Sonntag, 25. Mai 2014

Genesis – And Then There Were Three




Genesis – And Then There Were Three


Besetzung:

Tony Banks – piano, organ, mellotron, synthesizers
Phil Collins – lead and backing vocals, drums, percussion
Mike Rutherford – basses, guitars, bass pedals


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock, Pop


Trackliste:

1. Down And Out (5:26)
2. Undertow (4:48)
3. Ballad Of Big (4:50)
4. Snowbound (4:31)
5. Burning Rope (7:10)
6. Deep In The Motherlode (5:16)
7. Many Too Many (3:32)
8. Scenes From A Night's Dream (3:30)
9. Say It's Alright Joe (4:21)
10. The Lady Lies (6:08)
11. Follow You Follow Me (3:57)

Gesamtspieldauer: 53:29




„And Then There Were Three” stellt sicherlich einen Einschnitt in der Musik von Genesis dar. Nicht nur, dass nach Peter Gabriel nun ebenfalls Gitarrist Steve Hackett die Band verlassen hatte, auch die Musik selbst war jetzt einem deutlichen Wandel unterzogen worden. Stand bisher immer der Progressive Rock im Vordergrund, so gibt es diese Ansätze zwar zumindest noch ansatzweise auf diesem neunten Studioalbum der Band zu hören, jedoch ist alles auch mit einem deutlichen und doch auch belanglosen Pop-Einschlag versehen.

Für alle Genesis-Fans der frühen Bandgeschichte war dieses Album natürlich ein wenig enttäuschend. Zwar erinnern immer wieder Passagen an frühere Tage, im Zentrum des Schaffens von Genesis steht jetzt jedoch ganz klar die eingängige Pop-Musik. Nicht weiter überraschend daher auch, dass die Band hier mit „Follow You Follow Me“ einen ersten Erfolg in den Single-Charts erzielte. Hilft allerdings auch irgendwie nichts, denn das Album wirkt auf seine Weise für Fans der früheren Veröffentlichungen überaus belanglos und läuft einfach so durch, ohne irgendwelche großartigen Spuren zu hinterlassen. War da was?

„Undertow” und „Say It's Alright Joe” klingen schon schwer nach dem Singsang und Gesäusel, mit dem Phil Collins kurze Zeit später eine überaus erfolgreiche Solo-Karriere starten sollte. Eingängiger und häufig auch schmachtender Pop, der wahrlich leicht anzuhören ist, oftmals allerdings schon nach kurzer Zeit überaus nervt. Am ehesten in die Richtung der vorherigen Platten geht da noch „Burning Rope“. Aus mehreren Passagen zusammengesetzt, kommt hier zumindest so eine gewisse Stimmung auf, die sich nicht nur beim ersten Hören als einnehmend herausstellt. Kein Vergleich zwar mehr zu den Platten mit Peter Gabriel, trotzdem noch der Höhepunkt des Albums.

Fazit: Schon schade, was aus diesem einstigen Flaggschiff der progressiven Rockmusik geworden war. Radiotaugliches Gedudel wurde nun die Spezialität der Band. Dabei soll hier allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die Verkaufszahlen von Genesis ab jetzt in bisher nicht gekannte Dimensionen vorstießen. Den Massenmarkt hatten sie also erobert, viele Fans der ersten Stunde jedoch verloren – aber letzteres wird die drei Musiker wohl eher weniger tangiert haben. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Burning Rope, Follow You Follow Me, Many Too Many



Samstag, 24. Mai 2014

Mahavishnu Orchestra – The Inner Mounting Flame




Mahavishnu Orchestra – The Inner Mounting Flame


Besetzung:

John McLaughlin – guitar
Rick Laird – bass
Billy Cobham – drums, percussion
Jan Hammer – keyboards, organ
Jerry Goodman – violin


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Jazz Fusion


Trackliste:

1. Meeting Of The Spirits (6:52)
2. Dawn (5:10)
3. The Noonward Race (6:28)
4. A Lotus On Irish Streams (5:39)
5. Vital Transformation (6:16)
6. The Dance Of Maya (7:17)
7. You Know, You Know (5:07)
8. Awakening (3:36)


Bonus Track:

Noonward Race [live] (15:23)

Gesamtspieldauer: 1:01:47




Man soll ja seinen Horizont immer wieder mal erweitern - auch musikalisch. Nun, also her mit John McLaughlins Mahavishnu Orchestra. Anfang der 70er Jahre eingespielt, schon mal ein gutes Zeichen, denn da gab es jede Menge gute Musik zu hören. Okay, Jazz Fusion ist natürlich etwas ganz Spezielles, trotzdem kann man in diversen Foren nachlesen, dass hier durchaus eine gewisse Nähe zum Progressive Rock gegeben ist, eindeutig meine Richtung.

Um es vorweg zu nehmen, man kann mit dieser Musik nicht unbedingt etwas anfangen, wenn man kein begeisterter Jazz-Fan ist. Gefallen zu finden an etwas „schrägeren Tönen“ à la Emerson, Lake & Palmer oder King Crimson hilft da wirklich nicht viel weiter. Man muss als Hörer das Chaos und die Hektik lieben, sonst hat man hier definitiv keine Chance. „Hektik“ ist ein gutes Stichwort, denn das ist diese Art von Musik überaus. Nichts zum Entspannen oder zum Zurücklehnen. Mitunter stellt sich einem auch die Frage, ob die fünf Musiker gerade auch wirklich dasselbe Lied spielen, oftmals scheinen die diversen Töne der einzelnen Musikinstrumente nämlich überhaupt nicht zusammen zu passen. Von Melodiösität kann daher schon mal gar nicht die Rede sein.

Dies gilt für den Großteil der Musik, die oftmals in die Richtung Free Jazz abdriftet - ohne Limits, ohne Strukturen, ohne jegliche Eingängigkeit. Ausnahmen dieses Ablaufs gibt es allerdings auch auf „The Inner Mounting Flame”. Zum einen wäre da der Opener „Meeting Of The Spirits”. Zwar ebenfalls ruhelos und hektisch, jedoch mit Ansätzen, die durchaus auch beim Progressive Rock zu finden sind. „A Lotus On Irish Streams” fällt sogar völlig aus der Rolle. Sanfte Musik, Violine, Klavier und spanische Gitarre bilden hier die ruhende Insel des Albums. Verträumt und melancholisch klingt das, was noch am ehesten für das Ohr des Durchschnittsmusikhörers gedacht ist. Ein schönes Lied. Nun, dann bliebe da lediglich noch „You Know, You Know“. Auch dieser Titel ist sehr ruhig gehalten und wirkt überaus verspielt. Diese Nummer klingt deutlich eher nach progressivem Rock, als nach Free Jazz. Irgendwie eine Wohltat.

Die restlichen Titel sind laut, knallen irgendwie atonal aus den Boxen. Man fängt an nervös zu werden, sodass dieser Musik beim Autofahren definitiv ein gewisses „Crash-Potential“ innewohnt. Schwierig.

