Dienstag, 21. Januar 2020

Magnum – The Serpent Rings




Magnum – The Serpent Rings


Besetzung:

Tony Clarkin – guitar
Bob Catley – vocals
Dennis Ward – bass guitar
Rick Benton – keyboards
Lee Morris – drums


Gastmusiker:

Liam Doherty – additional vocals
Lee Small – additional vocals
Jason Morgan – additional vocals
Brendon Riley – additional vocals


Label: Steamhammer / SPV


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Rock


Trackliste:

1. Where Are You Eden? (5:36)
2. You Can’t Run Faster Than Bullets (5:33)
3. Madman Or Messiah (5:17)
4. The Archway Of Tears (6:21)
5. Not Forgiven (5:47)
6. The Serpent Rings (6:46)
7. House Of Kings (4:46)
8. The Great Unknown (5:26)
9. Man (5:26)
10. The Last One On Earth (3:31)
11. Crimson on the White Sand (4:53)

Gesamtspieldauer: 57:29



„The Serpent Rings“ heißt das bereits 21. Studioalbum der englischen Band Magnum aus Birmingham. Das Album wurde am 17. Januar 2020 auf dem Plattenlabel SPV veröffentlicht. Bereits am 22. November 2019 war das Lied „Not Forgiven“ als Single erschienen. „The Serpent Rings“ ist zugleich das erste Album auf dem Dennis Ward am Bass zu hören ist, nachdem der langjährige Bassist Al Barrow die Band im Juni 2019 verlassen hat. Doch selbstverständlich sind die beiden Gründungsmitglieder, Gitarrist Tony Clarkin und Sänger Bob Catley noch mit an Bord, sodass die Musik von Magnum eine feste und verlässliche Größe über viele Jahrzehnte darstellt.

Anfang der 70er Jahre gegründet, scheint die Zeit musikalisch bei Magnum stehengeblieben zu sein – und das ist keineswegs negativ gemeint. Magnum rocken auch im Jahr 2020. Das klingt alles sehr melodiös und voll, an manchen Stellen ein wenig pathetisch, rockig selbstverständlich und die Ballade darf selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen. Langjährige Fans der Band erleben Magnum auf „The Serpent Rings“ in gewohnter und geliebter Form, mit all den Zutaten, die die Musik der Band bereithält.

Das Besondere an der Musik von Magnum ist, dass es Songschreiber und Gitarrist Tony Clarkin immer wieder schafft, ein Album zusammenzustellen, auf dem es keine Ausfälle gibt. Alles hat Qualität und klingt. Die einzelnen Titel gehen ins Ohr und die Fernbedienung kann man im Falle der CD getrost beiseite legen, denn zum Überspringen gibt es hier nichts. Da macht das Zuhören Spaß und man kann perfekt in den musikalischen Kosmos der Band eintauchen. Rock, ausgestattet mit tollen Melodien.

Fazit: Nein, es gibt nichts Neues zu hören bei Magnum. Keine Experimente oder Ausflüge in andere musikalische Genres. Bei Magnum hört man bewährten Rock, der ins Ohr geht und wirkt. Die Fans der Band wird es freuen, denn elf neue Titel erweitern das musikalische Repertoire von Magnum. Es muss auch nicht immer etwas Neues sein, was begeistert. Manchmal ist es auch schön, wenn Bands sich nicht jedes Mal neu erfinden, sondern bewährte Pfade beschreiten und überzeugen. Gut gemacht. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Where Are You Eden?, The Serpent Rings, The Last One On Earth



Sonntag, 19. Januar 2020

And You Will Know Us By The Trail Of Dead – X: The Godless Void And Other Stories




And You Will Know Us By The Trail Of Dead – X: The Godless Void And Other Stories


Besetzung:

Conrad Keely – vocals, guitar, drums, piano, keyboards
Jason Reece – drums, vocals, guitar, keyboards
Autry Fulbright II – bass
Jamie Miller – drums, percussion


Gastmusiker:

Cully Sumington – drums on tracks 1,2,3,5
Aaron Blount – guitar on track 7
Will Courtney – backing vocals on track 10
Krystal Morris – vocal sample on track 1


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Alternative Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. The Opening Crescendo (2:53)
2. All Who Wander (4:53)
3. Something Like This (4:36)
4. Into The Godless Void (3:58)
5. Don’t Look Down (4:41)
6. Gone (4:04)
7. Children Of The Sky (4:37)
8. Who Haunts The Haunter (5:31)
9. Eyes Of The Overworld (1:46)
10. Gravity (3:45)
11. Blade Of Wind (5:41)
12. Through The Sunlit Door (3:49)

Gesamtspieldauer: 50:19




„X: The Godless Void And Other Stories“ heißt das zehnte Studioalbum der texanischen Band mit dem außergewöhnlichen Namen And You Will Know Us By The Trail Of Dead, der einem rituellen Gesang der Mayas entnommen wurde. Nachdem das Vorgängeralbum „IX“ bereits im November 2014 erschienen war und Conrad Keely, neben Jason Reece der Hauptprotagonist der Band, im Jahr 2016 sogar sein – ebenfalls hörenswertes – Solo-Debutalbum „Original Machines“ veröffentlicht hatte, war man als Fan der Band durchaus etwas „besorgt“, ob es mit And You Will Know Us By The Trail Of Dead überhaupt noch weitergehen würde. Umso schöner dann die Ankündigung im Jahr 2019, dass Anfang 2020 das zehnte Album der Band erscheinen wird. Am 17. Januar 2020 war es dann soweit, „X: The Godless Void And Other Stories“ erschien auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Mein Favorit in der Discographie der Band ist die 2005er Scheibe „Worlds Apart“, obwohl auch die nachfolgenden Alben für mich überzeugend klangen. Nun also „X: The Godless Void And Other Stories“ und was soll ich sagen, man legt das Album ein und sofort mit den ersten Takten macht sich ein irgendwie vertrautes Gefühl breit. Eine sich wiederholende Frauenstimme, Glöckchengebimmel, mantraartig wiederholte Gebetsformeln und schließlich schwillt die Musik an, sich kraftvoll steigernd, bombastisch und mitreißend, voll und intensiv. Das erinnert unweigerlich an den Einstieg von „Worlds Apart“ mit dem Lied „Ode To Isis“ – und dabei wird nichts kopiert, es ist ein ähnlicher, jedoch immer noch anderer Ansatz.

