Dienstag, 23. Juni 2015

Iggy Pop – Blah Blah Blah




Iggy Pop – Blah Blah Blah


Besetzung:

Iggy Pop – vocals, backing vocals


Gastmusiker:

Kevin Armstrong – guitar, backing vocals
Erdal Kizilcay – synthesizer, bass, drums, string arrangements, backing vocals
Steve Jones – lead guitar solo on "Cry For Love"


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Rock


Trackliste:

1. Real Wild Child (Wild One) (3:38)
2. Baby It Can't Fall (4:14)
3. Shades (5:57)
4. Fire Girl (3:33)
5. Isolation (4:36)
6. Cry For Love (4:28)
7. Blah-Blah-Blah (4:32)
8. Hideaway (5:01)
9. Winners & Losers (6:18)
10. Little Miss Emperor (3:50)

Gesamtspieldauer: 46:12




Nun, die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts waren musikalisch gesehen nur selten sehr überzeugend. Dies gilt leider auch für das siebte Solo-Album des Iggy Pop, „Blah Blah Blah“, welches im Jahr 1986 erschien. Zehn Lieder befinden sich auf der Scheibe, bei der ursprünglichen LP-Ausgabe des Albums fehlte übrigens der letzte Titel. Nun, von diesen zehn Titeln ist die erste Nummer „Real Wild Child (Wild One)“ eine Cover-Song, der bereits 1958 entstand und von Johnny O'Keefe interpretiert wurde. Drei Titel schrieb Iggy Pop zusammen mit Steve Jones, Ex-Mitglied der Sex Pistols und die restlichen sechs Nummern sind eine Koproduktion von Iggy Pop und David Bowie. Letzterer produzierte auch das gesamte Album.

Wenn man jetzt weiß und darüber nachdenkt, dass ein Jahr später David Bowies „Never Let Me Down“ veröffentlicht werden sollte – eines der schlechtesten, wenn nicht sogar das schlechteste Album Bowies – dann überrascht es nicht mehr unbedingt, dass das Songmaterial auch auf „Blah Blah Blah“ alles andere alles überzeugend ist. Irgendwie dem Zeitgeist der 80er Jahre geschuldet, klingt das alles poppig, mitunter tangiert das Gehörte sogar ziemlich deutlich den Synthie Pop. Vom früheren Punk des Iggy Pop war nichts mehr geblieben. Die einzelnen Titel plätschern so dahin, klingen manchmal sehr synthetisch und einprägsame Melodien findet man keine. Der Wiedererkennungswert dieser Musik geht dabei ganz deutlich gegen null.

Nun, dies trifft auf die Lieder zu, die Iggy Pop mit David Bowie schrieb. Oder war das umgekehrt? Egal, drei Titel verdienen trotzdem eine extra Erwähnung. Das wären „Real Wild Child (Wild One)“, weil diese Nummer wirklich ins Ohr geht und auch überaus bekannt ist, da sie wohl an die zwanzig Mal von den verschiedensten Musikern gecovert wurde. Und dann sind da noch zwei Titel, bei denen Steve Jones seine Finger mit im Spiel hatte. Zum einen ist das mit „Cry For Love“ endlich mal ein Titel, der dann doch hängenzubleiben versteht. Rockig und mit einer schönen Melodie ausgestattet, beinhaltet die Nummer auch ein wirklich gelungenes Gitarrensolo. Schließlich gibt es da noch den ehemaligen letzten Plattentitel „Winners & Losers“. Jetzt wird wirklich mal richtig gerockt, dabei werden immer wieder orientalische Akkorde eingestreut, was das Lied spannend und zu etwas Besonderem werden lässt. Neben „Cry For Love“ der Höhepunkt der Scheibe.

Fazit: Zehn Lieder sind auf „Blah Blah Blah“ vorhanden. Zweieinhalb davon sind wirklich gelungen. Der Rest ist zum Teil erträglich, jedoch überaus belanglos, manchmal jedoch noch nicht einmal das. Die Scheibe bescherte dem klammen Iggy Pop jedoch noch mal einen schönen Geldregen, da sie sich, nach den Flops zuvor, immerhin 27 Wochen in den US-Charts halten konnte, wenn sie auch nur Platz 75 als Höchstplatzierung erreichte. Sicherlich ist „Blah Blah Blah“ keines der besseren Alben des Iggy Pop. Die zwei bis drei gelungenen Titel reißen es da auch nicht mehr raus. Irgendwie ist das wirklich häufig ein wenig "Blah Blah Blah". Sieben Punkte.

Anspieltipps: Cry For Love, Winners & Losers



Montag, 22. Juni 2015

U2 – 18 Singles




U2 – 18 Singles


Besetzung:

Bono – vocals, rhythm guitar, harmonica
The Edge – lead guitar, keyboards, vocals
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen, Jr. – drums, percussion


Gastmusiker:

Zahlreiche, allerdings hier nicht aufgeführt


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Rock


Trackliste:

1. Beautiful Day (4:05)
2. I Still Haven't Found What I'm Looking For (4:37)
3. Pride (In The Name Of Love) (3:49)
4. With Or Without You (4:56)
5. Vertigo (3:10)
6. New Year's Day (4:18)
7. Mysterious Ways (4:02)
8. Stuck In A Moment You Can't Get Out Of (4:32)
9. Where The Streets Have No Name (4:47)
10. Sweetest Thing (3:01)
11. Sunday Bloody Sunday (4:40)
12. One (4:36)
13. Desire (3:00)
14. Walk On (4:29)
15. Elevation (3:49)
16. Sometimes You Can't Make It On Your Own (5:06)
17. The Saints Are Coming (3:22)
18. Window In The Skies (4:07)

Gesamtspieldauer: 1:14:35




Mal wieder eine Kompilation, ein „Best Of…“-Album einer Band hier auf diesen Seiten. Obwohl, so ganz stimmt das nicht, denn diese 2006 veröffentlichte Scheibe von U2 beinhaltet, wie der Titel bereits sagt, 18 Singles der Band und zwar die erfolgreichsten Singleauskopplungen der Iren. Und auch das ist nur zum Teil richtig, denn, um genau zu sein, sind die ersten sechzehn Nummern diese Singleauskopplungen. Titel Nummer 17, „The Saints Are Coming“ und 18, „Window In The Skies“, sind neues Material.

