Samstag, 19. September 2020

Derek Sherinian – The Phoenix




Derek Sherinian – The Phoenix


Besetzung:

Derek Sherinian – keyboards


Gastmusiker:

Simon Phillips – drums
Zakk Wylde – guitar
Billy Sheehan – bass
Armen Ra – theremin
Ron ‘Bumblefoot’ Thal – guitar
Jimmy Johnson – bass
Steve Vai – guitar
Tony Franklin – bass
Ernest Tibbs – bass
Joe Bonamassa – vocals, guitar
Kiko Loureiro – guitar


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Jazzrock, ProgMetal


Trackliste:

1. The Phoenix (5:24)
2. Empyrean Sky (3:56)
3. Clouds Of Ganymede (6:02)
4. Dragonfly (3:44)
5. Temple Of Helios (6:03)
6. Them Changes (5:28)
7. Octopus Pedigree (5:04)
8. Pesadelo (6:52)

Gesamtspieldauer: 42:37



David Coverdale sagt über Derek Sherinian, er sei „Wie der Sohn von Jon Lord… es ist atemberaubend“. Mit Alice Cooper hat er gespielt, hat Kiss und Billy Idol bei Tourneen und Aufnahmen unterstützt und war Teil von Dream Theater, Black Country Communion und aktuell heißt seine Band Sons Of Apollo, die dieses Jahr auch bereits ein Album veröffentlicht haben.

Sein achtes Studioalbum erscheint nun am 17. September, ganze neun Jahre nach seinem siebten Solo-Werk „Oceana“. „The Phoenix“ heißt dieses und ist hauptsächlich angefüllt mit hartem Instrumental-Rock, Fusion und ProgMetal. Der Grund für die lange Pause war, wie er in einem Interview preisgibt, dass es sich für Musiker kaum mehr lohnt neue Alben zu veröffentlichen, da alles kostenlos heruntergeladen wird. In Zeiten von Corona kam dann aber wohl doch noch mal eine besondere Inspiration. Derek Sherinian rief Schlagzeuger Simon Philips an, der bereits auf fünf seiner Alben mitwirkte. Dieser war sofort mit an Bord, schrieb die Titel zusammen mit Derek Sherinian und Simon Philips mischte das Album schließlich auch ab. Und dann hatte es auch mit einem Vertrag beim Label InsideOut Music geklappt und der neuen Platte stand nichts mehr im Wege.

Auf „The Phoenix“ hört man Rock, der immer wieder in den Jazz Rock und den ProgMetal abdriftet. Gleich in zweierlei Hinsicht stellt da das Lied „Them Changes“ dabei eine Ausnahme dar. Zum einen ist es das einzige Lied mit Gesang, Joe Bonamassa ist bei dem Stück nicht nur an der Gitarre, sondern auch mit seiner Stimme zu hören. Und dieses Lied fällt auch rein stilistisch aus dem Rahmen, da es sich um einen Blues handelt, der sonst so nicht auf „The Phoenix“ zu hören ist.

Insgesamt empfinde ich die Musik auf „The Phoenix“ als durchaus kurzweilig. Das Album beginnt mit dem Titeltrack, der relativ kompromisslos aus den Boxen knallt. Heavy Metal fast der eher geradlinigen und schnörkellosen Sorte. Im Zentrum des Stücks steht die E-Gitarre, die in Hochgeschwindigkeit rockt. Bei „Empyrean Sky“ bekommt dann sehr viel mehr das Keyboard des Derek Sherinian seine Rolle zugewiesen. Und wahrlich kann man David Coverdales Anspielung auf Jon Lord dabei durchaus nachvollziehen.

Als einen der Höhepunkte des Albums sehe ich auch das Piano-lastige „Dragonfly“. Und tatsächlich sind hier die Wege zu Keith Emerson nicht weit. In Passagen hätte dieses Stück auch auf einem Emerson, Lake & Palmer Album auftauchen können. Beim letzten Stück des Albums „Pesadelo“ kommen bei mir immer Vergleiche zu spannenden Krimis und damit deren Filmmusik in den 70er Jahren auf. Dann rockt das Lied wiederum wahrlich heavy, um in einen Part mit spanischer Gitarre überzugehen. Abwechslung pur, sehr eingängig und mit erneut diesen Jon-Lord-Gedächtnissoli ausgestattet. Schließlich wird das Lied wieder Gitarren-lastiger und eskaliert fast. Klasse Nummer, bei der an der Gitarre Kiko Loureiro, ehemals „Angra“ zu hören ist.

Und die restlichen Stücke? Nicht zu frickeliger Fusion gepaart mit Progmetal und Hard Rock. Alles durchgängig hörenswert, wenn auch hier ein Genre nicht neu erfunden wird. Aber diese Tage sind eh schon längst vorbei.

Fazit: Ich höre auf „The Phoenix“ einen abwechslungsreichen Ritt durch einige musikalische Genres wie kurze Bluesausflüge, Fusion, Hard Rock bis Heavy Metal und ProgMetal. Das macht durchaus immer wieder Laune und unterhält. Zu kompliziert klingt das nie, zu angepasst ebenso wenig. Die meisten Nummern gehen dabei sogar gut ins Ohr und wer auf ausgedehnte und rockige Instrumentalpassagen steht, die oder der kann mit dem neuen Album von Derek Sherinian sowieso nichts falsch machen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Phoenix, Dragonfly, Pesadelo




Freitag, 18. September 2020

Kitty Solaris – Sunglasses




Kitty Solaris – Sunglasses


Label: Solaris Empire


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Electronic Rock, Electro-Pop


Trackliste:

1. Supermoon (2:53)
2. Easy (3:49)
3. Cold Blood (3:55)
4. Giulia (3:42)
5. Sunglasses At Night (3:48)
6. Dirt (4:04)
7. Money Back (2:49)
8. Night Trip (3:31)
9. Everything (4:20)

Gesamtspieldauer: 32:51




Kitty Solaris lebt in Berlin, heißt eigentlich Kirsten Hahn, legt mit „Sunglasses“ ihr bereits siebtes Studioalbum vor und klingt absolut losgelöst von irgendwelchen länderspezifischen Merkmalen. Denn „Sunglasses“ klingt einfach gut und man hört darauf elektronische Klänge, eingängig und zumeist groovend, die so wunderschön an die 80er Jahre erinnern, sodass jede und jeder der in dieser Zeit groß wurde unweigerlich Vergleiche zur Musik dieses Jahrzehnts anstellt.

Das liegt jedoch nicht nur am „Namensgeber“ des Albums, der Cover-Version von Corey Harts „Sunglasses At Night“. Das Lied klingt im Original rockiger, auch wenn es ebenfalls in den 80ern, genauer gesagt im Jahr 1983 entstand. Diese E-Gitarre hinterlässt einfach Spuren. Von diesem Eindruck „befreit“ Kitty Solaris das Lied, macht es zu einer reinen Electro-Pop-Nummer, die ebenfalls im Ohr zündet.

Doch es sind eben auch die anderen Nummern auf „Sunglasses“, die Hörerin und Hörer durchaus mit den 80ern in Verbindung bringen. Mal glaubt man Ultravox im Hintergrund beim Klang des Synthesizers auszumachen, ein anderes Mal, wenn der Beat zum Mitwippen animiert, klingt Anne Clark durch ohne, dass man sie wirklich hört.

Und genau dies ist das Schöne und durchaus auch Besondere an „Sunglasses“ von Kitty Solaris. Man hört die Musik der 80er, man hört Reminiszenzen, doch es bleibt die eigenständige Musik der Berliner Musikerin, die neu und frisch und unverbraucht klingt. Die Lieder gehen ins Ohr, grooven und animieren zum sanften Mitwippen. Oftmals sind es dabei fast schon hypnotisierende Sequenzen, die einzelne Tracks geradezu dazu prädestinieren, im Club Tanzflächen zu füllen.