Und so taucht man ein in das musikalische Universum dieser nicht alltäglichen Band, die ihren Hörerinnen und Hörern so viel zu bieten hat. Dieses Spiel mit den Atmosphären, kraftvoll und zurückhaltend, laut und leise, rockig und sanft. Die Musiker wissen perfekt mit diesen Stimmungen zu spielen und man begibt sich mit dem Hören auf eine musikalische Reise, die keineswegs eintönig, sondern sehr abwechslungsreich verläuft. Dazu hört man wunderschöne Melodien, die bereits beim ersten Mal des Hörens ins Ohr gehen und sich dort festsetzen. „X: The Godless Void And Other Stories“ klingt sehr typisch nach And You Will Know Us By The Trail Of Dead und lässt immer wieder Erinnerungen zu früheren Veröffentlichungen aufkommen, ohne sich dabei selbst zu kopieren.

Fazit: Wer die Musik von And You Will Know Us By The Trail Of Dead mag und sehnsüchtig die neue Veröffentlichung erwartete, wird ganz bestimmt nicht enttäuscht werden. Auf „X: The Godless Void And Other Stories“ hört man alles, was diese Band ausmacht und zu einer besonderen Band werden lässt. Mit diesem Album startet das musikalische Jahr 2020 besonders gut. Das Warten auf „X: The Godless Void And Other Stories“ hat sich definitiv gelohnt. Rock, der manchmal bis in die progressive Schiene hineinreicht und vom ersten bis zum letzten Akkord überzeugt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Gravity, Blade Of Wind



Freitag, 17. Januar 2020

Popol Vuh – Hosianna Mantra




Popol Vuh – Hosianna Mantra


Besetzung:

Florian Fricke – piano, cembalo
Conny Veit – e- & 12-string guitar
Robert Eliscu – oboe
Djong Yun – soprano
Klaus Wiese – tamboura


Gastmusiker:

Fritz Sonnleitner – violin


Label: BMG


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Psychedelic Rock, Krautrock


Trackliste:

Hosianna Mantra

1. Ah! (4:46)
2. Kyrie (5:23)
3. Hosianna-Mantra (10:11)

Das V. Buch Mose

1. Abschied (3:16)
2. Segnung (6:07)
3. Andacht (0:47)
4. Nicht hoch im Himmel (6:18)
5. Andacht (0:46)

Bonus Track:

9. Maria (Ave Maria) (4:29)

Gesamtspieldauer: 42:07



Nach dem zweiten Album „In den Gärten Pharaos“ war Schluss mit weltlicher Musik für Florian Fricke, Komponist und einziges festes Mitglied bei Popol Vuh. Er wandte sich nun ganz den sakralen Themen mit seiner Musik zu. So heißt das dritte Studioalbum von Popol Vuh „Hosianna Mantra“ und dementsprechend klingt auch diese Platte, die ursprünglich im Jahr 1972 erschien, nun in remasterter Form auf dem Plattenlabel BMG wiederveröffentlicht wurde.

Auf „Hosianna Mantra“ hört man keine Pop- und Rock-Musik mehr. Zu behaupten, das Gehörte wäre sakrale Musik wäre freilich sehr übertrieben. Das Ganze erinnert und klingt etwas an etwas lebhaftere Ambient Sounds, die zum Teil mit Gesang versehen wurden. In diesem Fall ist das die Stimme der Djong Yun, die zumeist sehr hoch und oftmals nur gehaucht singt. Melodiös und harmonisch klingt die Musik von Popol Vuh ebenfalls auf „Hosianna Mantra“. Doch hier von eingängigen Melodien zu sprechen, würde das Wesen der Lieder nicht ganz treffen. Es sind eher angenehme Harmonien, die Florian Fricke häufig dem Piano entlockt. Ansonsten ist es eine etwas verklärt klingende E-Gitarre, die den Sound der Lieder bestimmt.

Es fällt schwer Höhepunkte der Scheibe zu benennen, da keines der Lieder deutlich über den anderen steht oder gar heraussticht. Umgekehrt gilt dasselbe, keine der Nummern auf „Hosianna Mantra“ fällt gegenüber den anderen großartig ab. Es ist die Gesamtheit der Stücke, die dieses Album ausmacht, welches sanft, weich und irgendwie entrückt aus den Boxen zu schweben scheint.

Fazit: Ganz besondere Musik ist auf „Hosianna Mantra“ von Popol Vuh zu hören. Musik, die die ganze Aufmerksamkeit der Hörerin beziehungsweise des Hörers erfordert. Kein Pop, kein Rock, sanfte Musik mit hohem Gesang, etwas in Richtung Ambient schwebend. In einer kirchlichen Messe hört man dies allerdings auch nicht so. Viel eher erinnert dieses Album an Filmmusik. Oder doch nicht? Sanft und melodiös klingt sie allerdings, darauf lässt sich einigen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Abschied, Nicht hoch im Himmel



Mittwoch, 15. Januar 2020

Bent Knee – Say So




Bent Knee – Say So


Besetzung:

Ben Levin – guitar, vocals
Chris Baum – violin, vocals
Courtney Swain – lead vocals, keyboards
Gavin Wallace-Ailsworth – drums
Jessica Kion – bass, vocals
Vince Welch – synthesizer, sound design


Gastmusiker:

Andy Bergman – alto saxophone, clarinet
Ben Swartz – cello
Bryan Murphy – trumpet
Geni Skendo – flute, shakuhachi
Geoff Nielsen – trombone
James Dineen – voice acting
Keith Dickerhofe – cello
Nathan Cohen – violin
Sam Morrison – baritone saxophone
Rebecca Hallowell – viola


Label: Cuneiform Records


Erscheinungsjahr: 2016


Stil: Art Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. Black Tar Water (3:29)
2. Leak Water (4:41)
3. Counselor (5:50)
4. EVE (9:12)
5. Interlude (0:49)
6. The Things You Love (6:12)
7. Nakami (5:20)
8. Commercial (3:44)
9. Hands Up (5:40)
10. Good Girl (6:43)

Gesamtspieldauer: 51:43




„Say So“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Art-Rock-Band Bent Knee. Es ist die erste Platte der Band, die bei Cuneiform Records veröffentlicht wurde und erschien auf diesem Plattenlabel am 13. Mai 2016. Auf „Say So“ hört man überaus abwechslungsreichen und spannenden Rock, der irgendwo zwischen den Genres Art Rock und auch Progressive Rock einzuordnen ist.

„Say So“ macht definitiv Spaß und ist spannend, denn niemals und zu keiner Stelle der Platte weiß man, was nun als nächstes passieren wird. Natürlich gibt sich dieses Gefühl mit den weiteren Durchläufen der Scheibe, spannend bleibt diese jedoch auch weiterhin. Überraschende Liedverläufe, abwechslungsreich bis ins Detail, schöne Melodien und mit Courtney Swain eine Sängerin, die ihre Stimme wunderbar variabel einsetzt. Mal klagend, mal einfach nur relativ „normal“ singend, lasziv, dann wieder verzweifelt oder sich all den Frust dieser Welt aus der Seele schreiend. Zu jeder Zeit und in jeder Akzentuierung klingt das überzeugend und einnehmend und in Verbindung zur mitunter an mancher Stelle fast schon experimentell klingenden Musik sehr gelungen.

