Mittwoch, 25. Dezember 2013

Wovenhand – Wovenhand




Wovenhand – Wovenhand


Besetzung:

David Eugene Edwards – vocals and all instruments


Gastmusiker:

Stephen Taylor – electric guitar on 1, 2, 7, 8, 9
Daniel McMahon – piano, vocal, organ on 5, 8


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: ArtPop, Post Rock, Alternative Country, NeoFolk


Trackliste:

The Good Hand (4:10)
My Russia (3:44)
Blue Pail Fever (4:58)
Glass Eye (3:01)
Wooden Brother (5:07)
Ain't No Sunshine (2:54)
Story And Pictures (4:55)
Arrowhead (3:27)
Your Russia (4:16)
Last Fist (4:12)

Gesamtspieldauer: 40:43




Noch vor der letzten Studio-Album-Veröffentlichung von 16 Horsepower im August 2002, veröffentlichte David Eugene Edwards im März desselben Jahres sein erstes Solowerk unter dem Titel Wovenhand. Dies war gleichzeitig der Titel seines neuen Projekts, wie auch der Name des Albums. Vier Nummern dieser Platte wurden in leicht veränderter Version auch auf der Platte „Blush Music“ veröffentlicht – Musik für das Tanzprojekt des Belgiers Wim Vandekeybus. Dieses erschien ebenfalls 2002.

Die Texte des David Eugene Edwards sind meist religiöser Natur und sehr eindringlich. Die Musik selbst klingt melancholisch bis tieftraurig, die Moll-Akkorde stehen im Vordergrund und dazu gesellt sich noch eine gewisse Experimentierfreude des Amerikaners, der auch sphärische oder aber schräge Töne immer wieder in seine Stücke mit einbaut. Zum Teil wirken die Songs auch fast schon ein klein wenig meditativ, wenn bestimmte Akkorde immer und immer wiederholt werden. Tief verträumt und melancholisch klingt das Ganze und hat im Grunde genommen nur noch am Rande etwas mit dem Alternative Country zu tun, für den die Band 16 Horsepower stand. Die Musik driftet sehr viel eher in die Richtung melodischer ArtPop.

Nun, eingängig sind die Stücke wahrlich, die auch die Fähigkeit besitzen, mit jedem weiteren Hören noch ein wenig zu wachsen. Sehr unaufdringlich wird hier gerockt, der Stille wird ein immer wiederkehrender Raum richtiggehend eingeräumt, ganz so, als ob uns David Eugene Edwards Zeit für das Sammeln der Gedanken und Gefühle einräumen möchte, wenn wir seiner Musik lauschen.

Fazit: Wer keine Probleme damit hat, dass es sich bei der Musik von Wovenhand um sehr religiöse Lieder handelt und gerne etwas „abgefahrenere“ und melancholische Musik liebt, dem sei dieses Album sehr ans Herz gelegt. Alles klingt hier, ist eingängig und mitunter einfach nur schön anzuhören. Ein traurig gestimmtes Album zwar, jedoch auch eines, welches durch seine Musik sehr ergreifend wirkt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Good Hand, Wooden Brother, Arrowhead



Dienstag, 24. Dezember 2013

David Bowie – Diamond Dogs




David Bowie – Diamond Dogs


Besetzung:

David Bowie – vocals, guitars, saxophones, moog synthesizer, mellotron


Gastmusiker:

Earl Slick – guitar on "Rock 'n' Roll with Me"
Mike Garson – keyboards
Herbie Flowers – bass guitar
Tony Newman – drums
Aynsley Dunbar – drums
Alan Parker – guitar on "1984"


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Art Rock, Glam Rock


Trackliste:

1. Future Legend (1:10)
2. Diamond Dogs (5:58)
3. Sweet Thing - Candidate - Sweet Thing (Reprise) (8:46)
4. Rebel Rebel (4:28)
5. Rock 'n' Roll With Me (4:02)
6. We Are The Dead (4:52)
7. 1984 (3:27)
8. Big Brother (3:26)
9. Chant Of The Ever Circling Skeletal Family (2:00)

Gesamtspieldauer: 38:09




Es gibt Platten, die begleiten einen das ganze Leben lang. Sie sind wie gute Freunde, mit denen sich trefflich über vergangene Zeiten philosophieren lässt, die Erinnerungen hervorrufen und es sogar fast schaffen, so ein gewisses Gefühl von „Heimat“ aufkommen zu lassen. Glücklicherweise kenne ich einige dieser treuen Begleiter und eine davon ist diese Platte: „Diamond Dogs“, das achte Studioalbum des David Bowie.

Mit den Titeln „Sweet Thing“ und „Big Brother“ enthält „Diamond Dogs“ dabei zwei Lieder, die mit zu dem Besten gehören, was David Bowie in seiner langen Karriere geschrieben hat. Beide Nummern besitzen dabei das gewisse Etwas, was Musik zu etwas Besonderem werden lässt. Die Lieder sind unglaublich melodiös und eingängig, allerdings ist es fast unmöglich sich an ihnen zu überhören. Gerade auch in Bezug auf den Hintergrundgesang, der diese einnehmende Stimmung noch verstärkt, sind beide Titel absolut perfekt arrangiert. Trotzdem klingt „Sweet Thing“ sogar ein wenig schräg, auf eine ganz bestimmte Weise „abgefahren“ und gerade in Bezug auf das Saxophon-Spiel des David Bowie nicht nur melodiös. Aber dann geht das Lied immer wieder in diese traumhaft schönen Abschnitte über, die es schaffen den Hörer zu rühren. „Big Brother“ ist da sogar noch ein wenig eingängiger. Durch Keyboard, Synthesizer und vor allen Dingen das Mellotron wird hier eine Stimmung erschaffen, die selbst George Orwell erfreut hätte.

Aber es gibt noch jede Menge mehr auf „Diamond Dogs“ zu entdecken. Das Album beginnt mit „Future Legend“ im wahrsten Sinne des Titels futuristisch. Man hört Geheule und dann eine etwas atonalen Hintergrundmusik, zu der David Bowie den Text spricht. Das Lied geht unter lautem Jubel, ohne Übergang, in den Titeltrack „Diamond Dogs“ über. Eine Rock-Nummer, nicht übermäßig melodiös, dafür mit umso mehr Groove. Es folgt das bereits erwähnte „Sweet Things“, welches durch „Candidate“ und „Sweet Things Reprise“ noch verlängert wird.