Bleiben wir zunächst bei diesen beiden neuen Stücken. „The Saints Are Coming“ ist dabei gar nicht so neu, denn es wurde bereits 1979 von der schottischen Punk Rock und New Wave Band The Skids geschrieben und veröffentlicht. Es handelt sich also um eine Cover-Nummer, die U2 zusammen mit der US-amerikanischen Band Green Day zugunsten eines Hilfsfonds für die Opfer des Hurrikan Katrina aufnahm. Das Lied ist in dieser Interpretation der beiden Bands kurz mit „großartig“ zu umschreiben. Langsam steigert sich dieser sehr melodiöse Titel, um dann richtig los zu rocken. Richtig mitreißend und lohnend. Die zweite „neue“ Nummer „Window In The Skies“, ist nun aber wirklich neu. Dieses Lied kann man getrost als „typisches“ U2 Lied bezeichnen, bei dem man bereits nach drei Takten merkt, dass es eben von U2 stammt. Nicht nur der Gesang ist hier unverwechselbar, auch der Klang der Gitarre und eine für U2 einfach unverwechselbare Melodieführung. Ob diese Nummer allerdings wirklich als Single auf einem offiziellen Album veröffentlicht worden wäre, das sei mal so dahingestellt. Aber ein Zusatz ist es und ein Schelm wer denkt, dass vielleicht auch erwartet wurde, aufgrund dieser Nummer werden doch noch ein paar zusätzliche Fans die Platte kaufen, da sie eben alles von „ihrer“ Band besitzen möchten, obwohl sie die restlichen Lieder sowieso schon besitzen.

Nun, beim „Rest“, also den erfolgreichsten Single-Auskopplungen, ist natürlich genau das vertreten, was man sich als Fan dieser Band wünscht, wenn auch nicht alles. Aber das liegt natürlich daran, dass einem nicht jede Single gefallen muss und man mitunter auch sehr überrascht ist, wenn das Management einer Band, die Band selbst oder die Marketing-Abteilung eines Platten-Labels entscheidet, dieses oder jenes Lied eben nicht als Single zu veröffentlichen. Sei es drum, ist eben alles Geschmackssache und auch Marketing-Strategen irren manchmal. Die meisten großen Nummern, die U2 in seiner Band-Geschichte bis 2006 hatte, sind hier allerdings vorhanden. Von daher erhält man einen sehr schönen Überblick über die Musik von U2 von 1983, ab dem Album „War“, bis eben 2006. Die ersten beiden Patten „Boy“ und „October“ sind hier übrigens mit keiner Single vertreten.

Fazit: Die Musik ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Wenn man U2 Fan ist und bereits alles von „seiner“ Band besitzt, dann lohnt sich diese Zusammenstellung allerdings definitiv nicht – auch nicht für die zwei neu hinzugekommenen Nummern. Ansonsten ist diese Scheibe eine geballte Ladung U2 und man kann auch ein wenig nachverfolgen, wie sich die Musik der Band in 23 Jahren weiterentwickelt hat. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Im Grunde genommen alles



Sonntag, 21. Juni 2015

Hoelderlin – Clowns & Clouds




Hoelderlin – Clowns & Clouds


Besetzung:

Hans Bäär – bass guitars, guitar
Michael Bruchmann – drums, percussion
Christian von Grumbkow – leadguitar
Joachim von Grumbkow – keyboards, vocals, cello
Christoph Noppeney – viola, vocals, acoustic guitar


Gastmusiker:

Jörg-Peter (Büdi) Siebert – all saxophone, flutes, percussion


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Mad House (6:51)
2. Your Eyes (6:14)
3. Circus (10:09)
    a) Tango Mili
    b) Marching
    c) Sensations
4. Streaming (7:13)
5. Phasing (12:13)


Bonus Track der remasterten Albumfassung:

6. Traum (Live, 1974) (15:51)

Gesamtspieldauer: 58:34




„Clowns & Clouds“ heißt das dritte Album der deutschen Band Hoelderlin aus Wuppertal. 1976 erschien die Scheibe und allgemein wird etwas progressivere deutsche Musik aus dieser Zeit, die dann auch noch englische Texte verwendet, gerne unter der Überschrift „Krautrock“ subsumiert. Das könnte ich bei dieser Scheibe „Clowns & Clouds“ jedoch nicht unterschreiben. Hier hört man dann doch eher klassischen Progressive Rock in einer Zeit, als genau jener Progressive Rock gerade dabei war unterzugehen.

Auf der ehemaligen Schallplatte trug die erste Seite den Titel „Clown Side“, die zweite Seite wurde dementsprechend mit dem Titel „Cloud Side“ versehen. Beide Seiten, also alle Titel von der Nummer 1 bis zur Nummer 5 können dabei überzeugen. Alles klingt, ist sehr harmonisch und an jeder Stelle überaus melodiös. Manchmal wird das Tempo etwas stärker angezogen, insgesamt hinterlässt die Scheibe jedoch einen eher ruhigen Eindruck. Am gelungensten sind dabei ganz eindeutig die Instrumentalpassagen, die von Hoelderlin fast schon zelebriert werden. Und hier sind vor allen die letzten beiden Titel zu erwähnen, also die ehemalige „Clouds Side“. Ich liebe es, wenn Musik es schafft fast hypnotisch zu werden, da ein Thema immer und immer wieder wiederholt wird, mit nur ganz zarten Variationen, aus denen dann allerdings doch wieder etwas völlig Neues erwächst. Andere Hörer mögen das jedoch vielleicht langweilig finden, da ihnen die Abwechslung fehlt, auch das ist durchaus nachvollziehbar. Doch wenn man wirklich mal sehr relaxt Musik auf dem Sofa genießen möchte, um dabei die Grauzone zwischen Wachheit und Traum zu streifen, dann gibt es einfach nicht Besseres – für mich zumindest – als solche Musik, die mit der Monotonie spielt, ohne monoton zu sein.

Überaus gelungen ist Hoelderlin auf „Clowns & Clouds“ außerdem die Instrumentierung, die eben keinesfalls „08/15-Besetzung“ bedeutet. Cello, Viola, Querflöte und Saxophon werden – neben den klassischen Rockinstrumenten – immer wieder große Spielräume erschlossen, die die Musiker mit den jeweiligen Instrumenten dann auch durchaus zu nutzen wissen. Das macht sehr viel Laune, hört sich klasse an und bewirkt dabei ebenfalls, dass gar keine Möglichkeit besteht, hier Langeweile aufkommen zu lassen. Beispielhaft hierfür steht Titel Nummer 5: „Phasing“. Wahrlich sehr überzeugend.

Ebenfalls sehr überzeugend ist die Zugabe der remasterten Version des Albums. Diese instrumentale Live-Version des Stückes „Traum“, welcher ursprünglich auf der ersten Hoelderlin-Scheibe „Hölderlins Traum“ vertreten ist, beinhaltet ebenfalls genau dieses: redundante Instrumentalpassagen, unglaublich viel Melodiösität und jetzt sogar ein paar experimentelle Passagen, die dann gar nicht mehr so unbedingt harmonisch klingen, ehr improvisiert. Auch die Klangqualität ist durchaus gelungen, sodass die Nummer eine schöne Beigabe darstellt.

