Dienstag, 18. August 2015

Sting – The Dream Of The Blue Turtles




Sting – The Dream Of The Blue Turtles


Besetzung:

Sting – lead vocals, guitar, double bass


Gastmusiker:

Omar Hakim – drums
Darryl Jones – bass guitar
Kenny Kirkland – keyboards
Branford Marsalis – soprano and tenor saxophones, miscellaneous percussion
Dollette McDonald – backing vocals
Janice Pendarvis – backing vocals
Pete Smith – additional background vocals
Danny Quatrochi – additional background vocals, synclavier
Elliot Jones – additional background vocals
Jane Alexander – additional background vocals
Vic Garbarini – additional background vocals
The Nannies Chorus – additional background vocals
Rosemary Purt – additional background vocals
Stephanie Crewdson – additional background vocals
Joe Sumner – additional background vocals
Kate Sumner – additional background vocals
Michael Sumner – additional background vocals
Pamela Quinlan – additional background vocals
Eddy Grant – congas
Frank Opolko – trombone
Robert Ashworth – additional guitar


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. If You Love Somebody Set Them Free (4:14)
2. Love Is the Seventh Wave (3:30)
3. Russians (3:57)
4. Children's Crusade (5:00)
5. Shadows In The Rain (4:56)
6. We Work The Black Seam (5:40)
7. Consider Me Gone (4:21)
8. The Dream Of The Blue Turtles (1:15)
9. Moon Over Bourbon Street (3:59)
10. Fortress Around Your Heart (4:39)

Gesamtspieldauer: 41:40




1983 erschien mit „Synchronicity” das letzte Album von Police. Danach war erst mal Schluss mit der Band und der beste Songschreiber der Welt, so nannte sich Sting, alias Gordon Matthew Thomas Sumner, damals mal in einem Interview, veröffentlichte zwei Jahre später mit „The Dream Of The Blue Turtles“ sein erstes Solo-Album. Ein gesundes Selbstvertrauen hatte Sting damals zweifelsohne und Police war sicherlich auch eine tolle und überzeugende Band. Ob er allerdings wirklich dieser „beste“ Songschreiber war oder ist, das sei mal so dahingestellt – sehr erfolgreich war diese Scheibe hier auf jeden Fall, denn sie verkaufte sich viele Millionen Mal.

„The Dream Of The Blue Turtles“ beginnt mit der ersten Singleauskopplung „If You Love Somebody Set Them Free“. Eine mitreißende Pop-Nummer, die in den 80ern des letzten Jahrhunderts immer für volle Tanzflächen sorgte. Durchaus ein Lied mit Ohrwurmcharakter. Dann folgt ein für Sting typisches Lied, trägt es doch wieder deutliche Reggae-Anleihen in sich. „Love Is the Seventh Wave“ kommt allerdings in keiner Weise an entsprechende Vorbilder aus der Police-Ära heran. Es schließt sich „Russians“ an, eine weitere Single-Auskopplung und das mit Abstand beste Stück der Platte. Nicht nur die Musik ist toll, auch der Text ist es, der viele Gedanken der Menschen im kalten Krieg der Prä-Gorbatschow-Ära beinhaltet. Solche Sätze wie „How can I save my little boy from Oppenheimers deadly toy“ oder eben „I hope the Russians love their children too“ brannten sich damals schnell in das Gedächtnis ein und waren auch nicht mehr auszulöschen. Das ist wirklich historische Musik, die den damaligen Zeitgeist widerspiegelt.

Mit „Children's Crusade“ folgt dann noch ein nettes, ruhiges und ebenfalls sehr melodiöses Lied, bevor sich weitere Titel anschließen, die zumindest bei mir das Gefühl auslösen, dass Sting damals an sehr großer Selbstüberschätzung litt. Das ist jetzt nämlich alles recht unspektakulärer Pop, bei dem man schöne Stellen finden kann, beileibe jedoch nicht mehr muss. Auf mich wirken diese Stücke mitunter sogar etwas sehr langweilig und selbstverliebt. Ich liebe zwar die Klarinette, die in vielen Sting-Liedern integriert ist, jedoch macht dies ein Lied noch lange nicht zu einem Guten. Nein, etwas Besonderes ist diese Platte spätestens hier nicht mehr – auch nicht, wenn das Titellied, ganz untypisch, im Bereich des Jazz anzusiedeln ist und wohl eine kleine Spielerei bedeutet, wie das Gelächter am Ende wahrscheinlich auch vermitteln soll.

Fazit: Die Stärken von „The Dream Of The Blue Turtles“ liegen eher am Anfang der Platte. Vieles klingt ganz nett auf diesem Album, absolut begeisternd nur weniges, dafür manches auch ein klein bisschen langweilig. Okay, die Scheibe beinhaltet keinen 08/15-Pop, ist irgendwie intellektuell angehaucht, was nicht zuletzt auch an der häufig aufwendigen Instrumentierung liegt und wirkt dadurch etwas spannender. Aber wenn der beste Songschreiber der Welt eine Platte veröffentlicht, dann müsste es doch eigentlich auch die beste der Welt sein… Ist sie aber nicht. Neun Punkte.

Anspieltipps: Russians



Montag, 17. August 2015

Richard Wright – Wet Dream




Richard Wright – Wet Dream


Besetzung:

Richard Wright – piano, keyboards, electric piano, hammond organ, oberheim synthesizer, vocals


Gastmusiker:

Mel Collins – saxophones, flute
Snowy White – guitars
Larry Steele – bass guitar
Reg Isidore – drums, percussion


Label: Harvest


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Instrumental Rock, Jazz Fusion, Pop, Rock


Trackliste:

1. Mediterranean C (3:52)
2. Against The Odds (3:57)
3. Cat Cruise (5:14)
4. Summer Elegy (4:53)
5. Waves (4:19)
6. Holiday (6:11)
7. Mad Yannis Dance (3:19)
8. Drop In From The Top (3:25)
9. Pink's Song (3:28)
10. Funky Deux (4:57)

Gesamtspieldauer: 43:51




Für mich gibt es kaum einen entspannteren Musiker als Richard Wright. Moment, das stimmt natürlich nicht, es ist selbstverständlich seine Musik, die in mir diese unglaublich relaxte Stimmung hervorruft. Dies gilt für die Titel, die er bei Pink Floyd geschrieben hat, genau wie für dieses Album, „Wet Dream” Deses ist das erste seiner zwei, na vielleicht drei Solo-Ausflüge. Sein gemeinsames Schaffen mit Dave Harris unter dem Titel „Zee“ wurde hier ja bereits besprochen und war eine einzige Katastrophe. Nicht so jedoch diese Scheibe hier aus dem Jahr 1978, die diesem manchmal wahrlich selbst in seiner Rolle bei Pink Floyd „übersehenen“ und unterschätzten Musiker auf das Allerbeste gelungen ist.

