Freitag, 6. Dezember 2013

Mark Knopfler – Get Lucky




Mark Knopfler – Get Lucky


Besetzung:

Mark Knopfler – vocals, guitar


Gastmusiker:

Richard Bennett – guitar
John McCusker – violin, cittern
Matt Rollings – keyboards
Guy Fletcher – keyboards, string arrangements
Glenn Worf – bass guitar, string bass
Danny Cummings – drums
Phil Cunningham – accordion (1,4,10,11)
Michael McGoldrick – flute, whistle (1,4,10,11)
Rupert Gregson-Williams – strings conductor, french horn


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Folk, Blues, Pop


Trackliste:

1. Border Reiver (4:35)
2. Hard Shoulder (4:34)
3. You Can't Beat The House (3:26)
4. Before Gas And TV (5:50)
5. Monteleone (3:40)
6. Cleaning My Gun (4:43)
7. The Car Was The One (3:56)
8. Remembrance Day (5:06)
9. Get Lucky (4:34)
10. So Far From The Clyde (5:59)
11. Piper To The End (5:47)

Gesamtspieldauer: 52:10




Eine Mischung aus Folk, Blues und Pop serviert Mark Knopfler dem Hörer auf seinem sechsten Album aus dem Jahre 2009. Dabei wirkt die Musik des Schotten am Besten, wenn sie auch schottisch klingt. So wie gleich beim Opener „Border Reiver”. Mit der Flöte eingeleitet klingt hier alles nach der Weite der Highlands, nach trübem Wetter, durch dessen Wolken allerdings dann die Sonne durchbricht und es entwickelt sich eine flotte und sehr melodiöse Folk-Nummer.

Auch in diese schottische Folk-Rock-Schublade passt das sehr melancholische und sentimentale „Before Gas And TV“ sowie der Abschluss des Albums mit dem passenden Titel „Piper To The End“. So bildet sich zusammen mit dem ersten Titel also ein thematischer Ringschluss. Folkig wird „Get Lucky“ eingeleitet und genau so klingt es auch aus. Und dazwischen? Dazwischen finden sich die restlichen, oben angegebenen Musikgenres, die beim sanften Pop des Mark Knopflers - nicht nur bezüglich der Stimme - immer wieder sehr stark an die Dire Straits erinnern. Überaus gelungen sind dabei die Titel „Monteleone“.der Titeltrack „Get Lucky“ sowie das ebenfalls sehr schöne und verträumte „So Far From The Clyde“.

Etwas aus der Reihe fällt das Stück „You Can't Beat The House“. Das passt irgendwie so gar nicht zum Rest der Platte. Die Nummer klingt nach Südstaaten-Blues und groovt deutlich mehr als der Rest der Scheibe. Das hat hier immer wieder große Auftritte, natürlich neben der Gitarre Mark Knopflers.

Fazit: „Get Lucky“ ist ein schönes und meist sehr ruhiges Album geworden. Oftmals hat man das Gefühl, dass die Zeit überhaupt nicht vergangen sei, denn vieles erinnert an die Dire Straits. Auf „Get Lucky“ gibt es jede Menge Musik zu hören, welche einem bekannt vorkommt – und das ist nicht langweilig, sondern schön. Ein Album für die ruhigeren Stunden des Tages. Immer melodiös und eingängig. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Border Reiver, Before Gas And TV, So Far From The Clyde



Donnerstag, 5. Dezember 2013

Gong – Angel’s Egg




Gong – Angel’s Egg


Besetzung:

Daevid Allen – vocals, guitars
Gilli Smyth – vocals, space whisper
Didier Malherbe – saxophone, flute, vocals
Steve Hillage – guitars
Tim Blake – keyboards
Mike Howlett – bass
Pierre Moerlen – drums, percussion, vibraphone, glockenspiel


Gastmusiker:

Mireille Bauer – percussion


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Spacerock, Jazzrock


Trackliste:

1. Other Side Of The Sky (7:39)
2. Sold To The Highest Buddha (4:28)
3. Castle In The Clouds (1:12)
4. Prostitute Poem (4:54)
5. Givin My Luv To You (0:47)
6. Selene (3:43)
7. Flute Salad (2:10)
8. Oily Way (3:38)
9. Outer Temple (1:09)
10. Inner Temple (2:34)
11. Percolations (0:46)
12. Love Is How Y Make It (3:29)
13. I Never Glid Before (5:38)
14. Eat That Phone Book Coda (3:14)


Bonus Tracks:

15. Other Side Of The Sky (Single Version) (4:36)
16. Ooby-Scooby Doomsday Or The D-day DJ's Got The D.D.T. Blues (5:11)
17. Love Is How Y Make It (1973 Vocal Mix) (2:32)
18. Eat That Phone Book Coda (Early Version) (3:09)

Gesamtspieldauer: 1:00:48




Von Rock, der sich mal sphärischer, mal auch ein wenig progressiv anhört, über Trinklieder und Walzer-Klänge, bis hin zum Jazz gibt es auf “Angel’s Egg” von Gong eine ganze Menge verschiedenartigster Musik zu hören. Das Album ist der zweite Teil der „Radio Gnome Invisible“ Trilogie und hält dabei Allerlei für den Hörer parat. Das kann mitunter melodiös klingen, ein anderes Mal allerdings auch schon ein wenig verstörend. Dabei sind Gong die sphärischen Space Rock Titel wohl am ehesten gelungen. Als Beispiel hierfür steht stellvertretend der Opener „Other Side Of The Sky”. Aber auch, wenn es mal völlig anders klingt wie bei „Prostitute Poem“, kann man hier schöne und interessante Momente in der Musik von Gong entdecken. Bei letztgenannten Titel hört man jedoch keinen Space Rock, sondern eher Zirkusmusik, die im Walzertakt wiedergegeben wird.

