Freitag, 6. April 2012

Golden Earring – Cut





Golden Earring – Cut


Besetzung:

George Kooymans – lead guitar, vocals
Barry Hay – vocals, guitar
Rinus Gerritsen – bass, keyboards
Cesar Zuiderwijk – drums


Gastmusiker:

Robert-Jan Stips – synthesizer tracks 3, 7
Hans Hollestelle – horn arrangements track 1


Label: CNR Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Rock


Trackliste:

1. The Devil Made Me Do It (3:25)
2. Future (5:25)
3. Baby Dynamite (5:15)
4. Last Of The Mohicans (4:09)
5. Lost And Found (4:00)
6. Twilight Zone (7:58)
7. Chargin' Up My Batteries (4:17)
8. Secrets (4:04)

Gesamtspieldauer: 38:33




Viele Bands, die in den 70er Jahren tolle Alben veröffentlichten, konnten diese „Form“ nicht mit in das neue Jahrzehnt hinüberretten. Und nicht viel anders ist das auch bei der holländischen Band Golden Earring. Diese war von jeher zwar eine Rock-Band, wurde allerdings auch durch ihre progressiven Kompositionen Anfang bis Mitte der 70er Jahre erfolgreich und berühmt. Danach lief es nicht mehr so gut und erst das Album „Cut“ sollte Golden Earring den Erfolg wieder etwas zurückbringen.

Dies lag allerdings einzig und allein an einem Stück, welches sich auf dem Album „Cut“ befand. Die längste Nummer auf der Platte, „Twilight Zone“, ist wahrlich der Bringer. Ein kraftvoller Titel, der alle Zutaten eines tollen Rock-Songs in sich vereint. Hier gibt es den treibenden Groove, der das Mitwippen des Fußes fast erzwingt. Hier gibt es die klasse, ins Ohr gehende Melodie, die sofort hängenbleibt, dabei aber in keinster Weise platt ist. Und da gibt es einen mitreißenden Instrumentalpart in der Mitte des Stücks, der von einem treibenden Bass ununterbrochen angetrieben wird. Dazu gesellt sich dann ein intelligentes und packendes Gitarrensolo, bis sich alles wieder in Form der Strophe auflöst. Wahrlich klasse gemacht und auch ein Highlight im Schaffen von Golden Earring überhaupt. Zudem ein Höhepunkt in der Musik der frühen 80er Jahre, denn so viele Stücke, in dieser Machart, gab es damals nämlich nicht mehr.

So, nun zum Rest des Albums. „The Devil Made Me Do It“ kommt allzu mainstreammäßig daher, auch wenn die Bläser eine nette Bereicherung darstellen. „Future“, Lied Nummer 2 auf „Cut“, groovt zwar zunächst ganz nett, ist allerdings auch stark auf den Massenmarkt ausgerichtet. Es ist irgendwie nicht schlecht, dieses Stück, haut einen allerdings auch nicht vom Hocker. „Baby Dynamite“ unterscheidet sich dahingehend von den ersten beiden Songs, da es deutlich ruhiger ist. Leider auch noch einen Tick langweiliger. Interessant klingen hier vor allem, die am Synthesizer erzeugten Flötentöne, die im Hintergrund zu hören sind.

„Last Of The Mohicans“ rockt wieder ein wenig mehr. Viel mehr kann man zu diesem Track allerdings kaum sagen beziehungsweise schreiben, da er noch deutlich schlechter, als die vorherigen Titel ist. Das ist Belanglosigkeit pur. Langweilige Melodie und eine dem Klatschen nachempfundene Rhythmusunterstützung. Fast schon traurig, wenn man an die großen Songs von Golden Earring denkt. Mit „Lost And Found“ geht es weiter. Und es geht glücklicherweise wieder etwas besser weiter. Zumindest die Strophe kann bei diesem Track überzeugen. Der Refrain, wenn auch kurz, ist dann schon wieder drei Kategorien schlechter. Es wirkt fast so, als ob den vier Holländern da überhaupt nichts eingefallen wäre. Aber so ein Lied muss doch einen Refrain haben…

Es folgt „Twilight Zone“. Zu dem Stück wurde oben schon alles gesagt. „Chargin‘ Up My Batteries“ heißt die siebte Nummer des Albums. Die Gitarre erinnert bei diesem Lied sogar ein wenig an „Twilight Zone“. Ansonsten gilt hier, wie auch schon bei den anderen Tracks des Albums: Das ist wahrlich nicht viel, was dem Hörer da kredenzt wird. Irgendwie einfallslos, eintönig und wieder einmal langweilig. Bliebe als Abschluss noch „Secrets“. Nein, es wird nicht besser. Fast scheint es so, als ob die Musiker mit „Twilight Zone“ ihr Pulver vollständig verschossen hatten. Schade.

Fazit: Außer dem Lied „Twilight Zone“ ist dieses Album langweilig, stinklangweilig sogar. Auf den anderen sieben Titeln der Platte ist nichts zu hören, was diese CD in irgendeiner Art und Weise aufwerten würde. Da hört man nur 08/15 Songs, die ins eine Ohr hineingehen, aus dem anderen wieder verschwinden. Nichts für längere Zeit. Das wird den eingefleischten Golden Earring Fan natürlich nicht vom Kauf der Platte abhalten. Soll es auch gar nicht, denn ein Track lohnt sich ja auf jeden Fall. Und so bekommt „Cut“ sechs Punkte, allerdings auch nur wegen – klar, „Twilight Zone“.

Anspieltipps: Twilight Zone







Donnerstag, 5. April 2012

Styx – The Grand Illusion





Styx – The Grand Illusion


Besetzung:

John Panozzo – drums, percussion and vocals
Tommy Shaw – acoustic, electric and 12 string guitars and vocals
Dennis De Young – keyboards, vocals and synthesizers
James Young – guitars and vocals
Chuck Panozzo – bass guitar and vocals


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Bombast Rock, Symphonic Rock


Trackliste:

1. The Grand Illusion (4:37)
2. Fooling Yourself (The Angry Young Man) (5:32)
3. Superstars (3:55)
4. Come Sail Away (6:07)
5. Miss America (5:02)
6. Man In The Wilderness (5:51)
7. Castle Walls (5:59)
8. The Grand Finale (1:58)




Ja, es ist wohl das Etikett “Bombast Rock” welches die Musik von Styx auf “The Grand Illusion” am besten trifft. Und auch Mainstream ist da zu hören, jedoch auch ein paar Prog-Einflüsse sind zu entdecken. Und dann gibt es da noch die Pop-Abschnitte, neben den Rock Teilen. Alles in allem ganz schön vielschichtig, was Styx hier 1977, auf ihrem siebten Album, veröffentlichten.