Fazit: Wieder mal ist der Punkt erreicht, dass eine Rezension hier sehr, sehr subjektiv ausfällt. Die Musiker sind nämlich allesamt Meister ihres Faches und wenn man sich überlegt, dass diese dieses Chaos auch noch auf diversen Bühnen reproduzieren konnten, dann ist das schon aller Ehren wert. Nichtsdestotrotz, wie sagen die Engländer so schön: „Definitely not my cup of coffee“ – ausgenommen der drei oben angeführten Ausnahmen. Für Freunde des experimentellen Jazz‘ jedoch mit Sicherheit eine Offenbarung. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Noonward Race, A Lotus On Irish Streams, The Dance Of Maya



Freitag, 23. Mai 2014

Klaus Schulze – Picture Music




Klaus Schulze – Picture Music


Besetzung:

Klaus Schulze – Synthesizer, Orgel, Schlagzeug, Perkussion


Label: Brain Metronome


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Totem (23:52)
2. Mental Door (23:02)

Gesamtsapieldauer: 46:54




Im Jahr 1975 veröffentlichte der Berliner Klaus Schulze sein viertes Album unter dem Titel „Picture Music“. Und auf diesem Album gibt es einmal mehr elektronische Musik in Reinform zu hören. Der Synthesizer steht ganz klar im Vordergrund und erzeugt vielschichtige Klangteppiche. Beide Titel haben in etwa dieselbe Länge und die Musik auf „Picture Music“ klingt absolut hypnotisch. Setzt man die Kopfhörer auf und macht es sich auf einem gemütlichen Plätzchen bequem, fangen unter diesen Eindrücken die Gedanken an zu zirkulieren und man gelangt auch ohne weitere „Zutaten“ in andere Sphären.

Beim Titel „Totem“ passiert zunächst erst mal wenig. Wabernde Synthesizer-Teppiche breiten sich aus, werden nur sehr wenig variiert und im Hintergrund pulsiert eine weitere Synthesizer-Tonspur. Alles wirkt hier sehr meditativ bis hypnotisierend. Erst nach etwas mehr als zwölf Minuten scheint der Titel so ein wenig Fahrt aufzunehmen. Dieser wabernde Rhythmus wird fordernder und auch die Synthesizer-Linie im Vordergrund wird nun deutlich mehr variiert. Der Einfluss auf die Psyche des Hörers bleibt dabei jedoch aber durchaus erhalten. Schließlich läuft das Lied einige Minuten lang aus. Zunächst gurgelnd, schließlich absolut sphärisch.

„Mental Door“ startet ebenfalls etwas sphärisch, um dann jedoch in einen düsteren und irgendwie schwer gearteten Teil überzugehen. Die Synthesizer-Musik klingt nun dunkel und traurig, um dann in einen sehr viel treibenderen Abschnitt zu münden. Zwitschernde Geräusche begleiten diese Klangwelten, die schließlich noch mit Schlagzeug unterlegt werden. Und das zieht sich jetzt ein wenig, nein, sogar sehr lange, nämlich über achteinhalb Minuten lang. Alles wirkt hier nun ein wenig hektisch, von Melodie kann man da auch nicht mehr unbedingt sprechen. Schließlich endet alles erneut in sphärischen Bereichen, die dieses Mal allerdings ebenfalls mit einem Schlagzeug unterlegt wurden.

Fazit: Nun, man muss mit elektronischer Musik etwas anfangen können, ansonsten wirkt diese Platte wohl sehr langweilig, da die einzelnen Themen sich ziehen und ziehen und ziehen. Zur Entspannung taugt solche Musik allerdings sehr gut. Wer also mal den Versuch unternehmen möchte, seine Gedanken einfach auf Reisen zu schicken, unabhängig von der Ungewissheit, wo diese landen könnten, der wird mit „Picture Music“ von Klaus Schulze einiges erleben. Acht Punkte.

Anspieltipps: Totem



Donnerstag, 22. Mai 2014

Eloy – Floating




Eloy – Floating


Besetzung:

Frank Bornemann – vocals, guitar
Manfred Wieczorke – organ, guitar
Luitjen Janssen – bass
Fritz Randow – drums


Label: Harvest


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Floating (4:01)
2. The Light From Deep Darkness (14:40)
3. Castle In The Air (7:17)
4. Plastic Girl (9:10)
5. Madhouse (5:20)


Bonus Tracks:

6. Future City (Live) (5:01)
7. Castle In The Air (Live) (8:11)
8. Flying High (Live) (3:31)

Gesamtspieldauer: 57:11



„Floating“ heißt das dritte Album der deutschen Progressive Rock Band Eloy. Im Jahr 1974 veröffentlicht, gestaltet sich die Musik darauf ein wenig anders, als noch auf dem Vorgängeralbum „Inside“. Und diese Platte diese Platte auch deutlich anders, als jene Alben, die Eloy ab der folgenden Scheibe „Power And The Passion“ veröffentlichen sollte und mit deren Sounds der Band der Durchbruch gelang. Der Unterschied liegt im Rock selbst, den Eloy hier sehr viel härter zelebriert, als auf allen anderen Platten der Band davor und danach. 

Das Keyboard hat auf „Floating“ nicht die Dominanz, wie auf den anderen Veröffentlichungen von Eloy und der Synthesizer wurde hier nur sehr sparsam und zum ersten Mal in der Bandgeschichte eingesetzt. Das wirkt ein wenig so, als ob man mal ausprobieren wolle, wie so ein „Teil“ eigentlich klingt. Die Platte ist also Gitarren-lastiger und härter im Sound. So verwundert es auch nicht weiter, dass mit „Castle In The Air“ und „Madhouse“ sogar zwei Titel auf dem Album vertreten sind, die völlig ohne Tasteninstrumente auskommen. „Floating“ klingt sehr viel mehr nach Krautrock, als andere Scheiben der Band. Der Progressive Rock-Anteil ist hier zwar vorhanden, jedoch deutlich weniger ausgearbeitet.

Nun, dies sagt natürlich alles nichts über die Qualität die Musik aus. Diese kann sich allerdings sehen beziehungsweise hören lassen. Sehr abwechslungsreich ist das Ganze gestaltet, meistens zwar relativ treibend im Rhythmus, jedoch immer wieder sind die Lieder mit sehr schönen Melodien ausgestattet, die sich ziemlich schnell im Ohr festsetzen. Und dann gibt es hier auch noch einige wahrlich gelungene Gitarren-Soli des Frank Bornemann zu hören und auch – wenn er mal darf – wunderschöne Läufe auf der Orgel, die von Manfred Wieczorke bedient wurde. Zusätzlich hat man diese remasterte Fassung der CD noch mit drei Bonus-Titeln ausgestattet, die alle 1973 live eingespielt wurden. Okay, die Klangqualität ist dabei wahrlich nicht berauschend, trotzdem ein schönes Zeitdokument aus den Anfängen der Band.

Fazit: Eine sehr rockige Platte ist „Floating“ geworden. Damit ist die Scheibe etwas untypisch für Eloy. Nichtsdestotrotz macht das Gehörte jedoch sehr viel Spaß. Alles groovt, alles klingt. Und wenn auch nicht diese absoluten „Übersongs“ auf der Scheibe enthalten sind, so sind doch alle Titel sehr hörenswert und wirken nach. Ausfälle gibt es überhaupt keinen, sodass sich dieses Album für alle Freunde des Krautrock-angehauchten Progressive Rock unbedingt lohnt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Light From Deep Darkness, Castle In The Air



Mittwoch, 21. Mai 2014

Led Zeppelin – Physical Graffiti




Led Zeppelin – Physical Graffiti


Besetzung:

John Bonham – drums, percussion
John Paul Jones – bass guitar, organ, acoustic and electric piano, mellotron, guitar, mandolin, vcs3 synthesiser, hohner clavinet, hammond organ, string arrangement
Jimmy Page – electric, acoustic, lap steel and slide guitar, mandolin, production
Robert Plant – lead vocals, harmonica, acoustic guitar on "Boogie With Stu"


Gastmusiker:

Ian Stewart – piano on "Boogie with Stu"


Label: Swan Song Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Rock


Trackliste:

1. Custard Pie (4:14)
2. The Rover (5:37)
3. In My Time Of Dying (11:06)
4. Houses Of The Holy (4:02)
5. Trampled Under Foot (5:37)
6. Kashmir (8:29)
7. In The Light (8:47)
8. Bron-Yr-Aur (2:06)
9. Down By The Seaside (5:16)
10. Ten Years Gone (6:33)
11. Night Flight (3:38)
12. The Wanton Song (4:10)
13. Boogie With Stu (3:53)
14. Black Country Woman (4:33)
15. Sick Again (4:43)

Gesamtspieldauer: 1:22:43




„Physical Graffiti“, das sechste Studioalbum von Led Zeppelin aus dem Jahr 1975, ist schon eine besondere Scheibe. Acht Titel stellte die Band für das Album zusammen, um dann festzustellen, dass diese aufgrund ihrer Länge nicht auf eine LP passen würden. Die Band setzte sich nun aber nicht zusammen, um Titel zu kürzen oder zu streichen. Die Musiker komponierten auch keine weiteren Lieder, sondern sie griffen auf früheres Material zurück – auf Songs, die es nicht auf vorherige Alben geschafft hatten und veröffentlichten kurzerhand ein Doppelalbum. So wurden ein „Outtake“ von Led Zeppiln III, drei von Led Zeppelin IV sowie ebenfalls drei nicht veröffentlichte Lieder von „Houses Of The Holy“ der ursprünglichen Doppel-LP beigemischt.

Nicht zuletzt diese Herangehensweise bewirkte, dass die Platte musikalisch gesehen diejenige in der Diskographie der Band ist, welche das breiteste Spektrum an verschiedenen Musikstilen beinhaltet. Hier gibt es harten Rock zu hören, Folk, Blues, Instrumentalmusik, Funk, etwas Progressive Rock sowie das mit Orchester unterlegte „Kashmir“, welches schwierig einem speziellen Musikgenre zuzuordnen ist. Und obwohl diese Zusammenstellung, sowie die Tatsache der Verwendung von ursprünglicher „Ausschussware“ nichts Gutes vermuten lässt, ist „Physical Graffiti“ ein richtig gutes Album geworden.

Höhepunkt der Platte ist sicherlich der Titel „Kashmir“, eine Nummer, die viele Jahre später von Puff Daddy für den Soundtrack zum Film Godzilla gecovert wurde. Allerdings schafft es diese Version in keinster Weise, sich mit dem Original auf „Physical Graffiti“ zu messen. „Kashmir“ von Led Zeppelin ist Kraft und Ausdrucksstärke pur. Ein Lied, welches sofort ins Ohr geht, groovt und auch durch den etwas orientalisch angehauchten Touch eine gewisse Magie verströmt. Ein absoluter Höhepunkt im Schaffen von Led Zeppelin. Doch es gibt noch einiges mehr auf dieser Scheibe zu entdecken. „In The Light” ist zum Beispiel eine überaus abwechslungsreiche Nummer, die schon ein wenig in die Richtung des Progressive Rock driftet. Spannend und eingängig, mal mit etwas sphärischeren Abschnitten versehen, ein anderes Mal rockig, entfaltet sich hier eine wahrlich hörenswerte Nummer, die vollgestopft mit Ideen, auf über acht Minuten immer zu überzeugen weiß.

Das kurze „Bron-Yr-Aur“ ist dagegen eine wunderschöne Gitarren-Akustik-Nummer, die Melancholie aufkommen lässt. Wieder ganz anders klingt „The Rover“. Hier wird jetzt gerockt, wobei vor allem der Refrain sofort ins Ohr geht. Sehr viel ruhiger gestaltet sich dagegen „Ten Years Gone“. Meist sanft und sentimental klingend, wird hier nur ab und an das Tempo ein wenig angezogen. Auch die weiteren Titel haben etwas, was sich durchaus lohnt gehört zu werden und zusätzlich zeigt sich einmal mehr, dass gute Musik mitunter auch Zeit benötigt, um im Ohr des Hörers „reifen“ zu können, denn die Musik auf „Physical Graffiti“ wächst mit jedem weiteren Durchlauf.

Fazit: Klar wird man als Hörer auf dem Album sofort seine Höhepunkte und Favoriten entdecken, was durch die Vielfalt der Stile auch nicht weiter verwunderlich ist. „Kashmir“ hat da schon eine gewisse und besondere Position inne, denn dieser Titel ist ein absoluter Meilenstein in der Musik von Led Zeppelin. Bei vielen anderen Nummern muss man sich ein wenig reinhören und ein bisschen auf Zeit spielen, aber dann entfalten auch diese Songs das gewisse „Etwas“, was Musik zu etwas Besonderem und Hörenswerten werden lässt. Sehr empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Kashmir, In The Light, Bron-Yr-Aur



Dienstag, 20. Mai 2014

The Beatles – Let It Be


 


The Beatles – Let It Be


Besetzung:

George Harrison – lead and rhythm guitars, acoustic guitar on "For You Blue" and "I Me Mine", tambura on "Across The Universe", tuned-down six-string electric guitar on "Two Of Us" and "Maggie Mae", lead vocals on "I Me Mine" and "For You Blue", backing vocals
John Lennon – lead and backing vocals, rhythm guitar, lead guitar on "Get Back", lap steel guitar on "For You Blue", acoustic guitar on "Two Of Us", "Across The Universe" and "Maggie Mae", six-string bass guitar on "Dig It", "Let It Be" and "The Long And Winding Road", whistling on "Two Of Us"
Paul McCartney – lead and backing vocals, bass guitar, acoustic guitar on "Two Of Us" and "Maggie Mae", piano on "Dig It", "Across The Universe", "Let It Be", "The Long And Winding Road", and "For You Blue", hammond organ and electric piano on "I Me Mine", maracas on "Let It Be"
Ringo Starr – drums, percussion on "Across The Universe"


Gastmusiker:

Richard Anthony Hewson – string and brass arrangements on "I Me Mine" and "The Long And Winding Road"
John Barham – choral arrangements on "Across The Universe", "I Me Mine" and "The Long And Winding Road"
George Martin – shaker on "Dig It", string and brass arrangements on "Let It Be"
Linda McCartney – backing vocals on "Let It Be"
Billy Preston – electric piano on "Dig A Pony", "I've Got A Feeling", "One After 909", "The Long And Winding Road" and "Get Back", hammond organ on "Dig It" and "Let It Be"
Brian Rogers – string and brass arrangements on "Across the Universe"


Label: Apple


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Two Of Us (3:37)
2. Dig A Pony (3:55)
3. Across The Universe (3:49)
4. I Me Mine (2:26)
5. Dig It (0:50)
6. Let It Be (4:03)
7. Maggie Mae (0:41)
8. I've Got A Feeling (3:38)
9. One After 909 (2:56)
10. The Long And Winding Road (3:38)
11. For You Blue (2:33)
12. Get Back (3:07)

Gesamtspieldauer: 35:13
 



„Let It Be“ nannten die Beatles ihr zwölftes und letztes Studioalbum. Zumindest ist es das zuletzt veröffentlichte Album, denn größtenteils waren die Lieder bereits vor „Abbey Road“ eingespielt worden, welches im September 1969 veröffentlicht worden war. Für „Let It Be“, das zunächst den Arbeitstitel „Get Back“ trug, war zunächst ein Konzertfilm geplant. Die ständigen Querelen in Band vereitelten aber diesen Vorschlag von Paul McCartney. Schließlich einigte man sich auf eine Dokumentation über den Entstehungsprozess eines Beatles-Album. Diesen Film gibt es auch unter dem Titel „Let It Be“. Sehr sehenswert. Die Fertigstellung des Albums selbst brachte allerdings noch so einige Schwierigkeiten mit sich. So hatte George Harrison zwischenzeitlich sogar schon mal den Austritt aus der Band erklärt, kehrte allerdings ein paar Tage später wieder zurück und John Lennon schien sowieso jeglichen Spaß an der Band verloren zu haben. Zwei verschiedene Versionen der Platte wurden als Doppelalbum produziert, das Ergebnis überzeugte die Musiker allerdings nicht und so wurden diese Versionen wieder verworfen. Schließlich übergab man das ganze Material im März 1970 an Phil Spector, der daraus endlich ein Album zaubern sollte.

