Ben Howard – Every Kingdom Besetzung: Ben Howard – vocals, guitar, additional guitar, melodica and percusssion Gastmusiker. Chris Bond – vocals, guitars, bass, double bass, drum kit, percussion, keyboards and accordion India Burne – vocals, cello, keyboards, ukulele and bass Label: Island Records Erscheinungsdatum: 2011 Stil: Folk, Pop Trackliste: 1. Old Pine (5:29) 2. Diamonds (4:07) 3. The Wolves (5:09) 4. Everything (4:46) 5. Only Love (4:09) 6. The Fear (4:20) 7. Keep Your Head Up (4:25) 8. Black Flies (6:22) 9. Gracious (4:57) 10. Promise (6:26) Gesamtspieldauer: 50:09
Wer mal die Sehnsucht verspürt, ganz ruhige, melancholische, meist sanfte und überaus sentimentale Musik zu hören, die hauptsächlich von der akustischen Gitarre dominiert wird, dem sei dieses zweite Album des Engländers Ben Howard wärmstens ans Herz gelegt. Denn hier gibt es sie im Überfluss zu hören, diese nachdenklichen Klänge, die mich irgendwie an eine männliche Heather Nova erinnern.
Alle Titel der Platte sind überaus eingängig, Musik für die ruhigen, für die ganz ruhigen Stunden des Tages. Die Gitarre und die Stimme Ben Howards stehen bei jedem der zehn Stücke im Vordergrund, die alle irgendwie zum Träumen und zum Hinübergleiten in eine ganz sanfte und von jeglichem Stress befreite Welt einladen. Traumwandlerisch wird man anschließend durch ganz entspannte Situationen und Eindrücke geleitet, die vor allem eines bewirken: Abstand von den Aufregungen des Tages zu gewinnen.
Fazit: Für manche Hörer vielleicht ein wenig zu weich gespült, aber manches Mal ist es genau diese sanfte Musik, die man benötigt, um wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren, abzuschalten und die berühmten Fünfe einmal gerade sein lassen zu können. Sicherlich kein „Über-Album“, aber eine wirklich sehr schöne Platte, die einen einzunehmen versucht, wenn man sich auf melodiöse und unkomplizierte Musik einlassen kann. Genau das trifft es: Schöne Musik, zumindest für die Träumer unter den Hörern. Neun Punkte.
Anspieltipps: Old Pine, Diamonds, Keep Your Head Up, Promise
Dredg – Catch Without Arms Besetzung: Gavin Hayes – vocals, guitar Mark Engles – lead guitar Dino Campanella – drums, piano Drew Roulette – bass Label: Interscope Records Datum: 2005 Trackliste: 1. Ode To The Sun (4:12) 2. Bug Eyes (4:14) 3. Catch Without Arms (4:12) 4. Not That Simple (4:56) 5. Zebraskin (3:27) 6. The Tanbark Is Hot Lava (3:46) 7. Sang Real (4:29) 8. Planting Seeds (4:13) 9. Spitshine (3:34) 10. Jamais Vu (4:56) 11. Hungover On A Tuesday (4:06) 12. Matroshka (The Ornament) (5:49) 13. Uplifting News (3:22) Gesamtspieldauer: 55:16
„Catch Without Arms“ nannte die US-amerikanische Band aus der San Francisco Bay Area ihr drittes Album, welches 2005 veröffentlicht wurde. Und auf diesem Album hört man gut gemachten Rock, mitunter auch Pop, der allerdings relativ arm an Höhepunkten ist. Das klingt alles nicht schlecht, was die vier Musiker da auf die CD gepresst haben, aber so richtig einfangen kann einen die Musik auch nicht. Sie läuft irgendwie so mit.
Mit progressivem Rock, für den Dredg mitunter ja auch steht, hat das Ganze auch relativ wenig bis gar nichts zu tun. So legt man die CD in den Spieler, macht irgendetwas und die Musik dudelt so mit. Es gibt keinen großartigen Grund, um mal aufzuhorchen. Nun, ganz stimmt das auch nicht. „The Tanbark Is Hot Lava“ überzeugt durch seine kraftvolle Dynamik und das im Anschluss daran folgende „Sang Real“ hat eine tolle Melodie und ist einer dieser Songs, die dann doch relativ schnell ins Ohr gehen, auch wenn das Ende des Stücks mit Gelächter und schließlich verzerrtem Gelächter einigermaßen gewöhnungsbedürftig ist.
Fazit: Was bleibt ist eine ganz nette Pop- und Rockscheibe, die einige schöne Stellen aufweist, manchmal allerdings auch Längen. Ganz sicher keine schlechte Musik, aber Dredg hat auch schon interessantere Platten herausgebracht. Somit stellt „Catch Without Arms“ ein eher durchschnittliches Album dar, nichts Essentielles oder Weltbewegendes (kann das Musik überhaupt?), aber auch nichts Schlechtes. Sieben Punkte.
