Dienstag, 19. November 2013

Renaissance – Camera Camera




Renaissance – Camera Camera


Besetzung:

Annie Haslam – lead vocals, backing vocals
Jon Camp – bass guitar, electric guitar, backing vocals
Michael Dunford – acoustic guitar, electric guitar, backing vocals
Peter Gosling – keyboards, backing vocals
Peter Barron – drums, percussion, backing vocals


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Camera Camera (6:06)
2. Faeries (Living At The Bottom Of The Garden) (4:02)
3. Remember (4:30)
4. Bonjour Swansong (3:40)
5. Tyrant-Tula (6:00)
6. Okichi-San (6:00)
7. Jigsaw (5:08)
8. Running Away From You (3:53)
9. Ukraine Ways (6:27)

Gesamtspieldauer: 45:46




Ein wenig zu häufig klingt das zehnte Studio-Album der ehemaligen Progressive-Rock-Band so, als hätte diese auf „Camera Camera“ den Versuch gestartet, ihren symphonischen progressiven Rock der 70er mit der gerade erfolgreichen New Wave Welle zu kombinieren. Dass so ein Ansinnen schief gehen musste, ist nicht weiter verwunderlich und fand auch genau so statt.

Bezüglich der Besetzung hatte sich einiges getan seit der Veröffentlichung des letzten Albums zwei Jahre zuvor. John Tout und Terence Sullivan hatten die Band nach „Azure D’Or” verlassen, auch der Plattenvertrag war gekündigt worden und mit zwei neuen Musikern am Keyboard und dem Schlagzeug, wurde nun „Camera Camera“ eingespielt. Seltsamerweise befinden sich auf dem Cover zum Album jedoch nur Haslam, Camp und Dunford mittels dreier Photos abgebildet. Die beiden neuen Musiker Gosling und Barron tauchen dort nicht im Bild auf. Welche Rolle diese also bei Renaissance einnahmen, erschließt sich einem nicht so ohne weiteres. Vielleicht war es jedoch auch der Grund, dass die beiden sich nicht in solch grellbunten, fast schon an Clownskostüme erinnernde Klamotten ablichten lassen wollten. Letzteres speichert man am ehesten aber wohl unter „Mode-Sünden“ der 80er Jahre ab.

Die Musik auf „Camera Camera“ ist zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Zwar ist da immer noch der helle und schöne Gesang der Annie Haslam (die allerdings zumindest beim Titelstück ein wenig überfordert scheint) und auch die ein oder andere nette musikalische und melodiöse Idee des Michael Duncan blitzt immer wieder mal auf, jedoch wird dieses allzu oft in ein synthetisch klingendes Gewand gekleidet, als ob die Band einfach nicht den davonrauschenden New Wave Zug verpassen wollte.

Es passiert am Anfang nicht allzu viel auf „Camera Camera“. Die Lieder plätschern meist so vor sich hin, häufig stark vom Synthesizer dominiert und dadurch immer wieder steril und allzu synthetisch klingend. Allerdings ist es nicht nur der Sound, der so gar nicht mehr überzeugen kann, es sind auch die Ideen die fehlen, die den Musikern ausgegangen zu sein scheinen. Man hört hauptsächlich Allerwelts-Pop auf diesem Album von einer Band, die früher für großartige Ideen stand.

Und so verstreicht ein Song nach dem anderen, ohne dass man diesem direkt das Urteil „schlecht“ verleihen möchte – dieses Urteil ergibt sich allerdings im Vergleich zu den früheren Veröffentlichungen der Band. Interessante Musik hört sich deutlich anders an, hat etwas Besonderes, was man auf „Camera Camera“ leider allzu oft vergeblich zu finden hofft. Positiver, da deutlich abwechslungsreicher in den Stimmungen, wird es erst ab etwa Mitte der Platte, denn da lassen sich nun immerhin drei Lieder hervorheben. Da ist zunächst „Tyrant-Tula”, welches tatsächlich noch progressive Ansätze in sich trägt, jedoch ebenfalls unter dieser synthetischen Atmosphäre leidet. Mit Abstrichen lässt sich dies auch noch auf den folgenden Titel „Okichi-San” übertragen. Auch diese Nummer ist deutlich abwechslungsreicher gestaltet, wirkt interessanter und kann somit ebenfalls schon ein wenig mehr überzeugen. Dass es jedoch auch ganz schlecht gehen, nur noch nach langweiligem Mainstream-Pop klingen kann, hört man beim fast schon unsäglichen „Running Away From You”. Da bleibt beim Hörer fast nur noch ein fassungsloses Kopfschütteln.

Allerdings gibt es dann doch noch einen Höhepunkt auf der Platte und dieser findet sich im letzten Titel „Ukraine Ways“. Wenn man dieses Stück hört, können durchaus Erinnerungen an „Mother Russia“ vom Album „Turn Of The Cards“ aufkommen, auch wenn diese Nummer qualitativ noch deutlich über „Ukraine Ways“ steht. Nichtsdestotrotz beinhaltet dieser Titel wieder all jene Zutaten, die Renaissance auch in früheren Zeiten zu einer äußerst hörenswerten Band werden ließen. Ob das in diesem Fall wohl daran liegt, dass sich „Ukraine Ways“ wahrlich nicht synthetisch anhört?

