Freitag, 21. Oktober 2011

Kansas – Point Of Know Return





Kansas – Point Of Know Return


Besetzung:

Kerry Livgren – guitars, keyboards
Robbie Steinhardt – violin, viola, vocals
Steve Walsh – keyboards, vocals
Rick Williams – guitars
Dave Hope – bass
Phil Ehart – drums


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Progressive Rock, Hard Rock


Trackliste

1. Point Of Know Return (3:14)
2. Paradox (3:51)
3. The Spider (2:05)
4. Portrait (He Knew) (4:37)
5. Closet Chronicles (6:32)
6. Lightning´s Hand (4:24)
7. Dust In The Wind (3:29)
8. Sparks Of The Tempest (4:19)
9. Nobody´s Home (4:40)
10. Hopelessly Human (7:18)
11. Sparks Of The Tempest (Live) (5:18)
12. Portrait (He Know) (Remix) (4:50)

Gesamtspieldauer: 54:37




1977 veröffentlichte die amerikanische Band Kansas mit „Point Of Know Return“ bereits ihr fünftes Album. Und was man auf diesem Werk zu hören bekommt, ist gut gemachter, amerikanischer, progressiver Rock, bei dem häufig eine Violine die zentrale Rolle spielt.

Das Album beginnt mit dem Titelstück „Point Of Know Return“, eine Nummer die hauptsächlich durch ihr „Tony-Banks-Gedächtnis-Keyboard“ in Erinnerung bleibt. Ansonsten ist das Stück nicht schlecht, fällt allerdings gegenüber den Highlights auf dieser CD ab. Weiter geht es mit „The Spider”, einer Nummer, die zu Beginn sehr an Gentle Giant erinnert und dies in den Passagen auch durchhält, die ohne Gesang auskommen.

Reichlich schräg, in bester Prog-Manier, startet dann „The Spider“. Und das ändert sich bei dem Instrumentalstück auch während seiner gesamten Dauer nicht. Klasse gesetzte Dissonanzen lassen hier immer wieder aufhorchen. „Portrait (He Knew)“ beginnt anschließend ebenfalls wieder wie ein schönes Stück progressiver Musik und wird dann, beim Einsetzen des Gesangs, zu einer richtig guten Rocknummer  mit treibender Rhythmusfraktion und klasse Melodieführung.

„Closet Chronicles”, das fünfte Stück des Albums, fängt mit breitem Orgelsound an und auf diesem Teppich breitet sich dann der Gesang aus. Dann wird es richtig ruhig und sphärisch, der Gesang nimmt sich ebenfalls zurück und schließlich beginnt die „frickelige Phase“, bis das Lied gegen Ende wieder in den Gesangspart übergeht. In den gut sechseinhalb Minuten haben die sechs Mannen von Kansas unglaublich viel hineingepackt, ohne, dass das Ganze irgendwie aufgesetzt oder konstruiert klingen würde.

Etwas langweilig kommt dann zunächst „Lightning´s Hand” daher. Das ändert sich bei diesem Stück erst, wenn die Gitarre zum Solo ansetzt, das ist nämlich klasse. Die Melodieführung beim Gesangspart will allerdings bei mir nicht so recht zünden. Das nächste Stück „Dust In The Wind“ ist dann mit Sicherheit das bekannteste Lied von Kansas überhaupt. Und vom Stil her will es so gar nicht zu den anderen Tracks dieses Albums passen. Macht aber nichts, ich finde es klasse und ich hatte in meiner Jugend einen Freund, der wegen diesem Stück Geige lernen wollte und es auch tat. Was kann ein Lied mehr erreichen?

„Sparks Of The Tempest” beginnt dann gleich wieder sehr viel rockiger und ist phasenweise fast schon funkig. Nicht ganz so mein Ding, die Nummer wird dann im Verlauf allerdings auch wieder sehr viel rockiger, bis hin zum Hard Rock. Wesentlich besser gefällt es mir deswegen allerdings auch nicht.

Zwei wahre Perlen haben sich Kansas für das ursprüngliche Ende des Albums aufbewahrt: „Nobody´s Home“ und „Hopelessly Human“. Bombastisch beginnt „Nobody’s Home“, um dann sofort eine zerbrechlich wirkende Violine ins Zentrum zu stellen. Leise geht es weiter, wenn das Piano und der Gesang einsetzen und es entwickelt sich ein ganz tolles Stück Musik. Wunderschön melodiös wird der Violine sehr viel Platz eingeräumt, sodass das Lied ganz knapp am Gütesiegel „Kitsch“ vorbeischrammt. Aber nein, Kitsch ist das wahrlich nicht, nur eben sehr eingängige und melodiöse Rockmusik. Und gar nicht süßlich, aber wieder genau so unglaublich melodiös geht es dann mit „Hopelessly Human“ weiter. Das letzte und längste Stück auf der Platte vereinigt dann so ziemlich alles, was es zu vereinigen gibt: Langsame, aber auch bombastische Passagen, leise und laute Klänge und ganz viele Ideen. Toll gemacht.

Auf der remasterten Ausgabe befinden sich dann noch zwei Bonustracks. Der erste heißt „Sparks Of The Tempest“, wurde live eingespielt, geht in die Richtung Hard Rock und passt so gar nicht zum Rest der Platte. Und schließlich gibt es noch einen Remix des Stückes „Portrait“, der sich allerdings nicht sooo sehr vom Original unterscheidet.

Fazit: Ein tolles und abwechslungsreiches Album haben Kansas hier vorgelegt, welches in keiner gut sortierten Prog-Plattensammlung fehlen sollte. Wer auf Abwechslung, Prog und wunderschöne Melodien steht, der kann hier rein gar nichts falsch machen. Das sind verdiente elf Punkte.

Anspieltipps: Portrait, Dust In The Wind, Nobody’s Home, Hopelessly Human

Donnerstag, 20. Oktober 2011

The Sensational Alex Harvey Band – The Impossible Dream



The Sensational Alex Harvey Band – The Impossible Dream


Besetzung:


Alex Harvey – lead vocals, harmonica, guitar
Zal Cleminson – guitars, backing vocals
Hugh McKenna – electric piano, organ, grand piano, backing vocals
Chris Glen – bass guitar, backing vocals
Ted McKenna − percussion, backing vocals


Label: Phonogram


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. The Hot City Symphony (13:21)
2. River Of Love (3:16)
3. Long Hair Music (4:43)
4. Hey (0:40)
5. Sergeant Fury (3:32)
6. Weights Made Of Lead (2:41)
7. Money Honey (2:11)
8. Tomahawk Kid (4:38)
9. Anthem (7:56)

Gesamtspieldauer: 42:58




Und auch mit ihrer dritten Veröffentlichung „The Impossible Dream“ kann die Sensational Alex Harvey Band überzeugen. Denn auch auf diesem Album befinden sich wieder sehr gute Songs, gepaart mit sehr viel Abwechslung.

