Montag, 4. Mai 2015

The Moody Blues – Seventh Sojourn




The Moody Blues – Seventh Sojourn


Besetzung:

Justin Hayward – vocals, acoustic & electric guitars
John Lodge – vocals, bass, acoustic guitar
Ray Thomas – vocals, flute, tambourine, saxophone, oboe
Graeme Edge – drums, percussion, vocals
Mike Pinder – vocals, chamberlin, piano


Label: Threshold Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: ArtPop, Pop, Rock


Trackliste:

1. Lost In A Lost World (4:42)
2. New Horizons (5:10)
3. For My Lady (3:57)
4. Isn't Life Strange (6:08)
5. You And Me (4:19)
6. The Land Of Make Believe (4:51)
7. When You're A Free Man (6:05)
8. I'm Just A Singer (In A Rock And Roll Band) (4:22)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

9. Isn't Life Strange (Original Version) (8:14)
10. You And Me (Beckthorns Backing Track) (6:33)
11. Lost In A Lost World (Instrumental Demo) (4:41)
12. Island (4:30)

Gesamtspieldauer: 1:03:38




Die Fahrt der Moody Blues geht auch mit ihrem achten Album, „Seventh Sojourn“ aus dem Jahr 1972 weiter. Eine Fahrt in die süßlichste Musik überhaupt, an der man mitunter schon ganz schön zu schlucken hat. Hier auch noch von Rock-Musik zu sprechen scheint durchaus gewagt zu sein. Denn unter Rock Musik stellt man sich im Grunde genommen etwas anderes vor, als ultrasanfte und oftmals auch kitschige Klanggebilde, die es auf „Seventh Sojourn“ allerdings zu Hauf zu hören gibt.

Man kann jetzt wahrlich nicht behaupten, dass die Nummern nicht melodiös wären, denn das sind sie allemal. Allerdings klingt das Ganze irgendwie sowas von kitschig, dass es zum Teil schwer fällt, die einzelnen Lieder noch ernst zu nehmen. In den Titeln steckt so viel Pathos und Süße, sodass man eigentlich versucht ist, den Musikern zuzurufen: „Steht auf, wehrt Euch. Ihr müsst doch zumindest noch einen kleinen Rest an Stolz in Euch haben. Also Kopf hoch und Brust raus!“ Aber dann kommt gerade die Nummer „New Horizons“ und man steht mit offenem Mund da und weiß gar nicht, was man noch alles sagen soll. Sowieso zu spät, 1972 ist lange vorbei.

Allerdings ist das Ganze, neben aller Süße, so eingängig, dass man gar nicht umhin kommt, auch etwas daran schön zu finden. In meinem Fall ist es zum Beispiel Titel Nummer 3, „For My Lady“. Absolut soft und süß, jedoch ausgestattet mit einer absolut eingängigen und schönen Melodue und vor allem einer tollen Instrumentierung. Und dann wäre da noch die letzte Nummer des Albums „I'm Just A Singer (In A Rock And Roll Band)“. Diese ist richtig gelungen, da sie endlich mal Rock Musik beinhaltet. Wieder einmal eine schöne Melodie, jetzt jedoch gepaart mit einem flotteren Tempo und überzeugendem Groove.

Auf der remasterten Version des Albums gibt es vier Zugaben. Diese passen sich an das schlechtere Niveau der Scheibe an. Und da ist es dann egal, ob es Titel mit Gesang oder gar Instrumentalnummern sind. Dafür lohnt sich der Kauf definitiv nicht, wenn man schon die Originalscheibe besitzt.

Fazit: Manche Bands habe 1972 echt Klassiker veröffentlicht. Einige davon wurden hier ja bereits besprochen. Die Moody Blues haben das nicht geschafft. Weich klang die Band schon immer, jetzt klingt sie allerdings sogar schleimig. Kein gutes Zeichen. Sicherlich haben die Moody Blues noch Fans von damals, die mit dieser Musik groß geworden sind und diese zu schätzen wissen. Ob jemand allerdings heute noch, wenn sie oder er „Seventh Sojourn“ zum ersten Mal hört, darauf abfährt, das wage ich zu bezweifeln. Melodiös bis in den letzten Takt, manchmal auch ganz nett. Schön, wenn es rockiger klingt… Irgendwie allerdings nicht mehr gut. Sechs Punkte.

Anspieltipps: For My Lady, I'm Just A Singer (In A Rock And Roll Band)



Sonntag, 3. Mai 2015

Chris de Burgh – Spanish Train And Other Stories




Chris de Burgh – Spanish Train And Other Stories


Besetzung:

Chris de Burgh – acoustic guitars, lead and all backing vocals, piano on “The Tower” and “This Song For You”


Gastmusiker:

Barry de Souza – drums
Ray Glynn – electric guitars
Lennox Laington – percussion
Tony Hymas – keyboards
Tony Reeves – bass, string bass on “A Spaceman Came Travelling”
Phillip Goodhand-Tait – harmonium
Chris Laurence – string bass
Ken Freeman – string synthesizer
Chris Mercer – sax on “The Painter”
Mick Eves – sax on “The Painter”
Robert Kirby – arrangement of the strings, choir, recorders and ocarinas on “The Tower” and “Lonely Sky”, brass arrangement for “Old Friend” and “This Song For You”
David Hentschel – arranged and performed synthesizer on “A Spaceman Came Travelling”
Richard Hewson – arranged the strings and brass for “Just Another Poor Boy” and “Spanish Train”


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Spanish Train (5:02)
2. Lonely Sky (3:54)
3. This Song For You (4:15)
4. Patricia The Stripper (3:30)
5. A Spaceman Came Travelling (5:11)
6. I'm Going Home (3:34)
7. The Painter (4:20)
8. Old Friend (3:42)
9. The Tower (5:22)
10. Just Another Poor Boy (4:48)

Gesamtspieldauer: 43:28




„Spanish Train And Other Stories“ heißt das zweite Studioalbum des Iren Chris de Burgh, es wurde im November 1975 veröffentlicht. In Südafrika hieß die Scheibe auch mal „Lonely Sky And Other Stories“, da hier das Lied „Spanish Train“ als Blasphemie angesehen wurde und kurzerhand auf den Index gesetzt worden war. Also tauschte die Plattenfirma den Titel und ließ bei den neuen Pressungen das Lied „Spanish Train“ ebenfalls weg. Obwohl dieser Titel fehlt, stellt die Ausgabe ein sehr begehrtes Sammlerstück dar und wird hoch gehandelt.

Nun aber zur Musik auf „Spanish Train And Other Stories“. Ist eben Chris de Burgh, möchte man fast schreiben. Alle Mädchen und Frauen standen da früher drauf, jedenfalls jene, die ich damals kannte. Das klingt oftmals sehr, sehr weich und mitunter auch rührend. Nun, „Spanish Train“ hat eine sehr schöne Melodie und einen durchaus hörenswerten Text, der keineswegs blasphemisch ist – zumindest nicht in meinen Ohren. Die Musik spielgelt hier auch das Geschehen in dem Lied wider, etwas, was es so heutzutage kaum mehr zu hören gibt. Sehr gelungen. Auch „A Spaceman Came Travelling“ ist eine sehr schöne Nummer, wenn diese auch schon sehr heimelig klingt. Aber auch Männer haben ja ihre weiche Seite. „Just Another Poor Boy“ fällt ebenfalls in diese Kategorie, hat aber auch etwas, nämlich eine schnell ins Ohr gehende Melodie, die sich ebenfalls festsetzt.

