Montag, 11. Mai 2020

King’s X – Gretchen Goes To Nebraska




King’s X – Gretchen Goes To Nebraska


Besetzung:

Doug Pinnick – bass guitar, lead vocals
Ty Tabor – guitar, dulcimer, sitar, wooden flute, vocals
Jerry Gaskill – drums, percussion, vocals


Gastmusiker:

Sam Taylor – pipe organ and "drawkcab" piano


Label: A&M Records


Erscheinungsjahr: 1989


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Out Of The Silent Planet (5:44)
2. Over My Head (4:47)
3. Summerland (3:17)
4. Everybody Knows A Little Bit Of Something (3:57)
5. The Difference (In The Garden Of St. Anne‘s On-The-Hill) (3:08)
6. I‘ll Never Be The Same (4:56)
7. Mission (5:01)
8. Fall On Me (4:05)
9. Pleiades (4:41)
10. Don‘t Believe It (3:07)
11. Send A Message (4:02)
12. The Burning Down (5:35)

Gesamtspieldauer: 52:25




„Gretchen Goes To Nebraska“ nannte die US-amerikanische Hard Rock Band King’s X ihr zweites Studioalbum welches am 27. Juni 1989 ursprünglich auf dem Plattenlabel Megaforce erschien. „Gretchen Goes To Nebraska“ basiert angeblich auf einer Kurzgeschichte des Schlagzeugers Jerry Gaskill. Dementsprechend kann man hier wohl von einem Konzeptalbum sprechen. Von den Kritikern und Fans wird die Scheibe hochgelobt, auch wegen der progressiven Ansätze, die auf der Platte zu hören sein sollen.

Diese höre ich leider nicht. Gar nicht. „Gretchen Goes To Nebraska“ klingt wie eine Hard Rock Scheibe, auf der sich auch mal eine Ballade verläuft. Zugegebenermaßen klingt die Musik etwas eingängiger als noch auf dem Debut „Out Of The Silent Planet“. Doch begeistern kann mich das alles nicht sonderlich. Das Lied mit diesem Titel des ersten Albums ist übrigens auf dem diesem Album enthalten und stellt einen der wenigen Höhepunkt dieser Scheibe dar. „Summerland“ klingt ebenfalls gut und überzeugend, genau wie das sanfte „The Difference (In The Garden Of St. Anne's On-The-Hill)“.

Dann gibt es auf „Gretchen Goes To Nebraska“ allerdings auch solch Titel wie „Over My Head“ zu hören. So ein Mitgröl-Lied, mit dem wahnsinnig „raffinierten“ Text: „Music, Music, I hear Music, Music over my head“. Ganz schlimm und eines der langweiligsten Hard Rock Titel, die ich kenne – obwohl darin sogar noch ein ganz gutes Gitarrensolo zu hören ist. Viele ordnen diese Scheibe dem Genre Progressive Metal zu, irgendwie fehlt mir da die Fantasie und letztendlich sogar völlig das Verständnis. Schön und gelungen sind allerdings auch auf dieser Platte – wie bereits beim Debut – die Arrangements zu den mehrstimmig eingesungenen Passagen. Hiermit können King’s X auch auf „Gretchen Goes To Nebraska“ überzeugen und heben sich damit von anderen Bands ab.

Fazit: „Gretchen Goes To Nebraska“ rauscht an einem vorbei, hinterlässt kaum Spuren. Ein paar guten Titeln stehen hier auch ein paar weniger gelungene Nummern gegenüber. Nicht alles auf dieser Scheibe ist schlecht, allerdings auch nur wenig so richtig überzeugend. Freunde des Hard Rocks finden ganz bestimmt ein paar coole Titel auf dem Album. Aber Progressive Metal? Nein, den höre ich hier nicht. Acht Punkte.

Anspieltipps: Out Of The Silent Planet, Summerland, The Difference (In The Garden Of St. Annes On-The-Hill)



Samstag, 9. Mai 2020

Pendragon – Love Over Fear




Pendragon – Love Over Fear


Besetzung:

Jan-Vincent Velazco – drums and percussion
Peter Gee – bass guitar
Clive Nolan – keyboards
Nick Barrett – guitars, vocals, keyboard programming and mandolin on "360 Degrees", piano on "Starfish And The Moon" and "Whirlwind"


Gastmusiker:

Zoe Devenish – backing vocals, violin on "360 Degrees" and "Soul And The Sea"
Julian Baker – saxophone on "Whirlwind"


Label: Toff Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Everything (5:40)
2. Starfish And The Moon (3:37)
3. Truth And Lies (8:26)
4. 360 Degrees (5:34)
5. Soul And The Sea (5:44)
6. Eternal Light (8:19)
7. Water (7:57)
8. Whirlwind (4:59)
9. Who Really Are We? (8:41)
10. Afraid Of Everything (5:08)

Gesamtspieldauer: 1:04:08



„Love Over Fear“ ist das bereits elfte Studioalbum der englischen Progressive Rock Band Pendragon. Obwohl das Wort „bereits“ hier wahrscheinlich gar nicht angebracht ist. Gegründet wurde die Band nämlich bereits im Jahr 1978 in Stroud, Gloucestershire, England. Das erste Album von Pendragon erschien 1985, also vor bereits 35 Jahren. Etwas mehr als drei Jahre also für ein Album – dafür allerdings in relativer Regelmäßigkeit. Die elfte Studioveröffentlichung „Love Over Fear“ erschien dieses Jahr am 28. Februar 2020. Ebenfalls, wie schon die Vorgänger, auf dem bandeigenen Label Toff Records.

Pendragon stehen für die sehr melodiöse und eingängige Variante des Progressive Rock. „Frickelig“ oder experimentell klingt die Musik der Engländer nicht. Nicht anders ist es auch auf „Love Over Fear“ zu hören. Schwelgerische Keyboard-Sounds, verträumte Pianoläufe, gezupfte akustische Gitarren, sehnsüchtige E-Gitarren, die allerdings auch mal rocken können, all das gibt es auf dem Album zu hören. Die längeren Titel entwickeln sich dabei, volführen verschiedene Wendungen, laden zu kleinen musikalischen Reisen ein. Zugegebenermaßen hat man das alles so ähnlich schon mal gehört, auch von Pendragon. Langweile kommt trotzdem keine auf, da die vier Bandmitglieder auf „Love Over Fear“ das Angebot an modernem Progressive Rock einfach erweitern, ohne sich dabei selbst zu kopieren.

