Montag, 16. März 2015

Camel – I Can See Your House From Here




Camel – I Can See Your House From Here


Besetzung:

Andrew Latimer – guitars, flute, autoharp on "Who We Are", backing vocals, lead vocals on "Who We Are", "Hymn To Her" and "Neon Magic"
Colin Bass – bass, backing vocals, lead vocals on "Wait" and "Your Love Is Stranger Than Mine"
Kit Watkins – hammond c3 organ, solina synthesizer, yamaha electric grand piano, rhodes piano, moog synthesizer, minimoog, clavinet, prophet-5, yamaha cs80, ems sequencer, flute
Jan Schelhaas – yamaha cs80, yamaha electric grand piano, grand piano, prophet-5, moog synthesizer, minimoog, ems sequencer
Andy Ward – drums, percussion


Gastmusiker:

Mel Collins – alto saxophone on "Your Love Is Stranger Than Mine"
Phil Collins – percussion
Rupert Hine – backing vocals
Simon Jeffes – orchestral arrangements on "Who We Are" and "Survival"


Label: Gama Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Progressive Rock, Pop, Mainstream


Trackliste:

1. Wait (5:03)
2. Your Love Is Stranger Than Mine (3:26)
3. Eye Of The Storm (3:52)
4. Who We Are (7:52)
5. Survival (1:12)
6. Hymn To Her (5:37)
7. Neon Magic (4:39)
8. Remote Romance (4:08)
9. Ice (10:18)

Gesamtspieldauer: 46:11




Es gibt so Platten, die kannst Du ewig hören und Du weißt genau: „Das wird niemals was werden mit uns beiden“. Das wiederum ist selbstverständlich bei Musik, die so gar nicht in das eigene Raster zu passen scheint, die den eigenen Musikgeschmack eben überhaupt nicht trifft. Dann gibt es jedoch auch Alben von Bands, die im Grunde genommen sehr wohl den eigenen Vorlieben entsprechen oder diese zumindest jedoch tangieren – trotzdem gibt es keine Chance mit der Platte warm zu werden.

Eine solche Scheibe ist das siebte Studioalbum von Camel aus dem Jahr 1979 mit dem Titel „I Can See Your House From Here”. Vor ein paar Jahren hatte diese Band noch ganz netten Progressive Rock auf Platte gepresst und jetzt, Ende der 70er Jahre, schwamm sie ebenfalls mit auf dieser vermaledeiten Pop-Welle, die alles noch einfacher und eingängiger machen wollte. Gut, da gibt es noch jede Menge andere Beispiele von Bands und so war das damals nun mal eben, jedoch wirken die Camel-Scheiben aus dieser Epoche irgendwie besonders belanglos und auch planlos.

Das darf jetzt noch nicht mal falsch verstanden werden, denn richtig schlecht ist „I Can See Your House From Here“ im Grunde genommen nicht. Es ist nur ewig langweilig. Extrem langweilig. Kommt dann mal eine Melodie oder ein Abschnitt auf, der durchaus gefallen könnte, dann wechselt die Richtung ganz schnell wieder in die Belanglosigkeit. So sammeln sich auf diesem Album jede Menge kleine Pop-Liedchen, doch am Ende soll es vielleicht nochmal so etwas wie eine Versöhnung mit den „guten alten Zeiten“ geben. Da bekommt der Hörer mit „Ice“ dann sogar einen instrumentalen Longtrack serviert, der vielleicht ein klein wenig in die Richtung des Progressive Rock driftet, jedoch wirklich nur ein klein wenig. Dabei beinhaltet auch diese Nummer jede Menge Langeweile und nur manchmal das, was man immer in der Musik zu finden erhofft: Begeisternde Momente, die einem das Leben auf irgendeine Art und Weise versüßen.

Fazit: „I Can See Your House From Here“ war für mich auch die letzte Platte gewesen, die ich mir von Camel besorgt hatte. Alles was danach kam, kenne ich nicht mehr und es interessierte mich auch nicht mehr. Die Musik ist so ultra-nichtssagend, dass es irgendwie langweilt, die Zeit damit zu verbringen, anstatt sich richtig gute Sachen anzuhören. Trotzdem ist das objektiv betrachtet sicherlich kein ganz schlechtes Album, nur weil es meinen Musikgeschmack eben nicht mehr trifft. Leute, die gerne das hören, was so im Radio läuft, denen wird diese Scheibe sicherlich nicht negativ auffallen, für mich ist da aber nur noch wenig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Survival



Sonntag, 15. März 2015

Jethro Tull – The Broadsword And The Beast




Jethro Tull – The Broadsword And The Beast


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, fairlight cmi, acoustic guitar
Martin Barre – electric & acoustic guitars
Peter Vettese – keyboards, piano, synthesizer, vocals
Dave Pegg – bass guitar, mandolin, vocals
Gerry Conway – drums and percussion


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Art Rock, Folk Rock


Trackliste:

1. Beastie (4:00)
2. Clasp (4:18)
3. Fallen On Hard Times (3:13)
4. Flying Colours (4:39)
5. Slow Marching Band (3:39)
6. Broadsword (5:03)
7. Pussy Willow (3:55)
8. Watching Me Watching You (3:41)
9. Seal Driver (5:10)
10. Cheerio (1:16)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung aus dem Jahr 2005:

11. Jack Frost And The Hooded Crow (3:22)
12. Jack A Lynn (4:40)
13. Mayhem Maybe (3:06)
14. Too Many Too (3:28)
15. Overhang (4:29)
16. Rhythm In Gold (3:08)
17. I'm Your Gun (3:19)
18. Down At The End Of Your Road (3:31)

Gesamtspieldauer: 1:08:05




Nachdem Jethro Tull auf ihrem letzten Album einigermaßen synthetisch – aber trotzdem gut – klangen, so legte Ian Anderson mit „The Broadsword And The Beast“ wieder einen Gang zurück ein, denn dieses vierzehnte Album von Jethro Tull aus dem Jahr 1982 klingt wieder sehr viel mehr nach Folk, als nach Pop.

Erneut hatte es auch wieder Veränderungen in der Besetzung gegeben. Am Schlagzeug saß nun Gerry Conway und mit Peter Vettese bekam Jethro Tull auch wieder einen festen Keyboarder. Die Musik lehnt sich, wie bereits erwähnt, eher an die Folk Phase der Band an. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass auf „The Broadsword And The Beast“ nicht auch gerockt wird. Eines Besseren belehrt den Hörer da gleich der erste Titel „Beastie“, der durchaus rockig aus den Boxen quillt. Immer wieder wird das Tempo auf dem Album mal ein wenig angezogen, ohne jedoch in die ganz harte Ecke des Rocks abzudriften.

Dazu gesellen sich selbstverständlich, wie im Grund genommen immer bei Jethro Tull, tolle Melodien und eingängige Harmonien, die durchaus das Potential haben, sehr viel länger im Ohr des Hörers zu verweilen, als nur für diesen Augenblick des Abspielens. Dazu muss man bedenken, dass genau zu jener Zeit, Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, der Synthie-Pop in aller Munde beziehungsweise in aller Ohr war. Auch hier, auf „The Broadsword And The Beast“, gibt es den ein oder anderen Ton, der in diese Richtung tendiert, jedoch ist dieser dann meisterlich verpackt, sodass es niemals oberflächlich klingt. Zudem wird das Keyboard immer flankiert von analogen Instrumenten, die das Album dadurch sehr viel geerdeter wirken lassen. Übrigens steht die Querflöte bei diesen weiteren Instrumenten gar nicht mal so sehr im Mittelpunkt, sondern spielt auf „The Broadsword And The Beast“ eher in einer für Jethro Tull ungewohnten Nebenrolle.

