Montag, 4. Februar 2013

Queen – The Works




Queen – The Works


Besetzung:

Freddie Mercury – vocals, piano, synthesizer
Brian May – guitar, vocals, piano, synthesizer
John Deacon – bass guitar, guitar, synthesizer
Roger Taylor – drums, vocals, guitar, synthesizer


Gastmusiker:

Fred Mandel – piano, synthesizer programming, synthesizer


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Pop


Trackliste:

1. Radio Ga Ga (5:50)
2. Tear It Up (3:29)
3. It's A Hard Live (4:09)
4. Man On The Prowl (3:31)
5. Machines (Or Back To Humans) (5:11)
6. I Want To Break Free (3:21)
7. Keep Passing The Open Windows (5:23)
8. Hammer To Fall (4:29)
9. Is This The World We Created... ? (2:14)

Gesamtspieldauer: 37:36




1984 erschien das elfte Studioalbum der britischen Band Queen. Mit dieser, „The Works“ betitelter Platte, waren die Musiker von Queen endgültig im Mainstream der Radiotauglichkeit angekommen. Der Discoansatz war glücklicherweise wieder verschwunden, dafür gab es nach „Crazy Little Thing Called Love“ aber wieder einen Rock’n’Roll mit leichtem Boogie Woogie Touch zu bestaunen.

Single-Hits wurden die beiden Titel „Radio Ga Ga“ von Roger Taylor und „I Want To Break Free“ aus der Feder John Deacons. Beides Stücke, die schnell ins Ohr gehen und dazu noch mit zwei tollen Videos veredelt wurden. Ersteres lehnte sich an Fritz Langs Film „Metropolis“ an, der 1927 erschien. Beim Video zu „I Want To Break Free“ treten alle vier Musiker in Frauenkleidern auf, wobei dies Roger Taylor am überzeugendsten gelingt und Freddie Mercury als Frau mit Schnurbart auch unvergessen bleiben wird.

Ein weiteres Highlight ist sicherlich auch das letzte Stück des Albums: „Is This The World We Created…?“, welches die Band auch am Ende ihres Auftritts bei Live-Aid 1985 zum Besten gab. Zudem ist es das erste Lied in der Geschichte der Band, bei dem Brian May und Freddie Mercury zusammen als Komponisten aufgeführt werden. Sehr eindringlich klingt dieses Lied, dieses Mal allerdings nicht nur durch die Musik, sondern auch wegen des zum Nachdenken anregenden Textes. Gerockt wird auf “The Works“ allerdings auch wieder. Dafür stehen die beiden May-Titel „Tear It Up“ und „Hammer To Fall“. Vor allem letztgenanntes Stück weiß dabei durchaus zu überzeugen.

Fazit: In gewisser Weise ist „The Works“, trotz seiner Massentauglichkeit, für Queen ein Schritt zeitlich zurück, zu den Wurzeln der Band. Abwechslungsreich ist die Platte natürlich auch wieder, von Soft Pop bis Hard Rock reicht die Palette der Lieder, Disco findet hier glücklicherweise nicht mehr statt. Und auch auf „The Works“ gibt es wieder diese schönen und eingängigen Titel zu erhören, die das Songwriting der Band schon immer auszeichneten. Die Platte kommt zwar längst nicht mehr an die Veröffentlichungen der 70er Jahre heran, ist allerdings durchaus eine musikalische Steigerung zum Vorgängeralbum. Neun Punkte.

Anspieltipps: Radio Ga Ga, It's A Hard Live, I Want To Break Free, Hammer To Fall, Is This The World We Created... ?




Sonntag, 3. Februar 2013

Nektar – Journey To The Center Of The Eye




Nektar – Journey To The Center Of The Eye


Besetzung:

Allan “Taff” Freeman – mellotron, piano, organ, vocals
Roye Albrighton – guitars & vocals
Derek “Mo” Moore – mellotron, bass guitar & vocals
Keith Walters – static slides
Mick Brockett – liquid lights
Ron Howden – drums & percussion


Label: Bellaphon / Bacillus Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Prelude (1:25)
2. Astronaut's Nightmare (6:27)
3. Countenance (3:34)
4. The Nine Lifeless Daughter's Of The Sun (2:55)
5. Warp Oversight (4:10)
6. The Dream Nebula Part One (2:16)
7. The Dream Nebula Part Two (2:27)
8. It's All In The Mind (3:22)
9. Burn Out My Eyes (7:50)
10. Void Of Vision (2:02)
11. Pupil Of The Eye (2:47)
12. Look Inside Yourself (0:54)
13. Death Of The Mind (1:55)

Gesamtspieldauer: 42:02




1969 gründete sich die Band Nektar in Hamburg. Die Engländer zogen nach Hessen und arbeiteten dort an der Veröffentlichung ihres ersten Albums, welches schließlich 1971 unter dem Titel „Journey To The Center Of The Eye“ veröffentlicht wurde. Stilistisch gesehen bewegt sich diese Platte zwischen den Genres Progressive und Psychedelic Rock, wobei die Grenzen hierbei sowieso meist verschwimmen.

Man bekommt als Hörer eine ganze Menge geboten auf „Journey To The Center Of The Eye“. Der Titel des Albums ist hier ein wenig Programm, denn beim Hören der Platte fühlt man sich ein wenig auf die Reise geschickt - wenn auch eher hin „zum Zentrum des Ohres“. Die Musik auf „Journey To The Center Of The Eye“ ist überaus spannend und abwechslungsreich. Laufend „passiert“ etwas Neues, erhört man etwas Überraschendes, Unvorhergesehenes beziehungsweise „Unvorhergehörtes“.