Guns N’ Roses – Appetite For Destruction Besetzung: W. Axl Rose – all lead vocals, backing vocals, synthesizer and percussion Slash – lead, rhythm and acoustic guitars Izzy Stradlin‘ – rhythm, lead guitars, backing vocals and percussion Duff „Rose“ McKagan – bass guitar and backing vocals Steven Adler – drums Label: Geffen Records Erscheinungsdatum: 1987 Stil: Hard Rock Trackliste: 1. Welcome To The Jungle (4:34) 2. It's So Easy (3:23) 3. Nightrain (4:29) 4. Out Ta Get Me (4:24) 5. Mr. Brownstone (3:49) 6. Paradise City (6:46) 7. My Michelle (3:40) 8. Think About You (3:52) 9. Sweet Child O' Mine (5:56) 10. You're Crazy (3:17) 11. Anything Goes (3:26) 12. Rocket Queen (6:13) Gesamtspieldauer: 53:49
„Appetite For Destruction“ ist das erfolgreichste Debut-Album einer Band oder einer Solo-Künstlerin beziehungsweise eines Solo-Künstlers mit bisher über 28 Millionen Verkäufen. Und dabei hatte es dieses Album zu Beginn gar nicht mal so einfach. Erst ein Jahr nach Erscheinungstermin erreichte es die Nummer 1 der amerikanischen Billboard Charts, da es inzwischen in der Heavy Rotation des Musiksenders MTV gelandet war.
Nun, wer auf Hard’n’Heavy steht, der macht mit „Appetite For Destruction“ natürlich einen guten Griff. Hier wird nicht rumgeeiert, hier wird knallhart darauf losgerockt. Hier knallt es fast ohne Unterbrechung, nur ab und an verirrt sich mal eine langsamere Einleitung oder ein kurzer, etwas zurückhaltender Zwischenteil auf eines der Lieder. Eine Ausnahme bildet da schon das überaus bekannte „Sweet Child O' Mine“, was zwar auch kein „ruhiges“ Lied ist, die hört man bei Leonard Cohen, sondern sich im Mid-Tempo bewegtt. Ansonsten wird gerockt - ohne jegliche Kompromisse. Die Texte handeln von „Sex and Drugs and Rock’n’Roll“. Von was auch sonst müsste man eigentlich fragen. Und das was man da hört ist wahrlich oft mitreißend. Eindrucksvoll natürlich das Gitarren-Spiel und dieser doch irgendwie seltsame Gesang des Axl Rose. Absoluter Wiedererkennungswert garantiert.
Dazu gesellen sich auch immer wieder klasse Melodien (trotz all der Härte), tolle Soli, super getimte Breaks und eine wachrüttelnde Stimmung. Axl Rose brüllt seine Botschaften raus und wenn man als Musikhörer eine Ader für diese Art der Musik hat, kann man bei den Rhythmen und Tempi kaum die Füße still halten. Head-Banging nicht ausgeschlossen.
Fazit: „Appetite For Destruction“ ist das bisher erfolgreichste Debut-Album. Ob es auch die beste Debut-Platte ist liegt natürlich ganz im und am Ohr des Hörers. Mir gefällt das, was ich da zu hören bekomme auch, wenn ich für mich noch bessere Musik kenne, die dann doch ein wenig abwechslungsreicher ist. Die Zeit muss schon reif sein für „Appetite For Destruction“, denn entspannen kann zumindest ich dabei nicht. Viel zu aufregend die Musik. Aber die Platte ist gut, klasse gemachter Hard Rock. Nicht das beste Debut, allerdings das erfolgreichste. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Welcome To The Jungle, Paradise City, Think About You, Sweet Child O' Mine
Eels – Blinking Lights And Other Revelations Besetzung: Performed by Marc Oliver Everett, a man often called E Gastmusiker: With: Koool G Murder, Chet, Puddin’ and Butch Featuring: Bobby, Jr., Tom Waits, John Sebastian and Peter Buck As well as: Todd Simon, Matt DeMerritt, Probyn Gregory, David Hlebo, Jim Lang, Jim Jacobson, Gerri Sutyak, Ludvig Girdland, Michael Valerio, Joe Gore, Wally Gagel, Wayne Bergeron, Andy Martin, Joe Meyer, Bill Liston and Dick Mitchell Label: Vagrant Records Erscheinungsdatum: 2005 Stil: Independent Rock Trackliste: CD1: 1. Theme From Blinking Lights (1:44) 2. From Which I Came/ A Magic World (3:14) 3. Son Of A Bitch (2:27) 4. Blinking Lights (For Me) (2:01) 5. Trouble With Dreams (4:33) 6. Marie Floating Over The Backyard (2:04) 7. Suicide Life (2:42) 8. In The Yard, Behind The Church (4:06) 9. Railroad Man (4:17) 10. The Other Shoe (2:32) 11. Last Time We Spoke (2:23) 12. Mother Mary (3:22) 13. Going Fetal (2:21) 14. Understanding Salesmen (2:43) 15. Theme For A Pretty Girl That Makes You Believe God Exists (2:06) 16. Checkout Blues (2:27) 17. Blinking Lights (For You) (2:00) CD2: 1. Dust Of Ages (2:21) 2. Old Shit / New Shit (3:17) 3. Bride Of Theme From Blinking Lights (1:53) 4. Hey Man (Now You're Really Living) (3:03) 5. I'm Going To Stop Pretending That I Didn't Break Your Heart (3:57) 6. To Lick Your Boots (3:30) 7. If You See Natalie (3:42) 8. Sweet Li'l Thing (3:27) 9. Dusk: A Peach In The Orchard (1:17) 10. Whatever Happened To Soy Bomb (2:27) 11. Ugly Love (2:58) 12. God's Silence (1:26) 13. Losing Streak (2:52) 14. Last Days Of My Bitter Heart (1:36) 15. The Stars Shine In The Sky Tonight (3:31) 16. Things The Grandchildren Should Know (5:22) Gesamtspieldauer: 1:33:41
2005 veröffentlichte Marc Oliver Everett alias „E“ alias „The Eels“ sein sechstes Studio-Album unter dem Namen „Blinking Lights And Other Revelations“. Und dieses Werk hat es wahrlich in sich. 33 Titel befinden sich auf diesem Doppelalbum, welches überaus vielschichtig ist und dessen Songs ihre Qualität über das ganze Album hinweg halten. Kein wirklich schlechter Titel hat sich unter die Lieder geschlichen, jedoch gibt es einige, die aus diesem hohen Anspruch, den alle Titel in sich tragen, noch herausragen.
