Mittwoch, 11. September 2013

Lindisfarne – Dingly Dell




Lindisfarne – Dingly Dell


Besetzung:

Alan Hull – vocals, acoustic-, electric and 12-string guitars, keyboards
Ray Jackson – vocals, harmonica, mandolin
Rod Clements – electric bass, acoustic-, electric and 12-string guitars, violin
Simon Cowe – lead-, acoustic- and 12-string guitars, mandolin, vocals
Ray Laidlaw – drums


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Folk Rock, Rock


Trackliste:

1. All Fall Down (3:42)
2. Plankton's Lament (1:56)
3. Bring Down The Government (1:30)
4. Poor Old Ireland (3:00)
5. Don't Ask Me (3:32)
6. O No Not Again (3:22)
7. Dingle Regatta (1:05)
8. Wake Up Little Sister (2:51)
9. Go Back (2:59)
10. Court In The Act (3:08)
11. Mandolin King (2:32)
12. Dingly Dell (6:10)


Bonus Track (auf den CD-Wiederveröffentlichungen):

13. We Can Swing Together (Live) (17:51)

Gesamtspieldauer: 53:38




„Dingly Dell“ heißt das dritte Album der englischen Band Lindisfarne. Es erschien 1972 und ist sehr viel abwechslungsreicher geworden, als noch der Vorgänger. Klar hört man hier auch Folk, aber auch rockige Lieder, etwas Pop, einige wenige Country-Anleihen und beim Titeltrack bewegen sich die Musiker auf den Pfaden des progressiven Rocks. Sehr viele Stile also, die es hier zu hören gibt, trotzdem stellt das Album eine Einheit dar, denn alles passt hier auf seine ganz spezielle Art zusammen. Niemals ist irgendwo ein Stilbruch auszumachen, niemals wirkt diese Genre-übergreifende Musik konstruiert oder „zusammengeschustert“. Es wirkt alles in sich geschlossen.

Diese Stilwechsel machen das Album spannend. Zudem gibt es hier auch wieder vermehrt diesen tollen arrangierten Gesang zu hören, bei dem sich die Sänger der Band gegenseitig ergänzen. Besonders gut ist dies auf dem Titeltrack „Dingy Dell“ zu hören, gleichzeitig auch der Höhepunkt des Albums. Ein weiterer folgt übrigens noch als Zugabe, diese knapp achtzehnminütige Version von „We Can Swing Together“ ist wahrlich mitreißend. Und selbst solch einen Beginn einer Live-Aufnahme gibt es auch nicht allzu oft zu hören. Hier wird erst Kenny Craddock ausgerufen, der bei diesem Lied als Pianist agiert, auf die Bühne zu kommen, damit die Musiker endlich loslegen können. Dazu gibt es dann im Verlauf des Stücks ausgedehnte Solopassagen, die immer wieder erweitert werden und trotzdem nie Langeweile aufkommen lassen. Richtig klasse gelungen und spannend das Ganze.

Fazit: Auf „Dingly Dell“ ist für viele Musikfreunde etwas dabei und trotz der vielen Genres, die hier bedient werden, passt sich das Ganze zu einem Gesamtwerk zusammen, das sehr hörenswert ist. Abwechslung pur, dazu schöne Melodien, interessante Texte und immer wieder die ein oder andere Überraschung. All diese Zutaten lassen dieses Album zu einer Platte werden, die all jene begeistern wird, die auf Folk Rock stehen, der eingängig ist, die Grenzen dieses Genres ausleuchtet und diese auch immer wieder mal überschreitet. Zehn Punkte.

Anspieltipps: All Fall Down, Mandolin King, Dingly Dell, We Can Swing Together (Live)





Dienstag, 10. September 2013

Sophie Hunger – Monday’s Ghost




Sophie Hunger – Monday’s Ghost


Besetzung:

Sophie Hunger – vocals, acoustic guitar, piano


Gastmusiker:

Michael Flury – trombone
Christian Prader – acoustic guitar, flute, harmonica, piano
Alberto Malo – percussions, drums,
Marcello Giuliani – e-bow guitar, tenor-, acoustic & electric guitar, acoustic & electric bass
Evelinn Trouble – vocals
John Dickinson – vibes
Benoit Corboz – b3 hammond, piano
Frank Heer – cello
Patrik Schmid – drums


Label: Two Gentlemen


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Folk, Pop, Blues


Trackliste:

1. Shape (3:33)
2. The Boat Is Full (3:02)
3. Beauty Above All (2:42)
4. Walzer Für Niemand (2:29)
5. Birth-Day (3:21)
6. Sophie Hunger Blues (5:19)
7. Round And Round (3:33)
8. The Tourist (4:15)
9. Teenage Spirit (3:48)
10. A Protest Song (3:24)
11. Monday's Ghost (4:57)
12. Rise And Fall (5:43)
13. Drainpipes (3:39)
14. House Of Gods (4:16)

Gesamtspieldauer: 54:00




Das zweite Album der Schweizerin Sophie Hunger, die eigentlich Emilie Weltli heißt, umfasst eine große Spannbreite an musikalischen Stilen. Auf „Monday’s Ghost” gibt es Folk zu hören, aber auch Pop, Rock, Blues und manchmal klingt es sogar ein klein wenig jazzig. Das Ganze wird zusammengehalten durch die zwar nicht außergewöhnliche, allerdings doch markante und schöne Stimme der Sängerin. Dabei entwickelt die Musik der Schweizerin immer dann ihre Stärken, wenn viel Wert auf die ruhigeren Töne gelegt wird. Hier schafft es Sophie Hunger eine ganz intensive Atmosphäre mit ihrer Musik zu erzeugen, die die Hörer in den Bann zu ziehen versteht.

Bestens gelungen ist dies vor allem in der ersten Hälfte des Albums, zum Beispiel beim Deutsch gesungenen Titel „Walzer Für Niemand“. Dieses Lied ist gleichzeitig das kürzeste und beste auf „Monday’s Ghost“ und man hätte sich durchaus noch mehr Deutsch vorgetragene Titel gewünscht, da Sophie Hunger diese Sprache mit ihrer Musik perfekt zu transportieren weiß. „Beautie Above All” ist ebenfalls ein Lied, welches keine drei Minuten andauert, ähnlich sehnsüchtig gehalten wie „Walzer Für Niemand“ und ebenso überzeugend. Und auch der Opener „Shape” enthält zunächst diese triste und süß-melancholische Novemberstimmung. Erneut nur ganz zart instrumentiert entfalten sich auch bei diesem Stück schöne und melodiöse Landschaften, die es zu genießen gilt. Doch im weiteren Verlauf wird bei dieser Nummer schließlich die „Handbremse“ gelöst und der Titel nimmt Fahrt auf, ohne dabei an Melodiösität zu verlieren. Zusätzlich kommt hier die Stimme der Schweizerin noch mal besonders gut zur Geltung.