Auf „Wet Dream“, hört man eine Mischung aus Pop, Rock, Ambient und Jazz-Anleihen in einer völlig relaxten Variation. Der Name „Wet Dream“ hat natürlich im Englischen eine besondere Bedeutung, welche hier durch das Cover in eine völlig andere Richtung gelenkt wird. Durchaus vorstellbar, wahrscheinlich sogar, dass Richard Wright dieses Album als seinen „Wet Dream“ ansah, entspannend wirkt das Ganze auf jeden Fall. Auf der Scheibe wird nur selten gesungen, bei insgesamt vier der zehn Lieder. Auch der Gesang des Richard Wright weiß dabei zu überzeugen, den man sich auch bei Pink Floyd öfters gewünscht hätte. Klar ist dieser Richard Wright nicht der begnadete Sänger, jedoch passt diese zurückhaltende Art des Gesangs wunderbar zu diesen allesamt irgendwie zerbrechlich wirkenden Stücken, die mit Harmonien nur so überfrachtet sind und wunderschöne Harmonien aufweisen.

Die Instrumentalnummern tangieren manches Mal das Genre des Ambient, jedoch nur ganz zart. Meistens klingen sie poppig bis rockig, je nachdem wie viel Spielraum der E-Gitarre eingeräumt wurde. Aber auch die Ausflüge in den jazznahen Bereich gibt es, die eigentliche Liebe des Richard Wright. Und wer bei den Saxophon-Soli auf „Waves“ oder „Funky Deux“ nicht automatisch an Pink Floyd Mitte der 70er Jahre erinnert wird, der kennt diese Musik eben noch nicht.

Fazit: „Wet Dream“ ist eine tolle Platte geworden. Es gibt im Grunde genommen keine unaufgeregtere, keine entspanntere Musik, zumindest nicht in meinem musikalischen Kosmos. Die einzelnen Lieder, die ohne Ausnahme überzeugen, werden mit der Zeit zu treuen Begleitern, zu Freunden, die einen nach einem hektischen Tag einfach wieder runterbringen. Alles auf „Wet Dream“ ist voller Melodiösität, eingängig und harmonisch. Und ich komme wieder zum Anfang dieser Rezension: Es gibt kaum Musik, die mehr entspannt, irgendwie einen kleinen Urlaub bedeutet. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Against The Odds, Cat Cruise, Waves, Pink's Song



Sonntag, 16. August 2015

Peter Gabriel – Plays Live




Peter Gabriel – Plays Live


Besetzung:

Peter Gabriel – lead vocals, piano, synthesizers


Gastmusiker:

Jerry Marotta – drums, percussion, backing vocals
Tony Levin – bass guitar, stick, backing vocals
David Rhodes – guitars, backing vocals
Larry Fast – synthesizers, piano, keyboards


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Art Rock, Experimental Rock


Trackliste:

CD1:

1. The Rhythm Of The Heat (6:26)
2. I Have The Touch (5:18)
3. Not One Of Us (5:29)
4. Family Snapshot (4:44)
5. D.I.Y. (4:20)
6. The Family And The Fishing Net (7:22)
7. Intruder (5:03)
8. I Go Swimming (4:44)


CD2:

1. San Jacinto (8:28)
2. Solsbury Hill (4:40)
3. No Self Control (5:02)
4. I Don't Remember (4:20)
5. Shock The Monkey (7:40)
6. Humdrum (4:03)
7. On The Air (5:20)
8. Biko (6:50)

Gesamtspieldauer: 89:53




Über die einzelnen Titel, die sich auf dem Album befinden, muss man nicht großartig reden, diese wurden hier auf diesen Seiten bereits im Rahmen der Studioalben besprochen. Viel interessanter ist es von daher, ob es Peter Gabriel schafft, die einzelnen Stücke auch live so zu transportieren und präsentieren, dass die Atmosphäre der einzelnen Titel nicht nur bei den Besuchern des Konzertes überspringt. Dies ist an den Reaktionen des Publikums durchaus zu hören, eine auf Platte veröffentlichte Live-Einspielung muss jedoch ohne die entsprechenden Bilder auskommen und wirken.

Auf Peter Gabriels „Plays Live“ wird der Hörerin beziehungsweise dem Hörer eine Übersicht über das Schaffen des Peter Gabriel auf seinen ersten vier Solo-Alben geboten. Diese vier Platten wurden jeweils ohne eigenen Titel veröffentlicht und somit, zur besseren Unterscheidung, von 1 bis 4 durchnummeriert. Dazu gesellt sich mit „I Go Swimming“ ein zusätzlicher Titel, der auf keinem Solo-Album des Briten vertreten ist. Auch diese Nummer ist – genau wie der Rest – absolut mitreißend und man ist überrascht, dass dieses Lied nicht auch in einer Studio-Version veröffentlicht wurde, beinhaltet es doch ein unglaublich fröhliches Sommergefühl.

Gut, Peter Gabriel „Plays Live“ ersetzt keineswegs den Besuch eines Konzertes des Ex-Genesis-Sängers, trotzdem gibt es einen tollen Stimmungsbericht darüber ab, wie mitreißend solch ein Konzert sein kann. Die einzelnen Titel werden zwar nahe am Original wiedergegeben, wirken hier jedoch noch ein klein wenig rockiger, als noch in den Studioversionen. Klar kann man dabei über die Auswahl der einzelnen Titel unterschiedlicher Meinung sein, trotzdem bietet dieses Doppelalbum einen guten Überblick über das Schaffen des Peter Gabriel in den ersten Jahren seiner Solo-Karriere, als er auch noch sehr viel regelmäßiger Alben veröffentlichte.

Fazit: Für Fans des Peter Gabriel ein absolutes Muss, nicht nur weil hier noch ein anderer Titel vorhanden ist, den es sonst so nirgendwo zu hören gibt. Die Musik ist mitreißend und die Stimmung eines Peter Gabriel Konzertes wird auch sehr gut auf Platte hinüber gerettet. Auch für Leute, die sich einen Überblick über das Schaffen des Peter Gabriel zu Beginn seiner Solo-Karriere machen wollen, ist diese Scheibe durchaus geeignet, da sie dieses sehr schön widerspiegelt. Macht einfach Spaß. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: I Go Swimming, San Jacinto



Samstag, 15. August 2015

Died Pretty – Trace




Died Pretty – Trace


Besetzung:

Ron S. Pemo – vocals
Brett Myers – guitar
John Hoey – keyboards
Chris Welsh – drums
Robert Warren – bass, backing vocals


Gastmusiker:

Sunil De Silva – percussion
Eleanor Rodgers – harmonies
Carolin Lavelle – cello
Jack Howard – trumpet


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Harness Up (Soul’s On Fire) (4:07)
2. Caressing Swine (4:07)
3. Headaround (3:16)
4. Til We Get It Right (4:06)
5. The Rivers (7:15)
6. A State Of Graceful Mourning (5:53)
7. Just Forever (5:28)
8. Through My Heart (3:47)
9. 110 B.P.M. (5:08)
10. Dreamaway (5:35)
11. Seize Your Ways (4:48)

Gesamtspieldauer: 53:33




Died Pretty war eine australische Alternative Rock Band, die in meinen Ohren durchaus auch in wenig im Genre des New Wave gewildert hat. Zwischen 1986 und 2000 veröffentlichten die Musiker insgesamt acht Studioalben. „Trace“ ist in dieser Reihe die fünfte Scheibe und erschien im Jahr 1993. Die Musik von Died Pretty zeichnet sich allgemein durch einen melodiösen Rock aus, der nicht immer spektakulär klingt, jedoch durchaus seinen Reiz und seine Stärken hat.