Die Stimmung des Albums ist entgegen den früheren Veröffentlichungen der Eels mitunter sogar als durchaus fröhlich zu bezeichnen, obwohl sie natürlich auch hier zu finden sind, die tieftraurigen Songs, die geradezu dafür geschaffen sind, einen tristen Novembernachmittag noch ein wenig grauer erscheinen zu lassen. Über allem schwebt jedoch – und da spielt es keine Rolle, welche Stimmung gerade mit dem Lied transportiert wird – eine durchgängige Melodiösität, die sich durch alle 33 Lieder des Albums zieht. Alle Titel wirken harmonisch und ausgereift, bis zum Schluss durchdacht, was sich nicht zuletzt auch in vielen der spannenden Texte widerspiegelt.
Die einzelnen Nummern sind meist sehr ruhig gehalten, gerockt wird so gut wie gar nicht und wenn, dann nur mal abschnittsweise. Es sind die feinen und sanften Töne, die auf „Blinking Lights And Other Revelations“ vorherrschen. Dabei kommt jedoch nie auch nur der Hauch der Langeweile auf, immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken, bei jedem weiteren Hören eröffnen sich neue und bisher überhörte Nuancen, die diese Platte so überaus spannend werden lassen.
Einzelne Titel herauszuheben ist wahrlich schwierig, da die Qualität, wie bereits erwähnt durchgängig gehalten wird. Besonders angetan haben es mir persönlich allerdings die „Blinking Lights“-Titel, das überragende „Whatever Happened To Soy Bomb“ und der letzte Titel des Albums „Things The Grandchildren Should Know“. Diesen Titel wählte Marc Oliver Everett auch für seine sehr lesenswerte Biographie, in der er die sehr bewegende Geschichte seiner Familie beschreibt, genau wie seinen Weg hin zur Musik und was ihn dabei antreibt. Sehr lesenswert – ebenso lesenswert, wie dieses Album hier sehr hörenswert ist.
Fazit: Wer ruhiger Musik mit sehr intelligenten Texten etwas abgewinnen kann, der sollte hier unbedingt mal ein Ohr riskieren. „Blinking Lights And Other Revelations“ ist Harmonie und Poesie pur. Mit diesen 33 Titeln wird man auf eine Reise geschickt, die sich lohnt angetreten zu werden. Musik für die Tagträumer unter den Musikhörern, Musik für Genießer, Musik zum darin Eintauchen, Musik zum Mitlesen, Musik für diejenigen, die unterhalten werden wollen, Musik für diejenigen, die auch mal zwischen den Zeilen lesen möchten. Für solche Scheiben wie diese wurde Musik erfunden. Dreizehn Punkte.
Anspieltipps: Theme From Blinking Lights, Blinking Lights (For Me), Trouble With Dreams, Suicide Life, The Other Shoe, Understanding Salesmen, Blinking Lights (For You), Bride Of Theme From Blinking Lights, Whatever Happened To Soy Bomb, Things The Grandchildren Should Know (Ich weiß, sehr viele Anspieltipps aber sorry, ich kann mich einfach nicht entscheiden.)
Peter Gabriel – Play (DVD) Erscheinungsdatum: November 2004 Laufzeit: 141 Minuten Videoliste: 1. Father, Son 2. Sledgehammer 3. Blood Of Eden 4. Games Without Frontiers 5. I Don’t Remember 6. Big Time 7. Lovetown 8. Red Rain 9. In Your Eyes 10. Don’t Give Up 11. The Barry Williams Show 12. Washing Of The Water 13. Biko 14. Kiss That Frog 15. Mercy Street 16. Growing Up 17. Shaking The Tree 18. Shock The Monkey 19. Steam 20. The Drop 21. Zaar 22. Solsbury Hill 23. Digging In The Dirt Gesamtspieldauer: ~2:21:00
Man kann eine DVD mit Musikvideos natürlich nicht ohne die dazugehörige Musik rezensieren. Dass diese Klasse hat, dürfte bei Peter Gabriel allerdings außer Frage stehen. Und so veröffentlichte Peter Gabriel 2004 eine DVD mit allen, bis dahin veröffentlichten Musikvideos. Ich kann jetzt nicht behaupten, „mit all seinen besten Liedern“, denn da wird jedem Gabriel-Fan eine ganz eigene Liste vor den Augen herumschwirren. Aber es sind zumindest all diejenigen Tracks auf der DVD enthalten, die mit einem Musikvideo geadelt wurden. Die Sammlung ist also komplett.
