Dienstag, 30. September 2025

Jordsjø – Salighet

 



Jordsjø – Salighet


Besetzung:

Håkon Oftung – vocals, flute, guitar, bass, keyboards
Kristian Frøland – vocals, percussion, drums


Gastmusiker:

Mats Lemjan – clarinet
Vilde Mortensen Storesund – vocals
Ståle Langhelle – keyboards ("Ura")




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Invokasjon (2:52)
2. Sankeren (7:21)
3. Salighet I (6:17)
4. Salighet II (6:10)
5. Ura (6:38)
6. Danseritualer Fra Jordsjø - Prosesjon & Ekstase (2:54)
7. Stjernestigen (10:22)

Gesamtspieldauer: 42:37



„Salighet“ heißt das fünfte Album der norwegischen Band Jordsjø. Das Album erschien im Jahr 2023 auf dem Plattenlabel Karisma Records. „Salighet“ heißt übersetzt „Seligkeit“ und wenn man dem Genre Progressive Rock viel abgewinnen kann, dann kann sich beim Hören dieses Albums durchaus so etwas wie Seligkeit einstellen – oder auch einfach „nur“ Freude.

„Salighet“ klingt spannend und abwechslungsreich und ist eine progressive Scheibe geworden, die mitunter auch jazzige Einfärbungen bereithält. Dies vor allen Dingen gegen Ende des Albums bei dem Titel „Danseritualer Fra Jordsjø - Prosesjon & Ekstase“, aber auch abschnittsweise im Lied „Sankeren“. Danach klingt das Album fast schon getragen und sanft mit „Stjernestigen“ aus, wobei die zwischenzeitlichen Ausbrüche in dieser Nummer immer sehr melodiös erklingen und gar nicht mehr jazzig. Zwei ziemliche Extreme gegen Ende der Scheibe und davor?

Davor startet das Album mit „Invokasjon“ ungemein rockig, mit tollem Flöteneinsatz und mal verzerrten, dann wieder akustischen Gitarren. Auch das sich anschließende „Sankeren“ startet mit einem rockigen Gitarrenlauf, um dann in ein melodisches und abwechslungsreiches Stück überzugehen, welches durch den Gesang auf Norwegisch für deutsche Ohren fast schon verwunschen klingt. Die Nummer ändert wieder ihren musikalischen Ansatz und klingt dann – wie oben bereits erwähnt – fast schon jazzig.

Anschließend folgen die beiden Titelnummern „Salighet I“ und „Salighet II“. Ganz klar die Höhepunkte der Platte, da hier die beiden Musiker einen wunderschön melodiösen Progressive Rock zelebrieren, der einen bereits beim ersten Hören einfängt. Tolle Musik, in die sich so trefflich und wunderbar eintauchen lässt, wenn man denn auf überraschende Wendungen, diverse Stimmungen in einem einzigen Lied, viele Tempo- und Rhythmuswechsel steht. Das Herz des Progressive Rock Fans schlägt zumindest hier höher.

Der Titel „Ura“ schließt sich da an, ebenfalls sehr hörenswert, wenn auch nicht ganz so überzeugend wie die beiden Titelnummern.

Fazit: Neben Jordsjø gibt es einige skandinavische Bands, die die Flagge des Progressive Rocks hochhalten. Und Jordsjø können das besonders gut. Musik mit vielen Überraschungen, eingängig, melodiös, fordernd und niemals langweilig. Musik für die Kopfhörer auf dem Lieblingsplatz. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Salighet I, Salighet II, Stjernestigen



Sonntag, 28. September 2025

Kendall Lujan – Lucky Penny

 



Kendall Lujan – Lucky Penny


Besetzung:

Kendall Lujan – vocals, backing vocals, guitars, mellotron, wurlitzer


Gastmusiker:

Dominik-Lukas Schmidt – guitars, percussion
Colin Schmidt – upright and electric bass
Axel Milsted – wurlitzer, mellotron, grand piano
Micah Hummel – drums, percussion


Label: Rola Music


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Folk


Trackliste:

1. How Ya Doing (2:19)
2. Weird Birthday Song (3:20)
3. Lucky Penny (4:39)
4. Return To Sender (2:41)
5. You Got Me (2:34)
6. Time (4:06)
7. I Want To Be In Love With You (3:26)
8. Untitled Love Song (3:23)
9. Boston (4:26)
10. Goodbyes (3:59)

Gesamtspieldauer: 34:57



Im Februar 2025 wurde das Album „Lucky Penny“ der US-amerikanischen Musikerin und Sängerin Kendall Lujan aus Portland veröffentlicht. Zehn Lieder gibt es auf „Lucky Penny“ zu hören. Dabei wird Kendall Lujan häufig unter der Rubrik „Folk“ eingeordnet. Hört man allerdings dieses Album merkt man schnell, dass dies viel zu kurz gegriffen ist. Auf „Lucky Penny“ erklingen neben besagtem Folk auch Pop, Bossa Nova, Country sowie mitunter auch fast schon jazzige Töne.

Nachhaltig klingt das, was nicht zuletzt am Gesang der Musikerin liegt, denn den vergisst man so schnell nicht mehr. Dieser hört sich oftmals leicht weinerlich an und verleiht der Musik dadurch eine ganz besondere Note. Diese Stimmfärbung wird über all die unterschiedlichen musikalischen Genres ausgebreitet, kommt allerdings am besten und intensivsten bei den schönen folkigen Balladen zum Tragen.

Die Musik klingt träumerisch, manchmal fast schon verwunschen und kann in genau diesen Momenten auch am meisten überzeugen. Schön zudem die Texte, die sich lohnen mit verfolgt zu werden. Insgesamt ist „Lucky Penny“ eine sehr kurzweilige und abwechslungsreiche Platte geworden, die man auch bald live verfolgen und anhören kann.

Im Frühjahr spielte Kendall Lujan bereits einige Konzerte in Europa. Im Februar und März 2026 wird diese Tour nun fortgesetzt. Orte und Termine am Ende dieser Rezension.

Fazit: Kendall Lujan verfügt über eine Stimme, die man so sicherlich nicht allzu oft hört. In Verbindung mit sanften Folk-Liedern kommt diese ganz besonders zum Tragen und verzaubert die Zuhörerinnen und Zuhörer. Schöne Melodien, die sanft und fast schon zerbrechlich klingend vorgetragen werden. Musik zum Träumen und zum genau Zuhören. Ohne Bewertung.