„Rebel, Rebel“, im Anschluss daran ist ebenfalls eine Rock-Nummer. Ganz okay, aber sicherlich nicht einer der Höhepunkte des Albums. „Rock 'n' Roll With Me” ist dann fast schon eine Ballade. Hier kann David Bowie sehr gut seine Stimme einsetzen und zur Geltung bringen. Sehr viel spannender wird es dann wieder mit „We Are The Dead“. Ebenfalls ein ruhiges Lied, sogar noch ruhiger als der Vorgänger klingt das Ganze ein klein wenig marode und hoffnungslos. Jetzt bewegt sich David Bowie allerdings auch wieder auf der sehr melodiösen Schiene, die zunächst nur durch einen kurzen Zwischenteil unterbrochen wird. Dann läuft allerdings alles auf die Einleitung zum nächsten Titel „1984“ hin – obwohl die Musik am Ende nochmals eine kurze Pause einlegt. „1984“ ist schließlich wohl das radiotauglichste Lied der gesamten Platte. Eine schöne Nummer, die auch wieder vom Gesang lebt.

Es folgt das bereits erwähnte „Big Brother“ und anschließend mit „Chant Of The Ever Circling Skeletal Family“ fast schon eine Sound-Kollage, bei der die Art der Musik mit Art Rock bestens umschrieben werden kann.

Fazit: „Diamond Dogs“ ist ein tolles Album geworden, welches zur Entstehungszeit sehr außergewöhnlich war, da David Bowie hier mal wieder neue Wege beschritt. Aber auch heute noch klingt das Album modern, spannend und innovativ und sein Alter ist der Musik kaum anzumerken, wenn man nicht unbedingt auf Casting Shows und Synthie-Pop steht. Vielleicht muss man in der heutigen Zeit dem Album ein klein wenig mehr Zeit zum „Reifen im Ohr“ geben, wenn man es noch nicht kennen sollte. Wenn man dieser Scheibe allerdings diese Zeit einräumt und offen ist für andere Töne, dann wird man reich beschenkt werden. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Sweet Thing, We Are The Dead, Big Brother



Montag, 23. Dezember 2013

Strawbs – Grave New World




Strawbs – Grave New World


Besetzung:

Dave Cousins – lead vocals, backing vocals, acoustic guitar, electric guitar, dulcimer, recorder
Tony Hooper – lead vocals, backing vocals, acoustic guitar, autoharp, tambourine
Blue Weaver – organ, piano, harmonium, mellotron, clavioline
John Ford – lead vocals, backing vocals, bass guitar, acoustic guitar
Richard Hudson – backing vocals, drums, sitar, tablas


Gastmusiker:

Trevor Lucas – backing vocals on "Benedictus"
Anne Collins – backing vocals on "Benedictus"


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Benedictus (4:25)
2. Hey, Little Man ... Thursday's Child (1:06)
3. Queen Of Dreams (5:32)
4. Heavy Disguise (2:53)
5. New World (4:13)
6. Hey, Little Man ... Wednesday's Child (1:07)
7. The Flower And The Young Man (4:18)
8. Tomorrow (4:49)
9. On Growing Older (1:56)
10. Ah Me, Ah My (1:26)
11. Is It Today, Lord? (3:08)
12. The Jorney's End (1:46)
13. Here It Comes (2:44)
14. I'm Going Home (3:16)

Gesamtspieldauer: 42:39




„Grave New World“ ist das vierte offizielle Studio-Album der englischen Band Strawbs. Und wieder einmal hatte es eine Umbesetzung gegeben. Rick Wakeman hatte die Strawbs wieder verlassen und sich Yes angeschlossen, um dort gleich mit dem ersten Wurf das Meisterwerk „Close To The Edge“ zu veröffentlichen. Nun Progressive Rockmusik findet sich auf „Grave New World“ nur am Rande, auch wenn dieses Genre ebenfalls immer wieder ein klein wenig bedient wird.

Andeutungen beziehungsweise Ansätze zu diesem Musikstil gibt es bei den Titeln „Queen Of Dreams“, „Heavy Disguise“, „Tomorrow“ und auch noch ein klein wenig auf „New World“. Sehr melodischer Progressive Rock ist das dann allerdings. Deutlich mehr im Fokus steht da schon die Folk-Musik, die jedoch so gar nichts mit der Musik eines Bob Dylan gemein hat. Sehr viel eher handelt es sich bei den Strawbs um die englische Ausprägung dieses Musikstils.

Die einzelnen Titel sind dabei überaus melodiös und gehen bereits nach wenigen Malen des Hörens in das Langzeitgedächtnis des Musikzentrums über. Alles wirkt sehr harmonisch und in sich geschlossen und die großen Stärken besitzt das Album wahrlich, wenn diese beiden eben erwähnten Musikstile miteinander verwoben werden. Den beiden „Hey, Little Man …“-Stücken fehlt jedoch zum Beispiel diese Abwechslung, genau wie „On Growing Older” wodurch diese Nummern zwar ebenfalls überzeugend klingen, allerdings könnte man das auch mit „ganz nett“ umschreiben, da ihnen das gewisse Etwas, was mitunter einen Song ausmacht, einfach abgeht.

Dann gibt da auch noch so eine Spielerei wie „Ah Me, Ah My“, was wie eine Persiflage aus einem Film der 50er Jahre klingt. Wahrlich nicht unbedingt Musik, die zum Rest der Platte passen will, jedoch auf seine Art sehr witzig. Auch „Is It Today, Lord?” unterscheidet sich von den anderen Liedern. Zwar kann man dies durchaus auch noch als Folk durchgehen lassen, allerdings spielt hier die Sitar eine ganz zentrale Rolle, sodass auch dieser Song zum breiten Spektrum auf „Grave New World“ beiträgt.

Fazit: Mich erinnern die Strawbs auf “Grave New World” immer wieder an Barclay James Harvest zu deren Anfängen, als diese noch nicht diese Hitparaden-Combo waren. Die Musik kann hier bei den Strawbs wahrlich überzeugen, die Platte ist abwechslungsreich und immer auch spannend. Neben den leisen Tönen haben die Musiker auch rockige Töne zugelassen, wie beim tollen „Tomorrow“, sodass ein abwechslungsreiches Album entstand, was überaus hörenswert ist. Elf Punkte.