Hierzulande zwar deutlich weniger bekannt, war die Band im englischsprachigen Raum Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre durchaus sehr gefragt und auch erfolgreich – vor allem allerdings natürlich in ihrer Heimat Australien. „Trace“ steht da durchaus beispielhaft für die Phase zu Beginn und Mitte der Bandkarriere, während die letzten beiden Platten deutlich elektronischer geraten sind. So hört man auf „Trace“ einen nie zu harten, manchmal sogar verträumt wirkenden Gitarrenrock, der ziemlich schnell ins Ohr geht. Die einzelnen Stücke preschenden dabei durchaus nach vorne, die Melodie wird jedoch nie außer Acht gelassen und ihr kommt eine zentrale Rolle in jedem Died Pretty Song zu.

Das Ganze klingt zwar nie spektakulär oder wahnsinnig innovativ und neu, jedoch sind die einzelnen Stücke handwerklich sehr gut gemacht und wissen auch zu unterhalten. Ich mag es zum Beispiel auch sehr, wenn eine Nummer mit einem fetten Orgelsound untermalt wird. Mag sein, dass dies im Falle von Died Pretty lediglich ein Keyboard ist, wie man in den Credits nachlesen kann, der Sound erinnert jedoch stark an eine Hammond Orgel. Zudem gibt es wohl kaum eine Gelegenheit, bei dem ein Album wie „Trace“ nicht passen würde. Universell eingesetzt und in jeder möglichen Situation abspielbar scheint „Trace“ eine Art australische Allzweckwaffe zu sein, die der Hörerin beziehungsweise dem Hörer das Leben in allen möglichen Situationen versüßen kann.

Fazit: Guten und überzeugenden Alternative Rock präsentieren Died Pretty hier auf ihrem fünften Album mit dem Namen „Trace“. Das ist zugegebenermaßen keine außergewöhnliche oder spektakuläre Musik, die hier zu hören ist, jedoch Musik die unterhält. Das Album wächst mit jedem weiteren Durchlauf, wird vertrauter und irgendwann mag man auch diese „unspektakuläre“ Platte nicht mehr missen. Für alle, die auf melodiösen Gitarrenrock der 90er Jahre stehen, bestens geeignet. Elf Punkte.

Anspieltipps: Caressing Swine, The Rivers, A State Of Graceful Mourning 



Freitag, 14. August 2015

Deus – Vantage Point




Deus – Vantage Point


Besetzung:

Stéphane Misseghers – drums
Klaas Janzoons – violin, keyboards, mandoline
Alan Gevaert – bass
Mauro Pawlowski – guitar
Tom Barman – vocals, electric and acoustic guitar


Gastmusiker:

Lies Lorquet – vocals
Karin Dreijer Andersson – vocals
Guy Garvey – vocals


Label: V2 Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. When She Comes Down (5:05)
2. Oh Your God (3:51)
3. Eternal Woman (4:22)
4. Favourite Game (4:11)
5. Slow (6:08)
6. The Architect (3:56)
7. Is A Robot (4:57)
8. Smokers Reflect (4:26)
9. The Vanishing Of Maria Schneider (4:43)
10. Popular Culture (4:56)

Gesamtspieldauer: 46:41




Klar, Bands entwickeln sich weiter. „Vantage Point“ ist das fünfte Album der belgischen Band um den Songschreiber, Gitarristen und Sänger Tom Barman und erschien im Jahr 2008, vierzehn Jahre nach dem Debut-Album „Worst Case Scenario“. Im Falle von Deus bedeutet diese „Weiterentwicklung“ allerdings eine Entwicklung hin zur „Normalität“. Aus der oftmals experimentellen Band Deus ist eine etwas angepasstere Rock-Band geworden, die sich dem Markt gegenüber etwas geöffnet hat, um vielleicht dort auch noch Fans zu gewinnen.

Dass solch eine Vorgehensweise nicht auf ungeteilten Zuspruch bei den Fans der ersten Tage treffen dürfte, ist nicht weiter verwunderlich. Dennoch darf man Deus auch nicht Unrecht tun. Nach 08/15-Rock klingt das nämlich immer noch nicht. Auf „Vantage Point“ hört man Independent Rock, der zumeist im Mid-Tempo angesiedelt ist und keineswegs zu angepasst, sondern immer noch spannend und interessant klingt. Auch benötigt man durchaus einige Durchläufe der Scheibe, um mit ihr wärmer zu werden. So beim ersten Hören will da nur wenig sofort zünden. Dann jedoch, nach mehrmaligem Durchhören, erschließen sich einem die Melodien sehr viel besser und bleiben plötzlich auch hängen.

Zwar können einen auch dann, nach vielen Malen des Hörens, noch nicht alle Titel restlos überzeugen, jedoch zeigen sich auch einige Perlen auf „Vantage Point“. Eine davon ist sicherlich „Slow“, das längste Lied des Albums. Hier klingen Deus durchaus noch ein wenig wie im letzten Jahrtausend. Das ist Lied weist einige experimentelle Züge bezüglich der Instrumentierung auf, ist spannend und mit einem wunderschönen Refrain ausgestattet, der immer mehr in den Fokus des Songs rückt. Ein weiterer Höhepunkt ist die letzte Nummer der Scheibe, „Popular Culture“. Sehr eingängig, selbst beim ersten Mal des Hörens. Dazu singt ein ganzer Chor im Refrain, lässt das Stück noch ein wenig melodiöser werden. Ein Lied, welches hängenbleibt. Neben diesen beiden Höhepunkten finden sich durchaus noch weitere sehr gelungene Nummern, die sowohl den Fans der ersten Stunde der Band, wie auch neuen Freunden der Musik von Deus gefallen dürften.

