Freitag, 24. Juni 2022

Porcupine Tree – Closure/Continuation

 



Porcupine Tree – Closure/Continuation


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, bass
Richard Barbieri – keyboards, synthesizers
Gavin Harrison – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Harridan (8:07)
2. Of The New Day (4:43)
3. Rats Return (5:40)
4. Dignity (8:22)
5. Herd Culling (7:03)
6. Walk The Plank (4:27)
7. Chimera’s Wreck (9:39)

Gesamtspieldauer: 48:03



Als letztes Jahr bekannt wurde, dass Porcupine Tree tatsächlich nach dreizehnjähriger Pause ihr elftes offizielles Studioalbum veröffentlichen würden, habe ich mich natürlich sehr auf den Tag gefreut, wenn ich es denn endlich in Händen halten dürfte. Gleichzeitig war da allerdings auch eine gewisse Skepsis, ob nach Steven Wilsons letzten Pop / Mainstream-Album „The Future Bites“ dieses neue Porcupine Tree-Album mit dem Titel „Closure/Continuation“ nicht doch auch eine Enttäuschung werden würde. Aber nein, „Closure/Continuation“ ist keine Enttäuschung geworden, doch dazu gleich mehr.

Auf ihrem elften Album sind Steven Wilson, Richard Barbieri und Gavin Harrison wieder vereint. Doch Bassist Colin Edwin fehlt. Dies hat viel mit der Entstehungsgeschichte des Albums zu tun. Während des Lockdowns jammten Steven Wilson und Gavin Harrison. In einem Interview dazu verriet Steven Wilson, dass dies im Haus von Gavin Harrison stattfand, dieser jedoch keine Gitarre gehabt hätte, einen Bass dagegen schon. Es begann mit dem Lied „Harridan“, das während dieser Session in seinen Ursprüngen entstand und bei dem Steven Wilson eben diesen Bass einspielte. Es folgten später weitere Stücke, auf denen er ebenfalls den Bass gleich mit bediente. Richard Barbieri wurde mit eingebunden und auch dieser brachte seine Ideen zum neuen Album mit ein. Und Colin Edwin? Zu ihm hatte seit zehn Jahren keiner der drei Musiker mehr Kontakt gehabt und so wurde aus dem Quartett Porcupine Tree während des Entstehens der neuen Platte kurzerhand ein Trio.

Nun, „Closure/Continuation“ ist ein gutes Album geworden. Progressive Rock à la Porcupine Tree. Unverwechselbar. Alle Zutaten, die diese Band auf ihren letzten Veröffentlichungen ausmachten, sind auch auf „Closure/Continuation“ vorhanden. Wunderschöne Melodien, vertrackte Passagen, harte bis sehr harte Riffs und sphärische Momente. Alles vereint und ineinander übergehend ohne, dass dies auch nur den Hauch des Konstruierten hinterlassen würde. Vielleicht erreicht dieses neue Album dabei nicht mehr ganz die Klasse der herausragenden Alben der Nullerjahre dieses Jahrhunderts – doch auszuschließen ist dies auch nicht ganz. Mit jedem weiteren Durchlauf scheint sich die Platte im Ohr weiter zu entwickeln. Das Hören lohnt sich also auf jeden Fall und alles mündet schließlich im Titel „Chimera’s Wreck“, mit dem man anschließend aus dem Album entlassen wird. Dieses Lied bündelt nochmals alles, was Porcupine Tree ausmacht und enthält sämtliche oben genannte Zutaten, die die Musik dieser Band umschreiben und charakterisieren. Sehr cool und sicherlich in den Top Ten der besten Porcupine Tree-Stücke vertreten. 

Fazit: Porcupine Tree Fans dürfen sich freuen. Mit „Closure/Continuation“ ist den Engländern ein sehr überzeugendes Album nach dreizehnjähriger Pause gelungen. Wer die Musik der Band auf den bisherigen Alben des 21. Jahrhunderts mochte und auch den progressiven Soloalben des Steven Wilson etwas abgewinnen kann, die oder der wird auch an „Closure/Continuation“ viel Freunde haben. Mich überzeugt das mit jedem Durchhören noch mehr. Elf Punkte.

Anspieltipps: Chimera’s Wreck



Donnerstag, 16. Juni 2022

Charlie Griffiths – Tiktaalika

 



Charlie Griffiths – Tiktaalika


Besetzung:

Charlie Griffiths – guitar, bass, keyboard, vocals


Gastmusiker:

Darby Todd – drums
Jordan Rudess – keyboards
Rob Townsend – saxophone
Tommy Rogers – vocals (tracks 2,9)
Danïel De Jongh – vocals (tracks 3,8)
Vladimir Lalić – vocals (tracks 4,5)
Neil Purdy – vocals (track 5) 



Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. Prehistoric Prelude (2:14)
2. Arctic Cemetery (6:06)
3. Luminous Beings (5:57)
4. In Alluvium (8:13)
5. Dead In The Water (8:45)
6. Digging Deeper (4:31)
7. Tiktaalika (8:34)
8. Crawl Walk Run (5:06)
9. Under Polaris (3:06)

Gesamtspieldauer: 52:36



Charlie Griffiths ist der Gitarrist der britischen Progressive Metal Band Haken und veröffentlicht mit „Tiktaalika“ am 17. Juni 2022 sein erstes Soloalbum. Das Album-Cover erinnert stark an Yes und deren häufigem Cover-Designer Roger Dean, doch die Musik auf „Tiktaalika“ unterscheidet sich durchaus von den britischen Progressive Rock Pionieren.

Allerdings trifft dies hauptsächlich auf die Härte der Musik zu. Auf „Tiktaalika“ hört man Progressive Metal, der dabei immer wieder an die Stammband von Charlie Griffiths erinnert. Dieses Genre wird auf dem Album allerdings etwas breiter angelegt, sodass man auch deutliche Einflüsse des Alternative Rocks, Trash und Tech-Metal wahrnehmen kann. Gegrowlt wird dabei auch, jedoch eher in kleinen Häppchen denn ausufernd.

Neben aller Härte fallen immer wieder auch diese wunderschönen rockigen, aber doch melodischen Abschnitte in den Liedern auf „Tiktaalika“ auf, die sofort das Ohr umschmeicheln. Dabei klingen selbst die Trash-Metal-Passagen noch durchaus eingängig, sodass man das Haupthaar ordentlich durchschütteln kann und gleichzeitig einer coolen Melodie lauscht.