Nun, dann blieben noch die restlichen sieben Titel. Klar auch diese sind hörbar, zumindest mal mehr, mal weniger. Einige dieser Nummern sind dann jedoch allerdings schon sehr gewöhnungsbedürftig, durchschlagen die Skala der Weichheit am unteren Ende. Aber auch die flotteren Stücke wollen einfach nicht so richtig zünden. Wie gesagt, das ist noch nicht mal schlecht, aber läuft so durch, ohne großartig irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Und auch wenn solch ein Lied wie „Patricia The Stripper“ von anderen gefeiert wird, kann ich persönlich mit diesem Swing und Music Hall Verschnitt jedoch nichts anfangen, leider gar nichts.

Fazit: Chris de Burgh hat sehr schöne Lieder geschrieben. Zwei davon befinden sich mindestens auf der Scheibe „Spanish Train And Other Stories“. Der Rest ist okay, kann jedoch nicht restlos überzeugen. Manchmal ist es einfach zu weich, erinnert ein wenig an Kitsch, dann wiederum groovt es zwar, jedoch ohne einen so richtig packen zu können. Kein schlechtes Album, was mit Sicherheit viele Anhänger hat und noch finden dürfte – mich trotzdem mit zwiespältigen Gefühlen zurücklassend. Neun Punkte.

Anspieltipps: Spanish Train, A Spaceman Came Travelling, Just Another Poor Boy



Samstag, 2. Mai 2015

Jethro Tull – Catfish Rising




Jethro Tull – Catfish Rising


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, acoustic and electric guitars, acoustic and electric mandolins, flute, percussion, keyboards, drums
Martin Barre – electric guitar
Dave Pegg – electric and acoustic bass guitars
Doane Perry – drums


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Rock


Trackliste:

1. This Is Not Love (3:57)
2. Occasional Demons (3:49)
3. Roll Yer Own (4:26)
4. Rocks On The Road (5:32)
5. Sparrow On The Schoolyard Wall (5:22)
6. Thinking Round Corners (3:32)
7. Still Loving YOu Tonight (4:32)
8. Doctor To My Disease (4:35)
9. Like A Tall Thin Girl (3:38)
10. White Innocence (7:44)
11. Sleeping With The Dog (4:26)
12. Gold Tipped Boots White Jacket & Tie (3:41)
13. When Jesus Came To Play (5:03)

Gesamtspieldauer: 1:00:22




„Catfish Rising“ ist bereits das achtzehnte Studioalbum von Jethro Tull und es wurde im Jahr 1991 veröffentlicht. Nun, mit Progressive Rock, für den die Band auch mal stand, hat diese Platte so gar nichts mehr zu tun – oder vielleicht nur noch ganz am Rande. Auf „Catfish Rising“ hört man Rock-Musik und manchmal klingt das Ganze auch ein wenig folkig, diese Phase gab es bei Jethro Tull ja auch bereits schon mal. Das Album weist auch einen gewissen Anteil an bluesigen Abschnitten und auch Songs auf. Zwar ist dieses musikalische Genre nicht allgegenwärtig, jedoch ist es, bis auf den Anfang der Karriere von Jethro Tull, nicht mehr so deutlich zu Tage getreten.

Ian Anderson zeigt sich natürlich mal wieder verantwortlich sowohl für die Musik, wie für die Texte. Die Musik ist auch bereits nach zwei Takten eindeutig Jethro Tull zuzuordnen, zu einzigartig klingen die Lieder der Engländer. Sicherlich gibt es jedoch eingängigere Scheiben von Jethro Tull. Auf „Catfish Rising“ ist zwar alles handwerklich sehr gut gemacht, die Musik wirkt auch, ohne jedoch restlos überzeugen zu können. Einige Titel laufen im Grunde genommen nur so durch, ohne wirklich großartige Spuren zu hinterlassen. Das gilt jedoch ausdrücklich nicht für die Nummer „Rocks On The Road“, für mich ganz klar der Höhepunkt der gesamten Scheibe. Dieses Lied ist folkig bis rockig und verfügt über einen Melodiebogen, der unverzüglich hängenbleibt. Dazu noch ein guter und lauschenswerter Text und fertig ist die wirklich gute Nummer.

Fazit: „Catfish Rising“ ist garantiert keine schlechte Scheibe, jedoch fällt sie, verglichen mit vielen anderen Platten von Jethro Tull, durchaus etwas ab. Allerdings ist das auch etwas „Jammern“ auf hohem Niveau, denn für Freunde und Fans von Jethro Tull, wie für Anhänger handwerklich gut gemachter Rockmusik, die auf technischen Schnickschnack weitestgehend verzichtet, lohnt sich diese Scheibe durchaus. Da aber jedoch die einzelnen Titel – mit der einen, beschriebenen Ausnahme – nicht ganz so überzeugen können, bleibt das Ganze für mich trotzdem nur ein durchschnittliches Rock-Folk-Blues-Album, welches seine Höhepunkte hat, viel Durchschnitt, allerdings auch keinen Ausfall. Acht Punkte.

Anspieltipps: Rocks On The Road



Freitag, 1. Mai 2015

Elbow – Dead In The Boot




Elbow – Dead In The Boot


Besetzung:

Guy Garvey – vocals, slide guitar on "The Long War Shuffle", string, percussion, brass & choral arrangements
Mark Potter – guitars
Craig Potter – keys, percussion
Pete Turner – bass
Richard Jupp – drums, percussion


Label: Fiction Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Alternative Rock, Independent Rock


Trackliste:

1. Whisper Grass (4:30)
2. Lucky With Disease (3:44)
3. Lay Down Your Cross (4:41)
4. The Long War Shuffle (4:14)
5. Every Bit The Little Girl (4:25)
6. Love Blown Down (4:31)
7. None One (3:44)
8. Lullaby (3:15)
9. McGreggor (2:40)
10. Buffalo Ghosts (3:37)
11. Waving From Windows (4:15)
12. Snowball (5:01)
13. Gentle As (2:58)

Gesamtspieldauer: 51:40




Nein, „Dead In The Boot“ ist nicht das sechste Studio-Album von Elbow, dieses heißt „The Take Off And Landing Of Everything“ und sollte erst zwei Jahre später veröffentlicht werden. „Dead InThe Boot“ erschien im Jahr 2012 und beinhaltet dreizehn B-Seiten, die im Laufe der Jahre so angefallen sind und es nie auf ein reguläres Album geschafft haben. Dreizehn B-Seiten? Das ist sowas von unfassbar, denn ganz ehrlich, einen qualitativen Unterschied kann man hier zu den „normalen“ Studioalben in keinster Weise heraushören.

Elbow machen so herrlich unaufgeregte Musik, entspannter können Lieder kaum klingen. Und genau so funktioniert auch „Dead In The Boot“. Die Platte ist angefüllt mit unglaublich leiser und spannender Musik, die den Hörer umgarnt und einzufangen versucht und der dies auch gelingt. Alles ist melodisch, leicht, wirkt irgendwie gehaucht, obwohl Guy Garvey seinem markanten Gesang in keiner Weise auf diese Art einsetzt. Der absolut herausragende Titel, der fehlt zwar auf „Dead In The Boot“, jedoch hat alles seine Qualität. Kein Titel fällt gegen den Rest ab und so bleibt der Hörerin beziehungsweise dem Hörer die Möglichkeit aus dreizehn wundervoll entspannten Titeln, ihren oder seinen Lieblingssong herauszuhören. Dies wird jedoch definitiv ein sehr schwieriges Unterfangen werden, bei der Qualität der gesamten Scheibe.

