Sonntag, 17. Mai 2020

Gösta Berlings Saga – Artefacts - Live




Gösta Berlings Saga – Artefacts - Live


Besetzung:

David Lundberg – fender rhodes, grand piano, mellotron & synthesizers
Gabriel Tapper – bass guitar & moog taurus pedals
Rasmus Booberg – guitars & synthesizers
Alexander Skepp – drums & percussion
Jesper Skarin – percussion


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Veras Tema (5:00)
2. The Shortcomings Of Efficiency (7:15)
3. Square 5 (7:32)
4. Artefacts (6:12)
5. Capercaillie Lammergeyer Cassowary & Repeat (8:46)
6. Brus Från Stan (2:06)
7. Fundament (11:56)
8. Terra Nova (6:40)
9. Sersophane (8:54)

Gesamtspieldauer: 1:04:25



Gösta Berlings Saga ist eine schwedische Instrumental- und Progressive-Rock-Band aus Stockholm, die bisher fünf Studioalben veröffentlichte. Die letzte Platte in dieser Reihe, das Album „ET EX“, erschien genau wie das vorliegende Live-Album „Artefacts“ auf ihrem neuen Plattenlabel InsideOut Music. Und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass jene Titel des fünften Studioalbums auch den Großteil der Lieder auf „Artefacts“ ausmachen. Die einzelnen Stücke werden live sogar in derselben Reihenfolge eingespielt. Nur der Titel „Over And Out“ fehlt auf dem Live-Album. Dafür gibt es im Anschluss an die „ET EX“-Live-Einspielung noch das bisher wohl unveröffentlichte Lied „Terra Nova“ sowie die Nummer „Sersophane“ vom gleichnamigen vierten Studioalbum zu hören.

Bei der Musik der Schweden handelt es sich um instrumentalen und überwiegend elektronischen RetroProg, auch wenn beim Titel „The Shortcomings Of Efficiency“ fast schon geschriene Worte zu hören sind. Nun bin ich des Schwedischen nicht mächtig und mir aber auch sonst nicht sicher, ob diese Worte oder doch nur Laute (?) überhaupt eine Bedeutung haben oder lediglich zur Dramaturgie des Titels beitragen.

Im Vergleich zur Albumeinspielung sind bis auf eine Ausnahme alle Titel um einige Sekunden bis zu zwei Minuten verlängert worden. Insgesamt klingt die Musik von Gösta Berlings Saga nun auch auf „Artefacts - Live“ sehr elektronisch. Die Band hat in ihrer Geschichte eine Entwicklung vollzogen, weg von der E-Gitarre hin zum mehr Synthesizer-dominierten Klang. Diese Entwicklung hört man dementsprechend ebenfalls auf der Live-Version der Titel. Doch auch Gitarrist Rasmus Booberg darf sich mal ausleben, wie beim wahrlich abwechslungsreichen und mitreißenden „Capercaillie Lammergeyer Cassowary & Repeat“. Da wird den Hörerinnen und Hörern neben elektronischen Klängen ein fetter Orgelsound aus den 70ern und ein sich immer weiter steigerndes Gitarren-Solo geboten. Gegen Ende erklingt sogar noch ein mitreißendes Saxophon-Solo – diesen Part gibt es so nicht auf der Studio-Version und lässt das gesamte Lied nochmals kraftvoller und mitreißender klingen.

Neben dem bereits erwähnten „Capercaillie Lammergeyer Cassowary & Repeat“ heißen die weiteren Höhepunkte auf „Artefacts - Live“ „Fundament“ und „Terra Nova“. „Fundament“ verfügt über eine nicht alltägliche Rhythmusfraktion, klingt zunächst rockig, abwechslungsreich und vielschichtig, da es sich aus mehreren, unterschiedlichen Passagen zusammensetzt, die auch mal sphärisch klingen können. Das Lied mündet in eine Phase sich steigernder musikalischer Redundanz, welche fast schon hypnotisch wirkt. „Terra Nova“ ist dagegen zunächst eine sanfte und verträumte Nummer, ehe dieses Lied ebenfalls an Energie zu gewinnen scheint und in eine ebenfalls redundante, rockige und melodiöse Passage mündet, die bis zum Ende des Stücks gesteigert wird.

Die Klangqualität der Live-Aufnahmen ist sehr gut und lässt keine Wünsche offen. Das Publikum ist dabei allerdings fast nur in den kurzen Phasen zwischen den einzelnen Titeln zu vernehmen. Würde man den Applaus dort nicht hören, käme man wohl kaum auf die Idee, dass es sich bei „Artefacts - Live“ um ein Live-Album handelt, auch wenn der Titel der Veröffentlichung bereits darauf verweist.

Fazit: Wer auf die eingängige, nicht zu sphärische Variante elektronischer Instrumentalmusik steht, die sich oft im Bereich des RetroProg abspielt, kann mit „Artefacts - Live“ nichts falsch machen. Die Klangqualität ist bestens, die Lieder zu den Originalen leicht variiert. Macht Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: Capercaillie Lammergeyer Cassowary & Repeat, Fundament, Terra Nova



Freitag, 15. Mai 2020

Pattern-Seeking Animals – Prehensile Tales




Pattern-Seeking Animals – Prehensile Tales


Besetzung:

John Boegehold – synthesizers, keyboards
Ted Leonard – vocals & guitar
Dave Meros – bass
Jimmy Keegan – drums & vocals


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Raining Hard In Heaven (8:31)
2. Here In My Autumn (7:56)
3. Elegant Vampires (4:29)
4. Why Don‘t We Run (5:08)
5. Lifeboat (17:20)
6. Soon But Not Today (12:02)

Gesamtspieldauer: 55:28



Es scheint den Musikern Spaß gemacht zu haben. Gerade mal zehn Monate nach dem selbstbetitelten Debut erscheint auf dem Plattenlabel InsideOut Music mit „Prehensile Tales“ bereits das zweite Album der Pattern-Seeking Animals. Jener Band, die sich aus drei aktuellen oder ehemaligen Musikern der Band Spock’s Beard zusammensetzt. Dazu gesellt sich noch John Boegehold, der nach dem Weggang vom ehemaligen Songschreiber von Spock’s Beard – Neal Morse – die Pattern-Seeking Animals mit vielen Kompositionen versorgte, ohne selbst offizieller Teil von Spock’s Beard zu werden.

Die Musik der US-Amerikaner pendelt auf „Prehensile Tales“ zwischen melodischem Rock und NeoProg hin und her. Vor allen Dingen die beiden kürzeren Titel auf dem Album, die Nummern „Elegant Vampires“ sowie „Why Don‘t We Run“ haben einen poppig-rockigen Anstrich und gehen schnell ins Ohr. So gut und schnell, dass man bereits nach dem zweiten Mal des Hörens glaubt, diese Stücke schon sehr viel länger zu kennen. Die richtig guten Lieder – wie sollte es auch anders sein bei einer Band, die sich in einem musikalischen Bereich bewegt, der auch Freundinnen und Freunde des Progressive Rocks ansprechen soll – sind drei der vier längeren Stücke der Platte. Hier können John Boegehold, Ted Leonard, Dave Meros und Jimmy Keegan ihr Gespür und Gefühl für Harmonien und Eingängigkeit wunderbar ausleben.