Musikalisch erhielt Charlie Griffiths jede Menge Unterstützung von bekannten Kollegen. Beim Gesang wird er unterstützt durch Tommy Rogers (Between The Buried And Me), Danïel De Jongh (Textures), Vladimir Lalić (Organised Chaos) sowie und Neil Purdy (Luna‘s Call). Viele Lieder singt der Haken-Gitarrist auf „Tiktaalika“ zum ersten Mal sogar selbst ein und auch das klingt durchaus überzeugend. Weiter sind zu hören Schlagzeuger Darby Todd (Martin Barre, Frost, Devin Townsend), Keyboarder Jordan Rudess (Dream Theater) sowie Saxophonist Rob Townsend (Steve Hackett). Dabei ließ Charlie Griffiths nach eigenen Aussagen den einzelnen Musikern viel Freiraum, um sich selbst in die Lieder einbringen zu können.

Das Ergebnis lohnt gehört zu werden. „Tiktaalika“ klingt abwechslungsreich, klingt melodisch, klingt hart und klingt spannend. Nicht weiter ausgeführt werden muss an dieser Stelle, dass sich das Album mit jedem weiteren Hören nochmals sehr positiv entwickelt.

Fazit: „Tiktaalika“, das erste Solo-Album des Haken Gitarristen Charlie Griffiths, ist eine abwechslungsreiche Reise vom Alternative Rock bis hin zum Trash Metal geworden. Alle Zutaten passen dabei perfekt und für Freundinnen und Freunde von Haken und der genannten Genres bestimmt eine lohnende Anschaffung. Elf Punkte.

Anspieltipps: In Alluvium, Digging Deeper, Tiktaalika



Freitag, 10. Juni 2022

The Tangent – Songs From The Hard Shoulder

 



The Tangent – Songs From The Hard Shoulder


Andy Tillison – vocals, keyboards
Jonas Reingold – bass
Luke Machin – guitar, vocals
Steve Roberts – drums
Theo Travis – saxophone & flute




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock, Fusion


Trackliste:

1. The Changes (17:04)
2. The GPS Vultures (17:01)
3. The Lady Tied To The Lamp Post (20:52)
4. Wasted Soul (4:40)

Gesamtspieldauer: 59:39



The Tangent ist eine Progressive Rock Band aus England, die ursprünglich 2002 als einmaliges Projekt bestehend aus Mitgliedern von Po90, The Flower Kings und Van Der Graaf Generator gegründet wurde. Inzwischen hat sich die Bandbesetzung mehrmals geändert, seit acht Jahren spielen die Musiker nun allerdings in dieser Konstellation zusammen. Vom ursprünglichen Line-Up ist allerdings lediglich Sänger Andy Tillison ununterbrochenes Mitglied von The Tangent. Am zehnten Juni erscheint nun das inzwischen bereits zwölfte Studioalbum der Band mit dem Titel "Songs From The Hard Shoulder" auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Bandleader Andy Tillison sagte in einem Interview: "Stellen Sie sich vor Yes, The Stranglers, Beethoven, The Pet Shop Boys, Aphex Twin, Earth Wind & Fire und das Mahavishnu Orchestra wären alle zur gleichen Zeit da gewesen... dann hätte man vielleicht in einer Band wie der unseren enden können." Und diese Aussage ist nicht zu weit hergeholt. Denn all die musikalischen Genres, die die oben genannten Bands und Musiker bedienen, tauchen auch an dieser oder jener Stelle auf "Songs From The Hard Shoulder" auf. Möchte man die Musik von The Tangent auf diesem Album genremäßig etwas gröber umschreiben, so hört man auf "Songs From The Hard Shoulder" die Verbindung aus Progressive Rock und Fusion.

Selbstverständlich klingt das nicht immer eingängig, soll es auch gar nicht. Doch die melodiösen Passagen gibt es natürlich auch und diese begeistern bereits beim ersten Hören. Dann wieder erklingen mehrstimmige Gesangspassagen, eine spanische Gitarre oder frickeliger Jazzrock. Genau diese - nicht immer erwartbaren -  Zutaten sind es, die in all ihren Kombinationen "Songs From The Hard Shoulder" überaus spannend erklingen lassen. Natürlich ist das keine Musik, die einen leicht von der Seite berieselt. Auf The Tangent muss man sich einmal mehr und immer wieder konzentrieren. Dies lohnt sich allerdings.

Höhepunkt stellt für mich die instrumentale Nummer "The GPS Vultures" dar. Geschmackssache natürlich, doch in diesem Titel vereinigen The Tangent für mich am Besten all die genannten unterschiedlichen musikalischen Stile und lassen einen gespannt und gebannt zuhören. Und dann höre ich das Album nochmals durch und mich reißt "The Lady Tied To The Lamp Post" mit seiner druckvollen und abwechslungsreichen Art mit...

Fazit: Wahrlich mehr als ein "Allerweltsalbum" ist The Tangent mit "Songs From The Hard Shoulder" gelungen. Wer auf Progressive Rock mit jazzigen Ausflügen steht, frickeligen Abschnitten wie schönen Melodien etwas abgewinnen kann, die oder der sollte hier mal ein Ohr riskieren. Denn dann lohnt sich das bestimmt. Elf Punkte.

Anspieltipps: The GPS Vultures, The Lady Tied To The Lamp Post



Dienstag, 7. Juni 2022

Hæctor – Modern Urban Angst

 



Hæctor – Modern Urban Angst


Besetzung:

Martin Wendt – Gesang
Lena Schöllerman – Bass, Synthesizer
Christoph Rosemeier – Schlagzeug, Samples
Christopher Kellner – Gitarre, Synthesizer, Programming




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Indie Pop, Rock


Trackliste:

1. Edges (4:21)
2. Run Dry (3:00)
3. Chelsea (3:56)
4. A Whisper (3:48)
5. My Strings (4:34)
6. Elephant (4:00)
7. Castles (3:50)
8. Hearts (3:31)
9. Social Curency (3:26)
10. Your Darkness (5:27)

Gesamtspieldauer: 39:57



Hæctor ist eine im Jahr 2017 gegründete Band aus Hamburg, die mit "Modern Urban Angst" ihr Debutalbum veröffentlicht. Nachdem die Hamburger nach einigen Live-Auftritten Corona-bedingt ebenso wie viele andere Bands und Musiker ausgebremst wurden, erscheint das Erstlingswerk der Hamburger nun am 10. Juni 2022 auf dem Plattenlabel Dachshund Records.

