Dienstag, 4. Oktober 2022

T. Rex – Electric Warrior

 



T. Rex – Electric Warrior


Besetzung:

Marc Bolan – vocals, guitar
Mickey Finn – congas, bongos, vocals
Steve Currie – bass
Bill Legend – drums, tambourine


Gastmusiker:

Howard Kaylan – backing vocals
Mark Volman – backing vocals
Rick Wakeman – keyboards on "Get It On"
Ian McDonald – saxophone
Burt Collins – flugelhorn




Erscheinungsjahr: 1971


Stil: Rock


Trackliste:

1. Mambo Sun (3:39)
2. Cosmic Dancer (4:28)
3. Jeepster (4:10)
4. Monolith (3:47)
5. Lean Woman Blues (3:00)
6. Get It On (4:25)
7. Planet Queen (3:11)
8. Girl (2:31)
9. The Motivator (3:58)
10. Life‘s A Gas (2:23)
11. Rip Off (3:45)

Bonus Tracks der Wiederveröffentlichung:

12. Raw Ramp (Single B-Side) (5:16)
13. Hot Love (Single A-Side) (4:57)
14. Woodland Rock (Single B-Side) (2:28)
15. King Of The Mountain Cometh (Single B-Side) (3:53)

Gesamtspieldauer: 55:59



„Electric Warrior“ heißt das zweite Studioalbum der englischen Rockband T. Rex. Falls man allerdings die Platten von Tyrannosaurus Rex mitzählt, wie sich die Band auf den ersten vier Alben nannte, ist es das sechste Album. Der einmal eingeschlagene Weg, der mit dem vorherigen Album eingeschlagen worden war, wurde auf „Electric Warrior“ fortgesetzt. Die Band um Marc Bolan spielte nun keinen Folk-orientierten Sound mehr, die Musik driftete deutlich mehr in Richtung des Pops in Verbindung zum Rock und begründete mit das Genre Glam-Rock.

Das Album erreichte Platz 1 der britischen Charts und wurde dort auch das meistverkaufte Album des Jahres 1971. Besonders die Singleauskopplung „Get It On“ trug zum Erfolg des Albums bei und erreichte sogar die Top Ten der US Billboard Hot 100 Singles Charts. In den USA war das Lied von der US-Plattenfirma allerdings in „Bang A Gong (Get It On)“ umbenannt worden und wurde dort zum einzigen nordamerikanischen Hit der Band. Auf irgendwelchen Retro-Radio-Stationen läuft „Get It On“ heute natürlich auch noch in Deutschland.

Und wie wirkt das heute? Durchaus noch eingängig und melodiös. Selbstverständlich aber nicht mehr so „besonders“, wie es damals zum Zeitpunkt der Veröffentlichung klang. Man hört auf „Electric Warrior“ einen poppig-rockigen Mix, der mit jedem Akkord ins Ohr geht. Zu behaupten, dass man sich hier mehr Experimente oder Außergewöhnliches gewünscht hätte wäre natürlich völlig unangebracht. Zur Zeit der Veröffentlichung klang diese Musik nämlich noch experimentell und außergewöhnlich.

Trotzdem bleibt festzustellen, dass viele Bands der damaligen Zeit deutlich mehr Spuren bis in die heutige Zeit hinterlassen haben – auch wenn T. Rex zahlreiche andere Musiker inspirierte. Was also beim Hören von „Electric Warrior“ erlebt werden kann ist ein eingängiger Mix aus Pop und Rock, der ab und an versucht dramatisch zu klingen. Das ist ganz sicher keine schlechte Musik, doch man muss wohl in der damaligen Zeit gelebt und aktiv Musik konsumiert haben, um sich von dieser Musik, dem Sound und dem Spirit begeistern lassen zu können.

Fazit: „Electric Warrior“ ist das zweite Album, welches Marc Bolan unter der „Überschrift“ T. Rex veröffentlichte. Darauf enthalten ist eine Mischung aus Pop und Rock, die jederzeit eingängig klingt und auch oft zum Mitwippen animiert. Nach „Glam“ klingt das für heutige Ohren zwar nicht mehr, doch wegweisend war die Band. Und dann ist da natürlich noch das Lied „Get It On“, welches auf keiner 70er-Revival Party fehlen darf. Neun Punkte.

Anspieltipps: Get It On, Hot Love



Montag, 3. Oktober 2022

Terry Reid – River

 



Terry Reid – River


Besetzung:

Terry Reid – vocals, guitar


Gastmusiker:

David Lindley – electric guitar, steel guitar, slide guitar, violin
Lee Miles – bass guitar
Conrad Isidore – drums
Willie Bobo – percussion parts on "River"




Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Blues


Trackliste:

1. Dean (4:45)
2. Avenue (5:08)
3. Things To Try (4:25)
4. Live Life (5:11)
5. River (5:45)
6. Dream (5:20)
7. Milestones (5:52)

Gesamtspieldauer: 36:29



„River“ heißt das dritte Studioalbum des englischen Sängers und Gitarristen Terry Reid. Es wurde im Jahr 1973 ursprünglich auf dem Plattenlabel Atlantic Records veröffentlicht – ganze vier Jahre nach dem zweiten Album des Briten.

Wer auf Blues steht, die oder der hört mit „River“ von Terry Reid zumindest ein Album, welches das Lieblingsmusikgenre bedient. Blues hört man nämlich eine ganze Menge auf dieser Scheibe. Im Grunde genommen sogar vom ersten bis zum letzten Takt. Die ersten vier Lieder sind dabei mit der Band eingespielt und beinhalten einen sehr relaxten, dabei leider auch sehr wenig abwechslungsreichen Blues. Beim Titellied wurden dann noch lateinamerikanische Töne mit untergemischt und die Perkussion wird von Willie Bobo übernommen. Die letzten beiden Stücke „Dream“ und „Milestones“ zeichnen sich schließlich dadurch aus, dass man bei diesen Terry Reid am Gesang und mit einer akustischen Gitarre hört – beim letzten Lied hört man ihn sogar zu Beginn pfeifenderweise. Selbstverständlich handelt es sich bei diesen beiden Titeln auch wieder um Bluesstücke.

