Samstag, 11. Dezember 2021

Neil Young – Barn




Neil Young – Barn


Besetzung:

Neil Young – guitar, harmonica, piano, vocals


Gastmusiker:

Nils Lofgren – accordion, piano, guitar, vocals
Billy Talbot – bass, vocals
Ralph Molina – drums, vocals




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Folk, Rock


Trackliste:

1. Song Of The Seasons (6:04)
2. Heading West (3:22)
3. Change Ain’t Never Gonna (2:53)
4. Canerican (3:12)
5. Shape Of You (2:55)
6. They Might Be Lost (4:32)
7. Human Race (4:14)
8. Tumblin‘ Thru the Years (3:19)
9. Welcome Back (8:28)
10. Don‘t Forget Love (3:48)

Gesamtspieldauer: 42:50



Mit „Barn“ betitelte Neil Young sein bereits 41. Studioalbum und es ist seine 14. Platte, die er zusammen mit der Band Crazy Horse einspielte. Das Album wurde am 10. Dezember 2021 auf dem Plattenlabel Reprise Records veröffentlicht. Auf was man sich mit dem Album freuen kann, das konnte man bereits im Oktober und Anfang Dezember mit den Liedern „Song Of The Seasons“ und „Welcome Back“ hören, denn diese beiden Stücke waren bereits vorher veröffentlicht worden.

Jetzt höre ich bereits so lange Musik. Immer wieder freut man sich, wenn Musik von Bands, Musikerinnen oder Musikern veröffentlicht wird, die einen bereits eine lange Zeit durch das Leben begleiten. Neil Young gehört als Musiker in meinem Falle definitiv dazu. Und wie es so ist, nicht immer klingt das, was man dann zu hören bekommt, letztendlich auch wirklich überzeugend. Manches Mal hört man einem Musiker beim „Sich-Weiterentwickeln“ zu und merkt, dass diese Entwicklung – zumindest für einen selber – in eine Richtung geht, bei der man nicht mehr mitgenommen wird und nicht mehr mitgehen kann. Sprich, die Musik packt einen nicht mehr. Immer Schade.

Doch glücklicherweise fällt Neil Young mit „Barn“ im Jahr 2021 nicht in diese Kategorie. Und da wird es sicherlich nicht nur mir so gehen, sondern auch anderen, die auch die früheren Alben des gebürtigen Kanadiers kennen und sehr mögen. Auf „Barn“ klingt Neil Young nach Neil Young. Es ist diese Mischung aus Folk, leichten Blueseinflüssen und Rock, die schon immer seine Musik prägte. Und genau das bekommt man auch auf „Barn“ zu hören.

Viel Gitarre, ab und an die Mundharmonika und dazu eine zerbrechlich und unverwechselbar klingende Stimme, das sind die Zutaten, die es auch auf diesem neuen Neil Young Album zu hören gibt. Beim ersten Mal des Hörens gefiel mir das Album gut, bereits nach dem vierten Durchlauf fand ich es klasse. Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich manche Melodien erst entwickeln und dann, ganz schnell zu Vertrauten werden. So erging es zumindest mir, als ich mir diese Platte nun mehrmals intensiv angehört habe.

Meine Favoriten des Albums sind selbstverständlich reine Geschmackssache. Gleich mit dem Einstieg in das Album, dem Lied „Song Of The Seasons“ fühle ich mich um Jahrzehnte, zu den ersten Veröffentlichungen des Neil Young zurückversetzt. Ebenso ergeht es mir beim Hören von „They Might Be Lost“. Das nachfolgende „Human Race“ ist dagegen eine eingängige Rocknummer, allerdings ebenso mit einer Melodie ausgestattet, die schnell ins Ohr geht. Und dann mochte ich auf früheren Veröffentlichungen auch immer die längeren Stücke von Neil Young. „Cowgirl In The Sand“ aus dem Jahr 1970, „“Cortez The Killer“ von 1975, aber auch spätere Longtracks wie „Change Your Mind“ aus dem Jahr 1994 wären hier Beispiele. Und mit dem Lied „Welcome Back“ gibt es auch auf „Barn“ wieder ein über acht-minütiges Lied zu hören. „Welcome Back“ ist eine wunderschöne, atmosphärisch dichte Nummer, in die man immer weiter eintauchen kann. Völlig unaufgeregt und mit ganz viel Zeit ausgestattet bekommt dieses Lied die Möglichkeit zu wirken. Tolle Musik. Und da auch die nun nicht extra erwähnten Lieder zu überzeugen wissen, ist „Barn“ ein weiteres hörenswertes Neil Young Album geworden.

Fazit: Mit „Barn“ ist Neil Young ein sehr schönes Album gelungen. Die Zutaten früherer, überzeugender Veröffentlichungen sind auch auf dieser Platte vorhanden, sodass auch Fans der ersten Alben des Musikers hier auf ihre Kosten kommen dürften. Mich überzeugt „Barn“ auf jeden Fall, mir gefällt die Musik gut, die mich oftmals an frühere Zeiten erinnert, ohne dabei lediglich eine Kopie darzustellen. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Song Of The Seasons, Human Race, Welcome Back



Donnerstag, 9. Dezember 2021

Killer Be Killed – Reluctant Hero

 



Killer Be Killed – Reluctant Hero


Besetzung:

Greg Puciato – guitars, vocals
Max Cavalera – guitars, vocals
Troy Sanders – bass, vocals
Ben Koller – drums




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Metal


Trackliste:

1. Deconstructing Self-Destruction (4:33)
2. Dream Gone Bad (4:15)
3. Left Of Center (3:30)
4. Inner Calm From Outer Storms (3:52)
5. Filthy Vagabond (3:47)
6. From A Crowded Wound (7:11)
7. The Great Purge (4:12)
8. Comfort From Nothing (4:18)
9. Animus (1:07)
10. Dead Limbs (4:48)
11. Reluctant Hero (6:04)

Gesamtspieldauer: 47:42



„Reluctant Hero“ heißt das zweite Studioalbum der US-amerikanischen Heavy-Metal-Band Killer Be Killed. Es wurde am 20. November 2020 auf dem Plattenlabel Nuclear Blast veröffentlicht und enthält elf ziemlich konsequent durchgezogene Metal-Stücke. Insgesamt vier Singles wurden mit den Liedern „Deconstructing Self-Construction“, „Dream Gone Bad“, „Inner Calm From Outer Storms“ sowie „From A Crowded Wound“ aus dem Album ausgekoppelt.