Anspieltipps: Queen Of Dreams, Heavy Disguise, New World, Tomorrow



Sonntag, 22. Dezember 2013

Northern Lite – We Are (Live From Berlin)




Northern Lite – We Are (Live From Berlin)


Besetzung:

Andreas Kubat – Gesang, Gitarre
Frithjof Rödel – Gitarre
Enrico Mercaldi – Mastering


Label: UNA Music


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Elektro Pop, Dance


Trackliste:


CD1:

1. Love Is Not Enough (5:59)
2. 5 Minutes (4:51)
3. Running (5:53)
4. I Like (8:00)
5. Looking At You (6:03)
6. Trusting Blind (6:28)
7. Raise The Dead (6:47)
8. The Land Of Dreams (5:58)
9. Begging You (5:11)
10. They Say (6:11)
11. We Are (3:45)
12. Black Day (5:15)
13. Voice (4:46)


CD2:

1. Home (4:51)
2. In Japan (7:16)
3. Wicked Mess (6:25)
4. Cocaine (5:42)
5. Treat Me Better (6:17)
6. Reach The Sun (4:51)
7. What You Want (4:03)
8. The Sick Rose (3:50)
9. Girl With A Gun (4:08)
10. Enemy (7:57)
11. One Soul To Sell (5:55)
12. My Pain (7:05)
13. Go With The Flow (4:57)

Gesamtspieldauer: 2:28:24




2012 veröffentlichte die Erfurter Band Northern Lite um den Sänger und Songschreiber Andreas Kubat ein Live Album, welches in Berlin eingespielt wurde. Zu hören gibt es darauf Neo bis Elektro Pop mit einigen Rock Anleihen, der mit fetten Beats angefüttert wurde. Eine Mischung, welche in den diversen Clubs der Republik sicherlich für ordentlich Stimmung sorgen wird. Das schaffte die Musik von Northern Lite offensichtlich auch auf diesem Konzert in Berlin, wenn man sich die Reaktion des Publikums auf die diversen Titel des Albums anhört. Aber genau hier liegt auch schon ein kleiner Wehrmutstropfen von „We Are“, denn diese Art der enthusiastischen Beweihräucherung scheinen andere Bands auf ihren Live Alben nicht nötig zu haben, dort gibt es zwar auch frenetischen Applaus und manchmal viel Gekreische zu hören, allerdings wird dieses dann beim Abmischen deutlich dezenter wiedergegeben. Auch die Interaktionen des Andreas Kubat mit seinem Publikum wirken dabei mitunter ein klein wenig aufgesetzt.

Nun zur Musik. Die hat immer dann ihre Stärke, wenn sie rockiger dargeboten wird, wenn man diese künstliche und plastikmäßig klingende Rhythmusfraktion mal vergessen kann, die auf die Dauer überaus nervenaufreibend klingt. Immer wieder schafft es die Musik von Northern Lite dann aber auch, den Hörer mitzureißen. Die Beats gehen in die Beine und sorgen dafür, dass selbige kaum stillzuhalten sind. Und so sind es auch nicht die sphärischeren Abschnitte in der Musik der Band, sondern die treibenderen Passagen, die gefallen können.

Mitunter lassen sich auch packende Melodien entdecken, die einen einfangen können. Auf die lange Sicht ähneln sich die einzelnen Stücke jedoch viel zu sehr, sodass es schwierig ist beide CDs hintereinander durchzuhören. Dann kann es schon mal passieren, dass sich doch ein wenig Langeweile breit macht. Das muss sicherlich nicht für das Konzert oder aber den Club gelten - zu Hause auf dem Sofa oder aber im Auto stellt sich hier jedoch schnell ein Sättigungsgrad ein, der nach etwas anderer Musik verlangt.

Die zweite CD ist ein wenig rockiger geraten als CD Nummer 1 und damit auch noch ein Stück gelungener. Immer dann, wenn die „schweren“ Gitarren zu hören sind, wird es deutlich interessanter und auch abwechslungsreicher. Rocken können die Erfurter nämlich auch, machen sie nur ein bisschen zu wenig.

Fazit: Knapp zweieinhalb Stunden Musik sind natürlich ein Pfund, soll heißen, man bekommt eine ganze Menge Musik, wenn man sich die CD zulegt. Das ist wahrlich in der heutigen Zeit nicht ganz so selbstverständlich. Für wahre Rockfans, die auf „selbstgemachte“ Musik stehen, ohne Samples und Loops, natürlich absolut ungeeignet. Für alle anderen, die sich auch gerne mal in Trance tanzen möchten, allerdings eine schöne Möglichkeit, dies auch zu tun. Sieben Punkte.

Anspieltipps: In Japan, Enemy, My Pain



Samstag, 21. Dezember 2013

Oceansize – Frames




Oceansize – Frames


Besetzung:

Mike Vennart – vocals, guitar
Gambler – guitar, keyboards
Steve Durose – guitar, vocals
Steven Hodson – bass, keyboards, cymbals
Mark Heron – drums, percussion


Gastmusiker:

Paula Simpson – violin
Justin Lingard – violin
Semay Wu – cello


Label: Superball Music


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Alternative, Post Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Commemorative T-Shirt (8:37)
2. Unfamiliar (6:32)
3. Trail Of Fire (8:07)
4. Savant (8:07)
5. Only Twin (7:22)
6. Old Friend Of The Christy's (10:20)
7. Sleeping Dogs And Dead Lions (6:42)
8. The Frame (10:09)

Gesamtspieldauer: 1:05:56




„Frames“ ist das dritte Studioalbum der britischen Band „Oceansize“ aus Manchester. 2007 veröffentlicht, kommt diese Platte dem Genre Progressive Rock doch ziemlich nahe und darauf deuten nicht nur die Liedlängen von bis über zehn Minuten hin. Langsam, immer ganz langsam werden die einzelnen Titel gesteigert, was jeweils zu einem sehr spannungsreichen Aufbau der Nummern beiträgt. Das wiederum kommt bei den Kritikern dieses Albums nicht allzu gut an, die meist anmerken, dass die einzelnen Stücke sich jeweils zu lange „entwickeln“, zu viel Zeit benötigen, um den Hörer zu treffen. Da ist dann auch schon mal von Langeweile die Rede.

Nun, das kann man natürlich auch ganz anders sehen. Zugegebenermaßen passiert bei einem Stück wie „Old Friend Of The Christy's“ nicht allzu viel. Und dann ist die Nummer auch noch ein Instrumentalstück, kommt ohne Worte aus. Aber genau hier liegt auch der springende Punkt. Die Lieder von Oceansize auf „Frames“ leben von der Atmosphäre, von der Stimmung, die sie zu vermitteln wissen - und die ist überaus gelungen. Kaum hat man sich allerdings in diese verträumte Stimmung eingehört, folgt mit „Sleeping Dogs And Dead Lions“ ein Titel, der zumindest zu Beginn fast schon an Heavy Metal erinnert und auch mit etwas schrägeren Tönen nicht zu geizen weiß. Da wird geschrien „was das Zeug hält“. Von Langeweile in Bezug auf den vorherigen Song also keine Spur. Ganz im Gegenteil, das ist fast schon ein Stilbruch, den man gar nicht unbedingt hätte haben müssen. Allerdings steht dieses Lied auch gerade durch seine Rhythmusfraktion ein wenig exemplarisch für den Progressive Rock.