„Black Tar Water“, „Leak Water“, „EVE“ und „The Things You Love“ heißen die Höhepunkte auf „Say So”, doch es sind im Grunde genommen alle zehn Titel, die hier Erwähnung finden müssten. Dieses Album ist ein Gesamtereignis, welches oftmals nicht massentauglich und mit kaum einem Lied radiotauglich klingt. Doch es sind gerade diese besonderen Lieder, in die man sich ohne Zweifel erst hineinhören muss, die das Album zu einer sehr überzeugenden Platte werden lassen. Dann werden die Melodien zu Freunden, die sich vorher noch kryptisch und gar nicht so harmonisch gaben.

Fazit: Art Rock sehr aktueller Art hört man auf „Say So“, dem dritten Studioalbum der US-amerikanischen Bent Knee. Die Platte quillt zunächst keineswegs vor Harmonien oder knieerweichenden Melodien über, es ist die Gesamtheit, die diese Scheibe ausmacht, die mit jedem Durchlauf wächst und wächst und wächst. Spannende Musik, andere Musik, gesegnet mit einer grandiosen Sängerin. Für alle, die etwas Besonderes suchen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Black Tar Water, Leak Water, EVE, The Things You Love



Montag, 13. Januar 2020

Mott – Shouting And Pointing




Mott – Shouting And Pointing


Besetzung:

Nigel Benjamin – lead vocals, rhythm and acoustic guitars
Ray Major – lead and slide guitars, backing vocals
Morgan Fisher – piano, backing vocals, organ, synthesizer
Pete Overend Watts – bass, backing vocals
Dale "Buffin" Griffin – drums, backing vocals, percussion


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 1976


Stil: Rock, Glam Rock


Trackliste:

1. Shouting And Pointing (4:33)
2. Collision Course (3:26)
3. Storm (5:29)
4. Career (No Such Thing As Rock ‘N’ Roll) (5:26)
5. Hold On, You’re Crazy (4:30)
6. See You Again (4:20)
7. Too Short Arms (I Don’t Care) (3:59)
8. Broadside Outcasts (3:18)
9. Good Times (3:55)

Bonus Track:

10. Too Short Arms (I Don’t Care) (Electric Lady Mix) (4:15)

Gesamtspieldauer: 43:16




„Shouting And Pointing“ heißt das zweite und letzte Album der englischen Band Mott, die davor Mott The Hoople hieß. Das Album wurde ursprünglich am 7. Juni 1976 auf dem Plattenlabel CBS Records in Europa veröffentlicht. In Nordamerika erschien es bei Columbia Records. Weder in England noch in den USA konnte sich die Platte in den Charts platzieren, was schließlich zur Auflösung der Band führte. Vier der fünf Musiker veröffentlichten dann unter dem Namen British Lions noch zwei Alben, die allerdings auch nicht mehr sonderlich erfolgreich liefen.

Die Musik ist nicht ganz so peinlich wie das Cover – immerhin. Im Grunde genommen hatte sich auch dieses Mal nicht viel and der Musik der Band geändert. Erneut und überwiegend etwas härteren Rock mit einem gewissen Glam-Faktor bekommt man auf „Shouting And Pointing“ serviert. Das Problem der neun Titel ist dabei, dass sie absolut austauschbar und unspektakulär klingen. Damit wäre bereits so ziemlich alles über diese Scheibe gesagt, die wie Blei in den Regalen lag und auch von den Kritikern nicht sehr freundlich besprochen wurde. Dabei ist die Musik noch nicht mal schlecht – aber eben langweilig.

Neben einigen biederen Rock’n’Roll-Stücken, die allesamt sehr überholt und belanglos klingen, bleibt von „Shouting And Pointing“ im Grunde genommen das eher langsamere „Career (No Such Thing As Rock ‘N’ Roll)“ hängen, da es ins Ohr geht und damit den Höhepunkt des Albums markiert. Mehr Höhepunkte kann ich auf der Scheibe wahrlich nicht entdecken.

Fazit: Wieder mal ein letztes Album, welches den Abgesang einer Band darstellt. Nach „Shouting And Pointing“ war verständlicherweise Schluss mit lustig – und mit Mott. Erfolglos und langweilig, da lohnte der Aufwand nicht mehr. Wer allerdings Rock’n’Roll mag, der auch mal etwas das Tempo anzieht, die oder der kann hier mal ein Ohr riskieren. Weh tut das Gehörte nicht, jedoch beim Betrachten des Album-Covers, da schüttelt man heute den Kopf. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Career (No Such Thing As Rock ‘N’ Roll)



Samstag, 11. Januar 2020

Damien Jurado – In The Shape Of A Storm




Damien Jurado – In The Shape Of A Storm


Besetzung:

Damien Jurado – acoustic guitar, vocals


Gastmusiker:

Josh Gordon – high-strung guitar


Label: Loose Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Independent Rock, Soft Pop


Trackliste:

1. Lincoln (3:09)
2. Newspaper Gown (2:55)
3. Oh Weather (1:07)
4. South (3:07)
5. Throw Me Now Your Arms (2:27)
6. Where You Want Me to Be (2:10)
7. Silver Ball (2:35)
8. The Shape Of A Storm (2:40)
9. Anchors (2:45)
10. Hands On The Table (4:26)

Gesamtspieldauer: 27:25



In etwa dürfte „In The Shape Of A Storm“ das vierzehnte Studioalbum des US-amerikanischen Musikers Damien Jurado sein. „In etwa“ deshalb, da man sehr leicht den Überblick verliert, denn neben diesen Studioalben wurden Live-Platten, Kompilationen, EPs, Tour-Veröffentlichungen und weitere Platten veröffentlicht, auf denen Damien Jurado mit anderen Musikern zu hören ist. Die Anzahl dieser Veröffentlichungen übersteigt die Zahl 30 bei weitem. Was nun wirklich als Studioalbum zu zählen ist, verschwimmt bei dieser Fülle an Veröffentlichungen ein wenig. „In The Shape Of A Storm“ erschien am 12. April 2019 auf dem Plattenlabel Loose Music.

