Montag, 22. April 2013

Peter Gabriel – Play (DVD)




Peter Gabriel – Play (DVD)


Erscheinungsdatum: November 2004


Laufzeit: 141 Minuten


Videoliste:

1.   Father, Son
2.   Sledgehammer
3.   Blood Of Eden
4.   Games Without Frontiers
5.   I Don’t Remember
6.   Big Time
7.   Lovetown
8.   Red Rain
9.   In Your Eyes
10. Don’t Give Up
11. The Barry Williams Show
12. Washing Of The Water
13. Biko
14. Kiss That Frog
15. Mercy Street
16. Growing Up
17. Shaking The Tree
18. Shock The Monkey
19. Steam
20. The Drop
21. Zaar
22. Solsbury Hill
23. Digging In The Dirt

Gesamtspieldauer: ~2:21:00




Man kann eine DVD mit Musikvideos natürlich nicht ohne die dazugehörige Musik rezensieren. Dass diese Klasse hat, dürfte bei Peter Gabriel allerdings außer Frage stehen. Und so veröffentlichte Peter Gabriel 2004 eine DVD mit allen, bis dahin veröffentlichten Musikvideos. Ich kann jetzt nicht behaupten, „mit all seinen besten Liedern“, denn da wird jedem Gabriel-Fan eine ganz eigene Liste vor den Augen herumschwirren. Aber es sind zumindest all diejenigen Tracks auf der DVD enthalten, die mit einem Musikvideo geadelt wurden. Die Sammlung ist also komplett.

Mit enthalten ist zum Beispiel auch solch eine Rarität wie „Lovetown“, ein Stück, was den Abspann des Filmes „Philadelphia“ mit Tom Hanks zierte. Die Musik zum Lied läuft auch im Hintergrund der Menüübersicht. Das Lied, wie auch das Video sind einfach genial und vervollständigen somit die Singleauskopplungen aus dem Schaffen des englischen Musikers.

Die Videos Peter Gabriels wurden häufig mit Preisen für ihre Innovation und Umsetzung überhäuft. Legendär dabei natürlich das Video zu „Slegehammer“. Aber auch alle anderen Klassiker wie „Games Without Frontiers“, „Solsbury Hill“ „Biko“, „Diggin‘ In The Dirt“, „I Don’t Remember“ und und und sind auf der DVD vertreten. Da macht es richtig Spaß, es sich auf dem Sofa bequem zu machen und diese Meisterwerke auch optisch auf sich wirken zu lassen.

Nun, da es diese DVD in den einschlägigen Geschäften auch zu einem Preis gibt, der meist günstiger ist, als eine reguläre Peter Gabriel CD, kann man beim Kauf dieses Datenträgers eigentlich nicht viel falsch machen. Als Extras befinden sich auf der DVD noch einige Trailer, „Games Without Frontiers“ in einer Liveversion aus dem Jahr 2004, ein Video zu „Modern Love“, ein sphärisches Video mit dem Namen „The Nest That Sailed The Sky“, sowie die Credits.

Fazit: Auch wenn ich solche Lieder wie „Kiss That Frog“ oder „Big Time“ nicht so mag, so gibt die DVD doch einen sehr schönen Überblick über das Schaffen Gabriels nach seinem Ausstieg bei Genesis. Und da diese DVD auch vollständig ist, lohnt sich deren Erwerb - völlig ohne Zweifel. Diese DVD ist ein absoluter Genuss und dafür muss es einfach 14 Punkte geben.



Sonntag, 21. April 2013

Leonard Cohen – Ten New Songs




Leonard Cohen – Ten New Songs


Besetzung:

Leonard Cohen – vocals


Gastmusiker:

Sharon Robinson – all instruments, vocals
Bob Metzger – guitar
David Campbell – string arrangements


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Pop, Soul


Trackliste:

1. In My Secret Life (4:56)
2. A Thousand Kisses Deep (6:29)
3. That Don't Make It Junk (4:28)
4. Here It Is (4:19)
5. Love Itself (5:26)
6. By The Rivers Dark (5:21)
7. Alexandra Leaving (5:26)
8. You Have Loved Enough (5:42)
9. Boogie Street (6:05)
10. The Land Of Plenty (4:36)

Gesamtspieldauer: 52:47




Neun Jahre dauerte es, bis Leonard Cohen sein zehntes Album aufnahm. Inzwischen war er zum Mönch erklärt worden, nachdem er jahrelang in einem buddhistischen Kloster gelebt hatte. Alle Lieder auf dem Album schrieb er zusammen mit Sharon Robinson, die auch alle Instrumente, bis auf die Gitarre, selbst einspielte. Erstmals war ein Cohen-Album zudem digital aufgenommen worden. Das Job-Sharing beim Komponieren lief anscheinend so ab, dass Leonard Cohen für die Texte, Sharon Robinson für die Musik zuständig war.

Die Musik ist, wie immer bei einem Leonard Cohen Album, sehr ruhig gehalten. Folk ist das allerdings nicht mehr, Pop mit Soul- und Blues-Einflüssen beschreibt die Musik auf „Ten New Songs“ wohl noch am besten. Manches Mal gibt es sogar so etwas wie angedeutete Gospel-Einschübe. Eingängig ist es auch wieder, wenn auch nicht dergestalt, dass die Lieder sich unmittelbar, gleich beim ersten Hören im Gehirn festsetzen. Ein paar Durchgänge benötigt man da schon. Auch gelingt dies nicht bei jedem Song, denn mitunter leben diese auch von der Monotonie, welche einem längeren Verweilen im Musikzentrum des Gehirns entgegenwirkt.