Mit enthalten ist zum Beispiel auch solch eine Rarität wie „Lovetown“, ein Stück, was den Abspann des Filmes „Philadelphia“ mit Tom Hanks zierte. Die Musik zum Lied läuft auch im Hintergrund der Menüübersicht. Das Lied, wie auch das Video sind einfach genial und vervollständigen somit die Singleauskopplungen aus dem Schaffen des englischen Musikers.
Die Videos Peter Gabriels wurden häufig mit Preisen für ihre Innovation und Umsetzung überhäuft. Legendär dabei natürlich das Video zu „Slegehammer“. Aber auch alle anderen Klassiker wie „Games Without Frontiers“, „Solsbury Hill“ „Biko“, „Diggin‘ In The Dirt“, „I Don’t Remember“ und und und sind auf der DVD vertreten. Da macht es richtig Spaß, es sich auf dem Sofa bequem zu machen und diese Meisterwerke auch optisch auf sich wirken zu lassen.
Nun, da es diese DVD in den einschlägigen Geschäften auch zu einem Preis gibt, der meist günstiger ist, als eine reguläre Peter Gabriel CD, kann man beim Kauf dieses Datenträgers eigentlich nicht viel falsch machen. Als Extras befinden sich auf der DVD noch einige Trailer, „Games Without Frontiers“ in einer Liveversion aus dem Jahr 2004, ein Video zu „Modern Love“, ein sphärisches Video mit dem Namen „The Nest That Sailed The Sky“, sowie die Credits.
Fazit: Auch wenn ich solche Lieder wie „Kiss That Frog“ oder „Big Time“ nicht so mag, so gibt die DVD doch einen sehr schönen Überblick über das Schaffen Gabriels nach seinem Ausstieg bei Genesis. Und da diese DVD auch vollständig ist, lohnt sich deren Erwerb - völlig ohne Zweifel. Diese DVD ist ein absoluter Genuss und dafür muss es einfach 14 Punkte geben.
Leonard Cohen – Ten New Songs Besetzung: Leonard Cohen – vocals Gastmusiker: Sharon Robinson – all instruments, vocals Bob Metzger – guitar David Campbell – string arrangements Label: Columbia Records Erscheinungsdatum: 2001 Stil: Pop, Soul Trackliste: 1. In My Secret Life (4:56) 2. A Thousand Kisses Deep (6:29) 3. That Don't Make It Junk (4:28) 4. Here It Is (4:19) 5. Love Itself (5:26) 6. By The Rivers Dark (5:21) 7. Alexandra Leaving (5:26) 8. You Have Loved Enough (5:42) 9. Boogie Street (6:05) 10. The Land Of Plenty (4:36) Gesamtspieldauer: 52:47
Neun Jahre dauerte es, bis Leonard Cohen sein zehntes Album aufnahm. Inzwischen war er zum Mönch erklärt worden, nachdem er jahrelang in einem buddhistischen Kloster gelebt hatte. Alle Lieder auf dem Album schrieb er zusammen mit Sharon Robinson, die auch alle Instrumente, bis auf die Gitarre, selbst einspielte. Erstmals war ein Cohen-Album zudem digital aufgenommen worden. Das Job-Sharing beim Komponieren lief anscheinend so ab, dass Leonard Cohen für die Texte, Sharon Robinson für die Musik zuständig war.
Die Musik ist, wie immer bei einem Leonard Cohen Album, sehr ruhig gehalten. Folk ist das allerdings nicht mehr, Pop mit Soul- und Blues-Einflüssen beschreibt die Musik auf „Ten New Songs“ wohl noch am besten. Manches Mal gibt es sogar so etwas wie angedeutete Gospel-Einschübe. Eingängig ist es auch wieder, wenn auch nicht dergestalt, dass die Lieder sich unmittelbar, gleich beim ersten Hören im Gehirn festsetzen. Ein paar Durchgänge benötigt man da schon. Auch gelingt dies nicht bei jedem Song, denn mitunter leben diese auch von der Monotonie, welche einem längeren Verweilen im Musikzentrum des Gehirns entgegenwirkt.
Schade, dass Leonard Cohen auch bei den Aufnahmen zu „Ten New Songs“ erneut auf einen Drum-Computer setzte, denn dieser Sound klingt einfach billig und oberflächlich. Für ein Lied kann man diesen natürlich mal einsetzen, aber über die gesamte Länge eines Albums erfordert das schon eine gewisse, gar nicht mal so geringe Toleranz beim Hörer.
