Mittwoch, 5. April 2017

Kissin' Dynamite – Money, Sex & Power




Kissin' Dynamite – Money, Sex & Power


Besetzung:

Johannes (Hannes) Braun – vocals
Ande Braun – guitar
Jim Müller – guitar
Steffen Haile – bass
Andi Schnitzer – drums


Gastmusiker:

Billy King – choir
Hardy Kerch – other and additional instruments, programing and choir
Mark Nissen – other and additional instruments, programing and choir


Label: AFM Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Heavy Metal


Trackliste:

1. Money, Sex & Power (4:38)
2. I Will Be King (4:11)
3. Operation Supernova (3:51)
4. Sex Is War (3:51)
5. Club 27 (4:34)
6. Dinosaurs Are Still Alive (4:08)
7. She's A Killer (3:50)
8. Sleaze Deluxe (3:08)
9. Ego-Shooter (4:00)
10. Six Feet Under (3:45)

Gesamtspieldauer: 39:59




Kissin’ Dynamite ist eine deutsche Heavy Metal Band aus Baden-Württemberg, die sich im Jahr 2006 gegründet hat und aus insgesamt fünf festen Bandmitgliedern besteht. „Money, Sex & Power“ wurde 2012 auf dem Label AFM Records veröffentlicht und stellt gleichzeitig das dritte Studioalbum von Kissin’ Dynamite dar.

Auf der Scheibe gibt ziemlich kompromisslosen Heavy Metal zu hören. Hart ist die Musik auf der Scheibe, was das Herz der Heavy Metal Fans sicher höher schlagen lassen dürfte. Ein einmal eingeschlagenes Tempo wird stur vom ersten bis zum letzten Takt durchgezogen, allzu viele Variationen gibt es da nicht. Auch scheint es ein Bestreben der Band zu sein, dass die Fans ihre Refrains mitsingen können, denn genauso sind diese angelegt. Besonders deutlich wird dies bei den Nummern „Sex Is War“ oder „Club 27“.

Die Lieder gehen dabei durchaus ins Ohr und auch die Headbanging Fraktion schafft es hier sehr gut das Haupthaar ordentlich durchzuschütteln. Steht man allerdings nicht ganz so auf Heavy Metal besteht etwas die Gefahr, dass die Lieder schnell langweilig werden – zumindest in ihrer Gesamtheit gesehen. Diese ähneln sich schon sehr, was wohl auch mit auf den Rhythmus und das Tempo der jeweiligen Lieder zurückzuführen ist. Einzige Ausnahme stellt dabei die letzte Nummer des Albums dar. „Six Feet Under“ klingt anders als der Rest. Etwas ruhiger, noch ein wenig melodiöser und sehr eingängig. Headbanging funktioniert hier nicht, dafür möchten die Füße unbedingt mitwippen. Ein bis zwei weiterer solcher Auflockerungen hätten der Platte vielleicht gar nicht schlecht gestan.

Fazit: Kissin’ Dynamite machen Musik für Heavy Metal Fans. Und genau diesen Heavy Metal präsentieren sie auf ihrem dritten Album „Money, Sex & Power“ absolut kompromisslos. Für Musik-Freunde, die in diesem Genre nicht so verwurzelt sind, könnte die Scheibe ein wenig langweilig klingen, da die Lieder schon alle sehr ähnlich aufgebaut sind. Allerdings bleibt das letztendlich alles Geschmackssache. Sicherlich kein schlechtes Album. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Club 27, Six Feet Under



Dienstag, 4. April 2017

Beady Eye – Different Gear, Still Speeding




Beady Eye – Different Gear, Still Speeding


Besetzung:

Liam Gallagher – vocals
Gem Archer – lead guitar
Andy Bell – rhythm guitar, bass
Chris Sharrock – drums


Gastmusiker:

Victoria Akintola – backing vocals on "Bring The Light" and "Kill Sor A Dream"
Nomvula Malinga – backing vocals on "Bring The Light" and "Kill Sor A Dream"


Label: Beady Eye Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Four Letter Word (4:17)
2. Millionaire (3:19)
3. The Roller (3:34)
4. Beatles And Stones (2:56)
5. Wind Up Dream (3:27)
6. Bring The Light (3:39)
7. For Anyone (2:15)
8. Kill For A Dream (4:39)
9. Standing On The Edge Of The Noise (2:52)
10. Wigwam (6:39)
11. Three Ring Circus (3:09)
12. The Beat Goes On (4:45)
13. The Morning Son (6:03)

Gesamtspieldauer: 51:49




„Different Gear, Still Speeding“ heißt das Debut-Album der englischen Rock Band Beady Eye. Veröffentlicht wurde es am 28. Februar des Jahres 2011 auf dem eigenen Label Beady Eye Music. Liam Gallagher wollte es noch einmal wissen, nachdem Oasis zerbrochen war und er sich endgültig mit seinem Bruder Noel zerstritten hatte. Doch Noel Gallagher war eben für die ganzen Hits von Oasis zuständig, wohingegen Liam erst auf den späteren Platten überhaupt als Songschreiber in Erscheinung trat. Konnte das gut gehen? Nun, aber Beady Eye ist eben nicht nur Liam Gallagher, sondern auch die anderen Musiker von Oasis, nämlich Gem Archer, Andy Bell sowie Chris Sharrock, haben sich hier mit eingefunden. Und auch alle Lieder sind eine Gemeinschaftskomposition von Liam Gallagher, Gem Archer und Andy Bell.

So legt man „Different Gear, Still Speeding“ auf, hört gespannt zu und man kann nicht verleugnen, dass diese Scheibe von Beady Eye nach Oasis klingt. Das wiederum liegt nicht nur am Gesang des Liam Gallagher, der dafür allerdings natürlich trotzdem eine große Rolle spielt. Doch, Beady Eye klingen wie Oasis, zumindest sehr ähnlich. Allerdings reicht diese Band nicht an die ursprüngliche Band heran, was schlicht und ergreifend an den einzelnen Liedern liegt, welche man auf „Different Gear, Still Speeding“ zu hören bekommt. Die einzelnen Nummern haben nämlich leider nicht ganz die Qualität derer von Oasis.

Beim Hören von „Different Gear, Still Speeding“ kommt man gar nicht umhin, Vergleiche zu ziehen und dabei fällt Beady Eye eben etwas ab. Es fehlen die begeisternden Titel, die mitreißen. Zwar gibt es auch auf dieser ersten Platte von Beady Eye keine Musik zum Weglaufen und es klingt sogar alles „ganz nett“, jedoch war es das leider auch schon. Die Musik der Band läuft so durch, klingt gut, jedoch ohne jegliche Nachhaltigkeit. Wirkt mitunter austauschbar und selbst nach sehr vielen Durchlaufen haben sich die einzelnen Nummern noch nicht festgesetzt. Diese Mischung aus Pop und Rock, die immer wieder an den Brit Pop der 90er Jahre und zum Teil auch an die Beatles erinnert unterhält zwar, jedoch nur für den Moment. Es scheint fast so, als ob Noel Gallagher doch der wichtige Teil von Oasis gewesen wäre.

