Donnerstag, 23. Januar 2014

The Cranberries – To The Faithful Departed




The Cranberries – To The Faithful Departed


Besetzung:

Dolores O'Riordan – vocals, electric guitar, acoustic guitar, keyboards, whistle, mandolin
Noel Hogan – electric guitar, acoustic guitar, mandolin
Mike Hogan – bass guitar
Fergal Lawler – drums, percussion


Gastmusiker:

Michael Kamen – orchestration
Henry Daag – saw on "Bosnia"
Richie Buckley – tenor saxophone on "Salvation"
Michael Buckley – baritone saxophone on "Salvation"
Bruce Fairbairn – trumpet on "Salvation"
Randy Raine-Reusch – additional percussion


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Hollywood (5:07)
2. Salvation (2:24)
3. When You're Gone (4:57)
4. Free To Decide (4:25)
5. War Child (3:50)
6. Forever Yellow Skies (4:10)
7. The Rebels (3:20)
8. Intermission (2:04)
9. I Just Shot John Lennon (2:41)
10. Electric Blue (4:51)
11. I'm Still Remembering (4:49)
12. Will You Remember? (2:49)
13. Joe (3:22)
14. Cordell (3:40)
15. Bosnia (5:38)

Gesamtspieldauer: 58:07




Etwas hatte sich geändert auf „To The Faithful Departed“, dem dritten Album der irischen Band The Cranberries, welches 1996 erschien. Wurde auf der vorherigen Veröffentlichung mit nur zwei Ausnahmen immer auf die ruhige Karte in der Musik gesetzt, so gibt es hier zwar auch wieder ruhige und sehr verträumte Musik zu hören, allerdings haben auch vermehrt rockigere Töne Einzug in die Musik der Band gefunden.

Stellvertretend stehen dabei gleich die beiden Titel zu Beginn der Platte: „Hollywood“ und „Salvation“. Beides kraftvolle Nummern, von denen „Hollywood“ durchaus das Potenzial besitzt, sich als Ohrwurm im Musikzentrum des Hörers festzusetzen – auch nachhhaltig. Die Nummer steht dem größten Hit der Cranberries „Zombie“ auch in fast nichts nach. Sehr, sehr gelungen.

Ebenfalls überzeugend ist der Titel „I Just Shot John Lennon“, der die Tat des Mark David Chapman vom 8. Dezember 1980 noch mal erzählt. Das treibende Lied endet mit dem Knall von fünf Schüssen. Eingeleitet wurde dieses Stück durch den vorherigen Song „Intermission“, einer ruhigen, sphärischen und schließlich doch sehr melodiösen und kurzen Instrumentalnummer. Ein wirklich gelungener Kontrast. Noch ein anderes ruhiges Lied gehört mit zu den Höhepunkten der Platte: „Electric Blue“. Eingeleitet mit an Kirchenmusik erinnernden Gesang entwickelt sich dann ein wunderschöner Titel, der ganz vom mehrstimmigen Gesang der Dolores O'Riordan lebt.

Auch der Rest der Platte hat es in sich. Keinen Ausfall gibt es zu verzeichnen. Die Band hält immer wieder sogar kleine instrumentale Überraschungen für den Hörer parat. Da klingt es mal südeuropäisch, dann hört sich ein Titel zunächst nach Urwald an und wird schließlich komplett mit Kirmes- beziehungsweise Zirkus-Musik untermalt oder aber man hört in einem Lied eine singende Geige. Es gibt also viel zu entdecken auf dieser Platte, die für jede Menge Abwechslung sorgt.

Fazit: Auch „To The Faithful Departed“, das dritte Album der Cranberries, ist überaus gelungen. Wen Experimentierfreude gepaart mit Melodiösität interessieren, der oder dem sei dieses Album wärmstens empfohlen. Allerdings sollte dabei doch klar sein, dass sich die Band hauptsächlich in den Gefilden des Pop mit Ausflügen in den Rock bewegt. Aber diese Gefilde sind hier deutlich anspruchsvoller, als bei den meisten anderen Pop-Bands. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hollywood, Electric Blue



Mittwoch, 22. Januar 2014

Strawbs – Bursting At The Seams




Strawbs – Bursting At The Seams


Besetzung:

Dave Cousins – lead vocals, backing vocals, acoustic guitar, electric guitar, banjo
Dave Lambert – lead vocals, backing vocals, acoustic guitar, electric guitar
Blue Weaver – organ, piano, mellotron
John Ford – lead vocals, backing vocals, bass guitar
Richard Hudson – backing vocals, drums, sitar


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Folk Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Flying (4:52)
2. Lady Fuschia (4:00)
3. Stormy Down (2:46)
4. The River (2:22)
5. Down By The Sea (6:20)
6. Part Of The Union (2:56)
7. Tears And Pavan (6:38)
8. The Winter And The Summer (4:10)
9. Lay Down (4:33)
10. Thank You (2:16)


Bonus Tracks:

11. Will You Go (3:55)
12. Backside (3:49)
13. Lay Down (3:35)

Gesamtspieldauer: 52:11




Das fünfte Studio-Album der Strawbs wurde 1973 unter dem Namen „Bursting At The Seams“ veröffentlicht. Es hatte wieder mal eine Umbesetzung im Line-Up der Band gegeben. Dave Lambert war zu den Strawbs gestoßen und unterstützte fortan Dave Cousins an der Gitarre und beim Gesang. Großartigen Einfluss auf die Musik der Engländer hatte dieser Wechsel jedoch nicht, denn auch auf „Bursting At The Seams“ gibt es wieder leicht „angeprogten“ Folk Rock zu hören, der ziemlich schnell ins Ohr geht und durch seine Melodiösität besticht.

Die Platte wurde zur erfolgreichsten in der Geschichte der Band, erreichte Platz 2 der Album Charts in England und enthält auch zwei erfolgreiche Singleauskopplungen. Eine davon ist wohl auch das mit bekannteste Lied der Band: „Part Of The Union“. Die Nummer ist eine Art Mitgröl-Lied, was besonders auf den Refrain zutrifft, den man bequem mit einigen Bier intus mitschmettern kann. Eine weitere Single-Auskopplung ist „Lay Down“. Auch ein Lied, welches diesen gewissen Wiedererkennungswert besitzt und so auch von Lindisfarne stammen könnte.

