Freitag, 18. Januar 2013

Rammstein - Videos 1995 - 2012

 


Rammstein - Videos 1995 - 2012


Die erfolgreichste deutsche Band ist zweifelsohne Rammstein. Das kann man drehen und wenden wie man will, vom massgeblichen Einfluß der Düsseldorfer Kraftwerk auf die internationale Musikwelt sprechen, vom Stadionrock der Scorpions schwärmen, von den kreischenden Mädchen bei Tokio Hotel Konzerten berichten. Egal, wen man anführt, man kommt an Rammstein nicht vorbei. Man kann von den Berliner Schwermetallern halten was man will, sie ziehen ihr Ding durch, und das konsequent und in deutscher Sprache.

Nun wurde die DVD Box “Videos 1995 – 2012” veröffentlicht. Ich könnte jetzt einfach sagen, hervorragend, genial, unbedingt kaufen, doch das würde dem nicht gerecht werden, was diese Box ausdrückt. Rammstein haben ein vollendetes Konzept, und das wird hier ganz deutlich. Die Videos sind nicht einfach ein zwangsläufiges Übel im Fernseh- und Onlinezeitalter für diese Band, sie sind vielmehr eine weitere Schaffensmöglichkeit für die Sechs. Rammstein Videos sind Filmkunst. Durchdacht, erzählerisch, experimentierfreudig, mit Tiefgang. Das passt einfach, ergänzt sich, hebt den eigentlichen Song hervor und betont noch einmal, dass Rammstein derzeit die einzige deutsche Band ist, die weltweit in der obersten Liga mitspielen kann.






Donnerstag, 17. Januar 2013

Curved Air – Airconditioning




Curved Air – Airconditioning


Besetzung:

Sonja Kristina – lead vocals
Darryl Way – electric violin and vocals
Francis Monkman – lead guitar, organ, piano, mellotron, electric harpsichord, special effects equipment and vcs3 synthesizer
Robert Martin – bass guitar
Florian Pilkington-Miksa – drums


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. It Happened Today (4:56)
2. Stretch (4:06)
3. Screw (4:02)
4. Blind Man (3:34)
5. Vivaldi (7:32)
6. Hide And Seek (6:18)
7. Propositions (3:08)
8. Rob One (3:24)
9. Situations (6:19)
10. Vivaldi With Canons (1:37)

Gesamtspieldauer: 44:55




1969 gründete sich um die Musical Sängerin Sonja Kristina die progressive Rock-Band Curved Air. Bereits ein Jahr später wurde das Debut-Album „Airconditioning“ veröffentlicht, welches auf einer knappen dreiviertel Stunde eine ganze Menge breit gefächerten progressiven Rock zu bieten hat. Dieser ist hier, auf dieser ersten Platte der Engländer, häufig sehr eingängig, wobei sich hauptsächlich Francis Monkman und Darryl Way als Komponisten auszeichnen.

Allerdings gibt es auch Abschnitte, die deutlich schwieriger zugänglich und sehr viel weniger harmonisch ausgestattet wurden. Diese sind jedoch in der Unterzahl - meist liegen den einzelnen Stücken nämlich schöne und einprägsame Melodien zugrunde. Häufig nimmt auch die Violine Darryl Ways einen ganz entscheidenden Part in der Musik Curved Airs auf „Airconditioning“ ein. Und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob in dem Lied eher gerockt wird, wie zum Beispiel beim zweiten Titel „Stretch“, oder ob in dem Stück klassische Ansätze mitverarbeitet wurden, zu hören auf dem bekanntesten Stücke der Band: „Vivaldi“. Letzteres hält dabei zudem symphonische, wie fast schon als experimentell zu bezeichnende Abschnitte für den Hörer parat.

Die Abwechslung auf „Airconditioning“ lässt das Album interessant werden. Das wiederum bedeutet allerdings auch, dass die Musik von Curved Air nicht durchgängig so eingängig ist wie zum Beispiel bei den Kollegen von Renaissance, wenn auch der Gesang Sonja Kristinas ab und an schon an den von Annie Haslam erinnert. Auf „Airconditioning“ wechseln sich die eingängigen und harmonischen Abschnitte mit den treibenderen und weniger melodiösen Parts ab, was letztlich zwar zu einer gewissen Abwechslung, allerdings auch zu einer spürbaren Zerrissenheit führt.

Fazit: „Airconditioning“ ist ein gutes Debut-Album geworden, da es für den Hörer einiges bereithält. Hier gibt es sie zu entdecken, die schönen Momente in der Musik, die sich durch überaus eingängige Harmonien auszeichnen. Zusätzlich enthält die Platte eben auch jene Abschnitte, die die Musik von Curved Air deutlich von der Pop-Musik abheben. Solche Stellen eben, die nicht so einfach zugänglich sind, die man sich als Musikgenießer im wahrsten Sinne des Wortes durch mehrmaliges und wiederholtes Hören erarbeiten muss. Zehn Punkte.

Anspieltipps: It Happened Today, Screw, Vivaldi, Propositions, Rob One, Situations





Mittwoch, 16. Januar 2013

Barclay James Harvest – Eyes Of The Universe




Barclay James Harvest – Eyes Of The Universe


Besetzung:

John Lees – all instruments & vocals
Les Holroyd – all instruments & vocals
Mel Pritchard – all instruments & vocals


Gastmusiker:

Alan Fawkes – saxophone (“Play To The World”)
Kevin McAlea – grand piano, mini moog (“The Song”), synthesizer, hammond organ (“Sperratus”)


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Pop, Soft-Pop


Trackliste:

1. Love On The Line (4:46)
2. Alright Down Get Boogie (Muala Rusic) (3:54)
3. The Song (They Love To Sing) (6:15)
4. Skin Flicks (6:54)
5. Sperratus (5:04)
6. Rock 'N' Roll Lady (4:35)
7. Capricorn (4:35)
8. Play To The World (7:03)

Gesamtspieldauer: 43:50




1979 war Barclay James Harvest plötzlich nur noch ein Trio. Stuart „Woolly“ Wolstenholme hatte die Band verlassen, um sich musikalisch besser verwirklichen zu können. Und mit diesem Weggang starten die verbliebenen drei Bandmitglieder karrieretechnisch durch. Die Musik der Band wurde sehr viel poppiger und radiotauglicher und auch verkaufstechnisch deutlich erfolgreicher.