Killer Be Killed spielen im oberen Härtebereich des Metals. Melodien spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle. Es geht bei der Musik von Killer Be Killed um Geschwindigkeit und knallharte Riffs. Und das zelebrieren die vier Musiker auf dem Album in Perfektion. Keineswegs überraschend wäre es von daher, dass Head Banging in diesem Fall eine Gehirnerschütterung nach sich ziehen würde. Solch schnelles Kopfherumschleudern könnte durchaus gefährlich werden.

Dazu gesellt sich ein Gesang, der immer wieder in Geschrei und Growling versinkt. Zugegeben, knallharte Metal Fans lieben das sicherlich, doch genau hier gibt es das Problem, dass die Musik zwar durchaus noch einige Hörerinnen und Hörer einfangen könnte, durch den Gesang werden andere wiederum abgeschreckt. Ich leider auch. Und so überrascht es nicht weiter, dass für mich gerade das letzte und gleichzeitig Titellied „Reluctant Hero“ den Höhepunkt des Albums darstellt. Auch hier eskaliert der Gesang zwar etwas, trotzdem besitzt das Lied noch eine tolle Melodie und steigert sich, wirkt abwechslungsreicher.

Fazit: „Reluctant Hero“ von Killer Be Killed ist sicherlich eine klasse Scheibe für Hardcore Metal Fans. Die Musik ist laut, hart und aggressiv. Wer Melodien mag, wird auf diesem Album allerdings nur selten fündig werden. Doch diese Stellen gibt es auch auf dem Album, wenn auch nur vereinzelt. Heavy Metal ohne Kompromisse. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Reluctant Hero



Dienstag, 7. Dezember 2021

Eminem – The Marshall Mathers LP

 



Eminem – The Marshall Mathers LP


Besetzung:

Eminem – vocals (tracks 1–3, 5–19)


Gastmusiker:

Dr. Dre – vocals (track 15)
Mike Elizondo – bass (tracks 2, 3, 5, 7–10, 14, 15), guitar (tracks 7, 8), keyboards (tracks 15)
Thomas Coster, Jr. – keyboards (tracks 2, 5, 7, 8, 10, 12)
DJ Head – drum programming (tracks 11, 13, 14, 17–19)
Sean Cruse – guitar (tracks 2, 3)
John Bigham – guitar (tracks 5, 10)
Jeff Bass – vocals (track 1)
Dido – vocals (track 3)
Paul "Bunyan" Rosenberg – vocals (track 4)
Steve Berman – vocals (track 6)
RBX – vocals (track 9)
Sticky Fingaz – vocals (track 9)
Camara Kambon – keyboards (track 9)
Dina Rae – vocals (track 13)
Bizarre – vocals (track 14)
Snoop Dogg – vocals (track 15)
Xzibit – vocals (track 15)
Nate Dogg – vocals (track 15)
D-12 – vocals (track 17)




Erscheinungsjahr: 2000


Stil: Rap, Hip Hop


Trackliste:

1. Public Service Announcement 2000 (0:25)
2. Kill You (4:24)
3. Stan (6:44)
4. Paul (0:10)
5. Who Knew (3:47)
6. Steve Berman (0:53)
7. The Way I Am (4:50)
8. The Real Slim Shady (4:44)
9. Remember Me? (3:38)
10. I'm Back (5:10)
11. Marshall Mathers (5:20)
12. Ken Kaniff (1:01)
13. Drug Ballad (5:00)
14. Amityville (4:14)
15. Bitch Please II (4:48)
16. Kim (6:17)
17. Under The Influence (5:22)
18. Criminal (5:19)

Gesamtspieldauer: 1:12:15



„The Marshall Mathers LP“ ist das dritte Studioalbum des US-amerikanischen Rappers Eminem. Es wurde am 23. Mai 2000 auf dem Plattenlabel Aftermath veröffentlicht. Das Album wurde hauptsächlich von Dr. Dre und Eminem produziert und enthält Texte, die selbst in deutschen Radios aufgrund der vielen Kraftausdrücke kaum gespielt werden können. Inhaltlich beschäftigt sich Eminem mit seinem Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär, die Kritik an seiner Musik auf den vorherigen Alben und seiner Entfremdung von seiner Familie und seiner Frau Kim. Als Gastmusiker sind unter anderem Dr. Dre, Dido, Bizarre und Snoop Dogg zu hören.

„The Marshall Mathers LP“ besteht aus „hartem“ Rap, was vor allen Dingen die Texte betrifft. Des Weiteren befinden sich auf der Platte kurze, eingesprochene Einspielungen, die ebenfalls nicht jugendfrei sind und in dieser Konsequenz fast schon langweilen. Provozieren um des Provozieren Willens? Keine Ahnung, aber genau so wirkt dieses Album, was nichtsdestotrotz zu den meistverkauften Alben aller Zeiten gehört. Aber genau dieser Umstand macht das Zuhören auch etwas schwierig. Vielleicht bin ich auch zu alt für sowas, aber so häufig das „F“-Wort in allen möglichen Konstellationen und weitere wahrlich üble Ausdrücke zu benutzen, langweilt irgendwann nur noch. Mich zumindest.

Der Rap des Marshall Mathers ist dagegen eingängig und beruht auf ins Ohr gehenden Melodien. Klar wird vermutet, dass dieses Album, bei dem sogar der richtige Name Eminems im Titel erscheint, eines seiner persönlichsten Alben darstellt. Ob das stimmt kann ich nicht beurteilen. Ich bin, wenn man diese Seite hier liest, kaum ein Freund von Hip Hop und Rap, trotzdem hat die Musik was, lässt selbst mich mitwippen. Wenn da nur nicht diese Sprache wäre. Ach so, das hatten wir schon.

Fazit: Viele Melodien auf „The Marshall Mathers LP“ gehen schnell ins Ohr. Vieles darauf klingt auch durchaus bewegend, selbst wenn man dem Rap nicht so zugetan ist. Doch ebenso Vieles an Text lassen einen manches Mal ein wenig sprachlos zurück. Zu ordinär, zu direkt, manches kann man nämlich genauso drastisch, jedoch intelligenter umschreiben. Über dreißig Millionen Verkäufe geben Marshall Mathers alias Eminem allerdings Recht. Gute Musik, schlechte Sprache. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Kill You, Stan, Kim



Sonntag, 5. Dezember 2021

Bröselmaschine – Bröselmaschine

 



Bröselmaschine – Bröselmaschine


Besetzung:

Jenni Schücker – Gesang, Flöte, Schellen
Willi Kissmer – Gesang, elektrische Gitarre, akustische Gitarre, Waldzither
Lutz Ringer – Metallophon, Bass
Mike Hellbach – Congas, Tablas, Löffel, Mellotron
Peter Bursch – Gesang, akustische Gitarre, Sitar, Flöte




Erscheinungsjahr: 1971


Stil: Folk


Trackliste:

1. Gedanken (5:06)
2. Lassie (5:08)
3. Gitarrenstück (2:04)
4. The Old Man‘s Song (5:27)
5. Schmetterling (9:30)
6. Nossa Bova (8:08)

Gesamtspieldauer: 35:25



„Bröselmaschine“ heißt die erste Platte der Duisburger Band Bröselmaschine. Sie wurde ursprünglich im Jahr 1971 auf dem Plattenlabel Pilz veröffentlicht, auf welchem in den Jahren 1971 und 1972 insgesamt zwanzig Langspielplatten erschienen. Das Album war Debut und gleichzeitig auch die letzte Platte von Bröselmaschine, die sich 1973 wieder auflöste und dann im Jahr 1976 als „Peter Bursch und die Bröselmaschine“ wieder neu gründete.

