Samstag, 20. Juni 2015

Steve Hackett – Defector




Steve Hackett – Defector


Besetzung:

Steve Hackett – guitar, vocals, optigan, roland gr500


Gastmusiker:

Nick Magnus – keyboards
John Hackett – concert and alto flute
Pete Hicks – vocals
John Shearer – drums and percussion
Dik Cadbury – bass, vocals


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Steppes (6:05)
2. Time to Get Out (4:11)
3. Slogans (3:46)
4. Leaving (3:16)
5. Two Vamps As Guests (1:58)
6. Jacuzzi (4:36)
7. Hammer In The Sand (3:11)
8. The Toast (3:42)
9. The Show (3:40)
10. Sentimental Institution (2:44)

Gesamtspieldauer: 36:52




„Defector“ heißt das vierte Solo-Studio-Album des Ex-Genesis-Gitarristen Steve Hackett, welches im Juni 1980 veröffentlicht wurde. Und diese Scheibe kann, genau wie der Vorgänger, teilweise durchaus noch überzeugen. An manchen Stellen wird es dann allerdings schon etwas schwieriger, vor allem, wenn man Steve Hackett vom Progressive Rock her kennt und zu schätzen gelernt hat.

Nun, der Fehltritt der Scheibe lautet „The Show“ und ist das vorletzte Lied der Platte. Man hört so ein langweiliges Gestampfe, es wird im Chor gesungen und es klingt nach ziemlich einfachem Pop, der nun aber so überhaupt nicht zünden möchte. Allerdings gibt es sonst auch einiges Positives von „Defector“ zu berichten. Die Platte fängt auch gleich mit „The Steppes“ wahrlich sehr überzeugend an. Ein Instrumentalstück, schwer und getragen, vielleicht manchmal sogar ein klein wenig orientalisch angehaucht klingend. Eine Nummer die ins Ohr geht.

Dann das Stück „Leaving“. Dieses Mal ein Lied mit Gesang, jedoch auch irgendwie verträumt und auf seine Art schwer. Ausgestattet ist die Nummer mit einer sehr sanften und weichen Melodie, die wirkt. Das Lied klingt auf seine Art irgendwie mystisch und verzaubert. Und dies trifft auch auf das folgende Stück, „Two Vamps As Guests“, zu. Allerdings nur von der Stimmung her. Eine Instrumentalnummer, die nur mit der Akustik-Gitarre eingespielt wurde. Wahrlich schön. Sehr melancholisch wirkt „Hammer In The Sand“. Dieses Mal ist es das Piano, welches als Instrument deutlich im Vordergrund steht. Es entwickelt sich ein schweres und nachdenkliches Stück, welches auf Spaßveranstaltungen nichts verloren hat – schon eher auf Beerdigungen und das ist jetzt wahrlich nicht negativ gemeint. Als Spaß ist allerdings die letzte Nummer sicherlich gedacht gewesen. „Sentimental Institution“ klingt nach den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Schöne Melodieführung und man fühlt sich in einen Ballsaal zu dieser Zeit versetzt. Wenn Parodien nur immer so klingen würden.

Fazit: Nun, auf „Defector“ gibt es einiges zu hören, was sich wirklich lohnt gehört zu werden. Zwar ist nicht alles wirklich überzeugend auf dieser Scheibe, allerdings durchaus einiges. Wenn man dann bedenkt, dass es sich hier um das Jahr 1980 handelt, in dem die Scheibe erschien, dann muss man eigentlich den Hut vor Herrn Hackett ziehen. Dieser sprang keineswegs ganz so euphorisch auf diesen synthetischen Pop-Hype auf, der damals in der Musikwelt herrschte und so manchen Musiker des Progressive Rock zu musikalischen Gräueltaten veranlasste. Steve Hacket dagegen blieb hier noch seiner Linie – wenigstens zum Teil – treu. Mir gefällt die Scheibe sogar wieder einen Tick besser als der Vorgänger. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Steppes, Leaving, Sentimental Institution



Freitag, 19. Juni 2015

The Nice – Collection




The Nice – Collection


Besetzung:

Keith Emerson – organ, piano, vocals
Keith "Lee" Jackson – bass, guitar, vocals
David "Davy" O'List – guitar, vocals
Brian "Blinky" Davison – drums, percussion


Label: Castle Communications


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Rock, Progressive Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Amerika (6:22)
2. Happy Freuds (3:29)
3. The Cry Of The Eugene (4:32)
4. The Thoughts Of Emerlist Davjack (2:49)
5. Rondo (8:26)
6. Daddy, Where Did I Come From (3:44)
7. Little Arabella (4:18)
8. Intermezzo From Karellia (9:12)
9. Hang On To A Dream (4:56)
10. The Diamond Hard Apples Of The Moon (2:50)
11. Angel Of Death (5:58)

Gesamtspieldauer: 56:40




Nun, mit Samplern ist das immer so eine Sache. Ich kaufe sie mir nur sehr ungern, da ich, wenn mir die Band oder der Musiker zusagt, sowieso danach die Platten kaufe. Was soll ich dann mit einer Zusammenstellung, die dann noch nicht mal unbedingt meinem Geschmack entsprechen muss? Außerdem hat man dann alles doppelt. Allerdings bietet so ein Kompilations-Album natürlich auch die Möglichkeit sich einen Überblick über eine Band zu verschaffen. Und wenn diese Platte dann auch noch günstig ist, kann es doch durchaus einen Versuch wert sein. Im Falle von The Nice und dieser „Collection“ ist das auch der Fall.

Man benötigt zwar einige Durchläufe des Albums, dann jedoch werden die einzelnen Stücke zu guten Freunden, die man nicht mehr missen möchte. Die Platte ist wie ein Ritt durch progressive bis psychedelische Sphären. Das macht durchaus Laune. Auf etwas Bekanntes trifft man gleich am Anfang der Scheibe mit dem Titel „America“, welcher dem Musical „West Side Story“ entnommen wurde. Natürlich wurde diese Nummer von den Musikern überarbeitet und enthält nun Teile, die im Original nicht zu finden sind. Mit dem Grundthema wird begonnen, dann folgt ein durchaus progressiver Mittelteil, dominiert von der Orgel des Keith Emerson, bis sich alles wieder im Grundmuster und Wohlklang auflöst.

