Mittwoch, 15. Mai 2013

And You Will Know Us By The Trail Of Dead – And You Will Know Us By The Trail Of Dead




And You Will Know Us By The Trail Of Dead – And You Will Know Us By The Trail Of Dead


Besetzung:

Jason Reece – ohne Instrumentenangabe
Conrad Keely – ohne Instrumentenangabe
Kevin Allen – ohne Instrumentenangabe
Neil Busch – ohne Instrumentenangabe



Label: Trance Syndicate Records


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Rock, Hard Rock


Trackliste:

1. Richter Scale Madness (3:45)
2. Novena Without Faith (8:25)
3. Fake Fake Eyes (2:43)
4. Half Of What (3:07)
5. Gargoyle Waiting (6:51)
6. Prince With A Thousand Enemies (3:59)
7. Ounce Of Prevention (3:17)
8. When We Begin To Steal... (7:46)

Gesamtspieldauer: 39:52




Beim Titel ihres ersten Albums griff die Band, wie so viele vor und nach ihr, auf den eigenen Bandnamen zurück „…and you will know us by the trail of dead“, der einer alten Maja-Schrift entnommen wurde und zunächst eher spaßig gemeint war, sich dann allerdings etablierte und beibehalten wurde.

Die Musik, die auf dem Debut der US-Amerikaner zu hören ist, ist knallharter Rock und hat nicht allzu viel mit dem zu tun, was die Musiker in den späteren Jahren ihres Bestehens veröffentlichen sollten. Dies klingt dann schon eher ein wenig nach Progressive Rock, immer noch „hart“ zwar, aber sehr viel differenzierter.

Somit ist die Debut-Platte eine Scheibe geworden, an der Freunde der härteren Töne durchaus ihre Freude haben dürften. Obwohl man das sogar ein wenig einschränken muss, denn selten habe ich eine Scheibe gehört, die so dermaßen schlecht abgemischt wurde. Alles klingt ein wenig übersteuert, die einzelnen Instrumente verwischen und der Gesang geht in den ruhigeren Abschnitten, die es ab und an auch zu hören gibt, unter. In den lauteren Stellen hört er sich eher wie Geschrei, denn wie Gesang an. Bei diesem Sound kann man sich als Sänger allerdings sowieso kaum durchsetzen.

Auch sonst hat diese Scheibe deutlich weniger zu bieten als die späteren Werke von And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Es wird zwar kompromisslos gerockt, ein klein wenig mehr Abwechslung hätte der Platte allerdings dann doch ganz gut getan. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass gerade die drei Titel, die ein bisschen anders klingen und ein wenig Auffrischung in das doch sonst „laute“ Einerlei bringen gerade jene sind, die besser hängenbleiben, die einen gewissen Wiedererkennungswert haben. Nicht zuletzt auch dadurch, dass man hier nicht nur Lautstärke hört, sondern auch die einzelnen Instrumente und den Gesang besser voneinander differenzieren kann. Hier ist dann auch eine Melodie und ein Konzept erkennbar, welches nicht nur bedeutet: Jetzt lassen wir es mal ganz ordentlich krachen. Diese drei Nummern sind auch unten als Anspieltipps aufgeführt.

„Heavy-Fans“ werden jetzt behaupten, dass die Songs eben kompromisslos losknallen. Da kann ich sogar zustimmen, allerdings machen das AC/DC auch – und hier kann man sehr wohl noch eine Songstruktur erkennen und hört (sorry) mitunter nicht nur übersteuerten und unausgereiften Krach. Zudem haben die Lieder hier auf And You Will Know Us By The Trail Of Dead auch nicht die Qualität, um länger hängenbleiben zu können. Irgendwie klingt das alles ein wenig nach „Ausprobieren“. Das sollte sich aber bald bei The Trail Of Dead ändern. Glücklicherweise!

Fazit: And You Will Know Us By The Trail Of Dead sind eine geniale Band, eine meiner Lieblingsbands. Produziert wurde das Album von einem gewissen Chris Smith und den Musikern selbst. Zumindest dieser Chris Smith hätte die Jungs aus Texas mal auf die Wirkung der CD in dieser Abmischung aufmerksam machen sollen. Für die vier jungen Musiker war das ja noch alles Neuland damals. Leider nur sechs Punkte, denn richtig gut ist das wahrlich (noch) nicht in meinen Ohren.

Anspieltipps: Novena Without Faith, Gargoyle Waiting, When We Begin To Steal...



Dienstag, 14. Mai 2013

Johnny Cash – American Recordings




Johnny Cash – American Recordings


Besetzung:

Johnny Cash – vocals, guitar


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Alternative Country, Folk


Trackliste:

1. Delia's Gone (2:18)
2. Let The Train Blow The Whistle (2:16)
3. The Beast In Me (2:46)
4. Drive On (2:24)
5. Why Me Lord (2:21)
6. Thirteen (2:30)
7. Oh, Bury Me Not (Introduction: A Cowboy's Prayer) (3:53)
8. Bird On A Wire (4:02)
9. Tennessee Stud (2:55)
10. Down There By The Train (5:35)
11. Redemption (3:04)
12. Like A Soldier (2:50)
13. The Man Who Couldn't Cry (5:01)

Gesamtspieldauer: 41:52




„American Recordings“ ist der erste Teil der „American Recordings“-Serie, die bis zum Jahr 2010 mit dem sechsten Teil fortgesetzt wurde. Dieser erste Part der Reihe unterscheidet sich noch von den anderen Veröffentlichungen, da hier wirklich nur Johnny Cash selbst an der akustischen Gitarre zu hören ist – ohne jegliche Begleitmusiker. Vier Titel stammen dabei aus der Feder Johnny Cashs, die restlichen neun Lieder sind Cover-Versionen diverser anderer Künstler.

