:50)
2. Music To Watch Boys To (4:50)
3. Terrence Loves You (4:50)
4. God Knows I Tried (4:40)
5. High By The Beach (4:17)
6. Freak (4:55)
7. Art Deco (4:55)
8. Burnt Norton (Interlude) (1:21)
9. Religion (5:23)
10. Salvatore (4:41)
11. The Blackest Day (6:05)
12. 24 (4:55)
13. Swan Song (5:23)
14. Don’t Let Me Be Misunderstood (3:04)

Gesamtspieldauer: 1:05:16




„Honeymoon“ nannte die US-amerikanische Sängerin Lana Del Rey ihr viertes Studioalbum. Es erschien am 18. September 2015 auf den Plattenlabeln Polydor Records und Interscope Records. Es enthält Lieder, die Lana Del Rey zusammen mit Rick Nowels schrieb. Dazu gibt es mit dem kurzen Stück „Burnt Norton“ einen Titel, während dessen Lana Del Rey einen Auszug des ersten Gedichts aus T. S. Eliots „Vier Quartetten“ rezitiert. Schließlich hört man als letzte Nummer des Albums noch eine Cover-Version des Liedes „Don‘t Let Me Be Misunderstood“, geschrieben von Sol Marcus, Bennie Benjamin und Gloria Caldwell und wohl am bekanntesten in der Version von Eric Burdon and The Animals. Zwei Singles wurden mit den Liedern „High By The Beach” und „Music To Watch Boys To” aus dem Album ausgekoppelt.

Obwohl „Honeymoon“ bei den Kritikern sehr gut ankam, verkaufte sich das Album deutlich schlechter als die beiden Vorgänger, allerdings immer noch sehr gut. Lana Del Rey hatte die Richtung ihrer Musik auf „Honeymoon“ ein klein wenig anders ausgerichtet. Die Lieder waren sehr viel orchestraler instrumentiert, zumeist noch ein wenig getragener und auch trauriger klingend. Insgesamt klingt „Honeymoon“ noch ein wenig poppiger als die Vorgängerscheiben. Zudem fehlt der Platte eine Nummer, die sofort und auch längerfristig ins Ohr geht. Alles klingt gut auf „Honeymoon“, doch diesen einen Ohrwurm, den sucht man dieses Mal vergebens auf dem Album.

Dabei ist „Honeymoon“ ganz gewiss keine schlechte Scheibe geworden, allerdings eben nicht mehr ganz so überzeugend und besonders, wie die Vorgänger. Man schwelgt in warmen, weichen Tönen, der Gesang der Lana Del Rey ist einmal mehr überragend und eindrucksvoll, doch die sanften Melodien wirken nicht ganz so intensiv. Höhepunkt der Platte ist für mich die Nummer „God Knows I Tried“, mit der Lana Del Rey so unendlich verzweifelt ihre Botschaft in die Welt hinaussingt, dass man ihr nur glauben kann, dass der Liedtitel der Wahrheit entspricht. Sie muss es einfach versucht haben. Ganz bestimmt.

Fazit: Auch auf Honeymoon hört man eindeutige und intensive Lana Del Rey Musik. Fans dürften nicht enttäuscht sein. Trotzdem zünden die einzelnen Titel nicht ganz so sehr, wie auf Alben davor oder danach. Und dieser eine Titel, der weit über allen anderen steht, der ist mit „God Knows I Tried“ zwar angedeutet, erhebt sich allerdings nicht zu weit über die anderen Lieder. Spaß macht das Zuhören trotzdem. Warmer und weicher Pop der unterhält. Neun Punkte.

Anspieltipps: God Knows I Tried



Dienstag, 25. Februar 2020

Hackedepicciotto – The Current




Hackedepicciotto – The Current


Vor kurzem habe ich eine Kassette mit dem Mitschnitt meiner ersten Radio Goethe Sendung gefunden. Das war vor fast 24 Jahren an einem Samstagmorgen auf KUSF 90,3 fm San Francisco. Was ich damals spielte war so ganz anders als das, was ich heute in meiner Sendung präsentiere. Damals war ich Ende 20, heute bin ich Anfang 50. Die Zeit, ich weiß… Wenn ich diese Playlisten von 1996 mit denen von 2020 vergleiche, dann hat sich viel verändert, obwohl der Grundsatz von Radio Goethe der gleiche geblieben ist, Musik aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu spielen. Doch irgendwie haben sich da Grenzen verschoben.