Anspieltipps: Time, Untitled Love Song, Boston

19/02/2026 – Dornbirn – Spielboden
20/02/2026 – Karlsruhe – Café Nun
21/02/2026 – Köln – Club Subway
23/02/2026 – Münster – Pension Schmidt
24/02/2026 – Hannover – Hölderlin Eins
25/02/2026 – Berlin – Lark
26/02/2026 – Hamburg – Nochtwache
27/02/2026 – Flensburg – Kühlhaus
28/02/2026 – Sønderborg – Sønderborghus
03/03/2026 – Kopenhagen – Råhuset
05/03/2026 – Köln – Wohngemeinschaft
06/03/2026 – Düren – Komm
10/03/2026 – München – Lost Weekend
11/03/2026 – Graz – Music-House
12/03/2026 – Vienna – Sargfabrik
13/03/2026 – Linz – Volkshaus Franckviertel



Freitag, 26. September 2025

Jon Anderson & The Band Geeks – True

 





Besetzung:

Jon Anderson – vocals
Richie Castellano – guitars, bass, keyboards, vocals
Andy Ascolace – drums, percussion, keyboards, vocals
Andy Graziano – guitar, vocals
Christopher Clark – keyboards
Robert Kipp – hammond organ, vocals
Ann-Marie Nacchio – additional vocals


Label: Frontiers


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. True Messenger (5:49)
2. Shine On (4:17)
3. Counties And Countries (9:50)
4. Build Me An Ocean (3:19)
5. Still A Friend (5:01)
6. Make It Right (6:06)
7. Realization Part Two (3:32)
8. Once Upon A Dream (16:31)
9. Thank God (3:48)

Gesamtspieldauer: 58:17



Der „Yes-Kosmos“ ist so unfassbar vielfältig, dass man öfters mal den Überblick verliert, wer denn gerade Mitglied bei Yes ist und wer im Moment wo und mit wem eine neue Platte veröffentlicht. Nun also Jon Anderson mit der Band Geeks, die bereits seine Tour-Band war. „True“ erschien am 23. August 2024 auf dem Plattenlabel Frontiers.

Yes veröffentlichten ohne Jon Anderson im Jahr 2023 ihr bisher letztes Werk „Mirror To The Sky“, welches tatsächlich nur noch in Ansätzen an die Großtaten der Band in den 70er Jahren erinnert. Legt man nun „True“ von Jon Anderson auf so merkt man sehr schnell, dass der frühere Sänger der Band diese spezielle Yes-Atmosphäre in der Musik noch deutlich treffender und überzeugender weiterträgt. „True“ klingt eindeutig nach Yes-Musik aus längst vergangenen Jahrzehnten.

Die Stimme des Jon Anderson hört sich immer noch wie in den 70er Jahren an, wunderschöne Melodiebögen entfalten sich, die Jon Anderson so wunderbar gesanglich umzusetzen und in die er so überzeugend einzutauchen versteht. Dazu diese esoterischen bis kryptischen Texte, fühlt beziehungsweise hört sich irgendwie nach Déjà Vu an. Alle Zutaten der früheren Yes sind vorhanden, dabei klingt auf „True“ nichts wie eine billige Kopie. Die Musik der ehemaligen Pioniere des Progressive Rocks wurde einfach fünfzig Jahre später um ein paar Takte und Melodien erweitert. Yes-Freunde wird es freuen und sie werden es gerne hören.

Die Lieder erklingen oftmals hymnenartig, beinhalten Wendungen und viele wunderschöne, mehrstimmige Gesangsarrangements gibt es dabei zu entdecken. Auch Keyboard, Gitarre und Bass scheinen mit in die neue Zeit „herübergerettet“ worden zu sein und so erklingt „True“ der Bedeutung entsprechend, wie die „wahre“ Musik von Yes, die auch im 21. Jahrhundert noch geschrieben und aufgenommen werden kann.

Fazit: Wer Spaß an der Musik der früheren Yes hat, der kann mit „True“ von Jon Anderson und der Band Geeks ganz bestimmt nichts falsch machen. „True“ klingt mehr nach Yes und vor allen Dingen auch besser als vieles, was die Band – mit oder ohne Jon Anderson – in den letzten Jahrzehnten veröffentlichte. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Make It Right, Once Upon A Dream



Mittwoch, 24. September 2025

David Gilmour – Luck And Strange

 



David Gilmour – Luck And Strange


Besetzung:

David Gilmour – guitar (all), piano (1), lead vocals (2–4, 7–9), ukulele (3), höfner bass (3, 8), farfisa organ (3), backing vocals (2-4, 6–8), keyboards (6, 9), hammond organ (7), bass guitar (9), leslie piano (9), cümbüş (8)


Gastmusiker:

Richard Wright – electric piano, hammond organ (2)
Romany Gilmour – lead vocals (6), backing vocals (2–4, 6–8), harp (5–6)
Gabriel Gilmour – backing vocals (3, 4)
Rob Gentry – synthesiser (1–4, 6, 9), keyboards (3, 6, 8–9), piano (4, 6, 8–9), organ (7)
Roger Eno – piano (1, 9)
Guy Pratt – bass guitar (2, 3, 6–9)
Adam Betts – percussion (2, 4, 6–9), djembe (3), drums (4)
Steve DiStanislao – drums (2)
Steve Gadd – drums, percussion (3, 6–9)
Tom Herbert – bass guitar (4)
Charley Webb - backing vocals
Hattie Webb - backing vocals
Louise Marshall - backing vocals
Edmund Aldhous – organist and director of music at Ely Cathedral
Ely Cathedral Choir – vocals
Angel Studios Choir – vocals
Angel Studios Orchestra


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Rock


Trackliste:

1. Black Cat (1:32)
2. Luck And Strange (6:56)
3. The Piper‘s Call (5:15)
4. A Single Spark (6:04)
5. Vita Brevis (0:46)
6. Between Two Points (5:47)
7. Dark And Velvet Nights (4:44)
8. Sings (5:14)
9. Scattered (7:33)

Bonus Tracks:

10. Yes, I Have Ghosts (3:50)
11. Luck And Strange (Original Barn Jam) (13:59)

Gesamtspieldauer: 1:01:44



„Luck And Strange“ heißt das fünfte Studioalbum des ehemaligen Pink Floyd Gitarristen David Gilmour. Veröffentlicht wurde das Album am 6. September 2024 auf dem Plattenlabel Sony Music. Für die Texte zeichnet sich größtenteils David Gilmours Frau Polly Samson verantwortlich. Aber auch ihre beiden Kinder Romany und Gabriel tragen zum Album bei. Gabriel wie Romany als Backgroundsänger, Romany übernimmt allerdings beim „Between The Points“-Cover der Montgolfier Brothers sogar den Gesang und ist bei diesem Lied, wie beim kurzen Instrumentalstück „Vita Brevis“, ebenso an der Harfe zu hören.