Im Vordergrund auf „Angel’s Egg“ steht die Instrumentierung selbst. Klasse schwebende und sehr atmosphärische Momente gibt es hier zu erhören und wer den Einsatz eines Saxophons oder der Querflöte in der Rockmusik liebt, auch der wird auf „Angel’s Egg“ auf seine Kosten kommen. Glockenspiel und Vibraphone sorgen dabei neben dem Schlagzeug für die überzeugende rhythmische Instrumentierung der einzelnen Songs.

Einheitlich ist allerdings nichts auf diesem Album, sodass es nicht weiter verwunderlich sein dürfte, dass man als Hörer kaum in die Situation gerät, alles klasse auf dieser Platte zu finden. Dazu sind die Stile einfach zu unterschiedlich, manchmal fast experimentell, dann wieder jazzig, um beim nächsten Lied schließlich deutlich melodiöser und poppig bis rockig zu klingen. Auf dem Album wird eine Geschichte erzählt, die man auch im Booklet nachlesen kann und genau dieser Tatsache wird hier Rechnung getragen. Die Musik passt sich an die Szenen der Geschichte an, die eben verschiedene Stimmungen und Situationen wiedergeben. Dies wiederum bewirkt, dass man sich „Angel’s Egg“ wohl am besten mit der dazugehörenden Geschichte zu Gemüte führt, da die Lieder für sich alleine manchmal nicht wirken. Allerdings wirken sie in ihrer Gesamtheit, sodass ein einzelner Song, isoliert gehört, wohl meist nur Verwunderung beim Hörer zurücklässt - im Kontext der Gesamtheit der Stücke auf dem Album jedoch zu wirken weiß.

Fazit: Man muss sich reinhören und reindenken in diese Scheibe, die hier so überaus abwechslungsreich und variantenreich dargeboten wird. Sicherlich keine einfache Kost, zumal die melodiösen, sofort ins Ohr gehenden Abschnitte äußerst rar gesät sind. Alleine wirken die einzelnen Titel häufig nicht, in ihrer Gesamtheit gewinnen sie jedoch an Fülle und Ausstrahlung. Trotzdem weist diese Platte auch immer wieder Stellen auf, die mitunter schwerverdaulich, da entweder langweilig oder aber überaus atonal geraten sind. Und da interessiert es dann wenig, an welcher Stelle der Geschichte sich man gerade befindet. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Other Side Of The Sky, Prostitute Poem, Selene, Outer Temple





Mittwoch, 4. Dezember 2013

Strawbs – From The Witchwood




Strawbs – From The Witchwood


Besetzung:

Tony Hooper – vocals, guitar, autoharp, tambourine
Dave Cousins – vocals, guitar, banjo, dulcimer, tenor recorder
John Ford – bass, vocals
Rick Hudson – drums, vocals, sitar, snare drum
Rick Wakeman – organ, celeste, clarinet, piano, harpsichord, mellotron, moog


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. A Glimpse Of Heaven (3:53)
2. Witchwood (3:26)
3. Thirty Days (2:55)
4. Flight (4:27)
5. The Hangman And The Papist (4:14)
6. Sheep (4:17)
7. Cannondale (3:47)
8. The Shepherd's Song (4:37)
9. In Amongst The Roses (3:50)
10. I'll Carry On Beside You (3:09)
11. Keep The Devil Outside (3:04)

Gesamtspieldauer: 41:38




Es hatte sich einiges getan bei den Strawbs seit der letzten Studioplatte “Dragonfly” (dazwischen gab es noch das live eingespielte Album „Just A Collection Of Antiques And Curios“). Von der ursprünglichen Besetzung waren nur noch Tony Hooper und Dave Cousins übrig geblieben. Dafür war jetzt allerdings Rick Wakeman an den Keyboards zu hören, jener Rick Wakeman, der mit Yes den Höhepunkt seiner Karriere erreichen sollte.

Auf „From The Witchwood” bekommt der Hörer englischen Folk Rock mit starken progressiven Anleihen serviert. Musik, die immerzu sehr melodisch gehalten ist. Während einige mehrstimmige gesungene Abschnitte auch mal an Crosby, Stills & Nash erinnern, wartet das Album allerdings auch immer wieder mit Abschnitten auf, die der damaligen progressiven Rock Musik schon sehr stark entsprechen. Hierbei handelt es sich jedoch immer um die harmonische Fraktion dieser Musikrichtung, sodass man schräge Töne fast schon vergeblich auf dem Album sucht. Vielleicht kann hier der Song „Sheep“ zumindest ein klein wenig als Ausnahme von der Regel dienen. Und hier ist dann auch das Keyboard-Spiel des Rick Wakeman gleich klasse gelungen.

Alles klingt, alles wirkt, besitzt sehr häufig Ohrwurmcharakter, für den man noch nicht einmal mehrere Durchgänge der Scheibe benötigt. Nur ganz selten, wie beim Opener „A Glimpse Of Heaven“ nähern sich die Strawbs dabei ein klein wenig dem Schmalz an, ohne ihn dann aber letztendlich tatsächlich zu tangieren. Trotz aller Eingängigkeit schafft es die Musik dabei auch immer wieder fordernd zu wirken. Sie trifft den Hörer zwar bereits beim ersten Hören, möchte allerdings trotzdem erarbeitet werden und wächst mit jedem weiteren Durchlauf.