Steht man eben auf diese Eingängigkeit, auf Melodiösität und einer gewissen Dramaturgie in der Musik, die sich entwickelt und wandelt, dann hält „Prehensile Tales“ jede Menge guter Lieder für die Hörerinnen und Hörer parat. Die Titel „Here In My Autumn“, „Lifeboat“ sowie „Soon But Not Today“ sind von daher sicherlich gerade für „Proggies“ interessant, denen besonders die Melodie einer Nummer wichtig ist. Vertrackte, frickelige oder gar experimentelle Passagen beinhaltet die Musik der Pattern-Seeking Animals nämlich nicht. Trotzdem sind die drei zuletzt genannten Nummern tolle musikalische Ausflüge, die die Reisenden mal dieser, mal jener Stimmung aussetzen. Viele unterschiedliche Eindrücke gibt es dabei einzusammeln. Mal eher verträumte, dann doch wieder eher rockige, schließlich schwelgerische, hymnische. Über allem steht dabei jedoch immer diese bereits erwähnte Eingängigkeit, in die man so wunderschön eintauchen kann.

Fazit: Die Pattern-Seeking Animals klingen melodischer als Spock’s Beard. Die musikalischen Vorbilder der Musiker, die in den frühen 70er Jahren in Großbritannien zu finden sind, werden auf „Prehensile Tales“ immer wieder zitiert – ohne dabei allerdings den Anschein des Plagiats aufkommen zu lassen. Auf dem Album erfinden die Pattern-Seeking Animals die Musik nicht neu, doch sie klingen einfach wunderschön und unterhalten. All jenen, denen der melodische Ansatz in der Musik von Bedeutung und Wichtigkeit ist, wird dieses Album viel Spaß bringen. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Here In My Autumn, Lifeboat, Soon But Not Today



Mittwoch, 13. Mai 2020

Mark Lanegan – Straight Songs Of Sorrow




Mark Lanegan – Straight Songs Of Sorrow


Besetzung:

Mark Lanegan – vocals, synthesizers, electric guitar


Gastmusiker:

Dylan Carlson – electric guitar
Jack Irons – drums, percussion
Alain Johannes – synthesizer, shakers, electric guitar, acoustic guitar, bass, vocals, frame drum, hang drum, drum programming, harmonium, flute, percussion, cigfiddle, mellotron strings, mandolin, buchla music easel
Mark Morton – acoustic guitar
Shelley Brian – vocals, synthesizer
Wesley Eisold – vocals
Ed Harcourt – piano, wurlitzer electric piano
Jack Bates – bass
Michael Parnin – drum machine
Sietse Van Gorkom – strings
Adrian Utley – acoustic and electric guitar, synthesizer
John Paul Jones – mellotron
Greg Dulli – vocals
Warren Ellis – fiddle
Somon Bonney – vocals


Label: Heavenly Recordings


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. I Wouldn’t Want To Say (5:46)
2. Apples From A Tree (1:55)
3. This Game of Love (4:48)
4. Ketamine (2:40)
5. Bleed All Over (3:35)
6. Churchbells, Ghosts (4:53)
7. Internal Hourglass Discussion (3:49)
8. Stockholm City Blues (3:38)
9. Skeleton Key (7:05)
10. Daylight In The Nocturnal House (3:05)
11. Ballad Of A Dying Rover (4:36)
12. Hanging On (For DRC) (2:10)
13. Burying Ground (4:46)
14. At Zero Below (4:40)
15. Eden Lost And Found (2:46)

Gesamtspieldauer: 1:00:19



Ich kenne Mark Lanegan von den Screaming Trees, von Queens Of The Stone Age und auch von seiner Zusammenarbeit mit Greg Dulli bei den Gutter Twins sowie bei den The Twilight Singers. Immer fand ich die Musik des Sängers, Gitarristen und Keyboarders irgendwie besonders. Erstens stand der US-Amerikaner nie für alltäglichen 08/15-Rock, zweitens hatte seine Musik häufig dieses gewisse Etwas, was Musik eben zu etwas Besonderem und Wertvollem werden lässt.

Neben seinen zahlreichen Band-Projekten ist Mark William Lanegan allerdings auch Solo unterwegs und dort ebenfalls sehr kreativ und fleißig. „Straight Songs Of Sorrow” ist bereits sein zwölftes Solo-Album. Und dieses Mal ist der Titel des Albums auch Programm „Lauter Lieder der Trauer“ hört man auf seiner neuesten Platte. Melancholische Musik, überwiegend sanfte Musik, zumeist traurige Musik, die auch mal ergreifend klingen und in die man wunderschön eintauchen kann, um sich dem eigenen inneren Blues hinzugeben.

Und dabei beginnt das Album mit „Straight Songs Of Sorrow“ völlig untypisch für die ganze Platte. Man hört hier treibende elektronische Klänge, die das Lied nach vorn preschen lassen. Doch bereits mit der nächsten Nummer, „Apples From A Tree“, ändert sich die musikalische Atmosphäre bereits völlig. Sanfte Klänge der akustischen Gitarre dringen nun ans Ohr und lassen jegliche Hektik des ersten Titels vergessen. Die Musik klingt nun viel wärmer und weicher. Und auf der nächsten Nummer „This Game Of Love“ wird die Atmosphäre sogar durch Streicher transportiert, die die sanfte und doch eindringliche Stimme des Mark Lanegan tragen. Dabei sind die beiden letztgenannten Nummern durchaus typisch für „Straight Songs Of Sorrow“. Doch spielt der Synthesizer auch auf anderen Titeln immer wieder mal eine Rolle – mal mehr zur Untermalung und eher im Hintergrund gehalten, ein anders Mal jedoch auch, um die Melodie eines Titels zu transportieren. Doch die Stimmung der Musik bleibt nun sanft, melancholisch nachdenklich, sentimental oder traurig – ganz wie man das für sich deuten möchte.

„Straight Songs Of Sorrow” ist eher ein November- denn ein Frühlingsalbum. Doch die Musik packt einen auch im Frühling, allerdings muss man eben auch auf die sanfteren Töne in der Musik stehen – dann hat man die Möglichkeit ganz tief in diese warmen und sanften Klänge einzutauchen.

Zum Abschluss möchte ich hier noch etwas anführen, was nur bedingt mit der Musik des Albums zu tun hat, mich aber ungemein freut. Ganz viele Bands, Musikerinnen und Musiker verschieben gerade die Veröffentlichungstermine ihrer Alben. Heutzutage dient die veröffentlichte Musik häufig dazu, eine anschließende Tournee zu unterstützen. Hier wird dann auf den einzelnen Konzerten das Geld verdient, wovon Musiker inzwischen oft leben. Mark Lanegan veröffentlicht sein Album trotzdem am 8. Mai und es ist abzusehen, dass dieses Jahr wohl weltweit keine Konzerte mehr stattfinden werden. Auch das ist was Besonderes, dass Mark Lanegan sein Album „Straight Songs Of Sorrow” trotzdem veröffentlicht und damit Leute erfreut.

Fazit: „Straight Songs Of Sorrow” ist ein trauriges Album geworden. Eine ruhige Platte, ein Album voller Melancholie, Sentimentalität, Nachdenklichkeit und eben tiefer Trauer. Das klingt immer wieder ergreifend und packend. Dabei schafft es Mark Lonegan akustische wie auch Klänge des Synthesizers in seine atmosphärischen Lieder einzubinden und entsprechende Stimmungen zu transportieren. Ein Album, überwiegend für die stillen Stunden des Tages. Elf Punkte.