Mit der ersten, kurzen Instrumentalnummer „Black Cat“ wird man in das Album eingeführt. Sehnsüchtig klingt dieses Lied und erinnert entfernt durchaus auch an manch stimmungsvolles Stück von Pink Floyd. Dies ist allerdings, neben einigen unverkennbaren Gitarrenklängen, der einzige Vergleich, der sich bei „Luck And Strange“ zu Pink Floyd ziehen lässt. „Luck And Strange“ ist ein reines David Gilmour Solo-Album und klingt auch genau so.

Dabei hört man beim zweiten Titel „Luck And Strange“ sogar Richard Wright an den Keyboards. Das Lied entstammt einer Jam-Session in David Gilmours Studio im Jahr 2007, wurde also ein Jahr vor Richard Wrights Tod aufgenommen. Die ganze Jam-Session ist auf der CD-Ausgabe als Bonus-Track beigefügt. Schön, hier noch mal Richard Wright hören zu können. Das Lied selbst ist eine eingängige, allerdings auch unspektakuläre Nummer, bei der man jedoch gerade in den höheren Lagen nicht überhören kann, dass David Gilmour im Jahr 2024 auch bereits 78 Jahre geworden ist.

Die Lieder des Albums sind allesamt im Bereich des Rocks angesiedelt. Ziemlich geradlinig und rhythmisch fließen die einzelnen Nummern aus den Boxen und gehen dabei mal mehr, mal etwas weniger ins Ohr. Einen Ausfall gibt es dabei jedoch glücklicherweise nicht zu beklagen. Einen Höhepunkt – sieht man mal vom Umstand ab, dass man hier Rick Wright nochmals zu hören bekommt – gibt es jedoch auch nicht zu entdecken. Das Album läuft durch und man merkt, dass man das letzte Lied der CD erreicht hat, wenn sich David Gilmour und Richard Wright gegenseitig in den Soli des Jams abwechseln und daran durchaus Spaß zu haben scheinen, wie man am Lachen zum Ende des Liedes hört.

Fazit: David Gilmour ist ein klasse Gitarrist. Seine wahre Stärke auch in Bezug auf das Songwriting konnte er allerdings immer nur in Verbindung zu den Kollegen von Pink Floyd zeigen. So ist „Luck And Strange“ ein gutes, aber auch unaufgeregtes Solo-Album geworden, ein Rock-Album, welches kaum Spuren hinterlassen wird. Neun Punkte.

Anspieltipps: Scattered



Samstag, 30. August 2025

Neil Young – Early Daze

 




Neil Young – Early Daze


Besetzung:

Neil Young – guitar, vocals, piano (4), vibes (5), handclaps (6)



Gastmusiker:

Danny Whitten – guitar, vocals, handclaps (6)
Billy Talbot – bass, handclaps (6)
Ralph Molina – drums, vocals, handclaps (6)
Jack Nitzsche – piano (1–3)




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Country Rock


Trackliste:

1. Dance Dance Dance (2:35)
2. Come On Baby Let's Go Downtown (4:12)
3. Winterlong (3:39)
4. Everybody's Alone (2:31)
5. Wonderin' (2:19)
6. Cinnamon Girl (3:01)
7. Look At All The Things (2:58)
8. Helpless (4:38)
9. Birds (3:38)
10. Down By The River (9:02)

Gesamtspieldauer: 38:38



„Early Daze“ ist das 47. Studioalbum des kanadischen Musikers Neil Young, welches er mit seiner Begleitband Crazy Horse eingespielt hat. Aufgenommen wurde das Album allerdings bereits zwischen dem 17. Januar und dem 17. Oktober 1969. Neil Young hatte bereits mehrfach auf dieses Album hingewiesen, die einzelnen Lieder waren inzwischen auch alle bereits auf verschiedenen Kompilationen oder Alben veröffentlicht worden, in dieser ursprünglich vorgesehenen Fassung allerdings noch nicht.

Man hört den Liedern deutlich an, dass sie nicht im Jahr 2024 entstanden sind und auch nicht in diesem Jahr aufgenommen wurden. Auch enthält die Platte keine allzu großen musikalischen Höhepunkte mehr parat, da man die Lieder eben schon kennt und diese auch nicht die absoluten Höhepunkte im Schaffen des Neil Young darstellen – mit der Ausnahme „Down By The River“. Zudem ist die Platte mit noch nicht einmal vierzig Minuten Laufzeit auch relativ kurz geraten.

Trotzdem werden Neil Young Fans wohl große Freude an der Scheibe haben, zeigt sie doch, wie sich die Lieder ursprünglich angehört und wie sie sich dann weiter entwickelt haben. Zudem klingt jeder Titel nach Neil Young und nur – unverwechselbar – nach Neil Young. Somit macht das Hören durchaus Spaß und man wird vom Sound her in ein ganz anderes, längst vergangenes Jahrzehnt katapultiert. Augen zu und wirken lassen.

Fazit: Neil Young scheint einen unerschöpflichen Fundus an zunächst nicht veröffentlichten Alben haben, deren Lieder dann irgendwo anders aufgetaucht sind, um jetzt, viele Jahrzehnte später, wieder in der ursprünglich vorgesehenen Version und Reihenfolge veröffentlicht zu werden. Für Neil Young Fans lohnt sich das unbedingt und für Leute, die auch mal soundtechnisch in die Musik Ende der 60er Jahre eintauchen möchten ebenfalls. Acht Punkte.