Die Musik auf dem Album ist relativ einfach zu beschreiben. Man hört auf „In The Shape Of A Storm“ Damien Jurado mit sanfter Stimme zu sanften Klängen der akustischen Gitarre singen. Alles klingt sehr weich, zum Teil fast schon zerbrechlich. Alle Lieder sind im selben Tempo gehalten, dieses ist langsam, die Musik nimmt keine schnellere Fahrt auf. Alle zehn Titel auf „In The Shape Of A Storm“ klingen melodiös und eingängig, gehen ins Ohr, ohne allerdings zu Ohrwürmern zu mutieren. Das klingt nett, jedoch nicht unbedingt begeisternd. Ein großer Nachteil der Scheibe ist zudem die Spieldauer. Alben mit einer Laufzeit von unter dreißig Minuten in der heutigen Zeit noch als Studioalben zu verkaufen bewegt sich irgendwo im Grenzgebiet zwischen „Dreist“ und „in der Vergangenheit stehengeblieben“.

Sanft klingt sie, die Musik des Damien Jurado. Nichts fällt ab, alle Lieder klingen und wirken. Meine Höhepunkte auf „In The Shape Of A Storm“ heißen „Lincoln“ und „South“. Der Ehrlichkeit halber hätte ich an dieser Stelle allerdings wohl aber auch jeden anderen der restlichen acht Nummern aufschreiben können, denn großartig unterscheiden sich die Lieder nicht voneinander. Atmosphärisch überhaupt nicht, musikalisch marginal.

Fazit: Auch das vierzehnte Album des Damien Jurado mit dem Titel „In The Shape Of A Storm“ ist eine sehr ruhige Angelegenheit geworden. Man hört darauf sehr sanfte und weiche Musik, bestehend aus der akustischen Gitarre und dem Gesang des US-Amerikaners. Eingängig klingt das durchaus, allerdings auch wenig unterscheidbar und nach mehreren Durchläufen sehnt man sich irgendwie nach etwas Rhythmus und Tempo. Dazu ist dieses Album wirklich sehr kurz ausgefallen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Lincoln, South



Donnerstag, 9. Januar 2020

Neil Young – Colorado




Neil Young & Crazy Horse – Colorado


Besetzung:

Neil Young – lead vocals, guitar, acoustic piano, vibes, harmonica, glass harmonica
Nils Lofgren – guitar, piano, pump organ, taps, vocals
Billy Talbot – bass, vocals
Ralph Molina – drums, vocals


Label: Reprise Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Rock


Trackliste:

1. Think Of Me (3:02)
2. She Showed Me Love (13:37)
3. Olden Days (4:04)
4. Help Me Lose My Mind (4:14)
5. Green Is Blue (3:48)
6. Shut It Down (3:44)
7. Milky Way (5:59)
8. Eternity (2:45)
9. Rainbow Of Colors (3:35)
10. I Do (5:36)

Gesamtspieldauer: 50:28



„Colorado“ heißt das bereits 39. Studioalbum des kanadischen Sängers und Musikers Neil Young. Es ist das erste Album seit dem Jahr 2012, welches er mit seiner langjährigen Begleitband Crazy Horse eingespielt hat. „Colorado“ erschien am 25. Oktober 2019 auf dem Plattenlabel Reprise Records und ist seinem Manager Elliot Roberts gewidmet, der ihn seit dem Jahr 1967 begleitet hat. Elliot Roberts verstarb am 21. Juni 2019 im Alter von 76 Jahren. Zwei Singles wurden mit den Liedern „Milky Way“ und „Rainbow Of Colors“ aus der Platte ausgekoppelt.

Rockig klingt „Colorado“, weniger folkig, auch wenn diese Ansätze in der Musik des Albums ebenfalls vorhanden sind. Ansonsten ist die Musik des Kanadiers, der alle Lieder schrieb und textete, selbstverständlich wieder sehr Gitarren-lastig. Aber so mag man die Musik des Neil Young auch und genauso erwartet man sie auch. Was ein wenig fehlt auf „Colorado“, das sind die ganz besonderen Nummern, die manchmal aus einem Album herausragen. Handwerklich ist die Musik zwar gut gemacht, allerdings nicht unbedingt mehr besonders. Doch wer erwartet mit dem 39. Album auch noch etwas ganz Besonderes?

Sieht man sich die Titelliste an, fällt natürlich sofort der Track „She Showed Me Love“ ins Auge, der eine Laufzeit von über dreizehneinhalb Minuten aufweist. Die Spannung, welche man vielleicht beim ersten Anspielen dieses Stücks hat, verschwindet allerdings sehr schnell wieder. Irgendwie kommt der Titel nicht aus den Puschen und dieses ewige Wiederholen des Titels des Liedes, „She Showed Me Love“, leider nicht nur gefühlt von der Mitte bis zum Ende der Nummer, erzielt nicht die Wirkung, die es vielleicht erzeugen sollte. Kein wirklich schlechtes Lied, aber etwas zu lang geraten, da der Sinn der Verlängerung nie klar wird.

Höhepunkte auf „Colorado“ sind das kurze, sehr melodiöse und vom Piano dominierte „Green Is Blue“, welches an die Musik des Neil Young in seinen Anfangsjahren erinnert. Ebenfalls sehr lohnend zu hören ist die erste Single-Auskopplung der Platte, das Lied „Milky Way“. Darauf klingt Neil Young so wunderbar entspannt, der ganze Titel ein wenig entrückt – bei einem Lied mit dem Titel „Milchstraße“ vielleicht auch nicht weiter verwunderlich. Schlecht ist keine Nummer auf „Colorado“, wenn auch „Think Of Me“ und „Rainbow Of Colors“ sicherlich nie meine Lieblingslieder werden, da sie ein klein wenig Country-angehaucht klingen.

Fazit: „Colorado“, das 39. Studioalbum des Neil Young, ist keine schlechte Platte geworden – wenn auch nicht der Höhepunkt im Schaffen des Kanadiers. Hört man sich in die Musik etwas ein, wachsen die Lieder und werden einem wichtiger. Ansonsten hört man auf dem Album Neil Young, wie man ihn kennt, an manchen Stellen vielleicht ein wenig rockiger als sonst. Neun Punkte.