Und was gibt es sonst noch zu hören? Da ist zum einen der letzte Titel „The Frame“. Erneut einmal mehr sich ganz langsam steigernd, sehr schön melodiös, manches Mal fast schon ein wenig getragen wirkend und von Beginn bis zum Ende sehr eingängig. Nicht viel anderes kann man über den Opener „Commemorative T-Shirt“ sagen, wobei dieser Titel noch deutlich rockiger ist und die Steigerung hier auch sehr viel stärker ausfällt. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben sollte das Lied Nummer 3 „Trail Of Fire“. Eigeleitet mit perlenden Pianoklängen entwickelt auch dieses Stück in seinem weiteren Verlauf eine sehr dichte und atmosphärische Stimmung, die den Hörer einzufangen versteht. Dann wird es auch hier rockiger und kraftvoller, sodass hier auch Leute mit einem Hang zu härteren Tönen auf ihre Kosten kommen dürften.

Fazit: Es gibt einige Höhepunkte auf „Frames“ zu vernehmen. Die Platte macht Spaß und erweist sich alles andere als langweilig. Zugegebenermaßen muss man den Liedern allerdings auch die Zeit geben, im Ohr des Hörers reifen zu können. So wächst die Scheibe mit jedem weiteren Lauschen und entwickelt sich zu einem Album, welches man immer wieder gerne einlegen wird. Elf Punkte.

Anspieltipps: Trail Of Fire, Old Friend Of The Christy's, The Frame



Freitag, 20. Dezember 2013

Frankie Goes To Hollywood – Welcome To The Pleasuredome




Frankie Goes To Hollywood – Welcome To The Pleasuredome


Besetzung:

Holly Johnson – lead vocals
Brian Nash – guitar
Peter Gill – drums
Mark O'Toole – bass
Paul Rutherford – vocals


Gastmusiker:

J. J. Jeczalik – keyboards, programming, software
Andrew Richards – keyboards
Louis Jardim – percussion
Anne Dudley – keyboards, string arrangement on "The Power Of Love"
Steven Lipson – guitar
Steve Howe – acoustic guitar ("Welcome To The Pleasuredome")
Trevor Rabin – guitar
Trevor Horn – backing vocals, bass


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. The World Is My Oyster [Including (A) Well (B) Snatch Of Fury] (2:00)
2. Welcome To The Pleasure Dome (13:41)
3. Relax (3:58)
4. War (6:14)
5. Two Tribes (3:24)
6. (Tag) (0:35)
7. Fury (1:49)
8. Born To Born (3:57)
9. San José (3:10)
10. Wish The Lads Were Here (2:48)
11. The Ballad Of 32 (4:49)
12. Krisco Kisses (2:59)
13. Black Night While Light (4:07)
14. The Only Star In Heaven (4:16)
15. The Power Of Love (5:30)
16. Bang... (1:10)


Bonus Tracks:

17. One September Monday (4:50)
18. One February Friday (4:57)

Gesamtspieldauer: 1:14:15




Wenn man sich überlegt, welches Album wohl eines der besten Pop-Platten aller Zeiten ist, dann kommt „Welcome To The Pleasuredome“ von Frankie Goes To Hollywood mit Sicherheit in die engere Wahl der Top 10, wenn nicht sogar Top 5 Platten. Was die Band damals 1984 als Debut in Form eines Doppel-Albums auf den Markt brachte, ist eine Ansammlung von wahrlich klasse gelungenen Pop-Songs, die heutzutage oftmals den Stempel „Klassiker“ tragen. Auf jeder 80ies Party sind viele der Lieder feste Bestandteile im Ablauf und gerade dann füllt sich auch die Tanzfläche – damals wie heute.

Da gibt es die bekannten Stücke „Relax“, „War” (ursprünglich geschrieben von Whitfield / Strong) und “Two Tribes”, alles drei Titel, die wahrlich mitreißen können und gerade dann gut wirken, wenn sie laut gespielt werden, sehr laut. Perfekter Rhythmus, klasse eingängige Melodie, eben alles was man benötigt, um ordentlich abzufeiern. Oder aber der Longtrack des Albums und gleichzeitig das Titellied: „Welcome To The Pleasuredome“. Auch hier kann man nicht anders, als den Lautstärkeregler etwas weiter aufzudrehen. Ein unglaublich treibender Groove breitet sich aus und lässt den Alltag vergessen.

Aber es gibt auch die ruhigeren Nummern auf der Scheibe: Zum Beispiel das fast schon weihnachtliche „The Power Of Love“, wobei hier nicht nur das dazugehörende Video diese Assoziation aufkommen lässt, auch die Musik selbst wirkt irgendwie heimelig ohne dabei schmalzig zu klingen. Dann „The Ballad Of 32”, eine fast schon sphärische Instrumentalnummer, die ebenfalls schnell ins Ohr geht und von einem schönen und langsamen Gitarrensolo dominiert wird. „Black Night While Light” hingegen klingt sehr viel mehr nach Disco-Musik, etwas funkig und dabei ebenfalls überaus gelungen.

Auf der remasterten Version der CD aus dem Jahr 2000 befinden sich noch zwei Zugaben in Form der Titel „One September Monday“ und „One February Friday“, die die B-Seiten der 7‘‘ Singles „Relax“ und „Two Tribes“ darstellen. Der Kauf des Albums nur wegen dieser Zugaben lohnt sich allerdings nicht, wenn man schon eine andere Ausgabe der CD oder Platte hat, da es sich hierbei mehr um zwei Soundkollagen mit Hintergrundmusik und Unterhaltung handelt.

Fazit: „Welcome To The Pleasuredome“ ist ein reicher Schatz an tollen Pop-Liedern. Gar nicht überraschend ist dabei auch, dass sich mit Steve Howe, Trevor Rabin und Trevor Horn sogar einige Yes-Musiker ebenfalls auf dem Album verewigt haben, ohne dass die Musik der beiden Bands auch nur im Ansatz vergleichbar wäre. Yes hatten 1980 das Meisterwerk „Drama“ veröffentlicht und kurz zuvor das ebenfalls in die Pop-Schiene abdriftende „90125“. Von daher lag dann die Zusammenarbeit aber doch gar nicht so fern, denn neue Wege begehen Frankie Goes To Hollywood hier auf jeden Fall auch. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Welcome To The Pleasuredome, Relax



Donnerstag, 19. Dezember 2013

Stereophonics – Pull The Pin




Stereophonics – Pull The Pin


Besetzung:

Kelly Jones – vocals, guitar
Richard Jones – bass guitar
Javier Weyler – drums


Label: V2 Music


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Soldiers Make Good Targets (4:37)
2. Pass The Buck (3:24)
3. It Means Nothing (3:49)
4. Bank Holiday Monday (3:14)
5. Daisy Lane (3:38)
6. Stone (4:17)
7. My Friends (3:35)
8. I Could Lose Ya (3:18)
9. Bright Red Star (3:40)
10. Ladyluck (3:46)
11. Crush (3:56)
12. Drowning (5:09)

Gesamtspieldauer: 46:24




“Pull The Pin” heißt das sechste Studioalbum der britischen Band Stereophonics. Und auch auf diesem Album schaffen es die Waliser Rock und Melodiösität wieder unter einen Hut zu bekommen. Überaus erwähnenswert ist darüber hinaus auch die Tatsache, dass dieses Album in der „Originalinstrumentierung“ des Rock eingespielt wurde: Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang. Ein Keyboard oder einen Synthesizer sucht man hier vergebens. Und trotzdem schafft es die Band Fülle in ihren Liedern zu erzeugen, die dann eben mal durch eine zweite Gitarrenspur oder den Hintergrundgesang erzeugt wird.