Am Sound selbst kann man am besten das Fehlen des ehemaligen Keyboarders festmachen. Zwar wird dieses Instrument noch zum Einsatz gebracht, mittels Gastmusiker und dadurch, dass sich die Bandmitglieder selbst an den Tasten versuchten, allerdings in einer nun völlig neuen Art und Weise. Das Keyboard wirkt auf „Eyes Of The Universe“ sehr viel mehr wie ein Hintergrundinstrument und wird hauptsächlich dazu eingesetzt, dem Sound die nötige Fülle zu verleihen und deutlich weniger, um melodietragend zu sein.

Ihr Gefühl für eingängige und harmonische Melodien hatte die Band aber natürlich nicht verloren. Auch wenn solch ein Song wie „Alright Down Get Boogie (Muala Rusic)“ in all seinem Pop- und Discogewand überaus gewöhnungsbedürftig ist und auf seine Art sogar richtig nervt. Auch „Love On The Line“ ist ein sehr poppiger Song, so etwas kannte man bisher noch gar nicht von Barclay James Harvest. Allerdings war dieses Lied sogar ein kleiner Single Hit. Wie bereits geschrieben, Barclay James Harvest hatte sich auf den Weg gemacht den Massenmarkt zu erobern. Und in Deutschland sollten sie dieses Vorhaben auch, vor allem mit den danach folgenden Alben, vortrefflich realisieren.

Poppig ist es auch zu Beginn bei „The Song (They Love To Sing)“. Allerdings entwickelt sich der Titel im weiteren Verlauf zu einem jetzt wieder typischen und ruhigen Lied der Band, wie es auch auf den vorherigen Alben hätte auftauchen können. Und so geht es auf „Eyes Of The Universe“ weiter, dieser Pop-Einschlag bleibt meist erhalten, aber es ist alles wieder sehr harmonisch und melodiös – wie immer bei den aus Oldham, England stammenden Musikern. Die Titel haben Wiedererkennungswert und dies schon nach dem ersten Hören.

Fazit: Die Musik von Barclay James Harvest näherte sich mit „Eyes Of The Universe“ den 80er Jahren an. Wenn man allerdings vergleicht, was andere große Bands der 70er Jahre am Übergang zum neuen Jahrzehnt so alles „verbrochen“ haben, dann zaubert das, was hier auf diesem Album geboten wird, dem Musikfreund der damaligen Zeit immerhin noch ein Lächeln auf die Lippen. Falls man als Musikkonsument nicht nur sehr kraftvollen Rock hören möchte und das Ganze auch mal etwas „weichgespült“ genießen kann, dann hat das Album etwas für den Hörer zu bieten. Auch und obwohl mit Stuart Wolstenholme der Keyboarder die Band verlassen hatte, dessen Einfluss an der Musik Barclay James Harvests man mit diesem Album erst so richtig erahnt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Song (They Love To Sing), Sperratus, Rock ‘N’ Roll Lady, Play To The World




Dienstag, 15. Januar 2013

KMFDM – KUNST

 



KMFDM   KUNST


KMFDM is back! “KUNST” ist das mittlerweile 18. Studioalbum der Band um Mastermind Sascha Konietzko. Und erneut dreht er auf…9, 10, 11…pfff…wtf. Treibender geht es nicht. Konietzko schafft den fliessenden Übergang zwischen harten Beats und Gitarrenriffs. Das ist harter Technodrive auf Speed und darüber ein Gitarrenbrett der Sonderklasse. “KUNST” beginnt mit dem Titelsong und darin “German engineering, astounding ingenuity, 29 years of conceptual continuity”, mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen. Da klingt nichts alt, nichts verstaubt, nichts, wie schon mal gehört. Ok, ich liebe KMFDM, doch auch dieses Album ist einfach nur geil. Kompromisslos, politisch, saustark. Seit fast 30 Jahren brettern KMFDM nun durch die Welt, und “KUNST” bestätigt aufs neue, dass KMFDM in eigenen Bahnen durchs Klanguniversum jagt. Egal, was da links und rechts im Musikzirkus passiert, diese Band geht geradeaus, zieht ihr Ding durch, ist einzigartig.


KMFDM werden für dieses neue Album ausgiebigst touren, man sollte die Chance ergreifen, um sie live zu sehen. Ein kraftvoller, lautstarker und energischer Abend wartet auf einen.

Montag, 14. Januar 2013

Rainald Grebe – Rainald Grebe und die Kapelle der Versöhnung




Rainald Grebe – Rainald Grebe und die Kapelle der Versöhnung


Besetzung:

Rainald Grebe – Gesang, Tasteninstrumente
Martin Brauer – Schlaginstrumente, 2. Stimme
Marcus Baumgart – Zupfinstrumente


Gastmusiker:

Andreas Advokado – Bass
Bert Smaak – Shaker und Bongos im ICE


Label: Wort Art


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. ICE (3:51)
2. Beckenbauer (3:00)
3. Guido Knopp (3:45)
4. Unterschiede (5:10)
5. Mann ohne Gefühle (5:44)
6. Mittelmäßiger Klaus (4:45)
7. Ich-AG (5:30)
8. Eberhard und Emma (0:22)
9. Er und Sie (5:21)
10. Leg Dich in die Badewanne (4:34)
11. Brandenburg (3:51)
12. Es ist gut (4:25)
13. Die Fete (10:54)

Gesamtspieldauer: 1:01:11




Diese erste Platte, die Rainald Gebe mit der „Kapelle der Versöhnung“ 2005 aufnahm, vereinigt mehrere Stile in sich: Pop, Rock und auch Comedy, musikalische Comedy. Das deutet schon darauf hin, dass auf der CD „Rainald Grebe und die Kapelle der Versöhnung“ eines auf jeden Fall nicht zu finden ist: Langeweile. Egal wie man dabei zur Musik und den Texten steht, für Abwechslung ist stets gesorgt.