Fazit: Klar, Deus ist nicht mehr dieselbe Band, die sie zehn Jahre zuvor war. Viele kritisieren das. Die Band hat sich „weiterentwickelt“, wie man so schön sagt, was nicht zuletzt wohl auch daran liegen dürfte, dass es im Laufe der Jahre einige Umbesetzungen im Line-Up von Deus gab. Dazu hat sich die Musik allgemein natürlich auch weiterentwickelt, ist nie stehengeblieben, was selbstverständlich auch immer Auswirkungen auf eine Band haben kann, wenn sie denn nicht selbst der Taktgeber ist. Deus ist etwas angepasster geworden, trotzdem weiß die Platte „Vantage Point“ an vielen Stellen zu überzeugen und so richtige Ausfälle gibt es ohnehin nicht zu beklagen. Von daher – hörenswert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Slow, Popular Culture 



Donnerstag, 13. August 2015

Deep Purple – Perfect Strangers




Deep Purple – Perfect Strangers


Besetzung:

Ritchie Blackmore – guitar
Jon Lord – organ, keyboards
Ian Paice – drums
Ian Gillan – vocals
Roger Glover – bass, synthesizer


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Knocking at Your Back Door (7:09)
2. Under The Gun (4:40)
3. Nobody's Home (4:01)
4. Mean Streak (4:26)
5. Perfect Strangers (5:31)
6. A Gypsy's Kiss (5:14)
7. Wasted Sunsets (3:58)
8. Hungry Daze (5:01)
9. Not Responsible (4:53)
10. Son Of Alerik (10:01)

Gesamtspieldauer: 54:56




Acht Jahre, nachdem Deep Purple sich aufgelöst hatten und die einzelnen Musiker der zweiten Band-Zusammensetzung, also Ritchie Blackmore, Jon Lord, Ian Gillan, Ian Paice und Roger Glover mit anderen Bands oder auch solo Erfolge feiern konnten, kamen die fünf Musiker wieder zusammen, um Deep Purple noch einmal aufleben zu lassen. Heute, im Jahr 2015 gibt es die Band immer noch, wenn auch in erneut anderer Zusammensetzung. Fans sowie Kritiker waren sehr gespannt, was die wiedervereinten Deep Purple ihren Fans nun bieten würden. „Back to the Roots“ oder etwa ganz neue Wege gehen? Es war eher ein neuer Weg, der beschritten wurde, denn wie die alten Deep Purple klangen die Musiker auf dem inzwischen elften Studio-Album aus dem Jahr 1984 wahrlich nicht mehr.

Auf „Perfect Strangers“ gibt es keinen Blues mehr zu hören, auch jegliche progressive Ansätze, wie zu Beginn der Bandgeschichte, sind verschwunden. „Perfect Strangers“ ist randvoll angefüllt mit Hard Rock. Hard Rock, der durchaus in den 80er Jahren angekommen ist, wie der Einsatz des Keyboards immer wieder nahelegt. Hard Rock, der auch geprägt ist durch die Betätigungsfelder der Musiker in der Pause von Deep Purple. Solch eine Nummer wie „A Gypsy's Kiss“ hätte durchaus auch auf einem Rainbow-Album Platz finden können. Der Einfluss von Ritchie Blackmore auf „Perfect Strangers“ ist unüberhörbar. Logischerweise. Aber die Platte ist kein Rainbow 2.0 geworden, da eben auch der Einfluss von Jon Lord unüberhörbar ist. Dieser fette Orgelsound, der vielen der Titel jede Menge Fülle verleiht, dieser ist eben auch typisch für Deep Purple und gleichzeitig ein starkes Wiedererkennungsmerkmal der Band.

Auf „Perfect Strangers“ gibt es sehr melodischen Hard Rock zu hören, Lieder, die wahrlich schnell ins Ohr zu gehen verstehen. Stellvertretend dafür stehen auch zwei der drei Single-Auskopplungen der Platte. Zum einen der Opener „Knocking At Your Back Door“, zum anderen der Titel-Track „Perfect Strangers“. Beide Nummern sind mit ganz markanten Orgel- beziehungsweise Keyboardläufen ausgestattet, alles klingt sehr melodiös und harmonisch und Ritchie Blackmore schenkt den Liedern klasse Gitarrensoli. Dabei handelt es sich bei dieser Musik um Hard Rock, der hier äußerst eindringlich dargeboten wird. Und dabei muss man wahrlich alle Musiker loben. Ian Gillan singt wie zu besten Zeiten und die Rhythmus-Fraktion um Ian Paice und Roger Glover spielt treibend nach vorne und immer absolut auf den Punkt. Wahrlich überzeugend.

Fazit: Deep Purple kamen nach einer Auszeit von acht Jahren zurück. Dabei geben sie sich keineswegs retro, schmeißen allerdings auch nicht absolut alles über Bord, was diese Band ausmachte. Auf „Perfect Strangers“ hört man Hard Rock, der sich von seinen Wurzeln, dem Blues ein ganz schönes Stück entfernt hat, jedoch immer noch als Deep Purple Musik zu erkennen ist. Deep Purple sind mit diesem Album mehr in der Mitte des Musikmarktes angekommen, von Mainstream möchte ich da allerdings noch nicht reden. Die einzelnen Titel zünden und bleiben hängen. Nicht jeder Band, die sich nach Jahren der Abstinenz wieder neu formierte, gelang ein solches Comeback. Durchaus hörenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Knocking At Your Back Door, Perfect Strangers, A Gypsy's Kiss



Mittwoch, 12. August 2015

Counting Crows – August And Everything After




Counting Crows – August And Everything After


Besetzung:

Steve Bowman – drums, vocals
David Bryson – guitars, vocals
Adam Duritz – vocals, piano, harmonica
Charlie Gillingham – piano, hammond b3 organ, accordion, chamberlin, vocals
Matt Malley – bass guitar, guitar, vocals


Gastmusiker:

T-Bone Burnett – guitar
Bill Dillon – guitar, guitorgan
Denny Fongheiser – percussion, drums on "Mr. Jones"
David Immerglück – guitars, mandolins, pedal steel guitar, mandocello, vocals
Gary Louris – backing vocals
Maria McKee – backing vocals
Mark Olson – backing vocals


Label: Geffen Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Round Here (5:32)
2. Omaha (3:40)
3. Mr. Jones (4:33)
4. Perfect Blue Buildings (5:01)
5. Anna Begins (4:32)
6. Time And Time Again (5:13)
7. Rain King (D4:16)
8. Sullivan Street (4:29)
9. Ghost Train (4:01)
10. Raining In Baltimore (4:41)
11. A Murder Of One (5:44)

Gesamtspieldauer: 51:44




Eines muss man wohl feststellen: Nicht jeder Band ist es vergönnt, beziehungsweise nicht jede Band hat überhaupt das Zeug dazu, solch ein Debut-Album vorzulegen wie die Counting Crows mit „August And Everything After“. Den fünf Musikern aus San Francisco gelang im Jahr 1993 gleich mit der ersten Platte der internationale Durchbruch – und dies ist nicht weiter verwunderlich, wenn man die Scheibe ein- beziehungsweise auflegt und genießt.