Auch wenn diese beiden Titel als Singles erfolgreich waren, so stellen sie doch nicht die Höhepunkte der Platte dar. Dies ist sehr viel eher das ein wenig verträumte und sehr melancholische „Tears And Pavan“. Klasse Melodie, schöne Stimmungswechsel und eine Instrumentierung, die immer wieder zu überraschen weiß. Ebenfalls sehr gelungen ist der Titel „Down By The Sea“, der gleich zu Beginn mit seinem tollen Mellotroneinsatz beeindrucken kann und im weiteren Verlauf richtig rockig wird.

Der Rest der Platte setzt sich zumeist aus unaufdringlichen und immer harmonischen Folk-Songs zusammen, die häufig luftig und leicht präsentiert werden. Die Ausnahme bildet hier der ursprünglich letzte Titel der Platte „Thank You“, der unüberhörbar mit Kindergartenkindern eingespielt wurde und auch genau so klingt, wie ein Lied für Kinder im Vorschulalter.

Drei Zugaben gibt es auf der remasterten Fassung des Albums. Da gibt es zum einen die Single-Version von „Lay Down“, den Titel „Will You Go“, der schwer nach schottischem Folk klingt und schließlich noch das Lied „Backside“. Ein wieder etwas rockigeres Lied, welches stilistisch allerdings ebenfalls sehr gut in den Kontext der Platte passt.

Fazit: Die Strawbs befanden sich Anfang der 70er Jahre in einer Phase, an der sie es schafften, regelmäßig tolle Platten zu veröffentlichen, die kaum einen Ausfall beinhalteten und einige wirklich sehr hörenswerte Stücke für den Musikkonsumenten bereithielten. Ganz genauso ist es auch auf „Bursting At The Seams“. Wer auf „angefolkte“ Musik steht, die immer wieder mal auch rockt und progressive Ansätze bereithält, der wird mit dieser Platte viel Spaß haben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Down By The Sea, Tears And Pavan



Dienstag, 21. Januar 2014

David Bowie – The Man Who Sold The World





David Bowie – The Man Who Sold The World


Besetzung:

David Bowie – vocals, guitar, stylophone, organ


Gastmusiker:

Mick Ronson – guitar, vocals
Tony Visconti – bass guitar, piano, guitar, producer
Mick Woodmansey – drums, percussion
Ralph Mace – moog synthesiser


Label: Mercury Records / RCA / EMI


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Rock, Folk


Trackliste:

1. The Width Of A Circle (8:09)
2. All The Madmen (5:41)
3. Black Country Rock (3:36)
4. After All (3:56)
5. Running Gun Blues (3:15)
6. Saviour Machine (4:29)
7. She Shook Me Cold (4:17)
8. The Man Who Sold The World (4:00)
9. The Supermen (3:42)

Gesamtspieldauer: 41:03




Auf seinem dritten Album „The Man Who Sold The World“ aus dem Jahr 1970 hatte David Bowie seinen Stil nun endgültig gefunden. Auch die nächsten Platten sollten in etwa in diesem Stil gehalten sein und dieser ist im Grunde genommen nur mit „überaus nachhaltig“ zu beschreiben. Soll heißen, dass David Bowie nun fast schon zeitlose Musik veröffentlichte, die auch noch nach Jahrzehnten nichts von ihrem Charme und ihrer Eindringlichkeit verlieren konnte. All diese Lieder wirken und hinterlassen Spuren, die es sich lohnt aufzunehmen.

Auf „The Man Who Sold The World“ sind das vor allem vier Titel. „All The Madmen”, eine zunächst folkige Nummer, die durch eine etwas schräg klingende Orgel weitergeführt wird und schließlich in einen Rock-Song mündet, der dann zur melodischen Hymne mutiert. Weiter geht es mit „After All“, einer irgendwie mystisch gearteten Nummer, die wie fast alles auf diesen Album auch durch Melodiösität besticht. Besonders zu erwähnen wäre hierbei auch die klasse gesetzten Hintergrund-Chor-Arrangements und diese plötzlich auftauchende Kirmes-Orgel, die sich einfach festsetzt. Dann wäre da zu erwähnen das wirklich grandiose „Saviour Machine“. So spannend wünscht man sich Rock, wenn man nicht auf Dieter Bohlen und Konsorten steht. Beim ersten Hören klingt dieses Lied vielleicht sogar manches Mal etwas „falsch“, spätestens beim dritten Durchlauf weiß man jedoch, dass das alles genau so und nicht anders klingen muss und auch sollte. Und dann wäre da natürlich noch der Titeltrack „The Man Who Sold The World“. Jetzt wird es wieder ein klein wenig folkiger und alles klingt ein wenig marod, dazu gesellt sich, wie häufig bei David Bowie, ein sehr gelungener Text und fertig ist ein Lied, welches man nicht mehr missen möchte.

Nun auch der Rest der Platte ist sehr gelungen. Wenn man bei „Running Gun Blues” an das Genre Blues denkt, dann wird man überrascht und vielleicht auch ein wenig enttäuscht sein, wenn man denn genau diese Musikrichtung liebt und auch erwartet. Hierbei handelt sich jedoch eher um ein kraftvolles Rock-Lied. Und schließlich kommt man irgendwann zum letzten Titel der Platte: „The Supermen“. Dieser rockt ebenfalls wieder und auch hier lohnt es sich den Text etwas genauer zu verfolgen. Nicht zu vergessen sei hier auch der Opener „The Width Of A Circle“, der Ansätze des Progressive Rock in sich trägt. Und zwar immer dann, wenn die Musiker ihren Instrumenten freien Lauf lassen.

Fazit: Auf „The Man Who Sold The World“ gibt es keinen Ausfall. Zudem waren hier Mick Ronson und Mick Woodmansey jetzt zum ersten Mal an der Seite von David Bowie und sollten später einen Teil der „Spiders from Mars“ bilden, der Begleitband David Bowies – auch diese Zusammenarbeit drückte der Musik ihren Stempel auf. Die Platte ist unaufgeregt und trotzdem spannend, weist so einige Höhepunkte auf und ist auch heute noch eine lohnende Entscheidung, wenn man sich überlegt, was man auf den Plattenteller legt oder in den CD-Player schiebt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Die vier bereits erwähnten Titel: All The Madmen, After All, Saviour Machine und The Man Who Sold The World



Montag, 20. Januar 2014

Rhythmische Beobachter – Krautrock




Rhythmische Beobachter – Krautrock


Besetzung:

Fredi Grosser – vocals
Gogo Eisert – guitars
Beefeen Altinger – drums, bass
hel.de – synthesizers


Label: Appartment Entertainment


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: NeoProg, elektronische Musik


Trackliste:

1. Revenge Calling (6:23)
2. Athletic Bilbao (3:25)
3. Woman At Window (8:21)
4. Niemand Fragt Warum (5:24)
5. Little Train (4:31)

Gesamtspieldauer: 28:04




Wer bei dem Titel „Krautrock“ der Rhythmischen Beobachter an Grobschnitt, Jane oder Birth Control denkt, der wird beim Hören der Tracks etwas überrascht sein. Mit dem Genre „Krautrock“ hat das Album der Rhythmischen Beobachter zwar in Bezug auf die Herkunft der Musiker etwas zu tun - sie leben in München - mit der hier zu hörenden Musik allerdings nur etwas am Rande. Auf „Krautrock“ gibt es Synthesizer-dominierte Musik zu hören, bei der zwar auch Gitarre und Schlagzeug ihren Platz finden, beherrscht wird das Ganze jedoch in erster Linie durch die hier genertierten, elektronischen Klangwelten.