Die Musik auf „American Recordings“ ist überaus ruhig gehalten, was bei einer Instrumentierung mit lediglich Gesang und Gitarre nicht weiter verwunderlich ist. Im Zentrum steht dabei die tiefe und sonore Stimme des US-Amerikaners. Die Musik des „Man In Black“ wird hier zwar allgemein unter dem Genre Country beziehungsweise Alternative Country eingereiht, klingt auf dem Album allerdings sehr viel eher nach Folk, wobei die Grenzen zwischen diesen Musikstilen sowieso oft verschwimmen.

Sanfte Musik zum Träumen gibt es auf dem Album zu hören. Alles wirkt sehr entspannt aber durchaus intensiv. Allerdings ist die Songauswahl Johnny Cashs hier nicht ganz so gelungen, wie auf späteren Veröffentlichungen dieser Serie. Der Stil der Titel wird über die ganze Laufzeit des Albums hinweg durchgezogen, was die Platte zum einen konsequent und in sich geschlossen erscheinen lässt, allerdings auch die Gefahr der Monotonie ein klein wenig heraufbeschwört.

Fazit: „American Recordings“ gilt als das Comeback Johnny Cashs, nachdem es in den 80er Jahren ruhiger um den Künstler geworden war, was sich auch in den Verkaufszahlen diverser Veröffentlichungen äußerte. Das Album wurde mit Preisen überhäuft und erscheint in diversen Ranglisten. Bei mir persönlich wollen allerdings einige Titel nicht so recht zünden, auch wenn ich die Gesamtatmosphäre der Platte in ihrer Melancholie überaus gelungen finde. Jedoch können die späteren Veröffentlichungen Johnny Cashs gerade durch die viel intensiveren Titel deutlich mehr überzeugen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Thirteen, Redemption






Montag, 13. Mai 2013

Grobschnitt – Razzia




Grobschnitt – Razzia

Besetzung:

Toni Moff Mollo – Perkussion, Gesang
Lupo – Gitarre
Erke Eroc – Schlagzeug, Keyboards
Milla Kapolke – Bass, Gesang
Willi Wildschwein – Gesang, Gitarre


Label: Metronome Musik GmbH


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Der Alte Freund (4:19)
2. Schweine Im Weltall (4:05)
3. Poona-Express (5:25)
4. Wir Wollen Leben (4:10)
5. Wir Wollen Sterben (3:36)
6. Remscheid (4:28)
7. Razzia (8:35)

Gesamtspieldauer: 35:19




Irgendwie haben es die 80er Jahre geschafft, so gut wie alle Heroen, alle diese Bands zu „schaffen“, die vorher mitreißende Musik erschaffen haben. Ganz egal, ob man die englischen Bands betrachtet oder die deutschen Krautrock-Ableger - mit dem Wachsen des Punks und auch des New Waves war es weitestgehend vorbei mit progressiven Tönen der „alten Garde“. Die Musik wurde vereinfacht. Auch auf „Razzia“ von Grobschnitt aus dem Jahr 1982 hört man häufig geradlinigen und schnörkellosen Rock – und tatsächlich sogar auch die Neue Deutsche Welle wie bei dem unsäglichen „Schweine Im Weltall“, bei dem unter anderem laut „Oink, Oink, Oink“ gerufen wird. Nun, Extrabreit stammen ebenfalls aus Hagen und dieses Lied erinnert stark an „Hurra die Schule brennt“ von genau jener Band, wobei deren Version aus dem Jahr davor um Klassen besser gelungen ist.

Ansonsten wird meist irgendwie gerockt, ohne großartig Nachhaltigkeit zu versprühen, dabei wird sogar textlich beim Song „Der Alte Freund“ Bezug zur Neuen Deutschen Welle genommen. Und dann gibt es da noch das wahrlich peinliche „Wir Wollen Leben“. Deutscher Schlager Text zu Computermusik. Wohl irgendwie als Hymne geplant kommt es dabei zu Textkreationen wie: „Die Macht marschiert in Reih' und Glied, Sie hat Pistolen, Peitschen, Panzerglas, Wir haben unser kleines Lied.“ Dieses Lied wurde übrigens auf Platz 1 der Schlagerrallye des WDR2 im Jahr 1982 gewählt. Mann, waren das Zeiten.

Genauso katastrophal hört sich der nächste Titel „Wir Wollen Sterben“ an. Kirchenchoräle füllen den Song und irgendwie wirkt das Ganze nicht lustig sondern eher peinlich. Das hätte nun wirklich nicht mehr sein müssen. Aber trotzdem hält diese Platte auch noch etwas für Freunde der früheren Musik der Band parat: Den Titelsong. Auch diese Nummer beginnt sehr rockig, erinnert am Anfang sogar stark an Hard Rock. Rockt auf interessante und durchaus eingängige Weise weiter, bis er in einen, jetzt wirklich spannenden Instrumental-Part mündet, der durchaus noch ein wenig an „Progessive Rock“ erinnert. Die Nummer lohnt sich und wird schließlich sehr sphärisch ausgeblendet.