Fazit: „Camera Camera“ ist ein sogenannter „Beißer“. Durchgängig gut ist diese Platte wahrlich nicht, eine ganze Menge Ausschussware befindet sich darauf, die vielleicht den hitradiophilen Popfreund ganz nett nebenbei unterhält, jedoch für Freunde des Progressive Rock so gar nichts bereithält. Aber zumindest gibt es ein wirklich gelungenes Lied und zwei weitere, die ebenfalls durchaus hörenswert sind. Diese clowneske Kleidung, die einen bereits beim Betrachten des Covers abschreckt, lässt sich somit nicht auf alles auf „Camera Camera“ übertragen, was letztendlich in der Feststellung mündet, dass Renaissance schon viele deutlich bessere Alben veröffentlichten, jedoch auch schlechtere. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Remember, Tyrant-Tula, Okichi-San, Ukraine Ways




Montag, 18. November 2013

Mike Oldfield – Tubular Bells III




Mike Oldfield – Tubular Bells III


Besetzung:

Mike Oldfield – guitars, synthesizers and programming


Gastmusiker:

Cara – vocals on “Man In The Rain”
Heather Burnett – additional vocals on “Man In The Rain”
Rosa Cedron – vocals on “The Inner Child
Amar – vocals on “The Source Of Secrets”, “Jewel In The Crown”, “Secrets”
Clodagh Symonds – vocals on “Far Above The Clouds”
Francesca Robertson – vocals on “Far Above The Clouds”


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Instrumental, Synthie Pop


Trackliste:

1. The Source Of Secrets (5:35)
2. The Watchful Eye (2:10)
3. Jewel In The Crown (5:45)
4. Outcast (3:50)
5. Serpent Dream (2:53)
6. The Inner Child (4:42)
7. Man In The Rain (4:03)
8. The Top Of The Morning (4:26)
9. Moonwatch (4:25)
10. Secrets (3:20)
11. Far Above The Clouds (5:30)

Gesamtspieldauer: 46:39




Musste das wirklich sein, dass Mike Oldfield sein 1998 erschienenes Album „Tubular Bells III“ nannte? Auf jeden Fall ist diese Tatsache kaum nachvollziehbar, denn die Scheibe hat mit dem 1973 erschienen Album „Tubular Bells“ ungefähr so viel gemein wie der Mond mit einem Glas Honig. Genau, gar nichts. Dies gilt übrigens auch für diesen dritten Teil und „Tubular Bells II“, welches sechs Jahre zuvor entstand und durchaus noch mit „gut“ bezeichnet werden kann. Aber „Tubular Bells III“? Okay, auch auf dieser Platte befindet sich Musik, allerdings bewegt sich Herr Oldfield hier schon sehr in Synthie-Pop-Gefilden. Aber der Name macht es ja, die Überschrift „Tubular Bells“ verkauft sich eben gut.

Nun dieser synthetische Klang nervt auf die Dauer einfach nur noch, ganz schwach und ab und an kann man dabei auch Klangstrukturen aus dem Original heraushören, diese sind jedoch mittels eines Synthesizers so etwas von „verpoppt“ worden, dass es einem schwerfällt nicht die Aus-Taste des CD Players zu betätigen. Klingt es dann mal anders, als beim großen Vorbild, bewegt sich die Musik sphärisch durch den Raum und erinnert ein wenig an Chill-Out-Musik. So etwas hört man auf der Massagebank einer esoterisch angehauchten Physiotherapeutin.

Somit stellt sich beim Hörer schnell die große Langeweile ein und man fragt sich, was Mike Oldfield mit diesem Werk bezwecken wollte. Seinen Namen ruinieren? Schwierig, denn dafür hat er wahrlich schon viel zu viel geniale Musik komponiert, aber dieses Album ist ein deutlicher und ganz tiefer Ausschlag nach unten, wenn man die Qualität vieler anderer Platten des Engländers berücksichtigt. Und dann gibt es da auch noch einen Titel, der so völlig aus dem Rahmen fällt: „Man In The Rain“. Das klingt wie eine, ein klein wenig variierte Kopie von “Moonlight Shadow“ mit Maggy Reilly. Sogar die Stimme der Sängerin mit dem Namen Cara klingt sehr nahe an der der Maggy Reilly.

Richtig gut gelungen, da weitestgehend ohne diesen plastikmäßigen Sound auskommend, ist die Pianonummer „The Top Of The Morning“. Zwar nervt auch hier dieses künstliche Schlagzeuggeräusch im Hintergrund, trotzdem hat dieser Titel etwas, nämlich eine schöne Melodie, die ihn hörenswert werden lässt.

Fazit: Wahrscheinlich würde man als Musikhörer dem Album noch ein wenig entspannter lauschen, wäre da nicht der Titel der Platte: „Tubular Bells III“. Genau damit hat dieses Werk hier aber so gar nichts zu tun. Vielmehr ist das Synthie-Pop mit Ambient vermischte Musik, die es noch nicht einmal schafft, diese beiden Genres konsequent durchzuziehen. Schade, sehr langweilig und nicht gelungen. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Man In The Rain, The Top Of The Morning





Sonntag, 17. November 2013

Fleetwood Mac – Then Play On




Fleetwood Mac – Then Play On


Besetzung:

Peter Green – vocals, guitar, harmonica, six string bass
Danny Kirwan – vocals, guitar
John McVie – bass guitar
Mick Fleetwood – drums, percussion
Jeremy Spencer – piano


Gastmusiker:

Christine Perfect – piano
Big Walter Horton – harmonica


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Blues Rock, Rock


Trackliste:

1. Coming Your Way (3:47)
2. Closing My Eyes (4:55)
3. Show-Biz Blues (3:55)
4. My Dream (3:34)
5. Underway (2:54)
6. Oh Well (9:03)
7. Although The Sun Is Shining (2:26)
8. Rattlesnake Shake (3:31)
9. Searching For Madge (6:58)
10. Fighting For Madge (2:49)
11. When You Say (4:32)
12. Like Crying (2:24)
13. Before The Beginning (3:26)

Gesamtspieldauer: 54:15




„Then Play On“ ist bereits das dritte „offizielle“ Studio-Album der britisch-amerikanischen Band Fleetwood Mac und gleichzeitig die letzte Platte, an der Peter Green beteiligt war. 1970 verließ er schließlich die Formation. „Then Play On“ stellt in gewisser Weise auch musikalisch gesehen ein Übergangsalbum dar. Waren die ersten vier Alben der Band unter der Federführung Peter Greens noch sehr blueslastig, so ist dieses Musikgenre auf „Then Play On“ nicht mehr allgegenwärtig. Der Rock hat stärkeren Einfluss in der Musik von Fleetwood Mac bekommen. Die Platte wurde auch in zahlreichen, verschiedenen Versionen veröffentlicht. Ursprünglich fanden sich auf der Scheibe vierzehn Titel. „Oh Well“ war darauf gar nicht vertreten. Dieser Song war zunächst nur als Single veröffentlicht worden und erreichte in England Platz 2 der Charts. Daraufhin beschloss man, diesen Titel der Platte für die Veröffentlichung in den USA hinzuzufügen und ließ dafür vier ursprünglich vorhandene Lieder weg. Die da waren: "When You Say", "One Sunny Day", "Without You" und "My Dream". Diese Platte wurde dann mit insgesamt elf Titeln veröffentlicht. Das war dann allerdings wohl doch alles in allem etwas kurz, worauf man sich entschloss "My Dream" und "When You Say" nun doch wieder hinzuzufügen, sodass dieses hier besprochene Album vorlag. Inzwischen gibt es allerdings auch wieder die ursprüngliche Version zu kaufen, remastert und erweitert mit „Oh Well Part I“ und „Oh Well Part II“ und weiteren Zugaben.