Die vier Musiker, die früher alle mit Musik auch ihr Geld verdienten, inzwischen jedoch in anderen Jobs tätig sind, beschritten dieses Mal bei der Veröffentlichung des Albums einen anderen Weg. Nachdem die Band ihre ersten drei CD‘s noch „physisch“ auf den Markt brachte, gibt es „Krautrock“ dieses Mal lediglich als Download zum Herunterladen. Aber dieser Download, der lohnt sich wahrlich. Die Lieder auf dieser vierten Veröffentlichung sind wie eine Reise durch verschiedenste Musikgalaxien, die mal sphärisch, dann wieder mystisch, schließlich ein wenig experimentell und doch immer überaus melodiös gestaltet sind.

In diese Soundgebilde lässt sich wunderbar eintauchen und am besten treibt man einfach ganz entspannt mit, mit der sich entfaltenden Musik. Atmosphäre pur, die auch durch den Gesang des Fredi Grosser angefüllt wird. Dessen Stimme klingt mal hauchend, flüsternd, verzerrt oder zerbrechlich, ein anderes Mal setzt er sie sehr viel kraftvoller ein und verpasst der Platte somit eine angenehme Variationsbreite. Nicht anders sieht es bei der Instrumentierung aus. Auch wenn der Synthesizer des Helmut Müller, alias „hel.de“, der gleichzeitig auch Produzent von „Krautrock“ ist, eine zentrale Stellung einnimmt, so kommen doch auch immer wieder Schlagzeug, Bass und der Gitarre dominierende Rollen zu, wodurch das Album stark an Abwechslungsreichtum gewinnt.

Kurz noch etwas zu den einzelnen Stücken. „Revenge Calling“ ist eine mitreißende Nummer, die sich sofort im Ohr festsetzt und von diesen kaskadischen Redundanzen des Synthesizers getragen wird. „Athletic Bilbao” gebiert sich als sehr sphärisches und schwebendes Lied, wohingegen „Woman At Window”, das mit etwas über acht Minuten Spieldauer längste Stück des Albums, zunächst ebenfalls sanft schwebend und zurückhaltend beginnt, sich im weiteren Verlauf jedoch in einen kraftvollen Song verwandelt, der dann immer wieder mit lauteren und leiseren Passagen spielt. Sehr gelungen hier auch die Solo-Gitarre und die mitreißenden Schlagzeugeinsätze. „Niemand Fragt Warum“ ist dagegen erneut sehr viel sphärischer aufgebaut. In Verbindung mit dem immer wieder wiederholten und elektronisch verfremdeten „Keiner Weiß Warum, Niemand Fragt Warum“ wirkt dieser Song mit am Experimentellsten auf dem Album. Beendet wird „Krautrock“ schließlich mit „Little Train“. Zu Beginn fühlt man sich an psychedelische Bands der frühen 70er Jahre erinnert, alles wirkt dabei sehr harmonisch und wenn schließlich der Gesang einsetzt, dann wird die Musik zum sphärischen Ohrwurm.

Fazit: Immer wieder schön zu hören, dass heutzutage auch noch solche Musik produziert wird. „Krautrock“ lohnt sich für Freunde der atmosphärischen, Synthesizer-betonten Musik, die allerdings nicht nur lange Instrumentalpassagen, sondern auch etwas rockigere Abschnitte zu schätzen wissen. „Krautrock“ ist einen einnehmendes Album geworden, welches als einziges Manko aufweist, dass es mit nur etwas über 28 Minuten etwas zu kurz geraten ist. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Revenge Calling, Little Train

Sonntag, 19. Januar 2014

Led Zeppelin – I




Led Zeppelin – I


Besetzung:

Jimmy Page – acoustic, electric and pedal steel guitar, backing vocals, production
Robert Plant – lead vocals, harmonica, occasional bass
John Bonham – drums, timpani, percussion, backing vocals
John Paul Jones – bass guitar, organ, backing vocals


Gastmusiker:

Viram Jasani – tabla on "Black Mountain Side"


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Hard Rock, Blues Rock


Trackliste:

1. Good Times Bad Times (2:46)
2. Babe I'm Gonna Leave You (6:42)
3. You Shook Me (6:28)
4. Dazed And Confused (6:26)
5. Your Time Is Gonna Come (4:35)
6. Black Mountain Side (2:13)
7. Communication Breakdown (2:30)
8. I Can't Quit You Baby (4:42)
9. How Many More Times (8:29)

Gesamtspieldauer: 44:50




Unbestritten, dieses Album, die erste Platte von Led Zeppelin, welche im Januar 1969 erschien, hat viele andere Bands beeinflusst. Zu neu war damals dieser Mix aus Hard Rock und Blues Rock, so etwas hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Wenn man dann als Hörer noch Blues-Fan ist, dann kommt man mit dieser Scheibe auch bestens auf seine Kosten. Das muss man allerdings auch wirklich sein, denn sonst kann es passieren, dass man mit solch Stücken wie „You Shook Me“ oder aber „I Can't Quit You Baby“ so überhaupt nichts anzufangen weiß. Denn hierbei handelt es sich um gitarrenlastigen Blues pur, der mitunter sogar gequält und in keinster Weise melodiös wirkt.

Ganz anders sieht das bei „Babe I'm Gonna Leave You“ aus. In dieses Lied kann man eintauchen, auch wenn man mit diesem Blues-Genre eigentlich nicht so viel anfangen kann. Ein absolut mitreißender Song, der bereits beim ersten Mal des Hörens zündet und einen nicht mehr loslässt. Aber es gibt auch deutlich härtere Töne auf diesem Debut von Led Zeppelin zu hören. Da ist zum Beispiel gleich der Opener „Good Times Bad Times“. Da wird gerockt, was das Zeug hält und dabei jedoch nie die Melodie aus den Augen beziehungsweise aus den Ohren verloren. Auch das kurze „Communication Breakdown“ ist ein Rocker, bei dem es die Band „krachen“ lässt und Robert Plant kann richtig zeigen, dass er ein klasse Rock-Sänger ist.

