Donnerstag, 24. September 2015

Edgar Broughton Band – In Side Out




Edgar Broughton Band – In Side Out



Besetzung:

Edgar Broughton – vocals, guitar
Arthur Grant – bass guitar, vocals
Steve Broughton – drums, vocals
Victor Unitt – guitars, vocals



Label: EMI



Erscheinungsdatum: 1972



Stil: Psychedelic Rock



Trackliste:

1. Get Out of Bed / There's Nobody There / Side by Side (3:41)
2. Sister Angela (0:43)
3. I Got Mad (3:35)
4. They Took It Away (2:27)
5. Homes Fit For Heroes (4:19)
6. Gone Blue (3:10)
7. Chilly Morning Mama (4:36)
8. The Rake (2:42)
9. Totin' This Guitar (1:41)
10. Double Agent (2:56)
11. It's Not You (6:14)
12. Rock 'n' Roll (2:57)

Gesamtspieldauer: 39:06



Nun, sonderlich erfolgreich wurde sie nie, die Edgar Broughton Band. Jene Band, die es selbst heute noch zu geben scheint, die allerdings 1981 ihr letztes Album veröffentlichte. Nun, ein wenig Aufmerksamkeit haben die Musiker mit diesem vierten Album ihrer Bandgeschichte jedoch schon erhalten – und das durchaus gerechtfertigt.

Auf „In Side Out“ hört man guten gemachten Rock, der wieder mal nur sehr selten Psychedelic Rock ist, unter welchem Genre die Band auch heute noch immer gehandelt wird. Diese Rock Musik ist sehr eingängig und am stärksten „psychedelisch“ klingt da noch der Gesang des Edgar Broughton selbst, der seine Stimme immer wieder variiert und oftmals auch den zu singenden Textzeilen anpasst.

Sehr gelungen sind mal wieder die etwas ruhigeren Passagen in der Musik der Edgar Broughton Band. Da wäre zunächst der aus drei Liedern bestehende Opener „Get Out Of Bed / There's Nobody There / Side By Side“. In dieser Nummer wird zwar auch das Tempo in etwa der Mitte deutlich angezogen und das Stück rockt, eingängig bleibt sie jedoch auch hier. Das kurze „Sister Angela“ ist ein sehr verspielter Titel, wieder sehr harmonisch und wohl nicht ganz ernst zu nehmen. Ebenfalls nicht allzu lange läuft „Totin' This Guitar“. Geht ins Ohr und klingt überaus witzig.

Nun und der Rest ist gut gemachte Rock Musik, der man allerdings das Alter durchaus anhört. Mal sind die Titel sanfter, dann wieder deutlich rockiger, wie das ebenfalls gelungene „It's Not You“, welches in seinem weiteren Verlauf dann wirklich noch psychedelische Züge aufweist.

Fazit: Wahrlich kein „Überalbum” ist diese vierte Scheibe der Edgar Broughton Band geworden – allerdings mit Sicherheit auch keine schlechte Platte. Guter Durchschnitt eben, mit dem die Hörerin beziehungsweise der Hörer gut bedient wird, die oder der auf einen leicht Patina angesetzten Sound steht, welcher mit gut gemachtem Rock transportiert wird. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sister Angela, Totin' This Guitar, It's Not You



Mittwoch, 23. September 2015

Emerson, Lake and Palmer – Brain Salad Surgery




Emerson, Lake and Palmer – Brain Salad Surgery


Besetzung:

Keith Emerson – hammond organs, piano, harpsichord, accordion, moog modular IIIc synthesizer, moog minimoog synthesizer, moog constellation polyphonic ensemble, ring-modulated "computer" voice on "Karn Evil 9: 3rd Impression"
Greg Lake – vocals, acoustic, electric, and twelve-string guitars, bass guitar, production
Carl Palmer – drums, percussion, gongs, timpani, tubular bells, percussion synthesizers


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Jerusalem (2:45)
2. Toccata (7:22)
3. Still... You Turn Me On (2:53)
4. Benny The Bouncer (2:21)
5. Karn Evil 9: 1st Impression, Pt. 1 (8:37)
6. Karn Evil 9: 1st Impression, Pt. 2 (4:45)
7. Karn Evil 9: 2nd Impression (7:07)
8. Karn Evil 9: 3rd Impression (9:07)


Bonus Tracks der remasterten Albumveröffentlichung:

9. Brain Salad Surgery (3:08)
10. When The Apple Blossoms Bloom In The Windmills Of Your Mind I'll Be Your Valentine (3:57)
11. Excerpts From Brain Salad Surgery (2:51)

Gesamtspieldauer: 54:57




„Brain Salad Surgery“ heißt das fünfte Album von Emerson, Lake and Palmer, rechnet man „Pictures At An Exhibition“ jetzt mal mit ein. Im Jahre 1973 wurde die Platte veröffentlicht und gilt bei vielen Fans als die Beste, welche Emerson, Lake & Palmer jemals veröffentlicht haben. Ob das so ist, mag jeder für sich selbst entscheiden, auf jeden Fall ist die Platte eine der sperrigsten und zumindest beim ersten Hören auch unzugänglichsten von Emerson, Lake & Palmer.

Dabei fängt die Scheibe noch recht unspektakulär und irgendwie typisch Emerson, Lake & Palmer an. Der Titel „Jerusalem“, ursprünglich von William Blake und Hubert Parry geschrieben und von den drei Musikern der Band adaptiert, beinhaltet diesen typischen Fanfaren-Sound des Keith Emerson, zu dem Greg Lake fast schon ein wenig pathetisch singt. Durchaus überzeugend umgesetzt, wobei der Titel selbst nicht so ganz überzeugen kann. Es folgt mal wieder eine Klassikadaption. „Toccata“ von Alberto Ginastera wurde von Keith Emerson überarbeitet und weist lediglich noch in den Grundzügen Ähnlichkeit zum Original auf. Ein praktisch völlig neues Lied ist entstanden, aggressiv und fordernd, wie so oft im progressiven Rock der Band. Das klingt auch alles sehr überzeugend, einschließlich des Schlagzeug Abschnitts des Carl Palmers in der Mitte des Stücks. Bis, ja bis irgendwelches „Computergebimmel“ startet und man glaubt in eine Spielhölle versetzt worden zu sein, in der gerade alle Spielautomaten dabei sind völlig auszuticken.