Insgesamt klingen die sieben Lieder allerdings leider, wie lediglich gejammte, auf jeden Fall jedoch unfertige Stücke. Manchmal erscheint es fast so, als ob Terry Reid beim Spielen noch auf der Suche nach der Melodie und des Ablaufs ist. Das hört sich überwiegend überraschend unausgegoren und manchmal auch sehr langweilig an. Hier packt einen Weniges und das Album scheint auf seine Art einfach so dahinzuplätschern – ohne einen zu packen.

Fazit: „River“ von Terry Reid ist ein Bluesalbum geworden. Leider jedoch ist diese Platte eine recht langweilige Scheibe, die Lieder erklingen weder ausgereift, noch irgendwie packend. Mitunter klingt das nach ersten Liedideen, die noch ausgearbeitet werden sollten, dann aber vergessen wurden. Schade. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Milestones



Mittwoch, 28. September 2022

Steve Hackett – Genesis Revisited Live Seconds Out & More

 



Steve Hackett – Genesis Revisited Live Seconds Out & More


Besetzung:

Steve Hackett – guitar, vocals


Gastmusiker:

Roger King – keyboards
Rob Townsend – saxophone, woodwind, percussion, vocals, keyboards, bass
Nad Sylvan – vocals, tambourine
Jonas Reingold – bass, bass pedals, vocals
Craig Blundell – drums, percussion, vocals
Amanda Lehmann – vocals, guitar




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Apollo (1:09)
2. Clocks – The Angel Of Mons (4:36)
3. Held In The Shadows (7:20)
4. Every Day (6:43)
5. The Devil‘s Cathedral (6:19)
6. Shadow Of The Hierophant (11:01)
7. Squonk (6:39)
8. The Carpet Crawlers (6:03)
9. Robbery Assault And Battery (6:10)
10. Afterglow (4:01)
11. Firth Of Fifth (10:21)

CD2:

1. I Know What I Like (8:37)
2. The Lamb Lies Down On Broadway (5:20)
3. The Musical Box (3:07)
4. Supper‘s Ready (25:05)
5. The Cinema Show (11:11)
6. Aisle Of Plenty (1:31)
7. Dance On A Volcano (6:09)
8. Los Endos (7:04)

Gesamtspieldauer CD1 (1:10:27) und CD2 (1:08:07): 2:18:34



Steve Hackett ist derjenige Genesis-Musiker, der sich auch immer wieder an die früheren Stücke der Band heranwagt und diese live zum Besten gibt. Das tröstet ein wenig darüber hinweg, dass man die fünf Musiker Peter Gabriel, Tony Banks, Mike Rutherford, Phil Collins und eben jenen Steve Hackett wohl nicht mehr zusammen auf einer Bühne sehen wird. Und nun interpretiert er mit „Seconds Out“ sogar ein Live-Album seiner früheren Band Genesis, welches größtenteils im Jahr 1977 entstand, um das Album „Wind & Wuthering“ zu unterstützen. Lediglich „The Cinema Show“ war damals ebenfalls darauf vertreten, obwohl es während der „A Trick Of The Tail“-Tour im Jahr 1976 aufgenommen worden war – ganz frisch nach Peter Gabriels Ausstieg.

Nun, der Beginn des Albums besteht zunächst einmal aus Steve Hackett-Solo-Werken. Kurz eine Auflistung der Lieder und deren Herkunft. Das Eingangslied „Apollo“, das Intro des Albums, wurde wohl auch direkt dafür geschrieben. Es findet sich meines Erachtens nach auf keinem anderen Steve Hackett Album. „Clocks – The Angel Of Mons“ stammt wie „Every Day“ vom 1979er Album „Spectral Mornings“. Das sich anschließende „Held In The Shadows“ ist wie das Lied „The Devil‘s Cathedral“ seinem letzten Soloalbum „Surrender Of Silence“ aus dem Jahr 2021 entnommen. Und „Shadow Of The Hierophant“ schließlich ist einer der Klassiker seines ersten Soloalbums „Voyage Of The Acolyte“ aus dem Jahr 1975.

Ab der siebten Nummer „Squonk“ folgt nun die Neueinspielung des Live-Albums „Seconds Out“ in genau derselben Reihenfolge der Lieder wie beim Original. Lediglich das kurze „Aisle Of Plenty“, welches beim Studioalbum „Selling England By The Pound“ nach dem Lied „The Cinema Show“ folgt, beim Original-Live-Album „Seconds Out“ aber wohl weggelassen wurde, ist auf diesem Steve Hackett-Konzert hinzugefügt worden. Sehr löblich, denn irgendwie gehören die beiden Stücke auch zusammen.

Nun, die Musik überzeugt absolut. Die Neueinspielung des damaligen Konzertes klingt sehr gelungen. Wer Genesis in den frühen 70er Jahren mochte, der wird mit diesem Album definitiv auf ihre oder seine Kosten kommen. Nad Sylvan macht beim Gesang seine Sache sehr gut. Und viele, die Phil Collins bei den alten Genesis-Liedern nicht als „Ersatz“ für Peter Gabriel hören wollten, können hier nun einer sehr überzeugenden Alternative lauschen. In Verbindung mit den Solo-Stücken des Steve Hackett klingt das gesamte Album sehr gelungen. Noch mitreißender ist es sicherlich, sich das Ganze wirklich live anzusehen.

Fazit: Steve Hackett präsentiert einmal mehr die Genesis-Musik der frühen 70er Jahre sehr überzeugend. Auch in Verbindung zu seinen persönlichen Stücken aus seiner Solo-Karriere wirkt dieses Album. Für alle, die gerne in Erinnerungen schwelgen ist es eine lohnende Anschaffung. Noch besser kann da nur noch der Besuch eines Steve Hackett Konzertes sein. Elf Punkte.

Anspieltipps: Na was wohl? Supper’s Ready? Stimmt.