Anspieltipps: Down By The River



Montag, 28. Juli 2025

Rome – Civitas Solis

 



Rome – Civitas Solis


Besetzung:

Jerome Reuter – vocals, guitars, synthesizers, drums
Tom Gatti – synthesizers, programming, bass guitars and modulations




Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Rock, Pop, Art Rock


Trackliste:

1. La France Nouvelle (3:19)
2. In Brightest Black (3:03)
3. Tomorrow We Live (3:46)
4. Food For Powder (3:43)
5. Ad Vindicta (3:13)
6. By Tradition (3:34)
7. Dannazione (1:06)
8. Bring Me The Head Of Romanez (2:55)
9. The Western Wall (3:58)
10. White Flags (3:37)
11. Jupiter (3:11)
12. Mar'yana (3:28)
13. Men Against Time (3:27)
14. Herculaneum (2:42)

Gesamtspieldauer: 45:08



Am 24. Mai 2025 veröffentlichte Jerome Reuter gleich drei Alben. „Civitas Solis“, „The Dublin Session II“ und „Anthology 2016-2025”. Jerome Reuter, alias Rome, hat seit 2005 deutlich über zwanzig Platten veröffentlicht, drei Alben am selben Tag sind allerdings auch für den sehr regen Luxemburger durchaus etwas Besonderes. Zudem ist „Civitas Solis“, um dieses Album geht es hier, eine ganz besondere Veröffentlichung, da es sich dieses Mal bei Rome tatsächlich fast schon um ein Bandprojekt handelt. Denn in den Credits wird angegeben: „Für die Zwecke dieser Aufnahmen war „Rome“ Jerome Reuter und Tom Gatti.“ Überraschend, denn sonst ist Rome gleichzusetzen mit Jerome Reuter.

Nun, an der Musik des Luxemburgers hat dieser Umstand jedoch nichts geändert. Erneut hört man sehr eingängige Lieder, die von der sonoren Stimme des Jerome Reuter dominiert werden. Bereits beim ersten Mal des Hörens glaubt man diese Titel schon mal gehört zu haben. Keine Überraschung, die Musik von Rome erfüllt die Hoffnungen der Fans, die sich genau jene melodiösen und zumeist etwas melancholisch klingenden Lieder wünschen. Und selbst die kurzen französischen und deutschen Passagen gibt es auch auf „Civitas Solis“ wieder zu hören.

Zwei kürzere Stücke enthält das Album, „Dannazione“ ist dabei fast schon mit experimentell zu umschreiben und beinhaltet Sprechgesang, der von einem Synthesizer-Teppich unterlegt wird. Das letzte Lied „Herculaneum“ ist ein Instrumentalstück, mit dem man aus dem Album geleitet wird. Ansonsten sind die Lieder mal langsamer, mal etwas rhythmischer und treibender angelegt. Tempo und Rhythmus werden durchaus variiert. Was jedoch allen Titeln immer innewohnt ist diese Eingängigkeit, die Jerome Reuter so unverwechselbar zu zelebrieren weiß. Spaß macht das Zuhören hier definitiv, etwas Neues entdeckt man allerdings nicht mehr. Die Alben des Luxemburgers ähneln sich sehr, erweitern dabei das Angebot an schönen Melodien – die immer nach Rome klingen. Die Fans wird es freuen.

Fazit: Tatsächlich klingen alle Rome-Platten irgendwie ähnlich und dann doch immer wieder überzeugend. Beim ersten Hören sitzt man da und glaubt alles bereits zu kennen und trotzdem ist es neu und wenn das letzte Lied ausgeklungen ist, gefällt einem die Platte erneut – wie alle anderen Scheiben zuvor, die auch so klangen. Irgendwie kommt da keine Langeweile auf. Verstehe das wer will. Zehn Punkte.

Anspieltipps: La France Nouvelle, Ad Vindicta



Freitag, 18. Juli 2025

Bright Eyes – Five Dice, All Threes

 



Bright Eyes – Five Dice, All Threes


Besetzung:

Conor Oberst – vocal, acoustic and electric guitars, baritone acoustic guitar
Mike Mogis – pedal steel, electric guitar, manjo, dobro, mandolin, banjo
Nathaniel Walcott – piano, trumpet, synthesizers, organs, mellotron, electric piano, celeste, glockenspiel, string and horn arrangements


Gastmusiker:

Jason Boesel – drums (tracks 2–7, 9–11, 13), vocals (tracks 4, 7, 11, 13), percussion (tracks 2, 6, 10)
Alex Orange Drink – vocals (tracks 2, 4, 7, 8, 11, 13), whistling (track 2)
Amy Carey – whistling (track 2)
Vikram Devasthali – trombone (tracks 2, 4, 13)
Josh Johnson – alto, tenor, and baritone saxophones (tracks 2, 4, 7, 13)
Macey Taylor – bass (tracks 2–11, 13), vocals (tracks 4, 11, 13)
Griffin Goldsmith – drums (track 3–8, 10, 13), percussion (tracks 2, 6, 10), vocals (tracks 4, 7, 9, 11, 13)
Adam Reich – acoustic guitar (tracks 5, 7), electric guitar (track 8)
Cat Power – vocals (track 6)
Corina Figueroa Escamilla – vocals (track 7)
James King – tenor and baritone saxophones (track 7)
Jake Bellows – vocals (track 10), guitar (track 10)
Paul Cartwright – violin (tracks 11)
Luanne Homzy – violin (tracks 11)
Jennifer Takamatsu – violin (tracks 11)
Zach Dellinger – viola (tracks 11)
Vanessa Freebairn-Smith – cello (tracks 11)
Matt Berninger – vocals (track 12)
Michaela Favara – vocals (track 13)
Sarah Greenwell – vocals (track 13)
Jamie Montes – vocals (track 13)




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Independent Rock, Independent Pop


Trackliste:

1. Five Dice (1:40)
2. Bells And Whistles (4:07)
3. El Capitan (3:54)
4. Bas Jan Ader (3:54)
5. Tiny Suicides (4:44)
6. All Threes (5:24)
7. Rainbow Overpass (3:01)
8. Hate (4:52)
9. Real Feel 105° (3:25)
10. Spun Out (3:36)
11. Trains Still Run On Time (3:47)
12. The Time I Have Left (3:32)
13. Tin Soldier Boy (5:01)

Gesamtspieldauer: 51:04



„Five Dice, All Threes“ ist das bereits elfte Studioalbum der US-amerikanischen Band Bright Eyes. Es wurde am 20. September 2024 auf dem Plattenlabel Dead Oceans veröffentlicht. Das Album enthält Kollaborationen mit Alex Orange Drink, Cat Power und Matt Berninger. Die beiden Lieder „Bells and Whistles“ und „Rainbow Overpass“ wurden vorab als Singles im Juni und Juli desselben Jahres veröffentlicht.