Das ist schon alles sehr überzeugend, was es da auf „August And Everything After“ zu hören gibt. Eine gute und eingängige Nummer reiht sich hier an die nächste, absolut unaufgeregter Alternative Rock, der sehr stillen und nachdenklichen Seite. Die Stimme des Adam Duritz, die immer wieder Mal fast so klingt, als ob er gleich anfangen würde zu weinen, bewegt. Da werden dann sozialkritische Texte noch ein wenig ergreifender aufgearbeitet. Und da dieses „Stilmittel“ auch nicht zu intensiv ausgewalzt wird, stört es nie, sondern bereichert sehr viel eher die Musik der Counting Crows. Diese eindrucksvolle Gesangsstimme in Verbindung mit sanften und wunderschönen Melodien, macht also diese Scheibe aus, die einfach zum Entspannen und Träumen einlädt.

Das wohl bekannteste Lied der Counting Crows ist ebenfalls auf „August And Everything After“ enthalten. „Mr. Jones“, welches bis auf Platz 2 der US-amerikanischen Billboard Charts kletterte, ist wahrlich eine überzeugende Nummer, die sich sofort beim Hörer festzusetzen versteht. Ein Ohrwurm, den man, einmal gehört, nicht mehr vergisst. Die ganze Platte jedoch an dieser einen Nummer festzumachen, würde dem Album nicht gerecht werden. Jede Menge weiterer toller Lieder befinden sich auf der Scheibe. Herausragend sind für mich ebenso „Omaha“ und „Anna Begins“, wobei da sicherlich andere Hörer andere Präferenzen haben können und werden. Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass wirklich alles auf „August And Everything After“ wirkt, einen Ausfall gibt es nicht. Die Platte ist randvoll gefüllt mit ruhigen, nachdenklichen und sehr intensiven Titeln, die einfach wirken – egal ob man ansonsten eher auf die härtere Variante des Rock steht oder den sanfteren Tönen an sich mehr abgewinnen kann.

Fazit: Manche Bands oder Künstler entwickeln sich langsam, veröffentlichen dann mit der dritten oder vierten Scheibe ihr „Meisterwerk“. Dass eine Band den Zenit ihres Schaffens mit der zehnten Platte erreicht, habe ich noch überhaupt nicht erlebt – glaube ich zumindest. Andere wiederrum hauen gleich mit dem ersten Album die beeindruckendste Platte raus. Genau so ist das bei den Counting Crows – zumindest bisher, wer weiß schon, was da noch so alles kommt. Nun, „August And Everything After“ ist eine wunderschöne Scheibe geworden, auf der es langsame, unaufgeregte, ruhige und intensive Musik zu hören gibt, die einfach wirkt. Es gibt jede Menge schöne Melodien zu entdecken, spannende und gar nicht oberflächliche Texte zu hören und die Möglichkeit, in eine vollkommen relaxte Atmosphäre einzutauchen. Musikherz, was willst Du mehr? Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Omaha, Mr. Jones, Anna Begins 



Dienstag, 11. August 2015

Coldplay – Viva La Vida Or Death And All His Friends




Coldplay – Viva La Vida Or Death And All His Friends


Besetzung:

Chris Martin – vocals, guitar, piano, keyboards
Jonny Buckland – guitar
Guy Berryman – bass
Will Champion – drums, percussion


Gastmusiker:

Mike Kezner – sitar
Davide Rossi – strings


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Life In Technicolor (2:30)
2. Cemeteries Of London (3:21)
3. Lost! (3:55)
4. 42 (3:57)
5. Lovers In Japan / Reign Of Love (6:51)
6. Yes (7:06)
7. Viva La Vida (4:01)
8. Violet Hill (3:42)
9. Strawberry Swing (4:09)
10. Death And All His Friends (6:18)

Gesamtspieldauer: 45:54




„Viva La Vida Or Death And All His Friends“, also „Es lebe das Leben oder der Tod und all‘ seine Freunde“ tauften die Briten von Coldplay ihr viertes Studio-Album, welches im Jahr 2008 veröffentlicht wurde. Auch diese Scheibe, wie praktisch alle Alben der Londoner Band, verkaufte sich im zweistelligen Millionenbereich. Coldplay ist verkaufstechnisch gesehen mit eine der erfolgreichsten Bands des bisherigen Jahrhunderts. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, denn man kann zu dieser Art der Musik sicherlich ein zwiespältiges Gefühl entwickeln, was man den Liedern allerdings kaum absprechen kann ist der Umstand, dass diese einfach unglaublich melodiös sind und sich ziemlich schnell bei der Hörerin, beim Hörer festzusetzen verstehen.

Ein wenig schwer fällt es mir allerdings die Musik von Coldplay mit „Alternative Rock“ zu umschreiben, denn unter dieser musikalischen Überschrift werden die Alben von Coldplay überraschenderweise sehr häufig eingestuft. So verwundert es auch sehr, dass „Viva La Vida Or Death And All His Friends“ bei den Grammy Awards des Jahres 2009 als bestes Rock-Album ausgezeichnet wurde. Rock? Wohl doch wohl eher Pop und zwar jener der sehr weichen Sorte.

Dies sagt allerdings nichts über die Musik selbst aus, denn da verstehen es die vier Musiker von Coldplay durchaus, ihre Hörer zu überzeugen. Bereits beim ersten Hören gehen die Melodien auf „Viva La Vida Or Death And All His Friends“ ins Ohr. Harmonie paart sich mit weiterer Harmonie. Nur ganz selten wird das Tempo mal angezogen, wie vor allem im zweiten Abschnitt von „Yes“. Hier darf man dann zugegebenermaßen getrost auch mal von Rock-Musik sprechen. Ansonsten wirkt die Musik der Band jedoch sanft, weich und auch zerbrechlich, was sicherlich auch durch den gar nicht so männlichen, sondern häufig eher androgynen Gesang des Chris Martin mit unterfüttert wird. Dieser passt jedoch perfekt zur Instrumentierung und der Melodiösitiät der einzelnen Lieder und ergibt mit diesen einen runden und überzeugenden Gesamteindruck.

Inhaltlich befassen sich die einzelnen Titel – bei der Albumüberschrift auch nicht weiter verwunderlich – mit den Themen Leben und Tod, jedoch werden auch die Thematiken Liebe und Krieg mit behandelt. Hier werden auch keine 08/15-Phrasen gedroschen à la „Ich liebe Dich, liebe Du mich doch auch – zumindest ein bisschen“, sodass die Band auch textlich überzeugen kann. Ein gar nicht so häufiges angewandtes Stilmittel verwenden Coldplay hier zusätzlich auf ihrer vierten Scheibe. Sie packen mitunter zwei Titel unter eine Überschrift. Somit ist der oben bereits erwähnte „zweite Abschnitt“ des Titels „Yes“ durchaus etwas, was es öfters auf dieser Platte zu hören gibt: Zwei scheinbar unabhängige Melodieführungen, die hintereinandergeschaltet sind, ergeben einen Titel.