Was nun folgt, ist Harmonie pur. „Still... You Turn Me On“. In der Tradition eines Titels wie „Lucky Man“ vom Debut-Album, breiten sich nun wieder wunderschöne Melodien vor dem Ohr der Hörerin, des Hörers aus. Ein Lied, welches sofort ins Ohr geht. Leider wird die Tradition, bestimmte Liedarten auf einer Platte unterzubringen auch mit dem obligatorischen Music-Hall-Titel fortgeführt. „Benny The Bouncer“ ist so etwas von unfassbar schlecht und hat nun so gar nichts mit dem Rest dieser Platte zu tun, dass man sich fragt, ob diese Nummer wirklich von dieser Band stammt. Und wenn man sich dessen sicher wurde fragt man sich: „Hm, ist das jetzt das schlechteste Lied von Emerson, Lake & Palmer oder doch eher… Der Gesang, die Musik, alles grauenvoll!

Es folgt das fast dreißigminütige, in vier Abschnitte unterteilte Hauptstück des Albums: „Karn Evil 9“. Diese Nummer ist eine Achterbahnfahrt durch die Genres Progressive Rock und zum Teil auch Jazz. Überaus abwechslungsreich, zumeist aggressiv und auch nach vorne preschend. Manchmal allerdings auch, jedoch nur selten wirklich melodisch. Hierfür muss man sich auf jeden Fall die nötige Zeit nehmen, „Karn Evil 9“ darf und kann man überhaupt nicht nebenbei hören. Die Nummer ist wahrlich spannend und aufregend und wohl überhaupt nur Freunde des Progressive Rock, wie die des Jazz werden damit etwas anzufangen wissen. Eine der überzeugendsten Lieder von Emerson, Lake & Palmer.

Als Bonus der remasterten Ausgabe des Albums gibt es noch drei Zugaben. Muss man eigentlich nicht groß darüber schreiben. Diese drei kurzen Titel lohnen sich wohl noch nicht mal für Fans, außer man will wirklich alles seiner Band besitzen. Zugabe Nummer 3 ist dabei sowieso ein „Anspielen“ der Titel des Albums – in ungeordneter Reihenfolge und echt verzichtbar.

Fazit: Es ist wahrlich keine einfache Kost, die Emerson, Lake & Palmer hier der Musikwelt präsentieren. Sperriger, nicht unbedingt schnell – wenn überhaupt – ins Ohr gehender Progressive Rock. Anders sieht das schon bei Fans der Band aus, die dieses Album mit zum Besten zählen, was die Band jemals veröffentlichte. Nun es gibt darauf echt einen Titel, der fast nicht auszuhalten ist. „Benny The Bouncer“ ist ein abgrundtief schlechtes Lied. Aber es gibt auch sehr schöne und sehr spannende Momente auf dieser Scheibe. Das ist kein Prog von Genesis oder Yes aus derselben Zeit. Das ist Progressive Rock von Emerson, Lake & Palmer. Den liebt man oder den mag man nicht so. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Still... You Turn Me On, Karn Evil 9



Dienstag, 22. September 2015

Enya – A Day Without Rain




Enya – A Day Without Rain


Besetzung:

Enya – instruments and vocals


Label: WEA Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: New Age


Trackliste:

1. A Day Without Rain (2:38)
2. Wild Child (3:47)
3. Only Time (3:38)
4. Tempus Vernum (2:24)
5. Deora Ar Mo Chroí (2:48)
6. Flora's Secret (4:07)
7. Fallen Embers (2:31)
8. Silver Inches (1:37)
9. Pilgrim (3:12)
10. One by One (3:54)
11. The First Of Autumn (3:10)
12. Lazy Days (3:42)

Gesamtspieldauer: 37:34





„A Day Without Rain“ ist das sechste Album der Irin Enya, die im richtigen Leben eigentlich Eithne Patricia Ní Bhraonáin heißt. Im Jahr 2000 erschien diese Scheibe und verkaufe sich gar nicht mal so gut. Erst als ein Fernsehsender am 11. September 2001 unter die schrecklichen Bilder aus New York und Washington zur Untermalung die Nummer „Only Time“ legte, da starteten sowohl das Album sowie die Single durch.

New Age ist das Genre, was die Irin hier perfekt beherrscht. Unter ihre sanfte, sehnsüchtige und manches Mal auch irgendwie leidend klingende Stimme, mixt sie Lage über Lage von Synthesizer-Teppichen, die diese Musik zum Teil noch dramatischer, zum Teil noch trauriger klingen lässt. Entstanden ist das Ganze wie gesagt deutlich vor dem 11. September und ein Redakteur hat da sicher ein gutes Händchen gehabt, diese Musik zur Vertonung jener Bilder zu verwenden. Enya spendete übrigens die Erlöse aus dem Singleverkauf den Hinterbliebenen der Anschlagsopfer und den Feuerwehrleuten.

Hört man diese Platte heute, läuft es einem irgendwie manchmal kalt den Rücken hinunter. Jedoch nicht, wegen den Erinnerungen an diesen einen Tag. Klar klingt das alles sehr melodisch und harmonisch und die Nummern gehen auch ins Ohr. Jedoch ist die Musik so etwas von weich und süßlich, dass sie an manchen Stellen wie der Elbengesang aus dem nicht existierenden vierten Teil der Herr der Ringe Trilogie klingt. Für einen „normal“ interessierten Musikhörer mitunter echt harter Stoff, der zumindest auf Dauer manchmal schwer zu verdauen ist. Irgendwann während der knapp vierzig Minuten des Albums, fängt man ganz automatisch an, sich nach einer Gitarre, einem Schlagzeug oder irgendeinem Schrei zu sehnen. Jedoch kommt da einfach nichts, alles bleibt lieblich, sanft, weich, zärtlich, sentimental, melancholisch, traurig und eben auch süßlich – und zwar für immer!

Fazit: „A Day Without Rain“ ist ganz sicher tolle Musik, um irgendwelche Bilder zu untermalen und diese damit zu verstärken. So einfach zum Auflegen und anhören, taugt die Scheine nur bedingt. Da muss man schon eine große Sehnsucht nach einer Depression besitzen oder eben den Tag sehr melancholisch ausklingen lassen wollen, um hier tätig zu werden. Sie macht das gut, diese Enya, doch auf Dauer eben etwas zu einseitig bezogen auf die Stimmung. Acht Punkte.