Fazit: „Clowns & Clouds“ von Hoelderlin ist ein wirklich gutes Album geworden. Das wiederum liegt an mehreren Dingen. Zum einen enthält die Scheibe jede Menge Ideen, die musikalisch sehr gut umgesetzt wurden. Des Weiteren ist die Platte angefüllt mit sehr melodiösem Progressive Rock, der ins Ohr geht und zu so mancher Traumreise einlädt. Die Instrumentierung alleine ist bereits ein Grund, warum man diese Scheibe einmal gehört haben sollte, wenn man denn auf solcher Art der Musik steht. Festzuhalten bleibt auch, dass die ehemalige zweite Seite doch noch einen Tick überzeugender klingt, als die erste Seite. Das drückt das Gesamtergebnis dieser schönen Platte jedoch nicht. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Streaming, Phasing



Samstag, 20. Juni 2015

Steve Hackett – Defector




Steve Hackett – Defector


Besetzung:

Steve Hackett – guitar, vocals, optigan, roland gr500


Gastmusiker:

Nick Magnus – keyboards
John Hackett – concert and alto flute
Pete Hicks – vocals
John Shearer – drums and percussion
Dik Cadbury – bass, vocals


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Steppes (6:05)
2. Time to Get Out (4:11)
3. Slogans (3:46)
4. Leaving (3:16)
5. Two Vamps As Guests (1:58)
6. Jacuzzi (4:36)
7. Hammer In The Sand (3:11)
8. The Toast (3:42)
9. The Show (3:40)
10. Sentimental Institution (2:44)

Gesamtspieldauer: 36:52




„Defector“ heißt das vierte Solo-Studio-Album des Ex-Genesis-Gitarristen Steve Hackett, welches im Juni 1980 veröffentlicht wurde. Und diese Scheibe kann, genau wie der Vorgänger, teilweise durchaus noch überzeugen. An manchen Stellen wird es dann allerdings schon etwas schwieriger, vor allem, wenn man Steve Hackett vom Progressive Rock her kennt und zu schätzen gelernt hat.

Nun, der Fehltritt der Scheibe lautet „The Show“ und ist das vorletzte Lied der Platte. Man hört so ein langweiliges Gestampfe, es wird im Chor gesungen und es klingt nach ziemlich einfachem Pop, der nun aber so überhaupt nicht zünden möchte. Allerdings gibt es sonst auch einiges Positives von „Defector“ zu berichten. Die Platte fängt auch gleich mit „The Steppes“ wahrlich sehr überzeugend an. Ein Instrumentalstück, schwer und getragen, vielleicht manchmal sogar ein klein wenig orientalisch angehaucht klingend. Eine Nummer die ins Ohr geht.

Dann das Stück „Leaving“. Dieses Mal ein Lied mit Gesang, jedoch auch irgendwie verträumt und auf seine Art schwer. Ausgestattet ist die Nummer mit einer sehr sanften und weichen Melodie, die wirkt. Das Lied klingt auf seine Art irgendwie mystisch und verzaubert. Und dies trifft auch auf das folgende Stück, „Two Vamps As Guests“, zu. Allerdings nur von der Stimmung her. Eine Instrumentalnummer, die nur mit der Akustik-Gitarre eingespielt wurde. Wahrlich schön. Sehr melancholisch wirkt „Hammer In The Sand“. Dieses Mal ist es das Piano, welches als Instrument deutlich im Vordergrund steht. Es entwickelt sich ein schweres und nachdenkliches Stück, welches auf Spaßveranstaltungen nichts verloren hat – schon eher auf Beerdigungen und das ist jetzt wahrlich nicht negativ gemeint. Als Spaß ist allerdings die letzte Nummer sicherlich gedacht gewesen. „Sentimental Institution“ klingt nach den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Schöne Melodieführung und man fühlt sich in einen Ballsaal zu dieser Zeit versetzt. Wenn Parodien nur immer so klingen würden.

Fazit: Nun, auf „Defector“ gibt es einiges zu hören, was sich wirklich lohnt gehört zu werden. Zwar ist nicht alles wirklich überzeugend auf dieser Scheibe, allerdings durchaus einiges. Wenn man dann bedenkt, dass es sich hier um das Jahr 1980 handelt, in dem die Scheibe erschien, dann muss man eigentlich den Hut vor Herrn Hackett ziehen. Dieser sprang keineswegs ganz so euphorisch auf diesen synthetischen Pop-Hype auf, der damals in der Musikwelt herrschte und so manchen Musiker des Progressive Rock zu musikalischen Gräueltaten veranlasste. Steve Hacket dagegen blieb hier noch seiner Linie – wenigstens zum Teil – treu. Mir gefällt die Scheibe sogar wieder einen Tick besser als der Vorgänger. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Steppes, Leaving, Sentimental Institution



Freitag, 19. Juni 2015

The Nice – Collection




The Nice – Collection


Besetzung:

Keith Emerson – organ, piano, vocals
Keith "Lee" Jackson – bass, guitar, vocals
David "Davy" O'List – guitar, vocals
Brian "Blinky" Davison – drums, percussion


Label: Castle Communications


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Rock, Progressive Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Amerika (6:22)
2. Happy Freuds (3:29)
3. The Cry Of The Eugene (4:32)
4. The Thoughts Of Emerlist Davjack (2:49)
5. Rondo (8:26)
6. Daddy, Where Did I Come From (3:44)
7. Little Arabella (4:18)
8. Intermezzo From Karellia (9:12)
9. Hang On To A Dream (4:56)
10. The Diamond Hard Apples Of The Moon (2:50)
11. Angel Of Death (5:58)

Gesamtspieldauer: 56:40




Nun, mit Samplern ist das immer so eine Sache. Ich kaufe sie mir nur sehr ungern, da ich, wenn mir die Band oder der Musiker zusagt, sowieso danach die Platten kaufe. Was soll ich dann mit einer Zusammenstellung, die dann noch nicht mal unbedingt meinem Geschmack entsprechen muss? Außerdem hat man dann alles doppelt. Allerdings bietet so ein Kompilations-Album natürlich auch die Möglichkeit sich einen Überblick über eine Band zu verschaffen. Und wenn diese Platte dann auch noch günstig ist, kann es doch durchaus einen Versuch wert sein. Im Falle von The Nice und dieser „Collection“ ist das auch der Fall.

Man benötigt zwar einige Durchläufe des Albums, dann jedoch werden die einzelnen Stücke zu guten Freunden, die man nicht mehr missen möchte. Die Platte ist wie ein Ritt durch progressive bis psychedelische Sphären. Das macht durchaus Laune. Auf etwas Bekanntes trifft man gleich am Anfang der Scheibe mit dem Titel „America“, welcher dem Musical „West Side Story“ entnommen wurde. Natürlich wurde diese Nummer von den Musikern überarbeitet und enthält nun Teile, die im Original nicht zu finden sind. Mit dem Grundthema wird begonnen, dann folgt ein durchaus progressiver Mittelteil, dominiert von der Orgel des Keith Emerson, bis sich alles wieder im Grundmuster und Wohlklang auflöst.