Fazit: Es blitzt noch mal auf, dieses „Solar-Music-Feeling“. Ganz zum Schluss. Das war es allerdings leider auch schon. Der Rest ist unspektakulärer Rock gepaart mit Neuer Deutscher Welle und noch einigen weiteren kurzen Anleihen. „Früher war alles besser!“ Na in Bezug zu Grobschnitts Diskographie trifft das den Nagel auf den Kopf. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Poona-Express, Razzia




Sonntag, 12. Mai 2013

Genesis – Selling England By The Pound




Genesis – Selling England By The Pound


Besetzung:

Peter Gabriel – vocals, flute, percussion, oboe
Michael Rutherford – 12-string guitar, bass, electric sitar
Stephen Hackett – electric guitar, nylon guitar
Tony Banks – keyboards, 12-string guitar
Phil Collins – drums, percussion, vocal


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Dancing With The Moonlit Knight (8:04)
2. I Know What I Like (In Your Wardrobe) (4:08)
3. Firth Of Fifth (9:37)
4. More Fool Me (3:11)
5. The Battle Of Epping Forest (11:48)
6. After The Ordeal (4:16)
7. The Cinema Show (11:05)
8. Aisle Of Plenty (1:32)

Gesamtspieldauer: 53:43




„Selling England By The Pound“ nannte die englische Band Genesis ihr fünftes Album, welches 1973 veröffentlicht wurde. Und es kann nahtlos an die Qualität seiner Vorgänger anknüpfen. Rock-Musik auf allerhöchstem Niveau mit einer kleinen Ausnahme, aber dazu später mehr.

Wieder ist das Album vollgestopft mit progressiver Rock-Musik, die ihresgleichen sucht. Alles klingt, alles passt, die Musik begeistert. Wunderschöne Harmonien und Melodien breiten sich vor dem Hörer aus. Hier gibt es wieder all jene Zutaten, die den progressiven Rock zu Beginn der 70er Jahre so unvergleichlich machen. Auf „Selling England By The Pound“ wird erneut Stimmung und Atmosphäre geschaffen, die Musik und der Gesang sind aufeinander abgestimmt, soll heißen, dass Peter Gabriel den entsprechenden Stellen in der Musik mit seiner Stimme zusätzlichen Ausdruck verleiht. Mal flüstert er, mal schwelgt er, mal wird er lauter, ein anderes Mal ganz zart. Genauso abwechslungsreich ist die Musik, die einen packt und mitreißt.

Einzelne Lieder herauszuheben ist schwierig, da sie alle mit Melodiösität und Einfallsreichtum über und über angefüllt sind. Die letzten drei Stücke des Albums gehen schließlich ineinander über. Und diese letzten circa siebzehn Minuten sind für mich mit das Beste, was jemals in der Musik erschaffen wurde. Musik zum darin Eintauchen, sich fallen lassen, Musik zum Genießen – ohne jede Einschränkung.

Ach ja, eine kleine Einschränkung gibt es dann doch, die habe ich oben ja auch bereits angedeutet. Auf dem Plattencover ist direkt hinter dem Titel „More Fool Me“ angegeben: „Vocals Phil“. Ich glaube darauf wird Peter Gabriel bestanden haben. Das Lied ist mit gut drei Minuten zwar nicht allzu lang, aber für diese Platte hier grottenschlecht und fällt völlig aus dem Rahmen. Ein Pop-Lied, bei dem nicht nur Phil Collins die Inspiration zu fehlen schien und vielleicht ist es schon eine Andeutung von dem, was später, ohne Steve Hackett und Peter Gabriel noch so alles von Genesis zu hören sein sollte.

Fazit: Mit einer kleinen Ausnahme ist „Selling England By The Pound“ ein absolut geniales Album geworden. Wer den progressiven Rock liebt, der wird auch dieses Album lieben. Rock-Musik auf dem allerhöchsten Niveau. Sehr viel besser hat das nur ganz selten geklappt. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Alles außer „More Fool Me“





Samstag, 11. Mai 2013

Golden Earring – Seven Tears




Golden Earring – Seven Tears


Besetzung:

George Kooymans – guitar, vocals
Rinus Gerritsen – bass guitar, keyboards
Barry Hay –flute, vocals
Cesar Zuiderwijk – drums


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Rock, Blues


Trackliste:

1. Silver Ships (5:42)
2. The Road Swallowed Her Name (4:09)
3. Hope (4:47)
4. Don't Worry (3:22)
5. She Flies On Strange Wings (7:23)
6. This Is The Other Side Of Life (3:21)
7. You're Better Off Free (6:45)

Gesamtspieldauer: 35:27




Mit rockigem Blues kann man die Musik auf dem siebten Album von Golden Earring wohl am besten beschreiben. Auch wenn einige Liedlängen auf das Genre Progressive Rock hinweisen, in dem sich Golden Earring mitunter auch bewegte, so hört man diesen hier wirklich nur ganz peripher und höchstens angedeutet.

Neben dem Blues-Rock, der hier allgegenwärtig ist, gibt es dann auch so einen „Spaß“ wie „This Is The Other Side Of Life“ auf „Seven Tears“, bei dem zu Beginn der Gesang rückwärts eingespielt wurde und der Hintergrundgesang im Refrain mit seinen „Ja-Ja-Ja’s“ zumindest etwas seltsam klingt. Aber immerhin hat das Lied einen absoluten Wiedererkennungswert und hebt sich damit auch von vielen der anderen Songs ab. Gut gelungen ist auch noch der Opener „Silver Ships“, der sehr langsam mit akustischer Gitarre und Querflöte eingeleitet wird. Das Tempo wird nun auch über die gesamte Länge des Titels beibehalten. Normalerweise enden Platten häufig mit einer Ballade, hier hat Golden Earring mal den genau umgekehrten Weg gewählt.