Der Hörer wird mit diesem Album sehr gut unterhalten. Die meisten Songs sind überaus eingängige Pop- bis Rocknummern und die Texte, für die sich ausschließlich Rainald Grebe verantwortlich zeichnet, zaubern einem immer wieder ein Lächeln auf die Lippen. Die drei Musiker überraschen öfters mit neuen und schönen Ideen, die von ziemlich „abgefahren“, wie der hintere Part von „Unterschiede“, bis herrlich melodiös klingen können. „ICE“ ist zum Beispiel ein wunderschönes Lied. Das Piano steht im Vordergrund und die Stimmung des Liedes ist so herrlich melancholisch, ein wenig sentimental und packt den Hörer einfach. „Guido Knopp“ hört sich dagegen sehr viel grooviger an und kann vor allem durch eine Soundkollage gefallen, bei der, passend zur Person „Guido Knopp“, einige Persönlichkeiten der Geschichte zu Wort kommen. Und wenn dabei dann noch zusätzlich Zitate aus Filmen wie „The Fight Club“ oder „Der Herr der Ringe“ Einzug in dieses Soundgebilde finden, dann lockert dies das Lied noch zusätzlich auf.

Abwechslungsreich geht es weiter. „Mann ohne Gefühle“ ist ein wenig tragend, „Mittelmäßiger Klaus“ herrlich ironisch mit tollem Banjo-Spiel. Die „Ich-AG“ rockt schließlich mit schwerer Gitarre, wohingegen „Er und Sie“ hauptsächlich ganz spärlich mit Pfeifen, Fingerschnippen, Bass und ein klein wenig Banjo instrumentiert wird. Immer wieder etwas Neues.

Und dann gibt es da ja noch dieses geniale „Brandenburg“. Tolle Musik und herrlich ironischer Text, einfach klasse gemacht. Ich bin mir zwar sicher, dass diese Art von Humor nicht jeder versteht, bei mir und allen die ich kenne, trifft das allerdings in die Vollen. Aber – ich komme natürlich auch nicht aus Brandenburg. Die letzte Nummer, „Die Fete“, dauert bis 5:17. Dann gibt es wieder mal so einen unsäglichen „Hidden Track“. Dieser folgt ab 10:22. Ein Spaß, nun, der nicht mehr unbedingt hätte sein müssen. Im Grunde genommen sind das in diesen letzten dreißig Sekunden sogar drei „Späße“.

Fazit: „Rainald Grebe und die Kapelle der Versöhnung“ ist sehr geistreich, überzeugt immer wieder mit klasse Melodien und macht einfach Spaß. Die Texte wirken, die Musik klingt und laufend wird dem Hörer auch etwas Überraschendes geboten. Das kann vielleicht nicht immer zünden, aber sehr oft passt das einfach. Eine schöne Platte. Elf Punkte.

Anspieltipps: ICE, Guido Knopp, Mann ohne Gefühle, Mittelmäßiger Klaus, Brandenburg, Es ist gut





Sonntag, 13. Januar 2013

The Psychedelic Furs – Forever Now




The Psychedelic Furs – Forever Now


Besetzung:

Richard Butler – vocals
John Ashton – guitars
Tim Butler – bass guitar
Vince Ely – drums


Gastmusiker:

Gary Windo – horns
Don Adams – horns
Ann Sheldon – cello
Mark Volman – backing vocals
Howard Kaylan – backing vocals
Todd Rundgren – keyboards, saxophone


Label: Columbia / Sony BMG


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: New Wave


Trackliste:

1. Forever Now (5:36)
2. Love My Way (3:34)
3. Goodbye (3:56)
4. Only You And I (4:26)
5. Sleep Comes Down (3:51)
6. President Gas (5:19)
7. Run And Run (3:49)
8. Danger (2:37)
9. No Easy Street (4:07)
10. Yes I Do (Merry-Go-Round) (3:55)


Bonus Tracks:

11. Alice's House (Early Version) (4:18)
12. Aeroplane (Non-LP B-Side) (3:26)
13. I Don't Want To Be Your Shadow (Non-LP B-Side) (3:50)
14. Mary Go Round (Previously Unreleased Version Of "Yes I Do") (3:53)
15. President Gas (Live / Non-LP B-Side) (5:15)
16. No Easy Street (Live) (5:38)

Gesamtspieldauer: 1:07:28




Das war es dann mit dem Post-Punk, der auf der ersten beiden Platten der Psychedelic Furs immer wieder durchschimmerte. Mit ihrem dritten Album „Forever Now“ wurde die Band um den Sänger mit der rauchigen Stimme, Richard Butler, sehr viel massentauglicher. Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts startete die „New Wave“-Welle und die „Psychedelic Furs surften 1982 mit „Forever Now“ ordentlich darauf mit.

Poppig klingt es auf diesem dritten Studioalbum der Band und mit „Love My Way“ hatte die Band auch einen kleinen „Hit“, der in seinem weiteren Dasein den Einzug in die digitale Welt fand, da er des Öfteren Verwendung in Computerspielen fand. Jede Menge radiotauglicher Musik ist auf „Forever Now“ zu hören. Da ist sicherlich nichts Weltbewegendes dabei, allerdings ist das, was hier zu hören ist auch bestimmt nicht schlecht gemacht.

Die Titel gehen ziemlich schnell ins Ohr, verbleiben da zugegebenermaßen nicht unbedingt sehr lange, allerdings ist diese Eingängigkeit richtig gut gelungen. Schönwetter-Frühling-Cabrio-Musik dringt an das Ohr des Hörers. Gute Laune Musik, die es vielleicht sogar manches Mal schafft, einen tristen Tag etwas bunter werden zu lassen. Jeder Song groovt, man kann ganz entspannt mitwippen man fühlt sich gut unterhalten – auch wenn die Musik der Psychedelic Furs auf „Forever Now“ nur mal im Hintergrund mitlaufen sollte.