Dienstag, 27. September 2022

Lonely Robot – A Model Life

 



Lonely Robot – A Model Life


Besetzung:

John Mitchell – vocals, guitar, bass, keyboards


Gastmusiker:

Craig Blundell – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock, Pop, ArtRock


Trackliste:

1. Recalibrating (5:00)
2. Digital God Machine (6:04)
3. Species In Transition (6:15)
4. Starlit Stardust (5:48)
5. The Island Of Misfit Toys (4:14)
6. A Model Life (5:23)
7. Mandalay (1:50)
8. Rain Kings (6:33)
9. Duty Of Care (6:22)
10. In Memoriam (5:51)

Gesamtspieldauer: 53:24



„A Model Life“ ist bereits das fünfte Album welches John Mitchell unter der „Überschrift“ Lonely Robot veröffentlicht. „A Model Life“ erschien am 26. August 2022 auf dem Plattenlabel InsideOut Music und ist eines der zahlreichen Projekte des Iren. Weitere Bands an denen er beteiligt ist sind It Bites, Arena, Frost*, Kino und The Urbane.

Nach eigener Aussage wollte John Mitchell lediglich drei Alben mit Lonely Robot veröffentlichen: „Die Wahrheit ist, dass ich immer nur vorhatte drei Alben zu machen und dann aufzuhören. Dann waren wir am Ende der drei Alben angelangt und ich hatte eine Diskussion mit dem Label darüber, das nächste vielleicht nicht unter dem Namen Lonely Robot zu veröffentlichen, aber mit echtem deutschem Geschäftssinn sagten sie: 'Wir haben die Marke jetzt etabliert!' Und dann fragen sich alle, wo der Typ im Raumanzug geblieben ist! Aber es ist mir eigentlich egal, wie es heißt, solange ich weiter Musik machen kann. Was ich an Lonely Robot am meisten befreiend finde ist, dass ich einfach dasitzen und in meinem eigenen Tempo weitermachen kann und nicht auf andere Leute warten muss!

Inhaltlich handelt das Album von den Fantasien der Menschen, wie sie ihr Leben gerne hätten, und nicht um das, was sie tatsächlich sind. „Endlose positive Bestätigung in den sozialen Medien und alles sieht rein und weiß und wie ein Enya-Video aus. In jedem Song geht es darum, dass man sich über irgendjemanden aufregt.

Nun und musikalisch? Da fährt man bei einem Album von John Mitchell immer gut, wenn man es sehr eingängig und melodiös mag. Denn genau so klingt „A Model Life“. Sehr viel Wohlklang, keine Experimente oder gar schräge Passagen. Alles geht schnell ins Ohr, manches leider auch schnell wieder daraus hinaus. Ist das Pop oder Rock oder hat die Musik doch noch progressive Ansätze? Letzteres kaum, nur mit ganz viel Wohlwollen und einem ganz weit gefassten Begriff des Progressiven. Nein, man hört auf „A Model Life“ eine eingängige Mischung aus Pop und Rock welche Leuten, die auf genau diese Eingängigkeit stehen auch sehr gefallen wird.

Und ich selbst finde auch schöne Stellen auf dieser Platte, die stimmungsmäßig konsequent einen einmal eingeschlagenen Weg durchzieht. Sanft mit einem Hauch Melancholie versehen scheinen die einzelnen Titel aus den Boxen zu schweben. Die Höhepunkte heißen für mich „Species In Transition“, „Duty Of Care“ sowie „In Memoriam“. Bei diesen drei Liedern kommt das Gespür des John Mitchell für die eingängige Melodie, die sich verfängt, noch mal besonders gut zum Vorschein. Schöne Lieder, die man auch in mehreren Jahren noch gerne hört.

Fazit: Ins Ohr geht die Musik immer, die John Mitchell schreibt – ganz gleich bei welcher Band er gerade aktiv ist. Und nicht anders ist es auch bei Lonely Robot und dessen fünftem Album „A Model Life“. Wer also auf Wohlklang und eine schöne Melodie steht, die oder der kann hier bedenkenlos zugreifen. Für alle anderen, die auch die Ecken und Kanten in der Musik zu schätzen wissen könnte dieses Album allerdings auch langweilig klingen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Species In Transition, Duty Of Care, In Memoriam



Montag, 26. September 2022

Spirit Adrift – 20 Centuries Gone

 



Spirit Adrift – 20 Centuries Gone


Besetzung:

Nate Garrett – vocals, guitar, bass, drums, piano, synthesizer


Gastmusiker:

Tom Draper – guitar
Sonny DeCarlo – bass
Michael Arellano – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Hard Rock, Metal


Trackliste:

1. Sorcerer‘s Fate (5:33)
2. Mass Formation Psychosis (6:23)
3. Everything Dies (5:16)
4. Hollow (5:55)
5. Escape (4:28)
6. Waiting For Aan Alibi (3:30)
7. Nasty Dogs And Funky Kings (2:51)
8. Poison Whiskey (3:09)

Gesamtspieldauer: 37:09



Die US-amerikanische Metal-Band Spirit Adrift hat am 29. August dieses Jahres ein neues Album herausgebracht. „20 Centuries Gone“ heißt es und ist leider nicht das fünfte Studioalbum der Band. Insgesamt acht Titel befinden sich zwar auf dem Album, von denen allerdings lediglich die ersten beiden von Spirit Adrift selbnst stammen. Die restlichen sechs Lieder sind Coverversionen von Stücken („Everything Dies“ (Type O Negative), „Hollow“ (Pantera), „Escape“ (Metallica), „Waiting For An Alibi“ (Thin Lizzy), „Nasty Dogs And Funky Kings“ (ZZ Top), „Poison Whiskey“ (Lynyrd Skynyrd)), die laut Aussage der Band zur „eigenen DNS gehören“.

