Donnerstag, 11. November 2021

Tori Amos – Ocean To Ocean

 



Tori Amos – Ocean To Ocean


Besetzung:

Tori Amos – vocals, piano (all tracks), hammond b3, keyboards, rhodes, wurlitzer electric piano (1–6, 8–11)


Gastmusiker:

John Philip Shenale – marxophone, optigan, sampling, synthesizer (all tracks), additional keyboards (1, 3–5, 11), hammond organ (4, 5, 11)
Tash – additional vocals (1–3)
Jon Evans – bass (1–6, 8–11)
Matt Chamberlain – drums, percussion (1–6, 8–11)
Mark Hawley – guitar (1–6, 8–11), dobro (2, 3)




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Pop


Trackliste:

1. Addition Of Light Divided (4:06)
2. Speaking With Trees (3:55)
3. Devil‘s Bane (4:32)
4. Swim To New York State (4:20)
5. Spies (5:59)
6. Ocean To Ocean (3:30)
7. Flowers Burn To Gold (3:41)
8. Metal Water Wood (4:00)
9. 29 Years (4:47)
10. How Glass Is Made (3:56)
11. Birthday Baby (4:46)

Gesamtspieldauer: 47:38



„Ocean To Ocean“ heißt das sechzehnte Studioalbum der US-amerikanischen Sängerin und Songwriterin Tori Amos. Der Titel des Albums bezieht sich auf ihre Wahlheimat, Cornwall in England, in der sie den Lockdown verbrachte und sich beim Schreiben von der Landschaft inspirieren ließ. Inhaltlich findet selbstverständlich, wie bei vielen Künstlern, auch die Corona-Epidemie Einzug in die Lieder der Musikerin.

Und die Musik selbst? Die hört sich ab dem ersten Akkord nach Tori Amos an und dies, bis die Musik mit dem letzten Stück „Birthday Baby“ aushallt. Wie schon auf ihren letzten Veröffentlichungen, klingen die Lieder der Musikerin etwas poppiger, als noch zu Beginn ihrer Karriere. Doch ihre Markenzeichen, die unverwechselbare Stimme sowie ihr Pianospiel, diese Zutaten sind auch auf „Ocean To Ocean“ allgegenwärtig.

Die Musik geht sehr schnell ins Ohr, denn dieses Gespür für die sanfte, eingängige Melodie hat sich Tori Amos über die bald drei Jahrzehnte ihrer Karriere erhalten. Die einzelnen Lieder funktionieren zum überwiegenden Teil sofort mit dem ersten Hören uns setzen sich im Ohr fest. Mit jedem weiteren Durchlauf werden sie dann zu noch vertrauteren Freunden. Und dabei ist es völlig egal, ob man Tori Amos lediglich vom Piano begleitet singen hört, Bass, Gitarre und Schlagzeug ihre Melodien ausmalen oder gleich ein ganzes Orchester – ihre Musik wirkt.

Sanfte Lieder wechseln sich mit etwas flotteren Stücken ab, immer jedoch klingt Tori Amos unaufgeregt und es ist diese Stimmung, diese Atmosphäre der Musik, die einen einzufangen versteht. „Ocean To Ocean“ ist wie eine musikalische Reise, die einen von der Hektik des Tages abzulenken versteht. Mir gefällt das sehr, dieses Sanfte und Eingängige.

Fazit: Wenn man die Atmosphäre mag, die Tori Amos mit ihrer Musik zu erschaffen weiß, dann wird man auch an ihrem neuen Album „Ocean To Ocean“ viel Spaß haben. Klar, es klingt ein wenig poppiger als zu Beginn der 90er Jahre, doch ihre Melodien wirken auch im Jahr 2021 noch wunderschön. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Spies, Metal Water Wood



Dienstag, 9. November 2021

Rival Sons – Feral Roots

 



Rival Sons – Feral Roots


Besetzung:

Jay Buchanan – vocals, rhythm guitar on tracks 5 and 9
Scott Holiday – guitars
Michael Miley – drums
Dave Beste – bass guitars


Gastmusiker:

Todd Ögren – keyboards on tracks 1-5, 7–11
Kristen Rogers and Whitney Coleman – backing vocals on tracks 1-3, 5, 7, 8 and 9
The Nashville Urban Choir – additional vocals on track 11




Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Rock


Trackliste:

1. Do Your Worst (3:30)
2. Sugar On Tthe Bone (3:02)
3. Back In The Woods (3:32)
4. Look Away (5:19)
5. Feral Roots (5:56)
6. Too Bad (4:44)
7. Stood By Me (4:05)
8. Imperial Joy (4:09)
9. All Directions (4:29)
10. End Of Forever (3:52)
11. Shooting Stars (4:20)

Gesamtspieldauer: 47:03



„Feral Roots“ heißt das sechste Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Rival Sons. Es wurde am 25. Januar 2019 auf dem Plattenlabel Atlantic Records veröffentlicht. Mit den Liedern „Do Your Worst“, „Back In The Woods“, „Feral Roots“, „Look Away“, „Too Bad“ sowie „Shooting Stars“ wurden ganze sechs Titel des Albums als Singles veröffentlicht, wobei die erste Auskopplung, „Do Your Worst“ sogar den ersten Platz der US Billboard Mainstream Rock Songs Charts erklomm.

Auf „Feral Roots“ hört man absolut eingängigen und kraftvollen Rock, der seine Ursprünge durchaus im Blues zu haben scheint, jedoch dabei rockig aus den Boxen quillt. Dazu klingen die elf Titel des Albums unfassbar entspannt und nicht zuletzt der mitreißende Gesang des Jay Buchanan und auch jener der Background-Sängerinnen Kristen Rogers und Whitney Coleman tragen mit zu dieser relaxten Atmosphäre des Albums bei. Die Melodien der Lieder funktionieren unmittelbar und sofort und rocken, sodass man gar nicht umhinkommt an der einen oder anderen Stelle mit zu wippen.

Immer wieder wird das Gehörte aufgelockert. Sei das durch den Einsatz einer Sitar, wie beim sich später zu einem wahren Rocker entwickelnden „Look Away“ oder akustische Auflockerungen, die es im anschließenden Titeltrack zu hören gibt. Und beim letzten Stück ist es gleich ein ganzer Gospel-Chor, der in das Lied einführt. Langeweile kommt da niemals auf, das Zuhören gestaltet sich durchgängig abwechslungsreich und spannend.

