Freitag, 15. März 2013

Sølyst – Lead




Sølyst – Lead


Besetzung:

Thomas Klein – alle Instrumente


Label: Bureau B


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Electronische Musik


Trackliste:

1. Pierbourg (7:16)
2. Glass Danger (5:10)
3. Polar (4:53)
4. Lead (2:15)
5. Magellan (5:00)
6. Melancholia (5:20)
7. Spiegel (4:28)
8. Kristall (2:16)
10. Schnee (5:43)

Gesamtspieldauer: 42:21




Sølyst nennt sich das Soloprojekt von Thomas Klein. Er ist Schlagzeuger von Kreidler, und eigentlich machen Schlagzeuger ihr Ding und gut ist. Aber bei Thomas Klein ist das anders. Er zeigt gerade mit Sølyst, was ein Drummer alles machen kann. Sein erstes Album war bereits ein schwer beeindruckendes Werk. Nun legt er mit “Lead” die zweite Platte nach. Und hier geht er einen Schritt weiter. Dieses Album ist noch tiefer, dunkler, komplexer, hypnothischer.

In Kalifornien ist es Nacht, zwei Glas Wein, dazu dieser Sound, eine wilde, stürmische Klangreise beginnt. Man folgt diesem Sound, lässt sich darauf ein. Links ein Lautsprecher, rechts ein Lautsprecher direkt neben dem Schreibtisch, man wird ergriffen von der Musik. Trommeln, undefinierbare Sounds. Kurz vorher habe ich noch über den Ost-Kongo gelesen, wo ich vor ein paar Wochen war. Thomas Klein fängt diese Stimmung, die ich dort erlebt habe, in seiner Musik ganz unbewusst ein. Ich könnte hier und jetzt die Augen schließen, in Gedanken durch Goma laufen, die Flüchtlingslager am Rande der Stadt besuchen, mit den Moped-Taxis über die Lavasteinpisten hoppeln oder von dieser Millionenstadt Richtung Osten an die ugandische Grenze fahren, vorbei an schwerbewaffneten Milizen, an spielenden Kindern, an Menschen, die auf Feldern arbeiten….

„Lead” wäre für mich der perfekte Soundtrack dieser einzigartigen Landschaft, dieser tiefen und bewegenden Eindrücke, dieses unbeschreiblichen Elends.

Fazit: “Lead” von Sølyst, ein einzigartiges und höchst empfehlenswertes Album.




Donnerstag, 14. März 2013

The Doors – Strange Days




The Doors – Strange Days


Besetzung:

Jim Morrison – lead vocals, percussion, moog synthesizer (track 1)
Ray Manzarek – vox continental organ, fender rhodes piano bass (tracks 4, 10), harpsichord (track 3), backwards piano (track 4), marimba (track 9), backing vocals
Robby Krieger – guitar, backing vocals
John Densmore – drums


Gastmusiker:

Douglas Lubahn – bass guitar (tracks 1, 2, 3, 6, 7, 8, 9)


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1967


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Strange Days (3:09)
2. You're Lost Little Girl (3:03)
3. Love Me Two Times (3:17)
4. Unhappy Girl (2:00)
5. Horse Latitudes (1:35)
6. Moonlight Drive (3:04)
7. People Are Strange (2:12)
8. My Eyes Have Seen You (2:30)
9. I Can't See Your Face In My Mind (3:27)
10. When The Music's Over (10:59)

Gesamtspieldauer: 35:17




Lediglich acht Monate nach dem Debut wurde bereits im September 1967 das zweite Album der Doors unter dem Titel „Strange Days“ veröffentlicht. Die ganze Platte ist angeblich angefüllt mit Song-Material, welches fast alles bereits beim Debut zur Verfügung stand, dort jedoch nicht zum Einsatz kam. Auch gibt es bezüglich „Strange Days“ jene etwas verwunderliche Situation, dass aus dem Umfeld der Band immer wieder verlautete, dass es sich mit „Strange Days“ um das beste Album der Band handelt. Verkaufstechnisch ist es allerdings das schwächste der sechs Alben, welche die Doors zu Lebzeiten Jim Morrisons aufnahmen. Das heißt jetzt allerdings auch nicht so viel, denn erfolgreich war auch dieses zweite Album der Band.

Nun, was stimmt jetzt aber? Das beste Album oder doch eher die schwächste Platte? Wie so oft natürlich Geschmackssache. Festzuhalten ist, dass sich auf dem Album kein Single-Hit befindet, der wurde einfach nicht ausgekoppelt. Das, was hier aber zu hören ist, ist erneut sehr bewegend und intensiv. Die Texte des Jimmy Morrison sind wieder sehr eindringlich und behandeln jede Menge menschliche Gefühle und Situationen wie zum Beispiel Liebe, Tod, Trauer und Verlustängste.

Es wird mehr experimentiert auf „Strange Days“. Der Song „Horse Latitude“ hätte zum Beispiel auf den Opener überhaupt nicht gepasst. Dieses, fast schon eine Soundkollage zu nennende Stück, wirkt hier jedoch auf der zweiten Platte. Ebenfalls das anschließende „Moonlight Drive“ ist sehr viel schräger, als jene Titel, die auf „The Doors“ zu finden sind. Insgesamt ist die Musik auf „Strange Days“ deutlich weniger eingängig, als noch auf dem Debut Album. Die Stimmung, die Atmosphäre ist davon nicht betroffen. Auch „Strange Days“ klingt traurig, melancholisch, manchmal auch verzweifelt. Allerdings ohne diese Übersongs, die diesen absoluten Wiedererkennungswert vereinnahmen. Am ehesten schafft dies noch das letzte Stück, der Longtrack und irgendwie auch das eindrucksvollste Lied der Platte: „When The Music's Over“. Dieses Lied wirkt noch ein wenig mehr und setzt sich durchaus im Musikzentrum des Gehirns fest. Besonders gelungen an diesem Song ist die Abwechslung, diese fordernde wie zurückhaltende Stimmung der Nummer, im Verlauf derer Jim Morrison mitunter alles herausbrüllt, ein anders Mal seine Worte ganz sanft akzentuiert. Wahrlich sehr gelungen.