Auf dem Debüt von Bröselmaschine hört man zunächst hauptsächlich Folk Musik. Im Falle von „Lassie“ ist es sogar ein traditionelles Folk Lied, welches etwas umarrangiert wurde. Ab dem Titel „The Old Man‘s Song“ wird die Musik dann etwas progressiver. Die Querflöte und eine Sitar kommen zum Einsatz, es wird deutlich proggiger. Allen Liedern auf „Bröselmaschine“ ist gemein, dass sie leicht und unkompliziert ins Ohr gehen. Die sanften Melodien scheinen dabei direkt der THC-geschwängerten Luft zu entstammen. Der Einsatz einer Bröselmaschine eines Freundes von Sängerin Jenni Schücker hatte entsprechendes Rauchwerk dementsprechend vorbereitet.

Nun, das Album durchzuhören macht Spaß. Die Melodien wirken und man kann den Flair der damaligen Zeit fast greifen. Alles klingt sehr unaufgeregt und entspannt, wobei vor allen Dingen die drei Lieder am Ende – die durch ihre Länge auch den größeren Teil des Albums einnehmen – zu überzeugen wissen. Bröselmaschine haben hier eine andere Facette des Krautrocks der damaligen Zeit zum Vorschein gebracht.

Die Wiederveröffentlichung des Albums fand auf dem Plattenlabel Cargo Records statt. Warum allerdings der Name des inzwischen verstorbenen Willi Kissmer dort falsch geschrieben ist und ein Instrument Namens „Waldzitter“ aufgeführt wird, das bleibt wohl das Geheimnis der Plattenfirma beziehungsweise des Verlages und wirkt etwas lieblos. Der Sound der Wiederveröffentlichung ist allerdings gut.

Fazit: „Bröselmaschine“ von Bröselmaschine lässt sich auch heute noch gut hören, wenn man gerne entspannter Musik lauscht. Genau das bekommt man auf dieser Platte geliefert. Der Einsatz „bewusstseinserweiternder“ Substanzen scheint dabei nicht nur vom Namen der Band und des Albums her eine größere Rolle eingenommen zu haben. Wer sich für die deutsche Musik der damaligen Zeit interessiert und dabei nicht an Schlager denkt, die oder der sollte hier unbedingt mal reinhören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Schmetterling



Freitag, 3. Dezember 2021

Bob Dylan – Oh Mercy

 



Bob Dylan – Oh Mercy


Besetzung:

Bob Dylan – vocals, guitar, piano, harmonica, twelve-string guitar, hammond organ


Gastmusiker:

Malcolm Burn – tambourine, keyboards, on "Everything Is Broken", "Ring Them Bells", "Man In The Long Black Coat", "Most Of The Time", "What Good Am I?", "What Was It You Wanted"
Rockin' Dopsie – accordion on "Where Teardrops Fall"
Willie Green – drums on "Political World", "Everything Is Broken", "Most Of The Time", "Disease Of Conceit", "What Was It You Wanted" & "Shooting Star"
Tony Hall – bass guitar on "Political World", "Everything Is Broken", "Most Of The Time", "Disease of Conceit" & "Shooting Star"
John Hart – saxophone on "Where Teardrops Fall"
Daryl Johnson – percussion on "Everything Is Broken"
Larry Jolivet – bass guitar on "Where Teardrops Fall"
Daniel Lanois – Dobro, lap steel guitar, guitar, omnichord, bass guitar (performs on all tracks except "Disease Of Conceit")
Cyril Neville – percussion on "Political World", "Most Of The Time" & "What Was It You Wanted"
Alton Rubin, Jr. – scrub board on "Where Teardrops Fall"
Mason Ruffner – guitar on "Political World", "Disease Of Conceit" & "What Was It You Wanted"
Brian Stoltz – guitar on "Political World", "Everything Is Broken", "Disease Of Conceit" & "Shooting Star"
Paul Synegal – guitar on "Where Teardrops Fall"




Erscheinungsjahr: 1989


Stil: Pop, Rock, Folk


Trackliste:

1. Political World (3:48)
2. Where Teardrops Fall (2:32)
3. Everything Is Broken (3:15)
4. Ring Them Bells (3:00)
5. Man In The Long Black Coat (4:35)
6. Most Of The Time (5:04)
7. What Good Am I? (4:45)
8. Disease Of Conceit (3:44)
9. What Was It You Wanted (5:02)
10. Shooting Star (3:13)

Gesamtspieldauer: 39:02



„Oh Mercy“ heißt das bereits 26. Studioalbum des US-amerikanischen Singer-Songwriters Bob Dylan. Es wurde ursprünglich am 12. September 1989 auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht. Produziert wurde das Album von Daniel Lanois, den Bono von U2 Bob Dylan vermittelt hatte. Der Erfolg stellte sich mit diesem Album bei Bob Dylan auch verkaufstechnisch wieder ein. Die Platte erreichte Platz 30 der US-Billboard-Charts, Platz 6 in Großbritannien und in Deutschland immerhin Platz 37 der Albumcharts.

„Oh Mercy“ klingt insgesamt sehr entspannt, mitunter auch getragen. Die Stimmung darauf ist eine eher dunkle. Eingespielt wurde das Album nur nachts, so wollte es Bob Dylan, um die Atmosphäre noch besser zu transportieren. Gelungen ist ihm das, die Patte klingt einnehmend und kann in einem Zug durchgehört werden. Alles passt irgendwie zu einander. Auf Experimente haben Bob Dylan und sein Produzent dabei gänzlich verzichtet. „Oh Mercy“ ist breit und sicher aufgestellt und dementsprechend für einen breiten Markt geeignet.