Fazit: „From The Witchwood” macht Spaß. Es ist ein abwechslungsreiches Album, welches ziemlich schnell ins Ohr geht. Diese Mischung aus Folk und Progressive Rock hat etwas, was es zu etwas Besonderem werden lässt. Zugegebenermaßen hört man der Platte an, dass sie nicht in diesem Jahrtausend entstanden ist, allerdings war das Entstehungsdatum noch nie ein Gütesiegel für Musik. Wer harmonischen Folk und Progressive Rock mag, die oder der kann hier absolut nichts falsch machen. Lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Hangman And The Papist, Keep The Devil Outside



Dienstag, 3. Dezember 2013

Ideal – Der Ernst des Lebens




Ideal – Der Ernst des Lebens


Besetzung:

Annette Humpe – Gesang, Keyboard
Ernst Ulrich Deuker – Bass, Gesang
Frank Jürgen Krüger – Gitarre, Gesang
Hans-Joachim Behrendt – Schlagzeug


Label: Warner Music Germany


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Neue Deutsche Welle


Trackliste:

1. Eiszeit (2:53)
2. Schwein (2:59)
3. Sex in der Wüste (3:39)
4. Herrscher (3:42)
5. Feuerzeug (4:17)
6. Immer Frei (2:28)
7. Erschießen (3:41)
8. Monotonie (4:45)
9. Ich kann nicht Schlafen (3:33)
10. Spannung (2:59)
11. Spion (5:22)
12. Geheimnis der Großstadt (2:41)

Gesamtspieldauer: 42:59




Nun, das ist schon so eine Sache mit der Neuen Deutschen Welle. Da gab es immer wieder mal Titel, die einen an der Zurechnungsfähigkeit der Interpreten und Produzenten zweifeln ließen – trotzdem verkaufte sich der Mist. Ich denke da an so Stücke wie „Knutschleck“ von Ixi. Unglaublich. Aber immerhin war man überrascht - zumindest also eine Regung, die diese Musik hervorzurufen fähig war.

Ideal war ein anderer Vertreter dieses Genres der Neuen Deutschen Welle. Zwar mitunter auch völlig sinnfrei bezüglich der Texte, dann allerdings auch wieder deutlich tiefgründiger. Dazu nicht bloß plastikmäßiger Synthie-Sound, nein, auch Gitarren, Bass und Schlagzeug sind deutlich zu vernehmen. Auf ihr zweites Album, „Der Ernst des Lebens“, haben die vier Musiker von Ideal zwölf Titel gepackt. Darunter solch einen Klassiker wie „Eiszeit“, der durchaus auch heute noch zu wirken weiß. „Monotonie“ dürfte mit seinem Reggae-Sound ebenfalls noch den meisten Musikhörern bekannt sein. Überzeugen kann dieses Lied allerdings schon nicht mehr.

Das ist nämlich genau die Schwierigkeit an dieser Musik der frühen 80er Jahre und auch an diesem Album hier. Damals hat das alles gewirkt und auch überzeugt. Es war neu, innovativ, ging mitunter sogar ziemlich schnell ins Ohr. Heutzutage wirkt es ein wenig überholt und leider deutlich langweiliger. Wer in dieser Zeit, den 80er Jahren groß wurde, der wird mit dieser Musik zwar noch sehr wohl etwas anzufangen wissen, die oder der wird in Erinnerungen schwelgen, vielleicht sogar mal wieder ein wenig sentimental werden. Wer allerdings die erste Berührung mit dieser Platte hier und heute hat, dem fehlt dieser „Unterbau“ komplett und dann findet sich nichts auf dem Album, was neu und interessant zu sein scheint. Alles schon x-mal gehört und eben auch nicht sonderlich spannend.

Fazit: Auch wenn dies ein Klassiker der Neuen Deutschen Welle ist, so finden sich heutzutage vielleicht noch ein, zwei gute Songs für die Ü40-Party, ein, zwei ganz „nette“ Titel und jede Menge Füllmaterial auf dem Album. An dieser Art der Musik kann man am ehesten feststellen, wie sich die Wirkung der Musik über die Jahrzehnte verändert. Sind es bei den Beatles noch ganze Alben, die absolute Klassiker darstellen, so sind es bei diesem Genre und den damals aktiven Bands und Künstlern noch einzelne Lieder. Ein gutes Beispiel ist hierfür diese Platte: „Der Ernst des Lebens“. „Eiszeit“ ist dieser Klassiker, der ganze Rest ist seit langem vergessen – und das noch nicht einmal unberechtigt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Eiszeit, Sex in der Wüste



Montag, 2. Dezember 2013

Ennio Morricone – The Platinum Collection




Ennio Morricone – The Platinum Collection


Besetzung:

Diverse Orchester


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Filmmusik, Soundtrack


Trackliste:

CD1:

1. Gabriel's Oboe (2:17)
2. Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo (2:43)
3. C'era Una Volta Il West (3:45)
4. Metti Una Sera A Cena (4:33)
5. Nuovo Cinema Paradiso (2:35)
6. La Donna Della Domenica (3:24)
7. Il Clan Dei Siciliani (3:40)
8. Addio A Palermo (3:49)
9. Il Mio Nome È Nessuno (3:12)
10. Terma D'Amore Disperato (2:10)
11. Speranze Di Libertà (2:31)
12. Paura Sulla Città (4:12)
13. La Califfa (2:45)
14. Inseguimento E Fuga (3:42)
15. Lontano (4:32)
16. Barbablù (2:58)
17. Tema D'Amore (3:11)
18. Viaggio Con Anita (2:50)
19. La Moglie Più Bella (2:14)
20. Per Un Pugno Di Dollari (1:49)


CD2:

1. Deborah's Theme (4:28)
2. L'Estasi Dell'Oro (3:24)
3. The Mission (2:51)
4. Dal Sex Appeal Al Primo Fellini (3:29)
5. L'uomo Dell'Armonica (3:30)
6. Il Segreto Del Sahara (Secret Of The Sahara) (4:32)
7. Algeri 1 Novembre 1954 (2:28)
8. Forse Basta (3:56)
9. Il Vizietto (3:14)
10. Via Mala (2:39)
11. La Cosa Buffa (3:10)
12. Dimenticare Palermo (4:27)
13. Romanza Quartiere (3:41)
14. Si Muore D'Amore (3:52)
15. Thieves After Dark (4:46)
16. Estate 1943 (4:02)
17. Viva La Revolucion (4:24)
18. Venuta Dal Mare (2:11)
19. Il Vento Il Grido (1:52)
20. La Tragedia Di Un Uomo Ridicolo (2:13)


CD3:

1. Giù La Testa (4:19)
2. Indagine (3:31)
3. Infanzia E Maturità (2:11)
4. Per Qualche Dollaro In Più (2:55)
5. Romanzo (4:10)
6. The Falls (1:56)
7. Questa Specie D'Amore (2:37)
8. Il Federale (Titoli) (2:07)
9. Poesia Di Una Donna (3:17)
10. I Crudeli (2:41)
11. Chi Mai (3:33)
12. Marcia In La (3:05)
13. Cockeye's Theme (4:25)
14. La Verité Et Le Soleil (2:58)
15. Rivoluzione (2:42)
16. L'Uomo Proiettile (3:39)
17. Crescete E Moltiplicatevi (2:22)
18. Tema Di Dunja (2:43)
19. La Ballata Di Hank McCain (2:12)
20. La Ragion Pura (6:11)

Gesamtspieldauer: 3:15:34




Der 1928 geborene Italiener Ennio Morricone hat zu über 500 Filmen die Musik beigetragen. So sind auch nur die 60 Stücke auf dieser Dreifach-CD ein kleiner Ausschnitt aus dem Wirken des Komponisten. Am bekanntesten sind dabei wohl seine Werke, die in der Zusammenarbeit mit dem Regisseur Sergio Leone, mit dem er gemeinsam die Schulbank drückte, entstanden. In den 60er Jahren schrieb er hier die Filmmusik für zahlreiche Italo-Western wie „Für eine Handvoll Dollar“, „Für ein paar Dollar mehr“, „Zwei glorreiche Halunken“ oder „Spiel mir das Lied vom Tod“. Dabei setzte er auf bisher völlig ungewöhnliche Töne in dem Genre der Filmmusik. Nicht nur Streicher und Bläser hatten bei den diversen Titeln ihren Auftritt, nein, Ennio Morricone integrierte in seine Musik Pferdegetrappel, Spieluhren, Maultrommeln, Peitschengeknalle usw.

Und noch etwas Spezielles gibt es zu dieser Filmmusik anzumerken. Im Gegensatz zu den meisten anderen Vorgehensweisen, bei denen die Filmmusik sich an die Szenen des Films anpasst, wurde hier häufig der umgekehrte Weg eingeschlagen. Ennio Morricone komponierte bei diesen Italo-Western die Musik und Sergio Leone passte die Filmszenen an die Melodie der einzelnen Stücke an. Das Ergebnis sind wahrhaft fesselnde und eindrucksvolle Szenen, welche in der Cineastik wahrlich einmalig sind.

Alle wichtigen und bekannten Titel des Ennio Morricone sind auf dieser Zusammenstellung enthalten. Sei es „My Name Is Nobody“ oder die bereits erwähnten Italo-Western mit Clint Eastwood oder Charles Bronson und Henry Fonda. Dazu gesellen sich zahlreiche andere Stücke, die man zunächst überhaupt nicht mit Ennio Morricone in Verbindung bringt. Des Weiteren befinden sich viele Titel auf dem Album, welche durchaus dem Genre „Moderne Klassik“ zuzuordnen sind. Diese besitzen zwar größtenteils nicht diesen Wiedererkennungswert der Titel in den bereits erwähnten Filmen, strahlen allerdings alle durch die Bank hinweg eine angenehme und entspannte Ruhe aus, die geradezu zum Relaxen und Träumen einlädt.

Fazit: Sehr schöne und sehr intensive Filmmusik hat Ennio Morricone erschaffen, die hier auf dieser Zusammenstellung zu hören ist. Wer die Italo-Western mag und immer mal wieder dieses spezielle Feeling spüren möchte, welches hier sogar ohne den Film wirkt, der ist mit diesem Album bestens bedient. Wirklich klasse Musik, die einmal gehört, zu einem Begleiter wird. Elf Punkte.

Anspieltipps: Il Buono Il Brutto Il Cattivo, C'era Una Volta Il West, Il Mio Nome È Nessuno, L'Estasi Dell'Oro, L'uomo Dell'Armonica, Per Qualche Dollaro In Più




Sonntag, 1. Dezember 2013

Iggy Pop – Avenue B




Iggy Pop – Avenue B


Besetzung:

Iggy Pop – vocals, keyboards, guitar


Gastmusiker:

David Mansfield – violin, viola
Hal Cragin – bass, synth bass
Larry Mullins – drums, vibes, table, 808
Michael Chaves – keyboards
John Medeski – hammond b3, wurlitzer piano
Billy Martin – drums
Chris Wood – bass
Lenny Castro – percussion
Whitey Kirst – guitar
Andrew Scheps – loop stuff
Don Was – slide guitar
Pete Marshall – guitar


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. No Shit (1:21)
2. Nazi Girlfriend (3:00)
3. Avenue B (5:21)
4. Miss Argentina (4:15)
5. Afraid To Get Close (1:02)
6. Shakin' All Over (4:36)
7. Long Distance (4:57)
8. Corruption (4:24)
9. She Called Me Daddy (1:53)
10. I Felt The Luxury (6:32)
11. Español (4:12)
12. Motorcycle (2:43)
13. Facade (5:29)

Gesamtspieldauer: 49:43




Sechzehn Solo-Alben hat Iggy Pop, der mit bürgerlichem Namen eigentlich James Newell Osterberg Jr. heißt, bisher veröffentlicht. „Avenue B“ ist das zwölfte in dieser Reihe. Und es ist ein sehr abwechslungsreiches Album geworden, auf dem sehr sphärische Töne gleichberechtigt neben Rock’n’Roll, Sprechgesang und Pop-Liedern zu hören sind.