Besonders hörenswert sind die Stücke „Daddy, Where Did I Come From“ und „Rondo“. Ist erstere Nummer ein fröhliches Pop-Lied, so stellt sich Rondo als vertrackter und treibender Progressive-Rock-Titel heraus. Sehr kraftvoll. Nun und dann gibt es da ja auch noch „Hang On To A Dream“. Von Tim Hardin geschrieben, ist diese Version hier von The Nice einfach umwerfend. Unglaublich gefühlvoll, mit sehr viel Tiefgang, herzerweichend. In der Mitte befindet sich schließlich ein flotter Instrumentalteil, der den idealen Gegenpart zum sehr getragenen Anfang und Ende des Liedes bildet. Im Grunde genommen könnte ich hier noch weitere Höhepunkte aufführen, denn Ausfälle gibt es auf dieser Zusammenstellung keine. Alles wirkt und klingt und packt den Zuhörer

Fazit: Die Musik auf „The Nice Collection“ entstand Ende der sechziger Jahre. 1985 wurde diese Scheibe hier dann veröffentlicht und hat so gar nichts mit der Musik zu tun, die in den achtziger Jahren gerade aktuell war, wie zum Beispiel New Wave. Auf dieser Zusammenstellung hört man packenden Progressive Rock, der niemals seine Melodiösität verliert. In den sanfteren wie den raueren Abschnitten, über allem steht immer die Melodie. Die Platte macht durchaus Spaß, sich doch mal genauer mit „The Nice“ zu beschäftigen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Thoughts Of Emerlist Davjack, Rondo, Hang On To A Dream



Donnerstag, 18. Juni 2015

The Who – Endless Wire




The Who – Endless Wire


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals
Pete Townshend – guitars, vocals, bass guitar, drums, piano, keyboards, violin, banjo, mandolin, drum machine


Gastmusiker:

Lawrence Ball – electronic music on "Fragments"
Ellen Blair – viola on "Trilby's Piano"
John "Rabbit" Bundrick – Hammond organ, backing vocals
Jolyon Dixon – acoustic guitar on "It's Not Enough"
Rachel Fuller – keyboards on "It's Not Enough", orchestration supervisor on "Trilby's Piano"
Peter Huntington – drums
Gill Morley – violin on "Trilby's Piano"
Vicky Matthews – cello on "Trilby's Piano"
Billy Nicholls – backing vocals
Pino Palladino – bass guitar
Stuart Ross – bass guitar on "It's Not Enough"
Zak Starkey – drums on "Black Widow's Eyes"
Simon Townshend – backing vocals
Brian Wright – violin on "Trilby's Piano"


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Rock


Trackliste:

1. Fragments (3:57)
2. A Man In A Purple Dress (4:15)
3. Mike Post Theme (4:28)
4. In The Ether (3:35)
5. Black Widow's Eyes (3:07)
6. Two Thousand Years (2:50)
7. God Speaks, Of Marty Robbins (3:26)
8. It's Not Enough (4:02)
9. You Stand By Me (1:36)
10. Sound Round (1:21)
11. Pick Up The Peace (1:28)
12. Unholy Trinity (2:07)
13. Trilby's Piano (2:04)
14. Endless Wire (1:51)
15. Fragments Of Fragments (2:23)
16. We Got A Hit (1:18)
17. They Make My Dream Come True (1:13)
18. Mirror Door (4:14)
19. Tea & Theatre (3:26)

Gesamtspieldauer: 52:50




Was war die Aufregung groß im Oktober 2006, als The Who ihr bereits lange angekündigtes und immer wieder verschobenes elftes Studio-Album mit dem Titel „Endless Wire“ veröffentlichten – und das 24 Jahre nach ihrem letzten Werk „It’s Hard“. The Who, das waren inzwischen lediglich noch Pete Townshend und Roger Daltrey, da John Entwistle im Alter von 57 Jahren im Zimmer 658 des Hard Rock Hotels und Casinos in Las Vegas, am 27 Juni 2002 an einem Herzinfarkt verstorben war – einen Tag bevor die neue The Who Tour in den USA starten sollte. Nun so groß die „Aufregung“ im Oktober 2006 dann auch war, so unterschiedlich fielen auch die Meinungen über dieses Album aus. Jedoch, man kann es drehen und wenden wie man möchte, aber auch hier liegt die Wahrheit wohl wieder einmal irgendwo in der Mitte.

Pete Townshend hat The Who im neuen Jahrtausend nicht neu erfunden. Ganz im Gegenteil sogar, das Album klingt eindeutig nach den Who und so manches klingt auch irgendwie bereits bekannt. Wer also viele neue Ideen erwartet hatte, der durfte schon mal enttäuscht worden sein. Genau so waren das jene Fans, die The Who gerade für ihre härteren Lieder schätzten. „Endless Wire“ ist allerdings eher eine ruhigere Scheibe. Gerockt wird zwar auch, doch der akustischen Gitarre kommt auf dem Album eine sehr große Rolle zu. Manchmal klingt das fast schon ein wenig folkig. Sicherlich hat sich Roger Daltreys Stimme ein wenig verändert, er ist eben auch älter geworden. Dass er deswegen jedoch nicht mehr singen könnte, diese Aussage darf man getrost ins Reich der Fabel verweisen. Das klingt immer noch satt und voll, was Roger Daltrey hier bietet. Etwas überrascht lässt einen diesbezüglich nur der Titel „In The Ether“ zurück. Da singt er sehr kehlig und gurgelnd, gerade so, als ob er gerade eine Mischung aus Louis Armstrong und Tom Waits wäre. Das klingt zugegebenermaßen äußerst gewöhnungsbedürftig.

Das war es jedoch auch schon. Die Platte ist ansonsten gut. Man hört auf „Endless Wire“ The Who, bei denen zwar zugegebenermaßen einige Ideen früherer Platten von Pete Townshend recycelt wurden, trotzdem macht die Scheibe Spaß. Das liegt am Material selbst, was durchaus ins Ohr geht. Vieles auf „Endless Wire“ ist überaus melodisch und harmonisch gehalten. Meist sanft zwar, deswegen jedoch nicht weniger überzeugend. Aber es gibt eben auch die rockigen Abschnitte, die dann auch durchaus grooven können. Ab Titel 10, „Sound Round“, handelt es sich bei der Musik auf „Endless Wire“ übrigens um die „Mini-Oper“ „Wire & Glass“. Aber hier sollte ich wohl besser „Mini-Rock-Oper“ schreiben, denn die Musik unterscheidet sich keineswegs von den ersten neun Titel. Okay, kürzer sind sie, die Lieder, ansonsten jedoch im selben Stil gehalten, wie der Anfang der Platte: Oftmals ruhig und akustisch – jedoch nicht nur. Dafür aber immer sehr melodiös.