Der Titeltrack „The Grand Illusion“ ist gleichzeitig auch der erste Track des Albums. Was wie ein Marsch beginnt, entwickelt sich zu einem schönen Pop-Song, der im Mittelteil auch richtig rockt. Und gleich auf diesem ersten Lied bekommt man eine sehr eingängige Melodie mit der Musik serviert, mit der die Band den Hörer immer wieder einfangen und fesseln kann. Von der Qualität her in eine ähnliche Kategorie fällt „Fooling Yourself“. Eingeleitet mit einem Keyboardlauf, entwickelt sich dann ein munterer Popsong, wieder mit eingängiger Melodie und einem weiteren Markenzeichen von Styx: dem perfekt arrangierten und mehrstimmigen Gesang aller Bandmitglieder. Das Ganze wird immer wieder unterbrochen durch kurze Einschübe der Akustikgitarre, sodass die Nummer immer spannend und abwechslungsreich bleibt.

„Superstars“, der dritte Titel auf „The Grand Illusion“, wurde dann von Young, De Young und Shaw in gemeinsamer Arbeit geschrieben. Und vielleicht trifft hier der Spruch zu, dass viele Köche den Brei verderben. Denn dieses Stück kann nun nicht mehr richtig überzeugen. Eine eingängige Melodie, wie die der ersten zwei Nummern, geht dem Stück ein wenig ab und im Refrain entwickelt sich das Lied zu einem richtigen Schmachtfetzen: „You and I, We will climb so high, Superstars, Whoa whoa you and I“. Nein dieser Titel kann deutlich weniger packen.

„Come Sail Away“ ist eine Ballade, die in den USA als Singleauskopplung sogar unter die Top Ten kam. Und schön hört sich das Lied wirklich an. Schön getragen, ein wenig melancholisch, ein bisschen sentimental. Dann wird etwa gegen Mitte des Stücks die nächste Stufe gezündet und der Titel entwickelt sich zu einem Rock Song mit schweren Gitarren und treibenden Beats. Natürlich nur kurz, denn dann wird es sphärisch, dann sphärisch poppig, anschließend erneut rockig und schließlich wird alles ausgeblendet. Interessant wie es Styx schaffen, so viel verschiedene Musikstile in diesen sechs Minuten unterzubringen, ohne, dass das Ganze überfrachtet wirken würde.

„Miss America“, Titel Nummer fünf, ist ein Rocker. Hier bewegen wir uns jetzt schon sehr in Mainstream Gefilden. Klar, das Stück ist sehr eingängig, aber irgendwie auch nichts Besonderes. Lieder dieser Art hat man schon öfters und auch bereits von anderen Bands gehört. Deutlich interessanter wird es dann bei „Man In The Wilderness“. Eine Rockballade, auch keine Erfindung von Styx, allerdings ist dieses Stück wieder mit einer wunderschönen Melodie ausstaffiert worden, die einfach Spaß macht, ins Ohr geht und zum Mitsingen, zumindest Mitsummen, verleitet. Und auch hier gibt es wieder einen rockigeren Teil zu hören, der mit einem schönen Gitarrensolo aufwarten kann, bis es wieder in den balladesken Part übergeht, der nun noch ein wenig bombastischer klingt.

Auch der nächste Titel, „Castle Walls“, kann überzeugen, allerdings erneut auf eine ganz andere Art und Weise. Mit einem schönen, eingängigen und spinettartigen Keyboardlauf wird das Lied eingeleitet. Und dann entwickelt sich wieder dieser typische Styx-Sound aus Bombast und mehrstimmigem Gesang. Unterbrochen wird das Ganze schließlich durch einen Instrumentalpart, bei dem das Keyboard im Vordergrund steht. Alles wieder sehr melodisch und bombastisch, bis schließlich eine E-Gitarre das Zepter schwingt und das Stück anschließend wieder in den Gesangsteil übergeht. Auch hier erneut: Viele verschiedene Teile eines Liedes, die allerdings perfekt zusammenpassen und in keinster Weise irgendwie aneinander gestückelt wirken.

Beim letzten Stück „The Grand Finale“ wird teilweise noch mal das Lied „Superstars“ aufgegriffen. Ansonsten ist die Nummer kurz und nichts Besonderes mehr.

Fazit: „The Grand Illusion“ ist eine interessante Platte geworden. Auf ihr gibt es richtig gute Songs und deutlich weniger Ausfälle zu hören, als auf den CD’s, die in den achtziger und neunziger Jahren, von der amerikanischen Formation Styx, veröffentlicht werden sollten. Und dabei ist die Musik von Styx hier auch noch unglaublich facetten- und abwechslungsreich. Bei „The Grand Illusion“ handelt es sich um ein Album, für welches es sich lohnt mal ein Ohr zu riskieren, denn hier befindet sich die Band auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft. Dafür gibt es elf verdiente Punkte.

Anspieltipps: The Grand Illusion, Come Sail Away, Man In The Wilderness, Castle Walls



Mittwoch, 4. April 2012

Pink Floyd – Relics



















Pink Floyd – Relics


Besetzung:

Syd Barrett – guitar & vocals
David Gilmour –guitar & vocals
Nick Mason – drums, percussion
Richard Wright – organ, piano, mellotron & vocals
Roger Waters – bass guitar & vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: Mai 1971 / 1995 / 2011


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Arnold Layne (2:57)
2. Interstellar Overdrive (9:43)
3. See Emily Play (2:54)
4. Remember A Day (4:29)
5. Paintbox (3:33)
6. Julia Dream (2:37)
7. Careful With That Axe, Eugene (5:46)
8. Cirrus Minor (5:18)
9. The Nile Song (3:26)
10. Biding My Time (5:18)
11. Bike (3:22)




Kurz was zum Cover des Albums. Bei dem handelt es sich in der ursprünglichen Version um eine Zeichnung von Nick Mason, auf der ein ganz ungewöhnliches, orgelähnliches Musikinstrument dargestellt ist. Auf der remasterten CD-Ausgabe aus dem Jahr 1995, kann man dieses „Instrument“ dann als Nachbau bewundern.

Nun zur Musik der Platte. “Relics” ist kein “Best Of…”-Album. Vielmehr handelt es sich hierbei um Resteverwertung. Allerdings muss dabei auch festgestellt werden, dass einige der Songs bereits auf früheren Platten Pink Floyds erschienen. Auf „The Piper At The Gates Of Dawn“ findet man die Stücke „Interstellar Overdrive“ und „Bike“. Auf „A Saucerful Of Secrets“ wurde bereits “Remember A Day” veröffentlicht und vom Soundtrack zum gleichnamigen Film „More“ stammen die Stücke „Cirrus Minor“ sowie „The Nile Song“. Sicherlich ein Nachteil für den Erwerb der Platte, dass diese Titel auch in absolut derselben Version nochmals auf „Relics“ erscheinen.

Ein wenig anders sieht es bei dem Stück „Careful With That Axe, Eugene“ aus. Dieser Titel war zwar noch nicht mit einer Studioversion auf einem regulären Album vertreten, allerdings wurde die Live-Version dieser Nummer bereits auf „Ummagumma“ veröffentlicht. Und dort war die Umsetzung des Liedes deutlich länger, packender und fesselnder.