Schade, dass Leonard Cohen auch bei den Aufnahmen zu „Ten New Songs“ erneut auf einen Drum-Computer setzte, denn dieser Sound klingt einfach billig und oberflächlich. Für ein Lied kann man diesen natürlich mal einsetzen, aber über die gesamte Länge eines Albums erfordert das schon eine gewisse, gar nicht mal so geringe Toleranz beim Hörer.

Fazit: Ich kann jeden verstehen der sagt, diese Platte sei ihm zu ruhig, zu monoton, zu einförmig. Genau das ist sie auch, sehr ruhig, oftmals monoton und auch einförmig. Aber das alles wiederum ist auch eine Stärke der Platte, die ihre Höhepunkte in der Stille hat. Musik zum Ausruhen, die auch ganz entspannt nebenher laufen kann. Ein Nachteil sind die fehlenden „echten“ Instrumente. Alles ist hier digital, so verwundert es auch nicht, dass Sharon Robinson das alles selbst einspielen konnte. Viel zum Einspielen gab es da nämlich nicht. Mich packt das alles auch nicht mehr. Die Stimme Leonard Cohens ist schön, klar. Die Musik allerdings erschließt sich mir nicht mehr, packt mich nicht mehr, regt mich noch nicht mal mehr auf. Die Musik auf „Ten New Songs“ plätschert so dahin. Sechs Punkte.

Anspieltipps: A Thousand Kisses Deep, Here It Is, By The Rivers Dark




Samstag, 20. April 2013

Caribou – Andorra




Caribou – Andorra


Besetzung:

Daniel Victor Snaith – ohne Instrumentenangabe und zumindest wohl noch ein paar Background-Sängerinnen


Label: cityslang


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Pop, Electronica


Trackliste:

1. Melody Day (4:11)
2. Sandy (4:09)
3. After Hours (6:15)
4. She's The One (4:00)
5. Desiree (4:12)
6. Eli (3:05)
7. Sundialing (4:40)
8. Irene (3:38)
9. Niobe (8:51)

Gesamtspieldauer: 43:01




„Caribou“ ist das „Bandprojekt“ des Kanadiers Daniel Victor Snaith. Die Musik, die auf „Andorra“ zu hören ist, ist wahrlich schwer in Worte zu fassen. Was ist das denn jetzt? Elektronische Musik, klar. Dazu wird aber auch gesungen. Sehr zurückhaltend akzentuiert und relativ hoch für einen Mann. Irgendwie klingt das Ganze auch interessant, bewegt sich manches Mal allerdings auch gefährlich nahe an der Grenze zum zu synthetischen Pop. Richtig eingängig sind die einzelnen Titel meistens erst beim zweiten oder dritten Hören. Sofort ins Ohr geht allerdings zum Beispiel der Opener „Melody Day“, ein Stück, welches bereits während des ersten Abspielens gefallen kann. Dabei ist auch der Rest der Platte weit davon entfernt unmelodisch zu sein. Trotzdem ist das Gesamtprodukt irgendwie sehr schwer greifbar, wirkt mitunter trotz oder gerade wegen des vielen Synthesizer-Sounds fast schon mystisch.

Die Musik ist meist im Mid-Tempo angesiedelt, klingt ab und an ein wenig gehetzt, aber doch weitestgehend unaufdringlich. Mitunter ist der Hintergrund mit hellen Frauenchören versehen worden, was die einzelnen Lieder noch ein wenig eingängiger werden lässt. Überhaupt die Gesangsarrangements. Diese wirken sehr ausgetüftelt und erzeugen mitunter eine fast schon unwirkliche Stimmung, die den Hörer fesseln kann. Der Synthesizer spielt meistens die dominante Rolle und gibt die Ausrichtung der einzelnen Songs vor. Alles klingt und das gar nicht mal schlecht. Etwas nervig wird es nur dann, wenn das Tempo doch mal angezogen wird, dann wirkt die Musik unruhig und unrund. In diese Richtung geht für mich so ein Titel wie „Sandy“, der allzu offensichtlich Eingängigkeit produzieren soll, dabei allerdings ein wenig überproduziert und langweilig wirkt.

„Desiree“ ist da das andere Extrem. Sehr ruhig gehalten und im weiteren Verlauf sogar ein wenig sphärisch wirkend und mit seinen Glocken-, Bläser- und Streicher-Sounds an Weihnachten erinnernd, kommt hier fast schon eine feierliche Stimmung auf. „Sundialing“ groovt im Gegensatz dazu richtiggehend. Klasse hier auch der Querflötensound, der allerdings wohl dem Synthesizer entspringt. Bei „Irene“ übertreibt es Daniel Snaith dann mit diesen elektrischen Sounds. Jetzt klingt es leider nur noch künstlich, plastikmäßig. Dies liegt nicht zuletzt auch an der hier überhaupt nicht passen wollenden Rhythmusmaschine. Sehr elektronisch, mit Sounds, die irgendwo zwischen Tangerine Dream und manchmal fast schon Techno liegen, wird das Album schließlich mit „Niobe“ beendet.