Auf „Pull The Pin“ gibt es sehr melodischen Rock zu hören, der es bereits beim ersten Mal schafft, sich im Musikzentrum des Hörers festzusetzen. Manchmal klingt das Ganze ein wenig härter, meist bewegen sich die Lieder allerdings im Mid-Tempo. Dabei hat Sänger, Gitarrist und Songschreiber Kelly Jones immer wieder sehr viel Wert auf die Harmonie und die Eingängigkeit gelegt. Und das ist ihm auch gelungen. Hinzu gesellt sich noch sein eindrucksvoller, leicht rauchig klingender Gesang, der das Gehörte sehr schön untermalt und abrundet.

Und die Höhepunkte fehlen auch nicht auf „Pull The Pin“. Da gibt es das wunderschön verträumte „Daisy Lane“, das heftig rockende „My Friends“, welches dem Hörer sofort in die Beine fährt oder aber das sanfte, leicht folkige „Bright Red Star”, ein Lied, dass mit seiner ausgestrahlten Ruhe einen schönen Kontrast zu den rockigeren Stücken bietet. Im Anschluss daran „kracht“ es zunächst bei „Ladyluck” wieder los. Dieser Track besteht aus härteren und weicheren Passagen und beinhaltet einige sehr schöne Stimmungswechsel. Und ganz zum Schluss wartet noch der Höhepunkt des Albums auf den Hörer: „Drowning“. Ein toller, sich immer weiter steigender Rock-Song, der genau so klingt, wie man sich Rock-Musik wünscht.

Fazit: Überzeugenden Rock gibt es auf „Pull The Pin“ zu hören. Das Album macht Spaß und man legt es immer wieder gerne ein. Ehrliche Musik, die ohne Schnörkel daherkommt und trotz der relativ eingeschränkten Instrumentierung keineswegs oberflächig oder aber langweilig wirkt. Die Musik klingt voll, im Songwriting wurden viele schöne Ideen klasse umgesetzt, sodass „Pull The Pin“ ein Rock-Album wurde, welches vor allen Dingen Rock-Fans, die nicht nur auf die ganz harten Töne stehen, ansprechen dürfte. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Daisy Lane, Ladyluck, Drowning



Mittwoch, 18. Dezember 2013

Mumford And Sons – Babel




Mumford And Sons – Babel


Besetzung:

Marcus Mumford – acoustic and electric guitar, drum kit, percussion, ukulele, mandolin, octave mandolin, vocals
Ted Dwane – acoustic bass, electric bass, acoustic and electric guitar, drum kit, percussion, vocals
Ben Lovett – piano, keyboard, mellotron, accordion, harmonium, drum kit, percussion, vocals
Winston Marshall – banjo, mandolin, resonator guitar, electric bass, electric guitar, vocals


Gastmusiker:

Chris Alan – cello
Nell Catchpole – violin, viola
Nick Etwell – trumpet, flugelhorn
Ross Holmes – fiddle
Dave Williamson – trombone
Richard Martin – percussion


Label: Islands Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Babel (3:29)
2. Whispers In The Dark (3:16)
3. I Will Wait (4:37)
4. Holland Road (4:13)
5. Ghosts That We Knew (5:40)
6. Lover Of The Light (5:15)
7. Lovers' Eyes (5:21)
8. Reminder (2:05)
9. Hopeless Wanderer (5:08)
10. Broken Crown (4:16)
11. Below My Feet (4:52)
12. Not With Haste (4:09)

Gesamtspieldauer: 52:20




Das zweite Album von Mumford And Sons aus dem Jahr 2012 mit dem Titel „Babel“, war sehr viel erfolgreicher als das Debut der englischen Band. Ein bisschen muss man sich fragen, warum das so ist, denn die Ingredienzien der Musik, die auf „Babel“ zu hören sind, die gab es auch bereits auf dem Vorgänger „Sigh No More“ zu hören. Schöne melodische Musik, sehr im Folk verhaftet, toll arrangierter und mehrstimmiger Gesang und immer wieder ein Großauftritt für das Banjo – damals im Jahr 2009 war das noch neu! Nun macht die Band im selben Stil weiter und wird noch mehr gehört. Sicherlich richtig, denn diese Musik weiß zu packen, den Umstand mit den Verkaufszahlen muss man dabei aber nicht unbedingt nachvollziehen können.

Auch auf „Babel“ gibt es wieder sehr eingängige, melodiöse und harmonische Musik zu hören, die immer wieder auch sehr mitreißend sein kann. Dazu besitzen die Lieder häufig auch viel Tiefgang. Allerdings ist die Stimmung eine andere geworden. Waren es auf dem Debut-Album noch hauptsächlich die nachdenklichen und melancholischen Töne, die im Vordergrund standen, so sind es dieses Mal eher die mitreißenden Momente. Lieder, die einen unweigerlich dazu veranlassen mit den Füßen mit zu wippen, die deutlich fröhlicher und weniger nachdenklich klingen. Aber natürlich gibt es diese Augenblicke noch, vor allem im weiteren Verlauf des Albums. Trotzdem fühlt man als Hörer eine deutlich aufgelockerte und treibendere Stimmung. Dieses Sentimentale, was vorher allgegenwärtig war, ist nun ein klein wenig an den Rand gedrängt worden, um einer Art Aufbruchstimmung Platz zu machen. Und wenn es dann doch mal ein wenig zu melancholisch wird, wird meist im Song selbst schnell der Zügel angezogen und es entsteht dieses einnehmende Western-Folk-Gefühl, dem sich kaum ein Musik-Hörer verschließen kann.