Besonders hörenswert sind die Stücke „Daddy, Where Did I Come From“ und „Rondo“. Ist erstere Nummer ein fröhliches Pop-Lied, so stellt sich Rondo als vertrackter und treibender Progressive-Rock-Titel heraus. Sehr kraftvoll. Nun und dann gibt es da ja auch noch „Hang On To A Dream“. Von Tim Hardin geschrieben, ist diese Version hier von The Nice einfach umwerfend. Unglaublich gefühlvoll, mit sehr viel Tiefgang, herzerweichend. In der Mitte befindet sich schließlich ein flotter Instrumentalteil, der den idealen Gegenpart zum sehr getragenen Anfang und Ende des Liedes bildet. Im Grunde genommen könnte ich hier noch weitere Höhepunkte aufführen, denn Ausfälle gibt es auf dieser Zusammenstellung keine. Alles wirkt und klingt und packt den Zuhörer

Fazit: Die Musik auf „The Nice Collection“ entstand Ende der sechziger Jahre. 1985 wurde diese Scheibe hier dann veröffentlicht und hat so gar nichts mit der Musik zu tun, die in den achtziger Jahren gerade aktuell war, wie zum Beispiel New Wave. Auf dieser Zusammenstellung hört man packenden Progressive Rock, der niemals seine Melodiösität verliert. In den sanfteren wie den raueren Abschnitten, über allem steht immer die Melodie. Die Platte macht durchaus Spaß, sich doch mal genauer mit „The Nice“ zu beschäftigen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Thoughts Of Emerlist Davjack, Rondo, Hang On To A Dream



Donnerstag, 18. Juni 2015

The Who – Endless Wire




The Who – Endless Wire


Besetzung:

Roger Daltrey – lead vocals
Pete Townshend – guitars, vocals, bass guitar, drums, piano, keyboards, violin, banjo, mandolin, drum machine


Gastmusiker:

Lawrence Ball – electronic music on "Fragments"
Ellen Blair – viola on "Trilby's Piano"
John "Rabbit" Bundrick – Hammond organ, backing vocals
Jolyon Dixon – acoustic guitar on "It's Not Enough"
Rachel Fuller – keyboards on "It's Not Enough", orchestration supervisor on "Trilby's Piano"
Peter Huntington – drums
Gill Morley – violin on "Trilby's Piano"
Vicky Matthews – cello on "Trilby's Piano"
Billy Nicholls – backing vocals
Pino Palladino – bass guitar
Stuart Ross – bass guitar on "It's Not Enough"
Zak Starkey – drums on "Black Widow's Eyes"
Simon Townshend – backing vocals
Brian Wright – violin on "Trilby's Piano"


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Rock


Trackliste:

1. Fragments (3:57)
2. A Man In A Purple Dress (4:15)
3. Mike Post Theme (4:28)
4. In The Ether (3:35)
5. Black Widow's Eyes (3:07)
6. Two Thousand Years (2:50)
7. God Speaks, Of Marty Robbins (3:26)
8. It's Not Enough (4:02)
9. You Stand By Me (1:36)
10. Sound Round (1:21)
11. Pick Up The Peace (1:28)
12. Unholy Trinity (2:07)
13. Trilby's Piano (2:04)
14. Endless Wire (1:51)
15. Fragments Of Fragments (2:23)
16. We Got A Hit (1:18)
17. They Make My Dream Come True (1:13)
18. Mirror Door (4:14)
19. Tea & Theatre (3:26)

Gesamtspieldauer: 52:50




Was war die Aufregung groß im Oktober 2006, als The Who ihr bereits lange angekündigtes und immer wieder verschobenes elftes Studio-Album mit dem Titel „Endless Wire“ veröffentlichten – und das 24 Jahre nach ihrem letzten Werk „It’s Hard“. The Who, das waren inzwischen lediglich noch Pete Townshend und Roger Daltrey, da John Entwistle im Alter von 57 Jahren im Zimmer 658 des Hard Rock Hotels und Casinos in Las Vegas, am 27 Juni 2002 an einem Herzinfarkt verstorben war – einen Tag bevor die neue The Who Tour in den USA starten sollte. Nun so groß die „Aufregung“ im Oktober 2006 dann auch war, so unterschiedlich fielen auch die Meinungen über dieses Album aus. Jedoch, man kann es drehen und wenden wie man möchte, aber auch hier liegt die Wahrheit wohl wieder einmal irgendwo in der Mitte.

Pete Townshend hat The Who im neuen Jahrtausend nicht neu erfunden. Ganz im Gegenteil sogar, das Album klingt eindeutig nach den Who und so manches klingt auch irgendwie bereits bekannt. Wer also viele neue Ideen erwartet hatte, der durfte schon mal enttäuscht worden sein. Genau so waren das jene Fans, die The Who gerade für ihre härteren Lieder schätzten. „Endless Wire“ ist allerdings eher eine ruhigere Scheibe. Gerockt wird zwar auch, doch der akustischen Gitarre kommt auf dem Album eine sehr große Rolle zu. Manchmal klingt das fast schon ein wenig folkig. Sicherlich hat sich Roger Daltreys Stimme ein wenig verändert, er ist eben auch älter geworden. Dass er deswegen jedoch nicht mehr singen könnte, diese Aussage darf man getrost ins Reich der Fabel verweisen. Das klingt immer noch satt und voll, was Roger Daltrey hier bietet. Etwas überrascht lässt einen diesbezüglich nur der Titel „In The Ether“ zurück. Da singt er sehr kehlig und gurgelnd, gerade so, als ob er gerade eine Mischung aus Louis Armstrong und Tom Waits wäre. Das klingt zugegebenermaßen äußerst gewöhnungsbedürftig.

Das war es jedoch auch schon. Die Platte ist ansonsten gut. Man hört auf „Endless Wire“ The Who, bei denen zwar zugegebenermaßen einige Ideen früherer Platten von Pete Townshend recycelt wurden, trotzdem macht die Scheibe Spaß. Das liegt am Material selbst, was durchaus ins Ohr geht. Vieles auf „Endless Wire“ ist überaus melodisch und harmonisch gehalten. Meist sanft zwar, deswegen jedoch nicht weniger überzeugend. Aber es gibt eben auch die rockigen Abschnitte, die dann auch durchaus grooven können. Ab Titel 10, „Sound Round“, handelt es sich bei der Musik auf „Endless Wire“ übrigens um die „Mini-Oper“ „Wire & Glass“. Aber hier sollte ich wohl besser „Mini-Rock-Oper“ schreiben, denn die Musik unterscheidet sich keineswegs von den ersten neun Titel. Okay, kürzer sind sie, die Lieder, ansonsten jedoch im selben Stil gehalten, wie der Anfang der Platte: Oftmals ruhig und akustisch – jedoch nicht nur. Dafür aber immer sehr melodiös.