Fazit: Es ist ein sehr schmaler Grat, den Daniel Victor Snaith mit Caribou hier beschreitet. Einerseits gibt es auf „Andorra“ mitunter wirklich schöne Melodien zu bestaunen, andererseits läuft der Sound immer wieder Gefahr manchmal einfach zu elektronisch, etwas billig wirkend aus den Boxen zu wabern. Das erzeugt beim Hörer einen etwas zwiespältigen Eindruck, der zwischen „ganz nett“ und dann wieder „etwas nervend“ hin- und herpendelt. Ich finde die Musik interessant, weil es so etwas in der Art nicht allzu häufig gibt. Muss allerdings auch gestehen, dass ich mir das nicht jeden Tag anhören kann - aber immer wieder mal ganz gerne. Neun Punkte.

Anspieltipps: Melody Day, She's The One, Sundialing





Freitag, 19. April 2013

Golden Earring – On The Double




Golden Earring – On The Double


Besetzung:

George Kooymans – guitar, vocals
Rinus Gerritsen – bass, keyboards
Barry Hay – rhythm guitar, flute, vocals
Jaap Eggermont – drums


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Songs On A Devil's Servant (3:47)
2. Angelina (3:12)
3. Pam Pam Poope Poope Loux (2:47)
4. Hurry, Hurry, Hurry (4:24)
5. My Baby Ruby (3:19)
6. Judy (1:47)
7. Goodbye Mama (3:08)
8. Murdock 9-6182 (3:14)
9. Just A Little Bit Of Peace In My Heart (5:20)
10. The Sad Story Of Sam Stone (2:29)
11. High In The Sky (3:25)
12. Remember My Friend (2:59)
13. Time Is A Book (4:07)
14. Backbiting Baby (5:38)
15. I'm A Runnin' (3:27)
16. I Sing My Song (4:01)
17. Mitch Mover (3:02)
18. God Bless The Day (2:42)
19. The Grand Piano (3:27)

Gesamtspieldauer: 1:06:14




Im Jahr 1969 veröffentlichten Golden Earring zwei Alben. Einmal diese ursprüngliche Doppel-LP im Januar und schließlich „Eight Miles High“ im November. Während auf „Eight Miles High“ bereits progressivere Töne zu hören sind, so klingt “On The Double“ ganz in der Tradition des Vorgängers „Miracle Mirror“. Auch auf diesem vierten Album der Niederländer gibt es meist Pop bis Rock zu hören, der typisch ist für die ausgehenden 60er Jahre.

Aber die Ausnahme von dieser Regel gibt es bereits. „Backbiting Baby“ klingt rockiger, wird dominiert von einem fetten Orgelsound und ist sehr viel umfangreicher aufgebaut als die anderen Titel der Platte. Das kommt dann dem progressiven oder wohl doch eher dem psychedelischen Rock schon sehr nahe. Auch „Just A Little Bit Of Peace In My Heart“ wurde aufwendiger arrangiert. Viele Streicher gibt es hier zu hören und das Stück läuft nicht in einem durch, sondern besteht auch aus verschiedenen, miteinander verbundenen Teilen.

Der Rest der Platte klingt. Dies zwar größtenteils nach der Devise Strophe – Refrain – Strophe – Refrain usw. jedoch mit meist schönen Melodien. Besonders hervorzuheben wären da „Angelina“, „Remember My Friend“ und „The Grand Piano“. Tolle und eingängige Nummern, die auch nachhallen. Die übrigen Lieder sind alle von der Sorte: Sixties-Pop mit angenehmer Melodieführung. Harmonisch und ohne große Schnörkel. Ganz okay.

Fazit: „On The Double“ ist ein schönes Album geworden, eine Platte die einfach gut klingt. Neben einigen durchschnittlichen Titeln gibt es hier auch ein paar Höhepunkte, die sich lohnen. Progressiver Rock ist das zwar nur ganz selten, aber die Ansätze kann man hier bereits hören und sie werden schließlich auf dem nächsten Album noch sehr viel deutlicher ausgelebt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Angelina, Remember My Friend, Backbiting Baby, The Grand Piano





Donnerstag, 18. April 2013

The Unwinding Hours – The Unwinding Hours




The Unwinding Hours – The Unwinding Hours


Besetzung:

Craig B – vocals, guitar
Iain Cook – guitar, bass guitar, piano


Gastmusiker:

Alex Grant –bass guitar
Jonny Scott – drums
Campbell McNeil – bass guitar
Martin Doherty – piano, guitar
Graeme Smillie – bass guitar


Label: Chemikal Underground Records


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. Knut (5:56)
2. Tightrope (3:21)
3. Little One (4:16)
4. There Are Worse Things Than Being Alone (5:02)
5. Solstice (2:56)
6. Peaceful Liquid Shell (5:03)
7. Child (4:46)
8. Traces (3:56)
9. Annie Jane (4:51)
10. The Final Hour (5:22)

Gesamtspieldauer: 45:30




Die schottische Band Aereogramme hat einfach nicht den Durchbruch geschafft. Schade, denn deren Musik war wahrlich nicht schlecht. Auf jeden Fall haben zwei der ehemaligen Mitglieder der Band, Sänger und Gitarrist Craig B sowie Bassist Iain Cook nach der Auflösung von Aereogramme eine neue Band gegründet. Diese heißt „The Unwinding Hours“, genau wie ihr Erstlingswerk und erschien 2010, drei Jahre nach der letzten Veröffentlichung von Aereogramme.

Nun, wer auf ruhige Musik steht, auf sehr ruhige wohlgemerkt, der sollte unbedingt mal ein Ohr bei den Unwinding Hours riskieren. Denn diese machen zarte, nur ganz sanft akzentuierte Musik, die durchgehend sehr melodiös und harmonisch klingt. Allerdings läuft diese auch ein wenig Gefahr, durch die immer gleich bleibende Geschwindigkeit der einzelnen Stücke, mit der Zeit etwas langweilig zu wirken.