Es beginnt mit dem über 13 Minuten langem Stück „The Hot City Symphony“. Und das Stichwort „Abwechslung“ muss bei diesem Track einfach fallen. Hier finden sich Hard Rock, Progressiv Rock, Big Band Sound und bluesige Abschnitte. Das Lied hat zwei Untertitel; Part 1 – „Vambo“ und Part 2 – „Man in the jar“. Und man hört auf dem Track treibende Parts genau wie fast schon schwebende Teile. Aber genau darin befindet sich auch das Manko dieses Stückes. Hier trifft nämlich das Sprichwort „Zu viele Köche verderben den Brei“ zu. Die einzelnen Teile wissen zwar zu begeistern, allerdings zusammengezogen in einem einzigen Lied, wirkt das Ganze mitunter zusammengestöpselt. Kein schlechter Track, aber doch irgendwie zusammengeschustert.

Es folgt „River of love“, eine schöne, treibende Nummer, in der sich Alex Harvey mit seinem „Lalalala“ zu Beginn der Strophen anscheinend selbst auf die Schippe nimmt. „Long hair music“ langweilt dann ein bisschen. Im Grunde genommen wird hier, ab Mitte des Liedes, nur die Zeile „I can’t get enough of this long hair music“ mit unterschiedlicher Begleitmusik immer wieder wiederholt. „Hey“ ist anschließend eine sehr kurze Spielerei, die nur 38 Sekunden dauert.

Dann folgt mit „Sergeant Fury“ wieder ein Klassiker der Sensational Alex Harvey Band, der ein wenig an Ragtime erinnert. Und auch in diesem Lied hört man die Bandbreite, mit der die Band um Alex Harvey in den 70ern aufwarten konnte. „Weights made of lead“ ist anschließend ein Blues, der vom Frage-und-Antwort-Spiel zwischen Gesang und Gitarre lebt. Schließlich gibt es dann mit „Money Honey / Impossible Dream“ noch eine Coverversion, die mit etwas über zwei Minuten nicht allzu lang ist und auch so keinen Höhepunkt der Platte darstellt.

Dieser Höhepunkt folgt allerdings anschließend mit zwei Gipfeln, denn sowohl das Lied „Tomahawk Kid“ wie auch das sich anschließende „Anthem“ stellen die beiden Highlights der CD dar. „Tomahawk Kid“ ist ein klasse Rocksong mit toller Melodie und schön treibendem Rhythmus. Und „Anthem“, im Anschluss daran, vereinigt alles in sich, was man sich von einer guten „Hymne“ auch wünscht: Eine klasse Melodie sowie das Tragende und die Schwere, welches einem Song mit diesem Titel innewohnen sollte, findet sich hier. Dazu die geniale Steigerung – einfach ein wunderschönes Stück Musik.

Fazit: Neben einigen „Füllern“ weist „The Impossible Dream“ gerade am Ende auch wieder Highlights im Schaffen der Sensational Alex Harvey Band auf. Die CD ist sehr abwechslungsreich und viele verschiedene Stile werden bedient. Manchmal nach meinem Geschmack ein paar Stile zu viel. Trotzdem ist „The Impossible Dream“ ein Album, welches ich nicht missen möchte. Ich gebe der CD neun Punkte.

Anspieltipps: The Hot City Symphony, Tomahawk Kid, Anthem



Mittwoch, 19. Oktober 2011

Golden Earring - Eight Miles High






Golden Earring - Eight Miles High


Besetzung:

Marinus Gerritsen: Bass Guitar, Organ, Piano;
George Kooymans: Guitars, Vocals;
Barry Hay: Flute, Rhythm Guitar, Vocals;
Sieb Warner: Drums and all other Percussion Instruments;


Label: Red Bullet


Datum: 1969


Trackliste:

Landing 4:27
Song Of A Devil’s Servant 6:00
One Huge Road 3:05
Everyday’s Torture 5:19
Eight Miles High 19:00

Gesamtspieldauer: 37:51




Ende der 60er Jahre haben Golden Earring, mit ihrer fünften Veröffentlichung, eine erste sehr experimentelle Platte herausgebracht, die durchaus auch den Progfan begeistern kann. Gleich das erste Lied, „Landing“, beinhaltet den typischen Orgelsound, den man Ende der Sechziger beziehungsweise Anfang der Siebziger unter anderem auch bei Emerson, Lake und Palmer hören konnte. Die Orgel ist bei diesem Lied ganz klar das beherrschende Instrument, wenn auch die Gitarre im weiteren Verlauf an Einfluss gewinnt. Und so ist diese Nummer in ihrer Gesamtheit auch deutlich rockiger, als vergleichbare Stücke von Emerson, Lake und Palmer.

“Song Of A Devil’s Servant” beginnt mit einer schwebenden Querflöte, die im Kopf Bilder einer antiken griechischen Landschaft erzeugt. Schließlich setzt die Akustikgitarre ein und das Ganze wirkt sehr viel schräger, bis dann bei 3:15 Schlagzeug, Bass, Gitarre, Orgel und Gesang die Instrumentierung übernehmen und man sich in einem Rocksong wiederfindet. Klasse hier auch die treibenden Drums von Sieb Warner. „Song Of A Devil’s Servant“ ist ein toller Rocksong, der nicht nur im ersten, etwas sphärischeren Teil sehr nach progressiver Rockmusik klingt.

„One Huge Road“ ist ein kurzes Bluesrockstück, welches in seiner Gesamtheit nicht so überzeugen kann, wie die restlichen Tracks auf dem Album. Es ist mit 3:05 auch das kürzeste Stück und wirkt irgendwie wie ein Füller, da die sonst ehemalige erste Plattenseite mit lediglich sechszehn Minuten einfach zu kurz geworden wäre.

„Eyeryday’s Torture“ ist dann wieder ein Klassiker Golden Earrings aus den späten Sechzigern. Klasse hier der tolle zweistimmige Gesang, den Kooymans hier so wunderschön verzweifelt vorträgt, sodass man ihm seine „Tortur“ sofort abnimmt. Das Stück selbst ist melodiös und etwas härter als die anderen Nummern des Albums und erzeugt eine irgendwie düster gelagerte Stimmung. Ein richtig guter Rocksong.