Fazit: Mit gefällt „Endless Wire“, ich habe allerdings kein zweites „Who’s Next“ erwartet. Die Musik klingt nach The Who, ist immer sehr melodiös, oftmals sanft, gefühlvoll, nachdenklich klingend. Roger Daltrey singt noch gut, genauso wie Pete Townshend, der ebenfalls bei einigen Liedern am Mikrophon steht. Manches auf „Endless Wire“ erinnert freilich auch an frühere Alben. Sei’s drum, denn man könnte dazu auch feststellen: The Who bleiben eben ihrem Stil treu – nur eben sanfter. Kann man durchaus auch so sehen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: A Man In A Purple Dress, You Stand By Me, Trilby's Piano



Mittwoch, 17. Juni 2015

Michael Jackson – Bad




Michael Jackson – Bad


Besetzung:

Michael Jackson – vocals, vocal arrangement, rhythm arrangement


Gastmusiker:

Siedah Garrett – background vocals
The Winans and The Andraé Crouch Choir – background vocals
Nathan East – bass guitar
Jimmy Smith – hammond organ
Greg Phillinganes – synthesizer
John Robinson – drums
Miko Brando – drums
Ollie E. Brown – drums
N'dugu Chancler – drums
Bill Bottrell – drums, guitar
Bruce Swedien – drums
Douglas Getschal – drum programming
David Williams – guitar
Eric Gale – guitar
Danny Hull – guitar
Steve Stevens – guitar
Dann Huff – guitar
Michael Landau – guitar
Paul Jackson, Jr. – guitar
Gary Grant – trumpet
Jerry Hey – trumpet
Paulinho da Costa – percussion
Ollie E. Brown – percussion
Stefan Stefanovic – keyboards
Kim Hutchcroft – saxophone
Larry Williams – saxophone
Christopher Currell – synclavier keyboards, digital guitar and rubboard
John Barnes – synthesizer
Michael Boddicker – synthesizer
Greg Phillinganes – synthesizer
Christopher Currell – synthesizer, rhythm arrangement
Rhett Lawrence – synthesizer
David Paich – synthesizer
John Barnes – piano
Quincy Jones – rhythm arrangement
Jerry Hey – horn arrangement
Larry Williams – synthesizer programming
Eric Persing – synthesizer programming
Steve Porcaro – synthesizer programming
Larry Williams – midi saxophone solo


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Funk, Disco, Pop, Rock


Trackliste:

1. Bad (4:07)
2. The Way You Make Me Feel (4:58)
3. Speed Demon (4:01)
4. Liberian Girl (3:53)
5. Just Good Friends (4:07)
6. Another Part Of Me (3:54)
7. Man In The Mirror (5:19)
8. I Just Can't Stop Loving You (4:12)
9. Dirty Diana (4:41)
10. Smooth Criminal (4:17)
11. Leave Me Alone (4:40


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

12. Voice-Over Intro Quincy Jones Interview # 1 (4:03)
13. Streetwalker (5:49)
14. Voice-Over Intro Quincy Jones Interview #2 (2:53)
15. Todo Mi Amor Eres Tu (I Just Can't Stop Loving You) (4:05)
16. Quincy Jones Interview #3 (2:30)
17. Voice-Over Intro 'Fly Away' (0:08)
18. Fly Away (3:26)

Gesamtspieldauer: 1:11:11




„Bad“ heißt das siebte Studio-Album des Michael Jackson und es erschien knapp fünf Jahre nach seinem Album „Thriller“, der bisher erfolgreichsten Scheibe aller Zeiten. Mir will es manchmal einfach nicht in den Kopf, wie ein Musiker wie Michael Jackson solch ein geniales Lied wie „Dirty Diana“ schreiben kann und auf dem gleichen Album solch eine Nummer wie „Speed Demon“ zu veröffentlichen fähig ist. Er hat beide Lieder wirklich selbst geschrieben – kaum zu glauben, bei solcher Divergenz. „Dirty Diana“ ist ein umwerfend guter Rocktitel, kraftvoll mit tollem Gitarrensolo. Eingängig und rhythmisch treibend. „Speed Demon“ ist dagegen, nun, was ist das eigentlich? Irgendwie eine Funk-Disco-Nummer, vor der es sich wahrlich lohnt Reißaus zu nehmen.

Nun funky wird es einige Male auf dieser Scheibe. Bestes Beispiel ist da wohl das Duett Michael Jacksons mit Stevie Wonder. Da benötigt man starke Nerven für, sehr viele sogar. Fast noch unerträglicher klingt Michael Jackson jedoch, wenn die Musik und sein Gesang sowie – zur Krönung – auch noch der Text in den allertiefsten Schmalz abdriftet. Nun, so ein Liedtitel wie „I Just Can't Stop Loving You“ bereitet einen zumindest schon mal innerlich auf das Kommende vor und man kann Vorsichtsmaßnahmen in Form der Fernbedienung ganz nah bei sich deponieren, um ganz schnell die Skip-Taste betätigen zu können.

Es gibt noch weitere „dunkle“ Momente für den Rocker auf „Bad“, solch einen schönen, wie beim Titel „Dirty Diana“, allerdings leider nicht mehr. Jedoch finden sich wenigstens noch ein paar Lieder auf „Bad“, die zumindest anhörbar sind. Das wäre zum Beispiel der Titelsong „Bad“ selbst. Ebenfalls eine funkige Nummer, allerdings ausgestattet mit einer durchaus eingängigen Melodie und sogar etwas rockig. Auch noch gelungen ist die Nummer „Smooth Criminal“, was ebenfalls eindeutig an deren Melodiösität liegt. Stilistisch liegt das Lied im Grenzbereich zwischen Pop, Funk und Rock angesiedelt. „Leave Me Alone“, die letzte Nummer der Scheibe, die übrigens ursprünglich weder auf der Schallplatten- noch der Kassetten-Ausgabe des Albums vorhanden war, um den Umsatz der CD anzukurbeln, ist noch ein wenig poppiger, geht ebenfalls durchaus zügig ins Ohr.

Auf der Special Bonus Edition aus dem Jahr 2001 sind dann noch drei Lieder enthalten, neben einem, zwischen diese Titel geschnittenen Interview mit dem Produzenten des Albums Quincy Jones. Nun hier zeigt sich, dass es auch nichts bringt, wenn man ein schlechtes Lied auf Spanisch und nicht auf Englisch singt. Die spanische Version von „I Just Can't Stop Loving You“ mit dem Titel „Todo Mi Amor Eres Tu“ ist wenig überaschenderweise für den Rock-Freund genauso wenig erträglich. Dazu kommen noch zwei Zugaben, die mir die Laune beim Hören der Scheibe auch nicht verbessern können – eher im Gegenteil.