Fazit: Ein sanftes und zartes Album ist „Viva La Vida Or Death And All His Friends“ zum allergrößten Teil geworden. Die Musik geht dabei eher in die Pop- als in die Rockrichtung. Wer auf sehr eingängige Musik steht, die oder der dürfte mit dieser Scheibe sehr viel Spaß bekommen. Musikhörer, die Rock-Musik aufgrund ihres Tempos und ihrer Härte lieben, könnten dagegen hauptsächlich Langeweile auf „Viva La Vida Or Death And All His Friends“ entdecken. Für mich ist diese Platte garantiert kein Meilenstein in der modernen Popular-Musik, jedoch ganz sicher gute Unterhaltung. Elf Punkte.

Anspieltipps: Cemeteries Of London, Viva La Vida, Violet Hill



Montag, 10. August 2015

Edwyn Collins – Gorgeous George




Edwyn Collins – Gorgeous George


Besetzung:

Edwyn Collins – guitar, vocals, bass guitar, sampling


Gastmusiker:

Paul Cook – drums and percussion, vibraphone on “A Girl Like You”
Clare Kenny – bass guitar


Label: Setanta


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. The Campaign For Real Rock (6:36)
2. A Girl Like You (3:59)
3. Low Expectations (3:59)
4. Out Of This World (5:37)
5. If You Could Love Me (5:31)
6. North of Heaven (3:40)
7. Gorgeous George (4:09)
8. It's Right In Front of You (6:27)
9. Make Me Feel Again (4:23)
10. I've Got It Bad (4:41)
11. Subsidence (5:44)
12. This Music Won't Take You Higher (3:26)

Gesamtspieldauer: 58:15




Denkt man an Edwyn Collins – sofern man den schottischen Musiker überhaupt kennt – dann denkt man meistens an das Lied „A Girl Lik You”, welches diesem, im Jahr 1994 erscheinen Album „Gorgeous George” mit enthalten ist. Dieses dritte Solo-Album war gleichzeitig auch das erfolgreichste in der musikalischen Karriere des Edwyn Collins, belegte Chart-Plätze in allen wichtigen Musikmärkten der Erde. Die Vor- beziehungsweise Nachfolger, konnten sich dagegen nur noch in Großbritannien platzieren und dort auch maximal für eine Woche in den Hitparaden halten. Nun, der Erfolg der Platte war sicherlich mit begründet durch diesen einen Hit des Edwyn Collins, das Album jedoch lediglich auf diesen einen Titel zu reduzieren, würde der Platte allerdings überhaupt nicht gerecht werden, denn diese hat durchaus noch mehr zu bieten.

„Gorgeous George“ ist angefüllt mit abwechslungsreichen, spannenden und sehr eingängigen Stücken, die immer wieder Überraschungen für den Hörer bereithalten. Da klingt es manches Mal rockig, dann wieder poppig, plötzlich hört man Folk, der sogar mal Country-Anleihen aufweisen kann, dann klingt es auf einmal wiederum funkig, jedoch wurde auch der Blues mit bedient und eben nicht vergessen. Eine ganz schöne musikalische Breitseite also, die Edwyn Collins hier auf seine Hörer abfeuert – damit muss man erst mal zurechtkommen, denn solch ein musikalischer Stilmix wird sicherlich nicht jeder oder jedem schmecken.

Diesem Einwand kann man sich wirklich nicht ganz verschließen, denn richtig einstellen auf dieses Album, das geht kaum. Zu oft werden hier nicht nur die Stile, sondern auch die Stimmungen gewechselt. Allerdings klingt Edwyn Collins auf „Gorgeous George“ so was von entspannt und relaxt, dass man ihm auch Ausflüge in nicht so ganz beheimatete musikalische Genre verzeiht und sich durchaus darauf einlassen kann und sich zudem sollte. Denn die einzelnen Lieder wachsen deutlich mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe, gewinnen an Größe und auch an Spannung sowie natürlich an Vertrautheit.

Auch wenn alles eine gewisse Qualität aufweist, so liegen die Höhepunkte auf „Gorgeous George“ am Anfang der Platte. Da ist zum Beispiel die Nummer „The Campaign For Real Rock“, die ihrem Namen wirklich alle Ehre macht. Langsam steigert sich der Titel und ist dabei bis in den letzten Akkord hinein packend und mitreißend. Das klingt zum Teil auch etwas schräg, um sich dann jedoch wieder in Wohlklang aufzulösen. Nun, dann ist da natürlich noch jener, bereits erwähnte Hit „A Girl Like You“, der wirklich sofort ins Ohr geht. Auf diesen folgt die langsame und verträumte Folk Nummer „Low Expectations“. Einfach schön und etwas für die Träumer unter den Hörern.

Fazit: Nein, es ist nicht nur „A Girl Like You”, welches die Platte „Gorgeous George” des Schotten Edwyn Collins hörenswert werden lässt. Noch weitere gute und überzeugende Titel befinden sich auf der Scheibe, die einen sehr großen Stilmix aufweist. Dabei wird nicht jedes angespielte Genre auf uneingeschränkte Freude stoßen, da man häufig auf bestimmte Musikrichtungen festgelegt ist. Allerdings kann man Edwyn Collins mit Sicherheit keine Langeweile auf „Gorgeous George“ vorwerfen. Spannend ist es auf jeden Fall und eben mal mehr, mal weniger überzeugend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Campaign For Real Rock, A Girl Like You, Low Expectations



Sonntag, 9. August 2015

Gerry Rafferty – Baker Street




Gerry Rafferty – Baker Street


Besetzung:

Gerry Rafferty – vocals, guitar


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Rock


1. Baker Street (6:12)
2. Right Down The Line (4:30)
3. City To City (5:05)
4. Waiting For The Day (5:47)
5. Get It Right Next Time (4:44)
6. Take The Money And Run (5:53)
7. Days Gone Down (6:32)
8. Why Won't You Talk To Me (4:02)
9. The Royal Mile (3:50)
10. Wastin' Away (3:31)
11. Bring It All Home (4:43)
12. Don't Close The Door (3:48)
13. Sleepwalking (3:54)
14. A Change Of Heart (4:10)
15. On The Way (4:22)
16. Night Owl (6:10)

Gesamtspieldauer: 1:17:19




„Baker Street“ ist eines der zahlreichen Kompilationsalben, welche es vom Schotten Gerald "Gerry" Rafferty gibt. Und natürlich eröffnet auch genau dieser Titel den Reigen, an den sich fünfzehn weitere Stücke anschließen, alle „Hits“ des Gerry Rafferty eben. Diese Zusammenstellung entstand im Jahr 1998, danach veröffentlichte Gerry Rafferty im Jahr 2000 nur noch ein weiteres Album, welches jedoch, wie bereits einige zuvor, vom Musikmarkt weitestgehend unbemerkt erschien und bei Konsumenten wie Musikkritikern kaum noch Beachtung fand.