Nun aber zur Musik. Diese ist klasse gelungen, abwechslungsreich und wirkt in ihrer Gesamtheit so ein klein wenig träumerisch und verspielt. Ein Klassiker stellt dabei das bereits erwähnte „Oh Well“ dar, welches sich aus einem Blues-Rock-Stück sowie einem langen, hauchzarten Instrumentalteil zusammensetzt, der ein wenig an Filmmusik erinnert und herzerweichend sehnsüchtig klingt. Das Zusammenspiel von akustischer Gitarre und Flöte erzeugt hier eine sehr intensive Atmosphäre. Einfach ein tolles Lied.

Aber auch der Rest auf „Then Play On“ kann sich sehen beziehungsweise besser gesagt hören lassen. Instrumentalstücke gibt es da zu genießen („My Dream”, “Underway“), auch diese eher träumerisch und sanft, genau wie eingängige Rock-Nummern, die allerdings nur selten eine gewisse „Härte“ übersteigen. Das ist wohl am ehesten bei den Titeln „Searching For Madge” und „Fighting For Madge” der Fall. Beide Nummern sind ebenfalls Instrumentalstücke, wirken mitunter improvisiert und leben von beeindruckenden und jetzt wirklich schnellen Gitarrensoli. Bei „Searching For Madge” mündet das Lied schließlich noch in einen epischen orchestralen Teil, um dann anschließend noch mal kurz loszurocken.

Fazit: „Then Play On“ ist ein schönes und abwechslungsreiches Album geworden. Der Blues ist zwar noch an einigen Stellen vorhanden, allerdings nicht mehr so dominant wie auf früheren Alben der Band. Und auch wenn eher die leiseren Töne auf der Platte im Vordergrund stehen, so wird auch mal ausführlich gerockt und es bleibt immer spannend. Sehr lohnenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Oh Well, Searching For Madge





Samstag, 16. November 2013

Chris de Burgh – Best Moves




Chris de Burgh – Best Moves


Besetzung:

Chris de Burgh – vocals


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Soft Pop


Trackliste:

1. The Traveller (4:09)
2. Every Drop Of Rain (3:31)
3. In A Country Churchyard (3:54)
4. Patricia The Stripper (3:29)
5. Satin Green Shutters (5:02)
6. Spanish Train (4:58)
7. Waiting For The Hurricane (4:12)
8. Broken Wings (Live Version) (3:23)
9. Lonely Sky (3:51)
10. A Spaceman Came Travelling (5:06)
11. Crusader (8:44)

Gesamtspieldauer: 50:18




Denke ich an Chris de Burgh oder höre ein Lied von ihm, dann kommt mir unweigerlich der Begriff „Der irische Weichspüler“ ins Gedächtnis, denn so wurde der irische Songwriter, Sänger und Gitarrist damals in den 80ern häufig betitelt. Und hört man sich die Scheibe „Best Moves“ an, so kann man diesen Begriff nicht unbedingt immer von der Hand weisen. Weich klingt das hier alles, sanft, harmonisch und immer überaus melodiös. Einzige Ausnahme vielleicht der Titel „Patricia The Stripper“, der ein wenig im Gewand des Big Band Sounds daherkommt. Der ganze Rest ist weich, manches Mal nur sanft instrumentiert, ein anderes Mal orchestral unterfüttert.

„Best Moves“ ist ein „Best Of“-Album, welches mit einer Live Version („Broken Wings“) und zwei neuen Titeln („Every Drop Of Rain“, „Waiting For The Hurricane“) angereichert wurde. Neben der bereits erwähnten, sehr melodiösen Musik steht auf diesem Album allerdings noch etwas anderes im Zentrum: das Geschichtenerzählen. Wurde Chris de Burgh im weiteren Verlauf seiner Karriere immer poppiger und glitt dabei auch in die absolut belanglosen Gefilde dieses Genres ab, so gibt er sich hier, auf dieser Zusammenstellung, als Erzähler von Geschichten, die musikalisch untermalt wurden. Und das funktioniert. Das funktioniert sogar sehr gut und wird von Chris de Burgh hier in perfekter Art und Weise dargeboten. Bei Titeln wie „Spanish Train“ oder „Crusader“ sitzt man gespannt da, lauscht und ist gespannt, wie es weitergeht - auch wenn man die jeweilige Nummer schon zigmal gehört haben sollte. Dazu sind noch nicht einmal überragende Englischkenntnisse vonnöten, das versteht man schon recht gut mit in der Schule erworbenen Grundkenntnissen.

Dazu gesellen sich zusätzlich so wunderschön harmonische und eingängige Titel wie „In A Country Churchyard“ oder aber einer der Klassiker des Iren: „A Spaceman Came Travelling“, bei dem man auch mal ausgeprägtere Synthesizer-Passagen zu Gehör bekommt. Und auch bei diesen Liedern ist es erneut sehr lohnenswert, den Text zu verfolgen. Nur sehr wenig „Füllmaterial“ hat sich auf die Platte geschlichen, sodass man die Scheibe auch sehr gut in einem durchhören kann, ohne dabei gezwungen zu sein, irgendeine Skip-Taste zu drücken oder aber den Arm des Plattenspielers ein wenig in weiter hinten liegende Bereiche zu heben.