Hæctor klingen international und singen ihre Lieder dementsprechend auch auf Englisch ein. Die einzelnen Nummern auf "Modern Urban Angst" gehen vom ersten bis zum letzten Stück schnell ins Ohr. Ohne Ausnahme erklingen alle Titel des Albums melodiös und eingängig und lassen sich den musikalischen Genres Independent Pop bis Rock zuordnen. Dabei animiert die Musik jederzeit zum Mitwippen und macht Spaß gehört zu werden. Die Atmosphäre der Lieder bewegt sich hauptsächlich im optimistischen Bereich. Zu dunkel werden die einzelnen Stücke stimmungsmäßig nie eingefärbt. Doch klingt es dann doch mal nachdenklicher, so glaubt man sofort den Silberstreif am Horizont herauszuhören, den man ansonsten woanders eher zu sehen bekommt.

"Modern Urban Angst" lässt sich wunderbar in einem Zug durchhören ohne Gefahr zu laufen, die Fernbedienung immer wieder in die Hand nehmen zu müssen, um einzelne Titel zu überspringen. Musikalische Ausfälle findet man dementsprechend keine auf dem Album. Höhepunkte dagegen eine ganze Reihe. Wer demnach auf gut gemachten Indie Pop bis Rock steht, wird auf dem Album eine Menge für sich entdecken können.

Fazit: Mit "Modern Urban Angst" hat die Hamburger Band Hæctor ein sehr gelungenes Debutalbum eingespielt. Eingängigen Independent Pop bis Rock gibt es darauf zu hören, der Lust auf mehr macht. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Castles, Your Darkness



Donnerstag, 2. Juni 2022

Astronoid – Radiant Bloom

 



Astronoid – Radiant Bloom


Besetzung:

Brett Boland – vocals, guitars, percussion
Daniel Schwartz – bass, synthesizers
Casey Aylward – guitars, solos
Matt St. Jean – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. Admin (5:09)
2. Eyes (4:52)
3. Sleep Whisper (5:12)
4. Sedative (4:35)
5. I‘ve Forgotten Your Face (4:25)
6. Orchid (4:43)
7. Drown (4:37)
8. Human (5:24)
9. Decades (7:07)

Gesamtspieldauer: 46:07



Astronoid ist eine 2012 gegründete Post-Metal-Band aus Lowell, Massachusetts, die von Sänger Brett Boland und Bassist Daniel Schwartz gegründet wurde. Am 3. Juni erschien nun ihr drittes Studioalbummit dem Titel „Radiant Bloom“ auf dem Plattenlabel Century Media, einer Tochter von Sony Music.

Astronoid klingen durchaus anders. Die Musik enthält Anleihen des Metal, die mit fetten Synthesizer-Sounds unterlegt sind. Dazu gesellt sich der relativ hohe Gesang des Brett Boland. Stakkatoartige Riffs, breite Soundteppiche sowie dieser hohe Gesang? Genau das alles umschreibt die Musik von Astronoid auf „Radiant Bloom“ schon sehr gut. Denn die einzelnen Titel lassen einem kaum Raum zum Luftholen, das Album „knallt“ von vorne bis hinten. Selbstverständlich hört man dabei auch mal ein wahrlich gelungenes Gitarrensolo, doch darauf scheint nicht der Fokus der Band zu liegen, denn sowas hört man nicht zu oft.

Es geht Astronoid auf „Radiant Bloom“ wohl eher um einen wahrlich fetten Sound, um eingängige Melodien und um eine musikalische Atmosphäre, die Heavy Metal mit viel Synthesizer verbindet. Außergewöhnlich klingt das durchaus, doch mit der Zeit verliert die Musik etwas an Reiz, da die einzelnen Nummern etwas verschwimmen – und das ist nicht nur produktionstechnisch gemeint. Trotz der „Härte“ klingen die Lieder eingängig, doch dann durch denselben Ansatz manchmal auch einfach austauschbar.

Deswegen machen Astronoid wahrlich keine schlechte Musik auf „Radiant Bloom“. Die Lieder klingen. Headbanging funktioniert definitiv, doch irgendwie wünscht man sich an mancher Stelle ein wenig weniger Instrumente, die gleichzeitig zu hören sind. Mehr Differenzierung, mehr Abwechslung.

Fazit: Definitiv anders klingen Astronoid. Und wer auf das Außergewöhnliche, das Besondere in der Musik steht und auch den heavy Sounds nicht abgeneigt gegenübersteht, die oder der wird auf diesem Album ganz sicher viel für sich finden. Für andere „läuft“ das Album einfach durch. Auch das wäre verständlich. Acht Punkte.

Anspieltipps: Decades



Sonntag, 29. Mai 2022

Al Stewart – Russians & Americans

 



Al Stewart – Russians & Americans


Besetzung:

Al Stewart – vocals, acoustic guitar, electric guitar, keyboards


Gastmusiker:

Denny Carmassi – drums
Steve Chapman – drums
Lynn Davis – backing vocals
Mike Fisher – percussion
Mike Flicker – percussion
Joyce Kennedy – backing vocals
Phil Kenzie – saxophone
Robin Lamble – bass, acoustic guitar, accordion
Marcy Levy – backing vocals
Marc "Caz" Macino – harmonica
Charity McCrary – backing vocals
Harry Stinson – drums
Peter White – accordion, acoustic guitar, electric guitar, keyboards
Adam Yurman – electric guitar
Len Barry– vocalis


Label: Parlophone


Erscheinungsjahr: 1984


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Lori, Don‘t Go Right Now (4:25)
2. Rumours Of War (5:28)
3. The Gypsy And The Rose (4:18)
4. Accident On 3rd Street (3:33)
5. Strange Girl (3:56)
6. Russians & Americans (4:32)
7. Cafe Society (5:38)
8. One, Two, Three (1, 2, 3) (3:14)
9. The Candidate (2:09)



Gesamtspieldauer: 37:16



„Russians & Americans“ heißt das zehnte Studioalbum des schottischen Musikers Al Stewart. Das Album wurde ursprünglich im Mai 1984 auf dem Plattenlabel RCA Records veröffentlicht. Auf dem Album sind noch einige der Musiker seiner kurzlebigen Begleitband Shot In The Dark zu hören. Ergänzt wurden sie durch Studiomusiker. „Russians & Americans“ ist das letzte Al Stewart Album, welches sich wenigstens noch in Großbritannien in den Charts platzieren konnte. Hier erreichte es noch mal Platz 83.