Nun, blieben von den elf Liedern noch fünf übrig, die bisher noch nicht auf einer LP erschienen waren. Da ist zum einen die erste Single Pink Floyds zu hören. Diese erzählt die Geschichte von „Arnold Layne“, einem Wäscheliebhaber, der nachts losschleicht, um sich mit diversen Damen-Wäschestücken von Wäscheleinen einzudecken. Eine Pop-Nummer, eingängig und nicht besonders aufregend und schon gar nicht psychedelisch, die noch aus der Feder Syd Barretts stammt.

Auch „See Emily Play“ hat Syd Barrett komponiert. Und dieses Stück stellt die zweite Single der Engländer dar und klingt schon deutlich mehr nach dem, für das Pink Floyd vor allem am Anfang ihrer Karriere standen, nämlich Psychedelic Rock. Dazu besitzt das Lied auch noch eine eingängige Melodie und schaffte es so, 1967 bis auf Platz 6 der englischen Charts vorzudringen.

Die nächsten beiden Stücke „Paintbox“ und „Julia Dream“ bildeten Single B-Seiten. „Paintbox“ schrieb Richard Wright und ist ein richtig guter Song. So ein Gute-Laune-Lied, welches einfach Spaß macht. „Julia Dream“ dagegen, geschrieben von Roger Waters, klingt irgendwie verwunschen und mystisch. Das Stück ist zwar zuckersüß, hat allerdings was.

Bliebe letztendlich noch „Biding My Time“, ebenfalls aus der Feder Roger Waters‘. Diese Nummer ist eigentlich Teil eines Stücks, welches nur live gespielt wurde und kam auf „Relics“ doch zu der Ehre, auf Platte beziehungsweise CD gebrannt zu werden. Der Titel klingt ein wenig bluesig und wird dann interessanter, wenn die Bläser einsetzen, denn diese läuten den rockigen Teil der Nummer ein, in dem David Gilmour ein ellenlanges Solo hinlegen darf.

Fazit: Nun, „Relics“ ist kein „normales“ Studioalbum, dazu passen einfach die fünf bereits auf Platten veröffentlichten Stücke nicht. Warum diese sich überhaupt erneut ihren Weg auf dieses Album bahnten, wird wohl für immer ein Geheimnis der Band bleiben. Mit „Careful With That Axe, Eugene“ ist auf „Relics“ dazu noch die schlechtere Version veröffentlicht worden. Blieben noch die fünf bisher auf Platte unveröffentlichten Lieder. Die lohnen den Kauf - allerdings wohl nur, wenn man eingefleischter Pink Floyd Fan ist und alles von dieser Band besitzen möchte. Die Musik auf der Scheibe ist gut, was nervt sind eben diese Déjà-Vu‘s, daher nur neun Punkte.

Anspieltipps: Die bisher auf Platte unveröffentlichten Lieder: Arnold Layne, See Emily Play, Paintbox, Julia Dream und Biding My Time



Dienstag, 3. April 2012

Stefanie Hertel – Hast Du Zeit für ein paar Träume?




Stefanie Hertel – Hast Du Zeit für ein paar Träume?


Besetzung:

Stefanie Hertel – Gesang


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. Hast Du Zeit für ein paar Träume (3:34)
2. Alles geht, wenn man es wirklich will (2:57)
3. Ich hab ein Handy in meinem Herzen (3:32)
4. Noch dreimal wird der Kirschbaum blüh'n (3:06)
5. Goldene Hände (3:19)
6. Immer wieder Sehnsucht (3:14)
7. Ein kleines Blatt am Baum des Lebens (3:19)
8. Mit einem Koffer voller Sonnenschein (2:50)
9. Ein Geschenk des Himmels (3:07)
10. Mach ein Geschenk aus Deinem Leben (3:27)
11. Espresso Italiano (3:59)
12. Ich bin immer da, wo die Musi spielt (2:56)

Gesamtspieldauer: 39:25




„Hast Du Zeit für ein paar Träume?“ fragt Stefanie mit dem Titel ihres fünften Studioalbums aus dem Jahr 1996. Veröffentlicht wurde die Scheibe einmal mehr auf dem Plattenlabel East West Records und auch das Komponistenduo blieb der Vogtländerin erhalten. Die Musik schrieb Jean Frankfurter, die Texte verfasste Irma Holder.

Um die Frage der Stefanie gleich zu beantworten, „Nein, habe ich nicht“, denn es wären auf dieses Album bezogen definitiv Alpträume. Musik und Texte sind mit das Primitivste, was man sich vorstellen kann. Alle Lieder klingen praktisch identisch und sind fast nicht auszuhalten. Auf „Hast Du Zeit für ein paar Träume?“ hört man sehr schlechte Schlagermusik, bei der, um dem volkstümlichen Anstrich auch Genüge zu tun, noch ein paar idiotische Bläsereinlagen zu hören sind. Dazu hört man Texte, für die man sich beim Hören schämt. Die Lieder wurden zum Teil absolut sinnfrei gereimt, um des Reimens Willen und neunmalkluge Botschaften werden versendet, die bereits in den Titeln wie „Alles geht, wenn man es wirklich will“ oder „Mach ein Geschenk aus Deinem Leben“ präsentiert werden. Unfassbar schlecht.

Fazit: Im Grunde genommen verbietet sich die Zeitverschwendung über diese Platte viele Worte zu verlieren beziehungsweise etwas darüber zu lesen. Ich kenne jede Menge Musik und bin mir wahrlich nicht sicher, ob „Hast Du Zeit für ein paar Träume?“ nicht die allerschlechteste Platte ist, die ich jemals gehört habe. Unter den miesesten Top 3 ist sie auf jeden Fall. Null Punkte.

Anspieltipps: Hast Du Zeit für ein paar Träume?



Montag, 2. April 2012

The Killers – Sam’s Town





The Killers – Sam’s Town


Besetzung:

Brandon Flowers – vocals, keyboards, bass
Dave Keuning – lead-guitar, backing vocals
Ronnie Vannucci – drums, percussion
Mark Stoermer – bass, rhythm-guitar, backing vocals


Gastmusiker:

Corlene Byrd – backing vocals on “Why Do I Keep Counting?”
Louis XIV – backing vocals on “Sam’s Town”, “My List”
Tommy Marth – saxophones
Neeraj Khajanchi – trombone
Adrina Hanson, Maryam Haddad, Tristan Moyer – backing vocals


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Pop Rock, Alternative


Trackliste:

1. Sam's Town (4:06)
2. Enterlude (0:50)
3. When You Were Young (3:40)
4. Bling (Confession Of A King) (4:08)
5. For Reasons Unknown (3:32)
6. Read My Mind (4:07)
7. Uncle Jonny (4:26)
8. Bones (3:47)
9. My List (4:08)
10. This River Is Wild (4:38)
11. Why Do I Keep Counting? (4:24)
12. Exitlude (2:27)




Nein, schlecht ist auch das zweite Album der „Killers“ nicht. Auch auf „Sam’s Town“ aus dem Jahr 2006, bekommt der Hörer wieder eingängigen Gitarrenrock zu hören, der meist noch intelligent vom Keyboard unterstützt wird. Alle Stücke haben diesen gewissen „Gute-Laune-Faktor“, der manche Musik zu einem guten Begleiter durch den Tag werden lässt. Und so fällt es wirklich schwer, einen richtig schlechten Song auf „Sam’s Town“ auszumachen – auch wenn man immer und immer wieder hinhört. Nein, man findet irgendwie keinen, solange man auch sucht.