„Your Time Is Gonna Come” wird sehr pathetisch mit einer Orgel eingeleitet und es entwickelt sich daraus ein wahrlich toller Song. Etwas getragen, überaus eingängig ist dies eine Nummer, die sich sofort im Musikzentrum des Gehirns festsetzt und diesen besonderen Wiedererkennungswert in sich trägt. Das Lied geht ohne Unterbrechung in „Black Mountain Side“ über. Eine kurze aber sehr feine Instrumentalnummer, die Akustik-Gitarre des Jimmy Page steht im Vordergrund und wird nur durch leichte Perkussion untermalt.

Ein Titel soll hier aber auf jeden Fall auch noch Erwähnung finden: „How Many More Times“. Ganz klar der komplexeste Song auf der Platte. Hier finden sich ebenfalls Blues und Hard Rock Anleihen, jedoch tendiert der Titel ganz klar auch in die Richtung Psychedelic Rock. Aus vielen einzelnen Teilen zusammengesetzt entwickelt sich eine musikalische Reise an der es teilzunehmen lohnt. Die Nummer groovt, besticht durch ihren Aufbau, der nie langweilig wird und diese psychedelischen Abschnitte, die hier die Würze darstellen.

Ein Wort muss nun allerdings noch über die Texte verloren werden. Diese sind mitunter unfassbar schmalzig. Deutschen Schlagerbarden würde es sicherlich auch so manche Überwindung kosten, dies hier auf Deutsch zu singen. Wenn einen nicht nur die Musik interessiert sondern auch der Text eine Rolle spielt, dann ist dies ein ganz großer Nachteil des Albums – allerdings hören die meisten da wohl nicht so richtig hin.

Fazit: Dieses Album hält wahrlich begeisternde Stellen und Lieder für die Hörerin oder den Hörer parat. Ich persönlich habe so manches Mal Probleme mit dem Blues, der mich auch hier nicht immer berührt. An anderen Stellen bringen ihn die vier Briten jedoch so begeisternd rüber, dass man sich fragt, ob das nicht doch genau die Musikrichtung wäre, der man unbedingt frönen sollte. Die Hard Rock Passagen funktionieren auf dem Album immer, sind klasse gemacht. Und dann ist da noch die Sache mit den Texten. Dieses Liebesgeschmalze geht einem unglaublich auf den Zeiger, wenn man die Texte denn auch verfolgt. Ich mache das immer und habe genau da dann auch Schwierigkeiten mit Led Zeppelin. Trotzdem ein tolles Album, was man immer wieder gerne hört und auflegt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Babe I'm Gonna Leave You, Your Time Is Gonna Come, How Many More Times



Samstag, 18. Januar 2014

Van Der Graaf Generator – The Least We Can Do Is Wave To Each Other




Van Der Graaf Generator – The Least We Can Do Is Wave To Each Other


Besetzung:

Peter Hammill – acoustic guitar and lead vocals; piano on "Refugees"
Hugh Banton – farfisa organ, piano and backing vocals
Nic Potter – bass guitar and electric guitar
Guy Evans – drums and percussion
David Jackson – tenor and alto sax, flute and backing vocals


Gastmusiker:

Gerry Salisbury – cornet on “White Hammer”
Mike Hurwitz – cellos on “Refugees”




Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Darkness (11/11) (7:28)
2. Refugees (6:23)
3. White Hammer (8:16)
4. Whatever Would Robert Have Said? (6:07)
5. Out Of My Book (4:08)
6. After The Flood (11:28)


Bonus Tracks:

7. The Boat Of Millions Of Years (3:53)
8. Refugees (Single Version) (5:18)

Gesamtspieldauer: 53:00



„The Least We Can Do Is Wave To Each Other” ist das zweite Album der britischen Band Van Der Graaf Generator, es erschien im Februar 1970 und beinhaltet progressive Rockmusik in Reinkultur. Diese ist auf der Platte in einer weitestgehend sehr melodischen Form vertreten. Zwar wird es auch mal schrill, wenn wie gegen Ende von „White Hammer“, welches von der Hexenverfolgung im Mittelalter handelt, David Jackson alles aus seinem Saxophon herauszuholen versucht. Das ist jedoch eine von zwei Ausnahmen. Die zweite ist der letzte und längste Titel „After The Flood“. Dieser weißt zwar ebenfalls sehr harmonische und melodiöse Passagen auf, beinhaltet allerdings auch einen sehr verstörenden Teil, bei dem der Gesang des Peter Hammill stark übersteuert wiedergegeben wird. Alles wirkt hier wirr, schräg, gehetzt – eine wahre Kakophonie. Aber dann fügt sich alles wieder in Harmonie zusammen.

Nun, es geht allerdings auch ganz anders. Da ist zum einen das wunderschöne „Refugees“, welches eher an ein Weihnachtslied, denn an einen Rock-Song erinnert. Flöten und Geigen klingen gerade so, als ob sich der Himmel auftun würde und Peter Hammill singt hier butterweich und hoch, wahrlich beeindruckend und keineswegs kitschig. „Darkness (11/11)“, welches übrigens so heißt, da hier die Version verwendet wurde, die die Band am 11.11.1969 aufgenommen hat, beginnt mit Windgeheul. Und auch bei diesem Lied entblättert sich dann ein sehr melodiöses und zunächst weiches Stück, welches zwar auch treibendere Passagen enthält, trotzdem nie den Weg der Eingängigkeit verlässt. Absolut gelungen ist auch hier ein weiteres Mal der Bläserpart, den David Jackson zum Titel beisteuert.

Auch bei „Whatever Would Robert Have Said?” spielt das Saxophon eine große Rolle. Die Nummer ist ein klein wenig mehr im Midtempo angesiedelt und lebt von den Wechseln, die mal getragener und im Moll verhaftet und dann wieder treibender aus den Boxen strömen. Bliebe noch „Out Of My Book“, ebenfalls wieder ein sehr ruhiges Stück, vielleicht nicht ganz so überzeugend wie „Refugees“, dennoch ebenfalls durchaus gelungen, was nicht zuletzt durch die hier im Vordergrund stehende Flötenuntermalung erreicht wird.