Was bei dieser, von Phil Spector als Produzent bearbeiteten Platte auffällt, ist zweierlei. Zum Teil sind die Lieder manchmal durch diverse, oftmals sinnfreie Aussagen John Lennons miteinander verbunden, die dieser während der Aufnahmen zum Film oder beim legendären und letzten Auftritt der Beatles auf dem Dach der Abbey Road Studios tätigte. Das verleiht dem Album ein wenig Live-Studioatmosphäre. Die zweite Auffälligkeit liegt in der Tatsache begründet, dass es Spector mit seiner orchestralen Untermalung einzelner Songs mitunter ein wenig übertrieb. Sehr deutlich wird dies vor allem bei den Titeln „Across The Universe“ und „The Long And Winding Road“. Beides tolle Nummern, erstere von John Lennon, die zweite von Paul McCartney. Sehr gefühlvolle und eingängige Lieder, bei denen nur eben die orchestrale Untermalung ein bisschen zu dick aufgetragen wurde, was Paul McCartney später auch immer wieder bemängelte.

Nun, dieses Album ist bei Fans oftmals ziemlich umstritten, da man angeblich bereits heraushört, dass sich die vier Musiker nicht mehr viel zu sagen hatten. Keine Ahnung ob man das heraushören kann, ich zumindest höre da nichts. Der Produktionsprozess war zwar ziemlich chaotisch, was die Beatles auf „Let It Be“ allerdings an Ideen, Melodien und intelligenten Texten ablieferten, wirkt in keinster Weise so, dass sie hier „ihr Pulver verschossen“ zu haben schienen und diese Platte musikalisch nichts mehr zu bieten hätte. Neben den beiden schon erwähnten und beeindruckenden Nummern ist sicherlich auch der Titelsong „Let It Be“ zu nennen, den Paul McCartney schrieb. Dieser gehört mit zu den bekanntesten Stücken der Band und stellt durchaus auch einen Höhepunkt im Songkatalog der Beatles dar. Tolle melodiöse Nummer, die einen bewegt. Auch der Harrison-Titel „I Me Mine” ist ein sehr überzeugendes, etwas rockigeres Lied geworden. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll hier „I’ve Got A Feeling“, welches Paul McCartney und John Lennon wieder mal zusammen schrieben und bei dem beide auch gemeinsam beim Gesang zu hören sind. Die rockigste Nummer des Albums und ein schöne Abwechslung.

Fazit: „Let It Be“ ist längst nicht so schlecht, wie es häufig gemacht wird. Die Platte enthält einige richtig tolle Nummern, die durchaus zu den Höhepunkten im Schaffen der Beatles gehören. Zwar ist nicht alles durchweg überzeugend, denn so ein Titel wie zum Beispiel „One After 909“ klingt ganz schwer nach den Anfängen der Band - Anfang der 60er. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck dieser Platte gut. Es macht Spaß das Album einzulegen und ihm zu lauschen. Dazu gesellt sich auf ein wenig Wehmut, dass dies das letzte offizielle Studioalbum der Band war. Elf Punkte.

Anspieltipps: Across The Universe, I Me Mine, Let It Be, The Long And Winding Road



Montag, 19. Mai 2014

Gentle Giant – Octopus




Gentle Giant – Octopus


Besetzung:

Gary Green – guitars, percussion
Kerry Minnear – all keyboards, vibraphone, percussion, cello, moog, lead and backing vocals
Derek Shulman – lead vocals, alto saxophone
Philip Shulman – saxophones, trumpet, mellophone, lead and backing vocals
Raymond Shulman – bass, violin, guitar, percussion, vocals
John Weathers – drums, percussion, xylophone


Label: Phonogram


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock, Experimental Rock


Trackliste

1. The Advent Of Panurge (4:45)
2. Raconteur, Troubadour (4:03)
3. A Cry For Everyone (4:06)
4. Knots (4:11)
5. The Boys In The Band (4:34)
6. Dog's Life (3:13)
7. Think Of Me With Kindness (3:31)
8. River (5:53)

Gesamtspieldauer: 34:16




Gentle Giant unterscheiden sich in ihrer Musik zum Teil sehr stark von anderen Progressive Rock Bands. Ihr viertes Album „Octopus“, ist dafür das perfekte Beispiel. Die Band hatte nun ihren Stil gefunden und sollte diesen auch auf den nächsten Veröffentlichungen beibehalten. Wahrlich ist das keine ganz leicht zu verdauende Kost, mitunter klingen die Lieder ein wenig dissonant, sind geprägt durch sehr abwechslungsreiche und ausgetüftelte Gesangspassagen. Dazu gesellen sich Anleihen an die mittelalterliche Musik, die Arrangements sind überaus komplex gehalten und auch die Instrumentierung ist beileibe nicht alltäglich für eine Rockband.

Oftmals scheint es auch so zu sein, als ob die Instrumente und der Gesang unterschiedliche Lieder spielen beziehungsweise singen würden. Die Melodiebögen umspielen sich, um schließlich wieder ineinander zu münden. Das klingt kompliziert und ist es auch, sodass sich diese Musik dem Hörer sicherlich nicht gleich beim ersten Durchlauf eröffnet. Am eingängigsten sind da noch die Titel im zweiten Teil der Platte. „The Boys In The Band” ist eine instrumentale Rocknummer, „Dog's Life” klingt dagegen ein wenig wie Musik aus dem Mittelalter und ist überaus eingängig und melodiös. Sicherlich einer der Höhepunkte der Platte. Und schließlich ist da noch die sanfte Ballade „Think Of Me With Kindness“. Ein Lied welches ebenso schnell ins Ohr geht.

Ganz anders klingt dagegen „Knots“. Hochkomplizierte und verschachtelte Gesangsarrangements, minimalistische und verschoben klingende Instrumentierung mittels des Xylophons und der Violine, immer wieder unterbrochen von „volleren“ Passagen. Das klingt zugegebenermaßen richtiggehend abgefahren. Die restlichen Titel sind zwar alle deutlich mehr instrumentiert, allerdings nicht weniger verschachtelt. Musik, die erarbeitet werden will.

Fazit: Sicherlich nicht die Musik, die jeder uneingeschränkt genießen kann. Die Musik von Gentle Giant ist etwas Spezielles, was man entweder liebt oder aber gar nichts damit anfangen kann. Für alle Hörer, die das Vertrackte, Konstruierte und Schwierige in der Musik suchen, die werden hier fündig. Elf Punkte.