Fazit: Ganz nette, jedoch nicht sehr beeindruckende Musik gibt es auf „Different Gear, Still Speeding“ von Beady Eye zu hören. Jedes Lied auf der Scheibe klingt sofort beim ersten Mal des Hörens, geht anschließend allerdings gleich wieder unter. Und so hört man diese Platte mehrere Male zum ersten Mal – gibt es sicherlich auch nicht so oft. Wenn man gemein wäre, könnte man das Ganze auch mit belanglos umschreiben, etwas netter ausgedrückt heißt das dann wohl Durchschnitt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Kill For A Dream



Montag, 3. April 2017

Brandl Schmitt & Band – Polarbears Don’t Cry




Brandl Schmitt & Band – Polarbears Don’t Cry


Besetzung:

Klaus Brandl – Gesang, Akustische Gitarre, Dobro
Chris Schmitt – Harp
Helmer Körber – Fender Bass
Jürgen Klingenberg – Schlagzeug


Label: Gostenhof Basement Tapes


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Rhythm & Blues, Blues Rock


Trackliste:

1. Visions Of A. (1:32)
2. Great Western Blues (4:22)
3. Brother Gedon (1:43)
4. Time Will Tell (2:51)
5. Backdoor Boogie (2:31)
6. Waiting For A Plane (3:53)
7. Il Numero Di Treno (1:52)
8. When My Train Left Your Station (3:34)
9. Greetings From Berlin (5:06)
10. It's Not The Pale Moon (3:24)
11. Coffee & Cigarettes (4:29)
12. Polarbears Don't Cry (1:54)
13. Stay With Me, Baby (3:44)
14. Do You Really Want Me? (3:02)
15. The Very Last Steam Engine Train (2:38)
16. You Can't (4:09)
17. Visions Of A. (1:29)

Gesamtspieldauer: 52:21




Im Booklet zu dieser Scheibe ist nachzulesen, dass die Aufnahmen für dieses Album am 13. und 14. Februar 1993 in Nürnberg entstanden, als die einzelnen Lieder live vor Publikum eingespielt wurden. Dabei wird sich auch beim Publikum für die tatkräftige Unterstützung bedankt. Wer jetzt allerdings ein Live-Album erwartet, wird sicherlich überrascht sein, denn klatschendes Publikum ist zu Beginn beim Stück „When My Train Left Your Station“ zu hören, sonst jedoch überraschenderweise nicht mehr. Beim eben genannten Lied fehlt dies auch am Ende, da es seltsamerweise im Solo ausgeblendet wird. Aber es geht noch schlimmer. „Coffee & Cigarettes“ wird mittendrin ausgeblendet und dann, nach wenigen Sekunden der Stille, wieder eingeblendet. Wer auf solche Ideen kommt hat definitiv ein völlig anderes Musikverständnis als ich.

Auf „Polarbears Don’t Cry“ hört man sanften und akustischen Blues Rock, bei dem Chris Schmitts Mundharmonika immer wieder einen Auftritt hat. Alles wirkt sehr getragen, melancholisch und sehnsüchtig, sicherlich nicht ganz überraschend bei Blues Musik. Leider klingen die einzelnen Stücke jedoch auch nicht besonders interessant oder spannend. Ich habe keine Ahnung, ob das an meinem fehlenden Blues-Feeling liegt, jedoch scheint eine entsprechende innere Stimmung ganz vorteilhaft zu sein, um in dieser so traurig-tristen Musik aufgehen zu können.

Hier Höhepunkte herauszusuchen ist einigermaßen schwierig, da sich die Lieder im Stil durchaus gleichen und ähnlich sind. So vermute ich, werden einem so gut wie alle Titel gefallen, wenn man diese Art der Musik mag, man wird alle Titel lieben – außer vielleicht, dass diese aus- und eingeblendet werden an Stellen, an denen das im Grunde genommen aus musikalischer Sicht verboten sein sollte. Oder aber man kommt sowieso in Schwierigkeiten mit dieser Musik und versucht krampfhaft ein Lied zu finden, was einem besser zusagt, was in den eigenen Ohren gelungener klingt. Für mich wäre dies das bereits erwähnte „When My Train Left Your Station“, warum diese Nummer allerdings ausgeblendet wird? Irgendwie ist das musikalischer Frevel.

Fazit: Absolut nicht meine Musik dieser Blues Rock, den es auf „Polarbears Don’t Cry“ zu hören gibt. Alles was ich hier schreibe ist natürlich sehr subjektiv und nie objektiv. Ich genieße Musik, weil sie mir zusagt oder höre sie weniger bis gar nicht, wenn dies eben nicht der Fall ist. Dieses Album packt mich nicht und wenn dann auch noch Stücke ein- und ausgeblendet werden, dann schreckt das sogar irgendwie ab. Drei Punkte.

Anspieltipps: When My Train Left Your Station, You Can't



Sonntag, 2. April 2017

Fury In The Slaughterhouse – Acoustic Grand Cru Classé




Fury In The Slaughterhouse – Acoustic Grand Cru Classé


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Gero Drnek
Christian Decker
Thorsten Wingenfelder
Rainer Schumann
Christof Stein
Kai Wingenfelder


Label: SPV


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Independent Rock (akustisch)


Trackliste:

CD1:

1. Every Generation Got Its Own Disease (5:47)
2. Afternoon In The Cemetery (4:13)
3. Bar des boulistes (2:47)
4. Candle In Your Window (3:58)
5. Fly, Sadness Fly (6:13)
6. Rainy April Day (3:33)
7. Killing Fountains (3:55)
8. Trapped Today, Trapped Tomorrow (3:47)
9. Eleonore (3:27)
10. Out On The Weekend (4:35)
11. Down There (4:12)
12. Hello And Goodbye (3:30)
13. Time To Wonder (4:11)


CD:2

1. Cry It Out (3:22)
2. Dancing In The Sunshine Of The Dark (3:39)
3. Around My World In 80 Days (3:24)
4. Welcome To The Other World (4:10)
5. Nada Es (4:20)
6. Pure Love (3:49)
7. Goodbye So Long (4:54)
8. When I'm Dead And Gone (3:56)
9. Won't Forget These Days (4:43)
10. Reprise (2:58)

Gesamtspieldauer CD1 (54:14) und CD2 (39:19): 1:33:33




Im Jahr 2005 veröffentlichten Fury In The Slaughterhouse ein rein mit akustischen Instrumenten eingespieltes Doppel-Album mit dem Namen „Acoustic Grand Cru Classé“. Die Aufnahmen stammen zum größten Teil von einem Konzert am 10.12.2004 im Pavillon in Hannover. Bei ein paar Liedern hört man danach keinen Applaus, was daran liegt, dass diese einen Tag später, um die Mittagszeit, am selben Ort und mit derselben Anlage nochmals eingespielt wurden, da die Aufnahme vom Vortag nicht so klang, wie sich das die Band erhofft hatte. Das kann man alles in dem beigelegten Booklet nachlesen, genau wie den Umstand, dass sich das Fender Rhodes-Piano am Abend zum Teil verabschiedete und man die Aufnahmen mit einem nur eingeschränkt funktionstüchtigen Instrument einspielte.