Dann folgt „Eight Miles High“, das absolute Highlight der Platte. Nicht nur die Dauer von neunzehn Minuten sowie die Zeit des Entstehens lassen auf einen Progsong schließen, an diesem Stück ist alles progressiv. Allerdings geht diese Version des Byrds-Klassikers durchaus auch in die Richtung „Krautrock“ und man könnte sich beim Hören durchaus auch Erke Eroc, Wildsau und Co auf der Bühne vorstellen. „Solar Music“ lässt grüßen. „Eight Miles High“ in der Version von Golden Earring beinhaltet alles: Schwebende Parts, melodiöse Abschnitte, groovige Teile und treibende Parts. Und es beinhaltet auch einen Abschnitt, der bei 8:40 beginnt und „mit Musik gar nichts mehr zu tun hat“, wie mir meine Frau erklärte. Dieser Abschnitt beginnt mit einem Drumsolo, bei dem Sieb Warner alles rauslässt, was ihm gerade auf der Seele liegt. Und dann kommt bei 10:50 der Part, der dem irgendwie „abgefahrenen Teil“ noch die Krone aufsetzt. War es vorher der Drummer, der die Instrumentierung beherrschte, so ist es jetzt Marinus Gerritsen, der ein Basssolo hinlegt, wie man es kaum vorher gehört hat. Dabei wird ein Ton so lange gehalten, dass es schon einer gewissen „Offenheit für Neues“ bedarf, hierin interessante und tolle Musik zu entdecken. Bei 14:50 ist der Spaß vorbei und wir befinden uns wieder in einem treibenden und erneut absolut genialen Stück Musik. Hier gibt es neben vielen „Jaaaaahs und Da, da, das“ klasse Melodien und dann wieder Gestöhne, was etwas an Pink Floyds „Several Species Of Small Furry Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict“ auf Ummagumma erinnert. Gegen Ende des Stücks schließt sich wieder der Anfangsteil an, um das Lied doch noch zu einem harmonischen Ende zu führen.

Fazit: Diese Version von „Eight Miles High“ ist einfach genial und erhält von mir 14 Punkte. „Song Of A Devil’s Servant” und „Everyday’s torture“ sind ebenfalls richtig gute Nummern, die auch noch im zweistelligen Punktebereich liegen, sodass mir das Album summa summarum elf Punkte wert ist.

Anspieltipps: Die erwähnten Stücke: Eight Miles High, Song Of A Devil’s Servant, Everyday’s torture



Dienstag, 18. Oktober 2011

Smoke Fairies – Through Low Light And Trees

 


Smoke Fairies – Through Low Light And Trees


Besetzung:

Katherine Blamire – guitar, vocals, fender rhodes, piano, percussion, rhythmical organ sounds
Jessica Davies – guitar, vocals, concertina, hammond organ, percussion, rhythmical organ sounds


Gastmusiker:

Neil Walsh – viola
Kristofer Harris – bass
Martin Dean – drums
Jenny Blamire – recorder


Label: Cooperative Music


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Folk


Trackliste:

1. Summer Fades (4:12)
2. Devil In My Mind (4:47)
3. Hotel Room (4:12)
4. Dragon (2:37)
5. Erie Lackawanna (4:35)
6. Strange Moon Rising (3:25)
7. Morning Blues (3:39)
8. Storm Song (4:16)
9. Blue Skies Fall (3:05)
10. Feeling Is Turning Blue (3:51)
11. After The Rain (3:17)

Gesamtspieldauer: 41:56




Musik, die nur sehr schwer zu kategorisieren ist, präsentieren uns hier die beiden Musikerinnen der Smoke Fairies, Katherine Blamire und Jessica Davies. Die elf Titel auf dem Album sind durch die Bank weg äußerst melodisch. Aber nicht nur melodisch sind diese Nummern, auch sentimental und melancholisch und manchmal sogar richtig traurig. Und die zwei Britinnen haben lange geübt, bis sie diese Scheibe veröffentlichten, denn bereits als junge Teenagerinnen haben sie zusammen musiziert - nachdem sie sich durch die alten Platten ihrer Eltern haben inspirieren lassen.

„Through low light and trees“ geht zwar in die Richtung einer Folk-Platte, aber richtiger Folk ist das nicht, was man da zu hören bekommt. Vielleicht „sehr melancholischer Folk“? Auf melancholischen Pfaden bewegen sich die beiden Britinnen auf jeden Fall. Unterstrichen wird diese süße Melancholie, die jeder der einzelnen Nummern anhaftet, auch durch die Instrumentierung. Neben der akustischen Gitarre findet sich auch meistens die Viola Neil Walshs, die die jeweilige Stimmung noch bestens unterstreicht.

Und dann ist da noch der schöne, zweistimmige Gesang, der feengleich und süßlich aus den Boxen fließt. Das kann man mit Sicherheit nicht immer hören, aber es gibt genug Momente, wo diese Musik absolut passt und Spaß macht.

Aber vielleicht liegt auch in diesem Punkt das Manko der Smoke Fairies: Ihre Lieder hören sich irgendwie alle sehr ähnlich an. Das beginnt bei der Instrumentierung (Gitarre, Viola), bei der nur das pianolästige „Dragon“ aus dem Rahmen fällt, und endet beim Gesang der beiden Musikerinnen. Der ist zwar immer wunderschön, allerdings auch immer sehr ähnlich.

Fazit: Mit ihrem Erstling „Through low light and trees“ haben die Smoke Fairies ein sehr schönes Debut vorgelegt. Musik für düstere Herbsttage wird auf der CD geboten. Das ist zunächst auch sehr spannend, denn allein der Duett-Gesang hat etwas, was man so noch nicht gehört hat. Bei zu häufigem Hören läuft die Musik allerdings auch Gefahr, ganz schnell langweilig zu werden. Zu langweilig finde ich die CD aber noch nicht, bei mir überwiegt noch die süße Melancholie, deshalb ist mir das Album auch neun Punkte wert.

Anspieltipps: Devil In My Mind, Hotel Room, Strange Moon Rising





Samstag, 8. Oktober 2011

Emerson, Lake & Palmer – Emerson, Lake & Palmer





Emerson, Lake & Palmer – Emerson, Lake & Palmer


Besetzung:

Keith Emerson - keyboards
Greg Lake - vocals, guitar, bass
Carl Palmer - drums


Label: Atlantic Recording Corporation


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Barbarian (4:27)
2. Take A Pebble (12:32)
3. Knife-Edge (5:04)
4. The Three Fates (7:46)
a. Clotho (Royal Festival Organ)
b. Lachesis (Piano Solo)
c. Atropos (Piano Trio)
5. Tank (6:49)
6. Lucky Man (4:36)

Gesamtspieldauer: 41:14 



1970 gründete sich die Formation Emerson, Lake & Palmer. Alle drei Musiker waren zuvor bereits in anderen Bands erfolgreich: Keith Emerson mit „The Nice“, Greg Lake mit „King Crimson“ und Carl Palmer mit „Atomic Rooster“.

41 Jahre hat dieses Album nun bereits auf dem Buckel. 41 Jahre und gleichzeitig ist es das Erstlingswerk dieser Formation. Und was für ein Debut-Album haben die drei Musiker Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer hier geschaffen: Progressive Rockmusik vom Allerfeinsten. Progressive Rockmusik, die auch elf Jahre nach der Jahrtausendwende immer noch begeistert. Zu den einzelnen Stücken: Die Platte beginnt mit dem Instrumentalstück „Barbarian“, einer tollen Nummer, die zunächst von verzerrten Gitarren und dem Orgelspiel Keith Emersons lebt. Dann folgt ein treibender Pianoteil, bis schließlich wieder Orgel und E-Gitarre das Kommando übernehmen. Abgerundet wird das Ganze durch den genial gespielten Drumpart Carl Palmers. Heraus kommt ein Musikstück, welches nur so vor Kraft strotzt.