Interessanter wird es immer dann, wenn sich etwas verändert und sei es nur die Instrumentierung. Somit stechen die Nummern „Sleep Comes Down“, „President Gas“ und vor allem „Only You And I“ positiv aus dem Songmaterial heraus, da hier auch ein Cello zum Einsatz kommt, welches den Sound noch ein wenig spannender werden lässt. Letztendlich stellt letztgenanntes Lied auch einen, wenn nicht sogar den Höhepunkt des ganzen Albums dar.

Gleich sechs Zugaben wurden der remasterten Fassung des Albums im Jahr 2002 hinzugefügt. Dabei handelt es sich um eine frühe Version des Liedes „Alice’s House“, einem Song, der erst auf dem nächsten Album „offiziell“ vertreten sein wird. „Aeroplane“ klingt sogar ein wenig nach Post-Punk. „I Don't Want To Be Your Shadow“ hat es überraschenderweise nicht auf das reguläre Album geschafft, denn schlechter als die ursprünglichen zehn Titel ist dieses Stück auch nicht. Schließlich gibt es noch eine alternative Version von „Yes I Do“ sowie zwei ganz nette Live-Tracks, die allerdings soundtechnisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind.

Fazit: Wer den New Wave der 80er Jahre mag, der wird hier etwas für sich finden. Die Musik ist unaufgeregt, eingängig und keinesfalls belanglos. Klar ist hier nichts komplex, nichts was sich einem erst erschließen muss, was erarbeitet werden will, alles ist sehr offensichtlich. Manchmal möchte man aber einfach „nette“ Unterhaltung haben und dafür stehen die Psychedelic Furs mit diesem Album. Acht Punkte.

Anspieltipps: Forever Now, Love My Way, Only You And I, Sleep Comes Down, President Gas, Yes I Do, I Don't Want To Be Your Shadow




Samstag, 12. Januar 2013

Queen – The Game




Queen – The Game


Besetzung:


Freddie Mercury – vocals, piano, acoustic guitar, synthesizer
Brian May – electric and acoustic guitar, vocals, synthesizer, piano
Roger Taylor – percussion, vocals, electric guitar, synthesizer
John Deacon – bass guitar, electric and acoustic guitar


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Rock


Trackliste:

1. Play The Game (3:33)
2. Dragon Attack (4:19)
3. Another One Bites The Dust (3:35)
4. Need Your Loving Tonight (2:49)
5. Crazy Little Thing Called Love (2:48)
6. Rock It (Prime Jive) (4:33)
7. Don't Try Suicide (3:53)
8. Sail Away Sweet Sister (3:33)
9. Coming Soon (2:51)
10. Save Me (3:50)

Gesamtspieldauer: 35:43




Mit „The Game“, ihrem achten Studioalbum, brach Queen in das neue Jahrzehnt auf. Und dieser „Sprung“ in die 80er Jahre beinhaltete auch einige Neuerungen in der Musik der Band. Die erste Veränderung kann man sofort „erlesen“, wenn man das Booklet beziehungsweise die Plattenhülle genauer studiert. Denn dort ist nun vermerkt: „This album includes the first appearance of a synthesizer (an Oberheim OBX) on a Queen album.“ Auf allen bisherigen Alben war immer, irgendwie stolz vermerkt worden: „No synthesizers!“ Diese Erweiterung des Instrumentenrepertoires hatte jedoch noch keinen, in irgendeiner Art und Weise positiv oder negativ zu bewertenden Einfluss auf die Musik der Band. Jedenfalls keinen offensichtlichen.

Aber das war nicht die einzige Veränderung, die sich vollzogen hatte. Die Musik selbst, die Genres, die hiermit bedient wurden, diese waren einem Wechsel unterzogen worden. Die Lieder waren unter anderem funkig geworden, aber auch ein für Queen ganz untypischer Rock’n’Roll hatte sich auf die Platte verirrt. Dies wiederum bewirkte, dass Fans der ersten Stunde so manche Schwierigkeiten mit „The Game“ bekamen. Aber gerade diese Veränderungen brachten Queen den Erfolg. Genau die Songs, die so untypisch für das bisherige Werk der Band waren, genau diese Titel wurden zu den größten Hits der Platte: „Another One Bites The Dust“ und „Crazy Little Thing Called Love“. Beide Nummern belegten wochenlang Platz 1 der amerikanischen Charts. Aber auch das Album selbst verkaufte sich erstklassig und war die erfolgreichste Platte der Band bis dahin. Zudem war es auch das einzige Queen-Album, welches jemals Platz 1 der amerikanischen Billboard Charts erklomm.

Alles ist auf „The Game“ ein wenig grooviger, als auf den vorherigen Alben. Dieses Queen-Gefühl der vergangenen Scheiben kommt daher beim Hören der Platte nur ab und an auf. Zwar gibt es sie auch noch, die Stücke, die auch jedwede vorherige Veröffentlichung bereichert hätten, allerdings sind sie in der Unterzahl anzutreffen. Fingerschnipsen und Mitklatschen ist jetzt angesagt. Auf die „härteren“ Töne verzichtete die Band dabei auch größtenteils. Ein Stilwechsel wurde mit „The Ganme“ eingeleitet, der sich auf den folgenden Studioalben noch verstärken sollte.