Da die Nummern alle im eher ruhigen und langsamen Bereich angesiedelt sind, könnte die Scheibe für so manchen Rock-Fan ein wenig zu einseitig und ruhig geartet sein. Dies muss nicht, aber könnte der Fall sein. Für alle anderen bietet die Platte die perfekte Entspannung nach einem stressigen Tag. Macht es euch ordentlich auf der Couch bequem, schließt die Augen und lauscht – es wird ein kurzer Urlaub vom Alltag.

Fazit: Ich kann hier ehrlich gesagt keinen Unterschied zu einem regulären Studioalbum von Elbow heraushören. Die einzelnen Titel entstanden in einem Zeitraum von elf Jahren und auch dies hört man dem Album nicht an. Alles wirkt so, als ob es fließend miteinander verbunden sei und genau so und nicht anders zusammengestellt werden musste. Sehr zerbrechlich wirkende Musik ist das, ruhig, sanft und einnehmend – und natürlich ganz fürchterlich und gewaltig entspannt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Lay Down Your Cross, Every Bit The Little Girl



Donnerstag, 30. April 2015

Shiny Gnomes – Garage X




Shiny Gnomes – Garage X


Besetzung:

Dorit – drums, backing vocals
Gasi – piano, organ, synthesizer
Limo – vocals, guitars, synth & noises
Manna – bass, synthesizer, guitar


Label: Fuego


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Rock


Trackliste:

1. Pink Heaven (3:10)
2. Don't Stop (5:23)
3. High Time August (4:13)
4. Fontana Sun (6:40)
5. Garage Life (3:46)
6. Riding With The Wind (5:42)
7. Station Of Drifters (5:03)
8. Real Thing (4:34)
9. This Cruel World (4:44)

Gesamtspieldauer: 43:19




Warum eigentlich in die Ferne schweifen, wenn das Gute oftmals so nahe liegt? Die Shiny Gnomes haben wieder mal – nach sieben langen Jahren – eine Platte veröffentlicht und man möchte fast sagen: Endlich. Nach dem Hören der Silberscheibe, gleichzeitig das zehnte Studioalbum der Shiny Gnomes mit dem Titel „Garage X“, muss man dieses „Endlich“ sogar noch unterstreichen, denn wieder einmal haben die vier Franken eine wahrlich sehr hörenswerte Platte aufgelegt.

Allzu viel wird auf „Garage X“ nicht experimentiert. Das hörte sich auf manch einem Vorgänger dieser Scheibe schon mal anders an. Dafür ist es Limo, der sich wieder einmal sowohl für die Musik wie für die Texte verantwortlich zeigt, einmal mehr gelungen, Lieder zu schreiben, die ziemlich schnell ins Ohr gehen und genau dort auch sehr schnell zu zünden verstehen. Die Titel setzen sich unverzüglich fest und wirken bereits nach wenigen Durchläufen des Albums wie gute und vertraute Bekannte, die zu kennen man sehr genießt. Stilistisch ist die Auswahl auf „Garage X“ breit gefächert. Klar ist das Rock-Musik, jedoch auch mit einigen poppigen Ausschlägen. Mitunter klingt es dann aber auch mal psychedelisch und sogar Reggae-Klänge sind auf dem Album zu vernehmen. Diese Mannigfaltigkeit in der Musik trägt mit dazu bei, dass niemals Langeweile bei den Shiny Gnomes auf „Garage X“ aufkommt. Alles passt bestens zusammen, klingt rund und einnehmend. Kein Titel fällt irgendwie ab, sodass dem Hörvergnügen keine Grenzen gesetzt sind.

Ein Wort noch kurz zur Instrumentierung. Auch diese überzeugt sowohl in den leisen Momenten, wie in den treibenderen Abschnitten. Die Musik wird auf den Punkt gespielt und wenn Gasi seinen fetten Orgelsound hinterlegt, wie zum Beispiel beim Refrain zu „Station Of Drifters“, so kommen da Reminiszenzen zu längst vergangenen musikalischen Zeiten auf – und dann lässt sich auch perfekt in alten musikalischen Erinnerungen schwelgen.

Fazit: Eine tolle, eingängige und spannende Platte legen die Shiny Gnomes hier vor. Alles klingt, alles wirkt und alles hinterlässt Spuren. Jede Menge Melodien gibt es auf „Garage X“ zu erhören, die sich schnell im Musikzentrum des Hörers festsetzen. Auf mich wirkt die Scheibe fröhlich und hinterlässt ein irgendwie positiv geartetes Gefühl. Bleibt im Grunde genommen nur zu hoffen, dass nicht wieder sieben Jahre bis zum nächsten Album der Shiny Gnomes vergehen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Fontana Sun, Riding With The Wind, Station Of Drifters



Mittwoch, 29. April 2015

Savatage – Hall Of The Mountain King




Savatage – Hall Of The Mountain King


Besetzung:

Jon Oliva "The Grit" – lead vocals, piano
Criss Oliva "The Crunch" – guitars
Johnny Lee Middleton "The Thunder" – bass guitar, backing vocals
Steve Wacholz "The Cannons" – drums, percussion


Gastmusiker:

Robert Kinkel – keyboards
Ray Gillen – backing vocals on "Strange Wings"
Chris Caffery – guitars


Label: Ear Music


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Metal


Trackliste:

1. 24 Hrs. Ago (4:56)
2. Beyond The Doors Of The Dark (5:08)
3. Legions (4:50)
4. Strange Wings (3:45)
5. Prelude To Madness (3:13)
6. Hall Of The Mountain King (5:33)
7. The Price You Pay (3:51)
8. White Witch (3:22)
9. Last Dawn (1:07)
10. Devastation (3:38)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

11. Castles Burning (Acoustic Version 2010) (4:03)
12. Somewhere In Time / Alone You Breathe (Acoustic) (4:39)

Gesamtspieldauer: 48:11




Wer auf Metal steht, die oder der kommt am fünften Studio-Album von Savatage unmöglich vorbei. Die vier Amerikaner erfreuen alle Freunde dieses musikalischen Genres mit „Hall Of The Mountain King“ auf das Allerbeste. Kraftvoller Rock bekommt der Hörer hier geboten, tolle Gitarrensoli und den unverwechselbaren Gesang des Jon Oliva. Auf „Hall Of The Mountain King“ wird uneingeschränkt gerockt, leisere oder sanftere Töne finden sich nur sehr wenige auf dieser Scheibe der US-Amerikaner. Ob das wohl an Paul O’Neill lag, dem neuen Produzenten der Band, der Savatage von nun an viele Jahre begleiten sollte?

Nun, die Platte stellte auf jeden Fall den endgültigen Durchbruch für die vier Musiker dar. Zu hören gibt es auf „Hall Of The Mountain King“ melodiösen Metal, der zum Teil bereits vorsichtig in die progressive Ecke driftet. Allerdings sollte dieses musikalische Genre erst noch deutlich mehr auf den nächsten Platten der Band Einzug halten. Instrumental ist die Musik natürlich sehr fein gemacht, die Musiker verstehen etwas von ihrem Handwerk. Alles wird auf den Punkt gespielt und klingt einfach. Die Titel sind zwar hart, jedoch durchaus auch melodisch und eingängig, sodass sie sich schnell im Ohr festzusetzen verstehen. Nun, ein weiterer Grund für den hohen Wiedererkennungswert der Scheibe ist zweifelsohne der sehr charismatische und unverwechselbare Gesang des Jon Oliva. Dieser stößt hier zusätzlich noch garantiert unverwechselbare Schreie aus, die so ebenfalls auf späteren Platten nicht mehr unbedingt zu finden sind. Da bleibt mit Sicherheit etwas hängen beim Hörer.