Die remasterte Version des Albums weist dazu noch sage und schreibe acht weitere Titel auf, die ebenfalls alle in der Zeit Anfang der 80er Jahre entstanden. So wünscht man sich Bonustitel, denn auch diese besitzen durchaus Qualität und runden das gute Bild dieses Album noch einmal ab.

Fazit: Sicherlich nicht das beste Jethro Tull Album, da die Titel zwar gut, jedoch nicht unbedingt außergewöhnlich sind, wahrlich jedoch keine schlechte Scheibe. Ian Anderson und seine Mitmusiker haben es schon immer raus gehabt, wunderschöne Melodien zu kreieren, die einfach Spaß machen, gefallen können und auch hängenbleiben. Ausfälle gibt es auf „The Broadsword And The Beast“ ebenfalls keine zu beklagen, alles besitzt Qualität, sodass allen, die auf gut gemachten, nicht allzu lauten Rock stehen, der eindeutig nach Jethro Tull klingt, dieses Album rundherum empfohlen werden kann. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Fallen On Hard Times, Broadsword



Samstag, 14. März 2015

Yes – Magnification




Yes – Magnification


Besetzung:

Jon Anderson – lead vocals, midi guitar, acoustic guitar
Chris Squire – bass guitars, backing vocals, lead vocals
Steve Howe – acoustic & electric guitars, pedal steel guitar, mandolin, backing vocals
Alan White – drums, percussion, piano, backing vocals


Label: Eagle Records


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: ArtPop, Symphonoc Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Magnification (7:15)
2. Spirit Of Survival (6:01)
3. Don't Go (4:26)
4. Give Love Each Day (7:43)
5. Can You Imagine (2:58)
6. We Agree (6:30)
7. Soft As A Dove (2:17)
8. Dreamtime (10:45)
9. In The Presence Of (10:24)
     I. Deeper
     II. Death Of Ego
     III. True Beginner
     IV. Turn Around And Remember
10. Time Is Time (2:08)

Gesamtspieldauer: 1:00:32




Nachdem Gitarrist Billy Sherwood und Keyboarder Igor Khoroshev die Band verlassen hatten und Rick Wakeman nicht zu einer Rückkehr zu bewegen war, beschlossen die verbliebenen Mitglieder Jon Anderson, Chris Squire, Steve Howe und Alan White auf Steve Howe’s Vorschlag hin, die Rolle der Tasteninstrumente nun von einem ganzen Orchester übernehmen zu lassen. Larry Groupé, ein Komponist für Filmmusik wurde engagiert, um die passenden Parts in und um die einzelnen Lieder herum zu komponieren und auch mit dem Orchester einzuspielen. Herausgekommen ist das neunzehnte Studioalbum von Yes mit dem Titel „Magnification“.

Nie wieder davor noch danach, klangen Yes symphonischer, als auf „Magnification“. Natürlich driftet die Musik dabei auch ein wenig in Richtung Pop ab, was mitunter sogar ein wenig schwülstig klingen kann. Beispielhaft dafür steht so ein Titel wie „Give Love Each Day“. Die Nummer ist durchaus melodiös und sehr eingängig aber so etwas von schwülstig, dass man das kaum in Worte zu fassen imstande ist. Und wenn dann am Ende Jon Anderson noch sein „Give Love Each Day“ immer und immer wieder ins Mikrophon singt, dann benötigt man da schon starke Nerven.

Trotzdem ist „Magnification“ ein gutes Album geworden. Alles klingt und wirkt auf der Scheibe. Yes sind hier so etwas von eingängig wie kaum einmal zuvor. Tatsächlich klingt das Ganze mitunter auch mal nach Filmmusik, kein Wunder, wenn man entsprechenden Dirigent engagiert. Trotzdem hat das was, alles wirkt sehr spannend und ist beseelt von tollen Melodien, die sofort ins Ohr gehen. Natürlich hat diese Musik auch nur noch wenig mit den Anfängen in den 70er Jahren zu tun, jedoch deutlich mehr, als mit der Pop-Ära der 80er Jahre. Solch eine Nummer wie „Dreamtime“ kann durchaus melancholisch bis sentimentale Gefühle beim Hörer hervorrufen. Und ersetzt man hier gedanklich das Orchester durch das Keyboard, dann ist man auch gar nicht mehr so weiter entfernt von der Zeit, als Yes noch einer der Bannerhalter des Progressive Rock waren.

Fazit: Nach „Open Your Eyes” wurde mit „The Ladder” ein erster Schritt in die Richtung getan. Der zweite Schritt folgte mit „Magnification“, einem Album, welches durchaus zu überzeugen weiß – zumindest mich. Wer auf symphonischen Rock steht, die oder der kann dieser Scheibe mit Sicherheit sehr viel abgewinnen. Jedoch dürften auch einige Yes-Fans versöhnt werden, die die 80er und 90er Jahre der Band am liebsten völlig ausblenden würden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Dreamtime, In The Presence Of



Freitag, 13. März 2015

Gentle Giant – Civilian




Gentle Giant – Civilian


Besetzung:

Gary Green – electric guitars
Kerry Minnear – synthesizers, electric piano, hammond organ, Clavinet, piano, lead vocals
Derek Shulman – lead vocals
Ray Shulman – bass, acoustic guitar, backing vocals
John Weathers – drums, tambourine, varispeed cymbals, percussion, backing vocals


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Convenience (Clean And Easy) (3:12)
2. All Through The Night (4:20)
3. Shadows On The Street (3:17)
4. Number One (4:44)
5. Underground (3:47)
6. I Am A Camera (3:29)
7. Inside Out (5:50)
8. It's Not Imagination (3:57)

Gesamtspielzeit: 32:55



Mit ihrem elften und letzten Album mit dem Titel „Civilian“ waren Gentle Giant endgültig „normal“ geworden. Nichts war mehr übrig, von diesem einst sehr innovativen Progressive Rock, der sicherlich nicht für Jedermanns Ohren gedacht war. Die Band war auf dem Boden des ganz normalen Rocks angekommen.

„Civilian“ wurde 1980 veröffentlicht und wenn man sich dann überlegt, welche Musik man zu dieser Zeit noch hören konnte beziehungsweise, was zur damaligen Zeit aktuell war, so muss man Gentle Giant sogar zugestehen, dass sie es noch einigermaßen hinbekommen haben. „Civilian“ ist sicherlich kein aufregendes Album geworden. Alle klingt irgendwie „normal“, das ist für Gentle Giant wahrlich ein kaum gebrachtes Adjektiv. Denn normal oder gar 08/15 war diese Band selten. Jetzt ist sie es, damit war auch das Ende von Gentle Giant besiegelt. Aber es gibt hier für den „ganz normalen“ Rockkonsumenten durchaus ein paar schöne Titel. Allen voran ist da die wahrlich schöne Nummer „Shadows On The Street”. Ein Lied, welches ins Ohr geht.

Nun, der Rest ist echt gewöhnlich, da findet jeder mal was, was sie oder er mehr mag oder eben genau das Gegenteil. Das ist auch alles keineswegs mehr aufregend oder in irgendeiner Art und Weise etwas Besonderes, Gentle Giant machen jetzt eben Rock, wie tausend andere Bands auch.