Auf dem Album gibt es wunderschöne melodiöse und harmonische Melodien zu entdecken, genau wie sehr treibende Abschnitte, in denen auf „Teufel komm raus“ gerockt wird. Dann wiederum fühlt man sich schwerelos in die Weiten des Weltalls versetzt und schwebt einer unbekannten Galaxie entgegen. Und schließlich gibt es auch diese kurzen Passagen, in denen sich alles wie eine einzige Kakophonie präsentiert, um dann wieder in Schönheit hinüberzufließen. „Journey To The Center Of The Eye“ ist ein Ausflug, mit einer ganzen Menge an Erlebnissen und Eindrücken, mit schönen Augenblicken - genau wie mit den verstörenden Episoden.

Fazit: Ein tolles Debut der „Engländer aus Deutschland“. Wer progressiven Rock vermischt mit psychedelischer Musik mag, der findet auf „Journey To The Center Of The Eye“ seine Erfüllung. Das Album wächst dabei noch mit jedem weiteren Durchlauf und ist am besten in seiner Gesamtheit zu genießen. Das bedeutet: Einfach von vorne bis hinten durchhören und sich dabei nicht stören lassen, denn „Journey To The Center Of The Eye“ ist ein Trip, der sich lohnt unternommen zu werden. Das Schöne dabei ist, um diese Reise anzutreten, muss man nichts anderes tun, als sich die Kopfhörer aufzusetzen, die Augen zu schließen und ab dafür. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Astronaut's Nightmare, Countenance, The Nine Lifeless Daughter's Of The Sun, It's All In The Mind, Burn Out My Eyes, Void Of Vision, Pupil Of The Eye, Death Of The Mind (Da fehlen noch ein paar Stücke, denn irgendwie ist das alles zusammen ein Stück, welches auch hintereinander gehört werden sollte.)





Samstag, 2. Februar 2013

Sigur Rós – Valtari




Sigur Rós – Valtari


Besetzung:

Jón Þór „Jónsi“ Birgisson – vocals, guitar
Kjartan "Kjarri" Sveinsson – keyboards
Georg „Goggi“ Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums


Gastmusiker:

Strings & String Arrangement (exept "Varúð"): Amiina:
Hildur Ársælsdóttir
Edda Rún Ólafsdóttir
Maria Huld Markan Sigfúsdóttir
Sólrún Sumarliðadóttir

String Arrangements on "Varúð":
Daniel Bjarnason

Strings on "Varúð":
Una Sveinbjarnardóttir
Palina Arnadóttir
Borunn Ósk Marinosdóttir
Margret Arnadóttir
Boigar Magnason

Backing Vocals on "Varúð":
Holmfridur Benediktsdóttir
Hildur F. Havarjurdóttir
Bjorg Gardursdóttir
Sulka B. Svanhuitardóttir
Brynhildur Melot
Hera Eriksdóttir

The Sixteen-Choir on "Dauðalogn" and "Varðeldur"
Eamonn Dougan: Choral Direction on "Dauðalogn" and "Varðeldur"


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Ambient, Post-Rock


Trackliste:

1. Ég Anda (6:15)
2. Ekki Múkk (7:44)
3. Varúð (6:37)
4. Rembihnútur (5:05)
5. Dauðalogn (6:37)
6. Varðeldur (6:08)
7. Valtari (8:19)
8. Fjögur Píanó (7:50)

Gesamtspieldauer: 54:34




Klanggebilde, Atmosphäre, Soundkollage, Meditation, Feen, Stille, Weite, Traurigkeit, Unendlichkeit, Magie, Freiheit, Melancholie, Sentimentalität, Stimmung, Märchen. Das sind alles Nomen, die einem beim Hören des sechsten Albums der Isländer von Sigur Rós spontan einfallen könnten. Ach lieber ein paar Adjektive? Bitteschön: traurig, grau, sphärisch, monoton, sanft, leise, mild, weich, zart, zerbrechlich. Oder doch lieber ein paar Verben? Auch kein Problem: vergehen, träumen, weinen, ruhen, liegen, genießen, aufgehen, wirken, fühlen und spüren.

„Valtari“ ist wahrlich kein einfaches Album geworden. Für viele wird bei den oben genannten Assoziationen noch das Wort „Langeweile“ fehlen, denn das Entstehen dieser Gefühlsregung kann nicht ganz ausgeschlossen werden, wenn man sich das erste Mal dieses Album zu Gemüte führt. „Back To The Roots“, zurück zu den ersten Alben werden sich die vier Musiker gedacht haben. Dieses Ziel wurde erreicht. Kompromisslos. Liederstrukturen, wie sie auf den beiden Vorgängern noch zu hören waren, wurden konsequent über Bord geworfen. „Ambient-Musik“ trifft das inhaltliche Label der Platte wahrlich treffend, denn um nichts anderes handelt es sich hier. Absolut zutreffend auf die letzten Titel, die ohne das gesprochene Wort auskommen, ziemlich nahe an dieser Kategorisierung bei den ersten fünf Nummern, bei denen Jón Þór „Jónsi“ Birgisson wieder seinen unnachahmlichen, an ein kleines Kind (oder eine Fee?) erinnernden Gesang zum Besten gibt.

Die Musik von Sigur Rós entfaltet auch dann immer ihre Stärken, wenn sie repetitiv und redundant wird, wenn ein Thema immer und immer wieder wiederholt wird, gesteigert wird, leicht, bis zum großen Finale variiert wird. Das hört man auf „Valtari“ in Vollendung lediglich im Lied „Varúð“. Ansonsten steht meist nur die Atmosphäre im Mittelpunkt der Lieder. Ohne Struktur, ohne festen Ablauf werden hier Töne angestimmt und es wird ihnen jede Menge Zeit eingeräumt anschließend zu wirken.