Das ist allerdings nicht so beim Opener des Albums mit dem Titel „Knut“. Ich weiß nicht, ob da jener Eisbär Knut aus dem Berliner Tiergarten mit gemeint war, dessen Aufzucht weltweit Wellen schlug. Aus dem Text geht das jedenfalls nicht hervor, denn der lautet: „If we care, We will, We must, Get out“. Und diese neun Worte werden immer und immer wieder wiederholt. Dabei steigert sich allerdings die Geschwindigkeit wie die Lautstärke des Songs, was sehr gelungen ist und richtig gut klingt.

Nicht bei jedem Lied werden die Drums eingesetzt, oftmals gibt es allerdings Streicher zu hören, die in den Credits auf dem Album allerdings nicht erwähnt werden. Diese tragen natürlich noch zusätzlich zu dieser getragenen Stimmung bei, die dem ganzen Album anhaftet. Das wirkt alles so melancholisch verträumt und auch mitunter traurig, dass man die Musiker fast drücken möchte, damit sie mal wieder auf heiterere Gedanken kommen. Beim letzten Song „The Final Hour“ geben sie dann zum Schluss noch mal alles, was sich durchaus positiv, wenn auch für das Album ungewohnt, vom Rest abhebt.

Fazit: Wenn man im Kopf hat zu springen und diese Musik hört – dann springt man. Trotzdem ist das schön, was The Unwinding Hours da auf CD gepresst haben. Nur eben sehr, sehr traurig und melancholisch. Perfekte Musik für einen Abend vor dem Kamin, wenn man den denn besitzt oder um den Tag mal ganz ruhig ausklingen zu lassen. Manchmal vielleicht ein bisschen zu ruhig, aber nichts anderes scheint das Ziel der Schotten gewesen zu sein: Schöne, ruhige Musik. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Knut, Peaceful Liquid Shell, Traces, The Final Hour





Mittwoch, 17. April 2013

Genesis – Trespass




Genesis – Trespass


Besetzung:

Peter Gabriel – lead vocals, flute, accordion, tambourine, bass drum
Anthony Phillips – acoustic 12-string guitar, lead electric guitar, dulcimer, voices
Anthony Banks – organ, piano, mellotron, guitar, voices
Michael Rutherford – acoustic 12-string guitar, electric bass, nylon, cello, voices
John Mayhew – drums, percussion, voices


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Looking For Someone (7:06)
2. White Mountain (6:44)
3. Visions Of Angels (6:52)
4. Stagnation (8:50)
5. The Dusk (4:13)
6. The Knife (8:56)

Gesamtspieldauer: 42:40




Das zweite Genesis Album „Trespass“ ist eigentlich das erste Genesis-Album. Nicht zeitlich gesehen, sondern von der Musik her. Waren auf dem ersten Album noch quasi Pop-Lieder der ausgehenden 60er Jahre zu hören, so gibt es auf „Trespass“ zum ersten Mal progressiven Rock für den Hörer – und diesen gleich auf allerhöchstem Niveau.

Phil Collins ist zu dieser Zeit noch nicht Mitglied der Band, er sollte erst auf dem nächsten Album „Nursery Crime“ mit von der Partie sein. Genau wie Steve Hackett, der dort dann Anthony Phillips an der Gitarre ersetzen sollte.

Die Musik ist auf „Trespass“ allerdings bereits jene, die auch auf den nächsten vier Alben zu hören sein wird, bei denen Peter Gabriel noch Teil der Band war. Deshalb auch der obige Einwurf vom „ersten“ richtigen Genesis-Album. Denn was man hier zu hören bekommt ist Progressive Rock vom Allerfeinsten. Wunderschöne Melodien, ausgedehnte Solo-Passagen, Rhythmus- und Tempowechsel, Spannung vom ersten bis zum letzten Takt. Und diese progressive Rock-Musik kann hier sogar, wie beim letzten Titel „The Knife“, auch mal etwas „härter“ klingen.

Das Album schäumt über vor tollen Ideen, überraschenden Wendungen und eben diesen Harmonien, dieser Melodiösität, die die Genesis-Platten Anfang der 70er Jahre zu einem Erlebnis werden lassen. Die Texte sind zumeist sehr mystisch und passen sich in ihrer Akzentuierung der Musik an – oder umgekehrt. Eine Besonderheit, die man heute in der Musik kaum noch hört. Wenn es jedoch auf „Trespass“ bei einem der Songs textlich „spannend“ wird, dann legt auch die Musik die entsprechenden Takte vor. Da hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht. Das wirkt alles sehr ausgereift und wohlüberlegt, ohne sich dabei konstruiert anzuhören.

Fazit: Wem die nächsten Alben von Genesis bis „The Lamb Lies Down On Broadway“ gefallen, der kann auch hier ohne Bedenken zugreifen. Auch wenn auf „Trespass“ noch nicht die „klassische“ Besetzung am Werk ist, ist diese Platte ein wahres Füllhorn toller progressiver Musik, mit allen Zutaten, die dafür notwendig sind. Einfach richtig gute Musik. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: White Mountain, The Dusk, The Knife





Dienstag, 16. April 2013

Devotchka – A Mad And Faithful Telling




Devotchka – A Mad And Faithful Telling


Besetzung:

Nick Urata – ohne Instrumentenangabe
Thomas Hagerman – violin I, Rest ohne Instrumentenangabe
Jeanie Schroder – ohne Instrumentenangabe  
Shawn King – ohne Instrumentenangabe


Gastmusiker:

Takanori Sugishita – violin II
Leah Nelson – viola
Charles Lee – cello
Tom Echols – hot guitar
Jacob Valenzuela – trumpet
Ron Miles – trumpet
Timur Bekbosunov – background vocals
Alexandra Walker – background vocals


Label: Anti Inc.