Fazit: Mit gefällt „Endless Wire“, ich habe allerdings kein zweites „Who’s Next“ erwartet. Die Musik klingt nach The Who, ist immer sehr melodiös, oftmals sanft, gefühlvoll, nachdenklich klingend. Roger Daltrey singt noch gut, genauso wie Pete Townshend, der ebenfalls bei einigen Liedern am Mikrophon steht. Manches auf „Endless Wire“ erinnert freilich auch an frühere Alben. Sei’s drum, denn man könnte dazu auch feststellen: The Who bleiben eben ihrem Stil treu – nur eben sanfter. Kann man durchaus auch so sehen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: A Man In A Purple Dress, You Stand By Me, Trilby's Piano



Mittwoch, 17. Juni 2015

Michael Jackson – Bad




Michael Jackson – Bad


Besetzung:

Michael Jackson – vocals, vocal arrangement, rhythm arrangement


Gastmusiker:

Siedah Garrett – background vocals
The Winans and The Andraé Crouch Choir – background vocals
Nathan East – bass guitar
Jimmy Smith – hammond organ
Greg Phillinganes – synthesizer
John Robinson – drums
Miko Brando – drums
Ollie E. Brown – drums
N'dugu Chancler – drums
Bill Bottrell – drums, guitar
Bruce Swedien – drums
Douglas Getschal – drum programming
David Williams – guitar
Eric Gale – guitar
Danny Hull – guitar
Steve Stevens – guitar
Dann Huff – guitar
Michael Landau – guitar
Paul Jackson, Jr. – guitar
Gary Grant – trumpet
Jerry Hey – trumpet
Paulinho da Costa – percussion
Ollie E. Brown – percussion
Stefan Stefanovic – keyboards
Kim Hutchcroft – saxophone
Larry Williams – saxophone
Christopher Currell – synclavier keyboards, digital guitar and rubboard
John Barnes – synthesizer
Michael Boddicker – synthesizer
Greg Phillinganes – synthesizer
Christopher Currell – synthesizer, rhythm arrangement
Rhett Lawrence – synthesizer
David Paich – synthesizer
John Barnes – piano
Quincy Jones – rhythm arrangement
Jerry Hey – horn arrangement
Larry Williams – synthesizer programming
Eric Persing – synthesizer programming
Steve Porcaro – synthesizer programming
Larry Williams – midi saxophone solo


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Funk, Disco, Pop, Rock


Trackliste:

1. Bad (4:07)
2. The Way You Make Me Feel (4:58)
3. Speed Demon (4:01)
4. Liberian Girl (3:53)
5. Just Good Friends (4:07)
6. Another Part Of Me (3:54)
7. Man In The Mirror (5:19)
8. I Just Can't Stop Loving You (4:12)
9. Dirty Diana (4:41)
10. Smooth Criminal (4:17)
11. Leave Me Alone (4:40


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

12. Voice-Over Intro Quincy Jones Interview # 1 (4:03)
13. Streetwalker (5:49)
14. Voice-Over Intro Quincy Jones Interview #2 (2:53)
15. Todo Mi Amor Eres Tu (I Just Can't Stop Loving You) (4:05)
16. Quincy Jones Interview #3 (2:30)
17. Voice-Over Intro 'Fly Away' (0:08)
18. Fly Away (3:26)

Gesamtspieldauer: 1:11:11




„Bad“ heißt das siebte Studio-Album des Michael Jackson und es erschien knapp fünf Jahre nach seinem Album „Thriller“, der bisher erfolgreichsten Scheibe aller Zeiten. Mir will es manchmal einfach nicht in den Kopf, wie ein Musiker wie Michael Jackson solch ein geniales Lied wie „Dirty Diana“ schreiben kann und auf dem gleichen Album solch eine Nummer wie „Speed Demon“ zu veröffentlichen fähig ist. Er hat beide Lieder wirklich selbst geschrieben – kaum zu glauben, bei solcher Divergenz. „Dirty Diana“ ist ein umwerfend guter Rocktitel, kraftvoll mit tollem Gitarrensolo. Eingängig und rhythmisch treibend. „Speed Demon“ ist dagegen, nun, was ist das eigentlich? Irgendwie eine Funk-Disco-Nummer, vor der es sich wahrlich lohnt Reißaus zu nehmen.

Nun funky wird es einige Male auf dieser Scheibe. Bestes Beispiel ist da wohl das Duett Michael Jacksons mit Stevie Wonder. Da benötigt man starke Nerven für, sehr viele sogar. Fast noch unerträglicher klingt Michael Jackson jedoch, wenn die Musik und sein Gesang sowie – zur Krönung – auch noch der Text in den allertiefsten Schmalz abdriftet. Nun, so ein Liedtitel wie „I Just Can't Stop Loving You“ bereitet einen zumindest schon mal innerlich auf das Kommende vor und man kann Vorsichtsmaßnahmen in Form der Fernbedienung ganz nah bei sich deponieren, um ganz schnell die Skip-Taste betätigen zu können.

Es gibt noch weitere „dunkle“ Momente für den Rocker auf „Bad“, solch einen schönen, wie beim Titel „Dirty Diana“, allerdings leider nicht mehr. Jedoch finden sich wenigstens noch ein paar Lieder auf „Bad“, die zumindest anhörbar sind. Das wäre zum Beispiel der Titelsong „Bad“ selbst. Ebenfalls eine funkige Nummer, allerdings ausgestattet mit einer durchaus eingängigen Melodie und sogar etwas rockig. Auch noch gelungen ist die Nummer „Smooth Criminal“, was ebenfalls eindeutig an deren Melodiösität liegt. Stilistisch liegt das Lied im Grenzbereich zwischen Pop, Funk und Rock angesiedelt. „Leave Me Alone“, die letzte Nummer der Scheibe, die übrigens ursprünglich weder auf der Schallplatten- noch der Kassetten-Ausgabe des Albums vorhanden war, um den Umsatz der CD anzukurbeln, ist noch ein wenig poppiger, geht ebenfalls durchaus zügig ins Ohr.

Auf der Special Bonus Edition aus dem Jahr 2001 sind dann noch drei Lieder enthalten, neben einem, zwischen diese Titel geschnittenen Interview mit dem Produzenten des Albums Quincy Jones. Nun hier zeigt sich, dass es auch nichts bringt, wenn man ein schlechtes Lied auf Spanisch und nicht auf Englisch singt. Die spanische Version von „I Just Can't Stop Loving You“ mit dem Titel „Todo Mi Amor Eres Tu“ ist wenig überaschenderweise für den Rock-Freund genauso wenig erträglich. Dazu kommen noch zwei Zugaben, die mir die Laune beim Hören der Scheibe auch nicht verbessern können – eher im Gegenteil.