Fazit: Eingängig, in eine andere Zeit zurückversetzend, cool und tanzbar. Das ist „Sunglasses“ von Kitty Solaris. Das Zuhören macht Spaß, was gerade in der jetzigen Zeit durchaus von Vorteil ist. Wer melodiöse und tanzbare elektronische Musik mag, sollte hier definitiv mal ein Ohr riskieren. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Night Trip



Donnerstag, 17. September 2020

Seals & Crofts – I’ll Play For You




Seals & Crofts – I’ll Play For You


Besetzung:

Jim Seals – vocals, guitar, banjo
Dash Crofts – vocals, acoustic and electric mandolins, mandola


Gastmusiker:

Louie Shelton – guitar, banjo
Ovid Stevens – slide guitar
Jack Lenz – keyboards, flute
David Paich – keyboards
Wilton Felder – bass
Mike Porcaro – bass
Ed Greene – drums
Jim Varley – drums
Jeff Porcaro – drums
Antoine Dearborn – percussion
Gene Capriano – reeds
Bob Crosby – reeds
Jim Horn – reeds
Steve Leeds – reeds
Henry Sigismonti – reeds
Larry Ford – trumpet
Paul Hubinon – trumpet
Ron King – trumpet
Bobby Shew – trumpet
Dick Hyde – trombone
John Leys – trombone
Lew McCreary – trombone


Label: Warner Bros. Records


Erscheinungsjahr: 1975


Stil: Pop, Folk


Trackliste:

1. I‘ll Play For You (4:05)
2. Golden Rainbow (4:31)
3. Castles In The Sand (4:08)
4. Blue Bonnet Nation (3:51)
5. Ugly City (3:52)
6. Wayland The Rabbit (6:03)
7. Freaks Fret (3:00)
8. Truth Is But A Woman (3:05)
9. Fire And Vengeance (4:31)

Gesamtspieldauer: 36:49




„I‘ll Play For You“ heißt das siebte Studioalbum des US-amerikanischen Pop-Folk Duos Seals & Crofts. Das Album wurde im März 1975 auf dem Plattenlabel Warner Bros. Records veröffentlicht und erreichte im Sommer desselben Jahres immerhin noch Platz 18 der U.S. Billboard Hot 100. Die ausgekoppelte Single „Castles In The Sand“ kletterte in den US-amerikanischen Charts bis auf Platz 21.

Auf „I‘ll Play For You“ hört man poppige Musik, die mitunter auch mal folkig angehaucht klingt und dabei zudem manches Mal die Grenzen des Countrys streift. Gut ins Ohr geht da wenig, manches klingt sogar eher langweilig. Solch Titel wie „Golden Rainbow“, „Freaks Fret“ oder „Truth Is But A Woman“ strapazieren schon sehr stark die eigene musikalische Toleranzgrenze. Mal klingt das soulig, dann wieder hört man seltsam geartete Calypso-Klänge, schließlich doch noch überaus schleimigen Country. Und dies gilt bezüglich der Musik und der Texte. Spaß macht das Zuhören hier definitiv nicht mehr. Diese krude Mischung musikalischer Genres verlangt viel von der Hörerin beziehungsweise dem Hörer ab.

Im Grunde genommen gibt es auf „I‘ll Play For You“ nur drei einigermaßen hörbare Nummern. Da ist zum einen das Titellied selbst und gleichzeitig das erste Stück der Platte. Ein poppig-folkiger Titel, bei dem eine Klarinette schließlich für Stimmung sorgt. Auch die etwas rockigere Single-Auskopplung „Castles In The Sand“ ist hörenswert. Und dann gibt es da noch das sehr orchestral beginnende und schließlich mit akustischen Gitarrenklänge weitergeführte „Wayland The Rabbit“. Ein sehr getragenes Lied mit einer schönen Melodie, welche schließlich auch von Streichern getragen wird. Der Höhepunkt der Platte.

Fazit: Einen guten und zwei akzeptable Titel hat „I‘ll Play For You“ noch zu bieten. Recht wenig für ursprünglich zwei LP-Seiten. Auf dem Album werden sehr viele musikalische Genres bedient, richtig einstellen kann man sich auf die Musk von Seals & Crofts leider nicht mehr. Vieles läuft an einem vorbei und noch schlimmer, bei manchem Titel ist man dankbar, wenn er endlich verklungen ist. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Wayland The Rabbit



Dienstag, 15. September 2020

Rush – Counterparts




Rush – Counterparts


Besetzung:

Geddy Lee – bass, vocals, synthesizer
Neil Peart – drums, cymbals, electronic percussion
Alex Lifeson – electric and acoustic guitars


Gastmusiker:

John Webster – additional keyboards
Michael Kamen – orchestration and conducting on "Nobody's Hero"


Label: Atlantic Records


Erscheinungsjahr: 1993


Stil: Rock


Trackliste:

1. Animate (6:03)
2. Stick It Out (4:30)
3. Cut To The Chase (4:48)
4. Nobody‘s Hero (4:55)
5. Between Sun & Moon (4:37)
6. Alien Shore (5:47)
7. The Speed Of Love (5:02)
8. Double Agent (4:52)
9. Leave That Thing Alone (4:05)
10. Cold Fire (4:27)
11. Everyday Glory (5:11)

Gesamtspieldauer: 54:23




„Counterparts“ heißt das fünfzehnte Studioalbum der kanadischen Rock Band Rush und wurde am 19. Oktober 1993 in Kanada auf dem Plattenlabel Anthem Records und ansonsten weltweit auf dem Label Atlantic Records veröffentlicht. „Counterparts“ erreichte Platz 2 der Charts in den USA und kletterte in Kanada bis auf Platz 6. „Stick It Out“ war die erste Single-Auskopplung des Albums und hielt sich vier Wochen lang auf Platz 1 der Billboard Album Rock Tracks Charts. Als weitere Singles wurden die Lieder „Cold Fire”, „Nobody‘s Hero“, „Animate“ sowie „Double Agent“ veröffentlicht.

Wie schon auf dem Vorgängeralbum „Roll The Bones“, so hört man auch auf „Counterparts“ sehr auf den Mainstream angelegten Rock, der schnell ins Ohr gehen soll. Dies schafft diese Musik auch, anstrengend und nervig wirkt und klingt das nichts, allerdings doch eher langweilig und zum Teil auch absolut belanglos. Bestens Beispiel dafür ist das bereits erwähnte „Stick It Out“, welches sich vier Wochen auf Platz 1 der Album Rock Tracks Charts hielt. Geschrieben für das junge Rock Publikum in den USA, getrimmt auf einfachen Konsum.

Doch auch hier ist es so, wo Schatten ist, da muss es auch irgendwo Licht geben – glücklicherweise. „Nobody‘s Hero“ ist eine klasse Nummer, die nicht nur schnell ins Ohr geht, sondern auch nicht mehr so leicht verfliegt. Das Lied beginnt wie eine Folk Nummer, mit akustischer Gitarre und Gesang und steigert sich, wird rockiger und schließlich kommt sogar ein ganzes Orchester zum Einsatz. Sehr gelungen. Und dann wäre da noch „Leave That Thing Alone“. Eine groovige Nummer, die zum schnellen Mitwippen animiert. Das Lied ist ein abwechslungsreiches Instrumentalstück, bei dem auch der Rhythmusfraktion um Schlagzeug und Bass eine besondere und sehr gelungenen Rolle zukommt.