Anspieltipps: Only Time



Montag, 21. September 2015

Klaus Schulze – 2001




Klaus Schulze – 2001


Besetzung:

Klaus Schulze – synthesizers


Label: Brain


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Gewitter (5:29)
2. Voices Of Syn (4:43)
3. Totem (4:25)
4. Mindphaser (4:52)
5. Blanche (5:23)
6. Crystal Lake (7:18)
7. Ludwig II. von Bayern (5:12)
8. Weird Caravan (4:59)
9. Amourage (5:09)
10. Silent Running (5:35)
11. Pain (4:28)
12. En=Trance (4:16)
13. The Beat Planante (4:37)
14. Miditerranean Pads (5:08)
15. Percussion Planante (5:49)

Gesamtspieldauer: 1:17:30




Wie heißt es so schön in dem beiliegenden Booklet zu „2001“, dem 1991 erschienenen Kompilationsalbum des Klaus Schulze: „Diese CD ist in doppelter Hinsicht eine Premiere: für Klaus Schulze, der, exklusiv für Sie, seine persönlichen Highlights aus seinem umfangreichen Oevre ausgewählt und nicht zu einer gewöhnlichen Best-Of-Kollektion aneinandergereiht, sondern aus ihnen neue 78-minütige „Picture Music“ (Albumtitel von 1975) komponiert hat; und für Sie, die Sie erstmals Gelegenheit haben, eine ebenso aufregende wie entspannende Zeitreise durch zwei Jahrzehnte im Schaffen dieses innovativen Tonbastlers zu unternehmen.

Da fragt man sich zunächst doch, ob so etwas überhaupt funktionieren kann. Eine Best-Of-Platte vom Klaus Schulze? Okay, ist ja keine Best-Of-Platte wie im Beiheft steht. Jedoch eine Auswahl von 15 Klaus Schulze Titeln müsste eigentlich eine Laufzeit von bald siebeneinhalb Stunden aufweisen, denn die Titel weisen häufig, sehr häufig Überlange auf. Nun, das wiederum bedeutet, man musste die einzelnen Nummern kürzen und das wurde auch gemacht. Aber darf man das? Geht damit nicht die Essenz eines Klaus Schulze Stücks verloren?

Man darf, denn „2001“ klingt fast wie ein eigenes Studioalbum. Herr Schulze hat sich beim Kürzen viel Mühe gegeben, sodass hier alles gewachsen zu sein scheint. Die einzelnen Nummern wurden passend zueinander arrangiert und scheinen fast ineinander überzugehen, obwohl dies gar nicht der Fall ist. So begibt man sich mit „2001“ auf eine musikalische Reise durch den Klang-Kosmos des Klaus Schulze. Schön ist dabei zu hören, wie die einzelnen Stücke des Berliners sich im Laufe der Jahre weiterentwickelten. Sind die Nummern, die hier auch chronologisch angeordnet sind, zu Beginn der Karriere des Klaus Schulze noch sehr sphärisch, so werden sie im weiteren Verlauf sehr viel rhythmischer und auch abwechslungsreicher. Dies soll jedoch keine Wertung darstellen, denn ihren Reiz besitzen alle künstlerischen Phasen des Klaus Schulze.

Fazit: Obwohl es Kompilations-Album ist, was es im Falle von Klaus Schulze bei dessen Liedlängen ja kaum geben kann und somit auf Kürzungen zurückgegriffen werden musste, trotz dieses Umstands lohnt sich die Scheibe. Es ist eine musikalische Reise durch das Schaffen des Klaus Schulze. Entspannende Musik, die wirkt, wenn man denn nicht immer Gitarren hören muss. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ludwig II. von Bayern, Amourage



Sonntag, 20. September 2015

Procol Harum – Grand Hotel




Procol Harum – Grand Hotel


Besetzung:

Gary Brooker – vocals, piano
Mick Grabham – guitar
Chris Copping – organ
Alan Cartwright – bass guitar
B.J. Wilson – drums


Gastmusiker:

Christiane Legrand – vocals (8)


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Art Pop, Art Rock


Trackliste:

1. Grand Hotel (6:10)
2. Toujours L'Amour (3:31)
3. A Rum Tale (3:20)
4. TV Caesar (5:52)
5. A Souvenir Of London (3:23)
6. Bringing Home The Bacon (4:21)
7. For Liquorice John (4:27)
8. Fires (Which Burnt Brightly) (5:10)
9. Robert’s Box (4:45)

Gesamtspieldauer: 41:09




„Grand Hotel“ heißt das sechste Studio-Album der englischen Band Procol Harum und wurde im März des Jahres 1973 auf dem Label Chrysalis Records veröffentlicht. Es hatte einige Änderungen in der Besetzung der Band gegeben, die sich auch auf den musikalischen Stil von Procol Harum auswirkten. Mick Grabham kam als neuer Gitarrist hinzu und ersetzte den ausgeschiedenen Gitarristen Robin Trower. Dazu hatte die Band nun mit Alan Cartwright wieder einen festen Bassisten und da der neue Gitarrist Mick Grabham sich musikalisch etwas zurückhielt und Chris Copping sich wieder ausschließlich um den Klang seiner Orgel kümmern konnte, klingt „Grand Hotel“ wieder deutlich weniger Gitarren-lastig, als noch die Alben unmittelbar davor. Gary Brooker hatte die musikalische Leitung bei Procol Harum wieder fest übernommen.

Die Platte erreichte Platz 21 der US-amerikanischen Billboard Charts und hatte ihren größten Erfolg in Dänemark, wo sie bis auf Platz 4 der Charts kletterte. Damals war die Welt noch etwas prüder als heute, was sich daran zeigt, dass die BBC die Single „A Souvenir Of London“ boykottierte, da sie einen Bezug zu Geschlechtskrankheiten in dem Text feststellte. Texter Keith Reid behauptete jedoch – unabhängig von jedweder Interpretation – dass die Nummer durch einen Besuch in einem Souvenir-Laden nahe George Martins Air Studios inspiriert worden wäre. Das Lied selbst ist eher so eine Art „Spaß-Lied“, mit stampfendem Rhythmus und sehr einfacher Melodie. Völlig untypisch für Procol Harum und auch wahrlich kein Höhepunkt im Werk der Band.