Ausfälle findet man auf diesem gelungenen Album keine, dafür jede Menge Höhepunkte. Die beiden gerade erwähnten Lieder „Look Away“ und „Feral Roots“ gehören sicherlich dazu, das kraftvolle „Too Bad“, das mit einem Schlagzeug-Intro startende „Back In The Woods“, was mich etwas an Led Zeppelin erinnert oder „End Of Forever“, bei dem eine Rhythmusmaschine die Einleitung übernimmt. Viel zu hören und zu entdecken gibt es somit auf „Feral Roots“, auf dem sich die Lieder qualitativ kaum unterscheiden.

Fazit: Ein sehr gelungenes Album ist den US-Amerikanern aus Long Beach, Kalifornien mit „Feral Roots“ gelungen. Die Lieder brauchen keine lange Anlaufzeit, um zu überzeugen. Sie rocken sofort und gehen dabei ohne Umwege ins Ohr. Klasse und abwechslungsreiche Musik, die jede und jeden überzeugen dürfte, die eingängigen Rock mit leichten Blues-Einschüben lieben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Feral Roots, End Of Forever



Sonntag, 7. November 2021

Black Veil Brides – The Phantom Tomorrow

 



Black Veil Brides – The Phantom Tomorrow


Besetzung:

Andy Biersack – lead vocals
Jake Pitts – lead guitar
Jeremy "Jinxx" Ferguson – rhythm guitar, backing vocals
Lonny Eagleton – bass guitar, backing vocals
Christian "CC" Coma – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Rock


Trackliste:

1. The Phantom Tomorrow (Introduction) (1:33)
2. Scarlet Cross (3:37)
3. Born Again (3:39)
4. Blackbird (3:21)
5. Spectres (Interlude) (1:12)
6. Torch (3:37)
7. The Wicked One (3:35)
8. Shadows Rise (4:56)
9. Fields Of Bone (3:19)
10. Crimson Skies (4:09)
11. Kill The Hero (3:28)
12. Fall Eternal (4:49)

Gesamtspieldauer: 41:15



„The Phantom Tomorrow“ heißt das sechste Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Black Veil Brides. Das Album erschien am 29. Oktober 2021 auf dem Plattenlabel Sumerian Records. „The Phantom Tomorrow“ ist erneut ein Konzeptalbum, in dem Andy Biersack seinen Anti-Helden „Blackbird“ in einer alternativen Realität seine Abenteuer erleben lässt.

Musikalisch startet das neue Black Veil Brides Album orchestral und führt mit fast schon klassischen Klängen in das Album ein. Doch dabei bleibt es natürlich nicht, bereits mit dem nächsten Titel bewegt sich die Musik der Black Veil Brides wieder im Bereich des Rocks. „Scarlet Cross“ wurde bereits im November letzten Jahres als Single veröffentlicht und stellt eine eingängige Rocknummer dar, die sich noch etwas im Mainstream bewegt. Und auch der nächste Titel „Born Again“ ist in diesen musikalischen Gefilden angesiedelt. Gut gemachter Rock, der schnell ins Ohr geht.

Im weiteren Verlauf des Albums werden die Lieder dann noch mal druckvoller, härter – ohne dabei diese Melodiösität zu verlieren, der ein Lied auch länger im Gehörgang verbleiben lässt. Und wenn schließlich, wie beim grandiosen „Shadows Rise“, orchestrale Instrumente mit Schlagzeug, Bass und E-Gitarre zu einem großen Ganzen verschmelzen, dann macht das Hören erst recht jede Menge Laune und man kommt gar nicht umhin mit den Füßen mit zu wippen.

Und so reiht sich auf „The Phantom Tomorrow“ Lied an Lied ohne, dass man einen Ausfall zu hören bekommt. Mich persönlich überzeugen die Lieder ein wenig mehr, die weniger im Mainstream spielen, aber das ist natürlich Geschmackssache. Abwechslungsreich klingt das Album auf alle Fälle. Orchestrale Klänge bis hin zu knallharten Stakkato-Riffs hält das Album für seine Hörerinnen und Hörer bereit, sodass hier niemals Langeweile aufkommt.

Fazit: „The Phantom Tomorrow“ von den Black Veil Brides macht Spaß und klingt spannend und abwechslungsreich. Die Lieder gehen schnell ins Ohr und die Kombination von orchestralen Instrumenten mit harten Gitarrenriffs hört sich richtig gut an. Sehr gelungen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Shadows Rise



Freitag, 5. November 2021

Jane – III

 



Jane – III


Besetzung:

Klaus Hess – guitars
Wolfgang Krantz – guitars, piano
Charly Maucher – bass, vocals
Peter Panka – drums, percussion, vocals


Label: Brain


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Comin’ Again (9:43)
2. Mother, You Don't Know Me (5:53)
3. I Need You (4:54)
4. Way To Paradise (3:29)
5. Early In The Morning (5:26)
6. Jane-Session (4:23)
7. Rock ’n‘ Roll Star (4:50)
8. King Of Thule (0:40)
9. Baby, What You‘re Doin‘ (3:08)

Gesamtspieldauer: 42:30



Wie der Name des Albums bereits aussagt, ist „III“ das dritte Studioalbum der deutschen Krautrockband Jane. „III“ erschien im Jahr 1974 ursprünglich auf dem Plattenlabel Brain. Im Jahr 2004 wurde die remasterte CD-Version des Albums auf dem Label Universal Music veröffentlicht.

Auf „III“ hört man keinen Progressive Rock, für den Jane zum Teil in ihrer Karriere auch standen. „III“ ist ein eines Rock-Album, welches sich zunächst im Bereich des Hard Rocks abspielt. Später gesellen sich auch einige balladeske Titel dazu. Selbstverständlich klingt die Scheibe von daher rockig, aber die Musik geht auch durchaus ins Ohr, ohne dort freilich allzu große Spuren zu hinterlassen. Das Album läuft so ein wenig durch und es gibt wenige Momente, die einen aufhorchen lassen. Die einzelnen Stücke wälzen ein Thema aus und Peter Panka singt dazu relativ verzweifelt – zumindest hört es sich so an.