Fazit: Ich kann jeden verstehen der sagt, diese Platte sei ihm zu ruhig, zu monoton, zu einförmig. Genau das ist sie auch, sehr ruhig, oftmals monoton und auch einförmig. Aber das alles wiederum ist auch eine Stärke der Platte, die ihre Höhepunkte in der Stille hat. Musik zum Ausruhen, die auch ganz entspannt nebenher laufen kann. Ein Nachteil sind die fehlenden „echten“ Instrumente. Alles ist hier digital, so verwundert es auch nicht, dass Sharon Robinson das alles selbst einspielen konnte. Viel zum Einspielen gab es da nämlich nicht. Mich packt das alles auch nicht mehr. Die Stimme Leonard Cohens ist schön, klar. Die Musik allerdings erschließt sich mir nicht mehr, packt mich nicht mehr, regt mich noch nicht mal mehr auf. Die Musik auf „Ten New Songs“ plätschert so dahin. Sechs Punkte.
Anspieltipps: A Thousand Kisses Deep, Here It Is, By The Rivers Dark
Caribou – Andorra Besetzung: Daniel Victor Snaith – ohne Instrumentenangabe und zumindest wohl noch ein paar Background-Sängerinnen Label: cityslang Erscheinungsdatum: 2007 Stil: Pop, Electronica Trackliste: 1. Melody Day (4:11) 2. Sandy (4:09) 3. After Hours (6:15) 4. She's The One (4:00) 5. Desiree (4:12) 6. Eli (3:05) 7. Sundialing (4:40) 8. Irene (3:38) 9. Niobe (8:51) Gesamtspieldauer: 43:01
„Caribou“ ist das „Bandprojekt“ des Kanadiers Daniel Victor Snaith. Die Musik, die auf „Andorra“ zu hören ist, ist wahrlich schwer in Worte zu fassen. Was ist das denn jetzt? Elektronische Musik, klar. Dazu wird aber auch gesungen. Sehr zurückhaltend akzentuiert und relativ hoch für einen Mann. Irgendwie klingt das Ganze auch interessant, bewegt sich manches Mal allerdings auch gefährlich nahe an der Grenze zum zu synthetischen Pop. Richtig eingängig sind die einzelnen Titel meistens erst beim zweiten oder dritten Hören. Sofort ins Ohr geht allerdings zum Beispiel der Opener „Melody Day“, ein Stück, welches bereits während des ersten Abspielens gefallen kann. Dabei ist auch der Rest der Platte weit davon entfernt unmelodisch zu sein. Trotzdem ist das Gesamtprodukt irgendwie sehr schwer greifbar, wirkt mitunter trotz oder gerade wegen des vielen Synthesizer-Sounds fast schon mystisch.
Die Musik ist meist im Mid-Tempo angesiedelt, klingt ab und an ein wenig gehetzt, aber doch weitestgehend unaufdringlich. Mitunter ist der Hintergrund mit hellen Frauenchören versehen worden, was die einzelnen Lieder noch ein wenig eingängiger werden lässt. Überhaupt die Gesangsarrangements. Diese wirken sehr ausgetüftelt und erzeugen mitunter eine fast schon unwirkliche Stimmung, die den Hörer fesseln kann. Der Synthesizer spielt meistens die dominante Rolle und gibt die Ausrichtung der einzelnen Songs vor. Alles klingt und das gar nicht mal schlecht. Etwas nervig wird es nur dann, wenn das Tempo doch mal angezogen wird, dann wirkt die Musik unruhig und unrund. In diese Richtung geht für mich so ein Titel wie „Sandy“, der allzu offensichtlich Eingängigkeit produzieren soll, dabei allerdings ein wenig überproduziert und langweilig wirkt.
„Desiree“ ist da das andere Extrem. Sehr ruhig gehalten und im weiteren Verlauf sogar ein wenig sphärisch wirkend und mit seinen Glocken-, Bläser- und Streicher-Sounds an Weihnachten erinnernd, kommt hier fast schon eine feierliche Stimmung auf. „Sundialing“ groovt im Gegensatz dazu richtiggehend. Klasse hier auch der Querflötensound, der allerdings wohl dem Synthesizer entspringt. Bei „Irene“ übertreibt es Daniel Snaith dann mit diesen elektrischen Sounds. Jetzt klingt es leider nur noch künstlich, plastikmäßig. Dies liegt nicht zuletzt auch an der hier überhaupt nicht passen wollenden Rhythmusmaschine. Sehr elektronisch, mit Sounds, die irgendwo zwischen Tangerine Dream und manchmal fast schon Techno liegen, wird das Album schließlich mit „Niobe“ beendet.
Fazit: Es ist ein sehr schmaler Grat, den Daniel Victor Snaith mit Caribou hier beschreitet. Einerseits gibt es auf „Andorra“ mitunter wirklich schöne Melodien zu bestaunen, andererseits läuft der Sound immer wieder Gefahr manchmal einfach zu elektronisch, etwas billig wirkend aus den Boxen zu wabern. Das erzeugt beim Hörer einen etwas zwiespältigen Eindruck, der zwischen „ganz nett“ und dann wieder „etwas nervend“ hin- und herpendelt. Ich finde die Musik interessant, weil es so etwas in der Art nicht allzu häufig gibt. Muss allerdings auch gestehen, dass ich mir das nicht jeden Tag anhören kann - aber immer wieder mal ganz gerne. Neun Punkte.