Die Höhepunkte der Platte befinden sich für mich hauptsächlich in der Mitte des Albums. „Ring Them Bells“ ist ein wunderschönes und sanftes Lied, welches schnell ins Ohr geht und dabei diesen gewissen Ohrwurmcharakter aufweist. Feierlich klingt es. Anschließend folgt der absolute Höhepunkt auf „Oh Mercy“, das Lied „Man In The Long Black Coat“. Eine klasse Nummer, irgendwie sehnsüchtig klingend und unverwechselbar ein Lied von Bob Dylan. Auch hier ist es die Melodie, die einen sofort einnimmt. Doch auch die restlichen Lieder lohnen gehört zu werden, sodass das sechsundzwanzigste Album des US-Amerikaners eine gelungene musikalische Reise darstellt.

Fazit: Zehn überzeugende Lieder befinden sich auf „Oh Mercy“. Die Musik klingt eindeutig nach Bob Dylan und es macht Freude in diese Stimmung, die über das gesamte Album hinweg transportiert wird, einzutauchen. Es befinden sich keine Ausfälle, nur Höhepunkte auf dem Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ring Them Bells, Man In The Long Black Coat



Mittwoch, 1. Dezember 2021

Tocotronic – K.O.O.K.

 



Tocotronic – K.O.O.K.


Besetzung:

Dirk von Lowtzow – Gitarre, Gesang, Synthesizer auf 1, 13, 15 und Klavier auf 8
Jan Müller – Bassgitarre, Synthesizer auf 8, 16
Arne Zank – Schlagzeug, Slide-Guitar auf 3, linke Gitarre und Programmierung auf 7, Spezialeffekt, Melodie-Gitarre und Triangel auf 11, Gitarrenbits auf 15


Gastmusiker:

Micha Acher – Bläserarrangements auf 2, 5, 17 und Steicherarrangements auf 10, 14, 17, Flügelhorn auf 2
Thies Mynther – Synthesizer auf 3,4,5 und Spezialeffekt auf 1 und Klavier auf 3
Carol von Rautenkranz – Panflöte auf 4
Hubert Pilstl – Waldhörner auf 2, 5, 17
Ulrich Wangenheim – Baßklarinette auf 2,5 und Tenorsaxophon auf 5
Dascha Lukaschewitsch – Celli auf 10, 14
Luciana Beleaeva – Geigen auf 14, 17
Jefimija Brajovic – Geigen auf 14
Daniel Eichholz – Becken ã Due auf 14




Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. K.O.O.K. (2:26)
2. Das Unglück muss zurückgeschlagen werden (4:20)
3. Jackpot (3:13)
4. Die Grenzen des guten Geschmacks 1 (3:40)
5. Let there be Rock (3:58)
6. Unter der Schnellstraße (2:34)
7. Tag ohne Schatten (2:40)
8. Das Geschenk (6:56)
9. Das sind keine Rätsel (4:47)
10. Jenseits des Kanals (4:11)
11. Der gute Rat (2:21)
12. Um die Ecke (gedacht) (3:02)
13. Die neue Seltsamkeit (4:46)
14. Morgen wird wie heute sein (4:23)
15. Die Grenzen des guten Geschmacks 2 (2:36)
16. Rock Pop in Concert (3:51)
17. 17 (11:18)

Bonus Tracks der Wiederveröffentlichungen:

18. Ja (3:52)
19. K.O.O.K. (Take 2) (2:31)

Gesamtspieldauer: 1:17:34



„K.O.O.K.“ heißt das fünfte Studioalbum der deutschen Rockband Tocotronic. Es erschien am 26. Juli 1999 ursprünglich auf dem Plattenlabel L’age d’or. Auch eine englischsprachige Version des Albums wurde veröffentlicht, die allerdings nicht in Deutschland zu beziehen war. Im Jahr 2009 wurde das Album wiederveröffentlicht und enthält die beiden Bonustitel „Ja“ sowie eine alternative Version des Titelliedes „K.O.O.K.“.

„K.O.O.K.“ klingt sehr viel rauer als die späteren Veröffentlichungen von Tocotronic und dabei doch zugänglicher als die ersten Alben der Band. Mit „K.O.O.K.“ wurde die Musik von Tocotronic zum Teil zugänglicher und dementsprechend auch kommerziell erfolgreicher. Immerhin platzierte sich die Scheibe auf Platz 7 der deutschen Charts. Vorher war noch kein Album der Band in die Top Ten eingetreten. Die nachfolgenden Alben – Stand 2021 – sollten allerdings noch erfolgreicher werden.

So richtig eingängig klingt „K.O.O.K.“ selten, dafür an der einen oder anderen Stelle neben rau und ungeschliffen auch noch etwas schräg. Somit benötigt man durchaus einige Durchläufe, um sich diese Lieder auch wirklich zu erschließen – allerdings nicht immer klappt dies endgültig. Manche der Titel bleiben einem auch längerfristig verschlossen.

Doch dann befinden sich auf „K.O.O.K.“ eben doch auch wahre Höhepunkte, die Spaß machen gehört zu werden. Dies wären die Lieder „Das Geschenk“, „Jenseits des Kanals“ sowie „Morgen wird wie heute sein“. „Das Geschenk“ klingt so wunderbar rau und roh, als ob Tocotronic es zu Beginn einfach laufen lassen, meditativ ein Thema auswalzen, bis sich der Titel langsam steigert. Das klingt weder kommerziell noch angepasst und trotzdem wunderbar einnehmend. „Jenseits des Kanals“ ist eine getragene Nummer, die einen mit ihrer Atmosphäre ganz schnell einfängt. Und auch hier spielt die Steigerung im Titel eine große Rolle. Bei „Morgen wird wie heute sein“ verhält es sich ähnlich. Dieses Mal kommen sogar noch Streicher mit zum Einsatz.

Nun aber zum eigentlichen Höhepunkt auf „K.O.O.K.“. Das Lied „17“, über elf Minuten lang. Die Band entwickelt das Lied langsam, vorsichtig, nimmt sich dafür jede Menge Zeit. Das mag für die eine oder den anderen etwas langwierig klingen, denn es passiert das ganze Lied über wahrlich nicht allzu viel. Wenn man es allerdings schafft in dieser Stimmung einzutauchen, dann klingt „17“ fast schön betörend, ganz sicher meditativ. Klasse gemacht und ohne Kompromisse durchgezogen.