Auf der ersten CD hört man eher die ruhigeren Titel, sodass diese CD den Beinamen „Rotwein-CD“ erhielt. Etwas flotter geht es dann auf der zweiten, der „Bier-CD“ zu, hier sind die Titel etwas treibender. Nun, zum einen bietet dieses Album einen schönen Überblick über das Schaffen von Fury In The Slaughterhouse, zum anderen klingt es durchaus interessant, die Lieder der Band mal in neuen Versionen zu hören. Schade ist es allerdings natürlich, dass aufgrund der schlechten Aufnahmen einige Titel ausgeblendet werden, was den „Live“-Charakter des Albums an manchen Stellen durchaus etwas zerstört, denn Publikum ist dann natürlich gar nicht mehr zu hören.

Für meine Ohren deutlich besser gelungen ist die erste, die „Rotwein-CD“. Irgendwie schaffen es die sanfteren Balladen in diesen Versionen noch mehr zu überzeugen. Auch würde ich diese Platte nicht zum Einstieg in die Musik von Fury In The Slaughterhouse empfehlen, dafür klingt das Ganze dann doch etwas zu unterschiedlich zu den Studio-Versionen der Lieder. Im Großen und Ganzen scheint mir dieses Album somit eher eines für die Fans zu sein, die diese Live-Tour 2004 miterlebt haben und die hier in alten Erinnerungen schwelgen können.

Fazit: Lediglich mit akustischen Instrumenten eingespielten, eingängigen Independent Rock gibt es auf „Acoustic Grand Cru Classé“ zu hören. Ins Ohr geht da jede Menge und es macht Spaß hier zuzuhören, wenn man auf weichen, von der Akustik-Gitarre dominierten Rock steht. Ein wenig Schade ist es, dass der Live-Charakter des Albums nicht immer deutlich wird. Ansonsten überzeugt das Gehörte auf „Acoustic Grand Cru Classé“ schon. Neun Punkte.

Anspieltipps: Afternoon In The Cemetery, Down There, Won't Forget These Days



Samstag, 1. April 2017

The Pineapple Thief – Someone Here Is Missing




The Pineapple Thief – Someone Here Is Missing


Besetzung:

Bruce Soord – guitars, vocals and programming
Jon Sykes – electric and acoustic bass guitars, backing vocals
Steve Kitch – keyboards
Keith Harrison – drums and backing vocals


Label: Kscope


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Art Rock, Alternative Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Nothing At Best (4:08)
2. Wake Up The Dead (4:23)
3. The State We’re In (3:18)
4. Preparation For Meltdown (7:27)
5. Barely Breathing (3:44)
6. Show A Little Love (3:59)
7. Someone Here Is Missing (3:52)
8. 3000 Days (6:09)
9. So We Row (8:16)

Gesamtspieldauer: 45:20




„Someone Here Is Missing“ heißt das achte Studioalbum der englischen Band The Pineapple Thief. Veröffentlicht wurde das Album im Mai des Jahres 2010 auf dem Musiklabel Kscope. Das Cover entstammt dabei den Storm Studios, den künstlerischen Studios des Storm Thorgerson, der wohl am meisten durch seine Cover der Platten von Pink Floyd und Led Zeppelin bekannt wurde.

Ein wenig klingt die Musik des Bruce Soord alias The Pineapple Thief auf „Someone Here Is Missing“ anders, als auf den bisherigen Platten der Band. Mitunter werden die einzelnen Titel mittels eines Synthesizerlaufs eingeleitet, der fast schon an Synthie Pop erinnert. Das sind allerdings nur Einleitungen beziehungsweise mal kurze Phasen in den Titeln, ansonsten hört man auch die E-Gitarre wieder verstärkt auf „Someone Here Is Missing“. Und auch wenn die Atmosphäre – wie immer bei einem The Pineapple Thief Album – eine eher melancholische bis traurige ist, so gebiert sich „Someone Here Is Missing“ doch sogar ein wenig rockiger, als so manch andere Scheibe der Band. Stellvertretend dafür sei das Lied „Preparation For Meltdown“, in dem die vier Musiker alles rauslassen, erwähnt, ohne dabei jedoch so hart wie die Kollegen von Porcupine Tree zu klingen. In diesem Titel vereinigen The Pineapple Thief das Warme, das Fordernde, das Experimentelle und das Melodiöse. Ein sehr überzeugendes Lied und mit einer der Höhepunkte auf „Someone Here Is Missing“.

Dieser eine, absolute Höhepunkt soll allerdings erst noch kommen. Ganz am Ende des Albums. „So We Row“ heißt dieser und ist eine Nummer, die sowohl ins Ohr wie auch in die Beine geht. Pineapple Thief haben hier Rhythmus und Eingängigkeit vereint, als ob diese immer und noch nebeneinander existieren könnten. Allerdings – und das darf hier auch nicht unerwähnt bleiben – bei aller Melodiösität, man benötigt mehrere Durchgänge der Scheibe insgesamt, um diese auch richtig entdecken zu können. Anders, als bei anderen Platten von The Pineapple Thief, bedarf es hier mehrerer Durchläufe, um sich richtig begeistern zu lassen. Dies gilt allerdings ausdrücklich nicht für das letzte Lied, „So We Row“, dieses entfaltet seine Faszination deutlich schneller.