Fazit: Keine Lieder, die nach den herkömmlichen Strukturen in der Pop- beziehungsweise Rock-Musik funktionieren, gibt es auf „Valtari“ zu hören. Atmosphärische Musik, der man Aufmerksamkeit und Zeit einräumen muss, damit sie ihre Wirkung vollends entfalten kann. Das Ganze verläuft gefährlich nahe an der Grenze zwischen Langeweile und Entspannung, schlägt aber glücklicherweise doch ein bisschen mehr in die Richtung des träumerischen Genießens aus. Neun Punkte.

Anspieltipps: Ekki Múkk, Varúð, Rembihnútur, Varðeldur




Freitag, 1. Februar 2013

King Crimson – Islands




King Crimson – Islands


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron, harmonium
Mel Collins – flute, bassflute, saxophone
Boz Burrell – bass, vocals
Ian Wallace – drums


Gastmusiker:

Keith Tippett – piano
Paulina Lucas – vocals
Harry Miller – bass
Robin Miller – oboe
Mark Charig – horn


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Formentera Lady (10:16)
2. Sailor's Tale (7:34)
3. The Letters (4:32)
4. Ladies Of The Road (5:35)
5. Prelude: Song Of The Gulls (4:15)
6. Islands (11:54)

Gesamtlaufzeit: 44:07




„Islands“ taufte die englische Band King Crimson ihr viertes Album. In all den Jahren ihres Bestehens, in all ihren Wandlungen und mit all ihren Veröffentlichungen stellt diese Formation um den Gitarristen Robert Fripp für mich die Progressive Band schlechthin dar. Immer wieder wurden hier neue Pfade betreten, etwas Neues ausprobiert, unabhängig vom derzeit herrschenden Musikgeschmack der breiten Masse. Es gibt viele „Inseln“, welche man mit der Musik von King Crimson ansteuern kann. Und „Islands“ ist eine Insel in der Album-Historie der Band geworden, die eine der eingängigsten Platten darstellt – obwohl das Album gleichzeitig auch immer wieder verstörend auf den Zuhörer wirken kann. Dieser Umstand, macht diese 1971 veröffentlichte Platte jedoch genau zu dem spannenden Album, welches es letztlich geworden ist. Das gibt es nicht so oft in einer Welt, in der Lieder meist aus Strophe und Refrain und vielleicht noch einem Solo bestehen, dass die Dramaturgie der Musik, der des Textes angepasst wurde. Nur sehr selten werden zum Beispiel außerhalb des King Crimson Kosmos, in ein und demselben Lied, so melodiöse Abschnitte mit solch atonalen und „lauten“ Passagen kombiniert, wie auf dem unglaublich spannenden „The Letters“. Hier ist es so, dass sich die Musik dem Text angleicht. Das gesungene Wort ist in diesem Lied wahrlich sehr verstörend und genau dieser Gegebenheit passt sich die Musik an. „The Letters“ ist dazu nicht das einzige Beispiel. Solch unterschiedliche Abschnitte gibt es auch bei „Ladies Of The Road“, bei dem alles zwischen Free Jazz und lieblichen Beatles-Weisen hin- und herzupendeln scheint.

Ganz anders, durchgehend sehr melodiös, präsentiert sich „Prelude: Song For The Gulls“. Ein Kammermusikstück, instrumentiert mit jeder Menge Streicher und Oboe. Fast schon herzzerreißend schön. Richtig gut gelungen ist auch gleich der Beginn des Albums: „Formentera Lady“. Eine sehr ruhige Nummer, hauptsächlich akustisch mit Bass, Gitarre und Flöte instrumentiert. Aber es wäre nicht King Crimson zu hören, wenn dies über die zehn Minuten so andauern würde. Im weiteren Verlauf des Stückes wird es auch wieder deutlich schräger und abgefahrener. Ein Saxophon übernimmt das Heft des Handelns und der Gesang Buzz Burrells wird durch eine Sopranistin ersetzt, die allerdings nur sehr hohe „Aaaahs“ und „Oooohs“ intoniert. Fast fließend gelingt dann der Übergang zu „Sailor’s Tale“, dem schnellsten Stück der Platte. Deutlich rockiger klingt die Band jetzt, es gibt erneut an den Free Jazz erinnernde Abschnitte und gegen Ende wird der Hörer zwischen Symphonie und Kakophonie herumgewirbelt.

Beendet wird das Album mit dem Titellied „Islands“. Gute neun Minuten lang gibt es hier wunderschöne entspannte Musik zu hören. Sehr melodisch und harmonisch und eingängig, allerdings alles nur ganz zart und zurückhaltend angespielt. Die letzten zwei Minuten sind dann, nach einer kurzen Pause, Tonstudio-Geräusche und Unterhaltungen zwischen den Musikern.