Nachdem es zuvor ganze neun Jahre gedauert hatte, bis die Fans das nächste Album der Band hören konnten, waren es dieses Mal lediglich vier Jahre, bis ein neues Album erschien. Und auch „Five Dice, All Threes“ klingt – so viel sei bereits verraten – eindeutig nach Bright Eyes. Das wiederum liegt allerdings nicht nur an der einprägsamen Stimme des Conor Oberst. Es ist diese Verbindung aus experimentellen Ansätzen in Verbindung mit schönen Melodien, die die Musik von Bright Eyes durchaus zu etwas Besonderem werden lässt.

„Five Dice, All Threes“ beginnt mit einer Soundkollage, in die ein kleines Hörspiel eingebettet wurde und endet am Ende von „Tin Soldier Boy“ ebenso. Dazwischen befinden sich Lieder, alle im Bereich des Rocks, manchmal auch im Pop angesiedelt, die vielleicht nicht gleich beim ersten Mal, jedoch mit den weiteren Durchläufen ins Ohr gehen. Das klingt alles locker und zumeist sogar irgendwie positiv, was für ein Bright Eyes Album auch nicht selbstverständlich ist. Der Gesang des Conor Oberst, der mitunter fast schon weinerlich klingt, befeuert dieses Mal auch fröhlichere Stimmungen ohne dabei einen Widerspruch hervorzurufen. Selbst hier passt seine außergewöhnliche Gesangsstimme.

Besonders gelungen klingt die Musik von Bright Eyes auf „Five Dice, All Threes“, wenn die Bläser oder Streicher ihren Einsatz haben. Überhaupt die Instrumentierung der Lieder. Bläser und Streicher habe ich bereits erwähnt, dann aber hier mal ein Banjo, da ein Glockenspiel, eine Mandoline, ein Pfeifen, Saxophon, Gesprächsfetzen und und und. Genau das macht auch die Musik dieser außergewöhnlichen Band aus, die für sich selbst gar nicht mal so unvorhersehbar ist – wenn man sie schon länger verfolgt – im Vergleich zu anderen Bands jedoch immer wieder unfassbar überrascht.

Doch trotz all dieser Eigenschaften schafft es „Five Dice, All Threes“ nicht an die großen Alben der Band Anfang der 2000er Jahre anzuknüpfen. Das wiederum liegt daran, dass die Lieder zwar überzeugen, wenn man sie mehrmals gehört hat, jedoch deutlich weniger nachhallen. Es macht Spaß das Album zu hören, wenn es allerdings verklungen ist, vergisst man es auch schnell. Besonderen Alben passiert das nicht. Auch nicht manch anderen Bright Eyes Alben. Trotzdem hebt sich diese Musik sehr positiv von dem Einheitsbrei ab, den man sonst meist zu hören bekommt.

Fazit: „Five Dice, All Threes“ ist ein gutes Album geworden. Es reicht nicht ganz an die Großtaten der Band zum Anfang des Jahrtausends heran, doch es unterhält und es macht Spaß zuzuhören – auch wenn es keinen länger anhaltenden Eindruck hinterlässt. Ich muss mir unbedingt aufschreiben „Five Dice, All Threes“ regelmäßig aufzulegen, denn irgendwie lohnt es schon. Zehn Punkte.

Anspieltipps: All Threes, Tin Soldier Boy



Donnerstag, 26. Juni 2025

Arctic Monkeys – AM

 





Besetzung:

Alex Turner – lead and backing vocals, guitar
Matt Helders – drums, backing vocals
Jamie Cook – guitar
Nick O'Malley – bass, backing vocals, baritone guitar


Gastmusiker:

James Ford – keyboards (tracks 3, 6–12)
Josh Homme – backing vocals (tracks 3 and 11)
Pete Thomas – percussion (track 7)
Bill Ryder-Jones – additional guitar (track 8)




Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Do I Wanna Know? (4:32)
2. R U Mine? (3:21)
3. One For The Road (3:26)
4. Arabella (3:27)
5. I Want It All (3:05)
6. No.1 Party Anthem (4:03)
7. Mad Sounds (3:35)
8. Fireside (3:01)
9. Why‘d You Only Call Me When You‘re High? (2:41)
10. Snap Out Of It (3:13)
11. Knee Socks (4:17)
12. I Wanna Be Yours (3:04)

Gesamtspieldauer: 41:48



„AM“ heißt das fünfte Studioalbum der englischen Rockband Arctic Monkeys. Es wurde am 9. September 2013 auf dem Plattenlabel Domino Recording Company veröffentlicht. Das Album wurde zu einem der erfolgreichsten Alben der Arctic Monkeys, es führte in mehreren Ländern die Charts an und erreichte in vielen weiteren Ländern Top-Ten-Positionen. An der Spitze der UK-Album-Charts verkaufte es sich in der ersten Woche über 157.000 mal und wurde mit 73.000 verkauften Exemplaren zu einem der meistverkauften Vinyl-Alben des Jahrzehnts.

„AM“ gewann den Brit Award für das britische Album des Jahres und wurde für den Grammy Award für die beste Rock-Performance („Do I Wanna Know?“) und den Mercury Prize nominiert. In diversen Listen wird das Album geführt. Der New Musical Express nannte es das beste Album des Jahrzehnts und nahm es in seine Liste der „500 Greatest Albums of All Time“ auf. Und auch das Rolling Stone Magazin nahm es in die 2020-Ausgabe seiner Liste der „500 Greatest Albums Of All Time“ auf.

Ganz schön viele Lobeshymen, die man als Freund des Rocks nicht unbedingt verstehen muss. Aber so ist das eben mit solchen Ranglisten, diese sind und bleiben eben doch auch nur Geschmackssache. Doch was hat es jetzt mit „AM“ auf sich? Nun, die Platte ist wahrlich kein schlechtes Album. Sehr viele musikalische Einflüsse lässt die Band mit in das Album einfließen. So hört man auf „AM“ Pop, Blues Rock, Hard Rock, R&B, Funk und Soul und auch leichte Hip-Hop-Anleihen. Dabei erklingt das Album in sich geschlossen, die unterschiedlichen musikalischen Genres fügen sich perfekt zusammen ohne, dass dies irgendwie konstruiert klingen würde.

Einen Ausfall gibt es auf der Platte ebenso nicht zu beklagen. Man legt „AM“ auf und kann das Album in einem durchhören, ohne den Tonarm an dieser oder jener Stelle etwas weitersetzen zu müssen. Das klingt alles gut und eingängig und macht auch Spaß beim Zuhören. Doch packt es einen auch so sehr, dass es zu den besten Alben aller Zeiten gezählt werden sollte? Nein, definitiv nicht!