Fazit: „Someone Here Is Missing“ ist ein Album geworden, welches zwischen den Extremen hin und her pendelt. Da hört man ganz kurzzeitig Synthesizer-Linien, die so auch auf der Tanzfläche hätten gestartet werden können, dann wird es wieder rockig und schließlich mündet alles in ausgedehnten, mitunter fast hypnotischen Instrumentallandschaften. Langeweile kann man The Pineapple Thief auf „Someone Here Is Missing“ schwerlich vorwerfen. Zudem besitzt die Platte auch mehrere Höhepunkte, sodass sich das Album für Freunde des Alternative Rock, die auch einen Ansatz im Art Rock zu schätzen wissen, lohnt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Preparation For Meltdown, So We Row



Freitag, 31. März 2017

Mazzy Star – She Hangs Brightly




Mazzy Star – She Hangs Brightly


Besetzung (Ohne Instrumentenangabe):

Peter Blegvad
William Cooper
Keith Mitchell
Anthony Moore
Paul Olguin
David Roback
Hope Sandoval


Label: Capitol Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Dream Pop, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Halah (3:16)
2. Blue Flower (3:35)
3. Ride It On (3:01)
4. She Hangs Brightly (6:24)
5. I'm Sailin' (3:13)
6. Give You My Lovin' (3:50)
7. Be My Angel (3:17)
8. Taste Of Blood (5:37)
9. Ghost Highway (3:28)
10. Free (3:11)
11. Before I Sleep (2:10)

Gesamtspieldauer: 41:04




„She Hangs Brightly“ heißt das Debut-Studioalbum der US-amerikanischen Band Mazzy Star. Die Platte wurde ursprünglich im Jahr 1990 auf Rough Trade Records veröffentlicht und erschien dann im selben Jahr nochmals bei Capitol Records. „Halah“, das erste Lied des Albums erschien zudem als Single und kletterte immerhin bis auf Platz #19 der Billboard Alternative Songs Charts. Auf „She Hangs Brightly“ hört man den für Mazzy Star so typischen Dream Pop, der zum Teil etwas psychedelisch angehaucht ist.

Die Lieder von Mazzy Star auf „She Hangs Brightly“ klingen allesamt sehr weich. Dabei hören sie sich allerdings auch leicht unterkühlt und ein wenig psychedelisch an. Bestes Beispiel hierfür ist auch der Titeltrack „She Hangs Brightly“. Orgel, Bass und Gitarre spielen einen in völlig andere, seltsame Welten, dazu der monotone Gesang der Hope Sandoval und fertig ist ein wahrlich psychedelisches Rock-Lied. Ich finde die häufig gezogenen Vergleiche anderer Bands zu Pink Floyd meistens nicht nachvollziehbar, in diesem Falle und bei diesem Lied passt das allerdings perfekt. Dieser Titel hätte auch auf den einer der ersten beiden Salben von Pink Floyd Platz gefunden, der Rest auf dem Album allerdings sicherlich nicht.

Ansonsten wirkt die Musik von Mazzy Star auf eine ganz eigene Art und Weise. Sie bricht nie aus, ist nicht übermäßig melodiös, an manchen Stellen klingt das sogar ein wenig monoton und so sehr unterkühlt, dass man fast schon von steril sprechen muss. Unterhalten wird man allerdings von Mazzy Star auf „She Hangs Brightly“. An manchen Stellen wird die Slide Gitarre etwas überstrapaziert eingesetzt, trotzdem gibt es kein Lied, welches man überspringen sollte, denn die Musik von Mazzy Star wirkt. Das empfand auch Kurt Cobain so, denn in seiner Liste der besten 50 Alben aller Zeiten, die er im Jahr 1993 zusammenstellte, findet sich auch „She Hangs Brightly“ von Mazzy Star.

Fazit: Sanften Dream Pop mit einem kleinen Hang hin zum Psychedelic Rock bekommt man auf dem Debut Album „She Hangs Brightly“ von Mazzy Star geboten. Die Musik wirkt zart und leicht unterkühlt, geht dabei manches Mal Wege, die ein Lied nicht mehr „radiotauglich“ werden lassen und macht den Sound von Mazzy Star dabei so unverwechselbar. Hörerinnen und Hörer, die auf unaufgeregte Musik stehen, die auch mal andere Wege sucht und geht, dürften mit dieser Scheibe viel Spaß haben. Neun Punkte.

Anspieltipps: She Hangs Brightly, Be My Angel



Donnerstag, 30. März 2017

Michael Schenker – Fest-Live Tokyo International Forum Hall A




Michael Schenker – Fest-Live Tokyo International Forum Hall A


Besetzung:

Michael Schenker – lead guitar
Gary Barden – vocals
Graham Bonnet – vocals
Robin McAuley – vocals
Steve Mann – guitar, keyboards
Chris Glen – bass
Ted McKenna – drums


Label: Inakustik


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Hard Rock, Heavy Metal


Trackliste:

CD1:

1. Intro: Searching For Freedom (3:27)
2. Into The Arena (4:46)
3. Attack Of The Mad Axeman (4:31)
4. Victim Of Illusion (4:48)
5. Cry for the Nations (5:42)
6. Let Sleeping Dogs Lie (6:23)
7. Armed and Ready (4:50)
8. Coast To Coast (4:16)
9. Assault Attack (4:23)
10. Desert Song (5:52)
11. Dancer (4:57)


CD2:

1. Captain Nemo (3:29)
2. This Is My Heart (4:46)
3. Save Yourself (6:00)
4. Love Is Not A Game (4:44)
5. Shoot Shoot (3:48)
6. Rock Bottom (15:36)
7. Doctor Doctor (5:12)

Gesamtspieldauer CD1 (54:01) und CD2 (43:38): 1:37:39




35 Jahre nach dem Konzert der Michael Schenker Group Live At The Budokan, hat Michael Schenker seine Musiker aus den 80er Jahren um sich geschart und unter dem Titel „Michael Schenker Fest - Live Tokyo International Forum Hall A“ ein Konzert gegeben, welches in Form einer Doppel-CD oder in Kombination mit einer DVD veröffentlicht wurde. Die ehemaligen MSG-Sänger Gary Barden, Graham Bonnet und Robin McAuley konnte er für dieses Projekt ebenso gewinnen, wie die Musiker Chris Glenn am Bass, Ted McKenna am Schlagzeug sowie Steve Mann am Keyboard. Chris Glenn und Ted McKenna, beide ehemalige Mitglieder der Michael Schenker Group, dürften vielen wohl auch durch ihre Beteiligung an der Sensational Alex Harvey Band ein Begriff sein.

Aufgenommen wurde „Fest-Live“ am 24. August 2016 im Tokyo International Forum Hall A und darauf hört man Hard Rock bis Heavy Metal von der Michael Schenker Group oder seinen Solo-Alben, garniert mit Titeln der Scorpions und von Ufo, bei denen er ebenfalls aktiv war. Sehr viel Nostalgie schwingt da natürlich mit, was die Herzen der langjährigen Fans der Musik von Michael Schenker natürlich höherschlagen lassen wird. Da stört es auch nicht, wenn nicht alles ganz perfekt klingt und zum Beispiel den drei Sängern schon etwas anzuhören ist, dass sie älter wurden und die Stimme dann eben nicht mehr so klingt, wie in noch jüngeren Jahren. Macht aber nichts, denn dieses Gefühl längst vergangener Tage, welches hier mit der Musik transportiert wird, gleicht dies bestens aus. Zudem merkt man diese kleinen Einschränkungen wohl auch nur sofort, wenn man mit den Original-Liedern bestens vertraut ist.