Fazit: Ein größtenteils sehr ruhiges und auch sehr bewegendes Album ist den vier Musikern von King Crimson da im Jahr 1971 gelungen. Hier stimmen Text und Musik überein, ergänzen sich und sind nicht nur Mittel zum Zweck. „Islands“ ist eine sehr intensive und bewegende Scheibe geworden, eine der besten im Katalog von King Crimson. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Formentera Lady, The Letters, Prelude: Song Of The Gulls, Islands





Donnerstag, 31. Januar 2013

Leonard Cohen – Songs Of Love And Hate




Leonard Cohen – Songs Of Love And Hate


Besetzung:

Leonard Cohen – acoustic guitar, vocals


Gastmusiker:

Ron Cornelius – acoustic and electric guitar
Bubba Fowler – banjo, bass guitar, violin, acoustic guitar
Charlie Daniels – acoustic guitar, bass guitar, fiddle
Bob Johnston – piano
Corlynn Hanney – vocals
Susan Mussmano – vocals
The Corona Academy London – children's voices
Michael Sahl – strings on third verse of "Last Year's Man"
Paul Buckmaster – string and horn arrangements


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Folk


Trackliste:

1. Avalanche (5:07)
2. Last Year's Man (6:03)
3. Dress Rehearsal Rag (6:13)
4. Diamonds In The Mine (3:52)
5. Love Calls You By Your Name (5:45)
6. Famous Blue Raincoat (5:16)
7. Sing Another Song, Boys (6:18)
8. Joan Of Arc (6:30)

Gesamtspieldauer: 45:02




„Typisch Leonard Cohen“ möchte man zu diesem dritten Album des Kanadiers sagen, welches 1971 unter dem Titel „Songs Of Love And Hate“ erschien. Die dunkle Stimmung in den Liedern Leonard Cohens herrscht erneut wieder auf der Platte vor, die gleich mit dem Eingangssong „Avalanche“ darauf hinweist, wohin die Reise gehen wird auf diesem Werk: In tiefe Melancholie, in überwiegend traurige Gefühle.

Nichts anderes als Traurigkeit vermitteln nämlich meist auch die anderen Lieder der Platte. Leonard Cohen singt überwiegend sehr tief und sonor, mitunter mit etwas zitternder Stimme, um diese Stimmung, diese Atmosphäre des Albums noch ein wenig mehr zu unterstreichen und zu transportieren. Eine Ausnahme bildet da lediglich der Titel „Diamonds In The Mine“. Country-mäßig angehaucht singt hier Leonard Cohen, wohl absichtlich, ein wenig übertrieben fröhlich, dass es sich sogar fast schon falsch anhört und man glaubt, dass der Sänger jede Sekunde in Lachen ausbricht. Das Lied geht einem nach mehrmaligem Hören sogar noch ein wenig mehr auf den Zeiger, als bei der ersten Berührung.

„Famous Blue Raincoat“ ist wahrscheinlich das bekannteste Lied des Albums und auch eines der bekanntesten Lieder von Leonard Cohen überhaupt. Das liegt allerdings noch nicht einmal an dieser Veröffentlichung hier, sondern an den zahlreichen Cover-Versionen, die von dem Titel im Laufe der Jahre produziert wurden. Eine sehr eindringliche Nummer, die ebenfalls wieder diese tieftraurige Stimmung transportiert. „Sing Another Song, Boys“ wurde live eingespielt, wie man an dem Applaus vor und nach dem Stück hören kann. Dieses Stück ist auch die „flotteste“ Nummer des Albums, welches mit „Joan Of Arc“ genauso melancholisch geschlossen wird, wie es bereits eröffnet wurde.

Fazit: Das Orchester, wenn auch nur sehr zurückhaltend in Lautstärke und Intensität, nimmt einen wichtigen Part auf „Songs Of Love And Hate“ ein. Es macht viele der Titel noch ein klein wenig intensiver, wenn dies überhaupt noch möglich ist bei Leonard Cohens tiefer Stimme und dieser oftmals tieftraurigen Atmosphäre, die über allen Liedern schwebt. Auch der weibliche Hintergrundgesang, der hier vermehrt zu hören ist, trägt zu dieser besonderen Stimmung bei und ist sehr gelungen. Somit ist auch dieses dritte Album des Kanadiers eine konsequente Fortführung seines Schaffens: Lieder für dunkle Novembertage oder aber solche zum melancholischen Träumen, bei denen es sich immer lohnt, auch mal auf den Text zu hören. Zehn Punkte.


Anspieltipps: Avalanche, Love Calls You By Your Name, Famous Blue Raincoat, Joan Of Arc





Mittwoch, 30. Januar 2013

Roger Waters – Amused To Death




Roger Waters – Amused To Death


Besetzung:

Roger Waters – vocals, bass, synthesizers, guitar, 12-string-guitar


Gastmusiker:

Patrick Leonard – keyboards, percussion programming, choir arrangement, vocals, hammond organ, acoustic piano, synthetisers
Jeff Beck – guitar
Alf Razzell – vocals
Geoff Whitehorn – guitar
Andy Fairweather-Low – electric and acoustic rhythm guitars, background vocals
Tim Pierce – guitar
Randy Jackson – bass
Graham Broad – drums, percussion
P.P. Arnold – vocals
Marv Albert – vocals
B.J. Cole – pedal steelguitar
Steve Lukather – guitar
Rick DiFonso – guitar
Bruce Gaitsch – guitar
James Johnson – bass
Luis Conte – percussion
Brian Macleod – snare, hi-hat
John Dupree – string arrangement and conduction
John Pierce – bass
Denny Fongheiser – drums
Steve Sidwell – cornet
Charles Fleischer – tv evangelist
Don Henley – vocals
John "Rabbit" Bundrick – hammond organ
John Patitucci – upright and electric bass
Guo Yi & The Peking Brothers – dulcimer, lute, zhen, oboe, bass
Jeff Porcaro – drums
Rita Coolidge – vocals
Katie Kissoon – background vocals
Doreen Chanter – background vocals
N'Dea Davenport – background vocals
Natalie Jackson – background vocals
Lynn Fiddmont-Linsey – background vocals
Jon Joyce – background vocals
Stan (Laurel) Faber – background vocals
Jim Haas – background vocals
Jessica Leonard – screaming
Jordan Leonard – screaming
Kenneth Bowen – conduction of London Welsh Chorale
Michael Kamen – arrangement and conduction of National Philharmonic Orchestra Limited