Fazit: Wenn die Platte nur aus solch Liedern wie „Dirty Diana“ bestehen würde, würde ich diese mit Sicherheit oft auflegen und hier auch hoch bewerten. Das ist allerdings nicht der Fall. Für mich ist es fast unmöglich, eine Michael Jackson Scheibe durchzuhören. Zuviel darauf bereit mir Schmerzen. Doch, Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und das Album wurde bereits viele Millionen Mal verkauft. Ich irre also ganz bestimmt. Trotzdem. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Dirty Diana



Dienstag, 16. Juni 2015

Peter Hammill – The Future Now




Peter Hammill – The Future Now


Besetzung:

Peter Hammill – guitars, vocals, keyboards, harmonica, electronics


Gastmusiker:

David Jackson – saxophone (1, 2, 12)
Graham Smith – violin (5, 6, 12)


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Pushing Thirty (4:20)
2. The Second Hand (3:28)
3. Trappings (3:30)
4. The Mousetrap (Caught In) (4:05)
5. Energy Vampires (2:56)
6. If I Could (4:37)
7. The Future Now (4:11)
8. Still In The Dark (3:38)
9. Mediaeval (3:06)
10. A Motor-Bike In Afrika (3:11)
11. The Cut (4:20)
12. Palinurus (Castaway) (3:47)

Gesamtspiedauer: 45:15




„The Future Now” heißt das siebte Studio-Album des Peter Hammill, welches im Jahr 1978 veröffentlicht wurde. Im Grunde genommen kann man dem Briten gar nicht dankbar genug für diese Scheibe sein, denn während andere Musiker, die sich vorher dem Progressive Rock gewidmet hatten, nun plötzlich versuchten poppiger zu klingen, dabei oftmals in völlige Belanglosigkeit abdrifteten, fing Peter Hammill an mit Sounds, Tönen und Instrumenten zu experimentieren. Der Ehrlichkeit halber muss man hier allerdings dann auch anführen, dass viele dieser, jetzt poppigen Kollegen durchaus verkaufstechnisch sehr große Erfolge mit dieser Strategie verbuchen konnten. Peter Hammill wurde niemals so erfolgreich, gilt aber bei vielen Musikern als sehr große Inspiration.

Diese siebte Album des Peter Hammill kann sehr, sehr eingängig und melodiös klingen, wie zum Beispiel bei den Titeln „The Mousetrap (Caught In)“ oder aber „Palinurus (Castaway)“. Dann gibt es andererseits jedoch durchaus auch so komplizierte, fast schon experimentelle und längst nicht mehr so zugängliche Nummern wie zum Beispiel „Energy Vampires“ oder „A Motor-Bike In Afrika“ auf die Ohren der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Spannend sind diese Titel dabei sogar sehr, allerdings wohl keineswegs mehr massentauglich. Jetzt spielt Peter Hammill mit Sounds und den Instrumenten. Ganz eigene musikalische Welten entstehen auf diese Art und Weise, die nicht zum „Nebenbeihören“ gedacht sind. Auch das Autofahren muss damit nicht unbedingt einfacher werden, denn diese Musik verlangt durchaus die volle Konzentration von seinen Hörern.

Auf „The Future Now” ist es die Mischung, die die Platte zu einer überzeugenden werden lässt. Auch in kann nicht immer in all diese Lieder eintauchen und benötigte zugegebenermaßen auch einige Anläufe, bis ich manche Teile der Platte vollständig oder wenigstens besser verstanden hatte. Vielleicht sollte ich sogar eher sagen: Glaubte es verstanden zu haben. Egal, denn es wirkt. Dieser Verbindung aus wunderschönen Harmonien und dann wieder doch „seltsamen“ Tönen, wohnt eine gewisse Magie inne, die die Musik von Peter Hammill auf „The Future Now!“ durchaus zu etwas Besonderem werden lässt. Allgemein überwiegen dabei die sanfteren und leisen Töne, dem Piano kommt eine wichtige Rolle auf diesem Album zu, einem Album, welches immer wieder überrascht.

Fazit: Eine sehr abwechslungsreiche Platte ist „The Future Now” geworden. Wunderschöne Melodien, neben einigen Experimenten enthält die Scheibe. Peter Hammill nutzt dabei die sich nun neu ergebenden technischen Möglichkeiten leidlich aus. Kein Wunder also, dass er häufig als Ideengeber anderer Musiker genannt wird. Mich überzeugt nicht alles restlos auf dieser Scheibe, die jedoch natürlich auch viele Höhepunkte aufweist. Manches Mal muss man sich diese als Hörer jedoch erarbeiten – und das kann auch mal beschwerlich sein. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Trappings, The Mousetrap (Caught In), The Cut, Palinurus (Castaway)



Montag, 15. Juni 2015

Pete Townshend – All The Best Cowboys Have Chinese Eyes




Pete Townshend – All The Best Cowboys Have Chinese Eyes


Besetzung:

Pete Townshend – vocals, guitars and keyboards prophet 5–10 synthesizer, arp 2500 and synclavier


Gastmusiker:

Virginia Astley – piano
Tony Butler – bass
Peter Hope-Evans – harmonica
Mark Brzezicki – drums
Simon Phillips – drums
Jody Linscott – percussion
Chris Stainton – additional keyboards
Poli Palmer – tuned percussion
John Lewis – fairlight cmi synthesizer programmes


Label: ATCO Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Rock


Trackliste:

1. Stop Hurting People (3:55)
2. The Sea Refuses No River (5:53)
3. Prelude (1:31)
4. Face Dances, Part 2 (3:24)
5. Exquisitely Bored (3:41)
6. Communication (3:19)
7. Stardom in Acton (3:42)
8. Uniforms (Corp d'Esprit) (3:42)
9. North Country Girl (2:27)
10. Somebody Saved Me (4:51)
11. Slit Skirts (4:54)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

12. Vivienne (3:37)
13. Man Watching (2:32)
14. Dance It Away (3:39)

Gesamtspieldauer: 51:13




„All The Best Cowboys Have Chinese Eyes“ nannte Pete Townshend sein drittes Solo-Album. Diese Platte erschien im Jahr 1982 und der seltsame Album-Titel deutet, laut Aussage von Pete Townshend, darauf hin, dass man im Grunde nicht verstecken kann, was man mag, auf was man steht. Nun, klarer wird mir dadurch der Titel jedoch auch nicht, man muss allerdings auch nicht alles verstehen.

Auch dieses Solo-Werk des Pete Townshend ist wieder bis oben hin vollgefüllt mit tollen Songs. Manches Mal sind die Töne sanfter, zurückhaltender, dann wird jedoch wieder ordentlich gerockt. Insgesamt überwiegen jedoch die ruhigen und leiseren Stimmungen auf dieser Scheibe. Doch ganz egal, ob Pete Townshend auf „All The Best Cowboys Have Chinese Eyes“ nachdenklich klingt oder doch eher rockt, über allem stehen bei dem gebürtigen Londoner die Melodien. Jedes der elf ursprünglich auf Schallplatte vorhandenen Lieder geht ziemlich zügig ins Ohr und mag von dort auch nicht mehr verschwinden. Ausfälle gibt es keine zu verzeichnen, alles hat seine Qualität und weiß zu überzeugen.