Höhepunkt ist sicher das längste Stück der Platte „She Flies On Strange Wings“. Auch ein Blues-Rock-Stück mit dieses Mal allerdings wirklich kleinen progressiven Ansätzen. Das Lied fängt langsam an und entwickelt sich dann zu einem guten Rock-Lied, welches sich durchaus positiv vom Rest der Platte abhebt.

Fazit: „Seven Tears“ ist arm an Höhepunkten. Wer rockigen Blues mag, der wird hier sicher was für sich finden. Auch die Gitarren-Soli auf manchen Stücken klingen ganz gelungen, ansonsten fehlt dem Album vor allem das „Besondere“ beziehungsweise die „richtigen“ Höhepunkte. Die einzelnen Stücke rauschen so an einem vorbei, ohne groß Aufsehen zu erregen und wenn man mit Blues auch nicht ganz so viel anfangen kann, dann wird es schwer mit dieser Platte. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Silver Ships, She Flies On Strange Wings, This Is The Other Side Of Life





Freitag, 10. Mai 2013

10cc – The Very Best Of




10cc – The Very Best Of


Besetzung:

Lol Creme – guitar, keyboards, vocals
Kevin Godley – drums, vocals
Graham Gouldman – bass, vocals
Eric Stewart – guitar, keyboards, vocals
Paul Burgess – drums
Rick Fenn – guitar, vocals
Tony O'Malley – keyboards, vocals
Stuart Tosh – drums, vocals
Duncan Mackay – keyboards, vocals
Vic Emerson – keyboards
Jamie Lane – drums
Steve Piggot – keyboards
Gary Wallis – drums
Geoff Dunn – drums
Alan Park – keyboards


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Rock, Pop, Art Rock


Trackliste:

1. Donna (2:59)
2. Rubber Bullets (4:47)
3. The Dean And I (2:54)
4. The Wall Street Shuffle (3:55)
5. Silly Love (3:19)
6. Life Is A Minestrone (4:30)
7. Une Nuit A Paris (8:41)
8. I'm Not In Love (6:05)
9. Art For Art's Sake (4:22)
10. I'm Mandy Fly Me (5:25)
11. The Things We Do For Love (3:31)
12. Good Morning Judge (2:55)
13. Dreadlock Holiday (4:30)
14. People In Love (3:48)
15. Under Your Thumb (3:43)
16. Wedding Bells (3:27)
17. Cry (3:58)
18. Neanderthal Man (4:13)

Gesamtspieldauer: 1:17:02



Mit „Best Of-Alben“ ist das natürlich immer so eine Sache. Wenn man die Musik einer Band mag, dann holt man sich die offiziellen Studio-Alben und kann mit einer „Best Of-Platte“ dann nichts mehr anfangen, da man die einzelnen Titel sowieso schon besitzt. Anders sieht die Sache aus, wenn man nur eine Übersicht über das Schaffen einer Band oder eines Künstlers haben möchte. Oder wie in diesem Fall, wenn auf dem Album nicht nur die Band selbst vertreten ist, sondern auch die „Ableger“ der Formatrion aufgeführt wurden.

Auf diesem „Best Of-Album“ von 10cc sind auch die Highlights von Godley & Creme sowie der bekannteste Song der Vorgängerband von 10cc „Neanderthal Man“ von den „Hotlegs“ vertreten. Somit bekommt man eine sehr gute Übersicht über das Schaffen der Musiker Lol Creme, Kevin Godley, Graham Gouldman und Eric Stewart. Alle weiteren oben aufgeführten Musiker gehörten, meist allerdings nur für kurze Zeit, ebenfalls zum Line-Up der Band.

Die Musik auf diesem Album ist Pop-Musik bis hin zu Art Rock, überaus abwechslungsreich und wartet mit einigen Highlights auf, die durchaus ihre Spuren in der Musikgeschichte des Pops hinterlassen haben. Dazu gehören die Hits der Band „I'm Not In Love“, „Dreadlock Holiday“, „Wallstreet Shuffle“ und „The Things We Do For Love“ sowie das tolle „Cry“ von Godley & Creme und das bekannteste Lied der Hotlegs aus dem Jahr 1970 „Neanderthal Man“.

Aber auch neben diesen bekannteren Liedern hat die Platte einige Höhepunkte des Pop zu bieten wie „I'm Mandy Fly Me“, „Une Nuit A Paris“ oder „The Dean And I“. Dabei handelt es sich meist nicht um 08/15-Pop, sondern um intelligente und anspruchsvolle Pop bis Rock Musik, die oftmals sehr eingängig ist und durchaus länger hängenbleibt. Nicht alles auf dieser Kompilation kann dabei zwar restlos überzeugen, trotzdem hält die Platte viele schöne Abschnitte parat, die es wert sind gehört zu werden. Schöne Melodien, tolle Gesangsarrangements und immer wieder musikalische Überraschungen, die es so nur selten zu hören gibt.

Fazit: Diese Kompilation enthält die Höhepunkte im Schaffen der vier Gründungsmitglieder von 10cc bis 1995. Wer sich einen Überblick über die Musik der Band und der Bandmitglieder verschaffen möchte, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Viel Musik gibt es hier zu hören, die einen manchmal an frühere Zeiten erinnert, aber auch neue und unbekannte Facetten im Schaffen von Lol Creme, Kevin Godley, Graham Gouldman sowie Eric Stewart bereithält. Zehn Punkte.