Die Höhepunkte befinden sich für mich genau in der Mitte der Scheibe. „Prelude To Madness” ist eine sehr gelungene Adaption von Edvard Griegs „In der Halle des Bergkönigs". Die Nummer ist wohl eines der bekanntesten Werke Griegs aus der Peer Gynt Suite. Obwohl ich im Grunde genommen mit „verrockter Klassik“ so gar nichts anzufangen weiß, muss ich gestehen, dass dies im Falle von Savatage und Grieg eine durchaus gelungene und hörenswerte Konstellation darstellt. Der eigentliche Titel mit dem Namen aus der Peer Gynt Suite „Hall Of The Mountain King“, gleichzeitig auch der Titel-Track, ist dann ein Metal Song par excellence. Unglaublich kraftvoll und dynamisch beweisen die Musiker hier, wie mitreißend Metal Musik doch sein kann. Wahrlich beeindruckend. Ob diese beiden Nummern nun allerdings wirklich die besten des Albums sind, liegt wie immer wieder mal im Ohr und ganz am Geschmack des jeweiligen Musikkonsumenten.

Fazit: „Hall Of The Mountain King“ ist wahrlich eine überzeugende Metal-Scheibe geworden. Knallharte Gitarren gepaart mit viel Melodiösität, das gibt es nicht allzu oft zum Hören. Die anderen beiden hier bereits besprochenen Savatage-Scheiben, „Gutter Ballet“ sowie „The Wake Of Magellan“, überzeugen mich in Punkt „Eingängigkeit“ allerdings noch einen Tick mehr, das mag durchaus von anderen, anders beurteilt werden. Den auf diesen Platten vorhandenen Bombast, den gibt es auf dem fünften Album von Savatage noch nicht ganz so. Gut und überzeugend ist „Hall Of The Mountain King“ jedoch allemal, für alle Metal-Fans sicherlich sogar ein musikalischer Höhepunkt in diesem Genre. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Prelude To Madness, Hall Of The Mountain King



Dienstag, 28. April 2015

Danielle de Picciotto – Tacoma






Label: Moabit Musik


Erscheinungsdatum: 2015


Trackliste:

1. Tacoma (7:08)
2. I Have Love (5:48)
3. Luminous (3:00)
4. Es Gibt Kein Zurück (5:34)
5. In Transit (5:22)
6. Per Aspera Ad Astra (5:49)
7. Home Sweet Home (8:21)
8. Horchata (2:14)
9. The Veil (9:26)

Gesamtspieldauer: 52:42



Wer nach Seattle will, muß zuerst nach Tacoma. SeaTac ist der internationale Flughafen von Seattle. Tacoma ist eine Vorstadt und der Titel der neuen Platte von Danielle de Picciotto. "Tacoma" ist wie eine musikalische Durchreise, um diese Multimedia Künstlerin erfassen zu können.

Irgendwie hatte ich sie lange nicht auf dem Schirm, bis ich die Gemeinschaftsarbeit von ihr und ihrem Ehegatten Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) “The Ship of Fools” vor mir liegen hatte. Ein grandioses Album. Dazu trafen wir drei uns im Café de la Press in San Francisco für ein Interview.

Das liegt nun schon ein paar Jahre zurück. Und seitdem war Danielle auf einmal immer da. Interessiert las ich mit, was sie auf facebook verkündete. In Interviews und Artikeln tauchte immer wieder ihr Name auf. Ich lernte mehr über den Werdegang dieser Ausnahmekünstlerin, die ich vorher so gar nicht kannte, was ich im Nachhinein sehr bedauere. Seit 1987 war sie in Berlin und wurde zum festen Teil und zur treibenden Kraft der dortigen Musikszene. Danielle de Picciotto ist eine kreative Kulturschaffende in jeder Beziehung.

Und nun “Tacoma”, ein Album, das all das zusammenfasst, was ich in den letzten zwei Sätzen geschrieben habe. Kreativ, treibend…. dazu noch weit offen für die verschiedensten Einflüsse. Danielle ist eine Weltbürgerin, die den Klang Berlins genauso erfassen kann, wie die Weite auf einem einsamen Highway im Südwesten der USA. Beim Durchhören dieses Albums erlebt man eine unvergleichliche Klangreise. Es ist ein grenzenloser Soundtrack mit so vielen Bildern, die man entdecken muß. Danielle de Picciotto versetzt einen mit ihrer Musik in Szenen, die man dann selbst füllen kann und muß. Es hängt vom Hörer ab, wie viel Zeit und Fantasie er aufbringen will, um in diese Klanglandschaften hinein gezogen zu werden. Mir fällt beim Hören von “Tacoma” der Begriff “Theater im Kopf” ein. Die Musik ist die Bühne, was man daraus macht, ist einem selbst überlassen.

Danielle de Picciottos Album “Tacoma” ist ein beeindruckendes, ein zärtliches, ein klangreiches Album, das mich absolut fasziniert.[nbsp]



Montag, 27. April 2015

King Crimson – The ConstruKction Of Light




King Crimson – The ConstruKction Of Light


Besetzung:

Adrian Belew – guitar and vocals
Robert Fripp – guitar
Trey Gunn – bass touch guitar, baritone guitar
Pat Mastelotto – drumming


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. ProzaKc Blues (5:28)
2. The ConstruKction Of Light (I) (5:49)
3. The ConstruKction Of Light (II) (2:50)
4. Into The Frying Pan (6:54)
5. FraKctured (9:06)
6. The World's My Oyster Soup Kitchen Floor Wax Museum (6:24)
7. Larks' Tongues in Aspic - Part IV (I) (3:41)
8. Larks' Tongues in Aspic - Part IV (II) (2:50)
9. Larks' Tongues in Aspic - Part IV (III) (2:36)
10. Coda: I Have A Dream (4:51)
11. Heaven And Earth (ProjeKct X) (7:46)

Gesamtspieldauer: 58:19




„The ConstruKction Of Light” heißt das zwölfte Studio-Album von King Crimson. Veröffentlicht wurde die Platte im Jahr 2000 und von der doppelten Besetzung des Vorgängers „Thrak“, war nichts mehr übrig geblieben. Bill Bruford und Tony Levin hatten die Band inzwischen verlassen. Verblieben waren die einzige durchgängige Konstante bei King Crimson, Robert Fripp, dazu Adrain Belew, Trey Gunn sowie Pat Mastelotto. Das Ergebnis, welches diese vier Musiker dann auf Platte beziehungsweise CD pressten, ist wahrlich überaus beeindruckend geworden.