Fazit: Die Musik von Mumford And Sons ist irgendwie einnehmend. Und da ist es ganz egal von welcher Seite des Musikspektrums man sich nähert. Und es ist auch nicht so – zumindest nicht für mich – dass diese Platte die Titel bereithält, die meine absoluten Favoriten beinhalten. Aber sie hält ganz viele Lieder bereit, die es lohnt gehört zu werden, die man ohne, dass es das Lieblingslied wäre, nicht mehr missen möchte. Einfach klasse, was und wie Mumford And Sons das schaffen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Babel, Ghosts That We Knew, Broken Crown



Dienstag, 17. Dezember 2013

Steven Morrys – Debüt




Steven Morrys – Debüt


Besetzung:

Steven Morrys – Gesang, Gitarre


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Steven Morrys Records


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Pop


Trackliste:

1. Feel Good (4:36)
2. Leise Schreien (5:00)
3. Anymore (3:30)
4. Nah Bei Mir (3:39)
5. Nobody (3:38)
6. Die Zeit Ist Reif (4:04)
7. Free (3:27)
8. Release Your Mind (3:47)
9. Immer Weiter (4:19)
10. Time Is Gone (5:05)

Gesamtspieldauer: 41:06




Steven Morrys alias Stefan Martin ging einen anderen Weg. In einer Zeit, in der die meisten Plattenlabels meist nur auf „Altbewährtes“ setzen, gründete er 2012 seine eigene Plattenfirma und am 1. November 2013 war es dann soweit, sein Debut-Album mit dem passenden Titel „Debüt“ wurde veröffentlicht. Und dieser Schritt hat sich gelohnt.

Der Komponist und Texter griff bei seiner ersten Veröffentlichung auf Kompositionen zurück, die in den Jahren zwischen 2005 und 2013 entstanden sind. Dabei steuerte er zu diesem Album vier Titel bei, die er in Deutsch einsang, sechs Lieder besitzen einen englischen Text. Und wie man ebenfalls auf seiner Facebook-Seite und diversen Presseveröffentlichungen nachlesen kann, in eine bestimmte musikalische Schublade lässt sich Steven Morrys dabei nicht stecken. Mal klingt es ein wenig rockiger, dann wieder poppig, schließlich werden auch die Genres Reggae, Funk und irgendwie auch der Soul bedient. Beschlossen wird das Album schließlich mit der sehr schönen Ballade „Time Is Gone“. Dieser Stilmix wiederum macht die Scheibe sehr abwechslungsreich und spannend, sodass nie auch nur der Hauch von Langeweile aufkommt.

Die Titel sind perfekt arrangiert und auch gerade die Stimme des Steven Morrys kann durchgängig und in allen Lagen überzeugen. Schließlich hat die Platte sogar noch einen ganz entscheidenden Vorteil, etwas, was oftmals das „gewisse Etwas“ in der Musik ausmacht: Das Album „Debüt“ wächst mit jedem weiteren Durchlauf. Mit jedem weiteren Hören werden viele der einzelnen Titel zu Begleitern, welche in der Lage sind, einem den Tag aufzuhellen oder es aber schaffen in süßer Melancholie zu versinken.

Fazit: „Debüt“ von Steven Morrys ist ein schönes Debut geworden. Der oben bereits erwähnte Genre-Mix bewirkt natürlich aber auch, dass jeder Hörer seine Favoriten finden wird, andererseits unter Umständen jedoch auch Titel, mit denen er deutlich weniger anzufangen weiß. Eben ganz nach dem eigenen Musikgeschmack. Nichtsdestotrotz überwiegen auch bei mir die schönen Momente, die Musik beinhalten, in die sich unbedingt einzutauchen lohnt. Neun Punkte.

Anspieltipps: Feel Good, Leise Schreien, Immer Weiter, Time Is Gone



Montag, 16. Dezember 2013

Kasabian – Kasabian




Kasabian – Kasabian


Besetzung:

Tom Meighan – lead vocals except "Test Transmission" and "U Boat"
Sergio Pizzorno – rhythm guitar, backing vocals, synths, lead vocals on "Test Transmission" and "U Boat", piano on "Ovary Stripe"
Christopher Karloff – lead guitar, synths, omnichord, bass on "Club Foot", "Reason Is Treason" and "Test Transmission", keyboards on "Orange" and "Pinch Roller", effects on "Pinch Roller", organ on "Ovary Stripe", drum machine on "Club Foot"
Chris Edwards – bass all tracks except "Club Foot", "Reason Is Treason" and "Test Transmission"
Ian Matthews – drums on "Processed Beats", "Butcher Blues", "Orange" and "Ovary Stripe"


Gastmusiker:

Ryan Glover – drums on "Reason Is Treason" and "Test Transmission"
Daniel Ralph Martin – drums on "L.S.F. (Lost Souls Forever)" and "Cutt Off"


Label: Sony BMG


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Alternative, Independent


Trackliste:

1. Club Foot (3:35)
2. Processed Beats (3:08)
3. Reason Is Treason (4:35)
4. I.D. (4:48)
5. L.S.F. (3:18)
6. Running Battle (4:16)
7. Test Transmission (3:56)
8. Cutt Off (4:37)
9. Butcher Blues (4:29)
10. U Boat + Reason Is Treason (Jacknife Lee Version) [Hidden Track] (10:54)

Gesamtspieldauer: 47:35




Guten und eingängigen Alternative Rock bietet die britische Band Kasabian ihren Hörern auf ihrem 2004, unter dem Bandnamen erschienenen Debut-Album. Die Platte rockt und kann gleichzeitig auch mit ihrer Melodiösität punkten. So gehen die Titel ziemlich schnell ins Ohr ohne dabei ihren immer vorhandenen Groove zu verlieren. Die Füße können gar nicht anders, als mit zu wippen.

Klasse gelungen ist den Jungs aus Leicester dabei auch der immer wieder verwendete mehrstimmige Gesang, der zusätzlich zur Eingängigkeit auch zur Fülle der einzelnen Titel beiträgt. Ein wenig erinnert die Musik dabei an Kula Shaker – sowohl in den Arrangements als auch im Aufbau der Stücke. Ist Hip-Hop auf späteren Veröffentlichungen der Band immer wieder ein gern verwendetes Genre, so wird hier auf Kasabian dieser Musikstil nur sehr angedeutet wiedergegeben. Immer nur angespielt und abschnittsweise hält auch mal der Sprechgesang Einzug in die Lieder.

Festzuhalten bleibt auch, dass die Lieder in der ersten Hälfte der CD noch ein wenig mehr gelungen sind, als im weiteren Verlauf. Ein klein wenig interessanter, spannender und nachhaltiger generieren sich hier die einzelnen Titel, ohne jedoch feststellen zu müssen, dass sich starke Ausschläge nach unten unter den einzelnen Nummern befinden. Aber das liegt sowieso ganz im und am Ohr des Hörers.

Fazit: Coolen Alternative Rock gibt es auf Kasabian von Kasabian zu hören. Hier wird gerockt, ohne dabei in Härte abzudriften – die Melodie und Harmonie scheint den Musikern ein großes Anliegen zu sein. Somit bleibt festzuhalten, dass Freunde der Musik von Kula Shaker oder aber auch Live hier durchaus etwas für sich finden werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Club Foot, Processed Beats, I.D.