Richtige Höhepunkte gibt es von daher auf „III“ auch nicht, dabei ist die Platte gar nicht mal schlecht und klingt nach dem Hard Rock, leicht bluesig angehaucht, der damals, in den 70ern des letzten Jahrhunderts eben angesagt war. Dies gilt für die rockigeren Stücke ebenso, wie für die Balladen wie zum Beispiel „I Need You“. Ganz am Ende der Platte steht dann noch ein sehr langweiliger Rock’n’Roll, der einen mit einem eher faden Beigeschmack aus dem Album entlässt. Um an dieser Stelle dann doch noch Höhepunkte zu erwähnen, sei das wahrlich schöne „Way To Paradise“ erwähnt, was sehr sanft eine klasse Melodie entwickelt und mit dem Space-Rock-ähnlichen „Jane-Session“ den Höhepunkt des Albums darstellt.

Fazit: Keinen Progressive Rock, dafür jede Menge Hard Rock bekommt man auf Janes drittem Album zu hören. Die Musik unterhält, stellt allerdings keinen Höhepunkt im Schaffen der Band dar und auch keinen im Genre des Hard Rocks. Insgesamt klingt das Album nach typischem Rock der damaligen Zeit. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Way To Paradise, Jane-Session



Mittwoch, 3. November 2021

Adelbert von Deyen – Nordborg

 



Adelbert von Deyen – Nordborg


Besetzung:

Adelbert von Deyen – arp odyssey synthesizer, Hohner electronic piano, farfisa organ, farfisa string-orchestra, rhythm computer, roland mixer, revox a 77 tape recorder


Label: Bureau B (ursprünglich Sky)


Erscheinungsjahr: 1979


Stil: Elektronische Musik, Ambient


Trackliste:

1. Moonrise (21:30)
2. Iceland (19:47)

Gesamtspieldauer: 41:18



Auf der Rückseite seines zweiten Albums schreibt Adelbert von Deyen: „Nordborg – ein Ort auf einer dänischen Insel Alsen, wo ich mit Freunden den Jahreswechsel 1978/79 verbrachte. Innerhalb weniger Stunden gingen über Nordeuropa ungeheure Schneestürme hinweg, die eine Rückreise für Tage unmöglich machten. Inspiriert von den bizarren Eislandschaften an der Ostseeküste und beeindruckt von der höheren Gewalt der Natur und letztlich des Universums habe ich dieses Album komponiert.“

Die Musik auf Nordberg im Bereich des Ambient angesiedelt. Auf „Moonrise“ versucht Adelbert von Deyen die Stimmung dieses eiskalten Mondaufgangs einzufangen. Synthesizer-Teppiche schweben durch den Raum, auf Rhythmus hat Adelbert von Deyen dabei verzichtet. Dafür hört man Töne, die an Möwengeschrei erinnern und den heulenden und tosenden Wind, der selbstverständlich ebenfalls dem Synthesizer entspringt.

Den Rhythmus aus dem Computer gibt es dann beim zweiten Titel „Iceland“ zu hören. Leider, muss man jedoch feststellen. Das Lied ist sehr viel dynamischer und stellt nun den Schneesturm nach, der damals über die Insel hereingebrochen ist. Obwohl diese Nummer etwas abwechslungsreicher gestaltet ist, fällt sie trotzdem gegenüber „Moonrise“ ab. Das liegt zum einen an dem wahrlich nicht gut klingenden Rhythmus-Computer und der Atmosphäre des Liedes, die dieses Mal deutlich weniger vorhanden ist, als noch beim ersten Lied auf „Nordborg“. Zwar hört man auch bei diesem Stück heulende Windgeräusche, doch in Verbindung zum Rhythmus passt das leider nicht mehr ganz so gut. Im letzten Drittel ist schließlich der Rhythmus wieder verhallt und das Lied klingt sehr viel atmosphärischer, düsterer und fängt die Kälte, die wohl damals herrschte, sehr viel besser ein.

Fazit: Ein unaufgeregtes und zum Teil atmosphärisch sehr dichtes Album ist Adelbert von Deyen mit „Nordborg“ gelungen. Die winterliche Stimmung wird dabei gut eingefangen – sobald der Rhythmus verstummt ist. Ein Album zum Entspannen und für kalte Wintertage, wenn möglich vor einem Kamin. Neun Punkte.

Anspieltipps: Moonrise



Montag, 1. November 2021

Bob Dylan – Dylan & The Dead

 



Bob Dylan – Dylan & The Dead


Besetzung:

Bob Dylan – guitar, vocals


Gastmusiker:

Jerry Garcia – guitar, vocals
Mickey Hart – drums
Bill Kreutzmann – drums
Phil Lesh – bass guitar
Brent Mydland – keyboards, vocals
Bob Weir – guitar, vocals




Erscheinungsjahr: 1989


Stil: Rock


Trackliste:

1. Slow Train (Foxborough, Massachusetts on July 4, 1987) (4:57)
2. I Want You (Oakland, California on July 24, 1987) (4:04)
3. Gotta Serve Somebody (Anaheim, California on July 26, 1987) (5:50)
4. Queen Jane Approximately (Eugene, Oregon on July 19, 1987) (6:38)
5. Joey (Foxborough, Massachusetts on July 4, 1987) (9:16)
6. All Along The Watchtower (Anaheim, California on July 26, 1987) (6:23)
7. Knockin‘ On Heaven‘s Door (Anaheim, California on July 26, 1987) (6:51)

Gesamtspieldauer: 44:03



„Dylan & The Dead“ ist ein gemeinsames Live-Album des US-amerikanischen Musikers Bob Dylan und der Band Grateful Dead, welches am 6. Februar 1989 auf dem Plattenlabel Columbia Records erschien. Auf dem Album sind sieben von Bob Dylan geschriebene und gesungene Lieder zu hören, die von Grateful Dead begleitet werden. Eingespielt wurde das Album auf einer Tour im Jahr 1987. Dabei traten The Grateful Dead sowie Bob Dylan manches Mal zusammen auf, gaben aber auch Einzelkonzerte.

Dass viele Lieder von Bob Dylan erst bei und durch die Interpretation anderer Künstler musikalisch so richtig gut wurden, weiß man schon länger. Gut hören kann man es auf „Dylan & The Dead“ zudem. Nehmen wir nur die zwei letzten Stücke des Albums, „All Along The Watchtower“ und „Knockin‘ On Heaven's Door“. Die Cover-Versionen von Jimi Hendrix und Guns ‘n‘ Roses toppen die Originale um Klassen. Ansonsten ist dieses Album eher etwas für eingefleischte Bob Dylan Fans. Ob Gateful Dead-Fans auch ihren Spaß am Album haben, darf bezweifelt werden, da sie hier nur in der interpretierenden Rolle zu hören sind.