Fazit: Es begeistert nicht alles auf „K.O.O.K.“, welches in den seltensten Fällen kommerziell und niemals anbiedernd klingt. Trotzdem stellte dieses Album den Durchbruch für Tocotronic dar. Die Höhepunkte auf dem Album ragen heraus, nur wenige Lieder sind dabei nicht hörenswert, ein Teil der Stücke läuft hingegen einfach so mit. Insgesamt überzeugt „K.O.O.K.“ dann aber doch und wird zu einem gelungenen Album, welches sich lohnt gehört zu werden, wenn man sich auch gerne mal eine Platte erschließt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Das Geschenk, Jenseits des Kanals, Morgen wird wie heute sein, 17



Montag, 29. November 2021

Adele – 30

 



Adele – 30


Besetzung:

Adele – vocals (all tracks), background vocals (3), tambourine (5), clapping (6, 12)


Gastmusiker:

Ludwig Göransson – bass, keyboards, melodica, piano, synthesizer (1)
David Campbell – strings (1, 3, 7, 10, 12)
Serena Göransson – strings (1)
Greg Kurstin – bass, piano (2–5, 7); drum machine (2), melodica (3, 4, 7), steel guitar (3), clapping (4, 5), guitar (4), organ (4, 5, 7), drums, keyboards, percussion (5, 7); synthesizer (7)
Angelo – background vocals (3)
Chris Dave – drums (3–5, 9), percussion (3, 9, 12), bongos, vibraslap (4)
Max Martin – background vocals, keyboards, piano, programming, whistles (6)
Shellback – bass, clapping, drums, guitar, keyboards, percussion, programming (6)
Joey Pecoraro – drums, piano, trumpet, violin (8)
Erroll Garner – piano (8)
Inflo – bass, guitar (9, 10, 12); drums, organ, percussion, piano (10, 12); clapping (12)
Tobias Jesso Jr. – piano (11)




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Pop


Trackliste:

1. Strangers By Nature (3:02)
2. Easy On Me (3:44)
3. My Little Love (6:29)
4. Cry Your Heart Out (4:15)
5. Oh My God (3:45)
6. Can I Get It (3:30)
7. I Drink Wine (6:16)
8. All Night Parking (2:41)
9. Woman Like Me (5:00)
10. Hold On (6:06)
11. To Be Loved (6:43)
12. Love Is A Game (6:43)

Gesamtspieldauer: 58:18



Im Alter von dreißig Jahren hat Adele mit dem Schreiben zu ihrem neuen Album begonnen. Inzwischen ist sie 33 Jahre alt und in schöner Tradition wurde demnach auch ihr viertes Album nach jenem Alter benannt, in dem sie mit der Arbeit zur neuen Veröffentlichung begann, also mit „30“.

Adele Adkins hat eine klasse Stimme, das ist sicherlich nichts Neues, doch auf „30“ setzt sie diese fast noch facettenreicher ein, als auf den vorherigen Veröffentlichungen. Man hört sie beim Sprechgesang, einfühlsam singend, flehend, groovend und einnehmend. Die Musik selbst erstreckt sich dabei von Pop über relativ synthetische Klänge zum Musicalsound bis hin zu Liedern, die an Filmmusik erinnern. Das zusammenhaltende Element ist dabei immer die Stimme der Engländerin.

Doch hier setzt nun auch meine Kritik an. Wahrlich ist es schön, wenn man ein Album hört, welches abwechslungsreich und nicht langweilig klingt. Beides kann man Adele auf „30“ attestieren, doch gelungen klingt solch eine Zusammenstellung eben auch nicht immer. Dieses Wechseln zwischen den musikalischen Stilen kann sich eben auch anstrengend anhören, einen beim Hören immer wieder aus Stimmungen herausreißen. Und die Kombination von warmherzigen Balladen in Verbindung zu synthetischen Klängen, wie zum Beispiel beim Lied „Cry Your Heart Out“, klingt eben nicht zwangsläufig überzeugend – außer ich möchte wirklich ein Album herausbringen, auf dem sich jede und jeder irgendwie wiederfindet. Das zumindest ist Adele jedoch gelungen. Irgendetwas ist auf „30“ für jeden dabei.

„30“ hält natürlich auch für mich seine schönen Seiten parat und diese finde ich vermehrt gegen Ende des Albums. Dort befinden sich mehrere sanfte Balladen, in denen die Stimme der Adele noch intensiver zu klingen scheint und die mir persönlich wesentlich besser zusagen. Wenig Instrumentierung, nur der Gesang der Adele und sanfte Melodien, die ins Ohr gehen. Dies gilt auch für das wunderschöne „Easy On Me“, welches an frühere musikalische Höhepunkte von Adele erinnert. Nur leider ist dies auf „30“ eher die Ausnahme, denn die Regel. Schade.

Fazit: Auch „30“ wird sich sicherlich wieder millionenfach verkaufen. Ganz verstehen kann ich diesen „Hype“ allerdings nicht. Zwar gibt es diese musikalischen Höhepunkte auf dem Album, doch insgesamt ist die Musik einfach zu breit gefächert und nicht alles sagt einem da zwangsläufig zu. Zwölf Titel, die sich mit dem Thema der Liebe beschäftigen und leider nicht durchgängig ins Ohr gehen und mich packen. Geschmackssache sicherlich. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Easy On Me, Can I Get It



Samstag, 27. November 2021

Riverside – Riverside 20 - Vol.1, The Shorts

 



Riverside – Riverside 20 - Vol.1, The Shorts


Besetzung:

Maciej Meller – guitar
Mariusz Duda – bass, vocal
Michał Łapaj – keyboards and hammond organ 
Piotr Kozieradzki – drums




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Rock


Trackliste:

1. Story Of My Dream (5:47)
2. In Two Minds (4:35)
3. Loose Heart (4:47)
4. Acronym Love (4:43)
5. Conceiving You (3:40)
6. I Turned You Down (4:34)
7. Panic Room (3:52)
8. Through The Other Side (4:05)
9. Forgotten Land (5:10)
10. The Depth Of Self-Delusion (4:59)
11. We Got Used To Us (4:09)
12. Shine (4:07)
13. Lost (5:51)
14. Addicted (3:58)
15. Time Travellers (5:19)
16. Vale Of Tears (4:48)
17. Guardian Angel (4:23)
18. Lament (5:05)
19. River Down Below (4:25)

Gesamtspieldauer: 1:28:29



Zu ihrem 20-jähriges Bandjubiläum bringen Riverside zwei Kompilationsalben heraus, die das bisherige Schaffen der Band nochmals zusammenfassen sollen. Auf der einen Veröffentlichung mit dem Titel „Riverside 20 - Vol.1, The Shorts“ finden sich – wie der Name bereits sagt – die eher kürzeren Stücke. Die meisten Lieder haben eine Laufzeit zwischen vier und fünf Minuten. Volume 2 beinhaltet demnach die eher längeren Nummern.