Auf der remasterten Ausgabe der Platte wurden noch zwei Zugaben hinzugefügt. Zum einen ist das die Single-Version von „Refugees“ und die ehemalige B-Seite dieser Single, der Titel „The Boat Of Millions Of Years“. Beide Nummern sind ebenfalls ganz nett anzuhören.

Fazit: Wer eher auf die „gemäßigteren“ und harmonischen Töne in der Musik von Van Der Graaf Generator steht, den wird diese Platte begeistern. Zum Teil gibt es hier himmlische und überaus friedvolle Musik auf die Ohren, mit der man träumen kann. Trotzdem gibt es auch hier die musikalischen Ausbrüche der Band, die hier auf „The Least We Can Do Is Wave To Each Other“ für sehr viel Abwechslungsreichtum steht. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Darkness (11/11), Refugees



Freitag, 17. Januar 2014

Various Artists – Black Europe





Various Artists  Black Europe


Label: Bear Family Records



Erscheinungsdatum: 2013


Zurück zu den Wurzeln der Popmusik

MP3 und Download, iTunes und Soundcloud, die Zeiten eines Plattenspielers scheinen lange vorbei zu sein. Und doch, es gibt noch die begeisterten Freunde des alten Klanges. Wie sonst sollte man erklären und verstehen, dass sich drei Musikbegeisterte für ein Projekt zusammen getan haben, daran mehrere Jahre arbeiteten und dann auch noch eine Plattenfirma fanden, die dieses umfangreiche Werk veröffentlichte.

Und umfangreich ist “Black Europe – The sounds and images of black people in Europe pre-1927”: 44 Cds und zwei gebundene Bücher. Dokumentiert werden Tonaufnahmen und die Geschichten von Schwarzen in Europa vor 1927. “Ich mußte einen "Cutoff" definieren, sonst wäre das Werk endgültig unbezahlbar geworden”, erklärt Rainer Lotz, einer der drei Musikärchäologen. “Ich spielte zunächst mit der Idee, den 1.Weltkrieg als Cäsur zu nehmen. Aber gerade diese Jahre waren eine Periode gravierender Umwälzungen, insbesondere durch die Entstehung und Verbreitung von Blues und Jazz. Also nahm ich die Aufnahmetechnik: Einbeschlossen werden alle Aufnahmen, die vor der Verwendung des Mikrophons akustisch "durch den Trichter" gemacht wurden.”

Manches klingt auch wirklich so, wie “durch den Trichter”, doch “Black Europe” ist eine Dokumentation von historischem Wert. Und das gleich in vielerlei Hinsicht. Es kratzt und knistert manchmal bis zur Unhörbarkeit, man fragt sich, wer das hören will. Viele werden es nicht sein, denn diese Box ist auf 500 Exemplare weltweit limitiert. Es gibt noch nicht einmal Rezensionskopien, auch als Journalist muß man den beachtlichten Betrag von 499 Euro hinlegen.

Und dennoch “Black Europe” ist ein Meisterwerk, das beachtet werden muß. Die drei Autoren Jeffrey Green, Dr. Rainer Lotz und Howard Rye haben in zehn Jahren Kleinstarbeit Archive und Privatsammlungen in ganz Europa und in Übersee durchforstet. Alle drei befassen sich schon Jahrzehnte als Sammler und Wissenschaftler mit diesem Themenbereich, wußten also, wo sie mit dem Suchen anfangen mußten. Man ahnte vom Umfang der Aufnahmen, hatte aber keinen Überblick, wie viele der Ton-Dokumente weltweit überlebt hatten, und in welchem Zustand sie waren. Auf was die Autoren immer wieder stießen, waren die Bereitschaft und die Begeisterung von Sammlern und Archiven, diese Box zu vervollständigen. Zum großen Teil wurde alles kostenfrei zur Verfügung gestellt, ansonsten wäre diese Edition wohl nie zu finanzieren gewesen.

Es dauerte und dauerte, bis die 44 CDs mit insgesamt 56 Stunden,
26 Minuten und 27 Sekunden Tonaufnahmen endlich gefüllt waren. Aber, so sagen die Autoren, man habe wohl nahezu alle Aufnahmen aus dieser Zeit gefunden und klanglich von den Originaltonträgern aufbereitet. Hinzu kommen zwei umfangreiche Bücher, in denen nicht nur auf jede einzelne Aufnahme eingegangen wird, es wurden auch Unmengen an Bildmaterial zusammen getragen: Die Fotos zeigen die Künstler, die man hier hören kann, aber auch Auftrittsorte, Platten-Cover, Konzertplakate und und und …

Auf “Black Europe” geht es nicht nur um Musik. Die Autoren haben auch in Archiven von Museen, wie dem Völkerkunde Museum in Berlin, nach Tönen gesucht. Dort stießen sie zum Beispiel auf Sprachaufnahmen aus dem Jahr 1904, die von Ludwig Anzaklo, einem in Deutsch-Togo geborenen und für ein paar Jahre in Tübingen lebenden Mann eingesprochen wurden. Die Sprache ist Ewhe, heute fast vergessen. Aufgrund der kolonialen Vergangenheit einiger europäischer Länder wurde Anfang des 20. Jahrhunderts versucht, Sprache und Gesang der afrikanischen Volksgruppen aufzuzeichnen. Die Königlich Preußische Phonographische Kommission stieß dabei auf ein Füllhorn von Möglichkeiten, direkt im eigenen Land. Zwischen dem 29. Dezember 1915 und dem 19. Dezember 1918 wurden insgesamt 2677 Aufnahmen von rund 250 Sprachen, Dialekten und traditioneller Musik in den Kriegsgefangenenlagern des Deutschen Reiches gesammelt, wie dem Internierungslager Wünsdorf, 40 Kilometer südlich von Berlin: von gefangenen Soldaten, die in den Kolonien gegen den Kaiser kämpften, oder an der Seite der Kolonialmächte in Europa eingesetzt und als Gefangene nach Deutschland gebracht wurden. Jahrzehntelang wurde dieses enthnographische Material – aufgenommen auf Wachszylindern – geheim gehalten. Nun ist es zum ersten Mal zugänglich gemacht worden.

All diese Aufnahmen chronologisch zu hören, ist nahezu unmöglich. Man muß gezielt vorgehen, durch die beiden Bücher blättern und sich jene Geschichten und Töne heraussuchen, die einem als Hörer interessant erscheinen. Da sind etliche der “Missing Links” zu finden, gerade im Bereich des Jazz. Wie die Geschichte des Drummers Louis Mitchell, der zweifelsohne mit seinen Jazz Kings zu den Begründern des Jazz gehörte, lange bevor Fletcher Henderson oder Louis Armstrong, die als Pioniere gelten, überhaupt bekannt wurden. Mitchell tourte sowohl in den USA wie auch in Europa.