Immerhin bekommt man die Lieder Bob Dylans hier in verlängerten Versionen zu hören, mit Soli an- und erfüllt. Das ist dann doch auch wieder eine neue Seite in der Musik des Bob Dylans. Das war es dann aber auch schon, viel mehr löst diese Platte nicht aus.

Fazit: Bob Dylan interpretiert zusammen mit The Grateful Dead Bob Dylan. Die Liedauswahl ist in Ordnung, die Titel gewinnen etwas durch längere Soli. Trotzdem reichen diese Interpretationen nicht an jene heran, die andere Musiker vorstellten. Sieben Punkte.

Anspieltipps: All Along The Watchtower



Sonntag, 31. Oktober 2021

Guano Apes – Walking On A Thin Line

 



Guano Apes – Walking On A Thin Line


Besetzung:

Sandra Nasić – vocals
Henning Rümenapp – guitars
Stefan Ude – bass
Dennis Poschwatta – drums, vocals


Gastmusiker:

Roland Peil – percussion


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2003


Stil: Alternative Rock, Nu Metal


Trackliste:

1. You Can’t Stop Me (3:11)
2. Dick (2:42)
3. Kiss The Dawn (5:19)
4. Pretty In Scarlet (4:06)
5. Diokhan (3:34)
6. Quietly (3:37)
7. High (3:23)
8. Sing That Song (3:02)
9. Scratch The Pitch (3:47)
10. Plastic Mouth (4:04)
11. Storm (3:47)
12. Sugar Skin (4:13)

Gesamtspieldauer: 44:50



„Walking On A Thin Line“ heißt das dritte Studioalbum der deutschen Band Guano Apes. Es wurde am 3. Februar 2003 auf dem Plattenlabel BMG veröffentlicht. Das Einspielen des Albums zog sich über ein Jahr hin. Das Ergebnis war anschließend allerdings ein kommerzieller Erfolg, denn das Album platzierte sich an der Spitze der deutschen Albumcharts.

Die Musik auf „Walking On A Thin Line“ klingt hart und ziemlich kompromisslos. Ein fetter Sound quillt da aus den Boxen, rockig, immer wieder das Genre Nu Metal streifend. Super eingängig sind die einzelnen Nummern dabei nicht unbedingt, doch sie rocken eben. Dabei ist die Musik der Guano Apes auf diesem Album keine, die man nebenbei hören könnte. Die Aufmerksamkeit ist da wahrlich gefragt und macht die Musik dann sogar noch interessanter und spannender.

So richtige Ohrwürmer gibt es auf „Walking On A Thin Line“ allerdings nicht zu hören. Am Eingängigsten klingt noch das Lied „Kiss The Dawn“, welches sich langsam steigert und nicht gleich losbricht, wie viele andere Lieder des Albums. Einer Zeile dieses Stücks wurde auch der Titel des Albums „Walking On A Thin Line“ entnommen. Ansonsten läuft die Platte ziemlich gleichförmig durch. Für Sängerin Sandra Nasić ist es sogar ihr Lieblingsalbum der Guano Apes. Mir persönlich ist es in seiner Gesamtheit dann aber doch etwas zu gleichförmig geraten.

Fazit: Wer auf geradlinigen Rock bis hin zum Metal steht, die oder der wird auch „Walking On A Thin Line“ mögen. Musik zum Abrocken mit Headbanging-Charakter. Die Titel klingen wie eine Einheit, mir manches mal etwas zu einheitlich. Aber sicherlich ist „Walking On A Thin Line“ kein schlechtes Album geworden. Guano Apes-Fans haben ihren Spaß. Acht Punkte.

Anspieltipps: Kiss The Dawn



Freitag, 29. Oktober 2021

Journey – Frontiers




Journey – Frontiers


Besetzung:

Steve Perry – lead vocals
Neal Schon – lead guitar, backing vocals
Jonathan Cain – keyboards, rhythm guitar, backing vocals
Ross Valory – bass guitar, backing vocals
Steve Smith – drums, percussion, backing vocals


Gastmusiker:

Randy Jackson – bass guitar on "After the Fall"




Erscheinungsjahr: 1983


Stil: Mainstream Rock


Trackliste:

1. Separate Ways (Worlds Apart) (5:23)
2. Send Her My Love (3:55)
3. Chain Reaction (4:21)
4. After The Fall (5:01)
5. Faithfully (4:27)
6. Edge Of The Blade (4:30)
7. Troubled Child (4:29)
8. Back Talk (3:17)
9. Frontiers (4:10)
10. Rubicon (4:19)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung:

11. Only The Young (from the soundtrack of "Vision Quest") (4:20)
12. Ask The Lonely (from the soundtrack of "Two Of A Kind") (3:57)
13. Liberty (2:58)
14. Only Solutions (from the soundtrack of "Tron") (3:33)

Gesamtspieldauer: 59:14



„Frontiers“ heißt das achte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Journey. Es erschien am 1. Februar 1983 auf dem Plattenlabel Columbia Records. Nach diesem Album verließ Bassist Ross Valory die Band und wurde schließlich 1996 beim Einspielen des Albums „Trial By Fire“ wieder Mitglied bei Journey. „Frontiers“ verkaufte sich überaus erfolgreich und kletterte in den US Billboard 200 Charts bis auf Platz 2. In Deutschland erreichte die Platte Platz 30 der Albumcharts. Auch die vier ausgekoppelten Singles „Separate Ways (Worlds Apart“, „Faithfully“, „After The Fall“ sowie „Send Her My Love“ konnten sich in den USA allesamt in den Charts platzieren.

Journey erkennt man ziemlich schnell und gut am Sound der Band. Die Stimme des Steve Perry in Verbindung zur rockigen Musik, die immer einen gewissen, gleichen Einschlag aufweist, das ist ziemlich unverwechselbar. Journey gehen bei ihrer Musik keine Experimente ein, das Erfolgsrezept des Mainstream Rocks funktionierte gut. Und dazu gesellt sich eben noch der Umstand, dass die Band durchaus ein Gefühl für die eingängige Melodie besitzt. Unabhängig ob Ballade oder Rocker, die Musik geht ins Ohr.