Viele Künstlerinnen und Künstler sowie Bands unternehmen solche „Ausflüge“, doch meist klingt das weder gelungen noch sonst irgendwie spannend, da man die Lieder sehr viel lieber im Original hört – Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Nicht weiter verwunderlich also, dass sich „20 Centuries Gone“ hauptsächlich wegen der ersten beiden Nummern lohnt. Cooler, kraftvoller Metal, der dazu auch noch ins Ohr geht. Man kommt gar nicht umhin hier mitzuwippen und mit jedem weiteren Durchlauf verstärkt sich dies noch. Spirit Adrift klingen hier so wunderbar kraftvoll und mitreißend. Es wäre so schön gewesen mehr davon hören zu dürfen – auch auf diesem Album.

Und die Cover-Versionen? Spirit Adrift spielen diese gut und routiniert. Die Lieder werden leicht interpretiert, sind allerdings immer als Cover-Versionen der Originale zu erkennen. Am Gelungensten klingt für mich hier „Everything Dies“. Cooles Lied, welches im Original noch ein wenig „dreckiger“ und ergreifender klingt, doch auch in dieser Version sehr überzeugend wirkt. Bei den anderen Liedern mag das – wie auch schon bei „Everything Dies“ – immer auch Geschmackssache sein.

Fazit: Die Band Spirit Adrift lernt man auf „20 Centuries Gone“ leider nur ansatzweise kennen. Die ersten beiden Stücke lohnen zwar, aber der Rest des Albus besteht halt leider aus Coverversionen, auch wenn diese gut umgesetzt wurden. Doch man hätte sich mehr Originale von Spirit Adrift gewünscht und die anderen Lieder eben auch lieber im Original. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sorcerer‘s Fate, Everything Dies



Freitag, 23. September 2022

Banco Del Mutuo Soccorso – Orlando: Le Forme Dell‘Amore

 



Banco Del Mutuo Soccorso – Orlando: Le Forme Dell‘Amore


Besetzung:

Vittorio Nocenzi – piano, keyboards, vocals
Filippo Marcheggiani – guitar, vocals
Nicola Di Già – guitar
Marco Capozi – bass
Fabio Moresco – drums
Tony D’Alessio – vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Proemio (2:10)
2. La Pianura Rossa (6:39)
3. Serve Orlando Adesso (4:11)
4. Non Mi Spaventa Più L‘Amore (4:11)
5. Non Serve Tremare (4:06)
6. Le Anime Deserte Del Mondo (4:43)
7. L‘Isola Felice (4:00)
8. La Maldicenza (6:06)
9. Cadere O Volare (5:05)
10. Il Paladino (2:51)
11. L‘Amore Accade (3:41)
12. Non Credere Alla Luna (6:55)
13. Moon Suite (11:04)
14. Come È Successo Che Sei Qui (3:29)
15. Cosa Vuol Dire Per Sempre (6:45)

Gesamtspieldauer: 1:16:03



Ganze 50 Jahre ist es jetzt her, dass die italienische Progressive Rock Band Banco Del Mutuo Soccorso ihr erstes, selbstbetiteltes Album veröffentlicht hat. Und pünktlich zu diesem goldenen Jubiläum bringt die Band um Vittorio Nocenzi, letztes verbliebenes Gründungsmitglied von Banco Del Mutuo Soccorso, ihr vierzehntes Studioalbum mit dem Titel „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ heraus. Am 23. September erscheint das Album auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Legt man das Album auf wird schnell klar, wo „Banco Del Mutuo Soccorso“ draufsteht ist auch „Banco Del Mutuo Soccorso“ drin beziehungsweise zu hören. Eindeutig hört man hier italienischen Prog dieser Band. Die Lieder sind alle in italienischer Sprache eingesungen, wie schon beim Vorgänger „Transiberiana“, doch das war nicht immer so. Und der Nachfolger des 2014 verstorbenen, unverwechselbaren Francesco Di Giacomo, Tony D’Alessio, macht seine Sache sehr gut, auch wenn er dieses besondere Gefühl im Ausdruck des ursprünglichen Sängers nicht ganz erreicht. Trotzdem gefällt das, was man hier zu hören bekommt.

Von der Musik her hört man auf „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ eine Mischung aus Progressive Rock und Art Rock bis Rock und Pop. Zu vertrackt oder gar frickelig wird es an keiner Stelle des Albums. Jedes der insgesamt fünfzehn Lieder der Platte klingt eingängig und melodiös. Progressivere und musikalisch auch anspruchsvollere Passagen wechseln sich mit einfacher aufgebauten Abschnitten ab und ergeben insgesamt ein durchaus abwechslungsreiches Album. Wer also Gefallen am italienischen Progressive Rock hat, dem dürfte auch dieses neue Werk von Banco Del Mutuo Soccorso gefallen. Vielleicht erreicht es nicht ganz die Klasse des Vorgängers, aber das mag auch reine Geschmackssache sein. Eine Live-Tournee mit Konzerten in Europa und in der ganzen Welt soll im Jahr 2023 folgen. Na dann, nichts wie hin.

Fazit: Banco Del Mutuo Soccorso machen seit fünfzig Jahren Musik, welche man auch schnell erkennt, falls man der Band ab und an gelauscht hat. Ihren Stil haben die Musiker auch auf „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ beibehalten. Eingängigen und melodischen Progressive Rock gibt es hier zu hören, der an die Ursprünge dieses Genres in den 70er Jahren angelehnt ist. Keine Weiterentwicklung also? Nun, nicht viel zumindest, aber in diesem Fall kann man das auch begrüßen. Banco Del Mutuo Soccorso erweitern mit „Orlando: Le Forme Dell‘Amore“ ihr Repertoire und ihre Fans werden es dankbar hören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Serve Orlando Adesso, Non Serve Tremare, La Maldicenza



Donnerstag, 22. September 2022

Virgil & Steve Howe – Lunar Mist

 



Virgil & Steve Howe – Lunar Mist


Besetzung:

Virgil Howe – piano, synthesizer, bass, drums
Steve Howe – acoustic and electric guitars




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Lunar Mist (3:50)
2. More Than You Know (3:05)
3. Plexus (4:09)
4. Mariah’s Theme (3:16)
5. A Month In The Sun (4:39)
6. As If Between (2:43)
7. Never Less (2:55)
8. Lothian’s Way (3:06)
9. Free Spirit (2:45)
10. Eternal (3:09)
11. Dirama (2:38)
12. Pinnacle (2:02)
13. Pagoda (2:19)
14. Martian Mood (3:59)

Gesamtspieldauer: 44:43



Nachdem im Jahr 2017 die erste „Gemeinschaftsarbeit“ von Vater und Sohn unter dem Titel „Nexus“ veröffentlicht worden war und Virgil Howe im September desselben Jahres im Alter von lediglich 41 Jahren tragischerweise wohl an einem Herzinfarkt verstorben war, folgt nun am 23. September das zweite Album dieser Zusammenarbeit unter dem Titel „Lunar Mist“.