Anspieltipps: I'm Not In Love, Dreadlock Holiday, Cry, I'm Mandy Fly Me





Donnerstag, 9. Mai 2013

Colosseum – Valentyne Suite




Colosseum – Valentyne Suite


Besetzung:

Dave Greenslade – keyboards, organ, vibraphone, piano, backing vocals
Dick Heckstall-Smith – saxophone, flute
James Litherland – guitars, lead vocals
Tony Reeves – bass
Jon Hiseman – drums


Gastmusiker:

Barbara Thompson – wind
Dave Gelly – saxophone
Jimmy Phillips – saxophone


Label: Sanctuary Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Jazz Rock


Trackliste:

1. The Kettle (4:29)
2. Elegy (3:14)
3. Butty's Blues (6:47)
4. The Machine Demands A Sacrifice (3:54)
5. The Valentyne Suite (16:56)
    a. Theme One: January's Search
    b. Theme Two: February's Valentyne
    c. Theme Three: The Grass Is Always Greener


Bonus Tracks (remasterte Wiederveröffentlichung von 2006):

6. Arthur's Moustache (6:32)
7. Lost Angeles (8:38)

Gesamtspieldauer: 50:30




Colosseum war eine britische Jazz-Rock Formation, die in zwei verschiedenen Line-Ups tätig war. Einmal unter der Überschrift Colosseum, später unter dem Titel Colosseum II mit Gary Moore an der Gitarre. Bei „Valentyne Suite“ handelt es sich um die zweite Veröffentlichung der ersten Bandzusammensetzung aus dem Jahr 1969.

Die Musik auf „Valentyne Suite“ ist rockig bis bluesig und die Einflüsse des Jazz lassen sich in den vielen Instrumentalpassagen nicht überhören. Das wirkt oftmals fast schon gejamt bis improvisiert, obwohl es letzteres garantiert nicht ist. Die Gitarren kreischen und allem unterliegt ein treibender Rhythmus, den John Hiseman seinem Schlagzeug entlockt. Eingängig ist hier nichts, sehr viel eher klingt die Musik immer fordernd und mitunter fast schon aggressiv.

Dem Saxophon wird auf dem Album ein großes Betätigungsfeld eingeräumt, was die Musik an sich schon von „gängiger“ Rockmusik abhebt. Alles klingt ein wenig schwer, was auch immer wieder durch einen fetten Hammond-Orgel-Sound und volle Bläserattacken transportiert wird. Mal klingt es rockiger wie beim Opener „The Kettle“, mal ist es Blues wie bei „Butty’s Blues“. Über allem schwebt allerdings das Genre „Jazz“, welches immer wieder, mal mehr, mal weniger zu Tage tritt.

Höhepunkt des Albums ist sicherlich die „Valentyne Suite“, die in drei thematische Abschnitte unterteilt wurde. Dieses Stück ist gleichzeitig das melodiöseste Lied der Platte und gleichzeitig auch jenes, welches am ehesten Teile aufweist, die man ohne weiteres auch dem Genre Progressive Rock zuordnen kann. In den knapp siebzehn Minuten Dauer der Nummer gibt es einige Stimmungswechsel, die den Titel zu einem sehr abwechslungsreichen und auch spannenden Stück werden lassen. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch die Instrumentierung selbst. Man merkt an jeder Stelle des Albums, dass hier begnadete Musiker aufspielen, die alles geben und an jeder Stelle der Platte überzeugen können.

Fazit: Wem die „Jazz-Ader“ fehlt, der wird das Album wohl ein wenig anstrengend finden. Hier ist nur wenig eingängige Musik zu hören und man benötigt unbedingt mehrere Durchgänge des Hörens, bis einem die einzelnen Titel vertrauter vorkommen. Am ehesten bleibt da noch das Opus Magnus der Platte, der Titeltrack „The Valentyne Suite“ hängen. Hier klingt die Musik von Colosseum für die Ohren eines Rock-Hörers sehr viel angenehmer, interessanter und auch eingängiger. Der Rest des Albums, inklusive der zwei Zugaben in Form der Bonus-Titel ist da schon sehr viel gewöhnungsbedürftiger. Sieben Punkte.

Anspieltipps: The Valentyne Suite






Mittwoch, 8. Mai 2013

Tori Amos – Boys For Pele




Tori Amos – Boys For Pele


Besetzung:

Tori Amos – vocals, piano, harmonium organ, clavichord, harpsichord


Gastmusiker:

George Porter Jr. – bass
Steve Caton – guitar, mandolin, swells
Manu Katché – drums
Marcel van Limbeek – delgany church bells
James Watson – trumpet, brass conductor
The Black Dyke Mills Band – brass
The Sinfonia Of London – strings
Philip Shenale – string arrangement
Peter Willison – string orchestrator and conductor
Alan Friedman – drum programming
Clarence J. Johnson III – soprano saxophone, tenor saxophone
Mino Cinelu – percussion
Darrly Lewis – percussion
Mark Mullins – trombone, horns
Craig Klein – sousaphone
Michael Deegan – bagpipes
Bernard Quinn – bagpipes
Nancy Shanks – additional vocals


Label: WEA International


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Pop


Trackliste:

1. Beauty Queen / Horses (6:08)
2. Blood Roses (3:59)
3. Father Lucifer (3:41)
4. Professional Widow (4:33)
5. Professional Widow (Armand's Star Trunk Funkin' Mix (8:07)
6. Mr. Zebra (1:07)
7. Marianne (4:10)
8. Caught A Lite Sneeze (4:26)
9. Muhammad My Friend (3:49)
10. Hey Jupiter (5:12)
11. Way Down (1:14)
12. Little Amsterdam (4:30)
13. Talula (The Tornado Mix) (3:43)
14. Not The Red Baron (3:51)
15. Agent Orange (1:26)
16. Doughnut Song (4:20)
17. Putting The Damage On (5:15)
18. Twinkle (3:12)