Mich kann auf „Fest-Live Tokyo International Forum Hall A“ nicht alles begeistern, da mir der Zugang zur Michael Schenker Group in den 80er Jahren völlig fehlt. Trotzdem höre ich hier gut gemachten Hard Rock, der einen immer wieder packt und an der einen oder anderen Stelle auch mitreißt. Manches Mal ist das Ganze vielleicht ein wenig zu frickelig geraten und klingt dabei ein bisschen selbstverliebt, aber wer soll diesen Musikern verdenken, dass sie sich bei einer derartigen Stimmung in der Halle auch ein wenig selbst feiern möchten und auch mit Emotionen spielen?

Fazit: Schnellen und kompromisslosen Hard Rock gibt es auf „Fest-Live Tokyo International Forum Hall A“ zu hören. Man merkt dieser Musik an, dass sie nicht in diesem Jahrzehnt entstanden ist, genau wie den Musikern, dass sie bereits eine lange Karriere hinter sich haben. Doch dies schmälert das Hörerlebnis wenig, denn bei allen hier beteiligten Musikern hört man die Spielfreude heraus, die sie bei diesem Auftritt zu haben scheinen. Mitunter klingen die Lieder in diesen Versionen ein klein wenig selbstverliebt, was nichts anderes bedeutet, als dass man sich als Hörerin oder Hörer gut in diesem musikalischen Genre wohlfühlen sollte, um hier auch jeden Akkord und Ton genießen zu können. Neun Punkte.

Anspieltipps: Let Sleeping Dogs Lie, Desert Song, Rock Bottom, Doctor Doctor



Mittwoch, 29. März 2017

Kärbholz – Überdosis Leben




Kärbholz – Überdosis Leben


Besetzung:

Torben Höffgen – Gesang
Adrian Kühn – Gitarre
Stefan Wirths – Bass
Henning Münch – Schlagzeug


Gastmusiker:

Franzi Kusche – Gast-Gesang bei „Perfekt unperfekt”
Lenny „Grinder“ Osterhus – Gast-Gesang bei „Evolution Umsonst”
Alexander Suck – Geige auf „Kind aus Hinterwald“



Label: Metalville


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. Ich hoffe du kannst mich sehen (3:11)
2. Überdosis Leben (3:48)
3. Feurräder (3:14)
4. Ich kann es nicht ändern (3:35)
5. Nur wir beide (2:57)
6. Kind aus Hinterwald (4:05)
7. Evolution umsonst (4:25)
8. Der Spiegel (2:40)
9. Perfekt unperfekt (3:11)
10. Da ist noch Leben drin (4:51)
11. Nur einen Satz (4:32)
12. Schwerelosigkeit (4:09)
13. Weck mich nicht auf (2:30)
14. In Flammen stehen (4:19)

Gesamtspieldauer: 51:34




„Überdosis Leben“ ist bereits das achte Studioalbum der deutschen Hard Rock Band Kärbholz. Am 27. Januar 2017 erschien die Scheibe auf dem Label Metalville. Auf „Überdosis Leben“ hört man überwiegend Hard Rock mit deutschen Texten. Nur ganz selten wird dabei die Musik variiert und man bekommt auch mal langsamere Passagen oder aber ein abweichendes musikalisches Genre serviert.

„Überdosis Leben“ ist ein Männeralbum mit Männermusik geworden. Dies strahlt die Scheibe mit jedem Takt und in jeder Sekunde aus. Alle nur erdenklichen Klischees werden hierbei bedient. Die vier Musiker sehen wie „harte Jungs“ aus, was man auf mehreren Bildern im Booklet und auch auf der Innenseite des Covers sehen kann. Die Musik ist eine „harte“, Hard Rock steht zuallermeist auf dem Programm. Der Gesang des Torben Höffgen klingt rau und grob, an manchen Stellen fast schon etwas gekünstelt. Und dann gibt es da noch jede Menge Texte, die das „Mann-Sein“ heroisieren und die „Gute Alte Zeit“ heraufbeschwören, als Männer noch Männer sein durften.

Und da wären wir auch bereits beim Knackpunkt des Albums. Diese Texte sind es, die hier eine ganze Menge zerstören, da sie zum Teil so flach sind, wie nur wenige Männer wirklich sein wollen. Die Musik rockt ganz gut, jedoch machen die Aussagen der Texte ganz viel kaputt. Männer werden heroisiert, bestimmte Eigenschaften werden hervorgehoben. Der Mann ist nicht perfekt, aber doch so cool und unter einer harten Schale verbirgt sich immer ein weicher Kern. Beim Titel „Perfekt unperfekt“ wird dies sogar im Duett eingesungen, da auch Frauen genau auf diese Art Mann stehen und am liebsten auch so wären „Ich sauf, ich rauch, ich auch“. Richtig krass wird es bei dem Lied „Kind aus Hinterwald“, welches dann sogar stilistisch aus dem Rahmen fällt. Hier wird nun das Landleben und die dort befindliche männliche Einwohnerschaft in eine Art und Weise in den Himmel gehoben, dass es wahrlich peinlich ist. Zu Country-Klängen wird ein Leben dort beschrieben, wie es wohl niemand haben möchte. Aber vielleicht kann ich da auch gar nicht mitreden denn die Zeile „Denn wir sind Zimmerer, Bauern, Schmiede, Mechaniker, Jäger und Dreher und Schweißer und Dachdecker“ trifft nicht auf mich zu. Umso „versöhnlicher“ ist dann die letzte Zeile des Liedes: „Droht eine Zombie-Invasion, komm lieber hier her zu uns.“ Nun, zumindest weiß ich jetzt, was ich in einem solchen Fall zu tun habe…

Fazit: Die Musik passt zum größten Teil auf „Überdosis Leben“ von Kärbholz, denn das ist Hard Rock, der ziemlich kompromisslos aus den Boxen knallt. Zwar nicht zu sehr abwechslungsreich, doch durchaus gut hörbar und auch gut gemacht. Die Texte der Band spielen allerdings mit Klischees, die mitunter schwer zu ertragen sind und einen das ein oder andere Mal kopfschüttelnd, dann wieder lächelnd, ob so viel Quatsch, zurücklassen. Leider wirkt es immer so, dass die vier Musiker das ganz ernst meinen. Kärbholz machen hier Männermusik mit Männertexten für den wahren Mann. Wer damit nicht klarkommt, soll eben einfach etwas anderes hören oder sich ein Kleid anziehen. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Ich hoffe du kannst mich sehen, In Flammen stehen



Dienstag, 28. März 2017

Brian Eno – Here Come The Warm Jets




Brian Eno – Here Come The Warm Jets


Besetzung:

Eno – vocals, synthesizer, guitar, keyboards, treatments, instrumentation


Gastmusiker:

Chris "Ace" Spedding – guitar on tracks 1 and 2
Phil Manzanera – guitar on tracks 1, 2 and 4
Simon King – percussion on tracks 1, 3, 5 to 7 and 10
Bill MacCormick – bass guitar on tracks 1 and 7
Marty Simon – percussion on tracks 2 to 4
Busta Jones – bass guitar on 2, 4, 6 and 8
Robert Fripp – guitar on 3, 5, and 7
Paul Rudolph – guitar on tracks 3 and 10, bass guitar on tracks 3, 5 and 10
John Wetton – bass guitar on tracks 3 and 5
Nick Judd – keyboards on tracks 4 and 8
Andy Mackay – keyboards on tracks 6 and 9, saxophone septet on track 9
Sweetfeed – backing vocals on tracks 6 and 7
Nick Kool & The Koolaids – keyboards on track 7
Paul Thompson – percussion on track 8
Lloyd Watson – slide guitar on track 9
Chris Thomas – extra bass guitar on track 2, mixing


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Art Pop, Glam Rock


Trackliste:

1. Needles In The Camel's Eye (3:11)
2. The Paw Paw Negro Blowtorch (3:05)
3. Baby's On Fire (5:19)
4. Cindy Tells Me (3:25)
5. Driving Me Backwards (5:12)
6. On Some Faraway Beach (4:36)
7. Blank Frank (3:37)
8. Dead Finks Don't Talk (4:19)
9. Some Of Them Are Old (5:11)
10. Here Come The Warm Jets (4:04)

Gesamtspieldauer: 42:02




„Here Come The Warm Jets“ ist das erste Solo-Album des Engländers Brian Eno, welches ursprünglich im Januar des Jahres 1974 auf dem Label Island Records veröffentlicht worden war. Der musikalische Stil auf „Here Come The Warm Jets“ bewegt sich hauptsächlich zwischen den Genres Glam Rock und Art Rock, wobei auch sehr experimentelle Ausflüge immer wieder in die Lieder des englischen Musikers mit einfließen. Zur Umsetzung seiner Ideen hat Brian Eno einige bekannte Musiker gewinnen können. So hört man hier John Wetton und Robert Fripp von King Crimson, Simon King von Hawkwind, Bill MacCormick von der Band Matching Mole, Paul Rudolph von Pink Fairies sowie Chris Spedding und alle Mitglieder von Roxy Music mit Ausnahme von Bryan Ferry.

Die Musik auf „Here Come The Warm Jets“ klingt durchaus etwas avantgardistisch, wodurch die Überschrift „Art Rock“ nochmals mit unterstrichen wird. Immer wieder mal klingen die Lieder etwas schräg, scheinen irgendwie abzudriften, um dann allerdings doch wieder in einen harmonischen Part zu münden. Wenn es melodiöser wird, hören sich die Lieder des Brian Eno auch sehr viel poppiger an und zwar in einer Art und Weise, die gar nicht in die frühen 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zu passen scheint. Nichts klingt hier antiquiert oder angestaubt, Brian Enos Musik hört sich auf „Here Come The Warm Jets“ so an, wie viele Musiker viele Jahre später klingen wollten.

Trotzdem ist das auch keine ganz leichte Kost, die man mit diesem Album vorgesetzt bekommt. Zudem bedarf es auch mehrerer intensiver Durchläufe der Scheibe, bis man sich die einzelnen Lieder besser erschlossen hat. Menschen, die am liebsten Musik aus dem Radio konsumieren, wird dies wahrscheinlich sogar überhaupt nicht gelingen. Mich reißt das Album auch nicht immer restlos mit. Manches darauf ist für meine Ohren ein wenig zu schräg, will einfach nicht richtig klingen. Aber es gibt auch für mich die wahrlich gelungenen Momente auf „Here Come The Warm Jets“. Am meisten beeindruckt mich „Dead Finks Don't Talk“. Tolle Melodie, schöner, irgendwie groovender Rhythmus und dazu eine etwas verschrobene Stimmung, die das Lied zu etwas Besonderem werden lässt. Dazu gesellt sich noch ein Abschnitt, der den Vorläufer des Rap darstellt. Nun, da behaupte mal jemand, Brian Eno sei nicht innovativ. Wer auf Eingängigkeit steht, wird diese Nummer lieben – auch wenn deren Ende alles andere als melodiös ist.

Fazit: Art Rock gepaart mit etwas Glam Rock und einigen experimentellen Einfällen gibt es auf „Here Come The Warm Jets“, dem ersten Solo-Album des Brian Eno zu hören. Nicht alles darauf geht sofort ins Ohr, manches sogar überhaupt nicht, allerdings ist die Musik auf der Scheibe immer überaus spannend und hörenswert. Die Lieder des Brian Eno sind auf „Here Come The Warm Jets“ weit davon entfernt im Mainstream zu münden, weisen neben den etwas schrägeren Abschnitten doch immer wieder auch sehr melodiöse Parts auf. Für Abwechslung ist immer gesorgt. Neun Punkte.

Anspieltipps: On Some Faraway Beach, Dead Finks Don't Talk, Some Of Them Are Old



Montag, 27. März 2017

July Talk – July Talk




July Talk – July Talk


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Peter Dreimanis
Leah Fay
Josh Warburton
Ian Docherty
Danny Miles


Gastmusiker (ohne Instrumentenangabe):

Eamon McGrath
Alex Bonenfant
Patrick Greenaway
Thomas D’Arcy
Norah Sadava


Label: Sleepless Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. The Garden (2:49)
2. Guns + Ammunition (3:04)
3. Paper Girl (3:20)
4. Headsick (2:40)
5. Gentleman (3:21)
6. Blood + Honey (2:57)
7. Summer Dress (3:00)
8. Don't Call Home (3:59)
9. Uninvited (2:47)
10. Someone (2:17)
11. Let Her Know (3:30)
12. I've Rationed Well (2:16)

Gesamtspieldauer: 36:06




July Talk ist eine kanadische Alternative Rock Band aus Toronto, die sich im Jahr 2012 gegründet hat. Fünf Musiker bilden das Line-Up von July Talk. Das wären die Sängerin und der Sänger Leah Fay sowie Peter Dreimanis, Gitarrist Ian Docherty, Bassist Josh Warburton und der Drummer Danny Miles. Im Booklet zum Album werden allerdings nur die Namen der Mitglieder aufgeführt, nicht, wer hier welches Instrument spielt. Gleiches gilt für die Gastmusiker. Dieses selbstbetitelte Debutalbum „July Talk“ wurde am 16. Oktober 2012 auf dem Label Sleepless Records veröffentlicht.