Das liegt vor allem an einigen Musikerinnen und Musikern, die mir durch ihre Musik ganz neue Klangwelten eröffnet, meine Hörgewohnheiten und Hörerfahrungen verändert, ja, verschoben haben. Dazu zähle ich die Amerikanerin und Wahl-Berlinerin Danielle de Picciotto genauso wie den Bassisten der Einstürzenden Neubauten, Alexander Hacke. Ihr jüngstes gemeinsames Album heißt “The Current”, das durchaus aktuelle Themen aufgreift, die uns alles betreffen – “All men are created equal” – eine Tatsache, die nur zu oft übersehen wird, die nicht beachtet, der Grund für Hass, Neid, Gewalt ist.

Es ist keine Platte im Vorbeigehen, nichts für nebenbei zu hören. “The Current” ist vielmehr ein Album zum Hinhören. Man braucht Zeit, um den beiden auf ihrer Exkursion in die Weite und die Tiefe zu folgen. Spoken Word neben langen, komplexen Soundlandschaften. Es entsteht ein reiches Klangbild, das so ganz anders, doch so vielschichtig und farbenfroh ist. Manchmal vertraut, manchmal nachdenklich, manchmal bedrohlich. Danielle de Picciotto und Alexander Hacke ergänzen sich mit ihren Erfahrungen, ihren Geschichten, ihren musikalischen Ideen nahezu perfekt. Das wird ganz deutlich, wenn man die beiden live erleben kann. Hier die zart wirkende und tief in sich versunkene de Picciotto, die auf Violine, Drehleier und Kastenzither unglaubliche Vorgaben gibt, die dann von dem eher rau wirkenden Hacke, der durchaus auch gerne mal die Sau rausläßt, aufgenommen, ergänzt und zurückgespielt werden. “The Current” ist so ein wunderbares Zusammenspiel der beiden geworden, voller Ecken, Kanten und Tiefen. Ein Album zum Genießen.



Sonntag, 23. Februar 2020

Agnes Obel – Myopia




Agnes Obel – Myopia


Besetzung:

Agnes Obel – vocals, piano, keyboards, synthesizers, beats and rhythms


Gastmusiker:

John Corban – violin
Kristina Koropecki – cello
Charlotte Danhier – cello


Label: Deutsche Grammophon


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Kammer-Pop


Trackliste:

1. Camera‘s Rolling (4:43)
2. Broken Sleep (4:55)
3. Island Of Doom (5:29)
4. Roscian (2:17)
5. Myopia (5:16)
6. Drosera (2:27)
7. Can‘t Be (3:26)
8. Promise Keeper (2:29)
9. Parliament Of Owls (4:29)
10. Won‘t You Call Me (4:16)

Gesamtspieldauer: 39:52



„Myopia“ nannte die dänische Musikerin Agnes Obel ihr viertes Studioalbum, welches am 21. Februar auf dem Plattenlabel Deutsche Grammophon erschien. Am 29. Oktober 2019 gab Agnes Obel die Neuerscheinung zum ersten Mal bekannt und veröffentlichte gleichzeitig das Lied „Island Of Doom“ als erste Single-Auskopplung der Platte. Single Nummer zwei erschien am 7. Januar 2020 mit dem Titel „Broken Sleep“.