Europa war ein Hauch von Freiheit für afro-amerikanische Künstler und Musiker. Hier durften sie Platten aufnehmen, was ihnen weitgehend in Amerika verwehrt blieb. Es gab Auftrittsmöglichkeiten, die Tourneen wurden gesponsert und beworben, und Schwarze mußten in London, Paris, Kopenhagen, Amsterdam oder Berlin nicht durch die Hintertür zu ihrem eigenen Konzert gehen. Und es wurde breit über die Auftritte und Aufnahmen, die Filme und Ereignisse in den Zeitungen berichtet. Diese Artikel kamen dann auf Umwegen in die USA, wo sie von den schwarzen Zeitungen und Magazinen wiederveröffentlicht wurden, was dazu führte, dass mehr und mehr afro-amerikanische Musiker und Gruppen den langen Weg über den großen Teich antraten. Sie fanden in Europa die Arbeit, die Möglichkeiten und die Bedingungen, die ihnen in der rassistischen Zweiklassengesellschaft der USA Anfang des 20. Jahrhunderts verwehrt blieben.

“Black Europe – The sounds and images of black people in Europe pre-1927” ist ein Hörbuch der etwas anderen, der besonderen Art. Hier werden längst vergessene Geschichten wiedererzählt oder nicht Bekanntes in einem passenden Rahmen vorgetragen. Diese Box zeigt auch die Bedeutung und den Anteil schwarzer Musiker und Künstler in den Anfängen der Popmusik in Europa. Nach jahrelanger Kleinarbeit an diesem Projekt kommen die Autoren zu der Erkenntnis, dass es die einmalige “Verwirklichung eines Lebenstraums” war.
Neben der umfangreichen Box ist auch noch eine 3-CD Box unter dem Titel „ Over There! Sounds And Images From Black Europe” zum Preis von 39,90 Euro bei Bear Family Records erschienen. 

Donnerstag, 16. Januar 2014

The Cranberries – No Need To Argue




The Cranberries – No Need To Argue


Besetzung:

Dolores O'Riordan – vocals, electric and acoustic guitars, keyboards
Noel Hogan – electric and acoustic guitars
Mike Hogan – bass guitar
Feargal Lawler – drums and percussion


Gastmusiker:

John And His String Section  strings


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Pop, Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. Ode To My Family (4:31)
2. I Can't Be With You (3:08)
3. Twenty One (3:08)
4. Zombie (5:06)
5. Empty (3:26)
6. Everything I Said (3:53)
7. The Icicle Melts (2:54)
8. Disappointment (4:15)
9. Ridiculous Thoughts (4:32)
10. Dreaming My Dreams (3:36)
11. Yeats' Grave (3:00)
12. Daffodil Lament (6:14)
13. No Need To Argue (2:57)

Gesamtspieldauer: 50:39




Das Lied „Zombie“ kennt wohl jeder. Es war der Hit auf dem zweiten Album der irischen Band Cranberries mit dem Titel „No Need To Argue“. Sicherlich war diese Nummer auch ein Grund dafür, dass die Band mit dieser 1994 erschienenen Platte ihren internationalen Durchbruch feiern konnte. Allerdings ist „Zombie“, welches textlich vom Nordirland-Konflikt handelt, absolut untypisch für „No Need To Argue“. Ist dieser Hit kraftvoll, rockig und treibend, so entsprechen die anderen zwölf Titel auf dem Album eher Adjektiven wie sanft, ruhig und zerbrechlich.

Das beginnt gleich mit dem ersten Lied „Ode To My Family“. Sehr weich, sehr melodiös und getragen kommt hier die Stimme der Dolores O'Riordan wunderschön zur Geltung. Den Background-Gesang hat sie dabei auch noch übernommen, sodass es hier gleich die volle Ladung dieses Gesangs zu hören gibt, der so gerne gegen Ende einer Zeile nach oben wegzukippen, sich zu überschlagen liebt. Sanft wie der Anfang ist auch das Ende der Platte mit dem Titelsong „No Need To Argue“ gestaltet. Hier wird es dann sogar schon minimalistisch in Bezug auf die Instrumentierung. Dolores O'Riordan flüstert fast und diese zerbrechliche Stimme wird nur durch sanfte Orgelklänge untermalt.

Zwischen diesen beiden Titeln gibt es, neben dem bereits erwähnten „Zombie“, noch zehn weitere Songs, die alle in die gleiche verträumte Richtung tendieren. Sanfte, ruhige Musik, meist sehr melancholisch vorgetragen, mitunter sentimental, nur ab und an mal von einem schnelleren oder flotteren Part unterbrochen. So ist „No Need To Argue“ irgendwie ein November-Album, eine Platte für graue Tage, um den eigenen Blues so richtig aufleben zu lassen.

Fazit: Wunderschön verträumt klingt dieses zweite Werk der Cranberries. Dazwischen dann noch so eine rockige Nummer wie „Zombie“. Wahrlich überzeugend das Ganze. Wer auf Melodiösität und Harmonie in der Musik steht, der sollte hier unbedingt mal ein Ohr riskieren. Elf Punkte.

Anspieltipps: Ode To My Family, Zombie, Daffodil Lament



Mittwoch, 15. Januar 2014

Bastille – Bad Blood




Bastille – Bad Blood


Besetzung:

Dan Smith – lead vocals, keyboards, percussion, string arrangements
Kyle Simmons – keyboards, percussion, backing vocals
Will Farquarson – bass, keyboards, acoustic guitar, backing vocals
Chris "Woody" Wood – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Mark Crew – keyboards, string arrangements
Verity Evanson – cello, string arrangements
Juliet Lee – violin
Sophie Lockett – violin
Gemma Sharples – violin
Willemijn Steenbakkers – violin
Alexandra Urquhart – viola
Richard Phillips – cello
Dave DeRose – drums
Ian Dudfield – backing vocals
Ralph Pelleymounter – backing vocals
Josh Platman – backing vocals
Jon Willoughby – backing vocals


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Pop


Trackliste:

1. Pompeii (3:35)
2. Things We Lost In The Fire (4:01)
3. Bad Blood (3:33)
4. Overjoyed (3:26)
5. These Streets (2:55)
6. Weight Of Living, Part II (2:55)
7. Icarus (3:45)
8. Oblivion (3:16)
9. Flaws (3:39)
10. Daniel In The Den (3:09)
11. Laura Palmer (3:06)
12. Get Home (6:38)