Fazit: Wenn die Platte nur aus solch Liedern wie „Dirty Diana“ bestehen würde, würde ich diese mit Sicherheit oft auflegen und hier auch hoch bewerten. Das ist allerdings nicht der Fall. Für mich ist es fast unmöglich, eine Michael Jackson Scheibe durchzuhören. Zuviel darauf bereit mir Schmerzen. Doch, Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und das Album wurde bereits viele Millionen Mal verkauft. Ich irre also ganz bestimmt. Trotzdem. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Dirty Diana



Dienstag, 16. Juni 2015

Peter Hammill – The Future Now




Peter Hammill – The Future Now


Besetzung:

Peter Hammill – guitars, vocals, keyboards, harmonica, electronics


Gastmusiker:

David Jackson – saxophone (1, 2, 12)
Graham Smith – violin (5, 6, 12)


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Pushing Thirty (4:20)
2. The Second Hand (3:28)
3. Trappings (3:30)
4. The Mousetrap (Caught In) (4:05)
5. Energy Vampires (2:56)
6. If I Could (4:37)
7. The Future Now (4:11)
8. Still In The Dark (3:38)
9. Mediaeval (3:06)
10. A Motor-Bike In Afrika (3:11)
11. The Cut (4:20)
12. Palinurus (Castaway) (3:47)

Gesamtspiedauer: 45:15




„The Future Now” heißt das siebte Studio-Album des Peter Hammill, welches im Jahr 1978 veröffentlicht wurde. Im Grunde genommen kann man dem Briten gar nicht dankbar genug für diese Scheibe sein, denn während andere Musiker, die sich vorher dem Progressive Rock gewidmet hatten, nun plötzlich versuchten poppiger zu klingen, dabei oftmals in völlige Belanglosigkeit abdrifteten, fing Peter Hammill an mit Sounds, Tönen und Instrumenten zu experimentieren. Der Ehrlichkeit halber muss man hier allerdings dann auch anführen, dass viele dieser, jetzt poppigen Kollegen durchaus verkaufstechnisch sehr große Erfolge mit dieser Strategie verbuchen konnten. Peter Hammill wurde niemals so erfolgreich, gilt aber bei vielen Musikern als sehr große Inspiration.

Diese siebte Album des Peter Hammill kann sehr, sehr eingängig und melodiös klingen, wie zum Beispiel bei den Titeln „The Mousetrap (Caught In)“ oder aber „Palinurus (Castaway)“. Dann gibt es andererseits jedoch durchaus auch so komplizierte, fast schon experimentelle und längst nicht mehr so zugängliche Nummern wie zum Beispiel „Energy Vampires“ oder „A Motor-Bike In Afrika“ auf die Ohren der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Spannend sind diese Titel dabei sogar sehr, allerdings wohl keineswegs mehr massentauglich. Jetzt spielt Peter Hammill mit Sounds und den Instrumenten. Ganz eigene musikalische Welten entstehen auf diese Art und Weise, die nicht zum „Nebenbeihören“ gedacht sind. Auch das Autofahren muss damit nicht unbedingt einfacher werden, denn diese Musik verlangt durchaus die volle Konzentration von seinen Hörern.

Auf „The Future Now” ist es die Mischung, die die Platte zu einer überzeugenden werden lässt. Auch in kann nicht immer in all diese Lieder eintauchen und benötigte zugegebenermaßen auch einige Anläufe, bis ich manche Teile der Platte vollständig oder wenigstens besser verstanden hatte. Vielleicht sollte ich sogar eher sagen: Glaubte es verstanden zu haben. Egal, denn es wirkt. Dieser Verbindung aus wunderschönen Harmonien und dann wieder doch „seltsamen“ Tönen, wohnt eine gewisse Magie inne, die die Musik von Peter Hammill auf „The Future Now!“ durchaus zu etwas Besonderem werden lässt. Allgemein überwiegen dabei die sanfteren und leisen Töne, dem Piano kommt eine wichtige Rolle auf diesem Album zu, einem Album, welches immer wieder überrascht.

Fazit: Eine sehr abwechslungsreiche Platte ist „The Future Now” geworden. Wunderschöne Melodien, neben einigen Experimenten enthält die Scheibe. Peter Hammill nutzt dabei die sich nun neu ergebenden technischen Möglichkeiten leidlich aus. Kein Wunder also, dass er häufig als Ideengeber anderer Musiker genannt wird. Mich überzeugt nicht alles restlos auf dieser Scheibe, die jedoch natürlich auch viele Höhepunkte aufweist. Manches Mal muss man sich diese als Hörer jedoch erarbeiten – und das kann auch mal beschwerlich sein. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Trappings, The Mousetrap (Caught In), The Cut, Palinurus (Castaway)



Montag, 15. Juni 2015

Pete Townshend – All The Best Cowboys Have Chinese Eyes




Pete Townshend – All The Best Cowboys Have Chinese Eyes


Besetzung:

Pete Townshend – vocals, guitars and keyboards prophet 5–10 synthesizer, arp 2500 and synclavier


Gastmusiker:

Virginia Astley – piano
Tony Butler – bass
Peter Hope-Evans – harmonica
Mark Brzezicki – drums
Simon Phillips – drums
Jody Linscott – percussion
Chris Stainton – additional keyboards
Poli Palmer – tuned percussion
John Lewis – fairlight cmi synthesizer programmes


Label: ATCO Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Rock


Trackliste:

1. Stop Hurting People (3:55)
2. The Sea Refuses No River (5:53)
3. Prelude (1:31)
4. Face Dances, Part 2 (3:24)
5. Exquisitely Bored (3:41)
6. Communication (3:19)
7. Stardom in Acton (3:42)
8. Uniforms (Corp d'Esprit) (3:42)
9. North Country Girl (2:27)
10. Somebody Saved Me (4:51)
11. Slit Skirts (4:54)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

12. Vivienne (3:37)
13. Man Watching (2:32)
14. Dance It Away (3:39)

Gesamtspieldauer: 51:13




„All The Best Cowboys Have Chinese Eyes“ nannte Pete Townshend sein drittes Solo-Album. Diese Platte erschien im Jahr 1982 und der seltsame Album-Titel deutet, laut Aussage von Pete Townshend, darauf hin, dass man im Grunde nicht verstecken kann, was man mag, auf was man steht. Nun, klarer wird mir dadurch der Titel jedoch auch nicht, man muss allerdings auch nicht alles verstehen.

Auch dieses Solo-Werk des Pete Townshend ist wieder bis oben hin vollgefüllt mit tollen Songs. Manches Mal sind die Töne sanfter, zurückhaltender, dann wird jedoch wieder ordentlich gerockt. Insgesamt überwiegen jedoch die ruhigen und leiseren Stimmungen auf dieser Scheibe. Doch ganz egal, ob Pete Townshend auf „All The Best Cowboys Have Chinese Eyes“ nachdenklich klingt oder doch eher rockt, über allem stehen bei dem gebürtigen Londoner die Melodien. Jedes der elf ursprünglich auf Schallplatte vorhandenen Lieder geht ziemlich zügig ins Ohr und mag von dort auch nicht mehr verschwinden. Ausfälle gibt es keine zu verzeichnen, alles hat seine Qualität und weiß zu überzeugen.

Die Höhepunkte der Scheibe sind dabei das wunderschön verträumte und sehnsüchtige „Prelude“. Dann sicherlich „Exquisitely Bored“, eines der vielen tollen Stücke, die Pete Townshend in seiner Karriere geschrieben hat. Es ist die Stimmung, die hier transportiert wird, die von ein wenig düster, über spielerisch bis kraftvoll reicht. Alles zusammen in einem doch gar nicht mal so langen Lied. Einfach nur gut. Dann gibt es da noch das unglaublich fröhliche „Uniforms (Corp d'Esprit)“ und natürlich „Slit Skirts“, welches einen Pianolauf zum Dahinschmelzen enthält – einfach nur schön.