Fazit: Ich bin mir nicht sicher, ob solch ein Album auch noch in der heutigen Musikwelt so funktionieren würde. Die Zeiten ändern sich. Damals passte es allerdings und viele dieser Lieder begleiteten viele Menschen durch ihre Jugend. Vielleicht ist es Sentimentalität, süße Melancholie oder was weiß ich für ein eigenartiges Gefühl, bei mir wirkt die Musik dieses Albums von Chris de Burgh auch nach Jahrzehnten noch. Im Grunde genommen noch nicht einmal richtig meine Baustelle, allerdings in dieser Kombination von Musik und Text steckt etwas sehr Schönes, was die Platte überaus lohnens- und hörenswert werden lässt. Nicht durchgängig zwar, aber mit ganz, ganz starken Abschnitten. Elf Punkte.

Anspieltipps: In A Country Churchyard, Spanish Train, A Spaceman Came Travelling, Crusader





Freitag, 15. November 2013

Lindisfarne – Amigos




Lindisfarne – Amigos


Besetzung:

Rod Clements – backing vocals, bass, guitars, slide guitar, keyboards, mandolin
Simon Cowe – backing vocals, guitars, keyboards
Marty Craggs – lead & backing vocals, tenor & alto saxophones, percussion
Alan Hull – lead & backing vocals, guitars, keyboards
Ray Jackson – lead & backing vocals, harmonicas, mandolin
Ray Laidlaw – drums, backing vocals


Label: Castle Music


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. One World (3:58)
2. Everything Changes (3:19)
3. Working For The Man (3:43)
4. Roll On That Day (4:27)
5. You're The One (3:35)
6. Wish You Were Here (3:50)
7. Do It Like This (3:23)
8. Any Way The Wind Blows (4:20)
9. Strange Affair (3:20)
10. When The Night Comes Down (5:55)
11. Don't Say Goodnight (3:36)
12. Another World (2:27)

Gesamtspieldauer: 45:54




„Amigos“ ist bereits das zehnte Studio-Album der englischen Band Lindisfarne. Ende der 80er Jahre veröffentlicht, ist es vollgestopft mit Pop-Musik und trotzdem haben sie sich hier, wie schon so oft auf ihren Alben, auch in anderen Genres bewegt. Mal gibt es einen Exkurs in die Country-Richtung („Wish You Were Here“), ein anderes Mal versuchen sich, die jetzt sechs Musiker, am Gospel („Roll On That Day“). Ab und an erinnert die Musik auch an das Electric Light Orchestra, welches in den 80ern ähnliche Musik machte. So gibt es mit „Do It Like This“ auch einen Rock’n’Roll, der ebenfalls auf keinem Electric Light Orchestra Album zu dieser Zeit fehlen durfte. Der Rest ist recht typische Pop-Musik, wie sie für das damalige Musikgeschehen so charakterisierend war. Vielleicht noch ab und an mal folkig angehaucht, aber dann nur ganz, ganz zart und eher am Rande.

Es rauscht alles irgendwie so durch. Musik ohne Ecken und Kanten, ohne die tolle Melodie, die so richtig hängenbleiben will. Am ehesten zu erwähnen wären da noch die Titel „You’re The One“, bei dem auch mal wieder schöne Gesangsarrangements zu hören sind sowie die allerletzte Nummer. „Another World“, eine Instrumentalnummer ohne Gesang, klingt so wunderbar sehnsüchtig, nähert sich dem Genre Folk dann doch noch mal gehörig an und klingt einfach gut.

Fazit: Keine richtig schlechte Musik, aber um ehrlich zu ein, wer dieses Album nicht kennt, der hat auch nicht allzu viel verpasst. Selten mal, dass es richtig begeisternd klingt, meistens ist das 08/15-Mucke, die für mich allerdings zumindest die beiden unten als Anspieltipps angegebenen Höhepunkte bereithält. Sechs Punkte.

Anspieltipps: You're The One, Another World




Donnerstag, 14. November 2013

Get Well Soon – The Scarlet Beast O’Seven Heads




Get Well Soon – The Scarlet Beast O’Seven Heads


Besetzung:

Verena Gropper – vocals, violin
Paul Kenny – drums, vocals
Tim Kumpf – bass
Marcus Wuest – keyboards
Maximilian Schenkel – guitar, trumpet
Felix Fromm – trombone
Christian Ehringer – trumpet, flügelhorn
Ulrich Barteit – flute
Cherilyn MacNeil – vocals on „You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)“
Konstantin Gropper – everything else


Label: City Slang


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Pop, Filmmusik


Trackliste:

1. Prologue (4:03)
2. Let Me Check My Mayan Calendar (1:39)
3. The Last Days Of Rome (3:46)
4. The Kids Today (4:44)
5. Roland, I Feel You (4:34)
6. Disney (4:46)
7. A Gallows (4:03)
8. Oh My! Good Heart (4:57)
9. Just Like Henry Darger (5:24)
10. Dear Wendy (1:57)
11. Courage, Tiger! (4:17)
12. The World's Worst Shrink (3:59)
13. You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance) (6:07)

Gesamtspieldauer: 54:18




Mit „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ betitelte Konstantin Gropper sein drittes offizielles Studio-Album, welches 2012 erschien. Und auch auf diesem Album schafft es der Musiker Klangwelten zu erzeugen, die überaus hörenswert und so ganz bestimmt nicht alltäglich sind. Jeder der Titel könnte ein Stück Filmmusik sein, sehr atmosphärisch und einnehmend klingt das Ganze. Das Album quillt über vor schönen Melodien und tollen Ideen, auch wenn es einige Durchgänge der Scheibe benötigt, bis sich dem Hörer all die Feinheiten dieser Musik erschließen.

Gerade in der Mitte des Albums reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt. Alles ist eingängig und perfekt arrangiert und auch die Stimme des Konstantin Gropper weiß zu überzeugen, dem man auch hier sein noch relativ junges Alter nicht anzuhören vermag. Get Well Soon steht für schöne Klangwelten, die sich weitab vom Mainstream der Pop-Musik bewegen und sehr viel fordernder und spannender sind, als vieles vom Rest der zeitgenössischen Musik. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass die hier zu hörenden Lieder erst recht nicht mit anderer „deutscher“ Musik zu vergleichen sind.