Auf dem Album hört man sehr typische Al Stewart-Musik. Meist eher sanft und warm gehalten, dazu der unverwechselbare Gesang des Schotten. Geändert hat sich zu früheren Veröffentlichungen die Instrumentierung. Al Stewart zollte der Zeit Tribut und so hört man sehr viele elektronische Klänge auf dem Album, welches nur noch wenig an seine folkigen Töne und Stücke zu Beginn seiner Karriere erinnern. Die Musik spielt sich nun sehr viel mehr im Pop ab, streift manches Mal sogar den Rock. Trotzdem ist die Al Stewart Musik noch eindeutig zu vernehmen, nur eben an die Zeit angepasst.

Man kommt nie in Versuchung ein Lied überspringen zu müssen, alles klingt ganz nett bis gut. Höhepunkt ist für mich das Stück „Cafe Society“, eine Nummer mit viel Pianoklängen und Saxophon, welches sich deutlich vom Rest der Platte abhebt. Im Grunde kein typisches Al Stewart Lied, zumindest deutlich weniger als der Rest der Platte. Ob es daran liegt, dass man sonst alles bereits von Al Stewart gehört zu haben glaubt? Keine Ahnung, aber diese leicht rockende Nummer groovt klasse.

Fazit: Auf seinem zehnten Album transformiert Al Stewart seinen Folk in die Genres des Pop und des Rock. Es bleibt unverwechselbare Al Stewart Musik, doch irgendwie punktet der Schotte auf „Russians & Americans“ dann am meisten, wenn er mal anders klingt. Für Al Stewart Fans selbstverständlich ein Muss. Acht Punkte.

Anspieltipps: Cafe Society



Freitag, 27. Mai 2022

James LaBrie – Beautiful Shade Of Grey

 



James LaBrie – Beautiful Shade Of Grey


Besetzung:

James LaBrie – lead & backing vocals


Gastmusiker:

Paul Logue – acoustic guitars & bass
Chance LaBrie – drums & percussion
Christian “Chrism” Pulkkinen – keyboards
Marco Sfogli – lead acoustic & electric guitars




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. Devil In Drag (5:37)
2. SuperNova Girl (4:22)
3. Give And Take (4:44)
4. Sunset Ruin (5:10)
5. Hit Me Like A Brick (3:22)
6. Wildflower (3:54)
7. Conscience Calling (0:48)
8. What I Missed (4:53)
9. Am I Right (5:52)
10. Ramble On (4:56)
11. Devil In Drag (Electric Version) (4:34)

Gesamtspieldauer: 48:16



„Beautiful Shade Of Grey“ heißt das bereits vierte Studioalbum des kanadischen Musikers James LaBrie, den die meisten wohl als Sänger der Progressive-Metal-Band Dream Theater kennen. Inhaltlich verarbeitet James LaBrie auf „Beautiful Shade Of Grey“ persönliche Reife, Verlust, eine Vielzahl komplexer Beziehungen und vor allem seine Leidenschaft für die Musik. „Beautiful Shade Of Grey“ erschien am 20. Mai 2022 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Das Album ist angefüllt mit eingängigen Melodien, die gerade bei den langsameren Titeln noch ein wenig mehr überzeugen. Das Besondere dabei ist, dass bis auf das Keyboard beim Einspielen hauptsächlich auf akustische Instrumente zurückgegriffen wurde. Der Opener „Devil In Drag“ ertönt allerdings am Ende des Albums nochmals, dann in einer elektrifizierten und noch rockigeren Version. Die einzelnen Lieder auf „Beautiful Shade Of Grey“ sind relativ kompakt gehalten und auf allzu viele Schnörkel und Umwege wird verzichtet. Die verschiedenen Stücke kommen schnell auf den Punkt und bewegen sich zwischen eher sanfter Ballade und groovendem Rock.

Mit „Ramble On“ ist auch ein Led Zeppelin Cover auf dem Album enthalten, welches den Spirit von Jimmy Page und Co sehr schön einfängt. Doch das war noch nicht der Höhepunkt der Scheibe. Diese heißen „What I Missed“ und „Am I Right“ und befinden sich direkt vor dem Led Zeppelin Cover am Ende des Albums. Wunderschöne Melodien und eine tolle Steigerung innerhalb der Lieder machen diese beiden Nummern zu kleinen Ohrwürmern, die einem bereits nach dem ersten Mal des Hörens bekannt vorkommen.

Fazit: Mit „Beautiful Shade Of Grey“ ist dem Kanadier James LaBrie ein sehr überzeugendes Soloalbum gelungen. Rock, nicht zu kompliziert oder gar vertrackt, der einem schnell ins Ohr geht. Schön ist auch, dass sich auf dem Album keine Ausfälle befinden, sodass man es ganz gewiss ohne die Fernbedienung in der Hand genießen kann. Zehn Punkte.

Anspieltipps: What I Missed, Am I Right



Mittwoch, 25. Mai 2022

Kaipa – Urskog

 



Kaipa – Urskog


Besetzung:

Hans Lundin – keyboards & vocals
Per Nilsson – electric & acoustic guitars
Jonas Reingold – electric basses
Darby Todd – drums
Patrik Lundström – vocals
Aleena Gibson – vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Frozen Dead Of The Night (18:52)
2. In A World Of Pines (10:04)
3. Urskog (7:57)
4. Wilderness Excursion (8:58)
5. In The Wastelands Of My Mind (6:13)
6. The Bitter Setting Sun (15:20)

Gesamtspieldauer: 1:07:26



Die schwedische Band Kaipa veröffentlichte am 22. April 2022 ihr bereits 14. Studioalbum unter dem Titel „Urskog“. Das Album erschien auf dem Plattenlabel InsideOut Music und man hört mit Darby Todd einen neuen Drummer am Schlagzeug. Hans Lundin schrieb die Titel, die sich mit der schwedischen Wildnis und dem Wechsel der Jahreszeiten beschäftigen. Dabei komponierte Hans Lundin einen Teil der Lieder im Jahr 2018 ganz neu, bei anderen griff er auf Ideen und Akkorde zurück, die ihm bei der Erstellung des Box-Sets „Hans Lundin: The Solo Years 1982-1989“ wieder ins Gedächtnis traten und transportierte sie in die jetzige Zeit.

„Urskog“ macht Spaß, soviel sei schon mal verraten. In den längeren Stücken wie auch in den kürzeren Nummern changiert die Band mit den Stimmungen und Atmosphären und die Lieder vollziehen manch überraschende Wendung. Nicht immer klingt das sofort eingängig, denn fast schon mit „jazzig“ zu umschreibende Passagen lassen immer wieder aufhorchen. Trotzdem erklingt „Urskog“ insgesamt melodiös und geht mit jedem weiteren Mal des Hörens noch besser ins Ohr.