Fazit: Was für das erste Album der Doors galt, das gilt auch für die zweite Platte der Band: Diese Musik ist auch heute noch zeitgemäß. „Strange Days“ ist nicht so eingängig wie „The Doors“, zudem sind auf der Platte diese „Übersongs“ rarer gesät. Mir geht es in der Musik immer um das Besondere und auch das musikalisch Eingängige ist bei mir sehr willkommen. Das gibt es hier jetzt auf „Strange Days“ allerdings deutlich weniger. Trotzdem ist die Platte gut und lohnenswert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Strange Days, You're Lost Little Girl, People Are Strange, I Can't See Your Face In My Mind, When The Music's Over





Mittwoch, 13. März 2013

Me And My Drummer – The Hawk, The Beak, The Prey




Me And My Drummer – The Hawk The Beak The Prey


Besetzung:

Charlotte Brandi – Gesang, Keyboard, Piano
Matze Pröllochs – Schlagzeug


Label: Sinnbus


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Dream Pop


Trackliste:

1. Phobia (3:57)
2. Rain Kids (3:48)
3. You're a Runner (3:24)
4. Mother Shell (5:35)
5. Don't Be So Hot (3:06)
6. The Wings (4:06)
7. Down My Couch (2:34)
8. Heavy Weight (4:36)
9. So Foreign (5:43)
10. Runner (Reprise) (3:28)

Gesamtspieldauer: 40:17




“Die Musik lässt sich den Genres Indie, Dream Pop und Pop zuordnen”, heißt es auf Wikipedia… Dream Pop? Noch nie von gehört. Pop? Na ja…. und Indie, also, was ist Independent? Die drei Begriffe beschreiben ME AND MY DRUMMER eigentlich gar nicht. Sowieso nerven solche Genreeinordnungen nur. Nun habe ich endlich “The Hawk, The Beak, The Prey” vorliegen, ein beeindruckendes Album. Ganz klar, ganz einfach, ganz minimalistisch. Und doch voller Tiefe, Emotionalität, Komplexität. Es ist schlichtweg wunderschöne Musik, die das Duo, wohnhaft in Berlin, da mit geradlinigen Zügen entstehen lässt. Immer ein bisschen melancholisch, verträumt, nachdenklich.

ME AND MY DRUMMER sind für mich die Neuentdeckung dieser Tage, ihre Platte läuft rauf und runter, ich greife immer wieder darauf zurück. Die beiden kennen sich wohl schon länger, haben sich am Landestheater Tübingen kennengelernt. Und diese Verbundenheit spürt man richtig in ihrer Musik. Da sind die Songs nicht einfach geschrieben, aufgenommen und veröffentlicht. Das ist vielmehr ein Ausbruch von dem, was man lange mit sich herumgetragen hat. Eine wunderbare Ergänzung zweier junger Musiker, die sich gefunden haben.

Fazit: Höchst empfehlenswert, 13 Punkte.




 

Dienstag, 12. März 2013

Alexandra – Mein Freund der Baum




Alexandra – Mein Freund der Baum


Besetzung:

Alexandra – Gesang, Gitarre


Gastmusiker:

Keine Angaben, waren wahrscheinlich auch ewig viele verschiedene Studiomusiker.


Label: Mercury


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Deutscher Schlager


Trackliste:

1. Erstes Morgenrot (3:22)
2. Grau zieht der Nebel (2:43)
3. Schwarze Balalaika (3:10)
4. Sehnsucht (Das Lied der Taiga) (2:56)
5. Walzer des Sommers (3:29)
6. Weißt du noch? (2:47)
7. Zwei Gitarren (3:37)
8. Mein Freund, der Baum (3:42)
9. Zigeunerjunge (3:10)
10. Akkordeon (2:35)
11. Illusionen (2:58)
12. Was ist das Ziel? (3:14)
13. Der Traum vom Fliegen (3:54)
14. Die Zärtlichkeit (2:20)

Gesamtspieldauer: 43:55




Na, jetzt wage ich hier aber mal was. Deutscher Schlager auf diesen Seiten? Das passt doch irgendwie gar nicht! Doch, passt schon, denn ich sehe mir meine Platten und CD’s durch und dann passiert es eben, egal ob ich das selbst gekauft oder geschenkt bekommen habe, irgendwann wird das hier erwähnt - wenn mir gerade der Sinn danach steht. Und genau das ist eben gerade passiert, als ich diese Alexandra-CD in Händen hielt. Und jetzt kommt’s: Dieses Album habe ich nicht geschenkt bekommen, das habe ich mir schon selbst gekauft!

Ich habe allerdings keinerlei Erinnerungen an Alexandra, denn als sie starb, bin ich noch nackt mit einer Trommel um den Weihnachtsbaum rumgerannt. Obwohl, konnte ich das da eigentlich schon? Egal, Doris Nefedov, wie sie eigentlich hieß, hatte eine tolle Stimme und ein Lied von ihr hat mich in meiner Kindheit begleitet, zumindest habe ich dieses immer wieder gehört: „Mein Freund der Baum“. Und dieses Lied ist übrigens eines der wenigen Lieder der Alexandra, welches sie selbst geschrieben hat. Sowohl die Musik, wie den Text. Wie sonst immer bei deutschen Schlagergrößen haben diese Komponisten und Texter. Diese hatte Alexandra natürlich auch, war damit jedoch nie so richtig zufrieden und schrieb eben jenes Lied selbst, welches rührselig ist, sentimental, melancholisch, naiv und was weiß ich nicht alles noch – aber eben auch schön. So schön traurig schön.

Alle Titel auf dem Album stammen aus den Jahren 1967 bis 1969. „Alexandra – Mein Freund der Baum“ das Album ist also so eine Art „Best Of…“ und ich muss zugeben, mehr als diese hier versammelten Lieder kenne ich auch nicht von ihr. Aber diese Stimme der Sängerin die hat was, sogar so viel, dass mir hier auch Deutscher Schlager gefällt. Zumindest trifft das für die Lieder „Mein Freund der Baum“, „Zigeunerjunge“ und „Illusionen“ zu. Letzteres Lied hat übrigens Udo Jürgens für Alexandra geschrieben.