Fazit: Wirklich seltsam, wie eine Band innerhalb fast schon weniger Monate ihren Stil so dermaßen verändern konnte. Gentle Giant waren für mich am Anfang am Spannendsten. Dann wurde es auch mir manchmal zu abgefahren. Gegen Ende wurden Gentle Giant dann  irgendwie austauschbar, machten Rock-Musik, die andere etwas besser konnten. Trotzdem ist „Cicilian“ ein versöhnlicher Abschluss geworden, da mancher Titel wahrlich wirkt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Shadows On The Street



Donnerstag, 12. März 2015

AC/DC – Let There Be Rock (DVD II)




AC/DC – Let There Be Rock (DVD II)


Besetzung:

Angus Young – guitar
Malcolm Young – guitar
Bon Scott – vocals
Phil Rudd – drums
Cliff Williams – bass


Label: Falcon Neue Medien


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Hard-Rock


Trackliste:

1. Glasgow, Scotland 18.03.1978 (Scottish TV) (37 Minuten)
     • Intro
     • Riff Raff
     • Rock’n’Roll Damnation
     • Dog Eat Dog
     • Bad Boy Boogie
     • Let There Be Rock
     • I’m A Rocker
2. Arnhem., Riinhalen, Holland “Countdsown” 13.07.1979 (Dutch TV) (25 Minuten) 
     • Highway To Hell
     • Bad Boy Boogie
     • The Jack
     • I’m A Rocker
     • Whole Lotta Rosie
3. Hordon Pavillion, Australia 12.12.1976 (Australian TV) (16 Minuten)
     • Baby, Please Don’t Go
     • Problem Child
4. Madrid, Spain, “Aplauso” 09.02.1980 (Spanish TV, Bon Scott’s Last TV Appearance) (14 Minuten)
     • Intro
     • Beating Around The Bush
     • Girls Got Rhythm
     • Highway To Hell
5. USA, “Midnight Special” 1978 (US TV) (10 Minuten)
     • Intro
     • Sin City
6. Germany, “Rock Pop in Concert” 08.09.1979 (German TV) (5 Minuten)
     • Highway To Hell

Gesamtspieldauer: 1:38:11




Gut, würde es nach der Qualität der Aufnahme, sowohl des Video- wie des Audio-Materials gehen, so müsste man diese DVD zweifelsohne mit einem bis maximal zwei Punkten bewerten. Auf der DVD befinden sich TV-Aufnahmen, die in keinster Weise überarbeitet wurden und leider genau so aussehen, wie aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts und sich leider auch ebenso anhören. Da scheppert das Becken, die Töne verwaschen manchmal, nicht immer sind alle Instrumente gleichberechtigt zu hören und mitunter wirkt das Ganze sehr, sehr krachend und undifferenziert.

Und dabei ist das alles so cool, was sich auf der DVD befindet. Alles Live-TV-Ausschnitte der alten Besetzung, also immer mit Bon Scott. Sogar sein letzter TV-Auftritt, der im spanischen Fernsehen am 9. Februar 1980 stattfand, ist hierauf verewigt… Genau zehn Tage später ist er leider verstorben. Und gerade hier ist das Bildmaterial besonders schlecht. Wobei gerade diesem Auftritt auch eine gewisse unfreiwillige Komik sicherlich nicht abzusprechen ist, denn im Publikum befindet sich eine riesige Fraktion bereits älterer Menschen, sicherlich zum größten Teil deutlich über 70 Jahre. Und das coole dabei ist, diese klatschen ebenfalls nach den einzelnen Titeln,  anscheinend sehr zufrieden und überzeugt, Beifall. Da sag noch einer mal, AC/DC sei nur was für junge Leute und dort auch hauptsächlich etwas für die männlichen Hörer. In Spanien scheint das nicht so ganz zu stimmen, denn hier freuen sich auch ältere Damen über eine ordentliche Portion Hard Rock.

Ich habe die DVD hier übrigens „DVD II“ genannt, da es noch eine DVD mit dem Namen „Let There Be Rock“ gibt, die am 9. Dezember 1979 live im Pavillon de Paris in Paris, Frankreich aufgenommen wurde und auch eingestreute Interviews der Bandmitglieder enthält. Viele Käufer ärgern sich immer, wenn die statt der Live-DVD, die übrigens sowohl vom Film- wie vom Audiomaterial keinerlei Wünsche offen lässt, aus Versehen dann diese DVD hier in Händen halten, beziehungsweise im Player das erste Mal abspielen. Also Vorsicht beim Kauf.

Fazit: Es stimmt, qualitativ ist diese DVD hier eine absolute Katastrophe. Von daher hat auch nur der echte AC/DC-Fan etwas davon. Jene oder jener wird diese Veröffentlichung nämlich auch trotz der schlechten Qualität sehr wahrscheinlich lieben. Die Ausschnitte sind schon etwas Besonders und lassen ganz, ganz viele sentimentale Gefühle beim Hörer aufsteigen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Kann es hier nicht geben….

(Diese Aufnahme ist nicht von der hier besprochenen DVD und qualitativ deutlich besser als die DVD!)



Mittwoch, 11. März 2015

Porcupine Tree – Voyage 34




Porcupine Tree – Voyage 34


Besetzung:

Steven Wilson – all instruments
Richard Barbieri – keyboards on “IV”


Label: Snapper


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Psychedelic Rock, Trance, Progressive Rock


Trackliste:

1. I (12:55)
2. II (17:30)
3. III (19:29)
4. IV (20:45)

Gesamtspieldauer: 1:10:40




„Voyage 34“ ist kein offizielles Porcupine Tree Album. Es entstand in den Jahren 1992 und 1993 und wurde schließlich im Jahr 2000 veröffentlicht. Ursprünglich war die Nummer „Voyage 34“ für das Album „Up The Downstair“ vorgesehen, verselbständigte sich allerdings irgendwie und wurde länger und länger und aus mehr und mehr Teilen zusammengesetzt, sodass sie nicht mehr auf das ursprüngliche Album passte. Nun, die Musik gab es allerdings und wartete dann doch darauf veröffentlicht zu werden, was schließlich im Jahr 2000 passierte: „Voyage 34“ wurde als eigenständiges Album veröffentlicht.

Die Platte ist sehr psychedelisch gehalten, geht manches Mal in die Trance Musik über und behandelt die Erfahrungen eines Mannes namens Brian auf einem LSD-Trip. Das Ganze ist nicht so sphärisch, wie es der Name „Ambient“ auch ausdrückt, zumindest nicht immer. Oftmals sind auch rockige Abschnitte zu vernehmen, vor allem beim ersten Titel mit dem passenden Namen „I“. Dort – und auch später noch – vernimmt man dann zudem eine Gitarre, deren Spiel schwere nach David Gilmour von Pink Floyd klingt. Nicht weiter verwunderlich, war diese Band doch eine der großen Vorbilder des Steven Wilson. Diese Gitarre gibt es allerdings nicht nur hier zu hören, sondern taucht auch später nochmals auf.

Nun, man muss in diese Musik eintauchen, die manchmal wirklich nur aus Klangwolken zu bestehen scheint, dann jedoch wieder an Rhythmus und Kontur gewinnt und wieder ein wenig „normaler“ und strukturierter klingt. Die Titel schaffen es allerdings auch – ohne das Einwerfen bewusstseinserweiternder Substanzen – den Hörer ganz schnell in andere geistige Galaxien zu transportieren. Ein Selbstversuch mit Kopfhörern scheint hier durchaus angebracht und würde wohl so manchem eine ganze Menge Geld und die Berührung mit der Kriminalität ersparen.