Ich komme dabei allerdings nicht umhin, vorher noch kurz festzustellen, dass Menschen, denen solche Musik gefällt, mit Sicherheit zunächst einmal sehr verdächtig sind. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, in welchem Sinne dieses „verdächtig“ sich letztendlich auswirkt, aber irgendetwas scheint mit diesen Menschen nicht zu stimmen beziehungsweise scheint anders zu sein. Sicher bin ich mir jedoch, dass Menschen, denen Musik ziemlich egal ist oder die am liebsten Hitradio „Soundso“ hören, genau so denken, wenn sie dieses Album auflegen würden – das wird allerdings nie passieren, nur aus Versehen vielleicht mal und die Minutenschallmauer nicht durchbrechen. Der Grund oder die Gründe, warum dies so ist, liegt an der Art der Musik auf „The ConstruKction Of Light“. Diese Musik auf diesem Album ist brachial, ist verstörend, ist gewaltig, klingt vielleicht auch mal gewalttätig. Die Musik auf „The ConstruKction Of Light” kommt daher wie ein Sturm, der alles wegfegt, was sich ihm in den Weg stellt. Die Musik auf „The ConstruKction Of Light“ ist disharmonisch, harmonisch, unrhythmisch, rhythmisch, atonal, melodiös, anstrengend, entspannend und aggressiv, sehr aggressiv sogar. Diese Musik kennt keinen Mittelweg, denn sie ist krass, direkt, schräg, packend, abweisend, fordernd und einnehmend – und sie ist wohl die am schwierigsten nachzuspielende Musik, die es überhaupt gibt.

Manches Mal erinnert „The ConstruKction Of Light” an die Platte „Discipline”, das achte Album von King Crimson. Dies ist vor allem in der ersten Hälfte der Platte, bis zu dem grandiosen „FraKctured“ der Fall. Danach fehlen diese Reminiszenzen zu dieser Scheibe, dafür wird an vielen Stellen der Platte auf andere, frühere Werke von King Crimson hingewiesen und verwiesen. „The ConstruKction Of Light” ist dabei so etwas von energiegeladen, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Dieser fordernde Sound fordert wahrlich alles von seinen Hörern ab – nicht zuletzt auch gute Nerven. Unmöglich sich dabei nebenher zu unterhalten, zu lesen oder anderweitig geistig zu engagieren – funktioniert nicht, die Musik fordert die absolute Aufmerksamkeit des Konsumenten ein. Auch Autofahren könnte schwierig werden, da die Beats alleine schon das Gaspedal ein wenig kräftiger nach unten drücken und wenn man seinen Führerschein behalten möchte… Nein, auch das besser nicht machen. Hier also eine kleine Gebrauchsanweisung für „The ConstruKction Of Light”:

Entfernt Euch so weit wie möglich von anderen menschlichen Wesen. Überprüft, ob wirklich alle Fenster und Türen gut verschlossen sind. Schallschutz wäre in diesem Fall klasse. Dreht die Stereoanlage ordentlich auf, macht hier ja keine halben Sachen. Sucht Euch ein bequemes Plätzchen, Handy und Telefon außer Reichweite platzieren und in Ruhe abwarten was passiert. Und es wird was passieren… Nur was das sein wird, das muss jeder für sich selbst entdecken.

Fazit: Eine wahrlich außergewöhnliche Scheibe. Ich kenne weder kompliziertere Musik noch aggressivere. Ich überlege gerade, wie viele Menschen etwas mit solcher Musik anfangen können. Einer von zehn oder doch eher einer von hundert? Nun und wer will schon verdächtig sein, auch wenn man gar nicht weiß wieso und warum? Ich auf jeden Fall nicht, deswegen kann ich der Platte auch keine 15 Punkte geben. Aber mit dreizehn Punkten mache ich mich doch nicht verdächtig, oder? Nein, ganz bestimmt nicht. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: FraKctured, Coda: I Have A Dream



Sonntag, 26. April 2015

Emerson, Lake & Palmer – Tarkus




Emerson, Lake & Palmer – Tarkus


Besetzung:

Keith Emerson – hammond organ, St. Marks church organ, piano, celeste, moog synthesizer
Greg Lake – vocals, bass, electric guitar, acoustic guitar
Carl Palmer – drums, assorted percussion


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Tarkus (20:43)
     I. Eruption
     II. Stones of Years
     III. Iconoclast
     IV. Mass
     V. Manticore
     VI. Battlefield
     VII. Aquatarkus
2. Jeremy Bender (1:50)
3. Bitches Crystal (3:58)
4. The Only Way (Hymn) (3:46)
5. Infinite Space (Conclusion) (3:22)
6. A Time And A Place (3:01)
7. Are You Ready Eddy? (2:11)

Gesamtspieldauer: 38:54




„Tarkus” heißt das zweite Studioalbum von Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer, welches im Juni 1971 veröffentlicht wurde. Eigentlich sollte die Platte erst die dritte Veröffentlichung der Band werden. Da jedoch die Plattenfirma mit solch klassischem Stoff wie „Bilder einer Ausstellung“ nicht ganz glücklich war, wurde diese adaptierte Fassung von Modest Mussorgsky – obwohl bereits aufgenommen – erst einige Monate später, allerdings noch im selben Jahr, als Live-Album „Pictures At An Exhibition“ veröffentlicht. „Tarkus“ wurde vorgezogen.

Wenn jemand mal hören möchte, wie wahrlich komplizierter Progressive Rock funktioniert und sich anfühlt, dann sei ihr oder ihm diese Scheibe wärmstens ans Herz gelegt, denn auf dem Titeltrack „Tarkus“ gibt es genau dies zu hören: komplizierten, spannenden, abwechslungsreichen, manchmal dissonanten, manches Mal melodiösen, auf jeden Fall sehr fordernden Progressive Rock. Hier klingen Emerson, Lake & Palmer plötzlich unglaublich aggressiv und verstörend, um nur wenige Sekunden später wieder in wunderschönen Harmonien alles in Wohlklang aufzulösen. Der Titel „Tarkus“ ist ein Parforce-Ritt durch gewaltige Klangwelten, die zwischen Kakophonie und Melodiösität hin- und herwechseln, als sei es das Normalste der Welt. Tempo- und Rhythmuswechsel reihen sich genauso aneinander, wie laute und leise Passagen. Selbstverständlich kann man diese Nummer beim ersten Hören unmöglich verstehen. Viele Musikkonsumenten werden sie vielleicht noch nicht einmal ein Mal aushalten können. Allerdings eröffnen sich einem, wenn man denn dieser Musik die Zeit einräumt, ganz neue Klangwelten und man spürt plötzlich, dass auch in der Disharmonie durchaus ein klanglich musikalischer Schatz versteckt sein kann. „Tarkus“ ist großes, wenn auch anstrengendes musikalisches Kino – und auch ein wenig Arbeit.

Bei der ehemaligen zweiten Seite der Platte, sieht das Bild dann leider ein wenig anders aus. Sechs kurze Titel befanden sich darauf, von denen „Jeremy Bender“ und vor allem „Are You Ready Eddy?“ an Peinlichkeit kaum zu überbieten sind. Gerade letzte Nummer ist ein schwachsinniger Rock’n’Roll, der nun so gar nicht zu dem Rest der Platte passen möchte. Die übrigen Titel sind okay, wenn sie die Hörerin, den Hörer auch nicht unbedingt sofort aus den Sesseln heben werden. Progressive Rock eben, der in der Ausprägung von Emerson, Lake & Palmer eben nicht zu melodiös gestaltet wurde. Jedoch gibt es hier auch zwei Ausnahmen, die sich dann doch vom Rest noch deutlich abheben. Zum einen wäre das „The Only Way (Hymn)“, eine Orgel-lästige Nummer, zu der Greg Lake singt. Der Titel beginnt mit einem Ausschnitt aus Bachs Toccata und Fuge und mündet schließlich in einen rockigen Teil. Hier klingen die drei Musiker durchaus auch melodiös. Dieses Lied geht schließlich nahtlos in die Instrumentalnummer „Infinite Space (Conclusion)“ über, die für mich einen weiteren, wenn nicht sogar den Höhepunkt der Scheibe darstellt. Hier steht jetzt das Piano des Keith Emerson im Vordergrund. Melodiös und doch irgendwie versetzt klingend, ist dies eines der seltsamsten Lieder, die ich kenne. Klingt das jetzt harmonisch oder doch schräg? Ich kann mich bis heute immer noch nicht entscheiden.