Gesamtspieldauer: 72:43




Unabhängig davon, dass es Tori Amos wohl gar nicht so schlecht fände, ein paar Jungs der hawaiianischen Vulkangöttin Pele zu opfern, tischt die Amerikanerin dem Hörer auf ihrem dritten Album „Boys For Pele“ zum Teil völlig neue Töne auf. Da klingt es dann zum Beispiel bei „Professional Widow (Armand's Star Trunk Funkin' Mix)“ verdächtig nach Madonna. Ob der Freund der früheren Musik von Tori Amos damit etwas anfangen kann, sei hier mal sehr in Frage gestellt. Im Grunde nervt dieses „rhythmische Gedudel“ einfach nur. Disco-Musik passt einfach nicht auf ein Tori Amos Album.

Auch ist diese Platte längst nicht mehr so eingängig wie die beiden Vorgängerscheiben. Schräge und manchmal sogar fast schon verstörende Töne haben sich in die Musik eingeschlichen, was das Ganze allerdings durchaus auch etwas spannender werden lässt. Denn die Zutaten „Melodiösität“ und „Eingängigkeit“ sind zusätzlich ebenfalls noch auf diesem Album vorhanden. Es gibt sie also auch hier, die Streicher, das schöne Pianospiel und die irgendwie Wärme ausstrahlenden Titel, die eine Platte der Amerikanerin immer wieder zu einem Erlebnis werden lassen.

Allerdings sind diese Nummern eben nicht mehr so zahlreich vorhanden, wie auf den Vorgänger-Alben. Oftmals plätschert die Musik auch so dahin, ohne überhaupt einen Eindruck zu hinterlassen, der dann auch längerfristig anhalten würde. Das grenzt dann zwar noch nicht am Makel der Belanglosigkeit, wirkt mitunter jedoch trotzdem auf seine Art langweilig und nicht mehr ganz so interessant.

Fazit: „Boys For Pele“ ist mit Sicherheit sehr viel abwechslungsreicher als die beiden Vorgänger-Platten. Was an sich etwas Positives ist, wird hier allerdings leider zum Nachteil. Dies liegt in dem Umstand begründet, dass die Abwechslung durch Songs erzielt wird, die auf ihre Art nicht zu der Musik Tori Amos‘ passen wollen. Dazu fehlen auf „Boys For Pele“ die wirklichen „Übersongs“, die sonst immer auf ihren Alben zu genießen sind. Somit bleibt beileibe kein schlechtes Album, aber eben auch kein Höhepunkt im Schaffen der pianospielenden Künstlerin. Acht Punkte.

Anspieltipps: Horses, Blood Roses, Father Lucifer, Mr. Zebra, Caught A Lite Sneeze, Not The Red Baron, Doughnut Song





Dienstag, 7. Mai 2013

Nektar – …Sounds Like This




Nektar – …Sounds Like This


Besetzung:

Allan “Taff” Freeman – keyboards, vocals
Roye Albrighton – lead vocals, guitars
Derek “Mo” Moore –bass, vocals
Ron Howden – drums, percussion


Label: Bellaphon / Bacillus Records


Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Hard Rock, Blues Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Good Day (6:47)
2. New Day Dawning (5:04)
3. What Ya Gonna Do? (5:25)
4. 1-2-3-4 (12:47)
5. Do You Believe In Magic (7:19)
6. Cast Your Fate (5:45)
7. A Day In The Life Of A Preacher (13:03)
     a. Preacher
     b. Squeeze
     c. Mr. H
8. Wings (3:48)
9. Odyssee (14:31)
     a. Rons On
     b. Never, Never, Never
     c. Da-Da-Dum

Gesamtspieldauer: 1:14:29



Na, was ist denn da passiert? „…Sounds Like This“ hört sich so ganz anders an, als die beiden zuvor veröffentlichten Alben der damals in Deutschland lebenden Briten. „Anders“ bedeutet hier leider freilich, dass das Album nicht besser als „Journey To The Centre Of The Eye“ oder „A Tab In The Ocean“ klingt, sondern wirklich anders und sehr viel weniger spannend. Und so möchte man Nektar beim Lesen des Titels des Albums zurufen: „Stimmt doch gar nicht!“ - zumindest bisher war das nicht der Fall. Auf „…Sounds Like This“ ist kein progressiver Rock mehr zu hören – oder zumindest nur noch marginal. Diese ehemalige Doppel-LP ist vollgestopft mit harten Rock-Liedern. Hard-Rock basierend auf Blues, ganz in der Tradition der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Die Scheibe wurde live im Studio eingespielt und danach auch nicht mehr großartig verändert. Die vier Musiker konnten sich dabei an ihren Instrumenten ausleben. Immer wiederkehrende Soli, die zum Teil fast schon nach ausufernden Jam-Sessions klingen, lassen hier die Spielfreude aufblitzen.

Stark gitarrenorientiert ist der Sound, es wird gerockt „auf Teufel komm raus“. „Norwegian Wood“ von den Beatles wurde auch mit verwurstet und ausschnittsweise in einer groovigen Version dargeboten (New Day Dawning). So ist dieses Album angefüllt mit Hard Rock und auch bluesigen Passagen. Am besten klingt das Gehörte immer dann, wenn es konsequent in diese bereits erwähnten jamartigen Passagen mündet. Dann klingen Nektar zwar immer noch nicht progressiv, doch zumindest sehr viel spannender. Dies – wen wundert es – ist natürlich besonders gut bei den drei über zwölf-minütigen Stücken zu hören.