Anspieltipps: Apples From A Tree, Ketamine, Stockholm City Blues, Daylight In The Nocturnal House



Montag, 11. Mai 2020

King’s X – Gretchen Goes To Nebraska




King’s X – Gretchen Goes To Nebraska


Besetzung:

Doug Pinnick – bass guitar, lead vocals
Ty Tabor – guitar, dulcimer, sitar, wooden flute, vocals
Jerry Gaskill – drums, percussion, vocals


Gastmusiker:

Sam Taylor – pipe organ and "drawkcab" piano


Label: A&M Records


Erscheinungsjahr: 1989


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Out Of The Silent Planet (5:44)
2. Over My Head (4:47)
3. Summerland (3:17)
4. Everybody Knows A Little Bit Of Something (3:57)
5. The Difference (In The Garden Of St. Anne‘s On-The-Hill) (3:08)
6. I‘ll Never Be The Same (4:56)
7. Mission (5:01)
8. Fall On Me (4:05)
9. Pleiades (4:41)
10. Don‘t Believe It (3:07)
11. Send A Message (4:02)
12. The Burning Down (5:35)

Gesamtspieldauer: 52:25




„Gretchen Goes To Nebraska“ nannte die US-amerikanische Hard Rock Band King’s X ihr zweites Studioalbum welches am 27. Juni 1989 ursprünglich auf dem Plattenlabel Megaforce erschien. „Gretchen Goes To Nebraska“ basiert angeblich auf einer Kurzgeschichte des Schlagzeugers Jerry Gaskill. Dementsprechend kann man hier wohl von einem Konzeptalbum sprechen. Von den Kritikern und Fans wird die Scheibe hochgelobt, auch wegen der progressiven Ansätze, die auf der Platte zu hören sein sollen.

Diese höre ich leider nicht. Gar nicht. „Gretchen Goes To Nebraska“ klingt wie eine Hard Rock Scheibe, auf der sich auch mal eine Ballade verläuft. Zugegebenermaßen klingt die Musik etwas eingängiger als noch auf dem Debut „Out Of The Silent Planet“. Doch begeistern kann mich das alles nicht sonderlich. Das Lied mit diesem Titel des ersten Albums ist übrigens auf dem diesem Album enthalten und stellt einen der wenigen Höhepunkt dieser Scheibe dar. „Summerland“ klingt ebenfalls gut und überzeugend, genau wie das sanfte „The Difference (In The Garden Of St. Anne's On-The-Hill)“.

Dann gibt es auf „Gretchen Goes To Nebraska“ allerdings auch solch Titel wie „Over My Head“ zu hören. So ein Mitgröl-Lied, mit dem wahnsinnig „raffinierten“ Text: „Music, Music, I hear Music, Music over my head“. Ganz schlimm und eines der langweiligsten Hard Rock Titel, die ich kenne – obwohl darin sogar noch ein ganz gutes Gitarrensolo zu hören ist. Viele ordnen diese Scheibe dem Genre Progressive Metal zu, irgendwie fehlt mir da die Fantasie und letztendlich sogar völlig das Verständnis. Schön und gelungen sind allerdings auch auf dieser Platte – wie bereits beim Debut – die Arrangements zu den mehrstimmig eingesungenen Passagen. Hiermit können King’s X auch auf „Gretchen Goes To Nebraska“ überzeugen und heben sich damit von anderen Bands ab.

Fazit: „Gretchen Goes To Nebraska“ rauscht an einem vorbei, hinterlässt kaum Spuren. Ein paar guten Titeln stehen hier auch ein paar weniger gelungene Nummern gegenüber. Nicht alles auf dieser Scheibe ist schlecht, allerdings auch nur wenig so richtig überzeugend. Freunde des Hard Rocks finden ganz bestimmt ein paar coole Titel auf dem Album. Aber Progressive Metal? Nein, den höre ich hier nicht. Acht Punkte.

Anspieltipps: Out Of The Silent Planet, Summerland, The Difference (In The Garden Of St. Annes On-The-Hill)



Samstag, 9. Mai 2020

Pendragon – Love Over Fear




Pendragon – Love Over Fear


Besetzung:

Jan-Vincent Velazco – drums and percussion
Peter Gee – bass guitar
Clive Nolan – keyboards
Nick Barrett – guitars, vocals, keyboard programming and mandolin on "360 Degrees", piano on "Starfish And The Moon" and "Whirlwind"


Gastmusiker:

Zoe Devenish – backing vocals, violin on "360 Degrees" and "Soul And The Sea"
Julian Baker – saxophone on "Whirlwind"


Label: Toff Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Everything (5:40)
2. Starfish And The Moon (3:37)
3. Truth And Lies (8:26)
4. 360 Degrees (5:34)
5. Soul And The Sea (5:44)
6. Eternal Light (8:19)
7. Water (7:57)
8. Whirlwind (4:59)
9. Who Really Are We? (8:41)
10. Afraid Of Everything (5:08)

Gesamtspieldauer: 1:04:08



„Love Over Fear“ ist das bereits elfte Studioalbum der englischen Progressive Rock Band Pendragon. Obwohl das Wort „bereits“ hier wahrscheinlich gar nicht angebracht ist. Gegründet wurde die Band nämlich bereits im Jahr 1978 in Stroud, Gloucestershire, England. Das erste Album von Pendragon erschien 1985, also vor bereits 35 Jahren. Etwas mehr als drei Jahre also für ein Album – dafür allerdings in relativer Regelmäßigkeit. Die elfte Studioveröffentlichung „Love Over Fear“ erschien dieses Jahr am 28. Februar 2020. Ebenfalls, wie schon die Vorgänger, auf dem bandeigenen Label Toff Records.

Pendragon stehen für die sehr melodiöse und eingängige Variante des Progressive Rock. „Frickelig“ oder experimentell klingt die Musik der Engländer nicht. Nicht anders ist es auch auf „Love Over Fear“ zu hören. Schwelgerische Keyboard-Sounds, verträumte Pianoläufe, gezupfte akustische Gitarren, sehnsüchtige E-Gitarren, die allerdings auch mal rocken können, all das gibt es auf dem Album zu hören. Die längeren Titel entwickeln sich dabei, volführen verschiedene Wendungen, laden zu kleinen musikalischen Reisen ein. Zugegebenermaßen hat man das alles so ähnlich schon mal gehört, auch von Pendragon. Langweile kommt trotzdem keine auf, da die vier Bandmitglieder auf „Love Over Fear“ das Angebot an modernem Progressive Rock einfach erweitern, ohne sich dabei selbst zu kopieren.

„Love Over Fear“ wirkt in seiner Gesamtheit – und dies vom ersten bis zum letzten Akkord. Ausfälle gibt es keine zu beklagen, es macht Spaß diese über eine Stunde dauernde Musik wirken zu lassen. Die Nummer „Whirlwind“ fällt dabei vielleicht ein wenig aus dem Rahmen. Ich habe vor einigen Tagen eine Dokumentation über Frank Sinatra gesehen, dem hätte dieser Titel ganz bestimmt gefallen, obwohl er angeblich sonst mit Pop und Rock nichts anfangen konnte. Gesungen hätte er diese Nummer sicherlich auch gerne. Für das Album „Love Over Fear“ bedeutet diese Nummer immerhin eine stilistische Auflockerung.