Nun, wenn ich Baker Street höre, dann passiert etwas, was bei manchen Titeln, die ich gut kenne und die mir wichtig sind, der Fall ist. Ich assoziiere die Nummer mit einem bestimmten Ereignis. Im Falle von Gerry Raffertys „Baker Street“ ist das eine nasskalte Winternacht, einen Tag vor Heilig Abend. Da hörte ich das Lied abends im Radio und war sofort fasziniert von diesem unfassbar guten und packenden Saxophon-Solo des Raphael Ravenscroft. Nur sehr selten klang dieses Musik-Instrument bisher besser und überzeugender – wenn überhaupt. Dazu gesellt sich diese etwas mystisch, düstere Stimmung, die diesem Titel mit anhaftet, die für mich zur Faszination von „Baker Street“ beiträgt. Diese Atmosphäre in Kombination mit jener dunklen und langen Dezembernacht, so etwas prägt sich ein und kann ein Lied zu einem lebenslangen Begleiter werden lassen.

Fünfzehn weitere Titel befinden sich auf dieser Platte. Nun, die sind alle wahrlich nicht schlecht, jedoch wird hier auch deutlich, dass Gerry Rafferty nur durch diesen einen Titel berühmt und auch erfolgreich wurde. Das klingt ansonsten alles ganz nett, zugegeben. Jedoch, ob es sich mal eher nach schottischer Weise anhört, poppiger wird oder ob ordentlich gerockt wird. Alles okay, jedoch leider auch ein wenig unspektakulär. Da hat man keinen Grund, den Raum, in dem diese Musik gerade gespielt wird, fluchtartig zu verlassen, nur leider bleibt davon auch fast nichts hängen. So hinterließ „Baker Street“ bei Gerry Rafferty bis zu seinem Tod im Jahr 2011 sicherlich ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits ernährte ihn die Nummer, für die er jedes Jahr 80.000 britische Pfund an Tantiemen überwiesen bekam, andererseits schien sich keiner für seine weiteren Werke zu interessieren. Traurig für den Künstler Gerry Rafferty, wenn man hier allerdings die anderen „Hits“ des Schotten hört, auch nicht weiter verwunderlich.

Fazit: Die Platte „Baker Street“ lebt vom Titel „Baker Street“. Der Rest ist ganz nett gemachter Rock, der jedoch kaum das Zeug dazu hat, irgendjemandes Lieblingsmusik zu werden. Dazu sind die Nummern häufig zu „brav“ und einfach zu konventionell. Und auch das wiederholte Hören ändert kaum etwas an dieser Feststellung. „Baker Street“ jedoch, das Lied mit selbigem Titel, das ist ein absoluter Klassiker, ein Meilenstein in der Musikgeschichte des Rock. Acht Punkte.

Anspieltipps: Baker Street



Samstag, 8. August 2015

Die Prinzen – Das Leben ist grausam




Die Prinzen – Das Leben Ist Grausam


Besetzung:

Sebastian Krumbiegel – Gesang
Tobias Künzel – Gesang
Wolfgang Lenk – Gesang
Henri Schmidt – Gesang
Jens Sembdner – Gesang


Gastmusiker:

Andreas Herbig – Rhythmen
Peter Handtke – Rhythmen


Label: BMG


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: A Capella Pop


Trackliste:

1. Millionär (2:39)
2. Mann im Mond (3:17)
3. Gabi und Klaus (3:27)
4. Wer ist der Typ (3:18)
5. Betriebsdirektor (2:52)
6. Ich will dich haben (3:58)
7. Blaues Blut (3:17)
8. Mein Fahrrad (2:27)
9. Die Vögel (3:56)
10. Vierzig Jahre (2:40)
11. Mein bester Freund (2:36)
12. Tschüssi – Macht’s Gut (0:18)

Gesamtspieldauer: 34:51




Ich kann jetzt wahrlich nicht behaupten, dass mir das erste Album der Prinzen überhaupt nicht gefallen würde. Annette Humpe hatte sich der fünf Leipziger angenommen und kurz nach der Wende in Deutschland, im September 1991, veröffentlichten die Prinzen ein A Capella Album, lediglich der Rhythmus wurde hinzugemischt. Das war und ist durchaus nicht gewöhnlich und stellte etwas Besonderes dar.

Jedoch lässt mich diese Platte mit einem sehr zwiespältigen Gefühl zurück – das geht sogar so weit, dass ich glaube, dass ich niemals in Gesellschaft diese Scheibe auflegen würde. Sobald Tobias Künzel nämlich seine Finger, sowohl musikalisch, jedoch vor allem textlich mit im Spiel hat, dann wird es unfassbar peinlich. Solch ein Lied wie „Mann im Mond“ dürfte sicherlich bei den Dreijährigen im Kindergarten für Furore sorgen, ein Fünfjähriger wird das schon anders, differenzierter sehen. Dieses Lied ist glaube ich mit das schlechteste Stück, welches ich überhaupt kenne. Ganz schlimm.

Nun hauptsächlich zeigt sich jedoch Sebastian Krumbiegel für die Kompositionen verantwortlich. Und da sind einige ganz nette Stücke dabei, die klingen und auch textlich durchaus mit Witz aufzuwarten verstehen. Als Beispiel seien hier auch zwei der bekanntesten Lieder der Band genannt, „Millionär“ und „Mein Fahrrad“. Auch sonst gibt es noch so einiges zu entdecken, wenn auch einige Füller mit auf der Platte sind, die man nicht unbedingt immer hören kann.

Fazit: Durchhören, so im Ganzen, nein das schaffe ich nicht. Dazu gibt es dann doch so manche Peinlichkeit, nicht nur den „Mann im Mond“. Andererseits hat diese Platte auch was, etwas Besonderes. Das ist eben die Instrumentierung, die so natürlich schon etwas Außergewöhnliches darstellt. Einige Melodien machen auch viel Laune und eben auch der immer wieder vorhandene Wortwitz. Ja, was macht man dann mit so einem Album? Auf jeden Fall immer die Fernbedienung griffbereit haben. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Millionär, Ich will Dich haben, Mein Fahrrad



Freitag, 7. August 2015

Pearl Jam – Ten




Pearl Jam – Ten


Besetzung:

Mike McCready – lead guitar
Stone Gossard – rhythm guitar
Jeff Ament – bass guitar
Eddie Vedder – vocals
Dave Krusen – drums


Gastmusiker:

Walter Gray – cello
Tim Palmer – fire extinguisher, pepper shaker
Rick Parashar – piano, organ, percussion


Label: Epic Records


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Grunge, Alternative Rock


Trackliste:

1. Once (3:51)
2. Even Flow (4:53)
3. Alive (5:41)
4. Why Go (3:19)
5. Black (5:43)
6. Jeremy (5:19)
7. Oceans (2:41)
8. Porch (3:30)
9. Garden (4:59)
10. Deep (4:18)
11. Release (9:06)

Gesamtspieldauer: 53:25




„Ten“ nannten die fünf Musiker aus Seattle, Washington ihr Debut-Album, welches zunächst gar nicht mal so erfolgreich startete. Als dann jedoch der „Grunge-Zug“ Fahrt aufnahm und den Musikmarkt weltweit überrollte, da wurde auch „Ten“ von Pearl Jam zu einem Verkaufsschlager und erreichte über ein Jahr nach dem Erscheinen immerhin Platz 2 der amerikanischen Billboard Charts. Nach der Auflösung ihrer vorherigen Band Mother Love Bone, gründeten Bassist Jeff Ament und Gitarrist Stone Gossard zusammen mit dem Sänger Eddie Vedder, dem Gitarristen Mike McCready und Schlagzeuger Dave Krusen Pearl Jam. Die Lieder auf „Ten“ entstanden dabei meist auf die Art, dass die vier Instrumentalisten darauf los jammten und Eddie Vedder schließlich seine Texte dazu sang, welche von Obdachlosigkeit, Depressionen oder Missbrauch handeln.