Ach ja, Alexandra gehört übrigens auch zum Club der 27. Genau wie Kurt Cobain, Janis Joplin, Jim Morrison, Jimi Hendrix, Brian Jones, Amy Winehouse...

Fazit: Irgendwie ein Klassiker der deutschen Musik. Nichts, was ich mir täglich reinziehen müsste oder auch könnte, aber wenn man mal so schön melancholisch sein möchte, dann gibt es nichts Besseres als „Mein Freund der Baum“ von Alexandra. Danke dafür an meine Omma (mit zwei „m“!) und eine Großtante mit dem Namen Maria. Elf Punkte.

Anspieltipps: Mein Freund der Baum, Zigeunerjunge, Illusionen





Montag, 11. März 2013

Leonard Cohen – Various Positions




Leonard Cohen – Various Positions


Besetzung:

Leonard Cohen – vocals, guitar


Gastmusiker:

Jennifer Warnes – vocals
John Lissauer – piano, keyboard orchestrations, backing vocals
John Crowder – backing vocals, bass guitar
Anjani Thomas – backing vocals
Crissie Faith – backing vocals
Erin Dickins – backing vocals
Lani Groves – backing vocals
Merle Miller – backing vocals
Ron Getman – backing vocals
Yvonne Lewis – backing vocals
Sid McGinnis – guitar
Richard Crooks – drums


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Folk-Pop


Trackliste:

1. Dance Me To The End Of Love (4:41)
2. Coming Back To You (3:36)
3. The Law (4:29)
4. Night Comes On (4:42)
5. Hallelujah (4:40)
6. The Captain (4:10)
7. Hunter's Lullaby (2:27)
8. Heart With No Companion (3:05)
9. If It Be Your Will (3:44)

Gesamtspieldauer: 35:32




Dieses Mal hatte sich Leonard Cohen ganze fünf Jahre Zeit gelassen, bis er sein siebtes Album unter dem Titel “Various Positions” veröffentlichte. Und ich kann mir gut vorstellen, wie der geneigte Leonard Cohen Fan damals aus allen Socken kippte, als er die Platte zum ersten Mal auf den Plattenteller gelegt hatte und dort dann das Album mit einer Rhythmusmaschine startete. Das elektronische Zeitalter hatte die Musik Leonard Cohens erreicht. Noch eine weitere Neuerung gab es zu bestaunen: Jenniger Warnes wurde auf jedem Lied als Vokalistin geführt, natürlich neben Leonard Cohen selbst, aber immerhin. Und sie nimmt in der Umsetzung der Lieder auch durchaus eine tragende Rolle ein – mal mehr, mal weniger.

Nun, die Musik auf “Various Positions” ist sehr eingängig und das geht gleich mit dem ersten Song “Dance Me To The End Of Love“ los, auch wenn diese Rhythmusmaschine ihr monotones Geklopfe, oder wie man das auch immer nennen will, konsequent das ganze Lied über durchzieht. “Coming Back To You” ist dann etwas countrymäßig angehaucht, wie übrigens auch der vorletzte Titel „Heart With No Companion“. “The Law”, die dritte Nummer der Platte ist erneut wieder sehr eingängig, geht jetzt allerdings schon deutlich in die Richtung Pop-Musik.

Dieser Hang hin zum populäreren Bereich der Musik ist bei so gut wie allen Titeln auszumachen. Nun, wenn sie dann auch noch eine solch eingängige Melodie wie “Halleluja” haben, ein Titel, der bereits viele Male gecovert wurde, dann ist man automatisch im Bereich der etwas radiotauglicheren Musik angekommen, denn Musiker wollen natürlich auch von etwas leben und Geld verdienen.

Fazit: Man muss sich etwas an diese elektronischen „Geräusche“ auf einem Album Leonard Cohens gewöhnen. Die Musik selbst, die Atmosphäre die hier transportiert wird, ist allerdings noch dieselbe, wie sie es auch schon vor fünfzehn Jahren war. Melancholie und ein wenig Traurigkeit zeichnen die Lieder auch auf „Various Positions“ aus. Ein Abdriften hin zum Country gab es bisher auch auf jedem Album mit ein bis zwei Liedern. So auch hier. Für mich ist „Various Positions“ nicht das beste aller Leonard Cohen Alben, aber sicherlich auch nicht das schlechteste. Acht Punkte.

Anspieltipps: Dance Me To The End Of Love, The Law, Hallelujah, If It Be Your Will





Sonntag, 10. März 2013

Styx – Big Bang Theory




Styx – Big Bang Theory


Besetzung:

Tommy Shaw – guitars and vocals
James Young – guitars and vocals
Todd Sucherman – drums, percussion and background vocals
Lawrence Gowan – keyboards and vocals
Ricky Phillips – bass guitar and vocals
Chuck Panozzo – bass guitar on “Locomotive Breath”


Gastmusiker:

Koko Taylor – additional vocals on “Blue Collar Man”
Johnnie Johnson – piano on “Blue Collar Man”
Oracle Diva – additional vocals on “It Don’t Make Sense” and “Wishing Well”


Label: Frontiers Records


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Mainstream, Melodic Rock


Trackliste:

1. I Am The Walrus [The Beatles] (4:41)
2. I Can See For Miles [The Who] (4:29)
3. Can't Find My Way Home [Blind Faith] (3:25)
4. It Don't Make Sense (You Can't Make Peace) [Willie Dixon] (4:11)
5. I Don't Need No Doctor [Humble Pie] (4:23)
6. One Way Out [The Allman Brothers] (4:43)
7. A Salty Dog [Procol Harum] (4:02)
8. Summer In The City [Lovin' Spoonful] (3:26)
9. Manic Depression [Jimi Hendrix] (4:00)
10. Talkin' About the Good Times [The Pretty Things] (3:57)
11. Locomotive Breath [Jethro Tull] (3:33)
12. Find The Cost Of Freedom [CSNY] (1:04)
13. Wishing Well [Free] (3:40)
14. Blue Collar Man @ 2120 [Styx] (6:30)

Gesamtspieldauer: 56:04




Zwei Jahre, nach dem nun wieder sehr überzeugenden Album „Cyclorama“, brachte die amerikanische Mainstream-Formation Styx ihr bereits fünfzehntes Album auf den Markt. „Big Bang Theory“ wurde dies getauft, allerdings lässt sich trefflich darüber streiten, ob dies denn nun wirklich ein „reguläres“ Studioalbum der Styx-Discographie darstellt.