Völlig unaufgeregt entwickeln sich auf der Platte atmosphärische Stimmungen, die mitunter passagenweise an Mike Oldfield erinnern, trotzdem für sich selbst stehen und ansonsten nur sehr wenige Vergleiche zu anderen Künstlern offenbaren. Zwar gibt es hier auf „The Scarlet Beast O’Seven Heads“ nicht ganz so viele Highlights wie noch auf dem Debut-Album, trotzdem weiß die Platte vom ersten bis zur letzten Takt zu überzeugen. Besonders gelungen sind auch die Gesangsarrangements, die gerade den Hintergrundgesang zu etwas Besonderem, zu etwas nicht Alltäglichen werden lassen - genau wie die instrumentale, mitunter orchestrale Ausstattung der einzelnen Titel.

Fazit: Wem die ersten beiden Alben von Get Well Soon bereits gefallen haben, der kann hier bedenkenlos ebenfalls zugreifen. Die Musik des Konstantin Gropper ist ein ganz eigener Kosmos in der heutigen Musiklandschaft, den sich zu entdecken und ergründen lohnt. Dies vor allem dann, wenn man auf melodiöse Pop-Musik steht, die länger hängenbleiben soll, da sie Eindruck hinterlässt. Ein schönes Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Last Days Of Rome, Roland I Feel You, Disney





Mittwoch, 13. November 2013

Bush – Sixteen Stone




Bush – Sixteen Stone


Besetzung:

Gavin Rossdale – rhythm guitar, vocals
Nigel Pulsford – lead guitar, string arrangements
Dave Parsons – bass
Robin Goodridge – drums


Gastmusiker:

Caroline Dale – cello
Gavyn Wright – violin, viola
Vincas Bundza – harmonica
Jasmine Lewis – vocals
Alessandro Vittorio Tateo – vocals
Winston – vocals


Label: Trauma Records


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Grunge


Trackliste:

1. Everything Zen (4:38)
2. Swim (4:56)
3. Bomb (3:23)
4. Little Things (4:24)
5. Comedown (5:27)
6. Body (5:43)
7. Machinehead (4:16)
8. Testosterone (4:20)
9. Monkey (4:01)
10. Glycerine (4:27)
11. Alien (6:34)
12. X-Girlfriend (0:45)

Gesamtspieldauer: 52:53




Wer auf Grunge „Made in Seattle“ steht, Nirvana und Pearl Jam mag, der bekommt mit Bush auf ihrer ersten Veröffentlichung das englische Pendant dazu geliefert. Manches Mal klingen Bush auf ihrem Debut „Sixsteen Stone“ aus dem Jahr 1994 wie eine Reminiszenz an Nirvana, fast so wie ein Tribute-Album an den sechs Monate zuvor verstorbenen Curt Cobain.

Grunge der etwas härteren Sorte gibt es auf dem Album zu hören. Musik die den Freund der „deutlicheren Töne“ sofort begeistern wird, Musik die in die Beine geht und auch das Haupthaar, soweit vorhanden, mitwippen lässt. Ziemlich kompromisslos das Ganze, dabei allerdings richtig gut gemacht – nur leider hat man immer ein klein wenig das Gefühl, dass dies hier nicht das Original ist. Umso schöner ist dann solch ein Titel wie „Glycerine“, bei dem Bush eigenständig klingt und auch anders, als auf dem Rest der Platte. Eine gute Auflockerung und dazu einer der eingängigsten Titel des Albums.

„Sixsteen Stone“ groovt fast durch die Bank weg. Noch ein klein bisschen besser als auf dem Rest der Platte ist das bei den Titeln „Comedown“ und „Body“ zu hören, bei der die Band noch eine Schippe Rhythmus verbunden mit Melodiösität draufgelegt hat. Einziger etwas seltsamer Titel ist die letzte kurze Nummer „X-Girlfriend“, die seltsamerweise mit den Worten: „Eins – Zwei –Drei – Vier“ eingeleitet wird.

Fazit: Wer auf Grunge steht, der findet hier sein persönliches Nirwana, denn diesen Musikstil gibt es auf „Sixteen Stone“ fast vom ersten bis zum letzten Takt zu hören. Die Musik ist meist hart und erinnert stark an die offensichtlichen Vorbilder aus dem Nordwesten der USA. Ein bisschen mehr Eigenständigkeit wie beim Titel „Glycerine“ hätte man sich dann aber doch gewünscht. Aber wirklich lohnenswert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Comedown, Body, Glycerine





Dienstag, 12. November 2013

Elbow – Cast Of Thousands




Elbow – Cast Of Thousands


Besetzung:

Guy Garvey – lead vocals, backing vocals, acoustic and electric guitars, percussion
Mark Potter – electric and acoustic guitars, backing vocals
Craig Potter – piano, organ, backing vocals, analogue synth, percussion, keyboards
Pete Turner – bass guitar, analogue synth, backing vocals
Richard Jupp – drums, percussion, backing vocals


Gastmusiker:

The London Community Gospel Choir – additional vocals on “Ribcage" & "Grace Under Pressure"
The Crowd At Glastonbury 2002 – additional vocals on "Grace Under Pressure"
Ian Burdge – cello
Chris Worsey – cello
Stephen Bussey – violin
Catherine Browning – violin
Everton Nelson – violin
Maya Bickel – violin
Alison Dods – violin
Gillon Cameron – violin
Giles Broadbent – violin
Sally Herbert – violin


Label: V2 Music


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Art Rock, Art Pop


Trackliste:

1. Ribcage (6:27)
2. Fallen Angel (4:08)
3. Fugitive Motel (5:52)
4. Snooks (Progress Report) (4:00)
5. Switching Off (5:05)
6. Not A Job (4:24)
7. I've Got Your Number (4:48)
8. Buttons And Zips (3:58)
9. Crawling With Idiot (4:42)
10. Grace Under Pressure (4:58)
11. Flying Dream 143 (1:48)

Gesamtspieldauer: 50:10




Das zweite Album der Engländer von Elbow erschien im Jahr 2003 unter dem Titel „Cast Of Thousands“. Und wieder wurde diese Platte, wie schon der Vorgänger, zu einer sehr ruhigen Angelegenheit. Relativ spärlich werden Akzente gesetzt, alles schwebt ein klein wenig über dem Boden, ist mitunter auf seine Art unnahbar und manches Mal klingt das Album auch ein wenig mystisch.