Meine Favoriten sind andere Titel. „Truth And Lies“, „Soul And The Sea“, „Eternal Light“ und „Who Really Are We?“ heißen diese. Das sind die drei über achtminütigen Lieder des Albums sowie das zunächst sanfte und leicht melancholische „Soul And The Sea“, welches im weiteren Verlauf so wunderschön kraftvoll aus den Boxen hämmert. Ihre Stärke für Dramatik, Abwechslungsreichtum und Melodiösität können die vier Musiker von Pendragon in längeren Titeln natürlich bestens ausleben. Von daher nicht überraschend, dass gerade diese längeren achtminütigen Titel auch besonders zu überzeugen verstehen.

Fazit: Wer die Musik von Pendragon mag, wird sicherlich auch „Love Over Fear“ mögen. Die Band spielt modernen Progressive Rock, der zwar an die Vorbilder der frühen 70er Jahre angelehnt ist, trotzdem für sich selbst steht. Melodiösität und Abwechslung gibt es jede Menge auf dieser Scheibe zu hören. Macht definitiv Spaß. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Truth And Lies, Soul And The Sea, Eternal Light, Who Really Are We?



Donnerstag, 7. Mai 2020

Triana – El Patio




Triana – El Patio


Besetzung:

Jesús de la Rosa Luque – vocals, keyboards
J. J. Palacios "Tele" – drums, percussion
Eduardo Rodríguez – guitar


Gastmusiker:

Manolo Rosa – bass
Antonio García de Diego – electric guitar


Label: Fonomusic


Erscheinungsjahr: 1975


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Abre La Puerta (9:51)
2. Luminosa Mañana (4:01)
3. Recuerdos De Una Noche (4:41)
4. Sé De Un Lugar (7:09)
5. Diálogo (4:31)
6. En El Lago (6:36)
7. Todo Es De Color (2:04)

Gesamtspieldauer: 38:56




Spanischer Progressive Rock? Warum nicht, doch dann wäre es doch auch schön, wenn dabei die Ingredienzien der spanischen Musik mit enthalten wären. Und genau das bieten Triana ihren Hörerinnen und Hörern. Triana, ein spanisches Trio aus Sevilla, Andalusien, welches sich im Jahr 1974 gründete, verbinden Progressive Rock mit einer gehörigen Portion Flamenco. Das erste Studioalbum von Triana trägt den Namen „El Patio“ (auf Deutsch: „Der Innenhof“, wie man auf dem Cover auch nachvollziehen kann) wurde am 14. April 1975 auf dem Plattenlabel Movieplay veröffentlicht und ist auch auf CD beim Label Fonomusic wiederveröffentlicht worden.

Wer sehr eingängigen, nicht zu frickeligen Progressive Rock zu schätzen weiß, die oder der wird mit dieser Scheibe seine helle Freude haben. Die Musik auf „El Patio“ geht ins Ohr, ist abwechslungsreich, unternimmt zahlreiche Wendungen. Dabei erklingt immer wieder die Flamenco-Gitarre und man hört rhythmisches Klatschen und weiß sofort, in welchem Kulturkreis man sich bewegt. Sehr gelungen ist dabei zudem das Zusammenspiel zwischen der Gitarre des Eduardo Rodríguez und dem feinen, ein anderes Mal fetten Orgelsound des Jesús de la Rosa Luque. Ziemlich einmalig in der Musiklandschaft.

Überhaupt Jesús de la Rosa Luque. Dieser unterstützt und unterstreicht die Musik von Triana durch seinen hingebungsvollen und eindringlichen Gesang, bei dem der Sänger jede musikalische Wendung empathisch miterlebt und auslebt. Ich bin des Spanischen nicht mächtig, doch wenn Jesús de la Rosa Luque beim Singen mitleidet, so hängt man förmlich an seinen Lippen und spürt die Emotionen, auch wenn er nicht zu sehen ist. Sehr schön.

„Triana“ ist in sich geschlossen, klingt ohne Ausnahme gut und überzeugend. Von daher könnte man viele Höhepunkte aufführen. Müsste ich mich auf eine Top 3 festlegen, wären dies die Lieder „Abre La Puerta“, „Luminosa Mañana“ sowie „En El Lago“. Allesamt eingängige, sehr melodiöse Titel, mit denen man bestens in die Musik der Andalusier eintauchen kann. Bester Progressive Rock auf Spanisch. Das Album war zunächst übrigens nur mäßig erfolgreich und wurde erst mit dem Bekanntheitsgrad der Band auch kommerziell für Tirana ein Erfolg. In allen Rankings zu den wichtigsten Platten der spanischen Pop- und Rockkultur ist „Triana“ vertreten. So führt es dort zum Beispiel das Rolling Stone Magazine auf Platz 23.

Fazit: Wer eingängigen, melodiösen und pathetischen Progressive Rock mag, wird auch „El Patio“ von Triana mögen. Das Debut-Album der Spanier beinhaltet alles, was Progressive Rock Fans lieben. Der Inhalt von Musik und Texten wird durch den Gesang bestens transportiert, da fällt es gar nicht mehr ins Gewicht, dass man nichts versteht, wenn man kein Spanisch spricht. Und dann diese Flamenco-Gitarre, die die Musik von Triana zu etwas Besonderem werden lässt. Lohnt sich. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Abre La Puerta, Luminosa Mañana, En El Lago



Dienstag, 5. Mai 2020

Placebo – Loud Like Love




Placebo – Loud Like Love


Besetzung:

Brian Molko – vocals, guitar, keyboards
Stefan Olsdal – bass guitar, guitar, piano, keyboards, cimbalom, backing vocals
Steve Forrest – drums, percussion


Gastmusiker:

Bill Lloyd – keyboards, bass guitar
Fiona Brice – string arrangements, backing vocals


Label: Elevator Lady Limited


Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Loud Like Love (4:51)
2. Scene Of The Crime (3:27)
3. Too Many Friends (3:34)
4. Hold On To Me (4:54)
5. Rob The Bank (3:38)
6. A Million Little Pieces (4:40)
7. Exit Wounds (5:48)
8. Purify (3:45)
9. Begin The End (6:00)
10. Bosco (6:39)

Gesamtspieldauer: 47:16



„Loud Like Love“ heißt das siebte Studioalbum der englischen Alternative Rock Band Placebo. Es wurde am 16. September 2013 auf dem Plattenlabel Elevator Lady Limited veröffentlicht. Die Platte klingt ruhiger, gedämpfter, sanfter als noch die Vorgängeralben. Das Album kletterte bis auf Platz 3 der deutschen Charts, in Großbritannien reichte es indes sogar nur für Platz 13. Von den Kritikern erhielt die Platte eher durchschnittliche Noten – überschwänglich wurde „Loud Like Love“ keinesfalls gefeiert. Es wurden drei Singles aus dem Album veröffentlicht: „Too Many Friends“, „Loud Like Love“ sowie „A Million Little Pieces“.

Placebo sind mit „Loud Like Love“ zwar keineswegs im Pop angekommen, doch der Rock wurde ruhiger, zurückgefahren und dabei auch noch melodischer. Die musikalische Spannbreite der Titel ist auf dem Album allerdings durchaus weiter gefächert. Es gibt sie immer noch, die eher härteren Rock-Titel. Doch eben auch die sehr viel sanfteren und nachdenklicheren Töne in der Musik der Engländer. In Bezug auf die Eingängigkeit ist „Loud Like Love“ ganz bestimmt sogar ein Placebo-Album, welches diesbezüglich einen Spitzenplatz einnimmt. Viele der Lieder gehen schnell ins Ohr und man benötigt auch keineswegs zahlreiche Durchläufe der Scheibe, um diese für sich zu erarbeiten.