Fazit: Neben sehr seltsamen Music Hall- und Rock’n’Roll-Titeln, beinhaltet „Tarkus“ unglaublich spannende und aufreibende Musik. Irgendwie scheinen manche Nummern auf dieser Platte alle musikalischen Standpunkte hinterfragen zu wollen, alles neu definieren zu wollen. Wahrlich keine leichte Kost und mir ist klar, dass die meisten Menschen damit wohl relativ wenig anfangen können. Und nur weil es Progressive Rock und dazu auch noch kompliziert ist, muss es auch nicht gut sein. Allerdings ist dieses Album eines, dem irgendwie etwas Besonderes innewohnt, was es zu entdecken gilt – und ich bin manchmal sehr gerne auf Entdeckungsreise. Elf Punkte.

Anspieltipps: Tarkus, Infinite Space (Conclusion)



Samstag, 25. April 2015

Eloy – Visionary




Eloy – Visionary


Besetzung:

Frank Bornemann – lead and backing vocals, acoustic & electric guitars
Klaus-Peter Matziol – bass
Michael Gerlach – keyboards
Bodo Schopf – drums, percussion
Hannes Folberth – additional keyboards


Gastmusiker:

Anke Renner – vocals
Tina Lux – vocals
Volker Kuinke – renaissance flute
Christoph Littmann – keyboards, orchestra sounds
Stephan Emig – additional percussion


Label: Artist Station Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: RetroProg


Trackliste:

1. The Refuge (4:54)
2. The Secret (7:44)
3. Age Of Insanity (7:55)
4. The Challenge (Time to Turn, Part 2) (6:43)
5. Summernight Symphony (4:27)
6. Mystery (The Secret, Part 2) (9:01)
7. Thoughts (1:22)

Gesamtspieldauer: 42:10




Was hatten sie nicht gebeten und gebettelt, die Fans von Eloy. Frank Bornemann sollte sich doch noch einmal einen Ruck geben und nochmals ein Eloy-Album veröffentlichen. Das „Kapitel“ Eloy, welches eigentlich mit „Ocean 2 – The Answer“ abgeschlossen sein sollte, konnte doch noch nicht so einfach beendet sein. Nun, Frank Bornemann ließ sich schließlich wirklich noch einmal erweichen und überzeugen, somit wurde elf Jahre nach der letzten Scheibe, mit „Visionary“, das nun wohl endgültig letzte und gleichzeitig siebzehnte Studio-Album von Eloy im Jahr 2009 veröffentlicht.

„Visionary“ ist eindeutig eine Eloy-Scheibe geworden, das hört man an jedem Akkord, am Gesang Frank Bornemanns sowieso, dessen Englisch sich bis zum Jahr 2009 auch deutlich verbessert hat. Erneut bekommen Hörerin und Hörer von Eloy die symphonische Ausrichtung des Progressive Rock geboten. Alles klingt, ist harmonisch, die Melodie steht immer im Vordergrund. Experimente werden da nicht großartig gewagt, melodiös soll es klingen und melodiös klingt es auch.

Das Album ist also eingängig, trotzdem ist die große Zeit der Band leider vorbei. Eine ganze Menge Nummern befinden sich unter den sieben Titeln, die irgendwie einfach so durchlaufen, ohne großartig Spuren zu hinterlassen. Eloy sind auf „Visionary“ immer dann gut, wenn es ein wenig rockiger wird. Dies ist bei den Titeln 1 und 3 der Fall. Bei „The Refuge“ gesellt sich zu den etwas härteren Tönen noch ein ganz netter Flötensound, der die Nummer spannend werden lässt – und natürlich ist das alles auch wieder sehr eingängig. „Age Of Insanity“ wird ebenfalls durch seine rockige Ausrichtung aufgewertet, sodass auch dieser Titel etwas aus diesem, ansonsten etwas langweiligeren Rest heraussticht.

Fazit: Das war es also mit Eloy – zumindest was die Studio-Alben angeht. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wenn manche Kritiker und auch Fans über diesen Album schreiben, dass es gut ist, dass die Band nun aufhört, da sie nichts mehr zu sagen hat, „Visinary“ nur noch ein Abklatsch alter Tage sei. „Visionary“ ist sicherlich keine schlechte Scheibe geworden. Wenn man die Platte allerdings mit den Höhepunkten von Eloy in den 70er Jahren vergleicht, dann kann diese nur verlieren. Neutral betrachtet dürften jedoch die meisten Eloy Fans durchaus gefallen an dem Album finden. „Visionary“ ist sicherlich nicht die richtige Einstiegsplatte, um den Eloy-Kosmos zu ergründen, aber durch diese Scheibe dürfte auch niemand den Spaß an Eloy verlieren. Wer also auf symphonischen und vollen und melodiösen Progressive Rock steht, der kann mit „Visionry“ nicht viel falsch machen – wenn sie oder er zumindest keine Vergleiche zu früheren Alben zieht. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Refuge, Age Of Insanity



Freitag, 24. April 2015

Peter Hammill – Chameleon In The Shadow Of The Night




Peter Hammill – Chameleon In The Shadow Of The Night


Besetzung:

Peter Hammill – guitars, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Hugh Banton – keyboards
Guy Evans – drums
David Jackson – saxophone
Nic Potter – bass


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. German Overalls (7:05)
2. Slender Threads (5:00)
3. Rock And Role (6:40)
4. In The End (7:24)
5. What's It Worth? (4:04)
6. Easy To Slip Away (5:23)
7. Dropping The Torch (4:11)
8. (In The) Black Room / The Tower (11:21)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

9. Rain 3am (4:49)
10. Easy To Slip Away (4:51)
11. In The End (7:23)

Gesamtspieldauer: 1:08:17




„Chameleon In The Shadow Of The Night” heißt das zweite Soloalbum von Peter Hammill, dem noch sehr viele Scheiben folgen sollten. Die Platte erschien im Jahr 1973 und hat so gar nichts mehr mit seinem Solo-Erstlingswerk „Fools Mate“ zu tun. Jetzt klingt Peter Hammill auch solo schon sehr viel mehr nach Van Der Graaf Generator. Die fast schon poppige Eingängigkeit des Erstlingswerks ist vollständig verschwunden, alles klingt sehr viel progressiver und fordernder. Kein Wunder, wurde er doch bei der Einspielung der Scheibe von seinen Van Der Graaf-Kollegen tatkräftig unterstützt.

Die einzelnen Lieder auf „Chameleon In The Shadow Of The Night” lassen sich in drei Kategorien unterteilen. Da sind zum einen die Van Der Graaf Generator Nummern. Diese sind Progressive Rock pur. Nach „Pawn Hearts“ war erst mal Schluss gewesen mit Van Der Graaf Generator. In den Titeln „Rock And Role“ und „(In The) Black Room / The Tower“ hört man jedoch wieder genau diese Van Der Graaf Generator Musik. Alle Musiker der Band sind hier beteiligt und so erklingt an diesen Stellen sehr kraftvoller Progressive Rock, der auch ohne jeglichen Zweifel auf eines der Van Der Graaf-Alben jener Zeit gepasst hätte. Einfach sehr spannende und coole Musik, auch wenn das garantiert nicht jeder nachvollziehen kann, da die Stücke meistens eben nicht besonders eingängig, dafür jedoch ein wenig komplizierter sind.