Anspieltipps: Melody Day, She's The One, Sundialing
Golden Earring – On The Double Besetzung: George Kooymans – guitar, vocals Rinus Gerritsen – bass, keyboards Barry Hay – rhythm guitar, flute, vocals Jaap Eggermont – drums Label: Polydor Erscheinungsdatum: 1969 Stil: Pop, Rock Trackliste: 1. Songs On A Devil's Servant (3:47) 2. Angelina (3:12) 3. Pam Pam Poope Poope Loux (2:47) 4. Hurry, Hurry, Hurry (4:24) 5. My Baby Ruby (3:19) 6. Judy (1:47) 7. Goodbye Mama (3:08) 8. Murdock 9-6182 (3:14) 9. Just A Little Bit Of Peace In My Heart (5:20) 10. The Sad Story Of Sam Stone (2:29) 11. High In The Sky (3:25) 12. Remember My Friend (2:59) 13. Time Is A Book (4:07) 14. Backbiting Baby (5:38) 15. I'm A Runnin' (3:27) 16. I Sing My Song (4:01) 17. Mitch Mover (3:02) 18. God Bless The Day (2:42) 19. The Grand Piano (3:27) Gesamtspieldauer: 1:06:14
Im Jahr 1969 veröffentlichten Golden Earring zwei Alben. Einmal diese ursprüngliche Doppel-LP im Januar und schließlich „Eight Miles High“ im November. Während auf „Eight Miles High“ bereits progressivere Töne zu hören sind, so klingt “On The Double“ ganz in der Tradition des Vorgängers „Miracle Mirror“. Auch auf diesem vierten Album der Niederländer gibt es meist Pop bis Rock zu hören, der typisch ist für die ausgehenden 60er Jahre.
Aber die Ausnahme von dieser Regel gibt es bereits. „Backbiting Baby“ klingt rockiger, wird dominiert von einem fetten Orgelsound und ist sehr viel umfangreicher aufgebaut als die anderen Titel der Platte. Das kommt dann dem progressiven oder wohl doch eher dem psychedelischen Rock schon sehr nahe. Auch „Just A Little Bit Of Peace In My Heart“ wurde aufwendiger arrangiert. Viele Streicher gibt es hier zu hören und das Stück läuft nicht in einem durch, sondern besteht auch aus verschiedenen, miteinander verbundenen Teilen.
Der Rest der Platte klingt. Dies zwar größtenteils nach der Devise Strophe – Refrain – Strophe – Refrain usw. jedoch mit meist schönen Melodien. Besonders hervorzuheben wären da „Angelina“, „Remember My Friend“ und „The Grand Piano“. Tolle und eingängige Nummern, die auch nachhallen. Die übrigen Lieder sind alle von der Sorte: Sixties-Pop mit angenehmer Melodieführung. Harmonisch und ohne große Schnörkel. Ganz okay.
Fazit: „On The Double“ ist ein schönes Album geworden, eine Platte die einfach gut klingt. Neben einigen durchschnittlichen Titeln gibt es hier auch ein paar Höhepunkte, die sich lohnen. Progressiver Rock ist das zwar nur ganz selten, aber die Ansätze kann man hier bereits hören und sie werden schließlich auf dem nächsten Album noch sehr viel deutlicher ausgelebt. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Angelina, Remember My Friend, Backbiting Baby, The Grand Piano
The Unwinding Hours – The Unwinding Hours Besetzung: Craig B – vocals, guitar Iain Cook – guitar, bass guitar, piano Gastmusiker: Alex Grant –bass guitar Jonny Scott – drums Campbell McNeil – bass guitar Martin Doherty – piano, guitar Graeme Smillie – bass guitar Label: Chemikal Underground Records Erscheinungsdatum: 2010 Stil: Post Rock Trackliste: 1. Knut (5:56) 2. Tightrope (3:21) 3. Little One (4:16) 4. There Are Worse Things Than Being Alone (5:02) 5. Solstice (2:56) 6. Peaceful Liquid Shell (5:03) 7. Child (4:46) 8. Traces (3:56) 9. Annie Jane (4:51) 10. The Final Hour (5:22) Gesamtspieldauer: 45:30
Die schottische Band Aereogramme hat einfach nicht den Durchbruch geschafft. Schade, denn deren Musik war wahrlich nicht schlecht. Auf jeden Fall haben zwei der ehemaligen Mitglieder der Band, Sänger und Gitarrist Craig B sowie Bassist Iain Cook nach der Auflösung von Aereogramme eine neue Band gegründet. Diese heißt „The Unwinding Hours“, genau wie ihr Erstlingswerk und erschien 2010, drei Jahre nach der letzten Veröffentlichung von Aereogramme.
Nun, wer auf ruhige Musik steht, auf sehr ruhige wohlgemerkt, der sollte unbedingt mal ein Ohr bei den Unwinding Hours riskieren. Denn diese machen zarte, nur ganz sanft akzentuierte Musik, die durchgehend sehr melodiös und harmonisch klingt. Allerdings läuft diese auch ein wenig Gefahr, durch die immer gleich bleibende Geschwindigkeit der einzelnen Stücke, mit der Zeit etwas langweilig zu wirken.