Gerade dieser Stilmix sorgt für jede Menge Abwechslung und trägt dazu bei, dass sich Langeweile erst gar nicht einstellen kann. Zwar benötigt man mehrere Durchläufe der CD, damit diese auch in all ihren verschiedenen Facetten wirken kann, dann allerdings bleiben die Lieder auch längerfristig hängen. Zwar rockt Iggy Pop immer wieder auch auf dieser Scheibe, der Schwerpunkt liegt bei „Avenue B“ jedoch ganz deutlich auf den ruhigeren und nachdenklicheren Tönen. Vieles klingt hier sentimental bis melancholisch. Dabei ist es durchaus lohnenswert, sich auch mal die Texte etwas genauer zu Gemüte zu führen. Denn dabei handelt es sich keineswegs um 08/15-Liebesschmalz-Kalauer, sondern durchaus um Inhalte mit Tiefgang, die sich oft mit seiner Sicht der Dinge, zu der Zeit 52-jährig, beschäftigen. Allerdings steht der Aufdruck „Explicit Content“ nicht umsonst groß links unten auf dem CD-Cover.

Die Stimme des Iggy Pop trägt ebenfalls – wie immer – sehr zum Hörerlebnis auf „Avenue B“ bei. Sehr viel Wärme strömt diese bei den ruhigeren Songs aus, kann dann jedoch bei den rockigeren Stücken wie zum Beispiel „Corruption“ auch überaus aggressiv und hart klingen. Auch hier macht es die Diversität, die das Gesamtbild überaus spannend werden lässt.

Fazit: „Avenue B“ hat nichts mit Punk oder den Stooges zu tun. „Avenue B“ ist anders, wie Vieles von Iggy Pop. Immer wieder schafft es der Amerikaner seine Zuhörer zu überraschen. So auch auf diesem Album, auf dem zwar die sanfteren Töne überwiegen, jedoch auch der Rock-Freund auf seine Kosten kommt. Dazu diese Erzählpassagen und fertig ist ein Album, welches irgendwie nicht so einheitlich aus den Boxen kommen will, dafür jedoch überraschende Wendungen aufweist und mit jedem weiteren Hören noch wächst. Neun Punkte.

Anspieltipps: Nazi Girlfriend, Miss Argentina




Samstag, 30. November 2013

Scorpions – In Trance




Scorpions – In Trance


Besetzung:

Klaus Meine – vocals
Rudolf Schenker – rhythm guitar
Uli Roth – lead guitar, vocals on "Dark Lady" & "Sun in My Hand"
Francis Buchholz – bass
Rudy Lenners – drums


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Hard Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Dark Lady (3:29)
2. In Trance (4:45)
3. Life's Like A River (3:51)
4. Top Of The Bill (3:24)
5. Living And Dying (3:22)
6. Robot Man (2:45)
7. Evening Wind (5:05)
8. Sun In My Hand (4:23)
9. Longing For Fire (2:45)
10. Night Lights (3:13)

Gesamtspieldauer: 37:02




Die Scorpions stellen für mich immer so einen Beißer dar. Wenn ich zum Beispiel „Wind Of Change“ höre, muss ich schlagartig den Raum verlassen. Dieses glattpolierte Gedudel in der Verbindung mit Klaus Meines Stimme, lässt mir die Haare zu Berge stehen. Aber wie das so ist, diese Phase um das Album „Crazy World“ war gleichzeitig die erfolgreichste der Bandgeschichte. Ich habe schon einen seltsamen Musikgeschmack…

Nun aber hier soll es jetzt um das dritte Album der Band gehen. „In Trance“ heißt es und machte zunächst Furore, da die Dame auf dem Cover ursprünglich noch etwas nackter war. Das Bild kam auf den Index und wurde retuschiert. Noch ursprünglich erhalten ist dagegen die Musik auf „In Trance“. Diese ist eine Mischung aus härterem und dann wieder etwas sanfterem Rock. Bei zwei Liedern singt auch Uli Roth ("Dark Lady" und "Sun in My Hand"), Klaus Meine gibt hier dann maximal noch den Hintergrundgesang.

Mit Dieter Dierks hatten die Scorpions nun einen Produzenten bekommen, der die Band etwas mehr auf „Massentauglichkeit“ trimmte. Die Lieder haben alle eine radiotaugliche Länge bekommen, die Songs sind nicht zu hart und weisen fast durchgängig eine gewisse Melodiösität auf. Überzeugen können dabei allerdings nur wenige. Der Titeltrack „In Trance“ und das etwas träumerische und doch auch „schwere“ „Evening Wind“ stechen dabei deutlich aus der Masse der restlichen Titel hervor, die einfach nicht so recht zünden wollen. Zumindest nicht bei mir. Ganz nett mitunter, aber trotzdem nichts, was es sich lohnt häufiger gehört zu werden.

Trotzdem ist „In Trance“ kein schlechtes Album geworden, bei Scorpions-Fans steht diese Platte sowieso sehr hoch im Kurs. Hier ist gut gemachter Rock zu hören, der allerdings leider nur eben diese wenigen Höhepunkte aufweist. Außer den beiden bereits erwähnten Titeln gibt es da nichts, was länger und nachhaltig hängenbleibt.

Fazit: Ein durchschnittliches Rock-Album ist „in Trance“ geworden, welches zwei Höhepunkte aufweist und beim Anhören sofort der Entstehungszeit zugeordnet werden kann. Diese beiden Highlights lohnen sich und sollte man als Rock-Fan auch mal gehört haben. Der ganze Rest rauscht einfach so durch. Sieben Punkte.

Anspieltipps: In Trance, Evening Wind





Freitag, 29. November 2013

David Bowie – I Dig Everything (The 1966 Pye Singles)




David Bowie – I Dig Everything (The 1966 Pye Singles)


Besetzung:

David Bowie – vocals, guitar


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Castle Music


Erscheinungsdatum: 1966 / 2006


Stil: 60ies Pop


Trackliste:

1. I'm Not Losing Sleep (2:56)
2. I Dig Everything (2:46)
3. Can't Help Thinking About Me (2:46)
4. Do Anything You Say (2:31)
5. Good Morning Girl (2:14)
6. And I Say To Myself (2:29)

Gesamtspieldauer: 15:41




Bei der CD „I Dig Everything (The 1966 Pye Singles)” handelt es sich nicht um das erste Album des David Bowie. Vielmehr ist es eine Zusammenstellung dreier Single A-Seiten (die ersten drei Titel) und den entsprechenden B-Seiten, die 1966 auf dem „Pye Label“ erschienen und vierzig Jahre später in Form dieser CD wieder veröffentlicht wurden. David Bowie hatte sich gerade von David Jones in David Bowie umbenannt, um nicht mit dem „Monkey-Musiker“ David Jones verwechselt zu werden und spielte mit verschiedenen Begleitmusikern in diversen Clubs. Schließlich unterschrieb er seinen ersten Plattenvertrag bei Pye und die drei erwähnten Singles wurden veröffentlicht.