„In The End“ und „Easy To Slip Away“ sind dagegen sehr melodiöse und eingängige, Piano-dominierte Stücke, die nur so überquellen vor Harmonie und Melodiösität. Sehr beeindruckend. Bliebe noch die dritte Kategorie der Lieder auf „Chameleon In The Shadow Of The Night”. Dies sind jene restlichen Titel, die nun eher von der Akustikgitarre dominiert werden. Ebenfalls durchaus interessante Stücke, wenn sie auch nicht an die Qualität der Van Der Graaf- und der Piano-Nummern heranreichen.

Fazit: Acht Titel gab es ursprünglich auf „Chameleon In The Shadow Of The Night”. Jene vier Nummern, die an Van Der Graaf Generator-Musik erinnern, da sie im Grunde genommen auch genau das sind, und die Piano-dominierten Stücke. Diese vier Titel sind die Höhepunkte der Platte. Der Rest ist wahrlich ebenfalls nicht schlecht, kann jedoch nicht ganz so überzeugen, wie die vier erwähnten Nummern. Von daher ist „Chameleon In The Shadow Of The Night” ein Album mit einigen Höhen und auch etwas Durchschnitt. Alles in allem jedoch überdurchschnittlich und sicherlich eine lohnende Investition, wenn man Peter Hammill sowie Van der Graaf Generator mag und auch, den manchmal etwas schrägeren, progressiven Tönen etwas abzugewinnen weiß. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Rock And Role, In The End, Easy To Slip Away, (In The) Black Room / The Tower



Donnerstag, 23. April 2015

The Moody Blues – Every Good Boy Deserves Favour




The Moody Blues – Every Good Boy Deserves Favour


Besetzung:

Justin Hayward – vocals, acoustic guitar, electric guitar, sitar
John Lodge – vocals, bass, cello
Ray Thomas – vocals, flute, tambourine, oboe, woodwinds, harmonica
Graeme Edge – electric and acoustic drums, percussion
Mike Pinder – vocals, mellotron, harpsichord, hammond organ, piano, keyboards, moog synthesizer


Label: Threshold Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: ArtPop, Pop, Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Procession (4:40)
2. The Story In Your Eyes (2:56)
3. Our Guessing Game (3:34)
4. Emily's Song (3:42)
5. After You Came (4:38)
6. One More Time To Live (5:41)
7. Nice To Be Here (4:23)
8. You Can Never Go Home (4:14)
9. My Song (6:24)


Bonus Tracks der remasterten Album-Fassung:

10. The Story In Your Eyes (Original Version) (3:33)
11. The Dreamer (3:42)

Gesamtspieldauer: 47:33

„Every Good Boy Deserves Favour” nannte die britische Band The Moody Blues ihr siebtes Studioalbum, welches im Jahr 1971 veröffentlicht wurde. Es ist immer so eine Sache mit den Moody Blues, ob man sie eher als „Schmuserocker“ oder aber als Vertreter des Progressive Rock wahrnimmt, das scheint mitunter ganz stimmungsabhängig zu sein und der Grat zwischen diesen beiden Genres, der ist im Fall dieser Band wahrlich sehr, sehr schmal. Ganz allgemein kann allerdings festgehalten werden, dass die Moody Blues sich im Laufe ihrer Geschichte immer weiter vom Progressive Rock entfernten, hin zu einem Genre, welches man am liebsten mit süßlichen ArtPop umschreiben möchte. Nicht weiter verwunderlich ist es von daher, dass auf diesem siebten Album – von insgesamt sechzehn Scheiben in der Karriere der Moody Blues – beide Genres vertreten sind. Die Scheibe „Every Good Boy Deserves Favour” beinhaltet Titel, die mal mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung ausschlagen.

Leider überwiegt auf „Every Good Boy Deserves Favour” doch schon deutlich die zuckersüße, mitunter fast schon schleimige Variante in der Musik der Moody Blues. Das wirkt oftmals alles zu sehr mit Puderzucker überzogen, mal nach Schlagermusik mit Violinen, ein anderes Mal nach reichlich einfach gestricktem Pop, bei dem einige Mellotronlagen darübergelegt wurden, um der Sache irgendwie einen progressiven Touch zu verleihen. Wahrlich schwierig, zumal sich dazu auch noch passender Gesang und ebensolche Texte gesellen, die einem jegliche Chance auf ein entspanntes Hören zusätzlich vermiesen, da einem die sich aufgestellten Nackenhaare Schauer über den Rücken jagen. Solch ein Titel wie „Emily's Song“ steht hier stellvertretend für eine ganze Reihe von Titeln, die sich hauptsächlich in der Mitte der Platte befinden.

Nun, trotzdem gibt es, wie bereits oben erwähnt, auch die interessanten Stellen auf „Every Good Boy Deserves Favour”. Da wären zum Beispiel die ersten beiden Nummern. „Procession“ soll die Entwicklung der Menschheit bis hin zur Entwicklung der Musik darstellen. Okay, bei diesem Titel von „Musik“ zu sprechen, ist an vielen Stellen der Nummer durchaus gewagt, da es sicher eher um eine Klangkollage, um experimentelle Klänge handelt. Diese wiederum ist jedoch durchaus hörenswert und weißt gegen Ende überdies auch ein paar nette Melodien auf, die dann durchaus mit „Musik“ zu bezeichnen sind. Das Lied geht nahtlos in „The Story In Your Eyes” über, einem sogar recht rockigen Stück, mit treibendem Rhythmus und netter Melodie. Ganz am Ende der Platte, gab es dann nochmal eine recht gelungene Nummer. „My Song“ beginnt zwar wieder relativ süßlich, weist dabei aber immerhin eine nette Melodie auf und entwickelt sich weiter bis zu einem sehr bombastischen Abschnitt, der für „Freunde der Fülle“ in der Musik durchaus einen Höhepunkt darstellen kann.

Auf der remasterten CD-Ausgabe gibt es schließlich noch die Originalversion des Titels „The Story In Your Eyes“, welche deutlich länger ist als jene Version, die es schließlich auf die CD geschafft hat. Auch diese Version lohnt sich, auch wenn hier dem Mellotron ein fast zu großer Spielraum eingeräumt wurde, der mitunter fast den Gesang zu übertönen scheint. Die erweiterte Länge rührt daher, dass der Piano-Teil am Ende des Liedes einfach noch etwas ausgeweitet wurde. Schließlich gibt es als Zugabe dann noch den Titel „The Dreamer“, den man sich eigentlich auf das Original-Album gewünscht hätte. Eine etwas flottere Nummer mit einer schönen Melodie und wirklich eingängigem Instrumentalteil in der Mitte.

Fazit: Wenn ich mir was wünschen könnte, dann wären da mehr solch Titel auf „Every Good Boy Deserves Favour”, wie man sie am Anfang, am Ende und als Zugabe auf dem Album findet. Dann wäre meine Bewertung hier sicherlich auch in den zweistelligen Bereich gerutscht. Die ganze mittlere Passage der Platte ist jedoch sehr gewöhnungsbedürftig und verlangt einiges an Toleranz vom Hörer ab. Melodiös ist das zwar immer, jedoch wenn es zu süßlich wird, dann verschließt man ganz automatisch die Ohren. Ja, wenn ich mir was wünschen dürfte… Im Falle von „Every Good Boy Deserves Favour” scheint Musik jedoch eindeutig kein Wunschkonzert zu sein. Acht Punkte.