Und umgekehrt, was ist mit den richtig guten Stücken, die begeistern, einen packen und nicht mehr loslassen? Nun, im Überfluss sind diese Titel leider auch nicht auf „Sam’s Town“ vertreten. Aber es gibt sie, die guten, die besseren Nummern. Ein Highlight der Platte ist sicherlich der Titeltrack und gleichzeitig das erste Stück auf dem Album. „Sam’s Town“ ist eine gute Rocknummer, die ziemlich schnell ins Ohr geht und einfach gefällt. Da ist dieser treibende Rhythmus und die eingängige Melodie, die beide zum Mitwippen animieren und beim Hören einfach Spaß bereiten. Gefolgt wird dieses Stück von der kleinen, ruhigen und unaufgeregten Nummer „Enterlude“. Nicht schlecht so ein Einschub, denn der erzeugt Abwechslung.

Die zum Stück „Sam’s Town“ geschriebenen Worte treffen fast genauso auf den vierten Titel „Bling (Confession Of A King)“ zu. Auch hier wird man mit einer schönen Melodie beglückt, die in Verbindung mit dem „Groove“ des Liedes eine gute Nummer entstehen lassen. Noch einen Tick besser wird es bei “Why Do I Keep Counting?” Das liegt nicht zuletzt daran, dass dieses Stück ein klein bisschen ruhiger ist, als die meisten anderen Titel der Platte und allein dadurch schon mal aus der Reihe tanzt. Nun, aber auch „Why Do I Keep Counting?” setzt auf schöne Harmonien und was wirklich gut gelungen ist, das ist der mehrstimmige Gesang, der dem Stück eine tolle Stimmung verleiht. Und gegen Ende wird es fast ein wenig hymnisch – melancholisches Herz, was willst Du mehr?

Bliebe noch die letzte Nummer des Albums zu erwähnen. „Exitlude“, ebenfalls ein ruhigeres Lied, welches fast schon balladenartig beginnt. Wieder findet sich eine schöne Melodie und die Instrumentierung, bestehend aus Akustik-Gitarre und Piano, wissen zu überzeugen. Dazu auch hier ein mehrstimmiger Gesang. Einfach schön gemacht.

Fazit: Ein paar hörenswerte Höhepunkte befinden sich auf “Sam’s Town”. Die restlichen Stücke sind allerdings auch nicht schlecht – ohne jedoch absolute Klasse zu sein. „Sam’s Town“ ist das richtige Album für gute Laune, das man immer wieder gerne anhört. Dabei sind die einzelnen Stücke, bis auf drei, vier Ausnahmen, flotter Natur. Gut gemachte Pop-Rock-Musik, die man manchmal einfach hören möchte. Neun Punkte.

Anspieltipps: Sam's Town, Enterlude, Bling (Confession Of A King), Why Do I Keep Counting?, Exitlude



Sonntag, 1. April 2012

Stefanie Hertel – Ein Lied für jeden Sonnenstrahl




Stefanie Hertel – Ein Lied für jeden Sonnenstrahl


Besetzung:

Stefanie Hertel – Gesang


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. Ein Lied für jeden Sonnenstrahl (3:10)
2. Wenn nicht Deine frechen blauen Augen wär‘n (3:29)
3. Auch die Sterne müssen warten (3:29)
4. Max, das kleine Murmeltier (3:12)
5. Wenn a Bua kein Rad'l hat (3:04)
6. So ein Sonntag ohne Fernseh'n (3:09)
7. Komm blas' mir mal die Wolken fort (2:59)
8. Oma, Du verstehst mich nicht (3:07)
9. Lass doch mal die Polka raus (3:32)
10. Komm doch heim (3:35)
11. Alles, was Spass macht (2:40)
12. Wir sind die Fans (3:21)
13. Wir lachen uns einfach die Sonne herbei (2:55)

Gesamtspieldauer: 41:49




Es hatte sich etwas getan, als Stefanie Hertel ihr viertes Studioalbum veröffentlichte. „Ein Lied für jeden Sonnenstrahl“ heißt diese Platte und sie erschien im Jahr 1995 erneut auf dem Plattenlabel East West Records. Was sich ebenfalls nicht veränderte war das Duo, welches Musik und Text schrieb. Erneut war es Jean Frankfurter, der die Musik komponierte und Irma Holder, die sich für die Texte verantwortlich zeigte.

Das, was neu war, war der Umstand, dass Stefanie Hertel inzwischen in der Pubertät war und hier nun auch schon die ersten „zarten“ Liebeslieder zu hören sind. Aber auch das Spiel mit dem „lieben kleinen Mädchen Image“ wird weiter bedient. Beispiel hierfür ist die Nummer „Max, das kleine Murmeltier“. Zumeist ist diese volkstümliche Schlagermischung weiterhin ungenießbar, wenn auch die ein oder andere Melodie besser ins Ohr geht, als noch auf den Scheiben davor. Es gibt ein paar „Stimmungslieder“ zu hören, die so auch im Bierzelt zu hören sein können. Mit dem entsprechenden Pegel würde wohl auch da mitgegrölt werden.

Fazit: Ich bin mir fast sicher, dass Schlagerfans an dieser Scheibe schon etwas mehr Spaß haben dürften, als noch an den vorherigen Veröffentlichungen, die noch nicht mal für diese geeignet waren. Das ein oder andere Stimmungslied passt ins Bierzelt und für Kinder passt so etwas wie „Max, das kleine Murmeltier“. Dieser sozialkritische Ansatz in diesem volkstümlichen Schlager ist glücklicherweise fast verschwunden. Fast. Zwei Punkte.

Anspieltipps: Max, das kleine Murmeltier



Samstag, 31. März 2012

Oasis – Dig Out Your Soul





Oasis – Dig Out Your Soul


Besetzung:

Liam Gallagher – vocals
Noel Gallagher – vocals, electric guitar, drums, keyboards and electronics
Gem Archer – electric guitar, the bass and keyboards
Andy Bell – the bass, electric guitar, keyboards and tamboura
Zak Starkey – drums


Gastmusiker:

Jay Darlington – mellotron and electronics (7)
National In-Choir – backing vocals (track 2)


Label: Big Brother Recordings LTD.