Neben den wahrlich abwechslungsreichen Instrumentalpassagen seien an dieser Stelle auch die überaus gelungenen Gesangsarrangements erwähnt, die immer wieder auf das Neue begeistern. Mit viel Akribie und Liebe zum Detail wurden hier sehr schöne, mehrstimmige Gesangspartien komponiert, die das gesamte Album nochmals aufwerten und in die sich so wunderschön eintauchen lässt.

Insgesamt hört man auf „Urskog“ Progressive Rock, der im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts angekommen ist. Ist man auf der Suche nach dem Besonderen in der Musik, wird man auf diesem Album fündig. Kaipa begehen mit diesem Album durchaus Wege, die so noch nicht von den Schweden zu hören waren. Das Album klingt noch abwechslungsreicher, als manch einer der Vorgänger.

Fazit: Wer auf Progressive Rock steht, der im 21. Jahrhundert entstanden ist und im Hier und Jetzt der 20er Jahre des 21. Jahrhunderts auch überzeugt, die oder der kann bei der neuen Kaipa-Scheibe bedenkenlos zugreifen. Die Schweden verbinden jazzige Töne mit eingängigen Melodien und überzeugen auch bei den Gesangsarrangements. Somit ist „Urskog“ eine weitere überzeugende Platte in der Diskographie von Kaipa, die sich lohnt gehört zu werden. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Frozen Dead Of The Night



Montag, 23. Mai 2022

Queens Of The Stone Age – Era Vulgaris

 



Queens Of The Stone Age – Era Vulgaris


Besetzung:

Josh Homme – lead vocals, guitar, backing vocals, lead guitar (tracks 1, 3, 7, and 8), acoustic guitar ("Battery Acid"), percussion ("Turnin' on the Screw"), bass guitar (tracks 4, 5, 6, 8, 9, 10, and 11), lap steel guitar ("Into the Hollow"), keyboard ("Into the Hollow"), electric piano (tracks 8 and 9), Rhodes piano ("Make It wit Chu"), "badly tuned" piano ("Run, Pig, Run"), organ ("River in the Road"), "percussion ball" ("Run, Pig, Run")
Troy Van Leeuwen – keyboard (tracks 1, 2, 5, and 6), guitar (tracks 1, 2, 3, 4, 7, 8, and 11), lead guitar (tracks 5, 6, and 9), "crazy delay" guitar ("River in the Road"), lap steel guitar ("3's & 7's"), backing vocals (tracks 1, 2, 6, and 7), bass (tracks 2 and 7), "the percussion part that's a bitch" ("Turnin' on the Screw"), Moog ("I'm Designer"), Rhodes piano ("Into the Hollow")
Joey Castillo – drums, percussion (tracks 1 and 7), "percussion ball" ("Run, Pig, Run")


Gastmusiker:

Alain Johannes – bass guitar (tracks 1 and 3), acoustic guitar ("Run, Pig, Run"), counterpoint guitar ("Misfit Love"), harmonic guitar ("Make It Wit Chu"), counterpoint fiddle ("Misfit Love"), "cig" fiddle ("Run, Pig, Run"), marxaphone ("Run, Pig, Run"), backing vocals ("Run, Pig, Run")
Chris Goss – keyboard ("Into The Hollow"), "the chicken pluckin' guitar" ("Turnin’ On The Screw"), "twinkley bits" ("Sick, Sick, Sick"), organ ("Misfit Love"), electric piano ("Suture Up Your Future"), "eclectic piano" ("Battery Acid"), bass ("River In The Road"), backing vocals (tracks 7 and 11)
Julian Casablancas – synth guitar and vocals ("Sick, Sick, Sick")
Serrina Sims – backing vocals ("Make It Wit Chu")
Brody Dalle-Homme – backing vocals ("Make It Wit Chu")
Liam Lynch – backing vocals ("Make It Wit Chu")
Mark Lanegan – harmony vocals ("River InT Road")




Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Turnin‘ On The Screw (5:20)
2. Sick, Sick, Sick (3:34)
3. I‘m Designer (4:04)
4. Into The Hollow (3:42)
5. Misfit Love (5:39)
6. Battery Acid (4:06)
7. Make It Wit Chu (4:50)
8. 3‘s & 7‘s (3:34)
9. Suture Up Your Future (4:37)
10. River In The Road (3:19)
11. Run, Pig, Run (4:40)

Bonus Track:

12. The Fun Machine Took A Shit & Died (6:55)

Gesamtspieldauer: 54:25



„Era Vulgaris“ heißt das fünfte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Queens Of The Stone Age. Es wurde im Juni 2007 auf dem Plattenlabel Interscope Records veröffentlicht. Die Lieder „Sick, Sick, Sick“, „3‘s & 7’s“ sowie „Make It Wit Chu“ wurden als Singles ausgekoppelt. In Deutschland kletterte das Album bis auf Platz 5 der Charts.

Auf „Era Vulgaris“ hört man Independent Rock, der durchaus auch mal schräg klingen kann. Nicht alles auf diesem Album ist eingängig oder melodiös. Doch genau das macht die Platte auch spannend, denn die Lieder nehmen immer wieder überraschende Wendungen. Gerockt wird ordentlich und zum Teil auch relativ kompromisslos. Und dann gibt es eben auch wieder Passagen, die sich sofort im Ohr festsetzen und gerade zu so wirken, als ob man sie bereits eine Ewigkeit kennen würde.

„Era Vulgaris“ ist nicht die beste Platte der Queens Of The Stone Age, dafür eine grundsolide. Darauf befindet sich keine Musik zum „Nebenbeihören“, denn die einzelnen Stücke verlangen durchaus eine gewisse Aufmerksamkeit, um sie richtig und ganz zu erfassen. Höhepunkt für mich ist das Lied „River In The Road“. Dies ist übrigens auch die einzige Nummer, bei der man Mark Lanegan beim Gesang hört.

Fazit: „Era Vulgaris“ ist ein grundsolides, aber sicherlich kein außergewöhnliches Album geworden. Wer auf Alternative Rock steht, der nicht immer sofort ins Ohr geht und etwas erarbeitet werden muss, die oder der dürfte hier etwas für sich finden. Neun Punkte.