Anspieltipps: My Song, The Story In Your Eyes (Original Version), The Dreamer





Mittwoch, 22. April 2015

Bright Eyes – Cassadaga




Bright Eyes – Cassadaga


Besetzung:

Conor Oberst – voice (1–13), guitar (tracks 1, 2, 4–10, 12, 13), piano (track 3), synthesizer (track 13)
Mike Mogis – guitar (tracks 2, 4, 5, 7, 9, 11), bass (tracks 1, 3–6, 9), pedal steel (tracks 1, 3, 10, 11), voice (tracks 3, 9, 11), lap steel (tracks 6, 8, 9), mandolin (tracks 2, 12), dobro (tracks 4, 12), percussion (tracks 8, 9), vibraphone (tracks 1, 11), 12-string (track 2), baritone (track 8), ukulele (track 9), glockenspiel (track 1)
Nate Walcott – organ (1–3, 6, 7, 10, 12), piano (tracks 4, 6, 7), string arrangement (tracks 4, 10, 13), electric piano (tracks 2, 11), orchestral arrangement (tracks 1, 5), woodwind arrangement (tracks 8, 9)


Gastmusiker:

M. Ward – guitar (tracks 1, 4, 6), voice (track 6)
Janet Weiss – drums (tracks 1, 4, 6)
Clark Baechle – percussion (track 1)
Stacy DuPree – voice (tracks 4, 5, 10, 11, 13)
Sherri DuPree – voice (tracks 4, 5, 10, 11, 13)
Z. Berg – voice (tracks 1, 4, 5, 10, 11, 13)
Rachael Yamagata – voice (tracks 1, 4, 5, 10, 11, 13)
Hassan Lemtouni – voice (tracks 1, 11)
Chris MacDonald – voice (track 5, 8)
Suzie Katayama – conductor (tracks 1, 5)
Bill Meyers – conductor (tracks 4, 10, 13)
Dan McCarthy – bass (track 2)
Jason Boesel – drums (tracks 2, 3, 7, 10–12), voice (tracks 3, 8)
Anton Patzner – violin (tracks 2, 6)
Maria Taylor – voice (track 2), drums (track 5)
Andy LeMaster – voice (track 2)
David Rawlings – guitar (tracks 5, 7, 12)
Tim Luntzel – bass (tracks 7, 10)
Gillian Welch – voice (track 7)
Ted Stevens – voice (track 8)
Sean Foley – voice (track 8)
John McEntire – percussion (tracks 8, 9, 11), electronics (track 11)
Michael Zerang – percussion (tracks 8, 9)
Jonathan Crawford – percussion (tracks 8, 9, 11)
Dan Bitney – percussion (tracks 8, 9)
Dan Fliegel – percussion (tracks 8, 9)
David Moyer – bass clarinet (track 8)
Brian Walsh – clarinet (track 9), bass clarinet (track 8)
Shane Aspegren – drums (track 11), percussion (track 9)
Sarah Wass – flute (track 9)
Myka Miller – oboe (track 9)
Stefanie Drootin – bass (tracks 11, 12)
Jake Bellows – voice (track 12)


Label: Saddle Creek


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Independent Rock, Folk Rock


Trackliste:

1. Clairaudients (Kill Or Be Killed) (6:05)
2. Four Winds (4:16)
3. If The Brakeman Turns My Way (4:53)
4. Hot Knive (4:13)
5. Make A Plan To Love Me (4:14)
6. Soul Singer In A Session Band (4:14)
7. Classic Cars (4:19)
8. Middleman (4:49)
9. Cleanse Song (3:28)
10. No One Would Riot For Less (5:12)
11. Coat Check Dream Song (4:10)
12. I Must Belong Somewhere (6:19)
13. Lime Tree (5:54)

Gesamtspieldauer: 1:02:12


„Cassadaga“ heißt das achte Studioalbum von Bright Eyes, dem musikalischen Projekt von Conor Oberst. Das Album erschien im Jahr 2007 und ist bis heute, Stand April 2015, die vorletzte Veröffentlichung von Bright Eyes. „Cassadaga“, ein kleines Nest in Florida, klingt dabei ähnlich, wie vorausgegangene Scheiben der Band. Dieser leicht folkige Einschlag ist wieder zu hören und Lap Steel- und Pedal Steel-Gitarren sorgen durchaus auch mal für leichte Country-Anklänge, von Country Musik kann man auf „Cassadaga“ jedoch garantiert nicht sprechen. Dazu gesellt sich einmal mehr der Gesang des Conor Oberst, der durchaus auch mal sehr weinerlich klingen kann – sowas muss man dann mögen oder aber aushalten können, um mit dieser Musik etwas anfangen zu können.

Auf „Cassadaga“ wechseln sich sanftere Stücke mit deutlich flotteren ab. Diese Tempi- und Rhythmuswechsel stören jedoch keineswegs beim Genuss des Albums, ganz im Gegenteil, sie machen die Scheibe deutlich abwechslungsreicher. Dazu gesellt sich dann eine mitunter nur zarte Instrumentierung, ein anderes Mal klingt das alles sehr orchestral, voll und überaus dicht. Die ganze Platte ist überhaupt sehr eingängig und diese Aussage ist so gut wie auf jede Nummer der Scheibe anwendbar. Das wiederum bedeutet jedoch auch, dass sich praktisch kein „schräger“ Ton oder außergewöhnlicher Akkord auf dem Album versteckt hält. Auf irgendwelche Experimente wurde von Bright Eyes auf „Cassadaga“ vollständig verzichtet. Das ist jedoch leider ein Umstand, den man durchaus als Nachteil des Albums ansehen kann, denn auch davon hatte die Musik von Bright Eyes immer gelebt, von ganz besonderen, außergewöhnlichen musikalischen Momenten, welche man wirklich nur dieser Band zuordnen konnte.

Sei es drum, denn „Cassadaga“ ist das erfolgreichste Album von Bright Eyes geworden, betrachtet man rein die Verkaufszahlen. Die Scheibe schaffte es immerhin bis auf Platz vier der amerikanischen Charts, was für diese Art der Musik garantiert etwas Besonderes darstellt. Das wiederum liegt wohl an der Melodiösität, die wirklich jedem Titel innewohnt. Alles ist erfüllt von Harmonien, von Wohlklang, welcher durch die außergewöhnlich breit gefächerte Instrumentierung noch gesteigert wird.

Fazit: Die beste Scheibe von Bright Eyes ist „Cassadaga“ nicht geworden, jedoch verglichen mit anderen Veröffentlichungen der Band, eine sehr massenkompatible. Alles klingt und das Ohr des Hörers wird mit Wohlklang umspült und umgarnt. Manches Mal würde ich mir jedoch etwas mehr Mut wünschen, eine bestimmte Melodieführung nicht gleich wieder in Harmonie enden zu lassen, sondern ein wenig mit ihr zu spielen, den Hörer etwas zappeln zu lassen, wie das Bright Eyes auf früheren Alben durchaus gemacht haben. Das würde „Cassadaga“ deutlich an Spannung gewinnen lassen. Ansonsten macht die Scheibe jedoch schon Spaß, auch wenn sie den Hörer kaum aus seiner Bahn wirft, da sie eben nicht zu spektakulär geraten ist. Neun Punkte.

Anspieltipps: Four Winds, Make A Plan To Love Me, No One Would Riot For Less