„Big Bang Theory“ ist ein Cover-Album, wobei die Band sich mit dem letzten Titel sogar selbst covered. Bei der Interpretation ihres eigenen Stücks „Blue Collar Man @ 2120“ applaudieren sich die Musiker am Ende selbst, wohingegen dieser Part beim Beatles-Klassiker „I Am A Walrus“ von Zuhörern übernommen wird, da es sich hier um eine Live-Einspielung vor Publikum handelt. Der Rest der Platte sind Studioaufnahmen, die sich meist sehr eng an die Originale anlehnen. Die Song-Auswahl ist ganz nett, aber das ist sowieso Geschmackssache. Alle Lieder klingen überaus kraftvoll und sind technisch perfekt eingespielt worden. Am Sound gibt es also nichts zu mäkeln.

Bleibt allerdings die Frage: Was das soll? Warum müssen Styx solch ein Album aufnehmen? Wo liegt da der Sinn? Die Lieder werden nur leicht interpretiert, ganz anders wie zum Beispiel bei Coverversionen anderer Künstler. Erinnert sei hier nur an „Hurt“ von Johnny Cash oder „My Body Is A Cage“ von Peter Gabriel, die die jeweiligen gecoverten Lieder fast schon zu ihren eigenen machten. Und wenn es dann doch auch mal auf „Big Bang Theory“ etwas freier wird, dann fehlt so ein essentieller Teil wie das Querflöten-Solo auf „Locomotive Breath“. Schade!

Fazit: Diese Platte ist so unnütz wie ein Kropf. Da lohnt es sich doch sehr viel mehr die Originale anzuhören. Die Musik ist gut gespielt, aber das wurde sie ursprünglich auch schon. Dafür gibt es auch keine Punkte - solche Plagiate langweilen. Vier Punkte.

Anspieltipps: Alles und nichts.



Samstag, 9. März 2013

Ayreon – The Final Experiment




Ayreon – The Final Experiment


Besetzung:

Stimmen:

Arjen Anthony Lucassen – vocals as Ayreon on "Nature’s Dance", "Listen To The Waves", "Magic Ride", and "Ayreon’s Fate"
Barry Hay – vocals as Ayreon on "Sail Away To Avalon"
Edward Reekers – vocals as Merlin on "Prologue", "The Awareness" and "Ayreon’s Fate"; vocals as Ayreon on "The Awareness" and "Ayreon’s Fate"
Ian Parry – vocals as Nobleman on "Ye Courtyard Minstrel Boy"; vocals as Ayreon on "Computer Reign" and vocals as Merlin on "Ayreon’s Fate"
Jan-Chris de Koeijer – vocals as Ayreon on "The Banishment"
Jay van Feggelen – vocals as Ayreon on "Waracle" and vocals as Merlin on "Ayreon's Fate"
Lenny Wolf – vocals as Ayreon on "Eyes Of Time"
Leon Goewie – vocals as Merlin on "Merlin's Will" and "Ayreon's Fate"; vocals as Ayreon on "Ayreon's Fate"
Robert Soeterboek – vocals as Villagers on "The Banishment" and as Merlin on "Ayreon's Fate"
Ruud Houweling – vocals as Ayreon on "The Charm Of The Seer"
Debby Schreuder – vocals as Merlin, Women and Villagers on "Ayreon's Fate"; chorus vocals on several tracks
Mirjam van Doorn – vocals as Merlin, Women and Villagers on "Ayreon's Fate"; chorus vocals on several tracks
Lucy Hillen – vocals as Ayreon on "The Charm Of The Seer"; chorus vocals on several tracks


Instrumente:

Arjen Anthony Lucassen – guitar, bass, keyboards, synthesizer
Cleem Determeijer – keyboards
Ernst van Ee – drums
Jan Bijlsma – bass
Jolanda Verduijn – bass
Peter Vink – bass
Rene Merkelbach – keyboards


Instrumentierung auf der Bonus CD, der Veröffentlichung von 2005:

Arjen Anthony Lucassen – acoustic, electric, and bass guitars, drums, percussion and timpani
Davy Mickers – drums
Peter Vink – acoustic bass guitar
Marieke van der Heyden – cello
Ewa Albering – flute
Lori Linstruth – electric guitar solos
Jeroen Goossens – assorted wind instruments
Dewi Kerstens – cello
Robby Valentine – piano
Astrid van der Veen – vocals
Ruud Houweling – vocals
Rodney Blaze – vocals
Esther Ladiges – vocals
John JayCee Cuijpers – vocals
Peter Daltrey – vocals
Marcela Bovio – vocals
Irene Jansen – vocals


Label: InsideOut


Erscheinungsdatum: 1995, wiederveröffentlicht mit Bonus CD 2005


Stil: ArtRock, ProgMetal


Trackliste:

CD1:

1. Prologue (3:17)
    A. The Time Telepathy Experiment
    B. Overture
    C. Ayreon's Quest


Act I - The Dawning

2. The Awareness (06:36)
    A. The Premonition
    B. Dreamtime (Words Become A Song)
    C. The Awakening
3. Eyes Of Time (5:06)
    A. Eyes Of Time
    B. Brainwaves
4. The Banishment (11:08)
    A. A New Dawn
    B. The Gathering
    C. The Accusation
    D. The Banishment
    E. Oblivion


Act II - King Arthur's Court

5. Ye Courtyard Minstrel Boy (2:46)
6. Sail Away To Avalon (4:02)
7. Nature's Dance (2:27)


Act III - Visual Echoes

8. Computer-Reign (Game Over) (3:24)
9. Waracle (6:44)
10. Listen To The Waves (4:59)
11. Magic Ride (3:36)


Act IV - Merlin's Will And Ayreon's Fate

12. Merlin's Will (3:21)
13. The Charm Of The Seer (4:11)
14. Swan Song (2:44)
15. Ayreon's Fate (6:55)
    A. Ayreon's Fate
    B. Merlin's Prophecy
    C. Epilogue