Die Musik ist melodiös, allerdings nicht sofort eingängig. Es bedarf des häufigeren Hörens der Platte, um mit den Liedern „warm“ zu werden. Nur wenig geht sofort ins Musikzentrum des Gehirns, will eher erarbeitet werden, um dann im Ohr des Hörers klingen zu können. Das funktioniert auch nach einigen Durchläufen der Scheibe, die allerdings ohne große Höhepunkte auskommt – anders als dies auf späteren Veröffentlichungen der Band der Fall ist.

So wird auf „Cast Of Thousands“ wieder jede Menge Stimmung und Atmosphäre transportiert, die eher etwas für die ruhigen Stunden des Tages ist, als für die Aufbruchstimmung, die Autofahrt oder gar die Party. Die Musik fließt aus den Boxen und vermittelt ein entspanntes Gefühl, Musik zum Auspannen und Abschalten.

Fazit: Die Musik auf „Cast Of Thousands“ ist völlig unaufgeregt und relaxt. Sanft klingt es meist, selten mal, dass sich ein etwas härterer Ton in eines der Lieder eingeschlichen hat. Das klingt alles ganz gut, jedoch auch ein wenig sehr unspektakulär. Eben ohne Höhepunkte, die ein Album auch ab und an zu etwas Besonderem werden lassen. Das ist „Cast Of Thousands“ allerdings noch nicht. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Snooks, Not A Job, Grace Under Pressure



Montag, 11. November 2013

Red Hot Chili Peppers – Stadium Arcadium




Red Hot Chili Peppers – Stadium Arcadium


Besetzung:

Michael "Flea" Balzary – bass, trumpet, backing vocals
John Frusciante – guitars, keyboards, backing vocals
Anthony Kiedis – lead vocals
Chad Smith – drums, percussion


Gastmusiker:

Michael Bolger – trombone on "Turn It Again"
Lenny Castro – additional percussion
Paulinho Da Costa – additional percussion
Richard Dodd – cello on "She Looks To Me"
Emily Kokal – chorus vocals on "Desecration Smile"
Billy Preston – clavenette on "Warlocks"
Omar Rodríguez-López – guitar solo on "Especially In Michigan"
Brad Warnaar – french horn on "Stadium Arcadium"
Natalie Baber – background vocals on "We Believe"
Mylissa Hoffman – background vocals on "We Believe"
Alexis Izenstark – background vocals on "We Believe"
Spencer Izenstark – background vocals on "We Believe"
Dylan Lerner – background vocals on "We Believe"
Kyle Lerner – background vocals on "We Believe"
Gabrielle Mosbe – background vocals on "We Believe"
Monique Mosbe – background vocals on "We Believe"
Sophia Mosbe – background vocals on "We Believe"
Isabella Shmelev – background vocals on "We Believe"
Landen Starkman – background vocals on "We Believe"
Wyatt Starkman – background vocals on "We Believe"


Label: Warner Bros. Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

CD1 (Jupiter):

1. Dani California (4:42)
2. Snow [Hey Oh] (5:35)
3. Charlie (4:38)
4. Stadium Arcadium (5:16)
5. Hump De Bump (3:33)
6. She's Only 18 (3:25)
7. Slow Cheetah (5:20)
8. Torture Me (3:45)
9. Strip My Mind (4:19)
10. Especially In Michigan (4:01)
11. Warlocks (3:26)
12. C'mon Girl (3:49)
13. Wet Sand (5:10)
14. Hey (5:40)


CD2 (Mars):

1. Desecration Smile (5:02)
2. Tell Me Baby (4:08)
3. Hard To Concentrate (4:02)
4. 21st Century (4:23)
5. She Looks To Me (4:06)
6. Readymade (4:31)
7. If (2:53)
8. Make You Feel Better (3:52)
9. Animal Bar (5:25)
10. So Much I (3:45)
11. Storm In A Teacup (3:45)
12. We Believe (3:36)
13. Turn It Again (6:06)
14. Death Of A Martian (4:25)

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 2:02:36




Achtundzwanzig Titel, eine Laufzeit von über zwei Stunden… Schon beeindruckend, was die Red Hot Chili Peppers da im Jahr 2006 auf eine Doppel-CD gepresst haben. Das liegt allerdings nicht so sehr an der Anzahl der Titel oder der Länge von „Stadium Arcadium“, ihrem neunten Studioalbum. Es ist die Musik, die Qualität der Musik, die Eindruck hinterlässt, denn diese ist alles andere als Massenware.

Auf „Stadium Arcadium“ klingt es mal verspielter, mal rockiger, mal eingängiger, ein anderes Mal funkig, dann wieder deutlich poppiger. Aber fast allem haftet etwas Besonderes an. Das ist keine 08/15-Musik, sondern das sind sehr einfallsreiche und meist überaus melodiöse Lieder, die rocken oder den Hörer durch ihre Melodiösität einnehmen. Das Album ist überaus abwechslungsreich, ohne dabei in irgendeiner Art konstruiert zu klingen. Alles ergibt Sinn, passt zusammen und macht einfach Spaß. Der Groove ist gleichberechtigt neben der Harmonie vertreten, der harte Rock auf Augenhöhe mit dem sanften Akkord. Das alles zusammen erzeugt eine Vielfalt, wie man sie nicht allzu häufig auf einem einzigen Album antrifft.