Fazit: Irgendwie ist „The Game“ ein Übergangsalbum geworden. Es gibt ihn noch, diesen so typischen Queen-Sound, aber dieser wird nun drastisch erweitert mit bisher, für Queen-Verhältnisse, völlig ungewohnten Musikgenres. Damit erschloss sich die Band eine neue Käuferschicht, ließ die Fans der ersten Stunde jedoch ein wenig ratlos zurück. Beeindruckend ist auf jeden Fall aber wieder diese Vielfalt, die der Musik Queens innewohnt. Zwar nicht unbedingt immer mein Fall aber immer noch gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Play The Game, Crazy Little Thing Called Love, Rock It (Prime Jive), Sail Away Sweet Sister, Save Me




Freitag, 11. Januar 2013

Mike Oldfield – Platinum




Mike Oldfield – Platinum


Besetzung:

Mike Oldfield – electric & acoustic guitars, piano & synthesizer, vibraphone & marimbas, vocals


Gastmusiker:

Pierre Moerlin – drums and vibraphones
Alan Schwartzberg – drums
Morris Pert – drums
Neil Jason – bass
Hansford Rowe – bass
Francisco Centeno – bass
Nicko Ramsden – keyboards
Pete Lemer – keyboards
Sally Cooper – tubular bells
Peter Gordon – horn arrangement
Michael Riesman – horn arrangement
David Bedford – vocal arrangements
Wendy Roberts – vocals
Demalza – congas


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Instrumentalmusik, Pop, Progressive Rock


Trackliste:

1. Platinum {Part One}: Airborn (5:06)
2. Platinum {Part Two}: Platinum (6:05)
3. Platinum {Part Three}: Charleston (3:17)
4. Platinum {Part Four}: North Star / Platinum Finale (4:44)
5. Woodhenge (4:05)
6. Into Wonderland (3:46)
7. Punkadiddle (5:46)
8. I Got Rhythm (4:48)


Bonus Tracks:

9. Platinum (Live Studio Session) (5:12)
10. North Star (2012 Mike Oldfield Remix) (8:09)
11. Blue Peter (2:09)

Gesamtspieldauer: 53:09




1979 erschien das fünfte Studioalbum Mike Oldfields, welches den Titel „Platinum“ erhielt. Und es hatte sich etwas getan in der Musik des Briten, zumindest wenn man „Platinum“ mit den vier vorher veröffentlichten Platten vergleicht. Auffällig ist zunächst, dass Mike Oldfield nun auch kürzere Lieder auf Platte presste. War es bisher so gewesen, dass immer eine LP-Seite ein Lied darstellte, welches sogar selbst nur ein Teil eines ganzen Werkes war, was wiederum den Namen der Platte trug, so gibt es hier zwar auch das Lied Platinum, das unterteilt in vier Untertitel die ursprünglich erste Seite der Platte zierte, auf der ehemaligen zweiten Albumseite erscheinen jetzt jedoch vier kürzere und voneinander völlig unabhängige Titel.

Zudem hatte sich nicht nur das „Outfit“ der Musik geändert, die Musik selbst ist anders geworden - sehr viel poppigere Ansätze sind hier nun zu vernehmen. Startet „Platinum“ mit „Platiunum {Part One}: Airborne“ noch in der gewöhnten Manier, genauso, wie man die Musik bereits von „Incantations“ her kannte, so wird das Lied im weiteren Verlauf sehr viel rhythmischer und eben auch poppiger. Man hört zum Beispiel Bläserabschnitte, die bisher in so gar kein Raster in der Musik des Briten passen. Auch sonst scheint die Musik auf dem Stück „Platinum“ sehr viel fröhlicher geartet zu sein als alles, was man bisher von Mike Oldfield gehört hat. Zu erwähnen ist dabei auch, dass Part 4, „North Star“ eine Cover-Version von Philip Glass darstellt – auch ein völlig neuer Ansatz in der Musik des Briten.

Ganz anders wird es dann mit „Woodhenge“. Das Stück könnte von einer Meditations-CD stammen. Sehr sphärisch und schwebend wird hier Atmosphäre geschaffen. Atmosphäre zum Entspannen und Relaxen, aber in solch einer konsequenten Art und Weise, wie man sie bisher auf den Alben Mike Oldfields bisher noch nicht kannte.

„Into Wonderland“ ist dann der erste „richtige“ Pop-Song Mike Oldfields. Ursprünglich zierte diesen Platz des Albums das Stück „Sally“, was allerdings nach der Erstauflage keinerlei Berücksichtigung mehr fand und eben durch jenes „Into Wonderland“ ersetzt wurde. Nun, dieses Stück ist für viele Mike Oldfield-Fans garantiert sehr gewöhnungsbedürftig. Allzu seltsam ist hier der Gesang geraten mit vielen „Aaahs“ und „Ooohs“ im Hintergrund. Allerdings wächst das Lied mit dem mehrmaligen Hören. „Punkadiddle“ ist im Anschluss daran wieder eine sehr fröhliche Instrumentalnummer, die so auch den vorherigen Alben hätte zu finden sein können. Richtig gut gelungen. Beschlossen wurde das ehemalige Album dann von „I Got Rhythm“, einem George Gershwin Cover. Sehr eingängig – und auch wieder ungewohnt poppig für Mike Oldfield.

Drei Zugaben gibt es auf der remasterten Fassung des Albums. Die Live Studio Session von Platinum ist dabei ganz interessant, wenn auch soundtechnisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Der 2012er Remix von „North Star“ klingt da schon deutlich besser und auch „Blue Peter“, ebenfalls wieder eine Cover-Version, kann überzeugen – so klingt fröhliche Musik.

Fazit: „Platinum“ ist mit Sicherheit das bisher abwechslungsreichste Album Mike Oldfields, wenn man die Musikstile betrachtet, die hier verarbeitet wurden. Von den Ideen und der Innovativität her, kommt es allerdings nicht an die vier Vorgängeralben heran. Trotzdem ist das, was Mike Oldfield hier vorlegt durchaus gelungen und macht Spaß. Diese Mischung aus progressiver Musik und Pop-Musik ist immer noch gelungen, ist eingängig und klingt einfach gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Platinum, Woodhenge, Punkadiddle, Blue Peter




Donnerstag, 10. Januar 2013

Modest Mouse – Good News For People Who Love Bad News




Modest Mouse – Good News For People Who Love Bad News


Besetzung:

Isaac Brock – vocals, guitars, banjo, ukulele, piano, rhodes, hendx 3000, whistle, freak beak
Eric Judy – bass, acoustic guitar, backup vocals, pump organ, mellotron, tin whistle, percussion
Dann Gallucci – guitar, keyboards, piano, backup vocals, mellotron, drum loops, pump organ, timpani, percussion, glockenspiel
Benjamin Weikel – drums
Tom Peloso – standup bass, fiddle, guitar, keyboard


Gastmusiker:

The Rising Star Fife and Drum Band – drums
Dennis Herring – accordion
The Dirty Dozen Brass Band – horns
Milo Chaska Judy – vocals
The Flaming Lips – additional instrumentation


Label: EPIC Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Horn Intro (0:10)
2. The World At Large (4:33)
3. Float On (3:29)
4. Ocean Breathes Salty (3:49)
5. Dig Your Grave (0:13)
6. Bury Me With It (3:50)
7. Dance Hall (2:57)
8. Bukowski (4:15)
9. This Devil's Workday (2:19)
10. The View (4:13)
11. Satin In A Coffin (2:35)
12. Interlude (Milo) (0:59)
13. Blame It On The Tetons (5:25)
14. Black Cadillacs (2:43)
15. One Chance (3:04)
16. The Good Times Are Killing Me (4:17)

Gesamtspieldauer: 48:51




„Good News For People Who Love Bad News“ nannte die amerikanische Band „Modest Mouse“ ihr viertes Album, welches 2004 auf dem EPIC-Label erschien. Mit dieser neuen Veröffentlichung sind die Musiker ein deutliches Stück poppiger geworden, als noch auf den ersten drei Alben. Und was man hier hört ist beileibe kein leichter, sondern eher etwas eigenwilliger Pop bis Rock. „Good News For People Who Love Bad News“ ist wahrlich kein „Wohlfühl-Album“ geworden, sondern eine Platte, die man sich erst mal genauer erarbeiten muss.

Schräge Töne gibt es eine ganze Menge auf dem Album und mit nichts anderem wird der Hörer auch durch das zehn Sekunden lange „Horn Intro“ in das Album eingeführt. Aber solche Beispiele gibt es noch mehr. „Bury Me With It“, „Dance Hall“, „This Devil's Workday“ oder „The View“ klingen einfach ein wenig abgefahren und es bedarf schon einiger Durchgänge, bevor sich einem diese doch manchmal ziemlich schrägen Harmonien und eigenwilligen Gesangspassagen besser erschließen.

Andererseits gibt es aber auch die Stücke, die wunderschöne Melodien aufweisen, sofort ins Ohr gehen und dort auch verbleiben. „The World At Large“, „Bukowski“ und auch “ Satin In A Coffin“ sind solche Nummern, die dabei allerdings alles andere als nach Massenware klingen. Dieser etwas ungewöhnliche „Touch“, der mitunter wie eine Mischung aus den „Pixies“, den „Talking Heads“ und den „Stranglers“ klingt, diese besondere Note ist dabei immerfort bei allen Titeln zu hören und durchgehend gegenwärtig.

Wie, um das Bild des „Nichtalltäglichen“ noch abzurunden, gibt es auch drei ganz kurze Tracks auf dem Album, die eher experimenteller Natur sind und zusätzlich noch ein wenig zur Auflockerung in Form weiterer Abwechslung beitragen. Und ehe man sich auf diese kleinen Einschübe eingestellt hat, sind sie auch schon wieder vergangen.

Fazit: Keine Radiomusik gibt es auf „Good News For People Who Love Bad News“ zu hören. Oder sagen wir mal so: Nur sehr eingeschränkt radiotauglich das Ganze. Aber auf „Good News For People Who Love Bad News“ von Modest Mouse gibt es Spannendes und Besonderes zu hören. Wer gerne mal über den Tellerrand des Alltäglichen hinaussieht, der hat hier durchaus die Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The World At Large, Float On, Bukowski, Satin In A Coffin, The Good Times Are Killing Me



Mittwoch, 9. Januar 2013

The Smashing Pumpkins – Adore




The Smashing Pumpkins – Adore


Besetzung:

Billy Corgan – vocals, guitar, piano, keyboards
James Iha – guitar, vocals
D'arcy Wretzky – bass guitar


Gastmusiker:


Matt Cameron – drums on track 14
Matt Walker – drums on tracks 1, 2, 4, 6, 10, 11 and 13
Joey Waronker – drums on 3, additional drums on 5 and 9
Dennis Flemion – additional vocals in 1 and 13
Jimmy Flemion – additional vocals in 1 and 13
Bon Harris – additional vocals in 14
Brad Wood – additional vocals in 13, organ on 15


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. To Sheila (4:46)
2. Ava Adore (4:21)
3. Perfect (3:24)
4. Daphne Descends (4:40)
5. Once Upon A Time (4:06)
6. Tear (5:54)
7. Crestfallen (4:09)
8. Appels + Oranjes (3:36)
9. Pug (4:48)
10. The Tale Of Dusty And Pistol Pete (4:35)
11. Annie-Dog (3:38)
12. Shame (6:40)
13. Behold! The Night Mare (5:14)
14. For Martha (8:18)
15. Blank Page (4:58)
16. 17 (0:18)

Gesamtspieldauer: 1:13:24




„Adore“ ist das vierte Album der amerikanischen Alternative-Rockband The Smashing Pumpkins aus Chicago. Und dieses Album hat bei den Fans der Band für einigen Wirbel gesorgt. Zum einen hatte Jimmy Chamberlin die Band verlassen beziehungsweise war er gegangen worden. Seine Drogeneskapaden wurden von den restlichen Bandmitgliedern nicht mehr toleriert und so wurde er kurzerhand ersetzt. Dies geschah allerdings nicht nur durch menschlichen Ersatz in Form diverser Studiomusiker, sondern auch mittels eines Drum-Computers, was einen deutlichen Einfluss auf den Sound der Musik hatte. Vielleicht war Billy Corgan auch nicht ganz mit dem Ergebnis zufrieden, denn bereits auf der nächsten Platte durfte Jimmy Chamberlin wieder mittrommeln.