Auf „AM“ hört man guten und abwechslungsreiche Rockmusik – perfekt produziert. Dabei überzeugen die einen Titel etwas mehr, die anderen etwas weniger. Den absoluten „Übersong“ gibt es jedoch nicht – genauso wenig wie den Totalausfall. Die Lieder gehen unaufgeregt ins Ohr und haben auch einen gewissen Wiedererkennungswert. Klasse auch die Gesangsharmonien, mit Stimmen, die oftmals fast an die Bee Gees erinnern. Was dieses Album allerdings über andere Platten dieses Jahres oder gar Jahrzehnts erheben soll, das erschließt sich einem nicht. Alleine in diesem Jahr veröffentlichten unter anderem Amplifier, Steven Wilson, Haken oder Motorpsycho Alben, die deutlich mehr Eindruck hinterlassen. Aber – Geschmackssache eben.

Fazit: „AM“ von den Arctic Monkeys ist ein eingängiges und abwechslungsreiches Album geworden, was man immer wieder gern auflegt und hört. Die einzelnen Lieder gehen ins Ohr und „wachsen“ mit jedem Durchlauf noch etwas weiter. Es macht Spaß zuzuhören, denn man wird auf eine sehr vielschichtige musikalische Reise mitgenommen, die viele Stile einschließt und niemals langweilig wird. Spannend ist das allemal. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Do I Wanna Know?, Arabella, Fireside



Dienstag, 24. Juni 2025

Kasabian – The Alchemist’s Euphoria

 



Kasabian – The Alchemist’s Euphoria


Besetzung:

Sergio Pizzorno – vocals, guitars, bass, synthesizers, piano, drum programming
Chris Edwards – bass guitar, backing vocals
Ian Matthews – drums, percussion
Tim Carter – guitar, organ, additional percussion, drum programming, additional programming (tracks 6, 9, 11, 12)


Gastmusiker:

Fraser T. Smith – additional keyboard, bass and drum programming


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Pop, Rock, Techno, HipHop


Trackliste:

1. Alchemist (2:40)
2. Scriptvre (3:49)
3. Rocket Fuel (3:02)
4. Strictly Old Skool (3:07)
5. Alygatyr (3:46)
6. Æ Space (0:48)
7. The Wall (3:29)
8. T.U.E (The Ultraview Effect) (5:45)
9. Stargazr (4:57)
10. Chemicals (3:31)
11. Æ Sea (0:33)
12. Letting Go (3:03)

Gesamtspieldauer: 38:35



„The Alchemist‘s Euphoria“ heißt das siebte Studioalbum der britischen Band Kasabian. Es wurde am 12. August 2022 auf dem Plattenlabel Sony Music veröffentlicht. Ganze fünf Jahre hatte es gedauert, bis nach „For Crying Out Loud“ diese neue Platte erschien. Inzwischen hatte sich auch einiges bei Kasabian getan. Serge Pizzorno war nun alleiniger Leadsänger geworden, denn der frühere Frontmann Tom Meighan war wegen einer Verurteilung aufgrund häuslicher Gewalt gegenüber seiner damaligen Freundin und jetzigen Frau im Jahr 2020 aus der Band entlassen worden. Gleichzeitig ist es das erste Album mit dem Gitarristen Tim Carter als festes Mitglied, der seit „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ aus dem Jahr 2009 an allen Alben der Band mitgewirkt hat und 2013 als Tourgitarrist zur Band stieß.

Mit den Liedern „Alygatyr“, „Scriptvre“, „Chemicals“ sowie „The Wall“ wurden insgesamt vier Singles aus dem Album ausgekoppelt.

Über das Album sagte Pizzorno, dass es „einige ziemlich obskure Wendungen nimmt“ und einen „großen, epischen Sound hat, aber auch eine persönliche Note. Neben den wuchtigen Parts gibt es auch einige sanftere Seiten. Als Ganzes ist es eine wunderschöne Sache und die kohärenteste Platte, die wir je gemacht haben. Es ist ein emotionaler Trip.“

Das kann man so sehen, muss man aber nicht. „The Alchemist‘s Euphoria“ klingt hauptsächlich brachial und aggressiv. Die sanften Stellen auf dem Album muss man schon genau suchen. Da gibt es zum einen die beiden kurzen Einsprengsel „Æ Space“ und „Æ Sea“, die eher mit sphärisch umschrieben werden können. Dann ist da noch das wirklich etwas sanftere „The Wall“ und schließlich ganz am Ende der Platte „Letting Go“, ein Lied welches sogar etwas im Folk angesiedelt ist. Ansonsten gibt es diese „ruhigeren“ Momente noch phasenweise in einzelnen Liedern.

Größtenteils „knallt“ „The Alchemist‘s Euphoria“ jedoch ohne, dass es sich dabei um Hard Rock handeln würde. Knallharte Beats, fast schon im Techno angesiedelt und auch mal eine HipHop-Einlage lassen das Album durchaus zu einer fordernden Angelegenheit werden, die man nicht mal so nebenbei hören kann. Die Lieder klingen größtenteils eingängig, ohne sich dabei allerdings zu einem Ohrwurm zu entwickeln.

Fazit: Ob es nun am Weggang von Tom Meighan lag oder allgemein der damaligen Bandphase geschuldet ist, kann natürlich schwer festgestellt werden. „The Alchemist‘s Euphoria“ ist kein schlechtes Album geworden, gehört allerdings auch nicht zu den Großtaten der Briten. Es lässt einen etwas nachdenklich und mit gemischten Gefühlen zurück. „The Alchemist‘s Euphoria“ klingt jedoch definitiv wie ein Album von Kasabian – und das wird den Fan freuen. Acht Punkte.