Und dann schließt es sich schon an, das Überlied auf dem Album: „Take A Pebble“, aus der Feder von Greg Lake. Auf gut zwölfeinhalb Minuten wird hier so viel geboten, was andere Bands noch nicht mal in zwölf verschiedenen Liedern unterbekommen. Das Lied beinhaltet alles: Rock, Klassik, Jazz und Folk. Wunderschöne Melodien, klasse Gesangparts, genial gesetzte Breaks, ruhige wie treibende Passagen, tolle Gitarrenparts, ein klasse Pianosolo und unglaublich viel Atmosphäre. Wirklich ein absolutes Meisterwerk, das niemals langweilig wird und auch heute, nach 41 Jahren, nichts von seiner Magie verloren hat.

Dann folgt „Knife-Edge“. Ein Stück, das wie ein Heavy Metal Song beginnt, dann aber von seinem Spiel mit lauteren und leiseren Passagen lebt. Und hier hört man sie auch wieder, die Drums, wie man sie sich immer wünscht: kraftvoll, manchmal verspielt, aber immer auf den Punkt gesetzt.

Als nächstes gibt es das Stück „The Three Fates“ zu hören. Im ersten Teil, „Clotho“, ist es ein sehr kraftvolles Orgelstück, welches nur von einer leicht verspielten Passage durchbrochen wird. Der zweite Teil „Lachesis“ ist eine wunderschöne Piano-Solo-Nummer, die zum Träumen einlädt. Schließlich folgt der dritte Teil, „Atropos“, der wieder vom Orgelspiel eingeleitet wird. Hier wirkt alles verspielt, zum Teil sogar fast improvisiert. Und in diesem Part gibt es auch die etwas schrägeren Pianoläufe, die ein Stück progressiver Musik immer wieder bereichern.

„Tank“ ist für mich das schwächste Stück auf dem Album. Klasse hier zwar das Schlagzeugsolo Carl Palmers in der Mitte der Nummer, aber mit dem Rest, vorne wie hinten, kann ich nicht mehr ganz so viel anfangen. Das klingt nach reiner Improvisation auf dem Synthesizer, unterstützt vom Bass - ist es aber mit Sicherheit nicht.

Zum Schluss gibt es dann noch den bekanntesten Titel auf dem Album: „Lucky Man“. Das Lied ist eigentlich eine ganz nette Nummer, die aber so überhaupt nicht zum Rest der Platte passt. Trotzdem nicht schlecht, bis bei etwa 3:20 das Synthesizer-Solo einsetzt. Wie mein Vorrezensent schon schrieb: Das wirkt heutzutage unfreiwillig komisch. Ich habe mir die Platte das erste Mal 1987 gekauft – und auch damals klang das Ende des Liedes schon nicht gut…

Fazit: Das erste Emerson, Lake und Palmer Album ist ein absoluter Klassiker und sollte in keiner Rockmusik-Sammlung fehlen. Auf diesem Album wurden die Weichen für viele andere Bands gestellt, die sich davon inspirieren ließen - und es enthält mit „Take A Pebble“ auch noch ein absolutes Überlied. 11 Punkte.

Anspieltipps: Take A Pebble, The Three Fates, Lucky Man





Freitag, 7. Oktober 2011

Emerson, Lake & Palmer – Love Beach


 


Emerson, Lake & Palmer – Love Beach


Besetzung:

Keith Emerson - Klavier, Orgel, Synthesizer
Greg Lake - Gesang, Gitarre, Bass
Carl Palmer - Schlagzeug


Label: Victory Music Inc.


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Pop


Trackliste

1. All I Want Is You (2:34)
2. Love Beach (2:44)
3. Taste Of My Love (3:31)
4. The Gambler (3:21)
5. For You (4:27)
6. Canario (From Fantasía Para Un Gentilhombre) (3:57)
7. Memoirs Of An Officer And A Gentleman (20:15)
a. Prologue / The Education Of A Gentleman
b. Love At First Sight
c. Letters From The Front
d. Honorable Company (A March)

Gesamtspieldauer: 40:49



Es ist kaum zu glauben, was eine Band wie Emerson, Lake & Palmer, die bereits klasse Alben produziert hat, für Ausschussware produzieren konnte. „Love Beach“, das letzte Werk der drei Musiker vor der Trennung, hat meiner Ansicht nach nichts mehr mit progressiver Rockmusik zu tun. Hier höre ich nur noch Popmusik und diese auch nur in ganz, ganz, ganz schlechter Qualität.

Mich würde interessieren, wie die drei Musiker dieses Werk heute sehen. Ob sie sich dafür schämen? Angebracht wäre es. Das beginnt bei dem blöden Titel des Albums „Love Beach“ über ein absolut peinliches Cover und geht nahtlos auf die Musik über. Bei Titeln wie „All I Want Is You“, „Love Beach“ und „Taste Of My Love“ erwartet man auch nicht allzu viel. Und genau das erhält man auch: Billige Popnummern.

Aber auch wenn der Titel nicht gleich darauf schließen lässt, wie bei „The Gambler“ und „For You“, so erhält man doch nur Nummern, die zum einen Ohr reingehen und zum anderen wieder entfleuchen. Und was die schlechte Musik vorgibt, wird durch hanebüchend schlechte Texte noch unterstrichen: Dieses Album scheint unter Zeitdruck und ohne jegliches Interesse am Ergebnis abgeliefert worden zu sein.

Und leider gilt das auch für die letzten beiden Titel, die wohl noch den Anspruch erheben wollen, irgendwie progressiv zu klingen. „Canario“ klingt für mich nach Kirmesmusik und dem Stück haftet ein irgendwie „plastikmäßiger“ Sound an. Anders kann ich dieses Lied nicht in Worte fassen.

Bliebe noch der Zwanzigminüter „Memoirs Of An Officer And A Gentleman“. Auch hier wirkt das Keyboardspiel Emersons billig und belanglos. Diese Art Fanfare, die im ersten Teil des Longtracks jeweils nach den Strophen gespielt wird, nervt nur noch. Der zweite Part „Love At First Sight“ fängt zumindest interessant und schön mit dem Piano an. Wenn Greg Lake dann allerdings dazu singt, verliert das Stück sofort an Glanz. Aber es bleibt festzuhalten, dass bei diesem Teil zumindest die Instrumentalparts überzeugen können. „Letters From The Front“ fängt auch ganz gut an und klingt zunächst wirklich etwas progressiv, aber auch hier gibt es wieder so einen vermaledeiten Fanfarensound, genau wie im letzten Part, der einem den ganzen Spaß nimmt.