Gesamtspieldauer: 43:58




„Bastille“ ist eine ziemlich gehypte Band aus London, England, die auf vielen Plattformen unter dem Genre „Alternative Rock“ eingereiht wird. Da wird es dann jedoch schwierig, denn das, was Bastille hier auf ihrem Debut darbieten, ist mit Sicherheit kein Alternative Rock. Es ist im Grunde genommen auch kein Alternative Pop mehr. Das ist Pop-Musik des Jahres 2013 in Reinkultur, nicht mehr und nicht weniger. Das Label „Pop-Musik“ muss ja auch nichts Schlechtes oder Negatives bedeuten, macht es im Fall von Bastille auch nicht, aber wer sich eine irgendwie geartete Rock-Musik auf „Bad Blood“ erwartet, der wird unter diesen Umständen vermutlich enttäuscht werden.

Die Musik der vier Briten hat auch was. Man kann ihr wahrlich nicht absprechen überaus eingängig zu sein und Ohrwürmer hervorzurufen, die bei so manchem Hörer auch länger hängenbleiben werden - bei der einen Hörerin oder dem anderen Hörer mit Sicherheit aber auch deutlich weniger. Trotzdem, die ganze Platte ist überaus eingängig und zu jeder Zeit melodiös. Und auch wenn es hier den ein oder anderen nachdenklicheren Song zu hören gibt, der getragen dargeboten wird, wie zum Beispiel „Oblivion”, bei dem den Celli alles abverlangt wird, geht die gesamte Scheibe deutlich in die Richtung: „Musik für schöne Tage“.

Was mitunter etwas stört, dass ist dieser synthetische Sound. Klar gibt es mit Chris "Woody" Wood einen Drummer in der Band, der seine Aufgabe auch perfekt verrichtet – jedoch nicht immer – aber er kann überhaupt nichts für diesen Umstand. Viel zu oft greift die Band auf den synthetischen Sound des Synthesizers zurück, der einfach nicht die musikalische Qualität und den Klang eines „menschlichen“ Schlagzeugers erzeugen kann. Da klingt es dann schon mal sehr plastikmäßig und scheint auch durchaus so gewollt zu sein.

Nun und diese durchgängige Eingängigkeit erzeugt leider auch ganz andere Gefühle beim Konsumenten. Man sitzt da, hört die Scheibe und fast alles gefällt einem oder man findet alles irgendwie „gar nicht schlecht“ – spätestens nach dem zweiten Hören. Allerdings sagt und fühlt man auch spätestens nach dem zehnten Hören „Okay, jetzt reicht’s aber mal“. Soll nur heißen, dass die Musik durchaus gut gemacht ist, aber sehr stark Gefahr läuft, dass man sich an diesen Klängen ziemlich schnell überhört, sie nicht längerfristig bestehen können. Alles fließt, richtige Ausfälle gibt es irgendwie nicht, den absoluten „Übersong“, den sucht man allerdings auch vergebens. Alles hat ein gewisses Niveau ohne großartige Ausschläge nach oben oder unten.

Fazit: Die Musik von Bastille auf „Bad Blood“ ist eingängig, melodiös und man kann sie fast zu jeder Zeit hören. Da gibt es wohl nur wenig andere Meinungen darüber. Trotzdem ist diese Scheibe mit Sicherheit keine Platte, die in zwanzig Jahren noch für Aufsehen sorgen wird, dazu ist alles zu sehr vorhersehbar, mitunter auch ein wenig oberflächlich und mit dem Makel behaftet, dass man sich an solch einer Musik schnell überhören kann. Von daher nicht schlecht, allerdings auch nichts Besonderes. Gibt es Menschen, die behaupten, dies könnte ihr Lieblings-Album für alle Zeiten sein? Kaum vorstellbar. Hierbei kann es sich dann nur um Hitparaden-Hörer handeln, die allerdings schon bald etwas Neues finden werden, ganz nach Adenauers Devise: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ Acht Punkte.

Anspieltipps: Things We Lost In The Fire, Bad Blood, Flaws



Dienstag, 14. Januar 2014

David Bowie – Space Oddity




David Bowie – Space Oddity


Besetzung:

David Bowie – vocals, 12-string guitar, stylophone, kalimba, rosendale electric chord organ


Gastmusiker:

Mick Wayne – guitar
Tim Renwick – guitar, flue, recorder
Keith Christmas – acoustic guitar
John Lodge – bass
Tony Visconti – bass, flute, recorder
Herbie Flowers – bass
John Cambridge – drums
Terry Cox – drums
Rick Wakeman – mellotron, electric harpsichord
Paul Buckmaster – cello
Benny Marshall and friends – harmonica


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Space Oddity (5:16)
2. Unwashed And Somewhat Slightly Dazed (6:12)
3. Don't Sit Down (0:44)
4. Letter To Hermione (2:37)
5. Cygnet Committee (9:36)
6. Janine (3:25)
7. An Occasional Dream (3:01)
8. Wild Eyed Boy From Freecloud (4:52)
9. God Knows I'm Good (3:22)
10. Memory Of A Free Festival (7:11)

Gesamtspieldauer: 46:16




Das zweite Album David Bowies, welches ursprünglich nur unter seinem Namen veröffentlicht wurde und erst später den Titel „Space Oddity“ erhielt, ist noch ganz stark im Folk verwurzelt. Und auch wenn es immer wieder Pop-Anleihen zu hören gibt oder aber Passagen, die zum Teil sogar experimenteller gestaltet sind, so sticht dieses Genre bei der Liedauswahl doch hervor.

Die Platte wird eröffnet mit dem Titeltrack „Space Oddity“, gleichzeitig auch dem bekanntesten Lied des Albums, welches es 1969 bis auf Platz 5 der englischen Single-Charts schaffte. Ein sehr eingängiger Titel, von der akustischen Gitarre dominiert, bei dem schwebende und wabernde Synthesizer-Teppiche für den „Weltraum-Touch“ sorgen. Sehr eingängig die Nummer und Inspiration für Peter Schillings „Major Tom“ zur Zeit der Neuen Deutschen Welle. Es folgt mit „Unwashed And Somewhat Slightly Dazed“ ein Lied, welches zunächst sehr folkig klingt, im weiteren Verlauf allerdings immer mehr „aus den Fugen“ gerät. Die Mundharmonika nimmt eine zentrale Position ein und es klingt schließlich gar nicht mehr so harmonisch, sondern durchaus auch etwas schräger und vor allen Dingen treibender. „Don't Sit Down” ist eine kleine Spielerei, wohl eine kurze Improvisation, bevor David Bowie mit „Letter To Hermione“ seiner ehemaligen Freundin ein sehr sanftes und eingängiges Denkmal setzt.