„Love Over Fear“ wirkt in seiner Gesamtheit – und dies vom ersten bis zum letzten Akkord. Ausfälle gibt es keine zu beklagen, es macht Spaß diese über eine Stunde dauernde Musik wirken zu lassen. Die Nummer „Whirlwind“ fällt dabei vielleicht ein wenig aus dem Rahmen. Ich habe vor einigen Tagen eine Dokumentation über Frank Sinatra gesehen, dem hätte dieser Titel ganz bestimmt gefallen, obwohl er angeblich sonst mit Pop und Rock nichts anfangen konnte. Gesungen hätte er diese Nummer sicherlich auch gerne. Für das Album „Love Over Fear“ bedeutet diese Nummer immerhin eine stilistische Auflockerung.

Meine Favoriten sind andere Titel. „Truth And Lies“, „Soul And The Sea“, „Eternal Light“ und „Who Really Are We?“ heißen diese. Das sind die drei über achtminütigen Lieder des Albums sowie das zunächst sanfte und leicht melancholische „Soul And The Sea“, welches im weiteren Verlauf so wunderschön kraftvoll aus den Boxen hämmert. Ihre Stärke für Dramatik, Abwechslungsreichtum und Melodiösität können die vier Musiker von Pendragon in längeren Titeln natürlich bestens ausleben. Von daher nicht überraschend, dass gerade diese längeren achtminütigen Titel auch besonders zu überzeugen verstehen.

Fazit: Wer die Musik von Pendragon mag, wird sicherlich auch „Love Over Fear“ mögen. Die Band spielt modernen Progressive Rock, der zwar an die Vorbilder der frühen 70er Jahre angelehnt ist, trotzdem für sich selbst steht. Melodiösität und Abwechslung gibt es jede Menge auf dieser Scheibe zu hören. Macht definitiv Spaß. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Truth And Lies, Soul And The Sea, Eternal Light, Who Really Are We?



Donnerstag, 7. Mai 2020

Triana – El Patio




Triana – El Patio


Besetzung:

Jesús de la Rosa Luque – vocals, keyboards
J. J. Palacios "Tele" – drums, percussion
Eduardo Rodríguez – guitar


Gastmusiker:

Manolo Rosa – bass
Antonio García de Diego – electric guitar


Label: Fonomusic


Erscheinungsjahr: 1975


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Abre La Puerta (9:51)
2. Luminosa Mañana (4:01)
3. Recuerdos De Una Noche (4:41)
4. Sé De Un Lugar (7:09)
5. Diálogo (4:31)
6. En El Lago (6:36)
7. Todo Es De Color (2:04)

Gesamtspieldauer: 38:56




Spanischer Progressive Rock? Warum nicht, doch dann wäre es doch auch schön, wenn dabei die Ingredienzien der spanischen Musik mit enthalten wären. Und genau das bieten Triana ihren Hörerinnen und Hörern. Triana, ein spanisches Trio aus Sevilla, Andalusien, welches sich im Jahr 1974 gründete, verbinden Progressive Rock mit einer gehörigen Portion Flamenco. Das erste Studioalbum von Triana trägt den Namen „El Patio“ (auf Deutsch: „Der Innenhof“, wie man auf dem Cover auch nachvollziehen kann) wurde am 14. April 1975 auf dem Plattenlabel Movieplay veröffentlicht und ist auch auf CD beim Label Fonomusic wiederveröffentlicht worden.

Wer sehr eingängigen, nicht zu frickeligen Progressive Rock zu schätzen weiß, die oder der wird mit dieser Scheibe seine helle Freude haben. Die Musik auf „El Patio“ geht ins Ohr, ist abwechslungsreich, unternimmt zahlreiche Wendungen. Dabei erklingt immer wieder die Flamenco-Gitarre und man hört rhythmisches Klatschen und weiß sofort, in welchem Kulturkreis man sich bewegt. Sehr gelungen ist dabei zudem das Zusammenspiel zwischen der Gitarre des Eduardo Rodríguez und dem feinen, ein anderes Mal fetten Orgelsound des Jesús de la Rosa Luque. Ziemlich einmalig in der Musiklandschaft.

Überhaupt Jesús de la Rosa Luque. Dieser unterstützt und unterstreicht die Musik von Triana durch seinen hingebungsvollen und eindringlichen Gesang, bei dem der Sänger jede musikalische Wendung empathisch miterlebt und auslebt. Ich bin des Spanischen nicht mächtig, doch wenn Jesús de la Rosa Luque beim Singen mitleidet, so hängt man förmlich an seinen Lippen und spürt die Emotionen, auch wenn er nicht zu sehen ist. Sehr schön.

„Triana“ ist in sich geschlossen, klingt ohne Ausnahme gut und überzeugend. Von daher könnte man viele Höhepunkte aufführen. Müsste ich mich auf eine Top 3 festlegen, wären dies die Lieder „Abre La Puerta“, „Luminosa Mañana“ sowie „En El Lago“. Allesamt eingängige, sehr melodiöse Titel, mit denen man bestens in die Musik der Andalusier eintauchen kann. Bester Progressive Rock auf Spanisch. Das Album war zunächst übrigens nur mäßig erfolgreich und wurde erst mit dem Bekanntheitsgrad der Band auch kommerziell für Tirana ein Erfolg. In allen Rankings zu den wichtigsten Platten der spanischen Pop- und Rockkultur ist „Triana“ vertreten. So führt es dort zum Beispiel das Rolling Stone Magazine auf Platz 23.

Fazit: Wer eingängigen, melodiösen und pathetischen Progressive Rock mag, wird auch „El Patio“ von Triana mögen. Das Debut-Album der Spanier beinhaltet alles, was Progressive Rock Fans lieben. Der Inhalt von Musik und Texten wird durch den Gesang bestens transportiert, da fällt es gar nicht mehr ins Gewicht, dass man nichts versteht, wenn man kein Spanisch spricht. Und dann diese Flamenco-Gitarre, die die Musik von Triana zu etwas Besonderem werden lässt. Lohnt sich. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Abre La Puerta, Luminosa Mañana, En El Lago



Dienstag, 5. Mai 2020

Placebo – Loud Like Love




Placebo – Loud Like Love


Besetzung:

Brian Molko – vocals, guitar, keyboards
Stefan Olsdal – bass guitar, guitar, piano, keyboards, cimbalom, backing vocals
Steve Forrest – drums, percussion


Gastmusiker:

Bill Lloyd – keyboards, bass guitar
Fiona Brice – string arrangements, backing vocals


Label: Elevator Lady Limited


Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Loud Like Love (4:51)
2. Scene Of The Crime (3:27)
3. Too Many Friends (3:34)
4. Hold On To Me (4:54)
5. Rob The Bank (3:38)
6. A Million Little Pieces (4:40)
7. Exit Wounds (5:48)
8. Purify (3:45)
9. Begin The End (6:00)
10. Bosco (6:39)

Gesamtspieldauer: 47:16



„Loud Like Love“ heißt das siebte Studioalbum der englischen Alternative Rock Band Placebo. Es wurde am 16. September 2013 auf dem Plattenlabel Elevator Lady Limited veröffentlicht. Die Platte klingt ruhiger, gedämpfter, sanfter als noch die Vorgängeralben. Das Album kletterte bis auf Platz 3 der deutschen Charts, in Großbritannien reichte es indes sogar nur für Platz 13. Von den Kritikern erhielt die Platte eher durchschnittliche Noten – überschwänglich wurde „Loud Like Love“ keinesfalls gefeiert. Es wurden drei Singles aus dem Album veröffentlicht: „Too Many Friends“, „Loud Like Love“ sowie „A Million Little Pieces“.