Anspieltipps: Knots, Dog‘s Life



Sonntag, 18. Mai 2014

Annett Louisan – Bohème




Annett Louisan – Bohème


Besetzung:

Annett Louisan – Gesang


Gastmusiker:

Frank Ramond – Schlagwerk, Bass
Jürgen Kumlehn – Gitarre
Hardy Kayser – Mandoline, Gitarre
Matthias Haß – Streicher, Keyboard, Gitarre, Piano
Christoph Buse – Schlagwerk
Olaf Casimir – Kontrabass
Geoff Peacey – Hammond B3
Katie Vitalie – Violine
Rick Vito – Dobro, Slide
Werner Becker – Streicher


Label: 105 Music


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Swing, Pop


Trackliste:

1. Das Spiel (3:02)
2. Die Lüge (3:30)
3. Die Dinge (2:35)
4. Das Gefühl (2:48)
5. Daddy (4:09)
6. Die Katze (3:03)
7. Der Schöne (4:04)
8. Die Gelegenheit (3:26)
9. Der Blender (3:30)
10. Die Trägheit (3:45)
11. Die Formel (3:43)
12. Das Liebeslied (3:27)
13. Das Spiel (Remix) (3:00)

Gesamtspieldauer: 44:00




Zwei Dinge sollte man zumindest mögen, um etwas mit „Bohème“, dem ersten Album von Annett Louisan aus dem Jahr 2004, anfangen zu können. Zum einen wäre das Swing-Musik, welche hier immer wieder zu hören ist, das andere wäre diese kindlich-süßliche Stimme der Annett Louisan, die das Markenzeichen der Sängerin ist.

Neben dem bereits erwähnten Swing gibt es auf dem Album auch noch leichte und zurückhaltende Pop-Musik zu hören, die in diesem Fall sehr viel eher überzeugen kann, als diese Swing-Nummern. Exemplarisch dafür stehen auch die beiden Single-Veröffentlichungen der Platte „Das Spiel“ und „Das Gefühl“. Ebenfalls in diese Richtung tendiert die Nummer „Das Liebeslied“, welche genau wie die beiden Singles durch eine sehr schöne Melodieführung einnehmend wirkt. Nun, beim Rest der Platte wird es dann schon sehr viel schwieriger. Dieser manchmal bluesige und häufig beswingte Sound kann da schon deutlich weniger überzeugen. Die entsprechenden Titel rauschen irgendwie durch, unaufgeregt und ohne jegliche Nachhaltigkeit.

Überaus gelungen sind allerdings die Texte, für die sich Frank Ramond verantwortlich zeigt. Intelligent und oftmals witzig transportiert Annett Louisan hier nette Geschichten, die sich zwar hauptsächlich um die Liebe drehen, aber eben nicht nur. Diesbezüglich macht das Zuhören dann schon wieder wesentlich mehr Spaß.

Fazit: Nicht so richtig mein Ding, muss ich zugeben. In der Musik von Annett Louisan wird das Kindchenschema von der Optik auf die Akustik übertragen. Alles klingt weich, süßlich, lieblich. Man könnte dieses leichte bis seichte Gesäusel natürlich auch mit „Entspannungsalbum“ umschreiben, was es sicherlich auch ist, doch da gibt es deutlich bessere Alternativen, die nicht so einen zuckrigen Beigeschmack hinterlassen. Trotzdem drei schöne Lieder – ebenfalls überaus süß – gibt es auf der Platte, dazu noch die bereits erwähnten Texte. Es gibt sicherlich schlechtere Musik. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Das Spiel, Das Gefühl, Das Liebeslied



Samstag, 17. Mai 2014

"This man, Hugh Tracey"


Trommeln, Flöten, Zupfinstrumente. Kalebassen, Bambus, verschiedene Holzarten. Und immer wieder ein Singsang, den man als westlicher Zuhörer nicht verstehen kann. Hugh Tracey hat in 50 Jahren Hunderte von Liedern und Rhythmen in Afrika zusammen getragen. Seit Anfang der 30er Jahre fuhr er mit einem umgebauten Kastenwagen durch das südliche und östliche Afrika, von Südafrika hoch bis in den Südsudan. Tausende von Kilometern legte er auf  Straßen, Sandpisten und Steppenboden zurück, um den musikalischen Schatz des Kontinents aufzuzeichnen.

Unterstützt wurde er immer mal wieder von Stiftungen, die seine kulturelle Arbeit wertschätzten. Hugh Tracey gründete in den 50er Jahren die International Library of African Music” ILAM, die noch heute existiert und an der südafrikanischen Universität in Grahamstown angegliedert ist. Dort findet man all seine Acetat Platten und Tonbänder, die er auf seinen Reisen bespielt hat. Dort sind auch die Instrumente gelagert, die Hugh Tracey über die Jahre gesammelt  hat. Dort kann man auch seine Notizen einsehen, die er auf seinen Exkursionen über Musiker, Lieder, Inhalte und Instrumente gemacht hat.

Der Engländer, der schon in den 20er Jahren nach Süd-Rhodesien, dem heutigen Zimbabwe, auswanderte, machte die afrikanische Musik zu seinem Lebenswerk. Ohne Zweifel hat er einen wahren und einmaligen Musikschatz bewahrt. Musik, die heute wohl längst vergessen wäre, wenn er sie nicht unter großen Mühen und Anstrengungen aufgezeichnet hätte, wie Aufnahmen vom Königshof in Ruanda. Doch die Frage muß erlaubt sein, war es das wert? Hugh Tracey veröffentlichte in den 50er Jahren eine eher wissenschaftliche 210 umfassende LP Reihe mit seinen Aufnahmen. Damit richtete er sich an Ethnologen, an Bibliotheken und Universitäten auf der ganzen Welt. Kurz darauf brachte Tracey eine weitere Plattenserie heraus, 20 LPs unter dem Titel “Music of Africa”. Die wissenschaftliche Reihe gab es in einer Kleinstauflage, die eher populär gedachte Serie verkaufte sich im einstelligen Tausenderbereich. Hugh Tracey wurde dadurch etwas bei Jazz Trommlern und Beatniks bekannt.

Doch das war in den 50er Jahren. Der Holländer Michael Baird, geboren in Sambia, hat vor einiger Zeit auf seinem Label SWP Records eine neue Reihe mit Hugh Traceys Aufnahmen veröffenlicht. Er hat die alten Bänder von ILAM ausgewertet und digitalisiert. 22 Cds sind das Ergebnis. Michael Baird ist ein Liebhaber der afrikanischen Musik, er wollte diesen Musikschatz einer neuen Hörerschaft eröffnen, erklärt er. Doch auch er muß zugeben, dass sich jede seiner Cds gerade mal 2000fach verkauft hat.

Hinzu kommt, dass es in Afrika so gut wie keine Archive, Bibliotheken, Sammlungen gibt, die Kultur bewahren. Die jungen Musiker greifen lieber zur Gitarre, spielen Hip Hop, Reggae oder christliche Gospel Musik. Der alte Kram interessiert sie nicht. Die Cds von SWP Records mit Aufnahmen ihrer Vorväter und –mütter kann man in Afrika nicht finden, schon gar nicht kaufen. Ist das bewahren von Musik nur eine westliche Erfindung? Ist Musik vielleicht nur ein vergängliches Kulturgut, dass nach einer bestimmten Zeit vergessen und durch neues ersetzt werden kann?

Ich hoffe es nicht. Musik hat eine besondere Bedeutung im zwischenmenschlichen Leben der Menschen. Egal ob in Afrika, Europa oder sonstwo. Musik ist wohl die einzige globale Sprache, die jeder verstehen kann, der mit offenen Ohren hinhört. Von daher sind Sammlungen, wie die von Hugh Tracey, von größter Bedeutung, denn sie dokumentieren einen Teil Afrikas, der die Menschen in ihrem Alltag zeigt. Es geht nicht um Krisen, Kriege, Korruption, es geht vielmehr in diesen Liedern um die Grundlagen der verschiedenen Kulturen. Um die Gegenwart zu verstehen, um die Zukunft zu meistern, muss man die Vergangenheit bewahren. Musik ist dabei ein kleiner, doch durchaus wichtiger Teil.