Die Musik der Band lebt ganz klar von den Gegensätzen. Und diese manifestieren sich ganz klar in der Sängerin Leah Fay sowie im Sänger Peter Dreimanis. Klingt sie sanft und weich, fast ein wenig unschuldig, so ist die Stimme Peter Dreimanis‘ rau und tief und fast schon ein wenig dreckig. In den Liedern werfen sie sich die Bälle perfekt zu, wechseln sich so ab, sodass immer eine gewisse Spannung entsteht. Die Lieder sind rockig und treibend, allerdings weit davon entfernt mit „Hard Rock“ umschrieben werden zu können. Das klingt wirklich alles sehr gut, geht ins Ohr und es macht einfach Spaß hier zuzuhören.

Die Höhepunkte der Scheibe befinden sich gleich zu Beginn des Albums mit den beiden Titeln „The Garden“ sowie „Guns + Ammunition“. Im weiteren Verlauf der Scheibe können auch noch „Someone“ und schließlich ebenso die letzte Nummer der Platte, „I've Rationed Well“, absolut überzeugen. Wahrlich alles schöne Alternative Rock Lieder, allesamt sehr melodiös und sofort ins Ohr gehend. Natürlich absolute Geschmackssache, welchen der Titel man hier für sich als seinen Favoriten herauspickt, denn eines lässt sich auch feststellen, dass es hier nämlich keine „Zweitware“ mit auf das Album geschafft hat. Soll heißen, alle Lieder können überzeugen. Ausfälle gibt es auf „July Talk“ keine zu verzeichnen.

Fazit: Eine schöne und spannende Platte ist „July Talk“ von July Talk geworden. Die Lieder sind eingängige Alternative Rock Stücke, die vom Wechselgesang der Leah Fay sowie des Peter Dreimanis leben. Zum einen weich und zart klingend, zum anderen hart und kräftig, ist dieser perfekt abgestimmte Gesang das Erkennungsmerkmal der Musik von July Talk schlechthin. Ein Album, welches Spaß macht. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Garden, Guns + Ammunition, Someone, I've Rationed Well



Sonntag, 26. März 2017

Brand New – The Devil And God Are Raging Inside Me




Brand New – The Devil And God Are Raging Inside Me


Besetzung:

Jesse Lacey – vocals, rhythm guitar
Vincent Accardi – lead guitar, backing vocals
Garrett Tierney – bass
Brian Lane – drums, percussion
Derrick Sherman – keyboards, rhythm guitar, backing vocals


Gastmusiker:

Irina Yalkowsky – theremin on "Luca"
Ron Piscitello – percussion
Brent Arnold – cello on “Handcuffs”
Margaret White – viola


Label: Interscope Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Sowing Season (4:31)
2. Millstone (4:16)
3. Jesus (5:18)
4. Degausser (5:32)
5. Limousine (MS Rebridge) (7:42)
6. You Won't Know (5:42)
7. Welcome To Bangkok (3:05)
8. Not The Sun (3:09)
9. Luca (5:08)
10. -- (2:04)
11. The Archers Bows Have Broken (4:14)
12. Handcuffs (4:10)

Gesamtspieldauer: 54:57




Brand New ist eine Alternative Rockband aus Long Island, New York, die im Jahr 2000 gegründet wurde. Ihr drittes Studioalbum mit dem etwas ausladenden Namen „The Devil And God Are Raging Inside Me“ erschien am 21. November 2006 auf dem Musiklabel Interscope Records. Darauf zu hören gibt es zumeist im Mid-Tempo angesiedelten Alternative Rock, bei dem die Melodie zu allermeist im Zentrum steht.

Bei Kritikern und Fans gilt die Scheibe nicht nur als die beste, die Brand New jemals veröffentlichten, für viele Musikjournalisten ist das Album sogar eines der besten Alternative Rock Scheiben der ganzen Dekade. Vorherrschende Themen auf „The Devil And God Are Raging Inside Me“ sind Tod und Krankheit. Dabei ist die Platte Robert Sherman, Red Lacey, Leo Lacey, Bill und Virginia Sherman, James McAuliffe, Rosemary Kancelerski, Frances Ambrosio, Manfred Cardone III, Sid Rosen, Seymour Lane, Michelle Lane, George Moe, Alexander Lambros sowie Omir Ortega und all den anderen gewidmet, die zwischen Beginn und Fertigstellung der Scheibe verstarben. Weiß man dies alles, so ist die Grundstimmung des Albums auch nicht weiter überraschend, denn diese ist eine eher traurige bis nachdenkliche, ohne dabei jedoch zu sehr in allzu düstere Strukturen einzutauchen.

Die einzelnen Lieder wissen zu packen und gehen größtenteils sehr schnell ins Ohr. Alternative Rock, abwechslungsreich und melodiös, zumeist im mittleren Tempo angesiedelt, der aber auch kleinere Ausflüge an die etwas experimentelleren Grenzen des Genres wagt. Höhepunkte gibt es einige auf „The Devil And God Are Raging Inside Me“. In meinen Ohren stellen dies die drei Lieder „Sowing Season“, „Degausser“, „You Won't Know“ sowie „Luca“ dar. Alles drei rockige Nummern, die sehr schnell zünden und auch längerfristig hängenbleiben. Über diesen schwebt ebenfalls so ein wenig diese traurige Stimmung, die das Hörerlebnis noch ein wenig intensiver werden lässt. Dass die fünf Musiker allerdings auch anders können, zeigen sie mit dem Titel „Welcome To Bangkok“, der in Atonalität zu explodieren scheint. Aber auch das trägt zu der Vielfalt dieser Scheibe bei, genau wie das eher wie eine Klangkollage angelegte, unbetitelte neunte Lied des Albums. Beide Nummern wirken hier keineswegs deplatziert, sondern erweitern das gesamte Spektrum von „The Devil And God Are Raging Inside Me“.

Fazit: „The Devil And God Are Raging Inside Me“ ist für all diejenigen eine tolle Platte geworden, die Alternative Rock mögen. Die Lieder gehen ins Ohr, sind abwechslungsreich und man hat niemals das Gefühl, dass sich hier der ein oder andere „Lückenfüller“ mit auf das Album geschlichen hat. Die Stimmung des Albums ist größtenteils eine eher traurige, wobei Texte über Krankheit und Tod musikalisch gut umgesetzt werden. Meistens befinden sich die Lieder im mittleren Tempo, jedoch wird hier auch ordentlich gerockt. Eine schöne Vielfalt auf einem gelungenen Album. Elf Punkte.