Placebo sind mit „Loud Like Love“ zwar keineswegs im Pop angekommen, doch der Rock wurde ruhiger, zurückgefahren und dabei auch noch melodischer. Die musikalische Spannbreite der Titel ist auf dem Album allerdings durchaus weiter gefächert. Es gibt sie immer noch, die eher härteren Rock-Titel. Doch eben auch die sehr viel sanfteren und nachdenklicheren Töne in der Musik der Engländer. In Bezug auf die Eingängigkeit ist „Loud Like Love“ ganz bestimmt sogar ein Placebo-Album, welches diesbezüglich einen Spitzenplatz einnimmt. Viele der Lieder gehen schnell ins Ohr und man benötigt auch keineswegs zahlreiche Durchläufe der Scheibe, um diese für sich zu erarbeiten.

„Loud Like Love“ ist überaus reich an Höhepunkten. Die Lieder „Scene Of The Crime“, „Too Many Friends“ und „Hold On To Me“, an zweiter, dritter und vierter Stelle auf der Platte angeordnet, stellen gleich drei Höhepunkte auf dem Album dar. Rockig und eingängig. Die schönste Nummer haben sich Placebo allerdings bis ganz zum Schluss aufgehoben. „Bosco“ ist für Placebo-Verhältnisse im Grunde genommen ein sehr untypisches Lied. Sanft und weich klingt dieser Titel, getragen vom Pianospiel, in welches im weiteren Verlauf Streicher einsteigen. Eine wunderschöne Melodie entwickelt sich hier, die fast schon zu Herzen geht. Sicherlich eines, wenn nicht das eingängigste, sanfteste und melodiöseste Lied von Placebo überhaupt. Einfach schön.

Fazit: Bein den Kritikern nicht sehr hoch im Kurs stehend und die Verkaufszahlen blieben ebenfalls hinter denen früherer Alben zurück. Schade eigentlich, denn „Loud Like Love“ hat sehr viel zu bieten. Abwechslungsreiche Musik, die mit wunderschönen Melodien aufwartet. Sicherlich das Album in der bisherigen Placebo-Diskographie, welches am wenigsten rockt – dafür auf eine andere Art sehr gelungen klingt. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Scene Of The Crime, Too Many Friends, Hold On To Me, Bosco



Sonntag, 3. Mai 2020

Jean-Michel Jarre – Zoolook




Jean-Michel Jarre – Zoolook


Besetzung:

Jean Michel Jarre – keyboards, electronic devices, fairlight cmi


Gastmusiker:

Laurie Anderson – vocals ("Diva")
Adrian Belew – guitars, effects
Yogi Horton – drums
Marcus Miller – bass guitar
Frederick Rousseau – additional keyboards
Ira Siegel – additional guitars


Label: Disques Dreyfus


Erscheinungsjahr: 1984


Stil: Elektronische Musik


Trackliste (Vierte Edition, 2015):

1. Ethnicolor (11:48)
2. Diva (7:22)
3. Zoolook (3:52)
4. Wooloomooloo (3:18)
5. Zoolookologie (4:21)
6. Blah Blah Cafe (3:21)
7. Ethnicolor II (3:52)

Gesamtspieldauer: 37:56



„Zoolook“ heißt das bereits siebte Studioalbum des französischen Elektronik-Musikers und Komponisten Jean-Michel Jarre. Das Album erschien im November 1984 auf dem Plattenlabel Disques Dreyfus. Auf „Zoolook“ hört man eine Verschmelzung von elektronischer Musik, Sampling und eher traditionellen Rockinstrumenten – wobei der Schwerpunkt sehr stark auf dem elektronischen Aspekt liegt. 1984, 1985, 1997 und 2015 erschien das Album in unterschiedlichen Editionen. Diese unterscheiden sich in der Anordnung der Titel voneinander sowie dadurch, dass einzelne Lieder neu remastert wurden oder gleich in einer neuen Version eingespielt worden sind. Zu groß sind die Unterschiede zwischen der ersten und letzten Version, die ich kenne, allerdings nicht.

Für eine Jean-Michel Jarre Platte ist auf dem Album sehr viel „Sprache“ zu hören. Diese allerdings eher unzusammenhängend und in 25 verschiedenen Sprachen. Zudem hatte der französische Musiker mit Laurie Anderson und Adrian Belew zwei namhafte Musiker für sein neues Projekt gewinnen können. Laurie Anderson ist beim Gesang auf „Diva“ zu hören, Adrian Belew steuert die Gitarre und weitere Effekte bei. Laurie Anderson klingt zumindest in der ersten Hälfte ihrer Performance auf „Diva“ so, als ob dieses Lied auch auf ihrem Debut „Big Science“ oder dem Nachfolger „Mister Heartbreak“ hätte enthalten sein können. Diese erschienen im Jahr 1982 und 1984, was somit wohl auch der zeitlichen Nähe der Veröffentlichungen geschuldet sein dürfte.

Die Musik selbst ist wohl ebenso dem damaligen Zeitgeist geschuldet. Viele Samples, elektronische Geräusche, Klang-Fetzen, Stimmen, mal verändert, mal eher im Ursprung erhalten. Manchmal scheint es so, als ob jeder Effekt, den es den diversen Synthesizern zu entlocken gibt, auch noch untergebracht werden musste. So klingt es spätestens ab Titel 4, „Wooloomooloo“, deutlich langweiliger nach etwas uninspirierter Computer-Musik, der noch ein wenig Pop beigemischt wurde. Alles irgendwie leer und leblos.

Doch gilt dies nicht für den Beginn der Scheibe. Das bereits erwähnte „Diva“ verschmelzt ein wenig die Stile der Laurie Anderson und jenem von Jean-Michel Jarre. Klingt auf seine Art durchaus gelungen. Besonders hörenswert ist allerdings der Titel „Ethnicolor“, das erste Lied der Platte und glücklicherweise auch der längste Track des Albums. Das Stück klingt nicht nur sehr eingängig, sondern auch spannend und abwechslungsreich. Es entwickelt sich, unterzieht sich einigen Wendungen und hier klingen nun die diversen Sprachfetzen bestens eingesetzt. Die Musik ist hier atmosphärisch dicht und hört sich gerade zu Beginn ein klein wenig „verwunschen“ an. Neben den bekannten Titeln auf „Oxygene“ und „Equinoxe“ für mich eine der besten Nummern des französischen Musikers.