Als kleinen zusätzlichen Kaufanreiz für die Fans wird „Riverside 20 - Vol.1, The Shorts“ noch durch ein neues Lied eingeleitet. Mit „Story Of My Dream“, ein Titel aus dem Bereich des Alternative Rocks, wird inhaltlich auf die bisherige Bandgeschichte eingegangen. Die Texte enthalten direkte Zitate und Verweise auf viele frühere Songtitel von Riverside. Das Lied ist auch der erste Titel, der mit Maciej Meller als festes Bandmitglied eingespielt wurde, der beim letzten Studioalbum „Wasteland“ noch als Gastmusiker aufgeführt war.

Obwohl es sich bei den Stücken auf „Riverside 20 - Vol.1, The Shorts“ um remasterte Lieder handelt, so hört man bei den Titeln, die ich vergleichen konnte, keinen oder nur einen marginalen Unterschied zu den ursprünglichen Versionen.

Fazit: Mit der Kompilation erhält man durchaus einen Überblick über das bisherige Schaffen der Band. Für Neueinsteiger mag sich das sicherlich auch lohnen. Für Fans, die bereits viel von Riverside besitzen lohnt sich die Anschaffung aufgrund lediglich eines neuen Titels jedoch kaum. Ohne Bewertung.

Anspieltipps: Story Of My Dream



Donnerstag, 25. November 2021

The Tea Party – Blood Moon Rising

 



The Tea Party – Blood Moon Rising


Besetzung:

Jeff Martin – vocals, guitar
Stuart Chatwood – bass, keyboards
Jeff Burrows – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Black River (2:56)
2. Way Way Down (2:52)
3. Sunshower (3:58)
4. So Careless (3:22)
5. Our Love (4:39)
6. Hole In My Heart (3:24)
7. Shelter (3:54)
8. Summertime (2:57)
9. Out On The Tiles (Led Zeppelin Cover) (3:36)
10. The Beautiful (4:35)
11. Blood Moon Rising (Wattsy’s Song) (4:20)

Bonus Tracks:

12. Isolation (Joy Division Cover) (3:57)
13. Everyday Is Like Sunday (Morrissey Cover) (3:35)
14. Way Way Down (Bonus Live Version) (3:16)

Gesamtspieldauer: 51:25



„Blood Moon Rising“ heißt das neunte offizielle Studioalbum der kanadischen Band The Tea Party und dieses erscheint ganze sieben Jahre nach dem letzten Album „The Ocean At The End“ am 26. November 2021 auf dem Plattenlabel InsideOut Music. Elf Titel sind darauf enthalten wobei der CD-Ausgabe des Albums gegenüber der Vinyl-Pressung noch drei Bonus-Stücke hinzugefügt wurden. Die einzelnen Titel wurden innerhalb der letzten fünf Jahre in Kanada und Australien aufgenommen und sechs der offiziellen elf Lieder des Albums waren bereits auf der 2019 erschienen EP „Black River“ veröffentlicht worden, die im Moment jedoch vergriffen ist.

Auf „Blood Moon Rising“ hört man eingängigen Alternative Rock, der auch mal etwas heftiger aus den Boxen strömt und dabei bis in den Metal-Bereich vordringt – ohne jedoch auch dabei die Melodie zu vernachlässigen. Von Industrial Rock oder Progressive Rock hört man auf dem neuen Album so gut wie nichts mehr. Dafür gehen die Lieder nun gleich beim ersten Mal des Hörens ins Ohr. Viel lebt die Musik von The Tea Party jedoch einmal mehr vom Gesang des Jeff Martin, der mit seiner eindrucksvollen und unverwechselbaren Stimme die einzelnen Titel nochmals aufwertet. Der Rock steht auf „Blood Moon Rising“ immer im Vordergrund und selbst ein eher sanft gehaltenes Lied wie „The Beautiful“ besitzt einen Groove, der zum Mitwippen anregt. Mit dem Lied „Out On The Tiles“ ist ein gelungenes Cover vorhanden, welches ursprünglich auf dem dritten Led Zeppelin Album zu hören ist.

Solch ein Höhepunkt wie „Psychopomp“ vom Album „Transmission“ oder „Correspondences“ von „The Edges Of Twilight“ befindet sich zwar nicht auf der neuen Scheibe der Kanadier, dafür allerdings elf Lieder, von denen keines großartig gegenüber den anderen abfällt. Jede Numer lässt sich hier gut hören. Am Gelungensten klingen für mich die beiden Titel „So Careless“ sowie das Titellied „Blood Moon Rising (Wattsy’s Song)“. Ersteres Lied klingt kraftvoll, nimmt sich im weiteren Verlauf immer wieder mal zurück und setzt sich schnell fest. Das Titellied selbst startet sanft mit akustischer Gitarre und nimmt im weiteren Verlauf Fahrt auf, klingt dabei wunderschön sehnsüchtig und gegen Ende, mit weiblichem Hintergrundgesang fast schon hymnisch.

Fazit: Wer auf gut gemachten und eingängigen Alternative Rock steht, die oder der wird auf „Blood Moon Rising“ von The Tea Party ganz bestimmt etwas für sich finden. Elf gute Titel gibt es zu hören, die überzeugen und unterhalten. Das besondere, das herausragende Lied fehlt der Scheibe zwar, doch der Gesamteindruck aus Musik, Gesang und auch Text macht durchaus Spaß. Rockig. Zehn Punkte.

Anspieltipps: So Careless



Dienstag, 23. November 2021

Guano Apes – Bel Air

 



Guano Apes – Bel Air


Besetzung:

Sandra Nasić – vocals
Henning Rümenapp – guitars
Stefan Ude – bass
Dennis Poschwatta – drums, vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2011


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Sunday Lover (3:58)
2. Oh What A Night (3:12)
3. When the Ships Arrive (4:05)
4. This Time (3:51)
5. She’s A Killer (3:15)
6. Tiger (2:33)
7. Fanman (3:51)
8. All I Wanna Do (3:05)
9. Fire In Your Eyes (4:38)
10. Trust (7:07)
11. Staring At The Sun (3:12)

Gesamtspieldauer: 42:51



Nachdem die Guano Apes sich im Jahr aufgrund von finanziellen Differenzen getrennt hatten, kam es im Jahr 2009 zu einer Wiedervereinigung. Schnell wurde dann auch an neuem Material gearbeitet und am 1 April 2011 kam es schließlich zur Veröffentlichung des vierten Guano Apes Studioalbums mit dem Titel „Bel Air“. Die Platte platzierte sich in Deutschland auf Platz 1 der Charts und die Lieder „Oh What A Night“, „Sunday Lover“, „This Time“ sowie „When The Ships Arrive“ wurden als Singles zur Unterstützung des Albums ausgekoppelt.