Der remasterten Album-Fassung sind drei Zugaben beigemischt worden, die, wie es sich für Bonus-Titel gehört, am Ende der Scheibe zu finden sind. Diese erreichen nicht ganz die Qualität, der ursprünglichen Nummern, jedoch ist das „Jammern auf hohem Niveau“, da auch diese drei Titel durchaus hörenswert sind.

Fazit: Wer eingängigen Rock mag, der allerdings auch manchmal die Grenze zum Pop überschreitet, die oder der dürfte jede Menge Spaß an diesem Album haben. Bei Pete Townshend klingt es immer melodiös und eingängig, ganz egal ob da gerockt wird oder alles hauchzart und weich zu sein scheint. „All The Best Cowboys Have Chinese Eyes“ ist ein schönes Album geworden, ein abwechslungsreiches und vielleicht das beste Pete Townshend Solo-Album überhaupt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Exquisitely Bored, Uniforms (Corp d'Esprit), Slit Skirts



Sonntag, 14. Juni 2015

Nickelback – Curb




Nickelback – Curb


Besetzung:

Chad Kroeger – lead vocals, lead guitar
Ryan Peake – rhythm guitar, backing vocals
Mike Kroeger – bass
Brandon Kroeger – drums


Gastmusiker:

Ariel Watson – cello on "Curb"
Boyd Grealy – drums on "Curb"


Label: Roadrunner Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Grunge, Rock


Trackliste:

1. Little Friend (3:48)
2. Pusher (4:00)
3. Detangler (3:41)
4. Curb (4:51)
5. Where? (4:27)
6. Falls Back On (2:57)
7. Sea Groove (3:58)
8. Fly (2:53)
9. Just Four (3:54)
10. Left (4:03)
11. Window Shopper (3:42)
12. I Don't Have (4:06)

Gesamtspieldauer: 46:24




„Curb“ heißt das erste Album von Nickelback, welches im Jahr 1996 erschien. „Randstein“ oder „Behinderung“ heißt das auf Deutsch und „behindert“ waren die vier Kanadier am Anfang durchaus, denn sie hatten kein Label, auf dem sie ihre Platte veröffentlichen hätten können. Nun, so entschieden sie sich dieses in Eigenregie zu tun und Roadrunner Records legte die Scheibe, nachdem Nickelback sehr erfolgreich geworden waren, später, im Jahr 2002, wieder auf.

Zu hören ist auf „Curb“ Grunge bis Hard Rock. Die Nummern sind hart, grooven zum Teil auch, jedoch keineswegs immer. Trotzdem werden Freunde der „härteren“ Töne durchaus ihre Freude an dem Album haben. Trotzdem spüre ich in mir ich, wenn ich an „Grunge“ denke, solche Bands wie Nirvana oder Pearl Jam. Ich denke an Bands, die durchaus „hart“ klingen, jedoch immer auch melodiös und eingängig. Deren Lieder mit dem gewissen „Etwas“ verbunden sind.

Allerdings fehlt dieses „Etwas“ bei Nickelback, zumindest auf „Curb“. Zwar klingt die Band so, dass sie frei jeglicher Restriktionen durch Plattenfirmen diese Scheibe aufnehmen konnte, jedoch klingt das Ergebnis auch nicht absolut überzeugend. Okay, sie rocken. Das sogar sehr gut. Trotzdem fehlt der Wiedererkennungswert. Wenn ich allerdings nur darauf aus bin, für den Moment Headbanging zu betreiben, dann wirkt „Curb“ schon sehr überzeugend. Mir allerdings fehlt dieses besondere Momentum, was mich dazu treibt, diese Scheibe öfters aufzulegen.

Fazit: Grunge- und Hard Rock-Freunde werden diese Platte lieben. Gut gemachter Rock, der durchaus auch in die Beine geht. Die einzelnen Titel sind auch melodiös, wenn auch dieses „Ins-Ohr-Gehen“ nicht unbedingt vorhanden ist. Keine schlechte Scheibe, jedoch auch nicht sehr weit über dem Durchschnitt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Curb, Fly



Samstag, 13. Juni 2015

Heaven 17 – Penthouse And Pavement




Heaven 17 – Penthouse And Pavement


Besetzung:

Glenn Gregory – vocals
Ian Craig Marsh – synthesisers, saxophone, percussion
Martyn Ware – synthesisers, linn lm-1, piano, percussion and backing vocals


Gastmusiker:

Malcolm Veale – synthesizers, saxophone
Josie James – vocals on "Penthouse And Pavement"
Steve Travell – piano on "Soul Warfare"
The Boys of Buddha – synthetic horns
John Wilson – bass guitar, guitar and guitar synthesisers on "Pavement Side"


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Synthie Pop, Funk, New Wave


Trackliste:

1. (We Don't Need This) Fascist Groove Thang (4:19)
2. Penthouse And Pavement (6:22)
3. Play To Win (3:37)
4. Soul Warfare (5:03)
5. Geisha Boys And Temple Girls (4:33)
6. Let's All Make A Bomb (4:07)
7. The Height Of The Fighting (3:00)
8. Song With No Name (3:35)
9. We're Going To Live for A Very Long Time (3:20)

Gesamtspieldauer: 38:01




Was sich da so alles im Laufe der Jahre ansammelt, wenn man regelmäßig Platten und CD’s kauft. Nicht alles davon findet man gut, obwohl es natürlich immer wieder auch gut ist, seinen eigenen musikalischen Horizont ständig zu erweitern. Das macht Musikhören viel spannender und abwechslungsreicher. Allerdings befinden sich dann darunter auch Platten, mit denen man einfach so gar nichts anfangen kann. Eine davon ist das Debut von Heaven 17 mit dem Titel „Penthouse And Pavement“ aus dem Jahr 1981. Ian Craig Marsh und Martyn Ware hatten The Human League verlassen, mit Sänger Glenn Gregory Heaven 17 gegründet und wollten es nun ein bisschen anders machen als bei The Human League.

Synthi-Pop ist schon mal so eine Sache. Manchmal beinhaltet dieser jedoch auch richtig tolle Melodien, etwas, was sehr schnell ins Ohr geht. Hier auf „Penthouse And Pavement“ finden sich solche Nummern allerdings nicht – vielleicht sollte ich allerdings auch sagen: Sie erschließen sich mir nicht. Andere Hörer könnten das durchaus anders sehen. Nun, jetzt kommt zu diesem, für mich plastikmäßigen Sound auch noch ein Schuss Funk hinzu und da gehen bei mir dann alle Warnblinklichter im Ohr an und jemand flüstert mir zu, dass ich ohne Hektik, allerdings durchaus zügig, diesen Ort verlassen sollte. Wahnsinn, ich bekomme körperliche Schmerzen, wenn ich solch Nummern wie „Play To Win“ oder „Soul Warfare“ zu hören bekomme.