Fazit: „Zoolook“ kann zu Beginn sehr gut überzeugen, dann gleitet das Album leider etwas in die Belanglosigkeit ab. Doch dieser Anfang, vor allem mit dem tollen „Ethnicolor“, entschädigt für die Langeweile am Ende und macht „Zoolook“ damit doch noch zu einem hörenswerten Erlebnis. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ethnicolor



Freitag, 1. Mai 2020

The Dream Syndicate – The Universe Inside




The Dream Syndicate – The Universe Inside


Besetzung:

Steve Wynn – lead vocals, guitar, harmonica
Jason Victor – guitar
Chris Cacavas – keyboards
Mark Walton – bass guitar
Dennis Duck – drums


Gastmusiker:

Stephen McCarthy – electric sitar, guitar, six-string bass, pedal steel, backing vocals
Marcus Tenney – saxophone, trumpet
Johnny Hott – percussion


Label: Anti-


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Psychedelic, Fusion


Trackliste:

1. The Regulator (20:27)
2. The Longing (7:36)
3. Apropos Of Nothing (9:32)
4. Dusting Off The Rust (9:55)
5. The Slowest Rendition (10:53)

Gesamtspieldauer: 58:26



Ich kannte The Dream Syndicate bisher nur von ihrem Album „Ghost Stories“ aus dem Jahr 1988. Dort hört man gut gemachten, abwechslungsreichen und eingängigen Alternative Rock. Eine der wirklich guten Platten der 80er Jahre. Als ich dann las, dass sich die Band um Steve Wynn bereits im Jahr 2012 wiedervereinigt hatte und nun, am 10. April 2020, bereits ihr drittes Album seit dieser Reunion veröffentlicht, da war ich durchaus überrascht, wie diese Entwicklung bisher so an mir vorbeigegangen war. Zum anderen war ich aber natürlich auch sehr neugierig auf das neue Album mit dem Titel „The Universe Inside“, welches ich mir deshalb sofort bestellte.

„The Universe Inside“? Klingt vom Namen her irgendwie ein wenig psychedelisch. Dann auch noch dieses farbenfrohe, fast schon grelle Cover, welches für mich so ein klein wenig die Unendlichkeit darstellt, betrachtet man die Hände dieser Phantasiegestalt genauer. Beides zusammen, Name und Cover wirken und klingen keineswegs mehr nach Alternative Rock. Bemerkt man dann beim Ansehen der Titelliste, dass die einzelnen Lieder eine Länge von siebeneinhalb bis zwanzigeinhalb Minuten aufweisen, dann ahnt man bereits, dass hier wohl ein Stilwechsel stattgefunden haben muss. Nichts mehr so sein kann wie früher. So zumindest erging es mir, der ich noch keinen Ton des Albums zuvor gehört hatte.

Und genauso ist es dann auch. Alternative Rock? Nein, das ist es definitiv nicht mehr, was uns die 1980 in Los Angeles, Kalifornien gegründete Band auf „The Universe Inside“ serviert. Auf dem Album hört man intensiven Psychedelic Rock, der mit einer gehörigen Prise an Fusion Jazz unterfüttert wurde. Gleich das erste Lied „The Regulator“ wird da zum musikalischen Trip. Melodien? Völlig überschätzt. „The Regulator“ erscheint vielmehr im Gewand einer transzendentalen Reise, hypnotisch und redundant. Viele „Aaahs“ gibt es da zu hören, einen seltsam eingesprochenen „Gesang“, einen nicht enden wollenden Rhythmus, schräge Gitarrentöne und ein Saxophon, welches immer wieder seine Erdung im Free Jazz zu suchen scheint. Klingt seltsam, ist es irgendwie auch. Laut gehört versetzt einen diese Nummer definitiv in einen hypnotischen Zustand.

Das folgende „The Longing“ ist mit über sieben Minuten Spieldauer das kürzeste Stück des Albums. Man hört Steve Wynn dieses Mal wirklich singen und zudem verfügt das Lied über eine eingängige Melodie. Verwunschen klingt die Nummer trotzdem – und erneut außergewöhnlich ungewöhnlich. „Apropos Of Nothing“ hört sich wieder etwas monotoner an, bei dem Titel des Liedes wäre alles andere allerdings auch eine Enttäuschung und gar nicht mehr passend. Gegen Ende des Stücks zieht das Tempo schließlich an und mündet in einen Part, der sich an keine musikalischen Regeln mehr zu halten scheint, um schließlich deutlich sanfter wieder auszuklingen. „Dusting Off The Rust“ groovt genial, Bläser sorgen für den melodischen Teil der Nummer, bis auch dieses Lied immer jazziger klingt, kurz in einen sehr viel psychedelischeren Teil übergeht und ähnlich dem Beginn des Stücks letztendlich ausläuft. Beendet wird „The Universe Inside“ vom elfminütigen „The Slowest Rendition“. Zu Beginn fühle ich mich da an die experimentelle Phase von Pink Floyd erinnert, es folgen Sprechgesang, sehnsüchtige Klänge diverser Instrumente, krumme Takte, es wird verworrener, bis das Lied in einen etwas sphärischen Rockteil übergeht, bei dem erneut dem Saxophon eine besondere Rolle zugedacht wurde. Und schließlich klingt sie aus, diese wahrlich außergewöhnliche Scheibe und man bleibt nachdenklich zurück – zumindest beim ersten Hören ist das Gehörte nur schwer zu verstehen und einzuordnen.

Fazit: Mit der Musik der Band The Dream Syndicate aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts haben die Lieder auf dem neuesten Album der US-Amerikaner nichts mehr zu tun. Gar nichts mehr. Ausgeprägten Psychedelic Rock mit ganz vielen Jazz-Einflüssen bekommt man auf „The Universe Inside“ zu hören. Keine Musik die im Radio gespielt wird, keine Musik, die für die diversen Streaming-Portale typisch wäre. Gefallen wird das jener Hörerinnen und Hörern, die das Außergewöhnliche suchen, experimentierfreudig sind, etwas mit Psychedelic Rock anzufangen wissen und auch dem Jazz nicht sehr abweisend gegenüberstehen. Und dann sollte man sich Zeit nehmen und alles immer und immer wieder wirken lassen. Alles wird gut. Ziemlich viel verlangt, oder? Elf Punkte.