Fazit: „Counterparts“ ist eine leicht eingängige Scheibe geworden, auf der man sich nicht viel erschließen muss. An manchen Stellen klingt das leider langweilig bis belanglos, an anderer Stelle hört sich das Ganze sehr viel besser gelungen und auch spannender an. Von daher sicher kein schlechtes Album, wenn auch die nicht so gelungenen Lieder überwiegen. Rush-Fans werden „Counterparts“ sicherlich lieben, wie die Verkaufszahlen beweisen. Aber Verkaufszahlen waren ja noch nie ein Gütesiegel für musikalische Qualität. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Nobody‘s Hero, Leave That Thing Alone



Sonntag, 13. September 2020

Ufo – Lights Out




Ufo – Lights Out


Besetzung:

Phil Mogg – vocals
Michael Schenker – lead guitar
Paul Raymond – rhythm guitar, keyboards
Pete Way – bass
Andy Parker – drums


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsjahr: 1977


Stil: Rock


Trackliste:

1. Too Hot To Handle (3:37)
2. Just Another Suicide (4:58)
3. Try Me (4:49)
4. Lights Out (4:35)
5. Gettin’ Ready (3:46)
6. Alone Again Or (3:00)
7. Electric Phase (4:50)
8. Love To Love (7:16)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2008: Live At The Roundhouse, London, 1977

9. Lights Out (5:14)
10. Gettin‘ Ready (4:03)
11. Love To Love (7:15)
12. Try Me (4:53)

Gesamtspieldauer: 58:24




„Lights Out“ heißt das sechste Studioalbum der britischen Rockband Ufo. „Lights Out“ wurde am 7. Mai 1977 auf dem Plattenlabel Chrysalis Records veröffentlicht. Mit dem Titel „Alone Again Or“ befindet sich dieses Mal sogar eine Cover-Version auf einem Ufo-Album. Das Lied stammt ursprünglich von der Band Love. „Lights Out“ erreichte Platz 23 der US Billboard Hot 100 und ist damit jenes Album von Ufo, welches sich am höchsten in den dortigen Charts platzieren konnte.

Überraschenderweise reihte das Musik-Magazin Kerrang! „Lights Out“ auf Platz 28 der „100 größten Heavy-Metal-Alben aller Zeiten“ ein. Das wirft einige Fragen auf. Zum Beispiel, wie man zu dieser Beurteilung kommen kann. Es bedeutet nicht, dass „Lights Out“ ein schlechtes Album wäre, jedoch befindet sich kein Heavy Metal auf der Platte. Ob die dortige Jury die Scheibe überhaupt gehört hat? Mit dem Opener „Too Hot To Handle“ findet sich ein eher biederes Hard Rock Lied am Anfang der Platte. Das Titellied ist dann noch ein wenig „härter“ gehalten und klingt auch sehr viel eingängiger. Toller Titel. Aber das wäre es dann schon mit den Liedern, die härteren Rock transportieren.

Die restlichen Nummern sind entweder rockige Titel oder rockige Balladen. Das bereits erwähnte „Alone Again Or“ ist sogar fast schon im Pop zu verorten und zeigt ein weiteres Markenzeichen der Musik von Ufo auf „Lights Out“, nämlich den Einsatz von Orchester und vor allen Dingen Streichern. Auch da bewegt sich die Musik von Ufo in Bereichen, die meilenweit vom Heavy Metal entfernt sind.

Die Höhepunkte auf „Lights Out“ sind jenes bereits erwähnte Titellied. Dann ist an dieser Stelle ganz sicher das wunderschön gefühlvolle „Try Me“ zu erwähnen. Ein Lied, welches sofort ins Ohr geht und das Herz erwärmt. Und schließlich befindet sich auf „Lights Out“ natürlich noch einer der besten Titel der Band überhaupt, die ursprünglich letzte Nummer des Albums, das Lied „Love To Love“. Die Musik steigert sich zunächst instrumental und elektronisch, geht schließlich in einen sehnsüchtigen Gesangsteil über, der durch zahlreiche Streicher getragen wird, ohne dabei in den Bereich des Kitsches abzudriften. Es folgt wieder jener schon beschriebene Instrumentalteil, dieses Mal allerdings verstärkt durch die E-Gitarre des Michael Schenker. Erneut mündet das Ganze in den Gesangsteil, um letztendlich sehr rockig auszuklingen.

Schließlich enthält die Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2008 noch vier live eingespielte Lieder, welche bei einem Konzert im Roundhouse, London, eingespielt worden waren. Die einzelnen Stücke klingen hier sogar noch ein wenig dynamischer, allerdings lässt die Abmischung und die Aufnahmequalität ein paar Wünsche offen. Doch egal, trotzdem eine lohnende Zugabe.

Fazit: Auch „Lights Out“ macht Spaß. Ufo haben zu Beginn ihrer Karriere viele Alben veröffentlicht, die überzeugen können. Dazu gehört auch „Lights Out“. Gleichzeitig ist diese Scheibe auch eine der abwechslungsreichsten der Band. Ein ganz kleines bisschen Pop, Rock, und Hard Rock. Das Ganze auch mal mit Streichern oder Bläsern versehen. Langweilig klingt anders. Heavy Metal aber auch. Elf Punkte.

Anspieltipps: Try Me, Lights Out, Love To Love



Freitag, 11. September 2020

Neal Morse – Sola Gratia




Neal Morse – Sola Gratia


Besetzung:

Neal Morse – vocals, guitar & keyboards


Gastmusiker:

Mike Portney – drums
Randy George – bass
Gideon Klein – strings
Eric Gillette – guitars
Bill Hubauer – keyboards


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progressive Rock, Rock


Trackliste:

1. Preface (1:26)
2. Overture (5:59)
3. In The Name Of The Lord (4:27)
4. Ballyhoo (The Chosen Ones) (2:43)
5. March Of The Pharisees (1:40)
6. Building A Wall (5:01)
7. Sola Intermezzo (2:10)
8. Overflow (6:27)
9. Warmer Than The Sunshine (3:22)
10. Never Change (7:52)
11. Seemingly Sincere (9:34)
12. The Light On The Road To Damascus (3:26)
13. The Glory Of The Lord (6:17)
14. Now I Can See / The Great Commission (5:17)

Gesamtspieldauer: 1:05:47




Angeblich wurde Neal Morse seiner Aussage nach schon mehrmals gefragt, ob er nicht mal ein progressives Rock-Konzeptalbum über den Apostel Paulus machen möchte. Als er nun im Januar dieses Jahres auf einer Kreuzfahrt nach Australien und Neuseeland war, wachte er morgens mit einigen Ideen dazu auf. Am Keyboard bereitete er diese Ideen auf und nach seiner Rückkehr setzte er diese Ideen und Ansätze in die endgültigen Fassungen um.

Das Album läuft nicht unter der „Überschrift“ Neal Morse Band, sondern ist ein Neal Morse Solo-Album geworden. Dies ist der Corona-Pandemie zuzuschreiben. Während bei einem Album der Neal Morse Band die restlichen Musiker ebenfalls Ideen kreieren oder die Ideen des Neal Morse umarrangieren, so war das dieses Mal im April 2020, also praktisch zum Höhepunkt des weltweiten Shut Downs, im Studio nicht möglich. So schickte Neal Morse seinen Mitmusikern die Basistracks, diese fanden das Material gut, hatten nichts zu „verbessern“ und spielten dazu nun lediglich ihre Parts ein. Somit ist „Sola Gratia“ als Solo-Album entstanden und auch so eingespielt worden.