Weniger gelungen ist da schon der Titel „Sophie Hunger Blues“, der unglaublich gehetzt wirkt, obwohl hier nur Sophie Hunger, sich selbst an der Gitarre begleitend, zu hören ist. Irgendwie will diese Nummer einfach nicht so recht zum Rest der Platte passen. Und dieser „Rest“ besteht aus nachdenklichen, jedoch ebenso immer wieder auch aus deutlich im Mid-Tempo angesiedelten Stücken, die einen je nach Musikgeschmack mal mehr, mal weniger zu treffen im Stande sind.

Fazit: Ein Album mit häufig leiser und nachdenklicher Musik. Nicht alles kann dabei restlos überzeugen, die starken Ausschläge nach unten gibt es jedoch kaum. Die Lieder haben ihren Reiz und lohnen gehört zu werden. Sicherlich Musik für die stillen Stunden. Musik, für die man sich auch Zeit nehmen sollte. „Monday’s Ghost“ wurde bei der Veröffentlichung von den Kritikern sehr gelobt, was man durchaus unterschreiben kann. Zwar ist es nicht jenes auch beschriebene Überalbum, jedoch eine schöne Alternative für die leisen Momente des Lebens. Acht Punkte.

Anspieltipps: Shape, Beauty Above All, Walzer Für Niemand





Montag, 9. September 2013

Eels – Useless Trinkets




Eels – Useless Trinkets


Besetzung:

Performed by Marc Oliver Everett (you know, E)


Gastmusiker:

Koool G Murder, The Chet, Jon Brion, John Parish, Butch, Peter Buck, Big Al, Tommy Walter, Cynthia Merrill, Ji Lang, Jim Jacobsen, Adam Siegel, Mark Goldenberg, Moog Cookbook, Sally Dworsky, Lisa Germano, Probyn Gregory, David Hlebo, Orest Balaban, Steve Crum, Joe Gore, Puddin’, Paloma Udovic, Julie Carpenter, Heather Lockie, Ana Lenchantin, Krazy Al


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Independent Rock, ArtRock


Trackliste:

CD1:

1. Novocaine For The Soul [Live from Hell] (3:18)
2. F#&!@R (2:17)
3. My Beloved Monster [Live from Tennessee] (2:33)
4. Dog's Life (4:00)
5. Susan's Apartment (3:29)
6. Manchester Girl [BBC] (3:21)
7. Flower [BBC] (3:18)
8. My Beloved Mad Monster Party [BBC] (2:33)
9. Animal (2:40)
10. Stepmother (2:52)
11. Everything's Gonna Be Cool This Christmas (2:52)
12. Your Lucky Day In Hell [Michael Simpson Remix] (3:58)
13. Altar Boy (2:14)
14. Novocaine For The Soul [Moog Cookbook Remix] (3:10)
15. If I Was Your Girlfriend [Live] (4:35)
16. Bad News (2:57)
17. Funeral Parlor (2:13)
18. Hospital Food [BBC] (3:24)
19. Open The Door [BBC] (3:05)
20. Birdgirl On A Cell Phone (3:08)
21. Vice President Fruitley  (2:17)
22. My Beloved Monstrosity (2:14)
23. Dark End Of The Street [Live] (2:35)
24. Cheater's Guide To Your Heart [Live] (2:40)
25. Useless Trinkets (2:22)


CD2:

1. Mr. E's Beautiful Remix (3:55)
2. Souljacker, Part 1 [Alternate Version] (3:05)
3. Dog Faced Boy [Alternate Version] (2:55)
4. Jennifer Eccles (3:20)
5. Rotten World Blues (2:45)
6. Can't Help Falling In Love (2:08)
7. Christmas Is Going To The Dogs (2:59)
8. Mighty Fine Blues (3:26)
9. Eyes Down (3:32)
10. Skywriting (2:08)
11. Taking A Bath In Rust (2:29)
12. Estranged Friends (3:21)
13. Her (2:48)
14. Waltz Of The Naked Clowns (2:48)
15. I Like Birds [Live] (2:37)
16. Sad Foot Sign (2:20)
17. Living Life (2:50)
18. The Bright Side (3:43)
19. After The Operation (1:55)
20. Jelly Dancers (4:39)
21. I Could Never Take The Place Of Your Man [Live At Town Hall] (3:37)
22. Mr. E's Beautiful Blues [Live At Town Hall] (3:05)
23. I Want To Protect You (3:10)
24. I Put A Spell On You [Live] (2:21)
25. Saw A UFO (4:38)

Gesamtspieldauer: 2:30:38


DVD3: Lollapalooza 2006 Live Performance

1. Saturday Morning [DVD][Live]
2. Eyes Down [DVD][Live]
3. My Beloved Monster [DVD][Live]
4. Magic World [DVD][Live]
5. Not Ready Yet [DVD][Live]
6. Souljacker, Pt. 1 [DVD][Live]

Gesamtlaufzeit: 32:45




Unter dem Titel „Useless Trinkets“, was so viel wie „Unnützes“ bedeutet, veröffentlichte Marc Oliver Everett unter seinem Synonym Eels 2006 ein Album, welches aus insgesamt zwei CD’s sowie einer DVD besteht. Zählt man alles zusammen, so kommt man hier auf über drei Stunden „unnützer“ Unterhaltung in Form eines Konzertmitschnittes mit knapp über einer halben Stunde Dauer, sowie B-Seiten, Soundtrack-Liedern, Raritäten und bisher unveröffentlichtem Material. Musik, die noch mal auf eine Laufzeit von über zweieinhalb Stunden kommt.