Ansonsten weiß einiges auf dieser Scheibe zu gefallen. Das ist der Opener und gleichzeitig das Titellied „Grand Hotel“, mit dem Procol Harum einmal mehr die Symbiose aus Orchester und Rock gelingt. Das hört sich dabei nie aufgesetzt, sondern durchaus stimmig an. Die sehr symphonisch-orchestrale Melodie der Strophe wechselt sich mit einem walzerartigen Refrain ab, hinzu gesellt sich ein an Zirkusmusik erinnernder Zwischenteil, sowie ein schönes Gitarrensolo. Mit „Toujours L'Amour“ bekommt man dann sogar einen ganz netten Rocker geboten, der ebenfalls ins Ohr geht. Mit „A Rum Tale“ folgt im Anschluss daran eine eher melancholische und doch flotte Piano-Nummer. Noch ein wenig melodischer wird es schließlich mit „TV Caesar“. Hier kommt nun auch wieder das ganze Orchester zum Einsatz. Das Lied klingt sehr eingängig und wirkt durch die breite Instrumentierung auch dementsprechend symphonisch.

„A Souvenir Of London“ ist das bereits erwähnte Spaß-Lied, das darauf folgende „Bringing Home The Bacon“ fällt am ehesten durch den etwas schrägen und versetzten Rhythmus auf. „For Liquorice John“ klingt dagegen so wunderschön melancholisch und traurig, allerdings schön traurig. Dies trifft in gewisser Weise auch auf „Fires (Which Burnt Brightly)“ zu. Eine sehr schöne Melodie und der wie immer ausdrucksstarke Gesang des Gary Broker wird hier von glockenhellen „Ahs“ und „Ohs“ der Christiane Legrand begleitet. Das geht sehr gut ins Ohr. Beendet wird das Album dann eher unspektakulär mit der Nummer „Robert’s Box“.

Fazit: Eine Platte mit einigen Höhepunkten ist „Grand Hotel“ geworden. Die einzelnen Titel wirken dabei noch nicht gleich beim ersten Mal des Hörens, ein paar mehr Durchläufe bedarf es da durchaus. Dann allerdings wachsen so einige Titel auf „Grand Hotel“, was das Album schließlich zu einem sehr hörenswerten Art Pop- beziehungsweise Art Rock-Album werden lässt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Grand Hotel, For Liquorice John, Fires (Which Burnt Brightly)



Samstag, 19. September 2015

The Black Crowes – Shake Your Money Maker




The Black Crowes – Shake Your Money Maker


Besetzung:

Chris Robinson – vocals
Rich Robinson – guitar
Jeff Cease – guitar
Johnny Colt – bass guitar
Steve Gorman – drums


Gastmusiker:

Chuck Leavell – piano, organ
Brendan O'Brien – a potpourri of instruments
Laura Creamer – background vocals


Label: American Recordings


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Southern Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Twice As Hard (4:09)
2. Jealous Again (4:35)
3. Sister Luck (5:13)
4. Could I’ve Been So Blind (3:44)
5. Seeing Things (5:18)
6. Hard To Handle (3:08)
7. Thick N' Thin (2:44)
8. She Talks To Angels (5:29)
9. Struttin' Blues (4:09)
10. Stare It Cold (5:13)
11. Don’t Wake Me (3:33)

Gesamtspieldauer: 45:09




Musikhörer, die Blues und Rock lieben, werden an dieser ersten Scheibe der Black Crowes mit dem Titel „Shake Your Money Maker“ sehr große Freude haben. 1990 erscheinen, enthält die Scheibe genau diese Mischung aus beiden musikalischen Genres, nämlich einen erdigen Blues Rock, der sofort in die Beine geht und diese zum Mitwippen animiert.

Die Lieder stammen mit einer Ausnahme vom Brüderpaar Chris und Rich Robinson. Diese eine Ausnahme ist gleichzeitig eines der berühmtesten Lieder der Black Crowes, nämlich ihre Version der Otis Redding Nummer „Hard To Handle“. Dieses Lied war neben vier weiteren eine der fünf Singleauskopplungen des Albums. Als „Gag“ wurden diese Singles mit jeweils verschiedenen B-Seiten veröffentlicht, die zumeist aus Live-Versionen, von auf der Platte enthaltenen Liedern, bestanden. Dies hatte zur Folge, dass jede Single in verschiedenen Ausführungen auf den Markt kam und natürlich für Sammler einen gewissen Reiz darstellte. Nicht nur diese verkauften sich jedoch gut, auch das Album selbst wurde mit mehrfach Platin in den USA ausgezeichnet.

Die einzelnen Titel auf dem Album wirken und klingen sehr einheitlich. Dabei lassen sich auch keine Ausfälle beklagen, die Scheibe läuft in einem durch und wirkt. Die Melodien gehen dabei durchaus schnell ins Ohr und auch die Stimme von Sänger Chris Robinson kann an jeder Stelle des Albums überzeugen. 1990 ist diese Scheibe erschienen, allerdings wirkt die Musik ein wenig so, als sei sie bereits zwanzig Jahre früher geschrieben worden und orientiert sich damit an den großen Rhythm & Blues Bands der 70er Jahre.

Fazit: Ein wirklich gelungenes Debut Album ist „Shake Your Money Maker“ von den Black Crowes geworden. Jede und jeder, die oder der auf Blues Rock steht, wird begeistert sein. Und auch Hörerinnen und Hörer, die in diesem Genre nicht so beheimatet sind, werden auf dem Album etwas für sich entdecken. Gute Musik überzeugt einfach. Neun Punkte.

Anspieltipps: Hard To Handle



Freitag, 18. September 2015

Edgar Broughton Band – Edgar Broughton Band




Edgar Broughton Band – Edgar Broughton Band


Besetzung:

Edgar Broughton – vocals, guitar
Arthur Grant – bass guitar, vocals
Steve Broughton – drums, vocals
Victor Unitt – guitar, harmonica, piano, organ, vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Psychedelic Rock, Rock, Blues, Folk


Trackliste:

1. Evening Over Rooftops (5:02)
2. The Birth (3:23)
3. Piece Of My Own (2:49)
4. Poppy / Don't Even Know Which Day It Is (6:38)
5. House Of Turnabout (3:08)
6. Madhatter (6:17)
7. Getting Hard / What Is A Woman For? (7:31)
8. Thinking Of You (2:07)
9. For Doctor Spock Parts 1 & 2 (3:54)

Gesamtspieldauer: 40:54




Unter Psychedelic Rock läuft das dritte Album der Edgar Broughton Band aus dem Jahr 1971. Interessanterweise wurde diese Platte mit dem eigenen Namen betitelten, wohingegen die beiden Vorgänger noch „Wasa Wasa“ sowie „Sing Brother Sing“ hießen. Nun, Psychedelic Rock hört man zwar auf „Edgar Broughton Band“, jedoch ist das nur eine Facette dieses Albums und wahrlich nicht die dominierende.