Haben die ersten beiden „Phasen“ von „Voyage 34“noch diese vorhandenen, rockigeren Abschnitte, so werden solche im weiteren Verlauf des Albums immer rarer, alles wird noch freier und grenzenloser. Nichts scheint irgendwann mehr diese Musik einfangen zu können, die dann oftmals nur noch aus Soundschwaden zu bestehen scheint.

Fazit: „Voyage 34“ ist wahrlich eine Art Trip, der mit Sicherheit nicht zündet, wenn die Platte so nebenbei gehört wird, was allerdings durchaus auch machbar ist. Eine Reise, bequem auf dem Sofa mit geschlossenen Augen und den Kopfhörern auf den Ohren, verspricht da schon ganz andere Erlebnisse. Meditative Rockmusik bis hin zu Trance spülen den Hörer in andere Welten, wenn sie oder er nicht an den entsprechenden Stellen den Grenzbereich zwischen Wachen und Schlafen überschreitet – obwohl, dann warten dort sicherlich auch spannende Träume. Elf Punkte.

Anspieltipps: I, II, II, IV



Dienstag, 10. März 2015

The Who – A Quick One




The Who – A Quick One


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals, trombone and bass drum on "Cobwebs and Strange"
John Entwistle – bass guitar, French horn, trumpet, keyboards, lead vocals, backing vocals
Pete Townshend – lead and rhythm guitars, penny-whistle, keyboards, vocals
Keith Moon – drums, percussion, tuba, vocals


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1966


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Run Run Run (2:52)
2. Boris The Spider (2:29)
3. I Need You (2:23)
4. Whiskey Man (2:55)
5. Heat Wave (1:52)
6. Cobwebs And Strange (2:31)
7. Don't Look Away (2:52)
8. See My Way (1:51)
9. So Sad About Us (3:02)
10. A Quick One, While He's Away (9:09)
I. Her Man's Gone
II. Crying Town
III. We Have A Remedy
IV. Ivor The Engine Driver
V. Soon Be Home
VI. You Are Forgiven

Gesamtspieldauer: 31:57




Die zweite Scheibe der Who, mit dem Titel „A Quick One“ aus dem Jahr 1966, ist mit knapp über dreißig Minuten Spieldauer eine relativ kurze Platte geworden. Bis auf die letzte Nummer, sind alle Titel um die drei Minuten oder sogar unter zwei Minuten lang. Das war zu der Zeit der Entstehung von „A Quick One“ noch ziemlich normal und das letzte Lied, „A Quick One, While He's Away“, stellt da mit seinen über neun Minuten Spieldauer die absolute Ausnahme dar. Wenn man dann allerdings wieder sieht, dass sich diese Nummer wiederum aus sechs „Untertiteln“ zusammensetzt, dann relativiert sich das Ganze auch schon wieder.

Eine Besonderheit weist „A Quick One“ jedoch auf jeden Fall in der Discographie von „The Who“ auf. Niemals wieder war das Songwriting bei The Who auf so vielen Schultern verteilt worden. Ist es sonst hauptsächlich Pete Townshend, der den Großteil der Lieder beisteuert, so ist er hier „lediglich“ für vier der zehn Nummern verantwortlich. Je zwei Titel stammen von Keith Moon und John Entwistle und auch Roger Daltrey steuerte mit „See My Way“ ein Lied hinzu. Dazu gesellt sich dann mit „Heat Wave“ noch eine Nummer mit Gastkomponisten.

Klar hört man der Scheibe wieder das Entstehungsdatum an. 60ies Pop bis Rock ist auf „A Quick One“ zu hören. Trotzdem ist das zu Hörende durchaus lohnenswert. „Boris The Spider“ zum Beispiel, geschrieben von John Entwistle, bei dem im Refrain Keith Moon mit absolut lustiger Stimme zu hören ist, macht Spaß. „I Need You“ stammt aus der Feder Keith Moons und ist das wohl melodischste Lied der ganzen Scheibe. Toller Aufbau und eine Melodie mit Ohrwurmcharakter. „Cobwebs And Strange”, ebenfalls von Keith Moon, ist dagegen eher eine kleine lustige Spielerei und ziemlich schräg anzuhören mit all den Blasinstrumenten, die gar nicht mal immer den Ton ganz genau treffen. „So Sad About Us“ stammt von Pete Townshend, ebenfalls ausgestattet mit einer sehr eingängigen Melodie und kann ebenfalls überzeugen. Nun und dann ist da noch das bereits erwähnte „A Quick One, While He's Away“, was bereits einen kleinen Vorgriff von Pete Townshend auf „Tommy“ und „Quadrophenia“ darstellt. Sicherlich noch nicht vom musikalischen Aspekt her, da fehlt noch eine ganze Menge, jedoch vom Aufbau. In sechs Teilen wird hier die Geschichte eines Seitensprungs erzählt – mit Happy End.

Fazit: Okay, die Zeit dieser Musik ist definitiv vorbei, die einzelnen Nummern klingen genau so alt, wie sie auch sind. Trotzdem macht diese Musik immer noch Spaß, selbst wenn man sie, wie ich, erst viele Jahre nach der Entstehung zum ersten Mal hört. Nicht alles ist überzeugend, jedoch gibt es einige wirklich schöne Einfälle und Ideen zu hören sowie manch wahrlich schöne Melodie. Lohnt sich nicht nur für „Oldie-Fans“. Acht Punkte.

Anspieltipps: I Need You, A Quick One While He's Away



Montag, 9. März 2015

Wovenhand – Live At Roepaen




Wovenhand – Live At Roepaen


Besetzung:

David Eugene Edwards – vocals, guitar
Pascal Humbert – bass, guitar
Gary “Ordy” Garrison – drums
Jeffrey Linsenmeier – piano, keyboards, backing vocals


Gastmusiker:

Loukas Metaxas – percussion


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

CD:

1. Hutterite Mile (4:30)
2. Swedish Purse (4:34)
3. Speaking Hands (5:20)
4. Sinking Hands (4:32)
5. His Rest (4:32)
6. Flutter (4:17)
7. Horse Head Fiddle (6:03)
8. Orchard Gate (6:59)
9. Kingdom Of Ice (6:26)
10. Singing Grass (3:25)
11. Deerskin Doll (5:32)
12. Raise Her Hands (6:13)
13. Whistling Girl (5:48)
14. Off The Cuff (7:10)

Gesamtspiedauer CD: 1:15:28


DVD:

Das gesamte Konzert mit einer Laufzeit von 1:26:42




Kurz vor Weihnachten 2010, am 14. Dezember, gaben Woven Hand ein Konzert in Roepaen, Ottersum, Niederlande. Passenderweise natürlich in einer Kirche. Vierzehn Titel spielt die Band um David Eugene Edwards, die allerdings nicht nur aus dem Repertoire von Woven Hand stammen, sondern es sind auch einige 16 Horsepower-Titel vertreten.