Das ist allerdings nicht so beim Opener des Albums mit dem Titel „Knut“. Ich weiß nicht, ob da jener Eisbär Knut aus dem Berliner Tiergarten mit gemeint war, dessen Aufzucht weltweit Wellen schlug. Aus dem Text geht das jedenfalls nicht hervor, denn der lautet: „If we care, We will, We must, Get out“. Und diese neun Worte werden immer und immer wieder wiederholt. Dabei steigert sich allerdings die Geschwindigkeit wie die Lautstärke des Songs, was sehr gelungen ist und richtig gut klingt.
Nicht bei jedem Lied werden die Drums eingesetzt, oftmals gibt es allerdings Streicher zu hören, die in den Credits auf dem Album allerdings nicht erwähnt werden. Diese tragen natürlich noch zusätzlich zu dieser getragenen Stimmung bei, die dem ganzen Album anhaftet. Das wirkt alles so melancholisch verträumt und auch mitunter traurig, dass man die Musiker fast drücken möchte, damit sie mal wieder auf heiterere Gedanken kommen. Beim letzten Song „The Final Hour“ geben sie dann zum Schluss noch mal alles, was sich durchaus positiv, wenn auch für das Album ungewohnt, vom Rest abhebt.
Fazit: Wenn man im Kopf hat zu springen und diese Musik hört – dann springt man. Trotzdem ist das schön, was The Unwinding Hours da auf CD gepresst haben. Nur eben sehr, sehr traurig und melancholisch. Perfekte Musik für einen Abend vor dem Kamin, wenn man den denn besitzt oder um den Tag mal ganz ruhig ausklingen zu lassen. Manchmal vielleicht ein bisschen zu ruhig, aber nichts anderes scheint das Ziel der Schotten gewesen zu sein: Schöne, ruhige Musik. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Knut, Peaceful Liquid Shell, Traces, The Final Hour
Genesis – Trespass Besetzung: Peter Gabriel – lead vocals, flute, accordion, tambourine, bass drum Anthony Phillips – acoustic 12-string guitar, lead electric guitar, dulcimer, voices Anthony Banks – organ, piano, mellotron, guitar, voices Michael Rutherford – acoustic 12-string guitar, electric bass, nylon, cello, voices John Mayhew– drums, percussion, voices Label: Virgin Records Erscheinungsdatum: 1970 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Looking For Someone (7:06) 2. White Mountain (6:44) 3. Visions Of Angels (6:52) 4. Stagnation (8:50) 5. The Dusk (4:13) 6. The Knife (8:56) Gesamtspieldauer: 42:40
Das zweite Genesis Album „Trespass“ ist eigentlich das erste Genesis-Album. Nicht zeitlich gesehen, sondern von der Musik her. Waren auf dem ersten Album noch quasi Pop-Lieder der ausgehenden 60er Jahre zu hören, so gibt es auf „Trespass“ zum ersten Mal progressiven Rock für den Hörer – und diesen gleich auf allerhöchstem Niveau.
Phil Collins ist zu dieser Zeit noch nicht Mitglied der Band, er sollte erst auf dem nächsten Album „Nursery Crime“ mit von der Partie sein. Genau wie Steve Hackett, der dort dann Anthony Phillips an der Gitarre ersetzen sollte.
Die Musik ist auf „Trespass“ allerdings bereits jene, die auch auf den nächsten vier Alben zu hören sein wird, bei denen Peter Gabriel noch Teil der Band war. Deshalb auch der obige Einwurf vom „ersten“ richtigen Genesis-Album. Denn was man hier zu hören bekommt ist Progressive Rock vom Allerfeinsten. Wunderschöne Melodien, ausgedehnte Solo-Passagen, Rhythmus- und Tempowechsel, Spannung vom ersten bis zum letzten Takt. Und diese progressive Rock-Musik kann hier sogar, wie beim letzten Titel „The Knife“, auch mal etwas „härter“ klingen.
Das Album schäumt über vor tollen Ideen, überraschenden Wendungen und eben diesen Harmonien, dieser Melodiösität, die die Genesis-Platten Anfang der 70er Jahre zu einem Erlebnis werden lassen. Die Texte sind zumeist sehr mystisch und passen sich in ihrer Akzentuierung der Musik an – oder umgekehrt. Eine Besonderheit, die man heute in der Musik kaum noch hört. Wenn es jedoch auf „Trespass“ bei einem der Songs textlich „spannend“ wird, dann legt auch die Musik die entsprechenden Takte vor. Da hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht. Das wirkt alles sehr ausgereift und wohlüberlegt, ohne sich dabei konstruiert anzuhören.
Fazit: Wem die nächsten Alben von Genesis bis „The Lamb Lies Down On Broadway“ gefallen, der kann auch hier ohne Bedenken zugreifen. Auch wenn auf „Trespass“ noch nicht die „klassische“ Besetzung am Werk ist, ist diese Platte ein wahres Füllhorn toller progressiver Musik, mit allen Zutaten, die dafür notwendig sind. Einfach richtig gute Musik. Dreizehn Punkte.