Anspieltipps: Sowing Season, Degausser, You Won't Know, Luca



Samstag, 25. März 2017

The Jack Rubies – See The Money In My Smile




The Jack Rubies – See The Money In My Smile


Besetzung:

Ian Wright – lead vocals, guitars, keyboards, whistle
SD Ineson – backing vocals, guitars, keyboards, harmonica
Steve Brockway – bass, guitar, keyboards
Lawrence Giltnane – assorted percussion
Max – the drums


Gastmusiker:

Andrew Fryer – hammond organ on “I Saw The Glory”


Label: TVT Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Mona Lisa (2:49)
2. Baby Fire (1:53)
3. Good Morning Heartache (3:04)
4. A Walk Down Any Street (3:09)
5. Beautiful Joe (3:03)
6. Lost In The Crowd (3:05)
7. Crazy Letter (3:01)
8. Beautiful Joe‘s Bad Dream (2:53)
9. Calamity Jane (3:20)
10. Book Of Love(3:28)
11. Western Sky (3:20)
12. Tijuana Bible (3:15)
13. I Saw The Glory (4:11)
14. [Untitled] (0:08)
14. Bullfighters‘ Disco (3:02)

Gesamtspieldauer: 43:46




The Jack Rubies gründeten sich im Jahr 1987 in London und brachten insgesamt zwei Studioalben heraus. „See The Money In My Smile“ ist dabei die zweite Scheibe und erschien 1990 auf dem Label TVT Records. Darauf zu hören gibt es eine Pop-Rock-Mischung, die es darauf anlegt, möglichst schnell und einfach ins Ohr zu gehen.

Nun, die Jack Rubies präsentieren ihren Hörerinnen und Hörern auf „See The Money In My Smile“ zwar keine Musik zum Weglaufen, allerdings ist das ganze Album von vorne bis hinten angefüllt mit vierzehn Titeln zum Einschlafen. Dieser poppige Rock oder rockige Pop, wie immer man das Ganze auch bezeichnen möchte, ist absolut oberflächlich und besitzt an keiner Stelle auch nur den minimalsten Ansatz, Spannung aufkommen zu lassen oder etwas länger im Ohr zu verbleiben.

Das klingt alles durchaus melodiös, was man hier zu hören bekommt, geht jedoch zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr wieder hinaus. Zu einfach ist das alles angelegt, als dass man sich hier begeistern lassen könnte. Auch bei den Musik-Konsumenten hielt sich der Erfolg der Band wohl in Grenzen, denn nach dieser Scheibe ging es nicht mehr weiter für die Jack Rubies.

Fazit: Ein gutes Beispiel für absolut nichtssagende Musik ist das Album „See The Money In My Smile“ von den Jack Rubies. Hier klingt nichts schlecht oder quer, alles ist ziemlich geradlinig und auf den Massenmarkt ausgerichtet. Dabei fehlt allerdings jegliches Spannungsmoment. Auch nach vielen Anläufen und Anhören der Scheibe, wird die Musik darauf leider nicht interessanter. Langweiliger Pop-Rock. Vier Punkte.

Anspieltipps: Lost In The Crowd, Beautiful Joe‘s Bad Dream



Freitag, 24. März 2017

Die Fremden – Dilemma




Die Fremden – Dilemma


Besetzung:

H.C.G.B. – Bass
Snorre Schwarz – Schlagzeug
Wolf – Gitarre
Diva – Gesang, Gitarre


Gastmusiker:

Gunter Hampel – Bariton-Saxophon auf „Das Meer”


Label: Day-Glo Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Rock


Trackliste:

1. Du (5:03)
2. Der Tanz (3:03)
3. Der Irre (3:38)
4. Flammendes Herz (4:00)
5. Spiegel (2:59)
6. König (5:50)
7. Die Träne Des Baumes (2:41)
8. 1994 (3:32)
9. Wo Sind Wir Jetzt (3:30)
10. Das Diadem (4:50)
11. Schauinsland (3:05)
12. Das Meer (8:13)

Gesamtspieldauer: 50:31




Die Fremden war eine deutsche Rock Band, die in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts zwei Studioalben veröffentlichte. „Dilemma“ heißt dabei die zweite Scheibe dieser sehr kurzen Reihe und erschien im Jahr 1995 auf dem Label Day-Glo Records.

Es ist immer wieder interessant Musik von Bands zu hören, denen der Durchbruch nicht gelungen ist und man sich automatisch die Frage stellt, warum es mit der erfolgreichen Karriere nicht klappte. Es scheint sehr viel Glück dazu zu gehören, denn musikalisch überzeugen Die Fremden auf ihrem Album „Dilemma“ durchaus und es wird kein Punkt, kein Ton, kein Akkord offensichtlich, welcher dieser Band den etwas größeren Erfolg versagte.

Auf „Dilemma“ hört man Rock Musik in deutscher Sprache, die zwar nicht in jedem der zwölf Titel absolut überzeugt, insgesamt jedoch durchaus. Die Grundrichtung der Scheibe ist also der Rock, dazu gibt es Ausschläge in weitere Richtungen der populären Musik. Diese reichen von Punk auf der einen Seite bis fast hin zur Liedermacher-Musik – zumindest textlich, aber auch nicht nur dort. Wahrlich ein breites Repertoire, was uns Die Fremden hier auf „Dilemma“ servieren, jedoch ist der Name des Albums keinesfalls ein Omen. Vielmehr trägt diese musikalische Vielfalt dazu bei, dass die Scheibe immer spannend bleibt und niemals langweilig klingt.

Besonders überzeugend klingen auf „Dilemma“ das wahrlich melodiöse, rockige und sehr eindringliche „König“. Eine tolle Nummer, die ins Ohr geht, sich steigert, dabei immer wieder mit neuen Nuancen aufwartet und den Höhepunkt der ganzen Scheibe darstellt. Und schließlich ist da noch das letzte Lied der Platte, „Das Meer“. Ein Lied, sehr viel langsamer als der Rest des Albums, sanft, nachdenklich und getragen und mit einem sehr langen Solo ausklingend, welches durch ein Saxophon dominiert wird. Hier klingen Die Fremden auch ein wenig schräg und experimentell, was die Vielfalt dieser Scheibe nochmals heraushebt.

Fazit: Sehr viel Abwechslung bekommt man auf „Dilemma“ von der Band Die Fremden geboten. Deutsche Rockmusik gibt es hier zu hören, die sich verschiedenen Grenzen nähert und diese auch manchmal überschreitet. Nicht alles zieht einen dabei direkt in den Bann, vieles jedoch klingt auf diesem Album überzeugend. Das ist natürlich kaum radiotaugliche Musik und schon gar nichts daran klingt nach 08/15. Vielleicht war das der Grund, warum sich Die Fremden nicht durchsetzen konnten. Ein wenig mehr Zuhörerinnen und Zuhörer hätten sie definitiv verdient gehabt. Acht Punkte.

Anspieltipps: König, Das Diadem, Das Meer



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