Anspieltipps: River In The Road



Samstag, 21. Mai 2022

Marius Müller-Westernhagen – Das Eine Leben

 



Marius Müller-Westernhagen – Das Eine Leben


Besetzung:

Marius Müller-Westernhagen – Gesang


Gastmusiker:

Steven Wolf – Schlagzeug, Drumprogramming
Jack Daley – Bass
Larry Campbell – Akustische und elektrische Gitarre, Pedal Steel, Mandoline, Violine, Perkussion bei “Wenn Wir Wieder Über Den Berg Sind”, zusätzliches Keyboard bei “Achterbahngedanken”
Andy Burton – Keyboards
Friso Lücht – Flügel bei “Achterbahnmgedanken”
Daniel Sadownick – Perkussion
Ingrid Arthur – Hintergrundgesang
Monica Schmidt – Hintergrundgesang
Marlin Williford – Hintergrundgesang
Lindiwe Müller Westernhagen – Hintergrundgesang bei “Es Geht Immer Nur So Weit Wie Es Geht”


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Ich Will Raus Hier (4:06)
2. Schnee Von Gestern (3:54)
3. Achterbahngedanken (4:53)
4. Zeitgeist (4:41)
5. Spieglein, Spieglein An Der Wand (4:38)
6. Die Wahrheit (6:03)
7. Ich Werde Dich Lieben Bis In Den Tod (4:23)
8. Dunkle Phantasien (3:31)
9. Es Geht Immer Nur So Weit Wie Es Geht (3:55)
10. Abschiedslied (3:59)
11. Wenn Wir Wieder Über Den Berg Sind (3:04)

Gesamtspieldauer: 47:12



„Das Eine Leben“ ist bereits das zwanzigste Studioalbum des Marius Müller-Westernhagen und erschien am 20. Mai 2022 wieder unter seinem vollen Namen und nicht nur mit „Westernhagen“ betitelt, ganze acht Jahre nach dem Vorgänger „Alphatier“. Eine längere Pause zwischen zwei Studioalben hatte es bei Marius Müller-Westernhagen bisher noch nie gegeben.

Beim ersten Hören wird gleich deutlich, dass es sich bei „Das Eine Leben“ eindeutig um ein Westernhagen-Album handelt. Das liegt natürlich zum einen am unverwechselbaren Gesang des gebürtigen Düsseldorfers, jedoch nicht nur. Es ist auch die Musik und eben jener für Marius Müller-Westernhagen so typische Sound des Rocks, der sich durch all seine Alben zieht. Marius Müller-Westernhagen hat auf „Das Eine Leben“ keine Experimente vollzogen, sondern ist seiner Musik treu geblieben. So hört man rockige Nummern wie „Ich Will Raus hier“, „Zeitgeist“ oder „Spieglein, Spieglein An Der Wand“. Lieder, welche sich eher im Mid-Tempo bewegen wie „Es Geht Immer Nur So Weit Wie Es Geht“ oder dann doch sanfte Stücke wie zum Beispiel „Achterbahngedanken“ oder „Ich Werde Dich Lieben Bis In Den Tod“. Etwas aus der Reihe fällt da lediglich die letzte Nummer des Albums „Wenn Wir Wieder Über Den Berg Sind“. Das Lied beginnt langsam und entwickelt sich dann zu einem Titel mit leichtern Country-Anklängen.

Mit jedem weiteren Hören werden die Lieder vertrauter und das Album gefällt mir noch besser. Diese Mischung aus rockigeren und dann wieder sehnsüchtigeren und nachdenklicheren Liedern ist Marius Müller-Westernhagen gelungen. Bei den langsameren Stücken mag so manche und mancher vielleicht auch ein wenig Pathos entdecken, doch diese Nachdenklichkeit möchte ich dem inzwischen 73-jährigen Musiker gerne zugestehen. Dass man sich zu diesem Zeitpunkt der Karriere auch mit anderen Themen beschäftigt als mit Mitte 20 ist mehr als verständlich und mich packen auch solche Lieder wie „Achterbahngedanken“.

Fazit: Wer die Musik des Marius Müller-Westernhagen mag wird auch von „Das Eine Leben“ sicherlich nicht enttäuscht werden. Eindeutig hört man auf dem Album Marius Müller-Westernhagen-Musik. Die Texte sind mal nachdenklicher und reflektieren das Leben oder bissig und direkt wie beim Lied „Zeitgeist“. Die Mischung ist Marius Müller-Westernhagen sowohl inhaltlich wie auch musikalisch gelungen. Macht Spaß und es ist immer wieder schön zu hören, dass Musiker, die einen das ganze Leben lang begleiten, auch später noch schöne Alben veröffentlichen. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Achterbahngedanken



Donnerstag, 19. Mai 2022

Terry Reid – Bang, Bang You're Terry Reid

 



Terry Reid – Bang, Bang You're Terry Reid 


Besetzung:

Terry Reid – guitar, bass, vocals


Gastmusiker:

Eric Leese – keyboards
Keith Webb – drums




Erscheinungsjahr: 1968


Stil: Rock


Trackliste:

1. Bang Bang (My Baby Shot Me Down) (4:17)
2. Tinker Taylor (2:55)
3. Erica (3:51)
4. Without Expression (4:48)
5. Sweater (2:06)
6. Something's Gotten Hold Of My Heart (5:02)
7. Season Of The Witch (10:10)
8. Writing On The Wall / Summertime Blues (10:14)
9. When I Get Home (3:40)
10. Loving Time (3:39)

Gesamtspieldauer: 50:46



Terry Reid ist ein englischer Musiker, der hauptsächlich dadurch bekannt wurde, dass er Jimmy Page aufgrund von Tourverpflichtungen absagte und nicht in dessen Band The New Yardbirds mitspielen wollte, aus denen sich Led Zeppelin entwickelte. Stattdessen schlug er Page Robert Plant als Sänger und John Bonham als Schlagzeuger vor. Auch Ritchie Blackmore sagte er für Deep Purple ab, als dieser einen Nachfolger für Rod Evans suchte.

Terry Reids Debut „Bang, Bang You're Terry Reid“ verkaufte sich nicht besonders erfolgreich, obwohl der Titel „Without Expression“ aus dem Album, den Terry Reid bereits mit 14 Jahren schrieb,  in der Interpretation anderer Bands und Musiker erfolgreich werden sollten. Das Lied wurde bereits im Erscheinungsjahr des Albums 1968 von The Hollies als "A Man With No Expression", 1969 von Crosby, Stills, Nash und Young als "Horses Through a Rainstorm", 1973 von REO Speedwagon als "Without Expression (Don't Be the Man)" und von John Mellencamp auf seinem Greatest Hits Album „The Best That I Could Do: 1978-1988“ gecovert.