Die Höhepunkte der Scheibe sind dabei das wunderschön verträumte und sehnsüchtige „Prelude“. Dann sicherlich „Exquisitely Bored“, eines der vielen tollen Stücke, die Pete Townshend in seiner Karriere geschrieben hat. Es ist die Stimmung, die hier transportiert wird, die von ein wenig düster, über spielerisch bis kraftvoll reicht. Alles zusammen in einem doch gar nicht mal so langen Lied. Einfach nur gut. Dann gibt es da noch das unglaublich fröhliche „Uniforms (Corp d'Esprit)“ und natürlich „Slit Skirts“, welches einen Pianolauf zum Dahinschmelzen enthält – einfach nur schön.

Der remasterten Album-Fassung sind drei Zugaben beigemischt worden, die, wie es sich für Bonus-Titel gehört, am Ende der Scheibe zu finden sind. Diese erreichen nicht ganz die Qualität, der ursprünglichen Nummern, jedoch ist das „Jammern auf hohem Niveau“, da auch diese drei Titel durchaus hörenswert sind.

Fazit: Wer eingängigen Rock mag, der allerdings auch manchmal die Grenze zum Pop überschreitet, die oder der dürfte jede Menge Spaß an diesem Album haben. Bei Pete Townshend klingt es immer melodiös und eingängig, ganz egal ob da gerockt wird oder alles hauchzart und weich zu sein scheint. „All The Best Cowboys Have Chinese Eyes“ ist ein schönes Album geworden, ein abwechslungsreiches und vielleicht das beste Pete Townshend Solo-Album überhaupt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Exquisitely Bored, Uniforms (Corp d'Esprit), Slit Skirts



Sonntag, 14. Juni 2015

Nickelback – Curb




Nickelback – Curb


Besetzung:

Chad Kroeger – lead vocals, lead guitar
Ryan Peake – rhythm guitar, backing vocals
Mike Kroeger – bass
Brandon Kroeger – drums


Gastmusiker:

Ariel Watson – cello on "Curb"
Boyd Grealy – drums on "Curb"


Label: Roadrunner Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Grunge, Rock


Trackliste:

1. Little Friend (3:48)
2. Pusher (4:00)
3. Detangler (3:41)
4. Curb (4:51)
5. Where? (4:27)
6. Falls Back On (2:57)
7. Sea Groove (3:58)
8. Fly (2:53)
9. Just Four (3:54)
10. Left (4:03)
11. Window Shopper (3:42)
12. I Don't Have (4:06)

Gesamtspieldauer: 46:24




„Curb“ heißt das erste Album von Nickelback, welches im Jahr 1996 erschien. „Randstein“ oder „Behinderung“ heißt das auf Deutsch und „behindert“ waren die vier Kanadier am Anfang durchaus, denn sie hatten kein Label, auf dem sie ihre Platte veröffentlichen hätten können. Nun, so entschieden sie sich dieses in Eigenregie zu tun und Roadrunner Records legte die Scheibe, nachdem Nickelback sehr erfolgreich geworden waren, später, im Jahr 2002, wieder auf.

Zu hören ist auf „Curb“ Grunge bis Hard Rock. Die Nummern sind hart, grooven zum Teil auch, jedoch keineswegs immer. Trotzdem werden Freunde der „härteren“ Töne durchaus ihre Freude an dem Album haben. Trotzdem spüre ich in mir ich, wenn ich an „Grunge“ denke, solche Bands wie Nirvana oder Pearl Jam. Ich denke an Bands, die durchaus „hart“ klingen, jedoch immer auch melodiös und eingängig. Deren Lieder mit dem gewissen „Etwas“ verbunden sind.

Allerdings fehlt dieses „Etwas“ bei Nickelback, zumindest auf „Curb“. Zwar klingt die Band so, dass sie frei jeglicher Restriktionen durch Plattenfirmen diese Scheibe aufnehmen konnte, jedoch klingt das Ergebnis auch nicht absolut überzeugend. Okay, sie rocken. Das sogar sehr gut. Trotzdem fehlt der Wiedererkennungswert. Wenn ich allerdings nur darauf aus bin, für den Moment Headbanging zu betreiben, dann wirkt „Curb“ schon sehr überzeugend. Mir allerdings fehlt dieses besondere Momentum, was mich dazu treibt, diese Scheibe öfters aufzulegen.

Fazit: Grunge- und Hard Rock-Freunde werden diese Platte lieben. Gut gemachter Rock, der durchaus auch in die Beine geht. Die einzelnen Titel sind auch melodiös, wenn auch dieses „Ins-Ohr-Gehen“ nicht unbedingt vorhanden ist. Keine schlechte Scheibe, jedoch auch nicht sehr weit über dem Durchschnitt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Curb, Fly



Samstag, 13. Juni 2015

Heaven 17 – Penthouse And Pavement




Heaven 17 – Penthouse And Pavement


Besetzung:

Glenn Gregory – vocals
Ian Craig Marsh – synthesisers, saxophone, percussion
Martyn Ware – synthesisers, linn lm-1, piano, percussion and backing vocals


Gastmusiker:

Malcolm Veale – synthesizers, saxophone
Josie James – vocals on "Penthouse And Pavement"
Steve Travell – piano on "Soul Warfare"
The Boys of Buddha – synthetic horns
John Wilson – bass guitar, guitar and guitar synthesisers on "Pavement Side"


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Synthie Pop, Funk, New Wave


Trackliste:

1. (We Don't Need This) Fascist Groove Thang (4:19)
2. Penthouse And Pavement (6:22)
3. Play To Win (3:37)
4. Soul Warfare (5:03)
5. Geisha Boys And Temple Girls (4:33)
6. Let's All Make A Bomb (4:07)
7. The Height Of The Fighting (3:00)
8. Song With No Name (3:35)
9. We're Going To Live for A Very Long Time (3:20)

Gesamtspieldauer: 38:01




Was sich da so alles im Laufe der Jahre ansammelt, wenn man regelmäßig Platten und CD’s kauft. Nicht alles davon findet man gut, obwohl es natürlich immer wieder auch gut ist, seinen eigenen musikalischen Horizont ständig zu erweitern. Das macht Musikhören viel spannender und abwechslungsreicher. Allerdings befinden sich dann darunter auch Platten, mit denen man einfach so gar nichts anfangen kann. Eine davon ist das Debut von Heaven 17 mit dem Titel „Penthouse And Pavement“ aus dem Jahr 1981. Ian Craig Marsh und Martyn Ware hatten The Human League verlassen, mit Sänger Glenn Gregory Heaven 17 gegründet und wollten es nun ein bisschen anders machen als bei The Human League.

Synthi-Pop ist schon mal so eine Sache. Manchmal beinhaltet dieser jedoch auch richtig tolle Melodien, etwas, was sehr schnell ins Ohr geht. Hier auf „Penthouse And Pavement“ finden sich solche Nummern allerdings nicht – vielleicht sollte ich allerdings auch sagen: Sie erschließen sich mir nicht. Andere Hörer könnten das durchaus anders sehen. Nun, jetzt kommt zu diesem, für mich plastikmäßigen Sound auch noch ein Schuss Funk hinzu und da gehen bei mir dann alle Warnblinklichter im Ohr an und jemand flüstert mir zu, dass ich ohne Hektik, allerdings durchaus zügig, diesen Ort verlassen sollte. Wahnsinn, ich bekomme körperliche Schmerzen, wenn ich solch Nummern wie „Play To Win“ oder „Soul Warfare“ zu hören bekomme.