Die auf der remasterten Version des Albums enthaltenen zusätzlichen Stücke fallen dagegen auch nicht ab. Zwei der Nummern dieser Bonus-Tracks, „Ask The Lonely“ und „Only The Young“, waren sowieso für das Album vorgesehen gewesen und wurden erst im letzten Moment durch „Back Talk“ und „Troubled Child“ ersetzt. Somit hält man mit „Frontiers“ ein Album in Händen, auf dem sich inzwischen fast eine Stunde eingängiger Mainstream befindet. Für Fans dieses Genres natürlich eine klasse Scheibe. Für mich ist der Höhepunkt des Albums gleich das erste Lied, „Separate Ways (Worlds Apart)“. Elektronischer Beginn und dann ein kraftvoller Rocker, bei dem man sogar das Haupthaar ordentlich durchschütteln kann. Und die Melodie ist natürlich auch wieder eingängig.

Fazit: Journey klingen ziemlich unverwechselbar. Eingängiger, US-amerikanischer Mainstream Rock, der auf allen 80er-Jahre-Radiostationen läuft. Für mich klingt das heute nicht mehr sonderlich unterhaltsam. Aber auch in den 80er Jahren war Journey keine Lieblingsband von mir. Bis auf die Hits der Band, die man immer wieder hört, finde ich das alles sehr austauschbar. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Separate Ways (Worlds Apart)



Mittwoch, 27. Oktober 2021

Cheap Trick – Lap Of Luxury

 



Cheap Trick – Lap Of Luxury


Besetzung:

Robin Zander – lead vocals, rhythm guitar
Rick Nielsen – lead guitar, backing vocals
Tom Petersson – bass guitar, backing vocals
Bun E. Carlos – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 1988


Stil: Rock


Trackliste:

1. Let Go (4:28)
2. No Mercy (3:57)
3. The Flame (5:40)
4. Space (4:16)
5. Never Had A Lot To Lose (3:23)
6. Don’t Be Cruel (3:11)
7. Wrong Side Of Love (4:02)
8. All We Need Is A Dream (4:22)
9. Ghost Town (4:13)
10. All Wound Up (4:45)

Gesamtspieldauer: 42:21



„Lap Of Luxury“ sollte so etwas wie ein Comeback-Album für Cheap Trick werden, da die vorherigen Veröffentlichungen kommerziell alle gefloppt waren. Mit Bassist Tom Petersson hatte der ursprüngliche Bassist zwar wieder zu Cheap Trick zurückgefunden, die Plattenfirma Epic Records bestand allerdings darauf, dass die Band nun mit externen Komponisten zusammenarbeiten sollte, um Cheap Trick wieder in die Erfolgsspur zurück zu führen. Und genau das passierte auch. Das Album platzierte sich in den US Billboard 200 Charts auf Platz 16, die ausgekoppelte Ballade „The Flame“ wurde sogar ein Nummer-1-Single-Hit.

Neben dem einigermaßen kommerziellen Erfolg des Albums waren Cheap Trick nun endgültig zu einer Mainstream Band mutiert, die noch mehr auf die musikalischen Vorlieben der jungen, männlichen US-amerikanischen Hörergemeinschaft setzte. Kurz gesagt, Cheap Trick klangen austauschbar und wenn man die Scheibe heute hört, wird es noch langweiliger. Auf „Lap Of Luxury“ erklingen zehn Titel ohne Ecken und Kanten, die zum Teil sogar auch noch poppig angehaucht sind. Diese sind zwar eingängig, trotzdem bleiben sie jedoch nicht hängen, da sie sich zumeist langweilig, wenn nicht sogar belanglos anhören. Die Refrains sind mitsingbar und wenn man eine Rock-Party veranstaltet kann man immerhin mit dieser Musik nichts großartig falsch machen, um ein paar „Rocker“ auf der Tanzfläche zu halten.

Spaß machte Cheap Trick diese Musik selbst allerdings auch nicht besonders, wie Gitarrist Rick Nielsen später mal in einem Interview äußerte und machte die Mitkomponisten dafür verantwortlich. Nun, bis auf die Elvis Presley Nummer „Don’t Be Cruel“, logischerweise ein Rock’n‘Roll, spielt der ganze Rest des Albums auf der Mainstream Bühne. Als Höhepunkt der Platte würde ich dann auch den Single-Hit „The Flame“ benennen, da dieser als Ballade eine weitere musikalische Ausnahme darstellt und durchaus melodiös ins Ohr geht. Und dann erwähne ich an dieser Stelle auch noch das Lied „All We Need Is A Dream“. Die Melodie ist bei diesem Stück dann sogar noch etwas besser gelungen und verfängt sich längerfristig im Ohr.

Fazit: Die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts waren für alle Hörerinnen und Hörer, die etwas Wert auf Anspruch in der Musik setzten, eine nicht ganz leichte Zeit. Viele Bands verfielen völlig diesem Mainstream Sog oder mutierten zu Pop-Formationen. Cheap Trick bewegen sich auf „Lap Of Luxury“ im Bereich des Mainstreams mit poppigen Einsprengseln. Glatte Musik, ohne das Besondere. Sechs Punkte.

Anspieltipps: The Flame, All We Need Is A Dream



Montag, 25. Oktober 2021

Lana Del Rey – Blue Banisters

 



Lana Del Rey – Blue Banisters


Besetzung:

Lana Del Rey – vocals (all tracks), horn arrangement (3, 6), string arrangement (3)


Gastmusiker:

Gabe Simon – piano (1, 2), acoustic guitar, background vocals, bass, drum programming, guitar, keyboards, percussion, sound effects, synth bass (1), organ (2)
Melodye Perry – background vocals (1, 10)
Greg Leisz – baritone guitar, pedal steel (1)
Griffin Goldsmith – drums (1, 5)
Darren Weiss – drums (1, 10), percussion (10)
Jacob Braun – cello (3, 8)
Drew Erickson – horn arrangement (3, 6), organ (3), piano (3, 6–8, 15), string arrangement, synthesizer (3, 8), drum programming (4, 6), keyboards (5), bass, drums, mellotron (6), moog bass (6, 8), conductor (8), rhodes (14, 15)
Dan Fornero – trumpet (3, 6)
Wayne Bergeron – trumpet (3, 6)
Dan Rosenboom – trumpet (3, 6)
Blake Cooper – tuba (3, 6)
Zach Dellinger – viola (3, 8)
Andrew Bulbrook – violin (3, 8)
Wynton Grant – violin (3, 8)
Zachary Dawes – bass (5, 9), synth bass (5), keyboards (9), höfner bass, piano (10)
Dean Reid – drum programming (5), acoustic guitar (6, 10)
Benji Lysaght – electric guitar (5, 10)
Cian Riordan – synth bass (5)
Loren Humphrey – drums (6, 9, 10), percussion (10)
Tyler Parkford – keyboards (9)
Miles Kane – vocals (9)
Evan Weiss – acoustic guitar, electric guitar (10)
Lisa Stone – background vocals (10)
Táta Vega – background vocals (10)
Owen Pallett – string arrangement, viola, violin (10)
Mike Dean – keyboards (11)
Barrie-James O'Neill – guitar (12, 13), piano (12–14)
Rick Nowels – piano (14)
Robert Grant Jr. – piano (15)