Wie bei den drei vorherigen Veröffentlichungen der in Berlin lebenden Dänin, so bekommt man auch auf „Myopia“ sehr intensive, sanfte und fast schon zerbrechlich wirkende Musik zu hören. Alles darauf klingt sehr melodiös und harmonisch und dabei fast durchgängig auch traurig. Oder ist es eher eine gewisse Nachdenklichkeit, die mit der Musik auf diesem Album transportiert wird? Das bleibt wohl jeder und jedem selbst überlassen und hängt sicherlich auch von der Stimmung ab, in der man sich gerade befindet. Intensiv hört es sich allerdings zu jeder Zeit an – obwohl es sehr ruhige Musik ist und von der Atmosphäre her eher in die dunkle Jahreszeit passt.

„Myopia“ bedeutet „Kurzsichtigkeit“. Alles was sich weiter entfernt befindet, scheint beim Hören des Albums nicht mehr wichtig zu sein, da man sich ganz auf das Hier und Jetzt konzentriert, auf das gerade zu Hörende eben. Und genau darin liegt auch die Stärke der Musik der Agnes Obel. Die Lieder packen Hörerin wie Hörer und wirken. Man kann sich in diese zerbrechlichen Klänge wunderbar fallen lassen – sich seinen Gedanken hingeben oder einfach nur vor sich hinträumen. Mit jedem Durchlauf des Albums wachsen die Lieder dabei noch, werden vertrauter, wichtiger.

Viele Piano-Klänge bekommt man auf „Myopia“ zu hören, dazu Violine und Cello. Genau die diese beiden Streichinstrumente sind auch die einzigen Musikinstrumente, die Agnes Obel auf „Myopia“ nicht selbst eingespielt hat. Über allem schwebt dabei die schöne und weiche und durchaus auch wandlungsreiche Stimme der Dänin, die der Musik zum Teil sogar etwas Feenhaftes bis Mystisches verleiht. Die drei etwas kürzeren Lieder „Roscian“, „Drosera“ sowie „Promise Keeper“ sind übrigens Instrumentalstücke, die allerdings nichts an Intensität vermissen lassen. 

Fazit: Wer ausschließlich Death Metal hört, die oder der wird mit „Myopia“ von Agnes Obel bestimmt nur wenig anfangen können. Alle anderen, die auch mal die sanften Töne zu schätzen wissen, werden dieses Album sicherlich deutlich mehr lieben. Und wer die ersten drei Alben der Dänin zu schätzen weiß, wird auch dieses Mal nicht enttäuscht werden. Schon beim ersten Mal des Hörens gefiel mir, was ich hörte. Doch mit jedem weiteren Durchlauf des Albums steigerte sich noch dieses Gefühl. Warm und doch so cool. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Broken Sleep, Island Of Doom



Freitag, 21. Februar 2020

Paul Simon – Paul Simon




Paul Simon – Paul Simon


Besetzung:

Paul Simon – acoustic guitar, vocals, percussion (10)


Gastmusiker:

Hal Blaine – drums (4, 10, 11)
Lynford "Hux" Brown – lead guitar (1)
Ron Carter – double bass (4)
Russell George – bass guitar (6)
Stéphane Grappelli – violin (9)
Winston Grennan – drums (1)
Stefan Grossman – bottleneck guitar (10)
Jerry Hahn – electric guitar (4, 5)
Neville Hinds – hammond organ (1)
Jackie Jackson – bass guitar (1)
Larry Knechtel – piano (1, 11), Wurlitzer electric piano (3, 11), harmonium (3, 8), Hammond organ (11)
Denzil Laing – percussion (1)
Fred Lipsius – alto saxophone (5)
Los Incas – flute, charango, percussion (2)
Mike Mainieri – vibes (4)
Charlie McCoy – bass harmonica (8)
Victor Montanez – congas (7)
Airto Moreira – percussion (5, 6)
Joe Osborn – bass guitar (7, 11)
John Schroer – tenor saxophone (5), baritone saxophone (10)
David Spinozza – acoustic guitar (4, 6)
Steven Turre – trombone (10)
Wallace Wilson – rhythm guitar (1)
Cissy Houston – backing vocals (1)
Von Eva Sims – backing vocals (1)
Renelle Stafford – backing vocals (1)
Deirdre Tuck – backing vocals (1)


Label: Columbia Records


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Pop, Folk


Trackliste:

1. Mother And Child Reunion (3:09)
2. Duncan (4:43)
3. Everything Put Together Falls Apart (2:01)
4. Run That Body Down (3:54)
5. Armistice Day (3:57)
6. Me And Julio Down By The Schoolyard (2:44)
7. Peace Like A River (3:23)
8. Papa Hobo (2:35)
9. Hobo's Blues (1:20)
10. Paranoia Blues (2:58)
11. Congratulations (3:51)

Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung auf CD im Jahr 2004:

12. Me And Julio Down By The Schoolyard (Demo – San Francisco 2/71) (2:29)
13. Duncan (Demo – San Francisco 2/71) (2:48)
14. Paranoia Blues (Unreleased Version) (3:14)

Gesamtspieldauer: 43:13



Mit seinem Namen „Paul Simon“ betitelte des amerikanische Musiker Paul Simon sein zweites Solo-Studioalbum. Es wurde am 24. Januar 1972 auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht, fast zwei Jahre nachdem er sich von seinem langjährigen musikalischen Partner Art Garfunkel getrennt hatte. Sein erstes Soloalbum „The Paul Simon Songbook“ stammte noch aus dem Jahr 1965 und war damals gar nicht in den USA erschienen.

Wer auf „Paul Simon“ nun Musik im Stile des Duos Simon & Garfunkel erwartet hatte, wird wohl eher enttäuscht gewesen sein. Ein breiter Stilmix empfängt einem auf diesem Album, der von Pop über Folk bis Blues und sogar hin zum Reggae reicht. Das erste Lied „Mother And Child Reunion“ hatte Paul Simon in Jamaika aufgenommen und sich dort wohl von der dortigen Musik zusätzlich inspirieren lassen. Ins Ohr will das alles freilich nur sehr am Rande gehen. Die Musik klingt zum Teil sogar ein wenig schräg und an vielen Stellen unausgereift, irgendwie nicht vollendet. Da bleibt nur wenig hängen und begeistern können die Lieder noch weniger. Das sehen Kritiker allerdings anders. Die Platte wurde vom Rolling Stone Magazine auf Platz 268 der „500 Greatest Albums Of All Time“ gesetzt. Zudem erhielt es Platin-Status bezüglich der Verkaufszahlen in den USA.

Richtig begeistern kann mich im Grunde genommen nur ein einziger Titel auf „Paul Simon“, nämlich das Lied Duncan. Diese Nummer verfügt über eine wunderschöne Melodie, die einen Ohrwurm darstellt und welche man so schnell nicht mehr vergisst. Dazu noch ein toller und witziger Text, der unter anderem die geniale Textzeile „My father was a fisherman, My mama was a fisherman‘s friend“ enthält. Ansonsten ist das Lied „Peace Like A River“ noch sehr gelungen und auch noch ein wenig im Stile der Musik von Simon und Garfunkel gehalten. Mit weiteren Abstrichen gilt dies ebenso für die beiden Titel „Me And Julio Down By The Schoolyard“ sowie „Papa Hobo“. Der ganze Rest spricht einen dann allerdings leider so gar nicht mehr an.

Fazit: Wer auf dem zweiten Soloalbum des Paul Simon Musik erwartet hat, die so klingt wie jene, die der Musiker noch zwei Jahre zuvor mit seinem Partner Art Garfunkel präsentierte, die oder der dürfte von „Paul Simon“ enttäuscht sein. Nur wenig erinnert auf diesem Album an die Musik, für die Paul Simon Ende der 60er Jahre so geliebt wurde. Einen, vielleicht zwei Höhepunkte gibt es, doch das macht diese Scheibe noch lange nicht zu einer guten Platte. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Duncan, Peace Like A River



Mittwoch, 19. Februar 2020

Korn – Korn




Korn – Korn


Besetzung:

Jonathan Davis – vocals, bagpipes
Head – lead and rhythm guitars, vocals, backing vocals on "Ball Tongue", "Faget" and "Lies"
Munky – rhythm and lead guitars
Fieldy – bass
David Silveria – drums