Nun, aber es muss doch auch etwas Gutes, Hörenswertes auf „Penthouse And Pavement“ geben. Gewiss, gewiss, festzuhalten ist nämlich auf jeden Fall, dass die ehemalige zweite LP-Seite doch ein wenig besser gelungen ist, als die ersten vier Nummern, die unter der „Überschrift“ „Pavement“ aufgeführt wurden. Bei den Titeln „Geisha Boys And Temple Girls“ und „Let's All Make A Bomb” bekommt man immerhin noch Harmonien zu hören, die zumindest etwas ins Ohr gehen. Auch die hierauf folgenden Titel heben sich diesbezüglich noch ganz leicht von den ersten Nummern der Scheibe ab. Zumindest leicht.

Fazit: Nein, das ist definitiv keine Musik für mich. Das klingt alles so künstlich, irgendwie nach Plastik eben. Die Melodien sind wahrlich rar gesät auf „Penthouse And Pavement“ und auch die Texte sprühen jetzt nicht gerade vor Geistesreichtum. Synthie-Pop ist eben eine „gefährliche“ Sache, die durchaus sehr nervig wirken kann. Funkiger Synthie-Pop ist dann noch mal eine entsprechende Steigerung. Schlimm. Drei Punkte.

Anspieltipps: Geisha Boys And Temple Girls, Let's All Make A Bomb



Freitag, 12. Juni 2015

Portishead – Dummy




Portishead – Dummy


Besetzung:

Beth Gibbons – vocals
Geoff Barrow – drums, rhodes piano, string arrangements, programming
Adrian Utley – guitar, bass guitar, theremin, hammond organ, string arrangements


Gastmusiker:

Gary Baldwin – hammond organ
Clive Deamer – drums
Andy Hague – trumpet
Dave McDonald - nose flute
Richard Newell – drum programming
Neil Solman – rhodes piano, hammond organ
Strings Unlimited – strings
Johnnie Ray – sample of "I'll Never Fall In Love Again" on "Biscuit"
Isaac Hayes – sample of "Ike's Rap II" on "Glory Box"
Lalo Schifrin – sample of "The Danube Incident" on "Sour Times"
Smokey Brooks – sample of "Spin It Jig" on "Sour Times"
Weather Report – sample of "Elegant People" on "Strangers"
War – samples of "Magic Mountain" on "Wandering Star"


Label: Go! Beat


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Trip Hop


Trackliste:

1. Mysterons (5:07)
2. Sour Times (4:14)
3. Strangers (3:58)
4. It Could Be Sweet (4:19)
5. Wandering Star (4:56)
6. It's A Fire (3:47)
7. Numb (3:58)
8. Roads (5:09)
9. Pedestal (3:41)
10. Biscuit (5:04)
11. Glory Box (5:08)

Gesamtspieldauer: 49:24




Ich bin eher ein Rocker als ein Popper. Und ganz ehrlich, Trip Hop interessiert mich auch nicht so besonders, kenne ich auch nur von Archive, von deren ersten Platten. Und naja, überzeugt hat mich das auch nicht unbedingt so ganz. Aber trotzdem war das der Grund für mich, diese CD zu kaufen. Archive sind später genial, da möchte man ja dann auch nichts von Portishead verpassen, zumal deren Debut-Album mit dem Titel „Dummy“, aus dem Jahr 1994, so unglaublich viele gute Bewertungen erhalten hat – sowohl von Musikkritikern wie bei den Konsumenten der Scheibe.

Nun, ich muss zugegeben, beim ersten Mal, bei meiner ersten Begegnung mit Beth Gibbons und ihren Mitmusikern Geoff Barrow sowie Adrian Utley, da wurde ich mit der Scheibe keineswegs sonderlich warm. Zwar war es auch keine Musik, die mich fluchtartig aus den entsprechenden Räumen trieb, jedoch fanden sich für mich dort auch keine Lieder, die bewirkt hätten, dass ich das Album etwas öfters auflegen würde. Die Musik ist sehr weich in meinen Ohren, der Perkussion wird dabei immer eine sehr große Bedeutung zugestanden. Alles wiegt sich, vibriert, allerdings nur hauchfein, zart, fast schon zurückhaltend. Beth Gibbons spielt dabei mit Atmosphären, klingt an jeder Stelle der Platte sehr überzeugend und authentisch.

Irgendwann war es wieder so weit, die Platte bekam eine neuerliche Chance. Und als ob in der Zeit, seit dem letzten Hören, was Jahre zurück lag, irgendetwas im Musikzentrum meines Gehirns passiert wäre, aber die Lieder waren plötzlich andere geworden. Auf einmal gefiel mir diese Scheibe deutlich besser. Zugegebenermaßen haut mich nicht alles ganz von den Stühlen, aber gerade der Anfang der Platte ist überaus gelungen und die Musik geht ins Ohr und verbleibt dort auch. Immer wenn Portishead es schaffen, ihre Rhythmik auch mit tollen Melodien zu verbinden, dann packt mich das durchaus, dann ist meine Zeit zum Träumen angesagt. Diese Gabe geht den drei Musikern allerdings ein wenig in der Mitte des Albums verloren. Da scheint es dann manchmal nur noch um die zu transportierende Atmosphäre zu gehen, die allerdings einfach manchmal zu dünn wird.

Doch dann kommt es, das Ende des Albums, vielmehr das letzte Lied der Scheibe: „Glory Box“. Meine Nerven, wann jemals klang eine Frau sinnlicher oder lasziver, als bei dieser Nummer? Wirklich jede Ecke ihrer Seele scheint Beth Gibbons in diese Nummer zu legen und man betet förmlich, dass derjenige, der hier angesprochen wird, sich doch bitte erbarmt und ihr diesen einen Wunsch auch erfüllt:

Give me a reason to love you
Give me a reason to be a woman
I just wanna be a woman

Und auch hier war es so, gepackt hat mich diese Nummer erst, nach dem vierten oder fünften Male des Hörens. Dann aber voll. Grandios.

Fazit: Trip Hop ist noch immer noch nicht so ganz meins. Wenn er allerdings so klingt, wie bei „Glory Box“, doch, dann ist diese Musik auch meine Musik. „Dummy“ von Portishead ist eine völlig unaufgeregte Scheibe, die mit den Gefühlen der Hörer zu spielen scheint. Nicht immer schafft es die Musik dabei auch absolut zu überzeugen, denn wenn nur noch Atmosphäre entstehen soll der Atmosphäre wegen, dann läuft etwas falsch. Aber dann kommt noch „Glory Box“. Echt krass. Elf Punkte.

Anspieltipps: Sour Times, Roads, Glory Box