Label: Polydor


Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Pop


Trackliste:

1. Text Book (5:04)
2. Blue Banisters (4:53)
3. Arcadia (4:23)
4. Interlude – The Trio (1:15)
5. Black Bathing Suit (5:18)
6. If You Lie Down With Me (4:25)
7. Beautiful (3:35)
8. Violets For Roses (4:15)
9. Dealer (4:34)
10. Thunder (4:19)
11. Wildflower Wildfire (4:47)
12. Nectar Of The Gods (4:19)
13. Living Legend (4:01)
14. Cherry Blossom (3:17)
15. Sweet Carolina (3:23)

Gesamtspieldauer: 1:01:56



Nachdem Lana Del Rey bereits am 19. März dieses Jahres ihr siebtes Studioalbum „Chemtrails Over The Country Club“ veröffentlichte, folgt lediglich ein gutes halbes Jahr später gleich die Nummer 8 unter dem Titel „Blue Banisters“. Das Album hatte die US-amerikanische Sängerin sogar bereits für den Sommer, ursprünglich unter dem Titel „Rock Candy Sweet“ angekündigt gehabt. Jetzt am 22. Oktober war es dann endlich soweit. Fünfzehn neue Lieder der Lana Del Rey, die überwiegend ganz im Stile ihrer bisherigen Musik gehalten sind.

Und das ist keineswegs langweilig oder man hat das Gefühl, alles schon mal gehört zu haben. Auf „Blue Banisters“ erweitert Lana Del Rey ihren Liedkatalog und wer bereits ihre vorherigen Alben mochte, die oder der wird auch auf „Blue Banisters“ jede Menge Musik für sich finden. Dieser wunderschöne und so gefühlvolle Gesang der Lana Del Rey in Verbindung zu dieser zarten, mitunter fast schon zerbrechlich wirkenden Instrumentierung, lässt einen ganz schnell in eine andere Welt eintauchen. Die Lieder klingen allesamt eingängig und sind mit Melodien ausgestattet, die sofort das Ohr umschmeicheln und sich darin festsetzen. Langweilig klingt das nie, immer jedoch einnehmend und einfach schön.

Mit dem kurzen Titel „Interlude – The Trio“, ein Lied, welches Ennio Morricone für den Italo-Western „The Good, The Bad And The Ugly“ (auf Deutsch „Zwei glorreiche Halunken“) geschrieben hat, lockert Lana Del Rey das Album auf. Auch das Lied „Dealer“, an dessen Entstehung unter anderem auch der englische Musiker Miles Kane mitgewirkt hat, fällt musikalisch etwas aus dem Rahmen. In diesem leicht psychedelisch angehauchten Lied klingt Lana Del Rey nicht verträumt und sehnsüchtig, sondern verzweifelt und verloren, ganz dem Inhalt des Liedes angepasst.

Dies sind die beiden Ausnahmen auf „Blue Banisters“. Ansonsten hört man ein trauriges, düsteres Klavier oder eine gezupfte Gitarre, zu denen Lana Del Rey ihre Texte wundervoll gefühlvoll einsingt, die sich viel mit ihrer Umgebung und ihrem Leben beschäftigen. Manchmal ernst, mitunter leicht ironisch. Das Album endet mit dem Lied „Sweet Carolina“, welches sie zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Vater geschrieben hat. Ein würdiger Abschluss für ein wunderschönes Album.

Fazit: Wer die Musik der Lana Del Rey bisher mochte, wird auch „Blue Banisters“ mögen. Verträumte und intensive, eingängige und melodiöse, sanfte und unaufgeregte Lieder, die einen ganz in die musikalische Welt der Lana Del Rey eintauchen lassen. Mir gefällt das sehr, was ich hier zu hören bekomme und auch, wenn diese Platte bereits das zweite Album innerhalb kürzester Zeit ist, so scheinen Lana Del Rey die Ideen nicht auszugehen. Und das ist sehr schön. Elf Punkte.

Anspieltipps: Black Bathing Suit



Samstag, 23. Oktober 2021

Dream Theater – A View From The Top Of The World

 



Dream Theater – A View From The Top Of The World


Besetzung:

James LaBrie – vocals
John Petrucci – guitar
Jordan Rudess – keyboards
John Myung – bass
Mike Mangini – drums




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Progressive Rock, Progressive Metal


Trackliste:

1. The Alien (9:32)
2. Answering The Call (7:35)
3. Invisible Monster (6:30)
4. Sleeping Giant (10:04)
5. Transcending Time (6:24)
6. Awaken The Master (9:47)
7. A View From The Top Of The World (20:23)

Gesamtspieldauer: 1:10:18



Ganz einfach war die Entstehungsgeschichte zu „A View From The Top Of The World“ wohl zuerst nicht, doch dann erwies sich eine zuvor eingeleitete Maßnahme als geradezu ideal, um doch etwas „problemloser“ Alben veröffentlichen zu können – selbst in Pandemiezeiten. Für das Jahr 2019 hatten Dream Theater eine ausverkaufte Tournee zur Unterstützung des im selben Jahr erschienen Albums „Distance Over Time“ und dem 20-jährigen Jubiläum von „Metropolis Pt. II - Scenes From A Memory“ geplant, die sich bis weit ins Jahr 2020 erstrecken sollte. Doch diese globale Pandemie durchkreuzte die Pläne der Band und die Tournee musste abgebrochen werden. Die Musiker fanden sich also zu Hause wieder, LaBrie in Kanada und der Rest der Gruppe in den USA. Doch keiner der Musiker wollte zu Hause untätig herumsitzen. Und wie es das Schicksal so wollte, hatten sie gerade den Bau des Dream Theater Headquarters abgeschlossen. Dies ist eine Kombination aus Live-Aufnahmestudio, Proberaum, Kontrollraum, Lagerraum für Equipment und eben viel Platz um den kreativen Schüben freien Lauf zu lassen. Somit schlug der weltweite Lockdown bei Dream Theater jetzt nicht ganz so hart zu wie bei anderen Bands. Und auch wenn James LaBrie zum Einsingen der Lieder nach Betreten der USA erst mal in Quarantäne musste, so konnte das Album trotzdem, ohne weitere Komplikationen, fertiggestellt werden.