Dass das Album selbst nicht so erfolgreich wurde lag womöglich an dem kruden Stilmix, den man auf dieser Platte zu hören bekommt. Von Hard Rock über Pop, Calypso-Klängen bis hin zum Blues und Folk bekommt man so ziemlich alles auf diesem Album geboten. Vier der zehn Titel sind dabei Cover-Versionen, sechs Lieder schrieb Terry Reid selbst. Das klingt phasenweise auch immer ganz nett, so restlos überzeugen die Lieder dann allerdings doch nicht. Irgendetwas scheint immer zu fehlen.

Trotzdem gehen viele der Titel ins Ohr und man ist überrascht, welchen breiten Sound Terry Reid bereits Ende der 60er Jahre auf Platte zu pressen verstand. Die Chance ein „Lieblingsalbum“ zu werden hat die Scheibe allerdings kaum, denn zu unterschiedlich klingen die Stile und musikalischen Richtungen, sodass man sich nie auf die Musik einstellen kann. Was spannend klingt, kann auch anstrengend sein.
Fazit: Nun, ein sehr abwechslungsreiches Debut-Album ist dem Engländer Terry Reid mit „Bang, Bang You're Terry Reid“ ganz bestimmt gelungen. Und dieses klingt sogar noch nicht mal unbedingt nach Ende der 60er Jahre. Trotzdem wirkt es so, als ob hier ein Musiker zu hören ist, der eines zumindest nicht wusste, nämlich in welchem musikalischen Genre er sich zu Hause fühlt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Bang Bang (My Baby Shot Me Down)



Dienstag, 17. Mai 2022

T. Rex – T. Rex

 



T. Rex – T. Rex


Besetzung:

Marc Bolan – vocals, guitar, bass, organ
Mickey Finn – drums, bass, pixiphone, vocals


Gastmusiker:

Tony Visconti – bass, piano, recorder, string arrangements, production
Howard Kaylan – backing vocals
Mark Volman – backing vocals




Erscheinungsjahr: 1970


Stil: Rock


Trackliste:

1. The Children Of Rarn (0:53)
2. Jewel (2:46)
3. The Visit (1:54)
4. Childe (1:40)
5. The Time Of Love Is Now (2:42)
6. Diamond Meadows (1:58)
7. Root Of Star (2:31)
8. Beltane Walk (2:26)
9. Is It Love? (2:33)
10. One Inch Rock (2:25)
11. Summer Deep (1:43)
12. Seagull Woman (2:18)
13. Suneye (2:05)
14. The Wizard (8:50)
15. The Children Of Rarn (Reprise) (0:39)

Bonus Track der Wiederveröffentlichung:

16. Ride A White Swan (2:18)

Gesamtspieldauer: 39:46



„T. Rex“ heißt das fünfte Studioalbum des englischen Musikers Marc Bolan und seiner Band Tyrannosaurus Rex. Es ist jedoch das erste Album, welches die Band unter dem Namen T. Rex veröffentlichte. „T. Rex“ erschien ursprünglich am 18. Dezember 1970 auf dem Plattenlabel Reprise Records. Obwohl das Album unter dem Namen T. Rex veröffentlicht wurde, wurden alle Aufnahmen noch unter dem Namen Tyrannosaurus Rex mit der Zwei-Mann-Besetzung aus Sänger und Gitarrist Marc Bolan und Schlagzeugers Mickey Finn eingespielt.

Marc Bolan wollte noch weiter weg vom Folk-Sound früherer Alben hin zum Rock und ließ sich deshalb auch mit einer E-Gitarre auf dem Cover abbilden. Und so hört man auf „T.Rex“ eine Mischung aus immer noch folkig angehauchten Klängen, die ab und an mit einer E-Gitarre untermalt wurden. Rockig klingt das lediglich an ausgewählten Stellen, doch jederzeit entspannt und auch melodiös und eingängig. Ausnahmen stellen dabei kurze eher experimentelle Ausflüge dar, die hier und da in einem Lied eingestreut wurden. Insgesamt klingt das alles heutzutage irgendwie trotzdem unaufgeregt. Inhaltlich wurde „T. Rex“ von J.R.R. Tolkien beeinflusst. Marc Bolan singt von Zauberern und diversen weiteren mystischen Gestalten.

Die Lieder bewegen sich alle noch in einer Länge, die die Pop-Musik der 60er Jahre widerspiegelt. Kein Titel mit einer Ausnahme erreicht die 3-Minuten-Marke. Diese Ausnahme fällt dann auch nicht nur „üppig“ aus, sondern auch bezüglich der Musik etwa aus dem Rahmen. Das Lied „The Wizard“ hat nicht nur eine Laufzeit von fast neun Minuten, die Nummer rockt auch deutlich mehr als der Rest des Albums. Zum Teil klingt das sogar ein wenig schräg und spielt im Bereich des Psychedelic Rock mit leichten experimentellen Ansätzen. Die Übergänge verschiedener Passagen des Liedes klingen mitunter leider leicht konstruiert, geradezu so, als ob es sich um mehrere Lieder handeln würde, die verbunden werden „mussten“. Nicht ganz verwunderlich, denn „The Wizard“ war eine bereits im Jahr 1965 veröffentlichte, deutlich kürzere Single des Marc Bolan.

Fazit: Ein entspanntes Album ist „T. Rex“ von „T. Rex“ geworden. Gleichzeitig das erste Album, welches Marc Bolan unter diesem Bandnamen veröffentlichte. Folk, Rock und ein paar Ausflüge in experimentelle und psychedelische Gefilde gibt es darauf zu hören. Man kann das alles gut konsumieren und die Musik ist keine, die sich im Hintergrund hören lässt. Ein wenig Aufmerksamkeit bedarf es da schon. Neun Punkte.