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Weltmusik, Gypsy Jazz


Trackliste:

1. Basso Profundo (5:15)
2. Along The Way (4:02)
3. Clockwise Witness (4:38)
4. Head Honcho (3:45)
5. Comrade Z (2:25)
6. Transliterator (4:32)
7. Blessing In Disguise (5:50)
8. Undone (5:03)
9. Strizzalo (1:31)
10. New World (5:15)

Gesamtspieldauer: 42:14




Devotchka machen auf „A Mad And Faithful Telling“ Musik, die nur ganz schwer in ein Raster passt. Klar klingt das immer wieder mal nach Pop- beziehungsweise Rock-Musik, aber dann hört man wiederum slawische Klänge, Mariachi-Musik, Zigeuner-Musik-Anleihen und und und. Somit ist das Gesamtergebnis dieses Albums ein Stil-Mix, der in sich jedoch geschlossen ist. Soll heißen, man ist bereits nach den ersten Tönen nicht sonderlich überrascht, was da so alles auf einen zukommt, was es da so alles zu hören gibt, denn irgendwie passt das Ganze dann doch gut zusammen.

Dabei kann einen sicherlich nicht alles sofort packen. Manch ein Lied ist sogar mitunter sehr gewöhnungsbedürftig und passt so gar nicht in das Beuteschema einen Rock-Hörers. Und wer nicht offen ist, für manchmal auch etwas andere Klänge, der wird diese CD mit Sicherheit bereits nach wenigen Takten weglegen. Allerdings würde diese Hörerin, dieser Hörer etwas verpassen, denn es haben sich wahrlich Perlen auf der CD versteckt, die es zu entdecken gilt. Dabei kann es allerdings häufig passieren, dass dieser oder jener Song noch nicht nach dem ersten Hören seinen Reiz offenlegt. Diese Aussage gilt definitiv nicht für das Stück „Clockwise Witness“. Der Titel zündet bereits nach dem ersten Mal. Auch dieses Stück ist kein 08/15-Pop oder Rock, sondern ein außergewöhnliches Lied, welches mit seinen Glöckchen und einer Violine zugleich ungewöhnlich wie eingängig klingt. Aber genau letztere Eigenschaft bewirkt die sofortige Nachhaltigkeit des Songs, bei dem es weit weniger „volkstümliche“ Anleihen zu erhören gibt, als auf manch anderem Lied des Albums „A Mad And Faithful Telling“.

Auch „Undone“ geht in diese Richtung und könnte auch von Bands wie Lilium stammen. Zwar ein klein wenig spanisch angehaucht, entwickelt sich auch hier eine sehr eingängige Melodieführung in Form sanfter und wohlklingender Gesangs-, Akkordeon- und Violin-Passagen, die einfach Spaß machen. An dieser Stelle sollten auch die letzten beiden Titel nicht unerwähnt bleiben. „Strizzalo“ ist dabei eine kurze und wieder sehr harmonische Instrumentalnummer, wohingegen „New World“ ein getragenes Pop-Lied darstellt, welches allerdings einige Durchläufe benötigt, um hängen zu bleiben.

Nun, der Rest des Albums, das sind diese bereits erwähnten Lieder, die sich mal nach slawischer, mal nach mexikanischer Folklore anhören. Auch diese Stücke klingen wahrlich nicht schlecht, obgleich sie natürlich für das Ohr des „normalen“ Pop- und Rockkonsumenten eine Herausforderung darstellen. Aber das etwas längere Beschäftigen mit diesem Album lohnt auch hier, da sich richtig neue Welten für den Zuhörer erschließen. Denn auch wenn das ein oder andere Stück gewöhnungsbedürftig zu sein scheint, nach mehrmaligem Hören offenbaren eben auch diese Titel ihren ganz eigenen Reiz.

Fazit: Devotchka, abgeleitet vom russischen Wort für Mädchen „Dewotchka“, machen schon ganz schön eigenartige Musik. Aber genau darin liegt der Reiz der Band aus Denver, Colorado, USA. Wer russischen und mexikanischen Weisen etwas abgewinnen kann, der wird mit diesem Album seine Erfüllung finden. Allerdings gibt es auch Klänge, die nicht in diese Richtung gehen und somit auch für den „Otto Normalverbraucher“ eine Bereicherung darstellen können. Aber, man muss sich eben auf das ganze Album einlassen können. Für mich klingt das alles sehr spannend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Clockwise Witness, Undone, Strizzalo, New World





Montag, 15. April 2013

Rush – Hemispheres




Rush – Hemispheres


Besetzung:

Geddy Lee – lead vocals, bass, oberheim polyphonic, mini-moog, moog taurus pedals
Alex Lifeson – guitar, synthesizer, moog taurus pedals
Neil Peart – drums, orchestra bells, bell tree, timpani, gong, cowbells, temple blocks, wind chimes, crotales


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Prog Metal, Hard Rock


Trackliste:

1. Cygnus X-1 Book II Hemispheres (18:08)
    I. Prelude
    II. Apollo (Bringer Of Wisdom)
    III. Dionysus (Bringer Of Love)
    IV. Armageddon (The Battle Of Heart And Mind)
    V. Cygnus (Bringer Of Balance)
    VI. The Sphere A Kind Of Dream
2. Circumstances (3:45)
3. The Trees (4:45)
4. La Villa Strangiato (9:35)
    I. Buenos Nochas, Mein Froinds!
    II. To Sleep, Perchance To Dream
    III. Strangiato Theme
    IV. A Lerxst In Wonderland
    V. Monsters!
    VI. The Ghost Of The Aragon
    VII. Danforth And Pape
    VIII. The Waltz Of The Shreves
    IX. Never Turn Your Back On A Monster!
    X. Monsters! (Reprise)
    XI. Strangiato Theme (Reprise)
    XII. A Farewell To Things

Gesamtspieldauer: 36:12




Unter Rush-Fans gilt die 1978 erschienene Platte „Hemispheres“ als eines der besten Alben der Kanadier. Der Rock, den die drei Musiker hier auf Platte pressten ist verspielt und geht deutlich immer wieder in Richtung der progressiven Rockmusik. Harte Töne gibt es zwar zu hören, diese wechseln sich allerdings immer wieder mit ganz sanften Klängen ab. Rhythmus- und Tempowechsel, alles ist vorhanden, was auch das Herz eines Prog-Fans höher schlagen lässt. Und wenn man sich überlegt, was die alten Heroen der Progressive Rock da Ende der 70er Jahre so fabrizierten, dann ist „Hemispheres“ ein richtiges Highlight des Prog Metal, denn genau den gibt es hier zu hören.

Die vier Lieder auf „Hemispheres“ sind schön und abwechslungsreich, können allerdings nicht ganz das Niveau von Genesis, Yes, King Crimson, etc. ein paar Jahre zuvor erreichen, da die Melodien hier nicht ganz so überzeugend „zünden“. Das ist allerdings „Jammern auf hohem Niveau“ denn trotzdem klingt das Ganze musikalisch sehr gut, spannend und ausgereift. Da haben sich die drei Kanadier auf „Hemispheres“ wahrlich sehr viel bei gedacht. Dann gibt es da allerdings doch noch eine Einschränkung und diese wiegt leider schwer. Das ist der Gesang des Geddy Lee. Dieser klingt schön an den ruhigen Stellen der Lieder. Absolut passend. In den treibenderen Passagen, den Prog Metal-Abschnitten also, ist das allerdings schon sehr gewöhnungsbedürftig. Klar singt Geddy Lee hoch, doch das Ganze wirkt so etwas von gepresst und unnatürlich, dass man immer wieder den ganzen Spaß an der Musik verliert. Ich habe das Album immer und immer wieder gehört, die Musik ist gut, der Gesang – und vielleicht geht es da ja auch nur mir so – wirklich hart an der Grenze zum „was weiß ich“. Etwas Schönes gibt es dabei aber doch noch zu berichten: Auf dem Track „La Villa Strangiato“ hält sich Geddy Lee zurück - er schweigt sogar.

Fazit: Ein abwechslungsreiches und spannendes Prog Metal-Album ist „Hemispheres“ geworden. Nicht zu hart, es knallt aber an den genau richtigen Stellen und das dort auch richtig gut. So macht das Zuhören Freude, wenn da eben nur nicht dieser seltsame Gesang wäre, der die Stimmung der Songs immer wieder herunterdrückt. Was bleibt ist ein gutes Prog Metal Album mit komischem Gesang, welcher den Gesamteindruck leider schmälert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Cygnus X-1 Book II Hemispheres, La Villa Strangiato





Sonntag, 14. April 2013

American Tears – Branded Bad






American Tears – Branded Bad


Besetzung:

Marc Mangold – all keyboards, vocals
Gary Sonny – electric and acoustic bass
Tommy Gunn – drums, percussion


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Sweet Changes (4:41)
2. Doctor Abreaction (4:00)
3. Low Down, Need You Badly (5:34)
4. Crooked Is Quicker (4:18)
5. Pauline (4:08)
6. Look And Chain (5:41)
7. Take Me Lord (4:09)
8. Louie (I've Been Arrested) (4:09)
9. Pennywall (4:17)
10. Slidin' Home (4:30)

Gesamtspieldauer: 45:28




Rock-Musik hört man auf dem American Tears Debut-Album mit dem Titel „Branded Bad“ aus dem Jahr 1974. Insgesamt veröffentlichte die Band um den Keyboarder, Sänger und Komponisten Marc Mangold drei Alben. Dann löste sich die Formation wieder auf, der Erfolg war einfach ausgeblieben. Das Besondere an dieser Band ist, dass trotz der gespielten Rock-Musik kein Gitarrist zur Formation gehört. Auch kein Gastmusiker ist in den Credits angegeben, der diesen Part vielleicht übernommen hätte. Und wenn man sich dann die Musik zu Gemüte führt fällt schnell auf, dass hier wirklich Rock ohne das „Rock-Instrument“ schlechthin - die Gitarre - gespielt wird. Obwohl am Anfang von „Crooked Is Quicker“ kann man das dann doch irgendwie nicht ganz glauben und auch „Take Me Lord“ und „Louie“ scheinen nicht ganz frei von diesem Saiteninstrument zu sein. Zumindest ist der Sound der Gitarre dann hier sehr gut imitiert worden oder aber Gary Sonny hat seinen Bass doch mal kurz eingetauscht. Festzuhalten bleibt aber auf jeden Fall, dass die Musik im Allgemeinen stark keyboardlastig ist und auch rockig klingt. Irgendwie fällt das Fehlen der Gitarre überhaupt nicht auf. Tatsache.