Nun, aber es muss doch auch etwas Gutes, Hörenswertes auf „Penthouse And Pavement“ geben. Gewiss, gewiss, festzuhalten ist nämlich auf jeden Fall, dass die ehemalige zweite LP-Seite doch ein wenig besser gelungen ist, als die ersten vier Nummern, die unter der „Überschrift“ „Pavement“ aufgeführt wurden. Bei den Titeln „Geisha Boys And Temple Girls“ und „Let's All Make A Bomb” bekommt man immerhin noch Harmonien zu hören, die zumindest etwas ins Ohr gehen. Auch die hierauf folgenden Titel heben sich diesbezüglich noch ganz leicht von den ersten Nummern der Scheibe ab. Zumindest leicht.

Fazit: Nein, das ist definitiv keine Musik für mich. Das klingt alles so künstlich, irgendwie nach Plastik eben. Die Melodien sind wahrlich rar gesät auf „Penthouse And Pavement“ und auch die Texte sprühen jetzt nicht gerade vor Geistesreichtum. Synthie-Pop ist eben eine „gefährliche“ Sache, die durchaus sehr nervig wirken kann. Funkiger Synthie-Pop ist dann noch mal eine entsprechende Steigerung. Schlimm. Drei Punkte.

Anspieltipps: Geisha Boys And Temple Girls, Let's All Make A Bomb



Freitag, 12. Juni 2015

Portishead – Dummy




Portishead – Dummy


Besetzung:

Beth Gibbons – vocals
Geoff Barrow – drums, rhodes piano, string arrangements, programming
Adrian Utley – guitar, bass guitar, theremin, hammond organ, string arrangements


Gastmusiker:

Gary Baldwin – hammond organ
Clive Deamer – drums
Andy Hague – trumpet
Dave McDonald - nose flute
Richard Newell – drum programming
Neil Solman – rhodes piano, hammond organ
Strings Unlimited – strings
Johnnie Ray – sample of "I'll Never Fall In Love Again" on "Biscuit"
Isaac Hayes – sample of "Ike's Rap II" on "Glory Box"
Lalo Schifrin – sample of "The Danube Incident" on "Sour Times"
Smokey Brooks – sample of "Spin It Jig" on "Sour Times"
Weather Report – sample of "Elegant People" on "Strangers"
War – samples of "Magic Mountain" on "Wandering Star"


Label: Go! Beat


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Trip Hop


Trackliste:

1. Mysterons (5:07)
2. Sour Times (4:14)
3. Strangers (3:58)
4. It Could Be Sweet (4:19)
5. Wandering Star (4:56)
6. It's A Fire (3:47)
7. Numb (3:58)
8. Roads (5:09)
9. Pedestal (3:41)
10. Biscuit (5:04)
11. Glory Box (5:08)

Gesamtspieldauer: 49:24




Ich bin eher ein Rocker als ein Popper. Und ganz ehrlich, Trip Hop interessiert mich auch nicht so besonders, kenne ich auch nur von Archive, von deren ersten Platten. Und naja, überzeugt hat mich das auch nicht unbedingt so ganz. Aber trotzdem war das der Grund für mich, diese CD zu kaufen. Archive sind später genial, da möchte man ja dann auch nichts von Portishead verpassen, zumal deren Debut-Album mit dem Titel „Dummy“, aus dem Jahr 1994, so unglaublich viele gute Bewertungen erhalten hat – sowohl von Musikkritikern wie bei den Konsumenten der Scheibe.

Nun, ich muss zugegeben, beim ersten Mal, bei meiner ersten Begegnung mit Beth Gibbons und ihren Mitmusikern Geoff Barrow sowie Adrian Utley, da wurde ich mit der Scheibe keineswegs sonderlich warm. Zwar war es auch keine Musik, die mich fluchtartig aus den entsprechenden Räumen trieb, jedoch fanden sich für mich dort auch keine Lieder, die bewirkt hätten, dass ich das Album etwas öfters auflegen würde. Die Musik ist sehr weich in meinen Ohren, der Perkussion wird dabei immer eine sehr große Bedeutung zugestanden. Alles wiegt sich, vibriert, allerdings nur hauchfein, zart, fast schon zurückhaltend. Beth Gibbons spielt dabei mit Atmosphären, klingt an jeder Stelle der Platte sehr überzeugend und authentisch.

Irgendwann war es wieder so weit, die Platte bekam eine neuerliche Chance. Und als ob in der Zeit, seit dem letzten Hören, was Jahre zurück lag, irgendetwas im Musikzentrum meines Gehirns passiert wäre, aber die Lieder waren plötzlich andere geworden. Auf einmal gefiel mir diese Scheibe deutlich besser. Zugegebenermaßen haut mich nicht alles ganz von den Stühlen, aber gerade der Anfang der Platte ist überaus gelungen und die Musik geht ins Ohr und verbleibt dort auch. Immer wenn Portishead es schaffen, ihre Rhythmik auch mit tollen Melodien zu verbinden, dann packt mich das durchaus, dann ist meine Zeit zum Träumen angesagt. Diese Gabe geht den drei Musikern allerdings ein wenig in der Mitte des Albums verloren. Da scheint es dann manchmal nur noch um die zu transportierende Atmosphäre zu gehen, die allerdings einfach manchmal zu dünn wird.

Doch dann kommt es, das Ende des Albums, vielmehr das letzte Lied der Scheibe: „Glory Box“. Meine Nerven, wann jemals klang eine Frau sinnlicher oder lasziver, als bei dieser Nummer? Wirklich jede Ecke ihrer Seele scheint Beth Gibbons in diese Nummer zu legen und man betet förmlich, dass derjenige, der hier angesprochen wird, sich doch bitte erbarmt und ihr diesen einen Wunsch auch erfüllt:

Give me a reason to love you
Give me a reason to be a woman
I just wanna be a woman

Und auch hier war es so, gepackt hat mich diese Nummer erst, nach dem vierten oder fünften Male des Hörens. Dann aber voll. Grandios.

Fazit: Trip Hop ist noch immer noch nicht so ganz meins. Wenn er allerdings so klingt, wie bei „Glory Box“, doch, dann ist diese Musik auch meine Musik. „Dummy“ von Portishead ist eine völlig unaufgeregte Scheibe, die mit den Gefühlen der Hörer zu spielen scheint. Nicht immer schafft es die Musik dabei auch absolut zu überzeugen, denn wenn nur noch Atmosphäre entstehen soll der Atmosphäre wegen, dann läuft etwas falsch. Aber dann kommt noch „Glory Box“. Echt krass. Elf Punkte.