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Rock


Trackliste:

1. The Ballad Of Bill Hubbard (4:20)
2. What God Wants, Part I (6:00)
3. Perfect Sense, Part I (4:16)
4. Perfect Sense, Part II (2:51)
5. The Bravery Of Being Out Of Range (4:43)
6. Late Home Tonight, Part I (4:01)
7. Late Home Tonight, Part II (2:13)
8. Too Much Rope (5:47)
9. What God Wants, Part II (3:42)
10. What God Wants, Part III (4:08)
11. Watching TV (6:08)
12. Three Wishes (6:50)
13. It's A Miracle (8:30)
14. Amused To Death (9:07)

Gesamtspieldauer: 1:12:36




„Amused To Death“, das 1992 erschienene Solo-Album Roger Waters, gleichzeitig die bisher letzte Studio-Platte in der Karriere des ehemaligen Pink Floyd Bassisten, ist im Grunde genommen gar kein Musik-Album. „Amused To Death“ ist eine Reise, eine bedrückende musikalische Reise in die Abgründe des Krieges, in die Zweifel des Glaubens, in die Abgestumpftheit des Menschen, in Verlustängste und deren Folgen, die Verlustgefühle und in vieles mehr – wenn dies nur eine nachdenkliche bis traurige Atmosphäre heraufbeschwören kann.

„Amused To Death“ ist eine sehr bewegende Platte geworden, die zusätzlich unglaublich melancholisch und auch verzweifelt wirkt und genau so klingt. Das beginnt gleich mit dem Opener „The Ballad Of Bill Hubbard“, in welchem von einem gewissen Alf Razzell erzählt wird, wie dieser, während des Ersten Weltkrieges, Bill Hubbard irgendwo im Niemandsland sterbend zurücklassen musste. Und auch die weiteren Stücke lockern die Stimmung des Albums nicht wirklich auf. Immer wird gezweifelt, angeklagt, getrauert und resigniert. Nun war auf „The Wall“ wie auf „The Final Cut“, den letzten beiden Pink Floyd Alben, die Roger Waters maßgeblich beeinflusste, schon nicht die „beste Stimmung“. Aber diese Tristesse, dieses Graue und Tieftraurige, welches sich hier auf dieser Platte tummelt, das toppt die Stimmungen auf den Pink Floyd Platten um ein Vielfaches.

Trotzdem und auch gerade deswegen ist „Amused To Death“ ein klasse Album geworden. Die den Liedern zugrunde liegenden Texte sind packend und bewegend, können jedoch durchaus auch ironisch bis sarkastisch oder aber witzig sein. Andererseits liegt es an dieser einfühlsamen, melodischen und ebenfalls ergreifenden Musik, die Roger Waters hier perfekt mit den Aussagen der Lieder verbindet. Die melancholischen Gefühle und Eindrücke werden auf der Platte wunderschön harmonisch transportiert und erzeugen eine angenehme und einnehmende Sentimentalität, die in der Musik so nicht allzu oft anzutreffen ist.

Fazit: „Amused To Death“ ist ein sehr dichtes und stimmiges Album. Dass Roger Waters gute und eingängige Musik schreiben kann, dies bewies er bereits während seiner Zeit bei Pink Floyd. Hier hat er es noch einmal getan. „Amused To Death“ ist das bisher beste Solo-Album Roger Waters. Besser als „The Wall“ oder „The Final Cut“. Ich befürchte allerdings, dass es auch das letzte von ihm ist, denn bald einundzwanzig Jahre sind inzwischen bereits seit der Veröffentlichung verstrichen. „Amused To Death“ ist große Musik, die nur in der Mitte einen kurzen Hänger hat, da dort einige wenige Lieder diese Spannung nicht halten können, sonst aber durchgehend beeindruckt. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Alles und vor allem die letzten vier Stücke.




Dienstag, 29. Januar 2013

Randy Newman – Good Old Boys




Randy Newman – Good Old Boys


Besetzung:

Randy Newman – vocals, acoustic and electric piano, synthesizer


Gastmusiker:

John Platania – electric guitar
Ron Elliott – acoustic guitar
Dennis Budimir – acoustic guitar
Al Perkins – pedal steel guitar
Ry Cooder – bottleneckguitar
Russ Titelman – bass
Willie Weeks – bass
Red Callender – bass
Jim Keltner – drums
Andy Newmark – drums
Bobbye Hall Porter – percussion
Milt Holland – percussion
Glenn Frey – background vocals
Don Henley – background vocals
Bernie Leadon – background vocals


Label: Warner Music Group


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Soft Rock


Trackliste:

1. Rednecks (3:10)
2. Birmingham (2:47)
3. Marie (3:10)
4. Mr. President (Have Pity On The Working Man) (2:47)
5. Guilty (2:36)
6. Louisiana 1927 (2:58)
7. Every Man A King (1:03)
8. Kingfish (2:46)
9. Naked Man (3:12)
10. A Wedding In Cherokee County (3:10)
11. Back On My Feet Again (3:23)
12. Rollin' (2:55)

Gesamtspieldauer: 33:58




Im Grunde genommen stellt das 1974 veröffentlichte, vierte Studio-Album „Good Old Boys“ von Randy Newman eine Fortführung des zwei Jahre zuvor entstandenen „Sail Away“ dar. Allzu viel hat sich musikalisch nämlich nicht verändert. Auch auf „Good Old Boys“ gibt es wieder eingängigen, sehr sanften beziehungsweise weichen Rock zu hören, der wieder gespickt ist mit ironischen, sarkastischen oder zum Nachdenken anregenden Texten.