Sonntag, 15. Dezember 2013

CocoRosie – Grey Oceans




CocoRosie – Grey Oceans


Besetzung:

Bianca “Coco” Casady – all instruments and vocals
Sierra “Rosie” Casady – all instruments and vocals


Gastmusiker:

Gael Rakotondrabe – piano and keys
Christina Chalmers – intro and extra vocals “Undertaker”
Martin Pantirer – bass, clarinette, alto sax “Undertaker”, “The Moon Asked The Crow”
Todd Simon – trumpet “Lemonade”
Gustavo “Bolsa” Gonzalez – drums “Hopscotch”
Florence Fritz – violin, backup vocals “Gallows”
Neda Sanai – spoken word “R.I.P. Burn Face”


Label: Souterrain Transmissions


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Art Rock, Experimental Rock


Trackliste:

1. Trinity's Crying (4:40)
2. Smokey Taboo (4:48)
3. Hopscotch (3:08)
4. Undertaker (3:52)
5. Grey Oceans (4:32)
6. R.I.P. Burn Face (4:38)
7. The Moon Asked The Crow (3:50)
8. Lemonade (5:14)
9. Gallows (4:25)
10. Fairy Paradise (4:20)
11. Here I Come (3:28)

Gesamtspieldauer: 46:54




Nun, wie soll man die Musik der beiden Schwestern Bianca “Coco” und Sierra “Rosie” Casady auf ihrem vierten Album mit dem Titel „Grey Oceans“ umschreiben? Ungewöhnlich? Auf jeden Fall! Irgendwie mystisch? Genau! Verspielt und verträumt? Natürlich! Eingängig? Nicht bei jedem Titel gleich beim ersten Mal! Fordernd? Mit Sicherheit!

2010 wurde „Grey Oceans“ veröffentlicht und es ist schön zu hören, dass es solche Musik heutzutage überhaupt noch gibt. So gar keine Lieder für die Hitparaden-Stationen dieser Welt befinden sich darauf. Hier ist nur wenig „normal“, alles ein klein wenig skurril, überraschend und auf eine ganz spezielle Art abgefahren. Dies wiederum lässt Spannung entstehen, die den Hörer immer wieder fordert und gleichzeitig auch mit toller Musik belohnt. Dabei ist die Platte zugegebenermaßen sehr marode, ein Großteil der Texte befasst sich mit dem Tod und dem Sterben. Auch die Stimmung der Musik selbst ist über die ganze Platte hinweg nachdenklich bis traurig. Am Deutlichsten tritt dies wohl beim Titel „Gallows“ (Galgen) zutage. Hier lohnt es sich wahrlich, sich das dazugehörende Video mal auf den diversen Plattformen anzusehen.

Meist sind die einzelnen Stücke nur sehr zurückhaltend instrumentiert, in einer Mischung aus elektronischen und analogen Instrumenten. Diese sind in einer Mixtur der musikalischen Genres Electronica, Folk, Experimentalmusik, Oper und progressiven Ausschlägen eingebettet, die immer wieder Erinnerungen beziehungsweise Vergleiche zu isländischen Künstlern wie Björk oder aber auch Sigur Rós aufkommen lassen. Trotzdem ist das Gehörte von CocoRosie hier durchweg eigenständig und in dieser Form bisher so auch ungehört. So schaffen es die beiden Schwestern ihre ganz eigene musikalische Welt zu erschaffen, was diese Platte zusätzlich so unglaublich spannend und hörenswert werden lässt. Dazu gesellen sich verschiedenste Stimmvariationen, die einmal kindlich klingen, dann wieder selbstbewussten und weiblichen Pop-Gesang darstellen, aber auch gehaucht und sehr zerbrechlich dargeboten werden können und schließlich fast schon opernmäßigen Sopran beinhalten. Dies alles in einer Selbstverständlichkeit, die keinen Raum für Fragen lässt. Alles muss genau so und nicht anders klingen. Und genau so klingt es gut.

Fazit: Die Mischung macht es hier. Die Mischung verschiedener Musikgenres und Gesangsstimmen, die diese „Eigenartigkeit“ der Musik von CocoRosie zusätzlich befeuern. Dabei kann man die Musik der beiden Schwestern durchweg als melodiös und harmonisch bezeichnen – auch wenn dies nicht unbedingt gleich beim ersten Hören bei jedem Titel sofort so wahrgenommen werden kann. Schwer ist es auch, diese Musik in irgendeine Schublade zu stecken. Am ehesten passt dann wohl wirklich diese „dunkle“, nordische Musik der oben bereits erwähnten Künstler. Obwohl? Die Musik von CocoRosie auf „Grey Oceans“ ist eigentlich doch anders… Elf Punkte.

Anspieltipps: Gallows



Samstag, 14. Dezember 2013

Mike Oldfield – Crisis




Mike Oldfield – Crisis


Besetzung:

Mike Oldfield – guitars, fairlight, oberheim, dsx & dmx, simmons drums, bass, piano, prophet, farfisa, harp, mandolin, quantec room simulator, roland strings, adamus, acoustic bass, bells, tambourine, shaker, banjo, vocals


Gastmusiker:


Phil Spalding – bass
Anthony Glynne – guitars
Rick Fenn – guitars
Simon Phillips – drums, shaker, finger snaps, bells, tambourine, boots
Maggie Reilly – vocals
Jon Anderson – vocals
Pierre Moerlen – vibraphone, percussion
Roger Chapman – vocals
Tim Renwick – guitars
Tim Cross – keyboards
Morris Pert – percussion, keyboards
Barry Palmer – vocals


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1983; Deluxe Edition 2013


Stil: Instrumentalmusik, Pop


Trackliste:

1. Crises (20:58)
2. Moonlight Shadow (3:39)
3. In High Places (3:34)
4. Foreign Affair (3:54)
5. Taurus 3 (2:26)
6. Shadow On The Wall (3:14)


Bonus Tracks (30th Anniversary Edition):

7. Moonlight Shadow (3:37)
8. Shadow On The Wall (3:24)
9. Mistake (2:57)
10. Crime Of Passion (4:12)
11. Jungle Gardenia (2:47)
12. Moonlight Shadow (5:17)
13. Shadow On The Wall (5:10)

Gesamtspieldauer: 1:05:07




Nach den ersten Hitparadenerfolgen mit „Five Miles Out“ legte Mike Oldfield gleich im darauffolgenden Jahr mit „Crises“ nach. Die Hits dieses Albums, welches 1983 erschien, hießen „Moonlight Shadow“, erneut gesungen von Maggie Reilly und „Shadow On The Wall“, wobei hier Roger Chapman den Titel einsang. Aber diese beiden Musiker waren nicht die einzigen bekannten Protagonisten, die sich auf diesem Album mit ihrer Stimme verewigten. Auch Jon Anderson von Yes ist zu hören und zwar beim Titel „In High Places”.