Freitag, 16. Mai 2014

UNESCO Sammlung traditioneller Musik


Trommeln, Wasserplätschern, ein Singsang, Kinder lachen. Man hört die Wassertrommeln aus Kamerun. Feldaufnahmen, die in der Sammlung traditioneller Musik der UNESCO auftauchen. Nichts ist beschönigt, bereinigt oder aufgearbeitet. Es klingt so, als wenn man daneben sitzen würde. Irgendwo in Afrika. Solche und viele andere Aufnahmen wurden von der UNESCO seit den 50er Jahren zusammen getragen.
Wie klingt Musik aus der Zentralafrikanischen Republik, wie aus der Mongolei, wie vom kleinen Inselstaat Vanuatu? Musik, die eigentlich kaum beachtet wird, die jedoch zum kulturellen Erbe der Menschheit gehört.

2004 verschickte die UNESCO eine Rundmail, in der es hieß, die Plattenfirma, die bislang diese umfangreiche Sammlung auf Schallplatten herausgebracht hatte, machte im digitalen CD und mp3 Alter keine Gewinne mehr mit diesen Veröffentlichungen. Niemand wollte wohl mehr eine LP mit Liedern der Inuit aus dem Norden Kanadas kaufen.


Diese Mail kam auch auf den Schreibtisch von Atesh Sonneborn, der beim Smithsonian Folkways Plattenlabel in Washington DC für die Programmarbeit zuständig ist. Folkways Recordings ist eine alte Plattenfirma, die 1948 von Moses Asch gegründet wurde. Bis zu seinem Tod 1987 wurden 2168 Alben veröffentlicht. Ethnische und zeitgenössische Musik aus aller Welt, Literatur- und historische Aufnahmen, Dokumentationen, Soundplatten und allerlei andere teils seltsame “Recordings”. Nach dem Tod von Moses Asch stifteten die Erben diese umfangreiche Klang- und Musiksammlung an das Smithsonian Institut für kulturelles Erbe. Einzige Auflage; alle Aufnahmen müssen auch weiterhin einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Smithsonian dürfe sich nicht nur die Kirschen vom Kuchen nehmen, wie z.B. die Aufnahmen von Folksänger Woody Guthrie. Ein Deal, der noch heute besteht.

Als die UNESCO ihren Rundbrief verschickte, brauchten Sonneborn und seine Label Mitarbeiter nicht lange zu überlegen. Sie wollten diese Sammlung veröffentlichen, denn sie passte perfekt zum riesigen Archiv des Labels . “Ich schrieb ihnen zurück und sagte, wir könnten das so ähnlich machen, wie mit unserer eigenen Reihe “Smithsonian Global Sound”, erklärt Atesh Sonnenborn. Das Angebot von Folkways umfasste neben “Streaming”, Download und CD “on demand” auch umfangreiche Informationen über die jeweilige Aufnahme. Und die UNESCO nahm dieses Angebot gerne an.

Es dauerte nahezu zehn Jahre, um all die Rechte an den Aufnahmen zu klären. Doch nun kann es losgehen. Insgesamt warten auf den interessierten Hörer und Sammler 127 Alben, Musik aus 70 Ländern. Seit Ende April werden pro Woche zwei Platten in den verschiedenen Formaten veröffentlicht. “Es ist Musik, die eine ganze Generation noch nie gehört hat. Und wahrscheinlich auch nur wenige davor”, lacht Sonneborn. “Es ist wie ein Spiegel der Menschheit. Ein Spiegel, der uns ein besseres Verständnis der komplizierten Welt vorhält.” Und kompliziert ist auch die Musik selbst. Manches ist eingängig, anderes eher sperrig. Interessant ist hingegen alles. Hier hört man nichts, was auch nur annähernd den Weg in die Hitparaden und Charts der westlichen Welt geschafft hat. Es ist “Roots” Musik, Grundlagen der Weltmusik. Aus Indien, Afghanistan, Russland, Jemen, Kurdistan und vielen anderen Ländern.

Für Atesh Sonneborn ist klar, dass sich auch diese neue Auflage der UNESCO Sammlung nicht groß verkaufen wird. “Leute, wie Du und ich sind einfach zu wenig, um so etwas zu tragen”. Er hoffe deshalb auf die vielen ethnischen Gruppen in den USA und anderswo, die fernab der eigenen Heimat mehr erfahren wollen, über ihre Wurzeln. Mit dieser Reihe werden Grenzen überschritten; geographisch, musikalisch, spielerisch. Man dreht den Globus, hört hin und erkennt, dass die einzige globale Sprache Musik ist. Eine Sprache, die ohne Worte oder ohne entsprechendes Sprachwissen eine emotionale Ebene erreicht. Musik verbindet grenzenlos. 
Soundbeispiele gibt es hier: http://www.folkways.si.edu/radio/unesco/index.html

Donnerstag, 15. Mai 2014

Lou Reed & John Cale – Songs For Drella




Lou Reed & John Cale – Songs For Drella


Besetzung:

John Cale – vocals, keyboards, viola
Lou Reed – vocals, guitar


Label: Sire Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Art Rock


Trackliste:

1. Smalltown (2:04)
2. Open House (4:18)
3. Style It Takes (2:54)
4. Work (2:38)
5. Trouble With Classicists (3:41)
6. Starlight (3:28)
7. Faces And Names (4:12)
8. Images (3:31)
9. Slip Away (A Warning) (3:05)
10. It Wasn't Me (3:30)
11. I Believe (3:18)
12. Nobody But You (3:46)
13. A Dream (6:33)
14. Forever Changed (4:52)
15. Hello It's Me (3:03)

Gesamtspieldauer: 54:53




Im Jahr 1987 war Andy Warhol während einer Gallenblasenoperation plötzlich verstorben. Aus Anlass des Gedenkgottesdientes zu seinem Tod trafen sich Lou Reed und John Cale, die beiden kreativen Köpfe von Velvet Underground der ersten Jahre, zum ersten Mal nach langer Zeit wieder und kamen nach vielen Jahren des Streits erneut ins Gespräch. Die beiden beschlossen ihrem ehemaligen Förderer ein Album zu widmen, welches das Leben des Andy Warhol beleuchtet. Zwar schreibt Lou Reed zur Einführung im Booklet der CD: „SONGS FOR DREALLA – A Fiction is a brief musical look at the life of Andy Warhol and is entirely fictitious”, doch behandeln die Lieder Stationen im Leben des Andy Warhol, die sich mit seinem Werdegang, der „Factory“ und auch mit dem Attentat durch Valerie Solanas im Jahr 1968 beschäftigen. Beendet wird das Album mit einem sehr bewegenden, in Form eines Briefes vorgetragenen Liedes, in dem Lou Reed zum Ausdruck bringt, wie sehr es ihm heute leid täte, dass er Andy Warhol in den späteren Jahren quasi links liegen ließ, sich nicht kümmerte und sich wegdrehte, wenn er Warhol noch mal sah.

Musikalisch ist das Album eine breite Mischung verschiedenster Stile. Mal klingt es nach Folk, dann wieder rockiger, ein anderes Mal wiederum ist alles sehr minimalistisch und auch das gesprochene Wort gibt es in Form des Liedes „A Dream“. In diesem erzählt John Cale zu sphärischen Klängen einen fiktiven Traum des Andy Warhol, worin dieser unter anderem seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringt, nicht zur Hochzeit Lou Reeds eingeladen worden zu sein, weil Lou Reed wohl annahm, dass er zu viele Freunde mit zur Hochzeit bringen würde….