„Bel Air“ klingt deutlich gezügelter als noch die ersten drei Veröffentlichungen der Band. Auf dem Album hört man Alternative Rock, der auch ganz leicht das Genre des Pops tangiert. Kein Nu Metal oder Funk Metal ist da mehr zu hören, die Guano Apes waren deutlich in Richtung der Massentauglichkeit unterwegs, was die Chartplatzierung auch beweist. Die elf Lieder rocken mal etwas mehr, mal etwas sanfter und sind allesamt mit Melodien ausgestattet, die relativ schnell ins Ohr gehen.

Die einzige Ausnahme auf „Bel Air“ stellt das Lied „Trust“ dar, bei dem sich die Musiker nochmals auszuleben scheinen und auf keinerlei Konventionen oder eben jene Massentauglichkeit Wert legen. Sicherlich das abwechslungsreichste Lied des Albums, welches man sich allerdings erst erarbeiten muss. Über sieben Minuten ist diese Nummer allerdings auch nicht lang, wie die angegebene Laufzeit vorzugaukeln scheint. Dem Titel wurde im Anschluss die Nummer „Running Out The Darkness“ hinzugefügt ohne, dass sie beim Abspielen auf dem Display des CD-Players zu sehen wäre. Höhepunkt der Scheibe ist das Lied „Fanman“. Ein Lied, eingängiger Alternative Rock, den man auch etwas länger in den Gehörgängen behält.

Fazit: Auf dem Wiedervereinigungsalbum „Bel Air“ klingen die Guano Apes gemäßigter und damit auch eingängiger und massenkompatibler als auf den drei vorherigen Veröffentlichungen. Das Album kletterte bis auf Platz 1 der deutschen Charts, ohne einen richtigen Höhepunkt zu besitzen. Insgesamt wirkt die Musik aber, geht ins Ohr. Richtig überzeugend klingt das alles allerdings leider trotzdem nicht mehr. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Fanman



Sonntag, 21. November 2021

Elbow – Flying Dream 1

 



Elbow – Flying Dream 1


Besetzung:

Guy Garvey – vocals
Craig Potter – keyboards
Mark Potter – guitars
Pete Turner – bass


Gastmusiker:

Alex Reeves – drums and percussion
Sarah Field – clarinets and saxophones
Wilson Atie – backing vocals
Adeleye Omotayo – backing vocals
Marit Røkeberg – backing vocals
Jesca Hoop – backing vocals


Label: Polydor


Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Rock


Trackliste:

1. Flying Dream 1 (4:35)
2. After The Eclipse (4:18)
3. Is It A Bird (4:12)
4. Six Words (5:06)
5. Calm And Happy (3:06)
6. Come On, Blue (5:19)
7. The Only Road (4:23)
8. Red Sky Radio (Baby Baby Baby) (4:08)
9. The Seldom Seen Kid (4:13)
10. What Am I Without You (5:10)

Gesamtspieldauer: 44:35



Die Musik von Elbow anzuhören ist wie eine kleine Reise anzutreten, eine Reise in sanfte, melancholische, sentimentale, manches Mal auch düstere Atomsphären, die immer intensiv und stimmig klingen. Man taucht ein in eine musikalische Welt, die einen auf andere Gedanken bringt, entspannen und irgendwie auch gelassener werden lässt. Zumindest geht es mir so, wenn ich ein Elbow-Album auflege. Und ziemlich schnell war klar, dass es mir mit der inzwischen neunten Veröffentlichung der englischen Band auch nicht anders ergehen würde.

„Flying Dream 1“ enthält eine Ansammlung von insgesamt zehn Liedern, die allesamt sehr melodiös und eingängig klingen. Mitunter haben diese Titel einen sanften Groove, manchmal klingen sie fast schon losgelöst und schwebend wie das eindringliche „Six Words“ oder das folgende „Calm And Happy“. Immer klingt das einnehmend und auf eine bestimmte Art bewegend. Was sich einmal mehr ebenfalls lohnt ist das mitlesen der Liedtexte. Diese kann man sich inzwischen auch ganz leicht im Internet übersetzen lassen. Und auch wenn manche Übersetzungsprogramme noch nicht perfekt sind, so geben die Resultate doch auch dort ein wenig der Poesie preis, die Guy Garvey in seine Texte legt.

Klar, zu Guy Garvey muss ich hier noch separat ein paar Worte verlieren. Seine Stimme, so sanft und eindringlich, ist ganz sicher etwas Besonderes. Sie dominiert diese Musik, die ohne ihren Sänger definitiv anders klingen und auch anders wirken würde. Sein Gesang hört sich so einnehmend an und verstärkt die Stimmung der Liedtexte und der schönen Melodien noch zusätzlich. Einfach schön und hörenswert.

Und noch kurz zum Lied „The Seldom Seen Kid“. Kennerinnen und Kenner der Band wird es bestimmt aufgefallen sein, dass dieses Lied denselben Titel trägt wie das im Jahr 2008 veröffentlichte vierte Album der Band. Das Lied hat allerdings nichts mit dem ursprünglichen Album zu tun. Elbow haben es hier wie einst Queen gemacht. Deren Lied „Sheer Heart Attack“ ist auf dem 1977er Album, dem sechsten von Queen, „News Of The World“ enthalten, wohingegen das dritte Album der Band mit dem Titel „Sheer Heart Attack“ bereits im Jahr 1974 erschienen war.

Fazit: Wer Elbow mag, wird ganz sicher auch dieses Album lieben. Wer die englische Band Elbow bisher noch nicht kennt und doch allgemein auch die sanfteren Töne in der Musik genießen kann, die oder der kann hier ebenfalls problemlos zugreifen. Auf „Flying Dream 1“ hört man melodiöse, eingängige, intensive und eben safte Musik, die einen sofort packt. Für trübe Abende, um sich das Gemüt mit sanfter Melancholie zu erfüllen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Six Words



Freitag, 19. November 2021

Cheap Trick – Busted

 



Cheap Trick – Busted


Besetzung:

Robin Zander – lead vocals, rhythm guitar
Rick Nielsen – lead guitar, backing vocals
Tom Petersson – bass guitar, backing vocals
Bun E. Carlos – drums, percussion


Gastmusiker:

Mick Jones – guitar (track 4)
Kim Bullard – keyboards
Chrissie Hynde – vocals (track 7)
Russell Mael – backing vocals (track 9)




Erscheinungsjahr: 1990


Stil: Rock


Trackliste:

1. Back ’n Blue (4:42)
2. I Can’t Understand It (3:30)
3. Wherever Would I Be (4:06)
4. If You Need Me (4:46)
5. Can’t Stop Fallin’ Into Love (3:49)
6. Busted (4:06)
7. Walk Away (3:43)
8. You Drive, I'll Steer (4:34)
9. When You Need Someone (5:18)
10. Had To Make You Mine (3:15)
11. Rock ’n ’ Roll Tonight (4:56)