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Brit-Pop, Rock


Trackliste:

1. Bag It Up (4:40)
2. The Turning (5:05)
3. Waiting For The Rapture (3:03)
4. The Shock Of The Lightning (5:00)
5. I'm Outta Time (4:10)
6. [Get Off Your] High Horse Lady (4:07)
7. Falling Down (4:20)
8. To Be Where There's Life (4:36)
9. Ain't Got Nothin' (2:15)
10. The Nature Of Reality (3:48)
11. Soldier On (4:51)

Gesamtspieldauer CD: 45:54


Bonus DVD:

1. Gold & Silver & Sunshine (Interview) (28:59)
2. The Making Of „The Shock Of The Lightning“ Video (4:15)
3. “The Shock Of The Lightning” Video (4:12)

Gesamtspieldauer DVD: 37:26




Im Jahr 2008 erschien das siebte und bisher letzte Studioalbum der Briten Oasis. Vieles spricht dafür, dass „Dig Out Your Soul“ auch die letzte Veröffentlichung der Band bleiben wird, denn nur ein Jahr nach dem Erscheinen der Platte, trennten sich die Wege der beiden Brüder Noel und Liam Gallagher 2009 im Streit. Während Noel Gallagher nun Solopfade begeht und auch schon ein Solo-Album veröffentlicht hat, ist sein Bruder unter dem Namen „Beady Eye“ aktiv, wobei ihn dabei auch, die an diesem Album hier beteiligten Gem Archer und Andy Bell unterstützen.

Für viele Fans war „Dig Out Your Soul“ nicht mehr die Band Oasis, die sie in den 90ern des letzten Jahrhunderts so zu lieben gelernt hatten. Und wenn man sich das Album anhört, verwundert das nicht unbedingt. Klar ist da immer noch Brit Pop zu hören, aber ein Pop, der sich sehr stark dem Rock angenähert hat. Was natürlich aber nichts über die Qualität der Musik aussagt. Denn die ist wahrlich nicht schlecht. Der erste Song „Bag It Up” ist gleich so eine flottere und härtere Nummer. Die E-Gitarre steht im Vordergrund, aber nichtsdestotrotz verfügt das Lied über eine schöne Melodie, für deren Entfaltung sich Oasis schon immer auszeichneten.

„The Turning“ kommt dann sehr viel relaxter daher. Das Lied lebt zu Beginn von den Drums und wird dann weiter von einem fetten Orgelsound getragen. Das klingt nicht schlecht und lässt Gedanken und Erinnerungen an längst vergangene Musikzeiten aufkommen. Aber nur „retro“ ist das nicht, das ist durchaus Musik aus diesem Jahrtausend. „Waiting For The Rapture” ist im Anschluss daran wieder ein eher “schwererer” Titel. Nicht ganz so melodisch, allerdings geht das Stück durch den immer wieder „erhöhten“ Gesang auch schnell ins Ohr. „The Shock Of The Lightning”, die vierte Nummer des Albums, war auch gleichzeitig die erste Singleauskopplung der Platte. Treibender Beat, schöne Melodie, dichter Sound. Das Lied groovt einfach richtig gut. Die Stimmung des Liedes wird dabei von der ersten bis zur letzten Sekunde kompromisslos durchgezogen. Unterbrochen nur von einem kurzen Instrumentalteil, bei dem man wieder dieser tollen Retro-Orgel lauschen kann. Richtig gut gemacht.

„I'm Outta Time“ bildet dann dazu einen sehr schönen Kontrast. Es ist das erste Lied der Platte, welches nicht von Noel Gallagher stammt. Hier hat sich Liam als Songwriter versucht und dabei eine wunderschön getragene Nummer geschrieben. Ich gebe jedem recht, der behauptet, dieses Stück klingt unglaublich nach Beatles oder noch besser: nach John Lennon. Genau so ist das. Und es klingt gut. Wieder ganz anders hört sich dann “[Get Off Your] High Horse Lady” an. Ein dezent stampfender Rhythmus, eine Telefonstimme und die fast schon hypnotisierend wirkende Musik von Bass und Gitarre. Das Ganze endet schließlich mit einem Strandspaziergang. Jede Menge Vielfalt wird dem Hörer des Albums von Oasis geboten.

„Falling Down“, ist das letzte Stück aus der Feder von Noel Gallagher auf diesem Album, der sich bisher, bis auf die eine Ausnahme, für alle Stücke verantwortlich zeigte. Und wieder zeigt sich, dass er ein richtig guter Songschreiber ist. Toller Rhythmus, klasse Melodie und hier bewegen wir uns jetzt wieder auf dem Terrain des Brit Pop, was in diesem Fall allerdings in keinster Weise bedeuten soll, dass das Lied seicht ist. Das ist es wahrlich nicht. “To Be Where There's Life” von Gem Archer klingt anschließend erneut sehr beatleslike. Hier allerdings wie eines der späteren Werke der Fab Four, wie ein George Harrison Song und das nicht nur wegen der Sitar.

„Ain't Got Nothin'“ stammt aus der Feder von Liam Gallagher. Ein kurzer Titel, recht rockig bis hart, der allerdings nicht so richtig greift und gegen die bisherigen Tracks ein wenig abfällt. Bei „The Nature Of Reality” durfte sich dann auch Andy Bell als Songschreiber versuchen. Auch dieser Song ist wieder eine härtere Nummer, die stampfend eingeführt wird. Dabei besteht die letzte Minute des Liedes aus, na, sagen wir mal „Chaos“ – in bester Live-Rock-Manier. Beschlossen wird das Album dann von „Soldier On”. Hier wird es wieder deutlich melodiöser allerdings auch sphärischer und ein wenig psychedelisch. Und auch dieser fette Orgeleinsatz findet hier wieder seine Rolle. Und so klingt die ganze Platte sehr psychedelisch aus und überrascht bis zum Schluss.

Es gibt neben der normalen Ausgabe auch noch die Limited Edition (neben der Deluxe Version) der CD. Diese Limited Edition kostet meist nicht mal einen Euro mehr und beinhaltet neben der CD noch eine DVD mit dem Video zu “The Shock Of The Lightning”, dessen „Making Of…“ sowie einem knapp dreißig minütigen Interview. Alles nicht essentiell, für Fans allerdings, bei dem Preis, unter Umständen eine lohnende Zugabe.

Nicht unerwähnt sollte hier auch die Verpackung bleiben. Denn da hat sich jemand richtig viel Gedanken gemacht und auch sehr viel Mühe gegeben. Die CD / DVD kommt nicht in Form einer Plastikhülle, sondern in Form eines Hardcover-Buches. Nur die äußere Form entspricht noch der CD. Das Booklet, beziehungsweise die einzelnen Seiten dieses Buches, sind sehr aufwendig und liebevoll gestaltet. Surreale Bilder gibt es da zu sehen, alle ziemlich in orange gehalten. Dazu sind die Texte der Lieder auf den Bildern abgedruckt. Sieht richtig gut aus.

Fazit: Die Platte ist anders, als die Platten früherer Zeiten von Oasis. Was allerdings nichts über die Qualität der Musik aussagt, denn die ist gut. Immer wieder muss sich der Hörer auf etwas Neues einstellen. Somit wird es nie langweilig. Und da dieses „Neue“, dieser andere Stil des nächsten Liedes, auch immer überzeugen kann, ist auch „Dig Out Your Soul“ eine gute Platte geworden, die lohnt, gehört zu werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Bag It Up, The Turning, Waiting For The Rapture, The Shock Of The Lightning, I'm Outta Time, [Get Off Your] High Horse Lady, Falling Down, Soldier On. Ja, das sind fast alle Stücke.