Die Stimmung, nicht nur der einzelnen Titel, wirkt ziemlich gedrückt und düster. Und wenn man dann David Eugene Edwards, versunken mit seiner Fellmütze, die Augen zumeist geschlossen, dort sitzen sieht, wie er Mantra-artig seine Botschaften in das Mikrophon sinkt, dann wirkt das ziemlich meditativ – ganz egal dabei, ob man den Film zum Konzert ansieht oder sich nur der Musik widmet. Die einzelnen Titel wirken allesamt sehr eindringlich, traurig und dunkel, wenn sie sich auch von der Stimmung her sehr ähneln. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, dass die Zuschauer manchmal nicht applaudieren, da sie gerade gar nicht mitbekommen haben, dass eine Nummer in eine andere übergegangen ist. Geklatscht hätten sie sicher, denn beeindruckend ist das allemal, was Woven Hand hier seinen Zuschauern und Zuhörern präsentiert. Dies kann bis hin zu experimentellen Ausflügen gehen, denn „His Rest“ ist zum Beispiel eher eine Soundkollage denn ein Lied. Gehauchte Klangschwaden umspielen hier das Ohr des Hörers, unterbrochen nur durch den Gesang und die Worte des David Eugene Edwards.

Fazit: Sowohl das Album, wie auch die Platte selbst klingen durchaus ein wenig marode – und das, obwohl David Eugene Edwards ja im Grunde genommen die Frohe Botschaft Christi verkünden möchte. Die Titel sind sehr eindringlich und wirken oftmals überaus bedrückend. Psychische Probleme sollte man also weder beim Hören des Albums, dem Ansehen der DVD, noch in einem Woven Hand Konzert haben. Da könnte es sonst zu schwerwiegenden Komplikationen in der Psyche und im Seelenleben kommen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Hutterite Mile, Swedish Purse



Sonntag, 8. März 2015

The Moody Blues – Days Of Future Passed




The Moody Blues – Days Of Future Passed


Besetzung:

Mike Pinder – keyboards, mellotron, piano, vocals
Ray Thomas – flutes, horns, percussion, keyboards, vocals
Justin Hayward – acoustic and electric guitars, piano, keyboards, vocals
John Lodge – bass guitar, electric guitar, vocals
Graeme Edge – drums, percussion, vocals


Label: Decca Records


Erscheinungsdatum: 1967


Stil: ArtPop, ArtRock


Trackliste:

1. The Day Begins (5:51)
2. Dawn (3:49)
Dawn Is A Feeling
3. The Morning (3:56)
Another Morning
4. Lunch Break (5:29)
Peak Hour
5. The Afternoon (8:23)
a. Forever Afternoon (Tuesday?) 
b. (Evening) Time To Get Away
6. Evening (6:40)
a. The Sun Set 
b. Twilight Time
7. The Night (7:29)
Nights In White Satin


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

8. Don't Let Me Be Misunderstood (BBC Session: Saturday Club) (2:24)
9. Fly Me High (2:56)
10. I Really Haven't Got The Time (3:09)
11. Love And Beauty (2:26)
12. Leave This Man Alone [Clean] (3:01)
13. Cities (2:26)
14. Tuesday Afternoon (Alternate Mix) (4:20)
15. Dawn: Dawn Is A Feeling (Alternate Version) (2:20)
16. The Sun Set (Alternate Version With No Orchestra) (2:50)
17. Twilight Time (Alternate Vocal Mix) (2:28)

Geasamtspieldauer: 1:10:04




Okay, das ist schon großes Kino, was die Moody Blues hier mit ihrem zweiten Album „Days Of Future Passed“ aus dem Jahr 1967 vorlegen. Das liegt ganz sicherlich an der Musik selbst, die oftmals durchaus einem Kinofilm entsprungen sein könnte, doch dazu später mehr. Erst kurz noch etwas zur Entstehung des Albums. Die erste Platte der Moody Blues hieß „The Magnificent Moodies“, wurde 1965 veröffentlicht und bestand hauptsächlich aus Cover-Versionen von Rhythm & Blues-Stücken. Übermäßig erfolgreich war das auch nicht und zwei der Gründungsmitglieder, Gitarrist Denny Laine und Bassist Clint Warwick, verließen die Band kurz darauf. Dann kam angeblich die Plattenfirma Decca auf die glorreiche Idee, dass die Moody Blues nun in neuer Besetzung eine Adaption von Antonin Dvořáks 9. Sinfonie einspielen sollten. Das wiederum fanden die Musiker allerdings nicht so prickelnd, nur die Kombination aus Klassischer Musik und Rock-Musik, die reizte sie. So wurde kurzerhand, zunächst angeblich heimlich, eines der ersten Konzeptalben entworfen, denn zu hören ist auf „Days Of Future Passed“ der Tagesablauf eines ganz normalen Menschen – vom Morgen bis zur Nacht – in einer Verbindung aus Klassischer Musik und Rock-Musik.

Nun, nicht nur, dass es eines der ersten Konzeptalben ist, die es in der Geschichte der Rock-Musik gab, macht das Album „Days Of Future Passed“ zu etwas Besonderem. Es ist eben auch jene Verbindung von Klassik und Rock, die es so bisher auch noch nicht gab. Bei den ersten Titeln glaubt man auch kaum, dass es sich hierbei um eine Platte einer Rockband handelt, denn die Musik kommt zunächst hauptsächlich vom London Festival Orchestra. Im ersten Titel „The Day Begins“ wird auch gleich die Melodie des letzten und wohl auch bekanntesten Liedes der Moody Blues „Nights In White Satin“ aufgegriffen. Zwischen diesen beiden Nummern befinden sich ausschließlich eingängige Harmonien und überaus melodiöse Melodien. Jeder Titel geht ziemlich schnell ins Ohr und man fühlt sich an verschiedene Orte verfrachtet, wenn man der Musik lauscht. Mal befindet man sich in einem klassischen Konzertsaal und lauscht dort einem Konzert, mit eben klassischer Musik. Dann jedoch sitzt man im Kino und vor dem inneren Auge entstehen Bilder, die durch die Musik perfekt untermalt werden. Wieder ein anderes Mal glaubt man einem Musical zu lauschen und schließlich steht man dann wieder vor einer grell erleuchteten Bühne und lauscht einem Rock Konzert mit deftigen Pop-Einfärbungen.

Dass so mancher sagt, vieles auf „Days Of Future Passed“ klingt ein wenig zu süßlich, kann man dabei durchaus nachvollziehen und mit Sicherheit ist diese Musik auch nicht jedermanns Sache. Spannend ist sie jedoch definitiv. Wenn es mal nicht zu orchestral klingt, dann erinnert die Musik an manchen Stellen an „The Piper At The Gates Of Dawn“, der ersten Scheibe von Pink Floyd. Und den Titel „Twilight Time“ hat Jeff Lynne für sein Electric Light Orchestra in „Don’t Bring Me Down“ integriert – auch wenn das nirgendwo steht, das ist eindeutig herauszuhören. Nun, manches Mal wird dieses Album auch mit zur Geburtsstunde des Progressive Rock gezählt. Das wiederum ist allerdings ein wenig weit hergeholt. Klar ist das, was man auf „Days Of Future Passed“ hört, nicht mehr unbedingt britischer 60er Pop. Und gewiss ist diese Musik etwas Besonderes, allerdings reicht die Kombination von U- und E-Musik nicht dazu aus, die Scheibe dem progressiven Rock zuzuschreiben, dazu ist die Musik dann doch zu vorhersehbar und zu „nett“.

Die remasterte Fassung der Platte weist eine ganz Reihe von Bonus-Titeln auf. Jede Menge Mono-Mixe sind dabei, sowie vier alternative Mixe zu den auf der Platte bereits vorhandenen Titeln. Ist wohl eher etwas für die Moody Blues Fans, trotzdem auch für die restlichen Hörer eine nette Erweiterung, da es sich eben nicht nur um die vielleicht „-zigte“ Version eines Titels handelt.