Gastmusiker:

Judith Kiener – vocals on the lullaby at the end of "Daddy"


Label: Epic Records


Erscheinungsjahr: 1994


Stil: Nu Metal


Trackliste:

1. Blind (4:19)
2. Ball Tongue (4:29)
3. Need To (4:01)
4. Clown (4:37)
5. Divine (2:51)
6. Faget (5:50)
7. Shoots And Ladders (5:22)
8. Predictable (4:32)
9. Fake (4:51)
10. Lies (3:22)
11. Helmet In The Bush (4:02)
12. Daddy („Daddy“ endet um 12:23; nach ein paar Sekunden Stille folgt der Hidden Track „Michael & Geri“, keine Musik, ein Gespräch) (17:30)

Gesamtspieldauer: 1:05:51



Korn ist eine US-amerikanische Nu-Metal-Band aus Bakersfield, Kalifornien, die sich im Jahr 1993 gründete. Das selbstbetitelte Studio-Debütalbum erschien am 11. Oktober 1994 auf dem Plattenlabel Epic Records. Darauf werden unter anderem Themen wie Kindes- und Drogenmissbrauch und Mobbing behandelt. Das Album gilt als eines der ersten auf denen das Genre Nu Metal zu hören ist. Vier Singles wurden mit den Liedern „Blind“; „Need To“; „Shoots And Ladders“ und „Clown“ aus dem Album ausgekoppelt. „Korn“ von Korn verkaufte sich über zehn Millionen Mal und wurde im Jahr 2017 vom Rolling Stone Magazine auf Platz 30 seiner Liste der 100 größten Metal-Alben aller Zeiten gesetzt.

Auf „Korn“ hört man harten und absolut kompromisslosen Metal. Dabei geht es deutlich weniger um eine Melodie oder gar Harmonie, die Lieder auf „Korn“ krachen brachial aus den Boxen und lassen kaum Spielraum für gemäßigtere Töne. Und fängt dann ein Lied wie „Shoots And Ladders“ doch mal sanft und mit fast schon sehnsüchtigen Dudelsack-Klängen an, dann stellt dies nur die Einleitung dar. Denn auch wenn gerade dieses Lied auch im weiteren Verlauf sich nicht ebenfalls bis zum Exzess steigert, so bleiben dennoch nie Zweifel, ob sich auf „Korn“ wohl doch mal ein sanfterer Ton verirrt.

Die Musik von Korn hat auf diesem Album auch noch ein Alleinstellungsmerkmal, welches ich so nur von Tool in wenigen Liedern kenne. Es ist die Rhythmusfraktion, die neben dem Schlagzeug auch noch Perkussion aufweist, die wohl durch das Zusammenschlagen der Drum-Sticks erzeugt wird und einen auf diese Weise fast über die gesamte Dauer des Albums begleitet. Sehr besonders.

Höhepunkte auf diesem Debut sind für mich die Lieder „Faget“, „Shoots And Ladders“, „Helmet In The Bush“ sowie „Daddy“, die auch die gesamte Bandbreite der Musik der US-Amerikaner auf ihrem ersten Album wiedergeben. Diese Bandbreite mag zwar nicht sehr breit gefächert sein, dafür ist sie jedoch sehr intensiv und zielgerichtet. Besonders intensiv übrigens beim Lied „Daddy“ bei dem man Zeuge des Kindesmissbrauchs wird, dass sich die Haare auf den Armen aufstellen. Schlimm.

Fazit: Du hast Lust auf Headbanging? Na dann solltest Du Dir unbedingt mal das Debut von Korn geben, welches der Einfachheit halber auch gleich den Bandnamen trägt. Doch sei vorsichtig, die Musik ist intensiv, sehr hart, absolut kompromisslos. Das könnte zu Gehirnerschütterungen führen. Wer auf eingängige Melodien wert legt ist bei Korn fehl am Platz. Hier geht es um Metal, alles durchdringenden Metal – mit krassen Texten und Eindrücken. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Faget, Shoots And Ladders, Helmet In The Bush, Daddy