Freitag, 30. März 2012

Aereogramme – A Story In White





Aereogramme – A Story In White


Besetzung:

Craig B – vocals, guitar
Ian Cook – guitar, programming
Campbell McNeil – bass
Martin Scott – drums


Gastmusiker:

Callum Davidson – piano, track 1
Simon Neil – screaming, track 5
Alison Brown – strings, track 6
Sharon McVeigh – strings, track 6


Label: Chemikal Underground Records


Erscheinungsdatum: 2001


Trackliste:

1. The Question Is Complete (4:51)
2. Post Tour, Pre-Judgement (5:10)
3. Egypt (3:19)
4. Hatred (4:22)
5. Zionist Timing (5:30)
6. Sunday (4:56)
7. Shouting For Joey (3:27)
8. A Meaningful Existence (5:12)
9. Descending (4:31)
10. Will You Still Find Me? (4:13)

Gesamtspieldauer: 45:31




Da kennt man Aereogramme von späteren Veröffentlichungen mit wunderschönen schwebenden Melodien - und dann beginnt diese CD mit Industrial Tönen, an denen man erst mal zu knabbern hat. Der Opener, „The Question Is Complete“, beginnt genau so, wird im weiteren Verlauf zunächst wieder sanfter, aber kaum hat man sich auf die Ruhe und den zerbrechlichen Gesang eingestimmt, wird es erneut laut, sehr laut, fast schon dissonant und richtiggehend nervenaufreibend. Durch diese abrupten Lautstärke- und Tempiwechsel will sich bei dem Lied auch nie eine richtige Stimmung einstellen, es wirkt viel zu konstruiert.

Ähnlich aufgebaut ist auch Track 2. Dieses Mal wirkt das Ganze allerdings wesentlich durchdachter und melodiöser und damit kann dieser Titel dann punkten. Die letzten 30 Sekunden schreit Craig B allerdings auch bei diesem Stück alles raus, was ihm auf der Seele zu liegen scheint. „Egypt“ ist eine sehr ruhige Nummer, instrumentiert hauptsächlich mittels Piano und den Toms. Mit Klaviertönen beginnt auch „Hatred“, ein sanftes Lied, welches irgendwie so dahinschwebt, ohne einen mit auf die Reise zu nehmen. Bei „Zionist Timing“ hat dann die verzerrte Gitarre ihren Auftritt, ein Lied, bei dem wohl vor allem Heavy Metal Fans auf Ihre Kosten kommen. Einige Ähnlichkeiten zu Tool sind auch unverkennbar. Nach einem erneuten „Schreipart“ klingt das Lied dann zweieinhalb Minuten aus.

„Sunday“ ist ein Highlight der Platte. Vom Cello getragen entwickelt es sich in eine schöne Ballade, die endlich mal nicht durch Schreieinlagen unterbrochen wird und somit sehr viel mehr Wirkung beim Zuhörer hinterlässt. „Shouting For Joey“ ist im Anschluss daran wieder ganz wörtlich zu nehmen. Beginnt das Stück noch wie ein Tool-Titel, entwickelt es sich dann zu einem einzigen Gekreische. Dieses endet bei 1:45 und wieder mal klingt das Lied über einen längeren Zeitraum hinweg aus. Dieses Ende ist mit seinen undefinierbaren Geräuschen und einer schönen Pianomelodie zwar toll gemacht, zeigt aber einmal mehr die Schwierigkeit, sich auf dieses Album einzulassen. Denn auch bei diesem Track wollen Teil 1 und Teil 2 irgendwie nicht zusammenpassen.

“A Meaningful Existence” ist ein langsames und getragenes Stück, welches ebenfalls Steigerungen aufweist, denen der Zuhörer aber ohne weiteres folgen kann, da sie zum Rest des Songs passen. „Descending“ wird mit einer akustischen Gitarre eingeleitet und der Hörer sollte sich beim Hören keine größeren Sorgen bezüglich eines Tinitusanfalls machen. Der hier wahrzunehmende hohe Hintergrundton verschwindet bei 1:30 wieder, um dann bei 2:00 etwas dezenter wieder aufzutauchen. Und schließlich wird das Album mit „Will You Still Find Me?“ geschlossen. Letzter Titel wird sicher manchem zu brav und glatt daherkommen, setzt allerdings einen gelungenen Kontrastpunkt zum ersten Titel des Albums.

Fazit: Ein nicht ganz leichtes Debütalbum haben die vier Schotten hier vorgelegt. Nicht jeder wird mit den doch sehr unterschiedlichen Stimmungen und Stilschwankungen auf der Platte etwas anfangen können. Viele Bands schaffen es, gleich bei Ihrer ersten Veröffentlichung ein Meisterwerk abzuliefern, an dem sich alle folgenden Alben zu messen haben. Aereogramme ist das mit „A Story In White“ nicht gelungen. Mit dieser Veröffentlichung hatte die Band noch viel Spielraum nach oben, den sie glücklicherweise auch nutzte. Auf dem Album befinden sich ein paar wenige, richtig gute Lieder und auch ein paar sehr schöne Ansätze, mehr aber auch nicht. Ich kann dafür nur 6 Punkte vergeben.

Anspieltipps: Post Tour Pre-Judgement, Sunday, A Meaningful Existence



Donnerstag, 29. März 2012

Stefanie Hertel – Tausend Kleine Himmel




Stefanie Hertel – Tausend Kleine Himmel


Besetzung:

Stefanie Hertel – Gesang


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. Tausend Kleine Himmel (3:24)
2. Nicht Jeder Kann Ein Mozart Sein (3:42)
3. Und Ich Liebe Diese Erde (2:57)
4. Als Noch Das Sandmännchen Kam (3:17)
5. Es War Einmal Ein Schwalbenkind (2:39)
6. Singen Macht Die Herzen Frei (3:30)
7. Lasst Die Weißen Tauben Fliegen (3:12)
8. Der Kleine Prinz Vom Anderen Stern (3:23)
9. Wenn Ich Den Ersten Walzer Tanz (3:23)
10. Träume Schlagen Purzelbäume (2:29)
11. Camping (2:58)
12. Ich Nehm Ein Bisschen Heimat Mit (3:31)

Gesamtspieldauer: 38:32



Das dritte Studioalbum der Stefanie Hertel heißt „Tausend Kleine Himmel“. Es erschien im Jahr 1993 auf dem Plattenlabel East West Records. Wie immer bei den Veröffentlichungen der Stefanie Hertel zur damaligen Zeit zeichnen sich auch hier wieder Jean Frankfurter für die Musik und Irma Holder für den Text verantwortlich. Man müsste sie noch im Nachhinein dafür bestrafen…

Auch auf diesem Werk hört man unfassbar schlechte Musik im Stile sehr schlechten Schlagers garniert mit Drum-Computern und mit Texten ausgestattet, die einem die Schamesröte ins Gesicht treiben. Erneut gibt es auch pseudo-sozialkritische Texte zu hören, die einen einfach nur noch kopfschüttelnd zurücklassen. Die Krönung dazu ist das Cover-Photo, auf dem man Stefanie Hertel mit einer weißen Taube im Arm sieht. Das Tier scheint tot zu sein, genau wie das dazu passende Lied „Lasst Die Weißen Tauben Fliegen“ und die restliche Musik auf der Platte. Dazu gesellen sich solch unfassbare Nummern, die mit dem „kleinen, süßen Mädchen-Image“ spielen wie, „Als Noch Das Sandmännchen Kam“. Es kann kaum peinlicher sein.