Nun, die Frage stellt sich natürlich, ob man dieses „unnütze“ Zeug auch wirklich braucht? Was ist daran denn essentiell für den Eels-Fan? Neben einer ganzen Menge von alternativen Versionen bereits veröffentlichter Titel gibt es auch eine große Anzahl von Liedern, die hier in einer Live-Version gepresst wurden oder aber in leicht veränderter Form einer BBC-Radio-Session entsprungen sind. Das mag für den Komplettisten von Bedeutung sein, der alles von „seiner“ Band sein Eigen nennen möchte. Für den „ganz normalen“ Musikkonsumenten sind da aber vielleicht schon eher die regulären Alben zu empfehlen. Die sind sicher besser arrangiert und abgemischt und wirken in den dortigen Fassungen insgesamt auch eindeutig besser.

Gut, dann gibt es da ja noch den Konzert-Mitschnitt auf der DVD aus dem Jahr 2006. Auch ganz nett, kann man sich allerdings bei YouTube ebenfalls ansehen. Vielleicht nicht in derselben Qualität, aber immerhin.

Alles Quatsch! Denn was diese Zusammenstellung wirklich überaus lohnenswert macht, das sind die Titel, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden. Und das sind nicht nur ein paar wenige, sondern sogar eine ganze Menge. Man glaubt es eigentlich kaum: Ganze 33 (!) Titel, auf diesem mit „unnütz“ titulierten Album, sind bisher noch nicht auf einer anderen Eels-Platte erschienen. Darunter sind zwar ebenfalls Nummern, die „nur“ live oder für eine BBC-Session eingespielt wurden und auch einige wenige Cover-Versionen, trotzdem ist das Material neu. Einige der Songs wurden bisher nur live während einer gewissen Periode der Band gespielt, liegen hier dann allerdings in den Studioversionen – ohne Publikum und Live-Atmosphäre – vor. Und die Hörerin beziehungsweise der Hörer, die oder der in den ersten Platten der Band viel für sich entdecken konnte, diese oder dieser wird mit „Useless Trinkets“ reich beschenkt werden. Denn hier gibt es sie, die wunderschönen eingängigen Melodien verbunden mit geistreichen Texten, die die Musik der Eels so hörenswert machen. Und dazu gibt es diese Titel hier in einer Fülle, wie sonst nur noch auf „Blinking Lights And Other Revelations“ zu finden sind.

Fazit: Nichts da mit „unnützem Gedöns“. „Useless Trinkets“ ist ein richtig schönes Album geworden. Neben bekannten Nummern gibt es hier jede Menge toller Titel, die bisher noch nicht auf anderen Eels-Platten erschienen sind. Und diese sind deutlich in der Überzahl. Absolut typische Eels-Lieder gibt es hier zu hören, die oftmals auch eine Zier für eines der regulären Alben des Marc Oliver Everett gewesen wären. Über drei Stunden Unterhaltung beinhaltet diese Scheibe und ist eben nicht nur etwas für die Komplettisten, die alles von „ihrer“ Band haben möchten. Für mich wirkt das wie reguläres Album mit einigen wenigen Alternativ-Versionen und als Zugabe mit noch einem kurzen Konzertmitschnitt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Altar Boy, Useless Trinkets, Skywriting, Taking A Bath In Rust, Her, Waltz Of The Naked Clowns, After The Operation, I Could Never Take The Place Of Your Man, I Want To Protect You





Sonntag, 8. September 2013

Rheingold – Rheingold




Rheingold – Rheingold


Besetzung:

Bodo Staiger – Gesang, Gitarre
Brigitte Kunz – Keyboards


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Elektronische Musik, Neue Deutsche Welle


Trackliste:

1. Rein (1:09)
2. Fluss (4:50)
3. Graffitis (3:44)
4. Himmelgeist (5:02)
5. Dreiklangsdimensionen (5:54)
6. Pirata (4:21)
7. International (3:53)
8. Rendezvous (4:02)
9. Rheingold Extra (4:21)
10. 'Raus (1:30)


Bonus Tracks:

11. River (Englische Version) (4:53)
12. Triad Dimensions (Englische Version) (6:27)
13. Rheingold (Single) (4:09)
14. Staiger Walzer (Single B-Seite) (3:40)
15. Dreiklangsdimensionen (Single) (3:39)

Gesamtspieldauer: 1:01:33




Mit dem Debut-Album der „Band“ Rheingold aus dem Jahre 1980 bewegt man sich im Umfeld der Neuen Deutschen Welle. Wobei das Wort „Band“ deshalb in Anführungsstrichen gehalten ist, da diese Formation hauptsächlich aus Bodo Staiger bestand, der sich auch für alle Kompositionen auszeichnete. Brigitte Kunz unterstützte ihn auf der Veröffentlichung an den Keyboards und Lothar Manteuffel zeigte sich für den überwiegenden Anteil der Texte verantwortlich, ohne jedoch selbst auf dem Album zu hören zu sein.

Was Rheingold ein wenig von anderen Neue Deutsche Welle Bands unterscheidet ist die Tatsache, dass hier durchaus auch mal Instrumentalnummern zu hören sind, wie dies bei „Rein“, „Himmelgeist“, „Pirata“, „Rheingold Extra“ und „‘Raus“ der Fall ist. Dabei handelt es sich zum Teil um recht eingängige Stücke, im Falle von „Pirata“ und „‘Raus“ klingt das Ganze dann jedoch schon sehr synthetisch und kann kaum noch überzeugen. Womit man bei dieser Art der Musik natürlich immer leben muss, ist die Tatsache des Fehlens eines Schlagzeugs. Und dieses synthetische „Geklacke“ der Rhythmusmaschine hat hier, auf dieser Veröffentlichung, immer eine sehr exponierte Stellung. Das kann auf Dauer überaus nervenaufreibend klingen, ist allerdings dem damaligen Zeitgeist in der Musik geschuldet und wirkt heute mitunter äußerst seltsam.