„Loud Like Love“ ist überaus reich an Höhepunkten. Die Lieder „Scene Of The Crime“, „Too Many Friends“ und „Hold On To Me“, an zweiter, dritter und vierter Stelle auf der Platte angeordnet, stellen gleich drei Höhepunkte auf dem Album dar. Rockig und eingängig. Die schönste Nummer haben sich Placebo allerdings bis ganz zum Schluss aufgehoben. „Bosco“ ist für Placebo-Verhältnisse im Grunde genommen ein sehr untypisches Lied. Sanft und weich klingt dieser Titel, getragen vom Pianospiel, in welches im weiteren Verlauf Streicher einsteigen. Eine wunderschöne Melodie entwickelt sich hier, die fast schon zu Herzen geht. Sicherlich eines, wenn nicht das eingängigste, sanfteste und melodiöseste Lied von Placebo überhaupt. Einfach schön.

Fazit: Bein den Kritikern nicht sehr hoch im Kurs stehend und die Verkaufszahlen blieben ebenfalls hinter denen früherer Alben zurück. Schade eigentlich, denn „Loud Like Love“ hat sehr viel zu bieten. Abwechslungsreiche Musik, die mit wunderschönen Melodien aufwartet. Sicherlich das Album in der bisherigen Placebo-Diskographie, welches am wenigsten rockt – dafür auf eine andere Art sehr gelungen klingt. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Scene Of The Crime, Too Many Friends, Hold On To Me, Bosco



Sonntag, 3. Mai 2020

Jean-Michel Jarre – Zoolook




Jean-Michel Jarre – Zoolook


Besetzung:

Jean Michel Jarre – keyboards, electronic devices, fairlight cmi


Gastmusiker:

Laurie Anderson – vocals ("Diva")
Adrian Belew – guitars, effects
Yogi Horton – drums
Marcus Miller – bass guitar
Frederick Rousseau – additional keyboards
Ira Siegel – additional guitars


Label: Disques Dreyfus


Erscheinungsjahr: 1984


Stil: Elektronische Musik


Trackliste (Vierte Edition, 2015):

1. Ethnicolor (11:48)
2. Diva (7:22)
3. Zoolook (3:52)
4. Wooloomooloo (3:18)
5. Zoolookologie (4:21)
6. Blah Blah Cafe (3:21)
7. Ethnicolor II (3:52)

Gesamtspieldauer: 37:56



„Zoolook“ heißt das bereits siebte Studioalbum des französischen Elektronik-Musikers und Komponisten Jean-Michel Jarre. Das Album erschien im November 1984 auf dem Plattenlabel Disques Dreyfus. Auf „Zoolook“ hört man eine Verschmelzung von elektronischer Musik, Sampling und eher traditionellen Rockinstrumenten – wobei der Schwerpunkt sehr stark auf dem elektronischen Aspekt liegt. 1984, 1985, 1997 und 2015 erschien das Album in unterschiedlichen Editionen. Diese unterscheiden sich in der Anordnung der Titel voneinander sowie dadurch, dass einzelne Lieder neu remastert wurden oder gleich in einer neuen Version eingespielt worden sind. Zu groß sind die Unterschiede zwischen der ersten und letzten Version, die ich kenne, allerdings nicht.

Für eine Jean-Michel Jarre Platte ist auf dem Album sehr viel „Sprache“ zu hören. Diese allerdings eher unzusammenhängend und in 25 verschiedenen Sprachen. Zudem hatte der französische Musiker mit Laurie Anderson und Adrian Belew zwei namhafte Musiker für sein neues Projekt gewinnen können. Laurie Anderson ist beim Gesang auf „Diva“ zu hören, Adrian Belew steuert die Gitarre und weitere Effekte bei. Laurie Anderson klingt zumindest in der ersten Hälfte ihrer Performance auf „Diva“ so, als ob dieses Lied auch auf ihrem Debut „Big Science“ oder dem Nachfolger „Mister Heartbreak“ hätte enthalten sein können. Diese erschienen im Jahr 1982 und 1984, was somit wohl auch der zeitlichen Nähe der Veröffentlichungen geschuldet sein dürfte.

Die Musik selbst ist wohl ebenso dem damaligen Zeitgeist geschuldet. Viele Samples, elektronische Geräusche, Klang-Fetzen, Stimmen, mal verändert, mal eher im Ursprung erhalten. Manchmal scheint es so, als ob jeder Effekt, den es den diversen Synthesizern zu entlocken gibt, auch noch untergebracht werden musste. So klingt es spätestens ab Titel 4, „Wooloomooloo“, deutlich langweiliger nach etwas uninspirierter Computer-Musik, der noch ein wenig Pop beigemischt wurde. Alles irgendwie leer und leblos.

Doch gilt dies nicht für den Beginn der Scheibe. Das bereits erwähnte „Diva“ verschmelzt ein wenig die Stile der Laurie Anderson und jenem von Jean-Michel Jarre. Klingt auf seine Art durchaus gelungen. Besonders hörenswert ist allerdings der Titel „Ethnicolor“, das erste Lied der Platte und glücklicherweise auch der längste Track des Albums. Das Stück klingt nicht nur sehr eingängig, sondern auch spannend und abwechslungsreich. Es entwickelt sich, unterzieht sich einigen Wendungen und hier klingen nun die diversen Sprachfetzen bestens eingesetzt. Die Musik ist hier atmosphärisch dicht und hört sich gerade zu Beginn ein klein wenig „verwunschen“ an. Neben den bekannten Titeln auf „Oxygene“ und „Equinoxe“ für mich eine der besten Nummern des französischen Musikers.

Fazit: „Zoolook“ kann zu Beginn sehr gut überzeugen, dann gleitet das Album leider etwas in die Belanglosigkeit ab. Doch dieser Anfang, vor allem mit dem tollen „Ethnicolor“, entschädigt für die Langeweile am Ende und macht „Zoolook“ damit doch noch zu einem hörenswerten Erlebnis. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ethnicolor



Freitag, 1. Mai 2020

The Dream Syndicate – The Universe Inside




The Dream Syndicate – The Universe Inside


Besetzung:

Steve Wynn – lead vocals, guitar, harmonica
Jason Victor – guitar
Chris Cacavas – keyboards
Mark Walton – bass guitar
Dennis Duck – drums


Gastmusiker:

Stephen McCarthy – electric sitar, guitar, six-string bass, pedal steel, backing vocals
Marcus Tenney – saxophone, trumpet
Johnny Hott – percussion


Label: Anti-


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Psychedelic, Fusion


Trackliste:

1. The Regulator (20:27)
2. The Longing (7:36)
3. Apropos Of Nothing (9:32)
4. Dusting Off The Rust (9:55)
5. The Slowest Rendition (10:53)

Gesamtspieldauer: 58:26



Ich kannte The Dream Syndicate bisher nur von ihrem Album „Ghost Stories“ aus dem Jahr 1988. Dort hört man gut gemachten, abwechslungsreichen und eingängigen Alternative Rock. Eine der wirklich guten Platten der 80er Jahre. Als ich dann las, dass sich die Band um Steve Wynn bereits im Jahr 2012 wiedervereinigt hatte und nun, am 10. April 2020, bereits ihr drittes Album seit dieser Reunion veröffentlicht, da war ich durchaus überrascht, wie diese Entwicklung bisher so an mir vorbeigegangen war. Zum anderen war ich aber natürlich auch sehr neugierig auf das neue Album mit dem Titel „The Universe Inside“, welches ich mir deshalb sofort bestellte.