Gesamtspielzeit CD1: 1:11:17


CD2:

1. Dreamtime (4:19)
2. Eyes Of Time (3:25)
3. The Accusation (3:49)
4. Ye Courtyard Minstrel Boy (2:50)
5. Sail Away To Avalon (3:27)
6. Nature's Dance (2:03)
7. Waracle (5:17)
8. Merlin's Will (3:29)
9. The Charm Of The Seer (9:01)

Gesamtspielzeit CD2: 37:41

Gesamtspielzeit CD1 und CD2: 1:48:59




Fast schon unglaublich, was der Niederlänger Arjen Anthony Lucassen hier präsentiert. „The Final Experiment“ wurde mit dem Untertitel: „A Rock Opera by Arjen Anthony Lucassen“ versehen. Ist das jetzt ein zu hoher Anspruch? Entspricht das denn wirklich dem Gehörten? Keine Ahnung, mich lässt das Ganze relativ unschlüssig und verunsichert zurück und leider nicht sehr überzeugt. Klar Arjen Lucassen hat sich hier viel Mühe gegeben. Sehr viel Mühe sogar. Alles ist bis ins letzte Detail ausgelotet, ausgetüftelt und arrangiert. Jeder Ton, jede Stimmung, jede Gesangspassage. Etwas überrascht mich allerdings dabei sehr: Neun der insgesamt 26 Titel, die auf der ursprünglichen CD zu hören waren, sind auf der Bonus-CD der Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2005 akustisch und deutlich einfacher eingespielt worden – und da gefallen mir die Titel sehr viel besser.

CD1, das ursprüngliche Werk, wirkt irgendwie überarrangiert, zu verschachtelt, zu ausgetüftelt, mit der Absicht eines unglaublich hohen Anspruchs versehen, bei dem die Musik auf ganz seltsame Weise auf der Strecke bleibt. Diese Rock-Oper, wenn sie denn eine ist, wirkt gekünstelt, schwer nachvollziehbar. Vielleicht müsste man das Ganze mal auf einer Bühne sehen. So allerdings kommt man nur schwerlich in diese „schwere“ Musik hinein, die zwar immer wieder schöne Abschnitte aufweist, dann allerdings umgehend wieder ein neues Thema aufgreift. Es ist schwer diesem Werk von vorne bis hinten zu folgen, immer wieder wird man aus einer Stimmung herausgerissen, um sich umgehend in ganz anderer Umgebung wiederzufinden. Und warum der Protagonist dieses Werks in vielen verschiedenen Stimmen auftritt, will mir auch nicht so recht logisch erscheinen. Schon gar nicht, wenn er dann bei „Oblivion“ auch noch zu growlen anfängt.

Die Geschichte, die hinter der Handlung steckt ist genauso abstrus, wie die Musik mitunter wirkt. Ein buntes Potpourri aus Science Fiction und mittelalterlicher Sage. Alles eben irgendwie schwer nachzuvollziehen. Dass Arjen Lucassen tolle Musik schreiben kann, das beweist er zwar auch auf „The Final Experiment“, denn wie schon erwähnt finden sich auch hier immer wieder sehr schöne Stellen, das Gesamtergebnis passt allerdings für mich irgendwie nicht zusammen.

Fazit: Sicherlich mit viel Mühe komponiert und mit einem sehr hohen Anspruch versehen, kann ich diesem Werk leider trotzdem nicht allzu viel abgewinnen. Ich kann in diese Musik einfach nicht eintauchen, irgendetwas treibt mich immer wieder nach oben, um nach Luft zu schnappen. Arjen Lucassen macht klasse Musik, wie man auf CD2 hören kann oder wenn man an sein Projekt „Guilt Machine“ denkt. Hier bei „The Final Experiment“ wollte er aber wohl einfach zu viel. Sorry, mich packt das einfach nicht so richtig. Acht Punkte.

Anspieltipps: Listen To The Waves; muss man wohl echt durchhören, um sich ein Bild machen zu können.





Freitag, 8. März 2013

Anathema - A Fine Day To Exit




Anathema – A Fine Day To Exit


Besetzung:

David Cavanagh – guitars
Vincent Cavanagh – vocals, guitar
John Douglas – drums
Les Smith – keyboards


Label: Sony BMG


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: ArtRock


Trackliste:

1. Pressure (6:44)
2. Release (5:47)
3. Looking Outside Inside (6:23)
4. Leave No Trace (4:46)
5. Underworld (4:09)
6. Barriers (5:53)
7. Panic (3:30)
8. A Fine Day To Exit (6:49)
9. Temporary Peace (18:26)

Gesamtspieldauer: 1:02:31




Mit Ihrer sechsten Veröffentlichung haben Anathema einen Volltreffer gelandet. Kein Lied fällt aus der Reihe, soll heißen, kein Lied ist schlecht. Alle neun Stücke haben etwas Besonderes, womit es sich lohnt, sich etwas Zeit für dieses Album zu nehmen.

Gleich der erste Track „Pressure“ ist eine wunderschöne Nummer, die sofort ins Ohr geht und wohl so ähnlich auch von Steven Wilson geschrieben hätte werden können. Ebenso „Release“, auch dieses Lied erinnert ein wenig an Porcupine Tree und hätte auf „Lightbulb Sun“ (oder vielleicht sogar auf „Fear Of A Blank Planetß) sicherlich seinen Platz gefunden und keinen Stilbruch eingeläutet. Mehrstimmiger Gesang und die Art der Instrumentierung lassen diese Assoziation wie von selbst entstehen.

Das nächste Stück „Looking Outside Inside“ beginnt wie eine Ballade, um dann bei 2:30 die schnellere Fahrt aufzunehmen. Das Lied lebt dabei vom genialen Drum-Part John Douglas‘. Schließlich beruhigt sich das Stück wieder und wird jetzt durch schönen mehrstimmigen Gesang getragen. „Leave No Ttrace“ ist im Anschluss ebenfalls wieder ein guter und ruhiger Rocksong, der von Vincent Cavanagh so herrlich getragen dargeboten wird. Einen Höhepunkt auf der ganzen Platte stellt dann sicherlich „Underworld“ dar. Diese tollen verqueren Gitarren geben der Nummer einen ganz eigenen Touch. Eine richtig gute Rocknummer ist das.