Höhepunkt des Albums ist sicherlich auch der Hit der Scheibe: „Dreiklangsdimensionen“. Das Lied besitzt einen tollen Groove, steigert sich und auch die Melodie ist eine derjenigen, die sich festsetzt und diesen uneingeschränkten Wiedererkennungswert besitzt. Sicherlich einer der Höhepunkte der Neuen Deutschen Welle Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Der Rest der Platte erreicht nicht mehr die Qualität dieses Aushängeschilds von Rheingold. „Fluss“ ist noch eine ganz nette und treibende Nummer, die melodisch auch in die Kategorie „Gelungen“ eingeordnet werden kann. Ein Siegel, welches man für „Graffitis“ kaum noch zu vergeben ist, da es sich, sowohl textlich als auch musikalisch, eher nach einem Kinderlied anhört. Die beiden weiteren mit Text versehenen Titel „International“ und „Rendezvous“ bewegen sich dabei eher im Graubereich der Musik, wobei zweitgenanntes Lied zumindest eine gewisse Eingängigkeit nicht abgesprochen werden kann. Zudem unterscheidet sich dieses Lied durch Mehrsprachigkeit und einen zweistimmigen Gesang - wer die Dame am Mikrophon ist, geht aus den Credits allerdings nicht hervor. Diese Abwechslung lässt das Lied positiv aus den restlichen Synthieklängen hervorstechen.

Auf der remasterten Fassung des Albums gibt es noch fünf Zugaben, wobei es sich um zwei Single-Versionen und zwei englischsprachige Alternativen bereits auf dem Album enthaltener Titel handelt. Komplettiert werden diese Bonus Lieder noch von „Staiger Walzer“, einer schönen eingängigen Nummer, die wohl auch dadurch wächst, dass hier keine Rhythmusmaschine zu hören ist.

Fazit: Der Höhepunkt des Albums ist ganz klar das Lied „Dreiklangsdimensionen“, ein Titel der wirklich gelungen ist. Der ganze Rest der Platte bewegt sich irgendwo zwischen den Bewertungen „ganz nett“ und „das hätte jetzt wirklich nicht mehr sein müssen“. Das liegt zum Teil an der Instrumentierung, die dann doch allzu künstlich klingt oder aber am Fehlen zündender Ideen, die den einen oder anderen Titel äußerst langweilig erscheinen lässt. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Himmelgeist, Dreiklangsdimensionen, Rendezvous, Staiger Walzer





Samstag, 7. September 2013

Get Well Soon – Vexations





Get Well Soon – Vexations


Besetzung (Vexations):

Verena Gropper – vocals, violin
Paul Kenny – drums
Tim Kumpf – bass, vocals
Maximilian Schenkel – guitar
Sebastian Benkler – vocals
Teresa Freund – violin
Daniel Auder – viola
Carolin Wandel – cello
Christoph Moschberger – trumpet, flügelhorn
Christian Ehringer – trumpet, flügelhorn
Felix Fromm – trombone
Roland Vanacek – tuba, susaphone
Liz Riches – narrater
Nina Haas – vocals
Maike Rosa Vogel – vocals
Jan-Ole Gerster – vocals
Mia Diekow – vocals
Marcus Wuest – additional drums
Konstantin Gropper – everything else


Besetzung (Songs For / From Films):

Wallis Bird – guest vocals on „Teenage FBI“
Nina Haas – raconteuse à „Good Friday“
Konstantin Gropper – everything else


Label: City Slang


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop, Folk, Filmmusik


Trackliste:

CD1 (Vexations):

1. Nausea (3:13)
2. Seneca's Silence (4:21)
3. We Are Free (4:18)
4. Red Nose Day (4:33)
5. 5 Steps / 7 Swords (4:32)
6. We Are Still... (1:07)
7. A Voice In The Louvre (5:32)
8. Werner Herzog Gets Shot (3:46)
9. That Love (5:49)
10. Aureate! (4:33)
11. We Are Ghosts (4:20)
12. A Burial At Sea (6:34)
13. Angry Young Man (4:51)
14. We Are The Roman Empire (5:00)

Gesamtspieldauer CD1: 1:02:28


CD2 (Songs For / From Films):

1. Teenage FBI (4:52)
2. Busy Hope (3:12)
3. La Chanson D'Hélène (3:46)
4. The World Needs A New... (4:16)
5. Harmour Love (4:09)
6. My Door (3:38)
7. I'm Deranged (4:02)
8. Good Friday (4:44)

Gesamtspieldauer CD2: 32:37

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 1:35:06




Hier sind beide Cover des Albums aufgeführt, da die CD auch in diesen zwei Editionen ausgeliefert wird. Bei ersterer handelt es sich um die Deluxe-Edition, die zusätzlich zum Album „Vexations“ noch die Filmmusik des Konstantin Gropper enthält, welche er zu einigen Produktionen beisteuerte. Wer auf künstlerisch bearbeitete CD-Cover steht oder auch Sammler ist, dem kann man diese Deluxe-Version nur ans Herz legen. Sie ist wie ein kleines Buch gestaltet, mit allen Lied-Texten und einigen feinen Zeichnungen. Das Ganze passt allerdings nur recht schlecht zwischen die anderen CD’s, es ragt weit heraus, dafür ist es jedoch etwas Besonderes und wahrlich schön gestaltet.

Nun zur Musik auf „Vexations“. Diese ist durchaus vergleichbar mit dem Erstlingswerk von Get Well Soon - beziehungsweise Konstantin Gropper. Erneut gibt es hier wieder jede Menge ruhiger, nachdenklicher Musik zu hören, die hauptsächlich für die etwas stilleren Stunden des Lebens gedacht ist. Wer solche Musik mag, die dieses Mal offensichtlich deutlich weniger von der Musik anderer Länder beeinflusst wurde, der wird auch hier seine Favoriten entdecken.

Das Debut „Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ ist dabei sogar noch ein wenig eingängiger, als dieses zweite Album von Get Well Soon – auch wenn man bereits dort feststellen musste, dass es einiger Durchläufe der CD bedurfte, um richtig in diese Musik eintauchen zu können. Trotzdem war dieses erste Werk doch noch ein wenig massentauglicher geartet, als das zweite Album des Konstantin Gropper. Die einzelnen Titel benötigen hier noch ein wenig mehr Zeit, um den Hörer zu treffen, um so richtig Eindruck hinterlassen zu können. Noch mehr gilt das übrigens für die Zusatz-CD auf der Deluxe-Edition. Diese Lieder, allesamt Filmmusik, schaffen es dabei nur schwerlich gleich beim Hörer zu punkten, auch wenn David Bowie und Brian Eno zum Teil ihre Finger mit im Spiel hatten. Oftmals so gar nicht mehr eingängig, bedarf es hier noch ein paar Durchgänge mehr, um in der Musik richtig ankommen zu können.