Mit „Yes-Musik“ hat auch dieses zweite Album von Virgil und Steve Howe nichts gemein, vielmehr hört man auf „Lunar Mist“ zwar zum Teil atmosphärische, leider jedoch allzu oft auch seichte Musik. Für den Hintergrund ist das perfekt, zum Untermalen eines gemütlichen Abends, an dem man mit Sicherheit nicht auf die Musik achtet. Doch nichts lässt einen hier aufhorchen oder weckt ansonsten das Interesse. Ein wenig changieren die einzelnen Titel zwischen leichter, sphärischer Berieselung und leichter, etwas rockigerer Berieselung. An manchen Stellen kommen sogar Erinnerungen an Kitaros „Silk Road“ auf, wie zum Beispiel beim zweiten Titel „More Than You Know“.

Nun, „Lunar Mist“ klingt jederzeit eingängig und die einzelnen Lieder erklingen alle „ganz nett“, das kann man bei diesem Album auf jeden Fall als positiven Punkt vermerken, wenn das der eigene Anspruch an Musik sein sollte. Wer absolut unspektakuläre Musik mag, wird hier sicherlich fündig. Doch wer das Besondere in der Musik sucht und schätzt, wird von „Lunar Mist“ leider enttäuscht werden. Bei dieser Scheibe könnte einem sofort der Gedanke nach einem Soundtrack kommen, denn Filmmusik zur Untermalung bestimmter Szenen hätte zweifellos der Ansatz dieser Scheibe sein können. Allerdings nur in einem sehr unaufgeregten Film, in dem alles ganz „easy“ ist und läuft. Dazu passt „Easy Listening“ halt perfekt.

Eine Ausnahme gibt es dann allerdings doch. Ganz zum Schluss folgt mit „Martian Mood“ noch ein Lied, welches zumindest etwas schräg klingt und sich damit zumindest ein wenig vom Rest der Platte absetzt. Auch dieser Titel löst zwar keine Begeisterungsstürme aus, doch er sorgt für zumindest etwas Abwechslung auf „Lunar Mist“.

Fazit: Wer alles von den Yes-Musikern besitzen möchte, wer vor allen Dingen alles von Steve Howe besitzen möchte, für die oder den ist dieses Album sicherlich interessant. Denn genau das hört man hier: Musik, an der Steve Howe beteiligt ist. Ansonsten ist dieses Album musikalisch jedoch eher weniger interessant. Sanfte Instrumentalmusik zum Beruhigen und Runterkommen, das passt natürlich auch. Sechs Punkte.

Anspieltipps: More Than You Know, Pinnacle, Martian Mood



Mittwoch, 17. August 2022

Six By Six – Six By Six

 



Six By Six – Six By Six


Besetzung:

Robert Berry – vocals, bass, keyboards
Ian Crichton – guitar
Nigel Glockler – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock, Rock


Trackliste:

1. Yearning To Fly (4:44)
2. China (3:16)
3. Reason To Feel Calm Again (8:05)
4. The Upside Of Down (4:45)
5. Casino (4:20)
6. Live Forever (1:44)
7. The Last Words On Earth (4:37)
8. Skyfall (4:16)
9. Battle Of A Lifetime (5:21)
10. Save The Night (6:17)

Gesamtspieldauer: 47:30



Six By Six ist der Name einer neu gegründeten Band, deren Mitglieder allerdings gerade Freundinnen und Freunden des Progressive Rocks schon sehr viel länger bekannt sein dürften. Six By Six setzt sich zusammen aus dem Gitarristen Ian Crichton, bekannt als ebensolcher Gitarrist bei der kanadischen Band Saga, dem Schlagzeuger Nigel Glockler, der bei der englischen Heavy Metal Band Saxon ebenfalls an den Drums sitzt und aus dem US-amerikanischen Sänger, Bassisten und Keyboarder Robert Berry, der vielleicht am besten durch seine Zusammenarbeit mit Keith Emerson und Carl Palmer in deren Gruppe "3" bekannt wurde. „Six By Six“ heißt auch das Debutalbum des Trios und erscheint am 19. August 2022 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Auf „Six By Six“ von Six By Six hört man eine Mischung aus Progressive und Mainstream Rock, die gerade durch diese Verbindung den Mainstream an mancher Stelle noch auf ein höheres Level hebt, weg von: „Alles schon mal gehört“. Vieles auf diesem Album erklingt überraschend und lässt die Musik dadurch nochmal ein wenig spannender wirken. Und selbstverständlich ist es auch in diesem Fall so, dass die Musik mit jedem weiteren Durchlauf noch vertrauter und auch eingängiger klingt.

Ich höre auf dem Album keinen „Durchhänger“, sodass „Six By Six“ von Anfang bis Ende gut unterhält. „Höhepunkte“ sind damit automatisch noch mehr Geschmackssache, da die einzelnen Lieder alle zünden. Besonders empfehlenswert für mich wären da trotzdem das mitreißende „China“, was für mich auch gut zu einer Band wie GTR gepasst hätte, in der Berry und Glockler bereits in den 80er Jahren zusammen spielten. Und dann wäre an dieser Stelle noch das ebenso mitreißende, jedoch deutlich progressivere “Casino” zu nennen. Coole atmosphärische Wechsel während der lediglich vierminütigen Laufzeit machen dieses Lied zu einer klasse Nummer ohne dabei auch nur ansatzweise zu vertrackt zu klingen.