Aber dies war nicht der einzige Umstand, warum viele der ersten Pumpkins-Fans sich etwas mit „Adore“ schwer taten. Die Musik der „Smashing Pumpkins“ war schon immer von dem Wechselspiel von laut und leise, rockig und sanft geprägt. Auf ihrem vierten Album rückte die Band davon allerdings ein wenig ab. Die leisen Töne überwiegen nicht nur auf „Adore“, sie stehen sogar sehr stark im Vordergrund. Der einzige wirkliche „Rocker“ ist gleichzeitig die erste von zwei Singleauskopplungen des Albums: „Ava Adore“. Eine wahrlich klasse Nummer, sehr intensiv, betont rhythmisch und das unter anderem mit diesem bereits erwähnten Drum-Computer.

Die zweite Singleauskopplung, „Perfect“ läuft ebenfalls noch unter der Überschrift „Etwas Flotter“, aber bereits der Einstieg in das Album, mit dem verträumten „To Sheila“, deutet an, wohin die Reise auf „Adore“ gehen wird. Beispiele, für die richtig gute Umsetzung dieser eher ruhigen, manchmal verträumten und immer harmonischen Stücke gibt es reichlich. Da wären das sehr intensive „Daphne Descends“, das deutlich fröhlichere „Once Upon A Time“ und das sehr melancholische und nachdenkliche „Tear“. Alles tolle Lieder, die auch schnell ins Ohr gehen und sehr viel eher zum Träumen als zum Rocken einladen.

Dieser ruhige Stil steht auch bei den folgenden Songs deutlich im Fokus. „Appels + Oranjes“ sowie „Pug“ sind noch ein klein wenig „schneller“ angelegt, an dieser verträumten Stimmung des Albums ändert das jedoch nichts mehr. Zumal gegen Ende der Platte noch zwei wahrlich beeindruckende Titel auf den Hörer warten. Voller Moll-Akkorde präsentieren sich das über achtminütige „For Martha“ und das sehr eindringliche „Blank Page“. Tolle Musik für graue Novembertage.

Fazit: Billy Corgan begeht auf „Adore“ mit seinen Smashing Pumpkins etwas andere Wege. Und dies sogar überaus konsequent. Deutlich über siebzig Minuten gibt es auf dem vierten Album der Band ziemlich nachdenkliche, manchmal sentimentale und oftmals melancholische Musik zu hören. Dazu gesellt sich der Kracher „Ava Adore“. Wenn man also auch etwas mit etwas ruhiger Musik anzufangen weiß und sich durch die etwas gequetscht wirkende Stimme Billy Corgans auf Dauer nicht abschrecken lässt, dann ist das für den Musikfreund ein richtig gutes Album geworden. Elf Punkte.

Anspieltipps: Ava Adore, Daphne Descends, Once Upon A Time, Tear, For Martha, Blank Page





Dienstag, 8. Januar 2013

Randy Newman – Sail Away




Randy Newman – Sail Away


Besetzung:

Randy Newman – vocals, piano


Gastmusiker:

Russ Titelman – guitars
Ry Cooder – guitars
Chris Ethridge – bass
Wilton Felder – bass
Jimmy Bond – bass
Jim Keltner – drums
Gene Parsons – drums
Earl Palmer – drums
Milt Holland – percussion
Abe Most – alto saxophone


Label: Warner Music Group


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Soft Rock


Trackliste:

1. Sail Away (2:52)
2. Lonely At The Top (2:35)
3. He Gives Us All His Love (1:56)
4. Last Night I Had A Dream (3:03)
5. Simon Smith And The Amazing Dancing Bear (2:05)
6. Old Man (2:44)
7. Political Science (2:02)
8. Burn On (2:35)
9. Memo To My Son (1:55)
10. Dayton, Ohio 1903 (1:52)
11. You Can Leave Your Hat On (3:18)
12. God's Song (That's Why I Love Mankind) (3:40)

Gesamtspieldauer: 30:37




„Sail Away“ nannte Randy Newman sein drittes Album, welches er 1972 veröffentlichte. Und wieder hatte sich im Bezug zum Vorgängeralbum musikalisch eine ganze Menge getan. War das erste Album des Amerikaners noch proppenvoll mit Filmmusik gestopft zu einem Film, den es gar nicht gibt, die zweite Platte irgendwo zwischen Blues und Country angesiedelt, so gibt es auf „Sail Away“ Pop bis Rock zu hören. Eine Art Soft Pop-Rock, der sehr zurückhaltend, sanft und meist auch sehr eingängig ist.

Bezüglich der Texte hat sich jedoch nichts verändert, diese sind immer noch sehr bissig, ironisch bis sarkastisch und machen immer wieder auch ein wenig nachdenklich. So spricht Randy Newman zum Beispiel im Titelsong zu den Sklaven, die in die Sklaverei nach Amerika verschifft werden: „In America you'll get food to eat, Won't have to run through the jungle, And scuff up your feet, You'll just sing about Jesus and drink wine all day, It's great to be an American.“ Makabrer geht es kaum. Zu diesem Eindruck trägt nicht zuletzt auch die überaus getragene und orchesterdominierte Musik bei, die im Grunde genommen so gar nicht zum Textinhalt passt und es dann doch wieder perfekt tut.

Viele schöne Melodien gibt es auf „Sail Away“ zu hören. Nach wenigen Malen des Hörens der Scheibe entwickeln sich sehr viele der Lieder zu kleinen Ohrwürmern, die man immer wieder gerne genießt. Dabei ist es meistens das Piano, welches für die Harmonien sorgt. Mitunter ist es allerdings auch das Zusammenspiel dieses Instruments mit der Gitarre, wodurch dieses angenehme „Ohrschmeicheln“ erzeugt wird.

Oftmals sind die Songs nur sehr spärlich instrumentiert. Bei „Old Man“ steht ganz eindeutig diese tieftraurige Stimmung im Vordergrund, die durch den Text transportiert wird. Dezente Streicher neben einem sehr zurückhaltenden Piano sorgen für die perfekte, ein wenig aussichtslose und fast schon marode Stimmung. Eine Rhythmusfraktion gibt es hier, wie auch bei vielen anderen Titeln, nicht.