Devotchka – A Mad And Faithful Telling Besetzung: Nick Urata – ohne Instrumentenangabe Thomas Hagerman – violin I, Rest ohne Instrumentenangabe Jeanie Schroder – ohne Instrumentenangabe Shawn King – ohne Instrumentenangabe Gastmusiker: Takanori Sugishita – violin II Leah Nelson – viola Charles Lee – cello Tom Echols – hot guitar Jacob Valenzuela – trumpet Ron Miles – trumpet Timur Bekbosunov – background vocals Alexandra Walker – background vocals Label: Anti Inc. Erscheinungsdatum: 2008 Stil: Weltmusik, Gypsy Jazz Trackliste: 1. Basso Profundo (5:15) 2. Along The Way (4:02) 3. Clockwise Witness (4:38) 4. Head Honcho (3:45) 5. Comrade Z (2:25) 6. Transliterator (4:32) 7. Blessing In Disguise (5:50) 8. Undone (5:03) 9. Strizzalo (1:31) 10. New World (5:15) Gesamtspieldauer: 42:14
Devotchka machen auf „A Mad And Faithful Telling“ Musik, die nur ganz schwer in ein Raster passt. Klar klingt das immer wieder mal nach Pop- beziehungsweise Rock-Musik, aber dann hört man wiederum slawische Klänge, Mariachi-Musik, Zigeuner-Musik-Anleihen und und und. Somit ist das Gesamtergebnis dieses Albums ein Stil-Mix, der in sich jedoch geschlossen ist. Soll heißen, man ist bereits nach den ersten Tönen nicht sonderlich überrascht, was da so alles auf einen zukommt, was es da so alles zu hören gibt, denn irgendwie passt das Ganze dann doch gut zusammen.
Dabei kann einen sicherlich nicht alles sofort packen. Manch ein Lied ist sogar mitunter sehr gewöhnungsbedürftig und passt so gar nicht in das Beuteschema einen Rock-Hörers. Und wer nicht offen ist, für manchmal auch etwas andere Klänge, der wird diese CD mit Sicherheit bereits nach wenigen Takten weglegen. Allerdings würde diese Hörerin, dieser Hörer etwas verpassen, denn es haben sich wahrlich Perlen auf der CD versteckt, die es zu entdecken gilt. Dabei kann es allerdings häufig passieren, dass dieser oder jener Song noch nicht nach dem ersten Hören seinen Reiz offenlegt. Diese Aussage gilt definitiv nicht für das Stück „Clockwise Witness“. Der Titel zündet bereits nach dem ersten Mal. Auch dieses Stück ist kein 08/15-Pop oder Rock, sondern ein außergewöhnliches Lied, welches mit seinen Glöckchen und einer Violine zugleich ungewöhnlich wie eingängig klingt. Aber genau letztere Eigenschaft bewirkt die sofortige Nachhaltigkeit des Songs, bei dem es weit weniger „volkstümliche“ Anleihen zu erhören gibt, als auf manch anderem Lied des Albums „A Mad And Faithful Telling“.
Auch „Undone“ geht in diese Richtung und könnte auch von Bands wie Lilium stammen. Zwar ein klein wenig spanisch angehaucht, entwickelt sich auch hier eine sehr eingängige Melodieführung in Form sanfter und wohlklingender Gesangs-, Akkordeon- und Violin-Passagen, die einfach Spaß machen. An dieser Stelle sollten auch die letzten beiden Titel nicht unerwähnt bleiben. „Strizzalo“ ist dabei eine kurze und wieder sehr harmonische Instrumentalnummer, wohingegen „New World“ ein getragenes Pop-Lied darstellt, welches allerdings einige Durchläufe benötigt, um hängen zu bleiben.
Nun, der Rest des Albums, das sind diese bereits erwähnten Lieder, die sich mal nach slawischer, mal nach mexikanischer Folklore anhören. Auch diese Stücke klingen wahrlich nicht schlecht, obgleich sie natürlich für das Ohr des „normalen“ Pop- und Rockkonsumenten eine Herausforderung darstellen. Aber das etwas längere Beschäftigen mit diesem Album lohnt auch hier, da sich richtig neue Welten für den Zuhörer erschließen. Denn auch wenn das ein oder andere Stück gewöhnungsbedürftig zu sein scheint, nach mehrmaligem Hören offenbaren eben auch diese Titel ihren ganz eigenen Reiz.
Fazit: Devotchka, abgeleitet vom russischen Wort für Mädchen „Dewotchka“, machen schon ganz schön eigenartige Musik. Aber genau darin liegt der Reiz der Band aus Denver, Colorado, USA. Wer russischen und mexikanischen Weisen etwas abgewinnen kann, der wird mit diesem Album seine Erfüllung finden. Allerdings gibt es auch Klänge, die nicht in diese Richtung gehen und somit auch für den „Otto Normalverbraucher“ eine Bereicherung darstellen können. Aber, man muss sich eben auf das ganze Album einlassen können. Für mich klingt das alles sehr spannend. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Clockwise Witness, Undone, Strizzalo, New World