Auf der Platte hört man neben dem bereits erwähnten Psychedlic Rock vor allen Dingen Rock, Blues und manchmal klingt es sogar ein wenig folkig. Was wie eine krude Mischung klingt ist auch eine, jedoch keine unangenehme oder nervige. Zwar wird man als Hörer des Albums von einem musikalischen Genre in das nächste getrieben, die einzelnen Lieder klingen dabei jedoch überzeugend, auch wenn sie kaum von einer einzigen Band zu stammen scheinen.

Höhepunkt, zumindest einer davon, ist gleich der Auftakt, das Lied „Evening Over Rooftops“. Spannend beginnt es mit Streichern, die anscheinend gerade eine sehr heikle Szene eines Krimis zu unterstreichen scheinen, dann wird es sehr melodiös und auch ein wenig getragen. Nun, die Nummer setzt sich sofort im Ohr fest und wird dieses auch so schnell nicht mehr verlassen. Es folgen einige Titel, die einen etwas zweifeln lassen an der Musik der Edgar Broughton Band. Dieser Stilmix kann hier nicht überzeugen, was nicht zuletzt an den deutlich schlechteren Liedern liegt. Erst mit „Madhatter“ wird es dann wieder richtig hörenswert. Etwas bluesig klingt es hier und auch leicht psychedelisch, wobei letztere Stilrichtung immer mehr das Ruder an sich reißt und das Lied Mantra-artig ausklingt. Sehr gelungen.

Irgendwie waren das zwei Lieder in einem. Doch das ist auf dieser Scheibe nichts Besonderes. Beim nächsten Titel finden sich erneut zwei Nummern in einer. Okay dieses Mal hat das Lied auch einen Doppelnamen mit „Getting Hard / What Is A Woman For?“. Prescht das erste Stück nach vorne, so ist „What Is A Woman For?“ ein sich immer mehr steigender Blues. Sehr überzeugend und das schreibe ich hier, der garantiert kein Bluesjünger ist. „Thinking Of You“ ist eine schöne Folk-Nummer mit irgendeinem Mittelalter-Einschlag. Und auch „For Doctor Spock Parts 1 & 2“ klingt gut, ebenfalls psychedelisch angehaucht, wobei man vom ersten Part lange, lange nichts hört.

Fazit: Nicht alles auf dem Album „Edgar Broughton Band“ ist überzeugend. Jedoch zaubert der Beginn ein Lächeln auf das Gesicht des Hörers und auch die vier Nummern – oder sind es viele mehr? – am Ende der Platte wissen zu überzeugen. Ein wahnsinniger Stilmix liegt hier zwar vor, jedoch einer, der irgendwie unterhält. Na, spannend ist das durchaus auch und an vielen Stellen sehr melodiös. Elf Punkte.

Anspieltipps: Evening Over Rooftops, What Is A Woman For?, Thinking Of You



Donnerstag, 17. September 2015

Nick Cave & The Bad Seeds – Let Love In




Nick Cave & The Bad Seeds – Let Love In


Besetzung:

Nick Cave – vocals, organ, backing vocals, piano, electric piano, oscillator, bells
Blixa Bargeld – guitar, backing vocals, vocals
Martyn P. Casey – bass guitar
Mick Harvey – guitar, backing vocals, organ, drums, string arrangement, bells, tambourine, shaker
Conway Savage – backing vocals, piano
Thomas Wydler – drums, tambourine, timpani, shaker, triangle, fish


Gastmusiker:

Tex Perkins – backing vocals
Rowland S. Howard – backing vocals
Mick Geyer – backing vocals
Nick Seferi – backing vocals
Spencer P. Jones – backing vocals
Robin Casinader – violin
Warren Ellis – violin
David McComb – backing vocals
Donna McEvitt – backing vocals
Katharine Blake – backing vocals


Label: Mute Records


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Do You Love Me? (5:56)
2. Nobody's Baby Now (3:52)
3. Loverman (6:21)
4. Jangling Jack (2:47)
5. Red Right Hand (6:10)
6. I Let Love In (4:14)
7. Thirsty Dog (3:48)
8. Ain't Gonna Rain Anymore (3:46)
9. Lay Me Low (5:08)
10. Do You Love Me? (Part 2) (6:12)

Gesamtspieldauer: 48:19




„Let Love In“ heißt das achte Studio-Album des Australiers Nick Cave zusammen mit seiner Band „The Bad Seeds“ und wurde 1994 veröffentlicht. Und ein weiteres Mal schickt uns der Musiker auf eine intensive Reise, denn „Let Love In“ ist ein Album voller Gefühl geworden, mit vielen ruhigen Titeln, in denen die warme und sonore Stimme des Nick Cave erneut perfekt zur Geltung kommt.

Die meisten der Nummern auf „Let Love In“ überzeugen gleich beim ersten Hören, nutzen sich jedoch mit jedem weiteren Durchlauf auch keineswegs ab. Oftmals breiten sich vor dem Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers sanfte und zarte Melodien aus, in die es einzutauchen gilt. Solch eine Nummer wie „Thirsty Dog“, bei der das Tempo deutlich stärker angezogen wird und der durchaus rockt, solche Titel finden sich deutlich weniger auf dieser Scheibe, die auch keine musikalischen Ausfälle aufweist. „Let Love In“ wirkt durchgehend überzeugend.

Favoriten sind dabei der Opener „Do You Love Me?”, welcher im Mid Tempo gehalten ist und den es dann am Ende der Scheibe auch noch als Ausgangslied gibt – jedoch in einer völlig anderen Version. Nun ist das Lied sehr viel getragener, Streicher sorgen an einigen Stellen für ein fast orchestrales Hörvergnügen. Trotzdem überzeugt hier die Eingangsvariante etwas mehr. Sehr überzeugend klingt „Loverman“. Eine intensive Nummer, sowohl von den Melodiebögen her, die ganz schnell zu zünden verstehen, wie auch vom Text. Startet das Lied zunächst sehr zurückhaltend und ruhig, so scheint sie zwischenzeitlich immer wieder kurz zu explodieren, wird fordernd und deutlich aggressiver.