Anspieltipps: Sour Times, Roads, Glory Box



Donnerstag, 11. Juni 2015

Hoelderlin – Hoelderlin




Hoelderlin – Hoelderlin


Besetzung:

Michael Bruchmann – drums, percussion
Christian Grumbkow – acoustic and electric guitars
Joachim Grumbkow – keyboards, vocals, flute
Peter Käseberg – bass guitar
Joachim Käseberg – guitars
Christoph Noppeney – viola, acoustic guitar, vocals


Gastmusiker:

Zeus – alto saxophone
Norbert Jacobson – clarinet
Conny Planck – voice, synthesizer-help


Label: Spiegelei (EMI)


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Progressive Rock, Folk


Trackliste:

1. Schwebebahn (7:22)
2. I Love My Dog (5:39)
3. Honeypot (8:51)
4. Nürnberg (3:06)
5. Deathwatchbeetle (17:36)


Bonus Track der remasterten Album-Fassung:

6. Deathwatchbeetle (live 1974) (14:44)

Gesamtspieldauer: 57:21




Ihre zweite Platte betitelte, die aus Wuppertal stammende Band Hoelderlin, kurz und knapp mit ihrem eigenen Bandnamen: Hoelderin. Sie erschien im Jahr 1975, drei Jahre nach dem Debut-Album „Hölderlins Traum“. Nun und was es da von den sechs Bandmitgliedern zu hören gibt, das ist wirklich sehr hörenswert.

Die ursprünglich fünf auf der Platte enthaltenen Lieder, decken zwei verschiedene Musik Genres ab. „Schwebebahn“, „Honeypot“ und „Deathwatchbeetle“ stehen für Progressive Rock, „I Love My Dog“ sowie „Nürnberg“ sind dagegen eher Folk-Songs. „Nürnberg“ noch deutlich mehr als „I Love My Dog“, denn dieser Titel ändert seine musikalische Ausrichtung in seinem Verlauf doch sehr deutlich in Richtung zum progressiven Rock. Was allerdings allen diesen Titeln gemeinsam ist, dass ist ihre Melodiösität. Harmonien werden hier groß geschrieben und fast schon übereinander gestapelt und alles versinkt schließlich zumeist in reinem Wohlklang. Natürlich wird auch mal ein wenig experimentiert, mit dem Sound, den Instrumenten und auch ein schrägerer Ton verirrt sich ab und an in eines der drei progressiven Lieder, allerdings schwebt über allem doch eine sehr ausgeprägte Harmonie.

Richtig gut integriert in die Titel sind auch Querflöte und Violine, die so mancher Nummer, so manchem Liedabschnitt noch eine zusätzliche Aufwertung bescheren. Auch gibt es lange und ausgedehnte Instrumentalpassagen zu erhören, die mal weich und elegisch gestaltet sind, dann jedoch wieder dieses treibende Momentum beinhalten, welches die Füße mitwippen lässt. Ebenfalls sehr zu loben ist an dieser Stelle der Gesang des Joachim von Grumbkow, der sich perfekt in die musikalischen Arrangements integriert. Mal erzählt er beschwörend, ein anderes Mal singt er sanft, immer die passende Atmosphäre unterstreichend.

Die remasterte Auflage des Album enthält schließlich noch eine leicht verkürzte Live-Version des Titels „Deathwatchbeetle“. Diese klingt zwar durchaus überzeugend und hörenswert, ein Kauf aufgrund dieses Bonus-Tracks, wenn man bereits die Original-LP besitzt, lohnt sich jedoch kaum.

Fazit: Irgendwie klingt „Hoelderin“ von Hoelderlin sehr leicht und schwebend. Die Musik regt definitiv nicht auf, entspannt sehr viel eher. Es gibt sehr schöne Melodien zu entdecken, die allerdings niemals platt wirken beziehungsweise sich so anhören würden. Auf seine Art und Weise ein „Entspannungsalbum“. Unaufgeregt und auch leise. Elf Punkte.

Anspieltipps: I Love My Dog, Deathwatchbeetle 



Mittwoch, 10. Juni 2015

Steve Hackett – Spectral Mornings




Steve Hackett – Spectral Mornings


Besetzung:

Steve Hackett – guitar, keyboards, vocals, koto, harmonica


Gastmusiker:

Dik Cadbury – bass
John Hackett – flute, keyboards
Peter Hicks – vocals
Nick Magnus – synthesizer, keyboards
John Shearer – drums


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Every Day (6:14)
2. The Virgin And The Gypsy (4:27)
3. The Red Flower Of Tachai Blooms Everywhere (2:05)
4. Clocks – The Angel Of Mons (4:17)
5. The Ballad Of The Decomposing Man (3:49)
6. Lost Time In Córdoba (4:03)
7. Tigermoth (7:35)
8. Spectral Mornings (6:33)

Gesamtspieldauer: 39:09




„Spectral Mornings“ heißt das dritte Studio-Album des Steve Hackett und es ist gleichzeitig das zweite, welches er nach seinem Ausscheiden bei Genesis veröffentlichte. Nach der Fertigstellung von „Please Don’t Touch“, seinem zweiten Album, welches er genauso mit Gastmusikern aufgenommen hatte wie sein Debut „Voyage Of The Acolyte“, wollte der – jetzt Ex-Genesis-Gitarrist – mit dem Material auch auf Tour gehen und stellte somit zu diesem Zwecke eine Band zusammen. Das schien offensichtlich so gut zu funktionieren und harmonieren, dass er mit diesen Musikern auch gleich dieses neue Album und den Nachfolger „Defector“ aufnahm. Mitglied seiner Band war nun auch sein Bruder John, der an der Flöte und den Keyboards zu hören ist.

Während die beiden Vorgänger-Alben allerdings sehr viel schneller überzeugen konnten, benötigt man bei „Spectral Mornings“ schon einige Zeit mehr , bis man hier so richtig „warm“ wird mit der Musik des Steve Hackett. Aber natürlich gibt es ein paar Höhepunkte auf der Scheibe. Für mich sind dies, das so herrlich nach Japan klingende „The Red Flower Of Tachai Blooms Everywhere“, eine sehr eingängige Instrumentalnummer. Auch das mit über siebeneinhalb Minuten längste Lied der Platte „Tigermoth“, eine sehr düstere Nummer, hat es in sich. Hier wechselt Steve Hackett von Abschnitten, garniert mit Psychedelic Rock, in Bereiche mit sehr harmonischen Melodien und Gesang spielerisch hin und her. Da klingt die Musik des Steve Hackett jetzt sehr überzeugend.

Der Titelsong „Spectral Mornings“ ist eine sehr epische Instrumentalnummer und hat ebenfalls was, jedoch noch nicht, beim ersten oder zweiten Hören. Nun, ganz witzig finde ich auch noch „The Ballad Of The Decomposing Man”, obwohl diese „Spaßnummer“ so gar nicht zum Rest der Platte passen will. Aber auch hier ist es die Melodie, die dem Lied, welches zum Teil ein wenig im Stile von Music Hall gehalten ist – dann allerdings auch ohne Vorwarnung Calypso-Klänge aufweist – durchaus einen gewissen Wiedererkennungswert verleiht. Nun, der Rest, der ist okay, weist allerdings auch, wie im Falle von „The Virgin And The Gypsy“ durchaus gewöhnungsbedürftigen Schmalz auf. Die beiden wären mal lieber zu Hause geblieben.