Fazit: Drei Musiker, die sich gefunden haben, zum Teil wiedergefunden haben, das sind Six By Six. Auf ihrem selbstbetitelten Debüt hört man spannenden Rock, irgendwo zwischen den Genres Progressive Rock und Mainstream angesiedelt und diese zum Teil dann auch vollständig ausfüllend. Das Zuhören lohnt hier definitiv für Rockfans. Zehn Punkte.

Anspieltipps: China, Casino



Mittwoch, 10. August 2022

Arch Enemy – Deceivers

 




Arch Enemy – Deceivers


Besetzung:

Michael Amott – guitars
Alissa White-Gluz – vocals
Sharlee D'Angelo – bass
Daniel Erlandsson – drums
Jeff Loomis – guitars




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Metal


Trackliste:

1. Handshake With Hell (5:39)
2. Deceiver, Deceiver (3:51)
3. In The Eye Of The Storm (4:09)
4. The Watcher (4:58)
5. Poisoned Arrow (3:51)
6. Sunset Over The Empire (4:03)
7. House Of Mirrors (3:40)
8. Spreading Black Wings (4:46)
9. Mourning Star (1:36)
10. One Last Time (3:49)
11. Exiled From Earth (4:44)

Gesamtspieldauer: 45:10



„Deceivers“ heißt das bereits elf Studioalbum der schwedischen Metal / Death Metal Band Arch Enemy. Es erscheint am 12. August 2022 auf dem Plattenlabel Century Media Records.

Auf „Deceivers“ hört man einmal mehr Hochgeschwindigkeits-Metal, der bei Arch Enemy allerdings immer eingängig klingt. Daran ändert auch nichts der immer wieder eingesetzte gutturale Gesang, der mitunter auch in ein Schreien übergeht von Lead-Sängerin Alissa White-Gluz. Die Lieder gehen ins Ohr und dies bereits beim ersten Mal des Hörens und setzen sich mit jedem weiteren Durchlauf noch mehr fest.

Klasse wie die Schweden harte Riffs mit Eingängigkeit zu verbinden verstehen. Dabei klingen die einzelnen Lieder abwechslungsreich und wiederholen sich nicht, die Stimmungen und Atmosphären variieren. Stakkato-artig gespielter Riffs wechseln sich in den einzelnen Liedern mit schönen Melodiebögen ab. Unter den elf Titeln befindet sich glücklicherweise auch kein „Füllmaterial“, sodass man „Deceivers“ durchhören kann, ohne dauernd die „Skip-Taste“ drücken zu müssen.

Fazit: Death Metal in Verbindung zu schönen Melodien und Eingängigkeit, das gibt es auf „Deceivers“, dem elften Studioalbum der schwedischen Band Arch Enemy zu hören. Macht Spaß hier zuzuhören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Watcher, Exiled From Earth



Freitag, 5. August 2022

Tim Bowness – Butterfly Mind

 



Tim Bowness – Butterfly Mind


Besetzung:

Tim Bowness – vocals, samples, synthesizer, optigan guitar, mellotron


Gastmusiker:

Brian Hulse – guitars, keyboards, synthesizer, programming
Nick Beggs – fretted and fretless bass, double bass, chapman stick
Richard Jupp – drums, percussion
Nicola Alesini – saxophone “It‘s Easier To Love”
Ian Anderson – flute “Say Your Goodbyes, Pt. 1” & “We Feel”
Ben Coleman – violin “Dark Nevada Dream”, “About The Light That Hits The Forest Floor” & “Say Your Goodbyes Part 2”
Saro Cosentino – sampled strings / string arrangement “It‘s Easier To Love”
Devon Dunaway – backing vocals “It‘s Easier To Love”, “We Feel” & “Dark Nevada Dream”
Dave Formula – hammond organ on “It‘s Easier To Love” & ‘Dark Nevada Dream’, synthesizer and piano “Only A Fool”, organ “Say Your Goodbyes, Pt. 2”
Martha Goddard – backing vocals “Always The Stranger”, “After The Stranger” & “Glitter Fades”
Peter Hammill – vocals “Say Your Goodbyes, Pt. 1”, guitars “We Feel”
Gregory Spawton – bass pedals “After The Stranger”
Stephen W Tayler – clarinet “Glitter Fades”
Mark Tranmer – guitars “About The Light That Hits The Forest Floor”




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Say Your Goodbyes, Pt. 1 (2:23)
2. Always The Stranger (2:50)
3. It‘s Easier To Love (5:12)
4. We Feel (4:52)
5. Lost Player (3:13)
6. Only A Fool (4:33)
7. After The Stranger (1:14)
8. Glitter Fades (4:50)
9. About The Light That Hits The Forest Floor (3:48)
10. Dark Nevada Dream (8:20)
11. Say Your Goodbyes, Pt. 2 (1:59)

Gesamtspieldauer: 43:18



Tim Bowness begann als Teenager im Jahr 1982 seine musikalische Karriere, als er das erste Mal in einer Band spielte. Vierzig Jahre später veröffentlicht der Englänger sein bisher siebtes Soloalbum mit dem Titel „Butterfly Mind“. Für dieses 40-jährge Jubiläum konnte Tim Bowness einige Kollegen begeistern, die dieses neue Album mit ihm einspielten. Zu hören sind unter anderem Richard Jupp (Ex-Elbow), Peter Hammill (Van Der Graaf Generator), Ian Anderson (Jethro Tull) und Gregory Spawton (Big Big Train).

Selbstverständlich darf an dieser Stelle auch sein No Man-Kollege Steven Wilson nicht fehlen, der sich zwar weder gesanglich noch instrumental einbrachte, doch das Album in seiner Endform abmischte. „Butterfly Mind“ erscheint am 5. August 2022 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Wenn man sich ein Tim Bowness-Album zulegt, weiß man im Grunde genommen, was einen erwartet. Diesbezüglich wird man auch auf „Butterfly Mind“ keineswegs enttäuscht. Zu hören gibt es einmal mehr diesen für Tim Bowness typischen Art Pop, der jederzeit melodisch ins Ohr geht und zu allermeist etwas melancholisch bis sentimental klingt. Zwar gibt es mit den beiden Titeln „Always The Stranger“ und „Only A Fool“ auch zwei deutlich schnellere Nummern, doch größtenteils bleiben die Lieder auf ihre Art in Watte gepackt, sanft dahingleitend. Dazu singt Tim Bowness mitunter gehaucht, was den Gesamteindruck noch verstärkt.