Anspieltipps: The Regulator, The Longing



Mittwoch, 29. April 2020

The Monkees – The Monkees




The Monkees – The Monkees


Besetzung:

Micky Dolenz – lead vocals, backing vocals
Davy Jones – lead vocals, backing vocals
Michael Nesmith – lead vocals, backing vocals
Peter Tork – backing vocals, guitars, dano bass


Gastmusiker:

Tommy Boyce – backing vocals, guitars
Bobby Hart – backing vocals, organ, glockenspiel, autoharp
Wayne Erwin – backing vocals, guitars
Ron Hicklin – backing vocals
Gerry McGee – guitars
Louie Shelton – guitars
Larry Taylor – bass
Billy Lewis – drums
Gene Estes – percussion, tambourine
Bonnie Douglas – violins
Paul Shure – violins
Myra Kestenbuam – viola
Fred Seykora – cello
Keith Allison – harmonica
James Burton – guitars, dano bass
Glen Campbell – guitars, dano bass
Al Casey – guitars, dano bass
James Helms – guitars
Don Peake – guitars
William Pitman – bass
Hal Blaine – drums
Frank DeVito – drums
Gary Coleman – percussion
Jim Gordon – percussion, drums
Jack Keller – piano
Michael Rubini – harpsichord
David Walters – percussion
Joseph Ditullio – cello
John London – backing vocals
Michael Deasy – guitars, dano bass
Bob West – bass
Larry Knechtel – piano, organ


Label: Colgems Records


Erscheinungsjahr: 1966


Stil: Oldie, Pop


Trackliste:

1. (Theme from) The Monkees (2:22)
2. Saturday‘s Child (2:45)
3. I Wanna Be Free (2:27)
4. Tomorrow‘s Gonna Be Another Day (2:39)
5. Papa Gene‘s Blues (2:00)
6. Take A Giant Step (2:31)
7. Last Train To Clarksville (2:47)
8. This Just Doesn‘t Seem To Be My Day (2:09)
9. Let‘s Dance On (2:32)
10. I‘ll Be True To You (2:49)
11. Sweet Young Thing (1:58)
12. Gonna Buy Me A Dog (2:44)

Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung im Jahr 1994:

13. I Can‘t Get Her Off My Mind (Early Version) (2:55)
14. I Don‘t Think You Know Me (Alternate Version) (2:18)
15. (Theme from) The Monkees (Early Version) (0:52)

Gesamtspieldauer: 35:53




Dass gecastete Bands keine Erfindung des 21. Jahrhunderts sind, sieht man sehr schön an der US-amerikanischen Band The Monkees, die in den 1960er Jahren Mittelpunkt einer gleichnamigen Fernsehserie war. Die vier Musiker spielten dort die Mitglieder einer erfolglosen Band, den Monkees eben und veröffentlichten dementsprechend auch Musik. Die Fernsehserie lief in den USA vom 12. September 1966 bis zum 9. September 1968 und war angefüllt mit Slapstick. Die vier Musiker spielten so eine Art von Vollpfosten und waren genauso von Vollpfosten umgeben.

Das erste, selbstbetitelte Album der Monkees erschien am 10. Oktober 1966 auf dem Plattenlabel Colgems Records, welches bis 1971 existierte. Die Musik wurde hauptsächlich von den beiden Sängern und Songwritern Tommy Boyce und Bobby Hart geschrieben. Die vier Musiker der Monkees waren kompositorisch nur an einem Titel beteiligt. Das Lied „Papa Gene‘s Blues“ schrieb Michael Nesmith. Ansonsten sind die Musiker niemals alle zusammen auf dem Album zu hören. Zumeist sang lediglich einer der Vier den Titel ein, den Rest übernahmen dann die Studiomusiker.

Die Fernsehsendung „The Monkees“ mag zur damaligen Zeit lustig gewirkt haben, heute bewirkt sie eher Kopfschütteln und Erstaunen, dass man sowas lustig finden konnte. Ähnlich, allerdings nicht ganz so krass, verhält es sich mit der Musik. „The Monkees“ von den Monkees kletterte in den USA und England bis auf Platz 1 der Charts, in Deutschland erreichte das Album immerhin noch Platz 11. Darauf zu hören ist eine Mischung aus Oldies in Form von 60ies Pop, der ganz selten mal etwas rockiger klingt. Zu Beginn und in der Mitte finden sich ein paar ganz nette Liedchen, gegen Ende wird es dann immer schlimmer und langweiliger. Schnell produzierte Musik, die heute gar nicht mehr wirkt.

In der Mitte des Albums befindet sich auch eines der bekanntesten Lieder der Monkees, „Last Train To Clarksville“. Auch heute noch ganz nett anzuhören. Ansonsten noch ein paar ganz annehmbare Nummern wie „(Theme from) The Monkees“ oder „Take A Giant Step“ und „This Just Doesn‘t Seem To Be My Day“. Immerhin gibt es im Grunde genommen keinen Titel, der ganz schlimm wäre. Erträglich ist das alles, aber eben nicht mehr gut.

Fazit: Wer auf Oldies und 60ies Pop steht, die oder der wird hier eine ganze Menge Spaß für sich finden. Ist man etwas anspruchsvoller an Musik, dann wird es schon verdammt schwierig dieser Musik etwas Gutes abgewinnen zu können. Man sollte es als Zeitreise ansehen, an die Anfänge der Pop-Musik. Dann ist alles gut. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Last Train To Clarksville, This Just Doesn‘t Seem To Be My Day



Montag, 27. April 2020

Stone Temple Pilots – Core




Stone Temple Pilots – Core


Besetzung:

Scott Weiland – lead vocals
Dean DeLeo – guitar
Robert DeLeo – bass, backing vocals
Eric Kretz – drums


Label: Atlantic Records


Erscheinungsjahr: 1992


Stil: Grunge


Trackliste:

1. Dead & Bloated (5:11)
2. Sex Type Thing (3:38)
3. Wicked Garden (4:05)
4. No Memory (1:20)
5. Sin (6:05)
6. Naked Sunday (3:49)
7. Creep (5:33)
8. Piece Of Pie (5:24)
9. Plush (5:14)
10. Wet My Bed (1:36)
11. Crackerman (3:14)
12. Where The River Goes (8:25)

Gesamtspieldauer: 53:38



„Core“ heißt das erste Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Stone Temple Pilots aus San Diego, Kalifornien. Es wurde am 29. September 1992 auf dem Plattenlabel Atlantic Records veröffentlicht. „Core“ ist das erfolgreichste Album der Stone Temple Pilots. Es kletterte bis auf Platz 3 der Billboard 200 Charts und wurde in den USA mit achtmal Platin ausgezeichnet. Im Jahr 2019 wurde das Album zudem vom Rolling Stone Magazine auf Platz 11 seiner Liste der „50 Greatest Grunge Albums“ gesetzt.

Auf „Core“ hört man Grunge in Reinkultur, wie er Anfang der 90er Jahre vornehmlich von der Westküste der USA über den gesamten Globus schwappte. Die Musik klingt rau, sehr rockig und die Betonung liegt eher auf der Härte, als auf Eingängigkeit und Melodiösität. Doch diese Stellen gibt es selbstverständlich ebenso auf „Core“, allerdings stehen sie eben nicht im Zentrum der Musik der Stone Temple Pilots. Dieser Grunge regt sehr viel eher zum Headbanging an, auch auf die Gefahr hin, sich eine leichte Gehirnerschütterung einzufangen. Möchte man allerdings in diese Art der „körperlichen Ertüchtigung“ eintauchen, „Core“ böte sich da perfekt an.