Der Titel „Barriers“ kommt schließlich schwebend daher mit mehrstimmigem Gesang und beweist, dass Anathema eine sehr vielseitige Band ist, die ein Gespür für gute Melodien hat. Und mit „Panic“ folgt dann, dem Titel entsprechend, fast schon so etwas wie Hektik aus den Boxen. Das Lied geht durch seine Gitarren in Richtung Punk und ist auch das härteste Stück auf der Platte. Der treibende Rhythmus bildet hier einen klasse Gegenpol zu den anderen, doch eher ruhigeren Nummern auf dem Album.

Auch das Titelstück „A Fine Day To Exit“ ist ein Highlight. Die klasse Steigerung im hinteren Teil des Tracks lassen es zu einer richtig guten Rocknummer werden. Zum letzten Lied auf der CD: „Temporary Peace“ ist eigentlich kein Longtrack, auch wenn auf der Anzeige des CD-Players 18:27 erscheint. Vielmehr besteht das Stück aus drei einzelnen Songs, wobei die letzteren beiden wohl so eine Art Hidden Track darstellen. Vor allem Nummer zwei ist dabei sogar recht witzig. Man hört zunächst nur Meeresrauschen und dann zwei Männer den Strand entlanggehen. Und schließlich sinniert einer der beiden vor sich hin, während der andere zu hören ist mit: „Hello, I’m here: What about dogs? What about cats? What about chickens?“ Und dieses Chickens wird so herrlich, fast wie ein Gekrähe, in die Länge gezogen. Sicher nur eine Spielerei, aber eine sehr lustige. Dieser Teil der Nummer endet dann um 10:20 und jetzt wird es ganz ruhig. Bei 15:30 geht es erneut weiter, klingt wie ein Lied was auf „Saucerful Of Secrtes“ vorkommen könnte aber noch von Syd Barrett komponiert worden ist. Wie gesagt, eine schöne Spielerei.

Fazit: Anathema haben hier ein richtig gutes Album hingelegt, nach meinem Dafürhalten sogar das bisher Beste ihres Schaffens. Alles wirkt in seiner Gesamtheit, alle Titel haben eine gleichhohe Qualität. Also die CD einfach einlegen und sich berieseln lassen. Macht Spaß! Dafür gibt es von mir volle 11 Punkte.

Anspieltipps: Barriers, Panic, A Fine Day To Exit, Temporary Peace





Donnerstag, 7. März 2013

Queen – Made In Heaven





Queen – Made In Heaven


Besetzung:

Freddie Mercury –vocals, piano, keyboards
John Deacon – bass guitar, keyboards
Roger Taylor – drums, percussion, keyboards, vocals
Brian May – guitars, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Rebecca Leigh-White, Gary Martin, Catherine Porter, Miriam Stockley – extra backing vocals on “Let Me Live”


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Rock


Trackliste:

1. It's A Beautiful Day (2:33)
2. Made In Heaven (5:25)
3. Let Me Live (4:46)
4. Mother Love (4:49)
5. My Life Has Been Saved (3:15)
6. I Was Born To Love You (4:50)
7. Heaven For Everyone (5:36)
8. Too Much Love Will Kill You (4:20)
9. You Don't Fool Me (5:25)
10. A Winter's Tale (3:49)
11. It's A Beautiful Day (Reprise) (3:01)
12. Yeah (0:04)
13. Untitled Hidden Track (22:33)

Gesamtspieldauer: 1:10:27




"Made In Heaven“ ist das fünfzehnte und letzte Album Queens, an dem Freddie Mercury noch „irgendwie“ aktiv mitwirkte. Allerdings wurde es erst vier Jahre nach seinem Tod veröffentlicht. „Innuendo“ war noch nicht veröffentlicht, da befand sich die Band bereits wieder im Studio, um neues Songmaterial aufzunehmen. Immer mit dem Hintergedanken, dass dies die letzten Aufnahmen Freddie Mercurys sein werden, der geschwächt durch seine Aids-Erkrankung auch nicht mehr alle Titel vollständig einsingen konnte.

"Wenn man ehrlich ist, dann geht es bei diesem Album gar nicht mehr um die Musik. Es geht sehr viel mehr um Freddie Mercury und um die Traurigkeit, dass dieser geniale Musiker nun eben nicht mehr da sein wird und (ganz egoistisch) unser Leben nicht mehr mit Musik bereichern kann. Außerdem kenne ich keinen Menschen, der die Musik liebt und Freddie Mercury nicht irgendwie sympathisch fand. Der war ausgeflippt und mitunter exzentrisch, aber eben immer auch sympathisch und auf seine Weise irgendwie cool.

Das Album ist vollgestopft, wie bereits der Vorgänger „Innuendo“, mit Anspielungen auf seine Krankheit und den Tod. Musikalisch packt mich das persönlich nicht mehr so. Da finde ich „Innuendo“ sehr viel gelungener. Und mit solch einem Song wie „Let Me Live“, vollgepackt mit Massen an Backgroundsängerinnen und einem Gesangsteil, den Freddie Mercury bereits in den frühen Achtzigern aufgenommen hatte, tue ich mich verdammt schwer. Ganz anders verhält es sich da bei „Mother Love“. Ein sehr bewegender Text, der in der letzten Strophe dann sogar von Brian May gesungen wird, da es Freddie Mercury nicht mehr schaffte, das Lied selbst vollständig einzusingen. Gegen Ende wird bei diesem Stück dann noch ein Schnipsel eines Live-Konzertes eingespielt, in welchem Freddie Mercury mit seinem Publikum interagiert. Toll gemacht und sehr bewegend.

Eine ganze Menge „Hits“ befinden sich auch auf dem Album, die damals, nach der Veröffentlichung im Radio rauf und runter gespielt wurden. Die da wären „It’s A Beatiful Day“, „Made In Heaven“, „I Was Born To Love You“, „Heaven For Everyone“, „Too Much Love Will Kill You“, „You Don’t Fool Me“ und „A Winter’s Tale“. Alles ganz nette und eingängige Lieder, die mir aber fast schon zu eingängig daherkommen.