Absolut gelungen ist „Red Right Hand“. Lediglich ganz zart instrumentiert, ist es neben der Stimme des Nick Cave genau diese Instrumentierung selbst, die den Reiz dieses Titels ausmacht, da sie durchaus mit „ungewöhnlich“ und groovend zu umschreiben ist. Wunderschön und eingängig klingt das „Titellied“ „I Let Love In“, welches vom Piano dominiert wird. Dann das spannende und getragene „Ain't Gonna Rain Anymore“, ein langsamer Ohrwurm, dieses Mal erneut mit zahlreichen Streichern versehen. Im Grunde genommen hätte ich hier auch andere Nummern aufzählen können, denn überzeugend klingt es an praktisch jeder Stelle auf „Let Love In“.

Fazit: Auch „Let Love In“ ist Nick Cave und seinen Bad Seeds überaus gelungen. Der Australier hat die Gabe, Platten auf gleichmäßig hohem Niveau zu veröffentlichen. Dabei hört man hier in jedem Takt Nick Cave And The Bad Seeds heraus. Das wiederum bedeutet jedoch keineswegs, dass die Musik der Band langsam anfängt langweilig zu werden. Ganz im Gegenteil sogar, „Let Love In“ klingt wie eine logische und folgerichtige Erweiterung der musikalischen Aussagen des Nick Cave. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Red Right Hand, I Let Love In



Mittwoch, 16. September 2015

Marilyn Manson – Portrait Of An American Family




Marilyn Manson – Portrait Of An American Family


Besetzung:

Daisy Berkowitz – guitars, acoustic guitars
Twiggy Ramirez – base tendencies
Madonna Wayne Gacy – calliope, hammond organ, saxophone, theremin, brass, overdubs, loops
Sara Lee Lucas – drums, sound effects
Mr. Manson – vocals
Gidget Gein – bass


Label: Interscope Records


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Industrial Metal


Trackliste:

1. Prelude (The Family Trip) (1:22)
2. Cake And Sodomy (3:53)
3. Lunchbox (4:34)
4. Organ Grinder ((4:22)
5. Cyclops (3:32)
6. Dope Hat (4:20)
7. Get Your Gunn (3:17)
8. Wrapped In Plastic (5:35)
9. Dogma (3:26)
10. Sweet Tooth (5:03)
11. Snake Eyes & Sissies (4:07)
12. My Monkey ((4:31)
13. Misery Machine (Lied endet bei 5:51) (13:09)

Gesamtspieldauer: 1:01:04




Das ist es also, das erste Album der amerikanischen Rocker von Marilyn Manson mit dem, Namen „Portrait Of An American Family“ aus dem Jahr 1994. Marilyn Manson, das ist eine fünfköpfige Band aus Fort Lauderdale, Florida in den USA, bei der sich die einzelnen Mitglieder nach bekannten Serienmördern benannten. Die Scheibe sorgte allerdings nicht nur deshalb beim Erscheinen für allerhand Aufsehen, sondern auch, da Sänger Brian Hugh Warner, alias Marilyn Manson, hier kein Blatt vor den Mund nimmt. „Expicit Lyrics” wurde groß auf die Plattenhülle gedruckt, was sicherlich bei vielen jungen Musikhörern erst recht ein Kaufargument darstellt. In einem Interview sagte Marilyn Manson mal, dass sie hier aussprechen wollten, was Eltern vor ihren Kindern verbergen wollen. Nun, so sind die Texte durchaus kritisch der amerikanischen Gesellschaft gegenüber und prangern einige Themen an, die es durchaus lohnt aufzugreifen. Warum das allerdings immer in einer Fäkalsprache ablaufen muss, das erschließt sich mir nicht ganz.

Die Musik ist äußerst aggressiv, geht aber durchaus nach mehrmaligem Hören ins Ohr. Marilyn Manson spricht dabei seine Worte manchmal, ein anders mal flüstert er sie. Dann wird die Botschaft wieder gesungen und schließlich an anderer Stelle brutal herausgeschrien. Ganz sicherlich keine leichte Kost und eher „männliche“ Musik denn „weibliche“ – so viel ist sicher. Die Nummern rocken durchaus, die Band arbeitet mit Hintergrundgeräuschen, was das Ganze auch durchaus spannender werden lässt. Was diese Scheibe jedoch ganz sicherlich in sich beherbergt, das ist so ein kleines Phänomen, was man öfters in der Musik antrifft. Auch hier wachsen die Lieder mit jedem Durchgang weiter. Was am Anfang noch unmöglich erschließbar klang, wird immer eingängiger – zumindest nach einer gewissen Zeit.

Manche Melodien, manche Riffs zünden auch durchaus, jedoch nicht jede und jeder. Ein Teil dieser Platte schwelgt in der eigenen Härte, die wohl durchaus absichtlich abstoßend klingen soll, um das Extreme darzustellen, das Schlechte, Unschöne, Häßliche. Hier wird es dann schwierig, weil man nicht unbedingt mehr immer einen Zugang dazu finden kann.

Fazit: Ich kann wahrlich nicht behaupten, dass mir diese Scheibe überhaupt nicht gefällt. Ich liebe darauf so manchen Melodiebogen, sei er noch so hart. Ich liebe darauf so manches Riff wegen seiner Eingängigkeit. Und ich liebe auch viele der Soli, die Daisy Berkowitz hier fast schon unwiderstehlich zelebriert. Wären da nur nicht auch die verstörenden Abschnitte, mit denen ich dann weniger anfangen kann, da sie oftmals nur laut klingen. Auch sozialkritische Texte sind wichtig, warum man hierzu jedoch oftmals nur Fäkalwörter benutzen muss? Ich weiß es nicht. Oh weh, bin ich prüde geworden. Hätte ich der Scheibe nach dem ersten Hören Punkte geben sollen, wären es wohl derer fünf geworden. Nach vielen Durchgängen sind es mehr. Wo das nur hinführen mag? Neun Punkte.