Interessanter wird es, wenn Tim Bowness kleine „Experimente“ eingeht und dazu die Stimmung auch in den Liedern selbst variiert, wie bei den beiden kurzen, das Album einrahmenden „Say Your Goodbyes, Pt. 1“ und „Say Your Goodbyes, Pt. 2“. Ein Longtrack ist mit „Dark Nevada Dream“ und einer Laufzeit von über acht Minuten ebenfalls auf dem Album enthalten, doch leider entwickelt sich dieses Lied über seine Laufzeit hinweg zu wenig und klingt lediglich nach sieben Minuten in einer etwas anderen Stimmung aus.

Am Überzeugendsten auf „Butterfly Mind“ klingt schließlich das ebenfalls eher rockige und dabei groovende „We Feel“. Ian Anderson wertet die Nummer mit seiner Querflöte zusätzlich noch auf, sodass dieser Titel, neben den bereits erwähnten, das Album einrahmenden Liedern, zum Höhepunkt auf diesem Album wird. Und Ausfälle? Nein, die gibt es nicht, sodass Tim Bowness Fans sicher auf ihre Kosten kommen werden.

Fazit: Versinkt Tim Bowness zu sehr in musikalischer Melancholie, überzeugt dies trotz jederzeit vorhandener Eingängigkeit nicht immer. Ein paar mehr Experimente, ein wenig mehr Geschwindigkeit an dieser oder jener Stelle hätten dem Album gut getan. Trotzdem, auch „Butterfly Mind“ klingt eingängig – und das bereits beim ersten Mal des Hörens. Neun Punkte.

Anspieltipps: Say Your Goodbyes, Pt. 1 & Pt. 2, We Feel



Freitag, 29. Juli 2022

Ryo Okumoto – The Myth Of The Mostrophus

 



Ryo Okumoto – The Myth Of The Mostrophus


Besetzung:

Ryo Okumoto – keyboards


Gastmusiker:

Ted Leonard – vocals
Alan Morse – electric and acoustic guitars, backing vocals
Nick D’Virgilio – drums and percussion, vocals
Dave Meros – bass guitar, backing vocals
Jonathan Mover – drums
Lyle Workman – guitars
Steve Hackett – guitars
Mike Keneally – guitars
Marc Bonilla – guitars
Doug Wimbish – bass
Michael Sadler – vocals
Randy McStine – vocals
Michael Whiteman – vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Mirror Mirror (9:27)
2. Turning Point (6:53)
3. The Watchmaker (Time On His Side) (6:24)
4. Maximum Velocity (8:10)
5. Chrysalis (7:35)
6. The Myth Of The Mostrophus (22:13)

Gesamtspieldauer: 1:00:44



Ganze zwanzig Jahre ist es jetzt her, seitdem der japanische Rock-Keyboarder Ryo Okumoto, am besten wohl bekannt durch seine Mitgliedschaft bei Spock’s Beard, sein letztes Soloalbum veröffentlicht hat. Da er jedoch nie aufhörte zu komponieren, im November 2020 eine Band namens I Am The Manic Whale in einer Livestream-Veranstaltung hörte und dort sehr vom Sänger und Bassisten Michael Whiteman beeindruckt war, beschloss er ihn zu kontaktieren. Schnell sendete Ryo Okumoto ihm dann sein neues Material zu, welches Michael Whiteman überarbeitete und ergänzte und schon waren die Titel für das neue Soloalbum vorhanden.

Zum Einspielen der neuen Lieder konnte er neben seinen Kollegen von Spock’s Beard weitere namhafte Musiker gewinnen, wie die Besetzungsliste zeigt. Doch um es gleich vorwegzunehmen, auch wenn Michael Whiteman mit am Prozess des Komponierens beteiligt war und sich auch noch andere Musiker mit ihren Interpretationen eingebracht haben, die Musik auf „The Myth Of The Mostrophus“ klingt nach Spock’s Beard – vom ersten bis zum letzten Takt.

Etwas über eine Stunde gibt es auf „The Myth Of The Mostrophus“ modernen progressiven Rock zu hören, der immer wieder neue melodische Wege beschreitet und Wendungen durchläuft. Obwohl dem Keyboard selbstverständlich bei einem Album von Ryo Okumoto eine zentrale Rolle zukommt, tragen auch die Gitarristen und ebenso die unterschiedlichen Sänger viel zum Gesamthörerlebnis dieses Albums bei. „The Myth Of The Mostrophus“ klingt abwechslungsreich und spannend. Ryo Okumoto wollte mit diesem Album seine eigene Version von Spock’s Beard Musik produzieren und das ist ihm auch gelungen. Im Grunde genommen könnte „The Myth Of The Mostrophus“ auch die Diskographie von Spock’s Beard weiterführen.

Fazit: Wer die US-amerikanische Variante des Neo-Prog mag und hier speziell an der Musik von Spock’s Beard Gefallen findet, die oder der wird auch an „The Myth Of The Mostrophus“ von Ryo Okumoto Spaß haben. Zu hören gibt es hier eingängigen und melodiösen, nicht zu vertrackten, dafür rockigen Progressive Rock, der jederzeit zu unterhalten weiß. Die überzeugendsten Lieder befinden sich in der zweiten Hälfte des Albums, doch überzeugt das gesamte Album in seiner Gesamtheit, da man nie das Gefühl bekommt Füllmaterial zu hören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Chrysalis



Donnerstag, 28. Juli 2022

Krisiun – Mortem Solis

 



Krisiun – Mortem Solis


Besetzung:

Moyses Kolesne – guitars
Alex Camargo – vocals, bass
Max Kolesne – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Death Metal


Trackliste:

1. Sworn Enemies (3:46)
2. Serpent Messiah (4:38)
3. Swords Into Flesh (4:19)
4. Necronomical (4:12)
5. Tomb Of The Nameless (4:28)
6. Dawn Sun Carnage (Intro) (1:33)
7. Temple Of The Abattoir (5:22)
8. War Blood Hammer (4:07)
9. As Angels Burn (3:08)
10. Worm God (4:41)

Gesamtspieldauer: 40:19



Krisiun ist eine brasilianische Death-Metal-Band, die im Jahr 1990 gegründet wurde und inzwischen elf Studioalben veröffentlicht hat. Am 29. Juli 2022 erscheint nun ihre zwölfte Platte mit dem Titel „Mortem Solis“, zu Deutsch „Tod der Sonne“. Das Album erscheint auf dem Plattenlabel Century Media Records.