Der Name des Albums „Sola Gratia“ wiederum beruht laut Aussage von Neal Morse auf einem Missverständnis. Seiner Frau sagte er, dass er das Material des Albums auf dem diesjährigen Morsefest in Nashville vorstellen wollte. Diese antwortete ihm, dass sie es gut fände, wenn er das Solo-Album veröffentlichen würde. Er verstand allerdings „Sola-Album“ und zog auch inhaltliche Parallelen zum 2007 erschienen Album „Sola Scriptura“, welches sich thematisch mit dem Leben des Martin Luther auseinandersetzte. Somit betitelte er dieses neue Album „Sola Gratia“, welches thematisch mit der Bekehrung vom Saulus zum Paulus endet. Damit fehlt nun allerdings ein großer Teil des Lebens des Paulus, wodurch ein „Volume 2“ der Geschichte um den ehemaligen Christenverfolger und anschließenden Missionar wohl naheliegt.

Musikalisch ist „Sola Gratia“ ein Rock-Album geworden, welches auch immer wieder in den Bereich des Progressive Rocks eintaucht. Dabei klingen die Lieder eingängig und melodiös. Da gibt es ziemlich geradlinige „Stampf“-Rocker wie das Lied „Building A Wall“, hymnisch bis sich fast schon ins Bombastische steigernde Nummern wie „Never Change“ oder dann doch noch vielschichtigere und abwechslungsreiche Titel wie „Seemingly Sincere“. Insgesamt klingt es auf „Sola Gratia“ niemals zu „hart“ und genauso wenig wird die Musik zu vertrackt oder gar frickelig. Das lässt sich alles gut und problemlos hören, schwankt dabei zwischen den Polen sanft und rockig, geradlinig und komplex, wobei es sich insgesamt sicherlich um keine „Nebenbei-Hören-Musik“ handelt, die Neal Morse hier seinen Hörerinnen und Hörern auftischt. Genau Hinhören lohnt da durchaus, besonders bei jenen Titeln, die sich im Bereich des Progs bewegen.

Das sehr schöne „Overture“ wäre als einer der Höhepunkte des Albums zu nennen, erinnert mich phasenweise sogar an Genesis in ihrer progressiven Phase. Dann wäre da natürlich das bereits erwähnte „Seemingly Sincere“ anzuführen, gleichzeitig das längste Lied auf „Sola Gratia“. Na, dann muss es sich dabei doch auch um Progressive Rock handeln, bei fast zehn Minuten Spieldauer. Stimmt in diesem Fall auch. Klasse ebenfalls das deutlich kürzere, jedoch ebenso im Prog beheimatete „Warmer Than The Sunshine“. Doch, es gibt einiges Lohnendes zu entdecken auf „Sola Gratia“.

Fazit: „Sola Gratia“ klingt für mich nach einem durchaus typischen Neal Morse Album, ganz egal, ob mit Band entstanden oder eben als Solo-Projekt angelegt. Neal Morse schreibt eingängige Musik, die mal mehr eher unkomplizierten Rock enthält, dann doch wieder sehr progressiv klingt. Melodiös klingt das immer, von sanft bis hart. Neal Morse Fans werden nicht enttäuscht werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Seemingly Sincere



Mittwoch, 9. September 2020

Maureen And The Mercury 5 – Gimme Mo!




Maureen And The Mercury 5 – Gimme Mo!



Menschen aus aller Welt zieht es nach Los Angeles. Hier trifft man auf Stars und Sternchen, hier fahren werdende Schauspieler und Filmschaffende Taxi und erzählen ihren Mitfahrern, dass sie bald ganz groß rauskommen. Los Angeles lädt zum Träumen ein. Der Blick ist nach vorne gerichtet, die Zukunft gehört denen, die an sich glauben.

Und doch, derzeit geht der Blick auch wieder zurück auf eine Zeit, in der die Welt noch heil und Amerika “great” war – zumindest in der Erinnerung. Die 1950er Jahre und mit ihr der Rockabilly erleben in LA eine Wiedergeburt, wie die Musikerin und Sängerin Maureen Davis erklärt. „Es bringt uns zusammen. Es ist ein Flashback auf die glücklicheren Zeiten unserer Großeltern. Die Mode ist klassisch, wir reden hier von den Chanel Modellen, diesen Pencil Skirts, Mode, die immer wieder aktuell wird.“

Die aus Ohio stammende Maureen Davis lebt seit vielen Jahren in Los Angeles. Sie legt nun mit ihrer Band Mercury Five passend zum Retro-Trend in LA ein neues Album vor. “Gimme Mo!” heißt es, was für Maureens Spitzname “Mo” und gleichzeitig für die Kurzfassung von “More” steht. Also, in etwa “gib mir mehr Maureen”. Auf dem Cover ist die attraktive Sängerin im Stil eines 50er Jahre Cartoons abgebildet. Es ist ein Album, auf dem Davis viele musikalische Brücken schlägt: „Ich bin eine Tänzerin, ich liebe das Tanzen, Swing und Jitterbug…. Rockabilly war für mich eine Möglichkeit meine Country und Rock’n Roll Wurzeln mit meinem Tanzen zu verbinden. Rockabilly ist nicht nur die Zusammenführung von Hillbilly und Rock’n Roll. Da ist auch Latin Rockabilly. Ich liebe meine Cha Chas und meine Mambos, also musste ich “Mambo Joe” und “Mr. Love Love” schreiben, einen Cha Cha. Und dann sind da meine Mistreiter Scotty Lund und Sylvain Carton. Wie sie es produziert haben hat das alles zusammen gebracht.“

“Gimme Mo” hat die Leichtigkeit und Entspanntheit eines südkalifornischen Strandnachmittags. Sonne, Meeresrauschen, Kofferradio und dazu ein Eis am Stiel. Auf diesem Album nimmt Maureen Davis einen mit auf eine klangvolle und “happy” Zeitreise. „LA ist wunderbarer Ort dafür. Die Mode, eine Frau mit einer Blume im Haar, Kerle mit den Tattoos. Wir sind hier sehr offen. Man muss nur nach Swing Dance in Los Angeles suchen, dann findet man das. Es gibt da einen ganzen Kalender voll, wo man was in Los Angeles finden kann.“

Maureen Davis ist auf einer Mission. Sie will ihre Mitmenschen für den Retro-Sound gewinnen. Derzeit tanzt sie sich wieder durch das Nachtleben der Megacity. In 101 aufeinander folgenden Tagen erlebt sie die Stadt und ihre Clubs, manchmal tanzt sie auch einfach draußen zum Sound eines Radios. Dazu spielt sie mit ihrer Band live, unterrichtet und schreibt an neuen Songs. Viele davon sind wie auf “Gimme Mo!” persönlich gehalten: „Wenn du dir die Lyrics anhörst, dann merkst du schnell, dass ich immer auf der Suche nach Liebe bin. Die EP “What’s it gonna take” war sogar ein Heiratsantrag an meinen damaligen Freund. Und er sagte nein….der Bastard. (lacht). Ich wollte den Leuten einen menschlichen Blick auf die Musik geben. Viele dieser Rockabilly und Swing Songs sind einfach nur happy, happy und ein bisschen trauriges Cliché. Ich wollte mich als ehrliche, erwachsene Frau durch die Musik ausdrücken, und ich hoffe, das ist mir gelungen.“

Montag, 7. September 2020

Various Artists – At The Louisiana Hayride Tonight




Various Artists – At The Louisiana Hayride Tonight



Bear Family Records, das Independent Plattenlabel aus Holste-Oldendorf, hat es mal wieder geschafft. Ich sitze da und grinse wie ein Honigkuchenpferd vor mich hin. Beschwingliche Musik klingt aus dem CD Player, mein rechter Fuß wippt im Takt mit. „At The Louisiana Hayride Tonight“ heißt diese 20 Cds umfassende Box, die nicht nur ein wunderbares Kapitel der amerikanischen Radiogeschichte dokumentiert, sondern auch fantastische Musik präsentiert.