„The Universe Inside“? Klingt vom Namen her irgendwie ein wenig psychedelisch. Dann auch noch dieses farbenfrohe, fast schon grelle Cover, welches für mich so ein klein wenig die Unendlichkeit darstellt, betrachtet man die Hände dieser Phantasiegestalt genauer. Beides zusammen, Name und Cover wirken und klingen keineswegs mehr nach Alternative Rock. Bemerkt man dann beim Ansehen der Titelliste, dass die einzelnen Lieder eine Länge von siebeneinhalb bis zwanzigeinhalb Minuten aufweisen, dann ahnt man bereits, dass hier wohl ein Stilwechsel stattgefunden haben muss. Nichts mehr so sein kann wie früher. So zumindest erging es mir, der ich noch keinen Ton des Albums zuvor gehört hatte.

Und genauso ist es dann auch. Alternative Rock? Nein, das ist es definitiv nicht mehr, was uns die 1980 in Los Angeles, Kalifornien gegründete Band auf „The Universe Inside“ serviert. Auf dem Album hört man intensiven Psychedelic Rock, der mit einer gehörigen Prise an Fusion Jazz unterfüttert wurde. Gleich das erste Lied „The Regulator“ wird da zum musikalischen Trip. Melodien? Völlig überschätzt. „The Regulator“ erscheint vielmehr im Gewand einer transzendentalen Reise, hypnotisch und redundant. Viele „Aaahs“ gibt es da zu hören, einen seltsam eingesprochenen „Gesang“, einen nicht enden wollenden Rhythmus, schräge Gitarrentöne und ein Saxophon, welches immer wieder seine Erdung im Free Jazz zu suchen scheint. Klingt seltsam, ist es irgendwie auch. Laut gehört versetzt einen diese Nummer definitiv in einen hypnotischen Zustand.

Das folgende „The Longing“ ist mit über sieben Minuten Spieldauer das kürzeste Stück des Albums. Man hört Steve Wynn dieses Mal wirklich singen und zudem verfügt das Lied über eine eingängige Melodie. Verwunschen klingt die Nummer trotzdem – und erneut außergewöhnlich ungewöhnlich. „Apropos Of Nothing“ hört sich wieder etwas monotoner an, bei dem Titel des Liedes wäre alles andere allerdings auch eine Enttäuschung und gar nicht mehr passend. Gegen Ende des Stücks zieht das Tempo schließlich an und mündet in einen Part, der sich an keine musikalischen Regeln mehr zu halten scheint, um schließlich deutlich sanfter wieder auszuklingen. „Dusting Off The Rust“ groovt genial, Bläser sorgen für den melodischen Teil der Nummer, bis auch dieses Lied immer jazziger klingt, kurz in einen sehr viel psychedelischeren Teil übergeht und ähnlich dem Beginn des Stücks letztendlich ausläuft. Beendet wird „The Universe Inside“ vom elfminütigen „The Slowest Rendition“. Zu Beginn fühle ich mich da an die experimentelle Phase von Pink Floyd erinnert, es folgen Sprechgesang, sehnsüchtige Klänge diverser Instrumente, krumme Takte, es wird verworrener, bis das Lied in einen etwas sphärischen Rockteil übergeht, bei dem erneut dem Saxophon eine besondere Rolle zugedacht wurde. Und schließlich klingt sie aus, diese wahrlich außergewöhnliche Scheibe und man bleibt nachdenklich zurück – zumindest beim ersten Hören ist das Gehörte nur schwer zu verstehen und einzuordnen.

Fazit: Mit der Musik der Band The Dream Syndicate aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts haben die Lieder auf dem neuesten Album der US-Amerikaner nichts mehr zu tun. Gar nichts mehr. Ausgeprägten Psychedelic Rock mit ganz vielen Jazz-Einflüssen bekommt man auf „The Universe Inside“ zu hören. Keine Musik die im Radio gespielt wird, keine Musik, die für die diversen Streaming-Portale typisch wäre. Gefallen wird das jener Hörerinnen und Hörern, die das Außergewöhnliche suchen, experimentierfreudig sind, etwas mit Psychedelic Rock anzufangen wissen und auch dem Jazz nicht sehr abweisend gegenüberstehen. Und dann sollte man sich Zeit nehmen und alles immer und immer wieder wirken lassen. Alles wird gut. Ziemlich viel verlangt, oder? Elf Punkte.

Anspieltipps: The Regulator, The Longing



Mittwoch, 29. April 2020

The Monkees – The Monkees




The Monkees – The Monkees


Besetzung:

Micky Dolenz – lead vocals, backing vocals
Davy Jones – lead vocals, backing vocals
Michael Nesmith – lead vocals, backing vocals
Peter Tork – backing vocals, guitars, dano bass


Gastmusiker:

Tommy Boyce – backing vocals, guitars
Bobby Hart – backing vocals, organ, glockenspiel, autoharp
Wayne Erwin – backing vocals, guitars
Ron Hicklin – backing vocals
Gerry McGee – guitars
Louie Shelton – guitars
Larry Taylor – bass
Billy Lewis – drums
Gene Estes – percussion, tambourine
Bonnie Douglas – violins
Paul Shure – violins
Myra Kestenbuam – viola
Fred Seykora – cello
Keith Allison – harmonica
James Burton – guitars, dano bass
Glen Campbell – guitars, dano bass
Al Casey – guitars, dano bass
James Helms – guitars
Don Peake – guitars
William Pitman – bass
Hal Blaine – drums
Frank DeVito – drums
Gary Coleman – percussion
Jim Gordon – percussion, drums
Jack Keller – piano
Michael Rubini – harpsichord
David Walters – percussion
Joseph Ditullio – cello
John London – backing vocals
Michael Deasy – guitars, dano bass
Bob West – bass
Larry Knechtel – piano, organ


Label: Colgems Records


Erscheinungsjahr: 1966


Stil: Oldie, Pop


Trackliste:

1. (Theme from) The Monkees (2:22)
2. Saturday‘s Child (2:45)
3. I Wanna Be Free (2:27)
4. Tomorrow‘s Gonna Be Another Day (2:39)
5. Papa Gene‘s Blues (2:00)
6. Take A Giant Step (2:31)
7. Last Train To Clarksville (2:47)
8. This Just Doesn‘t Seem To Be My Day (2:09)
9. Let‘s Dance On (2:32)
10. I‘ll Be True To You (2:49)
11. Sweet Young Thing (1:58)
12. Gonna Buy Me A Dog (2:44)

Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung im Jahr 1994:

13. I Can‘t Get Her Off My Mind (Early Version) (2:55)
14. I Don‘t Think You Know Me (Alternate Version) (2:18)
15. (Theme from) The Monkees (Early Version) (0:52)

Gesamtspieldauer: 35:53




Dass gecastete Bands keine Erfindung des 21. Jahrhunderts sind, sieht man sehr schön an der US-amerikanischen Band The Monkees, die in den 1960er Jahren Mittelpunkt einer gleichnamigen Fernsehserie war. Die vier Musiker spielten dort die Mitglieder einer erfolglosen Band, den Monkees eben und veröffentlichten dementsprechend auch Musik. Die Fernsehserie lief in den USA vom 12. September 1966 bis zum 9. September 1968 und war angefüllt mit Slapstick. Die vier Musiker spielten so eine Art von Vollpfosten und waren genauso von Vollpfosten umgeben.