Aber schließlich gibt es ganz zum Schluss noch 22 Minuten lang Atmosphäre zum Schnuppern. Synthesizer-Klangteppiche, sehr zurückhaltend, die eine Stimmung der Entspanntheit und Freiheit erzeugen. Mitunter wirkt das sogar ab und an ein wenig bedrohlich, entspannt sich dann allerdings wieder in ein schier grenzenloses Nichts.

Fazit: Es ist sehr seltsam, wenn jemand über den Tod singt, der diesem auch gerade ins Antlitz sieht. Schwer vorzustellen, wie sich Freddie Mercury damals, 1991, bei den Aufnahmen gefühlt haben muss. Das bewegt mich. Die Musik selbst bewegt mich auf „Made In Heaven“ nur noch zweimal richtig. Das eine Mal bei „Mother Love“, das andere mal 22 Minuten lang während dieses letzten Titels, der ohne Namen so absolut untypisch für Queen klingt. Sphäre pur, daran hat Freddie Mercury auch mit Sicherheit nicht mehr mitgewirkt, aber trotzdem sehr passend für ein „Goodbye“! Zehn Punkte.

Anspieltipps: Made In Heaven, Mother Love, Heaven For Everyone, Untitled Hidden Track





Mittwoch, 6. März 2013

Eels – Wonderful, Glorious




Eels – Wonderful, Glorious


Besetzung:

E – vocals, guitar
The Chet – guitar
Knuckles – drums
Koool G Murder – bass guitar
P-Boo – guitar


Gastmusiker:

Professor Snatch and The Wonderful, Glorious Orchestra


Label: E Works Records


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Independent Rock


Trackliste:

CD1:

1. Bombs Away (5:24)
2. Kinda Fuzzy (3:38)
3. Accident Prone (2:49)
4. Peach Blossom (4:02)
5. On The Ropes (3:11)
6. The Turnaround (4:50)
7. New Alphabet (4:08)
8. Stick Together (3:43)
9. True Original (3:48)
10. Open My Present (3:10)
11. You're My Friend (3:48)
12. I Am Building A Shrine (3:35)
13. Wonderful, Glorious (3:44)


CD2:

1. Hold On To Your Hat (0:46)
2. Your Mama Warned You (3:09)
3. I'm Your Brave Little Soldier (2:51)
4. There's Something Strange (3:12)
5. Happy Hour (We're Gonna Rock) (3:50)
6. That's Not Really Funny (Live 2011) (4:55)
7. In My Dreams (Live 2010) (3:07)
8. Prizefighter (Live 2010) (3:01)
9. Looking Up (Live 2011) (5:06)
10. What I Have To Offer (Live At KEXP) (2:56)
11. I Like The Way This Is Going (Live At KEXP) (2:13)
12. Spectacular Girl (Live At KEXP) (3:32)
13. Summer In The City (Live At KEXP) (2:12)

Gesamtspieldauer: 1:30:44




Ich liebe die Eels alias Marc Oliver Everett - wenn sie wunderschöne Melodien entwickeln, eingängige Harmonien kreieren, einfühlsame, nahegehende und auch ergreifende Texte präsentieren. Mit Letzterem kann „Wonderful, Glorious“, das inzwischen zehnte Album des Amerikaners auch aufwarten, obwohl diese Texte anscheinend nur kurze Notizen auf diversen Schmierzetteln darstellen. Mit der Musik habe ich da allerdings ein wenig mehr Schwierigkeiten. Klar gibt es auch hier diese einfühlsamen Songs, die einen packen, zum Träumen einladen und einfach wirken. Allerdings finden sich auf dem neuesten Album der Band auch jede Menge Lieder, die manchmal sogar eher verstörend daherkommen, die eben so gar nicht ins Ohr gehen wollen – auch nicht nach dem zwanzigsten Mal des Hörens.

Auch auf „Wonderful, Glorious“ spielt Marc Oliver Everett immer wieder mit dem Stilmittel der knapp an der Übersteuerung balancierten Stimme. Das mag ab und an ganz interessant wirken, zu häufig eingesetzt verfehlt es allerdings seine Wirkung deutlich und nervt sogar ein wenig. Dadurch klingen die einzelnen Songs mitunter richtiggehend aggressiv, aufgeregt und ein wenig an den Nerven zerrend.

Aber es gibt sie auch hier auf diesem Album, die schönen und eingängigen Titel, die die Musik der Eels zu einem Erlebnis werden lassen. Da ist zum einen das wirklich tolle „Turnaround“. Sanfte und ruhige Klänge bahnen sich hier den Weg zum Ohr des Hörers. Alles klingt einfach schön, etwas getragen, völlig unaufgeregt und sehr eingängig. Ebenso klasse gelungen ist „I Am Building A Shrine“. Ein wenig traurig und gedrückt klingt das Lied, gerade so, als ob es zur Zeit von „Blinking Lights And Other Revelations“ im Jahr 2005 entstanden wäre. Ein Trip in die Vergangenheit der Band, der durchaus gelungen ist, ohne diese zu kopieren. Auch der Titeltrack „Wonderful, Glorious“ hat etwas. Deutlich flotter und rhythmischer entwickelt sich hier ein kraftvolles Lied, welches durch seine Stimmungswechsel und Einschübe punkten kann.

Die zweite CD der Deluxe Edition wird mit „Hold On Your Hat“ eingeleitet, bei dem eine Frau davon schwärmt, wie toll das Album bisher war und dass man sich nun auf die Zugaben freuen kann. Diese sind im Falle von „Your Mama Warned You“ und „I'm Your Brave Little Soldier“ wirklich gelungen und auch hier kommen Erinnerungen an frühere Werke des Marc Oliver Everett auf. Insgesamt befinden sich vier neue Lieder auf der zweiten CD, die im Anschluss an die bereits erwähnte Einführung folgen. Weiter aufgefüllt wird diese Bonus-CD mit zusätzlichen acht Live-Titeln, die sich aus den Alben „Souljacker“ (That’s Not Really Funny), „Hombre Lobo“ (In My Dreams und Prizefighter), sowie vor allem „Tomorrow Morning“ (Looking Up, What I Have To Offer, I Like The Way This Is Going und Spectacular Girl) zusammensetzen. Schließlich folgt ganz am Ende noch eine Cover-Version des The Lovin‘ Spoonful Hits „Summer In The City“ der aus dem Jahr 1966. Die letzten vier Nummern wurden dabei ohne Publikum, dafür allerdings live bei KEXP, einer Radiostation in Seattle eingespielt.