Obwohl, etwas hat sich doch geändert. Das Album ist zwar erneut sehr „weich“, allerdings durchaus auch ein wenig flotter als sein Vorgänger. Drums und Perkussion kommen jetzt deutlich mehr zum Einsatz, es wird ein bisschen häufiger gegroovt und die Lieder laden immer wieder sogar zum Mitwippen ein. Allerdings ist das, was hier zu hören ist keine Musik, die man heutzutage, vierzig Jahre nach der Entstehung der Songs, mit dem Genre „Rock“ assoziiert. Etwas schnellerer Rock, bezogen auf die bisherigen Veröffentlichungen des Randy Newman ist mit diesem „flotter“ gemeint.

Die näselnde Stimme des Songwriters ist genauso erhalten geblieben, wie die Instrumentierung, die auch hier sehr pianolastig ist, unterstützt durch Gitarre, Bass und immer wieder dem Orchester. Allerdings ist das Songmaterial nicht ganz so gut wie auf „Sail Away“. Da hilft auch kein „immer wieder Hören“ der Scheibe, die Titel sind nicht so eingängig wie auf dem Vorgänger und wollen irgendwie nicht so richtig zünden. So läuft das Album auf dem CD-Player, plötzlich wird es ruhig und man ist überrascht, dass es schon vorbei ist. Hängengeblieben ist da nämlich nichts, alles ist so durchgelaufen, so vorbeigeflossen ohne richtig greifbar gewesen zu sein, um überhaupt hängenbleiben zu können.

Fazit: Das vierte Album, „Good Old Boys“, von Randy Newman ist wahrlich keine schlechte Platte geworden. Irgendwie wirkt das Ganze „unschuldig“. Leider aber zu „unschuldig“, denn die zündenden Melodien fehlen größtenteils und die, die da sind, die wollen einen nicht so richtig packen. Die Texte sind zwar wieder sehr intensiv und intelligent, aber bei Musik kommt es eben größtenteils doch auf die Musik selbst an. Somit bleibt lediglich ein durchschnittliches, meist ruhiges Album. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Guilty, Kingfish, Naked Man




Montag, 28. Januar 2013

Mike Oldfield – QE2




Mike Oldfield – QE2


Besetzung:

Mike Oldfield – electric & acoustic guitars, mandolin, bass, synthesizers, banjo, celtic harp, drum machine, timpani, bass pedals, claptrap, vocoder, syndrums, chair, african drums, spanish guitar, aboriginal rhythm sticks, vocals, marimbas, vibraphone, 2xspeed guitar, bass drum, tambourine, gong, northumbrian bagpipes


Gastmusiker:

David Hentschel – synthesizers, drums, vocals, cs80 steel drums, synthesized french horn, horn arrangement
Mike Frye – african drums, timpani, vocoder, drums, tambourine, hi-hat
Phil Collins – drums
Maggie Reilly – vocals
Tim Cross – piano, synthesizer
Morris Pert – drums
David Bedford – string & choir arrangements
Dick Studt – leader of strings
English Chorale – choir
Raul D’Oliveira – trumpet
Guy Barker – trumpet
Paul Nieman – trombone
Philip Todd – tenor saxophone


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Instrumentalmusik, Pop, Progressive Rock


Trackliste:

1. Taurus 1 (10:17)
2. Sheba (3:33)
3. Conflict (2:52)
4. Arrival (2:50)
5. Wonderful Land (3:38)
6. Mirage (4:41)
7. QE2 (7:38)
8. Celt (3:05)
9. Molly (1:20)


Bonus Tracks:

10. Polka (live) (3:39)
11. Wonderful Land (Single Version) (2:54)
12. Shiva (2012 Reworking Of "Sheba") (3:35)

Gesamtspieldauer: 50:01




Im Jahr 1980 erschien das sechste Studioalbum Mike Oldfields. Auf dieser Platte mit dem Titel „QE2“, ging der Brite den Weg weiter, den er mit dem ein Jahr zuvor erschienenen Album „Platinum“ bereits eingeschlagen hatte: Weg von den seitenfüllenden, über zwanzig Minuten andauernden Titeln, hin zu kürzeren Liedern, die durchaus auch mal in Richtung Pop gehen können.

Mit etwas über zehn Minuten Spielzeit ist die erste Nummer „Taurus 1“ auch gleichzeitig das längste Lied der Platte. Auf späteren Alben sollten auch Fortsetzungen dieses Titels erfolgen, deshalb auch diese „1“ im Namen. Das Stück ist erneut eine schöne Instrumentalnummer im Stile der vorherigen Alben, abwechslungsreich und gelungen und gewinnt vor allem auch durch den Einsatz eines Banjos an Ausdruckskraft. Allerdings ist die Spieldauer, trotz dieser 10:17 Minuten Spielzeit, bereits deutlich reduzierter als bei den vorherigen Instrumentalstücken anderer Alben Mike Oldfields.

Das Titelstück „QE2“, benannt nach dem Kreuzfahrt-Schiff „Queen Elisabeth II“, kommt dem Eingangsstück auf der Platte noch am nächsten. Auf knapp über siebeneinhalb Minuten herrscht hier eine sehr fröhliche und optimistische Stimmung vor, wie sie sonst in den Instrumentalpassagen Mike Oldfields nur selten anzutreffen ist.