Als ich nun das neue Dream Theater Album „A View From The Top Of The World“ zum ersten Mal hörte, war ich alles andere als überrascht. Dream Theater segeln musikalisch inzwischen durch ihren eigenen Kosmos und man hört Progressive Metal, der eben nach Dream Theater klingt, ohne dabei großartige Experimente zu vollführen. Das braucht die Band auf ihrem inzwischen fünfzehnten Studioalbum auch nicht zu machen, denn dass, was man auf „A View From The Top Of The World“ zu hören bekommt, klingt alles andere als langweilig oder gar abgestanden.

Dream Theater stehen auch auf „A View From The Top Of The World“ für Progressive Metal, abwechslungsreich und spannend. Die harten und schweren Riffs wechseln sich mit sanften Passagen ab, frickelige Abschnitte gehen in wunderbar eingängige Stellen über, und dass die Band das Spiel mit den Atmosphären perfekt versteht, hat sie bereits bei vielen vorherigen Veröffentlichungen gezeigt. Dieses Wechselspiel aus unterschiedlichen Stimmungen wird gerade bei den Longtracks des Albums bis fast zur Perfektion etabliert. Dabei klingen die einzelnen Stücke allesamt eingängig, ganz egal wie schnell die Riffs oder Keyboardläufe vorgetragen werden.

Auf „A View From The Top Of The World“ befindet sich keine Ballade. Trotzdem gibt es diese balladesken Momente, die dann sogar noch intensiver in den einzelnen Titeln wirken, gut verpackt zwischen Metal-Parts oder auch mal frickeligen Abschnitten. Dabei klingen die einzelnen Stücke wie musikalische Einheiten, nicht konstruiert, sondern gewachsen. Ergänzt wird dieser Eindruck durch den Sound des Albums, der keine Wünsche übrig lässt.

Das Album mündet im Titeltrack, der auf über zwanzig Minuten nochmals alles vereint, was Dream Theater bereits in den vorherigen Liedern musikalisch zelebrierten. Das Lied startet symphonisch und mäandert durch verschiedene Passagen, die sich auflösen, um später erneut, leicht verändert wieder zu erklingen. Jedes Bandmitglied bekommt hier seinen Platz und Raum, um sich musikalisch und kreativ entfalten und entsprechend einbringen zu können. Eine spannende und immer wieder überraschende Reise durch die Klangwelt von Dream Theater im Jahr 2021.

Fazit: „A View From The Top Of The World“ stellt einen weiteren, überzeugenden Höhepunkt im Schaffen der Band dar. Seit den 80er Jahren feiern Dream Theater das Genre Progressive Metal wie kaum eine andere Band und erfüllen es immer wieder neu mit Leben. Und das macht definitiv Spaß. Besonders sogar auf „A View From The Top Of The World“. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: A View From The Top Of The World



Donnerstag, 21. Oktober 2021

Molybaron – The Mutiny

 



Molybaron – The Mutiny


Besetzung:

Gary Kelly – vocals, guitar
Steven Andre – guitar
Sebastien de Saint-Angel – bass
Camille Greneron – drums


Gastmusiker:

Whitfield Crane – vocals (Twenty Four Hours)




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Alternative Metal, Progressive Metal


Trackliste:

1. Animals (5:23)
2. Lucifer (3:23)
3. Amongst The Boys And The Dead Flowers (4:14)
4. Prosperity Gospel (4:15)
5. The Lighthouse (4:37)
6. Slave To The Algorithm (4:51)
7. Something For The Pain (4:09)
8. The Hand That Feeds You (4:10)
9. Twenty Four Hours (4:55)
10. Ordinary Madness (4:44)

Gesamtspieldauer: 44:45



Gegründet wurde Molybaron im Dezember 2014 durch den irischen Sänger und Gitarristen Gary Kelly und den französischen Gitarristen Steven Andre. Im Jahr 2017 erschien dann das erste, selbstbetitelte Studioalbum „Molybaron“. Jetzt folgt mit „The Mutiny“ am 29.10. das zweite Werk der Band auf dem Plattenlabel InsideOut Music. Dabei war die Platte bereits am 21. Mai 2021 im Eigenverlag veröffentlicht worden. Die Band scheint mit ihrem Album anscheinend viel Eindruck zu hinterlassen.

Und den hinterlässt sie wahrlich. Legt man „The Mutiny“ auf, begibt man sich auf einen dreiviertelstündigen musikalischen Trip, der irgendwo zwischen Alternative Metal und Progressive Metal angesiedelt ist. Gleich mit dem Opener „Animals“ wissen Molybaron zu begeistern. Ein elektronischer Beginn und wenige Akkorde später bricht das Gitarrengewitter über einen herein. Kraftvoll und konsequent und dazu im weiteren Verlauf noch mit einer eingängigen Melodie ausgestattet. Alle Instrumente verstehen es das Lied voran zu treiben. Gitarre, Bass und das Schlagzeug scheinen eine schier unzertrennliche Einheit zu bilden. Dazu gesellt sich der sehr variantenreiche Gesang des Gary Kelly. Sehr überzeugend zum Beispiel beim Lied „Prosperity Gospel“ zu hören, bei dem er auch mal die höheren Tonlagen bedient.

Doch bei dem Opener bleibt es nicht. Molybaron transportieren diesen musikalischen Ansatz über das gesamte Album hinweg. Treibende, rockende, harte Musik, die immer wieder durch kleinere Gimmicks aufgelockert wird. Sei es beim Gesang, dem Rhythmus, der auch krumme Takte wie selbstverständlich zulässt und dem Spiel mit den Atmosphären und Stimmungen. Kurze, sanfte und akustische Passagen leiten viele rockige Momente ein – oder wechseln sich mit diesen ab. Niemals klingt „The Mutiny“ auch deswegen langweilig.

Und ich gebe es gerne zu, Musik gefällt mir häufig besser, wenn sie mir auch ins Ohr geht, wenn mich die Melodiebögen mit einfangen. Und das schaffen Molybaron auf „The Mutiny“ in meinem Fall fortlaufend. Diese durchaus in der Musik enthaltende Aggressivität gepaart mit eingängigen Melodien, das hat was. Und das beginnt beim mitreißenden Opener „Animals“ und endet erst, wenn das Album mit „Ordinary Madness“ schließlich ganz langsam und verträumt ausklingt.