Fazit: Ein paar ganz nette Stellen und Titel weist „Spectral Mornings“ durchaus auf. An die Qualität der beiden Vorgängerscheiben kommt die Platte allerdings nicht mehr ganz heran. Man benötigt viel Zeit, um mit Vielem auf diesem Album „warm“ zu werden, mit manchem auf „Spectral Mornings“ wird man es auch nie so ganz. Und wenn doch, dann ist die Musik gut, jedoch eben nicht mehr absolut überzeugend. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Red Flower Of Tachai Blooms Everywhere, Tigermoth



Dienstag, 9. Juni 2015

Angelo Branduardi – La Pulce D’Acqua




Angelo Branduardi – La Pulce D’Acqua


Besetzung:

Angelo Branduardi – Gesang, Violine, Gitarre, Panflöte, Chor


Gastmusiker:

Gigi Cappellotto – Bass
Bruno de Filippi – Sitar, Harmonica, Ocarina
Massimiliano di Carlo – Cetra
Franco di Sabatino – Klavier
Maurizio Fabrizio – Piano, Gitarre, Chor
Roberto Puleo – Bouzouki, Slide Gitarre
Andy Surdi – Schlagzeug, Perkussion
Luigi Lai – Launeddas


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Folk


Trackliste:

1. Ballo In Fa Diesis Minore (7:02)
2. Il Ciliegio (4:15)
3. Nascita Di Un Lago (4:12)
4. Il Poeta Di Corte (3:49)
5. Il Marinaio (4:07)
6. La Pulce D'Acqua (4:44)
7. La Sposa Rubata (4:01)
8. La Lepre Nella Luna (5:02)
9. La Bella Dama Senza Pietà (6:40)

Gesamtspieldauer: 44:03




Was sammelt sich nicht alles für Musik im Laufe der Jahre an. Manchmal ist das auch Musik, die man zwar noch ganz gut kennt, aber schon seit zehn, fünfzehn Jahren überhaupt nicht mehr gehört hat. Bei Angelo Branduardi’s Album „La Pulce D’Acqua“ ist das bei mir der Fall. Ich kann übrigens mit italienischen Schlagerfuzzis à la Eros Ramazotti nun so gar nichts anfangen, besitze so etwas glücklicherweise auch nicht. Und wenn mich jemand richtig ärgern wollen würde, dann wüsste ich auch, was er mir schenken müsste… Egal, das vorliegende Album habe ich in den 80ern einem guten Freund für zwei Mark abgekauft, da dieser nach Rom umgezogen ist und seine Platten nicht mitnehmen konnte. Höre ich diese Musik dann doch wieder mal, denke ich natürlich unweigerlich an ihn. Und diese Platte von Angelo Branduardi ist etwas Besonderes für mich.

Nun, Angelo Branduardi macht allerdings auch keinen italienischen Schlager, zumindest nicht auf „La Pulce D’Acqua“, wobei dies auch das einzige Album von ihm ist, welches ich kenne. Auch ist es die einzige Platte, die ich besitze, auf der jemand italienisch singt. Die Musik kann man durchaus mit Folk umschreiben, italienischen Folk eben. Angelo Branduardi singt auf „La Pulce D’Acqua“ so hingebungsvoll und intensiv, dass er manchmal fast schon einen Tick zu weich, am Rande des Kitsches entlang balanciert – aber nur manchmal und nur fast. Die Stimme scheint sehr bewegende Geschichten zu erzählen und da ist es gar nicht mehr so wichtig, dass man diese nicht versteht, wenn man des Italienischen nicht so mächtig ist. Ausdrucksstark erzählt der Italiener auf dem Album seine Sätze und das eingebettet in sehr schöne, melodische und harmonische Melodien. Eine Ader für diese sanften Töne sollte man definitiv haben, dann wird der Genuss der Musik umso intensiver.

Gerade die ersten Titel auf „La Pulce D’Acqua“ überzeugen sehr. Eingängige, das Ohr umschmeichelnde Harmonien schwingen da fast schon im Überfluss durch den Raum. „Ballo In Fa Diesis Minore“ ist eine Nummer, die sogar ein wenig an mittelalterliche Musik erinnert, hervorgerufen wird dieser Eindruck nicht zuletzt durch die verwendeten Instrumente. Da entsteht vor dem geistigen Auge ein Minnesänger, der vertieft in seinen Gesang und sein Instrument spielend in der Ecke sitzt. Bei prasselndem Kaminfeuer lächeln sich Ritter und Burgfräulein freundlich zu und drehen, sich tief in die Augen blickend, ihre Kreise im großen Wohnsaal der Burg. Auch „Il Ciliegio“ kann wegen seiner eingängigen Melodie überzeugen, die sofort ins Ohr geht. Nun und dann gibt es da die Nummer „Nascita Di Un Lago“. Getragen beginnt das Lied mit Bläsern, getragen geht es weiter mit dem zerbrechlich klingenden Gesang des Angelo Branduardi. Und schließlich kommt er, dieser Refrain zum Steinerweichen. Unglaublich schön. Wenn jemand mal eine liebe Frau von seiner romantischen Ader überzeugen muss: damit habt ihr sie, Freunde. Nun, blieben noch zwei Lieder, welche es lohnt extra erwähnt zu werden. Zum einen das Titellied „La Pulce D’Acqua“. Die Geschichte vom „Wasserfloh“ ist eine durchgehend fröhliche Nummer, die etwas im Gegensatz zum Rest des Albums steht, auf dem sonst viel Moll und eher eine traurige Stimmung transportiert wird. Schließlich möchte ich an dieser Stelle noch das letzte Lied  der Platte, „La Bella Dama Senza Pietà“, erwähnen, welches durch eine Sitar und Streicher so herrlich orientalisch klingt. Geht gar nicht mal so ins Ohr, aber die Atmosphäre der Nummer, die hat was und ist sehr überzeugend.

Fazit: „La Pulce D’Acqua“ hat seine Höhepunkte. Manches Lied wirkt vielleicht ein wenig zu getragen, zu weich, um das Herz des Rock-Fans noch erwärmen zu können. Der denkt sich: „Mensch Angelo, stell Dich gerade hin, Kopf hoch, Du bist doch ein Mann und kein Weichei!“ Und genau in diesem Moment kommt wieder dieser Refrain von „Nascita Di Un Lago“ und erfüllt den Raum. Plötzlich ist alles wieder ganz anders. Lange her, dass mein Freund nach Rom ging. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ballo In Fa Diesis Minore, Nascita Di Un Lago, La Pulce D'Acqua