Anspieltipps: T.U.E (The Ultraview Effect), Letting Go



Sonntag, 22. Juni 2025

Pattern-Seeking Animals – Spooky Action At A Distance

 



Pattern-Seeking Animals – Spooky Action At A Distance


Besetzung:

Ted Leonard – lead vocals and guitar
Jimmy Keegan – drums, percussion and vocals
Dave Meros – basses
John Boegehold – synthesizers, programming, mellotron, guitars, electric sitar, charango, ronrocco, vihuela, mandocello, autoharp, string arrangements and vocals


Gastmusiker:

Abbie Parker – backing vocals (1, 4, 10)
Alex Bone – tenor sax (4)
Diane Boothby – backing vocals (1, 2, 5, 6, 10)
Gary Cambra – additional guitar (10)
Holly Rix – backing vocals (7, 9)
Ivy Marie – backing vocals
Liz Hanks – cello (1)
Maisie Ireland – cor anglais (4)
Marcela Detroit – backing vocals (6)
Rich Mangicaro – percussion (4, 7, 8, 9)
Sue Winsberg – flute (4, 9)
Vesislava – cello (3)
Eliza James – violin (5, 6)
Rebecca Schlappich Charles – violin (5, 6)
Jennifer Wu – violas (5, 6)
Danica Pinner – cello (5, 6)




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

CD1:

1. The Man Made Of Stone (7:03)
2. Window To The World (3:58)
3. What Awaits Me (5:22)
4. He Once Was (12:16)
5. Underneath The Orphan Moon (3:52)
6. Clouds That Never Rain (5:20)
7. Bulletproof (4:18)
8. Somewhere North Of Nowhere (6:48)
9. Summoned From Afar (7:35)
10. Love Is Still The Light (4:43)

CD2:

1. There Goes My Baby (3:52)
2. Orphans Of The Universe (Live at Progstock 2022) (10:41)
3. Elegant Vampires (Live at Progstock 2022) (4:29)
4. Time Has A Way (Live at Progstock 2022) (13:13)


Gesamtspieldauer: CD1 (1:01:19) und CD2 (32:17): 1:33:36



In sehr schöner Regelmäßigkeit hält, die aus aktuellen und ehemaligen Spock’s Beard Mitgliedern bestehende Band Pattern-Seeking Animals, das Banner des amerikanischen Progessive Rocks hoch. Seit der ersten Veröffentlichung im Jahr 2019 vergingen zwischen zwei Veröffentlichungen maximal zwei Jahre. Dieses Mal hat es lediglich ein Jahr gedauert, bis nach „Only Passing Through“ im Jahr 2022 mit „Spooky Action At A Distance“ bereits das vierte Studioalbum der Pattern-Seeking Animals erschien.

Und erneut enttäuschen die vier Musiker keineswegs. Komponist John Boegehold hat erneut ein Album zusammengestellt, welches nur so von schönen Harmonien und eingängigen Melodien strotzt. Dabei sind es wieder einmal – wie könnte es bei einer Band im Umkreis des Progressive Rocks auch anders sein? – die längeren Titel, die besonders überzeugen. Viele Wendungen, atmosphärische- und Rhythmuswechsel, spannende Steigerungen, rockige Passagen neben ganz leisen Tönen und dazu noch wunderschöne Gesangsharmonien. Diese Mischung begeistert einmal mehr und wurde gerade in den Longtracks perfekt umgesetzt.

Beim Progressive Rock scheiden sich die Freunde dieser Musik oftmals in zwei Lager. Jene, denen es gar nicht experimentell genug sein kann, die frickelige Passagen lieben, auch mal atonale Töne als wahre Bereicherung und Auflockerung betrachten. Und dann sind da auf der anderen Seite die Hörer, welche die Harmonie und die wunderschöne Melodie suchen. Gemein ist beiden Gruppen die Freude an der Abwechslung, am unerwarteten Verlauf eines Titels. Die Pattern-Seeking Animals bedienen mit ihrem vierten Album allerdings „nur“ die zweite Fraktion, diese dann aber absolut konsequent. Das Album geht ins Ohr und macht Spaß.

Rockige Klänge, folkige Passagen, hymnische Abschnitte und auch ein wenig Pop paaren sich auf „Spooky Action At A Distance“ – und das in einer sehr gelungenen und überzeugenden Art und Weise. Übersetzt heißt der Albumtitel „Gespenstische Wirkung in der Ferne“ und widerspricht eigentlich dem idealen Hören des Albums. Dieses genießt man nämlich am besten ganz nah auf den Ohren, mit Kopfhörern auf seinem Lieblingsplatz.

Die zweite CD enthält das etwas poppige und eingängige There Goes My Baby“ sowie drei Live-Aufnahmen, je eine von den ersten drei Veröffentlichungen. Die Qualität der Aufnahmen ist sehr gut und man hört kaum, dass es sich dabei um Live-Einspielungen handelt. Vor allen Dingen die drei Live-Mitschnitte sind sehr hörenswert und eine schöne Zugabe.

Fazit: Auch das vierte Album der Pattern-Seeking Animals weiß zu überzeugen. Wer die ersten drei Platten der Band mochte, wird von „Spooky Action At A Distance“ sicherlich nicht enttäuscht werden. Eine Weiterentwicklung der Musik der Band gibt es nicht, der mit dem ersten Album eingeschlagene musikalische Weg wird konsequent fortgesetzt. Viele dürfte das freuen. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Man Made Of Stone, He Once Was, Summoned From Afar



Freitag, 20. Juni 2025

Werner Bekker – Lightwoven

 



Werner Bekker – Lightwoven


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Werner Bekker – vocals, guitars


Label: Tic Tac Bang


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Folk


Trackliste:

1. Goodbye Honey (3:56)
2. Coloured By Thoughts (4:24)
3. Compromise (3:48)
4. Creaking Door (4:49)
5. Daisy (4:43)
6. Broken Record (4:27)
7. Mood (3:01)
8. I Can Take It (4:26)
9. Long Fuse (3:37)

Gesamtspieldauer: 37:15



Manchmal spielt das Leben einfach verrückt und es passieren Dinge, auf die man gerne verzichtet hätte. Situationen, die einem Abgründe eröffnen und wenn man schließlich glücklicherweise doch nicht ganz abstürzt ist, es überstanden hat, dann beschäftigen einen diese Momente noch sehr lange. Um die daraus resultierenden Gefühle aufzuarbeiten fangen manche Menschen an zu trinken, einige suchen sich professionelle Hilfe, reden viel mit anderen Leuten darüber, finden Unterstützung bei Freunden und der Familie oder versuchen alles mit Kreativität zu verarbeiten.