Die Lieder klingen im Zusammenhang. Das bedeutet, das Album klingt als Ganzes. Genau das wollten die Stone Temple Pilots auch erreichen. Ein Album, welches man sich von vorne bis zum Ende anhört, aus dem keinerlei Lieder besonders hervorstechen. Ein Album, welches mit seiner Gesamtheit punktet. Dies ist der Band auch bestens gelungen, die Lieder auf „Core“ bilden wahrlich eine Einheit. Grunge, kraftvoll und kompromisslos. Ein wenig Schicksal ist dabei allerdings schon im Spiel, denn gerade jenes Lied, welches etwas von dieser Linie abweicht, wurde das bekannteste Stück der Platte. „Creep“ ist deutlich ruhiger gehalten, akustische Gitarren sind überwiegend zu hören und dominieren den Titel neben dem Gesang. Und auch wenn das Tempo teilweise leicht angezogen wird, das Lied bleibt eine eher ruhige Nummer. „Creep“ geht eben sehr gut ins Ohr, bleibt hängen, erinnert dabei zudem sehr an die sanfteren Nummern von Nirvana.

Fazit: Ein sehr überzeugendes Debut ist den Stone Temple Pilots mit „Core“ gelungen. Grunge in seiner Reinform, kraftvoll, zumeist hart und größtenteils sehr kompromisslos. Für Rocker bestens geeignet und diejenigen, die es etwas sanfter mögen, werden die Nummer „Creep“ lieben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Wicked Garden, Creep



Samstag, 25. April 2020

Cameo – Word Up




Cameo – Word Up


Besetzung:

Larry Blackmon – lead vocals, bass guitar, drums, percussion, backing vocals
Tomi Jenkins – lead vocals, backing vocals
Nathan Leftenant – backing vocals


Gastmusiker:

Charlie Singleton – guitar, backing vocals
Aaron Mills – bass guitar
Michael Burnett – bass guitar, backing vocals
Bernard Wright – keyboards
Eric Rehl – keyboards
Kenni Hairston – keyboards
Kevin Kendrick – keyboards
Merv de Peyer – keyboards
Duduka Fonseca – percussion
Giovanni Hidalgo – percussion
Steve Thornton – percussion
Melvin Wells – saxophone, backing vocals
Michael Brecker – tenor saxophone (solo on "Candy", "Don't Be Lonely" and "She's Mine")
Randy Brecker – trumpet
Arno Hecht – tenor saxophone
Crispin Cioe – alto saxophone, baritone saxophone
Robert Funk – trombone
Paul Litteral – trumpet
Sammy Merendino – drum programming
Pat Buchanan – guitars
Peter Scherer – synclavier programming
Willie Morris – backing vocals


Label: Atlanta Artists


Erscheinungsjahr: 1986


Stil: Funk, R&B


Trackliste:

1. Word Up (4:21)
2. Candy (5:39)
3. Back And Forth (6:33)
4. Don‘t Be Lonely (5:19)
5. She‘s Mine (4:37)
6. Fast, Fierce & Funny (4:09)
7. You Can Have The World (4:38)

Gesamtspieldauer: 35:20



Cameo ist eine US-amerikanische Funk- und R&B-Band, die 1974 in New York gegründet wurde. Ursprünglich bestand sie aus vierzehn Mitgliedern und hieß New York City Players. Von 1977 bis zum Jahr 2000 veröffentlichte Cameo insgesamt siebzehn Studioalben. Die Band ist heute wieder aktiv, nachdem es ab dem letzten Album „Sexy Sweet Thing“ aus dem Jahr 2000 sehr still um Cameo wurde, obwohl sich die Band nie offiziell auflöste. Im Jahr 2019 erschien nun sogar eine neue Single mit dem Namen „El Passo“. „Word Up!“ heißt das zwölfte Album von Cameo und erschien am 9. September 1986 auf dem Plattenlabel Atlanta Artists. Es ist eines der erfolgreichsten Alben von Cameo und enthält ihre zwei größten Hits mit den Liedern „Word Up!“ und „Candy“.

Nun, man muss es funky mögen, wenn man mit dieser Art der Musik „warm“ werden möchte. Funk mit einer gehörigen Prise R&B hört man auf „Word Up!“. Dazu gesellen sich oftmals sehr hohe Gesänge und fertig ist dieser typische Sound schwarzer US-amerikanischer Gruppen der 70er und 80er Jahre. Am erfolgreichsten waren auf diesem Gebiet wohl Earth, Wind and Fire. Die Musik von Cameo erinnert auf diesem Album sehr oft an Earth, Wind and Fire – jedoch nicht immer.

Höhepunkt der Platte ist ganz bestimmt das Titellied „Word Up“, inzwischen ein zeitloser Klassiker, der jede Tanzfläche zum Bersten bringt. Tolle Melodie, super Groove und im Grunde genommen ganz anders klingend als der Rest auf der Scheibe. Der Rhythmus wogt deutlich schneller, die Melodielinie des Liedes setzt sich sofort im Ohr fest. Der Text ist eine einzige Aufforderung endlich mit dem Tanzen zu beginnen und mit dieser Mischung aus Rhythmus, Groove und Eingängigkeit schaffen dies Cameo auch.

Fazit: Weder Funk noch R&B sind Meins. Ich habe immer das Gefühl, man muss dafür ein besonderes musikalisches Gen besitzen, welches mir allerdings leider fremd ist und überhaupt völlig abgeht. „Word Up“, dieses Lied, das kann ich allerdings schätzen. Sehr sogar. Und allein dafür lohnt auch der Erwerb dieser Scheibe. Der ganze Rest auf „Word Up!“ pendelt in meinen Ohren zwischen ganz nett und „Oh mein Gott“. Musik ist spannend und kaum erklärbar. Acht Punkte.