Die Musik klingt genauer gesagt wie ein wenig blueslastiger Rock, nicht allzu hart gespielt, aber doch wohl eher dem Hard Rock als dem Soft Rock zuzuschreiben. Klavier und Keyboards übernehmen die Solo-Parts, die allerdings auch nicht in epischer Breite ausgeweitet werden. Die Musik groovt, ohne dabei Ohrwürmer irgendeiner Art zu generieren. Alles ist handwerklich gut gemachte Musik, die letztendlich allerdings dann doch nicht vollends überzeugen kann. Dazu fehlen eben diese klasse Songs, die herausragen und länger hängenbleiben, als nur jenen Moment, an dem sie gerade auf dem CD-Player oder Plattenspieler abgespielt werden. Einzige Ausnahme vielleicht das wirklich schöne „Pennywall“. Ein verträumtes, sanftes und eingängiges Lied, welches man dann doch ab und an gerne wieder hört.

Fazit: Für Rock-Fans, die mal kosten wollen, wie „ihre“ Musik so fast ohne Gitarre klingt vielleicht ganz interessant, für alle anderen nicht essentiell. Soll heißen, man hat nicht unbedingt etwas verpasst, wenn man American Tears auf ihrem Debut „Branded Bad“ nicht gehört hat. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Crooked Is Quicker, Take Me Lord, Pennywall




Die Lieder lassen sich bei YouTube nachhören, allerdings nicht verlinken.

Samstag, 13. April 2013

Aphrodite’s Child – 666




Aphrodite’s Child – 666


Besetzung:

Vangelis Papathanassiou – organ, piano, flute, percussion, vibes & various others, vocal backing
Demis Roussos – bass, vocal backings, lead vocal on “The Four Horsemen”, “Babylon” & “Hic Et Nunc”
Lucas Sideras – drums, vocal backings, lead vocal on “The Beast” & “Break”
Silver Koulouris – guitars & percussion


Gastmusiker:

Harris Halkitis – bass, tenor saxophone, conga drums, backing vocal
Michel Ripoche – trombone, tenor saxophone on “Babylon” & “Hic Et Nunc”
John Forst – narration
Yannis Tsarouchis – greek text
Irene Papas – vocal on “∞”


Label: Polygram International


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:


CD1:

1. The System (0:24)
2. Babylon (2:48)
3. Loud, Loud, Loud (2:43)
4. The Four Horsemen (5:53)
5. The Lamb (4:35)
6. The Seventh Seal (1:31)
7. Aegian Sea (5:23)
8. Seven Bowls (1:29)
9. The Wakening Beast (1:12)
10. Lament (2:45)
11. The Marching Beast (2:01)
12. The Battle Of The Locusts (0:56)
13. Do It (1:44)
14. Tribulation (0:32)
15. The Beast (2:26)
16. Ofis (0:15)

Gesamtspieldauer CD1: 36:35


CD2:

1. Seven Trumpets (0:35)
2. Altamont (4:34)
3. The Wedding Of The Lamb (3:39)
4. The Capture Of The Beast (2:17)
5. ∞ (5:15)
6. Hic And Nunc (2:56)
7. All The Seats Were Occupied (19:21)
8. Break (2:59)

Gesamtspieldauer CD1: 41:35

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 1:18:11




Aphrodite’s Child war eine griechische Band, die von 1968 bis 1972 existierte und mit ihrem dritten und letzten Album, welches thematisch die Offenbarung des Johannes behandelt, eine Platte mit progressiver Rockmusik veröffentlichte. Zum Line-Up der Band zählten unter anderem Vangelis Papathanassiou der später, lediglich betitelt mit seinem Vornamen, sehr erfolgreiche Filmmusik sowie Musik, die zum New Age gerechnet werden kann, veröffentlichte. Am Bass sowie bei einigen Titeln als Sänger ist hier Demis Roussos zu hören, der ebenfalls nur wenige Jahre nach Aphrodite’s Child, mit deutschen Schlagern wie „Goodbye, My Love, Goodbye“ einige Hits verzeichnen sollte.

Die Musik auf „666“ ist wahrlich progressiv und was sie auf diesem Doppelalbum so einmalig macht, ist die Spannbreite der Sounds, die hier wiedergegeben werden und trotzdem alle in sich geschlossen zusammenpassen. Da gibt es ganz sphärische Abschnitte, gefolgt von rockigen Parts, die sich gegenseitig umspielen und ergänzen. Dabei ist nicht alles immer sehr melodisch gehalten. Experimentelle Sounds, die einiger Eingewöhnungszeit bedürften, findet man auf „666“ genauso, wie die wunderschöne Melodie, die sich sofort im Ohr festsetzt. So stellt „666“ eine Art musikalischen Film dar, den man am besten hintereinander und im Ganzen genießen sollte, so entwickeln die einzelnen Abschnitte am besten ihre Ausdruckskraft und ihre Faszination.