„Sheba“ ist ein eingängiger Pop-Song, der sich dadurch auszeichnet, dass der Gesang Maggie Reilly’s in einer Phantasie-Sprache gehalten ist. „Conflict“ ist genauso wie „Arrival“ erneut eine Instrumentalnummer. Letztere beinhaltet zwar viele „Aahs“ und „Lalalas“, gesprochenes Wort wird allerdings nicht widergegeben. Erwähnenswert ist dabei noch, dass es sich hierbei um eine Coverversion des Titels „Arrival“ von ABBA handelt. Auch „Wonderful Land“ ist eine Cover-Version. Dieses Mal eine des gleichnamigen Shadows-Titels aus dem Jahr 1962. Hier übertrifft Mike Oldfield das Original allerdings um Längen. „Wonderful Land“ ist eines der Höhepunkte auf „QE2“.

Auch „Mirage“ ist ein schönes und eingängiges Instrumentalstück. Dies gilt ebenso für „Celt“, allerdings gibt es hier wieder diesen lautmalerischen Gesang zu hören, der nur Silben, jedoch keine sinnvollen Worte wiedergibt. Mit „Molly“ klang das ursprüngliche Album dann ganz ruhig, fast in der Art eines leisen Wiegenliedes aus.

Auch dieses Mal gibt es auf der remasterten Fassung der CD aus dem Jahr 2012 wieder drei Zugaben in Form von Bonus Tracks. „Polka“ ist eine ebensolche, klingt sehr irisch und wurde live eingespielt. Dann gibt es da noch die Single Version von „Wonderful Land“, die sich nicht großartig von der Album-Version unterscheidet. Bliebe schließlich noch „Shiva“. Hier hat Mike Oldfield das Lied noch mal mit seinem eigenen Gesang und etwas Chor-Gesang unterlegt. Klingt ein wenig seltsam.

Fazit: Diese tollen Momente, die die ersten Platten Mike Oldfields auszeichnen, diese gibt es auch noch auf „QE2“. Allerdings nicht mehr in dieser Konzentration und immer wieder gibt es auch mal einen Song oder einen Abschnitt eines Liedes, der nun nicht mehr so richtig überzeugen kann. In seiner Gesamtheit ist aber auch dieses Album, genau wie sein Vorgänger noch gelungen. Wer „Platinum“ mochte, der wird auch an „QE2“ Gefallen finden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Taurus 1, Sheba, Wonderful Land, Mirage, QE2, Celt




Sonntag, 27. Januar 2013

Queen – Hot Space




Queen – Hot Space


Besetzung:


John Deacon – bass guitar, guitar, keyboards
Roger Taylor – drums, vocals, guitar, keyboards
Brian May – guitar, vocals, piano, keyboards
Freddie Mercury –vocals, piano, keyboards


Gastmusiker:

David Bowie – vocals on “Under Pressure”


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Disco, Pop


Trackliste:

1. Staying Power (4:13)
2. Dancer (3:50)
3. Back Chat (4:36)
4. Body Language (4:32)
5. Action This Day (3:38)
6. Put Out The Fire (3:20)
7. Life Is Real (Song For Lennon) (3:31)
8. Calling All Girls (3:52)
9. Las Palabras De Amor (The Words Of Love) (4:32)
10. Cool Cat (3:30)
11. Under Pressure (4:08)

Gesamtspieldauer: 43:43




Mit dem 1982 veröffentlichten Album „Hot Space“ versuchten Queen die Discotheken zu erobern. Und sicherlich gelang ihnen das auch mit ihrem bereits zehnten Studioalbum. Queen-Fans ließ dies allerdings ein wenig sprachlos zurück.

Solch Titel wie „Staying Power“, „Dancer“, „Body Language“ oder „Cool Cat“ erfordern schon sehr viel Toleranz vom Musikfreund, der in den ersten Platten der Band seine Erfüllung fand. Diese vier Titel sind so etwas von grandios schlecht, dass es kaum in Worte zu fassen ist – zumindest wenn man ganz andere Musik erwartet. Nichtsdestotrotz ist es fast schon unglaublich, welcher Stilmix sich auf „Hot Space“ eingeschlichen hat, denn es gibt sie auch hier, diese wahrlich tollen Queen-Lieder, die so gar nichts mit den eben genannten vier Stücken zu tun haben. Auch kaum zu glauben, dass alles hier auf „Hot Space“ von einer Band in einer sehr kurzen Schaffensperiode komponiert worden sein soll.

Nun, nach Disco klingt auch „Back Chat“ ein wenig, jedoch hat das Lied etwas, was es zu einem sehr viel besseren Stück werden lässt, als die anderen Disco-Nummern: Eine gute Melodie, die dieses pseudosoulige Gehabe vollkommen umgeht. Eine Melodie, die sich einprägt und eben auch packen kann. Auch „Under Pressure“ jenes Lied, was aus der Zusammenarbeit mit David Bowie entstand, ist durchaus discotauglich. Allerdings ist die Nummer in ihrer Dramaturgie, ihrem Groove und auch wieder in ihrer Melodie so was von mitreißend, dass man hier auch als Nichttänzer die Füße kaum stillhalten kann. Sicherlich ein Höhepunkt des Albums, wenn nicht sogar der Höhepunkt.

Ganz anders, eher im Gewand früherer Stücke, präsentieren sich „Life Is Real (Song For Lennon)“ und „Las Palabras De Amor (The Words Of Love)“. Hier zeigen Freddie Mercury und Brian May, dass sie ihr Gefühl für tolle und eingängige Melodien noch nicht verloren haben. Die restlichen drei, hier noch nicht genannten Stücke, laufen so mit. Soll heißen, dass sie sicherlich keine Höhepunkte auf dem Album, geschweige denn im Schaffen der Band darstellen, sich aber deutlich positiv von diesen seltsamen Discotiteln abheben.