Anspieltipps: Word Up



Donnerstag, 23. April 2020

Pendragon – The Masquerade Overture




Pendragon – The Masquerade Overture


Besetzung:

Nick Barrett – guitars, vocals, backing vocals
Clive Nolan – keyboards
Fudge Smith – drums
Peter Gee – bass


Gastmusiker:

Tracy Hitchings – backing vocals
Tina Riley – backing vocals
Anthony Plowman – backing vocals, vocals on "Overture"
Gwen Ross – backing vocals, vocals on "Overture"
Simon Clew – backing vocals, vocals on "Overture"


Label: Toff Records


Erscheinungsjahr: 1996


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Masquerade Overture (3:03)
2. As Good As Gold (7:15)
3. Paintbox (8:38)
4. The Pursuit Of Excellence (2:36)
5. Guardian Of My Soul (12:41)
6. The Shadow (9:55)
7. Masters Of Illusion (12:51)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2013:

8. Bird Of Paradise (6:54)
9. Midnight Running (7:45)
10. A Million Miles Away (3:16)

Gesamtspieldauer: 1:14:59




Nun mit der englischen Band Pendragon ist das so eine Sache. Mitte der 80er Jahre gegründet, veröffentlichen die Briten relativ regelmäßig neue Studioalben. Inzwischen betragen die Abstände zwischen den einzelnen Veröffentlichungen zwar bereits mehrere Jahre, aber es gibt diese Veröffentlichungen eben noch. Meist sind diese Alben bei Hörerinnen und Hörern sehr umstritten. Zu weich, zu uninspiriert, nichts Neues. Progressive Rock neuerer Machart, der lediglich Altes aufgreift. NeoProg, wie man ihn bereits oft gehört hat. All das hört und liest man immer wieder. Eine Scheibe ragt dabei jedoch zumeist positiv bei den Kommentaren heraus. Die 1996er Veröffentlichung „The Masquerade Overture“ findet meist lobende Erwähnung.

Dies geschieht auch völlig zu Recht. Auf „The Masquerade Overture“ hört man zwar keinen Progressive Rock, der jetzt eine völlig neue Einfärbung dieses Genres enthält. Keinen Progressive Rock, der nicht auch an andere Bands dieses Genres erinnern würde. Nein, „The Masquerade Overture“ ist weder stilprägend geschweige denn stilbereitend. Doch das Album ist wunderschön anzuhören. Wer sehr harmonische und eingängige Melodien zu schätzen weiß, die oder der wird mit dieser Platte sehr viel Spaß haben.

Die Musik orientiert sich am Prog der 70er Jahre und schwelgt in Melodiösität. Dabei klingen die Lieder abwechslungsreich, sind spannend aufgebaut und vollführen in sich diverse Wandlungen. Das Spiel mit den Atmosphären und Stimmungen verstehen Pendragon auf „The Masquerade Overture“ auf das Allerbeste, sodass die gesamte Platte zu einer spannenden musikalischen Reise wird.

„The Masquerade Overture“ klingt vom der ersten bis zum letzten Akkord. Ausfälle gibt es keine zu beklagen, dafür umso mehr Höhepunkte. Dies sind – wie sollte es bei einem Album mit progressivem Rock auch anders sein? – die vier längsten Titel der Platte. „As Good As Gold“, „Paintbox“, „Guardian Of My Soul“ sowie „Masters Of Illusion“ sind alles vier Nummern, die das Herz des Fans des melodischen Progressive Rocks höherschlagen lassen. Die Musik klingt dabei deutlich nach den 70ern, keine Frage, auch wenn sie zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre nach den Vorbildern entstand. Plagiat? Kopie? Nein, eine schöne Ausweitung dieser Musik.

Fazit: So viele überragende Scheiben des Progressive Rocks gab es nun nicht in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. „The Masquerade Overture“ von Pendragon gehört definitiv mit zu den Höhepunkten dieses musikalischen Genres in den 90er Jahren. Ob es sein kann, dass bei dieser Bewertung auch ein wenig Nostalgie mitspielt, einem Nachhängen der Musik der 70er Jahre, da Pendragon hier lediglich bewährte Pfade beschreiten? Natürlich kann das sein. Sicher bin ich mir aber nicht. Im Grunde genommen auch völlig egal, die Musik wirkt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: As Good As Gold, Paintbox, Guardian Of My Soul, Masters Of Illusion



Dienstag, 21. April 2020

Paul Simon – Hearts And Bones




Paul Simon – Hearts And Bones


Besetzung:

Paul Simon – acoustic guitar, electric guitar, programming, vocals


Gastmusiker:

Rob Mounsey – synthesizer, vocoder
The Harptones – background vocals
Bernard Edwards – bass guitar
Nile Rodgers – electric guitar on "Think Too Much (a)", and "Cars Are Cars", programming
Al Di Meola – electric guitar solo on "Allergies"
Eric Gale – electric guitar on "When Numbers Get Serious"
Sid McGinnis – electric guitar on "The Late Great Johnny Ace"
Airto Moreira – percussion
Marin Alsop – violin on "The Late Great Johnny Ace"
Michael Boddicker – synthesizer on "The Late Great Johnny Ace"
Wells Christy – synthesizer
Tom Coppola – synthesizer
Steve Ferrone – drums on "When Numbers Get Serious" and "Think Too Much (a)", additional drums on "Allergies"
Steve Gadd – drums
Anthony Jackson – bass guitar
Jill Jaffe – viola on "The Late Great Johnny Ace"
Jesse Levy – cello on "Train In The Distance"
Mike Mainieri – marimba, vibraphone
George Marge – bass clarinet on "The Late Great Johnny Ace"
Marcus Miller – bass guitar on "Train In The Distance" and "Think Too Much (b)"
Jeff Porcaro – drums on "Train In The Distance"
Dean Parks – electric guitar, acoustic guitar
Greg Phillinganes – piano, Fender Rhodes on "Allergies", "Song About The Moon" and "The Late Great Johnny Ace"
Michael Riesman – synthesizer, conductor on "The Late Great Johnny Ace"
Mark Rivera – alto saxophone on "Train In The Distance"
Robert Sabino – synthesizer, piano
Richard Tee – synthesizer, piano, fender rhodes
Carol Wincenc – flute on "The Late Great Johnny Ace"
Frederick Zlotkin – cello on "The Late Great Johnny Ace"
Peter Gordon – French horn on "Train In The Distance"
Mark Rivera – saxophone on "Allergies" and "Cars Are Cars"
Jon Faddis – trumpet on "Allergies" and "Cars Are Cars"
Alan Rubin – trumpet on "Allergies" and "Cars Are Cars"
Dave Matthews – horn arrangements


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsjahr: 1983


Stil: Pop


Trackliste:

1. Allergies (4:39)
2. Hearts And Bones (5:39)
3. When Numbers Get Serious (3:26)
4. Think Too Much (b) (2:45)
5. Song About The Moon (4:11)
6. Think Too Much (a) (3:05)
7. Train In The Distance (5:12)
8. Rene And Georgette Magritte With Their Dog After The War (3:45)
9. Cars Are Cars (3:15)
10. The Late Great Johnny Ace (4:53)

Bonus Tracks remasterten Wiederveröffentlichung im Jahr 2004:

11. Shelter Of Your Arms (Unreleased Work-in-Progress) (3:12)
12. Train In The Distance (Original Acoustic Demo) (3:13)
13. Rene And Georgette Magritte With Their Dog After The War (Original Acoustic Demo) (3:47)
14. The Late Great Johnny Ace (Original Acoustic Demo) (3:22)

Gesamtspieldauer: 54:28



„Hearts And Bones“ heißt das sechste Solo-Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Paul Simon. Es wurde am 4. November 1983 ursprünglich auf dem Plattenlabel Warner Brothers Records veröffentlicht. Das Album wurde nach Simon & Garfunkels „The Concert In Central Park 1981“ und der anschließenden Welttournee des Duos von 1982-1983 geschrieben und aufgenommen. Mehrere Songs, die für „Think Too Much“ gedacht waren, wie das neue Simon & Garfunkel Album heißen sollte, wurden auf der Tournee bereits gespielt, und Art Garfunkel arbeitete mit Simon im Studio an einigen der Songs. Doch es kam erneut zu Streitereien zwischen den beiden Musikern, sodass Art Garfunkel das Duo wieder verließ. Paul Simon arbeitete das Material weiter aus und veröffentlichte es schließlich als sein sechstes Solo-Studioalbum unter dem Namen „Hearts And Bones“.