Anspieltipps: Green Is Blue, Milky Way



Dienstag, 7. Januar 2020

Rammstein – Rammstein




Rammstein – Rammstein


Besetzung:

Till Lindemann – Gesang
Richard Z. Kruspe – Lead Gitarre, Background Gesang (track 1)
Oliver Riedel – Bass
Paul Landers – Rhythmus Gitarre
Christian Lorenz – Keyboards
Christoph Schneider – Schlagzeug


Gastmusiker:

The Academic Choir and the Symphony Orchestra of the National Television and Radio Company of Belarus, Minsk – Streicher, Chor (Lieder 3 und 6)
Meral Al-Mer – Background Gesang (Lied 1 und 10)
Carla Bruhn – Background Gesang (Lied 11)


Label: Universal Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Neue Deutsche Härte


Trackliste:

1. Deutschland (5:23)
2. Radio (4:37)
3. Zeig Dich (4:15)
4. Ausländer (3:51)
5. Sex (3:56)
6. Puppe (4:33)
7. Was Ich Liebe (4:29)
8. Diamant (2:34)
9. Weit Weg (4:20)
10. Tattoo (4:11)
11. Hallomann (4:11)

Gesamtspieldauer: 46:26



Das selbstbetitelte siebte Studioalbum der deutschen Band Rammstein wurde am 17. Mai 2019 auf dem Plattenlabel Universal Music veröffentlicht. Die Platte ist das erste Studioalbum von Rammstein seit zehn Jahren. Das Album kletterte in mehreren Ländern bis auf Platz 1 der Charts und lief auch im englischsprachigen Raum sehr erfolgreich. Gleichzeitig war es das meistverkaufte Album in Deutschland im Jahr 2019. Die Lieder „Deutschland“, „Radio“ und „Ausländer“ wurden als Single ausgekoppelt, wobei „Deutschland“ zum zweiten Nummer-Eins-Titel in Deutschland für Rammstein wurde. Als erste Single hatte dies das Lied „Pussy“ aus dem Vorgängeralbum „Liebe ist für alle da“ geschafft.

Auch das siebte Album reiht sich – trotz der langen Pause zur vorherigen Veröffentlichung – sehr gut in das musikalische Gesamtkonzept von Rammstein ein. Der ausdrucksstarke Gesang des Till Lindemann, dazu ein Gitarrensound, der oftmals im Metal beheimatet ist, Keyboards, die auch mal ein Techno Thema aufgreifen und eine knallharte Rhythmusfraktion. In Verbindung mit den deutschen Texten ist dies schon etwas Besonderes. Noch besser wird die Musik von Rammstein dadurch, dass fast alle Lieder sehr gut ins Ohr gehen und zum Mitwippen animieren. Das kann lediglich der Fuß sein oder man gibt sich gleich dem exzessiven Headbanging hin – beides in Bezug auf Rammstein-Lieder problemlos möglich.

Rammstein sind auch nach zehn Jahren der Pause eine Marke für sich und besitzen diesen besonderen Wiedererkennungswert. Auf dem Album gibt es kein Lied, welches nicht hörenswert wäre. Ein Höhepunkt der Platte ist für mich das wohl bekannteste Stück darauf, die Nummer „Deutschland“. Richtig cool klingt auch „Puppe“. Der Titel beginnt mit einem irgendwie unheimlich klingenden Anfang, leicht schräg und doch sehr melodiös. Dazu singt Till Lindemann sanft und gleichzeitig wie ein Wahnsinniger, bis das Lied quasi explodiert, Till Lindemann sich auch genauso gebiert und es völlig aus ihm herausbricht. Schließlich hat es mir auch noch das kurze „Diamant“ besonders angetan. Keine Ausbrüche mehr, nur sanfte, sehr melodiöse Musik. Ein kleines Liebeslied von Rammstein.

Fazit: Ein Rammstein Album ist schon irgendwie etwas Besonderes. Auch nach zehn Jahren Pause haben es die fünf Musiker nicht verlernt, beherrschen perfekt dieses Spiel aus Härte und sanfter Atmosphäre, gepaart mit der eingängigen Melodie. Ein paar Höhepunkte wird jeder Fan der Band auf dem Album finden und wohl kaum ein Lied, welches es nicht wert ist gehört zu werden. Gute Unterhaltung Elf Punkte.

Anspieltipps: Deutschland, Puppe, Diamant



Sonntag, 5. Januar 2020

Tool – Fear Inoculum




Tool – Fear Inoculum


Besetzung:

Maynard James Keenan – vocals
Adam Jones – guitar
Justin Chancellor – bass
Danny Carey – drums, synthesizer


Gastmusiker:

Lustmord – waves and water sound effects


Label: RCA Records


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. Fear Inoculum (10:21)
2. Pneuma (11:52)
3. Invincible (12:44)
4. Descending (13:37)
5. Culling Voices (10:05)
6. Chocolate Chip Trip (4:48)
7. 7empest (15:44)

Gesamtspieldauer: 1:19:14



Da ist es also, das fünfte Studioalbum der amerikanischen Rockband Tool. „Fear Inoculum“ heißt es und wurde am 30. August 2019 auf dem Plattenlabel RCA Records veröffentlicht. Es ist das erste Album der Band seit 13 Jahren und wurde von vielen Fans wie Kritikern sehnsüchtig erwartet. Für Aufsehen sorgte gleich mal der Preis dieser Veröffentlichung, der exorbitant hoch ist. Während der Download mit einem „normalen“ Preis versehen wurde, gibt es zwei CD-Fassungen, die sehr wohl aufwendig gestaltet sind. Die Frage ist allerdings, ob diese wirklich vierzig bis achtzig Euro wert sind und ob man es den Käuferinnen und Käufern nicht selbst überlassen sollte, ob sie eine dieser Ausgaben oder eine im einfachen Jewel Case zum gängigeren Preis erwerben wollen. Sei es drum, die Musiker von Tool haben ihren Fans keine Auswahl gelassen, da bleibt dann nur entweder Download oder doch ganz tief in die Tasche greifen. Dies soll von nun an hier jedoch kein Thema mehr sein.

Die Musik auf „Fear Inoculum“ klingt nach Tool, nach Tool und nochmal nach Tool. Schwere Gitarren, intensives Synthesizer-Spiel, cooler Bass, abwechslungsreiches und auch mal schräges Schlagzeug, dazu der Gesang des Maynard James Keenan. Hypnotisierende Instrumentalpassagen, rockende Abschnitte zum Niederknien und Ausflippen und neben all der Härte sehr viel Abwechslung und vor allen Dingen auch Melodien, welche einen packen und in die sich wunderbar eintauchen lässt. Es sind diese langen Instrumental-Passagen, die sich häufig erst mit dem Gesang auflösen, die die Musik von Tool so unverwechselbar machen. Diese harte bis fast kalte Redundanz der Akkorde, die einem immer und immer wieder um die Ohren fliegen, lassen die Musik von Tool einzigartig und besonders werden.