Das Album hat allerdings so gar nichts mehr mit progressivem Rock zu tun. Das, was auf “Crises” zu hören ist, das ist Pop-Musik, die manchmal auch ein wenig in die Richtung Rock abdriftet, wie beim bereits erwähnten Stück “Shadow On The Wall” mit Roger Chapman und zum Teil auch im Titeltrack. Was man den einzelnen Liedern dabei wahrlich nicht absprechen kann, ist die Eingängigkeit und Melodiösität, die vielen der Titel innewohnt. Nicht anders lässt sich auch der große Erfolg der Platte erklären.

Und klar, irgendetwas haben die Songs auch. Das kann man alles sehr gut anhören, manchmal nervt ein wenig dieser Plastik-Sound, der vielen der Lieder anhängt, aber die Nummern gehen nichtsdestotrotz schnell ins Ohr. Etwas Besonderes ist das allerdings aber auch nicht mehr. Genauso wenig wie der Titelsong “Crises”, von dem man alleine aufgrund der Länge vermuten würde, dass er in der Tradition Mike Oldfields durchaus dem Progressive Rock hinzuzuzählen wäre. Ist er aber nicht. Die Länge macht es hier nicht aus. Das Lied ist eher eine Instrumentalnummer, die nicht so recht weiß, was sie eigentlich will. Überaus langweilig und langatmig. Das Stück schafft es einfach nicht, den Hörer einzufangen. Das wirkt alles etwas konstruiert und auf die Schnelle hinzugefügt. Man erkennt dabei zwar, dass es ein Mike Oldfield Stück ist, was durch den Gitarrensound absolut unüberhörbar ist, aber interessanter wird der Titel dadurch leider auch nicht.

Zum 30. “Geburtstag” des Albums gibt es 2013 eine erweiterte Version von “Crises”. Neu abgemischt und mit einigen Zugaben versehen, die sich allerdings häufig als alternative Versionen der beiden Hits des Albums herausstellen. Dazu gesellt sich mit “Mistake” eine weitere Pop-Nummer, die dieses Mal allerdings auch nicht gelungen ist. “Jungle Gardenia” ist eine Art Chill-Out-Stück und lediglich “Crime Of Passion” kann hier wieder als Pop-Lied überzeugen. Hier singt Barry Palmer und dieser Song schafft es dann auch wieder besser hängenzubleiben.

Fazit: Ein Pop-Album mit einem Longtrack stellt „Crises“ dar. Eingängig allerdings nicht unbedingt essentiell. Mike Oldfield hat deutlich schlechtere Platten veröffentlicht. Jedoch auch schon deutlich bessere Scheiben. Somit liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Wer auf guten gemachten und melodiösen Pop steht, der kann mit dieser Platte wahrlich nichts falsch machen. Wer den Mike Oldfield von seinen Wurzeln her liebt, der wird wahrscheinlich beim Hören so seine Schwierigkeiten haben. Acht Punkte.

Anspieltipps: Moonlight Shadow, In High Places, Shadow On The Wall



Freitag, 13. Dezember 2013

John Cougar Mellencamp – American Fool




John Cougar Mellencamp – American Fool


Besetzung:

John Cougar – lead vocals


Gastmusiker:

Larry Crane – guitar, background vocals
Mike Wanchic – guitar, background vocals
Kenny Aronoff – drums
George "Chocolate" Perry – bass


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Mainstream Rock, AOR


Trackliste:

1. Hurts So Good (3:42)
2. Jack & Diane (4:16)
3. Hand To Hold On To (3:26)
4. Danger List (4:29)
5. Can You Take It (3:35)
6. Thundering Hearts (3:40)
7. China Girl (3:35)
8. Close Enough (3:39)
9. Weakest Moments (4:07)

Gesamtspieldauer: 34:28




„American Fool“ nannte der Amerikaner John Cougar Mellencamp sein fünftes und auch erfolgreichstes Album, welches 1982 erschien. Der Sänger veröffentlichte seine Platten mal unter dem Namen John Cougar, dann wieder unter John Mellencamp oder aber auch John Cougar Mellencamp ist in seinem Repertoire. Dieses hier erschien unter dem Namen John Cougar. Und zu hören gibt es auf „American Fool“ amerikanischen Mainstream Rock in Reinkultur. „Adult Oriented Rock“, also AOR ist dafür auch ein passender Begriff.

So reiht sich auf der Scheibe Rock-Song an Rock-Song, die alle austauschbar erscheinen. Die Texte handeln zum großen Teil von der Liebe und schmachten vor sich hin. Alles ist relativ einfach konstruiert, durchaus eingängig und trachtet danach, dem Hörer möglichst schnell ins Ohr zu gehen. Das schaffen die Lieder auch, allerdings ist das mehr ein „Passieren“. Denn genauso schnell, wie man die Lieder aufnimmt, genauso schnell hat man sie auch wieder vergessen. Da gibt es nichts „Greifbares“, welches sich länger im Gehirn des Hörers festzusetzen weiß. Die einzelnen Titel haben durchweg eine gewisse „Härte“, sodass man wahrlich nicht von Pop-Musik, sondern viel mehr von Rock-Musik sprechen muss. Die Ausnahme aus diesem Einheitsbrei stellt dabei der letzte Song „Weakest Moments“ dar, der eher eine Ballade als einen Rock-Song darstellt. Durchaus noch gelungen.

Aber noch ein Lied gilt es hier ein wenig herauszuheben: „Jack & Diane“. Diese Nummer hat das gewisse Etwas, welches beim Musikkonsumenten hängenbleibt. Der Titel ist rockig und melodiös und hat das Potential sich durchaus längerfristig im Musikzentrum des Hörers zu verankern. Und er ist gleichzeitig auch eines der bekanntesten, wenn nicht sogar das bekannteste Lied des John Cougar Mellencamp, welches auch einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte, dass sich die Platte so gut verkaufte. Leider aber die Ausnahme und das einzige wirkliche Highlight auf „American Fool“.

Fazit: Wenn Belanglosigkeit in der Musik exemplarisch dargestellt werden sollte, dann wäre „American Fool“ von John Cougar ein heißer Anwärter dafür, hier als Beispiel Erwähnung zu finden. Okay, zwei Ausnahmen gibt es und eine davon ist mit „Jack & Diane“ sogar richtig gut gelungen. Das war es allerdings auch bereits. Die anderen Titel sind Lieder, die einen zwar nicht dazu zwingen, ganz schnell das Zimmer verlassen zu müssen, allerdings nicht nachhallen, keine Spuren hinterlassen – belanglos eben. Sich allerdings mit Musikhören zu langweilen, kann nicht der Sinn des Musikhörens sein. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Jack & Diane, Weakest Moments