Nun, ich möchte die sechs hier vorhanden Titel nicht als belanglos hinstellen, etwas Besonderes stellen sie allerdings jedoch auch nicht dar. Bei den Liedern handelt es sich um 60er Pop bis Beat-Musik. Manchmal etwas vom Rhythm & Blues beeinflusst, manchmal deutlich poppiger. Manches Mal klingt das Ganze ein klein wenig nach den Who, ein anderes Mal glaubt man die Rolling Stones ein wenig herauszuhören.

Was dabei zurückbleibt, ist allerdings nicht viel. Die Titel klingen absolut unaufgeregt und bleiben auch nicht nachhaltig haften. Zudem hört man den Nummern auch deutlich ihr Alter an: Definitiv Mitte des letzten Jahrhunderts. Was bleibt ist die Stimme des David Bowie, die hier zwar noch nicht ihre volle Stärke entwickelt hat, jedoch bereits zu dieser Zeit sehr eindringlich klingt.

Fazit: Das ist eine CD für Fans von David Bowie, die alles von ihrem Lieblingssänger besitzen möchten. Somit rundet die Platte die Sammlung ab. Nicht mehr und nicht weniger. Diese Lieder hier muss man nicht unbedingt kennen, auch wenn sie ebenfalls weit davon entfernt sind, einem zum Reißaus zu bewegen. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Good Morning Girl




Donnerstag, 28. November 2013

Patty Moon – Mimi And Me




Patty Moon – Mimi And Me


Besetzung:

Patty Moon – vocals, piano
Tobias Schwab – guitar, bass, clarinet, reed organ, accordion, piano and percussion


Gastmusiker:

David Neuffer – cello on “The Dawn”

Pellegrini Quartett (“Painting Horses”, Mimi And Me”, “Under Water” & “Dare”):
Antonio Pellegrini – violin
Thomas Hofer – violin
Fabio Marano – viola
Helmut Menzler – violoncello


Label: Traumton Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Painting Horses (3:44)
2. Mimi And Me (2:35)
3. Under Water (4:00)
4. Stardust (2:41)
5. When You Go Chapter 1 (2:00)
6. Landscape (4:18)
7. Cover Me (2:48)
8. The Dawn (1:41)
9. When You Go Chapter 2 (1:51)
10. Dare (3:21)
11. The Raven (3:33)
12. Autumn Orchestra (3:08)
13. Swamp (4:45)
14. When You Go Epilog (1:47)

Gedsamtspieldauer: 42:12




Patty Moon ist eine deutsche Band, bestehend aus Judith Heusch, die sich für die Kompositionen verantwortlich zeigt und Tobias Schwab, der die Lieder arrangiert und abmischt. Die Musik ist dabei eine Mischung aus ArtPop und KammerPop, was sich allein schon aus der Instrumentierung der einzelnen Stücke ableiten lässt. Die einzelnen Nummern sind dabei überaus sanft, weich, melancholisch und sentimental geraten. Wer durchaus auch den ruhigeren Tönen in der Musik etwas abgewinnen kann, dem sei dieses Album wärmstens empfohlen.

Die Musik schwebt auf „Mimi And Me“, dem bisher vierten Album von Patty Moon. Am besten ist diese zu genießen am Lieblingsort des Hörers, sei dieser entspannt auf dem Sofa oder aber irgendwo an einem schönen Ort in der Natur. Dann beginnt sie, die Traumreise, die das sich einstellende, wohlige Gefühl noch zu verstärken weiß. Intensiv und eindringlich wirkt diese sanfte Stimme der Judith Heusch, die mit wunderschönen Pianoläufen und Streicherarrangements zusätzlich noch untermalt wird. Alles wirkt überaus melodiös und harmonisch, die Musik hüllt den Hörer ein und wenn dieser auch mit diesen weichen, oftmals auch zerbrechlich wirkenden Tönen etwas anzufangen weiß, wirkt das Ganze wie ein kleiner Urlaub vom Alltag.

Die Lieder „Stardust“, „Landscape“ und „Cover Me“ wurden für den Film „In der Welt habt ihr Angst“ von Hans W. Geißendörfer geschrieben und fügen sich perfekt in das Gesamtbild dieser Platte ein. Wobei überhaupt festzustellen ist, dass kein Lied qualitativ oder atmosphärisch in irgendeiner Art und Weise abfällt. Mitunter wird es zwar auch mal ein wenig sphärischer, dann wieder etwas fordernder, aber all diese Stimmungen passen perfekt zusammen auf „Mimi And Me“.