Immer und immer wieder habe ich dieses Album durchgehört. Höhepunkte gibt es gleich sechs an der Zahl. Der siebte Titel dieser Ausgabe, das Lied „Chocolate Chip Trip“ ist eher eine kleine experimentelle Spielerei, eine Auflockerung des gesamten Albums. Kommt allerdings auch über den Status der Spielerei nicht hinaus. Die restlichen sechs Lieder geben und nehmen sich gegenseitig nichts und klingen absolut überzeugend und mitreißend, wenn man denn auch auf „härteren“ Rock steht. Irgendwo im Dunstkreis zwischen Hard Rock und Metal angesiedelt kommt bei all diesen Titeln der progressive Ansatz nicht zu kurz. Liedstrukturen wie man sie kennt, gibt es dabei nicht. Die allesamt über zehnminütigen Stücke entwickeln sich und weisen immer wieder Wendungen auf, die nicht zwangsläufig völlig überraschend auftreten, trotzdem einfach cool klingen.

Fazit: Dreizehn Jahre nach dem letzten Album von Tool erschien endlich „Fear Inoculum“ im August 2019. Musikalisch hat sich das Warten sicherlich gelohnt. Wer die Musik von Tool bisher mochte, die oder der wird auch diese Platte lieben. Progressive Metal in einer seiner besten Ausführungen. Wenn die vier Musiker es nun auch noch hinbekommen das nächste Album zum ordentlichen Preis zu veröffentlichen, dann freut man sich noch ein wenig mehr. Musikalisch einer der Höhepunkte im Jahr 2019. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Alles außer Chocolate Chip Trip



Freitag, 3. Januar 2020

Novalis – Letztes Konzert 1984




Novalis – Letztes Konzert 1984


Besetzung:

Lutz Rahn – Keyboards
Fred Mühlböck – Gesang, elektrische und akustischen Gitarren, Flöte, Variophon
Detlef Job – Elektrische und akustischen Gitarren, Gesang
Hartwig Biereichel – Schlagzeug
Heli Schneider – Bass, Gesang


Label: Vertigo


Erscheinungsjahr: 2009


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Kein Frieden (3:27)
2. Ich hab‘ noch nicht gelernt zu lieben (4:07)
3. Cassandra (3:31)
4. Spazieren im Morgen (3:59)
5. Nimm meine Hand (4:29)
6. Vielleicht bin ich ein Clown (6:37)
7. Über Stock und Stein (4:03)
8. Bumerang (4:50)
9. Mit den Zugvögeln (3:42)
10. Ansage (0:23)
11. Rückkehr (7:48)
12. Fährmann (4:38)
13. Kleinwenig mehr (3:14)
14. Sterntaucher (5:30)
15. Grenzen (7:06)
16. Medley (1. Wer Schmetterlinge lachen hört; 2. Irgendwo, irgendwann) (11:36)

Gesamtspieldauer: 1:19:08




Das letzte Album und gleichzeitig dritte Live-Album der Hamburger Band Novalis erschien im Jahr 2009 und trägt den Titel „Letztes Konzert 1984“. Darauf hört man dementsprechend keine Aufnahmen aus dem 21. Jahrhundert, vielmehr wird den Hörerinnen und Hörern der ursprüngliche Bootleg zum letzten Konzert im Jahr 1984 präsentiert, bei dem auch noch der langjährige Sänger Fred Mühlböck beteiligt war.

Auf „Letztes Konzert 1984“ hört man zum großen Teil dieselben Lieder, die bereits auf dem Live-Album mit dem Titel „Novalis Lebt!“ veröffentlicht worden waren. Dieses erschein im Jahr 1993, ebenfalls bereits Jahre nach der Bandauflösung. Von daher gibt es auf „Letztes Konzert 1984“ nicht mehr viel Lohnenswertes zu entdecken. Die Aufnahmequalität ist akzeptabel, doch die Unterhaltungen der Zuschauer nerven ein wenig. Da es sich jedoch um ein ursprüngliches Bootleg handelt, muss man darüber wohl hinwegsehen.

Auf „Letztes Konzert 1984“ bekommt man eine poppig-rockige Musikmischung geboten, die weder spektakulär noch sonst wie besonders hörenswert wäre. Von der Musik, mit der Novalis Anfang und Mitte der 70er Jahre seine Fans begeisterte, war nichts mehr übrig geblieben. Lediglich die etwas älteren Lieder „Vielleicht bin ich ein Clown“ und „Mit den Zugvögeln“ lohnen noch.

Fazit: Da es schon ein Album mit sehr ähnlicher Playlist gibt und die Musik an sich nicht mehr besonders spannend wirkt und klingt, zudem die Qualität der Aufnahme eher im niederen Bereich angeordnet ist, bleiben nicht viele Gründe dieses Album zu hören. „Vielleicht bin ich ein Clown“ und „Mit den Zugvögeln“ sind gute Lieder, die allerdings auf den Studioalben besser klangen. Nur für eingefleischte Novalis-Fans. Vier Punkte.

Anspieltipps: Vielleicht bin ich ein Clown, Mit den Zugvögeln



Mittwoch, 1. Januar 2020

Big Big Train – Goodbye To The Age Of Steam




Big Big Train – Goodbye To The Age Of Steam


Besetzung:

Ian Cooper – keyboards
Steve Hughes – drums and percussion
Andy Poole – bass, additional keyboards
Martin Read – vocals
Greg Spawton – guitars, additional keyboards


Gastmusiker:

David Longdon – keyboards on “Expecting Dragons” Bonus Track
Nick D'Virgilio – drums on “Expecting Dragons” Bonus Track
Rob Aubrey – backing vocals
Ken Bundy – backing vocals
Gary Chandler – backing vocals
Sally French – backing vocals
Stuart Nicholson – backing vocals
Martin Orford – backing vocals
Mandy Taylor – backing vocals
Steve Christey – windchimes


Label: English Electric Recordings


Erscheinungsjahr: 1994 (Wiederveröffentlichung 2011)


Stil: Progressive Rock, Rock


Trackliste:

1. Wind Distorted Pioneers (3:21)
2. Head Hit The Pillow (5:49)
3. Edge Of The Known World (4:47)
4. Landfall (4:18)
5. Dragon Bone Hill (3:52)
6. Blow The House Down (9:21)
7. Expecting Snow (2:40)
8. Blue Silver Red (10:02)
9. Losing Your Way (7:35)

Bonus Tracks:

Far Distant Thing (1993 Recording, Original auf "The Infant Hercules) (4:35)
Expecting Dragons (New Recording) (7:16)
Losing Your Way (Extended Version) (10:01)

Gesamtspieldauer: 1:13:41



„Goodbye To The Age Of Steam“ heißt das erste Studioalbum der englischen Progressive-Rock-Band Big Big Train. Es wurde im Jahr 1994 auf dem bandeigenen Plattenlabel Giant Electric Pea veröffentlicht. Auf dieser ersten Veröffentlichung der Briten zeigen die Musiker um Greg Spawton, der an allen Kompositionen beteiligt war, wohin die Reise von Big Big Train in den folgenden Jahren gehen würde – zumindest ansatzweise.