Neben sphärischen und experimentellen Ausflügen gibt auch jede Menge tolle Melodien und Harmonien auf der Platte zu entdecken. Stellvertretend hierfür stehen Titel wie „Style It Takes“, „Forever Changed” oder das bereits erwähnte „Hello It's Me“. „Images“ klingt dagegen sehr experimentell und hätte so durchaus auch auf einem der ersten Velvet Underground Platten Platz gefunden. Und ebenfalls soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass alle fünfzehn Titel ohne jegliches Schlagzeug oder andere Perkussion eingespielt wurden, was sicherlich auch nicht alltäglich ist.

Fazit: Ein sehr spannendes und abwechslungsreiches Album ist „Songs For Drella“ geworden, bei dem sich auch ein Blick auf die Texte durchaus lohnt. Hier gibt es zudem das Experiment, neben dem eingängigen Stück, den minimalistischen Ansatz, neben dem vollen Sound. Dies alles passt trotzdem wunderbar zusammen. Wer das etwas Außergewöhnliche in der Musik sucht, der wird hier fündig werden. Fans des ersten Werks von Velvet Underground sowieso. Elf Punkte.

Anspieltipps: I Believe, Hello It's Me



Mittwoch, 14. Mai 2014

The Who – Who’s Next




The Who
– Who’s Next


Besetzung:

Roger Daltrey – lead and backing vocals, harmonica (I Don't Even Know Myself)
John Entwistle – bass guitar, backing vocals, brass, lead vocals and piano (My Wife)
Keith Moon – drums, percussion
Pete Townshend – guitars, organ, vcs3 and arp synthesizer, backing vocals, piano (Baba O'Riley), lead vocals (Going Mobile), co-lead vocals (Love Ain't For Keeping), Baba O'Riley, Bargain and The Song Is Over)


Gastmusiker:

Dave Arbus – violin (Baba O'Riley)
Nicky Hopkins – piano (The Song Is Over, Getting In Tune)
Al Kooper – organ (alternate version Behind Blue Eyes)
Leslie West – lead guitar (Baby, Don't You Do It)


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Rock


Trackliste:

1. Baba O'Riley (5:10)
2. Bargain (5:34)
3. Love Ain't For Keeping (2:10)
4. My Wife (3:42)
5. The Song Is Over (6:15)
6. Getting In Tune (4:50)
7. Going Mobile (3:43)
8. Behind Blue Eyes (3:42)
9. Won't Get Fooled Again (8:33)


Bonus Tracks:

10. Pure And Easy (4:22)
11. Baby Don't You Do It [feat. Leslie West] (5:15)
12. Naked Eye (The Young Vic Theatre Live Version) (5:31)
13. Water (The Young Vic Theatre Live Version) (6:26)
14. Too Much Of Anything [feat. Nicky Hopkins] (4:25)
15. I Don't Even Know Myself (4:56)
16. Behind Blue Eyes (Alternate Studio Version) [feat. Al Kooper] (3:27)

Gesamtspieldauer: 78:01




„Who’s Next“ ist das fünfte Studioalbum der britischen Band The Who und wurde 1971 veröffentlicht. Umrahmt von den beiden „Rock-Opern“ „Tommy“ und „Quadrophenia“ war auch „Who’s Next“ zunächst, wie diese zwei Platten, als Doppelalbum angedacht worden und sollte den Titel „Lifehouse“ tragen. Pete Townshend schrieb eine ganze Menge Lieder, allerdings wurde dieses Projekt letztendlich doch nicht zu Ende geführt und man entschloss sich mit „Who’s Next“, eine abgespecktere Version des Albums auf den Markt zu bringen. Diejenigen Titel, welche es nicht auf „Who’s Next“ geschafft haben, finden sich zum Teil auf dieser Version des Albums im Bonus-Material, wurden auf der Kompilation „Odds And Sodds“ hinzugefügt oder befinden sich auf einem der Pete Townshend Solo-Alben.

„Who’s Next“ ist sicherlich einer der Höhepunkte in der Diskographie von The Who. Und das Album ist auch ein Höhepunkt in der Geschichte des Rocks allgemein. Selten hat zur damaligen Zeit eine Platte so kraftvoll, aber doch so abwechslungsreich und auch melodisch geklungen wie „Who’s Next“. Hier gibt es Rock zu hören, der gleichberechtigt neben wunderschönen, sehr viel ruhigeren Titeln zu überzeugen weiß. Alles wirkt auf dieser Platte, die mit „Behind Blue Eyes“ und „Won’t Get Fooled Again“ auch zwei der Who-Klassiker schlechthin aufweist.

Bei letztgenanntem Titel wird auch das musikalisch Besondere dieses Albums sofort hörbar. Es ist das Zusammenspiel zwischen E-Gitarre und Synthesizer, was es zu damaligen Zeit bisher so noch nicht gegeben hatte. Und obwohl dies die ersten Versuche dieser Kombination in der Musik waren, klingt „Won’t Get Fooled Again“ unglaublich modern und in keinster Weise nach einem Alter von über 40 Jahren. Bei den Titeln „Baba O’Riley“ und mit Abstrichen auch bei „Bargain“ wurde diese Kombination ebenfalls umgesetzt. Dies hat anscheinend auch den Produzenten der amerikanischen CSI-Serie gefallen, die neben dem 1978 erschienenen „You Are You“ auch „Baba O’Riley“ und „Who’s Next“ von diesem Album als Titelmelodie für ihre drei verschiedenen CSI-Standorte wählten.

Fazit: „Who’s Next“ ist ein tolles Album geworden, welches all das enthält, was ein Rock-Album zu etwas Besonderem werden lässt. Hier gibt es die mitreißenden rockigen Passagen neben den melancholischen und sanfteren Abschnitten. Dazu gesellt sich noch ein wenig Rock-Geschichte bezüglich des Einsatzes eines Synthesizers und fertig ist die Scheibe, die man als Musikfreund unbedingt gehört haben sollte. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Behind Blue Eyes, Won’t Get Fooled Again



Dienstag, 13. Mai 2014

Alex Harvey – The Mafia Stole My Guitar




Alex Harvey – The Mafia Stole My Guitar


Besetzung:

Alex Harvey – lead vocals, lead guitar


Gastmusiker:

Matthew Cang – lead guitar, keyboards, vocals
Simon Charterton – drums, percussion, vocals
Tommy Eyre – keyboards, vocals
Gordon Sellar – bass guitar, vocals
Don Weller – saxophone, horns on "Oh Spartacus!"


Label: Universum Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Rock


Trackliste:

1. Don's Delight (1:31)
2. Back In The Depot (6:29)
3. Wait For Me Mama (6:59)
4. The Mafia Stole My Guitar (5:11)
5. Shakin' All Over (4:49)
6. The Whalers (Thar She Blows) (7:05)
7. Oh Spartacus! (3:55)
8. Just A Gigolo / I Ain't Got Nobody (5:19)

Gesamtspieldauer: 41:17




Nach „Rock Drill“ war endgültig Schluss mit der Sensational Alex Harvey Band. Die Mitglieder gingen von nun an getrennte Wege. Alex Harvey war im Anschluss daran jedoch nicht untätig, trommelte einige Musiker zusammen und veröffentlichte unter der Überschrift „Alex Harvey - The New Band“ im darauffolgenden Jahr, 1979, das Album „The Mafia Stole My Guitar“.