Letzteren Weg ist der südafrikanische Sänger und Songwriter Werner Bekker gegangen und verarbeitete seine schwierigsten emotionalen Lebensmomente in Musik – in nachdenkliche Texte und in sanfte Melodien, angereichert mit vielen Emotionen. Somit hört man auf „Lightwoven“ gefühlvolle Musik, die einen packt und unter die Haut geht. Die sanften Titel entfalten ihre Wirkung sofort und laden zu süßer Melancholie ein, während der man selbst eigene Erlebnisse reflektiert. Melancholisch, sentimental, auch traurig, jedoch immer mit einem kleinen Silberstreif am Horizont versehen, wie schon der Albumtitel vermitteln will. Werner Bekker sagt selbst über die Platte: „Dieses Album hat mir geholfen, Dinge zu verarbeiten, die ich nicht laut aussprechen konnte. Ich hoffe, es hilft auch jemand anderem.“

Die einzelnen Lieder ähneln sich von der Stimmung her ohne, dass dies zu Langeweile führen würde. Man taucht mit dem ersten Lied ein in diese Atmosphäre und wird erst nach dem Ausklingen des letzten Stücks daraus entlassen. Manchmal hört man Werner Bekker singen, dabei fast ausschließlich begleitet von seiner Gitarre, wie beim bewegenden „Mood“. Im anschließenden und mitreißenden „I Can Take It“ wiederum hört man Perkussion und Streicher. Doch ganz egal, wie opulent oder zurückhaltend die Lieder instrumentiert sind, dieses sanfte Gefühl der Melancholie sowie diese emotionale Intensität bleibt stets zugegen.

„Lightwoven“ wird heute, am 20. Juni, auf dem Label Tic Toc Bang veröffentlicht und ist auf allen gängigen Streaming-Plattformen verfügbar.

Fazit: Mit „Lightwoven“ ist dem Südafrikaner Werner Bekker ein sehr einfühlsames und packendes Album gelungen, welches all jene Hörerinnen und Hörer begeistern wird, welche Emotionalität, Gefühle und auch die stillen Momente in der Musik lieben. Das Album überzeugt vom ersten bis zum letzten Akkord und trägt einen beim Hören sanft. Sehr empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Compromise, Mood, I Can Take It



Samstag, 10. Mai 2025

The Pineapple Thief – Last To Run

 



The Pineapple Thief – Last To Run


Besetzung:

Bruce Soord – vocals, guitars
Steve Kitxch – keyboards
Jon Sykes – bass, backing vocals
Gavin Harrison – drums, percussion


Gastmusiker:

Beren Matthews – additional guitar, backing vocals


Label: KScope


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. All Because Of Me (3:31)
2. Last To Run (4:07)
3. Election Day (4:15)
4. The World To Me (6:42)
5. No Friend Of Mine (3:03)

Gesamtspieldauer: 21:40



Am 31. Oktober 2024 erschien die EP „Last To Run“, es ist bereits die zweite Veröffentlichung von The Pineapple Thief im Jahr 2024. Nach dem großen Erfolg von „It Leads To This“ wollte man wohl passend zur beginnenden US-Tournee gleich noch mal ein paar Titel nachlegen. Die fünf Lieder EP sind auch während der Aufnahmesessions zu „It Leads To This“ entstanden, hatten es dann allerdings doch nicht auf die Platte geschafft.

Bruce Soord sagt über „Last To Run“, dass die einzelnen Stücke schließlich später noch weiterentwickelt wurden und somit ganz neue Facetten aufwiesen, die es dann doch noch lohnenswert machten, sie zu veröffentlichen.

Nun, „Last To Run“ klingt definitiv nach Pineapple Thief und Freunde der Band dürfte diese EP sicherlich auch zusagen – auch wenn sich darauf kein „Überlied“ befindet. Doch die Nummern klingen rockig, gehen gut ins Ohr und ergänzen das vorherige Album ein wenig. Muss man diese EP besitzen? Das ist natürlich wie immer eine Frage des Geschmacks, und ob man wirklich alles von „seiner“ Lieblingsband besitzen möchte. Essentiell im musikalischen Kosmos von The Pineapple Thief ist „Last To Run“ allerdings nicht.

Fazit: Eine schöne Ergänzung zum vorherigen Album „It Leads To This“. Nicht mehr und nicht weniger. Acht Punkte.

Anspieltipps: Last To Run



Donnerstag, 8. Mai 2025

Motorpsycho – Serpentine

 



Motorpsycho – Serpentine


Besetzung:

Håkon Gebhardt – drums, vocals, percussion
Hans Magnus Ryan – guitars, vocals, percussion
Bent Sæther – bass, vocals, guitar, piano




Erscheinungsjahr: 2002


Stil: Alternative Rock, Pop


Trackliste:

1. Serpentine (3:30)
2. Shane 2Am (2:53)
3. Little Ricky Massenburg (4:12)
4. Safu (4:36)
5. Fade To Gray (5:37)

Gesamtspieldauer: 20:50



Rund um die Veröffentlichung ihres 2002er Werkes „It’s A Love Cult“ hatten die drei norwegischen Musiker noch etwas Material, welches ihrer Meinung nach wohl nicht auf das reguläre Album passte. Kurzerhand wurde im selben Jahr auch noch eine EP mit dem Titel „Serpentine“ veröffentlicht.

„Serpentine“ ist nicht nur der Titel der EP und auch gleich das erste Lied auf dieser Veröffentlichung, sondern dieses Lied befindet sich auch auf dem Album „It’s A Love Cult“ selbst. Überraschenderweise dort sogar in einer knapp zwei Minuten längeren Version. Musikalisch ist das Stück ansonsten identisch, es fehlen auf der EP allerdings der Mittelteil und das Ende. Nun, das ist sicherlich noch kein Grund zum Kauf der EP und auch kein Grund gesondert eine EP zu veröffentlichen.

Trotzdem lohnt diese kurze Scheibe, wenn man mal eine ganz andere Seite der Norweger hören möchte. Auf den ersten vier Titeln klingen Motorpsycho oftmals ruhiger, auch poppiger als auf anderen Veröffentlichungen des ersten Jahrzehnts in den 2000ern. Somit passt das Stück „Serpentine“ stilistisch sehr gut zu den nächsten drei Liedern. An einigen Stellen fühlt man sich sogar fast etwas an die Beatles erinnert. Erst im letzten Titel „Fade To Gray“ klingt es dann doch etwas rockiger und ab der Mitte dieses Titels gleitet die Musik schließlich in ein langes, vibrierendes Solo, welches einen kraftvoll – und für die EP ansonsten ganz untypisch – rockig aus der EP geleitet.

Fazit: Die EP „Serpentine“ ist sicherlich eher etwas für Leute, die alles von „ihrer“ Band besitzen wollen, Komplettisten soll es ja auch geben. Insgesamt ist „Serpentine“ eine kurze, überwiegend sehr eingängige Reise durch etwas andere Musik von Motorpsycho. Neun Punkte.

Anspieltipps: Little Ricky Massenburg, Fade To Gray