Fazit: Es gibt sie auf „Wonderful, Glorious“, diese tollen Nummern der Eels, die einem im Gedächtnis bleiben. Allerdings gibt es auch einige Titel – und diese sind leider in der Überzahl – die genau eine Eigenschaft nicht besitzen: Nachhaltigkeit. Somit hinterlässt das zehnte Studio-Album der Eels bei mir einen klein wenig einen zwiegespaltenen Nachgeschmack, ein Gefühl, nicht so richtig überzeugt worden zu sein. Die Platte ist weit davon entfernt schlecht zu sein, jedoch fehlt auch ein ganzes Stück, dass ich sie für mich gut bewerten könnte. Acht Punkte.

Anspieltipps: On The Ropes, The Turnaround, I Am Building A Shrine, Wonderful Glorious





Dienstag, 5. März 2013

David Bowie – The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars




David Bowie – The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars


Besetzung:

David Bowie – vocals, guitars, saxophone


Gastmusiker:

Mick Ronson – guitar, piano, vocals
Doug Stegmeyer – bass
Trevor Bolder – bass
Mick Woodmansey – drums
Dana Gillespie – backing vocals on “It Ain’t Easy


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: GlamRock, Pop, Rock


Trackliste:

1. Five Years (4:43)
2. Soul Love (3:34)
3. Moonage Daydream (4:39)
4. Starman (4:14)
5. It Ain’t Easy (2:57)
6. Lady Stardust (3:20)
7. Star (2:47)
8. Hang On To Yourself (2:39)
9. Ziggy Stardust (3:13)
10. Suffragette City (3:24)
11. Rock’n’Roll Suicide (3:01)

Gesamtspieldauer: 38:30




„The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ ist das fünfte Studioalbum David Bowies, dessen Inhalt den Aufstieg und Fall des androgynen Musikers und Außerirdischen (?) Ziggy Stardust beschreibt - fünf Jahre bevor die Erde durch eine Naturkatastrophe vernichtet werden soll.

So abstrus wie die Geschichte, ist die Musik auf dem dazugehörigen Album allerdings nicht. Auf diesem hört man nämlich klasse Rockmusik, mit einem kleinen Anstrich an GlamRock. Die CD beginnt mit „Five Years“, in dem der nahe Weltuntergang ankündigt wird. Ein relativ ruhiges Lied, während dessen Verlauf hauptsächlich David Bowie, mit seinem fast schon verzweifelten Gesang, für die Steigerung sorgt. Klasse die Streichereinsätze in Verbindung mit dem Piano. Bei „Soul Love“ hat David Bowie dann seinen Auftritt am Saxophon. Ein netter Song, aber noch längst nicht der Höhepunkt des Albums.

In „Moonage Daydream“ erhält Ziggy Stardust dann seinen ersten Auftritt. Der Track ist ein wenig härter gehalten als die beiden Vorgänger und lädt gerade bei den Teilen mit dem Saxophonspiel zum Mitwippen ein. Dann gibt es mit „Starman“ bereits einen Höhepunkt des Albums. Ein absolut gelungenes und tolles Lied mit einer schönen Melodieführung und klasse gewählten Streichereinsätzen. Dabei trägt vor allem das zweimalige Wiederholen der jeweils letzten Silbe in der Strophe dazu bei, dass sich das Lied ohrwurmmäßig im Musikzentrum des Hörers verankert.

Weiter geht es mit „It Ain’t Easy“, dem einzigen Song, den Bowie nicht selbst geschrieben hat. In dieser Nummer wird, als Kontrast zum relativ ruhigen Strophenteil, der Refrain im Chor gesungen. „Lady Stardust“ ist dann im Anschluss daran sehr pianolastig und weiß durch seine schönen Moll Akkorde zu gefallen. Bei „Star“ klingt das Piano schließlich fast schon Honky Tonk-mäßig und „Hang On To Yourself“ ist anschließend eine reine Rock’n’Roll-Nummer und gleichzeitig das schnellste Lied auf der Silberscheibe.

Bei „Ziggy Stardust“, dem Titeltrack, dominiert dann erneut die Gitarre. Ein sehr schöner und ausgereifter Song, der auch von Bowies stimmlicher Abwechslung lebt. „Suffragette City“ wächst ebenfalls mit dem Gesang, bei dem David Bowie immer wieder auf ein „Hey man“ antwortet. Beendet wird das Album mit dem melancholisch schönen“ Rock’n’Roll Suicide“, welches zu Beginn hauptsächlich von einer Akustikgitarre dominiert wird, bis dann auch erneut Bläser und Streicher einsetzen und das ganze Klanggebilde fast schon symphonisch werden lassen. Ein klasse Abschluss für ein richtig gutes Album.

Fazit: „The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ ist sicherlich eines der bekanntesten Alben David Bowies. Und das mit Sicherheit auch nicht zu Unrecht, denn hier stimmt die Mischung aus schönen Melodien und spannenden Abschnitten, die erst erarbeitet werden wollen. Zudem wurde das Album vom Melody Maker nicht nur zum „maßgeblichen Album der 70er“ gekürt, sondern auch, laut New Musical Express im Jahr 2008, zum „gayest album of all time by a panel of gay experts" ernannt. Unter den Experten befanden sich dabei unter anderem Boy George, Cyndi Lauper und Rufus Wainwright… Nein, „gay“ klingt „The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars” für mich nicht. Für mich ist das Album ein schönes Rockstück aus den frühen 70ern, welches aber auch heute noch seinen Reiz entfalten kann. Und von mir gibt es dafür 12 Punkte.

Anspieltipps: Starman, Ziggy Stardust, Rock’n’Roll Suicide