Fazit: Auch dieses Album gibt es für Cent-Beträge. Es ist definitiv nicht mehr wert. Aber ich gebe es zu, ich habe „Tausend Kleine Himmel“ wirklich durchgehört. Null Punkte.

Anspieltipps: Singen Macht Die Herzen Frei



Mittwoch, 28. März 2012

Pink Floyd – Meddle





Pink Floyd – Meddle


Besetzung:

David Gilmour –guitar & vocals
Nick Mason – percussion
Richard Wright – keyboards & vocals
Roger Waters – bass guitar & vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: November 1971 / 1994 / 2011


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. One Of These Days (5:57)
2. A Pillow Of Winds (5:07)
3. Fearless (6:05)
4. San Tropez (3:40)
5. Seamus (2:13)
6. Echoes (23:31)




Mit “Meddle” verhält es sich ähnlich, wie beim ein Jahr zuvor erschienenen Album “Atom Heart Mother”. Auch auf „Meddle“ gibt es wieder ein Stück, welches eine ursprüngliche LP-Seite vollständig füllt. Auf der zweiten Album-Seite waren dann noch etwas kürzere Songs untergebracht. Und auf „Meddle“ wird mit diesen kürzeren Songs allerdings begonnen.

Das erste Lied der Scheibe heißt „One Of These Days“. Es beginnt mit Windgeheul aus dem sich eine treibende, instrumentale Nummer entwickelt. Diese wird immer weiter gesteigert, bis sie in einen Part übergeht, der zum einen auf seine Weise „sphärisch“, wie auch verstörend, vibrierend und völlig unkonventionell ist. Dieser Teil wird beschlossen durch die verzerrte Aussage Nick Masons: “One of these days I'm going to cut you into little pieces.'' Dazu befragt antwortete Roger Waters, dass dieses Statement einem englischen Disc-Jockey gewidmet und „böse“ gemeint sei. Anschließend explodiert der Song quasi und geht in ein wundervolles, treibendes und nicht enden wollendes Solo David Gilmours über. Wahrlich ein beeindruckendes Lied, welches so wohl nur von Pink Floyd zur damaligen Zeit geschrieben werden konnte.

Es folgen einige deutlich weniger spektakuläre Titel. Den Anfang macht „A Pillow Of Winds”. Unspektakulär - ja, aber trotzdem auch ganz in der Tradition Pink Floyds. Dieses Stück hätte man so auch auf „More“ oder „Atom Heart Mother“ finden können. „A Pillow Of Winds” verfügt über eine nette Melodie und vor allem die Gitarre, die hier im Hintergrund fast schon weint, drückt dem Song diese wehmütige, melancholische Stimmung auf, die ideal für regnerische Tage scheint. „Fearless“ orientiert sich dann schon eher an der Musik, die auf „Obscured By Clouds“ zu finden sein wird. Wieder eine ruhige Nummer, die nichts Experimentelles oder Psychedelisches aufzuweisen hat und allein von dieser, auch wieder melancholischen bis sentimentalen Stimmung lebt. Legendär dabei auch das Ende des Liedes, bei dem Liverpool Fußballfans „You never walk alone“ anstimmen, ein Stück, welches heute auch in den Fußballstadien Deutschlands zur Einstimmung der Fans vor dem Spiel nicht fehlen darf.

„San Tropez“ swingt im Anschluss daran sogar. Ein Titel, völlig ungewöhnlich für Pink Floyd. Verständlich, dass viele Fans mit diesem Stück nur relativ wenig anfangen können, da es nur sehr wenig mit den anderen Veröffentlichungen der Band zu tun hat. Noch krasser wird das bei „Seamus“, der Name des Liedes und gleichzeitig der Name eines Hundes, der während des Stücks auch ausgiebig „zu Wort“ kommt. Dieser Hund hatte die Angewohnheit zur Musik zu jaulen und so wurde, inspiriert durch diese Tatsache, ein Lied daraus gestrickt. Es ist ein Blues geworden und dieser wird regelmäßig, bei Umfragen unter Fans welches denn das schlechteste Stück im Songkatalog von Pink Floyd wäre, auf die vorderen Plätze gewählt. Wahrlich seltsam.

Dann folgt die ehemalige zweite Seite der Platte und mit „Echoes“ ein Lied, welches bei Fans, jetzt genau andersherum, häufig zum besten Lied der Band gewählt wird. Und „Echoes“ ist wirklich ein unglaublich mitreißendes Stück Musik, das so überaus unkonventionell ist, sodass man es nur schwerlich mit anderen Liedern vergleichen kann. Am ehesten vielleicht noch mit „Atom Heart Mother“, aber das auch nur am Rande. „Echoes“ ist psychedelischer Rock in seiner reinsten Form. „Echoes“ verbreitet Atmosphäre wie kaum ein anderes Lied. „Echoes“ ist, in all seinen Schattierungen, keine leichte Kost sondern ein Stück, auf dass man sich einlassen können muss. Am ehesten ist es wohl mit Kopfhörern an seinem Lieblingsplatz zu konsumieren. Es beginnt mit einem Klavierton, der an ein Echolot eines U-Bootes erinnert. Dann entwickelt sich eine wunderschöne Melodie, die von David Gilmour und Richard Wright gemeinsam gesungen wird. Es folgt ein Part, der von einem Gitarrensolo dominiert wird und schließlich ein orgellastiger Abschnitt, der dann immer wirrer, skurriler, abgefahrener, sphärischer und verstörender wird. Schließlich klingt alles so, als ob man sich ganz allein in einem dunklen Wald befinden würde, in dem Eulen und Käuze ihre Schreie in das Dunkel hinausschreien, dass es einem eiskalt den Rücken herunterläuft. Hier gibt es jetzt keinen Rhythmus mehr, hier findet sich keinerlei Melodie, alles ist nur noch Atmosphäre und Stimmung. Alles ist nur noch ein Klanggebilde. Doch dann, langsam, ganz langsam setzt der Synthesizer Richard Wrights ein und erzeugt diese Stimmung, die man wenige Jahre später wieder auf „Shine On You Crazy Diamond“ hören wird. Man hört das Echolot erneut und langsam steigert sich das Lied erneut. Die schwebende Melodie wird unterstützt durch einen vibrierenden Generator-Sound, der sich steigert und steigert. Und alles mündet perfekt arrangiert wieder in den ersten, melodiösen Part des Liedes. Ganz, ganz großes Kino.