Das Ergebnis kann sich wahrlich sehen beziehungsweise hören lassen. Packende und mitreißende Rock Musik gibt es auf „Ten“ zu genießen. Die Musik bewegt sich dabei gar nicht mal zu sehr in den Gefilden des Grunge, kommt manches Mal auch in der Mitte, im Mainstream an, ohne dass dies hier abwertend gemeint wäre. Die einzelnen Nummern zünden ziemlich schnell und gehen ins Ohr. Höhepunkte sind dabei sicherlich das überragende „Alive“ und das nicht weniger gelungene „Jeremy“. Bei beiden Titeln kommt auch die Stimme des Eddie Vedder so richtig zur Geltung und er spielt mit den Silben und Wörtern auf seine ganz eigene Art, sodass diese sich schnell, in der Kombination mit der Melodie, beim Hörer verankern.

Die Scheibe läuft in einem Guss durch, niemals wird die Musik langweilig, keiner der Titel ist belanglos oder aber langweilig, alles hat seine Qualität. Auf „Ten“ gibt es Rock Musik zu hören, die allerdings niemals in das ganz harte Fach abdriftet. Über allem steht immer die Melodie, die sich in den allermeisten Fällen auch ziemlich zügig beim Konsumenten festzusetzen versteht.

Fazit: Ein wahrlich gelungenes Debut stellt „Ten“ für Pearl Jam dar. Auch wenn der Start des Albums verkaufstechnisch etwas zäh verlief, so ist die Platte heute immer noch ihre erfolgreichste, mit inzwischen bereits über zehn Millionen verkauften Kopien. Sehr eingängigen Grunge bekommt man auf „Ten“ zu hören, dessen einzelne Lieder zu treuen Begleitern werden. Macht Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: Alive, Jeremy



Donnerstag, 6. August 2015

John Parr – Man With A Vision




John Parr – Man With A Vision


Besetzung:

John Parr – all instruments


Gastmusiker:

Richard Cottle – keyboards on “Wilderness”, saxophone on “Come Out Fightin’”
Paul Hodson – keyboards on “This Time”, “It’s Startin’ All Over Again” and “Everytime”
John Cook – piano on “Bedtime Story”
Dave Lane – piano on “Dirty Lovin’”, organ on “Ghost Driver”
Harold Faltermeyer – keyboards on “Restless Hearts”
Peter Goalby – rhythm guitar on “It’s Startin’ All Over Again” and “Everytime”
Nick Robinson – harmonica on “Dirty Lovin’”


Label: Blue Martin Records


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Adult Oriented Rock (AOR)


Trackliste:

1. Wilderness Years (1:34)
2. Man With A Vision (3:59)
3. It's Startin’ All Over Again (3:25)
4. Restless Heart (4:36)
5. Ghost Driver (4:10)
6. Bedtime Story (5:03)
7. Come Out Fightin' (5:17)
8. Everytime (4:55)
9. Killer On The Sheets (3:47)
10. Dirty Lovin' (4:42)
11. This Time (5:17)
12. Sarah (4:00)

Gesamtspielzeit: 50:52




Der Engländer John Parr steht für AOR, also Adult Oriented Rock. Musik, die genau auf den nordamerikanischen Mann abzielt und auch abgestimmt ist und mit der damals wie heute immer noch jede Menge Geld zu verdienen ist. AOR bedeutet eingängige Rock-Musik, nicht zu hart, jedoch auch auf keinen Fall verweichlicht. Die Texte drehen sich zum großen Teil um das Thema „Liebe“ und die Melodien müssen gleich beim ersten Mal des Hörens gefallen oder zumindest nicht nerven, dass man als Hörer weiter dabei bleibt.

Dieses dritte Album des John Parr, welches er 1992 unter dem Titel „Man With A Vision“ veröffentlichte, kann man beim Autofahren hören, beim Spazieren gehen, unter der Dusche, relaxt auf dem Sofa, während des Joggens, beim Abwasch, im Aufzug, beim Lesen, bei der Nahrungszubereitung, bei jeglicher Nahrungsaufnahme, beim Segeln, beim Kreuzworträtsellösen, beim Arbeiten am Computer, beim Staubsaugen und beim Apfelpflücken. Die Platte kann im Hintergrund laufen, während man sich unterhält. „Man With A Vision“ enthält jedoch auch Titel, die dann auch mal lauter abgespielt werden können, vielleicht findet sich ja doch die eine oder der andere, die oder der gerne mal tanzt. Diese Musik könnte bei diversen Fluggesellschaften als Teil des Unterhaltungsprogramms an Bord hinterlegt sein, als Kaufhaushintergrundmusik laufen und natürlich bei absolut jedem Radiosender dieser Welt in der Endlosschleife integriert sein – und zwar praktisch jede der zwölf Nummern.

Nun, man könnte natürlich auch sagen, diese Art der Musik ist irgendwie nichtssagend. Das lässt sich alles gut anhören, bleibt allerdings nicht unbedingt länger haften. Die einzelnen Titel ähneln sich auch durchaus ein wenig, großartig experimentiert wird dabei schon mal gar nicht – ein einmal eingeschlagener Weg wird konsequent durchgezogen. Sieht man das Ganze aus jener Perspektive, dass John Parr eben nur unterhalten will, kein Interesse daran hat, mit seiner Musik das Leben komplizierter zu gestalten, dann muss man feststellen, dass der Brite sein Ziel zu 100% erfüllt hat. Möchte man als Hörer allerdings etwas Neues, etwas Interessantes hören, dann ist dieses Album definitiv nicht dafür geeignet. Der Titel, der hier noch am meisten überzeugt, ist „Ghost Driver“, da dieser zumindest mit einer gewissen Atmosphäre und mit einem inhaltlich etwas anderen Text aufwarten kann.

Fazit: Adult Oriented Rock, Stadion Rock oder aber einfach schlicht und ergreifend Mainstream, das zelebriert John Parr auf „Man With A Vision“. Damit war er auch überaus erfolgreich, verkaufte weltweit mehr als zehn Millionen Kopien seiner Platten – diese hier mit eingeschlossen. Mit ist das ehrlich gesagt zu langweilig, die Texte nerven oft mit ihrem Gesülze und irgendwie ist das alles aalglatt. Einfach zu glatt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Ghost Driver