Fazit: „Love Beach“ ist für mich mit Abstand das schlechteste Album, welches ich von Emerson, Lake & Palmer kenne. Es wurde Zeit, dass die drei die Band auflösten. Sehr schade, wenn man bedenkt, was diese Musiker davor so alles geschaffen haben. Maximal zwei Punkte sind das hier noch.

Anspieltipps: Memoirs Of An Officer And A Gentleman





 

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Tori Amos – Night Of Hunters

 


Tori Amos – Night Of Hunters


Besetzung:

Tori Amos – vocals, piano


Gastmusiker:

Laura Lucas – flute
Nigel Shore – oboe, english horn
Andreas Ottensamer – clarinet
Peter Whelan – bassoon
Nataschya Hawley – vocals
Apollon Musagète Quartet – strings
Luke Whitehead – contra bassoon
Piotr Skweres – cello
Pavel Zalejski – violin
Bartosz Zachlod – violin
Kelsey Dobyns – vocals


Label: Deutsche Grammophon


Erscheinungsdatum: September 2011


Stil: gesungene Klassik


Trackliste:

1. Shattering Sea (5:41)
2. Snowblind (3:16)
3. Battle Of Trees (8:46)
4. Fearlessness (6:34)
5. Cactus Practice (4:29)
6. Star Whisperer (9:54)
7. Job’s Coffin (3:33)
8. Nautical Twilight (3:20)
9. Your Ghost (5:41)
10. Edge Of The Mmoon (4:54)
11. The Chase (3:03)
12. Night Of Hunters (5:34)
13. Seven Sisters (2:46)
14. Carry (4:07)

Gesamtspieldauer: 1:11:39




Nun, was soll man von diesem neuesten Werk Tori Amos‘ halten? Das fängt schon mit dem Cover an, welches lediglich vom Selbstvertrauen der Künstlerin zeugt. Auf der CD befinden sich dann Werke von Satie, Granados, Chopin, Schubert, Mendelssohn, Schumann, Bach, Mussorgsky, Debussy und und und. Klassische Musik, durch die sich Tori Amos inspirieren ließ. Stücke, die sie variierte und so zu ihren ganz eigenen Werken formatierte. Auf der Platte gibt es kein Schlagzeug und keine E-Gitarre, allerdings steht der Bösendorfer Flügel sowie der Gesang Tori Amos‘ wieder im Zentrum jeder einzelnen Nummer. Und genau das wird denjenigen unter den Hörern gefallen, die sich eine Tori Amos „back to the roots“ gewünscht haben. Auf „Night Of Hunters“ hat es sich ausgepoppt!

Ich gebe es zu, ich tue mich sehr schwer mit verpoppter Klassik. Aber genau das ist hier auf diesem Album nicht passiert. Jedes Stück wirkt so, als ob es im „Hier und Jetzt“, also im 21. Jahrhundert geschrieben worden wäre. Nichts deutet darauf hin, dass der musikalische Ursprung vieler Titel schon mehrere hundert Jahre auf dem Buckel hat. Alles wirkt wie eine Einheit, Tori Amos hat es geschafft, diese Stücke zu ihren Liedern zu machen.

Kein Lied auf der Platte wirkt bombastisch, wie man es vielleicht bei einer klassischen Instrumentierung erwarten würde. Nein, alle Instrumente halten sich dezent im Hintergrund, um der Stimme Tori Amos‘ genug Entfaltungsmöglichkeiten einzuräumen. Vielleicht liegt aber auch gerade in diesem Umstand eine Schwäche der Platte: Die Titel ähneln sich irgendwie. Unterscheiden kann man die Lieder am ehesten, wenn Tori Amos‘ Tochter Natashya Hawley mitsingt. Das ist bei insgesamt vier Titeln der Fall. Zur Zeit der Aufnahme war Natashya zehn Jahre alt – und das hört man auch. Sie übernimmt in diesen vier Nummern die Rolle der Anabelle, einer Göttin, die die Stücke konzeptionell verbindet und in Form einer Gans oder eines Fuchses erscheint. Auf dem Titellied „Night Of Hunters“ wird Tori Amos gesanglich noch durch eine weitere Verwandte unterstützt: Kelsey Dobyns, ihre Nichte, die ihre Sache klasse macht.

Ich wüsste nicht, womit ich dieses Album vergleichen könnte. Die Musik ist sanft, melodiös, beruhigend, melancholisch, sentimental und oftmals auch wunderschön. Schwierig wird es, wenn man die Platte so nebenbei hören möchte, dann bleibt nicht allzu viel hängen. Aber im Herbst, wenn es draußen stürmt und regnet und man es sich kuschelig gemacht hat, entspannen und die Seele baumeln lassen möchte und vielleicht gerade selbst ein wenig melancholisch drauf ist, dann entfacht die Platte ihre Stärke. Also her mit den Herbststürmen und den Taschentüchern…

Fazit: Wer ruhige, getragene Musik mag und auf die Tori Amos zu Beginn ihrer Karriere steht, der wird dieses Album mögen. Mir gefällt es auch – auch weil ich Vergleichbares in dieser Konsequenz bisher noch nicht so gehört habe. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Shattering Sea, Fearlessness, Job’s Coffin, Edge Of The Moon, Seven Sisters



Mittwoch, 5. Oktober 2011

Steven Wilson – Grace For Drowning

 


Steven Wilson – Grace For Drowning


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, keyboards, autoharp, bass guitars, gong, piano, harmonium, percussion
Jordan Rudess – piano
Theo Travis – soprano sax, flute, clarinet
Ben Castle – clarinet
Tony Levin – bass guitar
Nick Beggs – stick, bass guitar
Nic France – drums
Pat Mastelotto – acoustic and electric drums
Markus Reuter – guitar
Trey Gunn – guitar, bass guitar
London Session Orchestra – strings
Steve Hackett – guitars
Synergy Vocals – choir
Dave Stewart – string and choir arrangement
Mike Ovtram – guitar
Sand Snowman – acoustic guitar
Dave Kerzner – sound design


Label: Kscope


Erscheinungsdatum: September 2011


Stil: Independant, Alternativ, Postrock, Prog


Trackliste:

CD1 - Deform To Form A Star

1. Grace For Drowning (2:05)
2. Sectarian (7:41)
3. Deform To Form A Star (7:50)
4. No Part Of Me (5:44)
5. Postcard (4:27)
6. Raider Prelude (2:23)
7. Remainder The Black Dog (9:27)


CD2 - Like Dust I Have Cleared From My Eye

1. Belle De Jour (2:59)
2. Index (4:48)
3. Track One (4:15)
4. Raider II (23:21)
5. Like Dust I Have Cleared From My Eye (8:01)

Gesamtspieldauer: 1:23:01



"Grace For Drowning“ bezeichnet Steven Wilson als sein bisher „größtes Projekt“. Und weiter schreibt er auf seiner Homepage:

„Das Album „Insurgentes“ war ein wichtiger Schritt für mich, hin zu etwas Neuem. Diese Platte nimmt dies als Ausgangspunkt, aber sie ist experimenteller und vielseitiger. Für mich war die goldene Periode der Musik die späten Sechziger und frühen Siebziger, als das Album die wichtigste, künstlerische Ausdrucksmöglichkeit wurde, als sich die Musiker vom 3-Minuten-Popsong-Format befreiten und begannen Jazz und klassische Musik einfließen zu lassen, um diese mit dem psychedelischen Spirit zu kombinieren und eine Soundreise zu kreieren.
Ohne Retro zu sein, ist mein Album eine Art Hommage an diesen Geist. Es gibt alles, von Ennio Morricone mäßiger Filmmusik über Chöre, Piano Balladen, bis hin zu einem 23 minütigen, vom progressiven Jazz inspiriertem Stück. Tatsächlich habe ich dieses Mal mit ein paar Jazz Musikern zusammengearbeitet, die Idee dazu stammt von meiner Arbeit an den Remixen der King Crimson Alben.“

Nun, bei solchen Aussagen steigt der Puls eines Prog-Fans ganz automatisch. Die Frage ist nun, ob diese Ankündigung auch der Veröffentlichung standhält.

CD1 wird eröffnet mit dem Titelstück „Grace For Drowning“. Der Track ist eine ganz ruhige und mit 2:06 Minuten Länge auch sehr kurze Nummer. Instrumentiert wird der Song durch Jordan Rudess am Piano und hauchzart mit Wilsons Keyboardspiel. Ansonsten bleibt zu erwähnen, dass Steven Wilson für den Lalala- und Leileilei-Gesangspart vierzig Gesangsspuren übereinander gelegt hat und so eine Art Chorgesang kreierte. Nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes.

Die zweite Nummer, „Sectarian“, ist nun deutlich „lauter“, abwechslungsreicher und mit knapp siebeneinhalb Minuten auch sehr viel länger als der erste Track. Und bei diesem Stück kommen wir auch sogleich in den Prog-Bereich, der zum Teil jazzig angehaucht ist. Schräge Riffs und Keyboardläufe sind da zu hören, genauso wie bombastische Abschnitte und ein Mittelteil, der fast schon an eine Jazzimprovisation erinnert. Das Instrumentalstück fängt langsam mit der Akustikgitarre an, um dann immer mehr an Fahrt aufzunehmen. Und immer wieder gibt es überraschende Tempo- und Rhythmuswechsel. Mich erinnert dieses Lied in Ansätzen an King Crimson Veröffentlichungen Mitte der 70er Jahre - ohne diese zu kopieren.

„Deform To Form A Star“ heißt die dritte Nummer auf CD1. Dieses Lied ist wieder deutlich ruhiger als sein Vorgänger und sehr melodiös. Das Lied klingt wie ein Porcupine Tree Song, der von seiner Stimmung und Machart her auch gut auf „Lightbulb Sun“ gepasst hätte. Ein richtig schönes Stück Musik.

Elektronisch wird es dann zunächst bei „No Part Of Me“. Das Grundthema wird laufend wiederholt und nur die Begleitung variiert ein wenig, bis Steven Wilson dann bei 1:40 mit dem Gesang einsetzt. Schließlich wird das Stück sogar richtig orchestral, wenn die Streicher sich zur Instrumentierung dazugesellen. Aber noch eine weitere Steigerung wartet auf den Zuhörer. Bei 3:20 wird es schließlich richtig rockig. Klasse hier auch das Saxophon, welches den Sound und die Stimmung perfekt abrundet.

Mit „Postcard“ beweist Steven Wilson dann einmal mehr, dass er einfach ein Gespür für wunderschöne Melodien hat, die er im Laufe eines Liedes sich auch noch weiterentwickeln lässt. Ein ganz tolles, melancholisches Stück ist diese Nummer, die mit Streichern und Chor perfekt instrumentiert wurde. Ein Lied zum Tagträumen.

Es folgt „Raider Prelude“, ein kurzer und sehr düsterer und ruhiger Track, der hauptsächlich von seiner Chororchestrierung lebt und damit Stimmung schafft. Aufgeteilt nach Männern und Frauen, werden hier die „Ooohs“ tieftraurig und schwebend in die Welt hinausgehaucht. Mich erinnert diese Nummer immer wieder ein klein wenig an "Warszawa" von David Bowie.

Das letzte Stück auf CD1 - „Remainder The Black Dog“ - konnte man sich bereits seit längerem auf diversen Videoportalen und auch auf der Homepage Steven Wilsons anhören beziehungsweise ansehen. Diese Nummer geht schon alleine durch den etwas schrägen Pianolauf sofort ins Ohr und wirkt zunächst erneut ziemlich düster bis dunkel. Der Keyboardlauf nach etwa einem Drittel des Tracks erinnert wieder an die frühen 70er Jahre. Und wenn dann das Saxophon einsetzt, ist die Erinnerung an King Crimson erneut gar nicht mehr so abwegig. „Remainder The Black Dog“ lebt von seiner Abwechslung, denn in dem Stück hört man Heavy Metal Gitarren neben leisen Pianoabschnitten, neben wiederum sphärisch schwebenden Passagen – und alles passt klasse zusammen.

CD2 wird durch „Belle De Jour“ eröffnet. Und wenn Steven Wilson im Interview von Filmmusik à la Ennio Morricone spricht, dann hat er bei dieser Aussage bestimmt diesen Song im Kopf gehabt. Und wirklich, bei diesem Stück kann man sich wahrlich eine traurige oder sentimentale Szene in einem Western vorstellen, die durch diese Musik unterstrichen und noch intensiver wird.

Es folgt „Index“. Ein Stück, welches zunächst sehr leise beginnt - so flüstert Steven Wilson fast schon seinen Gesangspart. Eine wunderbare Spannung wird in diesem Stück aufgebaut, die schließlich in einen orchestralen Part mit Streichern mündet. Klasse hier die Hintergrundgeräusche, die an das Knarren der Takelage eines Segelschiffes erinnern. Auch der Gesang selbst trägt in diesem Stück zur Abwechslung bei, da man ihn zum Teil klar und rein, jedoch auch verzerrt hören kann.

„Track One“ konnte man sich ebenfalls bereits seit einiger Zeit samt Video im Internet anhören beziehungsweise ansehen. Ganz zart und zerbrechlich kommt dieses Stück zunächst daher, von der Stimmung am ehesten mit den beiden Porcupine Tree Songs „Heartattack In A Layby“ Und „How Is Your Life Today?“ zu vergleichen. Aber schon kurze Zeit, nachdem man in dieses melancholische Klanggebilde eingetaucht ist, folgt ein ganz und gar verstörender Teil, der einen aus jedem Tagtraum herausreißt. Schließlich klingt das Lied in einem Duett aus akustischer und elektrischer Gitarre langsam aus. Ein richtig guter Song.