Fazit: „The Mutiny“ von Molybaron ist ein klasse Metal-Album geworden. Die Musik bewegt sich dabei irgendwo zwischen Alternative Metal und Progressive Metal. Wer auf Headbanging steht sollte eine Gehirnerschütterungsversicherung abgeschlossen haben. Rhythmus, Tempo und packende Melodien werden auf dem Album zu einer Einheit verwoben, die jede Menge Spaß macht. Elf Punkte.



Dienstag, 19. Oktober 2021

Premiata Forneria Marconi – Ho Sognato Pecore Elettriche / I Dreamed Of Electric Sheep

 



Premiata Forneria Marconi – Ho Sognato Pecore Elettriche / I Dreamed Of Electric Sheep


Besetzung:

Franz Di Cioccio – lead vocals, drums
Patrick Djivas – bass, keyboards
Marco Sfogli – electric & acoustic guitars, choir
Lucio Fabbri – violin, viola, choir
Alessandro Scaglione – keyboards, piano, choir
Alberto Bravin – keyboards, acoustic guitar, backing vocals, choir


Gastmusiker:

Ian Anderson – flute
Steve Hackett – electric guitar
Flavio Premoli – minimoog
Luca Zabbini – hammond organ, piano, minimoog




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Art Rock, Pop, Fusion


Trackliste:

CD1 (Italienische Ausgabe): 

1. Mondi paralleli (3:17)
2. Umani alieni (4:55)
3. Ombre amiche (4:06)
4. La grande corsa (5:01)
5. AtmoSpace (4:23)
6. Pecore elettriche (4:09)
7. Mr. Non Lo So (3:48)
8. Il respiro del tempo (6:19)
9. Transumanza (1:05)
10. Transumanza Jam (3:40)

CD2 (Englische Ausgabe):

1. Worlds Beyond (3:17)
2. Adrenaline Oasis (4:55)
3. Let Go (4:06)
4. City Life (5:01)
5. If I Had Wings (4:23)
6. Electric Sheep (4:09)
7. Daily Heroes (3:48)
8. Kindred Souls (6:19)
9. Transhumance (1:05)
10. Transhumance Jam (3:40)

Gesamtspieldauer CD1 (40:49) und CD2 (40:49): 1:21:88



Ich kenne Premiata Forneria Marconi von ihren ersten drei Alben „Storia Di Un Minuto“, „Per Un Amico“ und „L‘Isola di Niente“ aus den Jahren 1972 bis 1974. Grandiose Progressive-Rock-Scheiben, die auch bald fünfzig Jahre nach ihrer Veröffentlichung nichts von ihrer Klasse und ihrem Reiz verloren haben. Umso gespannter war ich auf das aktuelle Werk der Italiener, welches am 22. Oktober auf dem Plattenlabel InsideOut Music erscheint.

Von der ursprünglichen Besetzung der Band ist lediglich Schlagzeuger Franz Di Cioccio übriggeblieben, der sich inzwischen auch als Lead-Sänger einbringt. Wie bei den letzten Veröffentlichungen auch, so erscheint „Ho Sognato Pecore Elettriche“ beziehungsweise „I Dreamed Of Electric Sheep“ ebenso in Form einer Doppel-CD, bei der man einmal die italienische Version, einmal die englische Version des Albums zu hören bekommt. Musikalisch absolut identisch, nur bezüglich der Sprache des eingesungenen Textes unterschiedlich.

Und wie sieht es nun musikalisch verglichen mit den Anfängen der Band aus? Ist das noch Progressive Rock, was man auf „Ho Sognato Pecore Elettriche“ zu hören bekommt? Nun, teilweise ist das immerhin noch so. Irgendwie scheinen sich die Italiener besonders zu Beginn und gegen Ende des Albums an ihre musikalischen Wurzeln erinnert zu haben. Denn genau da klingen Premiata Forneria Marconi noch am stärksten progressiv und überhaupt am Überzeugendsten. Die Titel in der Mitte des Albums bewegen sich dagegen eher im Bereich des Mainstream Rocks oder gar des Pops. Und das Lied „Ombre amiche“ beziehungsweise „Let Go“ erinnert gar ein wenig an italienischen Schlager. Das zerrt durchaus an den Nerven der geneigten Hörerinnen und Hörer, die mit Premiata Forneria Marconi völlig andere Musik verbinden.

Dass „If I Had Wings“ vorab als Single veröffentlicht worden ist, kann ich dagegen durchaus nachvollziehen. Zwar ist diese Nummer auch kein Progressive Rock mehr, jedoch geht das Lied aufgrund seiner Melodie ins Ohr. Pop bleibt es natürlich trotzdem. Der Beginn des Albums lässt einen dagegen auf etwas völlig anderes hoffen. „Worlds Beyond“ beginnt mit klassischen Tönen und rockt schließlich mitreißend. Für mich bereits der Höhepunkt der ganzen Platte. Dem Lied schließt sich das zunächst sanfte und verträumt klingende „Adrenaline Oasis“ an. Langsam steigert sich die Nummer und weiß ebenfalls zu überzeugen. Dann schließt sich dieser ominöse Mittelteil des Albums an, der mich kaum zu packen weiß. Mitunter ganz nette Melodien, doch poppigen Rock bekommt man pausenlos serviert und dieser hier stellt nicht den Höhepunkt dieses Genres dar.

Mit „Transhumance Jam“ und dem vorangestellten „Transhumance“ wird das Album schließlich beschlossen. Bei diesen zwei Instrumentalnummern klingen Premiata Forneria Marconi nun wieder progressiv, aggressiv und einfach mitreißend. Wahrlich hätte ich mir mehr solcher Stücke auf „Ho Sognato Pecore Elettriche“ beziehungsweise „I Dreamed Of Electric Sheep“ gewünscht. So bleiben ein toller Einstieg und ein ebenso gelungener Ausstieg aus dem Album.

Fazit: Dass Premiata Forneria Marconi immer noch progressiven Rock spielen können, das beweisen die Italiener zu Beginn und am Ende ihres neuen Albums. Dazwischen spielt sich die Platte im Bereich des poppigen Rocks ab, der dann deutlich weniger begeistert. Aufgrund des Ein- und Ausstiegs ist „I Dreamed Of Electric Sheep“ allerdings immer noch ein hörenswertes Album, welches an verschiedenen Stellen gut unterhält. Neun Punkte.

Anspieltipps: Worlds Beyond, Transhumance Jam