Fazit: Ich bin immer dankbar, wenn ich musikalisch irgendwie inspiriert werde, etwas Neues entdecken kann. Meist passiert dies jedoch nicht durch das Radio, in dem die Charts rauf und runter gedudelt werden. Hier war das jedoch der Fall. Somit lohnt es sich doch immer wieder mal, einen Spartensender zu suchen, der einem auch mal alternative Musik anbietet. „Mimi And Me“ von Patty Moon ist eine tolle Platte geworden, mit richtig begeisternder Musik, die jede Menge Tiefgang besitzt. Musik zum Träumen und darin Schwelgen. Unaufgeregte Lieder, die den Hörer zu packen verstehen. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Painting Horses, Mimi And Me, The Raven, Swamp



Mittwoch, 27. November 2013

Renaissance – Time Line




Renaissance – Time Line


Besetzung:

Annie Haslam – lead vocals, backing vocals
Jon Camp – lead vocals, backing vocals, bass, guitars
Michael Dunford – guitars, backing vocals


Gastmusiker:

Peter Gosling – keyboards
Nick Magnus – keyboards
Eddie Hardin – keyboards
Peter Barron – drums
Ian Mosley – drums
John Acock – saxophone
Dave Thomson – trumpet


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop


Trackliste:

1. Flight (4:09)
2. Missing Persons (3:36)
3. Chagrin Boulevard (4:24)
4. Richard IX (3:41)
5. The Entertainer (4:46)
6. Electric Avenue (4:57)
7. Majik (3:11)
8. Distant Horizons (3:58)
9. Orient Express (3:56)
10. Auto-Tech (5:21)

Gesamtspieldauer: 41:59




Fönfrisuren bekommt man auf dem Cover zum insgesamt elften Album von Renaissance aus dem Jahr 1983 kredenzt. Dabei stehen sich alle drei Protagonisten in nichts nach. Das Album macht also schon von der Aufmachung her den Eindruck, dass es sich hier um ein Pop-Album handelt und dieser Eindruck wird sofort mit dem ersten Stück bestätigt. Und mit dem zweiten, dem dritten Titel und so weiter. Zum Teil haben sich die drei Musiker offensichtlich auch vorgenommen, mal in die Funk-Richtung zu tendieren, wie beim unglaublich schwachen „Electric Avenue“. Aber um bei der Wahrheit zu bleiben, dieses Stück ist nur unwesentlich schlechter als der Rest der Platte, bei deren Hören eine ordentliche Portion Masochismus mit Sicherheit nicht hinderlich ist, um dieses grauenvolle Gedudel auch durchzustehen.

Diese Pop-Musik ist so etwas von nichtssagend und belanglos, dass man sich fragt, wie die Musiker, die nur wenige Jahre zuvor grandiose Alben veröffentlichten, sich bei den Aufnahmen gefühlt haben müssen. Auch die noch auf der vorherigen Platte vorhandenen New Wave Anleihen sind verschwunden. Simpler Pop pur wird dem Hörer auf „Time Line“ geboten. Daher lautet eine ebenfalls interessante Frage, wie sich wohl jene Renaissance Fans, die 1983 dieses Album erstanden, gefühlt haben müssen. Darauf gibt es zumindest eine Antwort, denn die Platte fiel durch und wurde auch von jenen Fans verrissen. Auf „Time Line“ ist nichts mehr eingängig, interessant oder sonst in irgendeiner Art und Weise hervorzuheben, sodass die einzelnen Titel noch nicht einmal die Chance hätten, bei einem massenorientierten Radiosender gespielt zu werden. Einfach nur enttäuschend.

Aber „Halt“, eine Ausnahme gibt es dann doch: „The Entertainer“. Mit diesem Titel schafft man zumindest ein wenig die geistige Verknüpfung dieses Albums zu den Werken, die Mitte der 70er Jahre entstanden waren. Ein kleiner Höhepunkt, aber das war es leider auch schon. Der ganze Rest ist selbst für Freunde einfacher Pop-Musik schwer zu begreifen.

Fazit: Es ist in keinster Weise verwunderlich, dass nach dieser Platte erst einmal lange Zeit Schluss war mit Renaissance und die Band sich auflöste. Musikalisch schienen alle Reserven ausgeschöpft, die eigene Kreativität hatte sich aufgebraucht. Somit bleibt ein Album, welches die mit Abstand schlechteste Platte in der Diskographie dieser tollen Band darstellt. Gleichzeitig ist es ein Album, welches keiner braucht - außer vielleicht Komplettisten, die jeden Schnipsel von „ihrer“ Band besitzen möchten. Drei Punkte.

Anspieltipps: The Entertainer




Dienstag, 26. November 2013

CocoRosie – Tales Of A GrassWidow




CocoRosie – Tales Of A GrassWidow


Besetzung:

Bianca Casady – vocals, flute
Sierra Casady – vocals, guitar, harp


Gastmusiker:

Raël Rakotondrabe – piano, keyboards, bass synths, guitar, organ
Antony Hegarty – vocals
Tez – beatbox
Valgeir Sigurdsson – beat programming
Ashok Foga – vocals, drums
Mahipai Foga – castanets
Kusumakar – bamboo flute
Ashley “Say Wut?!” Moyer – beatbox, additional vocals
Finnbogi Pétursson – tones, diabolus tunes
Ezekiel Healy – guitar


Label: City Slang


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Post Rock, Dream Pop


Trackliste:

1. After The Afterlife (3:04)
2. Tears For Animals (5:19)
3. Child Bride (4:19)
4. Broken Chariot (2:15)
5. End Of Time (3:20)
6. Harmless Monster (3:08)
7. Gravediggress (5:26)
8. Far Away (4:37)
9. Roots Of My Hair (5:58)
10. Villain (4:19)
11. Poison (4:03)
12. (Hidden Track) Devils Island (4:34)

Gesamtspieldauer: 50:22 (mit Stille vor Hidden Track: 1:00:01)




CocoRosie nannten die beiden amerikanischen Schwestern Bianca und Sierra Casady ihr Musikprojekt - nach den Spitznamen „Coco” und „Rosie”, die sie von ihrer Mutter verpasst bekommen haben. Beide leben hauptsächlich in Paris, wo sie auch ihre Musikkarriere starteten. Die Musik der beiden Schwestern ist dabei als durchaus ungewöhnlich zu bezeichnen. In einer Mischung aus Post Rock und elektronischer Musik, in der das Piano und die Flöte gleichberechtigt neben diversen Samples und der Beat Box stehen, kreieren sie einen Sound, der häufig sehr traurig und verzweifelt wirkt. Mitunter mystisch und verträumt, dann auch wieder ein klein wenig poppig. Dabei wird auch der Beat immer wieder, jedoch nicht durchgängig in den Vordergrund gerückt.