Nun, während andere Bands auch dieses Genres immer weiter in den Mainstream und damit in die kommerzielle Schiene abdriften, so halten Krisiun den Schild des unverfälschten, kompromisslosen Death Metal weiter hoch. Auf „Mortem Solis“ hört man keine Kompromisse, keine Unverfälschtheiten, man hört hier „nur“ Death Metal pur. Melodien? Völlig überschätzt. Es geht Krisiun um Härte, um Aggressivität und jeder Hauch der Kommerzialität wird im Keim erstickt. Aber war da überhaupt ein Hauch?

Nein, da ist nichts dergleichen. „Mortem Solis ist geradliniger“ (Anm.: als die vorherigen Alben der Band), sagt Kolesne. „Wir haben alles herausgeschnitten, was wir für unnötig hielten, um es so brutal wie möglich zu machen. Ohne Computer oder Click-Tracks - ganz im Sinne des wahren Death Metal. Wir Drei teilen die gleiche Vision von Metal. Wir sind eine Armee von Dreien. Natürlich haben wir uns als Brüder, Menschen und Musiker weiterentwickelt. Wir haben eine Menge Spaß zusammen. Aber dieser Zusammenhalt hat uns den Krisiun-Weg gegeben, den Weg, den wir eingeschlagen haben und weitergehen.“

„Wir sehen eine Szene des Posertums“, sagt Kolesne weiter. „Der Death Metal wird weich. Wir werden nicht zu so etwas werden. Wir wissen, woher wir kommen und was Death Metal für uns bedeutet - es ist alles! Hass und Abscheu haben uns angetrieben. Deshalb ist „Mortem Solis“ entschlackt, die Intensität wurde erhöht, und wir haben es ohne die Krücken der Moderne aufgenommen. Ich denke, man kann hören, dass wir extrem wütend sind. Die Musik und die Stimmung, die sie ausstrahlt, sind absichtlich offensichtlich.“

Textlich wurde Mortem Solis von der Literatur inspiriert und ist von vielen Metaphern durchdrungen. Aber die Botschaft ist unmissverständlich. Alle guten Dinge kommen unweigerlich zu einem Ende, manchmal gewaltsam und unapologetisch. Auch darauf bezieht sich der Titel des Albums.

Fazit: Hart, aggressiv und konsequent. So klingt der Death Metal der brasilianischen Band Krisiun. Kein kommerzielles Anbiedern, keine Kompromisse. Wer also auf unverfälschten Death Metal steht, die oder den wird dieses Album packen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Dawn Sun Carnage, Temple Of The Abattoir



Freitag, 22. Juli 2022

Witchery – Nightside

 



Witchery – Nightside


Besetzung:

Angus Norder – vocals
Jensen – rhythm guitars
Rickard Rimfält – rhythm and solo guitars
Victor Brandt – bass guitar
Chris Barkensjö – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Trash Metal


Trackliste:

1. Witching Hour (3:03)
2. Don’t Burn The Witch (3:22)
3. Storm Of The Unborn (4:36)
4. Er steht in Flammen (1:45)
5. Popecrusher (3:08)
6. Left Hand March (4:28)
7. Under The Altar (1:31)
8. Churchburner (2:31)
9. Crucifix And Candle (4:31)
10. A Forest Of Burning Coffins (2:55)
11. Nightside (3:57)

Gesamtspieldauer: 35:51



„Nightside“ heißt das achte Studioalbum der schwedischen Trash Metal Band Witchery. Es erscheint am 22. Juli auf dem Plattenlabel Century Media Records und ist die erste Platte von Witchery, die ein Konzeptalbum darstellt. Es handelt von Hexen und Hexenjägern, von Flüchen und Zaubern und den Abartigkeiten religiöser Brutalität. Dabei durchlebt beziehungsweise durchhört man die Höhen und Tiefen des Schicksals der beteiligten Hauptprotagonisten.

Das Album ist mit einer Laufzeit von etwas über einer halben Stunde nicht allzu lang geraten und kommt bei jedem Lied auch ganz schnell und unmittelbar auf den Punkt. Trash Metal, kompromisslos, aggressiv, laut und hart. Dazu der infernale und halb geschriene, halb gegrowlte Gesang des Angus Norder und fertig ist dieses durchaus auch anstrengende Album, welches einem keine Pause zum Verschnaufen gibt.

Konsequent ist diese Scheibe zu 100% geraten, sodass Fans des Trash Metal Genres auf ihre Kosten kommen werden. Ein paar mehr Auflockerungen in Form von harmonischen Einschüben – die es durchaus, jedoch selten gibt – hätten das Hörerlebnis nicht nur angenehm verlängert, sondern auch aufgelockert. Steht man allerdings auf diese bereits angesprochene Konsequenz, mit all der Härte und dem trashigen Gesamtbild, wird einen „Nightside“ definitiv begeistern. Ist man in diesem Genre nicht ganz so beheimatet, glaubt man Vieles davon bereits gehört zu haben.

Fazit: Trash Metal in reiner Form bekommt man auf „Nightside“ von Witchery zu hören. Freundinnen und Freunde dieses Genres können mit dieser Scheibe definitiv nichts falsch machen. „Nightside“ klingt hart und trashig. Happy Headbanging. Acht Punkte.

Anspieltipps: Left Hand March