Von 1948 bis in 1960er Jahre sendete KWKH aus Shreveport, Louisiana, eine wöchentliche Live-Radiosendung am Samstagabend. Es waren nicht die Topentertainer ihrer Zeit, wie sie die „Grand Old Opry“ in Nashville anzog. Der „Louisiana Hayride“ brachte vielmehr die kommenden Stars, darunter Johnny Cash, Hank Williams, The Stanley Brothers, Johnny Horton, Carl Perkins, Hank Snow, Jim Reeves, George Jones und nicht zu vergessen Elvis Presley und viele, viele mehr. Die Musik wurde als „Folk“ und „Hillbilly“ bezeichnet, das Genre „Country“ war noch nicht bekannt.

Die Aufnahmen auf diesen 20 Cds sind mitreißend, unterhaltsam, voller Energie. Sie stammen aus der Hochzeit des Live-Radios, als aus einem Auditorium in Shreveport die „United States of America“ via CBS beschallt wurden. Samstagabend für Samstagabend wurde der klassische amerikanische Sound vor einem Live-Publikum über den Äther geschickt. Moderationen, kleine Showeinlagen und Witze, kurze Interviews mit neuen Musikern (darunter auch Elvis Presley) beleben diese „Recordings“. Viele der Songs sind bekannt, manche werden wiederentdeckt, viele hört man zum ersten Mal.

Amerika präsentiert sich hier als heile Welt, Shreveport war damals eine boomende Metropole. Es ist auch eine weiße Welt. In dem umfangreichen Begleitbuch zur Geschichte des „Louisiana Hayride“ findet man kein schwarzes Gesicht. Nicht auf der Bühne und nicht im Publikum. Es waren andere Zeiten. Und doch klingt hier das weite Land Amerikas durch, der kulturelle „Melting Pot“, denn viele der musikalischen Einflüsse, gerade aus dem schwarzen Gospel und dem „Rhythm & Blues“, hielten Einzug in den Folk und Country und in die Musik von Elvis Presley.

Seit Stunden sitze ich nun hier und höre die Aufnahmen von „At The Louisiana Hayride Tonight“. Ich kann nicht sagen, welcher Song, welcher Künstler mir am besten gefällt. Es ist das Gesamtbild, was hier wirkt. Musiker wie Johnny Cash und Elvis Presley neben für mich ganz unbekannten Künstlern. Das Live, ungefiltert, ungeschönt. Der Sound manchmal dünn und doch ist es so ein breites, klangvolles Hörereignis. Geschichte trifft auf Kultur, Old Time Country auf die Fragen von heute. Und beim Abspielen all dieser Cds denke ich mir, wie schade es ist, dass es diese Art des Live-Radios nicht mehr gibt. Diese Offenheit und Direktheit ging schon lange verloren. Viel zu viel ist heute streng formatiert, kommt aus der Konserve, ist geglättet und begradigt und mit Effekten überzogen worden. Bear Family Records hat hier erneut eine wunderbare Box vorgelegt, die einfach nur begeistert. Die deutlich macht, wie schön das Zuhören sein kann.

Samstag, 5. September 2020

Airbag – A Day At The Beach




Airbag – A Day At The Beach


Besetzung:

Bjørn Riis – guitars
Asle Tostrup – vocals
Henrik Fossum – drums


Gastmusiker:

Kristian Hultgren – bass


Label: Karisma Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Machines And Men (10:48)
2. A Day At The Beach (Part 1) (3:54)
3. Into The Unknown (10:27)
4. Sunsets (8:16)
5. A Day At The Beach (Part 2) (5:33)
6. Megalomaniac (9:49)

Gesamtspieldauer:  48:50




Die norwegische Band Airbag startete ursprünglich 1994 als Coverband „The Pink Floyd Experience“. Im Jahr 2000 schließlich begannen die Musiker selbst Musik zu schreiben, nannten sich nun auch Airbag und veröffentlichten am 19. Juni 2020 mit dem Album „A Day At The Beach“  bereits ihr fünftes Studioalbum, welches wie die vorherigen Platten auf dem ebenfalls norwegischen Label Karisma Records veröffentlicht wurde.

Inzwischen haben sich Airbag durchaus etwas von ihren musikalischen Vorbildern gelöst. Zwar hört man auch auf „A Day At The Beach“ Passagen, die sehr an Pink Floyd bezüglich Stimmung und Klang erinnern, wie beim Titel „Into The Unknown“, doch dies zieht sich nicht durch das gesamte Album. Die Musik der Norweger klingt ansonsten atmosphärisch dicht und durchaus eigenständig.

Airbag machen jene Art der Musik, zu der man sich am Besten auf seinen Lieblingsplatz zurückzieht, es sich dort bequem macht und die Anlage aufdreht – oder im Falle von weniger musikinteressierten Mitbewohnern oder verständnislosen Ehepartnerinnen beziehungsweise ebensolchen Partnern auf stressvermeidende Kopfhörer zurückgreift. Auf jeden Fall ist das Musik, die lohnt intensiv gehört zu werden, keine welche auch nur ansatzweise nebenbei gehört ihre Wirkung entfalten kann. Die Lieder sind abwechslungsreich gestaltet, entwickeln sich und schaffen es ohne Ausnahme zu überzeugen. Tolle Melodien gibt es auf „A Day At The Beach“ zu entdecken, packende Instrumentalpassagen, rockige Abschnitte und sehr viel entspanntere Teile , die zum Träumen und ganz „darin Eintauchen“ einladen. Unterhaltsam ist das jederzeit, wenn man auch auf Musik steht, die nicht nach der Regel „Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Refrain“ funktioniert.

Ich finde kein schwächeres Lied auf „A Day At The Beach“, dafür jede Menge gelungene und einfach schöne, spannende Lieder und auch Höhepunkte. Meine beiden persönlichen Höhepunkte sind der Opener „Machines And Men“ sowie das letzte Lied des Albums „Megalomaniac“. Beides  eingängige und abwechslungsreiche Nummern, die auch sehr eigenständig nach der Musik von Airbag klingen. Lieder, die in ihrem Verlauf wachsen und sich steigern.

Fazit: Ein sehr gelungenes und abwechslungsreiches Album ist den Norwegern von Airbag mit „A Day At The Beach“ gelungen. Stilistisch irgendwo angesiedelt zwischen Art Rock und Progressive Rock geht die Musik dieses Albums ins Ohr, klingt abwechslungsreich und sehr melodiös. Sehr gelungen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Machines And Men, Megalomaniac



Freitag, 4. September 2020

Rikard Sjöblom's Gungfly – Alone Together




Rikard Sjöblom's Gungfly – Alone Together


Besetzung:

Rikard Sjöblom – vocals, guitars, keyboards


Gastmusiker:

Petter Diamant – drums
Rasmus Diamant – bass


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Traveler (13:03)
2. Happy Somewhere In Between (6:15)
3. Clean As A Whistle (6:18)
4. Alone Together (9:32)
5. From Afar (2:44)
6. On The Shoulders Of Giants (14:45)

Gesamtspieldauer: 52:40




Der schwedische Multi-Instrumentalist Rikard Sjöblom ist ein vielbeschäftigter Mann. Bei der progressiven Rockband Beardfish war er von Beginn bis zu deren Auflösung im Jahr 2016 festes Mitglied. Ein kleines Seitenprojekt betrieb er mit Bootcut, welches mal rockig, dann wieder jazzig und funkig klang. Seit dem 2016er Album “Folklore” ist er festes Mitglied bei der ebenfalls eher progressiven Rockband Big Big Train, die 2019 mit „Grand Tour” ihr bisher letztes Album veröffentlichten. Und schließlich gibt da noch Gungfly, eine Band, ebenfalls beheimatet im progressiven Rock, mit denen der schwedische Musiker bisher vier Alben unter eben jener Überschrift „Gungfly“ veröffentlicht hat. Um die Verwirrung aber noch zu steigern, gibt es nun mit „Alone Together“ bereits das dritte Album unter dem Bandnamen „Rikard Sjöblom's Gungfly“, nach zwei Veröffentlichungen im Jahr 2006 und im Jahr 2016.