Und dann kommt es, „Raider II“, das mit 23 Minuten und 21 Sekunden mit Abstand längste Stück auf dieser Doppel-CD. Es beginnt ganz langsam und ruhig mit Klarinette und Piano, die beide mehr einzelne Töne, als eine zusammenhängende Melodie spielen. Schließlich setzt Wilsons zerbrechlich wirkender Gesang ein und unterstreicht die irgendwie sentimentale Stimmung. Bei 2:50 explodiert der Song dann aber mit schweren Gitarren, Schlagzeug und Chorgesang. Es folgt ein Part mit einem schrägen Querflötensolo, der dann wieder von einem leiseren Teil abgelöst wird. Das ganze Stück wirkt hier sehr verspielt, fast schon improvisiert bis es schließlich wieder in einen sehr melodiösen Teil übergeht. Die Nummer lebt im weiteren Verlauf von den Gegensätzen „laut und leise“, „schräg und melodiös“ und wird dabei nie langweilig. Zur Mitte wird das Stück dann sphärisch und schwebend und entwickelt sich schließlich, bis zum fast schon bombastischen Finale weiter, ehe es leise und erneut sphärisch ausklingt.

“Like Dust I Have Cleared From My Eye” heißt schließlich das letzte Stück auf dem Album. Ein ruhiges Lied, mit einer tragenden Gesangsmelodie, welches zur Mitte hin fast schon bluesig wird. Nach etwas über vier Minuten ist dann allerdings Schluss und das Stück wird über die nächsten vier Minuten sphärisch ausgeblendet. Wenn es auf dieser CD ein Stück gibt, was nicht so recht zünden und begeistern kann, dann am ehesten dieses hier.

Fazit: Ein sehr, sehr abwechslungsreiches Album hat Herr Wilson hier vorgelegt, welches mich persönlich sehr viel mehr packt, als der Vorgänger „Insurgentes“. Wunderschöne Melodien und schräge Parts wechseln sich hier ständig ab und bringen immer wieder Abwechslung. Die CD weiß klasse zu unterhalten und es befinden sich, bis auf die letzte Nummer, keine Ausreißer nach unten auf dem Album. Für mich ein ganz klarer Kauftipp.

Anspieltipps: Deform To Form A Star, No Part Of Me, Postcard, Remainder The Black Dog, Track One, Raider II



Montag, 19. September 2011

New Model Army – Today Is A Good Day

 


New Model Army – Today Is A Good Day


Besetzung:


Justin Sullivan – vocals, guitar
Marshall Gill – guitar
Peter Nice (Nelson) – bass
Dean White – keyboard
Michael Dean – percussion


Label: Attack Attack (Records) Ltd.


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Rock


Trackliste:

1. Today Is A Good Day (4:01)
2. Autumn (4:03)
3. Peace Is Only (3:49)
4. States Radio (4:50)
5. God Save Me (5:25)
6. Disappeared (4:59)
7. Ocean Rising (5:11)
8. Mambo Queen Of The Sandstone City (3:58)
9. La Push (4:36)
10. Arm Yourselves And Run (3:08)
11. Bad Harvest (3:33)
12. North Star (5:21)

Gesamtspieldauer: 52:58 



Es gibt einfach Bands, da kann man einfach nichts falsch machen und man weiß im Voraus, was einen erwartet. „New Model Army“ ist eine solche Formation, bei der man sich bereits, bevor man die CD eingeschoben hat, sicher sein kann, dass einen klasse gemachter Rock, der immer abwechslungsreich und nie langweilig ist, erwartet. Und genau so ist es auf dem elften Studioalbum der Briten, welches 2009 veröffentlicht wurde.

New Model Army lebt vom eindringlichen Gesang Justin Sullivans genauso wie vom untrüglichen Gespür der Band für tolle und eingängige Melodien. Und dieses Gespür beweisen die fünf Briten eindringlich auch auf „Today Is A Good Day“.

Da ist zum Beispiel das Stück „Autumn“, eine wunderschöne, fast schon schwebende Nummer, die auch durch den Chor am Ende sofort ins Ohr geht und dort auch hängenbleibt. Oder aber das Überlied der ganzen Scheibe: „God Save Me“. Schöner und eindringlicher kann Rockmusik überhaupt nicht klingen. Ein 15-Punkte-Lied mit einer unglaublichen Steigerung. Eine der besten, wenn nicht die beste Ballade in der Geschichte der Band.

Dann ist da noch das Stück „Ocean Rising“, was allerdings bereits auf der Soloplatte Justin Sullivans „Navigating By The Stars“ veröffentlicht wurde. Und wahrscheinlich liegt es mal wieder daran, dass einem die Version besser gefällt, die man zuerst gehört hat. Bei mir ist es die auf dem Soloalbum, die ich noch ein wenig klarer, reiner und überzeugender als die Version auf „Today Is A Good Day“ finde. Wer allerdings den Vergleich nicht hat, der wird auch diese, neuere Veröffentlichung lieben. Ein ganz tolles Lied.

Ebenfalls ein klasse Track ist „La Push“. Ein für New Model Army ganz typisches Lied in seiner Instrumentierung und seinem Aufbau. Ein Stück, bei dem man einfach mitwippen muss.

Und so gibt es viel zu entdecken auf dieser CD. Härtere und treibendere Stücke wie „Arm Yourself And Run“, „Bad Harvest“ und „States Radio“ oder aber solch ein Track wie „Disappeared“, der ganz von der Rhythmusfraktion der Band getragen wird. Jedem Stück auf der CD wohnt etwas Besonderes inne und es wird nie langweilig.

Fazit: Wie immer, wenn New Model Army eine CD veröffentlicht, kann man sich als Rockmusik-Fan darauf freuen, die neue Silberscheibe in den CD-Player einlegen zu dürfen. Man wird nicht enttäuscht werden. Genauso verhält es sich auch bei dem elften Album der Band. Auch hier gibt es wieder einige absolute Highlights, neben den soliden, für New Model Army absolut typischen Stücken. Wieder eine New Model Army CD, die den Kauf lohnt und von mir 10 Punkte erhält.

Anspieltipps: Autumn, God Save Me, Ocean Rising, La Push







Sonntag, 18. September 2011

Blind Melon – Blind Melon

 


Blind Melon – Blind Melon


Besetzung:

Shannon Hoon – vocals
Christopher Thorn – guitar
Rogers Stevens – guitar
Brad Smith – bass, backing vocals
Glen Graham – drums, percussion


Label: Capitol Records


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Rock


Trackliste:

1. Soak The Sin (4:01)
2. Tones Of Home (4:27)
3. I Wonder (5:33)
4. Paper Scratcher (3:14)
5. Dear Ol' Dad (3:02)
6. Change (3:42)
7. No Rain (3:37)
8. Deserted (4:21)
9. Sleepyhouse (4:29)
10. Holyman (4:48)
11. Seed To A Tree (3:29)
12. Drive (4:41)
13. Time (6:03)

Gesamtspieldauer: 55:27 




Ein sehr abwechslungsreiches Debut-Album haben die fünf Musiker von „Blind Melon“ da 1992 veröffentlicht. Blues-, Southern Rock-, Folk- und Funk-Elemente lassen sich in den dreizehn, immer abwechslungsreichen Titeln, ausmachen.