Denn gerade zu Beginn der Platte klingt das Gehörte leider noch einigermaßen konstruiert, so als ob die Band noch auf der Suche nach ihrem eigentlichen Stil und Sound wäre. Die Melodien, sonst eine Stärke der Band, zünden ebenfalls noch nicht entsprechend, wollen nicht so ohne Weiteres ins Ohr gehen. Mit dem Instrumentallied „Dragon Bone Hill“ bewegen sich die Musiker dann erstmals auf Pfaden, die sie auf späteren Alben sicher bedienen. Mit der Nummer „Blow The House Down“ erreicht die Platte schließlich auch ihren Höhepunkt. Mit diesem Lied hört man ihn nun, den eingängigen Progressive Rock, der zu diesem Zeitpunkt sogar auch noch mehr rockt. Auf späteren Alben werden diese hier gehörten Melodiebögen und Harmonien die Band sehr gut beschreiben.
Die folgenden drei Titel klingen allesamt, ohne Meilensteine im Schaffen von Big Big Train darzustellen. Packende Passagen wechseln sich hier mit eher langweiligeren Abschnitten ab. Festzuhalten bleibt allerdings auch, dass sich die Qualität der Lieder im zweiten Teil des Albums gesteigert hat, welches nun insgesamt wieder sehr viel lohnender klingt.

Im Jahr 2011 kam es zu einer Wiederveröffentlichung der Platte. „Goodbye To The Age Of Steam“ wurde nun von den Bandmitgliedern remastert, das Albumcover änderte sich. Zudem wurde die Originalausgabe um drei weitere Lieder erweitert. Diese enthält nun zusätzlich das Stück „Far Distant Thing“, welches vom 1993er Demo-Album „The Infant Hercules“ stammt. Schließlich gibt es noch das mit der 2010er Besetzung aufgenommene Stück „Expecting Dragons“ zu hören sowie eine um etwa zweieinhalb Minuten verlängerte Version des Album-Titels „Losing Your Way“ zu hören. Von diesen drei Nummern kann vor allen Dingen das Instrumentalstück „Expecting Dragons“ überzeugen.

Fazit: Ein klein wenig klingt es so, als hätten Big Big Train auf ihrer allerersten offiziellen Platte noch ein wenig „geübt“. Greg Spawton hat für sich und die Band noch nicht den optimalen Weg gefunden. So hört man auf „Goodbye To The Age Of Steam“ Progressive Rock, der weder durch besondere Überraschungen, noch durch einen Überfluss an wunderschönen Melodien auffällt. Deswegen ist die Scheibe jedoch keine schlechte Platte, für Fans der Band sicherlich interessant, allerdings dann doch nicht essentiell in der Diskographie von Big Big Train. Acht Punkte.

Anspieltipps: Blow The House Down, Expecting Dragons



Dienstag, 31. Dezember 2019

Rome – The Dublin Session




Rome – The Dublin Session


Besetzung:

Jérôme Reuter – vocals, acoustic guitar, percussion


Gastmusiker:

Matt Hanaphy – banjo, mandolin, bouzouki
Goshia Gasior – violin
Andy Slowey – bass
Dan Ö’Sullivan – uilleann pipes and whistles
Brian Brody – backing vocals and spoken words


Label: Trisol Music


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Gair Na Lionn (1:47)
2. Antenora (2:28)
3. Evropa Irredenta (4:04)
4. Holy Ennui (2:30)
5. Slash’n‘Burn (3:48)
6. Vaterland (3:18)
7. Mann Für Mann (2:42)
8. Rakes And Rovers (3:30)
9. Matt's Mazurka (1:21)

Gesamtspieldauer: 25:28




„The Dublin Session“ ist das bereits fünfzehnte Studioalbum von Rome, alias Jérôme Reuter und nach „Le Ceneri Di Heliodoro“ sein zweites Album in diesem Jahr. „The Dublin Session“ wurde am 6. Dezember 2019 veröffentlicht und erschien, wie alle Alben des Luxemburgers seit 2009, auf dem Plattenlabel Trisol Music Group.

Jérôme Reuter unternimmt gerne Experimente – so auch auf „The Dublin Session“. Dies bedeutet allerdings nicht, dass der Musiker seinen Hörerinnen und Hörern auf dieser Scheibe experimentelle Musik vorsetzt. Nein, dieses Mal ist es das musikalische Genre, welches ein kleines Experiment in der Diskographie von Rome darstellt. Wie der Name des Albums schon zu vermitteln versucht, hört man auf „The Dublin Session“ stark vom irischen Folk angehauchte Musik. Die Violine und die akustische Gitarre stehen da – neben dem gewohnt sehr einprägsamen und markanten Gesang des Jérôme Reuter – immer im Vordergrund.

Was ist dabei typisch Jérôme Reuter? Nun, das ist die bereits erwähnte, unverwechselbare und tiefe Stimme des Musikers und sein Gespür für die schöne Melodie. Auch auf „The Dublin Session“ erklingt sehr melodische und einprägsame Musik, die sich schnell im Ohr verfängt. Freundinnen und Freunde von Rome werden sicherlich auch dieses Album mögen, wenn sie denn nicht wider Erwarten irischem Folk sehr kritisch gegenüberstehen.

Doch etwas Kritisches gibt es dann doch auch noch anzumerken. Ein Album zum Albumpreis herauszubringen, welches allerdings lediglich eine Laufzeit von etwas über 25 Minuten aufweist, ist in der heutigen Zeit, in der andere Musiker locker die Einstundenmarke mit einem Album reißen, schon sehr gewagt. Wie gesagt, dies hat nichts mit der Musik zu tun, denn die ist gut. Doch manchmal zählt auch das Gesamtpaket.