Das bekannteste Stück des Albums ist wohl „The Four Horsemen“, bei dem man Demis Roussos am Gesang hören kann. Eine sehr eingängige Nummer, die einen unglaublich treibenden Refrain beinhaltet. Auch „Altamont“ weiß zu überzeugen, wenn hier auch der Gesang mit seinem „bahmabab“ und „goanabab“ zunächst recht gewöhnungsbedürftig erscheint. Richtiggehend orientalisch klingt es dann bei „The Wedding Of The Lamb“. Aber auch dieses Stück reiht sich perfekt in das Gesamtbild dieses Albums ein. Zwar gibt es nichts wirklich rein Experimentelles auf „666“ (okay, nehmen wir mal „∞“ von dieser Regel aus, denn beim Hören dieses „Songs“ wird jeder die Blicke anderer auf sich ziehen. Versprochen!), einige Songs, meist die sehr kurz gehaltenen, sind allerdings Klang- und Soundkollagen, die hauptsächlich eine irgendwie geartete, vor allem gedrückte Stimmung wiedergeben. Auf vielen der Titel wird auch nicht gesungen, sondern es werden Stimmungen produziert, die die Offenbarung des Johannes untermalen sollten. So lebt das Album hauptsächlich von der Atmosphäre, die es zu verströmen in der Lage ist und eben von seiner Vielfältigkeit. Diese wird dann im längsten Stück der Platte „All The Seats Were Occupied“ auch noch mal ausgiebig ausgelebt. Immer wieder werden Schnipsel der bereits gehörten Stücke mit integriert und es entwickelt sich ein Stück, auf welches das Siegel „Progressive Rock“ nicht besser passen könnte. Ein Erlebnis.

Fazit: Für mich ist „666“ deshalb so gelungen, da es so vielschichtig, so abwechslungsreich ist. Mit Sicherheit gibt es eingängigere und melodiösere progressive Musik, jedoch schafft es Vangelis hier, der die Musik hauptsächlich geschrieben hat, innerhalb weniger Augenblicke die Stimmung völlig zu verkehren, den Hörer vom Himmel hin in die Apokalypse zu stürzen. Spannend ist das allemal, allerdings wohl wirklich nur etwas für diejenigen Menschen, die mit progressiver Rockmusik auch etwas anzufangen wissen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Four Horsemen, All The Seats Were Occupied, Break





Freitag, 12. April 2013

Sigur Rós – Ágætis Byrjun




Sigur Rós – Ágætis Byrjun


Besetzung:


Jón Þór Birgisson – vocals, guitar
Kjartan Sveinsson – keyboard
Georg Hólm – bass
Ágúst Ævar Gunnarsson – drums


Label: fatcat Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Post-Rock, Art-Rock


Trackliste:

1. Intro (1:36)
2. Svefn-G-Englar (10:04)
3. Starálfur (6:46)
4. Flugufrelsarinn (7:49)
5. Ný Batterí (8:10)
6. Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm) (7:10)
7. Viðrar Vel Til Loftárása (10:18)
8. Olsen Olsen (8:03)
9. Ágætis Byrjun (7:56)
10. Avalon (4:04)

Gesamtspieldauer: 1:11:57




„Ágætis Byrjun“ nannte die isländische Band Sigur Rós ihr zweites Album, welches 1999 erschien. Und ganz ehrlich gesagt: Dieses Album wird niemals den Massenmarkt erobern. Die Musik auf „Ágætis Byrjun“ gefällt mit Sicherheit nur einigen „ausgewählten“ Musikfreunden. Für mich befindet sich auf diesem Album jedoch Musik, die ein Grund dafür ist, dass ich überhaupt so gerne und viel Musik höre. Musik, die mich trifft.

Auf „Ágætis Byrjun“ gibt es wieder viel Stimmung und Atmosphäre. Musikalische Eindrücke, Momentaufnahmen, die manchmal sphärischer klingen, ein anderes Mal durchaus rockiger. Alles ist dabei jedoch immer sehr melodiös gehalten. Es klingt und rauscht und summt alles sehr harmonisch. Dazu muss man aber auch etwas mit der Stimme des Jón Þór Birgisson anzufangen wissen, denn die hört sich nicht selten elfenhaft an. Für einen Mann wahrlich ungewöhnlich.

Die Musik ist stets traurig und melancholisch, das Wetter scheint in Island sehr oft schlecht zu sein. Irgendwie passt das alles zu einem verregneten Tag, an dem man sich in seiner Melancholie und Sentimentalität suhlen möchte. Schöne Verzweiflung, die einem da entgegenklingt. Und dann kommt da plötzlich so ein „rockiger“ Song wie „Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm)“. Absolut genial gemacht, schnellere und langsamere Abschnitte, fast schon Geflüster und dann wieder kraftvoller Gesang. Seltsame, verrauschte Hintergrundgeräusche und plötzlich erneut ganz klare Harmonien. Dazu eine zum steinerweichende Melodie, die mal mehr von der Orgel, mal mehr von den Streichern dominiert wird. Da kann ich jedem nur Kopfhörer und Zeit empfehlen.

Fazit: „Ágætis Byrjun“ macht einfach Spaß, wenn man mal was anderes hören möchte. Nichts für das Radio, nichts für die Party und auch keine Musik zum Nebenbeihören. „Ágætis Byrjun“ verlangt die volle Konzentration vom Zuhörer, der dafür allerdings auch belohnt wird. Einfach gute Musik zum Träumen, zum Entspannen und zum Ausklingenlassen des Tages. Elf Punkte.

Anspieltipps: Ný Batterí, Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm), Ágætis Byrjun (Ich hätte außer diesen dreien Titeln aber noch fünf bis sechs weitere dazuschreiben können.)