Gesamtspieldauer: 46:49



„Busted“ heißt das elfte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Cheap Trick. Es wurde am 27. Juni 1990 auf dem Plattenlabel Epic Records veröffentlicht und erreichte Platz 44 der US-Billboard-Albumcharts. Anscheinend nicht erfolgreich genug für die Plattenfirma, denn diese kündigte ein Jahr nach dem Erscheinen des Albums den Vertrag mit der Band auf. Dabei waren sogar einige bekannte Gastmusiker mit auf der Scheibe vertreten. Mick Jones von Foreigner spielt die Gitarre auf „If You Need Me“, Chrissie Hynde von den Pretenders singt bei „Walk Away“ mit und Russell Mael von Sparks hört man beim Gesang von „You Drive, I‘ll Steer“.

Nun, auf „Busted“ hört man relativ unspektakulären Rock, der sich hauptsächlich im Mainstream abspielt. Ab und an gibt es auch etwas Rock’n’Roll zu hören. Der Titel des letzten Liedes nimmt das bereits vorweg. Eingängig klingt das zu jeder Zeit und an jeder Stelle, interessant oder gar spannend allerdings nie. „Busted“ ist solch eine Scheibe, die man auflegt, durchhört und die keinerlei Spuren hinterlässt, da die Höhepunkte und das Besondere einfach fehlen – schlicht nicht vorhanden sind. Langweiliger Mainstream Rock, der dazu noch mit langweiligen Texten ausgestattet wurde, die das Thema „Liebe“ immer und immer wieder behandeln.

Dabei klingt das alles keinesfalls so, dass man schreiend den Raum verlassen müsste, wird das Album aufgelegt. Doch es rauscht leider nur einfach so durch. Am ehesten erwärmen kann mich da noch das Titellied „Busted“, welches wie ein Rock’n’Roll beginnt, dann etwas mehr rockt und schließlich die eingängigste Melodie der Platte aufweist. Auch „Walk Away“, bei dem wie bereits Chrissie Hynde ihren Gastauftritt hat, kann wegen der Melodie im Refrain etwas mehr überzeugen. Das war es dann aber auch leider schon. Der Rest des Albums ist austauschbar, belanglos und eben langweilig. Nur zwei Lieder, die etwas mehr ins Ohr gehen und neun weitere Titel, die einfach mit auf dem Album sind. Eindeutig zu wenig.

Fazit: Bands, die sich im Mainstream des Rocks tummeln sind darauf angewiesen, dass ihre Alben den einen oder anderen Hit aufweisen. Einen Ohrwurm eben, den Cheap Trick auch bereits auf früheren Veröffentlichungen hervorgebracht hatten. Aber leider nicht mehr auf „Busted“, sodass diese Scheibe weder in der Diskographie der Band, noch im Bereich des Mainstreams überhaupt großartige Beachtung verdient hätte. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Busted



Mittwoch, 17. November 2021

Chris Eckman – Where The Spirit Rests

 



Chris Eckman – Where The Spirit Rests


Besetzung:

Chris Eckman –vocals & acoustic guitar


Gastmusiker:

Alastair McNeill – analogue synthesizer (1), piano, electric guitar (3), ambience, piano, electric cello (5)
Žiga Golob – contrabass (2,3,4,6)
Blaž Celaree – drums (2,3,4,6)
Chuck Johnson – pedal steel (2)
Catherine Graindorge – violin, viola (3,6)
Jon Hyde – pedal steel (4)
Chris Cacavas – wurlitzer electric piano (6)




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Folk, Art Rock


Trackliste:

1. Early Snow (6:03)
2. This Curving Track (5:43)
3. Cabin Fever (5:12)
4. Drinking In America (7:08)
5. Northern Lights (6:25)
6. Where The Spirit Rests (9:11)
7. CTFD (4:53)

Gesamtspieldauer: 44:38



Der US-Amerikaner Chris Eckman hat seine Heimat inzwischen in Slowenien gefunden. Dort spielte er nun auch sein bereits fünftes Soloalbum mit dem Titel „Where The Spirit Rests“ ein. Veröffentlicht wurde das Album auf dem Plattenlabel Glitterhouse Records am 4. Juni 2021. Und der Name des Albums, der auf Deutsch etwa „Wo die Seele ruht“ bedeutet, ist Programm auf dieser Platte.

Auf „Where The Spirit Rests“ hört man herrlich entspannte Musik, atmosphärisch dicht und melancholisch bis tieftraurig klingend. Intensive Musik, die einen dunklen Novembertag noch dunkler werden lässt. Musik, die einen am Abend in eine sentimentale Stimmung zu versetzen versteht. Sieben Lieder, die sanft und melodiös ins Ohr gehen, angefüllt mit schönen, weichen Melodien. Nichts auf „Where The Spirit Rests“ klingt aufgeregt, jedoch alles entspannt.

Die sieben Lieder wirken. Umso besser, wenn die Pedal Steel Gitarre nicht eingesetzt wird – aber das ist wohl mein persönliches Problem. Zu hören ist sie bei den Liedern „This Curving Track“ und „Drinking In America“. Auch diese Nummern erklingen sanft und entspannt, der US-amerikanische Hintergrund des Musikers ist hier unüberhörbar, doch man muss dieses Instrument mögen und leichte Country-Anleihen eben zu schätzen wissen.

Meine Höhepnkte des Albums heißen „Early Snow“, „Cabin Fever“ sowie „Northern Lights“. Drei fesselnde Stücke, die auch textlich mit wenigen Worten die richtige Stimmung vermitteln. „The snow came early, And stayed long, Deep into the spring, So much shock, Too little awe, Thought I’d seen everything…“ Dazu die rauchige Stimme des Chris Eckman und man mag sich noch mehr in seine Decke auf dem Sofa einkuscheln. Es ist genial, wenn Musik auch Gefühle vermitteln kann und Chris Eckman schafft das immer wieder mit seinen Liedern auf „Where The Spirit Rests“.

Fazit: „Where The Spirit Rests“ ist ein atmosphärisch dichtes Album geworden. Dunkel bis melancholisch, sentimental und grau – und dabei wunderschön. Die Melodien gehen ins Ohr, die Musik wirkt. Wer auf die sanften Momente in der Musik steht, die oder der kann hier bedenkenlos zugreifen und sich ganz ihrem beziehungsweise seinem persönlichen Blues hingeben. Tolles Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Early Snow, Cabin Fever, Northern Lights