Fazit: „Days Of Future Passed“ ist definitiv und keineswegs das erste Progressive Rock Album welches es gab. Jedoch ist diese Scheibe eine der ersten Konzeptalben, welche die Rockmusik hervorbrachte. Mir fällt auch kein früheres Konzeptalbum ein, obwohl es da sicher eines gegeben haben wird. Nur welches? Auch eine Vorreiterrolle nahm die Scheibe durch die Verbindung zwischen klassischer Musik und Rock ein. Das wirkt sehr interessant, auch heute noch. Dazu gesellen sich jede Menge sehr melodischer Titel und eine prall gefüllte Bonustitelabteilung, wenn man auch zugeben muss, dass diese Monoaufnahmen überhaupt nichts mit dem Originalalbum zu tun haben. Trotzdem nett. Auch wenn man der Scheibe das Alter durchaus anhört, macht „Days Of Future Passed“ immer noch sehr viel Spaß – und ich habe die Platte im Jahr 2012 zum ersten Mal gehört. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Afternoon, The Night



Samstag, 7. März 2015

Elbow – Leaders Of The Free World




Elbow – Leaders Of The Free World


Besetzung:

Guy Garvey – vocals
Mark Potter – guitars
Craig Potter – keyboards
Pete Turner – bass
Richard Jupp – drums


Gastmusiker:

Alexis Smith – additional programming on "Forget Myself", "Leaders Of The Free World" and "My Very Best"
Jason Boshoff – additional programming on "Forget Myself", "Leaders Of The Free World" and "My Very Best"
Jote Osahn – strings on "Forget Myself" and "My Very Best"
Stella Page – strings on "Forget Myself" and "My Very Best"
Dylan Jupp – hysterical laughter on "Mexican Standoff"


Label: V2


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Art Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. Station Approach (4:22)
2. Picky Bugger (3:07)
3. Forget Myself (5:22)
4. The Stops (5:03)
5. Leaders Of The Free World (6:11)
6. An Imagined Affair (4:43)
7. Mexican Standoff (4:01)
8. The Everthere (4:13)
9. My Very Best (5:33)
10. Great Expectations (5:05)
11. Puncture Repair (1:48)

Gesamtspieldauer: 49:32




Ganz einwandfrei und ohne jeglichen Zweifel ist das Musik von Elbow, was man auf „Leaders Of The Free World”, dem dritten Album der Briten aus dem Jahr 2005 zu hören bekommt. Und zwar ist das Musik von Elbow, die eher den nachfolgenden Platten der Band gleicht, als ihren Vorgängern. Ist die Musik zunächst noch einiger maßen flott unterwegs, eher im Mid-Tempo angesiedelt, so werden die Lieder im weiteren Verlauf der Platte dann ruhiger und sanfter, wirken irgendwie zarter und zerbrechlicher.

Dabei schwebt erneut über allem die sehr eindringliche Stimme des Guy Garvey, die ganz leicht an die des Peter Gabriel erinnert. Guy Garvey, der wieder für sämtliche Texte zuständig ist, erzählt hier einmal mehr sehr eindringlich, wenn auch sanft, seine Geschichten und dies zu Melodien, die – ganz egal ob im langsameren oder etwas schnelleren Tempo eingespielt – einfach das Potential in sich tragen zu längerfristigen Begleitern zu werden. Die einzelnen Titel klingen einfach gut, gehen ins Ohr und ganz egal, ob man sich auf die Musik konzentriert oder ob sie nebenbei läuft und man gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist, es bleibt ein irgendwie gut geartetes Gefühl, welches die Musik von Elbow auf „Leaders Of The Free World“ beim Hörer hinterlässt. Alles wirkt und klingt, ist nie oberflächlich sondern zumeist sehr intensiv.

Fazit: Wer melodischen und größtenteils sanften Rock mag, die oder der kann hier absolut nichts falsch machen – die oder der wird diese Platte lieben. Völlig unaufgeregte Musik präsentieren uns die fünf Briten auf „Leaders Of The Free World”. Durchaus nachvollziehbar allerdings auch, wenn Freunde der etwas härteren musikalischen Gangart, das dritte Album von Elbow nach dem ersten, zweiten und auch noch dritten Hören etwas langweilig finden. Aber inzwischen wird durch das Hören etwas ausgelöst. Denn es kommt auch mal bei härteren Rock-Fans der ruhigere Moment, an dem man auch die etwas sanfteren Töne zu schätzen weiß. Dann wird in das CD-Regal gegriffen und zielsicher „Leaders Of The Free World” von Elbow herausgeholt und aufgelegt. Die Augen schließen sich, auf dem Lieblingsplatz entsteht eine entspannte Atmosphäre in bequemer Position und der Stress des Tages fällt langsam vom Hörer ab. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Leaders Of The Free World, The Everthere



Freitag, 6. März 2015

Camel – Breathless




Camel – Breathless


Besetzung:

Andrew Latimer – guitar, yamaha cs80/50, vocals on "Echoes", "Starlight Ride", "You Make Me Smile" and "Rainbow's End"
Peter Bardens – keyboards, organ, vocals on "Wing and a Prayer"
Mel Collins – flute, saxophones
Richard Sinclair – bass, vocals on "Breathless", "Down On The Farm" and "Summer Lightning"
Andy Ward – drums, percussion


Gastmusiker:

Dave Sinclair – keyboards on "You Make Me Smile" and "Rainbow's End"


Label: Decca Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock, ArtPop, Pop


Trackliste:

1. Breathless (4:20)
2. Echoes (7:20)
3. Wing And A Prayer (4:46)
4. Down On The Farm (4:25)
5. Starlight Ride (3:26)
6. Summer Lightning (6:10)
7. You Make Me Smile (4:18)
8. The Sleeper (7:08)
9. Rainbow's End (3:02)

Gesamtspieldauer: 44:56




Gut, 1978 war ein Katastrophenjahr für den Progressive Rock. Irgendwie wollten alle Bands damals anscheinend poppig klingen. Nicht anders verhält es sich mit dem sechsten Album von Camel, welches den Titel „Breathless“ trägt. „Atemlos“ wird man beim Hören der Scheibe automatisch, weil sich irgendwann ganz zwangsläufig die Schnappatmung einstellt, bei diesem poppigen und langweiligen Gedudel. Wobei ich gestehen muss, dass mich die Musik von Camel sowieso nur sehr selten überzeugen konnte, da sie für mich schon immer irgendwie poppig und sehr häufig langweilig klang.

Auf „Breathless“ erreichen die Musiker um Andrew Latimer allerdings nochmal ein ganz anderes Niveau bezüglich eines Pop-Auftritts, als auf den Platten davor. Oder sollte man besser sagen, sie lassen sich auf ein Niveau herab? Solch Nummern wie der Titelsong „Breathless“, „Wing And A Prayer“, „Summer Lightning“ oder „You Make Me Smile“ sind schon ultra starker Tobak, wahrlich kaum erträglich und auszuhalten. Neben Pop blinzelt da auch irgendwie Disco-Musik heraus – was bleibt ist blankes Entsetzen.