Fazit: Irish Folk und Rome? Auch das passt, auch dafür hat Jérôme Reuter die passende Atmosphäre und die passenden Melodien parat. Schöne und eingängige Musik gibt es auf „The Dublin Session“ zu hören. Sanfte Musik, die ins Ohr geht. Alles gut also? Fast, denn ein wenig mehr hätte es dann aber doch schon sein dürfen. 25 Minuten Laufzeit sind für ein Album definitiv zu wenig. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Gair Na Lionn, Antenora



Sonntag, 29. Dezember 2019

David Eugene Edwards & Alexander Hacke – Risha




David Eugene Edwards & Alexander Hacke – Risha


Besetzung:

David Eugene Edwards – vocals, guitars
Alexander Hacke – bass, drums, keyboards, sound effects


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsjahr: 2018


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Triptych (4:38)
2. All In The Palm (4:17)
3. The Tell (5:00)
4. Helios (3:30)
5. Kiowa 5 (2:25)
6. Lily (5:33)
7. Parish Chief (2:38)
8. Akhal (2:57)
9. Teach Us To Pray (3:34)
10. Breathtaker (4:24)

Gesamtspieldauer: 39:00



David Eugene Edwards, Sänger, Gitarrist und Songschreiber von 16 Horsepower und Wovenhand sowie Alexander Hacke, ebenfalls Sänger und Gitarrist, dazu noch Bassist unter anderem der Einstürzenden Neubauten haben bereits bei 16 Horsepower und Wovenhand zusammengearbeitet. Auf dem Album „Risha“, welches am 21. Juni 2018 auf dem Plattenlabel Glitterhouse Records veröffentlicht wurde, hört man nun das Ergebnis der Zusammenarbeit beider Musiker – ohne einen weiteren Bandkontext.

„Risha“ ist eine intensive und dunkle Scheibe geworden, die hauptsächlich von der hier transportierten Atmosphäre lebt. Die Musik ist dabei fast schon schwer zu beschreiben, eine Mischung aus allem und nichts. Mal klingt es folkig, dann wieder leicht orientalisch, schließlich nach Ambient, dann etwas experimentell, ein klein wenig nach Americana oder auch ganz leicht poppig und rockig. Gemein ist all diesen musikalischen Stilen, dass sie in der Version von David Eugene Edwards und Alexander Hacke sehr dunkel, fast schon mystisch und öfters etwas verschroben klingen. Keine Allerweltsmusik, ganz gewiss nicht. Besondere Musik, die nicht jede und jeden ansprechen wird und will, da sie ganz weit weg vom Mainstream verläuft. Als Anhaltspunkt könnte allerdings dienen, dass all diejenigen, die die Musik von Wovenhand mögen, auch diese Ausführung der Musik lieben und zu schätzen wissen werden.

Alles auf „Risha“ klingt anders, irgendwie besonders und eben auch düster. Manches Mal durch den Gesang des David Eugene Edwards fast schon mahnend. Höhepunkte sind für mich die beiden Titel „Lily“ und „Parish Chief“. Diese reihen sich allerdings perfekt in das Gesamtkonzept der Düsternis des Albums ein. Warum es dann gerade diese beiden Lieder sind, die an dieser Stelle Erwähnung finden, kann ich selbst kaum beantworten. Im Grunde genommen ist „Risha“ ein Gesamterlebnis mit zehn oder keinem Höhepunkt – das liegt ganz am Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers.

Fazit: Düstere, leicht experimentelle Musik, die viele verschiedene musikalische Stile aufgreift und sie durch eine bestimmte Atmosphäre stimmig miteinander verbindet – das hört man auf „Risha“, dem Album von David Eugene Edwards und Alexander Hacke. Es gibt hier keine Ohrwürmer zu lauschen, Melodien stehen nicht unbedingt im Fokus der Musiker. Es ist die intensive Atmosphäre der Musik, die alles überstrahlt. Spannend. Neun Punkte.

Anspieltipps: Lily, Parish Chief



Freitag, 27. Dezember 2019

Leprous – Bilateral




Leprous – Bilateral


Besetzung:

Einar Solberg – vocals, keyboards
Tor Oddmund Suhrke – guitars
Øystein Landsverk – guitars
Rein Blomquist – bass guitar
Tobias Ørnes Andersen – drums


Gastmusiker:

Ihsahn – vocals on "Thorn"
Vegard Sandbukt – trumpet on "Thorn" and "Painful Detour"


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2011


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. Bilateral (4:00)
2. Forced Entry (10:20)
3. Restless (3:30)
4. Thorn (5:47)
5. Mb. Indifferentia (6:33)
6. Waste Of Air (5:32)
7. Mediocrity Wins (6:07)
8. Cryptogenic Desires (2:45)
9. Acquired Taste (5:13)
10. Painful Detour (8:18)

Gesamtspieldauer: 58:10



„Bilateral“ heißt das zweite Studioalbum der norwegischen Progressive Metal Band Leprous. Das Album erschien am 22. August 2011 auf dem Plattenlabel InsideOut Music. Die Texte auf der Scheibe stammen allesamt von Gitarrist Tor Oddmund Suhrke, für die Musik zeigt sich größtenteils Sänger und Keyboarder Einar Solberg verantwortlich, wobei seine musikalischen Ideen häufig von den beiden Gitarristen Tor Oddmund Suhrke und Øystein Landsverk ergänzt wurden. Sicherlich eine besondere Konstellation, dass der Sänger eher für die Musik, denn für den Text verantwortlich ist.

Auf „Bilateral“ hört man Progressive Rock der häufig „kracht“. Von daher ist das Genre Progressive Metal durchaus gut gewählt. Die einzelnen Lieder klingen abwechslungsreich und wandeln sich zum Teil in deren Verlauf. Einar Solberg singt und schreit die Botschaften der Band nach Leibeskräften hinaus. Dieses Spiel mit Laut und Leise beherrschen die Norweger perfekt und vergessen dabei auch nicht die häufig eingängige Melodie. Vieles auf „Bilateral“ klingt melodiös und geht schnell ins Ohr. Wenn man dann auch noch etwas mit mitunter kompromisslosem Rock anzufangen weiß, findet man auf diesem Album als Hörerin beziehungsweise Hörer eine ganze Menge für sich.

Höhepunkte hat das Album einige zu bieten. Besonders angetan haben es mir die drei Titel „Forced Entry“, „Thorn“ und „Painful Detour“. Alles drei Nummern, die sehr abwechslungsreich aus den Boxen preschen, ohne dabei die ruhigeren Momente zu vergessen. Der Abwechslungsreichtum der Musik wird hier innerhalb der Lieder selbst bereits großgeschrieben, das Spiel mit den Atmosphären perfekt gespielt. Zudem besitzen diese Nummern sehr hörenswerte Melodien, sodass sie zu mitreißenden Stücken und damit eben auch zu den Höhepunkten auf „Bilateral“ werden.

Fazit: Gut gemachten Progressive Metal hört man auf „Bilateral“, dem zweiten Studioalbum der norwegischen Band Leprous. Lieder die rocken, durchaus auch „hart“ klingen und bei denen gleichzeitig die Melodie nicht vernachlässigt wird. Es ist die Abwechslung, die dieses Album ausmacht. Wer Progressive Metal mit allen seinen Eigenschaften mag, wird auch „Bilateral“ von Leprous mögen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Forced Entry, Thorn, Painful Detour