„Alone Together“ von eben jenem Rikard Sjöblom's Gungfly läuft damit laut Angabe der Plattenfirma eher unter dem Vorzeichen „Soloprojekt” und wurde am 4. September 2020 auf InsideOut Music veröffentlicht, nachdem die letzten beiden Gungfly Alben 2017 und 2018 erschienen waren. Die Lieder für das neue Album hatte Rikard Sjöblom bereits vor einem Jahr geschrieben, war dann allerdings  mit Big Big Train auf Tournee und auch auf der Flower Kings Tournee im Dezember spielte er das Eröffnungssolo, sodass die Lieder zu „Alone Together“ nun erst eingespielt werden konnten. Dazu reaktivierte Rikard Sjöblom die beiden Brüder Petter und Rasmus Diamant an Schlagzeug und Bass, die früher bereits Teil der Band Gungfly waren.

Nun aber zur Musik. „Alone Together“ ist als Progressive Rock Platte angelegt und geplant, die eine bestimmte Richtung zu bedienen versucht. Im Interview sagt Rikard Sjöblom: „Ich wollte die Produktion nicht mit Schichten über Schichten von Keyboards und Glöckchen und Pfeifen ersticken, sondern versuchte stattdessen, den Prog-Rock mit dem Schwerpunkt „Rock“ beizubehalten.“ Nun, „Alone Together“ ist ein rockiges Album geworden, welches auch sehr im Progressive Rock verwurzelt ist. Dabei klingt die Musik aber weder zu „vertrackt“ und kompliziert, jedoch auch nicht besonders hart. Über allem steht bei Rikard Sjöblom's Gungfly die eingängige Melodie. Und dass er beim Titellied sogar mal versucht zu growlen – ganz kurz nur – sei ihm verziehen. Die einzelnen Lieder gehen allesamt gut ins Ohr, streicheln und umspielen dieses größtenteils eher, als es mit zu harten Tönen oder seltsamen Geschrei zu strapazieren.

Die Musik auf „Alone Together“ klingt abwechslungsreich und spannend, niemals langweilig. Die Melodien nehmen unerwartete Richtungen auf und immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken. Gitarre, Keyboard, Bass und Schlagzeug sind perfekt aufeinander abgestimmt und bilden ein stimmiges und überzeugendes Ganzes, welchem man gerne lauscht. NeoProg der überzeugenden Art.

Inhaltlich beschäftigt sich „Alone Together“ mit Beziehungen. Dabei spielen jene von Nutzern der sozialen Medien eine Rolle, ein anderes Mal – genauer gesagt im Titeltrack – geht es um ein Elternteil, dessen Kind in der Psychiatrie liegt, weil es den Kontakt zur Realität verloren hat. Und schließlich wird auch Rikard Sjöbloms Verhältnis zum Progressive Rock selbst thematisiert“. Sehr passend hierbei der Liedtitel „On The Shoulders Of Giants“, der auf all die Größen des Progressive Rocks abzielt. Auch diese Nummer nimmt viele Wendungen, eröffnet immer wieder neue Türen, durch die musikalisch geschritten wird. Mir gefällt das.

Fazit: Rikard Sjöblom ist sehr beschäftigt. Solange er dabei solch schöne Alben fertigstellt, kann man nur hoffen, dass er dies noch lange und mit gleicher Frequenz weiter betreibt. „Alone Together“ ist angefüllt mit spannendem und eingängigem Progressive Rock moderner Ausprägung, angekommen im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Elf Punkte.

Anspieltipps: Traveler, From Afar, On The Shoulders Of Giants



Donnerstag, 3. September 2020

Lustmord – Dark Matter




Lustmord – Dark Matter



Lustmord heißt das Projekt des walisischen Musikers Brian Williams. Nun läuft hier seine jüngste CD „Dark Matter“ und ich überlege, wie ich das beschreiben kann, was ich da höre. Williams ist ein Musiker, der sich im Industrial und Ambient Bereich bewegt. Das heißt, er arbeitet mit weiten, düsteren Klangflächen, dazwischen Töne und Einspielungen, Sounds, die man aus dem alltäglichen Leben kennt oder zu kennen glaubt.

Für „Dark Matter“ hat Williams durch eine kosmische Audio-Bibliothek gegraben, die zwischen 1993 und 2003 entstanden ist, darunter auch Töne aus den NASA Forschungscentren (Cape Canaveral, Ames, The Jet Propulsion Laboratory und Arecibo), The Very Large Array, The National Radio Astronomy Observatory. Rhythmus, Melodie, Texte gibt es bei Lustmord nicht. Vielmehr sind es alptraumhafte Tonspuren, ein statisches Rauschen, Metall auf Metall, eine klangliche Schwere, die den Hörer nach unten zieht. Es ist der Soundtrack der eigenen Ängste, die Bilder dazu liefert man selbst.

Auf „Dark Matter“ taucht man ein in teils abgrundtiefe Soundlandschaften, die einen – die mich – erfassen, beeindrucken, bewegen. Aufgenommen wurde das Album im Dezember 2015 in den Los Angeles Studios des Touch Labels, bekannt für seine eher „anderen“ Veröffentlichungen. Hier entstehen keine Hits, keine Mitschunkelsongs, kein neuer Superstar wird geboren. Drei Songs sind auf der CD zu finden (Subspace, Astronomicon, Black Static), Gesamtlänge 70 Minuten und 42 Sekunden. Hier werden die Grenzen der Musik ausgelotet. Und das nicht behutsam, sondern mit einer unglaublichen Gewalt. Für mich ist es ein Sog, der da aus den Boxen tönt, einen mitreißt, taumeln lässt. Musik zum Hinhören, nichts für nebenbei. Erst dann erfasst man die ganze Tiefe dieses unglaublich beeindruckenden und sehr persönlichen Albums.

Dienstag, 1. September 2020

Eisbrecher – Schock Live




Eisbrecher – Schock Live



Eisbrecher haben sich nach dem Ausstieg von Sänger Alex Wesselsky und Gitarrist Noel Pix von Megaherz etwas eigenes und neues geschaffen. Kein Blick geht zurück, es wird nur nach vorne geblickt, und das aus gutem Grund. Mitreißend ihr Stil und ihr Spiel. Das zeigen sie nur zu gerne in diesem Circus Krone Konzert. Es ist eine kraftvolle Mischung aus den bisher sechs Studioalben der Band.

Die Münchner Combo wird angetrieben vom nimmermüden Sänger Alex Wesselsky, der hier auf der Bühne in seinem Element ist. Ein geborener Frontmann. Eisbrecher, und da bquatsche ich sie seit Jahren, haben durchaus eine Chance in den USA.

Eisbrecher sind bereits im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in den Plattenregalen erhältlich. Metropolis Records hat sie unter Vertrag. Es wäre einen Versuch wert, auch jenseits des Atlantiks den Eisbrecher auf Fahrt zu bringen. Das Konzert im Circus Krone belegt das nur noch einmal erneut.