Die Musik auf diesem Album lässt beim Hörer allerdings ein recht zwiespältiges Gefühl zurück. Einerseits sind darauf noch zwei Titel vertreten, die dem „Godfather Of Punk“, der er jedoch niemals war, durchaus gelungen sind. Allerdings befinden sich darauf auch einige Titel, die sich gerade so anhören, als ob sie auf der Platte wären, weil da noch jede Menge Platz übrig gewesen ist. Gelungen ist sicherlich „Wait For Me Mama”. Ein eingängiger Titel, der eine ganz eigenartige Atmosphäre verströmt, was nicht zuletzt am Saxophon-Spiel des Don Weller liegt, welches der Nummer dieses gewisse Etwas verleiht. Auch der Titeltrack „The Mafia Stole My Guitar” kann durchaus überzeugen. Eine Rock-Nummer, die in sich selbst immer wieder gesteigert wird, um dann wieder in einen ruhigeren Teil zurückzufallen. Ebenfalls sehr eingängig, wenn auch der Gesang des Alex Harvey nicht mehr so kraftvoll wirkt, wie noch wenige Jahre zuvor.

Nun und der Rest? Mit Abstrichen kann man noch dem längsten Titel der Platte „The Whalers (Thar She Blows)“ etwas abgewinnen, auch wenn hier ebenfalls wieder der Gesang des Alex Harvey nicht immer mehr ganz zu passen scheint. Aus mehreren Teilen zusammengesetzt, entsteht bei dieser Nummer zumindest so etwas wie Abwechslung und Spannung. Die übrigen Titel können dagegen nicht mehr überzeugen. Dass Alex Harvey schließlich noch, sicherlich mit einem Augenzwinkern, die Nummern „Just A Gigolo“ und „I Ain't Got Nobody“ interpretiert, hätte auch nicht mehr sein müssen.

Fazit: Einige wenige Ansätze in der Musik des Alex Harvey sind durchaus noch vorhanden, trotzdem lässt sich diese Musik nicht mehr mit der der Sensational Alex Harvey Band vergleichen. Ein paar gute Ansätze genügen nicht, um die Platte zu einer guten werden zu lassen. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Wait For Me Mama, The Mafia Stole My Guitar, The Whalers



Montag, 12. Mai 2014

The Beatles – Abbey Road




The Beatles – Abbey Road


Besetzung:

John Lennon – vocals, acoustic (six and twelve-string) and electric guitars, acoustic and electric pianos, hammond organ and moog synthesizer, white noise generator and sound effects, percussion
Paul McCartney – vocals, acoustic, electric and bass guitars, acoustic and electric pianos, hammond organ and moog synthesizer, sound effects, handclaps and percussion
George Harrison – vocals, acoustic, electric and bass guitars, hammond organ, harmonium and moog synthesizer, handclaps and percussion
Ringo Starr – drums, handclaps and percussion, background vocals, lead vocals and piano (on "Octopus's Garden")


Gastmusiker:

George Martin – piano, electric harpsichord, electronic organ, harmonium and percussion
Billy Preston – hammond organ (on "Something" and "I Want You (She's So Heavy)")
Mal Evans – "anvil" (on "Maxwell's Silver Hammer")


Label: Apple


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Come Together (4:21)
2. Something (3:03)
3. Maxwell's Silver Hammer (3:27)
4. Oh! Darling (3:27)
5. Octopus's Garden (2:51)
6. I Want You (She's So Heavy) (7:47)
7. Here Comes The Sun (3:06)
8. Because (2:46)
9. You Never Give Me Your Money (4:02)
10. Sun King (2:26)
11. Mean Mr Mustard (1:06)
12. Polythene Pam (1:13)
13. She Came In Through The Bathroom Window (1:58)
14. Golden Slumbers (1:32)
15. Carry That Weight (1:37)
16. The End (2:20)
17. Her Majesty (0:23)

Gesamtspieldauer: 47:24




„Abbey Road“ heißt das elfte Album der Beatles und wurde 1969 veröffentlicht. Die Band befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Auflösungsprozess, die persönlichen und geschäftlichen Differenzen, vor allem zwischen Paul McCartney und John Lennon, waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu überbrücken. „Abbey Road“ ist zwar das elfte veröffentlichte Album der Beatles, eingespielt wurde es allerdings nach der zwölften Veröffentlichung „Let It Be“, welche dann jedoch erst zeitgleich zum gleichnamigen Film, ein Jahr später auf dem Markt erschien. Auf „Abbey Road“ betätigte sich auch wieder George Martin als Produzent, wohingegen diesen Job, beim vorher produzierten und später veröffentlichten „Let It Be“, Phil Spector übernommen hatte.

Musikalisch ist die Platte zweigeteilt. Befanden sich auf der ehemaligen ersten Seite acht Titel, die wiederum einige Klassiker an Beatles-Kompositionen bereithalten, so besteht die ehemalige zweite Seite des Albums aus einem Medley, welches hauptsächlich aus sehr kurzen Titeln zusammensetzt. Auf der ehemaligen ersten Seite ist hierbei das geniale „Come Together“ herauszuheben. Ein Lied, bei dem man den Text einfach nicht verstehen kann, welches allerdings mit einer unverwechselbaren Rhythmusfraktion ausgestattet wurde, die einen absoluten Wiedererkennungswert besitzt und der auch ein Alleinstellungsmerkmal innewohnt. Dann gibt es da natürlich auch noch das wunderschöne „Here Comes The Sun“ aus der Feder George Harrisons. Klasse eingängige Melodie – ein Lied zum Dahinschmelzen.

Sicherlich auch erwähnenswert ist „I Want You (She's So Heavy)“. Der Titel beginnt ein wenig bluesig und wechselt dann immer wieder zwischen dieser Passage und rockigeren Abschnitten hin und her. Schließlich wird die Nummer in einem dreiminütigen, melodiösen und rockigen Teil ausgeblendet. Sehr eindrucksvoll. Das gilt auch für „Because“, dem letzten Lied der ehemaligen ersten Seite. Mit einem, an ein Cembalo erinnernden Sound, wird der Titel eingeleitet und besticht dann durch tolle Gesangsarrangements, die Queen ein paar Jahre später noch weiterentwickeln sollte.

Die zweite Seite beginnt mit dem zunächst verträumten „You Never Give Me Your Money“. Auch hier lassen sich wieder aufwendig gestaltete Gesangspassagen erhören. Der Titel ist im weiteren Verlauf aus verschiedenen Abschnitten aufgebaut, die mal rockiger, mal poppiger klingen, alle jedoch überaus melodiös. Es folgen eine ganze Reihe relativ kurzer Nummern und man ist überrascht, wie viel Kreativität immer noch in dieser Band steckte, bei der sich vor allem John Lennon und Paul McCartney nicht mehr „grün“ waren. Andere Bands hätten auch aus diesen kurzen Titeln ein ganzes Album gezaubert. Den Beatles genügte es hier jedoch, alles irgendwie nur ganz kurz anzureißen, um dann in einen neuen Rhythmus, eine neue Melodie, ein neues Lied überzugehen.

Fazit: Wirklich beeindruckend, was die Beatles hier, in dieser Situation noch an Ideen hatten und wie sie diese umsetzten. Müßig darüber zu spekulieren, was von dieser Band noch alles gekommen wäre, wenn sie weiterhin freundschaftlich verbunden geblieben wären und weitergemacht hätten. Vielleicht lag allerdings auch genau in dieser angespannten Situation eine treibende Kraft für diese ausdrucksstarke Musik. „Abbey Road“ ist auf jeden Fall ein tolles Album geworden, durch welches man in den Beatles-Kosmos perfekt einsteigen kann. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Come Together, Carry That Weight, Here Comes The Sun