Fazit: „Nektar Sounds Like This?” Nö, auf diesem Album klingen sie allerdings hard-rockig beziehungsweise sogar etwas bluesrockig. Das wiederum machen sie gar nicht mal so schlecht, aber dafür gibt es jede Menge andere Bands. Dieser progressive Ansatz in der Musik von Nektar war auf „…Sounds Like This“ leider verloren gegangen. Trotzdem, wer Hard-Rock mit langen Jam-Einlagen in Form ausgedehnter Soli mag, der wird viel Spaß mit dieser Platte haben. Für Freunde der ersten Alben oder Proggies jedoch nur noch am Rande geeignet. Sieben Punkte.

Anspieltipps: 1-2-3-4



Montag, 6. Mai 2013

Renaissance – Renaissance




Renaissance – Renaissance


Besetzung:

Keith Relf – vocals, guitar, harmonica
Jim McCarty – percussion, vocals
John Hawken – piano, harpsichord
Lewis Cennamo – bass guitar
Jane Relf – vocals, percussion


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Kings And Queens (10:58)
2. Innocence (7:09)
3. Island (6:00)
4. Wanderer (4:04)
5. Bullet (11:26)


Bonus Tracks:

6. The Sea (3:05)
7. Island (3:36)

Gesamtspieldauer: 46:17




Kurz „Renaissance“ taufte die gleichlautende Band ihr Erstlingswerk, welches im Jahr 1969 erschien. Die beiden Yardbirds-Musiker Keith Relf und Jim McCarty gründeten, nach der Auflösung der Yardbirds, Renaissance und ließen sich dabei unter anderem von Keith Relfs Schwester beim Gesang unterstützen. Ebenfalls mit von der Partie waren der Ex-Nashville-Teens-Pianist John Hawken sowie der Bassist Louis Cennamo. Und obwohl diese Formation überhaupt nichts mit der Bandzusammensetzung zu tun hat, die ab dem dritten Album sehr melodischen und harmonischen Prog veröffentlichen sollte, so kann man doch bereits hier die Grundlagen späterer Alben entdecken: Das Zusammenspiel klassischer Instrumente mit denen der Rock-Musik - auch wenn auf diesem Debut-Album noch kein vollständiges Orchester zum Einsatz kommt.

Spannender und melodischer progressiver Rock ist auf dem Erstlingswerk der Band zu hören. Alles noch ein wenig rauer, ungeschliffener und auch experimenteller als auf den späteren Veröffentlichungen Renaissances, aber bereits sehr eingängig und harmonisch. Und da ist es dann umso spannender, wenn die Musiker am Ende von „Bullets“ anscheinend mal ausprobieren, welche Geräusche sie denn da so dem einen oder anderen Instrument noch entlocken können. Das klingt dann schon sehr nach psychedelischer Musik.

Auch Folk-Anleihen sind zu hören. Der Song „Island“ geht ganz klar in diese Richtung. Hier singt jetzt auch nicht Keith Relf, sondern seine Schwester Jane. Dabei bleibt allerdings festzustellen, dass sie sich mit ihrem Gesang wahrlich nicht mit der späteren Sängerin der Band Annie Haslam messen kann. Kein Vergleich, auch wenn sie das hier gar nicht so schlecht macht. Die Verbindung Klassik – Moderne Musik tritt am deutlichsten beim Stück „Wanderer“ zu Tage, eine Nummer, welche mittels Cembalo instrumentiert wird und dabei einen etwas mittelalterlichen Touch erhält. Hier singt Jane Relf ebenfalls und jetzt klingt das Ganze sogar noch mal einen Tick gelungener als auf „Island“.

„Kings And Queens“ sowie „Innocence“ sind Lieder ganz im Stil des melodiösen Progressive Rock. Beim Titel „Bullet“ ist das etwas eingeschränkter der Fall. Hier hört man nun auch bluesartige Abschnitte, alles klingt roher und kantiger und immer wieder auch deutlich experimenteller, wobei diese letzte Eigenschaft nicht nur auf das Ende des Stückes mit diesen „Klang- und Soundgebilden“ bezogen ist.

Zwei Zugaben sind auf dieser remasterten Version von Repertoire Records vorhanden. „The Sea“ ist dabei eine stimmungsvolle Pop-Nummer auf der wieder Jane Relf singt. Bei „Island“ handelt es sich komischerweise um praktisch dieselbe, jedoch gekürzte Version des Liedes, welches bereits ganz offiziell auf dem Album vertreten ist. Nur minimal unterscheiden sich beide Titel durch eine etwas variierte Abmischung.

Fazit: Ein schönes, gutes und interessantes Debut ist der Band Renaissance mit dem gleichnamigen Album im Jahr 1969 gelungen. Die Musik ist sehr melodiös. genau wie auf den späteren Veröffentlichungen, jedoch noch ein wenig experimentierfreudiger. Das wiederum macht auch ein bisschen den Reiz dieses Albums aus. Interessant ist zudem, warum diese Besetzung der Band doch relativ ähnliche Musik machte wie jene, die ab dem dritten Album Renaissance ausmachte. Völlig andere Musiker, die musikalische Aussage blieb jedoch dieselbe. Seltsam. Elf Punkte.