Fazit: „Hot Space“ stellt für mich ein sehr zerrissenes Album dar. Zerrissen deshalb, weil ich es nicht schaffe, die Platte in einem durchzuhören. Dazu nerven einige der Titel einfach zu sehr und sind kaum auszuhalten. Andererseits gibt es auf „Hot Space“ aber auch Lieder, die das Album lohnenswert machen. Alles sehr uneinheitlich eben. Aber „Hot Space“ stellt letztlich doch das erste richtige Studioalbum Queens dar, dem man das Gütesiegel „Gut“ nicht mehr verleihen kann. Dazu hat sich einfach zu viel „Grottiges“ auf der Platte versammelt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Back Chat, Life Is Real (Song For Lennon), Las Palabras De Amor (The Words Of Love), Under Pressure




Samstag, 26. Januar 2013

Opeth – Heritage




Opeth – Heritage


Besetzung:

Mikael Åkerfeldt – vocals, electric and acoustic guitars, mellotron, grand piano, fx
Fredrik Åkesson – electric rhythm and lead guitars
Martin Mendez – electric and upright bass guitars
Martin Axenrot – drums and percussion
Per Wiberg – hammond b3, mellotron, fender rhodes, wurlitzer and grand piano


Gastmusiker:

Alex Acuña – percussion (on "Famine")
Björn J:son Lindh – flute (on "Famine")
Joakim Svalberg – grand piano (on "Heritage")


Label: Roadrunner Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Progressive Rock, Progressive Metal


Trackliste:

1. Heritage (2:05)
2. The Devil's Orchard (6:40)
3. I Feel The Dark (6:40)
4. Slither (4:03)
5. Nepenthe (5:40)
6. Häxprocess (6:58)
7. Famine (8:32)
8. The Lines In My Hand (3:49)
9. Folklore (8:19)
10. Marrow Of The Earth (4:19)

Gesamtspieldauer: 57:05




Immer wenn auf einem Opeth-Album mal nicht gegrowlt und durchgängig äußerst kräftig gerockt wird, dann haben viele der Heavy-Fans der schwedischen Progressive-Metal-Band ein relativ großes Problem mit dem Output. Das war bereits 2003 bei der Veröffentlichung von „Damnation“ so und ist auch 2011, beim bereits zehnten Studioalbum der Schweden mit dem Titel „Heritage“ der Fall.

Nun das soll auch nicht bedeuten, dass auf der Platte überhaupt nicht gerockt wird. Hört man nur den Beginn wie das Ende des Albums, könnte man dies allerdings meinen. Der Titelsong „Heritage“ führt ganz sanft in das Album mit Piano-Klängen ein, während „Marrow Of The Earth“ den Hörer mit ebenso sanften, hauptsächlich akustischen Gitarrenklängen wieder aus dem Album entlässt. Beide Nummern sind tolle verträumte Stücke, die man von einer Metal-Band so nicht unbedingt erwarten würde.

Aber bereits mit dem zweiten Stück wird ordentlich gerockt. Passend zum Titel „The Devil's Orchard“ schreit der Teufel da, dass Gott tot sei. Dazu gibt es schwere Gitarren, einen dichten Sound und auch eine, dem Klang angepasste Geschwindigkeit. Allerdings ist hier bereits zu erhören, dass auf dieser Platte nichts einfach nur so durchgezogen wird, denn auch auf „The Devil's Orchard“ gibt es zwischendurch sehr viel sanftere Klänge auf die Ohren.

Genau dies ist auch eine Stärke des Albums. Opeth klingen auf „Heritage“ spannend, nie vorhersehbar, immer wieder für eine Überraschung gut. Das Spiel mit den treibenden, lauten Parts und den schwebenden und leiseren Abschnitten ist vollkommen gelungen. Gleich beim nächsten Titel ist dies erneut festzustellen. Mit spanischen Gitarrenklängen wird auf „I Feel The Dark“ begonnen, dann jedoch steigert sich auch dieses Lied in einen kräftigen, sehr viel atonaleren Part, um schließlich wieder ganz leicht und sehr melodiös auszuklingen. Toll gelungen hier auch das Querflötenspiel.

So lebt die Platte von der Abwechslung. Durchgängig sind diese verschiedenen Abschnitte zu hören, die einmal das Ohr umschmeicheln, mit fast schon süßen Klängen, ein anderes Mal rocken, wie es sich für eine „anständige“ Metal-Band gehört. In diesem Wechselspiel der Emotionen scheint man irgendwie auch Steven Wilson herauszuhören, der das Album allerdings lediglich zusammen mit Mikael Åkerfeldt, der alle Lieder schrieb, abgemischt hat. Denn auch gerade die Solo-Alben des Steven Wilson leben sehr vom Zusammenspiel der fordernderen und der sanfteren Passagen, deutlich mehr als die Titel seines Hauptprojekts Porcupine Tree.

Fazit: Das Album macht Spaß und das „Growling“ vermisst man an keiner Stelle der Platte – zumindest ich nicht. Wunderschöne Melodien gibt es hier zu hören und tolle treibende Parts. Das Mellotron wärmt einem das eine und andere Mal das Herz und für solch einen Song wie „Folklore“ muss man Mikael Åkerfeldt einfach dankbar sein. Elf Punkte.

Anspieltipps: Heritage, I Feel The Dark, Häxprocess, Famine, Folklore, Marrow Of The Earth