Montag, 31. August 2020

Motorpsycho – The All Is One




Motorpsycho – The All Is One


Besetzung:

Hans Magnus Ryan – guitars, vocals, piano
Tomas Järmyr – drums, percussion, vocals, mellotron
Bent Sæther – bass, vocals, guitars, mellotron


Gastmusiker:

Reine Fiske – guitars, mellotron
Lars Horntveth – guitars, clarinette, saxophone
Ola Kvernberg – violin


Label: Stickman Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progressive Rock, ProgMetal, Alternative Rock


Trackliste:

1. The All Is One (8:50)
2. The Same Old Rock (One Must Imagine Sisyphus Happy) (5:70)
3. The Magpie (5:36)
4. Delusion (The Reign Of Humbug) (2:44)
5. N.O.X. I: Circles Around The Sun Part 1 (9:10)
6. N.O.X. II: Ouroboros (8:22)
7. N.O.X. III: Ascension (3:37)
8. N.O.X. IV: Night Of Pan (15:32)
9. N.O.X. V: Circles Around The Sun Part 2 (5:54)
10. A Little Light (2:18)
11. Dreams Of Fancy (9:36)
12. The Dowser (2:45)
13. Like Chrome (5:04)

Gesamtspieldauer: 85:38



Und auch im Jahr 2020 veröffentlichen die fleißigen Norweger von Motorpsycho wieder ein neues Studioalbum. Lässt man Mini-LPs und Kompilationen weg, müsste es sich bei „The All Is One“ tatsächlich bereits um das 23. Studioalbum der Band handeln, welches am 28. August auf dem Plattenlabel Stickman Records veröffentlicht wurde. Das Album stellt den dritten Teil der sogenannten „Gullvåg-Trilogie“ dar. Håkon Gullvåg ist jener Künstler, durch dessen Bilder die Band Inspiration für ihre Musik erhält und dessen Werke auch die drei Cover der Alben „The Tower“, „The Crucible“ und eben diesem „The All Is One“ zieren. 

Auf „The All Is One“ befindet sich mit fast 86 Minuten Spielzeit mehr als doppelt so viel Musik, wie noch auf dem Vorgängeralbum „The Crucible“. Nicht nur deswegen  erinnert dieses neue Album sehr viel eher an die 2017er Veröffentlichung „The Tower“ als an „The Crucible“. Auch die Musik scheint sich immer wieder auf dieses Album zu beziehen. Besonders deutlich wird dies beim Titel „N.O.X.“, der mit seinen insgesamt fünf Teilen auf eine Spieldauer von fast 43 Minuten kommt. Immer wieder glaubt man beim Hören an „The Tower“ und dabei besonders an das Lied „Ship Of Fools“ erinnert zu werden.

Motorpsycho stehen für mich für durchaus besondere Musik. Wenn es ein „Markenzeichen“ für die Musik der Norweger gibt, dann sind es Lieder, die sich langsam entwickeln und steigern. Dabei wirken diese Stücke zum Teil fast schon hypnotisierend, da ein Thema redundant wiederholt und in diesen Zyklen nur leicht variiert wird. Zeit scheint dabei keine Rolle zu spielen, denn Motorpsycho geben den Titeln genau diese sich zu entwickeln und mittels vieler Wiederholungen ihre ganz eigene, fesselnde Wirkung zu entfalten. All dies bekommt man auf „N.O.X.“ in Perfektion serviert – zusammen allerdings auch mit eher sphärischen Abschnitten, die Platz zum Luftholen lassen. So klingt Progressive Rock zu Beginn des dritten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert.

Und die restlichen acht Lieder, von denen sich vier vor und vier nach diesem zentralen Stück auf „The All Is One“ befinden? Diese Nummern decken viele Genres des Rock ab, streifen sogar mal den Folk, bewegen sich im Alternative Rock und münden zum Teil ebenso wieder im Progressive Rock. Die Musik klingt jetzt zumeist entspannter, immer wieder sehr eingängig und oftmals konventioneller, wenn sich Motorpsycho nämlich im Alternative Rock bewegen. Spannend und gelungen klingt dies ebenso, vielleicht nicht ganz so intensiv wie in den fünf „N.O.X.“-Abschnitten, hörenswert allerdings allemal.

Fazit: Wer Motorpsycho für ihre ausufernden und sich entwickelnden Lieder liebt, die oder der werden auf „The All Is One“ definitiv fündig werden. Hypnotisierend und progressiv lädt auf dem Album vor allen Dingen das zentrale Stück „N.O.X.“ dazu ein, ganz tief in diese Musik einzutauchen und sich fallen zu lassen. Da sich auch die  restlichen Lieder lohnen gehört zu werden, ist „The All Is One“ eine klare Empfehlung für alle Motorpsycho-Fans und all jene, die gerne mal abseits der Charts Musik hören und den Rock lieben. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: N.O.X. II: Ouroboros, N.O.X. IV: Night Of Pan



Samstag, 29. August 2020

Fiddler’s Green – 25 Blarney Roses - Live In Cologne




Fiddler’s Green – 25 Blarney Roses - Live In Cologne



Fiddler’s Green aus Erlangen sind eine der besten Live-Bands in Deutschland. Ihre Konzerte sind schweißtreibende Partys für Musiker und Publikum gleichermaßen. Mit ihrem Irish-Speed-Folk haben sie sich eine treue Fangemeinde in allen Teilen der Republik erspielt.

Gab es früher für die Band noch weiße Flecke auf der Landkarte, ist das nach 25. Jahren Bandgeschichte längst Vergangenheit. Egal, wo die Jungs aus Erlangen auftreten, es wird gefeiert. Ihr Kölner E-Werk Konzert wirkt wie ein Heimspiel im Erlanger E-Werk. Interessant bei den Fiddler‘s ist, dass sie es schaffen, immer wieder neue, junge Fans zu gewinnen.

Wenn man sich die Bilder aus vergangenen Tagen ansieht, dann scheint es, dass ihr Publikum nicht altert. Das spricht für die Band, die diese spezielle musikalische Sprache gefunden hat, die Generationen verbindet und begeistert.

Freitag, 28. August 2020

Pain Of Salvation – Panther




Pain Of Salvation – Panther


Besetzung:

Daniel Gildenlöw – lead vocals and lots of stuff
Johan Hallgren – guitar and vocals
Léo Margarit – drums and vocals
Daniel Karlsson – keyboards, guitars and vocals
Gustaf Hielm – bass and vocals


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: ProgMetal


Trackliste:

1. Accelerator (5:31)
2. Unfuture (6:46)
3. Restless Boy (3:34)
4. Wait (7:04)
5. Keen To A Fault (6:01)
6. Fur (1:34)
7. Panther (4:11)
8. Species (5:18)
9. Icon (13:30)

Gesamtspieldauer: 53:32




„Panther“ heißt das elfte Studioalbum der schwedischen Band Pain Of Salvation, welches am 28. August 2020 auf dem Plattenlabel InsideOut Music erscheint. Nach den musikalischen Ausflügen Anfang der 10er Jahre hin zum Blues angehauchten Rock, dann weiter Mitte des Jahrzehnts zum Folk, kehrte die Band um Daniel Gildenlöw mit dem 2017er Album „In The Passing Light Of Day“ schließlich wieder zum ProgMetal zurück. Und diese Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln von Pain Of Salvation kann man auch auf „Panther“ hören.