Das erste, selbstbetitelte Album der Monkees erschien am 10. Oktober 1966 auf dem Plattenlabel Colgems Records, welches bis 1971 existierte. Die Musik wurde hauptsächlich von den beiden Sängern und Songwritern Tommy Boyce und Bobby Hart geschrieben. Die vier Musiker der Monkees waren kompositorisch nur an einem Titel beteiligt. Das Lied „Papa Gene‘s Blues“ schrieb Michael Nesmith. Ansonsten sind die Musiker niemals alle zusammen auf dem Album zu hören. Zumeist sang lediglich einer der Vier den Titel ein, den Rest übernahmen dann die Studiomusiker.

Die Fernsehsendung „The Monkees“ mag zur damaligen Zeit lustig gewirkt haben, heute bewirkt sie eher Kopfschütteln und Erstaunen, dass man sowas lustig finden konnte. Ähnlich, allerdings nicht ganz so krass, verhält es sich mit der Musik. „The Monkees“ von den Monkees kletterte in den USA und England bis auf Platz 1 der Charts, in Deutschland erreichte das Album immerhin noch Platz 11. Darauf zu hören ist eine Mischung aus Oldies in Form von 60ies Pop, der ganz selten mal etwas rockiger klingt. Zu Beginn und in der Mitte finden sich ein paar ganz nette Liedchen, gegen Ende wird es dann immer schlimmer und langweiliger. Schnell produzierte Musik, die heute gar nicht mehr wirkt.

In der Mitte des Albums befindet sich auch eines der bekanntesten Lieder der Monkees, „Last Train To Clarksville“. Auch heute noch ganz nett anzuhören. Ansonsten noch ein paar ganz annehmbare Nummern wie „(Theme from) The Monkees“ oder „Take A Giant Step“ und „This Just Doesn‘t Seem To Be My Day“. Immerhin gibt es im Grunde genommen keinen Titel, der ganz schlimm wäre. Erträglich ist das alles, aber eben nicht mehr gut.

Fazit: Wer auf Oldies und 60ies Pop steht, die oder der wird hier eine ganze Menge Spaß für sich finden. Ist man etwas anspruchsvoller an Musik, dann wird es schon verdammt schwierig dieser Musik etwas Gutes abgewinnen zu können. Man sollte es als Zeitreise ansehen, an die Anfänge der Pop-Musik. Dann ist alles gut. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Last Train To Clarksville, This Just Doesn‘t Seem To Be My Day



Montag, 27. April 2020

Stone Temple Pilots – Core




Stone Temple Pilots – Core


Besetzung:

Scott Weiland – lead vocals
Dean DeLeo – guitar
Robert DeLeo – bass, backing vocals
Eric Kretz – drums


Label: Atlantic Records


Erscheinungsjahr: 1992


Stil: Grunge


Trackliste:

1. Dead & Bloated (5:11)
2. Sex Type Thing (3:38)
3. Wicked Garden (4:05)
4. No Memory (1:20)
5. Sin (6:05)
6. Naked Sunday (3:49)
7. Creep (5:33)
8. Piece Of Pie (5:24)
9. Plush (5:14)
10. Wet My Bed (1:36)
11. Crackerman (3:14)
12. Where The River Goes (8:25)

Gesamtspieldauer: 53:38



„Core“ heißt das erste Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Stone Temple Pilots aus San Diego, Kalifornien. Es wurde am 29. September 1992 auf dem Plattenlabel Atlantic Records veröffentlicht. „Core“ ist das erfolgreichste Album der Stone Temple Pilots. Es kletterte bis auf Platz 3 der Billboard 200 Charts und wurde in den USA mit achtmal Platin ausgezeichnet. Im Jahr 2019 wurde das Album zudem vom Rolling Stone Magazine auf Platz 11 seiner Liste der „50 Greatest Grunge Albums“ gesetzt.

Auf „Core“ hört man Grunge in Reinkultur, wie er Anfang der 90er Jahre vornehmlich von der Westküste der USA über den gesamten Globus schwappte. Die Musik klingt rau, sehr rockig und die Betonung liegt eher auf der Härte, als auf Eingängigkeit und Melodiösität. Doch diese Stellen gibt es selbstverständlich ebenso auf „Core“, allerdings stehen sie eben nicht im Zentrum der Musik der Stone Temple Pilots. Dieser Grunge regt sehr viel eher zum Headbanging an, auch auf die Gefahr hin, sich eine leichte Gehirnerschütterung einzufangen. Möchte man allerdings in diese Art der „körperlichen Ertüchtigung“ eintauchen, „Core“ böte sich da perfekt an.

Die Lieder klingen im Zusammenhang. Das bedeutet, das Album klingt als Ganzes. Genau das wollten die Stone Temple Pilots auch erreichen. Ein Album, welches man sich von vorne bis zum Ende anhört, aus dem keinerlei Lieder besonders hervorstechen. Ein Album, welches mit seiner Gesamtheit punktet. Dies ist der Band auch bestens gelungen, die Lieder auf „Core“ bilden wahrlich eine Einheit. Grunge, kraftvoll und kompromisslos. Ein wenig Schicksal ist dabei allerdings schon im Spiel, denn gerade jenes Lied, welches etwas von dieser Linie abweicht, wurde das bekannteste Stück der Platte. „Creep“ ist deutlich ruhiger gehalten, akustische Gitarren sind überwiegend zu hören und dominieren den Titel neben dem Gesang. Und auch wenn das Tempo teilweise leicht angezogen wird, das Lied bleibt eine eher ruhige Nummer. „Creep“ geht eben sehr gut ins Ohr, bleibt hängen, erinnert dabei zudem sehr an die sanfteren Nummern von Nirvana.

Fazit: Ein sehr überzeugendes Debut ist den Stone Temple Pilots mit „Core“ gelungen. Grunge in seiner Reinform, kraftvoll, zumeist hart und größtenteils sehr kompromisslos. Für Rocker bestens geeignet und diejenigen, die es etwas sanfter mögen, werden die Nummer „Creep“ lieben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Wicked Garden, Creep



Samstag, 25. April 2020

Cameo – Word Up




Cameo – Word Up


Besetzung:

Larry Blackmon – lead vocals, bass guitar, drums, percussion, backing vocals
Tomi Jenkins – lead vocals, backing vocals
Nathan Leftenant – backing vocals


Gastmusiker:

Charlie Singleton – guitar, backing vocals
Aaron Mills – bass guitar
Michael Burnett – bass guitar, backing vocals
Bernard Wright – keyboards
Eric Rehl – keyboards
Kenni Hairston – keyboards
Kevin Kendrick – keyboards
Merv de Peyer – keyboards
Duduka Fonseca – percussion
Giovanni Hidalgo – percussion
Steve Thornton – percussion
Melvin Wells – saxophone, backing vocals
Michael Brecker – tenor saxophone (solo on "Candy", "Don't Be Lonely" and "She's Mine")
Randy Brecker – trumpet
Arno Hecht – tenor saxophone
Crispin Cioe – alto saxophone, baritone saxophone
Robert Funk – trombone
Paul Litteral – trumpet
Sammy Merendino – drum programming
Pat Buchanan – guitars
Peter Scherer – synclavier programming
Willie Morris – backing vocals