Die CD „Vexations“ selbst lohnt sich für alle diejenigen unter den Musikhörern, die das Besondere in der Musik suchen. Hier gibt es keinen Allerwelts-Pop zu hören, sondern wahrlich spannende und intelligente Musik, die sich dem Konsumenten zwar meist noch nicht beim ersten Hören erschließt, dann allerdings immer mehr seine Feinheit, Melodiösität und man möchte fast sagen, seine Intelligenz offenbart. Keine einfache Musik, komplexer in seinem Aufbau, häufig ruhig gehalten, selten treibend und dabei stets ein wenig schwermütig, manches Mal sogar traurig wirkend. Dazu tragen nicht zuletzt die vielen Streicher bei, die die in den einzelnen Titeln vorhandene Dichte und Schwere noch zusätzlich untermalen.

Fazit: „Get Well Soon“ ist Musik für die stillen Momente des Lebens. Das ist definitiv keine Stimmungsmusik. Manche Menschen benötigen so etwas ab und an, andere werden damit gar nichts anfangen können. Ist das Ohr des Hörers jedoch offen, für auch häufig mal ganz leise Töne, so sei ihm „Vexations“ wärmstens empfohlen. Und kennt man „Vexations“, möchte sich der süßen Melancholie hingeben und sucht Musik, um dieses Gefühl noch zu unterstreichen – ich bin sicher, das Einlegen dieser CD kommt dabei in die ganz enge Wahl. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Seneca's Silence, We Are Free, Aureate!, We Are Ghosts, Angry Young Man





Freitag, 6. September 2013

Munly & The Lee Lewis Harlots – Munly & The Lee Lewis Harlots




Munly & The Lee Lewis Harlots – Munly & The Lee Lewis Harlots


Besetzung:

Munly Munly – ohne Instrumentenangabe
Paul Bradley – ohne Instrumentenangabe
Jeff Linsenmaier – ohne Instrumentenangabe
Robert Ferbrache – ohne Instrumentenangabe
Elin Palmer – ohne Instrumentenangabe
Frieda Stalheim – ohne Instrumentenangabe
Rebecca Vera – ohne Instrumentenangabe


Label: Alternative Tentacles Records; Smooch Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Alternative Country, Alternative Rock


Trackliste:

1. Amen Corner (4:01)
2. Big Black Bull Comes Like A Caesar (6:45)
3. Old Service Road (3:56)
4. Another Song About Jesus, A Wedding Sheet, And A Bowie Knife (5:39)
5. Cassius Castrato The She-Male Of The Mens Prison (5:16)
6. Ragin' Cajun' (4:21)
7. Song Rebecca Calls, That Birdcage Song, Which Never Was Though Now Kind Of Is Because Of Her Influence... (6:14)
8. Goose Walking Over My Grave (5:41)
9. The Leavening Of The Spit-Bread Girls (3:08)
10. A Gentle Man's Jihad (5:05)
11. The Denvor Boot Redux (5:38)
12. Of Silas Fauntleroys Willingness To Influence The Panel (3:36)
13. Jacob Dumb (4:41)
14. My Second Salvation Army Choir (5:39)
15. River Forktine Tippecanoe (7:29)

Gesamtspieldauer: 1:17:07





Jay Munly ist ein Sänger, Songschreiber und Gitarrist aus Denver, Colorado, der im Jahr 2004 unter dem Titel „Munly & The Lee Lewis Harlots” bereits sein fünftes Album veröffentlichte. Das Ganze läuft unter der Überschrift “Alternative Country” hat mit diesem Genre allerdings, bis auf das ab und an auftauchende Banjo oder eine nach Fidel klingende Violine, nur am Rand etwas zu tun. Viel eher handelt es sich bei dem Album „Munly & The Lee Lewis Harlots” um Alternative Rock und zwar in einer sehr spannenden Ausführung.

Mal klingt es rockiger, ein anderes Mal sehr harmonisch, ruhig und melodiös, immer allerdings ist die Musik eingängig und bahnt sich zügig ihren Weg in das Musikzentrum des Hörers. Und auch der Spaß kommt dabei nicht zu kurz, was bei Titeln wie „Song Rebecca Calls, That Birdcage Song, Which Never Was Though Now Kind Of Is Because Of Her Influence...“ oder aber „Cassius Castrato The She-Male Of The Mens Prison“ auch nicht allzu überraschend ist. Und es ist ebenso nicht weiter verwunderlich, dass man „Cassius Castrato“ bei letztgenanntem Song auch trefflich singen hört.

Die Musik ist überaus abwechslungsreich, wird nie langweilig, sondern ganz im Gegenteil, sie bleibt immer spannend. Das liegt nicht zuletzt daran, dass kein Lied dem anderen gleicht. Das verbindende Element ist auf der Platte der Gesang Jay Munlys, der zwar auch, wie bereits erwähnt, sich mal kastratisch anhören kann, öfters allerdings auch an die Stimme David Eugene Edwards erinnert, womit dann doch der Brückenschlag zum Alternative Country gelungen wäre.

Ebenfalls ein verbindendes Element stellt die Violine beziehungsweise die Violinen dar, die häufig zum Einsatz kommen und dabei mitunter auch mal fast schon experimentell gespielt werden. Dabei wird es jedoch nur sehr selten mal ein wenig atonal, uneben oder schräg, allerdings werden damit Ecken und Kanten eingefügt, die die Musik auf „Munly & The Lee Lewis Harlots” unverwechselbar und noch interessanter werden lassen.