Den Song „You Can Leave Your Hat On“ kennt man heutzutage eher durch die Version von Joe Cocker. Die Nummer ist hier auf „Sail Away“ gleichzeitig auch das rhythmischste Lied der Platte und besser gelungen, als die bekanntere Ausgabe. Schön und wieder sehr traurig klingt das Album dann mit „God's Song (That's Why I Love Mankind)“ aus. Erneut ein sehr intensiver Text, wie man ihn nur selten hört, egal, wie man dazu inhaltlich auch steht.

Fazit: Man benötigt ein paar Durchgänge, bis man sich in diese Stimmung, die auf „Sail Away“ vorherrscht, reingehört hat. Mich knallt das Album jetzt nicht weg, aber ich kann hier durchaus ein paar schöne Stellen für mich entdecken. Für mich ist diese Platte auch um Klassen besser, als sein Vorgänger. Country kommt hier nicht vor, dafür gibt es hier die Möglichkeit, schöne Melodien für sich zu entdecken. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sail Away, Lonely At The Top, He Gives Us All His Love, Last Night I Had A Dream, Old Man, You Can Leave Your Hat On, God's Song (That's Why I Love Mankind)




Montag, 7. Januar 2013

Olli Schulz – Es brennt so schön




Olli Schulz – Es brennt so schön


Besetzung:

Olli Schulz – Gesang, Gitarre


Gastmusiker:

Arne Augustin – Klavier
Ben Lauber – Schlagzeug
Moses Schneider – Bass
PC – Gitarre
Francesco Wilking – Chor
Andre Frahm – Schlagzeug
Bernd Begemann – Gitarre
Kristine Kewitz – Stimme
Degenachim – Chor
Gisbert von Knyphausen – Chor, Gitarre, Mandoline
Marcus Schneider – Gitarre
Ruben Scheffler – Bass, Chor
Lee Buddah – Chor, Banjo, Gitarre
Sam Siegler – Schlagzeug
Matt White – Piano
Walter Schreifels – Gitarre, Bass
Max Schröder – Chor
Mark Tavasol – Bass, Chor
Cesar – Trompete
Christian Haake – Schlagzeug
Hillmar Kettwig – Klavier


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop, Deutsch-Rock


Trackliste:

1. Ab jetzt tut’s nur noch weh (2:54)
2. So lange einsam (4:13)
3. Geheimdienst (3:34)
4. All you can eat (3:22)
5. Wie sie (3:38)
6. Ewig leben (3:36)
7. Mach den Bibo (2:47)
8. Herz los (3:04)
9. Bloß Freunde (1:53)
10. Isabell (3:16)
11. Wenn die Sonne wieder scheint (16:03)

Gesamtspieldauer: 48:18




„Es brennt so schön“ nannte Olli Schulz sein erstes Album, welches er ohne „seine Begleitband“ „Der Hund Marie“ aufgenommen hat. Und das, was hier auf dem 2009 erschienen Album zuhören ist, kann sich wahrlich sehen beziehungsweise hören lassen. Schöner und eingängiger Pop-Rock wird dem Hörer hier geboten, der auch immer wieder von einer klasse gewählten Instrumentierung lebt. Mal steht die Gitarre im Vordergrund, ein anders Mal wird diese Rolle dem Piano übertragen und bei wieder einem anderen Titel trägt das Banjo zu dem überaus gelungenen Klanggerüst einen nicht unerheblichen Teil bei.

„Es brennt so schön“ groovt und rockt meistens, wobei es dabei nie „hart“ wird. Olli Schulz legt bei seinen Titeln sehr viel Wert auf die Eingängigkeit, die Melodiösität seiner Lieder. Und das ist auf diesem Album wunderbar gelungen. Als Beispiel hierfür stehen für mich die Nummern „Ab jetzt tut’s nur noch weh“, „Wie sie“ und „Bloß Freunde“. Dazu gesellen sich dann noch witzige, manchmal ironische und nachdenklich machende Texte. Das passt alles sehr gut in seiner Gesamtheit.

Ein bisschen aus dem Rahmen fällt bei den elf, beziehungsweise zwölf Titeln (inklusive Hidden Track) das Stück „Mach den Bibo“, mit dem Olli Schulz 2009 an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest teilnahm und den fünften Platz für Hamburg erreichte. Die Nummer ist eine Art Blödelnummer, relativ sinnfrei, die allerdings nach mehrmaligem Hören auf was hat und irgendwie wächst.

Es hat sich auch kein wirklich schlechtes Lied auf das Album verliert. Die „Weiter-Taste“ braucht man dementsprechend nicht zu betätigen. Klar wird der Hörer auch hier Lieder finden, die ihr oder ihm mehr zusagen, andere vielleicht ein wenig weniger. Aber das ist, wie immer, reine Geschmackssache. Nervig ist ein wenig der letzte Titel, was jedoch nichts über die Musik aussagen soll. Aber diese Geschichte mit den Hidden Tracks langweilt einfach und wird bei neueren Veröffentlichungen glücklicherweise auch kaum noch eingesetzt – dachte ich zumindest, aber so alt ist diese Platte hier ja auch noch nicht. „Wenn die Sonne wieder scheint“ dauert 2:20 Minuten. Dann wartet man bis 12:26 und weiter geht’s mit der Textzeile: „Gott was ist das öde hier…“. Stimmt, diese Ruhe nervt, wenn man Musik hören will.

Fazit: Gut gemachten Deutsch-Rock bekommt man auf „Es brennt so schön“ geboten. Hier groovt es immer wieder, hier lassen sich schöne Melodien und intelligente Texte entdecken. Zwar gelingt das nicht durchgängig für alle Stücke der Platte, aber das ist jetzt schon „Jammern auf hohem Niveau“. Das Album ist gut und macht Spaß. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ab jetzt tut’s nur noch weh, Wie sie, Mach den Bibo, Herz los, Bloß Freunde