Anspieltipps: Kings And Queens, Innocence, Wanderer, Bullet, The Sea





Sonntag, 5. Mai 2013

The Miserable Rich – Of Flight And Fury




The Miserable Rich – Of Flight And Fury


Besetzung:

Will Calderbank ohne Instrumentenangabe
James de Malplaquet ohne Instrumentenangabe
Mike Siddell ohne Instrumentenangabe
Ricky Pritchard ohne Instrumentenangabe
Rhys Lovell ohne Instrumentenangabe


Label: Hazelwood Vinyl Plastics


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Kammermusik Pop, ArtPop


Trackliste:

1. Pegasus (4:34)
2. Chestnut Sunday (4:19)
3. Flight 1 (0:35)
4. Somerhill (4:42)
5. The Mouth Of The Wolf (4:35)
6. Flight 2 (0:27)
7. Bye Bye Kitty (3:50)
8. For A Day (4:14)
9. Flight 4 (0:47)
10. Oliver (5:41)
11. Flight 3 (0:47)
12. Let Me Fade (4:38)
13. Hungover (2:22)
14. Hidden Track (3:41)

Gesamtspieldauer: 45:11




Eines kann man „The Miserable Rich”, der 2007 gegründeten Band aus Brighton in England, wahrlich nicht vorwerfen: Den Umstand wirklich beeindruckend zu sein. Egal, ob man die Musik der fünf Musiker mag oder nicht, Spuren hinterlässt sie allemal. Dass ein Album überwiegend akustisch eingespielt wird ist an sich ja nichts Besonderes mehr. Vor allem nicht in Zeiten, wo man mit Unplugged Versionen diverser Alben verschiedener Künstler überhäuft wird. Aber „The Miserable Rich“ legen da noch mal eine Schippe drauf. Beim Hören von „Of Flight And Fury“ wird man mit den Klängen von Violinen, Cellos und Violas überhäuft, gerade so, als ob man sich in einem Kammerkonzert befinden würde. Aber das ist keine Kammermusik, der man hier lauscht, das ist durchaus Pop-Musik, allerdings völlig anders instrumentiert. Es gibt jedoch auch Gitarren und Bass zu hören sowie eine sehr zurückhaltende Perkussionsfraktion. Und mit all diesen Zutaten wird ein wahrlich interessantes Klanggebilde erzeugt, welches so nicht alltäglich ist.

Die Musik selbst ist dabei überaus eingängig und melodiös. Sie schmeichelt dem Ohr des Hörers und setzt sich sofort im Musikzentrum des Gehirns fest. Weiche Musik präsentieren uns „The Miserable Rich“ hier - ganz weiche Musik. Alles wirkt sehr intensiv und klingt und summt und schwelgt und tönt. Wirklich überraschend. Und auch an die leicht weinerliche Stimme von Sänger Will Calderbank gewöhnt man sich mit der Zeit, sodass sie bereits nach wenigen Takten perfekt zur Musik passt.

Nun zu den Liedern. Da gibt es die vier „Flight-Stücke“. Das sind jeweils kurze Streicherarrangements von nicht einmal eine Minute Dauer, die manchmal durch Stimmengewirr, ein anders mal durch eine Art Metronom-Geräusch oder durch Glocken eingeläutet werden. Etwas experimentell das Ganze und als kleines Kuriosum sind sie auf der Platte in der Reihenfolge Flight 1 – Flight 2 – Flight 4 und schließlich Flight 3 angeordnet worden. Auch interessant das letzte Stück, welches gleich mal als „Hidden Track“ angekündigt wird, dieses allerdings nicht ist. Das Stück legt sofort los – ohne vorherige Stille – und ist eine Adaption des Stücks „Somerhill“. Ohne Gesang, nur mit Hintergrundgeräuschen versehen, wird dieses Lied nun als Komposition aus hauptsächlich Piano- und Violinen-Solo dargeboten.

Und da wären wir auch schon bei einem Höhepunkt der Platte. „Somerhill“, Lied Nummer vier des Albums, ist eine klasse Nummer. Wunderbar leicht und beschwingt, sehr melodiös und erneut überaus eindrucksvoll durch seine Instrumentierung. Auch „The Mouth Of The Wolf“ ist klasse gelungen. Hier kommt jetzt sogar mal eine E-Gitarre ganz zart mit zum Einsatz, sodass das Lied zu seinem Beginn wie ein ganz normales Pop-Lied klingt und erst im weiteren Verlauf, durch den Einsatz diverser Streicher, wieder mehr in die orchestrale Richtung abdriftet, ohne diese wirklich letztendlich zu erreichen.

Das Lied „Oliver“ entwickelt in seinem weiteren Verlauf immer wieder einen richtigen „Groove“, den man so bei den meisten anderen Stücken der Platte vergeblich sucht. Und jedes Stücke hat irgendetwas, was man bei den anderen wiederum weniger findet. Sei es der Einsatz eines bestimmten Instruments, der Perkussion oder der mehrstimmige Gesang. Alles ist da, nur eben nicht bei jedem Song. Für Abwechslung ist somit also gesorgt.

Fazit: Was “The Miserable Rich” hier auf “Of Flight And Fury” präsentieren ist alles andere als alltäglich. Harmonische und melodiöse Pop-Musik bekommt man hier zu hören, die meist ganz anders instrumentiert ist, als man dies als „gängiger“ Populär-Musik-Konsument gewöhnt ist. Und diese andersartige Umsetzung der Musik ist den fünf Engländern richtig gut und spannend gelungen. Für Freunde der „ganz harten Töne“ vielleicht nur schwerlich zu verdauen – obwohl, einen Versuch wäre es wert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Somerhill, The Mouth Of The Wolf, Oliver