Wer auf gut gemachten Gitarrenrock steht, kann mit dieser Platte nichts falsch machen. Und das bekannteste Lied der Band „No Rain“ steht dabei in keinster Weise exemplarisch für den Rest der Musik. Ist „No Rain“ ein eingängiges Stück, was fast schon in die Richtung Pop geht, so sucht man einen ähnlichen Titel vergeblich unter den restlichen Stücken.

Hier findet sich jedoch treibender Rock wie auf dem Opener „Soak The Sin“, dem Stück „Dear Ol' Dad” oder „Deserted“, genauso wie auf dem verhalten beginnenden „.Holyman“. Funkige Anleihen finden sich auf „Tones Of Home“ und auf „Paper Scratcher“, wohingegen die Nummern „I Wonder“, „Change“ oder „Drive“ eher folkig angehaucht sind. Aber die Abwechslung geht noch weiter mit der „Rhythm And Blues-Nummer“ „Seed To A Tree“ und dem etwas experimentelleren „Sleepyhouse“.

Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken und die Silberscheibe wird nie langweilig. Alles passt zusammen und man ist immer wieder gespannt, was die fünf Musiker aus Mississippi als nächstes aus dem Ärmel zaubern.

Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches Debut-Album haben „Blind Melon“ 1992 mit der gleichnamigen Veröffentlichung hier vorgelegt. Die charismatische Stimme des Shannon Hoon, der 1995 mit nur 28 Jahren viel zu früh verstarb, in Verbindung mit geradem Gitarrensound machen das Album immer wieder spannend. Es befindet sich kein schlechter Titel auf dem Album, allerdings fehlen auch irgendwie die Höhepunkte, sodass die Scheibe manchmal ein wenig vor sich hinplätschert. Von mir gibt es dafür acht Punkte.

Anspieltipps: No Rain, Change, Drive, Holyman



Samstag, 17. September 2011

The Sensational Alex Harvey Band – Next






The Sensational Alex Harvey Band – Next


Besetzung:

Alex Harvey – lead vocals, harmonica, guitar
Zal Cleminson – guitars, backing vocals
Hugh McKenna – electric piano, organ, grand piano, backing vocals
Chris Glen – bass guitar, backing vocals
Ted McKenna − percussion, backing vocals


Label: Phonogram


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Rock


Trackliste:

1. Swampsnake (4:54)
2. Gang Bang (4:46)
3. The Faith Healer (7:11)
4. Giddy Up A Ding Dong (3:16)
5. Next (4:02)
6. Vambo Marble Eye (4:19)
7. The Last Of The Teenage Idols/Parts 1-2-3 (5:05)

Gesamtspieldauer: 33:33




“Next” heißt die zweite Veröffentlichung der „Sensational Alex Harvey Band“. Und auch auf diesem Album finden sich wahrlich sensationelle Lieder. Die CD beginnt mit „Swampsnake“, einer Rocknummer, die vor allem durch das Mundharmonikaspiel interessant wird. „Swampsnake“ ist eine schnelle Nummer, ganz nett zum Anhören, allerdings noch nicht das Besondere.

Es geht weiter mit „Gang Bang“, einem Rock’n’Roll Stück, wie es für die „Sensational Alex Harvey Band“ typisch war. Das Piano und die Gitarre sind dabei perfekt aufeinander abgestimmt und Bläser vervollständigen den dichten Sound. Aber auch dieser Song reißt einen nicht unbedingt vom Hocker, was sich allerdings mit dem nächsten Stück sofort ändert.

„Faith Healer“ heißt das Lied und ist wohl das bekannteste Stück der „Sensational Alex Harvey Band“. Hier kam der sogenannte „Totalbug Drone“, ein Rhythmusgenerator zum Einsatz, den ein gewisser Ashton Total entwickelt hatte. Dieser Rhythmusgenerator simulierte einen Bass Sequenzer und erzeugte diesen einmaligen Sound. Das Stück war ursprünglich deutlich kürzer geplant. Aber da das Album neben der LP auch auf Kassette veröffentlicht werden sollte, war es notwendig, beide Seiten der Kassette in etwa gleich lang zu bespielen. So wurde das Intro zu „Faith Healer“ verlängert und heraus kam dieses geniale Lied mit dem sonst nirgendwo anders zu hörenden Sound. Das Stück ist phänomenal gut und wirkt durch seine Instrumentierung und die Wiederholungen richtiggehend meditativ und in Trance versetzend. Ein wahres Meisterwerk der Rockmusik.

„Giddy-Up-A-Ding-Dong“, der nächste Track auf der CD, kann gegen den Vorgänger nur abfallen. Das Stück ist wieder eine Rock’n’Roll-Nummer, die mit ihrem Geklatsche auf mich ein wenig langweilig wirkt.

Aber es wird sofort wieder besser: „Next“. Ein Lied, bei dem es sich um eine Interpretation eines Stücks des Belgiers Jaques Brel handelt. Absolute Klasse hier der Gesang Alex Harveys, der alles aus seiner Stimme herausholt und dabei so schön verzweifelt klingt. Ein wahrlich nicht alltägliches Lied für eine Rockgruppe, welches voll überzeugen kann.

„Weiter geht es mit „Vambo Marble Eye“, einer klasse Rocknummer mit treibendem Rhythmus und einem sehr schönen Gitarrensolo von Zal Cleminson.

Den Abschluss des Albums bildet dann „The Last Of The Teenage Idols“. Genau wie der Name der Band so zeugt auch der Name dieses Titels vom Selbstbewusstsein Alex Harveys. Nun, das Stück ist in allen seinen drei Teilen eine Klasse für sich und gehört ebenso zu den Highlights der Veröffentlichungen der Band. Dass Lied beginnt zunächst schön getragen und ruhig, nur durch Gesang und Piano instrumentiert, um dann im weiteren Verlauf immer mehr an Dynamik zu gewinnen. Ein vor allem im zweiten Teil treibender Rhythmus und eine schöne Melodie lassen dieses Lied sofort ins Ohr gehen.

Fazit: Auch auf ihrer zweiten Veröffentlichung „Next“ präsentiert uns die „Sensational Alex Harvey Band“ wieder einen absoluten genialen Übersong mit „Faith Healer“. Auch sonst lässt sich auf diesem Album einiges entdecken, denn wer auf gut genmachten Rock’n’Roll steht, wird an dieser Scheibe seine wahre Freude haben. Mir ist das Album elf Punkte wert.

Anspieltipps: Faith Healer, Next, The Last Of The Teenage Idols