„Hearts And Bones“ ist ein reines Pop-Album geworden. Nur sehr wenig daran erinnert noch an die Folk Musik, für die das Duo Simon & Garfunkel ursprünglich einmal stand. Zudem klingt das Album auch ganz im Geiste der 80er Jahre. Drum-Machine und der Einsatz des Synthesizers verleihen dem Album den entsprechenden Klang. Würde als „Überschrift“ nicht der Name „Paul Simon“ über dem Album schweben, hätte die Platte sicherlich noch weniger Aufmerksamkeit erlangt. Immerhin kletterte sie in Deutschland bis auf Platz 51 der Charts, in den USA erklomm sie Platz 34 der US Billboard 200 Charts. Für die Verhältnisse von Paul Simon allerdings eher schlechte Platzierungen.

Diese Chart-Platzierungen überraschen jedoch nicht wirklich, denn bis auf die letzte Nummer „The Late Great Johnny Ace“, die an ihrem Ende einen etwa einminütigen Einschub von Philip Glass enthält, erreichen die restlichen Titel maximal durchschnittliche Qualität. Hörenswert sind dabei noch der Titeltrack „Hearts And Bones“ sowie die beiden Lieder „Song About The Moon“ und „Rene And Georgette Magritte With Their Dog After The War“. Der ganze Rest der Platte verliert sich eher unter dem Mantel des Schweigens, der diese zurecht bedeckt.

Der remasterten Fassung des Albums wurden noch vier Titel zugefügt. Akustische Versionen dreier bereits enthaltener Lieder sowie eines neuen Titels. Es sagt viel über die Musik der 80er Jahre aus, dass diese sanft instrumentierten Demo-Titel allesamt besser klingen als die original auf dem Album vertretenen Stücke.

Fazit: Ein Pop-Album von Paul Simon mit den Zutaten der Musik der 80er Jahre, dies ist das sechste Soloalbum des Paul Simon geworden. „Hearts And Bones“ kann nur an wenigen Stellen überzeugen, wenig geht ins Ohr und lässt ansonsten auf irgendeine Art und Weise aufhorchen. Höchstens noch schlechter Durchschnitt. Sechs Punkte.

Anspieltipps: The Late Great Johnny Ace



Sonntag, 19. April 2020

Korn – Follow The Leader




Korn – Follow The Leader


Besetzung:

Jonathan Davis – vocals, bagpipes
Head – electric guitar
Munky – electric guitar
Fieldy – bass guitar
David Silveria – drums, percussion


Gastmusiker:

Fred Durst – additional vocals (on "All In The Family")
Tre Hardson – additional vocals (on "Cameltosis")
Ice Cube – additional vocals (on "Children Of The Korn")
Cheech Marin – additional vocals (on "Earache My Eye")


Label: Epic Records


Erscheinungsjahr: 1998


Stil: Nu Metal


Trackliste:

1. It's On! (4:28)
2. Freak On A Leash (4:15)
3. Got The Life (3:45)
4. Dead Bodies Everywhere (4:44)
5. Children Of The Korn (3:52)
6. B.B.K. (3:56)
7. Pretty(4:12)
8. All In The Family (4:48)
9. Reclaim My Place (4:32)
10. Justin (4:17)
11. Seed (5:54)
12. Cameltosis (4:38)
13. My Gift To You (15:40)

Gesamtspieldauer: 1:09:07



„Follow The Leader“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Nu-Metal-Band Korn. Das Album wurde am 18. August 1998 auf dem Plattenlabel Epic Records veröffentlicht und ist bis heute das Album der Band, welches sich am besten verkaufte. Gleichermaßen gilt „Follow The Leader“ auch als das Album, welches Korn und das musikalische Genre Nu Metal im Mainstream etablierte. Mit den Liedern „All In The Family“, „Got The Life“, „Children Of The Korn“, „B.B.K.“ sowie „Freak On A Leash“ wurden insgesamt fünf Singles aus der Platte ausgekoppelt.

Letzteres liegt nicht zuletzt auch an dem Umstand, dass dem Hip-Hop auf „Follow The Leader“ ebenfalls ein großer Raum eröffnet wurde. Die Gastmusiker Fred Durst (Limp Bizkit), Tre Hardson, wohl besser bekannt unter dem Namen „Slimkid3“ oder auch Ice Cube tragen hierzu maßgeblich bei, da sie neben Schauspieler Cheech Marin Gastsänger auf dem Album sind. Cheech Marin ist übrigens beim Hidden Track „Earache My Eye“ zu hören, der nach zwei Minuten der Stille, im Anschluss an den Titel „My Gift To You“, zu hören ist. Man bekommt auf „Follow The Leader“ eine Mischung aus knallhartem Rock gepaart mit Hip-Hop kredenzt, der mal mehr an Limp Bizkit, dann wieder ein wenig an Marilyn Manson und schließlich stellenweise auch an System Of A Down erinnert.

„Follow The Leader“ läuft gut durch. Headbanging könnte man ununterbrochen praktizieren. Die Lieder verfügen allesamt über eine gleichbleibende Qualität und gefallen dann, wenn man eben auch brachiale Ausbrüche zu schätzen weiß und schlicht und ergreifend gerne mal abrockt. Harmonien oder Melodien gibt es dementsprechend deutlich weniger zu hören. Der Hip-Hop passt hier oft perfekt und rundet den „harten“ und kompromisslosen Eindruck nochmals ab.

Fazit: Die Verbindung Metal mit Hip-Hop wird auf „Follow The Leader“ immer wieder überzeugend ausgelebt. Ansonsten gibt es harten Nu Metal zu hören, bei dem ebenso wenig viel Wert auf die Melodie gelegt wird. Knallen soll es auf „Follow The Leader“. Und es knallt auf „Follow The Leader“. Harte Musik. Acht Punkte.

Anspieltipps: Seed, My Gift To You