Unter den restlichen Titeln stapelt sich dann zum Teil die Belanglosigkeit. Als einzige, klitzekleine Ausnahmen möchte ich hier „Down On The Farm” und „Rainbow's End“ anführen. Erster Titel ist ganz witzig, mit seinem zum Teil witzigen Gesang, den ganzen Hintergrundgeräuschen sowie seiner netten Melodie. Und auch die letzte Nummer der Platte, „Rainbow's End“, weist zumindest eine schöne Melodie auf, ist allerdings sehr viel ruhiger gehalten. Aber auch hier, von gut oder überaus gelungen, kann man auch bei diesen beiden Nummern wahrlich überhaupt nicht sprechen.

Fazit: Es gibt echt so Scheiben, die besitzt man, weiß allerdings, dass man sie nie freiwillig auflegen wird. Im Rahmen dieser Plattenbesprechung habe ich mir das Album noch einige Male reingezogen. Das war es jetzt aber wohl endgültig – zumindest für die nächsten zehn Jahre. Musik soll Spaß machen, das schafft „Breathless“ von Camel zu keiner Zeit, da die Musik einfach langweilig ist. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Down On The Farm, Rainbow's End



Donnerstag, 5. März 2015

Jethro Tull – A




Jethro Tull – A


Besetzung:

Ian Anderson – flute, vocals, acoustic guitar
Martin Barre – electric guitar
Dave Pegg – bass, mandolin
Mark Craney – drums


Gastmusiker:

Eddie Jobson – keyboards, electric violin, synthesizer


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Art Rock


Trackliste:

1. Crossfire (3:55)
2. Fylingdale Flyer (4:35)
3. Working John - Working Joe (5:04)
4. Black Sunday (6:35)
5. Protect And Survive (3:36)
6. Batteries Not Included (3:52)
7. Uniform (3:34)
8. 4.W.D. (Low Ratio) (3:42)
9. Pine Marten's Jig (3:28)
10. And Further On (4:21)

Gesamtspieldauer: 43:42




So schnell kann es manchmal gehen in der Musik. Diese Aussage bezieht sich auf den Stil des dreizehnten Jethro Tull Albums mit dem Titel „A“ aus dem Jahr 1980 und auf die Besetzung der Band. Eigentlich wollte Ian Anderson ein Solo-Album aufnehmen und fragte deshalb Martin Barre und Dave Pegg, seine Jethro Tull Kollegen, ob sie ihn dabei unterstützen könnten. Die sagten sofort zu und für das Schlagzeug konnte Mark Craney gewonnen werden. Ergänzt wurde dieses Quartett noch durch Eddie Jobson, der hier die Band als Gastmusiker an den Keyboards, Synthesizern und der Violine unterstützte. Wie immer zeigte sich für die Musik und die Texte hauptsächlich Ian Anderson verantwortlich und da man sich für das Album größere Verkaufserfolge durch die „Überschrift“ Jethro Tull versprach, wurde daraus kurzerhand das dreizehnte Studio-Album von Jethro Tull gemacht.

Das wiederum hatte zur Folge, dass für die vorherigen Jethro Tull Musiker Barriemore Barlow, John Evan und David Palmer plötzlich kein Platz mehr in der Band war. Sie wurden dementsprechend dann auch von Ian Anderson entlassen. Wenn man sich nun allerdings überlegt, dass alle drei Musiker schon Teil von Jethro Tull zu Zeiten von „Thick As A Brick“ waren und David Palmer bereits seit dem ersten Jethro Tull Album „This Was“, wenn auch zunächst nur als Gastmusiker, John Evan seit dem dritten Album „Benefit“ beteiligt war, dann ist das schon einigermaßen überraschend.

Aber das ist nicht die einzige Überraschung auf „A“. Stand die letzten drei Alben eine Art Progressive Folk Rock im Zentrum der Musik von Jethro Tull, so hört man auf „A“ plötzlich sehr viel mehr synthetische Klänge. Sowohl Keyboards als auch Synthesizer hatten einen ganz dominanten Part in der Musik der Band eingenommen. Bereits das Cover der Platte weist auf diesen Wechsel in der Musik hin. Dies wirkt technisch und deutlich steriler, allein schon durch die hier abgebildete Szene sowie die grelle Farbe.

Musikalisch ist das, was Jethro Tull hier abliefern als durchaus solide für Jethro Tull-Verhältnisse zu bezeichnen. Die Musik wirkt nun zwar etwas technischer, trotzdem ist sie als Jethro Tull Musik eindeutig zu erkennen. Die einzelnen Titel überzeugen dabei wieder durch jede Menge Melodiösität. Jedoch wäre „A“ ein sehr durchschnittliches Album geworden, wenn, ja wenn es da nicht diese drei Höhepunkte gäbe, die aus der Scheibe, neben den durchschnittlich guten Titeln, deutlich herausstechen.

Das wäre zum einen jener Titel, der auch als Single ausgekoppelt worden war: „Fylingdale Flyer”. Einmal gehört, setzt sich die Nummer Titel sofort im Ohr fest und hat diesen ganz speziellen Wiedererkennungswert. Hier klingt die Querflöte des Ian Anderson so wunderbar kraftvoll, das Piano- und Keyboardspiel in Zusammenhang mit der Gitarre einfach umwerfend. Dazu gesellt sich ein mindestens vervierfachter Gesang, der ebenfalls ein ganz eigenes Flair ausstrahlt. Wahrlich eine tolle Nummer. Das gilt auch für „Black Sunday“. Jetzt klingt die Band sogar wieder ein wenig nach Progressive Rock, allerdings zunächst in einer etwas synthetischen Ausführung. Dann wird auch ordentlich und handwerklich gerockt, hier stehen jetzt allerdings die eher klassischen Rock-Instrumente im Vordergrund. Es macht dieses Zusammenspiel aus, verbunden mit einem treibenden Rhythmus, einigen Stimmungswechseln und einer sehr überzeugenden Melodie, die dieses Lied zu einem Höhepunkt nicht nur auf „A“ werden lassen. Bliebe zum Schluss noch „And Further On“. Eine Nummer, die vielleicht nicht ganz die Klasse der beiden zuvor erwähnten Stücke aufweist, jedoch erneut sehr melodiös und harmonisch geraten ist und mit welchem Jethro Tull wieder ein wenig wie früher klingen, ohne sich dabei selbst zu kopieren. Startet die Nummer zunächst etwas bedächtiger und trotzdem kraftvoll, so wird sie im zweiten Teil fast schon elegisch orchestral. Eine schöne Abwechslung und ein sehr gelungener Schluss für dieses Album.

Fazit: Neue Musiker und einen ganz neuen Sound präsentieren Jethro Tull hier ihren Hörern. Dass das Ganze trotzdem wirkt, liegt an der wirklich beeindruckenden Fähigkeit des Ian Anderson, tolle Songs schreiben zu können. Und das jetzt schon über ein Jahrzehnt lang auf hohem Niveau und nahezu allen der dreizehn Jethro Tull Alben. „A“ ist sicherlich nicht das beste Jethro Tull Album, jedoch auch wieder ein gutes, welches sehr lohnenswert ist gehört zu werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Fylingdale Flyer, Black Sunday, And Further On



Mittwoch, 4. März 2015

Yes – The Ladder




Yes – The Ladder


Besetzung:

Jon Anderson – lead vocals
Steve Howe – lead and acoustic guitars, steel, mandolin, backing vocals
Billy Sherwood – guitars, backing vocals
Chris Squire – bass, backing vocals
Alan White – drums, percussion, backing vocals
Igor Khoroshev – keyboards, backing vocals


Gastmusiker:

Randy Raine-Reusch – world instruments
Rhys Fulber – dance loops
Tom Keenlyside – piccolo, tenor saxophone on "Lightning Strikes"
Derry Burns – trumpet on "Lightning Strikes"
Rod Murray – trombone on "Lightning Strikes"
Tom Colclough – alto saxophone on "Lightning Strikes"
Neil Nicholson – tuba on "Lightning Strikes"


Label: Eagle Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: ArtPop, Progressive Rock


Trackliste:

1. Homeworld (The Ladder) (9:34)
2. It Will Be A Good Day (The River) (4:53)
3. Lightning Strikes (4:35)
4. Can I? (1:31)
5. Face To Face (5:03)
6. If Only You Knew (5:42)
7. To Be Alive (5:07)
8. Finally (6:01)
9. The Messenger (5:13)
10. New Language (9:19)
11. Nine Voices (3:22)

Gesamtspieldauer: 1:00:25




„The Ladder“ heißt das achtzehnte Studioalbum der britischen Progressive Rockband Yes und wurde im Jahr 1999 veröffentlicht. Viele Fans waren sich vor der Veröffentlichung sehr unsicher, ob es noch mal einen Schritt schlechter werden könne als bei „Open Your Eyes“, dem Vorgängeralbum. War der Bodensatz schon erreicht oder sollte es qualitativ nochmal ein wenig bergab gehen? Oder vielleicht würde es doch wieder besser werden? Nun, wenn die Platte mit „Lightning Strikes“ beginnen würde und sich daran „Can I?“ sowie „Face To Face“ anschließen würden, ich bin mir sicher, ich hätte es nicht weiter ertragen und die CD sofort wieder aus dem Player herausgeholt und nie wieder angehört. Yes versuchen hier wahrlich irgendwie mit karibischen Klängen zu punkten. Bei den beiden erstgenannten Stücken hört man das sehr offensichtlich heraus, bei „Face To Face“ zwar nur noch etwas dezenter, jedoch klingt das ebenfalls nach ziemlich billigem Pop, überaus einfallslos und extrem langweilig. Außerdem habe ich das unbestimmte Gefühl, dass die Band damit gerade die Deutschen Fans ein wenig auf den Arm nehmen möchte, denn ich bin mir absolut sicher, dass Jon Anderson auf „Can I?“ „Bäh, bäh, bäh Du depperter Depp, Du!“ singt. Ganz eindeutig… Der Grund für diesen karibischen Touch in der Musik liegt übrigens darin, dass Jon Anderson und Alan White vorher eine Zeitlang in der Karibik verbrachten und sich dort ganz offensichtlich „inspirieren“ ließen.

Unfassbar grausam so etwas, dabei sollte es dieses Mal doch ganz anders werden. „The Ladder“ sollte laut Plattenfirma eine Mischung aus „Fragile“, „Going For The One“ und den Alben der Rabin-Ära werden. Also durchaus Progressive Rock, allerdings mit einem Ansatz, der auch massenkompatibel und damit gut zu verkaufen wäre. Um dies zu erreichen wurde Bruce Fairbairn engagiert, der zuvor Bands wie Bon Jovi, Aerosmith, AC/DC, Poison, The Cranberries, die Scorpions und Kiss produzierte hatte. Außerdem traf sich die Band dieses Mal im Studio und erarbeitete zusammen neues Material für das neue Album. Bei „Open Your Eyes“ waren noch hauptsächlich Chris Squire sowie Billy Sherwood für die Kompositionen zuständig gewesen, die sie aus altem Material an den Yes-Sound adaptiert hatten. Nun, die Band schrieb die Lieder in Zusammenarbeit, die Texte wurden von Jon Anderson hinzugesteuert. Aus den zahlreichen Vorschlägen wählte dann Bruce Fairbairn, die seiner Meinung nach besten heraus und diese wurden schließlich nochmals überarbeitet und schließlich aufgenommen. „Homeworld (The Ladder)“ war dabei übrigens nicht für die Platte vorgesehen. Erst als Jon Anderson den Text etwas änderte, da man darüber nachdachte, das Lied als Untermalung des Computerspiels „Homeland“ zu veröffentlichen, wurde es dem Album hinzugefügt. Das Science Fiction Computerspiel „Homeland“ wurde schließlich veröffentlicht, jedoch ohne den Yes-Song.

Nun, was gibt es noch außer diesem Karibik-Tönen, die wahrlich niemand von Yes hören möchte? Jede Menge recht belanglosen Pop, den man auch nicht unbedingt braucht. Trotzdem ist „The Ladder“ besser geworden als noch das Vorgängeralbum. Das wiederum liegt darin begründet, dass es auf diesem achtzehnten Studio-Album eben doch noch Titel gibt, die durchaus hörenswert sind. Da ist zum einen der Opener „Homeland (The Ladder)“. Schöne Melodie, ein paar ganz nette Einfälle bezüglich der Dramaturgie des Titels. Außerdem klingen hier Yes auch nach Yes der etwas früheren Jahre. Die Nummer setzt sich aus mehreren Teilen zusammen und ist eben kein 08/15-Titel. Auch das allerletzte Stück des Albums weiß zu überzeugen. „Nine Voices“ ist eine schöne und ruhige Nummer, die hauptsächlich vom Gesang des Jon Anderson und der akustischen Gitarre lebt. Dazu gesellt sich dann wohl noch eine Sitar, die in den Credits unter „World Instruments“ Erwähnung findet und sanfte Orgeltöne. Klingt einfach schön der Titel. Ebenfalls „It Will Be A Good Day (The River)” kann ich durchaus etwas, wegen der wahrlich ins Ohr gehenden Melodie, abgewinnen. Nein, Progressive Rock ist das hier dann natürlich nicht mehr. Den gibt es in Ansätzen aber noch bei „The Messenger“ und „New Language“ – ebenfalls zwei Titel, die durchaus hörenswert sind, wenn auch längst nicht mehr überragend. Übrigens verstarb der Produzent Bruce Fairbairn leider sehr überraschend im Alter von lediglich 49 Jahren direkt nach den letzten Aufnahmen, sodass ein Teil des Abmischens seinen Mitarbeitern zufiel. Einfluss auf die Qualität der Songs hatte das jedoch gewiss nicht.

Fazit: „The Ladder“ gestaltet sich als Album, bei dem man auch leidensfähig sein muss. Es gibt durchaus einige schöne Stellen auf der Scheibe, dann aber auch wieder ganze Lieder, bei deren Hören man ratlos und kopfschüttelnd dasitzt und einfach nicht glauben kann, dass es sich hierbei tatsächlich um Yes-Stücke handelt. Nun, die Platte verkaufte sich auch nicht besser als „Open Your Eyes“, richtig überraschend ist das nicht, denn viele Fans, die der Band schon dreißig Jahre gefolgt waren, konnte das Gesamtergebnis sicherlich nicht zufrieden stellen. Und neue Hörerkreise erschloss man sich mit diesem Album sicherlich auch keineswegs. Nach der Tour zum Album fiel die Band erst einmal wieder auseinander – wie schon so oft. Billy Sherwood fand es jetzt überraschenderweise interessanter und spannender von nun an Jingles für eine Werbefirma zu komponieren. Igor Khoroshev, der gerade frisch aufgenommenes Mitglied bei Yes geworden war, wurde hingegen von den restlichen Musikern wieder gefeuert, da er nach einem Konzert im Jahr 2000 eine junge Frau sexuell belästigt hatte. Was bleibt ist ein Album mit ein paar ganz netten Einfällen und Melodien und auch grausigen Stellen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Homeworld (The Ladder), Nine Voices