Fazit: Auch wenn das Genre Alternative Country nur gestreift wird, so werden Liebhaber solcher Musik mit diesem Album etwas für sich finden. Auch Freunde des Alternative Rock kommen auf ihre Kosten sowie all jene, die sich für Musik jenseits des Mainstream interessieren. Musik also für solche Hörer, die der Musik lieber zuhören, als sie im Hintergrund dudeln zu lassen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Goose Walking Over My Grave, The Leavening Of The Spit-Bread Girls





Donnerstag, 5. September 2013

The Velvet Underground – The Velvet Underground & Nico




The Velvet Underground – The Velvet Underground & Nico


Besetzung:

Lou Reed – lead guitar, ostrich guitar, vocal
John Cale – electric viola, piano, bass guitar, backing vocals, celeste
Sterling Morrison – rhythm guitar, bass guitar, backing vocals
Maureen Tucker – percussion
Nico – chanteuse, backing vocals


Label: Verve Records


Erscheinungsdatum: 1967


Stil: Psychedelic Rock, Experimental Rock


Trackliste:

1. Sunday Morning (2:53)
2. I'm Waiting For The Man (4:37)
3. Femme Fatale (2:38)
4. Venus In Furs (5:09)
5. Run Run Run (4:19)
6. All Tomorrow's Parties (5:57)
7. Heroin (7:09)
8. There She Goes Again (2:38)
9. I'll Be Your Mirror (2:09)
10. The Black Angel's Death Song (3:12)
11. European Son (7:44)

Gesamtspieldauer: 48:25




„The Velvet Underground & Nico“ war das erste Album der US-Amerikaner von Velvet Underground aus dem Jahr 1967 und ist wohl auch ihre beste Veröffentlichung. „The Velvet Underground & Nico“ ist das Album einer Band, die stilbildend und häufig kopiert werden würde - zunächst vom Publikum allerdings fast schon verschmäht wurde. Komplett von Andy Warhol produziert befinden sich auf dieser Platte Lieder, die im Grunde genommen gar nicht zusammenpassen wollen. Das liegt weniger am Stil der Songs, sehr viel eher an den Stimmungen, die hier transportiert werden. Mal wirkt alles zuckersüß und lieb, ein anderes Mal endet ein Lied in einer Kakophonie, welches einem das Gehirn einzuschmelzen zu versuchen scheint. Dann wieder wird es folkig flott, rockiger oder aber schmusig verträumt. Ein Mix, bei dem keines der Lieder dem anderen gleicht.

Zu dieser Abwechslung trägt ebenfalls der Gesang bei, der von Lou Reed in jedem Lied etwas anders vorgetragen wird, sodass man glaubt mehrere verschiedene Sänger in den einzelnen Liedern zu hören. Und wenn Christa Päffgen, alias Nico diesen Part übernimmt, dann wird dieses Lied verzweifelt, traurig, düster und transportiert Gefühle, Stimmungen und Atmosphäre, die unweigerlich Erinnerungen an den letzten grauen und verregneten November aufkommen lassen.

Überaus gelungen sind Lou Reed - der sich auch für den Großteil der musikalischen Kompositionen auszeichnete - die Texte, die sich überwiegend mit den Abgründen unserer menschlichen Gesellschaft beschäftigen. Dieser Umstand dürfte auch einen nicht unerheblichen Anteil daran haben, dass sich diese Platte zu Beginn nicht sonderlich gut verkaufte. Wer sollte da schon verwundert sein, dass im prüden Amerika Lieder, die die Prostitution, den Sado-Masochismus („Venus In Furs“, welches sich auf das Werk „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch bezieht) oder etwaigen Drogenkonsum behandeln, nicht nur zur damaligen Zeit in den Medien durchfallen, soll heißen, dass diese Lieder nicht im Radio gespielt werden. Aber zumindest verkauft werden solche Platten heute in den Plattenläden, versehen mit einem Sticker, der auf „Explicit Lyrics“ hinweist. Das war in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts allerdings ebenfalls nicht immer so. Den Aufkleber hatte man damals wohl noch nicht…

Gerade das Lied „Heroin“ schafft es dabei, eine Symbiose aus Musik und Text zu generieren, die man heute in Zeiten, in denen ein eingängiger Sound oft mit „I love you“-Metaphern vollgestopft wird, nur noch selten antrifft. Die Abgründe, in denen sich der Protagonist des Songs von Anfang an befindet, werden hier überdeutlich musikalisch wie textlich umgesetzt und es endet alles in einer musikalischen Katastrophe. Sehr eindringlich!

Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch die elektrische Viola des John Cale, die der Musik von Velvet Underground ein, zumindest für diese Zeit, Alleinstellungsmerkmal verlieh. Mitunter scheint John Cale sich dabei nicht dem Diktat der Takte unterwerfen zu wollen, was der Musik einen weiteren Spannungsbogen hinzufügt.

Fazit: Ein für die damalige Zeit sicherlich revolutionäres Album, was sich allerdings auch heute immer noch überaus wohltuend vom allgemeinen Mainstream der Musik abhebt. Dazu gibt es spannende Geschichten zu hören und auch sehr eingängige Melodien. Es kommt zum Verschmelzen von Wort und Ton, zu kleinen Kunstwerken, die auch nach vielen Jahren nichts von ihrem Reiz verloren haben. Diese hohe Qualität kann zwar nicht über alle elf Stücke des Albums gehalten werden, trotzdem ist dieses Werk absolut hörenswert und jedem Rock-Musik-Freund zu empfehlen, der auch mal „mehr“ hören möchte als radiotaugliche Mainstream-Musik. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Venus In Furs, Heroin





Mittwoch, 4. September 2013

And You Will Know Us By The Trail Of Dead – So Divided




And You Will Know Us By The Trail Of Dead – So Divided


Besetzung:

Conrad Keely – ohne Instrumentenangabe
Jason Reece – ohne Instrumentenangabe
Kevin Allen – ohne Instrumentenangabe
Doni Schroeder – ohne Instrumentenangabe
Daniel Wood – ohne Instrumentenangabe


Gastmusiker:

Amanda Palmer – vocals, piano
Lily Courtney – vocals, backing vocals
Will Courtney – vocals, backing vocals
James Olsen – vocals, backing vocals
Beaux Randall – backing vocals
Daniel Wilcox – slide-guitar
Pat Mastellotto – percussion
Hilary Hahn – violin
Matt Bang – saxophone


Label: Interscope Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Alternative


Trackliste:

1. Intro: A Song Of Fire And Wine (1:42)
2. Stand In Silence (4:35)
3. Wasted State Of Mind (5:27)
4. Naked Sun (6:05)
5. Gold Heart Mountain Top Queen Directory (2:14)
6. So Divided (6:29)
7. Life (5:59)
8. Eight Days Of Hell (2:10)
9. Witch's Web (4:11)
10. Segue: Sunken Dreams (2:19)
11. Sunken Dreams (5:16)


Bonus Track:

12. Witch's Web (Original Version) (4:48)

Gesamtspieldauer: 51:15




Die Messlatte für das fünfte Studio-Album der texanischen Band And You Will Know Us By The Trail Of Dead lag natürlich unglaublich hoch nach dem Meisterwerk der Band „Worlds Apart“ aus dem Jahr 2005. Bereits ein Jahr später veröffentlichte die Formation, die jetzt zum Quintett erweitert worden war, mit „So Divided“ ihr nächstes Album. Und um es gleich vorweg zu nehmen, ganz an „Worlds Apart“ reicht dieses Album nicht heran, trotzdem ist es eine klasse Scheibe geworden, die sich für all diejenigen unter den Musikhörern lohnt, die zum Teil etwas härtere Klänge in Verbindung mit tollen Melodien zu schätzen wissen. Obwohl, besonders „hart“ ist „So Divided“ eigentlich auch nicht. Ein Umstand, den Fans der ersten Stunde der Band an diesem Album auch immer wieder bemängeln. Im Grunde genommen haben And You Will Know Us By The Trail Of Dead hier jedoch genau die richtige Mischung aus kraftvollem Rock und auch sanfteren Tönen gefunden.

Das Album weist zudem mindestens zwei Songs auf, die man unbedingt gehört haben sollte. Besser kann Rock-Musik kaum klingen. Da wäre zum einen der Titel „Wasted State Of Mind“, der unglaublich hektisch mit Bongo-Getrommel beginnt, in welches dann ein Pianolauf einsetzt. Beides in dieser Verbindung gibt es sicherlich nicht allzu oft zu hören und es entwickelt sich im weiteren Verlauf ein unglaublich eingängiger und kraftvoller Song, einer der bisher besten in der Bandgeschichte der US-Amerikaner. So muss Rock klingen, wenn er überzeugen will und hängenbleiben soll. Ein Lied mit dem absoluten Wiedererkennungswert. Einfach klasse.

Auch der Titel „Life“ gehört zu den Höhepunkten. Seltsame Geräusche sind da am Anfang zu hören, alles klingt ein wenig schräg und dann entwickelt sich daraus ein sehr eingängiges und fast schon ein bisschen getragenes Lied, wieder ausgestattet mit einer klasse Melodie. Das Piano groovt hier und die gespielten und gesungenen Harmonien verankern sich im Musikzentrum des Gehirns des Hörers - auch oder vielleicht dadurch, dass immer wieder fast schon schräge Töne mit in den Song eingespielt wurden, die dann jedoch perfekt passen. Unverwechselbar und sehr nachhaltig.

Der Rest der Platte braucht sich ebenso nicht zu verstecken, soll heißen, man kann die Fernbedienung getrost in der Ecke liegen lassen, es befindet auf „So Divided“ nichts, was übersprungen werden müsste. Da gibt es den ganz zarten und zurückhaltenden Beginn mit anscheinenden Publikumsgeräuschen, dann wird mit „Stand In Silence“ sofort ordentlich losgerockt. „Naked Sun“ groovt, dass es besser kaum geht und „Gold Heart Mountain Top Queen Directory“ ist eine wunderschöne Ballade, in die man völlig eintauchen kann. Einziges Manko hier ist vielleicht die Kürze des Liedes von gerade mal etwas über zwei Minuten.

Das Titellied „So Divided“ ist zunächst eine ruhige Nummer, die im weiteren Verlauf deutlich Fahrt aufnimmt. Und auch hier steht wieder über allem die Eingängigkeit, die Melodie, die sich sofort festsetzt und nachhallt. „Eight Days Of Hell“ erinnert stark an die Beatles und „Witch’s Web“ ist im Anschluss daran wieder ein ruhiger Titel, der so gar nichts mehr mit der Musik zu tun hat, den And You Will Know Us By The Trail Of Dead auf den ersten beiden Alben veröffentlichte. Aber es passt, auch wenn hier mal eine Pedal Steel Gitarre zum Einsatz kommt und Conrad Keely dieses Mal sogar seine Kopfstimme einsetzen muss.

Beschlossen wird das Album mit den beiden „Sunken Dreams“-Titeln. „Segue: Sunken Dreams“ ist dabei eine Klangkollage, die wohl ein wenig unheimlich klingen soll, das funktioniert sogar auch ganz gut. „Sunken Dreams“ ist im Anschluss daran wieder eine schöne und treibende Nummer. Ein würdiger Abschluss dieses Albums, der zum Mitwippen einlädt. Obwohl, eine Zugabe gibt es ja sogar noch: die Original-Version von „Witch’s Web“. Beide Versionen klingen allerdings sehr ähnlich und der Hauptunterschied ist wohl der, dass auf dieser Version hier die Pedal Steel Guitar durch eine „singende Säge“ ersetzt wurde. Auf jeden Fall klingt das für mich so.

Ach ja, noch etwas sollte hier Erwähnung finden. Das Booklet hat wieder Conrad Keely erstellt, beziehungsweise gemalt. Wirklich klasse gemacht, der Junge hat eine ganze Menge Talente und hat hier den einzelnen Stücken Bilder zugewiesen. Sehr gelungen, auch wenn einen das Bild zum Titel „Life“ schon sehr betroffen macht.

Fazit: „So Divided“ ist ein tolles Album einer tollen Band geworden, die im Laufe ihres Bestehens eine unglaubliche Wandlung vollzogen hat. Weg vom reinen „Heavy-Sound“, hin zum immer noch nicht soften Rock, aber doch zu Musik, bei der die Melodie deutlich weiter in den Vordergrund gerückt wurde. Mir gefällt das wirklich gut. Auch wenn „So Divided“ kein zweites „Worlds Apart“ wurde (wie sollte das auch gehen und wäre ja langweilig!), ist diese fünfte Platte der Band ein sehr hörenswertes Album geworden. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Wasted State Of Mind, Gold Heart Mountain Top Queen Directory, Life, Sunken Dreams





Dienstag, 3. September 2013

New Model Army – Anthology




New Model Army – Anthology


Besetzung:

Justin Sullivan – vocals, guitar, harmonica (1980 – today)
Nelson (Peter Nice) – bass, vocals (1989 – today)
Dean White – keyboard, guitar, vocals (1994 – today)
Michael Dean – drums, vocals (1998 – today)
Marshall Gill – guitar, vocals (2005 – today)


Former Members:

Tom Tom Tompkins – drums (1980 – 1981)
Stuart Morrow – bass, vocals (1980 – 1985)
Rob Waddington – drums (1981 – 1982)
Robert Heaton – drums, bass, vocals (1982 – 1997)
Jason „Moose“ Harris – bass, keyboards, vocals (1985 – 1989)
Ricky Warwick – guitar, acoustic guitar (1987)
Chris McLaughlin – guitar (1987 – 1988)
Ed Alleyne-Johnson – violin (1989 – 1993)
Adrian Portas – guitar (1990 – 1992)
Ed Wolstenholme – violin (1996 – 1997)
Dave Blomberg – guitar, keyboards, vocals (1993 – 2005)
Mark Feltham – frequent special guest – harmonica
Joolz – frequent special guest – vocals


Label: Attack Attack Records


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Sammler-Box, bestehend aus zwei CD’s und drei DVD’s


Trackliste:

CD1:

1. Vengeance (4:07)
2. Modern Times (3:35)
3. Flying Through The Smoke (3:12)
4. Masterrace (2:59)
5. Today Is A Good Day (4:02)
6. Here Comes The War (4:30)
7. A Liberal Education (5:28)
8. Luhrstaap (4:36)
9. Drag It Down (3:23)
10. Christian Militia (3:28)
11. Carlisle Road (4:02)
12. Purity (4:44)
13. Someone Like Jesus (6:55)
14. Living In The Rose (3:51)
15. Rainy Night 65 (4:58)


CD2:

1. Whitecoats (4:57)
2. Dawn (3:44)
3. Afternoon Song (2:36)
4. Vagabonds (5:21)
5. Bluebeat (4:52)
6. South West (3:51)
7. Wonderful Way To Go (5:43)
8. Lights Go Out (3:58)
9. Bloodsports (4:21)
10. Red Earth (5:04)
11. Green and Grey (5:47)
12. Water (4:33)
13. Mambo Queen Of The Sandstone City (3:59)
14. Better Than Them (3:16)
15. Marry The Sea (4:48)

Gesamtspieldauer der beiden CD’s: 2:10:39


DVD1:

1. Live At The Marquee 1985 (29:35)
2. Live at the Rockpalast Philipshalle 1990 (1:13:01)
3. Promotional Videos: 51st State, White Coats, Stupid Questions, Vagabonds, Green And Grey (19:24)
4. Bootlegs: Smalltown England, A Liberal Education, Young Gifted & Skint, Lovesongs, The Hunt, Lights Go Out, Waiting (31:07)


DVD2:

1. Live At The Rockpalast Bizarre Festival 1996 (1:12:56)
2. Promotional Videos / Art Videos: Get Me Out, Purity, Here Comes The War, Living In The Rose, Whitelight (live), Wonderful Way To Go, Over The Wire, Queen Of My Heart, Refugee (49:08)
3. Bootlegs: Fate, Ambition, Living In The Rose,These Words, Vengeance, 125 MPH, Still Here, See You In Hell, Killing, No Pain, Headlights, Understand U (49:08)


DVD3:

1. Live At The Rockpalast Köln Palladium 2006 (1:36:20)
2. Promotional Videos: You Weren't There (live), Island, Ocean Rising, BD3, Wired, Today Is A Good Day, Another Imperial Day (17:00)
3. Bootlegs: Whirlwind, Red Earth, Purity, Island, Into The Wind, Breathing, Before I Get Old, One Of The Chosen (13:59)

Gesamtspieldauer der drei DVD’s: 7:31:38




Zum dreißigjährigen Jubiläum der Band hat New Model Army eine große Sammler-Box herausgegeben, die neben den oben aufgeführten zwei CD’s und drei DVD’s noch so einiges Weiteres für den Fan bereithält. Ich fange mal an aufzuzählen:

Zunächst gibt es da ein 84-seitiges gebundenes Buch in den Maßen 27x27 Zentimeter. Darin gibt es Informationen zu allen Alben der Band, Interviews, Konzert-Photos, alle Konzert-Daten der Band, Photos der verschiedenen Tickets, Photos der „Schmierzettel“, auf denen die Texte entworfen wurden und und und. Da hat sich jemand wirklich sehr viel Mühe gegeben, denn dieses Buch sieht auch von außen sehr edel aus. Die Photos sind zum größten Teil Farbphotographien und es macht Spaß darin zu blättern und zu lesen. Dann gibt es in der Box noch einen Aufkleber mit dem Aufdruck von New Model Army zur Jubiläumbox, eine Schablone, damit man sich das New Model Army Logo auch überall draufsprühen kann, zehn dicke Kunst-Graphiken mit Ausschnitten aus den verschiedenen Album-Covern der Band, ein Puzzle (!), eine Kette und einen metallischen Anhänger mit der Einstanzung „New Model Army 30 Years“.

Okay, benötigt man sicher nicht alles wirklich, aber eben eine nette Dreingabe. Hauptsächlich geht es bei der Box um die Musik und die ist wie oben angeführt reichlich vorhanden. Auf den beiden CD’s sind Lieder aus jeder Schaffensphase der Band wiedergegeben und die drei DVD’s enthalten Material von über siebeneinhalb Stunden Laufzeit. Nicht schlecht Herr Specht. Dazu ist zu sagen, dass die Konzertmittschnitte wirklich klasse gelungen sind und mitreißen können. Auch soundtechnisch allererste Sahne. Die Videos sind ebenfalls bestens gelungen und es macht einfach Spaß, am DVD-Player mit angeschlossenen Boxen bei „Ocean Rising“ zum Beispiel das Meer wirklich aufgewühlt zu sehen und so noch ein wenig mehr in den Song eintauchen zu können. Lediglich die Bootlegs, die allesamt ebenfalls Konzertmitschnitte darstellen, haben nicht die allerbeste Qualität. Aber man hört und sieht, was zu sehen und zu hören ist. Passt also auch, sind eben Bootlegs.

Fazit: Mit dieser Box kann man sich den ganzen Sonntag beschäftigen, so viel gibt es da zu sehen und zu hören und auch zu tun. Und da diese Zusammenstellung noch nicht einmal so viel Geld kostet, wenn man bedenkt, dass es hier knapp zehn Stunden etwas zu sehen und zu hören gibt, dann ist das für den Fan, auch wenn er die regulären Alben bereits besitzt, doch eine lohnende Anschaffung. Klasse gelungen das Ganze, auch wenn ich das Puzzle noch nicht ausgepackt habe… Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Alles