Anspieltipps: Lunchbox, Sweet Tooth



Dienstag, 15. September 2015

Fury In The Slaughterhouse – The Hearing And The Sense Of Balance




Fury In The Slaughterhouse – The Hearing And The Sense Of Balance


Besetzung:

Kai Wingenfelder – lead voices, guitars
Christof Stein-Schneider – guitars, vocals
Thorsten Wingenfelder – guitars, vocals
Hannes Schäfer – bass guitars
Rainer Schumann – drums, guitars
Gero Drnek – keyboards, guitars, clarinet, bass guitars, banjo, vocals


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Kiss The Judas (4:26)
2. Your Love Won't Take Me Anywhere (3:14)
3. Dancing In The Sunshine Of The Dark (5:07)
4. Hello And Goodbye (3:36)
5. Survival Shake (2:57)
6. Stay Clean These Days (3:01)
7. Milk And Honey (4:15)
8. Down There (3:44)
9. Rainy April Day (2:49)
10. Next To You (2:14)
11. Ghosttown (4:01)

Gesamtspieldauer: 39:30




Fury In The Slaughterhouse war eine deutsche Rock Band aus Hannover, die in den Jahren von 1987 bis 2008 aktiv war. „The Hearing And The Sense Of Balance” ist dabei ihr fünftes Studio-Album und erschien im Jahr 1995 auf dem Label RCA Records. Darauf zu hören gibt es wahrlich gut gemachten Rock und man wundert sich immer wieder, dass diese Band, die zwar durchaus auch Erfolge erzielte, nicht doch noch erfolgreicher war. Drei Singles wurden mit „Down There“, „Milk And Honey“ und „Hello And Goodbye“ aus „The Hearing And The Sense Of Balance” ausgekoppelt, die in Deutschland die Chart-Platzierungen 83, 94 und 97 erreichten.

Die Musik auf „The Hearing And The Sense Of Balance” kann wahrlich überzeugen. Guten und abwechslungsreichen Rock gibt es hier zu hören, der auch ins Ohr geht. Meist sind die Lieder dabei eher sanft gehalten, maximal bis hin zum Mid-Tempo werden die einzelnen Titel gesteigert. Richtig erfolgreich waren Fury In The Slaughterhouse mit dem Vorgängeralbum „Mono”, welches drei Jahre zuvor erschienen war. Mit „The Hearing And The Sense Of Balance” ebbte der Erfolg bereits ab, was wahrlich schade wie auch seltsam ist, denn die Musik der Hannoveraner Musiker muss sich wirklich nicht vor internationalen Vergleichen verstecken.

Nicht jedes Lied auf der Scheibe reißt einen zwar von den Sitzen, jedoch guter Durchschnitt ist das allemal und den erreichen viele andere Kollegen noch nicht einmal. Doch „The Hearing And The Sense Of Balance” hat sogar einen solchen Höhepunkt, der sie von anderen Alben abhebt. Und dieser heißt „Down There“. Ein absolut geniales Lied mit diesem gewissen Ohrwurmcharakter, der sich tief in das Gedächtnis eingräbt. Ich kenne nicht alle Platten von Fury In The Slaughterhouse, aber von denen, die ich kenne, ist dieses Lied der absolute Höhepunkt und für mich deutlich überzeugender als „Radio Orchid“, der Hit der Band international. Für „Down There“ lohnt alleine schon der Erwerb des Albums, von dem man auch sonst nicht enttäuscht wird.

Fazit: Wenn man Rock mag, der nicht zu hart ist und immer die Melodie in den Vordergrund stellt, dann wird man mit „The Hearing And The Sense Of Balance” von Fury In The Slaughterhouse bestens bedient. Auf dem Album gibt es gut gemachten Rock zu hören, der größtenteils auch schnell ins Ohr geht. Mit „Down There“ befindet sich auf der Platte zudem noch ein ganz spezielles Lied, was sich noch ein wenig über den Rest erhebt. Auch deutsche Bands können guten Rock machen, der internationalen Standards entspricht oder diese zum Teil noch übertrifft. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Down There



Montag, 14. September 2015

The Fratellis – Costello Music




The Fratellis – Costello Music


Besetzung:

Jon Fratelli (John Lawler) – lead vocals, guitar
Barry Fratelli (Barry Wallace) – bass guitar, shouting
Mince Fratelli (Gordon McRory) – drums, backup vocals, banjo


Gastmusiker:

Shane Watson – horn


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Henrietta (3:32)
2. Flathead (3:17)
3. Whistle For The Choir (3:35)
4. Chelsea Dagger (3:35)
5. For The Girl (2:48)
6. Doginabag (3:20)
7. Creepin’ Up The Backstairs (3:07)
8. Vince, The Loveable Stoner (3:14)
9. Everybody Knows You Cried Last Night (3:54)
10. Baby Fratelli (3:56)
11. Got Ma Nuts From A Hippie (3:11)
12. Ole Black ‘n’ Blue Eyes (3:14)
13. Hidden Track (3:33)

Gesamtspieldauer: 44:22




„Costello Music“ heißt das Debut-Album der schottischen Band The Fratellis aus Glasgow. Veröffentlicht wurde die Scheibe am 30. Oktober 2006 auf dem Label Fallout Records. Die Platte lief vor allen Dingen in Großbritannien sehr erfolgreich, wo sie bis auf Platz 2 der britischen Album Charts kletterte und sich 83 Wochen in den Top 100 halten konnte. Weltweit wurden bisher bereits über 1,5 Millionen Kopien der Platte verkauft.

Auf „Costello Music“ ist so eine Art „Gute-Laune-Rock“ zu hören, der ziemlich schnell ins Ohr geht. Nicht weiter verwunderlich von daher, dass die Musik der Fratellis gerne für Werbespots oder auch beim Torjubel im Stadion eingesetzt wird. Hier springt einem die Eingängigkeit mitunter direkt an, was nicht nur beim Titel „Chelsea Dagger“ durchaus negative Assoziationen wie „Anbiederei“ hervorrufen kann. Zu den musikalischen Vorbildern der Fratellis zählen angeblich solche Bands wie die Beatles, Led Zeppelin, The Clash oder Pink Floyd. Die Musik der Fratellis hat allerdings absolut nichts mit der Musik der hier genannten Bands zu tun. Sehr viel eher hört sich das Ganze an wie ein in den Rock transportierter Punk, der eben eingängig klingen möchte. Refrains zum Mitgrölen sowie Melodien zum Ausgelassensein und Abtanzen, das ist es, was die Fratellis ihren Hörerinnen und Hörern bieten wollen. Das kann mitunter durch die „platte“ Art der Umsetzung allerdings durchaus sehr nerven.