Anspieltipps: Diamond Meadows



Sonntag, 15. Mai 2022

Florence + The Machine – Dance Fever

 



Florence + The Machine – Dance Fever


Label: Polydor


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. King (4:40)
2. Free (3:54)
3. Choreomania (3:33)
4. Back In Town (3:55)
5. Girls Against God (4:40)
6. Dream Girl Evil (3:47)
7. Prayer Factory (1:13)
8. Cassandra (4:18)
9. Heaven Is Here (1:51)
10. Daffodil (3:34)
11. My Love (3:51)
12. Restraint (0:48)
13. The Bomb (2:44)
14. Morning Elvis (4:22)

Gesamtspieldauer: 47:15



„Dance Fever“ heißt das inzwischen fünfte Studioalbum der englischen Band Florence + The Machine. „Dance Fever“ wurde am 13. Mai 2022 auf dem Plattenlabel Polydor Records veröffentlicht. Das Albumcover wurde von der amerikanischen Fotografin und Filmregisseurin Autumn de Wilde aufgenommen, die auch die Musikvideos und Single-Cover für die ersten vier Singles des Albums drehte. Dies sind die Lieder „King“, „Heaven Is Here“, „My Love“ sowie „Free“.

In einem Interview erzählte Florence Welch, dass die Musik des Iggy Pop den größten musikalischen Einfluss auf die Lieder des Albums gehabt hätte. Dieser würde sich in ganz vielen musikalischen Stilen zu Hause fühlen und dem sollte auch auf „Dance Fever“ Rechnung getragen werden. Doch was sich nach einem großen Stilmix anhört, entpuppt sich beim Hören des Albums durchaus als stimmiges Hörerlebnis. Von Pop über Rock bis Folk sind deren unterschiedliche Ausprägungen mit progressiven, psychedelischen, barocken, elektronischen, sphärischen oder discoartigen Klängen vertreten – aber eben immer nur ansatz- beziehungsweise phasenweise. Dabei ist der Titel des Albums sogar etwas irreführend. Natürlich sind einige Titel des Albums auch tanzbar, jedoch längst nicht alle. Wer hier also an eine Club-Platte denkt, welche die Tanzflächen füllt, dürfte beim Hören einigermaßen überrascht oder schlimmstenfalls sogar enttäuscht werden.

„Dance Fever“ klingt überaus stimmig und dabei jederzeit eingängig. Florence Welch singt, spricht, stöhnt, fleht, fordert und flüstert, was die einzelnen Titel nochmals intensiver klingen lässt. Dabei schöpft die Engländerin die ganze Bandbreite ihrer stimmlichen Möglichkeiten aus und auch davon lebt dieses Album, welches immer wieder mitreißende Momente aufweist. Und es sind eben auch diese Melodien, die schnell ins Ohr gehen und „Dance Fever“ bereits beim ersten Mal des Hörens zu einem eingängigen und hörenswerten Album werden lassen.

Fazit: Auch mit ihrem fünften Studioalbum „Dance Fever“ enttäuschen Florence + The Machine nicht. Wer auf klasse Melodien steht, die sich schnell im Ohr festsetzen, die oder der wird hier sicherlich fündig werden. Und auch wenn viele musikalische Genres in der Musik zu finden sind, so klingt „Dance Fever“ doch wie eine Einheit aus poppigem Rock oder rockigem Pop – ganz wie man will. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: King, Cassandra, Daffodil



Freitag, 13. Mai 2022

System Of A Down – Hypnotize

 



System Of A Down – Hypnotize


Besetzung:

Serj Tankian – vocals, keyboards
Daron Malakian – vocals, guitars, bass, keyboards
Shavo Odadjian – bass
John Dolmayan – drums




Erscheinungsjahr: 2005


Stil: Heavy Metal


Trackliste:

1. Attack (3:06)
2. Dreaming (3:59)
3. Kill Rock ‚n Roll (2:28)
4. Hypnotize (3:09)
5. Stealing Society (2:58)
6. Tentative (3:36)
7. U-Fig (2:55)
8. Holy Mountains (5:28)
9. Vicinity Of Obscenity (2:51)
10. She‘s Like Heroin (2:44)
11. Lonely Day (2:47)
12. Soldier Side (3:40)

Gesamtspieldauer: 39:47



„Hypnotize“ heißt das fünfte Studioalbum der armenisch-amerikanischen Heavy Metal Band System Of A Down. Es wurde am 22. November 2005 auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht, lediglich sechs Monate nach dem Erscheinen des dazugehörigen Albums „Mezmerize“. Sowohl „Mezmerize“ als auch „Hypnotize“ kletterten bis auf Platz 1 der US-Billboard 200-Albumcharts. In Deutschland belegten die beiden Alben in der Reihenfolge ihrer Erscheinung Platz 1 und 4. Seitdem ist es still geworden um die Band, die bis heute, Stand Mai 2022, keine weitere Platte veröffentlicht hat.

Auch auf „Hypnotize“ hört man alle „Zutaten“, die solch ein System Of A Down-Album ausmachen. Knallharter Metal, unterbrochen durch mehrstimmige Gesangseinlagen und dabei jederzeit melodiös klingend. Der System Of A Down-Stil ist ziemlich eindeutig und einzigartig. Dabei wird auch vor recht deftigen und drastischen Ausdrucksweisen nicht zurückgeschreckt, sodass die Alben der Band in den USA nur mit entsprechender Kennzeichnung veröffentlicht werden dürfen.

Die Lieder zünden ganz schnell und gehen ebenso schnell ins Ohr. Bereits beim zweiten Mal des Hörens glaubt man die einzelnen Titel schon länger zu kennen. Natürlich sollte man gerne sehr schnelle Gitarrenriffs genießen können und diese Riffs sind wahrlich schnell. Und dann ist da eben dieses Spiel mit im Grunde genommen geschrienen Passagen und wunderschönen Vokalarrangements, die so sanftmütig und unschuldig klingen. Beide Abschnitte gehen wie selbstverständlich ineinander über. Einmalig.

Die Höhepunkte auf „Hypnotize“ heißen „Tentative“ sowie „Lonely Day“. Erstgenannter Titel vereinigt in sich die ganze Bandbreite der Musik von System Of A Down und steht irgendwie stellvertretend für das ganze Album. Und „Lonely Day“ ist eine wunderschöne Mid-Tempo-Nummer, ein kleiner Ohrwurm, der bereits beim ersten Mal überzeugt.

Fazit: Auch auf „Hypnotize“ enttäuschen System Of A Down ihre Fans nicht. Knallharter Metal gepaart mit akrobatischen Gesangspassagen gibt es auch auf diesem Album zu hören. Bei aller Härte ist die Musik der Band sehr eingängig und weiß jederzeit zu überzeugen, da auch die Ausfälle auf der Platte fehlen. Macht Spaß und ist hoffentlich noch nicht das letzte Kapitel in der Bandgeschichte, auch wenn seitdem bereits siebzehn Jahre vergangen sind. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Tentative, Lonely Day