Fazit: Auf „Meddle“ gibt es zwei Stücke, die, wenn man sie nicht kennt - Pink Floyd nicht kennt. Und vor allem „Echoes“ ist so ein Stück, ohne welches die Musikgeschichte deutlich ärmer wäre. Dann gibt es zwei ganz „nette“ Stücke auf dem Album und zwei Nummern, die irgendwie weniger gelungen sind. Da diese allerdings auch die kürzesten Stücke darstellen, kann man das verschmerzen und das Album erreicht immer noch 14 Punkte.

Anspieltipps: One Of These Days, Echoes



Dienstag, 27. März 2012

Marillion – Misplaced Childhood





Marillion – Misplaced Childhood


Besetzung:

Fish – vocals
Steve Rothery – guitar
Pete Trewavas – bass
Mark Kelly – keyboards
Ian Mosley – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: NeoProg, Pop


Trackliste:

1. Pseudo Silk Kimono (2:15)
2. Kayleigh (4:04)
3. Lavender (2:26)
4. Bitter Suite (7:57)
5. Heart of Lothian (4:02)
6. Waterhole (Expresso Bongo) (2:13)
7. Lords of the Backstage (1:53)
8. Blind Curve (9:29)
9. Childhood's End? (4:33)
10. White Feather (2:25)


Bonus CD:

1. Lady Nina (1998 Digital Remaster) (5:50)
2. Freaks (1998 Digital Remaster) (4:08)
3. Kayleigh (Alternative Mix) (4:03)
4. Lavender Blue (4:22)
5. Heart Of Lothian (Extended Mix) (5:54)
6. Pseudo Silk Kimono (Demo) (2:11)
7. Kayleigh (Demo) (4:06)
8. Lavender (Demo) (2:37)
9. Bitter Suite: Brief Encounter/Lost Weekend (Demo) (2:54)
10. Lords Of The Backstage (Demo) (1:46)
11. Blue Angel (Demo) (1:46)
12. Misplaced Rendezvous (Demo) (1:56)
13. Heart Of Lothian: Wide Boy/Curtain Call (Demo) (3:49)
14. Waterhole (Expresso Bongo) (Demo) (2:00)
15. Passing Strangers: Mylo/Perimeter Walk/Threshold (Demo) (9:17)
16. Childhood's End? (Demo) (2:23)
17. White Feather (Demo) (2:18)




Als ich 1985 “Kayleigh” zum ersten Mal im Radio hörte, da wusste ich, es ist passiert: Marillion haben ebenfalls den „etwas mehr kommerziellen“ Weg eingeschlagen. Und der Erfolg gab ihnen Recht, “Kayleigh” wurde ein Hit. Aber als Fan der ersten Stunde, musste man da natürlich ganz heftig schlucken. „Misplaced Childhood” ist ein glattgebügeltes, mehr auf das Radio angelegtes Werk. Und das fällt einem nicht nur dann auf, wenn man sich die Trackliste ansieht und feststellt, dass sich auf dem Album nur noch zwei Longtracks befinden. Aber der Reihe nach, da es sich hier um ein Konzeptalbum handelt, bei dem es immer schwierig ist, einzelne Nummern gesondert zu sehen… Ich mache es aber trotzdem!

Mit „Pseudo Silk Kimono” beginnt das Album schön sphärisch und Fish kann einen auch gleich wieder von seiner Sangeskunst überzeugen. Die Instrumentierung beschränkt sich bei diesem Track auf die Keyboards, die alles dominieren, sowie den Bass und eine Gitarre im Hintergrund. Fließend geht es dann über zu „Kayleigh“. Und ich kann mir nicht helfen, irgendwie gefällt mir das Lied nicht. Ich weiß nicht woran das liegt, ob ich es zu oft gehört habe oder ob es einfach nicht in mein „aurales Beuteschema“ passt. Das Lied klingt für mich viel zu sehr nach Popmusik und hat so gar nichts mehr mit den ersten beiden Alben zu tun.

Weiter geht es mit „Lavender“, ein weichgespültes Lied, bei dem mich der Refrain richtig kirre macht. Anschließend folgt das erste längere Lied auf dem Album „Bitter Suite“. Hier finde ich sowohl den ersten Teil bis 3:04 gelungen, der vom Keyboardhintergrund und dem Sprechgesang Fishs lebt. Richtig gut wird es dann aber im letzten Teil ab 5:36. Tolle Musik, schön getragen und ruhig. Der Mittelteil des Stücks ist fast zu einem „Lavender Reprise“ geworden und es ist richtig schade, dass dieser Teil hier reingefrickelt wurde.

Es folgt „Heart of Lothian”, ein Stück, welches mich nicht berührt. Dann wird es mit „Waterhole (Expresso Bongo)” etwas härter. Und dieses Lied ist klasse, nicht zuletzt durch seine Instrumentierung. Aber auch das „Auflockern“ der CD gelingt dieser Nummer. „Lords Of The Backstage“ passt anschließend ebenfalls in diese Kategorie und kann auch durch seine Abwechslung gefallen, die überzeugt.

Kommen wir zur längsten Nummer auf dem Album: „Blind Curve“. Hier hört man am deutlichsten die Prog-Ansätze heraus. Verschiedene Teile, überraschende Wechsel, ein fast schon bombastisches Ende. Das Stück ist variantenreich, wunderbar unkonventionell und wird nie langweilig.

Auch „Childhood's End?” ist ein schönes Stück Musik, allerdings in seinem Ablauf vorhersehbar, überzeugt aber mit dem für Marillion ungewohnten Gitarrensound zu Beginn und in der Mitte des Stücks. „White Feather” ist anschließend vom musikalischen her wieder ein Stück, welches nicht lange hängenbleibt, vom Text her aber der passende Abschluss dieses Konzeptalbums.

Mit der 1998 remasterten Version von „Misplaced Childhood“ gibt es noch eine Bonus-CD. Diese ist wahrlich üppig ausgestattet, enthält viele Demos und mit „Lady Nina“ und „Freaks“, meines Wissens nach zwei, bisher unveröffentlichte Songs. Somit lohnt sich der Griff zu dieser weit umfangreicheren Ausgabe.

Fazit: Einige gute Songs und gute Parts sind auf dem Album durchaus vorhanden, wenn auch nicht durchgängig. Die CD hat das Problem, dass sie immer mit den beiden Vorgängern, „Script Of A Jester’s Tear“ und „Fugazi“, verglichen wird. Trotzdem, bei allem Einzug des Mainstreams, so hört man hier doch noch Marillion-Musik. Und diese weiß immer noch zu gefallen. Dafür gibt es zehn Punkte.

Anspieltipps: Waterhole (Expresso Bongo), Lords Of The Backstage, Blind Curve, (Kayleigh kennt wahrscheinlich sowieso jeder).