„Cygnet Committee”, mit knappen zehn Minuten Spieldauer das längste Lied des Albums, kann im Anschluss daran stimmungsmäßig an den vorherigen Titel anknüpfen. Ruhig und folkig klingt es hier zunächst erneut, bis sich der Titel immer weiter steigert, fordernder wird, ohne dabei jedoch etwas von seiner Melodiösität einzubüßen. „Janine“ und „An Occasional Dream” sind fast schon poppige Nummern, ebenfalls wieder melodiös und vor allen Dingen ruhig und sanft.

Das trifft auch auf „Wild Eyed Boy From Freecloud” zu, wobei diese Nummer noch durch den Einsatz eines Orchesters unterstützt wird. Diese Instrumentierung macht das Stück noch ein wenig eingängiger und wärmer. Die ruhige Grundstimmung bleibt auch hier erhalten. Genau wie bei dem tollen „God Knows I'm Good”. Akustischer Gitarrensound und die Stimme des David Bowie stehen hier ganz klar im Vordergrund und Bowie erzählt dabei eine rührige Geschichte. Beschlossen wird die Scheibe schließlich durch „Memory Of A Free Festival“. Mit Harmonika-Untermalung wird das Lied eingeleitet, in dem zunächst David Bowie sehnsüchtig singt und gegen Ende des Liedes schließlich alles in einen sehr kraftvollen Chor mündet. Klasse gelungen.

Fazit: „Space Odditiy“ ist eine tolle Scheibe geworden, die keinen schlechten Song für den Hörer bereithält. Alles wirkt und stimmt, die Lieder gehen ins Ohr und hier ist alles andere als 08/15 Folk oder Pop zu hören. Spannende Titel, die man so schnell nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Space Oddity, Cygnet Committee, God Knows I’m Good



Montag, 13. Januar 2014

Fleetwood Mac – Mystery To Me




Fleetwood Mac – Mystery To Me


Besetzung:

Bob Welch – electric guitar, acoustic guitar, lead and backing vocals
Bob Weston – electric guitar, slide guitar, acoustic guitar, backing vocals
Christine McVie – keyboards, lead and backing vocals
John McVie – bass guitar
Mick Fleetwood – drums, percussion


Gastmusiker:

Richard Hewson – string arrangements


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Emerald Eyes (3:35)
2. Believe Me (4:12)
3. Just Crazy Love (3:27)
4. Hypnotized (4:49)
5. Forever (4:08)
6. Keep On Going (4:05)
7. The City (3:37)
8. Miles Away (3:50)
9. Somebody (5:04)
10. The Way I Feel (2:43)
11. For Your Love (3:47)
12. Why (4:55)

Gesamtspieldauer: 48:11




Nicht weiter überraschend, denn wieder einmal gibt es ein Fleetwood Mac Album, inzwischen die achte Platte, die immer wieder mal überzeugen kann und tolle Songs aufweist, dann allerdings auch wieder Songs beinhaltet, die mit dem Rest nicht kompatibel zu sein scheinen. Und auch qualitativ sind die Titel nicht immer auf Augenhöhe.

Nun, beginnen wir mal bei den besseren Stücken. Einen davon gibt es mit „Emerald Eyes“ gleich zu Beginn. Eine schöne getragene Nummer, die trotzdem groovt. Zudem wächst der Titel mit jedem weiteren Hören und wird mit der Zeit zu einem guten Bekannten. Das war es leider allerdings auch schon mit der ehemaligen ersten Plattenseite. Allerdings wird die zweite Seite auch wieder mit einem richtig guten Titel, wenn nicht sogar mit dem Höhepunkt auf „Mystery To Me“ eingeleitet. „The City” groovt, man kann kaum die Füße still halten und dieser eingesetzte „Wah-Wah-Effekt“ ist fast schon mit grandios zu umschreiben.

„Miles Away“ klingt ein wenig gehetzt, aber durchaus interessant. Ein Rock-Song, der beim Hörer ebenfalls versteht, länger hängenzubleiben. „The Way I Feel” ist eine getragene Pop-Nummer, die über eine schöne Melodie verfügt. Na und dann ist das natürlich noch „For Your Love“. Dieses Lied kennt fast jeder und stammt ursprünglich nicht von Fleetwood Mac. Graham Gouldman hat es geschrieben und bekannt wurde es durch die Yardbirds (aus denen Renaissance hervorging), die es 1965 veröffentlichten. Auch in dieser Version hier von Fleetwood Mac eine richtig gute Nummer. Den Abschluss des Albums stellt „Why“ dar. Ein bluesiges Stück, welches immer dann am besten kling, wenn Christine McVie mal gerade nicht singt.

Nun und der Rest, der kann vielleicht bis auf „Hypnotized“, was sehr an die Musik von Chris Rea erinnert, so gar nicht mehr überzeugen. Da gibt es so nervige, poppige Stücke wie „Believe Me“ und „Just Crazy Love“ aus der Feder Chrsitine McVies, die dann einfach schön sind, wenn sie vorbei sind. Funkige Nummern gibt es auch zu hören in Form von „Keep On Going“ und „Somebody“, wobei vor allen Dingen letzter Titel wahrlich gewöhnungsbedürftig ist. Bliebe noch „Forever“ mit dem die Neue Deutsche Welle vorweggenommen wurde. Zumindest was den Sound der Rhythmusmaschine anbelangt. Da wird es dann echt schwierig die passenden Worte zu finden. Sagen wir mal so, bei der Neuen Deutschen Welle wirkt und passt das. Aber vielleicht hatten entsprechende Deutsche Bands damals in den 80ern ja ihre Inspiration durch diesen Song bekommen.

Fazit: Es ist wie es ist. Bei Flettwood Mac gab es bisher kein Album, welches durchgehend überzeugen kann. Klar, ein paar Perlen finden sich auch auf „Mystery To Me“. Das sind allerdings keine allzu großen „Perlen“. Gelungen aber trotzdem. Und dann kommt eben dieser Rest, der manches Mal durchaus nervig sein kann und den man sich immer wieder wegwünscht. Aber da ist er nun mal und geht auch mit in die Bewertung ein. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Emerald Eyes, The City, For Your Love