Label: Atlanta Artists


Erscheinungsjahr: 1986


Stil: Funk, R&B


Trackliste:

1. Word Up (4:21)
2. Candy (5:39)
3. Back And Forth (6:33)
4. Don‘t Be Lonely (5:19)
5. She‘s Mine (4:37)
6. Fast, Fierce & Funny (4:09)
7. You Can Have The World (4:38)

Gesamtspieldauer: 35:20



Cameo ist eine US-amerikanische Funk- und R&B-Band, die 1974 in New York gegründet wurde. Ursprünglich bestand sie aus vierzehn Mitgliedern und hieß New York City Players. Von 1977 bis zum Jahr 2000 veröffentlichte Cameo insgesamt siebzehn Studioalben. Die Band ist heute wieder aktiv, nachdem es ab dem letzten Album „Sexy Sweet Thing“ aus dem Jahr 2000 sehr still um Cameo wurde, obwohl sich die Band nie offiziell auflöste. Im Jahr 2019 erschien nun sogar eine neue Single mit dem Namen „El Passo“. „Word Up!“ heißt das zwölfte Album von Cameo und erschien am 9. September 1986 auf dem Plattenlabel Atlanta Artists. Es ist eines der erfolgreichsten Alben von Cameo und enthält ihre zwei größten Hits mit den Liedern „Word Up!“ und „Candy“.

Nun, man muss es funky mögen, wenn man mit dieser Art der Musik „warm“ werden möchte. Funk mit einer gehörigen Prise R&B hört man auf „Word Up!“. Dazu gesellen sich oftmals sehr hohe Gesänge und fertig ist dieser typische Sound schwarzer US-amerikanischer Gruppen der 70er und 80er Jahre. Am erfolgreichsten waren auf diesem Gebiet wohl Earth, Wind and Fire. Die Musik von Cameo erinnert auf diesem Album sehr oft an Earth, Wind and Fire – jedoch nicht immer.

Höhepunkt der Platte ist ganz bestimmt das Titellied „Word Up“, inzwischen ein zeitloser Klassiker, der jede Tanzfläche zum Bersten bringt. Tolle Melodie, super Groove und im Grunde genommen ganz anders klingend als der Rest auf der Scheibe. Der Rhythmus wogt deutlich schneller, die Melodielinie des Liedes setzt sich sofort im Ohr fest. Der Text ist eine einzige Aufforderung endlich mit dem Tanzen zu beginnen und mit dieser Mischung aus Rhythmus, Groove und Eingängigkeit schaffen dies Cameo auch.

Fazit: Weder Funk noch R&B sind Meins. Ich habe immer das Gefühl, man muss dafür ein besonderes musikalisches Gen besitzen, welches mir allerdings leider fremd ist und überhaupt völlig abgeht. „Word Up“, dieses Lied, das kann ich allerdings schätzen. Sehr sogar. Und allein dafür lohnt auch der Erwerb dieser Scheibe. Der ganze Rest auf „Word Up!“ pendelt in meinen Ohren zwischen ganz nett und „Oh mein Gott“. Musik ist spannend und kaum erklärbar. Acht Punkte.

Anspieltipps: Word Up



Donnerstag, 23. April 2020

Pendragon – The Masquerade Overture




Pendragon – The Masquerade Overture


Besetzung:

Nick Barrett – guitars, vocals, backing vocals
Clive Nolan – keyboards
Fudge Smith – drums
Peter Gee – bass


Gastmusiker:

Tracy Hitchings – backing vocals
Tina Riley – backing vocals
Anthony Plowman – backing vocals, vocals on "Overture"
Gwen Ross – backing vocals, vocals on "Overture"
Simon Clew – backing vocals, vocals on "Overture"


Label: Toff Records


Erscheinungsjahr: 1996


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Masquerade Overture (3:03)
2. As Good As Gold (7:15)
3. Paintbox (8:38)
4. The Pursuit Of Excellence (2:36)
5. Guardian Of My Soul (12:41)
6. The Shadow (9:55)
7. Masters Of Illusion (12:51)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2013:

8. Bird Of Paradise (6:54)
9. Midnight Running (7:45)
10. A Million Miles Away (3:16)

Gesamtspieldauer: 1:14:59




Nun mit der englischen Band Pendragon ist das so eine Sache. Mitte der 80er Jahre gegründet, veröffentlichen die Briten relativ regelmäßig neue Studioalben. Inzwischen betragen die Abstände zwischen den einzelnen Veröffentlichungen zwar bereits mehrere Jahre, aber es gibt diese Veröffentlichungen eben noch. Meist sind diese Alben bei Hörerinnen und Hörern sehr umstritten. Zu weich, zu uninspiriert, nichts Neues. Progressive Rock neuerer Machart, der lediglich Altes aufgreift. NeoProg, wie man ihn bereits oft gehört hat. All das hört und liest man immer wieder. Eine Scheibe ragt dabei jedoch zumeist positiv bei den Kommentaren heraus. Die 1996er Veröffentlichung „The Masquerade Overture“ findet meist lobende Erwähnung.

Dies geschieht auch völlig zu Recht. Auf „The Masquerade Overture“ hört man zwar keinen Progressive Rock, der jetzt eine völlig neue Einfärbung dieses Genres enthält. Keinen Progressive Rock, der nicht auch an andere Bands dieses Genres erinnern würde. Nein, „The Masquerade Overture“ ist weder stilprägend geschweige denn stilbereitend. Doch das Album ist wunderschön anzuhören. Wer sehr harmonische und eingängige Melodien zu schätzen weiß, die oder der wird mit dieser Platte sehr viel Spaß haben.

Die Musik orientiert sich am Prog der 70er Jahre und schwelgt in Melodiösität. Dabei klingen die Lieder abwechslungsreich, sind spannend aufgebaut und vollführen in sich diverse Wandlungen. Das Spiel mit den Atmosphären und Stimmungen verstehen Pendragon auf „The Masquerade Overture“ auf das Allerbeste, sodass die gesamte Platte zu einer spannenden musikalischen Reise wird.

„The Masquerade Overture“ klingt vom der ersten bis zum letzten Akkord. Ausfälle gibt es keine zu beklagen, dafür umso mehr Höhepunkte. Dies sind – wie sollte es bei einem Album mit progressivem Rock auch anders sein? – die vier längsten Titel der Platte. „As Good As Gold“, „Paintbox“, „Guardian Of My Soul“ sowie „Masters Of Illusion“ sind alles vier Nummern, die das Herz des Fans des melodischen Progressive Rocks höherschlagen lassen. Die Musik klingt dabei deutlich nach den 70ern, keine Frage, auch wenn sie zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre nach den Vorbildern entstand. Plagiat? Kopie? Nein, eine schöne Ausweitung dieser Musik.

Fazit: So viele überragende Scheiben des Progressive Rocks gab es nun nicht in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts. „The Masquerade Overture“ von Pendragon gehört definitiv mit zu den Höhepunkten dieses musikalischen Genres in den 90er Jahren. Ob es sein kann, dass bei dieser Bewertung auch ein wenig Nostalgie mitspielt, einem Nachhängen der Musik der 70er Jahre, da Pendragon hier lediglich bewährte Pfade beschreiten? Natürlich kann das sein. Sicher bin ich mir aber nicht. Im Grunde genommen auch völlig egal, die Musik wirkt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: As Good As Gold, Paintbox, Guardian Of My Soul, Masters Of Illusion