Fazit: „Stadium Arcadium“ ist das mit Abstand „massentauglichste“ Album der Red Hot Chili Peppers – allerdings trotzdem auch ihre bisher beste Platte. Die Musik wirkt, ist einfach klasse gemacht und es gibt hier eben die rockigeren Abschnitte und die wunderschönen eingängigen Melodien nebeneinander, als ob es nur so und nicht anders funktionieren könnte. Ein wahres Füllhorn, welches sich da über die Hörer ergießt. Wer jedoch die Peppers von „Blood Sugar Sex Magik“ her kennt und von dort her zu schätzen weiß, der könnte unter Umständen mit dieser Musik auf „Stadium Arcadium“ ein kleines Problem haben, denn das hier ist jetzt eine ganz andere Welt. Umgekehrt gilt allerdings dasselbe. Wer die Red Hot Chili Peppers von damals mit ihrem Funk Rock nicht mochte, der wird sicherlich mit der Musik dieses Albums positiv überrascht werden. Wahrlich eine tolle und abwechslungsreiche Platte, die sich für jeden Rock-Musik-Interessierten lohnt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Dieses Mal ein paar mehr, ich kann mich einfach nicht entscheiden: Dani California, Snow, She's Only 18, Slow Cheetah, Torture Me, Strip My Mind, Especially In Michigan, Desecration Smile, Hard To Concentrate, She Looks To Me, Turn It Again, Death Of A Martian



Sonntag, 10. November 2013

Lindisfarne – Sleepless Nights




Lindisfarne – Sleepless Nights


Besetzung:

Alan Hull – vocals, acoustic, electric and 12-string guitars, keyboards
Simon Cowe – lead-, acoustic- and 12-string guitars, mandolin, vocals
Rod Clements – electric bass, acoustic-, electric- and 12-string guitars, violin
Ray Laidlaw – drums, percussion
Ray Jackson – mandolin, harmonica, vocals


Label: Castle Music


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Nights (4:23)
2. Start Again (3:35)
3. Cruising To Disaster (4:05)
4. Same Way Down (3:24)
5. Winning The Game (4:24)
6. About You (4:16)
7. Sunderland Boys (3:37)
8. Love Is A Pain (2:32)
9. Do What I Want (3:15)
10. Never Miss The Water (3:55)
11. I Must Stop Going To Parties (3:11)
12. Stormy Weather (3:57)

Gesamtspieldauer: 44:34




Nachdem das siebte Album der Engländer von Lindisfarne „The News“ charttechnisch gefloppt hatte, verlor die Band ihren Major-Plattenvertrag bei Mercury Records und gründete daraufhin einfach ein eigenes Label: „Castle Music“. Auf diesem wurde dann die achte Platte der Band im Jahr 1982 veröffentlicht: „Sleepless Nights“. Mit Folk-Musik, wie noch zu den Ursprüngen der Band, haben die Lieder auf diesem Album allerdings gar nichts mehr gemein. Auf „Sleepless Nights“ hört man Pop-Musik und zwar in Reinkultur – vielleicht mit einer kleinen Ausnahme.

Das soll allerdings nichts über die Qualität der Musik aussagen, denn die ist auf „Sleepless Nights“ gar nicht mal schlecht gelungen. Viele der Titel haben eine schöne Melodie und bleiben durchaus länger hängen. Ich hatte das Album jetzt jahrelang nicht mehr gehört, die Lieder kamen mir aber zum Teil wie „alte Bekannte“ vor. Klar ist das jetzt keine großartig anspruchsvolle Musik, die man hier hört, aber es sind eingängige Lieder, die wie im Fall von „Cruising To Disaster“ oder auch „About You“ richtig gut gelungen sind und beim Hören einfach Spaß machen.

Der Anfang der Platte ist dabei noch ein wenig hörenswerter als das Ende, der Stil bleibt jedoch derselbe, sodass es ganz am Ohr des Hörers liegt, wo er seine Favoriten setzt. Und beim vorletzten Titel kommt dann sogar noch mal ein klein wenig, wie oben bereits angedeutet, die ursprüngliche Musik von Lindisfarne durch, welche sie zehn Jahre zuvor allerdings deutlich besser hinbekommen haben.

Fazit: Das Album hielt sich nur drei Wochen in den englischen Charts und hätte eigentlich mehr verdient gehabt, denn es gibt deutlich schlechtere Pop-Musik. Vielleicht lag das auch an der Auswahl der Single-Veröffentlichungen. Drei wurden getätigt und zwar mit den Titeln „I Must Stop Going To Parties“, „Sunderland Boys" und „Nights“. Ich hätte andere gewählt. Kein schlechtes Pop-Album. Acht Punkte.

Anspieltipps: Cruising To Disaster, About You




Samstag, 9. November 2013

Neil Young – Harvest




Neil Young – Harvest


Besetzung:

Neil Young – vocals, guitar, piano, harmonica


Gastmusiker:

Ben Keith – pedal steel guitar
Jack Nitzsche – piano, slide guitar
Tim Drummond – bass
Kenny Buttrey – drums
John Harris – piano
Teddy Irwin – guitar
James McMahon – piano
James Taylor – banjo-guitar, backing vocal
David Crosby – backing vocals
Graham Nash – backing vocals
Linda Ronstadt – backing vocals
Stephen Stills – backing vocals


Label: Reprise Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Out On The Weekend (4:34)
2. Harvest (3:12)
3. A Man Needs A Maid (4:06)
4. Heart Of Gold (3:07)
5. Are You Ready For The Country? (3:33)
6. Old Man (3:25)
7. There's A World (2:59)
8. Alabama (4:02)
9. The Needle And The Damage Done (2:03)
10. Words (Between The Lines Of Age) (6:47)

Gesamtspieldauer: 37:48




„Harvest“ betitelte Neil Young sein viertes Album aus dem Jahr 1972. Und diese Platte sollte für Neil Young die erfolgreichste seines Schaffens werden - zumindest wenn man sich die Verkaufszahlen des Albums ansieht. Musikalisch ist „Harvest“ allerdings ebenfalls richtig gut gelungen und wenn ein Musikhörer auf eingängige und melodiöse Musik steht, dann kann er hier seine Erfüllung finden.