Band-intern gab es im Vergleich zum Vorgängeralbum allerdings eine Veränderung. Gitarrist Ragnar Zolberg hat die Band wieder verlassen, der an den letzten beiden Alben mitgewirkt hatte. Dafür ist nun erneut Johan Hallgren an der Gitarre und mit seinem Hintergrundgesang zu hören, der seit dem zweiten Album bis zur 2011er Veröffentlichung „Road Salt Two“ bereits Teil der Band war.

„Panther“ ist ein Konzeptalbum, welches sich inhaltlich mit den Konflikten und Widersprüchen zwischen sogenannten „normalen“ Menschen und jenen, die ganz anders ticken, auseinandersetzt. Daniel Gildenlöw vergleicht den Inhalt des Albums dabei mit einem Film. Die Lieder wären dabei Szenen aus einer Stadt. Einer Stadt, die von Hunden und Panthern bevölkert ist. Dabei entsprechen die Hunde diesen „normalen“ Menschen, die Panther jenen, die eben anders sind.

Musikalisch gesehen ist „Panther“ ein Album, welches mit dem ersten Mal des Hörens bereits sehr gut ins Ohr geht. Einige Passagen erschließen sich einem zwar erst mit dem wiederholten Anhören, doch insgesamt ist „Panther“ ein sehr eingängiges und melodiöses Album geworden. ProgMetal hört man auf „Panther“ in nie sehr „harter“ Ausprägung. Immer wieder wechseln sich härtere und rockige Passagen mit sanften Pianoläufen oder von der akustischen Gitarre dominierten Abschnitten ab. Mal klingt es sphärischer, mal sehr geradlinig, fast schon allzu konventionell. Die Tempi variieren laufend, die Rhythmen generieren sich plötzlich krumm, dann wieder gerade, schnell, unkompliziert und schnurstracks nach vorne preschend. Für Abwechslung ist dabei jede Menge gesorgt, denn immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken beziehungsweise zu erhören.

Ich höre auf „Panther“ jede Menge Höhepunkte. Da ist jenes „Wait“, ausgestattet mit einer wunderschönen Melodie, welche immer wieder aufgriffen, leicht variiert und  gesteigert wird. Das nachfolgende „Keen To A Fault“ startet sehr elektronisch, enthält Abschnitte, in denen neben dem Gesang die akustische Gitarre im Vordergrund steht und schließlich Passagen, die wunderbar rocken. Beim Titellied hört man  Daniel Gildenlöw sogar rappen und auch das passt gut in das Gesamtbild auf „Panther“, auf dem die Abwechslung groß geschrieben wird. Das längste Stück des Albums, der letzte Titel „Icon“, ist schließlich erneut eine sehr kurzweilige Reise, die mit den Atmosphären und Stimmungen spielt, mal laut losdonnert, dann sanft das Ohr umspielt. Ein würdiger Abschluss für dieses Album.

Fazit: „Panther“ ist spannende Abwechslung, die gut ins Ohr geht. Viele musikalische Eindrücke werden auf dem Album bedient, welches nie langweilig oder konstruiert klingt. Wer auf variantenreichen und melodiösen ProgMetal steht, die oder der dürfte mit „Panther“ etwas für sich finden. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Wait, Keen To A Fault, Panther, Icon



Donnerstag, 27. August 2020

Tim Bowness – Late Night Laments




Tim Bowness – Late Night Laments


Besetzung:

Tim Bowness – vocals, backing vocals, synthesizer 2, 9, samples 2, 9, ukuleles 4, effects 2, 6


Gastmusiker:

Brian Hulse – synthesizers, keyboards, guitars, programmed drums, backing vocals 4
Tom Atherton – vibraphone 1, 4, 5, 6, 9
Richard Barbieri – synthersizers and synthesizer solos 3, 7
Evan Carson – drums and percussion 1, 4
Colin Edwin – double bass 4, 5, 9
Alistair Murphy – dianatron 5
Kavus Torabi – glissando guitar and guitar solo 2, backing vocals 4
Melanie Woods – backing vocals 1, 2, 4


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Northern Rain (4:49)
2. I’m Better Now (3:51)
3. Darkline (3:57)
4. We Caught The Light (3:56)
5. The Hitman Who Missed (3:23)
6. Never A Place (4:41)
7. The Last Getaway (4:55)
8. Hidden Life (5:05)
9. One Last Call (4:14)

Gesamtspieldauer: 38:55




„Late Night Laments“ heißt das bereits sechste Solo-Studioalbum des englischen Musikers Tim Bowness, den man hauptsächlich durch seine Zusammenarbeit mit Steven Wilson kennt. Unter dem Bandnamen No-Man hat Tim Bowness zusammen mit eben jenem Steve Wilson bereits seit 1993 Alben veröffentlicht. Hier auf „Late Night Laments“ zeichnet sich Steven Wilson für den Mix des Albums verantwortlich. Und auch wenn Steven Wilson nicht selbst zur Gitarre greift, so sind mit Richard Barbieri am Synthesizer und Colin Edwin am Bass doch noch ehemalige Porcupine Tree Musiker auch hörbar auf dem Album vertreten.

Nun, „Late Night Laments“ klingt erneut melancholisch und sehr sentimental, fast sogar etwas traurig – dies stellt für ein Tim Bowness Album inzwischen sicherlich keine allzu große Überraschung mehr da. Alle neun Titel der Platte bewegen sich in diesem sehr nachdenklichen klingenden musikalischen Bereich. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass das Album unter anderem mit “Sammlung stimmungsvoller, atmosphärischer Lieder von großer lyrischer Bandbreite” beworben wird. Das kann man definitiv so unterschreiben. Stimmungsvoll und atmosphärisch dicht klingt alles auf „Late Night Laments“ - jedes einzelne Lied. Dazu sind alle Titel eingängig, erklingen dabei allerdings auch überaus einheitlich und sehr stark aufeinander abgestimmt.

Das hat zum einen natürlich den Vorteil, dass man sich sehr gut auf die Musik des Tim Bowness einstellen und einlassen kann. Einmal darin eingetaucht wird man von stimmungsvollen Klängen umspielt, die die eigene Melancholie oder Sentimentalität bestens zu fördern verstehen. Andererseits klingen diese fast vierzig Minuten leider jedoch auch so einheitlich, dass sie an einem vorbeizuziehen scheinen, ohne dabei allzu große Spuren zu hinterlassen. Jeder Titel erklingt im fast identischen Tempo, jede Nummer transportiert die gleiche Atmosphäre, alles klingt unaufgeregt und  entspannt. Doch so ein paar kleinere Auflockerungen, „Aufregungen“ hätten dem Album dabei sicherlich gut getan.

Somit ist es nicht ganz einfach einen Höhepunkt auf „Late Night Laments“ zu benennen. Ausschläge nach unten gibt es keine, alles verfügt über diese stimmungsvolle Qualität, die Musik innewohnt, die darauf abzielt, das Gefühl anzusprechen. Und der Höhepunkt? Gibt es den doch? Der heißt für mich zumindest „I’m Better Now“. Irgendwie klingt diese Nummer noch ein wenig intensiver und eingängiger und auch spannender.

Fazit: „Late Night Laments“ ist ein stimmungsvolles und atmosphärisch dichtes Album geworden. Wunderbar kann man in die Musik des Tim Bowness eintauchen und sich seinem eigenen Blues hingeben, in Sentimentalität schwelgen oder einfach nur träumen. Allerdings allzu aufregend wird eine Reise mit „Late Night Laments“ definitiv nie werden, dazu ist die Musik des Albums zu einheitlich gehalten. Aber genau diese kleinen „Aufreger“, die hätte ich mir noch für diese Platte gewünscht. Neun Punkte.

Anspieltipps:  I’m Better Now