So ist es auch gar nicht so einfach, die Höhepunkte auf „Costello Music“ der Fratellis zu benennen. Diese eingängige „Gute-Laune-Mucke“ nervt nämlich ziemlich schnell. Am interessantesten klingt für mich die Band noch an den Stellen, wenn sie mal rockt, ohne dabei als Tormelodie im Stadion oder Werbungshintergrund zu enden. Dies schaffen die Fratellis mit der Nummer „Doginabag“. Das ist Rock-Musik, die auch unterhält, ohne dabei so konzipiert zu sein, dass man animiert wird mit zu grölen. Und hier klingen die Fratellis jetzt an manchen Stellen doch tatsächlich wie die Beatles – und das sogar sehr überzeugend. Ebenfalls noch gelungen klingt die treibende Nummer „Got Ma Nuts From A Hippie“ sowie „Ole Black ‘n’ Blue Eyes“, ein Lied welches gut ins Ohr geht. Beide Titel unterscheiden sich wohltuend von den anderen im Mid-Tempo gehaltenen Nummern auf Castello Music dadurch, dass hier auf diesen „Party-Sound“ verzichtet wird. Natürlich kann man auch bei diesen Liedern mitsingen, scheint dazu allerdings nicht ununterbrochen animiert zu werden.

Fazit: Erfolgreich ist das Album „Cstello Music“ der schottischen Band The Fratellis durchaus. Auf mich wirkt das Ganze allerdings unglaublich plump. Diese ganzen Mitgröl-Refrains nerven manchmal bereits beim ersten Mal des Hörens. Alles aber natürlich eine Sache des eigenen Musikgeschmacks. Meiner wird hier definitiv nicht getroffen, mir ist das alles irgendwie zu banal. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Doginabag, Got Ma Nuts From A Hippie, Ole Black ‘n’ Blue Eyes



Sonntag, 13. September 2015

Roger Waters – The Wall – Live in Berlin




Roger Waters – The Wall – Live in Berlin


Besetzung:

Roger Waters – vocals, guitars, bass
Graham Broad – drums
Rick DiFonzo – guitar
Andy Fairweather-Low – guitar, bass
Nick Glennie-Smith – keyboards
Snowy White – guitar
Peter Wood – keyboards
Joe Chemay – backing vocals
Jim Farber – backing vocals
Jim Haas – backing vocals
John Joyce – backing vocals
Bryan Adams – vocals
Paul Carrack – vocals
Thomas Dolby – vocals, keyboard
Cyndi Lauper – vocals, keyboard
Ute Lemper – vocals
Joni Mitchell – vocals
Van Morrison – vocals
Sinead O'Connor – vocals
Tim Curry – vocals
Marianne Faithful – vocals
Albert Finney – vocals
Rick Danko – vocals
Garth Hudson– vocals
Levon Helm – vocals
James Galway – vocals
Paddy Maloney – vocals
Jerry Hall – vocals
Sowie The Band, The Hooters, The Scorpions, The East Berlin Rundfunk Choir & Orchestra, 
The Marching Band of the Combined Soviet Forces in Germany und Michael Kamen als Dirigent


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. In The Flesh
2. The Thin Ice
3. Another Brick In The Wall, Part I
4. The Happiest Days Of Our Lives
5. Another Brick In The Wall, Part II
6. Mother
7. Goodbye Blue Sky
8. Empty Spaces
9. Young Lust
10. Oh My God - What A Fabulous Room
11. One Of My Turns
12. Don't Leave Me Now
13. Another Brick In The Wall, Part III
14. Goodbye Cruel World
15. Hey You
16. Is There Anybody Out There?
17. Nobody Home
18. Vera
19. Bring The Boys Back Home
20. Comfortably Numb
21. In The Flesh
22. Run Like Hell
23. Waiting For The Worms & Stop
24. The Trial
25. The Tide Is Turning

Bonus Material:

1. Documentary
2. Multi Audio Options
3. Animations

Gesamtdauer des Konzertes: 1:50:17




Diese Rezension kann ich echt ziemlich kurz machen. Roger Waters kam also, nach dem Fall der Berliner Mauer im November 1989, auf die Idee, seine „Wall” auf dem damals noch unbebauten Potsdamer Platz in Berlin zu inszenieren. Was das Pink Floyd Album „The Wall“ inhaltlich mit dieser Deutschen Mauer zu tun hat, erschließt sich sicherlich nicht nur mir nicht. Egal, beides sind eben Mauern.

Nun, natürlich spielt hier nicht Pink Floyd, Roger Waters befand sich zu dem Zeitpunkt in einigen gerichtlichen Auseinandersetzungen mit den anderen drei Band-Mitgliedern. Und somit wurden vom Pink Floyd Bassisten und Komponisten dieses Werks kurzerhand andere Musiker engagiert, die ihm hier zur Seite stehen sollten. Das machten die natürlich auch alle gerne, war ja historischer Boden, auf dem das alles stattfand und auch ein historisches Konzert sollte es werden.

Nun, das Ergebnis ist allerdings etwas enttäuschend. Die Musik ist cool, zweifelsohne. „The Wall“ wurde ja auch bereits auf diesen Seiten besprochen. Nur die Umsetzung, die ist hier wahrlich nicht gelungen. Der Sound ist mitunter wahrlich grottenschlecht, wenn auch wohl zig Mal aufbereitet. Und dann diese vielen Sänger, die manchmal einfach nicht den Ton treffen wollen. Schlimm. Man wundert sich, das sind doch alles gestandene Musiker. Ganz schlimm übrigens Van Morrison bei „Comfortably Numb“. Meine Nerven, wie man solch ein Lied so verhunzen kann. Katastrophal. Nun, die Platte wird logischerweise durchgespielt und danach gibt es noch den Titel „The Tide Is Turning“ vom Roger Waters Solo-Album „Radio K.A.O.S.“. Hier bekommt man jetzt dann sogar den inhaltlichen Zusammenhang eines Liedes mit dem Fall der Berliner Mauer geboten – in Zeiten von Glasnost und Perestroika.

Fazit: Die Musik von „The Wall“ ist toll. Wie diese hier jedoch wiedergegeben wird, das tut zum Teil richtig weh. Von daher lohnt diese DVD nicht wirklich. Das Original lohnt sich, auf Schallplatte gepresst oder auch auf CD gebrannt. Das hier braucht man wohl nur, wenn man das Konzert höchstpersönlich gesehen hat. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Comfortably Numb