Vielleicht liegt dieser Erfolg der Platte auch ein klein wenig mit an der Abwechslung der Musik, die es auf „Harvest“ zu hören gibt. Das ist zwar in erster Linie melodischer Folk gepaart mit der sicherlich nicht alltäglichen Stimme des US-Amerikaners – allerdings nicht nur. Da gibt es dieses Mal auch etwas „weicheren“ Rock zu hören und bei den Titeln „A Man Needs A Maid“ und „There's A World“ setzt ein ganzes Orchester die Musik Neil Youngs um. Und dies überaus gelungen.

Auch eines der wohl bekanntesten Lieder Neil Youngs ist auf dem Album zu hören: „Heart Of Gold“. Ich kenne diesen Titel sicherlich schon dreißig Jahre und er ist in keinem dieser Jahrzehnte auch nur einen Deut schlechter geworden. Einfach ein tolles Lied, das man immer wieder gerne hört. Genauso wie das etwas melancholische und sentimentale „Old Man“. Einen sehr schönen Text hat Neil Young dazu komponiert und fertig ist ein Lied, welches einen deutlich länger als nur die Zeit des Hörens begleitet.

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch das letzte Stück der Platte „Words (Between The Lines Of Age)“. Regelrecht episch wird das Album mit diesem Titel beschlossen. Eine klasse Nummer, einer jener Titel, die mit jedem Hören noch mal ein klein wenig wachsen.

Fazit: Auf „Harvest“ gibt es einige Höhepunkte zu erhören. Die Platte ist abwechslungsreich, quillt über vor tollen Melodien und schöne Einfällen. Die Texte lohnen sich hier ebenfalls mitgelesen zu werden. Somit wird dieses Album zu einem Begleiter durch die Zeit, den man immer wieder gerne auf- und einlegt, der nie langweilig wird und es immer wieder schafft, beim Hörer ein wohliges Gefühl hervorzuzaubern. Würde ich mal ausprobieren. Elf Punkte.

Anspieltipps: Heart Of Gold, Old Man, There's A World, Words





Freitag, 8. November 2013

Kate Bush – The Red Shoes




Kate Bush – The Red Shoes


Besetzung:

Kate Bush – bass, guitar, piano, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Jeff Beck – guitar
Gary Brooker – hammond organ
Paddy Bush – vocals, whistle (human), whistle (instrument), mandola, valiha, singing bowls, fujara, musical bow
Eric Clapton – guitar
Gaumont D'Oliver – bass, percussion, drums, sound effects
Stuart Elliott – percussion, drums
John Giblin – bass
Lenny Henry – vocals
Nigel Hitchcock – baritone & tenor saxophones
Michael Kamen – orchestration
Nigel Kennedy – violin, viola
Lily – narrator
Danny McIntosh – guitar
Charlie Morgan – percussion
Del Palmer – fairlight sampler
Prince – bass, guitar, keyboards, vocals
J. Neil Sidwell – trombone
Steve Sidwell – trumpet, flugelhorn
Paul Spong – trumpet
Trio Bulgarka – vocals
Colin Lloyd Tucker – vocals
Justin Vali – vocals, valiha, kabosy


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Art Pop


Trackliste:

1. Rubberband Girl (4:45)
2. And So Is Love (4:18)
3. Eat The Music (5:11)
4. Moments Of Pleasure (5:18)
5. The Song Of Solomon (4:29)
6. Lily (3:53)
7. The Red Shoes (4:03)
8. Top Of The City (4:15)
9. Constellation Of The Heart (4:47)
10. Big Stripey Lie (3:33)
11. Why Should I Love You? (5:02)
12. You're The One (5:53)

Gesamtspieldauer: 55:28




„The Red Shoes“ ist das siebte Studio-Album Kate Bushs. Es wurde 1993 veröffentlicht und sollte für die nächsten zwölf Jahre auch die letzte Platte der Engländerin bleiben, die sich nun mehr um ihre Familie kümmern wollte. Und die Musik auf diesem Album, auf dem man unter anderem neben Gary Brooker von Procol Harum auch Jeff Beck, Eric Clapton und Prince hört? Nun, diese kann leider so gar nicht mehr überzeugen. Ein Stilmix ist entstanden. Kate Bush versucht sich auf „The Red Shoes“ in sehr vielen verschiedenen Genres der Musik.

Mal klingt ein Lied poppig, dann wieder geht es in die Richtung Soul. Ein anderes Mal wird es richtig funkig und schließlich kann man sich auch noch nach Mexiko verzaubern lassen. Eine ganze Menge Stile, die man, bis auf den ersten, eigentlich von Kate Bush bisher gar nicht so gehört hat und vielleicht auch gar nicht so hören möchte. Das Album startet mit „Rubberband Girl“, einer Pop-Nummer, die so oder so ähnlich durchaus auch von Madonna etwa zur selben Zeit hätte stammen können. Nicht anders ist das bei „Eat The Music“, dem Song mit den mexikanischen Klängen, bei dem sogar die Stimme Kate Bushs manchmal an Madonna erinnert.

Nun und dann beginnt die Fahrt endgültig durch verschiedene Bereiche der modernen Musik, die hier auf „The Red Shoes“ allerdings so gar nicht überzeugen können. Da gibt es zwar zumindest noch ein paar Titel, die durchaus hörenswert – wenn auch nicht übermäßig überzeugend sind. Andererseits finden sich jedoch auch Beispiele wie „Constellation Of The Heart“ oder „Why Should I Love You?“ für Nummern auf dem Album, die zu den am wenigsten überzeugenden Liedern in der Karriere der Kate Bush gehören.

Fazit: Neben einigen noch ganz annehmbaren Stücken befindet sich auch richtig schlechte Musik auf „The Red Shoes“. Kate Bush hat hier zu vielen Stilen der Musik einen Besuch abgestattet, die man von Kate Bush einfach nicht hören will. Nichts gegen eine Weiterentwicklung als Künstlerin, dann muss das allerdings auch überzeugend und stimmig sein. Überdies bewirkt dieses Sammelsurium eine Unausgegorenheit auf dieser Platte, mit der man immer wieder konfrontiert und durch die man überrascht wird. Leider nicht im positiven Sinn. Sechs Punkte.

Anspieltipps: And So Is Love