Der Stil erinnert ein bisschen an die Musik von Björk. Und dies liegt nicht nur an dem immer wieder sehr kindlich klingenden Gesang der Schwestern. Auch die Songstruktur und die Atmosphäre, die diese Lieder verströmen, weisen hier eindeutige Parallelen zur Isländerin auf. Die einzelnen Titel sind meist sehr zurückhaltend, ab und an sogar fast spärlich instrumentiert, was nicht zuletzt ebenfalls zu dieser häufig sehr ergreifenden Stimmung der jeweiligen Songs beiträgt. Richtig melodiös kann die Musik von CocoRosie ebenfalls nicht bezeichnet werden, wobei hier auch nichts atonal klingt – jedoch auf seine Art anders und spannend. Alles lebt von diesen Stimmungen, die die Lieder zu verströmen verstehen. Man fühlt sich in mystische Welten versetzt, die dazu erschaffen wurden, entdeckt zu werden. Mal hinterlassen diese ein warmes, ein anderes Mal ein melancholisches und dann wieder ein fast schon verzweifeltes Gefühl.

Fazit: CocoRosie machen auf „Tales Of A GrassWidow” fordernde Musik, die dem Titel der Platte entsprechend Geschichten erzählt. Häufig erinnert das alles ein wenig an graue Novembertage, an Melancholie und sentimentale Gefühle, andererseits gibt es jedoch auch diese wenigen poppigeren Abschnitte, die einen aus dem „Blues“ reißen. Keine Musik für den Rocker unter den Musikhörern, keine für Hitparaden-Freunde. Post Rock Fans dürften hier jedoch etwas für sich finden, Fans der bereits erwähnten Björk sowieso. „Tales Of A GrassWidow” ist ein spannendes und ruhiges Album, welches die ganze Aufmerksamkeit vom Hörer einfordert, der dann mit irgendwie gearteten Traumwelten belohnt wird. Und als Tipp sollte man sich hier auch mal die Texte genauer zu Gemüte führen, die ebenfalls keine 08/15-Ware darstellen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: After The Afterlife, Child Bride, Harmless Monster



Montag, 25. November 2013

Kim Wilde – The Singles Collection 1981 - 1993




Kim Wilde – The Singles Collection 1981 - 1993


Besetzung:

Kim Wilde – lead vocals


Gastmusiker:

Viele, nicht einzeln aufgeführte Musiker


Label: MCA


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Kids In America (3:26)
2. Chequered Love (3:22)
3. Water On Glass (3:36)
4. Cambodia (3:57)
5. View From A Bridge (3:30)
6. Child Come Away (4:05)
7. Love Blonde (3:33)
8. Second Time (3:53)
9. Rage To Love (4:20)
10. You Keep Me Hangin' On (4:15)
11. Another Step (Closer To You) (3:31)
12. You Came (3:31)
13. Never Trust A Stranger (4:06)
14. Four Letter Word (4:03)
15. Love Is Holy (4:03)
16. If I Can't Have You (3:29)
17. In My Life (3:46)

Gesamtspieldauer: 1:04:24




Wer in den 80ern des letzten Jahrhunderts groß wurde, der kam an Kim Wilde, die eigentlich Kimberly Smith heißt, einfach nicht vorbei. Viele Hits hatte die Dame aus England, die in den Radiostationen rauf und runter gespielt wurden. Die Titel wurden meist von ihrem Vater und ihrem Bruder geschrieben und bewegten sich zwischen den Genres Synthie Pop, Pop und Rock. Dabei waren die einzelnen Nummern durchgehend eingängig und hatten nicht selten Ohrwurmcharakter. Und auch wenn der Erfolg der Kim Wilde von Platte zu Platte abnahm, was sich vor allem in ihrem Heimatland England zeigte, stürmten einzelne Titel ihrer Alben immer wieder die Charts, dann eben mehr auf dem europäischen Festland.

In der Instrumentierung kommt meistens dem Synthesizer eine zentrale Rolle zu, aber auch die „klassischen“ Instrumente des Rock haben ihren Auftritt. Alles ist hin auf möglichst schnelle Eingängigkeit konzipiert und komponiert und diese kann den Titeln der Kim Wilde auch nicht abgesprochen werden. Die Nummern gehen ins Ohr. Welche dies dann mehr tun, liegt ganz im Musikverständnis des Hörers. Kim Wilde steht wahrlich nicht für komplizierte oder anspruchsvolle Musik. Nein, es handelt sich um Musik, die unterhalten will und das schaffte die Engländerin auch immer wieder. Ihre Titel waren in den Discos der damaligen Zeit ein fester Bestandteil, um die Tänzer auf das Parkett zu locken. Und dies auch mit Erfolg.

Die Qualität der Lieder nimmt im Laufe dieser CD ab. Soll heißen, die großen Hits der Kim Wilde befinden sich hauptsächlich am Anfang der CD. Im weiteren Verlauf der Scheibe werden die Songs austauschbarer, belangloser und besitzen nicht mehr diesen Ohrwurmcharakter der ersten Nummern, die auch chronologisch vor den hinteren Liedern entstanden.

Fazit: Wer mal in alten Erinnerungen schwelgen möchte, der kann mit dieser CD nichts falsch machen, die man auch auf 80ies- oder Ü40-Partys ohne zu überlegen auflegen kann. Die Tanzfläche füllt sich. Garantiert! Die Qualität der Titel ist dabei, wie bereits erwähnt, zu Beginn dieser Best Of-Zusammenstellung deutlich besser als an deren Ende. Es scheint fast so, als hätten Kim Wilde und damit auch ihre Komponisten, im weiteren Verlauf der Karriere der Britin ihr Pulver verschossen. Trotzdem gerade wegen der ersten Titel eine lohnende Anschaffung für Nostalgiker. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Kids In America, Chequered Love, Cambodia, View From A Bridge